LATVIJAS] - DSpace

dspace.lu.lv

LATVIJAS] - DSpace

95

hauptsächlich konzentrierten, sondern dass die geistlichen Bruderschaften der drei Träger-

ämter geradezu zu Sammelpunkten für die lettische Bevölkerung

gilden

der Stadt wurden ').

Im Transportgewerbe arbeiteten natürlich auch vereinzelte Deutsche, aber die Träger-

waren im 15. Jahrhundert und vermutlich schon von Anfang an lettische Genossen-

schaften. Ihre Olderleute und sonstigen Vertrauensmänner (ausser den deutschen

Schreibern) waren, soweit die Überlieferung zurückreicht, entweder nur oder doch ganz

überwiegend Letten *). Das aber ist entscheidend für den nationalen Charakter dieser

Ämter, obwohl natürlich über die Nationalität der Mitglieder

keine Vorschriften bestanden.

Etwas stärker gemischt waren die geistlichen Bruderschaften der Träger, da aus religiösen

Gründen auch Domherren, Ratsherren und viele deutsche Bürger, ebenso auch Liven,

Litauer, Russen in sie eintraten, aber die lettischen Mitglieder beider Geschlechter und

aller möglichen Berufsarten überwogen bei weitem,

und mit fortschreitender Zeit immer

mehr. Eine genaue prozentuale Statistik ist nicht möglich. Nur ein Sprachforscher könnte

die nichtdeutschen Namen mit Sicherheit auf die verschiedenen Nationalitäten verteilen"),

ausserdem aber trugen bereits viele Letten deutsche Zunamen. Aber der Einblick in die

Mitgliederverzeichnisse, die seit etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts erhalten sind, ge-

nügt doch für die Feststellung, dass sich das Gros der nichtzünftigen Rigaschen Letten

in den Trägergilden gesammelt hat. Für die Fischergilde muss die Frage offen bleiben:

anfangs war sie wohl rein livisch, aber sie ist allmählich lettisiert worden, wir wissen

nur nicht, seit wann. Die Archivalien der Bier- und der Losträger sind daher bis auf

weiteres eine Hauptquelle für die Geschichte der Rigaschen Letten. Sie führen in ihr

kirchliches und geselliges

4

Leben ein ), bieten Nachrichten über ihre ökonomischen Zu-

stände, gestatten Rückschlüsse auch auf verschiedene andere Verhältnisse, enthalten ein

überreiches lettisches Namenmaterial und geben

Gewerbeverhältnisse.

3. Als dritte Berufsart, in der sich Letten beschäftigt finden,

endlich auch Aufschlüsse über die

kommt zum Dienst-

botenstande und Transport- und Arbeitergewerbe noch das Handwerk. Da viele Ämter

spätestens seit dem 14. Jahrhundert den Nichtdeutschen verschlossen waren, so überwog

bei den Letten der nichtzünftige kleine Handwerkerstand (ohne Gesellen und Lehrlinge

u. s. w.), darunter auch solche Betriebe, die als nicht zunftmässig organisierte ihnen

offen standen, endlich verschiedene Gewerbe, die einer ursprünglich

rung am nächsten lagen und nicht eigentliche

erstgenannten Kategorie auch Vertreter gesperrter

landischen Bevölke-

Handwerke waren. Wenn sich in der

Handwerke finden, so erklärt sich das

z. T. wohl daraus, dass einwandernde Letten den auf dem Lande (oder

auch in den

kleinen Städten?) erlernten und ausgeübten Beruf 5 ) in der Stadt so gut es ging bei-

behielten. Angehörige aller jener Gewerbe oder deren Frauen finden sich, durch ihre

vom Beruf oder vom Beruf des Ehemannes hergenommenen Zunamen gekennzeichnet

in den Mitgliederlisten der Trägergilden, in denen sie ihre religiösen und geselligen Be-

dürfnisse befriedigten und somit ebenfalls als Glieder organisierter

Genossenschaften er-

scheinen. Aus den zahlreichen Spenden für die Bruderschaftsaltäre erschliesst sicr

>) Für die Oilde der Ligger ist das freilich nur nach Analogie der Bier- und Losträgergilde zu behaupten, da c-

Quellen zerstört sind.

*) Olderleute der Losträger waren bis 1460.: Jakob Trummell, Hinr. Dumpe, Clawes Purritze, Jak. Krutyn, Merte

Oarresille, zu den Ältesten gehörten damals u. a. Peter Lybete, Clavin Schapin, Gerke Latzepecke, Hinr. Süsse, J*J>

Kattite, Hans Libite, Jak. Sporwin, Merten Saghuse, Hintze Medne, Jak. Telleganen usw. Liggeroldermann war HS

Jak. Tytull. Bierträgeroldermann war 1466 Kersten Bullezabake, Beisitzer: Merten Rugien, Merten Sennet. ÜB. 12 nJ

vgl. n. 60. Stieda u. Mettig, S. 411. 256.

•) Als Llven sind Personen mit Namen wie Libets, Libete anzusprechen. Katharina lyvekoninck (1499 Schwestr

der Losträgergilde) hängt vlell. mit den sog. Kirchholmsehen „livischen zusammen. Königen" Die Zunamen LeisK

Lettow führen auf Litauer. Bei den wenigen Russen ist die Nationalität in den Bruderbüchern angegeben.

?20-13S 1900 S er C MetUg verschiedene N »chrichten zusammengestellt. Sitz.-ber. d. Oesellsch. f. Gesch. u A

•) Vgl. hierzu z. B. Stieda u. Mettig, S. 383, 2.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine