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Brautjungfern versagten und allen Dienstboten überhaupt

oder Kellern ausserhalb ihrer Herrschaften Häuser verbotenfolglich

das Innehaben von Kammern

dies alles den

übrigen Stadtbewohnern gestatteten. Bildeten auch die Arbeitsleute und Träger einen

bestimmten Berufsstand, so fand ihre Organisation auf beruflicher Grundlage

verhältnismassig spät statt. Voraus ging die Organisation

doch erst

auf kirchlicher Grundlage,

indem sich anscheinend zuerst die Bierträger von der allgemeinen Gruppe der Losträger

und Arbeiter abzweigten und 1386 eine eigene geistliche Bruderschaft oder Kompagnie

mit Altar und Vikārie in der Jakobikirche und regelmässigen „Trünken" stifteten J) . In

dieser kirchlichen Gründung der Bierträger kommt aber zugleich die schon vorher

gewiss

bestehende und immer noch zunehmendeberufliche Differenzierung des Transportarbeiter-

gewerbes zum Ausdruck. Dem entsprach es, dass im Jahre 1450 auch die Losträger

ihre eigene Gilde mit Altar und Vikārie in St. Peter begründeten

und im Jahre 1463

endlich auch die Ligger oder Arbeitsleute diesem Beispiel folgten 8

). Jeder Arbeitsmann

durfte nur in einer dieser drei Organisationen Mitglied sein, und sie monopolisierten das

Transportgewerbe, indem kein andrer, als nur Bierträger, sich mit Bier- und Weintransport

befassen, keiner, der nicht Mitglied der Losträgergilde war, „mit dem Helfer zur Arbeit

gehn noch Güter auf dem Strande bei den Schiffen laden durfte", während den Liggern

bestimmte andere Transporte und Arbeiten vorbehalten waren; doch erwiesen sich im

16. Jahrhundert Losträger

und Ligger oder Arbeitsleute wieder als fast zusammenfallende

Berufe, bis die ersteren von den Salzträgern abgelöst wurden. Bier- und Losträgergilde

verlangten von ihren Mitgliedern die Erwerbung des Bürgerrechts. Der Stadtmagistrat

selbst hat nachmals die Trägergilden in eine Art von Ämtern umgewandelt,

weil feste

Organisationen erprobter Arbeiter dem Handel von Nutzen waren, aber diese Ämter der

Träger waren nicht Handwerkerämter (Zünfte) im strengen Sinn, da die Aufnahme an

keine Probearbeit (Meisterstück) gebunden und bis ins 16. Jahrhundert die Anzahl der

Mitglieder nicht normiert war.

Zum öffentlichen Leben der Stadt standen Los- und

Bierträger (nicht jedoch die Ligger) dadurch in Beziehung, dass sie seit dem 15. Jahr-

hundert bei Feuersbrünsten, Überschwemmungen und Volksaufläufen sofort zur Hülfe-

leistung auf dem Platz sein mussten. Dies war ein Beweis des Vertrauens, das man nur

organisierten lettischen Genossenschaften entgegenbrachte,

1535 nachdrücklich verbot, dass ausser jenen noch irgendwelche

während der Rat andrerseits

andere Undeutsche sich

auf den Brandstätten zu schaffen machten. Den Bierträgern waren ausserdem merkwür-

diger Weise noch die Pflichten des Nachrichters auferlegt,

der Rat auf ewig von dieser schimpflichen Verrichtung*).

und erst 1466 befreite sie

Es gab in Riga natürlich ebenso auch deutsche Dienstboten, wie deutsche Träger

und Arbeitsleute, aber die Verhältnisse der Kolonialstadt führten von selbst dazu, dass

diese Berufe hauptsächlich

von Landeseingeborenen ausgefüllt wurden. Erstens bewähr-

ten sich die Arbeitshände vom Lande in dem viel Kraft erfordernden Transportgewerbe

am besten, zweitens konnte die verhältnismassig doch nur spärliche Einwanderung aus

Deutschland, die in die Städte überwiegend

nur Kaufleute und Handwerker führte, der

Nachfrage des städtischen Arbeitsmarktes nach Dienst- und Arbeitsleuten beiweitem nicht

genügen, wie ja schon das entgegenkommende

Verhalten der Städte zur bäuerlichen

Landflucht lehrt, endlich wurden die Letten auch infolge der Absperrung

von einer An-

zahl anderer Gewerbe in bestimmte Berufsarten gedrängt und darin festgehalten. Die

Abschliessung der meisten anderen beruflichen und kirchlichen Genossenschaften gegen

Nichtdeutsche führte nun dazu, dass die Letten sich nicht nur in einigen Berufen

») Napiersky, S. 206, 35f.; 215, 29; 226 93f.

») Stieda u. Mettig, S. 252 ff.

3

i Stieda u. S. 414 ff.; 407 ff.

Mettig,

*j Stieda u. Mettig. S. 255, 16 : 417. 30 ; 235. 7; 255, 17

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