Rede Jürg Stüssi-Lauterburg - Schweizerisches Rotes Kreuz

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Rede Jürg Stüssi-Lauterburg - Schweizerisches Rotes Kreuz

"Man braucht im Krieg Wärter und Pflegerinnen, aber sie werden nur etwas taugen,

wenn sie im Frieden eingeübt und vorbereitet worden sind auf ihr schweres Amt und

indem dies geschieht, dienen sie heute schon den Armen im Volke, den Siechen und

Elenden aller Orts."

Praktisch wurde die Ausbildung während der ersten beiden Jahrzehnte vollständig

durch die Samaritervereine und durch das SRK selber getragen, ohne jede Unterstützung

durch die öffentliche Hand. Typisch ist das Lob, das 1887 Berner Samariterinnen

in den Spalten der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift erhielten:

"Hier sah man die vornehmen Fräulein und Damen, welche über das in vier

vorgängigen Kursen Gelernte ihr Examen ablegten und eine solche Hingabe, Fleiss

und Geschicklichkeit bekundeten, als hätte man das Bild der nacktesten Wirklichkeit

eines Kriegsfalles vor sich."

Das SRK verlangte seinerseits ab 1895, dass alle Teilnehmer seiner Krankenwärterkurse

sich im Hinblick auf den Kriegsfall schriftlich zum Dienst verpflichten mussten.

Damit war, allerdings erst einseitig, die freiwillige Dienstpflicht begründet. Dieses

Angebot musste nun, um dauerhaft zum Tragen zu kommen, von den Behörden

formell angenommen werden. Der Bundesrat wollte das Angebot annehmen, aber er

wollte - entgegen dem Antrag des Militärdepartements übrigens - nichts dafür

bezahlen. Aber da hatte er die Rechnung ohne die Wirtin gemacht!

Die Damen des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins richteten kurzerhand

eine Petition an die Bundesversammlung. In der Petition vom Januar 1902,

welche eine materielle Unterstützung bezweckte, wiesen sie auf den militärischen

Nutzen einer gründlichen Ausbildung des Pflegepersonals hin:

"Die Schweiz. Pflegerinnenschule mit Frauenspital ist eine Schöpfung des Schweiz.

Gemeinnützigen Frauenvereins, hervorgegangen aus der Einsicht, es sei eine

bessere Ausbildung von freiem Pflegepersonal für unser Vaterland ein Gebot

absoluter Notwendigkeit sowohl in volkswirtschaftlicher Beziehung im Allgemeinen

und hauptsächlich in Epidemiefällen, als auch in militärischer Beziehung im

Kriegsfalle."

Der Bundesrat wand sich und spielte auf Zeit, hatte sich nun aber mit Kräften eingelassen,

die ihm über waren.

Als sechs Monate nichts Entscheidendes geschehen war, reichte der Schweizerische

Gemeinnützige Frauenverein im Juli 1902 eine erneute Eingabe ein und forderte den

Bundesrat auf, das Gesuch "baldmöglichst zur Behandlung" zu bringen. Zu den in

dieser erneuten Eingabe genannten Mitgliedern der Krankenpflegekommission des

SGF gehörten Damen wie die erste Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin und "Frau

Bundesrat Ruchet, Bern". Diese Damen verstanden, lange vor dem Frauenstimmrecht,

die politische Klaviatur der Heimat ausgezeichnet. Wie zufällig tauchte ungefähr

gleichzeitig mit ihrem Mahnschreiben ein nationalrätliches Postulat mit dem

Anliegen auf:

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