Kirche im Senegal - Missio

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Kirche im Senegal - Missio

Nr. 152/2009

Länderprofil: Senegal • Statistik • Senegals Fischer in der Krise • Islam im Sene gal •

Tabaski • Alphabetisierung Projekt Senegal: Muslime fragen – Christen antworten •

Abraham • Open your eyes Kirche im Senegal: Gregor meets Griot • Familie Gottes •

Modell Senegal Missionarische Gemeinde: Die Kirche ist ein Bus Titel, Tipps, Termine:

Materialien zum Beispielland • Senegal bei Ihnen zu Gast

SeneGaL

Modelle der „Familie Gottes“ in afrika

Das Missio-Beispielland

für Schule und Gemeinde.


Inhalt

3 Bildimpuls

LänDeRPROFIL SeneGaL

4 Einführung

7 Statistik

8 Senegals Fischer

in der Krise

10 Islam im Senegal

12 tabaski.blog

14 Alphabetisierung im Senegal

16 Missio konkret

PROjeKT SeneGaL

17 Projekt Senegal

18 Muslime fragen, Christen

antworten

20 Abraham

22 Open your eyes

KIRcHe IM SeneGaL

25 Gregor meets Griot

26 Kirche als

Familie Gottes

Claude Ozankom

28 Modell Senegal

MISSIOnaRIScHe GeMeInDe

31 Die Kirche

ist ein Bus

Benjamin Ndiaye

TITeL, TIPPS, TeRMIne

36 Senegal – bei Ihnen zu Gast

Titelbild: Ernst Zerche

Vorschau: Werkmappe 153

Monat der

Weltmission.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Schlagzeile schreibt das westlichste Land des „vergessenen Kontinents“, wenn

mit Migranten überfüllte Boote kentern. Das Wissen über die Länder, aus denen

sie kommen, ist gering. Der Senegal als Missio-Beispielland 2009/10 ist Anlass,

unsere Verantwortung gegenüber Afrika neu in den Blick zu nehmen und uns

über das Leben der Menschen im Senegal zu informieren.

Zeitgleich zur Weltbischofssynode für Afrika laden die Päpstlichen Missionswerke

im Oktober 2009, dem Monat der Weltmission, ein, die Augen für die

senegalesischen Realitäten zu öffnen, die sich oft erst auf den zweiten Blick

zeigen.

Über Probleme wird nicht gesprochen – vielleicht passen sie nicht zur hoch

gehaltenen Gastfreundschaft (Teranga). Probleme hingegen gibt es viele: Zum

Beispiel das Fischer-Sterben, die Ernährungssituation und der Analphabetismus.

Der gemeinsame Blick von Christen und Muslime auf die Nöte der Menschen

ist zentral für das „Modell Senegal“, wie im Senegal vielfach der Dialog des

Lebens bezeichnet wird. Diese modellhafte Koexistenz hat ihre Basis in der

säkularen Demokratie und in der senegalesischen Prägung des Islam, der seit

Jahrhunderten den Senegal mit 93 Prozent dominiert.

Didaktisches Ziel der Werkmappe Weltkirche ist die Auseinandersetzung als

Christ mit dem Islam. Dabei steht die Wahrnehmung des Anderen als Anderer

im Vordergrund, die unsere religiös plurale Gegenwart mehr bestimmt als alle

Formen der „vorschnellen“ Parallelisierungen und Vereinheitlichungen von

Christentum und Islam.

Das Christentum im Senegal ist jung und hat als „Auslandsseelsorge“ für die

Franzosen begonnen, ehe es sich zu einer missionarischen Kirche für alle

Menschen entwickelt hat. Den Kern bildet die kleine „Familie Gottes“, wie sich

die Kirche Afrikas selbst versteht. Die Ortskirchen im Senegal sind auf die

finanzielle Solidarität der Geschwister der weltkirchlichen „Familie Gottes“

angewiesen.

In Missionarische Gemeinde gibt Benjamin Ndiaye,

Bischof von Kaolack, Einblicke in seine pastoralen

Schwerpunkte, die auch für Österreich Impulse geben

und Perspektiven eröffnen.

Ihr

Stefan Lobnig

Impressum

FeeDBacK SeRVIce: werkmappe@missio.at MISSIO IM InTeRneT: www.missio.at

Herausgeber und Medieninhaber: Missio – Päpstliche Missionswerke in Österreich.

Redaktion: Stefan Lobnig

alle: Seilerstätte 12, 1015 Wien, Tel.: (01) 513 77 22.

Fotos: Fotos gemäß http://creativecommons.org

Herstellung: Meixner’s Medien Werkstatt, www.meixnermedia.at

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Druckkostenbeitrag: € 8, – jährlich, Einzelnummer: € 2,erscheinungsweise:

Viermal jährlich

OFFenLeGUnG IM SInne DeS MeDIenGeSeTZeS: alleineigentümer: Missio – Päpstliche Missionswerke in Österreich.

WERKMAPPE WELTKIRCHE hat sich die Information und Bewusstseinsbildung über Fragen der Weltkirche zum Ziel gesetzt.

P.b.b. Verlagspostamt 1010 Wien, Sponsoringpost GZ 02Z030313S

Yalla suma Borom,

sopp naa la ci suma xol bépp

ak cofeel gu la teg ci kaw lépp

ndége yaa di Borom mbaax gu dul jeex,

te mënla sopp ak cofeel gu dul jeex,

sopp naa it suma moroom ni suma bopp

ngir suma cofeel ci yow.

amiin

Herr und Gott,

ich liebe dich über alles

und meinen nächsten um deinetwillen.

Denn du bist das höchste, unendliche

und vollkommenste Gut,

das aller Liebe würdig ist.

In dieser Liebe will ich leben und sterben.

amen.

Weitere Gebete aus dem Senegal und Afrika unter www.missio.at/werkmappe-weltkirche

2 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 3

Bildimpuls

© Zerche/Missio


Länderprofil Senegal Länderprofil Senegal

Die Wüste ist im Norden des Senegal im Vormarsch.

Der Senegal ■ Von Stefan Lobnig

Das Klima

Der Senegal liegt in Westafrika südlich der Sahara in der

Sahelzone. In der Casamance, einer Region südlich von Gambia,

das außer einer Öffnung auf den Atlantik hin vom Senegal

umschlossen ist, ist das Klima tropisch-feucht und der

Niederschlag ist mit 1.000 mm (vgl. Österreich 1.200 mm)

doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Aufgrund dieser

Dürreperioden kann Senegal die Ernährung seiner Bevölkerung

nicht sicherstellen. Kurz vor der Erntezeit besteht

jährlich die Gefahr einer Hungersnot. Wenn die Ernte

schlecht ausfällt, kann das verheerende Folgen haben.

Immerhin sind siebzig Prozent der Erwerbstätigen im Agrarsektor

beschäftigt. Ihnen gegenüber stehen nur zehn

Prozent an Lohn- und Gehaltsbezieher, die zu neunzig

Prozent in der Hauptstadt Dakar wohnen. Auch die globale

Klimaveränderung hat große Auswirkungen auf den Senegal:

Zunehmende Ausbreitung der Wüste im Norden

und drastische Erhöhung des Meeresspiegels.

Die Fischerei

Die Bezeichnung des Staates und des gleichnamigen

Grenzflusses zu Mauretanien im Norden leitet sich von

der bedeutendsten Umgangssprache, dem Wolof ab:

„Sunugal“ bedeutet „Unser Boot“. Die „Piroge“ ist das

typische Boot – in Form eines „Einbaums“. Täglich fahren

die Fischer der 530 km langen Küstenregion aufs Meer.

Doch seit europäische und internationale „Tanker“ an der

Grenze zwischen dem internationalen Gewässer und dem

senegalesischen Hoheitsgewässern das Meer „leer“ fischen,

ist der Ertrag aus dem Fischfang drastisch gesunken.

Die Überfischung führt zu Arbeitslosigkeit und Emigration.

In Pirogen verlassen daher Senegalesen ihre

vertrauten Sandstrände, um ins Ungewisse zu emigrieren.

Die jungen Senegalesen hoffen in Europa auf ein einfacheres

Leben. Dass auf diesem Weg viele ertrunken sind,

hindert sie nicht daran, viel Geld zu zahlen, um sich nach

Europa verschleppen zu lassen.

Die Franzosen

Unter den Franzosen, die 1626 im Senegal eintrafen, wurde

die Stadt Saint Louis zur Hauptstadt von ganz Westafrika.

Die Verbindung der Staaten Westafrikas untereinander

zeigt sich noch heute in der gemeinsamen französischen

Amtssprache und in der bestehenden Währungsunion

(UEMOA). Dass der Senegal mit dem Export von „Erdnüssen“

in Verbindung gebracht wird, hat weniger mit dem

Land selbst zu tun, als mit der Politik der französischen

Kolonisatoren, die „ihren“ Ländern Exportschwerpunkte

oktroyierten. Die einseitige Spezialisierung führt heute zu

erheblichen Problemen, da so ein gewichtiger Wirtschaftszweig

von den Welt-Erdnuss-Preisen abhängig ist.

Die Sklaverei

Die Franzosen waren nicht die ersten Kolonisatoren. Bereits

1444 nahmen die Portugiesen eine kleine Insel bei

Auf der Sklaveninsel Goreé befindet sich heute eine Gedenkstätte.

© Missio/Zerche

© Missio/Zerche

Dakar ein. Als die Holländer die Insel übernahmen, gaben

sie ihr den Namen „Goreé“. Von den Franzosen und Briten

wechselweise übernommen, wurde sie zum zentralen Verschiffungsplatz

afrikanischer Sklaven ausgebaut. Erst

1848 wird die Sklaverei verboten. Papst Johannes Paul II.,

der 1992 den Senegal besuchte, sprach auf Goreé von

einem „Drama der Zivilisation, die sich christlich nannte.“

Er erinnerte, dass bereits Papst Pius II. den Sklavenhandel

1462 als „großes Verbrechen“ verurteilt und „um die Vergebung

des Himmels“ gefleht hatte.

Der Islam

Der Islam hat oft als Kämpfer auf Seiten der Unterdrückten

gegen die Kolonisatoren an Popularität gewinnen können.

Denn obwohl seit dem 11. Jahrhundert islamische

Herrscher die Region regierten, hatte sich der sunnitisch

geprägte Islam lange nicht in der Bevölkerung festgesetzt.

Ein Koranschüler mit einer Holztafel, auf die Koranverse geschrieben

werden.

Dass es heute 93 Prozent Muslime gibt, ist auch ein Erfolg

der Bruderschaften, die im Senegal eine hohe gesellschaftliche

Bedeutung haben. Die größten Gruppen sind zum

einen die Mouriden, die von Mamadou Bamba Mbacke

(1853–1927) in Touba gegründet wurden und zum anderen

die Tidjani, die von Ibrahim Baye Niass (1900–1975) in

Kaolack geprägt wurden. Die geistlichen Führer werden

„Marabouts“ genannt. In der säkularen Demokratie Senegals

haben sie keine politischen Funktionen, aber üben

indirekt großen Einfluss auf den Staat aus, der auf die

Einheit des Landes mit seinen unterschiedlichen Ethnien

und Sprachen sehr bedacht ist. Ein interessantes Detail am

Rande: Der erste Präsident des seit 1960 unabhängigen

Staates Senegal, war Leopold Senghor, ein Katholik.

Die Bildung

Die traditionelle Ausbildung der männlichen Kinder geschieht

in den Koranschulen. Während sie den klassischen

Fächerkanon ignorieren, vermitteln sie eine ganzheitliche

Einführung in das muslimische Leben. Die Kinder sind

Jünger [Talibé] des Lehrers [Marabout]. Zu dieser Bildung

gehört auch die Erfahrung der „Verwiesenheit“ auf andere

Menschen, die durch das Betteln erfahren und eingeübt

werden sollte. Aufgrund der gegenwärtigen, schwierigen

ökonomischen Situation ist das Betteln zu einem menschenunwürdigen

Missbrauch der Kindheit verkommen

– weit entfernt von einer spirituellen Übung. Muslimische

und christliche NGOs widersetzen sich dem „blinden“ und

„tauben“ religiösen Establishment und sorgen für Essen,

Kleidung, Hygiene und Gesundheit der Kinder.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass traditionelle Koranschulen

ihren Schülern nicht das notwendige Rüstzeug

vermitteln, um der Herausforderung eines eigenständigen

Lebens im 21. Jahrhundert gewachsen zu sein. Die Förderung

von arabisch-französischen Schulen ist eine Option

die Tradition mit den Erfordernissen in Einklang zu bringen.

„Französisch“ ist zwar die Sprache der Kolonisatoren,

aber auch die Chance für einen sozialen Aufstieg. In Summe

muss der Staat gegen eine Analphabetenquote von 61

Prozent (2004) ankämpfen. Die katholische Kirche ist

dabei ein Partner, der versucht mit Schulen für Christen

und Muslime diesem Problem entgegenzuwirken.

Das christentum

Die Rolle der Kirche im Senegal begann als „Auslandseelsorge“,

als pastorale Betreuung der Beamten und Händler

der französischen Kolonie. Nur langsam entwickelte sie

sich zu einer senegalesischen Kirche, zu der heute zwischen

fünf und sieben Prozent der Bevölkerung gehören.

Der „universale Solidaritätsfond“ der Päpstlichen Missionswerke,

der aus der Sammlung am Weltmissions-Sonntag

gespeist wird, ist überlebensnotwendig für die Grundversorgung

der Kirche vor Ort. Bischof Benjamin Ndiaye

braucht das Geld etwa, um für seine Gemeinde ein Gotteshaus

errichten zu können.

4 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 5

© Missio/Zerche

Die kleine Kirche des Senegal lebt als „Familie Gottes“.

© Missio/Zerche


Länderprofil Senegal

Die Familie

Fast vierzig Jahre leitete Erzbischof Hyacinthe Thiandoum

(1921–2004) die Erzdiözese Dakar. Bereits im Zweiten

Vatikanischen Konzil setzte er sich für die in Afrika so

bedeutende Kategorie der Familie als Bild für die Kirche

ein. Die Kirche versteht sich heute nicht nur in Afrika, als

„Familie Gottes“.

Dass die Familie eine große Bedeutung hat, ist allgegenwärtig.

Selbst die Zahl der Katholiken wird in der Anzahl

der Familien angegeben.

Die Familie ist entscheidend für das Gelingen des „Dialogs

des Lebens“ zwischen Muslimen und Christen. Viele Fa-

Geschichte Senegals

ca. 470 Bc Der karthagische Admiral Hanno erreicht

den Senegal-Fluss.

6. jh. Wolof und Serer besiedeln den Senegal.

8.–11. jh. Ghana-Reich

9. jh. Tukulor lassen sich im Tal des Senegal-Flusses nieder.

10.–11. jh. Reiche der Almoraviden

12.–13. jh. Wolof-Königreich

1240 Mali-Reich

1444 Handelsniederlassung der Portugiesen auf der Insel Gorée.

1617 Niederländische Kolonie

1626 Französische Kolonie

1638 Gründung von Saint Louis

1693 Britische Besatzung

1840 Export von Erdnüssen

1848 Vertreter des Senegal in der französischen Nationalversammlung

1848 Ende der Sklaverei

1857 Gründung von Dakar (1895 Hauptstadt)

1914 Blaise Diagne wird der erste schwarzafrikanische Vertreter

in der französischen Nationalversammlung

1916 Französische Bürgerrechte für die Stadtbevölkerung.

1917–18 Zwangsrekrutierung für den Ersten Weltkrieg

1960 Unabhängigkeit von Frankreich

1961–80 1. Präsident Leopold Sédor Senghor

1981 Senegalesischer Putsch in Gambia

1982–89 Konföderation mit Gambia

1989–92 Grenzkonflikt mit Mauretanien

1990 Beginn des Konfliktes mit den Separatisten in der

Casamance.

1997–2000 Beteiligung an UN-Einsätzen

2001 Neue Verfassung

2004 Abschaffung der Todesstrafe

© Missio/Zerche

Der Muslim Baye Diouf hat

den Aufbau einer christlichen

Krankenstation im

Ort unterstützt.

milien, und dazu zählen nicht nur die Eltern und Geschwister,

haben in ihrer Verwandtschaft Christen. Gegen das

eigene Blut kann kein Senegalese religiöse Vorbehalte

haben. So erzählt der Muslim Baye Diouf humorvoll: „Wir

sind eine Familie: Ich bin Muslim, er ist Kardinal.“ Schwieriger

ist die Situation jedoch für Menschen, die in einer

homogenen, muslimischen Familie ihren Glauben an Jesus

Christus bekennen und leben wollen. Das ist oft eine Entscheidung

gegen die Familie und hat zur Konsequenz, die

Familie verlassen zu müssen.

Das Modell Senegal

Grundsätzlich sind die Senegalesen stolz auf ihr friedliches

Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen. Sie

bezeichnen es als „Modell Senegal“. Es gibt Religionsfreiheit

und die Kirche ist – wenn auch ein kleiner – fixer

Bestandteil der senegalesischen Gesellschaft. So ist es

durchaus üblich, dass die katholischen Bischöfe zusammen

mit den muslimischen Führern zu gesellschaftlichen Themen

Stellung beziehen.

Die Kora

Neben der Kirche als „Familie Gottes“ wird das Christentum

auch auf anderen Ebenen inkulturiert. Im Benediktinerkloster

„Keur Moussa“ hat sich P. Dominique Catta ganz

auf die traditionelle Musik des Senegal eingelassen: die

Kora. Es ist ein Zupfinstrument mit 21 Seiten und wird

traditionell von den „Griot-Sängern“ verwendet. Diese

erfüllten in der Vergangenheit die Funktion unserer mittelalterlichen

Minne- und Hofsänger. P. Dominique griff

die traditionellen Melodien der Senegalesen, die auf dem

Feld arbeiten, auf und verband sie mit liturgischen Texten.

Entstanden ist eine senegalesische Form des Gotteslobes,

die Keur Moussa weit über den gepflegten Klostergarten

und selbst über die Grenzen des Senegals hinaus bekannt

und berühmt machte.

© Missio/Zerche

Webtipps

Auch im Priesterseminar in

Sebiknotane spielen die

Studenten die traditionelle

Kora.

■ Naturpark: www.niokolo.com

■ Katholische Kirche im Senegal:

www.senkto.org

Statistik Senegal

Bevölkerung

Soninké 1 %

Malinké/Manding 3 %

Libanesen, Franzosen, Ostasiaten

Länderprofil Senegal

6 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 7

Diola 5 %

Peul und

Toucouleur

25 %

Serer

15 %

Erdnussregion

Wolof

45 %

■ einwohner: 11,3 (2007), 12,9 (2008).

42 % der Bevölkerung ist weniger als

14 Jahre alt.

■ Bevölkerungsdichte: 57,7 Einw./km 2

■ Bevölkerungswachstum: 2,5 %

■ Fertilitätsrate: 4,46 Kinder pro Frau

■ Lebenserwartung: 57,1 Jahre

■ Städtische Bevölkerung: 52 %

■ Landessprachen: Französisch ist Amtssprache.

Wolof, das von 80 % gesprochen

wird, Fulbe, Serer, Diola, Manding und Soninké

sind nationale Sprachen. Arabisch ist

Religionssprache.

■ Religion: 93 % Muslime, 7 % Christen (anderen

Angaben zufolge: 93 % Muslime, 5 %

Christen, 2 % Traditionelle Religionen

Staat

■ Staatsname: République du Sénégal

■ Hauptstadt: Dakar

■ Fläche: 196.722 km 2

■ Staatsform: Präsidiale Republik

(vgl. Frankreich)

■ Staatsoberhaupt: Abdoulaye Wade

■ Volksvertretung:

Parteien: Parti socialiste (PS),

Parti démocratique sénégalais (PDS)

■ KFZ-Kennzeichen: SN

■ Internet-TLD: .sn

Wirtschaft

■ Währung: CFA-Franc (Franc de la Communauté

Financière Africaine) der Westafrikanischen

Währungsunion.

■ Wirtschaft:

% des BIP erwerbs-

personen

Landwirtschaft 12 % 70 %

Fischerei 30 % 15 %

Bergbau 1 % –

Industrie 22 % –

Sonstiges 35 % –

■ Infrastruktur:

• 35 % der Bevölkerung hat Elektrizität.

• Jede 6. Person besitzt ein Handy.

■ exportgüter:

Fisch (17 %), Phosphat (16 %), Kraftstoffe

(22 %), Erdnüsse und Baumwolle (4 %),

Sonstiges (41 %).

Soziales und Bildung

■ Schulwesen: Schulpflicht für die 6-jährige

Grundschule

■ analphabetismus: 61 % (Frauen 71 %)

■ HIV/aids-Rate: 0,9 %

■ Kindersterblichkeit: 12,1 %

Kirche 2

Grün Gelb Rot

• 551.000 Katholiken (4,95 %)

• 1 Erzdiözese und 6 Diözesen

• 300 Weltpriester und 125 Ordenspriester

• 2 Ständige Diakone

• 158 Ordensbrüder und 776 Ordens -

schwestern

• 2747 Katechisten

• 109 Seminaristen

Quelle: Munzinger-Archiv GmbH

2 Annuarium Statisticum Ecclesiae 2006


Länderprofil Senegal

Senegals Fischer ■ Von Jan Tussing

Dieser Fischer in Saint Louis hat noch nicht aufgegeben.

Pirogen sind kleine Holzboote, eigentlich in die Länge

gezogene Nussschalen. Mit denen fahren die senegalesischen

Fischer aufs Meer. Diese hier sind alle von ihren

Besitzern verlassen worden, sagt der 32jährige Allioun und

deutet auf sechs alte Pirogen, die nebeneinander am Strand

liegen: „Sie sind alle weg, und haben sie hier liegenlassen.

Verlassen. Sie sind alle emigriert, um mehr Geld zu verdienen

und ihre Familien zu ernähren.“.

Senegal lebt vom Meer. Das kleine westafrikanische Land

hat eine der letzten großen Fischreserven der Welt, aber

dennoch können immer weniger Fischer von ihren Erlösen

leben, sagt einer der Bewohner eines halbverlassenen Fischerdorfs:

„Es gibt keine Fische mehr im Meer, daher sind

die meisten Pirogen auch nach Spanien gefahren. Es gibt

hier keine Arbeit mehr, hier gibt es gar nichts mehr zu tun.

Das Meer ist leer, und es gibt auch keine Pirogen mehr die

fischen gehen. Es gibt noch nicht einmal mehr Leute hier,

die fischen gehen könnten.“

Schätzungsweise 60.000 Menschen im Senegal sind Fischer.

Ein Familienbetrieb. Fischer gehören zu der ärmsten

Bevölkerungsschicht des Landes, aber gleichzeitig ernähren

sie doppelt bis dreifach so viele hungrige Münder. Mit

ihren klapprigen Holzbooten konkurrieren sie allerdings

gegen die Hightech-Flotten der Europäer. Und weil die

schwimmenden Fischfabriken ihnen vor der Nase die Fische

wegfangen, müssen sie immer weiter die Küste Richtung

Süden fahren.

„Sie fahren nach Gambia, Nach Guinea Bissau, Guinea Conakry,

bis nach Sierra Leone,” sagt die Fischverkäuferin

Aminata. „Manche fahren auch bis nach Spanien.” Seit

mindestens zehn Jahren werden die westafrikanischen

Gewässer systematisch überfischt, warnen Umweltschützer:

von europäischen Flotten, von japanischen Flotten.

Sogar chinesische Flotten gibt es inzwischen vor der Küste

Senegals. Für mehrere Millionen Euro im Jahr kaufen sie

© Missio/Zerche

den Senegalesen Fischereirechte ab. Und darunter leiden

die einheimischen Fischer. Anstatt zu fischen werden sie

„Reiseunternehmer“. Sie verkaufen ihre Pirogen und fahren

mit einer vollen Ladung Menschen nach Spanien. Damit

verdienen sie mehr als früher, sagt Alioun. Er wurde

nach seiner Ankunft auf Teneriffa aufgegriffen und wieder

zurückgeschickt. „Du weißt genau, es fehlt der Fisch, es

fehlt die Arbeit, von der die Senegalesen in der Zukunft

leben sollen. Schau her, das hier sind die Kisten, wo die

Fische reinkommen, das gehört zu den Pirogen, aber wo

sind die Menschen, die den Fisch fangen sollen?“

Alioun wollte auch weg. Er verkaufte sein gesamtes Hab

und Gut und sprach einen ihm bekannten Fischer an: „Wir

sagen den Besitzern, wir wollen nach Spanien fahren. Das

waren bei uns zum Beispiel 79 Leute. Und jeder gibt dem

Besitzer 500.000 Francs CFA.” 500.000 Francs sind rund 350

Euro. Bei 79 Insassen verdient der Besitzer der Piroge dann

mehr Geld als in einem Jahr durch den Fischfang.

Alioun zeigt auf eine verlassene Piroge. „Schau dir das

Holz an. Es ist tot, aber wir wollen hier weg, also geben wir

das Geld einem Schreiner, der die Piroge ausbessert, diese

hier zum Beispiel. Normalerweise passen hier 10 oder 15

Leute rein, aber weil es im Senegal nichts gibt, müssen wir

weg. Wir sind kleine Kinder, wir haben nichts, keine Autos,

keine Häuser, du kannst noch nicht einmal drei mal täglich

was essen.“

Also verlassen die

Menschen ihre Dörfer.

Erst fehlen die Boote,

dann fehlen die Menschen,

und zum Schluss

fehlen die Fischer, die

das Dorf ernähren. „Sie

sind alle weg. Du kannst

dir vorstellen, was dadurch

Fürchterliches

passiert. Es gibt nichts

mehr zu essen. Das Dorf

hat keine Fischer mehr,

und wenn alle Fischer

weg sind, dann gibt es

eine schwere Hungersnot, das ist furchtbar. Das ist ein verlassenes

Dorf.“ Ein Teufelskreis. Am Ende will jeder nur

noch weg. Schätzungsweise 9 von 10 Senegalesen würden

am liebsten sofort das Land verlassen. Der Massenexodus

hat gerade erst begonnen.

Webtipp

Die Männer fischen und die Frauen verkaufen

die Fische auf dem Markt.

Als Hörbeispiel: http://migrationsblog.swr.

de/2006/09/01/senegals-fischer/

© Missio/Zerche

Interview mit jean-Marie ciss

■ ■ ■ ■ Missio: Wie ist ihre Situation als Fischer?

Jean-Marie: Die Situation ist schlechter geworden, weil

das Meer nicht mehr so ist, wie es einmal war. Die Ursache

liegt bei den großen Schiffen, die industrielle Fischerei

betreiben. Sie haben keinen Respekt vor der Grenze (Internationales

Gewässer). Früher konnte ich an einem Tag

500 Kilogramm – wenn nicht sogar eine 1 Tonne – Fisch,

Langusten und andere Meeresfrüchte fischen. Aber heute

fährt man aus und 50 Kilogramm sind bereits eine Schwierigkeit.

Um einen guten Fischfang zu machen, muss man

30 Kilometer hinaus fahren. Früher haben 2 Kilometer

gereicht.

■ ■ ■ ■ Missio: Hat das Fischen in ihrer Familie

Tradition?

Jean-Marie: Ich habe das Fischen immer schon geliebt. Ich

war in der Schule, aber wegen der Armut der Familie habe

ich 1978 das Studium beendet und bin fischen gegangen.

Schon davor war ich immer in den Sommerferien fischen,

um mir Taschengeld zu verdienen. Mit dem Geld konnte ich

die Familie unterstützen und eigene Kleider kaufen.

■ ■ ■ ■ Missio: Was braucht man alles, um Fische

zu fangen?

Jean-Marie: Ein Fischer tut sich mit 3 bis 4 Personen

zusammen, kauft Benzin und Köder und fährt hinaus aufs

Meer. Als Köder für große Fische werden kleine Fische

gebraucht. Für den Eigenbedarf nehmen die Fischer auch

Kohle mit, um Tee zu kochen oder Fische im Boot zu grillen.

Wenn die Fischer nach zehn Stunden um 16 Uhr vom

Meer zurückkommen, bekommt jeder seinen Teil für die

eigene Familie. Der Rest wird verkauft.

■ ■ ■ ■ Missio: Welche Konsequenzen hat die

Situation für das Leben ihrer Familie?

Jean-Marie: Ich bin Alleinversorger und versorge zehn

Personen im Haus, weil mein Bruder krank ist. Er leidet

an einer psychischen Krankheit und wird im Krankenhaus

in Thiès behandelt. Es geht ihm aber langsam besser. Finanziell

war das schwer, aber die Familien sind untereinander

solidarisch.

■ ■ ■ ■ Missio: Wie verbringen sie ihre Freizeit?

Jean-Marie: Ich leite seit 17 Jahren den Chor mit über

vierzig Personen in der Pfarre. Ich spiele auch Orgel, bin

Komponist und habe sogar eine eigene CD herausgegeben.

Das Talent für das Orgelspiel habe ich von meinem Großvater

geerbt. Fischerei und Orgel Spielen habe ich im Blut.

Die Kirchen musik hilft mir den Glauben zu vertiefen. Ein

Mensch ohne Glauben wäre wie ein Tier. Ob Moslem, Christ

oder Animist: jeder glaubt an etwas.

Jean-Marie Ciss ist Fischer und arbeitet in der

Pfarre Popenguine mit.

Länderprofil Senegal

Der Glaube ist ein Mysterium wie das Meer. Wenn man

hinausfährt, weiß man nicht, ob man Fische fangen wird.

Genauso geht es mir mit der Hoffnung und dem Gebet.

Man betet mit der Hoffnung, dass alle Wünsche erfüllt

werden. Und ich wünsche mir Frieden und vor allem Gesundheit,

Erfolg und ein gutes Verständnis zwischen Christen

und Muslimen.

■ ■ ■ ■ Missio: Welche Rolle spielt der Glaube in

ihrer Familie?

Jean-Marie: Wir praktizieren den Glauben in der Familie.

Alle gehen beten. Meine Nichte, die Muslimin ist, betet

auch jeden Tag. Manchmal betet die Familie auch gemeinsam

– am Abend, wenn alle nach dem Essen zusammen

sind. Wir beten für die Kranken, für den Frieden, für die

Familie, für den Frieden in der Welt und für die muslimischen

Geschwister. Man betet nicht für sich selber, sondern

für die anderen, damit man auch etwas zurückbekommt.

Denn meine Lieblingsstelle in der Bibel ist: „Liebe deinen

Nächsten, wie dich selbst.“ Nur wer sich selber liebt, kann

andere lieben. Und das ist sehr wichtig.

8 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 9

© Missio/Zerche


Länderprofil Senegal

Islam im Senegal

Die Idee einer grenzüberschreitenden Einheit der muslimischen Religionsgemeinschaft

begleitete von Anfang an die Ausbreitung des Islam – die ihren Erfolg dann aber wiederum

einer gewissen Toleranz und Adaptionsfähigkeit gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen

verdankte. Aus diesem fruchtbaren Synkretismus bildete sich in Senegal eine

spezifische, gesellschaftlich wie politisch bedeutsame Form des religiösen Lebens heraus.

Die Geschichte Senegals ist einerseits geprägt von einer

besonderen Offenheit gegenüber äußeren Einflüssen; anderseits

von der althergebrachten und intensiven Durchdringung

des Politischen mit dem Religiösen. Bereits in

der Zeitspanne zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert und

schon vor der Gründung des Wolof-Reiches – zu dieser

Ethnie zählt noch heute die Mehrzahl der Bewohner Senegals

– etablierte sich die islamische Kultur im Tal des

Flusses, der dem Land seinen Namen gab. Die letzte, auf

1993 datierende Volkszählung verzeichnet 93 Prozent

Muslime neben 5 Prozent Christen und 2 Prozent Anhängern

traditioneller afrikanischer Religionen. Aber diesem

Zustand ging eine lange Periode der oft instabilen Koexistenz

des Islam mit einheimischen Glaubensformen und

den Machtansprüchen der lokalen Feudalherren voraus;

erst nach mehreren Glaubenskriegen und nicht zuletzt

dank politischen Allianzen gewann die muslimische Reli-

Das Bild von

Amadou Bamba

findet sich überall

im Senegal.

© Missio/Zerche

■ Von Boubacar Boris Diop

gion ihren massiv prägenden Einfluss. Gemäß einer These

des Soziologen Abdoulaye Bara Diop suchte die breite

Bevölkerung in der neuen Religion zunächst Schutz vor

der Fronherrschaft der einheimischen Aristokratie; im 19.

Jahrhundert dann wurde der Islam ein identitätsstiftendes

Moment im Widerstand gegen die Kolonisation.

Mächtige Brüderschaften

Diese spezifische Entwicklung brachte es mit sich, dass

der senegalesische Islam in confréries, in Brüderschaften,

organisiert ist. Diese Form der religiösen Gemeinschaft

existiert auch anderweitig, aber nirgends sonst in Schwarzafrika

hat sie eine vergleichbare politische und soziale

Signifikanz. Insgesamt existiert etwa ein halbes Dutzend

solcher Brüderschaften, wobei aber zwei davon – die Mouriden

und die Tidianiden – den Grossteil der Gläubigen

hinter sich versammeln.

Der Gemeinschaft der Mouriden gehören etwa 30 Prozent

der senegalesischen Muslime an. Diese Gruppierung fällt

durch ihre dynamische Präsenz im wirtschaftlichen Bereich

und durch diszipliniertes Auftreten besonders ins Auge. Die

Aura Ahmadou Bambas, des Gründers der Brüderschaft, der

sich im Widerstand gegen die Kolonialherrschaft profiliert

hatte, zieht heute vor allem eine große Zahl von Jugendlichen

an, die einen gleichzeitig mystisch angehauchten, aber

auch sicheren und vielversprechenden nationalen Bezugsrahmen

suchen. Die Mouriden sind als soziale Gemeinschaft

straff organisiert; zuoberst in ihrem Kanon steht das strikte

Bekenntnis zur Arbeit und zum absoluten Gehorsam vor den

geistigen Führern, den Marabouts. Eine Untergruppe der

Brüderschaft, die Baye Fall legen eine Art Armutsgelübde

ab und leisten fast ausschließlich Aufbauarbeit in ländlichen

oder städtischen Großprojekten, wobei ihr hauptsächlicher

Lohn im Segen des Marabouts besteht. Die Baye Fall haben

praktisch mit bloßen Händen Touba, die heilige Stadt der

Mouriden, erbaut.

Die andere große Brüderschaft, vom Algerier Si Cheikh

Ahmed Tidiani um 1765 herum gegründet, ist wesentlich

stärker nach der arabischen Welt hin orientiert; eine Einstellung,

die sich allerdings nie merklich auf das senegalesische

Bewusstsein der „Négritude“ ausgewirkt hat.

Diese Bruderschaft, der 47,4 Prozent der Gläubigen zugehören,

besteht aus diversen Untergruppen. Obwohl die

Tidianiden kaum je in direkten Konflikt mit den kolonialen

Machthabern kamen – wohl weil sie auf der strikten

Trennung zwischen religiösen und weltlichen Sphären

bestehen -, spielten sie im politischen Leben des Landes

eine aktivere Rolle als die Mouriden.

Spannungen und Fundamentalismus

Auf den ersten Blick wirkt das Gleichgewicht zwischen den

verschiedenen durch solche Führergestalten markierten

spirituellen Zentren sehr fragil und entsprechend spannungsgeladen.

Trotz seinen vielfältigen Ausprägungen

hatte der senegalesische Islam vielmehr über lange Zeit

eine integrative Wirkung, die sogar über ethnische Grenzen

hinaus wirkte.

Die für Senegal spezifische Form des sunnitischen, von der

In Kaolack ist das Zentrum der Mouriden.

Länderprofil Senegal

mystischen Tradition der Sufis gestreiften Islams, wusste

sich mit den alten einheimischen Kulturen so gut wie mit

neueren politischen Mächten durchaus vorteilhaft zu arrangieren;

so durfte man annehmen, dass sich die hiesigen

Marabouts als solide Schutzwehr gegen die Versuchungen

des islamischen Fundamentalismus stellen würden. Dennoch

gab es immer wieder Versuche, die Autorität der

Brüderschaften zu untergraben; Diese „arabisierende Bewegung“

will den Gläubigen eine Rückkehr zu den Quellen

der Religion vorschreiben. Politische Stosskraft gewann sie

Anfang der fünfziger Jahre. In den achtziger Jahren, die

vom Nachhall der iranischen Revolution geprägt und von

der Aura Ghadhafis überglänzt waren, nahm der senegalesische

Islam eine stark militante Färbung an. Ein geplanter

Besuch des Papstes musste wegen der offenkundig

feindseligen Haltung der Bevölkerung abgesagt werden.

Von den Rändern der großen Bruderschaften splitterten

Gruppen ab, welche nach einem neuen Glaubensverständnis

verlangten; unterstützt von den arabischen Ländern,

entstanden neue religiöse Gruppierungen.

Demokratie als Basis

Der Übergang zur freien Marktwirtschaft in Senegal hat

die Bindung zwischen der Staatsmacht und anderen Interessengruppen

– so auch den religiösen Formationen –

beträchtlich reduziert. Die einigermaßen erfolgreiche Demokratisierung

des Landes führte auf breiter Ebene zu

einer erhöhten politischen Sensibilität und größerer innerer

Unabhängigkeit der Bevölkerung; auch das Heranwachsen

einer neuen Generation und der starke Trend zum

städtischen Leben trugen dazu bei, die traditionell enge

Beziehung zwischen den Marabouts und ihren Anhängern

zu lockern. Aber wenn auch einige Marabouts wegen eines

wenig beispielhaften Lebensstils oder einer allzu konservativen

Haltung ihre Aura verloren haben, konnten die

Vorsteher der großen Bruderschaften vorläufig ihre einflussreiche

Stellung wahren. Die radikalen Islamisten haben

offenbar die vitale Kraft des tief in Bewusstsein und

Kultur des Landes verwurzelten Bruderschaftswesens unterschätzt;

und überdies trägt in der senegalesischen Mentalität

normalerweise der Geist der Versöhnlichkeit den

Sieg über extremistische Geisteshaltungen davon. Mit

Léopold Sedar Senghor hatte während mehrerer Dekaden

ein Christ das oberste Staatsamt Senegals inne; die Ehefrau

des jetzigen Präsidenten ist Katholikin, aber diese Tatsache

halten auch seine politischen Gegner nicht für kritikwürdig.

In der Stadt Ziguinchor werden Muslime und Christen

auf demselben Friedhof beigesetzt. Sollte sich aber die

Tendenz zu einer religiösen Reorientierung hin zum „ursprünglichen

Islam“ verstärken, so wäre in letzter Konsequenz

ein Ende jenes fruchtbaren kulturellen Synkretismus

zu befürchten, den die organisch im Land gewachsene

Struktur der Brüderschaften gesichert hatte.

aus: Neue Zürcher Zeitung 13.1.1996

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Länderprofil Senegal

tabaski.blog ■ Von Guido Fitz

8:45

Es ist ruhig. In den frühen Morgenstunden ist

noch nicht viel los auf den sonst menschenvollen

Straßen Senegals. Auch die Schafe blöken

noch nicht.

9:05

Dort versammeln sich die Männer zum gemeinsamen

Gebet. Die Frauen sind zu Hause

geblieben.

9:13

Dabei verbeugen sich die Menschen mehrmals

auf den Boden.

10:10

Nach dem Gebet begeben sich alle Menschen

mit ihren Gebetsteppichen auf den Weg nachhause.

8:50

Mamadou, ein Freund, hat mich eingeladen,

gemeinsam mit seiner Familie das größte Fest

des Jahres zu feiern: Tabaski.

9:11

In und vor der Moschee ziehen sich die Muslime

zum Gebet die Schuhe aus.

9:40

Die Kinder sind schon ein wenig ungeduldig

und warten auf das Schächten des ersten Widders

vor der Moschee

10:30

Vor Mamadous Haus stehen die Schafe, die er

für seine Familie zu Tabaski auf dem Markt

gekauft hat.

9:00

Mit dem traditionellen Boubous bekleidet, mache

ich mich mit allen anderen muslimischen

Männern auf den Weg zur Moschee.

9:12

Aus den Lautsprechern tönen die unüberhörbaren

Gesänge und Gebete des Vorbeters.

10:00

Dieses für die Menschen besondere Ereignis

erinnert an die Erzählung von Ibraham, der

Allah statt seinen Sohn einen Widder opfert.

10:37

Jande, die Tochter meines Freundes hat in der

Zwischenzeit noch das Brot für das gemeinsame

Festmahl besorgt.

10:38

Auch wenn Mamadou als Familienoberhaupt

das Schaf selbst schächten müsste, wird er

dabei von mehreren Männern unterstützt.

11:48

Zu Tabaski teilen die Menschen einen Teil des

geopferten Tieres mit den Armen ...

12:46

Doch davor werden die Hände gewaschen.

11:40

Es ist wichtig, dass das Tier durch einen einzigen

Schnitt durch die Kehle stirbt. Im Innenhof

des Hauses wird es dann auseinandergenommen

und zerteilt. Für mich, ein nicht

wirklich „schöner“ Anblick.

12:40

... und bringen einen Teil Verwandten und Bekannten

vorbei, wo sie sich gegenseitig ein

„Frohes Fest“ wünschen.

12:48

Das Essen beginnt mit dem Verzehr des

Herzens.

Länderprofil Senegal

11:45

Jande beobachtet des Geschehen aus nächster

Nähe und freut sich darauf, ein Stück des

Fleisches selbst zubereiten zu dürfen.

12:45

Die Frauen bereiten das Fleisch zu und essen

getrennt von den Männern.

14:52

Zum Abschluss gibt es Tee. Mit nicht alltäglichen

Eindrücken neigt sich der festliche Teil

des Tages dem Ende zu. Danke Mamadou für

deine Teranga– deine Gastfreundschaft.

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alphabetisierung im Senegal

Nach Schätzungen der UNESCO wachsen weltweit mehr als 100 Millionen Kinder ohne

Schulbildung auf, 862 Millionen Menschen führen ein Leben ohne Schrift. Zwei Drittel

dieser Analphabeten sind Frauen, und zwar vor allem in Entwicklungsländern.

Analphabetismus und Armut sind eng miteinander verbunden. ■ Von Dirke Köpp

Wer Zahlen und Statistiken zur Alphabetisierung im Senegal

liest, muss unweigerlich an Winston Churchill und

seinen Ausspruch denken: „Traue nur der Statistik, die du

selbst gefälscht hast.“ Während nämlich die Direction de

l’Alphabétisation et de l’Education de Base (DAEB), dem

senegalesischen Erziehungsministerium unterstehend, von

39,6 Prozent Analphabeten spricht, geht die UNESCO für

das gleiche Jahr von 61,6 Prozent aus. Das Problem mag

auf verschiedenen Ebenen liegen: Von Beschönigungstendenzen

seitens der senegalesischen Regierung einmal abgesehen,

ist es sicher problematisch, dass es schwierig [ist]

festzulegen, wer als Analphabet gilt und wer nicht. Denn

Alphabetisierung wird im Senegal zu mehr als 90 Prozent

in Nationalsprachen betrieben. Betrachten sich die alphabetisierten

Menschen danach als vollwertig des Lesens

und Schreibens kundig? Und wird in den Schätzungen der

Tatsache Rechnung getragen, dass ein großer Teil der alphabetisierten

Menschen mangels Übung nach kurzer Zeit

wieder in den Analphabetismus zurückfällt?

Die Mädchenschule Collége Saint Ursuline unterstützt vor allem Mädchen aus armen Familien.

Wege zur alphabetisierung

Die größten Geldgeber der Alphabetisierungskampagne im

Senegal, einem Land von ca. 10,6 Millionen Einwohnern,

sind die Weltbank und Kanada. Weitere Projekte werden

von kleineren Organisationen finanziert, beispielsweise

der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) oder

dem Office d’Enseignement Catholique. Der Unterschied

liegt in der Dauer der Projekte. Während bei den Projekten

der Weltbank leicht der Eindruck entsteht, es geht in erster

Linie darum, möglichst viele Menschen innerhalb von

möglichst kurzer Zeit zu alphabetisieren, liegt bei den Projekten

der GTZ der Schwerpunkt auf der Nachhaltigkeit:

Die Kampagnen sind auf eine Zeit von drei Jahren angelegt.

In den ersten zwei Jahren lernen die Schülerinnen und

Schüler – der Frauenanteil muss laut Auflagen der Regierung

mindestens 65 Prozent betragen, liegt meist aber weit

darüber – zunächst lesen und schreiben; das letzte Jahr

wird vor allem für Wiederholung und Konsolidierung der

Kenntnisse verwandt. Dafür werden kleine Bibliotheken

© Missio/Zerche

„Traditionell müssen Mädchen nicht in die Schule zu gehen, um zu wissen,

wie man den Ehemann und die Kinder versorgt. Das kann man zu

Hause lernen.“

Sr. Claudine-Maria Ndione, Direktorin einer Mädchenschule

ins Leben gerufen, in denen die Lese- und Schreibkundigen

sich Bücher ausleihen können, um die frisch erworbenen

Kenntnisse nicht wieder zu verlernen.

Das Problem mit den Büchern

Doch die Produktion von Büchern in Nationalsprachen

gestaltet sich noch schwierig. Es fehlt an Geld; bisher sind

es meist Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit,

die solche Publikationen finanzieren. „Im Moment

kann noch kein privater Verleger davon leben, Bücher in

Nationalsprachen zu veröffentlichen“, sagt Sonja Fagerberg-Diallo.

Die Amerikanerin arbeitet seit den 1980er

Jahren im Senegal. Ihre Organisation ARED (Associates in

Research and Education for Development) entwickelt und

publiziert Bücher in Nationalsprachen. „Es gibt einfach

noch nicht genug potentielle Leser, d. h. Menschen, die

tatsächlich in den Nationalsprachen lesen können.“ Derzeit

verfügt ARED über etwa 100 Titel. Die meisten davon sind

auf Fulfulde, rund 40 in andere Sprachen übersetzt. Der

Vorteil der Fulfulde-Bücher ist, dass diese auch in den

Nachbarländern abgesetzt werden können. Ein Problem

bei der Produktion von Büchern in Nationalsprachen ist

die uneinheitliche Orthographie. Die Buchstaben sind zwar

festgelegt, darüber aber, wie Wörter letztendlich geschrieben

werden, gehen die Meinungen auseinander.

Französisch und die nationalsprachen

Trotz der zahlreichen Alphabetisierungskampagnen ist der

Kontakt der alphabetisierten Menschen zur Außenwelt

nicht gewährleistet: Außerhalb des Senegal spricht kaum

jemand Wolof oder Serer, und auch das Internet wird von

anderen Sprachen beherrscht. 1 In diesem Sinne sollten

1 Wenn auch nicht außer Acht gelassen werden darf, dass ein

Großteil der Menschen im Senegal derzeit noch gar nicht die

Möglichkeit hat, mit einem Computer, geschweige denn mit

dem Internet zu arbeiten.

Länderprofil Senegal

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© Missio/Zerche

sich Regierung und Alphabetisierungsorganisationen dafür

engagieren, dass mehr Literatur in Nationalsprachen

herausgegeben und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt

wird. Das wird jedoch umso schwieriger, je mehr

einheimische Sprachen Nationalsprachenstatus bekommen

und damit in die Alphabetisierungskampagne integriert

werden sollen. Derzeit gibt es elf senegalesische

Sprachen, die nach festen Regeln verschriftlicht sind. Der

Staat arbeitet daran, nach und nach alle weiteren einheimischen

Sprachen zu kodifizieren und damit zu Nationalsprachen

zu erheben. Je mehr Sprachen allerdings in der

Alphabetisierung gebraucht werden, desto mehr didaktisches

Material muss auch gedruckt werden.

Die Wichtigkeit von Büchern aber, z. B. Lehrbüchern für

Schüler, gilt nicht zuletzt auch für das Gelingen der Einführung

einheimischer Sprachen ins formelle Bildungssystem.

Besonders Kinder, die auf dem Land aufgewachsen

sind, werden durch das staatliche Schulsystem mit

Französisch als Unterrichtssprache vom ersten Schultag

an traumatisiert und in ihrer Entwicklung behindert. In

ihrer eigenen Muttersprache hingegen sind sie ebenso gut

in der Lage wie beispielsweise deutsche Kinder, sich die

Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen anzueignen.

Nichts spricht dann dagegen, Französisch so früh

wie möglich als erste Fremdsprache anzubieten.

„Sprache ist der Schlüssel zur

Gleichheit der Menschen. eine

Brücke zwischen arm und Reich,

wenn die Kinder schon im Kindergarten

gemeinsam Französisch lernen.“

P. Joseph Giordano,

Missionar im Senegal

Das Argument, afrikanische Länder würden sich isolieren,

wenn sie eine einheimische Sprache zur Amtssprache erhöben,

würde mit dieser Praxis weitgehend hinfällig. Auch

in einem Land wie Deutschland ist es die nationale Sprache,

die als Amtssprache funktioniert, und dennoch können

sich die Menschen aufgrund des Fremdsprachenunterrichts

im Ausland verständigen.

Doch auch hier gibt es ein Aber: Im Unterschied zum Senegal

haben hier alle Kinder die Chance, zur Schule zu

gehen. Doch bevor es so weit kommt, müssen sich die

Senegalesen auf eine Sprache einigen, die zur Amtssprache

erhoben werden soll und deren Integration ins offizielle

Leben vorantreiben.


Länderprofil Senegal

Missio konkret: Schule in ngohé

Die Schule St. Joseph de Ngohé liegt in der Landgemeinde

Ngohé, Region Djourbel. Sie zählt 450 Schülerinnen und

Schüler, die meisten davon Mädchen. Für diese Mädchen

gibt es auch einen eigenen Unterricht, in dem sie Nähen

und Hauswirtschaftslehre von einer qualifizierten Lehrkraft

lernen.

Wegen der Armut der Familien muss sich die Lehrerin, die

selber auch Mutter ist seit einigen Jahren mit einem Monatsgehalt

von ca. 30 EUR begnügen. Viele Familien tun

sich schwer, das Schulgeld aufzutreiben.

Die Familien in Ngohé (Senegal) bitten um Deine Hilfe.

Nicht für die Schule lernen sie Lesen und Schreiben,

sondern für ein Leben ohne Armut.

Soviel kostet pro Monat:

1 Gehalt für die Lehrerin: 120,00 EUR

Materialien für Nähwerkstatt: 32,00 EUR

PSK 701 5500

Projektnummer: 2009/0017

Jeder Beitrag, der über die Finanzierung dieses Projektes

hinausgeht, wird für Menschen, die ebenfalls Hilfe

brauchen, verwendet.

Elisabeth Rittsteuer (2.v.l.), Missio-Projektreferentin, hat

die Schule besucht und sich sich Notizen über den Zustand

der Schule gemacht: „Bei der Besichtigung der Schulgebäude

sehen wir nun, was der Priester gemeint hat, als er von

defekten Gebäuden sprach. Der Boden ist gebrochen, sodass

die Kinder stolpern. Das Blechdach ist undicht und alle sechs

Klassen müssen renoviert werden. Die Kinder spielten im

Sand Fußball, die Mädchen Tempelhüpfen. Eine Witwe

macht Kurse zum Sticken und Nähen für die Mädchen. Die

Buben erhalten Unterricht in Basteln und Malen.“

© Missio/Zerche

© Missio/Zerche

Projekt Senegal

Projekt Senegal

Mit dem Missio-Beispielland Senegal auf Afrika, den „vergessenen Kontinent“, aufmerksam

machen und für die Senegalesen selbstverständliche Themen zur Sprache bringen:

Die Migration und die christlich-muslimische Begegnung. Ideen für Schulen und Gemeinden,

um das Leben der Christen im Senegal – als Zeichen weltweiter Solidarität –

kennen zu lernen.

Land, Leben und Leute des Senegal

kennenlernen.

■ Zehn Aspekte des Senegals in einer Gruppenarbeit

erarbeiten und eine Präsentation anfertigen. (S. 4)

■ Mit der Ton-Bild-Schau „Länderprofil Senegal

den Senegal in Bild, Musik und Wort entdecken.

(S. 35)

■ Ein Referat zu Leopold Sedár Senghor, Präsident,

Poet und Politiker ausarbeiten.

■ Eine Bilder-Präsentation zu dem Lied „Open the eyes

of my heart“ von Michael W. Smith erstellen.

■ Anhand des Fehlersuchbildes “Open your eyes” eine

Geschichte schreiben. (S. 22)

Hintergründe aus dem Leben

von Migranten

■ Die Situation der Fischer im Senegal als Ausgangspunkt

der Migration erkennen. (S. 8)

■ Einen Videoclip über das „wahre“ Leben der Migranten

in Europa drehen, um Utopien von Migranten zu

relativieren.

Den Dialog des Lebens zwischen christen

und Muslimen einüben.

■ Chancen und Grenzen des Dialogs zwischen Christen

und Muslimen ausloten und mit der Situation in

Österreich vergleichen. (S. 29)

■ Das wichtigste Fest im Islam „Id al Adha“ (Tabaski)

kennen lernen. (S. 12)

■ Die Gestalt des Abrahams als einende und trennende

Person verstehen. (S. 21)

■ Die Unterschiede zwischen

Christen und Muslime erkennen.

(S. 18)

Die Kirche im Senegal

kennenlernen.

■ Die Bedeutung der Familie

für das Kirchenbild Afrikas

verstehen. (S. 26)

■ Anhand des Interviews

von Benjamin Ndiaye die

Aufgaben der Kirche erfassen.

(S. 31)

ein senegalesisches Fest feiern.

■ Einen Trommelworkshop organisieren.

■ Musikalische Beiträge von Griot-Sängern, Keur

Moussa und zeitgenössischen Musikern hören. (S. 26)

■ Einen Avalu-Wettbewerb veranstalten. (S. 23)

■ Kulinarisches aus der senegalesischen Küche anbieten.

■ Das gesammelte Geld für ein Missio-Projekt der

Kinderaktion, der Jugendaktion oder der Schule in

Ngohé zu Gute kommen zu lassen. (S. 16).

Yassa au Poulet

■ Zubereitung für 4 Portionen in 30 Minuten

■ 4 Zwiebeln und 2 Knoblauchzehen in feine Würfel

schneiden, stampfen und mit Pfeffer, Salz, Chilipulver

und 1 Tasse Suppe vermischen.

■ 4 Hühnerkeulen oder Fische vorbereiten und in Öl

braten.

■ Gemüse (Fisolen, Karotten) putzen, zerkleinern und

garen.

■ Zwiebelmasse mit Zitronensaft, 1EL Senf und 1EL Essig

in den Fleischsaft geben und köcheln lassen.

■ Fleisch und Gemüse hinzugeben.

■ Reis als Beilage machen.

■ Serviert wird das Essen im Senegal auf einem großen

Tablett, um das sich die Personen auf dem Boden

sitzend scharen.

■ Nach dem Essen können typisch senegalesische Zahnstocher

ausgeteilt werden.

Dieser Mann verkauft auf dem

Markt senegalesische

Zahnstocher.

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Projekt Senegal

Muslime fragen,

christen antworten.

Zwölf knifflige Fragen von Muslimen an Christen. Ein fiktiver Dialog über wesentliche Themen

von Christen und Muslime und deren Selbstverständnis. Am Ende ist Deine Antwort

als Christ gefragt!

Ich habe eine Frage.

Wie ist das im Christentum?

Bei uns im Islam ist das so

und so ...

evangelium

A Wie kann es vier Evangelien geben? Welches ist das

richtige? Wie kann es Wort Gottes sein, wenn es doch

die Evangelisten geschrieben haben?

B Was denkt ihr über die Bibel?

A Der Koran ist direktes Wort Gottes und Kriterium der

Wahrheit. Wenn nun die Bibel dem Koran widerspricht,

dann bedeutet dass, dass sie verändert wurde oder falsch

verstanden wird. In der Bibel stimmt das, was mit den

Koran übereinstimmt.

B Bei uns ist das so ........................................................

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Hm. Erzähle mir mal, was du

bereits davon weißt und wie es

bei euch im Islam ist.

Ok. Bei uns im Christentum

ist das so und so ...

jesus

A Wie kann Jesus größer sein als Muhammad? Wie kann

der Mensch Jesus Gott sein? Wieso stirbt der christliche

Gott am Kreuz?

B Was denkt ihr über Jesus?

A Für uns kann nichts wie Gott sein. Nicht einmal Jesus.

Für uns ist es Gotteslästerung, wenn ihr von einem „Sohn

Gottes“ sprecht. Im Koran steht, dass Jesus ohne Vater

von Maria geboren wurde und Wunder wirkte. Doch er

wurde nicht gekreuzigt, weil Gott ihn davor verschonte.

Jesus ist ein Prophet wie Muhammad, der aber der

„letzte der Propheten“ ist.

B Bei uns ist das so .......................................................

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erlösung

A Wieso ist jeder Mensch von Geburt an ein Sünder? Warum

wird jeder Mensch durch den Tod Jesu am Kreuz erlöst?

B Wie ist denn eure Position zum Thema Erlösung?

A Jeder wird für seine Taten persönlich belohnt oder bestraft.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Muhammad

A Wieso anerkennen Christen Muhammad nicht als Propheten

an?

B Wer ist denn Muhammad für dich?

A Er ist der „Siegel der Propheten“, den Gott erwählte, uns

den Koran zu überbringen.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Dreifaltigkeit

A Wie kannst du behaupten, dass du an einen Gott glaubst,

aber zu Gott Vater, Sohn und einen Heiligen Geist betest?

B Was denkt ihr denn über die Dreifaltigkeit?

A Für mich ist das kein Monotheismus, wie Jesus ihn lehrte,

sondern ein Glaube an drei Gottheiten: Gott, Jesus und

Maria.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Projekt Senegal

Kirche

A Ist die Kirche dasselbe wie die Umma, die Islamische

Glaubensgemeinschaft? Welche Bedeutung hat die

Kirche?

B Erkläre mir bitte, wie das bei in eurer Glaubensgemeinschaft

ist.

A In unserer muslimischen Glaubensgemeinschaft sind

wir alle gleichwertige Mitglieder und wir haben keine

offizielle Autorität, die über die muslimische Lehre

entscheidet – aber wir haben auch keine Spaltungen.

Und der Imam ist unser Vorsteher im Gebet und Predigt.

B Bei uns ist das so .......................................................

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eucharistie

A Wie betet ihr? Was macht ihr mit dem Brot und dem

Wein in euren Kirchen?

B Was denkt ihr denn über unsere Feier der Eucharistie?

A Zum einen ist für uns Alkohol verboten und zum anderen

widerspricht die Präsenz Gottes in der Eucharistie

unserer Vorstellung der Unverfügbarkeit Gottes. Außerdem

gibt es bei uns keine „Magie“, bei der ein Priester

etwas „verwandelt“.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Gebet

A Wie oft betet ihr? Was sind die Gebetshaltungen? Was

bedeutet das Kreuzzeichen?

B Was verstehst du unter Gebet?

A Wenn ich vom Gebet spreche, meine ich meistens das

„rituelle Gebet“, zu dem der Muezzin ruft. Dabei ist mir

egal wo ich gerade bin und ich halte mich an die Vorschriften.

Bei den Christen hier in Europa habe ich den

Eindruck, dass sie nicht beten.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Projekt Senegal

Gott und die Welt

A Stimmt es, dass die Christen sich nur um das Jenseits

mühen? Wieso unterscheiden Christen zwischen Gott

und der Welt, zwischen Religion und Staat? Wie sind

die Kreuzzüge dann möglich gewesen?

B Welche Position nimmt der Islam bei diesem Thema

ein?

A Der Islam ist die Religion des Mittelweges. Das Judentum

ist auf das Diesseits und das Christentum auf das

Jenseits orientiert. Wir versuchen Religion und Politik

zu verbinden.

B Bei uns ist das so .......................................................

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ehelosigkeit

A Wie kann es eine gottgewollte Ehelosigkeit geben?

B Wie denkt der Islam über die Ehelosigkeit?

A Der Islam lehrt, dass es die natürliche Berufung jedes

Mannes und jeder Frau ist, eine Familie zu gründen. Ein

freiwilliger Verzicht wäre für uns Egoismus.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Regeln des Dialoges

■ Ziel ist nicht, dass man sich auf eine gemeinsame

Sichtweise einigt.

■ Ziel ist, dass man sich versteht. Dass beide Gesprächspartner

sich vom anderen verstanden wissen.

Deswegen immer rückfragen: „Wenn ich dich richtig

verstehe, dann meinst du? Erst wenn der Gesprächspartner

dem zustimmt, kann ich annehmen, dass ich

ihn so verstanden habe, wie er sich versteht.

Religionsfreiheit

A Was denken Christen über den Islam? Wie kann man

eine Religionsfreiheit propagieren, wenn es nur eine

Wahrheit gibt?

B Was denkst du über Religionsfreiheit?

A Grundsätzlich ist der Islam die einzig wahre und vollkommene

Religion. Daher ist eine Konversion zum

Islam ein Schritt Richtung Vollkommenheit, während

der Übertritt vom Islam zum Christentum nicht rechtens

ist, weil das soziale Gefüge in Frage gestellt

wird.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Das Wichtigste im christentum

A Was ist das wichtigste im Christentum?

B Was denkst du selbst über das Christentum?

A Es gibt manche, die glauben euch, dass ihr an einen

Gott glaubt, sehen euch beten und eure Liebe zu den

Armen. Andere aber sagen, dass ihr Ungläubige seid,

weil ihr einen Menschen zu eurem Gott gemacht

habt.

B Bei uns ist das so .......................................................

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Webtipps

Lösungen auf www.missio.at

Das Projekt www.antwortenanmuslime.com wird

von P. Christian Troll sj, einem Islamwissenschafter,

betreut. Wer Fragen hat, der schreibe

an: fragen@antwortenanmuslime.com.

Missio unterstützt die Übersetzung ins Französische,

damit die Seite auch im Senegal gelesen

werden kann.

Ein abraham,

zwei erzählungen und drei Religionen.

abraham und Isaak – Gen 22,1-19

Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die

Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin

ich. Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den

du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort

auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.

Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel,

holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak,

spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu

dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. Als Abraham am

dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem. Da sagte

Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier!

Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen

wir zu euch zurück. Abraham nahm das Holz für das

Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst

nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen

beide miteinander.

Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham:

Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier

ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?

Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm

aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter.

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,

baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte

seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf

das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und

nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief

ihm der Engel JHWHs vom Himmel her zu: Abraham,

Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Jener sprach: Streck

deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts

zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast

Projekt Senegal

20 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 21

© Missio/Zerche

mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. Als Abraham

aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit

seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin,

nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als

Brandopfer dar.

abraham und Ismael – Sure 37,99-113

[Abraham und sein Sohn Ismael befinden sich in Mekka.]

Er [Abraham] sagte: „Ich gehe zu meinem Herrn, Er wird

mich rechtleiten. O mein Herr, schenk mir einen von den

Rechtschaffenen.“ Da verkündeten Wir ihm einen langmütigen

Knaben. Als dieser das Alter erreichte, dass er

mit ihm laufen konnte, sagte er: „Mein lieber Sohn, ich sehe

im Schlaf, dass ich dich schlachte. Schau jetzt was du meinst.“

Er sagte: „O mein Vater, tu, was dir befohlen wird. Du wirst

finden, so Gott will, dass ich zu den Standhaften gehöre.“

Als sie sich beide ergeben gezeigt hatten und er ihn auf

die Stirn niedergeworfen hatte, da riefen Wir ihm zu:

„O Abraham, du hast das Traumgesicht wahr gemacht.“ So

entlohnen Wir die Rechtschaffenen. Das ist die offenkundige

Prüfung. Und Wir lösten ihn mit einem großen

Schlachtopfer aus. Und Wir ließen seinen Ruf unter den

späteren Generationen fortbestehen. Friede sei über

Abraham! So entlohnen Wir die Rechtschaffenen. Er gehört

zu unseren gläubigen Dienern.

aus: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung

von Muhammad Salim Abdullah, (GTB 783), Gütersloher Verlagshaus Gerd

Mohn, Gütersloh, revidierte 2. Auflage 1992.

© Missio/Zerche


Projekt Senegal

Impulse

1. Gemeinsames und Unterscheidendes

■ Trage in den Raster ein, was in der jüdisch-christlichen

und muslimischen Tradition gemeinsam ist und

worin sie sich unterscheiden.

2. Welche Bedeutung hat die erzählung von abraham und seinem Sohn im christentum

und Islam.?

Die Symbolbilder können dir eine Hilfe sein.

■ Überlege, welche Bedeutung das Gemeinsame und

die Unterschiede für die Religionen haben. Notiere

5 Thesen.

Gemeinsames Trennendes

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avalu

Das Ziel

Möglichst viele Spielsteine durch Ziehen aus dem Spiel

zu gewinnen.

Der Start

A und B sitzen sich gegenüber. Das Spielbrett mit 4 Spielsteinen

pro Schale liegt zwischen ihnen.

Reihe A Person A

Reihe B Person B

Das Ziehen

A nimmt aus seiner „Reihe“ alle Steine aus einer Schale

und verteilt sie gegen den Uhrzeigersinn auf die folgenden

Schalen. Dann zieht B.

Reihe A Person A

Reihe B Person B

Projekt Senegal

Bereits vor Tausenden

von Jahren in Ägypten

gespielt, überlebte es

alle Epochen der Geschichte

und wird heute auch im

Senegal als Souvenir

verkauft.

Das Gewinnen

A kann nur Steine aus der „Reihe“ von B gewinnen, wenn

der letzte zu verteilende Stein in eine Schale fällt, in der

nun zwei oder drei Steine sind. In diesem Fall darf A alle

Steine in der „Gewinn-Schale“ herausnehmen und als Gewinn

für sich verbuchen. Wenn nun jeweils die Schale vor

der „Gewinn-Schale“ auch zwei oder drei Steine hat, darf

A auch diese als Gewinn verbuchen. Bei einem Spielzug

gibt es maximal 5 „Gewinn-Schalen“, die alle auf der gegnerischen

Seite liegen müssen.

Das auslassen

Befinden sich in einer Schale 12 oder mehr Steine, wird

die Schale beim Verteilen übersprungen, aus der die Steine

stammen.

Die aushilfe

Hat A in seiner Reihe keine Steine mehr, muss B zumindest

einen Steine in die Reihe von A ziehen. Ist das nicht mehr

möglich, gehören alle Steine der Person B.

Das ende

Sind nur mehr 4 oder weniger Steine auf dem Spielbrett,

gewinnen A und B die Steine aus ihrer Reihe.

22 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 23

Material

© Missio/Zerche

■ 2 Personen (A und B)

■ Spielbrett mit 2 Reihen und jeweils 6 Schalen.

■ 48 Spielsteine (Erdnüsse, Bohnen, …)


Projekt Senegal

Open your eyes!

■ Suche die 10 Fehler!

■ Besprecht die einzelnen Elemente zu zweit!

Wandteppich Ideen zum Bildimpuls auf Seite 3

* Das Krokodil ist ein Zeichen für das Böse.

■ Die 15 Bilder auf A4-Seiten ausdrucken (Download auf

www.missio.at) und auflegen oder selber zeichnen. Mit

Schnüren an den Ecken verbinden.

■ Schreibe eine „Geschichte aus dem Senegal“ zu

diesem Bild.

■ Ergänze die Bilder durch eigene Bilder zum Leben Jesu

(z.B. Heilung des Bartimäus, Bergpredigt, Abendmahl, ...)

aus dem Pfarrleben oder dem Leben der senegalesischen

Kirche (z.B. Gottesdienst, Krankenstation, Schule,...).

Gregor meets Griot

Im begrünten Garten von Keur Moussa sitzt der Benediktinermönch

P. Dominique Catta. Mit sanfter Stimme begleitet

er sein Saitenspiel und die vertraute Melodie der „Moldau“

erklingt auf den 21 Saiten der Kora.

In den traditionellen musikalischen Klängen Afrikas sind

Saiteninstrumente eigentlich fremd. So gelangte die Urform

der Kora erst durch die Portugiesen ins Land.

Die Spieler hießen Griots. Wie die fahrenden Sänger im Mittelalter

tradieren auch sie singend die Geschichten ihres Volkes.

Daher sagt auch ein Sprichwort: „wenn ein Griot stirbt,

brennt eine ganze Bibliothek nieder.“ Auch heute ist bei vielen

Feierlichkeiten die Anwesenheit von Griots ein unentbehrlicher

Fixpunkt. Die meisten Griots stammen aus bestimmten

Griot-Familien.

Im 1963 kamen die Mönche im Senegal an. „Als ich die Kora

erstmals im Radio hörte, war mir sofort klar, dass dieses Saiteninstrument

wunderbar mit dem gregorianischen Choral

harmonieren würde,“ erzählt P. Dominique. „Es gibt erstaunliche

Berührungspunkte zwischen afrikanischer und gregorianischer

Musik. Manchmal höre ich eine traditionelle afrikanische

Melodie und höre auf einmal das ‚Haec Dies’ der Osternacht

heraus. Dann nehme ich diese Melodie und setze

einen Text aus Wolof oder Französisch ein, der dem ‚Haec Dies’

entspricht.“

„Nur solche Synthesen sind eine Quelle der Weiterentwicklung

einer Kultur“ zitiert P. Dominique den senegalesischen Präsidenten

und Dichter Leopold Sedár Senghor.

Kirche im Senegal

Der Gregorianische Choral, den die Brüder aus dem französischen Kloster in Solesmes mitbrachten,

geht eine einzigartige Synthese mit der musikalischen Tradition des Senegal ein.

■ Von Monika Schwarzer

Musikinstrumente im Senegal

Die Kalabasse ist eine Trommel, die aus der ausgehöhlten

Hülle eines Flaschenkürbisses hergestellt wird.

Die Kora gehört zur Familie der Stegharfen, bestehend

aus einer Kalebasse mit 21 Saiten auf einem „Jägerbogen“.

Das Tonspektrum der Kora umfasst zweieinhalb

Oktaven. Die Saiten

werden mit beiden

Daumen und Zeigefingern

gezupft, was

das Spielen mehrstimmiger

Motive erlaubt.

Die Bala ist eine Form

des Xylophons, das

ältestes Instrument

der Griots gilt.

24 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 25

Webtipps

P. Dominque Catta hat die

Melodien der Felder aufgegriffen.

© Missio/Zerche

■ http://www.kora-music.com/d/frame.htm

■ http://www.abbaye-keur-moussa.org


Kirche im Senegal

Kirche als Familie Gottes

Die Afrika-Sondersynode von 1994 hat die Kirche als Familie Gottes zu der für

den afrikanischen Kulturraum besonders passenden Bestimmung der Kirche erklärt.

Das Eintreten dieser Synode für das Modell Kirche als

Familie Gottes zeichnet sich schon am Beginn der Beratungen

ab. Am ersten Sitzungstag hält Kardinal Hycinthe

Thiandoum (Erzbischof von Dakar) fest: „Ein besonders

treffendes und bezeichnendes Bild von dem, was Evangelisierung

bedeutet, ergibt sich dann, wenn man sie als Auferbauung

der Familie Gottes auf Erden betrachtet. Dieser

Begriff beinhaltet auch die tiefen christlichen und afrikanischen

Werte wie Gemeinschaft, Brüderlichkeit, Siolidarität

und Frieden. In einer echten afrikanischen Familie teilt man

ja Freuden, Schwierigkeiten und Prüfungen in vertrauensvollem

Gespräch miteinander. Da die ganz Menschheit zusammen

eine Art Familie Gottes bildet, weitet dieses Bild

auch die Evangelisierung aus auf ihre universalen Dimensionen:

Alle Völker und alle Menschen sollen als bewusste

Mitglieder oder vom Heiligen Geist bewegt in den Schoß

der Großfamilie aufgenommen werden. Dies zusammenfassen

möchte ich noch einmal sagen, dass Gott durch das

Evangelium seine Familie aufbaut, denn die Evangelisierung

lädt die Menschheit ein, am Leben der Dreifaltigkeit teilzunehmen,

es ruft sie auf, durch den Sohn im Heiligen Geist

zum Vater zurückzukehren, damit Gott herrscht über alles

und in allem’ (1Kor 15,28)“ 1

Der afrikanische Begriff der Familie

Die Großfamilie ist der normale Lebensraum der meisten

Menschen in Afrika. Sie ist die Gemeinschaft von Menschen,

die durch ein oft weit verzweigtes Beziehungsgefüge

miteinander verwandt sind. Zur Familie gehört man

durch Geburt, Heirat, Blutspakt und Adoption. In der Regel

umfasst eine afrikanische Familie eine beachtlichte

Anzahl von Menschen, die miteinander durch einen gemeinsamen

Vorfahren verbunden sind. Die Großfamilie ist

zweidimensional angelegt. Sie erstreckt sich sowohl auf

die Lebenden wie auch auf die Verstorbenen.

Die Frage drängt sich auf: Hat dieser Familienbegriff für

das Leben der Menschen im zeitgenössischen Afrika noch

Relevanz? Erstens ist darauf hinzuweisen, dass das traditionelle

Familienverständnis seit der Begegnung mit Europa

tiefgreifende Veränderungen erfahren hat und noch

erfährt.

Zweitens ist auf die Stellung des Individuums innerhalb

der afrikanischen Großfamilie einzugehen, die nicht un-

1 Kardinal Hyacinthe Thiandoum, Einführungsbericht „Relatio

ante disceptationem“. In: L’Osservatore Romano, deutsche Ausgabe

vom 27. Mai 1994, Nr. 4.

■ Von Claude Ozankom

Hier trifft sich die „Familie Gottes“ zum Gebet in Kaolack.

problematisch ist. Denn geht man davon aus, dass der

einzelne Mensch nach traditioneller afrikanischer Auffassung

nur innerhalb der Gemeinschaft zur Entfaltung kommen

kann, so ist ein Übergewicht des sozialen Gefüges

gegenüber den einzelnen Menschen unverkennbar.

Der Begriff Kirche als Familie Gottes

Wenn die Afrika-Sondersynode Kirche als Familie Gottes

umschreibt, erfindet sie damit nicht etwas Neues, sondern

nimmt mit Entschiedenheit ein theologisches Gedankengut

auf, dessen Wurzeln bis ins NT zurückreichen. 2 Gleichwol

wird der Begriff „Familie“ erst in der Väterzeit explizit zum

Topos ekklesiologischer Reflexion. Auffällig ist nun, dass

die Sprechweise von der Kirche als Familie Gottes erst

durch das Zweite Vatikanische Konzil rezipiert wird, wo

sie in der dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen

Gentium“ (Art 6; 28;51) zur Anwendung kommt. 3

Aufs Ganze gesehen muss aber festgehalten werden, dass

2 Vgl. 1Tim 3,15

3 Vgl. Gaudium et Spes (Art. 32; 40), Unitatis Redintegratio (Art.

2;4), Ad Gentes (Art. 1), Presbyter Ordinis (Art 6);

© Missio/Zerche

im Gegensatz zu den anderen ekklesialen Modellen wie

Volk-Gottes, Communio, Sakrament usw. der Gedanke der

Kirche als Familie Gottes sowohl in der kirchlichen Weltöffentlichkeit

wie auch in der nachkonziliaren Theologie

eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat.

„Im afrikanischen Kulturraum wird man sofort der Unterschiede

zwischen den Begriffen Volk Gottes und der Familie

Gottes gewahr. Der Terminus Volk ist in diesem Kontext

eher anonym und verschwommen. Der Begriff Familie hingegen,

vor allem in seinem weiten Sinne, der in Afrika üblich

ist, ruft bei jedem Afrikaner ursprüngliche zwischenmenschliche

Beziehungen von Anerkennung, Intimität,

Solidarität und Einheit hervor.“ 4 Es ist daher nicht verwunderlich,

dass Kirche als Familie Gottes durch die Afrika-

Sondersynode zum Schlüsselbegriff afrikanischer Ekklesiologie

wurde.

Zur theologischen Begründung

Der Ursprung der Kirche ist der dreifaltige Gott: Die Afrika-Sondersynode

resümiert: „Christus ist gekommen, um

eine geeinte Welt zu errichten, eine Menschheitsfamilie, die

nach dem Bild der dreieinigen Familie gestaltet ist. Wie alle

sind Mitglieder der Familie Gottes: Das ist die Botschaft! In

unseren Adern fließt das gleiche Blut, das Blut Christe; es

ist der gleiche Geist, der Heilige Geist, der uns beseelt, die

grenzenlose Fruchtbarkeit der göttlichen Liebe“ (Nr. 25).

Die Glaubenden sind somit eine Einheit in der Vielfalt, die

ihr Vorbild und ihren Ursprung im dreifaltigen Gott hat.

Die Stiftung durch Jesus Christus: Die Großfamilie ist die

Gemeinschaft all jener, die ihr Leben auf einen gemeinsamen

(historische oder mythischen) Vorfahren zurückzuführen

können. Dieser nimmt, so die allgemeine Überzeugung,

weiterhin Anteil am Schicksal der Hinterbliebenen

und steht in einem vitalen Austausch mit der ganzen Familie.

In Analogie auf die Stiftung der Kirche durch den

historischen Jesus ergibt sich Folgendes: So wie das Leben

eines gemeinsamen Ahns an die Mitglieder der Großfamilie

weitergegeben wird, so haben auch alle Christen Anteil

am Leben Jesu Christi, der gekommen ist, damit die Menschen

das Leben in Fülle haben können (vgl. Joh 10,1-18).

Durch das Erlösungswerk erhalten die Gläubigen nicht nur

Gemeinschaft mit Jesus Christus, sondern sie werden zugleich

zu einer Gemeinschaft untereinander verbunden.

Damit greift das Modell Kirche als Familie Gottes die

Communio-Ekklesiologie auf und zeigt, wie das darin enthaltene

Potential mit Blick auf die Situation Afrikas genutzt

werden kann. Erstens: Innerhalb der Familie Gottes

vor Ort sind alle Töchter und Söhne Gottes und damit

Schwestern und Brüder. Denn vor aller Differenzierung

von Ämtern, Diensten, Charismen usw. sind alle Gläubigen

durch den erhöhten Herrn und im Heiligen Geist zu einer

Familie Gottes. Damit einher geht die Praxis von Umgangs-

4 Dominique Nothomb, L’Eglise-famille: concept-clé du Synode

des évêque pour l’afrique. In: NRT 17 (1995), 44-64

Kirche im Senegal

formen, die ein echtes Miteinander-Familie-Gottes-sein

verwirklichen hilft. Zweitens: Zwischen den Familien Gottes

vor Ort gibt es eine Einheit in der Vielfalt auf der

Grundlage des Bekenntnisses des einen Glaubens, der Feier

der Sakramente und der Anerkennung der Ämter. Von hier

aus eröffnet sich drittens eine Perspektive für Ökumene.

Denn das Verständnis von Kirche als Familie Gottes macht

es möglich zu unterscheiden zwischen jenen Familien Gottes,

die volle Gemeinschaft untereinander haben, und den

anderen, zu denen die volle Gemeinschaft noch nicht gegeben

ist. 5

Resümee

Die Frage, die sich abschließend aufdrängt lautet: Welchen

Wert hat die Begründung von Kirche als Familie Gottes?

Auf welche Grenzen muss man dabei möglicherweise hinweisen?

Dieses Modell hat den Vorteil, genuin patristisches

Gedankengut mit der Aktualität und Vitalität der

Institution Familie in Afrika zu verbinden. Wie oben aufgezeigt,

kann die Familie bei aller Lebendigkeit und Bedeutung

im heutigen Afrika nicht als fehlerfrei aufgefasst

werden. Der Versuch, ein afrikanischen Verständnis von

Kirche ausgehen vom Familienbegriff zu entwickeln, wird

daher die Schattenseiten der Familie in Afrika (Nepotismus,

Autoritatismus, Diktatur der Greisen, Tribalismus

usw.) im Auge behalten und aufzeigen müssen, dass dieses

Kirchenverständnis bei allen Anklängen an die herkömmliche

Familie in Afrika, eine radikal andere Gemeinschaft

meint, die nicht auf Blutsverwandtschaft beruht.

Insgesamt aber legt die Afrika-Sondersynode mit Kirche

als Familie Gottes ein ekklesiales Modell vor, mit dem nicht

nur die Wiederentdeckung einer fast vergessenen Auffassung

von Kirche und die Möglichkeit, die ekklesiologische

Leitidee des Zweiten Vatikanischen Konzils neu zu buchstabieren,

gefördert werden, sondern da zugleich neue

Impulse für das theologische Denken über Lehre und Praxis

von Kirche in Afrika geben könnte.

Aus: Ozankom, Claude, Kirche als Familie Gottes. Zur Wiederentdeckung

eines ekklesialen Modells in Afrika.In: Münchener theologische Zeitschrift

54 (2003), 32-44

5 Vgl. W. Kasper, Kirche als Communio. Überlegungen zur ekklesiologischen

Leitidee des Zweiten Vatikansischen Konzils. In:

Fran Kardinal Köngi (Hg.), Die bleibende Bedeutung des Zweiten

Vatikanischen Konzils, Düsseldorf 1986, 62-84

26 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 27

Zur Person

Univ.-Prof. DDr. Claude Ozankom wurde in

Idiofa (Kongo) geboren. 1989 Priesterweihe.

Seit 2003 Professor für Theologie

Interkulturell und Studium der Religionen

an der Universität Salzburg und seit 2006

an der Universität Bonn.


Kirche im Senegal Kirche im Senegal

Der Muslim Baye Diouf hat im Ordensmann Bernard de la Croix csj einen wichtigen Gesprächspartner gefunden.

„Modell Senegal

Auch die Senegalesen wissen, dass das Zusammenleben von Christen und Muslimen

nicht überall auf der ganzen Welt konfliktfrei ist. Umso stolzer verweisen sie auf ihr

„Modell“ der interreligiösen Begegnung und des Dialog des Lebens. Eine Mischung

aus guten Voraussetzungen und nötigem Realismus, von dem auch das Miteinander in

Österreich lernen kann. Ein Rückblick über Erfahrungen und Erzählungen einer

Studienreise. ■ Von Stefan Lobnig

1. Typisch Senegal

Das Verhältnis von Christen zu Muslime beträgt heute

sieben zu 93. Um die Christen stand es auch in der Vergangenheit

nicht besser – eher das Gegenteil war der Fall.

Die Christen bilden in dem westafrikanischen Staat die

Minderheit. Anders als in anderen islamisch dominierten

Ländern gibt es nach dem Urteil von Ernest Sambou, dem

Bischof von Saint Louis, „keine Probleme zwischen Moslems

und Christen und die beiden Gemeinschaften verstehen

sich gut.“ Wesentliche Vorraussetzungen des gelingenden

Zusammenlebens sind die von Haus aus nichtradikalen

Sufi-Bruderschaften und die von der französi-

schen Kolonialmacht eingeführte säkulare Demokratie.

Diese beinhaltet auch die Religionsfreiheit, „die es jedem

ermöglicht allein oder mit anderen gemeinsam den Glauben

– privat oder öffentlich – zu leben und auch für eine

Person die Möglichkeit eröffnet, die Religion zu wechseln,

wie es das Gewissen erfordert.“ 1 Konkret bedeutet das im

Senegal, dass z. B. christliche und muslimische Feiertage

für alle schul- und arbeitsfrei sind. Auch wenn radikale

1 Benedikt XVI, An den Botschafter von Bahrein, 18. Dezember

2008

© Missio/Zerche

islamistische Tendenzen im Senegal Fuß zu fassen versuchen,

scheitern sie an den einflussreichen Bruderschaften,

die keinesfalls ihre Macht einbüßen wollen.

2. „Dialog des Lebens“ statt „interreligiösem

Dialog“

Im Senegal koordiniert eine nationale Kommission für den

islamisch-christlichen Dialog das Gespräch zwischen Christen

und Muslime auf der Ebene der Verantwortlichen.

Francois 2 erinnert sich an einen Ernstfall: „Das schlimmste

Problem ereignete sich im Jahr 1987, als wir eine Kirche

bauten, sie aber nicht ‚Einweihen’ konnten. Die Muslime

sagten, dass sie auf ‚heiliger Erde’ stehe. Heute wird die

Kirche als Halle verwendet. Wenn es also solche Probleme

gibt, treffen wir uns, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Denn immer wenn Menschen direkt miteinander

sprechen und den persönlichen Kontakt pflegen, ist es

einfacher, zu einem Ergebnis zu kommen.“ Zum Dialog

zwischen Christen und Muslime gibt es keine Alternative.

Nicht zuletzt da sie immer mehr gemeinsame Gesellschaften

auf lokaler, nationaler und globaler Ebene bilden. Gerade

der Dialog des Lebens, „in dem Menschen in einer

offenen und nachbarschaftlichen Atmosphäre zusammenleben

wollen, indem sie Freud und Leid, ihre menschlichen

Probleme und Beschwernisse miteinander teilen,“ 3 ist

nachhaltiger Auftrag an jeden Christen. „Wir sollen allen

unseren Mitmenschen mit Respekt vor ihrem Glauben,

ihrer Suche nach Gott, ihren Fragen und Bedürfnissen nach

Klärung begegnen, weil unser Glaube sie herausfordert,

wie ihr Glaube uns herausfordert,“ stellt der Herz-Jesu-

Missionar P. Marcel Pichonnaz msc fest. Doch mahnt er

zur Vorsicht: „Wir müssen aufpassen, welche Ausdrücke

wir wozu benutzen: Was bedeutet das Wort „Dialog“? Hat

es den gleichen Sinn für uns und für alle Muslime? Von

welchem Muslim sprechen wir? Ein senegalesischer Imam

hat in einer Predigt gesagt: ‚Ich glaube nicht, dass der

islamisch-christliche Dialog irgendeinen Nutzen bringt.

Dieses Konzept setzt die Suche nach einem Kompro miss

voraus, das nach der Anwendung von gewissen religi ösen

Vorschriften sucht. Das aber ist mit dem Koran unvereinbar.

In der al-kafirum Sure 4 ist ausgedrückt, dass es im

Islam keinen solchen Dialog gibt. Im Koran ist der Dialog

ein friedlicher Aufruf an alle Menschen, an Allah und

seinen Propheten zu glauben.’“ Denn „nicht Religionen

und Konzepte treten in Dialog miteinander, sondern Menschen,

die sich – welchen Glauben oder welcher Philosophie

auch immer sie zugehörig sind – gegenseitig respektieren

und schätzen.“ Eine ähnliche Haltung nimmt Papst

2 Name von der Redaktion geändert.

3 Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog. Kongregation für

die Evangelisierung der Völker: Dialog und Verkündigung.

Überlegungen und Orientierungen zum Interreligiösen Dialog

und zur Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi. 19. Mai

1991, Art. 42

4 Sure 109

Benedikt XVI. in einem Vorwort für ein das Buch ‚Warum

wir uns Christen nennen müssen’ ein, in dem er den Ausdruck

„Interreligiöser Dialog“ lieber durch „interkulturellen

Dialog“ ersetzt: „Während über die Glaubensentscheidung

ein wirklicher Dialog nicht möglich ist, ohne dabei

den eigenen Glauben auszuklammern, müssen in der öffentlichen

Konfrontation die kulturellen Folgen der grundsätzlichen

Glaubensentscheidung behandelt werden. Hier

sind der Dialog und eine gegenseitige Korrektur sowie eine

gegenseitige Bereicherung möglich und notwendig.“ 5 Gefordert

ist ein Dialog des Lebens und der Kulturen.

3. Praktische Umsetzung zwischen Ideal und

Realität

Die praktische Umsetzung des Dialoges des Lebens konnte

während der Studienreise im November 2008 erlebt werden:

Das Ideal zerbricht nicht an Realität, sondern es wird

unentwegt ein verbessertes Zusammenleben zwischen

Christen und Muslimen angepeilt. Vier Situationen veranschaulichen

das „Modell Senegal“.

Enge Freundschaften von christlichen und muslimischen Familien

erleichtern den Dialog des Lebens.

a) Teranga – Gastfreundschaft

Der Senegal ist sprichwörtlich gastfreundlich und so wird

auch Teranga – die Gastfreundschaft – zwischen den Religionen

als Ideal hoch gehalten. Es ist selbstverständlich

geworden, dass sich Christen und Muslime gegenseitig

einladen. Francois findet es allerdings schade, dass in der

Realität die Muslime die Gastfreundschaft der Christen

nicht erwidern. Umgekehrt bringen die Christen als Gäste

bei muslimischen Ereignissen ihren Respekt durch die

Anwesenheit zum Ausdruck. Gastfreundschaft ist nicht

nur Gastgeber, sondern auch Gast sein.

b) Gemeinsamer Einsatz gegen die Not der

Menschen

Popenguine heißt ein Dorf südlich von Dakar, in dem die

muslimische Bevölkerung den Bau einer von französischen

5 Benedikt XVI, Vorwort in: Pera Marcello, Warum wir uns Christen

nennen müssen, 2008

28 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 29

© Missio/Zerche


Kirche im Senegal

Jugendlichen finanzierten Krankenstation, unterstützt

hat. Der 52-jährige Baye Diouf hat inzwischen Freundschaft

mit dem katholischen Ordensmann Bernard de la

Croix geschlossen. Für die Krankenstation dankt er Allah

und folgert: „Wenn du dich bei mir bedankst, sagt Gott,

dann musst du dich auch bei dem bedanken, der dir geholfen

hat. Deswegen haben wir begonnen uns bei der

Kirche zu bedanken, die in diesem Bereich tätig war.“

c) Gemeinsame Verantwortung in der Gesellschaft

Neben der lokalen praktischen Zusammenarbeit gibt es

„auch Briefe, die vom Marabout [Anm. religiöser Führer]

und den Bischöfen unterschrieben wurden,“ erklärt Francois.

Anlass war eine Stellungnahme der Bischöfe aufgrund

zunehmender Gewalt, der in den Zeitungen abgedruckt

wurde. Teile der Bevölkerung reagierten empört,

weil sie den Bischöfen das Recht absprachen in der Form

zu sprechen. Doch die Marabouts sagten: „Ein Mann Gottes

darf alles sagen, wenn etwas nicht passt.“ Schwieriger

wird es allerdings, wenn die gesellschaftlichen Probleme

eng mit dem Islam verbunden sind: Genital verstümmelung

bei Frauen, Polygamie und Koranschüler, die zum Betteln

missbraucht werden. Bei diesen Pro blemen steht die Kirche

an einer Grenze und kann oft den Menschen nicht

einmal helfen, da sie sich nicht in die innerreligiösen Be-

P. Joseph Giordano ist Missionar und Missio-Nationaldirektor

im Senegal.

lange der Religion einmischen darf. „Es ist nicht einfach

mit der islamischen Gemeinde darüber zu sprechen und

auch der Staat kann nicht frei zu diesen Themen Stellung

nehmen,“ erklärt Francois.

d) Konversionen und Apostasie

Die Familie bildet im Senegal traditionell die wichtigste

© Missio/Zerche

soziale Einheit. Obwohl nur jeder 15. Senegale Christ ist,

sind Christen und Muslime oft blutsverwandt, wie der

Muslim Baye Diouf humorvoll erklärt: „Hier in Popen guine

haben Christen und Muslime dasselbe Blut. Zum Beispiel

sind der verstorbene Erzbischof von Dakar [Hyacinthe

Thian doum, +2004] und ich von der gleichen Familie. Ich

Muslim, er Kardinal.“ In diesen „gemischten Familien“ sind

auch Konversionen zum Christentum „kein Problem“, urteilt

P. Joseph Giordano. Anders im Norden des Landes,

wo die Gesellschaftsstruktur noch sehr homogen ist. Dort

kommt es vor, dass aufgrund der Kombination von Islam

und afri kanischer Kultur die Freiheit des Einzelnen zum

Wohl der (Groß-)Familie gering geachtet wird. P. Joseph

Giordano erwähnt: „Vor der ewigen Profess besuchte ein

Mitbruder seine Familie. Bei seinen Verwandten in Dakar

gab es keine Probleme. Doch in seinem Heimatdorf versuchten

sie ihn von seinem Weg abzubringen: z.B. durch

schöne Frauen. Eine Tante aber riet ihm in der Nacht noch

zu flüchten, da er die Nacht sonst nicht überleben

würde.“

Der Wechsel der Religion wird auch in Richtung Islam

vollzogen. Gerade, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, kann

es sein, dass Christen durch den Konfessionswechsel sich

mehr Möglichkeiten in einer muslimischen Gesellschaft

erhoffen.

4. christentum erklären.

Die Situation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten

spürbar verbessert, weil „wir in den Medien präsent sind“,

sagt Francois. Dazu zählen wöchentliche Fernseh- und

Radiosendungen mit Priestern. Früher glaubten die Muslime

oft, „dass die Christen ‚Ungläubige’ sind. Das hängt

oft mit dem ‚moralischen Verfall’ der westlichen Kulturen

zusammen. Propagierter ‚Sex’ und hegemoniales Streben

einzelner Staaten. Wenn sie verstehen, dass Christen beten,

dass sie eine oft strenge Lebensführung aufweisen,

dann haben sie einen ganz anderen Blick auf die Christen.“

Im Islam sind Religion und Kultur auf das engste miteinander

verwoben, während sie im „christlichen“ Westen

auseinanderzudriften scheinen.

5. Resümee

„Im Allgemeinen werden die Christen bei den Moslems

geschätzt. Sie bewundern auch die Methode in der Kindererziehung

und der Organisation in der Familie,“ sagt

Bischof Ernest Sambou. Als Christen wollen sie mit einer

gestärkten Identität dem Islam als Mehrheitsreligion gegenüberzutreten

und wenn nötig, gemeinsam auf die Nöte

der Menschen reagieren und zu gesellschaftlichen Themen

Position beziehen. Modellhaft ist ihr beharrliches Bemühen

um einen Dialog des Lebens. Bei allen konkreten

Schwierigkeiten, die die Koexistenz erfordert, kann man

mit Baye Diouf sagen: „Ich danke Gott für das gute Verhältnis

von Christen und Muslime. Mein Wunsch ist, dass

es überall auf der Welt so ist, wie in Popenguine.“

Die Kirche ist ein Bus

Kirche im Senegal

Benjamin Ndiaye, Bischof der Diözese Kaolack, spricht im Gespräch mit Missio über seinen

Pastoralplan und erklärt die Aufgaben der Kirche und ihre Herausforderungen in einem

muslimischen Kontext.

■ ■ ■ ■ Missio: Die ganze Diözese arbeitet zurzeit

an neuen pastoralen Visionen. Wie würden

Sie uns diesen erklären?

Um den pastoralen Aktionsplan zu vermitteln, spreche ich

von einer Piroge, einem für Senegal typischen Boot, mit

seinen drei Segeln. Das erste Segel symbolisiert die Liturgie,

das zweite das Zeugnis und das dritte den Dienst um

– wie wir sagen – in das „Dorf der Gemeinschaft“ zu kommen.

Dabei habe ich gemerkt, dass es für die Leute viel

interessanter ist, wenn ich das Bild des Busses einsetze.

Es sind ja nicht alle Leute in der Diözese Seeleute. Den Bus

hingegen benutzen alle, um von einem Ort zum anderen

zu gelangen. Unser Bus heißt also „Diözese Kaolack“ und

ich als Bischof sitze am Steuer. „Wo fahren wir nun hin?“

Diese Frage ist sehr wichtig! Wir haben gehört, dass es ein

Dorf gibt, wo alle Leute gut miteinander zurechtkommen:

so wie der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Also

sagten wir uns: „In dieses Dorf wollen wir fahren, weil wir

an diesem Glück auch teilhaben wollen.“

Was brauche ich, wenn ich am Steuer meines Busses sitze?

Ich benötige Kraftstoff, Benzin. Das wären vielleicht die

Liturgie, das Wort Gottes, das spirituelle Leben, das so

grundsätzlich ist für unsere christliche Identität. Zu dieser

Identität müssen wir uns immer klar bekennen, weil wir

uns in unserer muslimisch geprägten Gesellschaft fast auflösen.

Wir sind eine Minorität, aber im Grunde genommen

gibt sie uns Kraft, weil wir wissen, dass wir kämpfen müssen,

wenn wir präsent sein und uns behaupten wollen.

30 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 31

© Missio Schweiz/Maillard

© Missio/Zerche


Kirche im Senegal

Benjamin Ndiaye sitzt am Steuer und fährt mit seiner Diözese in das Dorf, wo Gott wohnt. Wollen Sie mitfahren?

Was brauchen wir außerdem in unserem Bus? Beim Fahren

kann man sich nicht alles erlauben. Es gibt Fahrregeln, an

die man sich halten muss. Man ist also gehorsam; das ist das

Zeugnis. Im Bus ist man aufeinander angewiesen, man ist

solidarisch. Wenn ich Wasser habe und mein Nachbar nicht,

dann teile mit ihm. Wenn ich während der Fahrt Süßigkeiten

gekauft habe, teile ich mit den anderen. Auch auf der Straße

sind wir nicht allein; wir begegnen Leuten, die eine Panne

haben oder in einen Unfall verwickelt sind.

Unsere Solidarität zeigt sich also auch nach außen: Es ist

der Dienst. Das ist mein Schema. Weil ich von meinem

Schema überzeugt bin, habe ich es den Leuten gezeigt. Vor

allem bei den Kindern stelle ich immer viele Fragen. Gelernt

habe ich zum Beispiel bei folgenden Fragen: Zuerst

haben sie zu mir gesagt: „Natürlich braucht man Benzin;

aber zuerst brauchen Sie den Fahrausweis! Haben Sie denn

den Ausweis?“ Das sagten mir die Kinder und daraus habe

ich herausgehört, dass sie wissen wollten, ob ich denn

überhaupt legitimiert sei zum Fahren, wenn ich schon

vorgebe, der Fahrer zu sein. Ich habe ihnen gesagt: „Ihr

werdet mir nun sagen, ob ich tatsächlich eine Legitimierung

dazu habe.“ In unserer weiteren Diskussion haben

wir von meiner Bischofsweihe gesprochen und ich habe

ihnen erklärt, dass ich am Tag meiner Weihe meinen Ausweis

erhalten habe, um mit ihnen zu fahren.

Das war die erste Geschichte. In einer Pfarrei haben mir

die Leute gesagt: „Neben dem Fahrer braucht es immer

einen Assistenten und einen Coxer – der Coxer holt Fahrgäste

in den Bus und der Assistent verkauft die Fahrkarten.“

Damit wollten sie mir sagen: „Sie sind nicht allein,

sie haben Mitarbeitende: die Priester, die Katechetinnen

und Katecheten, die Ordensschwestern und -brüder, usw.“

Die ganze Kirche macht sich also auf den Weg. Am meisten

habe ich gelernt, als mir jemand gesagt hat: „Aber Sie

brauchen doch Fahrgäste in Ihrem Bus!“ Ich hatte mich

bisher nur um mich selbst gedreht und nur bereits Bestehendes

verwaltet: die Christinnen und Christen, die bereits

da waren. Mit dieser Frage habe ich die missionarische

Dimension besser verstanden: um den Bus zu füllen, müssen

wir Fahrgäste suchen. Das sind ganz banale Sachen,

aber die Menschen bringen damit ganz essentielle Elemente

zum Ausdruck. Das schätze ich sehr in unserer

Kirche. Es ist eigentlich alles ganz einfach, konkret. Die

Leute haben einen sehr natürlichen Zugang dazu. Das hilft

mir zum Leben.

■ ■ ■ ■ Ganz offenbar bestimmt Freude die

Kommunikation in ihrer Diözese.

Gibt es hie und da auch schwierige Situationen?

Wie erleben die Christinnen und

Christen in Ihrer Diözese die Situation als

Minorität?

Ja. In den kirchlichen Basisgruppen sind wir uns der Wichtigkeit

des Problems der Apostasie (= Glaubensabfall) bewusst

geworden. Der Einfluss des Islam ist so stark, dass

Christinnen oder Christen manchmal zum Islam wechseln.

Sie tun es, weil sie heiraten wollen, Land erwerben möchten

oder Arbeit suchen. Unsere Bemühungen haben sich

ausgezahlt, denn eine gewisse Anzahl von Frauen und

Männern ist im Rahmen von gemeinschaftlichen Feiern

wieder in die Kirche zurückgekommen.

© Missio/Zerche

Ich kann das an einem Beispiel illustrieren – und noch

heute kommen mir die Tränen, wenn ich davon spreche:

Ein Mann war zum Islam übergetreten. Er ist zu mir gekommen

und hat mit dem Pfarrer einen ganzen Prozess

durchlaufen, weil er im Rahmen des Pfarrfests „zurückkommen“

wollte. Der Pfarrer und der Mann haben einen

sehr schönen Ritus vorbereitet: Beim Einzug in die Kirche

ist der Mann bei der Türe stehen geblieben. Wir begannen

die Messe mit dem Weihrauch und begrüßten die Gläubigen.

Der Pfarrer hat sich an mich gerichtet und gesagt:

„Unser Freund Jean steht bei der Kirchtüre und bittet

zurückkommen. Bitte gehen Sie ihn doch holen. Zwei Vertretende

der Gemeinschaft begleiten Sie.“ Dank den Mikrofonen

konnten alle hören, was ich ihm gesagt habe:

„Worum bitten Sie die Kirche Gottes?“ Er hat geantwortet:

„Ich bitte um Vergebung und Erbarmen“. „Warum?“ „Weil

ich meinte, es sei richtig, wenn ich Muslim würde. Ich habe

in der Kirche eine große Enttäuschung erlebt, aber jetzt

bin ich mir im Klaren, dass niemand Jesus Christus ersetzen

kann.“ Ich sagte zum Mann: „Wenn dem so ist, knien

Sie sich nieder und beten Sie das Schuldbekenntnis.“ Er

hat gebetet und die zwei Vertretenden der Gemeinschaft

haben ihm als Zeichen der Annahme den Lendenschurz

[Teil der traditionellen Männerbekleidung] angezogen und

ihm geholfen aufzustehen. Miteinander sind wir anschließend

in die Kirche eingezogen und zum Altar hoch gegangen.

Dort habe ich gesagt: „Hier ist Jean. Er ist aus eigenem

Willen gegangen und kommt aus eigenem Willen zurück.

Vielleicht sind wir alle auch irgendwie schuldig: wir haben

zwar darüber gesprochen, aber haben wir auch gehandelt?

Deshalb sprechen auch wir alle zusammen jetzt das Schuldbekenntnis.“

Darauf haben wir die Liturgie bis zum Credo

weitergefeiert. Bevor wir alle gemeinsam das Credo gesungen

haben, hat Jean dem Bösen widersagt und sein

Taufgelübde erneuert.

Das Gefühl, eine Minderheit zu sein, ist in der christlichen

Gemeinschaft in der Diözese Kaolack stark präsent. Wir

machen diese Erfahrung schon seit langer Zeit. Das kann

auch dazu führen, dass Christinnen und Christen ihren

Glauben aufgeben, wie ich gerade geschildert habe. In

diesem Umfeld ist die Stärkung der eigenen Identität –

durch die Art des Seins und des Handelns – eine Bedingung,

um überhaupt existieren zu können, um in der persönlichen

Eigenheit anerkannt zu werden und um als

Christin oder Christ auch die Aufmerksamkeit auf sich zu

lenken. Natürlich wird die Kirche geschätzt, weil sie gewisse

gesellschaftliche Dienstleistungen anbietet, im Bereich

der Bildung (Schulen, Ausbildungsstätten und Internate),

im Bereich der Gesundheit (Gesundheitsstationen,

kleine Spitäler), im Bereich der Entwicklung (Betreuung

von Bauernorganisationen, menschliche Förderung).

Aber Christsein geht weit darüber hinaus: Es geht um das

permanent positive Zeugnis all derer, die sich auf Christus

beziehen und von ihm leben. Das zeigt, wie aktuell Mission

in der Diözese auch heute ist.

Kirche im Senegal

■ ■ ■ ■ In einem Beitrag, den Sie vor kurzem

verfasst haben, sprechen Sie davon, dass die

Menschen in Afrika mehr durch die Sorge

um die Gemeinschaft als durch Innerlichkeit

bewegt werden. Wie ist das zu verstehen?

Hier in Afrika leben wir in einer warmherzigen Kultur, in

der die Liebe zum Leben wichtig ist und gefeiert wird, in

der die menschlichen und gesellschaftlichen Beziehungen

groß geschrieben werden. Aber dieser wertvolle Trumpf

für das Gleichgewicht jeder Person und für die persönliche

Entwicklung kann hemmend wirken, wenn sich die Person

nicht genügend darum bemüht, aus sich selbst heraus zu

leben. Oft können persönliche Entscheidungen wegen des

Gruppendrucks, der in alle gesellschaftlichen Bereiche

hinein wirkt, nicht frei getroffen werden.

Zur Pflege eines gesunden Glaubenslebens gehört für die

christlichen Gläubigen eine innere Spiritualität dazu, die

sich in der Meditation des Wortes Gottes und in der Kontemplation

ausdrückt. Eine tiefere Verwurzelung der

christlichen Identität braucht die direkte Rückbindung an

Jesus-Christus, im Sinne von „Bleibt in mir, dann bleibe

ich in euch“ (Joh 15,4–5). Wenn sich diese Gläubigen wirklich

vom Beispiel Christi tragen lassen, werden sie sich

ganz automatisch zum Gebet zurückziehen und dort ihre

Lebensentscheidungen reifen lassen.

Bei dieser Bedingung denke ich an den Brief des Apostels

Paulus an die Epheser (3,16): „Der Vater möge euch aufgrund

des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass

ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke

zunehmt.“

Das Gespräch führten Fr. Bernard Maillard und Jacques

Michel im November 2008, Übersetzung ins Deutsche:

Martin Bernet.

Impulsfragen

■ Welche Bilder für Kirche veranschaulichen

das Leben in meiner Diözese?

■ Was sind die Schwerpunkte in meiner

Ortskirche? Was ist das Ziel?

32 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 33


Titel, Tipps, Termine

Kino-Film

7915 KM

Ein Rallye-Spektakel macht sich aus dem Staub – auf

den Spuren der ‘Dakar’ 2007 geht der Film ‚7915 KM‘

auf die Suche und begegnet in Marokko, der Republik

Sahara, Mauretanien, Mali und dem Senegal der vielfältigen

Gegenwart Afrikas.

‚7915 KM‘ macht die Distanz deutlich, die durch politische

und wirtschaftliche Verhältnisse, aber auch die

gegenseitigen Vorstellungen und Vorurteile zwischen

Europa und Afrika geschaffen wird. Und er macht die

Nähe spürbar, die sich in den Erzählungen über den

Alltag, die Arbeit, Sorgen und Hoffnungen auftut. Ohne

die ernüchternde Realität aus den Augen zu verlieren,

entsteht so eine Hommage an Menschlichkeit und

Langsamkeit, die eingefahrene Wahrnehmungen in Frage

stellt und viele vermeintlich afrikanische Probleme

auf uns selbst zurückwirft.

Länge: 106 Min.

Fassung: Originalsprachen mit deutschen Untertiteln

Weblink: www.7915km.com

Verleih: Stadtkino Filmverleih

Spittelberggasse 3, A-1070 Wien

T +43.1.522.48.14, F +43.1.522.48.15

office@stadtkinowien.at, www.stadtkinowien.at

Missio-Produkte

■ Werkmappe Weltkirche zum Thema:

Heimat Kirche. Religiöse Identität und Migration

Best.Nr.: WM0639

Den Frieden suchen. Friedenspotenziale in Islam

und Christentum.

Best.Nr.: WM0743

Wasser. Fluch und Segen.

Best.Nr.: WM0847

Hunger. Blick über den Tellerrand.

Best.Nr.: WM0951

Paulus. Meister der Inkulturation.

Best.Nr.: WM0850

Alle Mindestspende: € 2,00

■ Sono-Kreuz

Handgeschnitztes Kreuzchen aus dunklem

Sono-Holz an einer fein geflochtenen und

längenverstellbaren schwarzen Kordel, mit

drei kleinen Zierperlen aus Kokospalme.

Größe: 4,5 x 2,5 cm

Best.Nr.: BA0810

Mindestspende: € 2,90

■ cD Trommelzauber

Die CD zum gleichnamigen Buch. 30 Titel, auch mit Playback-

Versionen zum Lernen. Mit 16-seitigem Text-Booklet.

Laufzeit ca. 130 Minuten. Für Kinder von 4 bis 12 Jahren.

Best.Nr.: BA0625 Mindestspende: € 19,00

■ Schutzengel-Benefiz-cD

Zugunsten von Aids-Waisen haben der Solist Rudolf Buchbinder

und die Wiener Symphoniker für diese Benefiz-CD

auf Lizenzen verzichtet: Zwei

Klavierkonzerte von Mozart

(KV 4666 und 467).

Best.Nr.: SA0501

Mindestspende: € 9,50

■ Baumwolltasche „Schutzengel“

Best.Nr. SA0601

Mindestspende: € 0,50

Beispielland Senegal

Werkmappe Nr. 152/2009 Adr. Nr.

Titel, Tipps, Termine

34 Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal www.missio.at www.missio.at

Fortsetzung nächste Seite!

Missio • Werkmappe Weltkirche 152/2009 • Senegal 35

Name

Anschrift

■ Kindermagazin „On Mission“

Als Spenden sammelnde Organisation sind wir bestrebt, unsere Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Wir erlauben uns daher,

die anfallenden Versandkosten an Sie weiterzugeben. Wir danken für Ihr Verständnis!

Ich bitte um Zusendung des folgenden Materials. Bezahlen werde ich nach Erhalt der Sendung.

Art.-Nr. Anz. Titel Mindestspende pro Stück ¤

BA0810 Sono-Kreuz

2,90

BA0625 CD: Trommelzauber

19,00

BA0506 OH-Folien: Credo (Pfarre)

11,80

BA0515 OH-Folien: Credo (Schule)

10,50

SA0501 CD: Schutzengel-Benefiz CD

9,50

SA0508 Ton-Bild-Schau: Schutzengel

8,00

SA0601 Baumwolltasche: Schutzengel

0,50

WM0639 Heimat Kirche. Religiöse Identität und Migration

2,00

WM0743 Den Frieden suchen. Friedenspotenziale in Islam und Christentum. 2,00

WM0847 Wasser. Fluch und Segen.

2,00

WM0951 Hunger. Blick über den Tellerrand.

2,00

WM0850 Paulus. Meister der Inkulturation.

2,00

Missio stellt im Schuljahr 2009/10 SENEGAL als Beispielland vor. Um

dieses Land mit Kindergruppen in der Schule oder der Pfarre aufzubereiten,

gibt es für Kinder das für 10–12 Jährige konzipierte Kindermagazin

ON MISSION.

Auf 52 Seiten begeben sich die vier lustigen Charaktere auf eine

interessante Reise durch das Land der Gastfreundschaft. Durch abenteuerliche

Geschichten, lernen die Kinder in Österreich mehr über

Senegal und erfahren unter anderem, wie die Kirche vor Ort hilft und

wie sie selbst helfen können.

■ Begleitheft

Auszüge aus ON MISSION Kolumbien.

Zum Magazin „ON MISSION“ bieten wir Ihnen das 32seitige Begleitheft

an, in dem neben Informationen und Stundenimpulse auch

Kopiervorlagen zu einzelnen Themen zu finden sind. Weitere Anregungen

und Tipps finden Sie unter zusätzlich unter www.missio.at/

schule

■ Ton-Bild-Schau

„Länderprofil Senegal

■ DVD „Kinderfilm Senegal

■ OH-Folien-Set Senegal

■ Musik-cD Senegal

erhältlich ab September 2009 bei

Missio! Weitere Informationen zu

unseren Produkten zum Beispielland

auf www.missio.at.

Antwortsendung

Seilerstätte 12

1010 Wien

Bitte

frankieren


VPA 1010 Sponsoringpost GZ 02Z030313S

Titel, Tipps, Termine

Monat der Weltmission

Senegal – bei Ihnen zu Gast

■ Auf Einladung von Missio touren Gäste aus dem Senegal

im Oktober, dem Monat der Weltmission durch Österreich.

Der Senegal ist heuer das Missio-Beispielland, das vom Solidaritätsfond

der Päpstlichen Missionswerke unterstützt

wird, für den am 18. Oktober weltweit gesammelt wird.

Sie besuchen Schulen und Pfarrgemeinden, um Einblicke in

Gesellschaft und das Leben der Kirche zu eröffnen. Nur

wenn wir unsere Augen für das Leben der anderen öffnen,

wird Lerngemeinschaft Weltkirche erfahrbar und weltweite

Solidarität unter den Christen möglich.

Im Rahmen der jährlichen Kinderaktion von Missio kommen

unsere Gäste auch in die Schulen.

Zeitplan Diözese

■ 24. 9. – 29. 9. Wien und Eisenstadt

■ 27. 9. – 30.9. Graz-Seckau

■ 30. 9. – 2. 10. Gurk-Klagenfurt

■ 5. 10. – 6. 10. Innsbruck und Vorarlberg

■ 8. 10. – 11. 10. Salzburg

■ 12. 10. – 14. 10. St. Pölten und Linz

Änderungen vorbehalten

■ Darüber hinaus wollen wir Pädagoginnen und Pädagogen

einen Fortbildungsnachmittag im Rahmen der KPHs zum

diesjährigen Beispielland Senegal anbieten, bei dem Inhalte

und Methoden vorgestellt werden.

Art.-Nr. Anz. Titel Mindestspende pro Stück ¤

WM0849 Werkmappe Weltkirche: Kolumbien

2,00

WM0432 Werkmappe Weltkirche: Thailand

2,00

WM0744 Werkmappe Weltkirche: Papua Neuguinea

2,00

BA0825

Ton-Bild-Schau: Kolumbien

10,00

BA0804

DVD: Kinderfilm Kolumbien

15,00

JB0809

ON MISSION „Kolumbien“

2,00

Sr. Claudine-Marie Ndione

Die Analphabetenquote liegt bei Frauen

im Senegal bei 71 Prozent. Sr. Claudine-

Marie Ndione trägt als Leiterin des Collège

Sainte Ursule für Mädchen in Thiès und

Umgebung bei, dass den jungen Frauen

durch Bildung eine selbstständige Zukunft

ermöglicht wird.

Frère Stanislas Diouf und

Frère Thomas Gomis

Die beiden Mönche leben im Benediktinerklosters

Keur Moussa, das nicht nur

zahlreiche Berufungen hat, sondern auch

für seine unverwechselbaren Gesänge,

die eine spannende Mischung aus Gregorianischem

Choral und traditioneller

afrikanischer Musik sind, berühmt ist.

Missio-KPH-Veranstaltungen

zum Beispielland Senegal

■ 21.09.2009 Krems

■ 22.09.2009 Amstetten

■ 23.09.2009 Zwettl

■ 24.09.2009 Wien

■ 30.09.2009 Klagenfurt

■ 30.09.2009 Graz

■ 06.10.2009 Innsbruck

■ 07.10.2009 Wörgl

■ 15.10.2009 Salzburg

Nähere Informationen unter

www.missio.at/Termine

Anfragen richten Sie bitte an: Monika Schwarzer, 01-513 77 22 – 26, schwarzer@missio.at

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