Die Parodie des Passagen-Werks: Benjamins ... - Passagenproject

passagenproject.com

Die Parodie des Passagen-Werks: Benjamins ... - Passagenproject

Parodie

Kapitel 1 Walter Benjamins Passagen-Werk als entartetes Denken

© Maria Trepp 2004,2005 Alle Rechte vorbehalten

Kontakt über www.passagenproject.com

2

Christoph Heins Stück Passage kann als eine Parodie des Passagen-Werks von Walter

Benjamin gelesen werden. Wolfgang Karrer gibt in seiner Analyse von verschiedenen

Möglichkeiten des literarischen Parodierens an, daß die Einstellung des parodierenden Autors

zu dem Originaltext und zu dem Originalautor positiv, negativ oder ambivalent sein kann. 1

Die Parodie des Passagen-Werks in Passage ist, wie hier gezeigt werden soll, von einer

negativen Einstellung des Autors zum Originaltext und seinem Autor gefärbt. Die

Gesamttendenz von Passage ist dabei eine Antwort auf die Intention Benjamins, die er in den

ersten Entwürfen formuliert hatte:

“In der Passagenarbeit muß der Kontemplation der Prozeß gemacht werden. Sie soll sich aber

glänzend verteidigen und behaupten.” 2

In Passage wird gezeigt, daß die Kontemplation sich nicht verteidigen konnte; es wird der

Versuch gemacht, über sie das endgültig vernichtende Urteil auszusprechen. Die Parodie des

Passagen-Werks in Passage ist im Kern eine Entlarvung von Benjamins Denken als „entartet“

im Sinne von Max Nordau.

Jede Parodie ist eine Form der Intertextualität. Intertextualität wird nach Art und Weise der

Markierung unterschieden, also danach, auf welche explizite oder implizite Weise sich der

Text auf seine Vorlage bezieht. Dabei können grob vier Formen der Markierung

unterschieden werden, die Jörg Helbig in Intertextualität und Markierung als Nullstufe,

Reduktionsstufe, Vollstufe und Potenzierungsstufe bezeichnet. Die Intertextualität zwischen

Passage und dem Passagen-Werk kann durch den Titel Passage und die Thematisierung des

wissenschaftlichen Werkes Benjamins als potenzierte Intertexualität bezeichnet werden.

Karrer meint, daß eine Parodie den ganzen Text umfassen kann, oder auch nur bestimmten

Figuren zugeordnet werden kann. 3 Die Parodie des Passagen-Werks konzentriert sich in

Passage auf die beiden einander durch vielfältige Korrespondenz- und Kontrastrelationen

zugeordneten Figuren Dr. Frankfurther und Hirschburg. In der Figurenkonstellation wird eine

nachdenkliche kontemplative Haltung durch die Karikatur des jüdischen Literaturtheoretikers

Walter Benjamin, die Figur Dr. Frankfurther, verkörpert; die ihr logisch entgegengesetzte,

praktisch-zupackende Haltung durch Hirschburg. Durch den Verlauf der Handlung des Stücks

werden die Figuren im äußeren Kommunikationssystem bewertet. Zur Bewertung der

Figurenperspektiven meint Pfister, daß

“das gesamte VERHALTEN einer Figur natürlich Bewertungssignale ihrer

Figurenperspektive [impliziert].[...] Zu diesen primär figurbezogenen Steuerungstechniken

kommen solche, die auf den HANDLUNGSABLAUF bezogen sind, wobei sich diese

Kategorien zum Teil überschneiden.[...] Zu eindeutig handlungsbezogenen

1 Parodie, S. 33.

2 Passagen-Werk, S. 1036.

3 Parodie, S. 121.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine