Frauenförderplan des Fachbereichs 13: Biologie - Universität Münster

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Frauenförderplan des Fachbereichs 13: Biologie - Universität Münster

Frauenförderplan des Fachbereichs 13: Biologie

Fortführung 2010

1. Bestandsaufnahme: Entwicklung seit 2005 und aktueller Stand 2010

Innerhalb der immer noch männerdominierten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik,

Naturwissenschaften und technische Studienfächer) erfahren die Studienangebote des

Fachbereichs Biologie gerade bei den weiblichen Studierenden eine ungebrochen hohe

Akzeptanz. Bei den Studienanfänger(inne)n sind in allen Studiengängen weibliche

Studierende in der Überzahl (Abb.1). Auch bei Studienabschlüssen (Abb. 2) überwiegen

Abschlussarbeiten von Frauen. Der Anteil der Frauen bei den Promotionsabschlüssen liegt

ebenfalls konstant oberhalb der 50%-Marke (Abb. 3).

Bei den Beschäftigten des Fachbereichs zeigt sich in der Gruppe der nichtwissenschaft-

lichen Mitarbeiter(inn)en ein unvermindert hoher Frauenanteil oberhalb von 50% (Abb. 4).

Im sogenannten „Mittelbau“ hat ein langsamer Anstieg des Anteils weiblicher

Wissenschaftler zum aktuellen Stand von 40% geführt (Abb. 4). Die aktuelle Situation (Stand

31.12.2009) ist in Abbildung 5 verdeutlicht. Bei den Professuren konnte der Frauenanteil

auf nunmehr 27% Hochschullehrerinnen weiter leicht gesteigert werden (Abb. 4 und 5), da in

neun seit 2005 abgeschlossenen Berufungsverfahren drei Wissenschaftlerinnen die Professur

erhielten. Allerdings ist der Anteil weiblicher Bewerber auf Professuren mit 17 ± 9 % sehr

gering (Abb. 6). Hier wird die Vorgabe des Frauenförderplans, die Kriterien zur Einladung

von Bewerberinnen zum Vorstellungsvortrag so breit wie möglich zu fassen, in der Praxis

konsequent umgesetzt, so dass in den Berufungsverfahren Frauen immer stärker

berücksichtigt werden, als es ihrem Anteil im Bewerberfeld (19%, s.o.) entspricht; bei

Einladungen zu Vorträgen beträgt der Frauenanteil 25%, bei Berufungen 33% (Abb. 6). Mehr

Berufungen von Frauen auf Professuren könnten daher vor allem durch eine erhöhte Zahl von

Bewerbungen von Frauen erleichtert werden. Diese Quote ist aber durch den Fachbereich

Biologie der WWU Münster nicht zu beeinflussen. Vor allem die zunehmende gesamt-

gesellschaftliche Entwicklung zu verstärkter Chancengleichheit der Geschlechter könnte hier

langfristig die positive Entwicklung des Frauenanteils in den oberen Hierarchieebenen des

Fachbereichs Biologie weiter unterstützen.


2. Bericht über durchgeführte Maßnahmen zur Frauenförderung

2.1. Fortbildungsmaßnahmen zu kommunikativen Kompetenzen

Die von einer Psychologin und einer Pädagogin angebotenen Veranstaltungen zur Förderung

kommunikativer Kompetenzen, die beispielsweise Bewerbungstraining, Moderations-

techniken oder professionelle Selbstdarstellung/Vortragstraining zum Inhalt hatten, wurden

fortgesetzt. Die Veranstaltungen richteten sich an Studentinnen, Assistentinnen und

Doktorandinnen, als die Gruppe, aus der sich zukünftige Bewerberinnen für leitende

wissenschaftliche Positionen rekrutieren werden. Die Veranstaltungen werden jährlich

durchgeführt, der nächste Termin ist der 28. und 29. Januar 2011.

2.2. Förderung von Tagungsreisen

Von 2006 bis 2009 wurden 171 Fördermaßnahmen bewilligt. Insgesamt wurden 32.240 Euro

aufgewendet, davon etwa 12.000 Euro, die aus Fachbereichsmitteln bereitgestellt wurden. Für

die Bezuschussung wird eine aktive Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen, also ein

eigener Beitrag (Vortrag oder Poster) vorausgesetzt. Die Förderung ist pro Person auf

400 Euro jährlich begrenzt, um möglichst viele Antragstellerinnen berücksichtigen zu können.

Der Zuschuss soll Personen mit geringem Einkommen (Studentinnen und Doktorandinnen

sowie in Teilzeit beschäftigten Wissenschaftlerinnen) die Teilnahme an diesen

Veranstaltungen ermöglichen. Zusätzlich ist auch eine Übernahme von Kosten möglich, die

im Zusammenhang mit dem Tagungsbesuch für Kinderbetreuung entstehen. Die Richtlinien

zur Vergabe der Mittel wurden von der Gleichstellungskommission konkretisiert und online

zugänglich gemacht (http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/biologie/institute/richt-

linien_fortbildungsf__rderung_0402.pdf).

2.3. Förderung von Fortbildungsveranstaltungen

Zuschüsse zu Fortbildungsmaßnahmen wurden vor allem für die Weiterbildung zur

Projektleiterin nach Gentechnikrecht beantragt. Die hier erworbenen Kompetenzen

ermöglichen die Leitung eines Labors, in dem mit gentechnisch veränderten Organismen

gearbeitet wird und erhöhen die Qualifikation zur Leitung einer eigenständigen Arbeitsgruppe

im Bereich der Lebenswissenschaften. Seit 2005 wurden die Kosten von 21 dieser

Fortbildungsmaßnahmen aus Frauenfördermitteln übernommen.


2.4. Beschaffung mobiler Rechner für Wissenschaftlerinnen mit Kleinkindern

Eines der Hindernisse für eine wissenschaftliche Karriere von Frauen ist die schlechte

Vereinbarkeit von Wissenschaft und Kindererziehung, da biologische Forschung überwiegend

mit praktischer Labortätigkeit verbunden ist. Obwohl diese Problematik grundsätzlich für

beide Geschlechter gegeben ist, stellen in der Regel die Mütter ihre Berufstätigkeit in der

Familienphase zurück. Um Wissenschaftler(inne)n mit Kleinkindern die Möglichkeit zu

eröffnen, ihre Tätigkeit flexibler auf ihre Bedürfnisse abstimmen zu können, wurden sechs

mobile Rechner beschafft. Diese konnten bisher 10 Personen für eine unterschiedlich lange

Dauer zur Verfügung gestellt werden (darunter auch einem promovierenden Vater).

2.5. Mentoring-Programm „Erstklassig“

Für das Mentoring-Programm „Erstklassig“ des Rektorats wurde in beiden bisherigen

Vergaberunden vom Fachbereich Biologie jeweils eine Wissenschaftlerin vorgeschlagen.

Beide wurden im Auswahlverfahren berücksichtigt und konnten am Förderprogramm

teilnehmen. Dies umfasst Mentoring mit lokalen und auswärtigen Professorinnen,

Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe der Mentees sowie Trainingsangebote zu

Schlüsselkompetenzen für die Wissenschaftsorganisation, effizientem Ressourcen-

management und Teamleitung (z. B. Drittmittelbeschaffung, Führungsstrategien, etc).

2.6. Graduiertenförderung

Bei der fachbereichsinternen Auswahl von Kandidaten für Graduiertenstipendien steht die

Qualität des Forschungsprojektes, der bereits erfolgten Vorarbeiten und der eingereichten

Unterlagen im Vordergrund. Doktorandinnen wurden hier in gleicher Anzahl berücksichtigt,

wie männliche Bewerber. Im Zeitraum 2005 – 2010 konnten jeweils 5 Stipendien an

weibliche und männliche Nachwuchswissenschaftler(innen) vergeben werden.


3. Zielvorgaben und Maßnahmen zur Frauenförderung

Eine Unterrepräsentation von Frauen ist im Fachbereich Biologie noch im Bereich der

Hochschullehrer und, in geringerem Ausmaß, im Mittelbau gegeben. Unterstützende

Maßnahmen müssen daher vor allem das Ziel haben, erfolgreiche Bewerbungen von Frauen

auf wissenschaftliche Positionen zu ermöglichen, um langfristig ein ausgeglichenes

Geschlechterverhältnis auch in diesen Gruppen zu erreichen. Die Zielgruppe für

Frauenfördermaßnahmen muss somit in erster Linie der wissenschaftliche Nachwuchs sein.

Hier muss speziell der Konflikt zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und privater

Familienplanung entschärft werden. Allerdings können diese Maßnahmen nur die Ausbildung

der Wissenschaftlerinnen an unserem Fachbereich unterstützen, um dann zu erfolgreichen

Bewerbungen dieser Personengruppe an anderen Universitäten beizutragen. Eine Steigerung

der Zahl der Bewerberinnen auf Leitungspositionen innerhalb unseres Fachbereichs kann nur

durch vermehrte qualifizierte Bewerberinnen von anderen Universitäten gelingen. Diese

Aufgabe kann daher nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch eine entsprechende

Entwicklung innerhalb der Lebenswissenschaften und der Gesellschaft im Ganzen bewältigt

werden.

3.1. Maßnahmen zur Frauenförderung

- Die Befragung der Studierenden zu beruflichen Zielvorstellungen, die bereits 2005

durchgeführt wurde, soll wiederholt werden, um Hemmnisse für die wissenschaftliche

Karriere von Frauen erkennen zu können und Fördermaßnahmen auf den resultierenden

Bedarf abzustimmen.

- Das Angebot einer Beratung zu frauenspezifischen Problemen des Studiums und der

Karriereplanung erfolgt durch die Gleichstellungsbeauftragten, die Studien-

koordinator(inn)en und im Rahmen der Studienberatung.

- Seminare mit Erfahrungsberichten von Biologinnen in akademischen Positionen werden

für Studierende und Nachwuchswissenschaftlerinnen angeboten.

- Bei der Kursplatzvergabe werden Bedürfnisse studierender Eltern bevorzugt

berücksichtigt.

- Bei der Graduiertenförderung werden Frauen bevorzugt berücksichtigt.

- Für die Förderung von Tagungsreisen, Forschungsaufenthalte und Fortbildungs-

maßnahmen für Masterstudierende, Doktorandinnen und teilzeitbeschäftigte

Wissenschaftlerinnen, soweit sie keine Kostenübernahme aus anderen Mitteln erfahren,


stehen Fachbereichsmittel in Höhe von 3.000 Euro jährlich zur Verfügung. Über die

Verwendung entscheidet die Frauenförderkommission.

- Die Fortbildungsveranstaltungen zu ergänzenden kommunikativen Kompetenzen werden

fortgeführt.

- Die Geschäftsführenden Direktoren der Institute berichten regelmäßig über die

Entwicklung des Frauenanteils bei ihren Mitarbeitern.

- Bei anstehenden Neuberufungen sollen die Kriterien für eine Einladung von

Bewerberinnen zum Vorstellungsvortrag möglichst weit gefasst werden.

- Studentinnen mit Kleinkindern sollen bei einer erforderlichen Kinderbetreuung aufgrund

von Abendseminaren oder Abendkursen finanziell unterstützt werden.

- Es soll eine Homepage eingerichtet werden, auf der Informationen zu

gleichstellungsrelevanten Themen, aktuellen Veranstaltungsangeboten, Kontakten usw.

zur Verfügung gestellt werden.


Frauenanteil in %

Frauenanteil in %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

100

Lehramt: Studienanfänger(innen)

2Fach BSc + B KJ HRGe: Studienanfänger(innen)

Lehramt: Abschlüsse

2Fach BSc + B KJ HRGe: Abschlüsse

0

1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

90

80

70

60

50

40

30

20

10

Kalenderjahr

Diplom: Studienanfänger(innen)

Diplom: Absolvent(inn)en

Bachelor: Studienanfänger(innen)

Bachelor: Absolvent(inn)en

0

1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

Kalenderjahr

Abb. 1. Frauenanteil bei Studierenden des Fachbereichs Biologie


Frauenanteil (%)

Frauenanteil (%)

100

100

75

50

25

75

50

25

0

0

2005 2006 2007 2008 2009

Kalenderjahr

Kalenderjahr

MS Bio

MS Biotech

MS Biomed

MS Ed GHRGe/HRGe

2005 2006 2007 2008 2009

MS Bio

MS Biotech

MS Biomed

MS ED GHRGe/HRGe

Abb. 2. Frauenanteil an Studierenden der Master-Studiengänge: Studienanfänger

(oben) und Absolventen (unten)


Frauenanteil in %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

Kalenderjahr

Abb. 3: Frauenanteil bei Promotionen im Fachbereich Biologie


Frauenanteil in %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

Kalenderjahr

Hochschullehrer (C3, C4, W2, W3)

Mittelbau

Nichtwissenschaftliche Mitarbeiter

Nichtwissenschaftl. Mitarbeiter incl. Botanischer Garten

Abb. 4. Frauenanteil bei Beschäftigten des Fachbereichs Biologie


Bewerbungen

Einladungen/Vorträge

Begutachtung

Listen

Berufungen

Professorinnen

2FachBachelor

Master of Education

BSc Biowissenschaften

Master of Science (alle Studiengänge)

Promotion

Mittelbau

Professoren

Frauenanteil (%)

Frauenanteil (%)

Zeitraum: 1999 - 2009

0 20 40 60 80 100

Abb. 6. Frauenanteil in Berufungsverfahren des Fachbereichs Biologie

Stand: Juni 2010

0 20 40 60 80 100

Abb. 5. Frauenanteil im Fachbereich Biologie: Die aktuelle Situation 2010

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