Ich weiss, was ich will – meine Familie auch! - Schweizerisches ...

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Ich weiss, was ich will – meine Familie auch! - Schweizerisches ...

Ich weiss, was ich will

meine Familie auch!

Diese Broschüre informiert Sie über die Entnahme und Transplantation von Organen, Geweben und Zellen.

In der beiliegenden Spendekarte können Sie Ihren Willen für oder gegen die Entnahme von Organen, Geweben

oder Zellen ankreuzen.

Ein schwieriger Entscheid in einer schwierigen Situation

An einem Morgen erwacht die 48-jährige Frau S. nicht mehr. Sie liegt bewusstlos im Bett. Sie wird sofort ins Spital eingeliefert.

Dort erhalten Ehemann und Tochter die Nachricht, dass die Hirnfunktionen von Frau S. wegen einer schweren

Hirnblutung endgültig ausgefallen sind - sie ist auf der Intensivstation verstorben.

Kurz darauf werden Ehemann und Tochter gefragt, ob sie den Willen der Frau bezüglich Spende kennen, da die Organe

und Gewebe für eine Transplantation verwendet werden könnten. Nun sollten die beiden innert kurzer Zeit und in diesem

schwierigen Moment entscheiden. Was hätte Frau S. gewollt?

Weiss Ihre Familie, was Sie wollen?

Informieren Sie sich bilden Sie sich eine Meinung teilen Sie den Angehörigen Ihren Willen mit.

1. Allgemeine Informationen und

gesetzliche Regelungen

Das Transplantationsgesetz vom

8. Oktober 2004

Das Transplantationsgesetz schafft einen einheitlichen

rechtlichen Rahmen für die Transplantationsmedizin

in der Schweiz. Den ganzen Gesetzestext

kann man auf www.transplantinfo.ch abrufen oder

bei der Bundeskanzlei (Bundespublikationen) beziehen.

Unter welchen Voraussetzungen dürfen

in der Schweiz im Todesfall Organe, Gewebe

oder Zellen entnommen werden?

In der Schweiz ist die Entnahme von Organen, Geweben

oder Zellen im Todesfall nur dann erlaubt, wenn

eine Einwilligung vorliegt.

Hatte die verstorbene Person eine Spendekarte

ausgefüllt, werden die Angehörigen über den Willen

der verstorbenen Person informiert. Der Wille der

verstorbenen Person ist entscheidend und gültig,

auch wenn die Angehörigen anderer Meinung sind.

Hatte die verstorbene Person keine Spenderkarte

ausgefüllt und kennt man ihren Willen nicht, können

die nächsten Angehörigen über eine Entnahme

entscheiden. Sie sollen so entscheiden, wie die

verstorbene Person vermutlich entschieden hätte.

Sind keine Angehörigen vorhanden oder erreichbar,

ist eine Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen

nicht erlaubt.

Diese Regelung wird als erweiterte Zustimmung

bezeichnet und ist im Transplantationsgesetz der

Schweiz verankert.

Wann kommt eine Organ- oder Gewebeentnahme

im Todesfall überhaupt in Frage?

Eine Organ- oder Gewebeentnahme kommt in der

Regel nur in Frage, wenn eine Person auf der Intensivstation

verstirbt. Die Entnahme ist nur erlaubt,

wenn eine Einwilligung zur Spende vorliegt und der

„Hirntod“ festgestellt worden ist.

Was heisst „Hirntod“?

Ein Mensch ist tot, wenn die gesamten Hirnfunktionen,

einschliesslich des Hirnstamms endgültig

ausgefallen sind. Die Steuerung des Körpers und aller

Lebensprozesse hört damit auf. Dieser Zustand wird

als „Hirntod“ bezeichnet. Der „Hirntod“ ist definitiv

und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Der Tod muss von zwei unabhängigen Ärztinnen oder

Ärzten festgestellt werden. Sie testen alle Gehirnfunktionen,

zum Beispiel anhand von verschiedenen

Reflexen (Augenreflexe und andere). Die Diagnose

muss nach 6 Stunden bestätigt werden, sei es durch

Wiederholen dieser Tests oder mit Messen der Hirndurchblutung.

So steht ohne Zweifel fest, dass die

betreffende Person tot ist.

Das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass die

Feststellung des „Hirntodes“ die zwingende Voraussetzung

für eine Organ- oder Gewebeentnahme ist.

Was ist der Unterschied zwischen Koma

und „Hirntod“?

Im Koma ist der Mensch nicht tot. Koma ist ein

Zustand schwerer Bewusstlosigkeit. Ein Patient oder

eine Patientin im Koma hat noch Hirnaktivität und es

besteht die Möglichkeit, dass eine Person auch nach

längerer Zeit aus dem Koma erwachen kann.

Im Falle des «Hirntodes» ist das Hirn und der ganze

Hirnstamm endgültig ausgefallen. Damit ist ein

Erwachen unmöglich. Die Patientin bzw. der Patient

ist verstorben.

Welche Organe, Gewebe oder Zellen werden

in der Schweiz transplantiert?

In der Schweiz sind bis jetzt über 7000 Organe

transplantiert worden am häufigsten die Niere,

gefolgt von Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse

und Dünndarm. Bei den Geweben werden vor

allem Augenhornhäute (Cornea) transplantiert. Die

häufigste Zell-Transplantation ist die Übertragung

von Blut-Stammzellen. Diese können aus dem

Knochenmark, dem zirkulierenden Blut und bei einer

Geburt der Nabelschnur entnommen werden. Eine

Niere, ein Teil der Leber sowie Blut-Stammzellen

können auch lebenden Personen entnommen werden

(Lebendspende).

Was heisst Unentgeltlichkeit und

Handelsverbot?

Das Transplantationsgesetz verbietet den Handel

mit Organen, Geweben oder Zellen und schreibt vor,

dass eine Spende unentgeltlich sein muss. Die Spende

von Organen, Geweben oder Zellen ist in jedem Fall

eine freiwillige Gabe; weder die spendende Person

noch die Angehörigen erhalten dafür Geld. Die Hinterbliebenen

erhalten auch keine Angaben darüber,

wem zum Beispiel ein Organ zugeteilt worden ist. Die

empfangende Person bleibt anonym.

www.transplantinfo.ch


Wer bezahlt eine Transplantation?

Die meisten der in der Schweiz angebotenen

Transplantationen gehören zum Leistungskatalog

der obligatorischen Krankenversicherung. Die Kosten

der Entnahme bei einer Lebendspende trägt die

Versicherung der Empfängerin oder des Empfängers.

Dazu gehört auch eine Entschädigung für Spesen,

Voruntersuchungen und für den Lohnausfall der

spendenden Person.

2. Informationen zur Spendekarte

Werden lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen,

wenn ich eine Spendekarte besitze?

Nein. Leben retten ist oberstes Gebot der Medizin.

Es ist strafbar, wenn Ärztinnen oder Ärzte bewusst

gegen den Willen der betroffenen Person und aus

eigennützigen Motiven lebensrettende Massnahmen

unterlassen.. Sie werden in jedem Fall unabhängig

davon, ob Sie sich für oder gegen eine Spende entschieden

haben - immer die für Sie beste medizinische

Behandlung und Betreuung erhalten!

Was soll ich tun, wenn nicht sicher ist,

ob meine Religion eine Organ-, Gewebe-

oder Zellspende akzeptiert?

Die meisten Religionen akzeptieren eine Organ-

spende als Akt der Menschenliebe, weil auf diese

Weise das Leben anderer Menschen gerettet

werden kann. Wenn Sie nicht sicher sind, sprechen

Sie am besten mit einem Vertreter Ihrer religiösen

Gemeinschaft.

Auch wenn Sie eine Spendekarte ausgefüllt

haben: Informieren Sie auf jeden Fall Ihre

Angehörigen über Ihren Willen.

Dem sorgfältigen und würdevollen

Umgang mit dem Körper der verstorbenen

Person und dem Respekt gegenüber den

trauernden Angehörigen werden immer

grosse Beachtung geschenkt.

Wann kann die Beerdigung statt finden?

Bei einer Organspende kann die verstorbene Person

normalerweise zirka 24 Stunden nach dem Feststellen

des Todes den Angehörigen übergeben werden.

4. Zuteilung von Organen

Wie kommt eine Person auf die Warteliste der

Nationalen Zuteilungsstelle?

Normalerweise stellt die Hausärztin oder der

Hausarzt fest, ob eine Transplantation notwendig

sein könnte und überweist die betreffende Person

an eines der sechs schweizerischen Transplantationszentren.

Nach diversen Abklärungen entscheidet

dort ein Ärzteteam, ob die Voraussetzungen für die

Aufnahme auf die Warteliste der Nationalen Zuteilungsstelle

gegeben sind.

Wer kann spenden?

Wer entscheidet über die Zuteilung von

Jede Person kann sich grundsätzlich als Spender oder Obwohl die bisherige Spendekarte ihre Gültigkeit Organen?

Spenderin von Organen, Geweben oder Zellen zur behält, empfehlen das Bundesamt für Gesundheit und Die Zuteilung erfolgt durch die Nationale Zuteilungs-

Verfügung stellen. Wer das 16. Lebensjahr vollendet Swisstransplant Personen, die in der Vergangenheit stelle. Diese organisiert und koordiniert auf nationaler

hat, kann eine Erklärung zur Spende abgeben; vorher schon eine Spendekarte ausgefüllt haben, diese durch Ebene alle mit der Zuteilung zusammenhängenden

entscheiden die Eltern.

die vorliegende zu ersetzen. Die Grundlage für die in Tätigkeiten. Die Nationale Zuteilungsstelle wird im

Eine Spende ist bis ins hohe Alter möglich. Massge- der neuen Karte enthaltene Willensäusserung findet Auftrag des Bundes durch die Stiftung Swisstranspbend

ist der gesundheitliche Zustand der Spenderin sich in Artikel 8 des Transplantationsgesetzes. lant geführt.

oder des Spenders. Schwere Infektionskrankheiten

Bei der Zuteilung von Organen gilt der Grundsatz,

wie Aids, Hepatitis B oder C sowie gewisse Krebs- Spendekarten können in den meisten Apotheken, dass jeder Mensch die gleiche Chance auf ein

formen schliessen eine Spende aber nicht grund- Arztpraxen und Spitälern oder bei Swisstransplant lebensrettendes Organ haben soll. Da heute Organe

sätzlich aus. Bei der Entnahme wird in jedem Fall bezogen werden.

nur beschränkt zur Verfügung stehen, ist ihre ge-

untersucht, ob die Organe für eine Transplantation in

rechte Verteilung besonders wichtig. Mit Unterstüt-

Frage kommen.

zung eines Computerprogramms wird gemäss den

3. Informationen zur Entnahme klar festgelegten Zuteilungskriterien (medizinische

Warum eine Spendekarte?

von Organen

Dringlichkeit, medizinischer Nutzen, Wartezeit,

Damit die Angehörigen im Todesfall nicht eine

Chancengleichheit) die Person mit der höchsten

schwierige Entscheidung treffen müssen, ist es wich- Wie geht eine Organentnahme vor sich?

Priorität ermittelt.

tig, den eigenen Willen zu Lebzeiten zu dokumentie- Liegt die Einwilligung zur Entnahme vor, wird die

ren. Mit einer ausgefüllten Spendekarte können Sie verstorbene Person am Beatmungsgerät belassen

sicher stellen, dass nach dem Tod mit Ihrem Körper und betreut, damit die Organe keinen Schaden 5. Weitere Informationen

das gemacht wird, was Sie selber wollen. Tragen Sie nehmen. Es werden Tests durchgeführt, die mehrere

die Karte auf sich und teilen Sie Ihre Entscheidung Stunden dauern können. Das Spital meldet in der Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrer Haus-

unbedingt den Angehörigen mit.

Zwischenzeit die Spenderin bzw. den Spender der ärztin bzw. Ihrem Hausarzt oder bei folgenden

Mit der Spendekarte können sie die Entnahme von Nationalen Zuteilungsstelle. Diese sucht eine Adressen:

Organen, Geweben oder Zellen erlauben, teilweise geeignete Empfängerin oder einen geeigneten Emp-

erlauben, ganz verbieten oder eine Vertrauensfänger für die angebotenen Organe und koordiniert Bundesamt für Gesundheit BAG

person benennen, die in Ihrem Todesfall über eine die weiteren Schritte, welche zur Organentnahme 3003 Bern

Entnahme entscheidet.

und Transplantation führen.

Telefon: 031 322 21 11

Möchten Sie die Entscheidung Ihrer Familie überlas- Eine Ärztin oder ein Arzt entnimmt die Organe nach transplantation@bag.admin.ch

sen, benötigen Sie keine Spendekarte.

allen Regeln der Kunst und mit Respekt gegenüber www.transplantinfo.ch (Internetseite auf deutsch,

der verstorbenen Person. Die Wunden der verstor- französisch und italienisch)

Was ist, wenn ich meine Meinung ändere? benen Person werden sorgfältig zugenäht und ver-

Wenn Sie Ihre Erklärung für oder gegen eine Spende bunden. Nach der Entnahme wird der Leichnam den Swisstransplant

rückgängig machen wollen, können Sie die Spen- Angehörigen übergeben. Die Familie wird auf Wunsch Postfach 7952, 3001 Bern

dekarte vernichten und eine neue ausfüllen. Das über den Verlauf der Entnahme informiert.

Telefon: 0800 570 234

Ausfüllen der Spendekarte wird in keinem offiziellen

info@swisstransplant.org

Register vermerkt.

www.swisstransplant.org (Internetseiten auf

deutsch, französisch, italienisch und englisch)

Stiftung Blut-Stammzellen

www.blutstammzellen.ch (Internetseiten auf

deutsch, französisch, italienisch und englisch)

Schweizerische Akademie der Medizinischen

Wissenschaften

www.samw.ch (Internetseiten auf deutsch,

französisch, italienisch und englisch)


Eidgenössisches Departement des Innern

Bundesamt für Gesundheit









































































Eidgenössisches Departement des Innern

Bundesamt für Gesundheit


1. Karte ausdrucken und ausschneiden. 2. Karte ausfüllen und unterschreiben.

















































3. Karte 2x über Kreuz falzen…

4. …und zusammen mit Fahrausweis,


Identitätskarte usw. aufbewahren.


Ausfüllen der Spendekarte:

1. Karte ausdrucken und

ausschneiden.

2. Name und Vorname

in gut leserlicher Blockschrift schreiben

3. Geburtsdatum vermeidet

Verwechslungen mit gleichnamigen Personen

4. Karte unterschreiben, aktuelles Datum einsetzen

5. Entscheiden Sie, ob Sie im Falle Ihres Todes die Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen

erlauben, teilweise erlauben oder verbieten wollen. Oder Sie haben die Möglichkeit,

die Entscheidung einer Vertrauensperson zu überlassen.

Wichtig: Nur eine dieser vier Möglichkeiten ankreuzen!

6. Karte 2x über Kreuz falten und Eidgenössisches stets bei sich Departement tragen! des Innern

Bundesamt für Gesundheit

7. Wenn Sie Ihre Meinung bezüglich Organspende ändern, alte Karte einfach vernichten,

neue Karte ausfüllen und Angehörige informieren.













































































































































































































in Zusammenarbeit mit

Übersetzung,

nicht rechtsgültig.

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