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SPIEGEL ONLINE - 17. September 2006, 09:44

URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,437027,00.html

TECHNOLOGIETRENDS

Die neue Einfachheit

Von Eva-Maria Simon

Die Hersteller sollten es den Nutzern nicht zu schwer machen - das hat Angela Merkel auf der IFA

gefordert. Der Appell der Kanzlerin freute die Verbraucher, denn Handys, DVD-Spieler und PCs sind oft

zu kompliziert. Doch eine Wende ist in Sicht: Immer mehr Unternehmen achten auf "Usability". Und das

ist gar nicht schwer.

Der DVD-Player hat mehr Knöpfe als eine Computertastatur, das Handymenü führt auf Irrwege und der PC

scheint seinen eigenen Willen zu haben - komplizierte Technik verärgert die Verbraucher. Wenn sich

Geräte nicht schnell und einfach bedienen lassen, wenden sich die Nutzer ab. Das schadet letztendlich den

Herstellern. In der Studie "TV 2010" der Universitäten Siegen und Bonn gaben 20,8 Prozent der Befragten

an, dass komplizierte Tastenkombinationen ein Problem für sie seien.

[M] manager-magazin.de

Verwirrung: Chaotische Websites

schrecken ab

Kürzer und schneller reicht nicht

Schön, aber kompliziert: Eine ganz

normale Fernbedienung

Das scheint die Industrie jedoch kaum zu interessieren. "Hersteller machen

sich oft zu wenige Gedanken darüber, was der Nutzer eigentlich braucht",

kritisiert Franz Koller, Geschäftsführer von User Interface Design. Das

Unternehmen hat sich auf Usablity spezialisiert - also auf die Kunst, die

Technik auf die Bedürfnisse des Nutzers abzustimmen. "Die IFA hat keine

großen Fortschritte gebracht", beklagt der Experte.

Dabei könnte alles so einfach sein. Wenn etwa die Fernbedienung für einen

DVD-Spieler zu viele Knöpfe mit kryptischen Abkürzungen hat, dann ist das

ein klarer Fall für die Usability-Fachleute: Funktionen, die selten benutzt

werden, können unter einem gemeinsamen Knopf zusammengefasst werden.

Dafür können die "wichtigen" Tasten dann größer sein und besser beschriftet

werden.

Usability bedeutet aber "nicht nur, dass alles kürzer und schneller geht", betont Britta Hofmann, Leiterin

des Usability-Kompetenzzentrums am Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik, "ein Gerät

muss passend zur Denkwelt des Nutzers gestaltet werden." So habe man etwa in Tests herausgefunden,

dass User in der Regel keine Handynummern auswendig kennen, sondern ihr Adressbuch benutzen.

Deshalb sollte bei der Funktion "SMS schreiben" zunächst ein Fenster auftauchen, in das man den

Anfangsbuchstaben des Namens eingibt - nicht etwa ein Feld, in das die Nummer eingetragen wird.

Immer mehr Unternehmen nehmen sich solche Forschungsergebnisse zu Herzen. So bringt etwa das

Hausgeräte-Joint-Venture von Bosch und Siemens eine Reihe mit Produkten heraus, die wegen ihrer

einfachen Bedienung auch für ältere Menschen gut geeignet sind. Einige Autokonzerne verändern die

Armaturenbretter - nachdem die Technische Universität München gezeigt hat, dass Fahrer auf bis zu 32

Prozent der notwendigen Blicke nach außen verzichten, wenn sie durch die Bedienung von Radio oder

Navigationsgerät abgelenkt werden.

Nicht nur im Auto, sondern auch im Büro kann nutzerfeindliche Technik zum Problem werden: Wenn für

eine einfache Aufgabe ein ganzer Klickmarathon nötig ist, dann kostet das Zeit und Geld. Links sind auf

der Seite versteckt, die Farben verwirren und ein Hilfe-Button ist überhaupt nicht vorhanden - mit solchen

Problemen sehen sich Websurfer täglich konfrontiert.

wechseln können.

Direkter Draht zum Nutzer

"Ich denke, dass sich gewisse Standards durchgesetzt haben", sagt Vera

Brannen dennoch optimistisch. Die Vizepräsidentin der deutschen Abteilung

der Usability Professionals' Association (UPA) , des Berufsverbands der

Usability-Fachleute, betont aber, dass noch viel getan werden müsse.

Damit ein Produkt "usable", also nutzerfreundlich, heißen darf, muss es

bestimmte Standards erfüllen, so die Expertin: Die Norm DIN EN ISO 9241

schreibt unter anderem vor, dass ein Gerät oder eine Website

selbstbeschreibungsfähig sein soll. Das bedeutet, dass Links immer

gekennzeichnet sind oder dass eine Aktion, wie zum Beispiel "speichern",

immer durch dasselbe Symbol angezeigt wird. So findet sich der Nutzer ganz

von selbst zurecht. Wichtig ist auch die Steuerbarkeit - beim Einkaufen im

Internet sollte man jederzeit zwischen Warenkorb und Auswahl hin und her

Ein großer Schritt Richtung User ist nach Meinung vieler Fachleute die zunehmende Interaktivität: Foren,

Unternehmensblogs oder Produktinformationen in einem personalisierten Newsletter (RSS-Feed) machen

den Draht zwischen Anbieter und Abnehmer etwas stabiler. Für Technikmuffel sind solche Anwendungen

allerdings oft zu kompliziert. Unternehmen müssen sich also noch stärker auf ihre Zielgruppe einstellen.

1 von 2 19.09.2006 16:19

Quelle: www.spiegel.de (September 2006)


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Was der Nutzer wirklich braucht, das erforschen Wissenschaftler in User-Tests. Unternehmer können

solche Untersuchungen in Auftrag geben - das kostet zwischen 6000 und 50.000 Euro. Wer kein großes

Budget hat, kann einen Experten zu Rate ziehen, der das aktuelle Produkt beurteilt. Das funktioniert

allerdings nur bei weniger komplizierten Anwendungen. Hilfreich ist es auch, einen Kollegen, der nicht mit

der Entwicklung vertraut ist, als Versuchsobjekt einzusetzen.

Immer mehr Unternehmen profilieren sich mit der Nutzerfreundlichkeit. Im Vorfeld der Cebit 2007 wurde

im September erstmals ein Usability Award verliehen - er ging an das Unternehmen Kodak, das für seine

in Geschäften aufgestellten Fototerminals ausgezeichnet wurde. Seit 2005 gibt es auch einen jährlichen

Usability-Tag - Werbung für die Verbraucher und für jene Agenturen, die konsumentennahe Entwicklungen

für die Industrie anbieten. Das Umdenken kommt also, aber es kommt langsam. Bis Handy und PC allein

dem Nutzer gehorchen, muss noch einiges geschehen.

Zum Thema:

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Zum Thema im Internet: IFA-Rückblick: Hightech auf den Spieltischen

http://www.manager-magazin.de/it/ifa/0,2828,434996,00.html

Web 2.0: Waffe der Verbraucher

http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,434580,00.html

Unis im Internet: Lichtblick im Osten

http://www.manager-magazin.de/koepfe/karriere/0,2828,433527,00.html

Berufsverband Usability UPA

http://www.gc-upa.de

Fraunhofer Usability-Kompetenzzentrum

http://www.fit-fuer-usability.de/

Quelle: 2 von www.spiegel.de 2 (September 2006)

19.09.2006 16:19

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