Vertiefungsarbeit „Borderline- Syndrom“ - Andreoli AG

andreoliag

Vertiefungsarbeit „Borderline- Syndrom“ - Andreoli AG

Vertiefungsarbeit

„Borderline- Syndrom“

Campbell Fiona

&

Annen Rafael

Berufsschule für Gestaltung Zürich

Medien Form Farbe

IL5A

13. November 2008


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Campbell Fiona & Annen Rafael 2

Geschichte Borderline Syndrom

Entstehung des Begriffes Borderline 4

„Borderline“ (Grenzlinie)

Erste Diagnose 6

Bekanntheitsgrad der „Borderline

Persönlichkeitsstörung“

Symptome 6-7

9 Symptome

Ursachen 7-8

Mindestens 5 Möglichkeiten Symptome

Wir begegnen Borderline- Patienten

Campbell Fiona: Begegnung mit mir selbst 9-11

Annen Rafael: Beziehung mit einer

Borderline Betroffenen 14

Behandlungs- &

Heilungsmöglichkeiten

Verschiedene Therapien, Möglichkeiten:

Hilfe finden 15

Die Dialektisch- Behaviorale Therapie 15

Übertragungsfokussierte Psychotherapie 16

Beziehung zu dem Therapeuten 16

Medikamentöse Behandlung 16

Um Dissoziationen zu vermeiden:

Skills- Koffer 16

Hilfe zum Erstellen eines Skills- Koffer 18

Andere Gruppenmöglichkeit 18

Interview’ s mit Bezugspersonen:

Herr Ch. Kuster/ Pfleger 19-20

Die Nachtwache 20

Unser Schlusswort

Campbell Fiona 21

Annen Rafael 21

Literatur- Quellenverzeichnis 22

Fremdwörter

Paranoid: „Neben dem Verstand“

Dissoziation: „Trennen von Körper und Geist“

BPS: „Borderline- Persönlichkeitsstörung“

DBT: „Dialektisch Behaviorale Therapie“

Individualtendenz: „Neigung zur individuellen

Wahrnehmung“

Stigmatisierung: „Abweichung vor Normalität zu

sozialer Diskriminierung führende

Charakterisierung einer Person oder

Gruppe“

Skills: „Fertigkeiten“


Vorwort: Campbell Fiona & Annen Rafael

Uns gingen am Anfang viele verschiede Themen

durch den Kopf. Schlussendlich entschieden wir

uns für das Thema Borderline- Syndrom. Wir

kamen darauf, weil wir in unserem Freundeskreis

selbst Menschen haben die davon betroffen sind,

und wir das unseren Mitmenschen näher bringen

wollen.

Wir wollen eine bessere Einsicht in das Leben

eines Borderline- Patienten ermöglichen, damit

die, Betroffenen besser verstanden werden und

dessen Mitmenschen wissen wie sie damit

umgehen können, und an wen man sich am

besten wenden kann. Vor allem, dass diese

Menschen wissen dass sie nicht alleine sind, und

die die noch nie was davon gehört haben, sehn

dass es doch viele Menschen gibt die davon

betroffen sind.

Wir möchten allen danken die uns in dieser Zeit

unterstütz haben, und an uns, und unsere Arbeit

geglaubt haben, und uns Mut gemacht haben,

wenn wir kurz vor dem Verzweifeln waren. Vielen

Herzlichen Dank!

° 2 °


° 1 °


Geschichte Borderline Syndrom

Entstehung des Begriffes Borderline:

Ende der 30er Jahre wurde der Begriff

„Borderline“ (Grenzlinie) vom Amerikanischen

Psychoanalytiker William Louis Stern eingeführt.

Er charakterisierte damit Menschen mit

psychischer Beeinträchtigung, die zwischen

Neurose und Psychose schwankten. Ursprünglich

bezeichnete der Begriff also eine bestimmte

Gruppe, die an dieser Störung litt.

Definition von Neurose: Zusammengefasst

ausgedrückt, sind Neurosen störende, länger

andauernde psychische Einstellungen oder

Verhaltensgewohnheiten, wie z.B. Hemmungen,

Furcht, Unsicherheit oder Depressionen, ohne

nachweisbare organische Ursachen. Demnach

entsteht eine Neurose im Verlauf der

menschlichen Entwicklung durch bestimmte

Erfahrungen, wie länger andauernde

Lernprozesse oder einschneidende Erlebnisse, die

bei Betroffenen meist unverständlich bleiben und

von ihnen vor allem nicht ausreichend kontrolliert

werden können. Allerdings haben Patienten die an

einer Neurose leiden ein zumindest vages

Bewusstsein von ihrer Störung, an der sie leiden.

Ebenfalls zu erwähnen ist, dass ein Zerfall

psychischer Funktionen, wie z.B. des Denkens

oder der Wahrnehmung, bei einer Neurose nicht

auftritt.

Definition von Psychose: Eine Psychose ist der

Sammelbegriff seelischer Erkrankungen, die mit

tief greifenden Störungen psychischer Funktionen

verbunden sind. Im Gefolge kommt es dabei oft zu

Wahnvorstellungen, Halluzinationen und schweren

Gedächtnis- oder Affektstörungen die meist zu

Fehleinschätzungen der Realität und zu schwer

einfühlbaren Verhaltensänderungen führen.

Menschen die an einer Psychose erkranken,

erleben oft ihre Umgebung und nicht sich selber

als verändert. Im akuten Stadium verfügen sie

über keine, oder nur eine im Ansatz vorhandene

Krankheitseinsicht.

Schon bald nach der Einführung des Begriffs

„Borderline“ von William Louis Stern, wurde aber

erkannt, dass diese Störung in ihrer Gesamtheit

eher als Persönlichkeitsstörung zu sehen ist. Der

Begriff Borderline hat somit zwar seine inhaltliche

Bedeutung verloren, wurde aber trotzdem als

Krankheitsname beibehalten. Mittlerweile gelten

Borderline- Persönlichkeitsstörungen als

eigenständiges Krankheitsbild und werden mit der

Instabilität von Gefühlen und Verhalten definiert

° 4 °


Erste Diagnosen

Im Wesentlichen ist uns diese psychische

Krankheit eher unbekannt. Dies hat auch seine

Gründe. Zunächst ist die Diagnose „Borderline,

Persönlichkeitsstörung“ erst sehr spät als solche

definiert worden. Der Verband amerikanischer

Psychiater hat das Syndrom 1980 in sein

Diagnostisches und Staatliches Manual

aufgenommen. Ärzte und Psychiater wissen noch

zu wenig über diese Krankheit, deshalb wird die

Diagnose Borderline- Syndrom im Verhältnis zu

anderen psychischen Störungen auch nicht so oft

gestellt. Dazu kommt, dass ein Arzt der diese

Diagnose stellt, dem Patienten die Nachricht

wegen seiner Instabilität vorenthält, oder die

Krankheit kurz anspricht aber nicht näher darauf

eingeht.

Aus der Statistik geht hervor, dass gut zwei

Prozent der Bevölkerung an der Borderline

Störung erkrankt. Demnach gehört sie zu den

verbreiteten psychischen Störungen. Bei zwei

Prozent aller Psychischerkrankten sind ebenfalls

Symptome der Persönlichkeitsstörung

aufzuweisen. Wenn das Krankheitsbild noch von

den Geschlechtern aus betrachtet wird, sind ein

Viertel der Betroffenen Männer. Meist allerdings

kann das Symptom bei Mädchen und Frauen im

Alter zwischen 15 und 25 Jahren diagnostiziert

werden.

Symptome

Empfindung und Verhalten eines Borderline-

Erkrankten: Menschen mit einer Borderline-

Persönlichkeitsstörung haben dieselben Gefühle

wie andere. Der Unterschied liegt darin, dass sie

weit intensiver fühlen, extremer reagieren, dass es

ihnen meistens schwer fällt, ihre Emotionen und

ihr Verhalten zu kontrollieren. Ebenfalls von

grosser Bedeutung ist das sogenannte

schwarz/weiss Sehen von Patienten mit einer

Persönlichkeitsstörung. Dies ist wie folgt zu

verstehen; Menschen mit einer Störung erkennen

keine oder nur sehr geringe Zwischenzonen,

sogenannte Grauzonen, für sie erscheint alles

entweder gut oder schlecht, lieb oder böse. In der

folgenden Auflistung von Denkmustern,

Emotionen und Handlungsweisen, welche

charakteristisch sind für Borderline- Patienten, ist

dies gut erkennbar.

Die nun folgenden Auflistung zeigt die am

häufigsten vorkommenden und zum Teil gut

erkennbaren Symptome einer

Persönlichkeitsstörung. Eine Borderline- Störung

liegt mit grosser Wahrscheinlichkeit vor, wenn ein

Mensch an mindestens fünf dieser Symptome

leidet.

° 6 °


1. Symptom: Unbeständige und unangemessene

intensive zwischenmenschliche Beziehung

2. Symptom: Selbstschädigende

Verhaltensweisen

3. Symptom: Starke Stimmungsschwankungen

4. Symptom: Unangemessene Zornausbrüche

5. Symptom: Die Selbstverletzung und

Suiziddrohungen oder Suizidversuche

6. Symptom: Das Fehlen eines klaren Identitäts-

Gefühls

7.Symptom: Die chronische Langeweile und

Leere

8. Symptom: Die Angst vor dem Verlassenwerden

9. Symptom: Stressabhängige paranoide

Phantasien oder schwere dissoziative Symptome

Ursachen

Die nun folgenden fünf Punkte kommen als

mögliche Auslöser einer Borderline Störung in

Frage:

- Eine mögliche Entwicklungsstörung in den ersten

drei Lebensjahren, z.B. lernen Borderliner nicht,

dass wichtige Personen in ihrem Leben, wie zum

Beispiel die Mutter, gut und böse sein können. Sie

halten diese Züge voneinander getrennt.

- Missbrauch (physisch, psychisch, sexuell)

- Eine emotionale Vernachlässigung nahe

stehender Personen, wie Familie oder Freunde.

Das Gefühl vermittelt bekommen zu haben, nicht

geliebt zu werden.

- Traumatische, einschneidende Erlebnisse auf

psychischer oder physischer Ebene.

- Allgemeine Konflikte im Jugendalter, wie z.B. im

Rahmen der Ablösung vom Elterhaus oder

unerträgliche Auseinandersetzungen zwischen

nahe stehenden Personen.

Abgesehen von diesen Faktoren sorgen zudem

noch eine Menge gesellschaftlicher

Veränderungen dafür, dass sich aus einer leichten

Persönlichkeitsstörung im Laufe der Zeit eine

massive Borderline Persönlichkeitsstörung

entwickeln kann. Als Beispiel kann hier die

Individualtendenz, verbunden mit einem Rückgang

der Unterstützung der Familie und dem sozialen

Umfeld genannt werden.

° 7 °


Wie können Angehörige einen guten Umgang

finden?

Hilfreich ist eine Umgangsweise, die von

Verständnis und klaren Grenzen geprägt ist.

Borderline- Betroffene leiden selbst am meisten

unter ihren Borderline- Verhaltensweisen, können

sie aber in Krisensituationen häufig nicht

kontrollieren. Klare Grenzen sind wichtig, um sich

und den Betroffenen vor schädigendem Verhalten

zu bewahren. Meist ist es in Krisensituationen

nicht möglich, die Konflikte im Gespräch zu lösen.

Wut und Logik passen nicht zusammen. Häufig ist

es dann besser, sich als Angehöriger zunächst

zurückzuziehen und erst später die Probleme

noch einmal anzusprechen. Besteht die Gefahr,

dass sich der Betroffene selber deutlich schädigt,

ist Hilfe von aussen nötig. Angehörige sollten sich

nicht scheuen, in solchen Situationen den Notarzt

zu rufen oder den Betroffenen zu ermutigen,

seinen Therapeuten oder eine Klinik aufzusuchen.

Immer wieder kommt es vor, dass Betroffene und

Angehörige bestimmte Symptome ganz

unterschiedlich beurteilen. Selbstverletzungen

etwa werden von vielen Angehörigen als sehr

dramatisch erlebt, vor allem wenn sie erstmals

davon erfahren. Viele Betroffene hingegen

akzeptieren sie als schlechte aber immerhin

entlastende Möglichkeit, um schwierige

emotionale Zustände zum Abklingen zu bringen.

Ist die Krise vorbei, sollten Angehörige und

Betroffene besprechen, welcher Umgangsstil bei

einer erneuten Krise hilfreich ist. Sie können dann

beispielsweise vereinbaren, wie sich der

Angehörige verhalten sollte, wenn bestimmte

Symptom durch das Verhalten des Angehörigen

nicht noch gefördert werden sollten. Das passiert

beispielsweisse dann, wenn ein Partner nur dann

Zeit für seine Freundin hat, wenn es ihr schlecht

geht und sie von ihrem Selbstverletzungsdrang

berichtet.

° 8 °


Wir begegnen Borderline- Patienten

Campbell Fiona: Begegnung mit mir selbst

° Ich nach einem Zwischenfall

Ich wusste lange nicht, dass ich selbst an der

Borderline Störung leide. Ich merkte einfach, dass

etwas nicht stimmte, jedoch wollte ich nie einen

Psychiater oder sonst jemanden aufsuchen.

Doch in meiner letzten Beziehung wurde mein

Zustand immer schlimmer, und ich fiel immer

tiefer. Also beschloss ich, einen Psychiater

aufzusuchen, als meine ständigen

Suizidgedanken und Träume nicht enden wollten.

Die Therapiesitzungen verliefen nicht schlecht,

und ich fand grosses Vertrauen in meinen

Therapeuten. Jedoch verschlimmerte sich mein

Zustand extrem. Die Ärzte dachten, dass es auch

daran lag, dass sich eine gute Freundin von mir

das Leben genommen hatte, und mir die Situation

einfach zu viel wurde.

° Bisswunden ° Kniffwunden

Es kam so weit, dass ich mich nicht nur selbst

gebissen und gekniffen hatte, sondern dass ich

anfing mich selbst zu schneiden. Zuerst nur fein,

und nicht all zu tief. Aber als ich mir schier meinen

Brustkorb aufgeschnitten hatte, merkte ich dass es

so nicht mehr weiter gehen konnte. Ich ging

schlussendlich zu meinem Therapeuten, der mir

dann geholfen hat einen Klinikplatz zu suchen,

was auch geklappt hat. Und somit trat ich am 20

August 2008 in die Klinik ein.

° 9 °


Ich kam auf die Akutstation, zum Glück auf die

offene. Ich nahm an vielen Therapien teil, und

lernte viel über mich selbst, was sehr anstrengend

war. Vor allem wenn man auf einmal

Gefühle wahrnimmt, die einen selbst betreffen. Ich

habe in dieser Zeit gelernt, meine Krankheit zu

akzeptieren, und mache mir keine Vorwürfe mehr,

wenn ich wieder einen Zwischenfall gehabt habe,

und es zu Selbstverletzungen gekommen ist.

Mittlerweile kenne ich auch die Gründe, warum ich

an dieser Krankheit leide. Es begann bei mir

schon in der frühen Kindheit. Ich wurde von

meinem leiblichem Vater und dessen Familie nie

akzeptiert, und musste immer um Anerkennung

und Liebe kämpfen, die ich jedoch nie bekommen

habe. Ich durfte bei ihnen nie mich selbst sein,

musste immer das tun was sie von mir erwarteten.

Ich wurde von ihnen so erzogen: Du kannst nichts,

du bist nichts, und aus dir wird nie etwas werden.

Meine Mutter und mein Stiefvater, wie auch meine

Schwester, waren die einzigen, die mich so

nahmen und liebten wie ich bin. Doch wegen

meines leiblichen Vaters konnte ich mich nicht mal

mehr beim Rest von meiner Familie öffnen, sie an

mich und meine Gefühle und Gedanken ran

lassen. Ich zog mich immer mehr zurück, sagte

nicht mehr, was ich fühlte und dachte. Ich lebte in

ständiger Angst, etwas falsch zu machen, oder

den Erwartungen anderer nicht gerecht zu

werden.

Ich ging ca. 4 Jahre lang nicht mehr nach

draussen, abgesehen von der Schule, die ich

besuchte. Sonst verbrachte ich die Zeit zuhause,

oft in meinem Zimmer. Ich wusste nicht, wer ich

bin, was ich will, was ich kann und was ich fühle,

ausser die Kälte, die sich in mir breit machte und

in der Leere in der ich lebte. Ich schaute oft in den

Spiegel, doch erkennen konnte ich mich nicht.

Mit 11 verlor ich meine Tante. Sie war mein Ein

und Alles. Und als ich 12 Jahre alt war, haute

mein Erzeuger nach Deutschland ab, und als er

dies machte, kam bei mir der Zeitpunkt, wo ich

entschied den Kontakt zu ihm abzubrechen.

Mit 15 dachte ich dass mein Leben endlich

anfängt, doch besser wurde es nicht wirklich, vor

allem, weil ich meinen Stiefbrüdern ihre Mutter, so

zu sagen ins sterben begleitet habe, und ein

weiterer Mensch der mir wichtig und sehr nahe

war, verlor.

° 10 °


Ein Tag nach meinem 16. Geburtstag wurde ich

vom besten Freund meiner Schwester

vergewaltigt. Mir wurde an diesem Tag alles

genommen, was von mir noch übrig war. Ich

konnte lange nicht darüber reden. Doch als ich es

endlich konnte, bekam ich nicht die Unterstützung

oder den Frieden, nach dem ich mich gesehnt

hatte. Ich ging nicht zu einem Psychiater und

zeigte ihn auch nicht an. Heute frage ich mich ob

das wirklich die richtige Entscheidung gewesen

war, ihn nicht anzuzeigen. Über all die Jahre, in

denen ich nicht ich sein konnte, und schon von

früher Kindheit mit dem Leben und dem Tod

konfrontiert wurde, weil so viele Menschen die ich

kannte und liebte an den Tod verloren habe, hatte

ich nie die Zeit, die Wunden heilen zu lassen, und

einfach mal glücklich zu sein. Meine Welt wird

regiert, von schwarz und weiss, und vom Leben

und dem Tod. Ich kämpfe schon seit Jahren, und

ich kämpfe mit jedem einzelnen Tag. Nur bin ich

heute so weit, dass ich mir helfen lasse, und mich

mehr öffnen kann.

Was ich hier geschrieben habe ist nur ein kleiner

Teil, von dem, was geschehen ist. Jedoch gehört

dies zu meinem Leben. Ich muss noch vieles

lernen, jedoch werde ich kämpfen, egal wie mich

andere Menschen sehn. Doch das, was am

schwierigsten ist, ist die Menschen die mir wichtig

sind, an meinem Leben teil haben zu lassen, und

sie nicht immer wegzustossen. Es ist schwierig zu

erklären, jedoch das eine Buch, das ich über

Borderline gelesen habe trifft mit dem Titel so

genau, dass ich es nicht besser beschreiben

könnte. Er heisst „Ich hasse dich, verlass mich

nicht“. Dieses Buch ist empfehlenswert. Und erst

recht, wenn ihr diese Persönlichkeitsstörung

verstehen wollt, ohne dass ihr diesen Menschen

mit Vorwürfen oder Vorurteilen entgegen kommt.

Es ist nicht leicht dies zu erklären, warum und

wieso wir was machen, oder fühlen. Im Gegenteil,

es ist extrem belastend, vor allem durch Angst,

dass wir von dieser Gesellschaft nicht akzeptiert

und respektiert werden können. Unsere

Vergangenheit ist da, und wird immer da bleiben,

und die Zukunft ist dies, auf die wir hoffen, und

zugleich am meisten Angst haben, und die

Gegenwart ist die, die wir am wenigsten

wahrnehmen und realisieren, und nur selten mal

geniessen können. Denn es ist so vieles gewesen

und es wird noch so vieles sein. Doch diese

Gedankengänge und dieser nicht enden

wollenden Teufelskreis, ist das was ich versuche

zu durchbrechen, um endlich einfach nur mal

glücklich und frei sein zu können.

° 11 °


Gedicht

Ich kämpfe, ich flehe, ich verdränge den Gedanken,

will nichts mehr hörn, nichts mehr sehn, will nur

noch gehen, lass mich frei, nimm die lasten von mir,

lass mich fühlen, alles andere als denn hass und die

Wut, der Druck denn ich spüre, und den Drang

mich zu wehren, gegen mich gegen dich, gegen alles

was in mir ist.

Das ewige schwarzweiss denken, die Angst, und das

Gefühl der ewigen Einsamkeit, die Trauer, die im

Schweigen dahin brodelt, und wartet bis es jemand

sieht, die Hoffnung die ich längst verloren hab, und

den Sinn den ich nicht finden kann.

Das ewige Gefühl der eisigen Dammnis, und dass

Betrachten seines Spiegelbilds und nichts mehr

erkennen weder eine Hülle seines selbst.

Wie ein Schleier der sich über einem legt, und die

Dunkelheit nach der man sich sehnt. Die Dunkelheit

die dir Schutz und Sicherheit gewährt, und den

Willen sich selbst zu finden, schliesslich alleine in

der Dunkelheit verloren, und in der Dunkelheit sich

selbst gesucht, doch weder sich selbst noch ein Licht

das einem aus der Dunkelheit entreissen könnte.

Öffne mein Portemonnaie, und nehme es heraus,

klapp es auf. Sehe dem Gegenstand entgegen, und

sehe nichts, ausser die Klinge, die funkelt, und

leuchtet, und mir den einzigen Weg weist, weil alles

andere um mich rum sich selbst auflöst und in

kleine Stücke zerreisst.

Merke nicht was um mich herum geschieht, erkenne

nur die Klinge, die sich jetzt Stück für Stück in

meine Haut rein ritzt. Ganz fein, und jeder Schnitt

geplant, in diesem Wahn, den ich nun nicht mehr

steuern kann.

Zuerst alles nur feine und kleine Schnitte, dann fang

ich wieder vorne an. Zuerst war’s nur mein Bein,

schlussendlich musste es mein Brustkorb sein.

Doch ich begriff es geht nicht mehr, nicht so, nicht

für immer, nicht für jetzt, ich brauch Hilfe, ich muss

gehen.

Zuerst beim Therapeuten, schlussendlich wies ich

mich selbst in eine Klinik ein.

Es ist schwer, kämpfe Tag für Tag, Stunden für

Stunden, und sehr oft ringe ich zum Teil um

Sekunden. Es wird ein langer Kampf, das bin ich

mir bewusst.

Jedoch wenn ich leben will, dann muss ich da durch.

Im täglichen Kampf mit meinem Leben, dem Tot,

und der Klinge, jedoch werd ich mich stellen, und

werde das Borderline eines Tages besiegen, und das

für immer!

° 12 °


Annen Rafael: Beziehung mit einer Borderline

Betroffenen

Meine Exfreundin, Jessica, ist von der Borderline-

Persönlichkeitsstörung betroffen. Ich erlebte sie in

diesen 4 Jahren, die wir zusammen waren, als

eine sehr liebe, jedoch auch sehr unsichere junge

Frau. Sie fragte sich oft nach dem Sinn des

Lebens, und wusste nicht, wer sie war und was sie

wollte. Sie versuchte sich immer wieder mit

anderen Sachen abzulenken, und das Leben

einfach zu geniessen, jedoch hörten ihre

ständigen Gedankenkreisläufe nicht auf.

Sie fing an sich zu ritzen, und magerte sich so ab

dass sie mit 17 Jahren gerade mal noch 35 kg

wog. Sie gab sich auf, sich- und alles, was um sie

war.

In der Schule konnte Jessica recht gut mithalten,

aber die guten Leistungen die sie erbrachte gaben

ihr nicht das selbstbewusste und sichere Gefühl,

das sie brauchte.

Wenn sie sich was vorgenommen hatte, wie zum

Beispiel nichts Süsses zu essen, und es trotzdem

tat, fügte sie sich, sobald sie alleine war, einen

weiteren Schnitt zu.

Für sie war es sehr schwer sich in die Gesellschaft

zu integrieren, da sie immer angst hatte beurteilt

zu werden. Ihr viel es schwer in einer mit anderem

an einem Tisch zu essen, da sie sich immer

beobachtet fühlte, das löste in ihr eine Spannung

aus die für sie immer unerträglicher wurde. Dies

war zum teil einer der Auslöser, die sie so weit

brachten, sich selbst zu verletzten, und sich

zurück zog und niemand mehr an sich ran lies. Sie

hatte immer wieder mühe damit, Menschen die sie

liebte an sich ran zu lassen. Es kehrte sich in

Sekunden. Man konnte sie in denn Armen halten,

und im nächsten Moment merkte man richtig, wie

es ihr immer unangenehmer wurde, und sie nur

noch weg wollte.

Unsere Beziehung war nicht gerade einfach, vor

allem da ich oft nicht wusste, was ich tun konnte.

Aber ich versuchte sie so gut es ging zu

unterstützen. Es tat mir weh wenn ich sah, dass

sie sich selbst wieder verletzt hatte. Doch ich

nahm sie so wie sie war. Ich bereue es nicht,

diese Zeit mit ihr verbracht zu haben, denn ich

habe vieles durch sie gelernt. Und auch heute

haben wir noch einen guten Kontakt zu einander,

und konnten eine Freundschaft aufbauen die uns

sehr wichtig ist.

° 14 °


Behandlungs- &

Heilungsmöglichkeiten

Verschiedene Therapie Möglichkeiten:

Hilfe finden

Auch heut zu Tage ist die Frage, ob man

Borderline heilen kann oder nicht, immer noch

umstritten. Jedoch gibt es dank den Fortschritten

von Therapien und Psychiatern eine bessere

Aussicht auf Heilung. Man kann vieles bewirken,

jedoch weil Borderline ein Teil einer Person ist,

wird man eine gewisse Symptomatik nicht einfach

los, jedoch findet man Mittel und Wege, viele

Situationen und Symptomatiken so weit unter

Kontrolle zukriegt, dass man sich nicht immer so

ausgeliefert fühlen muss, und das leben mehr

geniessen kann. Die Selbstverletzungen und die

Suizidgedanken kann man zum Teil Dank der

langen Therapien in den Griff bekommen, und

diese sogar ganz los werden.

Für die Betroffenen ist es sehr wichtig, dass sie

eine gute Fachperson findet, die sich auf diese

Krankheit spezialisiert hat. Doch dies ist, nicht

gerade leicht. Am besten wäre es wen eine

Zusatzausbildung die auf Borderline- spezifische

Psychotherapiemethoden ausgerichtet ist. Heute

sind die meistversprechenden Methoden die

Dialektisch Behaviorale Therapie und die

Übertragungsfokussierte Psychotherapie.

Die Dialektisch- Behaviorale Therapie (DBT)

Der Begriff Dialektisch bedeutet Gegensätze

aufzulösen, und zum Beispiel wie die schwarz-

weiss Malerei zu überwinden, und zu lernen, dass

es sozusagen auch verschiedene Töne gibt. Damit

man einsehen kann, dass es nicht nur Gut und

Böse gibt, sondern, das auch beides möglich ist.

Man lernt, dass es nicht nur um Veränderung im

Leben geht, sondern dass man diese auch

akzeptieren kann.

Behavioral bedeutet, dass man die

Therapieverfahren konkret am Verhalten des

Betroffenen ansetzt. Das heisst, dass man sich

zuerst auf die Lebensgeschichtlichen

Zusammenhängen konzentriert.

Diese Therapie wird als Gruppe oder

Einzeltherapie durchgeführt. Die meisten

besuchen eine Gruppe während des Klinik

Aufenthalts, jedoch kann sie auch in ambulanten

Bereichen genutzt werden.

Man lernt in der DBT Dinge, wie

Achtsamkeitsübungen, Förderung

zwischenmenschlicher Fähigkeiten, und Umgang

mit Gefühlen, wie auch Methoden und Mittel zu

finden, die einen abhalten können sich selbst zu

verletzen. Das sind die sogenannten Skills.

Ganz wichtig ist die Zusammenarbeit mit dem

Psychiater, der immer erreichbar ist, und mit

einem an der DBT weiter arbeiten kann, damit

man die richtige Unterstützung zur Gruppe hat.

° 15 °


Übertragungsfokussierte Psychotherapie

Der betroffene Mensch lernt hier seine eigene

Persönlichkeit besser wahrnehmen und zu sich

selbst zu finden. Das wird in der Einzeltherapie mit

einem Psychiater analysiert und unterstützt. Es

wird im hier und jetzt gearbeitet, und nicht die

früheren Beziehungen und Erlebnisse hinterfragt.

Dadurch das können borderlinespezifische

Wahrnehmungen und Verhaltensweisen reflektiert

und verändert werden. Schlussendlich soll die

Person zu sich und seiner eigenen Identifikation

findet, und somit auch viele Konflikte in den Griff

bekommen kann.

Beziehung zu dem Therapeuten

Es ist wichtig, dass man jemanden findet, zu dem

man Vertrauen aufbauen kann und bei dem man

sich verstanden fühlt, was entscheidend ist für die

Zusammenarbeit. Es kann vorkommen, dass man

mehrere Therapeuten wechseln muss, bis man

heraus findet, wer einem am besten zu sagt. Es ist

auch wichtig, dass man sich nicht scheut, den

Therapeuten nach seinen Erfahrungen und

Methoden zu fragen, um herauszufinden, wieviel

er selbst über Borderline weiss.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt kein Medikament, das für die Borderline

Persönlichkeitsstörung spezifisch hilft. Jedoch

gibt’s Möglichkeiten der medikamentösen

Behandlungen Symptome abzumildern wie z.B.

emotionale Instabilität, hohes Anspannungs-

Niveau. Das heisst zum Beispiel, wenn ein

Borderline- Betroffener unter Angstzuständen und

Schlafstörungen und unter anhaltenden

Depressionen leidet, ist durch eine spezielle

Zusammenstellung von Psychopharmaka eine

medikamentöse Behandlung möglich.

Skills- Koffer

Der Skills- Koffer hilft in Krisen Situationen. Das

heisst, wenn jemand, der unter Borderline leidet,

kauft sich eine Kiste oder eine Schachtel oder

eben einen kleinen Notfall Koffer, oder baut selbst

einen, dem Sie oder Er die wichtigsten

Gegenstände darin verstaut, jedoch jederzeit

darauf zurückgreifen kann und dies auch immer

wieder regelmässig anwendet. Oft sind es kleine

Dinge wie Fotos, Musik, Tagebuch, Notizheft,

Zeichnungsmaterial, Kerze, Duft Öle, Stofftier,

CDs usw. Es sind eigentlich alles ganz alltägliche

Sachen, die oft benützt werden, und für viele

Menschen nichts wirklich Wichtiges darstellen,

oder merkt, dass sich andere Menschen mit

solchen Sachen festhalten, damit sie überhaupt

existieren können und sich selbst somit nicht

aufgeben.

° 16 °


Hilfe des Erstellens eines Skills- Koffer

Die meisten Borderline- Betroffenen suchen sich

schon früh ihre Skills zusammen, jedoch wissen

sie selbst oft nicht, dass sie das im

Unterbewusstsein machen. Sie kennen die

Situation nur all zu gut, wenn die Skills versagen,

oder mit der Zeit an Wirkung verlieren.

Die beste Hilfe und Unterstützung bekommt man

in einer Skills Gruppe, in der sogenannten DBT.

Das ist eine Gruppe die man entweder ambulant,

oder stationär besuchen kann. Die Wartelisten

sind ziemlich lang, und es dürfen nur Menschen

teilnehmen die wirklich an der Borderline

Persönlichkeitsstörung leiden.

Die Gruppe wird im kleinen Rahmen therapeutisch

angeleitet. Das, was den meisten Borderline

Patienten am meisten hilft sind nicht etwa die

Ratschläge der Gruppenleiter, sondern die

Ratschläge, die sie von den anderen Patienten

bekommen, und viele auch umsetzen können. Es

ist so, dass viele der Skills nicht wirken, jedoch

fühlt man sich endlich verstanden und ernst

genommen, ohne dass man lange nach Worten

suchen muss.

Es gibt einem Kraft, und begleitet einen über einen

längeren Zeitraum. Am besten ist es, wenn man

mindestens 6 Monate in dieser DBT Gruppe sein

kann, um sich mit allem auseinander zu setzen.

So lernt man die Skills und gewöhnt sich an sie,

um sie in Zuständen höchster Anspannungen

anwenden zu können. Für dies wird auch eine

kleine Notfallkarte erstellt, wo die wichtigsten

Dinge drauf stehen, wie Name und

Telefonnummern. Sie kann, wie eine Kreditkarte

im Portemonnaie mit sich herumgetragen werden.

Andere Gruppenmöglichkeiten

Da die Skillsgruppe (DBT) noch nicht allzu

verbreitet ist, und es viel zu wenig Plätze für die

Borderline Patienten gibt, können diese auch

noch andere Arten von Therapiegruppen

besuchen, wie zum Beispiel Depressionsgruppe,

Suchtbehandlungsgruppe,

Angstbewältigungstraining, Soziale

Kompetenzgruppen, Achtsamkeitsübung.

Auch Kunsttherapie oder Bewegungstherapie

kann zu mehr Identität und Selbstfindung

verhelfen. Etwas, dass bei Anspannungen sehr

gut hilft, eine angenehme innere Ruhe zu

verschaffen, ist die beliebte Entspannungs-

Therapie nach Yakobsen. Sie kann oft nach

mehreren Sitzungen und längerem Üben richtig

angewendet werden. Den meisten Borderline-

Patienten fällt es sehr schwer, abzuschalten und

sich fallen zu lassen und somit den Körper auf

Anhieb zu spüren, ohne ihn zu berühren oder ihm

Schmerz zuzufügen.

° 18 °


Interview mit Herr Ch. Kuster/ Pfleger:

Wer Stellt die Diagnose?

Das ist sicher der Arzt, der Psychiater oder der

Psychologe.

Nach welchen Kriterien?

Nach dem ICD 10 gibt es 9 Kriterien, mindestens

5 Kriterien davon müssen erfüllt sein um die

Diagnose stellen zu können.

Wie entscheiden Sie, auf welche Abteilung der

Patient kommt?

Das ist die Aufgabe des Arztes, eine so genante

Triage. Es kommt immer darauf an, wie die

Situation ist. Wenn jemand sehr Fremd- oder

Selbstgefährdet ist, kommt man eher auf die

geschlossene Abteilung, ansonsten wird schon

darauf geachtet das sie direkt auf die offene

Abteilung aufgenommen werden. Es gib jedoch

auch noch viele Borderline- Patienten, die unter

einer Essstörung leiden, welche dann auf eine

Abteilung aufgenommen werden, wo zusätzlich

Patienten mit Essstörungen sind.

Wie wird der Borderline- Patient therapiert?

Also hier auf der offenen Station wird der Patient

akut behandelt. Als erstes für den Eigenschutz,

und es wird darauf geachtet, dass keine anderen

Patienten gefährdet werden. Was auch wichtig ist,

ist, dass der Patient den Kontakt nach draussen

aufrecht erhalten kann. Und was für einen

Borderline- Patienten am wichtigsten ist, oder am

Hilfreichsten, ist die Skillsgruppe. Dort lernen sie,

wie man mit dieser Krankheit umgehen kann,

ohne dass man sich immer und immer wieder

selbst verletzt. Ansonsten beginnen wir hier, falls

es nötig ist mit einer medikamentösen

Behandlung. Es gibt jedoch auch solche, die dies

nicht brauchen oder auch nicht wünschen. Diese

haben jedoch auch sicherheitshalber

Medikamente in der Reserve.

Finden Sie es richtig, wenn man dem Patienten

gefährliche Sachen abnimmt?

Am Anfang, in der Akut Situation, finde ich’s doch

besser, wenn die Patienten die Gegenstände

abgeben müssen. Wenn wir den Patienten für den

Austritt vorbereiten und wieder stabil genug sind,

ist es sicherlich besser, die Patienten damit zu

konfrontieren, damit Sie sich wieder auseinander

setzen können. Aber ich baue mehr auf Beziehung

und Vertrauen, als auf Sicherheit.

Nimmt dann, die Phantasie, dem

Erfindungsreichtum des Patienten nicht

einfach andere Wege?

In der Akuten fasse hab ich’s schon oft erlebt das

die meisten Borderline- Patienten selbst erleichtert

sind wen sie ihre Sachen abgeben können.

Also wen Sie selbst extrem verzweifelt sind, und

Sie denken das es doch besser ist, wenn sie es

abgeben können.

° 19 °


Jedoch wenn sie keine Beziehung zu denn

Pflegern, oder zu denn Bezugspersonen wie auch

zu den Ärzten aufbauen können, denke ich, ist die

Möglichkeit sehr hoch, etwas anderes zu finden

und dann auch anzuwenden. Ich glaube nicht

dass die Phantasie per se angeregt werden muss,

denn diese Art von Phantasie haben die Patienten

sowieso. Das gehört eben zu den Borderline-

Patienten.

Ist Borderline ein Modewort oder eine

Diagnose, wenn nichts anderes zutrifft?

Es wird mehr diagnostiziert, weil die Borderline-

Persönlichkeitsstörung bekannter geworden ist.

Doch ich denke, dass Borderline auch oft nicht

erkannt wird, vor allem bei Männern. Männer

haben eine andere Art von Ausprägung, eher im

Sinne von fremdaggressivem verhalten. Dadurch

sind auch viele Männer die unter BPS leiden,

eher im Gefängnis, da Sie ihre Aggressionen

schlecht unter Kontrolle haben, und dies zu

schlimmen Gewaltangriffen kommen kann.

Sicherlich wurde die Diagnose Borderline auch

schon zu schnell diagnostiziert. Oft ist auch eine

Stigmatisierung der Borderline Störung

vorhanden.

Interview mit der Nachtwache:

Wie definieren Sie Borderline?

Borderline heisst in der freien Übersetzung

Grenzung, und eine Grenzlinie beinhaltet für mich,

wenn ein Mensch in einer Stresssituation oder

Krise auf einer Grenzlinie läuft, auf der man nicht

genau definieren kann, zu welcher Diagnose er

genau gehört, weil es verschiedene

Symptomatiken und Faktoren gibt. Darum der alte

Begriff „On the Borderline“.

Was denken Sie, wenn ein Patient mit der

Borderline- Persönlichkeitsstörung zu Ihnen

kommt?

Grundsätzlich denke ich, dass dieser Mensch

herzlich willkommen ist bei uns, aber ich denke, es

wäre sinnvoller, dass jemand mit einer Borderline

Persönlichkeitsstörung besser auf eine spezielle

Borderline Station, oder Klinik aufgenommen

werden kann. Es soll nicht wertend sein, jedoch

wäre es für diese Menschen viel hilfreicher. Wie

zum Beispiel die Klinik Maisenberg im Kanton

Zug, die sich rein auf Borderline spezialisiert hat.

Was würden Sie bei der heutigen Therapieform

gerne verändern?

Ich würde nicht viel bei der Therapiemöglichkeit

verändern, sondern eher in der Öffentlichkeit, wie

auch bei der Arbeit. Ich würde mir wünschen, dass

die Stigmatisierung in der Gesellschaft und in der

Öffentlichkeit entschärft wird und dass

Angehörige, die plötzlich in so eine Situation

kommen, die keine Hintergrund Erfahrung haben,

die kein psychiatrisches Wissen haben, dass die

vermehrt informiert werden damit sie selber auch

damit klar kommen.

° 20 °


Schlusswort

Campbell Fiona

Dieses Thema haben wir längst vor Beginn der

Abschlussarbeit gewählt, wie man es auch in der

Identifikation lesen kann. Die Arbeit hat mir viel

Spass gemacht, jedoch war es für mich auch recht

schwer, mich damit auseinander zu setzen, da ich

erst kurz vor Beginn der Arbeit mit Verdacht auf

Borderline in eine Klinik gegangen bin, und erst

später die offizielle Diagnose Borderline-

Persönlichkeitsstörung erhalten habe.

Für meinen Mitschüler, Annen Rafael, war es auch

nicht wirklich leicht diese Arbeit zu schreiben, wie

auch zu recherchieren und soviel Verständnis für

mich aufzubringen. Vor allem da durch, dass ich

viel durch meine Krankheit behindert war, und es

mir an gewissen Tagen schwer viel, mich so

intensiv über meine eigene Krankheit zu

informieren und zu schreiben, wie mich auch mit

all dem auseinander zu setzen.

Wir haben wir trotz dies gewaltigen Zeitdrucks

eine Abschlussarbeit geschrieben, die mir wie

auch anderen Menschen etwas näher gebracht

hat, was es heisst, an einer Borderline- Störung

erkrankt zu sein. Mir war wichtig, anderen

Menschen zu zeigen, dass wir, die Borderline-

Betroffenen, nicht wirklich anders sind als andere,

nur dass wir vieles anders wahrnehmen, und viel

mehr zu kämpfen haben um mit dieser

Gesellschaft fertig zu werden.

Annen Rafael

Es war eine Interessante, und

Abwechslungsreiche Arbeit die mir viel Freude

bereitet hat. Ich kannte die Erkrankung durch

meine Exfreundin, jedoch war ich überrascht, wie

vielseitig und verschieden diese doch sein kann.

Es war nicht immer einfach, nur schon allein

deswegen, da meine Partnerin die mit mir diese

Vertiefungsarbeit geschrieben hat kurz vor Beginn

der Arbeit in die Klinik musste und selbst

Borderline diagnostiziert wurde. Doch trotz den

schwierigen Umständen kamen wir gut voran und

mussten auch einiges kürzen damit wir im

Rahmen der Vorgaben blieben.

Ich hoffe, dass wir ihnen diese Krankheit näher

brachten, und Sie mit dieser Arbeit berühren

konnten.

° 21 °


Literatur- und Quellenverzeichnis

Autor/ en Informationen

Timm Flemming Ich- mein grösster Feind

Leben mit dem Borderline- Syndrom

Veröffentlicht: Mai 2007

Martin Bohus Borderline- Störung

Veröffentlicht: November 2002

Jerold J. Kreisman Ich hasse dich- verlass

Hal Straus mich nicht

Die schwarzweisse Welt der

Borderline- Persönlichkeit

Veröffentlicht: November 2005

Jerold J. Kreisman Zerrissen zwischen

Hal Straus Extremen

Leben mit einer Borderline-

Störung Hilfen für Betroffene

und Angehörigen

Zeitschrift/ Zeitung Artikel

Veröffentlicht: Juli 2005

WOCHE Wissen

Der Abgrund zwischen

Schwarz und Weiss

Süddeutsche Zeitung Porträt

Der Schmerz

Internetadressen

www.borderline-selbsthilfe.de

www.borderline-plattform.de

www.bordeline-community.de

www.skils-shop.com

Kontaktpersonen

Veröffentlicht: Oktober 2008

Beruf: Ort & Abteilung:

Herr Ch. Kuster

Pfleger Sanatorium Kilchberg

Station D3

Nachtwache Sanatorium Kilchberg

(Namentlich Station D3

nicht erwähnt)

° 22 °

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