04.04.2013 Aufrufe

infomappe miriam - Theater Dortmund

infomappe miriam - Theater Dortmund

infomappe miriam - Theater Dortmund

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

THEATERPÄDAGOGISCHES BEGLEITMATERIAL

Miriam,

ganz in Schwarz

premiere | 28. Oktober 2012

Kinder- und Jugendtheater Dortmund

Miriam: Désirée von Delft

Regie: Isabel Stahl

Bühne/Kostüm: Anja Lichtenegger

Klaviereinspielung: Nicolas Krüger

Musikalische Einstudierung: Julia Amos, Michael

Hönes

Dramaturgie: Ilona Seippel-Schipper

Dramaturgieassistenz: Marie Helbing

Theaterpädagogik: Christine Köck

Ausstattungsassistenz: Susanne Hoffmann

Regiehospitanz: Franz Potthoff

Licht: Dirk Wörz

Herausgegeben von:

Theater Dortmund / Kinder- und

Jugendtheater

Christine Köck, Isabel Stahl & Marie

Helbing

Theaterpädagogik & Dramaturgie

Spielzeit 2012 / 2013

Theater Dortmund / Kinder- und

Jugendtheater,

Sckellstr. 5 - 7, 44141 Dortmund,

Leitung: Andreas Gruhn,

Geschäftsführende Direktorin:

Bettina Pesch, www.theaterdo.de

Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer

Deutschsprachige Erstaufführung, ab 13 Jahren

Miriam hat eine ungewöhnliche Leidenschaft. Sie geht

zu fremden Beerdigungen, mischt sich unter die

Trauergemeinde und manchmal weint sie sogar mit.

Sie kannte weder den Verstorbenen noch weiß sie, wer

die trauernden Verwandten und Freunde sind. Aber bei

so einer Beerdigung erfährt man viel: Miriam weiß

schnell, ob der Verstorbene geliebt wurde oder nicht.

In guten Monaten kommt die Schülerin auf acht

Beerdigungen und schafft sich so ihren ganz eigenen

Ausgleich zum Alltag. Für Miriam steht fest: Das

Schönste ist immer das Singen!

Miriam, ganz in Schwarz ist ein Stück über das

Tabuthema Tod und die Sinnsuche einer jungen Frau,

geschrieben mit schwarzem und skurrilem Humor.


Spieltermine:

Fr, 28. September 2012 Premiere

Di, 02. Oktober 2012 um 19 Uhr

Mi, 31. Oktober 2012 um 11 Uhr

Di, 06. November 2012 um 11 Uhr

So, 18. November 2012 um 18 Uhr

Karten im Internet unter www.theaterdo.de,

telefonisch unter 5022442 oder an allen

bekannten Vorverkaufsstellen.

Zu unserer Inszenierung „Miriam ganz in schwarz“ gibt

es eine Kooperation mit den Kulturpädagoginnen

Manuela Wenz und Birgit Mattern

(www.erinnerungsgarten.com). Daraus entstanden ist

das Kunstprojekt mit dem Arbeitstitel „worauf’s

ankommt“, gefördert durch die Friedhofsgärtner

Dortmund eG.

Kooperierende Schule ist das Käthe Kollwitz

Gymnasium Dortmund, Kunst LK unter der Leitung von

Frau Korspeter.

„Das Leben hat einen Anfang und ein Ende. Die

Auseinandersetzung mit dem Tod erscheint auf den

ersten Blick schwer, doch sie verleiht uns Menschen

auch ein Bewusstsein über die unwiederbringliche

Einmaligkeit des Lebens.“ (Zitat

www.erinnerungsgarten.com)

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 2


Was ist für dich „Hobby“?

Ein Hobby (Plural: Hobbys) oder Steckenpferd ist eine Lieblingsbeschäftigung. Ein Hobby ist somit im

Gegensatz zu Arbeit eine Tätigkeit, der man sich nicht aus Notwendigkeit, sondern freiwillig und aus Interesse,

Faszination oder sogar Leidenschaft widmet. Die Tätigkeit bringt Vergnügen, Spaß oder Lustgewinn mit sich.

Dabei ist mit Arbeit nicht ausschließlich Erwerbsarbeit (Beruf) gemeint.

Somit hat der Begriff Hobby eine deutliche

Nähe zum Begriff Spiel. Als Hobby wird

allerdings eine Tätigkeit nur bezeichnet, wenn

man für diese Tätigkeit eine im Vergleich zu

anderen Freizeitgestaltungen besondere

Vorliebe hat. Darüber hinaus kann ein Hobby

im Gegensatz zum Spiel durchaus eine

unmittelbare, nicht fiktionale Zweckmäßigkeit

haben (über den Spaß bzw. den Lustgewinn

an der Tätigkeit hinaus).

Ein wichtiges Kriterium für die

Unterscheidung, was als Hobby oder als

Arbeit gilt, ist häufig, aber nicht notgedrungen,

ob es als Quelle für den Lebensunterhalt

dient. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden

diejenigen, die sich in ihrer Freizeit mit einem Fachgebiet befassen, Amateure

bzw. Ehrenamtliche genannt – als Gegenstück zum beruflichen Fachmann,

Profi. Ehrenamtliche Tätigkeit muss allerdings kein Hobby sein, sondern kann

auch Notwendigkeitsdenken entspringen.

„Ist es nicht egal, wie man

sein inneres Gleichgewicht

findet?

Solange man andere damit

nicht aus dem Gleichgewicht

bringt?“

Eine Sache als Hobby zu betreiben, kann in gesteigerter Form auch den Charakter haben, Fan einer Sache

zu sein, wenn es sich um eine Art Verehrung der Sache handelt.

Das Betreiben eines Hobbys hat oft entspannende oder sonstige nützliche therapeutische Nebenwirkungen. In

einigen Fällen allerdings (beispielsweise beim Sammeln) können die Grenzen zwischen Beruf, Hobby und

Sucht zu verschwimmen beginnen. Manche Sammlungen können durchaus als Geldanlage gelten, zum

Beispiel Kunstsammlungen. Darüber hinaus gibt es Amateure, die auf ihrem jeweiligen Fachgebiet Wissen und

Fähigkeiten erwerben, in denen sie professionellen Fachleuten in nichts nachstehen und auch einen

entsprechenden Ruf genießen.

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 3


„höher, schneller weiter“ vs. „Entschleunigung“

Die sperren einen ein, wenn sie rauskriegen, daß man achtmal im Monat auf

Beerdigungen geht, (…) Weil die, die wissen, daß man sterben muß, wiederum

gefährlich sind für die, die das nicht wissen wollen. Denn die, die wissen, daß

man sterben muß, die verlangsamen, entschleunigen, machen früher Schluß in

den Betrieben, lassen auch mal fünfe gerade sein, ob jetzt neunundsechzig oder

achtundsiebzig Einsatzminuten ist denen doch egal. Und da wird’s gefährlich.

Erst ist es nur der Straßenverkehr, der zusammenbricht, weil sie die vom

Zubringer einfädeln lassen, dann gehen ganze Europa- und Weltmeisterschaften

verloren, weil Basketball, ja sogar Fußball nur ein Spiel ist, und am Schluß

werden die Toten nicht gleich verbrannt oder verscharrt, sondern wie früher

aufgebahrt, so daß jeder sie sehen kann, weil es ja nicht länger ein Geheimnis

ist, daß man sterben muß, wo kommen wir denn dahin, also, Vorsicht vor denen!

Bewegungsübungen / Denkanstöße:

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

Morgens / mittags / abends eines typischen Durchschnittstages? Was machst du für regelmäßige

Bewegungen (Zähne putzen, Zigarette drehen, im Unterricht melden, in der Bahn stehen...)

Einigt euch auf 8 Bewegungen, die ihr gemeinsam, schneller werdend durchführt.

Einer, bewegt sich in Zeitlupe / anders / bricht aus/ spricht den Text

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 4


"Roads" (Portishead)

Ohh, can't anybody see

We've got a war to fight

Never found our way

Regardless of what they say

How can it feel, this wrong

From this moment

How can it feel, this wrong

Storm.. in the morning light

I feel

No more can I say

Frozen to myself

I got nobody on my side

And surely that ain't right

And surely that ain't right

Ohh, can't anybody see

We've got a war to fight

Never found our way

Regardless of what they say

How can it feel, this wrong

From this moment

How can it feel, this wrong

[INSTRUMENTAL]

How can it feel, this wrong

This moment

How can it feel, this wrong

Ohh, can't anybody see

We've got a war to fight

Never found our way

Regardless of what they say

How can it feel, this wrong

From this moment

How can it feel, this wrong

Musik mit dem/zum Thema Tod

Ave Maria

Amazing Grace

Blowin’ in the Wind

Elton John - Candle in the Wind (Goodbye England Rose)

Elvis Presley – Always on my mind

Sting – Fields of Gold

Hildegard Knef – Für mich soll’s rote Rosen regnen

Beatles – Let it be

Cat Stevens – Morning has broken

Frank Sinatra – My way

Florence and the Machine

Leonard Cohen

Pearl Jam/Queen of the Stone Age

Johann Ludwig Bach – Trauermusik

Die Toten Hosen – Am Ende

Herbert Grönemeyer – Der Weg

Xavier Naidoo – Abschied nehmen

Franz Schubert – Der Tod und das Mädchen

Gustav Mahler – Kindertotenlieder

Tears in Heaven

Led zeppelin – Stairway to heaven

Time to say Goodbye

Annett Louisan – Beerdigung

Guns’n’Roses

Somewhere over the Rainbow

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 5


theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 6


Todesanzeigen genießen einen hohen Aufmerksamkeitswert. Nach einer Medienuntersuchung

bilden sie neben Sport und Lokalem die meist gelesene Seite einer Tageszeitung. […].

Klaus Dirschauer sieht die Ursachen für diese (Zitat) "verhüllende Umschreibung des Sterbens" in

der Verdrängung des Todes. Ich ziehe aus seiner Analyse jedoch eine andere Schlußfolgerung. Ich

denke, die Angehörigen sind in der ersten Trauerphase beim Verfassen der Todesanzeigen noch

gar nicht in der Lage, den Tod anzunehmen und vermeiden deshalb nach Möglichkeit das für sie so

grausam und endgültig klingende Verb "sterben".

Leider sind heutzutage Kondolenzbesuche nicht mehr selbstverständlich. Man vermeidet sie nach

Möglichkeit. Wenn man sie für unumgänglich hält, macht man sie mit gemischten Gefühlen: "Was

soll ich sagen? Wie soll ich trösten?" Da man auf diese Fragen meist keine Antwort weiß, weicht

man dem Gespräch mit Trauernden lieber aus. Das führt zu dem Dilemma, daß Hinterbliebene oft

keinen Ansprechpartner haben, bei dem sie ihre Trauer, ihre Gefühle des Verlustes und des

Schmerzes los werden können. Der bekannte Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und ehemalige

griechische Operntenor Dr. Jorgos Canacakis hat in seinem deutschen Bestseller "Ich sehe deine

Tränen" definiert: "Trauer ist eine spontane, natürliche, normale und selbstverständliche Antwort

unseres Organismus, unserer ganzen Person auf Verlust. Sie darf nicht unterdrückt werden. Sie

muß fließen und gefördert werden." Wenn dafür kein Gesprächspartner zur Verfügung steht, dann

sollten - so Jorgos Canacakis - Todesanzeigen wie Kontaktanzeigen Menschen auf Trauernde

hinweisen und sie zur Hilfe ermutigen. Leider ist das wohl nur eine Utopie!

Todesanzeigen können jedoch ein Ventil sein, um den Überdruck an Trauer loszuwerden. Das für

mich eindrücklichste Beispiel für Trauerarbeit in einer Todesanzeige ist 1984 in einer Berliner

Tageszeitung erschienen. Drei junge Leute haben da eine ganzseitige Anzeige wie ein Plakat für

ihren tödlich verunglückten Freund mit folgendem Wortlaut aufgegeben: "THOMAS ‚CRÜMEL'

PLIVERITS - SCHEISS MOTORRAD - MACH'S GUT, ALTER - BITTE WEISSE BLUMEN - HEIDI,

DANI, NORMAN."

(…) Pastor Hans Mader

Das Bühnenbild

Die Blumen und die Erde

Die Blumen stehen als Sinnbild für den ewigen Kreislauf: Miriam kommt mit einem leeren Topf von

einer Beerdigung auf die Bühne und geht mit gewachsener Blume wieder ab, die sie am Grab

aussetzt.

Wachsen und Sterben, Erde als Element, die Natur, als etwas "Echtes", was man anfassen, erleben

und spüren kann.

Die Tafel:

An der Tafel kleben Todesanzeigen der Beerdigungen, zu der sie gegangen ist. Daneben ein

Polaroidfoto der Blume, die sie zur Beerdigung mitgenommen hat.

Miriam weiß nicht, wie sie ihre Lust auf Beerdigungen bezeichnen soll: Lust / Laster / Ritual / Hobby

/ Zwang?

Und was ist Sie? Eine Süchtige? Eine Verrückte? Ein Täter?

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 7


Warum / Wofür lebt man?

ich hab überhaupt keine Ahnung

damit ich dich verwöhnen kann

um das Leben zu lieben

Tod

Ente

Oma

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 8


zum Bellen und um den Mond

Anzuheulen

weil Mama und ich uns lieb

haben

Um 69 oder besser noch 78

Einsatzminuten zu bekommen

Warum lebst du?

Warum lebt man überhaupt?

Hund

Papa

?

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 9


Autor: Jörg Menke-Peitzmeyer

1966 in Anröchte in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach dem Schauspiel Studium an der Folkwang

Hochschule in Essen arbeitete er als Schauspieler an verschiedenen Theatern in Deutschland. Von 1998 bis

2002 studierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig Dramatisches Schreiben. Seine Abschlussarbeit

Der Manndecker wurde noch während seines Studiums uraufgeführt und auch von ihm selbst gespielt.

Jörg Menke-Peitzmeyer gewann zahlreiche Preise unter anderem den Autorenförderpreis der Landesbühnen

2006 für Erste Stunde, den Bayerischen Theaterpreis 2007 für Der Essotiger.

Miriam, ganz in Schwarz wurde 2008 für den Autorenpreis der Badischen Landesbühne nominiert.

Zuletzt machte er mit Fangesänge, welches in der Oper Dortmund uraufgeführt wurde, auf sich aufmerksam.

Das KJT Dortmund inszenierte bereits sein Klassenzimmerstück Ich bin ein guter Vater.

Regie: Isabel Stahl

Isabel Stahl geboren in Jena, studierte Theaterwissenschaften, Journalistik und Politik in Leipzig und Wien.

Während ihres Studiums arbeitete sie für ein Stadtmagazin und zwei Radiosender in Jena und Leipzig. Als

Dramaturgie- und Regieassistentin, Darstellerin und Hospitantin war sie am Theater Gera-Altenburg,

Theaterhaus Jena, Schauspielhaus Leipzig, Volkstheater Wien und LOFFT Leipzig tätig. Nach ihrem Studium

wurde sie vier Jahre als Regieassistentin am Hans-Otto-Theater Potsdam engagiert. Danach arbeitet sie

freischaffend als Dramaturgin und Regisseurin in Berlin, München und Potsdam, absolvierte eine

Weiterbildung im Bereich Regieassistenz/Aufnahmeleitung für Film- und Fernsehen. 2007 drehte sie in Co-

Regie ihren ersten Kurzfilm, der bisher auf Festivals in Mainz, Bayreuth, Diessen am Ammersee, Oldenburg

und Coburg zu sehen war. In der Spielzeit 2008/09 und 2009/10 war sie als Dramaturgin am KJT Dortmund

in Elternzeitvertretung für Ilona Seippel-Schipper beschäftigt. Seit der Spielzeit 2010/11 ist sie als

Regieassistentin und Inspizientin im KJT tätig. In dieser Spielzeit ist sie zu sehen in: Das Tagebuch der Anne

Frank

Schauspiel: Désirée von Delft

~ Der Clown staunt: Ich spiele, also bin ich. ~ Désirée von Delft wurde 1985 in Berlin-Wilmersdorf

geboren. Früh entdeckte sie ihre Liebe zur Musik, zum Tanz und zur Clownerie. Sie spielte in verschiedenen

Theaterproduktionen noch während der Schulzeit, u.a. nahm sie am Tanzprojekt Der Feuervogel mit den

Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle teil. Nach dem Abitur machte sie 2010 ihr

Diplom an der Transform-Schauspielschule in Berlin und nahm Gesangsunterricht in Klassik und

Chanson. Als Sängerin und Schauspielerin tritt sie in eigenen Chanson-Cabaret Programmen auf. Ihre

Engagements führten sie nach Berlin, Hamburg und Potsdam mit Produktionen in Operette, Schauspiel, Film

und Fernsehen. Seit der Spielzeit 2011/12 ist Désirée von Delft neues Ensemblemitglied des Kinder- und

Jugendtheaters Dortmund.

In der aktuellen Spielzeit zu sehen in: Das Tagebuch der Anne Frank, Der Zauberer von Oz, Man ist

auch der, der man werden kann, Miriam, ganz in Schwarz, Tintenherz

Ausstattung (Bühne und Kostüm): Anja Lichtenegger

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 10


Gesellschaft und Tod

In der Tod- und Trauerbewältigung haben sich massive Änderungen vollzogen. Seit dem 18. Jahrhundert, im

Verlauf der bürgerlichen Gesellschaft, wurden die Abläufe bei Tod und Bestattung funktionalisiert. Diese

Bürokratisierung hat den Menschen ihren Tod aus den Händen genommen. Was zunächst als Entlastung

wahrgenommen wurde, führte zur Unfähigkeit, Tod und Trauer eigenständig zu verarbeiten. Die

gesellschaftliche Entwicklung, insbesondere die gestiegene und weiterhin steigende Lebenserwartung, hat die

unmittelbare Erfahrung mit dem Tod verändert.

Neben den Veränderungen in der Trauerbewältigung kam es auch zu veränderten Bestattungsriten. Die

Tendenzen gehen weg von einer kirchlichen, hin zu einer weltlich ausgerichteten Trauerbestattung.

Zunehmend finden nicht-kirchliche Trauerfeiern statt, die verbunden sind mit individuell organisierten, im

kleinen Kreis stattfindenden Trauerbekundungen. Dadurch findet zunehmend auch eine Abkehr vom Friedhof

als Ort der Trauer statt.

Die Farbe Schwarz

Schwarz gilt in den westlich geprägten Kulturen als Farbe der Trauer. Dies geht auf einen alten Brauch zurück,

demnach suchen die Geister der Verstorbenen zu Beginn die Nähe ihrer Angehörigen. Um dies zu vermeiden

kleidet man sich in Schwarz, da die Geister die Farbe nicht sehen können. So sind sie in der Lage, sofort ins

Jenseits zu verschwinden.

Tod und Trauer in anderen Kulturen

Während in unserer Gesellschaft vornehmlich Schwarz getragen wird, um seine Trauer über einen

Verstorbenen auszudrücken, wird dem Tod in anderen Kulturen anders begegnet.

In Mexiko ist der Tod allgegenwärtig und wird als Teil des Lebens betrachtet. Dies lässt sich besonders gut am

Días de los Muertos (Tag der Toten) erahnen. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im

Jahr zum Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein

fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Tag der Toten ist keine Trauerveranstaltung im

uns bekannten Sinne, sondern ein farbenprächtiges Volksfest, wo die Seelen der Verstorbenen zu den

Familien zurückkehren, um sie zu besuchen. Die Straßen werden mit Blumen geschmückt und skurrile

Todessymbole schmücken das Straßenbild. Zudem gibt es Totenschädel aus Zucker oder Schokolade.

Die Tod-AG

Der Tod war lange Zeit ein Tabuthema, doch mit dem richtigen Umgang kann es sogar Spaß

machen, sich mit ihm zu beschäftigen. Das glaubst du nicht? Dann überzeuge dich selbst! Nehme an

einem unserer Treffen teil. Wir werden dir beweisen, dass es viel mehr als nur Trauer gibt. Bald

wirst du sehen, dass unsere regelmäßigen Beerdigungsbesuche ein erholsamer Ausgleich zum Alltag

sind. Zusätzlich hörst du bei Gesprächen mit den Angehörigen viele interessante Geschichten, die

dir auch auf deinem Lebensweg nützlich sein können.

Wir bieten:

- regelmäßige Beerdigungsbesuche

- Seminare über den richtigen Umgang mit dem Tod

- Interessante Diskussionen über das Leben nach dem Tod, der Sinn des Lebens,

Wiedergeburt...

Haben wir dein Interesse geweckt? Dann melde dich bei uns! Wir freuen uns auf dich.

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 11


Warum weint man?

Als archetypische Ausdrucksform wird das Weinen von allen Menschen verstanden, da es in Kombination mit

der dazugehörigen Mimik den Beteiligten eine eindeutige Zuordnung des Verhaltens ermöglicht. Das Weinen

kann auch Ausdruck ausgeprägter Freude (Freudentränen) sein oder eine Reaktion auf heftiges Lachen.

Häufiger jedoch ist Weinen Ausdruck von Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit, Angst oder des Gefühls tiefer

Kränkung und Ungerechtigkeit.

Warum Menschen weinen, ist in der Forschung umstritten. Seit sich Charles Darwin, als einer der ersten,

dieses Themas annahm, werden vorrangig zwei theoretische Sichtweisen kontrovers diskutiert, die sich jedoch

nicht unbedingt ausschließen müssen: Das Weinen als Form der Kommunikation und sozialen Interaktion, also

des Sozialverhaltens, und das Weinen als Schutzreaktion des Körpers und der Psyche, die dem Stress- und

Spannungsabbau oder allgemeiner der besseren Verarbeitung besonders emotionaler Eindrücke dient. Für

beide Thesen gibt es plausible Argumente, jedoch widersprüchliche Untersuchungen und Studien, die häufig

auf subjektivem Empfinden der Betroffenen beruhen. Diese nehmen ihr eigenes Weinen und dessen Wirkung

auf ihre eigene Psyche und die Außenwirkung ihres Weinens unterschiedlich wahr. So empfand, entgegen der

häufig vertretenen Ansicht, die Mehrzahl der befragten Personen ihr Weinen nicht als erleichternd.[1] Dem rein

physiologischen Erklärungsansatz, der Tränenfluss diene dazu, Fremdkörper aus dem Auge oder Giftstoffe

aus dem Körper zu schwemmen, wird wenig Bedeutung beigemessen, sofern er nicht auch im übertragenen

Sinn verstanden wird. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik in

Frankfurt am Main, bemängelte nach einer Überblicksstudie im Jahr 2009, dass die bisher verfügbaren

Untersuchungen meist beschreibend und unsystematisch gewesen seien.[2]

Eine amerikanische Studie hat 2011 gezeigt, dass das Weinen eines Säuglings oder Kleinkindes die

Konzentrationsfähigkeit eines Erwachsenen mehr beeinträchtigt als z.B. entsprechend laute

Maschinengeräusche. (Anmerkung: es gibt eine Szene in „Lass uns über Kevin sprechen“ in der die Mutter ihr

sogenanntes „Schreikind“ spazieren fährt und an einer Baustelle anhält, bei der gerade mit einem

Presslufthammer gearbeitet wird)

http://de.wikipedia.org/wiki/Weinen

Die, die wissen, daß man sterben muß, sind wiederum gefährlich für die,

die das nicht wissen wollen. Denn die, die wissen, daß man sterben

muß, die verlangsamen, entschleunigen, machen früher Schluß in den

Betrieben, lassen auch mal fünfe gerade sein, ob jetzt neunundsechzig

oder achtundsiebzig Einsatzminuten ist denen doch egal. Und da wird’s

gefährlich. Erst ist es nur der Straßenverkehr, der zusammenbricht, weil

sie die vom Zubringer einfädeln lassen, dann gehen ganze Europa- und

Weltmeisterschaften verloren, weil Basketball, ja sogar Fußball nur ein

Spiel ist, und am Schluß werden die Toten nicht gleich verbrannt oder

verscharrt, sondern wie früher aufgebahrt, so dass jeder sie sehen kann,

weil es ja nicht länger ein Geheimnis ist, daß man sterben muß, wo

kommen wir denn dahin, also, Vorsicht vor denen!

„Aber ist der Tod

etwa nicht

scheiße?“

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 12


Fragen für das Nachgespräch:

• Was ist ein „Monolog“?

- Wie ist es alleine auf der Bühne zu sein? Leichter / schwerer / anders?

- Hat die Beschäftigung mit dem Thema des Stücks etwas Persönliches bei Ihnen verändert?

- Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

• Wie und wo haben Sie das Schauspielern erlernt?

• Wie schaffen Sie es, sich den Text von gleichzeitig bis zu sechs, sieben Stücken zu merken?

• Wie schafft man es, eine Figur zu spielen, die ganz anders ist als man selbst?

• Was ist Ihre Traumrolle?

• Warum finden Sie Theater wichtig?

• Wie erleben Sie Theateraufführungen, wenn Sie Zuschauer sind?

• Warum finden Sie Theater wichtig? Ist es heutzutage besonders wichtig?

• Was unterscheidet ein Kinder- und Jugendtheater von anderen Theatern?

• Welches Theaterstück ist Ihr persönliches Lieblingsstück?

Fragen an den Regisseur:

Fragen bezogen auf das jeweilige Stück bzw. die jeweilige Aufführung

• Was finden Sie an dem Stück besonders reizvoll? Was gefällt Ihnen an dem Stück nicht so gut?

• Welche Szenen haben besonders viel Probenzeit beansprucht? Warum?

• Was soll das Bühnenbild mehr vermitteln als bloße räumliche Orientierung?

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 13


Quellen

Fischer, Norbert: Der Tod in der Mediengesellschaft. In: Caroline Y. Robertson-von Trotha (Hrsg.):

Tod und Sterben in der Gegenwartsgesellschaft. Eine interdisziplinäre Auseinandersetzung. Baden-

Baden 2008, S. 221-234

Fischer, Norbert: Sterben und Tod in der Neuzeit (Sicht der Wissenschaften und Religionen:

Geschichtswissenschaft). In: Sterben und Tod: Geschichte – Theorie – Ethik. Ein interdisziplinäres

Handbuch, Hrsg. Héctor Wittwer, Daniel Schäfer, Andreas Frewer. Stuttgart 2010, S. 6-15.

Schwikart, Georg: Die 100 wichtigsten Fragen zu Tod und Trauer. Gütersloher Verlagshaus,

Gütersloh, 2008.

Wolf Erlbruch. Die große Frage. (Ab 4 Jahre). Cover: Die große Frage. Peter Hammer Verlag,

Wuppertal 2004

Matthias Nöllke: Aus die Maus: Ungewöhnliche Todesanzeigen 2009; ISBN-10: 3462041576

Hans Mader: „Es ist echt zu bitter.“

theaterpädagisches Begleitmaterial – Miriam, ganz in Schwarz - 14

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!