Therapievereinbarungen
Therapievereinbarungen
Therapievereinbarungen
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Grundlagen der Diagnostik und<br />
Behandlungstechnik der<br />
Übertragungsfokussierten Therapie<br />
TFP<br />
12.10.2009<br />
Dr. Gerhard Dammann<br />
Psychiatrische Klinik Münsterlingen
Überblick<br />
� Diagnostik<br />
� Modellvorstellungen<br />
anderen Verfahren<br />
und Unterschiede zu<br />
� <strong>Therapievereinbarungen</strong><br />
� Wichtige Elemente der Behandlung<br />
(Techniken, Regeln)<br />
� Typische Dynamiken<br />
12.10.2009
Borderline eine heterogene<br />
Störung I<br />
� BPS: Vielschichte, konzeptuell nicht ganz verstandene<br />
Störung<br />
� Phänomenologisch (ICD, DSM) steht die Instabilität im<br />
Vordergrund (affektiv, Identität, in Beziehungen)<br />
� Zwar gibt es auch „prototypische“ Borderline-Patientinnen<br />
� Vermutlich verbergen sich hinter der BPS-Diagnose diverse<br />
Subgruppen:<br />
� Psychosenahe Störung (schizotype PS)<br />
� Posttraumatisch/dissoziative PS<br />
� Narzisstisches Spektrum (bis hin zu „Psychopathien“)<br />
� Biologischere/ temperamentale Emotionsregulationsstörungen<br />
(Teilweise auch Teilleistungstörungen; ADHS)<br />
� (Schwere) Hysterien etc.<br />
� Common Ground nach Kernberg könnte die nicht-integrierte<br />
Identität („Borderline-Organisation“) sein<br />
12.10.2009
Geschlechtsunterschiede<br />
� Männliche Borderline-Patienten (was auch<br />
dem klinischen Eindruck entspricht) weisen<br />
signifikant höhere Komorbiditäten mit<br />
anderen Persönlichkeitsstörungen auf<br />
(narzisstisch, antisozial etc.) und sind<br />
somit oftmals „kränker“ (Zanarini et al.,<br />
1998; Grilo et al., 2002)<br />
12.10.2009
Borderline eine heterogene<br />
Störung II<br />
� Untergruppen haben vermutlich erhebliche<br />
therapeutische und prognostische<br />
Implikationen<br />
� Neuere Therapieverfahren zur Behandlung<br />
der BPS setzen daher die Diagnostik-Phase<br />
an den Anfang der Therapie<br />
� Die Kombination von BPS mit histrionischen<br />
und / oder narzisstischen Zügen erschwert<br />
die Behandlungsprognose erheblich (Hull et<br />
al., 1993)<br />
12.10.2009
Borderline eine heterogene<br />
Störung III<br />
� Borderline-Störung in Kombination mit<br />
antisozialen Zügen erschwert die<br />
Behandelbarkeit erhelblich (Studie von<br />
Clarkin, Hull et al., 1994)<br />
� Bei Borderline-Patienten, die antisoziale<br />
Persönlichkeitszüge aufweisen ist die Gefahr<br />
von Therapieabbrüchen deutlich erhöht<br />
(Smith, Koenigsberg et al., 1995)<br />
� Je mehr antisoziale Züge vor dem 15<br />
Lebensjahr vorlagen (Regelverstösse, Tiere<br />
quälen etc.), um so schwerer ist die Ausprägung<br />
einer späteren BPS (Goodman et al.,<br />
1999)<br />
12.10.2009
Diagnostikphase<br />
�Genaue Anamnese<br />
�Phänomenologische Diagnostik<br />
�Komorbiditäten (Follow-up von Michael Stone)<br />
�Strukturelle Diagnose (Qualität der<br />
Objektbeziehungen)<br />
�Somatische / Neuropsychiatrische Abklärung<br />
�Testpsychologie<br />
12.10.2009
Fragen zur Behandelbarkeit<br />
� Motivation<br />
� Erfolglose Vortherapien<br />
� Strukturniveau<br />
� Gewinnende Seiten des Patienten<br />
� Depressivität (eher günstig)<br />
12.10.2009
Einschränkungen im Plädoyer<br />
für mehr Diagnostik<br />
� Oft folgen der Komplexität diagnostischer<br />
Überlegungen keine entsprechenden<br />
klinischen, strukturellen oder pflegerischen<br />
Konzepte<br />
� Die Gefahr ist, dass immer mehr Patienten<br />
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung<br />
erhalten<br />
12.10.2009
Borderline-<br />
Persönlichkeitsorganisation<br />
� Realitätstestung (vorhanden, nur zeitweise<br />
aufgehoben)<br />
� Abwehrmechanismen (überwiegend unreif)<br />
� Identitätsdiffusion (kein integriertes Konzept<br />
von sich selbst oder relevanten Anderen) (Bsp:<br />
jemand sieht sich nur als Opfer, ignoriert aber,<br />
dass er es ist, der anderen Schaden zu-fügt); oder<br />
jemand ist mit den eigenen Kinder übertrieben<br />
nachsichtig aber grausam mit den Pflegekindern)<br />
� Qualität der Objektbeziehungen<br />
� Frustrationstoleranz<br />
� Fähigkeit zur Intimität<br />
12.10.2009
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Primitive Abwehrmechanismen<br />
� Verleugnung<br />
� Übertriebene Idealisierung / Entwertung<br />
� Omnipotente Kontrolle<br />
� Massive Projektionen<br />
� Spaltung
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Spaltung<br />
� Spaltung schützt vor dem Erleben von bisher nicht integrierbaren<br />
Beziehungsaspekten<br />
� Die Spaltung vermeidet so (noch mehr) Konfusion<br />
� Die Spaltung ist demnach Folge der Identitätsdiffusion<br />
� Zusammenbruch der Spaltung führt häufig zu psychosenahen<br />
Dekompensationen
Borderline-<br />
Persönlichkeitsorganisation<br />
� Alle Persönlichkeitsstörungen, die sich<br />
durch Identitätsdiffusion auszeichnen<br />
werden in der TFP als Borderline-<br />
Organisation bezeichnet (BPO)<br />
12.10.2009
Modellhafte<br />
Zusammenhänge VI<br />
Achse I: Instabilität in der<br />
Persönlichkeitsorganisation<br />
Achse II: Mentalisierung,<br />
fähigkeitSymbolisierungs-<br />
Achse III: Narzisstisches Kontinuum<br />
(Arroganz, pathol. Neugier, Pseudostupidität;<br />
Anspruchs- , Schon- u.<br />
Versorgungshaltung)<br />
Achse IV: Sadismus, Perversion, Psychopathie<br />
(Dehumanisierungstendenzen<br />
anderen gegenüber)<br />
12.10.2009
Allgemeine Dynamik<br />
Bei schwer narzisstischen Patienten dagegen dreht sich<br />
zentral vieles um ein grandioses, unabhängiges Selbst-<br />
System, bei dem negative Erfahrungen ins Aussen projiziert,<br />
abgespalten oder verleugnet werden müssen.<br />
Lässt sich die Grandiosität nicht mehr aufrecht erhalten,<br />
treten massive Minderwertigkeitsideen an ihre Stelle, die<br />
selbst wieder übertriebene „negative Grössenphantasien“<br />
darstellen (worauf bereits Abraham 1924 hinwies) und dann<br />
ebenfalls auch zur Quelle für einen Suizid werden können.<br />
Zentrale Affekte sind dabei auch hier die Wut als Ausdruck<br />
der erhöhten Kränkbarkeit und vor allem der (zumeist auch<br />
unbewusst ausgeprägte) Neid auf andere.
Zwei theoretische Linien<br />
� Die eine Linie kann auf die Verletzbarkeit des gestörten<br />
„Selbstachtungs-Narzissmus“ zurück-geführt werden<br />
(Autoren wie Bibrig, A Reich, E. Jacobson, J. Sandler und<br />
besonders Kohut) („Selbstwert-Narzissmus“)<br />
� Daneben beschreiben insbesondere Herbert Rosenfeld<br />
sowie später Otto F. Kernberg in ihren Arbeiten einen<br />
„Objekt-Abwehr-Narzissmus“ und eine grandiose<br />
Selbststruktur, die der Abwehr abhängiger<br />
Objektbeziehungen dienen.
Narzisstische Pathologie – ein<br />
Kontinuum<br />
Narzisstische Störungen können nach Kernberg als Kontinuum, basierend auf<br />
dem Ausmass von<br />
1) Über-Ich-Pathologie,<br />
2) der Intensität projektiver Abwehrmechanismen,<br />
3) und dem Vorhandensein ich-syntoner Aggression<br />
konzeptualisiert werden.<br />
12.10.2009
Spektrum der schweren<br />
nazisstischen Störungen<br />
Narzisstische Persönlichkeitsstörung<br />
� Vorhandene Fähigkeit „Gutes“ im Anderen anzuerkennen<br />
� Internalisiertes Wertsystem kann in der Regel aufrecht erhalten werden etc.<br />
Syndrom des malignen Narzissmus<br />
� Die Fähigkeit, einzelne Objektbezeichnungen aufrecht erhalten zu können,<br />
ist gegeben – allerdings sind diese zumeist hochidealisiert<br />
� Starke paranoide Tendenzen<br />
� Wechsel von „psychopathischen“ (scheinbare Anpassung bei eigentlichem<br />
Dominierenwollen) und „paranoiden“ Übertragungsformen<br />
Antisoziale Persönlichkeitsstörung<br />
� Dominieren von Hass in den internalisierten Objektbeziehungen<br />
� Notwendigkeit „gute Objekte“ aufgrund von intensivem Neid zerstören zu<br />
müssen<br />
� moralische Wertvorstellungen fehlen weitgehend<br />
12.10.2009
Phänomen des Destruktiven<br />
Narzissmus (Rosenfeld, Kernberg)<br />
Kombination aus:<br />
1) Extremem Narzissmus (pathologisches grandioses Selbst) und<br />
2) Über-Ich Pathologie (massive Aggression oder antisoziale Züge)<br />
12.10.2009<br />
• Kennzeichen: schwerer Neid, massive Wut, Gefühle der<br />
Abhängigkeit müssen verhindert werden<br />
• Übertragung wechselt zwischen „psychopathischen“ und<br />
„paranoiden“ Übertragungsformen<br />
• Trias von Schon-, Anspruchs- und Vorwurfshaltung<br />
• Klinik: „Bei mir geht es um Leben und Tod; ich brauche<br />
dringend Hilfe – aber das, was ich hier erhalte, ist absolut<br />
unzureichend!“ (Gegenübertragungsreaktionen)<br />
• Chronische, agierte Suizidalität<br />
• „Zweifrontenkrieg“
Modellhafte<br />
Zusammenhänge<br />
Stabilität bzw. Instabilität der kohäsiven<br />
Kräfte des Ichs sollten unterschieden<br />
werden von Pathologie oder fehlender<br />
Pathologie der Selbstorganisation (Dadurch<br />
ergibt sich eine Art „Vierfelder-Tafel“)<br />
12.10.2009
Narzisstische Persönlichkeitsstörung<br />
Pathologie der Ich-Organisation<br />
+ -<br />
Borderline-Organisation<br />
Instabilität der Ich-Organisation<br />
Neurose / normale<br />
Persönlichkeit<br />
NPS<br />
- +<br />
BPO<br />
NPS und BPO
BPS und Narzissmus<br />
� Im Allgemeinen kann die Borderline PS von<br />
den schweren narzisstischen PS dadurch<br />
unterschieden werden, dass das<br />
manipulative Verhalten, das beiden<br />
Störungen eigen sein kann, bei den<br />
Borderline-Persönlichkeitsstörungen darauf<br />
ausgerichtet ist, Nähe und Zuwendung,<br />
also ein Mehr an Beziehung zu erreichen,<br />
während die schweren narzisstichen PS mit<br />
ihrem Verhalten auf den Gewinn von Macht,<br />
das Durchsetzen von Eigeninteressen und<br />
Gewinn abzielen<br />
12.10.2009
Basis der Behandlung:<br />
Objektpsychologie I<br />
� Die Objektpsychologie stellt die Beziehungsstörung in den<br />
Mittelpunkt der Behandlung<br />
� Charakter wird als geronnene Beziehungserfahrung gesehen<br />
� Die inneren Objektbeziehungen sind die „Brille“ mit der der<br />
Patient die Welt sieht (mehr als nur Kognitionen; „Schemata“)<br />
� Die Beziehung wird dabei vor allem als eine strukturelle<br />
Thematik im Bereich der inneren Objektbeziehungen betrachtet<br />
(z.B. Wechsel von überfürsorglich-hypochondrischer und<br />
vernachlässigender Körperbeschäftigung bei Drogenabhängigen)<br />
� Die inneren Objektbeziehungen stehen in vielfacher Beziehung<br />
untereinander (Fairbairn)<br />
� Die Objektbeziehungstheorie ermöglicht es Verbindungen<br />
herzustellen, zwischen früheren Beziehungserfahrungen,<br />
interpersonellen Beziehungsschwierigkeiten und den<br />
Übertragungsbeziehungen<br />
12.10.2009
Basis der Behandlung:<br />
Objektpsychologie II<br />
� Die inneren Objektbeziehungen stehen in vielfacher Beziehung<br />
untereinander (Fairbairn)<br />
� Natürlich finden wir bei Borderline-Patienten auch alle<br />
Konflikte wieder („Pan-neurotisch“)<br />
�<br />
� Zielsetzung: Veränderung der inneren Objektbeziehungen<br />
(Verbesserung des strukturellen Organisationsniveau) durch<br />
Bearbeitung der Objektbeziehung in der Übertragungsbeziehung<br />
(und weniger im Sprechen über interpersonelle oder<br />
vergangenheitsbezogene Beziehungen)<br />
12.10.2009
Schwere Persönlichkeitsstörungen<br />
� Fragile und verletzbare Selbststrukturen, die sich in<br />
extremer Instabilität oder extremer Rigidität (als<br />
Schutz) äussern können<br />
� Die Selbststruktur („Charakter“) wird dabei als<br />
„geronnene Beziehungserfahrung“ verstanden<br />
� Persönlichkeitsstörungen haben somit immer auch<br />
neben dem dysfunktionalen Aspekten eine adaptive<br />
Bedeutung (Autoprotektive und autodestruktive<br />
Funktionen von Selbstverletzendem Verhalten)<br />
� Psychotherapie als Veränderungsversuch der<br />
bisherigen Struktur bedeutet somit immer auch eine<br />
Labilisierung („zwei Seiten im Patienten“)<br />
12.10.2009
Grundsätze der<br />
Behandlung I<br />
� Ziel der Behandlung ist der Versuch die<br />
innere Struktur (Persönlichkeitsorganisation)<br />
des Patienten zu verändern<br />
� Dies geschieht durch Bearbeitung (Klären,<br />
Konfrontieren, Deuten) von nicht-integrierten<br />
Anteilen<br />
� Symptomatik ist wichtig, wird aber letztlich<br />
als Epiphänomen der tiefer liegenden<br />
Problematik verstanden<br />
� Stabilisierung von Symptomen sollte jedoch<br />
nicht unterschätzt werden (Skill-Training,<br />
Pharmakotherapie)<br />
12.10.2009
Grundsätze der<br />
Behandlung II<br />
� Veränderung benötigt affektives Erfahren und Erleben<br />
des Patienten (Balance)<br />
� Selbstverständlich kommen allgemeinen Wirkfaktoren<br />
der Psychotherapie ebenfalls eine grössere Bedeutung zu<br />
(Güte der therapeutischen Beziehung; Angebot einer<br />
hilfreichen Beziehung) („Gesprächstherapie“ genügt<br />
jedoch zumeist nicht)<br />
� In der Frage wie die Behandlungstechnik sein sollte,<br />
gibt es einige Kontroversen (konfrontativer versus<br />
supportiver; mehr oder weniger Arbeit mit<br />
Übertragungsdeutungen, Form der Bearbeitung von<br />
Traumatisierung; Prinzip Antwort / Selbstoffenbarungen)<br />
12.10.2009
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Zentraler Affekt<br />
� Angst (Dulz, Hoffmann)<br />
� Wut (Kernberg)<br />
� Depression (Akiskal)<br />
� Leere<br />
� Aversive Anspannung (Linehan)<br />
� Verzweiflung
<strong>Therapievereinbarungen</strong><br />
� Durch <strong>Therapievereinbarungen</strong> können<br />
fremdgefährdende Verhaltensweisen u.U. limitiert<br />
werden (Reduktion der „Blaulicht“-Atmosphäre)<br />
� <strong>Therapievereinbarungen</strong> sind nur dann solche, wenn<br />
sie vom Patienten akzeptiert werden<br />
� Möglichkeit weitere Therapieelemente einzubauen<br />
� <strong>Therapievereinbarungen</strong> schützen die Behandlung<br />
und sind auch „anti-idealisierend“ nützlich<br />
� <strong>Therapievereinbarungen</strong> können auch korrigiert<br />
werden, aber sollten nicht ständig manipuliert werden<br />
� Sowohl Konsequenzen aus den<br />
<strong>Therapievereinbarungen</strong> ziehen, aber auch Deuten<br />
12.10.2009
<strong>Therapievereinbarungen</strong> II<br />
� Funktionen der <strong>Therapievereinbarungen</strong><br />
�Die Arbeit mit <strong>Therapievereinbarungen</strong> muss eingebettet sein<br />
in ein grundsätzlich psychodynamisches Verständnis des<br />
Behandlungsprozesses (Beispiel: Kontakt mit anderem<br />
Therapeuten)<br />
12.10.2009
<strong>Therapievereinbarungen</strong><br />
� Auch im stationären Bereich sollte versucht werden möglichst<br />
individualisierte <strong>Therapievereinbarungen</strong> zu treffen<br />
� Motivationsarbeit (‚commitment‘)
Psychodynamik der<br />
Pharmakotherapie<br />
•„Belohnung“ oder „Bestrafung“<br />
•„Introjekte“<br />
•Paradoxe Wirkungen bei Borderline-Patienten<br />
Dr. G. Dammann
Grundsatz<br />
� Handeln oder Deuten!
Abbruch der<br />
Behandlung<br />
• Abbruch nie aus „heiterem Himmel“<br />
• Gruppen von Borderline-Patienten, die den Abbruch ubw.<br />
inszenieren (Autonomie, Bestrafung, Grandiosität)<br />
• Suche nach einer geeigneteren Therapieform gemeinsam<br />
mit Patient<br />
Dr. G. Dammann
Kanäle des therapeutischen<br />
Zugangs<br />
� Was sagt der Patient? (manifester Inhalt)<br />
� Wie sagt er es? (Mimik, Gestik, Kontext)<br />
� Was löst dies in mir aus? (Gegenübertragung)<br />
12.10.2009
Gegenübertragung<br />
� Nicht selten konkordante oder komplementäre<br />
Formen (H. Racker)<br />
� Kurzwechselnde und langsam entstehende<br />
Übertragungs-<br />
Gegenübertragungskonstellationen beachten<br />
� Aus der Interaktion sowie der Übertragungs-<br />
Gegenübertragungsdynamik ergibt sich dann<br />
ein vertieftes Verständnis der Problematik des<br />
Patienten (charakteristische „Rollenpaare“)<br />
12.10.2009
Projektive Identifikation<br />
� Typisches Beispiel: Häufig ist es so, dass der Therapeut oder das<br />
Behandlungsteam die gesamte Beunruhigung über die Situation<br />
des Patienten empfindet, während er selbst unernst oder mit<br />
Agieren beschäftigt ist
Technik V<br />
� Aus psychodynamischer Sicht gibt es Hinweise dafür, dass<br />
Therapeuten, die der Meinung sind, dass sie auf jeden Fall<br />
ihren Patienten werden vor dem Suizid bewahren können, eher<br />
das Gegenteil erreichen (Searles 1967, Zee 1972, Richman u.<br />
Eyman 1990).<br />
� In diesen Fällen übernimmt der Therapeut, i.S. eines<br />
Gegenübertragungsagierens, den unbewussten Wunsch des<br />
Patienten nach einer bedingungslosen, grenzenlos liebenden<br />
Mutter eingeht, (zum Beispiel dann jederzeit telephonisch für<br />
den Patienten erreichbar ist etc.) Er übernimmt dann für den<br />
Patienten die Verantwortung des ‚Am-Leben-Bleiben‘ in einer<br />
Kollusion mit dessen unbewusster Phantasie. Es ist jedoch<br />
klar, dass der Therapeut diesen Anspruch nicht wird<br />
unbegrenzt aufrechterhalten können, was dann zur nächsten<br />
Katastrophe führen kann.
Feindseligkeit<br />
� Auch sehr erfahrene Therapeuten kommen<br />
mit Feindseligkeit (hostility) von Seiten der<br />
Patienten sehr schlecht zurecht (Vanderbilt-<br />
Studie von Strupp)<br />
� Dies wird auch in Therapie-Weiterbildungen<br />
wenig gelehrt<br />
12.10.2009
Grundprinzipien der Behandlung I<br />
(nach Waldinger, 1987)<br />
� 1) Starke Betonung der Stabilität des Behandlungsrahmens.<br />
� 2) Auf Grund der Tendenz von Borderline-Patienten zu projektiven<br />
Mechanismen, Verzerrungen und Problemen bei der Realitätstestung ist<br />
der therapeutische Umgang aktiver, d.h. insbesondere von mehr verbaler<br />
Teilnahme geprägt<br />
� 3) Grundsätzliches Anerkennen und tolerierendes Aushalten „feindlicher“<br />
(destruktiver) Aspekte des Patienten, die sich in der negativen<br />
Übertragung manifestieren<br />
� 4) Selbstzerstörerische Verhaltensweisen werden durch Klärung und<br />
Konfrontation dem Patienten zunehmend „verunmöglicht“, so daß sie<br />
zunehmend ich-dyston werden und Belohnungsaspekte durch<br />
Krankheitsgewinn verloren gehen
Grundprinzipien der Behandlung II<br />
(nach Waldinger, 1987)<br />
� 5) Das Verwenden von Deutungen, um dem Patienten zu helfen, Brücken<br />
zwischen seinen Gefühlen und seinen Handlungen zu errichten<br />
� 6) Ausagierendes (‘acting-out’) Verhalten wird dadurch blockiert, daß der<br />
Therapievertrag den Verhaltensweisen, die den Patienten, andere<br />
Personen oder die Therapie gefährden, durch Grenzen des Rahmens<br />
Einhalt gebietet<br />
� 7) Besonders am Anfang der Therapie erfolgt eine stärkere Fokussierung<br />
auf Deutungen im ‘Hier-und-Jetzt’ und weit weniger auf genetische (d.h.<br />
auf die Vergangenheit bezogene) Deutungen<br />
� 8) Sorgfältiges Beobachten der Gegenübertragungsgefühle
Technik<br />
� Klärung<br />
� Konfrontation<br />
� Deutung (Interpretation)
Regeln (Taktiken)<br />
� Thematische Hierarchien<br />
� Abweichungen von der technischen Neutralität
Ziele<br />
� Aufzeigen der dominierenden „Rollenpaare“ in der<br />
Übertragungsbeziehung<br />
� Aufzeigen und Deuten ihrer Dynamik<br />
� Aufzeigen typischer oszillierender Wechsel<br />
� Aufzeichen und Deuten ihrer Dynamik (Abwehrfunktion)
Trauma im stationären<br />
Bereich<br />
� Wunsch „das Trauma“ aufzudecken bearbeiten<br />
� Zunächst Stabilisierung<br />
� Versuch einer „einfachen Erklärung“<br />
� Amnesie für Traumatisierungen
Distanz und Abschied<br />
� Die Behandelnden müssen lernen, den Patienten nah genug aber<br />
nicht zu nah an sich herankommen zu lassen<br />
� Frühzeitig Abschied thematisieren (gerade auch bei Patienten bei<br />
denen dies scheinbar kein Problem ist)
Heuristisch wertvoller<br />
Beziehungs-Fokus:<br />
� Beziehungsdynamik in der Übertragung zwischen<br />
Vernachlässigung und übergriffiger Bemächtigung
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Das zentrale Dilemma<br />
� Borderline-Patienten können nicht kontinuierlich ohne<br />
Beziehung sein, sie sind existentiell auf den anderen (als<br />
Tröster etc.) angewiesen (Mangel an haltenden inneren<br />
Objekten; Wunsch nach ungetrennter Symbiose)<br />
(=Verlassenheitsangst)<br />
� Gleichzeitig können Borderline-Patienten aber auch nicht<br />
kontinuierlich in Beziehung sein (wegen der Angst<br />
manipuliert zu werden, wegen der Nähe die entsteht und<br />
die bedeutet, sich selbst zu verlieren etc.)<br />
(=Verschmelzungsangst)
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Das zentrale Dilemma II (nach<br />
Lohmer, 2002)<br />
� Folge davon sind abrupte Kehrtwendungen mit dem Versuch<br />
Distanz herzustellen (Vorwürfe, plötzliche Kühle, Wutanfälle etc.)<br />
� Oder aber Versuche wieder Nähe herzustellen (Unterwerfungen,<br />
Verführungen, Manipulationen, Drohungen etc.)
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Das zentrale Dilemma III<br />
� Das Gegenüber (der Partner, Therapeut etc.) wird in diese<br />
Dynamik hineingezogen und kann nicht anders als jeweils<br />
polar dazu zu reagieren bzw. zu antworten (sich<br />
entziehend, verschliengend etc.)<br />
� Das agoraphob-klaustrophobe Dilemma (Rey) von<br />
Eiswüste und Feuerhölle wird also auch zum Dilemma des<br />
Gegenübers<br />
� Genau damit sollte in der Therapie gearbeitet werden
Balancen V<br />
Reflektierende Distanz<br />
versus<br />
Persönliches Engagement<br />
(lebendiges Gegenüber und Realbeziehung)
Borderline Persönlichkeitstörung<br />
Rollenwechsel<br />
� Patient geht aus einer passiven Position („Ich könnte mit<br />
Liebesentzug bestraft werden“) in eine<br />
� Aktive Position über („Du Bezugsperson enttäuscht mich,<br />
deswegen will ich nicht mehr mit dir arbeiten.“)
Techniken I<br />
� Aufzeigen des Konflikts<br />
zwischen libidinösen und destruktiven Aspekten, während der<br />
Patient „leugnet“, dass es einen solchen Konflikt gibt<br />
� Cave: Das Libidinöse nur benennen, es nicht beweisen wollen<br />
(Machtkampf)<br />
� Versuch die Suizidalität „ich-dystoner“ werden zu lassen
Techniken II<br />
� Aufzeigen bzw. Deuten der Projektion:<br />
Zahlreiche persönlichkeitsgestörte Patienten äussern, dass sie<br />
nur noch wegen ihres Hundes, ihrer Grossmutter oder ihres<br />
Therapeuten leben ....<br />
Dynamik: Projektion libidinöser Aspekte des Selbst in den<br />
Anderen (um diese dort geschützt zu wissen)
Techniken III<br />
� Bearbeiten und Deuten warum die Person, die ganze Schuld auf<br />
sich nimmt<br />
Paradox aufzeigen, dass die Person sich verletzt, angegriffen<br />
fühlt – dies jedoch in einem verstärkten Angriff auf das Selbst<br />
mündet.<br />
Objektbeziehungstheoretische Überlegung von Fairbairn aus den<br />
40er Jahren (Bewahren eines guten Aussen, durch Übernahme<br />
de gesamten Schuld)
Techniken IV<br />
� Zerstörung des eigenen Körpers aus pathologischer Angst vor<br />
Sexualität und Kontrolle über den Körper
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Chronische Suizidalität<br />
� Suizid als Ausweg thematisieren<br />
� Widerstand beachten<br />
� Fokus: Auf der narzisstischen Ökonomie<br />
� Vorsicht: Maligne narzisstische Störung (Machtkampf statt<br />
Psychotherapie)
Borderline Persönlichkeitsstörung:<br />
Orte seelischen Rückzugs<br />
� Burgen, Inseln, Türme etc.<br />
� In denen symbolisch gearbeitet werden kann (Metaphern)<br />
� Bilder schaffen einerseits Distanz und erzeugen andererseits<br />
emotionale Nähe