China – Länderanalyse Februar 2008 - Volksbank

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China – Länderanalyse Februar 2008 - Volksbank

China – Länderanalyse Februar 2008

Hauptstadt: Peking

Staatsform: Kommunistischer Staat

Einwohner: 1.314,5 Mio. (2006)

Amtssprachen: Chinesisch (Mandarin)

Bruttoinlandsprodukt in EUR (2007f): 2380 Mrd.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in EUR (2007f): 1800

Währung: Yuan (CNY) bzw. Renminbi (RMB)

Mitgliedschaften: BIS, IAEA, IBRD, IWF, SOZ, UN, UN-Sicherheitsrat, WTO, ASEAN (Dialogpartner)

Autor: Mario Wattaul

+43-1-53135-403

Internet: www.investkredit.at

e-mail: research@investkredit.at

Research Seite 1 13.02.2008


Inhaltsverzeichnis

1. Kommentar ................................................................................................. 3

2. Stärken-/ Schwächenprofil .......................................................................... 5

3. Volkswirtschaftliche Kennzahlen................................................................. 6

3.1 Aktuelle Konjunktur & Ausblick............................................................. 6

Aktuell ......................................................................................................... 6

Ausblick....................................................................................................... 7

3.2 Marktpotential....................................................................................... 8

3.3 Wettbewerbsfähigkeit......................................................................... 13

3.4 Außenwirtschaft.................................................................................. 18

Historische Trends und Ausblick Exportsektor ......................................... 21

3.5 Staatsverschuldung............................................................................ 26

3.6 Private Verschuldung ......................................................................... 27

3.7 Stabilität.............................................................................................. 28

3.8 Geldpolitik und Finanzmarkt............................................................... 31

Geldpolitik ................................................................................................. 31

Geld- und Anleihenmarkt .......................................................................... 33

Aktienmarkt ............................................................................................... 34

4. Bankensystem .......................................................................................... 36

4.1 Struktur............................................................................................... 36

4.2 Aktuelle Entwicklungen ...................................................................... 38

5. Energiesektor............................................................................................ 41

6. Rahmenbedingungen/Weiche Faktoren ................................................... 44

6.1 Rechtssicherheit................................................................................. 44

6.2 Investitionsklima/ Unternehmensumfeld ............................................ 44

6.3 Arbeitsmarkt & Humankapital............................................................. 47

6.4 Steuern............................................................................................... 47

6.5 Korruption........................................................................................... 47

6.6 Politik.................................................................................................. 48

6.7 Terrorismus und Sicherheit ................................................................ 51

6.8 Infrastruktur ........................................................................................ 51

7. Bonität: Ratings und Risikoeinschätzung.................................................. 53

8. Externe Faktoren – Weltkonjunktur & Ölpreis........................................... 54

9. Quellen...................................................................................................... 55

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1. Kommentar

ATTRAKTIVITÄT

Der chinesische Markt besticht mit seiner enormen Größe, der Bevölkerungszahl und der noch immer

sehr niedrigen Wirtschaftsleistung pro Kopf. Eine sehr hohe Investitions- und Sparquote galten bislang

als Garant für zukünftige Wirtschaftsleistung. Da das bisherige chinesische Wirtschaftsmodell an

seine Grenzen stößt, sollte sich das Wachstum bis 2011 auf 7-8% J/J verlangsamen. Dennoch bleibt

die Wachstumsrate im internationalen Vergleich hoch. Um ein dauerhaft hohes Wachstum generieren

zu können, ist es für China zunehmend wichtig höherwertigere Produkte herzustellen. Aufgrund einer

zu erwartenden Änderung in der wirtschaftspolitischen Ausrichtung ist mit einem relativen

Bedeutungsverlust des Exportsektors zu rechnen. Gleichzeitig sollte das Wachstum zukünftig stärker

vom Binnenkonsum getrieben sein. Exportseitig ist mit einem stärkeren Vordringen Chinas in

technologisch höherwertige Produktklassen zu rechnen. Die Direktinvestitionen sollten an Bedeutung

verlieren. Unter einer längerfristigen Perspektive (Zeitraum > 5 Jahre) verschlechtert sich die

Attraktivität aufgrund der demografischen Entwicklung und der Umweltzerstörung. Aufgrund seines

diplomatischen Auftretens und der Unterlassung von politischen Forderungen gegenüber

afrikanischen Regimen konnten die Chinesen sich als bedeutender Direktinvestor in Afrika etablieren

und sich damit den Zugang zu wichtigen Ressourcen sichern.

RISIKO

Bonität

Die drei Ratingagenturen bewerten das Länderrisiko Chinas unterschiedlich. Während Fitch und

Moody’s Investor Service dieses bei A+ (bzw. A1) sehen, sieht S&P das Rating um einen Notch tiefer,

bei A liegen. Allerdings ist der Ausblick bei S&P positiv. Insgesamt und aufgrund der historischen

Entwicklung scheint daher die Gesamtnote von 2,75 angebracht. Fitch hat am 6. November 2007 sein

Fremdwährungs-Staatenrating aufgrund verbesserter fiskalischer Rahmenbedingungen und einer

geringeren Wahrscheinlichkeit, dass der Staat den Großbanken unter die Arme greifen muss um

einen Notch von A auf A+ und das Lokalwährungsrating entsprechend von A+ auf AA- angehoben.

Der Ausblick für beide Ratings wurde mit “stabil” festgesetzt. Um die starke externe

Zahlungsbilanzposition Chinas zu reflektieren hat Moody's Investors Service am 26. Juli 2007 sein

langfristiges Fremdwährungsanleiherating um einen Notch von A2 auf A1 angehoben. Moody’s hob

auch den Trend in der Staatsverschuldung und den Fortschritt bei wirtschaftlichen Reformen positiv

hervor. Der Ausblick wurde mit “stabil” festgesetzt. Auch wurden substantielle Fortschritte bei der

inneren Finanzstärke und der Aufsicht über die großen staatlichen Geschäftsbanken erzielt. Der

Country Ceiling für Fremdwährungs- als auch Lokalwährungseinlagen bzw. Anleihen wurde ebenfalls

von A2 auf A1 angehoben. Der entsprechende Ausblick wurde mit „stabil“ festgesetzt. S&P hat am 26.

Juli 2007 sein Fremdwährungs-Staatenrating von A für China bestätigt, den Ausblick jedoch von

„neutral“ auf „positiv“ angehoben. Das bisherige Rating besteht seit 27. Juli 2006. Damals wurde die

Anhebung mit der starken Vermögensposition Chinas gegenüber dem Ausland, dem

Wachstumspotential, und dem verbesserten fiskalischen Rahmen begründet.

Wirtschaftliche Stabilität

Aufgrund der nach wie vor hohen Abhängigkeit vom Export, vor allem gegenüber den USA und Japan

und einer sich abzeichnenden Abkühlung der Weltkonjunktur, haben sich die konjunkturellen

Risiken für China spürbar erhöht. Zudem hat sich das Land in den letzten Jahren von einem reinen

Assembler zum Hersteller höherwertiger Konsumprodukte und Maschinen transformiert, was seine

Sensibilität gegenüber externen Konjunkturschwankungen merklich erhöht hat. Die Struktur des

Wachstums ist aufgrund der nach wie vor planwirtschaftlichen Festsetzung der Zinsen durch die

Zentralbank und der Kreditvergabepraxis der Banken gegenüber Staatsbetrieben hin zu

Überinvestitionen, vor allem im schwerindustriellen Bereich und dem Bausektor, verzerrt. Allerdings

sollten die gestiegenen Mindestreserveanforderungen der Notenbank nun erstmals bei den

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Geschäftsbanken zu greifen beginnen. Das gegenwärtige Inflationsproblem ist primär angebotsseitig

und hier vor allem auf landwirtschaftliche Probleme (Dürren im In- und Ausland) zurückzuführen.

Allerdings handelt es sich hier um Ausnahmesituationen, welche nur vorübergehend bestehen sollten.

Da der Yuan seinen Aufwertungstrend voraussichtlich mittelfristig fortsetzen wird, sollte dies die

Importpreise dämpfen und so zur Inflationsbekämpfung beitragen. Ansteckungsgefahren durch

eventuelle Währungskrisen in Schwellenländern sehen wir als gering an. Darüber hinaus verfügt das

Land gegenwärtig über die höchsten Devisenreserven der Welt. Die Abhängigkeit von ausländischen

Kapitalzuflüssen ist daher gering. Die Haushaltssituation des Staates gilt als gut. Auf

Sektorenebene zeigt lediglich der Finanzsektor eine erhöhte Krisenanfälligkeit. Das Bankensystem

konnte in den vergangenen Jahren wesentliche Reformschritte vorweisen. Dennoch gibt es Risiken

aufgrund etwaiger Kreditausfälle. Die potentielle Gefahr liegt nach wie vor im Bereich der stark

expandierenden Kreditvergabe. Die rasch steigenden Devisenreserven und die solide

Haushaltssituation erlauben es dem Staat den Banken im Falle einer Verschlechterung ihrer Situation

zu Hilfe zu kommen. In diesem Zusammenhang sind die Entwicklung der Not leidenden Kredite, der

Aktien- und der Immobilienpreise genau zu beobachten. Nach dem Boom der vergangenen Jahre

könnte der Aktienmarkt einbrechen und das Finanzsystem destabilisieren.

Politische Stabilität

Zu den größten Vorteilen Chinas zählt die interne Stabilität des politischen Systems. Mittelfristig ist

nicht mit einer Änderung der politischen Ausrichtung zu rechnen. Staatspräsident Hu Jintao und

Premierminister Wen Jiabao gelten in der kommunistischen Partei Chinas als konservativ und etabliert

und konnten in den vergangnen Jahren ihre Position festigen. Eine Gefährdung durch interne Konflikte

ist in diesem autoritären Regime unwahrscheinlich, vor allem solange es die entsprechenden

wirtschaftlichen Resultate liefert. Entscheidend für die politische Stabilität in den kommenden Jahren

ist, dass die rückständigen Regionen im Norden und Westen am Wachstum partizipieren und sich die

dortigen Lebensbedingungen verbessern. Extern haben sich die politischen Risiken in den letzten

Jahren reduziert, nachdem sich in der Frage um das nordkoreanische Atomprogramm eine Lösung

abzeichnet, die USA nicht mehr bedingungslos an der Seite Taiwans stehen, und die Spannungen

wegen des Leistungsbilanzüberschusses gegenüber den USA zunehmend amerikanischem

Pragmatismus gewichen sind. Auch die Beziehungen zum Rivalen Indien haben sich verbessert.

China versucht sich in der Region als verantwortungsvolle Großmacht zu etablieren, was ihm bislang

gut gelungen ist. Mit dem nördlichen Nachbar Russland zeichnet sich ein Zweckbündnis ab, welches

primär darauf abzielt die amerikanische Dominanz zu brechen.

Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sind zwiespältig. Zu den Hauptschwächen Chinas gehört

die Korruption. Diese ist vor allem auf Lokalebene stark ausgeprägt und einer der Hauptgründe für

das bislang schwache Bankensystem des Landes. Ein großer Missstand ist nach wie vor die fehlende

Transparenz sowohl im Geschäftsleben als auch bei politischen Entscheidungen. Die geplante

Öffnung des Dienstleistungssektors (Eisenbahn, Telekommunikation, Flugverkehr) würde eine

spürbare Dynamik in diesen unterentwickelten Sektor generieren und das Wirtschaftswachstum auf

eine breitere Basis stellen. Der Zugang zum chinesischen Bankensektor für ausländische Banken gilt

nach wie vor als sehr schwierig. Auch die unzureichende Liberalisierung der Kapitalverkehrsbilanz ist

ein Schwachpunkt der chinesischen Wirtschaftspolitik. Im Bereich Eigentumsrechte

(Enteignungsrisiko), freier Warenverkehr und Staatshaushalt ist China im internationalen Vergleich

vorbildhaft. Die politische Einschätzbarkeit Chinas ist sehr gut. Instabilität könnte sich bestenfalls

aufgrund sozialer Unruhen infolge schwerer wirtschaftlicher Probleme ergeben. Solange dies jedoch

nicht gegeben ist, sollte das politische System stabil bleiben. In wirtschaftlicher Hinsicht hat sich die

Einschätzbarkeit in den letzten Jahren stark verbessert, sie bleibt aber weit hinter europäischen

Standards. Insbesondere die Transparenz wirtschaftspolitischer Entscheidungen ist nicht gegeben.

Die Informationslage zu chinesischen Firmen ist, sofern diese nicht im Ausland gelistet sind, relativ

dürftig. Auf Unternehmensebene agiert das Management weitgehend aus Eigenmotiven, corporate

governance befindet sich noch in den Kinderschuhen. Wirtschaftliche Statistiken werden nach wie vor

durch das Ausland kritisch betrachtet, jedoch hat sich deren Qualität in den vergangenen Jahren

zunehmend verbessert. Positiv ist die hohe mediale Präsenz Chinas.

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2. Stärken-/ Schwächenprofil

Stärken

Langfristig / strukturell

Die chinesische Wirtschaft hat sich in den

vergangenen Jahren weiter geöffnet

Der Aufbau eines leistungsfähigen

Exportsektors erforderte die Modernisierung

des chinesischen Wirtschaftssystems

Spar- und Investitionsquote sind sehr hoch

und relativ ausgeglichen

Bankensektor beginnt sich zu öffnen

Hohes Wachstum in technischer Effizienz und

Arbeitsproduktivität

Kurzfristig / konjunkturell

Hoher Zufluss an ausländischen

Direktinvestitionen

Indikatoren für außenwirtschaftliches

Gleichgewicht deuten auf geringe

Ansteckungsgefahr hin - ein hoher

Leistungsbilanzüberschuss macht das Land

immun gegenüber Währungskrisen

Geringe Auslandsverschuldung bei hohen

Währungsreserven

Noch gut ausgebildete und relative billige

Fachkräfte verfügbar

Schwächen

Langfristig / strukturell

Die Umweltzerstörung bedroht die

längerfristigen Wachstumsperspektiven

Chinas

Kapital/Investitionsbasiertes Wachstum

langfristig nicht aufrechtzuerhalten

Shift von Assembler hin zu Herstellung

höherwertigerer Produkte – erhöhte

Exportelastizität als Funktion der

Weltkonjunktur

Kreditvergabe erfolgt nicht entsprechend dem

eingegangenen Risiko

Hohe Anzahl versteckter Arbeitsloser – vor

allem in der sanierungsbedürftigen

Staatsindustrie

Fachkräftemangel

Ineffizienter Ressourceneinsatz – hoher

Energieverbrauch pro BIP-Einheit

Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen

Überalterung aufgrund der 1-Kind-Politik

Korruption

Ineffiziente Verwaltung

Soziale Unruhen sind aufgrund der

zunehmenden Unterschiede in der

chinesischen Gesellschaft nicht

auszuschließen

Konflikt mit Taiwan kocht immer wieder auf

Kurzfristig / konjunkturell

Regierung hat bislang keinen Weg gefunden

die Wirtschaft abzukühlen

Steigender Lohndruck aufgrund mangelnder

Fachkräfte

Mögliche Spannungen mit USA wegen

Wechselkurs

Gefährdung des chinesischen Exports durch

Protektionismus der Handelspartner

Yuan-Bindung/ widersprüchliche Geldpolitik

Steigende Nachfrageelastizität – Wachstum

wird abhängiger vom Ausland

Nach wie vor stark abhängig vom Export

Risiken am Aktien- und Immobilienmarkt

haben sich merklich erhöht

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3. Volkswirtschaftliche Kennzahlen

3.1 Aktuelle Konjunktur & Ausblick

Aktuell

Das Wirtschaftswachstum, das in den vergangenen Quartalen stets im 2-stelligen Bereich lag, hat

sich im 3. und 4. Quartal 2007 leicht abgeschwächt und betrug 11,5% J/J bzw. 11,2% J/J (Q2 07:

11,9%). In der Vergangenheit wurde das Wachstum primär vom Exportsektor und den

Investitionsausgaben getragen. Das Wachstum konnte auf den Investitionssektor und teilweise auf

den privaten Konsum verlagert werden, der Beitrag des Außensektors ist etwas zurückgegangen. Für

das Gesamtjahr 2007 ergibt sich eine Wachstumsrate von 11,4% J/J. Die Wertschöpfung stieg im

Jahr 2007 entsprechend auf 2380 Mrd. € (2006: 2108 Mrd.). Im Jahr 2006 betrug das

Wirtschaftswachstum laut Global Insight 11,1% J/J, nach 10,4% J/J im Jahr zuvor. Für die ersten 3

Quartale des Jahres 2007 ergibt sich ein Wachstum des Agrarsektors um 4,3% J/J, in der Industrie

um 13,5% J/J und im Dienstleistungssektor um 11% J/J. Die Ausrüstungsinvestitionen konnten in den

ersten 3 Quartalen um 25,7% J/J zulegen, diese Rate ist um 0,2% niedriger als jene im 1. Halbjahr

2007. Die Investitionen im Immobilienbereich beschleunigten sich auf 30,3% nach 28,5% im ersten

Halbjahr. Die Exporte konnten mit einer Rate von 27,1% J/J zulegen, nach 27,6% im ersten Halbjahr.

Die Importe wuchsen in den ersten drei Quartalen mit einer Jahresrate von 19,1% (H1 2007: 18.2%).

Nachdem das Wirtschaftswachstum von 1995 bis 2004 weit unter Potential wuchs, liegt das

chinesische Wirtschaftswachstum erst seit 2005 über seinem langfristigen Potentialwachstum. Es

kann daher noch nicht von extremen Überhitzungserscheinungen der chinesischen Wirtschaft

gesprochen werden.

Wirtschaftswachstum Einzelhandelsumsatz

16%

14%

12%

10%

8%

6%

4%

2%

Reales BIP-Wachstum (% J/J)

Potentialwachstum

0%

1990 1993 1996 1999 2002 2005

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30

25

20

15

10

5

0

1993

-5

1994

1995

Einzelhandelsumsatz [% J/J]

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

In den letzten Monaten des Jahres 2007 zeigte sich eine Abschwächung der Exportwachstumsrate

was auf eine abkühlende Weltwirtschaft zurückzuführen sein dürfte. Sollte sich der Trend fortsetzen,

wovon wir ausgehen, ist mit einem niedrigeren Außenbeitrag zum chinesischen BIP und entsprechend

niedrigerem Wirtschaftswachstum zu rechnen.

Robust zeigte sich in den letzten Monaten des Jahres 2007 der Einzelhandel. Das entsprechende

Umsatzwachstum beschleunigte sich bis November 2007 auf 18,8% J/J. Allerdings dürfte die

steigende Inflationsrate dabei eine große Rolle gespielt haben.

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007


Ausblick

Für 2008 und 2009 wird von Global Insight ein Wachstum von 10,4% bzw. 9,4% J/J prognostiziert.

Chinas nominelle Wirtschaftsleistung könnte demnach im Jahr 2008 jene Deutschlands übersteigen

und das Land damit zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt, hinter den USA und Japan,

aufsteigen. Noch bleibt unklar, wie weit sich die zuletzt vollzogene monetäre Straffung auf die

Investitionen auswirken wird. Zwar sind die Realzinsen nach wie vor negativ, was in Kombination mit

einem hohen Wirtschaftswachstum einen starken Investitionsanreiz schafft, doch könnte das

gestiegene Mindestreserveerfordernis durch die Notenbank die Banken nun zwingen ihre

Kreditvergaben einzuschränken, was gewisse Investitionsprojekte treffen würde. Aufgrund der weit

reichenden Korruption im chinesischen Bankensystem bleibt abzuwarten, wie effektiv die Vorgaben

zum Kreditwachstum und die Mindestreservesätze eingehalten werden. Der private Konsum

entwickelt sich positiv, sein Wachstum reicht jedoch noch nicht aus einen stärkeren Rückgang in der

Exportkonjunktur auszugleichen. Somit sollten trotz der gestrafften Geldpolitik und der internationalen

Kreditverknappung die Investitionen die wichtigste Stütze für das Wachstum der chinesischen

Volkswirtschaft in den kommenden Quartalen sein.

Marktpotential

Wettbewerbsfähigkeit

Stabilität

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Staatsvers

chuldung

Private

Verschuldung

1994

Durchschnitt

1996-2005

2005 2006 2007 2008 2009 2013

Bevölkerung [in Mio.] 1198,5 1278,4 1307,6 1314,5 1322,1 1329,8 1337,5 1368,5

BIP, nominal [Mrd. €] 471,4 1401,5 1805,6 2108,4 2380,0 2717,0 3441,0 5943,6

BIP pro Kopf [€] 393 1091 1381 1604 1800 2059 2644 4648

BIP, reale Wachstumsrate [% J/J] 13,1 9,2 10,4 10,8 11,5 10,4 9,4 7,0

Bruttoinvestitionsquote in % des BIP 42,2 39,9 43,3 44,2

Bruttosparquote [in % des BIP] 44,0 42,8 49,0 50,3 50,7 50,9 50,7 49,2

Verhältnis Bruttospar-/Bruttoinvestitionsquote 1,04 1,07 1,13 1,14

Marktkapitalisierung in % des BIP

Wachstum Arbeitsproduktivität [% J/J]

7,8 34,9

Exportwachstum, real [in % J/J] 21,0 20,2 19,5 14,5 11,8 10,2

Direktinvestitionen in % des BIP 6,0 3,4 3,5 3,0

Direktinvestitionen in % der Bruttogesamtinvestitionen 14,3 8,4 8,1 6,7

Bestand Direktinvestitionen am BIP [in %] 21,0 20,6

Offenheitsmaß I [Außenhandel in % des BIP] 41,3 51,2 69,0 72,4

Realer Wechselkurs

Steuereinnahmen [in % des BIP]

81,5 99,8 98,5 100,8 102,8

Inflation [% J/J] 24,2 0,9 1,8 1,5 4,8 5,8 4,3 3,1

Wechselkurs zu EURO [Einheiten pro €] 10,24 9,03 10,20 10,01 10,42 10,50 9,46 8,04

Wechselkurs zu USD [Einheiten pro $] 8,62 8,24 8,19 7,97 7,61 6,96 6,44 5,94

Devisenreserven [in Mrd. €] 44,60 350,89 661,00 851,69

M2 Wachstum [in % J/J] 17,6 15,7 16,7

Geldmenge M1/BIP [in %] 40,8 56,2 58,3 59,8

Geldmultiplikator (M2/M0) [in %] 9,9 11,4 11,8 12,3

Geldmenge M1/ Devisenreserven [in %] 431,4 271,7 159,4 147,9

Geldmenge M2/Devisenreserven [in %] 598,7 443,8 405,7

Externe Schuldendienstquote im Verhältnis zum BIP 2,0%

Externer Schuldendienst/Exporte [%] 8,89 3,10

% Anteil Privat an langfr. Außenverschuldung 0,7% 37,9%

Außenverschuldung/Kreditvergabe Inland 20,1% 9,3%

Auslandsschuld, gesamt in % des BIP 18,0 12,5

kurzfristige Auslandsschuld in % der Reserven 33,0 18,0

Kurzfr. Außen-/Gesamtaußenverschuldung [in %] 17,4 52,6

Externer Zinsendienst/ Exporte [%] 3,82 0,74

% der Tilgung an externen Schuldendienst 0,57

Importdeckung der Devisenreserven [in Monaten] 6,7 13,0 15,7 17,1

Leistungsbilanz in % des BIP 1,24 3,73 7,17 9,45

Verschuldung öffentlicher Sektor in % des BIP 2,44 3,77

Budgetdefizit in % des BIP

Primärdefizit in % des BIP

-1,19 -1,66 -1,25 -0,70 -0,88 -0,82 -0,88 -0,50

Verschuldung des priv. Sektors bei Banken [% des BIP] 85,2 113,1 113,9 113,6

Verschuldunsgrad des privaten Sektors [% des BIP] 0,1 2,3

Inlandskredit [Mrd. €] 421,54 1839,82 2439,00 2886,91

Kreditwachstum % J/J 16,0 10,7 16,3

Quelle: Global Insight

Research Seite 7 13.02.2008


3.2 Marktpotential

Die Transformation der chinesischen Wirtschaft begann in den späten 70er Jahren unter dem

damaligen Führer Deng Xiaoping. Die Reformen führten in den darauf folgenden Jahrzehnten zu

einem rasanten Wirtschaftswachstum. Der langsame Übergang von einem Planwirtschaftssystem zu

einem marktwirtschaftlichen System vermied den Kollaps wie bei den Radikaltransformationen in

vielen osteuropäischen Ländern zu beobachten war. Durch die Schaffung sogenannter

Sonderwirtschaftszonen mit steuerlichen Anreizen konnten ausländische Unternehmungen in das

Land gelockt werden und damit wurde der für China wichtige Technologietransfer beschleunigt. Die

Produktion basierte zunächst auf arbeitsintensive Veredelungsproduktion, welche aufgrund der

niedrigen Löhne in China einen erheblichen Standortvorteil genoss.

Trotz einiger Überhitzungserscheinungen zählt das makroökonomische Umfeld zu den Stärken

Chinas. Nach wie vor bietet China mit seiner wachsenden Mittelschicht ein großes Absatzpotential

auch für ausländische Firmen. Daneben haben der WTO-Beitritt und der sich verbessernde Schutz für

Investitionen und Patente zu einer Verbesserung der Marktchancen westlicher Unternehmen

beigetragen. Die Größe des Landes, die Bevölkerungszahl und die noch immer sehr niedrige

Wirtschaftsleistung pro Kopf weisen auf ein enormes wirtschaftliches Potential hin. Eine sehr hohe

Investitions- und Sparquote gelten kurz- bis mittelfristig hierbei als Garant für zukünftige

Wirtschaftsleistung. Die Prognosen gehen mehrheitlich davon aus, dass sich die Wachstumsrate trotz

der Dämpfungsmaßnahmen von Seiten der chinesischen Regierung bis 2010 nur minimal

abschwächen wird.

Zusammensetzung des BIP nach Sektoren 2007

Dienstleistungen

40%

Landwirtschaft

11%

Verarbeitendes

Gewerbe

34%

Quelle: Global Insight

Bergbau & Energie

15%

Der Anteil des Agrarsektors an der Wirtschaftsleistung hat sich seit 1990 mehr als halbiert. Dennoch

ist sein Anteil im Vergleich zu Industrieländern noch relativ hoch. Aus Autarkiemotiven und der

Selbstdefinition Chinas als Arbeiter- und Bauernstaat ist die Stellung des Agrarsektors in der

Gesellschaft sehr hoch.

Research Seite 8 13.02.2008


Zusammensetzung des BIP nach Sektoren BIP pro Kopf

100%

80%

60%

40%

20%

0%

Dienstleistungen

Industrie

Landwirtschaft

1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005

Research Seite 9 13.02.2008

1800

1600

1400

1200

1000

800

600

400

200

0

BIP pro Kopf [€]

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

1993 1996 1999 2002 2005

Die aktuelle Demographie in China ist noch äußerst günstig, da der „Mittelbau“ in der Alterspyramide

sehr groß ist und der Altenquotient sehr gering. Die Überalterungstendenz zeigt sich jedoch bereits in

einem Anstieg des Altenquotients. Eine sinkende Geburtenrate hat zudem auch die sozialen Kosten

für Kindererziehung stark reduziert. Längerfristig führt diese Entwicklung jedoch zu einer enormen

Kostenzunahme im Gesundheitswesen und im staatlichen Pensionssystem, da der derzeitige

Mittelbau dann verstärkt auf Unterstützung angewiesen sein wird, während gleichzeitig die Anzahl der

erwerbsfähigen Personen stark abnimmt.

Ein wesentlicher Schlüssel zur langfristigen Gewährleistung hoher Wachstumsraten ist eine

umfassende Reform des Finanzsektors. Nach wie vor fehlt China das für eine Markwirtschaft

wichtige Zustandekommen der Zinssätze durch Angebot und Nachfrage. Wegen der negativen

Realzinsen, kommt es zu einem unerwünschten Zwangssparen und einer Fehlallokation des Kapitals

zugunsten kapitalintensiver Sektoren und des Investitionssektors (=Verlängerung der

Produktionswege). Es kommt daher zu einer chronischen Überproduktion in diesen Sektoren bei

gleichzeitigem relativem Mangel im Konsumbereich. Die künstlich niedrig gehaltene Währung forciert

diesen Prozess noch.

Nach wie vor ist die Zusammensetzung des BIP einseitig und in Richtung Außenwirtschaftssektor

und Investitionen verzerrt. Um den nötigen Kapitalstock (hohe Abschreibungen!) aufrechtzuerhalten,

ist eine hohe Spar- und Investitionsquote erforderlich. Der private Konsum gilt daher als

unterentwickelt. Ein weiterer Grund für die hohe Sparquote ist die unzureichende

Finanzintermediation. Die staatlich bzw. teilstaatlichen chinesischen Banken vergeben die Kredite

bevorzugt an die marode Staatswirtschaft, der private Sektor dagegen muss einen Großteil der

Investitionen durch einbehaltene Gewinne finanzieren.

Um unter Beibehaltung der gegenwärtigen Wirtschaftsstruktur weiterhin hohe Wachstumsraten

generieren zu können, wäre ein weiterer Anstieg der Spar- und Investitionsquote erforderlich, was sich

dämpfend auf den chinesischen privaten Konsum auswirken würde. Da dies ab einen gewissen Punkt

nicht mehr möglich sein wird, ist davon auszugehen, dass das gegenwärtige Wirtschaftsmodell

längerfristig nicht aufrechtzuerhalten sein wird. Um eine höhere Nachhaltigkeit des Wachstums zu

erreichen, wäre es erforderlich den Anteil der Investitionen und des Exports relativ zu senken und den

privaten Konsum zu stärken. Gleichzeitig sollten auch die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte

abgebaut werden.

Die chinesische Regierung beabsichtigt unter dem Stichwort „harmonische Gesellschaft“ die

Qualität des Wirtschaftswachstums von einem energiegetriebenen, exportorientierten,

kapitalintensiven Wachstum in ein sozial- und umweltpolitisch nachhaltigeres Wachstum (unter

Beibehaltung der hohen Wachstumsrate der Vergangenheit) zu transformieren.


Ein Arbeitspapier der Weltbank vom September 2007 1 hat drei mögliche Szenarien für die weitere

wirtschaftliche Entwicklung Chinas untersucht. Das erste Szenario unterstellt eine Beibehaltung des

jetzigen Wirtschaftsmodells, das zweite Modell geht von einer Verlagerung der wirtschaftlichen

Prioritäten aus, darunter Reformen im Fiskal-, Finanz- und Preisfestsetzungssystem, im Arbeitsmarkt

und bei der Migrationpolitik. Aufgrund dieser Schwerpunktverlagerung würde sich der Bedarf an

Kapitalakkumulation drastisch reduzieren und sich die Produktivität erhöhen, da weniger Beschäftigte

im relativ unproduktiven Landwirtschaftssektor beschäftigt werden würden. Ein drittes Szenario geht

von noch größeren und radikaleren Reformanstrengungen im Bereich Umwelt und „sozialer

Gerechtigkeit“ aus. In diesem Szenario ergäbe sich jedoch eine starke Reduktion der langfristigen

Wachstumsrate.

Die steigende Kapitalintensität der Produktion macht eine stetig steigende Spar- und

Investitionsquote erforderlich. Das erzielte Wachstum war primär auf die gestiegene

Kapitalakkumulation zurückzuführen. Im Jahr 2006 belief sich die Bruttoinvestitionsquote bereits auf

45% und die Sparquote erreichte 51% der gesamten Wertschöpfung. Im Unterschied zu anderen

aufstrebenden Ländern wurden die Investitionen weitgehend durch inländische Ersparnisse des

Unternehmenssektors finanziert. Direktinvestitionen spielten jedoch eine große Rolle im

Technologietransfer. Daraus resultierte ein hoher Leistungsbilanzüberschuss der sich im Jahr 2006

bereits auf 9,45% des BIP belief.

Die Investitionen in den Kapitalstock wiederum wurden durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen und

diverser nach unten verzerrter Inputpreise sowie einer unterbewerteten Währung zusätzlich gefördert.

Die Entwicklung des Dienstleistungssektors wurde bislang vernachlässigt. Die Entwicklung dieses

Sektors leidet unter Überregulierung und Beschränkungen sowie der Diskriminierung privaten

Konkurrenten.

Folgende Probleme ergeben sich unter Beibehaltung des gegenwärtigen kapitalintensiven

Wirtschaftsmodells:

- Die Finanzierung der Investitionen ist langfristig nicht gesichert. Das gegenwärtige

Modell erfordert immer höhere Spar- und Investitionsquoten. Würde sich die

bisherigen Wachstumsraten fortsetzen, müsste die Sparquote in den kommenden

Jahrzehnten auf 50-60% ansteigen! (siehe übernächste Tabelle)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 7, Rebalancing China’s

Economy — Modelling a Policy Package, September 2007

- China, das bereits jetzt stark auf ausländische Rohstoffe angewiesen ist, würde

noch stärker von ausländischen Rohstoffen abhängig. Der hohe

1

World Bank China Research Paper No. 7, Rebalancing China’s Economy — Modelling a Policy Package,

Jianwu He/ Louis Kuijs, September 2007

Research Seite 10 13.02.2008


Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß gefährden die Umwelt. Die

Folgeschäden in China würden drastisch zunehmen.

- Das kapitalgetriebene Wachstum generiert aufgrund der geringen Arbeitsintensität

nur wenig Beschäftigung, in Kombination mit der hohen Wertschöpfung ergeben

sich wachsende soziale Ungleichgewichte. Die Industrie ist vor allem im städtischen

Bereich konzentriert, die Landbevölkerung partizipiert nur wenig am Wachstum.

- Der weitere Aufbau von Industriekapazitäten im verarbeitenden Bereich führt

tendenziell zu einem noch stärkeren Exportüberschuss Chinas.

Szenarien „Status quo“ und „moderate Neugewichtung“:

Verlauf Spar- & Investitionsquote (2005-2045) „Status quo“ und „moderate Neugewichtung“

Quelle: World Bank China Research Paper No. 7, Rebalancing China’s Economy —

Modelling a Policy Package, September 2007

Es wird ersichtlich, dass das bisherige Modell (Status quo) kaum fortführbar ist!

Szenario 2 („moderate Neugewichtung“), welches weitgehend mit den Vorschlägen der

chinesischen Regierung vom März 2007 übereinstimmt, erfordert eine wesentliche Stärkung des

privaten Konsums und des Dienstleistungssektors. In diesem Szenario hat der Dienstleistungssektor

einen höheren Anteil am Wirtschaftswachstum. Ausgehend von einem durchschnittlichen Anteil der

Industrie von 49% im Zeitraum 1993-2005 würde sich deren Anteil bis 2035 um 13 Prozentpunkte auf

36% reduzieren. Gleichzeitig würde sich der Anteil des Dienstleistungssektors an der

Gesamtwirtschaftsleistung um 20 Prozentpunkte erhöhen. Ausgabenseitig betrachtet ergäbe sich eine

spürbare Erhöhung des Wachstumsbeitrags der durch den privaten Konsum geleistet wird, bei

entsprechendem Bedeutungsverlust der Investitionen und des Exportsektors.

Research Seite 11 13.02.2008


Wachstumspfade Szenario „Status quo“ und „moderate Neugewichtung“

Quelle: World Bank China Research Paper No. 7, Rebalancing China’s Economy — Modelling

a Policy Package, September 2007

Um dieses Ziel zu erreichen müssten folgende Maßnahmen getroffen werden:

- Verlagerung der staatlichen Ausgaben weg von Investitionen hin zu Gesundheit,

Bildung und sozialer Sicherheit.

Derzeit beabsichtigt die Regierung, die Ausgaben für Bildung auf 4% des BIP anzuheben, und es

besteht das Versprechen der Regierung, in ländlichen Gegenden die Finanzierung von 9

Pflichtschuljahren zu tragen. Bereits beschlossen wurde auch die kostenlose medizinische

Grundversorgung. Eine umfassende Gesundheitsreform wird derzeit erarbeitet.

- beschleunigte Öffnung und Reform des Finanzsektors um die Effizienz der

Kapitalallokation zu erhöhen und weniger investitionsgetriebenes Wachstum zu

generieren.

- Schaffung einer Dividendenpolitik der staatlichen Unternehmungen und Verbesserung

der corporate governance, sodass der Hang zu Überinvestitionen der Staatsbetriebe

eingeschränkt wird.

Dies ist bereits für 2008 vorgesehen.

Setzung mehrerer preis- und steuerpolitischer Maßnahmen, die zum Ziel haben, die relative

Attraktivität zwischen Industrie und Dienstleistungssektor zugunsten letzterem zu verlagern:

- Zulassung höherer Flexibilität in der Wechselkursbildung zum Abbau des

Leistungsbilanzüberschusses.

- Veränderung der Inputpreise für das verarbeitende Gewerbe (Boden, Energie,

Wasser und sonstige natürliche Ressourcen), sodass diese stärker den relativen

Knappheiten entsprechen.

Bereits jetzt gibt es diesbezügliche Planungen in den Bereichen Industrie-, Fiskal- und Steuerpolitik,

welche auf einen verbesserten Umweltschutz abzielen, u.a. ist eine Kraftstoffsteuer geplant.

- Beseitigung steuerlicher Anreizverzerrungen zugunsten der Industrie u.a. durch

Steuerbegünstigungen von Direktinvestitionen, im Bereich des

Mehrwertsteuersystems und bei der Körperschaftssteuer.

Bereits beschlossen ist die Vereinheitlichung der Steuersätze für in- und ausländische Unternehmen.

Ein neuer Förderkatalog über die favorisierten Sektoren bei ausländischen Direktinvestitionen in

China ist seit 1. Dezember 2007 in Kraft. Laut NDRC zielt der neue Katalog darauf ab die industrielle

Research Seite 12 13.02.2008


Struktur des Landes zu verbessern, Energie einzusparen, die Umwelt zu schützen; den exzessiven

Leistungsbilanzüberschuss zu reduzieren, die regionalen Ungleichgewichte zu reduzieren und die

nationale Sicherheit zu erhöhen. Der neue Katalog soll die Ansiedelung von Hightechindustrien und

von Firmen im Bereich neue Materialtechnologien fördern und die Ansiedelung von Unternehmen in

den Bereichen, in denen chinesische Unternehmen bereits über ausgereifte Produktionstechnologien

und hohe Produktionskapazitäten verfügen, hemmen. Im Dienstleistungsbereich wird verstärkt auf die

Ansiedelung von Outsourcingunternehmen und Logistik abgezielt. Im Bereich der

Ressourcenschonung und des Umweltschutzes sieht der Katalog eine verstärkte Förderung von

Recyclingbetrieben und erneuerbarer Energien, Schadstoffreduktionstechnologien ab. Die

Ansiedelung von Sektoren, welche starke Umweltzerstörung nach sich ziehen, wird stark

eingeschränkt oder verboten.

- Beseitigung der verbliebenen Tätigkeitsbeschränkungen im Bereich des

Dienstleistungssektors. Aufbrechung von Monopolen und Oligopolen im

Dienstleistungsbereich.

Um den Wettbewerb zu intensivieren wurde am 30. August 2007 das erste Antimonopolgesetz

Chinas beschlossen. Dieses soll mit 1. August 2008 in Kraft treten und löst mehrere zersplitterte

Gesetze über Verbraucherschutz und unlauteren Wettbewerb ab.

Der Staatsrat hat bereits im März 2007 ein Papier veröffentlicht, welches eine Öffnung der

Dienstleistungssektoren (u.a. Telekommunikation, Eisenbahn und Flugverkehr) für private und

ausländische Wettbewerber vorschlägt, um so das Wachstum des Dienstleistungssektors anzuregen.

Erleichterung im Bereich der Personenfreizügigkeit und beim Grundstückserwerb. Dies zielt darauf

ab, die Migration zwischen Stadt und Land zu erleichtern und so die ländliche Armut zu lindern.

Wanderarbeiter sollten bei ihren Arbeitsstätten in den verstärkten Genuss von Sozialleistungen

kommen.

Institutionelle Reformen um lokalen Entscheidungsträgern stärkere Anreize und bessere Mittel zu

geben diese Reformen umzusetzen.

Szenario 3 (radikale Neugewichtung der Wirtschaftssektoren) zielt verstärkt auf den Bereich

Umweltschutz und „soziale Gerechtigkeit“ und hätte bedeutend höhere Kosten in Form von

entgangenem Wirtschaftswachstum. Die Wirtschaftsleistung in den energieintensiven Sektoren würde

sich bis 2035 gegenüber Szenario 2 um 15% reduzieren. Dieses Szenario sieht unter anderem die

beschleunigte Schließung von Fabriken und Minen mit veralteter Produktionstechnik, beschleunigte

steuerliche Abschreibung von Produktionsanlagen, Anhebung der Körperschaftsteuer auf 30% und

Verteilung der Mehreinnahmen an Niedrigeinkommensbezieher in den ländlichen Bereichen vor.

3.3 Wettbewerbsfähigkeit

Bedingt durch die seit 1994 bestehende Währungsbindung des Yuan gegenüber dem US-Dollar in

Kombination mit einem starken Disinflationstrend seit dieser Zeit hat die chinesische Währung real

abgewertet und so das rapide Wachstum der Exportindustrie gestützt. Diese Bindung bestand bis

Mitte 2005. Seither wird eine leichte Aufwertung gegenüber dem Dollar zugelassen. Aufgrund der

Handelsvorteile, die den Chinesen durch die Wechselkursentwicklung entstanden, musste bislang

externer Druck zur Beschleunigung dieses Aufwertungstrends auf die chinesische Regierung

ausgeübt werden.

Die hohe Exportabhängigkeit sollte sich, wie am sich abschwächendem Exportwachstum im Vergleich

zum BIP-Wachstum ersichtlich, in den nächsten Jahren schrittweise reduzieren. Dennoch bleibt der

Exportsektor eine wesentliche Stütze des chinesischen Wachstums und die Offenheit der

Research Seite 13 13.02.2008


chinesischen Wirtschaft gegenüber dem Ausland nimmt weiter zu. China bleibt für

Auslandsinvestoren in den kommenden Jahren weiter attraktiv.

In den vergangenen Jahren wurde von vielen Seiten die Befürchtung gehegt, dass die chinesischen

Unternehmen aufgrund steigender unausgelasteter Kapazitäten, steigenden Inputpreisen,

insbesondere Rohstoffen und Arbeit zunehmend unprofitabel wirtschaften und das chinesische

investitionsgetriebene und energieintensive Wachstum daher nicht aufrechtzuerhalten wäre. Trotz

gestiegener Faktorpreise kam es in den meisten Sektoren jedoch nicht zum befürchteten Rückgang

der Gewinnmargen, im Gegenteil, diese konnten bislang sogar zulegen.

Gewinnmargen in %

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s industry —

How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

Umsatz, Gewinn Verarbeitende Industrie (Prozentänderung ggü. Vorjahr)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and

profitability in China’s industry — How was profitability maintained when input prices

and wages increased so fast?

Als Gründe für die Robustheit der chinesischen Unternehmensgewinne werden genannt: drastisch

gestiegene Effizienz in der Verarbeitung von Halbfertiggütern, ein starkes Wachstum in der

Arbeitsproduktivität gemessen in der Wertschöpfung pro Beschäftigten und ein Rückgang in der

Steuerlast gemessen als Anteil am Bruttowert der hergestellten Güter. 2

Die Inputpreise haben sich seit dem Jahr 2002 signifikant erhöht. Im Durchschnitt stiegen diese im

betrachteten Zeitraum um 34%. Da jedoch der Preisanstieg sehr unterschiedlich ausfiel und

verschiedene Sektoren eine unterschiedliche Inputstruktur aufweisen, waren die Sektoren

unterschiedlich stark vom Preisanstieg betroffen. Im Kernbereich des verarbeitenden Gewerbes ist die

Differenz zwischen dem Preisanstieg bei Endgütern und jenen der Inputpreise von 4 Prozentpunkte im

Jahr 2005 auf 4,3 Prozentpunkte im Jahr 2006 angestiegen. 3

Zwar stiegen auch die Preise der Endprodukte im selben Zeitraum, jedoch lag der Anstieg

wesentlich unter jener der Inputfaktoren, wodurch unter normalen Umständen ein starker Druck auf

die Gewinnmargen resultiert. Daneben gab es im gleichen Zeitraum einen starken Lohnanstieg von

2 World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s industry —

How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Song-Yi Kim, Louis Kuijs,

Oktober 2007

3 core manufacturing enthält nicht die Sektoren Bergbau, Kokerei, Gas- und Ölraffinierung,

Elektrizitätserzeugung, Wärmekraft und Wasserversorgung

Research Seite 14 13.02.2008


durchschnittlich 10-15%, der ebenfalls Druck auf die Gewinnmargen ausgeübt hat. Dies alles wurde

aber durch die Zunahme der Produktivität mehr als ausgeglichen.

Die international in USD fakturierten Rohstoffpreise verzeichneten einen starken Anstieg seit 2002.

Bedingt durch den steigenden Ölpreis zogen die Yuan-basierten Preise im Zeitraum 2004-2006 um

durchschnittlich 29% an. Nicht-energetische Rohstoffe verzeichneten ebenfalls im Durchschnitt einen

Anstieg von 17%, wobei die Preise für Metalle und Mineralien sich im genannten Zeitraum um 36%

erhöhten.

Weltmarktpreise, chinesische Großhandelspreise (% J/J)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability

in China’s industry — How was profitability maintained when input prices and wages

increased so fast?, Oktober 2007

Insgesamt lag der Preisanstieg für Rohstoffe in China jedoch unter den entsprechenden

internationalen Teuerungsraten. Insbesondere die Preise für Aluminium, Stahl und Ölprodukte

stiegen in China nur unterproportional an. Der Anstieg für Ölprodukte fiel geringer aus, da die

chinesische Regierung über Preiskontrollen den chinesischen Markt von der internationalen

Entwicklung abschirmt. Im Bereich Stahl und Aluminium haben hohe Überkapazitäten im Inland die

Margen reduziert, was für verarbeitende Betriebe den Kostendruck reduzierte.

Aufgrund des starken Einsatzes von Metallen und den starken Anstieg bei Metallpreisen stellte sich

die relative Preisentwicklung im Bereich Maschinenbau am schlechtesten dar. In der Ölraffinerierung

und im Bergbau, welche nicht zum Kern des verarbeitenden Sektors gezählt werden, verzeichneten

die Verkaufspreise einen höheren Anstieg als die Inputkosten.

Research Seite 15 13.02.2008


Gewichtete Rohstoffkosten (2002 =100)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s industry —

How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

Outputpreise (2002 =100)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s industry —

How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

Relative Preise (Input/Output) (2002 =100)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s industry —

How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

Research Seite 16 13.02.2008


Zwei Gründe gab es die den Kosten- und Margendruck für die Unternehmen, welche aus den

gestiegenen Rohstoffpreisen und dem hohen Lohnwachstum entstanden, entschärften:

- Der starke Rückgang in den Mengenverhältnissen der Halbfertigprodukte zu den

Endprodukten zeigt die stark gestiegene technische Effizienz der chinesischen

Unternehmen. Der Anteil der Halbfertigprodukte an den Fertiggütern zu konstanten

Preisen ging im Zeitraum 2003 bis 2006 von 74% auf 67% zurück. Insbesondere im

Maschinenbau kam es zu einer starken Erhöhung der technischen Effizienz.

Relatives Verhältnis Input/Outputpreise (in %)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and

profitability in China’s industry — How was profitability maintained when input

prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

- Daneben konnte die stark steigende Arbeitsproduktivität einen erheblichen Teil des

Lohnanstiegs abfangen, wodurch die Lohnstückkosten weniger stark anstiegen.

Wachstumsraten in Arbeitsproduktivität nach Sektoren (%)

Quelle: World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s

industry — How was profitability maintained when input prices and wages increased so fast?, Oktober 2007

Research Seite 17 13.02.2008


3.4 Außenwirtschaft

In Relation zu seinem Bruttossozialprodukt ist China am Welthandel übermäßig präsent, was die

Bedeutung des Exportsektors für die chinesische Wirtschaft widerspiegelt.

Chinas wichtigster Handelspartner exportseitig ist seit kurzem die EU. Allerdings haben die USA

noch immer einen sehr hohen Stellenwert. Auch Japan hat in den vergangenen Jahren als

Absatzmarkt an Bedeutung verloren. Eine wichtige Rolle als Absatzmarkt spielen auch zunehmend

die ölexportierenden Länder des Nahen Ostens, Lateinamerika und Russland. Auf der Importseite

kommt Japan eine bedeutendere Rolle zu. China ist nach wie vor auf ausländische

Technologieimporte angewiesen und für japanische Maschinenbauunternehmen ein überragender

Absatzmarkt.

Wichtigste Ausfuhrgüter sind Büromaschinen, Textilprodukte, Kommunikationsausstattung und

Elektroartikel. Auch den Metallprodukten kommt ein hoher Stellenwert zu. Auf der Importseite sind die

Gütergruppen Halbleiter, Rohöl, Maschinen und Büromaschinen von Bedeutung. Beim Warenexport

sind vor allem arbeitsintensive Güterexporte dominierend. Aufgrund des rapide steigenden

Rohstoffeigenverbrauchs ist der Export von Rohölprodukten, Erzen und Nahrungsmitteln seit 1990

zurückgegangen.

Die Handelsbilanz hat sich seit 2003 stark verbessert und wies 2006 einen Rekordüberschuss von

knapp 174 Mrd. € aus. Dies entspricht rund 8,2% des BIP. Der steigende Handelbilanzüberschuss in

den letzten Jahren war eine Folge des starken Exportwachstums bei abnehmender Dynamik des

Importwachstums. Für 2007 wird ein leichter Rückgang des Handelsbilanzüberschusses auf 8,1% des

BIP erwartet und Global Insight prognostiziert bis zum Jahr 2011 einen stetigen Rückgang des

Handelsbilanzüberschusses auf 2,3% des BIP. Die private Nachfrage sollte die relative Bedeutung

des Handelsbilanzüberschusses in den kommenden Jahren allmählich reduzieren. Die Dynamik des

Exportwachstums sollte in den nächsten Jahren stark abnehmen, während die Importe weiterhin

robust hohe Wachstumsraten aufweisen sollten. Erste Abschwächungstendenzen in der

Exportdynamik waren schon in der 2. Hälfte des Jahres 2007 feststellbar. Einen wesentlichen

Unsicherheitsfaktor für den chinesischen Handelsbilanzüberschuss stellt die ausländische Nachfrage

in den kommenden Jahren dar. Die Wechselkurspolitik besitzt aufgrund der absoluten Kostenvorteile

Chinas derzeit noch eine geringe Bedeutung für die Handelsbilanzentwicklung.

Handelsbilanz Dienstleistungsbilanz

40,0

35,0

30,0

25,0

20,0

15,0

10,0

5,0

0,0

Handelbilanz [in % des BIP]

Importe, Waren [in % des BIP]

Exporte, Waren [in % des BIP]

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Research Seite 18 13.02.2008

4,5

4,0

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

0,5

0,0

-0,5

-1,0

Dienstleistungsbilanz [in % des BIP]

Importe, Dienstleistungen [in % des BIP]

Exporte, Dienstleistungen [in % des BIP]

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Im Bereich der Dienstleistungen musste in den vergangenen Jahren ein stetiges, hartnäckiges, wenn

auch kleines Defizit verzeichnet werden. Der chinesische Dienstleistungssektor ist nach wie vor

unterentwickelt, was diesen im internationalen Vergleich wenig wettbewerbsfähig macht. Die

Dienstleistungsbilanz sollte daher auch in den kommenden Jahren weiterhin negativ bleiben.

Allerdings gibt es von Seiten der chinesischen Regierung Initiativen um den Dienstleistungssektor zu

stärken, was sich positiv auf die Dienstleistungsbilanz der kommenden Jahre auswirken könnte.


Einkommensbilanz Transferbilanz

2,50

2,00

1,50

1,00

0,50

0,00

-0,50

-1,00

-1,50

-2,00

-2,50

-3,00

Einkommensbilanz, netto

Einkommensbilanz, Aktiva [in % des BIP]

Einkommensbilanz, Passiva [in % des BIP]

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Research Seite 19 13.02.2008

1,40

1,20

1,00

0,80

0,60

0,40

0,20

0,00

-0,20

Transferbilanz [in % des BIP]

Transferbilanz, Staat, netto [in % des BIP]

Transferbilanz, sonstige Sektoren, netto [in % des

BIP]

Quelle: Global Insight, IWF Quelle: Global Insight, IWF

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Die Einkommensbilanz hat sich aufgrund der zunehmenden Investitionen chinesischer

Unternehmungen im Ausland und steigender Zinseinkünfte aus ausländischen Wertpapieren in den

vergangenen Jahren systematisch verbessert. Zuvor wies die Einkommensbilanz aufgrund der

Repatriierung von Gewinnen durch ausländische Direktinvestoren ein stetiges Defizit auf. Für die

kommenden Jahre ist aufgrund der verstärkten Internationalisierung chinesischer Unternehmen und

steigender Devisenreserven mit einer weiteren Verbesserung der Einkommensbilanz zu rechnen.

Die Leistungsbilanz hat sich seit 2004 stetig verbessert. Wies diese im Jahr 2004 noch einen

Überschuss im Ausmaß von knapp 37 Mrd. € oder 3,6% des BIP aus, so betrug der Überschuss im

Jahr 2006 bereits rund 176 Mrd. € oder 9,5% des BIP. Für das Jahr 2007 wird ein leichter Rückgang

auf rund 9,1% des BIP erwartet. Global Insight prognostiziert jedoch in weiterer Folge eine mehr oder

weniger stetige Verschlechterung der Leistungsbilanz auf 1,7% des BIP bis zum Jahr 2011. Der

Rückgang ergibt sich aus einer erwarteten Verschlechterung der Handelsbilanz. Ein wesentliches

Risiko für diese Prognose stellt der weitere Verlauf der Weltkonjunktur und somit der ausländischen

Nachfrage dar. Insgesamt bereitet die prognostizierte Entwicklung der Leistungsbilanz aber noch

wenig Grund zur Sorge. Vielmehr kann von einer Normalisierung gesprochen werden.

Leistungsbilanz Direktinvestitionen

12,0

10,0

8,0

6,0

4,0

2,0

0,0

-2,0

-4,0

Leistungsbilanz, netto [in % des BIP]

Handelbilanz [in % des BIP]

Dienstleistungsbilanz [in % des BIP]

Einkommensbilanz, netto

Transferbilanz [in % des BIP]

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

0,0

-1,0

Direktinvestitionen, netto [in % des BIP]

Direktinvestitionen, Exporte [in % des BIP]

Direktinvestitionen, Importe [in % des BIP]

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Die Direktinvestitionen nach China im Jahr 2006 beliefen sich auf rund 62,3 Mrd. €, was rund 3%

des BIP entspricht. Seit 2003 zeigt sich erstmals ein deutlicher Trend hin zu Investitionen chinesischer

Firmen im Ausland. Im Jahr 2006 beliefen sich diese bereits auf 14,2 Mrd. € oder 0,7% des BIP.

Insgesamt ergibt sich daher für die Direktinvestitionsbilanz Chinas eine mehr oder weniger starke

Abnahme im Überschuss gegenüber dem Rest der Welt. Dies ist auf die verstärkten

Internationalisierungsbemühungen chinesischer Firmen zurückzuführen und die abnehmende relative

Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in China. Die zunehmende Kapitalverkehrsliberalisierung

und die Bemühungen der chinesischen Regierung die Bedeutung des Exportsektors zu reduzieren

lassen eine Fortsetzung dieses Trends erwarten.


Eine deutliche Ausweitung der Portfolioinvestitionen der Chinesen zeigte sich in den vergangenen

Jahren. Diese ergeben sich aus der zunehmenden Kapitalverkehrsliberalisierung und dem staatlich-

/strategischen Investitionsfonds. Auf der Verbindlichkeitsseite zeigt sich ebenfalls ein deutlicher

Anstieg. Dieser ergibt sich großteils aus dem chinesischen Aktienboom und dem starken Zufluss aus

dem Ausland in chinesische Aktien. Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Überhang chinesischer

Portfolioinvestitionen im Ausland im Vergleich zu Portfolioinvestitionen durch Ausländer in China.

Chinas Devisenreserven haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen und sind inzwischen

noch vor Japan, das bislang diese Stelle innehatte, weltweit die höchsten. Die Devisenreserven legten

alleine im Jahr 2007 um mehr als 460 Mrd. USD auf 1528,2 Mrd. USD zu. Entsprechend dem starken

Devisenzufluss betrug die Importdeckung, zur Abdeckung der zu leistenden Zahlungen für Importe

(in Monaten), Ende 2007 knapp 17 Monate. Dies ist im internationalen Vergleich sehr hoch und

beweist Chinas Fähigkeit, das bestehende Importniveau längere Zeit alleine durch die

angesammelten Devisenreserven zu finanzieren.

Devisenreserven Struktur Auslandsverschuldung

1.800

1.600

1.400

1.200

1.000

800

600

400

200

0

1993

1994

1995

Devisenreserven [Mrd. USD]

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

2005

2006

2007

Research Seite 20 13.02.2008

25

20

15

10

5

0

Außenverschuldung/Kreditvergabe Inland in %

Auslandsschuld, gesamt in % des BIP

kurzfristige Auslandsschuld in % der Reserven

1993 1996 1999 2002 2005

Die Außenverschuldung Chinas in Relation zum BIP hat sich in den letzten Jahren stark reduziert.

Dies ist nicht verwunderlich, zumal China über eine außerordentlich hohe Sparquote verfügt und das

Land entsprechend unabhängig von ausländischer Finanzierung ist. Seit 2002 befindet sich die

Außenverschuldung in Relation zur inländischen Kreditvergabe unter 10% des BIP, die

Auslandsverschuldung als Anteil am BIP stagnierte in den letzten Jahren im Bereich von 10-15% der

Gesamtwirtschaftsleistung. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete die kurzfristige Verschuldung

in Relation zu den Devisenreserven. Dies ist aufgrund des hohen Handelsbilanzüberschusses

Chinas und damit verbunden den rasch wachsenden Devisenreserven nicht verwunderlich. Die

Risiken einer Zahlungsbilanzkrise sind damit als gering anzusehen.

Eine verringerte Auslandsverbindlichkeit des Staates wurde teilweise durch eine verstärkte

Verschuldung des privaten Sektors im Ausland kompensiert, der Privatanteil an den langfristigen

Auslandsschulden Chinas ist entsprechend angestiegen.

80

70

60

50

40

30

20

10

0


Struktur langfristige Auslandsverschuldung Externer Schuldendienst

140

120

100

80

60

40

20

0

% Anteil Privat an langfr. Außenverschuldung -

rechte Skala

Auslandsschulden, Privatsektor, langfristig

[Mrd. €] - linke Skala

Auslandsschulden, öffentlicher Sektor,

langfristig [Mrd. €] - linke Skala

1993 1996 1999 2002 2005

40%

35%

30%

25%

20%

15%

10%

5%

0%

0

0

1993 1996 1999 2002 2005

Research Seite 21 13.02.2008

14

12

10

8

6

4

2

Externe Schuldendienst [Mrd.€] - rechte Skala

Externe Schuldendienstquote in % des BIP - linke Skala

Externer Schuldendienst/Exporte [%] - linke Skala

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

Aufgrund der geringen Auslandsverschuldung und der hohen Bonität Chinas hat das Land nur einen

verhältnismäßig geringen Schuldendienst zu leisten. Das Verhältnis Schuldendienstquote in

Relation zu den Exporteinnahmen ist in den vergangenen Jahren nicht zuletzt aufgrund der enorm

angestiegenen Exportleistung stark zurückgegangen. 2005 betrug diese lediglich 3,1% der

Exporteinnahmen. Die Schuldendienstquote in Relation zum BIP belief sich im Jahr 2005 auf 1,2%

des BIP, das ist im internationalen Vergleich minimal. Aufgrund der im internationalen Vergleich

äußerst niedrigen Außenverschuldung in Relation zum BIP und dem geringen Aufwand für

Schuldentilgungen in Relation zu den Exporteinnahmen scheint eine Krise ausgelöst durch

abfließendes internationales Kapital sehr unwahrscheinlich. Im Fall Chinas ergibt sich eine Krise eher

aus dem Unwillen des Auslandes chinesische Importe aufzunehmen oder der beschränkten

Aufnahmefähigkeit für chinesische Güter.

Historische Trends und Ausblick Exportsektor

In den vergangenen Jahren wurde der wachsende Handelsbilanzüberschuss durch den absoluten

Wettbewerbsvorteil Chinas (beinahe unerschöpflich, konkurrenzlos billiger Faktor Arbeit) und seiner

Wechselkurspolitik begründet, welche darauf ausgelegt war die Exportchancen chinesischer

Unternehmen im Ausland zu maximieren. Bedingt durch den derzeitigen Abschwung in den USA und

Japan wird darüber diskutiert, inwieweit sich dies auf das chinesische Wachstum auswirken könnte.

Entscheidend zur Beantwortung dieser Frage sind das Ausmaß und die Stabilität der chinesischen

Export- und Importelastizität. Sind diese im Hinblick auf externe Nachfrageschocks oder

internationaler Preise niedrig, dann hat eine Änderung der externen Bedingungen, wie beispielsweise

eine Wachstumsabschwächung im Ausland oder sich ändernde Wechselkurse, nur einen geringen

Effekt auf Chinas Wirtschaftswachstum und seinen Handelsbilanzüberschuss.

Nach einem Jahrzehnt kräftigen Wachstums ist China nun, hinter den USA und Deutschland, der 3.

größte Exporteur weltweit.

35

30

25

20

15

10

5


500

450

400

350

300

250

200

150

100

50

in Mrd. €

Chinas Exporte (USA, Japan, EU, ASEAN)

Exporte ASEAN

Exporte Japan

Exporte European Union

Exporte USA

0

1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006

Quelle: Global Insight

Aufgrund eines rapiden Exportwachstums und einer rückläufigen Dynamik im Importwachstum hat

sich gleichzeitig der Handelsbilanzüberschuss stark ausgeweitet.

Weltmarktanteile in % Wachstumsraten Außenhandel (% J/J)

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

Die wirtschaftliche Liberalisierung und Deregulierung, Privatisierung und der große Zustrom an

Direktinvestitionen haben den Anteil der verstaatlichten Kombinate am Gesamtexport Chinas in den

letzten Jahren stark reduziert. Betrug der Anteil dieser im Jahr 1995 noch rund 2/3, ist dieser bis 2006

auf rund 20% zurückgegangen.

Exporte nach Eigentümerstatus (in %) Importe nach Eigentümerstatus (in %)

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

Betrachtet man die Zusammensetzung der Exporte zeigt sich, dass der Anteil der

preisunelastischen Exportgüter, wie beispielsweise Grundstoffe, zwischen 1995 und 2006 von 15%

auf nur noch 3% zurückgegangen ist, jene typischerweise preissensitive Wirtschaftsgüter, wie

beispielsweise Maschinen und Elektronik, im selben Zeitraum von 20% auf 60% angestiegen ist.

Research Seite 22 13.02.2008


Zusammensetzung der Exporte Zusammensetzung der Importe

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

Innerhalb der einzelnen Güterkategorien zeigt sich auch eine starke Tendenz hin zu

höherwertigeren Produktion, wobei sich zeigt, dass diese ebenfalls eine höhere Preiselastizität als

Low-Techprodukte aufweisen.

Sophistikation-Index Exporte Sophistikation-Index für gesamten Außenhandel

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing

Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li,

November 2007

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/214): The Shifting

Structure of China’s Trade and Production, Li Cui and

Murtaza Syed, September 2007

Einen starken Wandel gab es in den vergangenen Jahren im Handel mit chinesischen

Veredelungsprodukten. China galt in den 90ern noch als eine verlängerte Werkbank, welche

komplexe Inputs importierte und diese zu Konsumgütern für westliche Absatzmärkte verarbeitete.

Geänderte Wechselkurse bzw. die globale Nachfrage hatten in diesem Modell nur einen geringen

Einfluss auf die chinesische Handelsbilanz. Sinkende Exporte aufgrund einer nachlassenden

Weltkonjunktur oder aufgrund einer Aufwertung des Yuan zogen automatisch einen geringeren Bedarf

nach importierten Gütern nach sich, was die Handelsbilanz und das Wirtschaftswachstum

stabilisierten. Dies garantierte dem chinesischen Wirtschaftsmodell bislang hohe und vor allem stabile

Wirtschaftswachstumsraten.

Zwar liegt der Anteil des Handels mit Verarbeitungsgütern nach wie vor bei rund 50% der Exporte, der

Anteil der klassischen Assemblyexporte fiel bis 2006 jedoch auf rund 10%, eine Halbierung gegenüber

1992. Der Inlandsanteil an Nicht-Assembly Verarbeitungsexportgütern stieg im selben Zeitraum

jedoch von 20% auf 35%.

Research Seite 23 13.02.2008


Entwicklungen Processing Trade (in %)

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing

Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November 2007

Gleichzeitig drangen die chinesischen Exporteure in höherwertige Produktkategorien vor, welche auch

zunehmend mittels inländischen Inputfaktoren hergestellt werden konnten. Der zunehmende Anteil

inländischer Inputs an den Endprodukten hat ebenfalls die Reagibilität der Produzenten im Hinblick

auf Wechselkursschwankungen erhöht. Bei einem niedrigen Inlandsanteil an den verarbeitenden

Exportgütern hat eine Wechselkursaufwertung nur einen geringen Einfluss auf den Export da dieser

negative Effekt inputseitig über eine verringerte Importrechnung weitestgehend kompensiert werden

kann. Dieser gegenläufige Effekt reduziert sich jedoch mit zunehmendem Inlandsanteil bei den

Inputfaktoren.

Daneben hat sich auch der Anteil der Maschinenbaugüter an den gesamten verarbeitenden Gütern

mehr als verdoppelt. Da der Absatz industrieller Güter stärkeren konjunkturellen Zyklen unterworfen

ist als beispielsweise jener der Konsumgüter, erhöht dies zusätzlich die Sensitivität der chinesischen

Exporte im Hinblick auf die relativen Preisniveaus (= realer Wechselkurs) und der ausländischen

Nachfrage.

Sektorale Zusammensetzung der Processing Exporte

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir

Aziz, Xiangming Li, November 2007

Die Verschiebung von Assembly basierten Gütern hin zu hochwertigen Gütern hat auch eine

Veränderung der regionalen Handelsbilanzen zur Folge. Hatte China früher aufgrund der Einfuhr

von Halbfertigwaren ein hohes Handelsbilanzdefizit gegenüber der Region Südostasien, so ist dieses

seit einiger Zeit wieder tendenziell rückläufig.

Research Seite 24 13.02.2008


Chinas regionale Handelsbilanz (in Mrd. USD)

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing

Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November 2007

Der IWF 4 stellte im November 2007 fest, dass sich die aggregierte Exportelastizität des Landes

aufgrund der geänderten Zusammensetzung der Exportgüter, besonders im Hinblick auf die

Hochwertigkeit der chinesischen Exportgüter, signifikant erhöht habe. Damit wird die chinesische

Wirtschaft schwankungsanfälliger und abhängiger von Weltkonjunktur und realen Wechselkurs.

Das Arbeitspapier des IWF geht davon aus, dass sich die Elastizität im Hinblick auf die ausländische

Nachfrage im Zeitraum 2000-2006 im Vergleich zum Zeitraum 1995-1999 auf 4,3 von ursprünglich 3,6

und die Preiselastizität sich entsprechend von -1,3 auf -2 erhöht haben.

Die folgenden Abbildungen zeigen rollierende Regressionen für unterschiedliche Elastizitäten. Absolut

betrachtet hat sich die Exportelastizität im Hinblick auf die ausländische Nachfrage sowie dem

relativen Preisniveaus stark erhöht. Die Importelastizitäten im Hinblick auf die inländische Nachfrage

und das relative Preisniveau zeigen jedoch nur eine geringe Veränderung im selben Zeitraum, was mit

der nur geringen Veränderung in der Importzusammensetzung in Übereinstimmung gebracht werden

kann. Der Rückgang in der Importelastizität als Funktion der inländischen Nachfrage ist auf den

zunehmenden Einsatz inländischer Inputfaktoren (Kapital, Arbeit, Halbfertigwaren) zurückzuführen.

Nachfrageexportelastizität Exportelastizität als Funktion des realen Wechselkurses

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

4

IMF Working Paper (WP/07/266): China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li,

November 2007

Research Seite 25 13.02.2008


Importelastizität als Funktion der inl. Nachfrage Importelastizität als Funktion der relativen Preise

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

Innerhalb der einzelnen Branchen zeigen sich stark unterschiedliche Elastizitäten. Die

Exportelastizitäten sind stärker ausgeprägt als die Importelastizitäten, wobei die Exportelastizitäten

am stärksten in den Sektoren Industriegüter, Maschinenbau und Elektro-/Elektronik ausgeprägt sind.

Diese sind am niedrigsten im Bereich der Grundstoffe.

Sektorale Handelselastizität als Funktion der Nachfrage Sektorale Elastizität des Handels als Funktion der Preise

Quelle: IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li, November

2007

Aus der gestiegenen Nachfrageelastizität der chinesischen Exportgüter ergibt sich eine

stärkere Abhängigkeit der chinesischen Wirtschaft bezüglich der Weltkonjunktur. Ein 1%-iger

Rückgang in der externen Nachfrage hätte demnach einen 4½ Prozent-Rückgang in den chinesischen

Exporten beziehungsweise einen Rückgang von 0,75 Prozentpunkten im Bruttoinlandsprodukt zur

Folge. Aus der gestiegenen Exportpreiselastizität ergibt sich implizit, dass eine Reduktion in den

Exporten einer verringerten realen Aufwertung bedarf (Exportpreiselastizität: 1995−1999: -1.3;

2000−2006: -2). Es zeigt sich, dass der Effekt eines globalen Nachfragerückgangs weit stärker

wiegt als eine Änderung des realen Wechselkurses.

3.5 Staatsverschuldung

Das Staatsbudget verzeichnete im Jahr 2006 mit 148,3 Mrd. Yuan ein leichtes Defizit von 0,7% des

BIP. Laut chinesischem Finanzministerium lagen die Staatseinnahmen im Jahr 2006 bei 3.873,1 Mrd.

Yuan (~18,5% des BIP). Dies waren 9,3% mehr als zunächst budgetiert und 769,4 Mrd. Yuan oder

24,3% mehr als im Jahr 2005. Die Staatsausgaben beliefen sich im Jahr 2006 auf 4.021,3 Mrd. Yuan

(19,2% des BIP), 4,8% höher als zunächst budgetiert und 628,3 Mrd. Yuan oder 18,5% höher als im

Jahr 2005. Laut Finanzministerium wird das Defizit mit 245 Mrd. Yuan budgetiert, wobei sich die

Research Seite 26 13.02.2008


Staatseinnahmen demnach auf 4.406.5 Mrd. Yuan (18,3% des BIP) und die Staatsausgaben auf

4,651,5 Mrd. Yuan (19,3% des BIP) belaufen sollen. Für das Jahr 2007 wird ein leicht höheres

Budgetdefizit von 0,9% des BIP erwartet. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass in diesem Budget

nicht die staatlichen, oftmals verlustträchtigen Großbetriebe enthalten sind. Diese finanzieren ihren

Betrieb durch die Aufnahme von Krediten im staatlichen Bankensektor. Das offizielle Budgetdefizit fällt

daher geringer aus als das tatsächliche.

1,0

0,5

0,0

-0,5

-1,0

-1,5

-2,0

-2,5

-3,0

Budgetdefizit

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Quelle: Global Insight

Budgetdefizit in % des BIP - linke Skala

Die chinesische Staatsverschuldung in Prozent des BIP war Ende 2006 im internationalen Vergleich

mit 16,9% des BIP äußerst niedrig. Der Anteil der Zinszahlungen am Staatshaushalt ist sehr niedrig.

Dies ergibt sich zum einem aus der geringen Verschuldung und zum anderem aus dem niedrigen

Zinsniveau. Allerdings wird diese niedrige Verschuldung des Staates bei Berücksichtigung der

Sozialversicherungssysteme erheblich schlechter. Unter einer langfristigen Perspektive ist dieses

Defizit kritisch zu hinterfragen. Zum einem entstehen dem chinesischen Sozialsystem aufgrund der

rapiden Überalterung langfristig ein Finanzierungsproblem, zum anderen beruht das chinesische

Wirtschaftswachstum zu einem Gutteil auf dem Raubbau an der Umwelt. Die Beseitigung der Folgen

der Umweltzerstörung wird längerfristig jedoch zu höheren Kosten führen, welche den Staatshaushalt

dann verschlechtern sollten.

3.6 Private Verschuldung

Die inländische Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt ist für ein Schwellenland

außerordentlich hoch. Die hohe Verschuldung ergibt sich hauptsächlich aus den in der Vergangenheit

vergebenen Krediten zur Stützung der Staatswirtschaft und der hohen Sparquote. Demgegenüber ist

der Kreditanteil der privaten Haushalte an den Gesamtausleihungen weit geringer. Die gesamten

Aktiva des Bankensystems lagen Ende 2007 noch immer bei mehr als 200% des BIP, was

international gesehen außerordentlich hoch ist.

Die Kreditwachstumsraten haben seit 2005 stark an Dynamik gewonnen. Im September 2007 legten

die Forderungen der Banken gegenüber dem Privatsektor auf Jahressicht um 19,5% zu, die

entsprechende Inlandskreditvergabe stieg um 17,3% J/J.

Research Seite 27 13.02.2008


Kreditvolumen Kreditwachstum

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

0

Inlandskredit [Mrd. €] - linke Skala

Kreditwachstum % J/J - rechte Skala

1993 1996 1999 2002 2005

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

30

25

20

15

10

5

0

0

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Research Seite 28 13.02.2008

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

Forderungen ggü. Privatsektor [% p.a.]

Inlandskreditvergabe [% p.a.]

Die Verschuldung der privaten Haushalte bei Banken lag im Jahr 2006 bei über 110% des BIP.

Die Verschuldung des privaten Sektors in Relation zum BIP war im Jahr 2005 aufgrund der hohen

Ersparnisse der chinesischen Haushalte und der privaten Unternehmen mit 2,3% des BIP im

internationalen Vergleich äußerst niedrig, was die Verschuldung der privaten Haushalte bei Banken

aus Sicht der Risikoeinschätzung relativiert.

3.7 Stabilität

140

120

100

80

60

40

20

0

Verschuldung privater Sektor

Verschuldung des priv. Sektors bei Banken [in % des BIP] -- linke Sk.

Verschuldunsgrad des privaten Sektors [% des BIP] - rechte Sk.

1995 1997 1999 2001 2003 2005

Quelle: Global Insight

Trotz enormen Wirtschaftswachstums, steigender Rohstoffkosten (insbesondere Rohöl) und hohen

Geldmengenwachstums befand sich die Verbraucherpreisinflation in den letzten Jahren auf sehr

niedrigem Niveau. Dies lässt sich mit dem Aufbau enormer Überkapazitäten im industriellen Bereich

und hohem Produktivitätswachstum erklären. Bedingt durch die Überkapazitäten fiel es den

chinesischen Betrieben, vor allem in den boomenden Bereichen Stahl, Aluminiumerzeugung, Zement

und Kupfer in den vergangenen Jahren äußerst schwer, gestiegene Kosten auf ihre Kunden zu

überwälzen. Gestiegene Rohstoffkosten konnten von den Unternehmen durch hohe

Arbeitsproduktivitätsfortschritte und verbesserte technische Effizienz im Ressourceneinsatz

weitgehend kompensiert werden. Daneben wurde die Inflation durch zahlreiche staatlich administrierte

Höchstpreise, welche weit unter dem Weltmarktniveau liegen, hintangehalten.

Der Inflationsdruck hat sich seit Mitte 2006 spürbar verschärft. Im November 2007 erreichte die

Teuerungsrate ihren vorläufigen Spitzenwert von 6,9% J/J. Die jüngste Inflationsentwicklung ist jedoch

nicht ausschließlich auf eine überhitzte Wirtschaft mit hohem Auslastungsgrad zurückzuführen,

sondern liegt primär in der Angebotsseite von landwirtschaftlichen Produkten begründet. Die

Überkapazitäten im industriellen Bereich erzeugen nach wie vor einen deflationären Sog. Der

weltweite Bioenergieboom und lokale Dürren haben zuletzt zu einem starken Anstieg im Preis von

Soja, Reis und Getreide geführt. Daneben haben sich die Fleischpreise in China in den vergangenen

Monaten drastisch erhöht. Da dies ein vorübergehendes Phänomen zu sein scheint, ist jedoch

4,0

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

0,5

0,0


mittelfristig wieder mit einem Nachlassen des Preisdrucks zu rechnen. Während der

Konsumentenpreisindex sich in den ersten 11 Monaten des Jahres 2007 lediglich um 4,6% J/J erhöht

hat, stiegen die Lebensmittelpreise im selben Zeitraum um 18,2% J/J an. Hierbei ist auch zu

bedenken, dass die Nahrungsmittel im Güterkorb der chinesischen Haushalte einen weit höheren

Anteil besitzen als dies in westlichen Industrieländern der Fall ist. Premierminister Wen Jiabao

kündigte im Januar 2007 die Absicht der Regierung an, die Preise für Ölprodukte, Erdgas und

Elektrizität in naher Zukunft einfrieren zu wollen, um so die Inflation einzudämmen. Die Regierung

beabsichtige bestimmte Preise, falls notwendig, nach oben zu begrenzen und die Erhöhung von

Gebühren des öffentlichen Verkehrs und für die Schulen einzufrieren und Schritte gegen etwaige

Preismanipulationen zu setzen. Jedoch wurde nicht spezifiziert, wie lange diese Maßnahmen

bestehen bleiben sollen. Dies ist der erste Schritt in Richtung staatlicher Festsetzung der Preise seit

Anfang der 90er.

Verbraucherpreise Prognose

8

7

6

5

4

3

2

1

0

2000

-1

-2

2001

2002

2003

2004

2005

Inflation [% J/J]

Quelle: Global Insight Quelle: Gloabl Insight

2006

2007

0

1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011

Global Insight sieht die Inflationsrate im Jahr 2008 im Jahresschnitt aufgrund der hohen

Nahrungsmittelpreise weiter auf 5,8% J/J (2007: 4,8%) steigen. Diese sollte sich in den nächsten

Jahren nur langsam zurückbilden. Für 2012 wird eine Inflationsrate von 3,5% J/J prognostiziert. Die

Inflation sollte auch aufgrund der stetigen Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar aufgrund

niedrigerer Importkosten tendenziell wieder abnehmen.

Die chinesische Währung (Renmimbi) war bis Mitte 2005 mit einem fixen Wechselkurs von 8,28 an

die US-Währung angebunden. Nicht zuletzt aufgrund des heftigen Drucks seitens der US-Regierung

hat die chinesische Notenbank den Wechselkurs freigegeben, dieser wertet seither graduell

gegenüber dem US-Dollar auf. Der Aufwertungstrend erfolgt allerdings äußerst zögerlich und nicht in

dem Ausmaß, wie dies oft von anderen Ländern gefordert wird. Aufgrund der Bindung an den US-

Dollar und der vergleichsweise niedrigen chinesischen Inflationsrate hat die chinesische Währung in

den vergangenen Jahren real gegenüber ihren Haupthandelspartnern ständig abgewertet. Dadurch

sind auch chinesische Produkte zunehmend wettbewerbsfähiger geworden. Zuletzt hat der Druck von

Seiten der USA, nicht zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Importpreise, die chinesische Währung

aufzuwerten etwas nachgelassen, während sich der politische Druck von europäischer Seite aufgrund

des wachsenden Handelsdefizits mit China erhöht hat. Gegenüber dem Euro ergab sich aufgrund der

Dollarschwäche sogar eine Abwertung der chinesischen Währung in den vergangenen Jahren.

Aufgrund der zuletzt hohen chinesischen Inflation scheint sich der Widerwille von chinesischer Seite

gegen eine Aufwertung der Landeswährung etwas reduziert zu haben. Im Dezember 2007

verzeichnete die Währung gegenüber dem Dollar die stärkste Aufwertung seit Einführung des crawling

peg im Juli 2005.

Research Seite 29 13.02.2008

30

25

20

15

10

5

Prognose


Wechselkurse Prognose

12,0

10,0

8,0

6,0

4,0

2,0

0,0

1993

1994

Wechselkurs zu EURO, Periodenende [Einheiten pro €]

Wechselkurs zu USD, Periodenende [Einheiten pro USD]

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

Quelle: Global Insight Quelle: IWF

2003

2004

2005

2006

2007

2

Wechselkurs zu EURO [Einheiten pro €]

Wechselkurs zu USD [Einheiten pro $]

0

1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011

Ein rascherer Aufwertungstrend gilt in den nächsten Monaten als wahrscheinlich, zumal dies dazu

beitragen sollte die überhitzte Wirtschaft abzukühlen bzw. die Inflationsentwicklung abzuschwächen.

Sollte sich die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen stärker als erwartet abschwächen und sich

auch die chinesische Wirtschaft spürbar abschwächen, ist mit einer Verlangsamung des

Aufwertungstrends zu rechnen.

Global Insight sieht den nominellen Wechselkurs zum US-Dollar bis 2011 graduell bis auf 6,03 Yuan

pro US-Dollar aufwerten. Bei einer Erholung des Dollars gegenüber dem Euro ergäbe sich gegenüber

dem Euro in den kommenden Jahren sogar eine noch stärkere Aufwertung des Yuans als gegenüber

der US-Währung. Bis 2011 würde der Wechselkurs demnach auf 8,35 Yuan pro Euro sinken.

Die Entwicklung der Geldmengenaggregate verlief in den letzten Jahren sehr volatil, jedoch

durchwegs mit hohen 2-stelligen Wachstumsraten. Trotz der Dämpfungsmaßnahmen der

chinesischen Behörden hat sich die Wachstumsdynamik zwischen September 2006 und November

2007 deutlich erhöht. Das hohe Wachstum ergab sich aus den hohen Devisenzuflüssen und der

zunehmenden Kreditaufnahme im Inland. Im November 2007 wuchs diese mit einer Jahresrate von

18,45%, verzeichnete aber im Dezember erstmals überraschend einen deutlichen Einbruch auf 16,7%

J/J.

Geldmenge Geldmengenmultiplikator

24

22

20

18

16

14

12

10

2000

2001

Geldmenge M2 [% J/J]

2002

2003

2004

2005

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

2006

2007

Research Seite 30 13.02.2008

12

10

8

6

4

14

12

10

8

6

4

2

Geldmultiplikator (M2/M0) [in %]

Prognose

0

1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Entsprechend dem rapiden Geldmengenwachstum und der hohen Kreditvergabe hat sich der M2-

Multiplikator in den letzten Jahren stark erhöht.

Das Verhältnis des Geldmengenaggregats M2 zu Devisenreserven (M2/R) ist in den vergangenen

Jahren aufgrund des enormen Kreditwachstums stark angestiegen, was üblicherweise eine erhöhte

Krisenwahrscheinlichkeit anzeigt. Da das starke Geldmengenwachstum jedoch überwiegend durch

stark steigende inländische Kreditvergabe gespeist wird, relativiert sich die Aussagekraft dieses

Indikators etwas.


Geldmenge M2/Devisenreserven Kreditwachstum

1400

1200

1000

800

600

400

200

0

Geldmenge M1/ Devisenreserven [in %]

Geldmenge M2/Devisenreserven [in %]

1993 1996 1999 2002 2005

Research Seite 31 13.02.2008

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15

10

5

0

Kreditwachstum % J/J

Quelle: Global Insight Quelle: Global Insight

1994 1997 2000 2003 2006

Eine Verringerung des Kreditwachstums ist bislang kaum zu beobachten. Nachdem sich das

Kreditwachstum zwischen 2004 und 2006 deutlich beschleunigte, ging im Jahr 2007 die Dynamik nur

minimal auf 16,1% J/J zurück.

3.8 Geldpolitik und Finanzmarkt

Geldpolitik

Struktur

Die chinesische Geldpolitik zielt primär auf die Steuerung des Wechselkurses zum US-Dollar und die

Geldmenge. Als Steuerungsinstrumente werden hier sehr direktgreifende Maßnahmen wie

Kredithöchstgrenzen und die Mindestreserveerfordernis für Finanzinstitute verwendet. Seit 1999 gibt

es zudem indirekte Mittel wie Offenmarktoperationen zur Steuerung der Geldmenge und der Liquidität.

Aktuelle Entwicklung

Die chinesische Zentralbank verkündete am 20. Dezember 2007 einen weiteren Zinsschritt, welcher

ab dem darauffolgenden Tag effektiv wurde. Der 1-jährige Kreditzins wurde durch die People’s Bank

of China (PBoC) auf 7,47 % von zuvor 7,29% angehoben. Seit Jahresbeginn 2007 wurde dieser 6 Mal

um insgesamt 135 Basispunkte erhöht. Für Kredite mit längeren Laufzeiten und Hypothekenkrediten

blieben die Zinssätze unverändert. Im Jahr 2007 war dies der sechste Zinsschritt nach oben und der

erste Zinsschritt, nachdem die Notenbank ihren geldpolitischen Kurs von „prudent“ auf monetäre

Straffung änderte.

Am deutlichsten fiel die Zinsanhebung bei Spareinlagen mit einer Laufzeit kleiner als 1 Jahr aus.

Gleichzeitig wurde jedoch der Zinssatz für Sichteinlagen um 9 Basispunkte reduziert! Der Zinsschritt

mit der relativen stärkeren Anhebung der Einlagensätze zeigt, dass die Notenbank nun stärker

fokussiert ist die Inflation durch höhere Sparanreize einzudämmen als über höhere Kreditzinsen den

überhitzten Investitionssektor zu dämpfen.


Zinssatzänderung am 21. Dezember 2007 durch

People's Bank of China

Veränderung zuletzt

Einlagensätze

3 Monate 0,45 3,33

6 Monate 0,36 3,78

1 Jahre 0,27 4,14

2 Jahre 0,18 4,68

3 Jahre 0,18 5,40

5 Jahre

Kreditsätze

0,09 5,85

6 Monate 0,09 6,57

1 Jahre 0,18 7,47

1-3 Jahre 0,09 7,56

3-5 Jahre 0,09 7,74

> 5 Jahre

Hypothekensätze

0 7,83

< 5 Jahre 0 4,77

> 5 Jahre 0 5,22

Der Mindestreservesatz wurde zuletzt am 25. Januar 2008 um 0,5 Prozentpunkte erhöht und soll

etwa 190 Mrd. Yuan aus dem Bankensystem entziehen. Dies war die 11. Anhebung seit Jahresbeginn

2007. Insgesamt wurde die Mindestreserve damit seit Beginn 2007 um 600 Basispunkte auf 15%

angehoben und ist auf einem historischen Spitzenwert angelangt. Gleichzeitig wurden für das Jahr

2008 Kreditobergrenzen angekündigt.

Ausblick

Es bleibt fraglich, ob die zuletzt ergriffene Anhebung der Einlagezinsen den gewünschten Effekt einer

Inflationsabschwächung hat. Bei der gegenwärtig hohen Inflation von rund 7% und Einlagezinssätzen

im Bereich von 3,33% – 5,85%, ergibt sich für Sparer eine negative Realverzinsung, was die

Attraktivität von Sparen signifikant reduziert und Alternativen, wie beispielsweise den Aktienmarkt,

attraktiver erscheinen lässt. Gleichzeitig bleibt fraglich, ob eine angebotsinduzierte Inflation durch

Zinsanhebungen effektiv unterbunden werden kann bzw. soll.

Auf der Kreditseite sind die Opportunitätskosten für Investitionsprojekte in Form von Kreditzinsen

ebenfalls sehr gering. Bei einem nominellen BIP-Wachstum von über 15% ergibt sich ebenfalls eine

stark negative reale Verzinsung, was den Anreiz für Investitionen tendenziell erhöht. Da der

chinesische Kapitalmarkt bislang noch weitgehend unterentwickelt ist und sich die Betriebe

weitgehend durch einbehaltene Gewinne refinanzieren, ist die chinesische Wirtschaft bislang nur

wenig zinssensitiv. Mehr als die Hälfte aller Investitionen erfolgt über einbehaltene Gewinne. Ein

weiterer Grund für die fehlende Zinssensitivität dieser Unternehmungen sind auch die mangelnden

Investitionsalternativen.

Aufgrund der hohen Reserven der chinesischen Banken wurden die mehrmaligen Anhebungen der

Mindestreserve bislang nicht schlagend. Es bleibt fraglich, ob die letzten Schritte durch die PBoC den

gewünschten Erfolg zeigen werden.

Die beste Methode die Investitionen und die Inflation zu bremsen und gleichzeitig die Wirtschaft auf

ein binnengetriebenes Wachstum umzustellen, wäre daher eine stärkere Aufwertung der

Landeswährung gegenüber den Haupthandelspartnern zuzulassen. Die zuletzt gesetzten Schritte, wie

die beobachtete beschleunigte Aufwertungstendenz des Yuans, scheinen auch darauf hinzudeuten,

dass dies politisch gewollt sei. Der PBoC entfiele die Aufgabe ständig die steigende Geldmenge zu

sterilisieren. Eine Aufwertung würde darüber hinaus die Agrarimporte verbilligen und so die Teuerung

im Bereich der Lebensmittel dämpfen.

Research Seite 32 13.02.2008


China 2007M7 2007M8 2007M9 2007M10 2007M11 2007M12

Devisenreserven [Mrd. USD] 1.385,20 1.408,64 1.433,61 1.455,00 1.528,20

Wechselkurs zu EURO, Periodenende [Einheiten pro €] 10,38 10,34 10,64 10,78 10,92 10,75

Wechselkurs zu USD, Periodenende [Einheiten pro USD] 7,57 7,55 7,51 7,46 7,40 7,30

Geldmarktzins [% p.a] 3,33 3,33 3,33 3,33 3,33 3,33

Realzinsen, kurzfristig [% p.a.] 1,26 0,65 1,03 0,68 0,32 0,51

Rendite Staatsanleihen, langfristig [% p.a]

Quelle: Global Insight

7,38 7,56 7,83 7,83 7,83 7,83

Finanzmarkt

Geld- und Anleihenmarkt

Der chinesische Anleihemarkt gilt derzeit noch als klein und unterwickelt. In Verhandlungen erzielten

im Dezember 2007 die USA und China die Übereinkunft, dass es künftig ausländischen Unternehmen

gestattet ist, Aktien und Anleihen am chinesischen Markt zu emittieren. Dies ist aufgrund der enormen

Sparquote der Chinesen und den bislang unzureichenden Sparalternativen vor allem im

Anleihenbereich interessant und könnte in den kommenden Jahren zu einer spürbaren Belebung des

chinesischen Anleihemarkts führen.

Zinsen und Renditen seit 1992 Zinsstrukturkurve – Staatliche Nullkuponanleihen

18

16

14

12

10

8

6

4

2

0

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Geldmarktzins [% p.a]

Rendite Staatsanleihen, langfristig [% p.a]

Einlagezinssatz [in %]

Kreditzins [in %]

2002

Quelle: Global Insight Quelle: Reuters

2003

2004

2005

2006

2007

Research Seite 33 13.02.2008

5

4,5

4

3,5

3

2,5

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

Der chinesische Anleihenmarkt ist bei den kurzlaufenden Anleihen durch eine normale Zinskurve und

bei den langlaufenden Anleihen durch eine inverse Struktur geprägt. Im 2-jährigen Bereich ist die

Rendite mit derzeit 5 3,70% sehr niedrig. Der Zinswendepunkt ergibt sich bei 11-jährigen Anleihen mit

einer Rendite von 4,62%. Die Rendite von Nullkuponanleihen mit 20 Jahren Restlaufzeit beträgt

derzeit 4,31%.

5 24. Januar 2008

Laufzeit


Aktienmarkt

Aktienindices Shanghai A und B seit 1993

450

400

350

300

250

200

150

100

50

0

Quelle: Reuters

Shanghai B-Share Index - linke Sk.

Shanghai A-Share Index - rechte Sk.

0

Jan.92

Jan.93

Jan.94

Jan.95

Jan.96

Jan.97

Jan.98

Jan.99

Jan.00

Jan.01

Jan.02

Jan.03

Jan.04

Jan.05

Jan.06

Jan.07

Jan.08

7000

6000

5000

4000

3000

2000

1000

Trotz Rekordwirtschaftswachstums gehörte der

chinesische Aktienmarkt 2004 und 2005 zu

den schwächsten weltweit. Dies lag unter

anderem an der Flut von Erstemissionen, der

Sorge über einen erneuten Ausbruch der

Vogelgrippe, dem Handelsstreit über

Textileinfuhren nach Europa und den USA, den

staatlichen Maßnahmen zur Dämpfung des

Wirtschaftswachstums und vor allem den

Beschränkungen für ausländische Investoren.

Das Börsenklima hat sich jedoch seit

Jahresanfang 2006 erheblich verbessert.

In weiterer Folge kam es aufgrund der Chinaeuphorie im Ausland und dem dadurch bedingten

Kapitalzufluss aber auch aufgrund der mangelnden Geldanlagealternativen in China selbst zu einem

explosionsartigen Anstieg der Aktienkurse am Aktienmarkt in Shanghai und Shenzen. Die Bewertung

der chinesischen Aktien in Hongkong, wo Ausländer die Möglichkeit haben H-Aktien zu erwerben,

blieb dagegen relativ moderat. Chinesen war es bislang nicht erlaubt H-Aktien zu erwerben. Im Herbst

2007 zogen aber auch hier die Kurse deutlich an, nachdem am Markt über eine Liberalisierung dieser

Bestimmungen spekuliert wurde. H-Aktien notieren nach wie vor mit einem starken Diskont gegenüber

den A- und B-Aktien.

Die chinesischen Indizes zählten 2007 zu den stärksten Indizes weltweit. Bereits 2006 konnten A-

bzw. B-Aktien in Shanghai um 130,6% bzw. 110% zulegen und im Jahr 2007 verzeichneten diese

Indices einen weiteren Anstieg von 96% bzw. 181%. Ihre bislang historischen Höchststände ereichten

die Indices im Oktober 2007. Seit dem Höchststand von 6196,97 Punkten hat der Shanghai A-Aktien

Index bis Mitte Januar 2008, nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Kreditkrise, jedoch mehr als 20%

verloren. Der Shanghai B-Aktien Index hat ebenfalls von seinem Höchststand von 384,12 bis Mitte

Januar 2008 mehr als 20% an Wert verloren. Belastet wurde der Markt im Januar 2008 auch durch

die Gerüchte wonach auch chinesische Banken aufgrund ihres Engagements am amerikanischen

Hypothekenmarkt Milliardenabschreibungen vorzunehmen hätten.

Das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Indizes Shanghai SE Composite, Shanghai SE A-Shares,

Shanghai SE B-Shares und Hang Seng China Enterprise Index für 2008 liegt derzeit bei 42,76 bzw.

37,1; 78,13 und 17,68. 6 Der Aufschlag der in China notierten Aktien gegenüber den in Hongkong

gelisteten Aktien erreichte im Januar 2007 mit 100% ein Rekordniveau und gilt als Indikator für

spekulative Exzesse am chinesischen Aktienmarkt.

Die Marktkapitalisierung der A-Aktien in Shanghai belief sich Ende Dezember 2007 auf rund 26.850

Mrd. Yuan (~€ 2.500 Mrd.). Dies sind rund 105% der chinesischen Wirtschaftsleistung im Jahr 2007.

Die entsprechende Marktkapitalisierung der B-Aktien belief sich auf 134 Mrd. Yuan (~ €12,5 Mrd.).

Ende Dezember 2007 notierten an der Shanghaier Börse 850 A-Aktien und 54 B-Aktien. Der starke

Kursanstieg hat die Marktkapitalisierung chinesischer Unternehmen dermaßen gesteigert, dass sich

nun etliche chinesische Firmen unter den teuersten der Welt befinden. Im November 2007 war

PetroChina die erste Aktie weltweit die jemals die 1000 Mrd. USD Marke an Marktkapitalisierung

überschreiten konnte. Neben Petrochina haben sich auch die Aktien der Unternehmen China Life,

Sinopec, ICBC, China Mobile zu internationalen Schwergewichten entwickelt.

6 Bloomberg 23.1.2008

Research Seite 34 13.02.2008


Im Januar 2008 gab die China Securities Regulatory Commission bekannt, dass die Schaffung eines

Wachstumssegments ähnlich der amerikanischen Nasdaq im ersten Halbjahr 2008 geplant sei. Der

zu schaffende Markt zielt dabei auf kleine, innovative Unternehmungen ab und erfordert weniger

Auflagen als am Standardmarkt. Um gelistet werden zu dürfen ist ein Grundkapital von mindestens

30 Mio. Yuan (~ USD 4,2 Mio.) erforderlich.

Aufgrund der inzwischen hohen Bewertung der Aktien am Festland und eines Abflauens der

Gewinndynamik aufgrund der leichten konjunkturellen Abkühlung haben sich die Risiken am

chinesischen Aktienmarkt erhöht. Ein weiteres Risiko besteht auch in einer möglichen weiteren

Straffung der chinesischen Geldpolitik.

Hintergrund

Ursprünglich war die Hauptintention bei der Schaffung des

chinesischen Aktienmarkts, den Staatsbetrieben Zugang zum

Kapital der chinesischen Haushalte und ausländischer

Investoren zu verschaffen und so den Staatshaushalt zu

entlasten.

China Aktien werden häufig in drei Kategorien eingestuft: Ashares,

B-shares und H-Aktien. A- und B-Aktien sind

ausschließlich Inländern zum Kauf vorbehalten.

A-Aktien sind nach chinesischem Recht gegründete

Unternehmungen die in Yuan notieren und bis vor kurzem

ausschließlich Inländern vorbehalten waren. Mittlerweile sind

diese jedoch auch für so genannte „qualified institutional

investors“ zugänglich. B-Aktien sind nach chinesischem

Recht gegründete Unternehmungen und werden in

ausländischer Währung in China gehandelt. In der

Vergangenheit waren diese ausschließlich Ausländern

vorbehalten. H-Aktien sind Aktien chinesischer

Unternehmungen, die an der Hongkonger Börse notieren. A-

Aktien galten in der Vergangenheit als wenig liquide,

wodurch sich deren Entwicklung von anderen

Aktiengattungen abkoppelte.

Research Seite 35 13.02.2008


4. Bankensystem

4.1 Struktur

Das chinesische Bankensystem ist 2-stufig angelegt. Die Banken operieren unter der People’s Bank

of China (PBoC). Im April 2003 wurden die regulatorischen Funktionen der PBoC in die China Banking

Regulatory Commission (CBRC) transferiert. Die chinesische Notenbank ist weisungsgebunden. Ihre

Politik ist daher stark durch die Interessen der chinesischen Regierung beeinflusst. Der Bankensektor

wurde im Vorfeld des Beitritts zur WTO radikal reformiert, wobei dieser Prozess noch immer nicht

vollständig abgeschlossenen ist. In der Vergangenheit wurde dem chinesischen Bankensektor die

Verantwortung auferlegt mittels Krediten die marode Staatsindustrie am Leben zu halten. Dies hatte

eine starke Anhäufung an so genannten „faulen Krediten“ zur Folge.

Die Zinssätze kommen nach wie vor nicht durch den Marktmechanismus zu stande, sondern werden

den Banken durch die PBoC vorgeschrieben und die Zentralbank sorgt durch die Vorgabe von

Mindestreservesätzen und Kreditvergabeobergrenzen für eine starke Reglementierung des Marktes.

Aufgrund des hohen staatlichen Einflusses in der Kreditvergabe war und ist der Bankensektor durch

eine hohe Korruption geprägt. Die staatlichen Großbanken haben in Vorbereitung auf die neu

eintretende ausländische Konkurrenz mit Dezember 2006 ihren Kampf gegen Korruption verschärft.

Viele Banken verweisen auf den Umstand, dass sie ihr Risikomanagement/-IT verbessert haben und

sich ihre Kreditvergabepraxis geändert hat. Bis jetzt haben die Änderungen geringe Wirkung auf die

Vergabepraxis gezeigt. Im März 2006 stellte der IWF fest, dass die Banken nach wie vor bei der

Kreditvergabe die maroden staatseigenen Firmen favorisieren und daher kaum Rentabilität oder

Kreditrisiko in Betracht ziehen.

Trotz großer Aktienemissionen durch chinesische Staatsbanken in den letzten Jahren und der

Öffnung des Finanzsektors für ausländische Konkurrenten ist der Bankenmarkt in China nach wie vor

stark durch staatliche Finanzinstitute geprägt. An der Spitze des Bankensystem befinden sich die

großen, teilstaatlichen Geschäftsbanken: Agricultural Bank of China, Bank of China (BOC), China

Construction Bank (CCB) and Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Diese entstanden im

Zuge der Reform des Ein-Bankensystems Anfang der 1980er.

Verteilung Aktiva Bankensystem Verteilung Passiva Bankensystem

Sonstige Institute

26%

Kommunale Banken

6%

Aktienbanken (JSCB)

14%

Staatliche

Kommerzbanken

54%

Sonstige Institute

26%

Kommunale Banken

6%

Aktienbanken (JSCB)

14%

Quelle: CBRC Quelle: CBRC

Staatliche

Kommerzbanken

54%

Research Seite 36 13.02.2008


Da de facto kein Anleihemarkt vorhanden ist und es für Unternehmen bislang kaum die Möglichkeit

gab Anleiheemissionen zu tätigen, ist der Kreditmarkt des Landes im internationalen Vergleich

überproportional groß. Die gesamten Aktiva des Bankensystems lagen 2007 noch immer bei mehr als

200% des BIP, was international gesehen außerordentlich hoch ist.

Bilanz Finanzinstitute Quartalsende September 2007

in Mrd. Yuan Q1 2007 Q2 2007 Q3 2007

Aktiva 45.928,88 48.513,00 50.616,31

Wachstumsrate %J/J 17,2 18,5 20,3

Passiva 43.544,42 45.953,50 47.836,97

Wachstumsrate %J/J 16,3 17,7 19,4

Quelle: CRBC

Staatlich kontrollierte Kommerzbanken (SCB) machen nach wie vor über 50% der Gesamtaktiva

und Gesamtpassiva im Bankensystem aus. Ihre Bedeutung nimmt nur langsam aber stetig ab.

Daneben nehmen auch die 3 Förderbanken eine wichtige Rolle im chinesischen Bankensystem ein:

China Development Bank, China Export & Import Bank, Agricultural Development Bank of China.

Bilanz Staatliche Kommerzbanken Quartalsende September 2007

in Mrd. Yuan Q1 2007 Q2 2007 Q3 2007

Aktiva 25.347,02 26.444,73 27.462,98

Wachstumsrate %J/J 14,0 14,6 17,0

Anteil in % 55,2 54,5 54,3

Passiva 23.930,42 24.991,76 25.889,85

Wachstumsrate %J/J 12,8 14,1 16,3

Anteil 55,0 54,4 54,1

* SOCB: Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Agricultural Bank of China (ABC), Bank of China (BOC),

China Construction Bank (CCB), Bank of Communications (BOCOM)

Quelle: CRBC

Aktienbanken (JSCB) verfügen über eine breitere Eigentümerstruktur als die staatlichen bzw.

teilstaatlichen SCB. Unter anderem weisen sie häufig eine Auslandsbeteiligung oder eine Beteiligung

einer ländlichen Kreditgenossenschaft auf.

Bilanz Aktienbanken (JSCB) Quartalsende September 2007

in Mrd. Yuan Q1 2007 Q2 2007 Q3 2007

Aktiva 5.690,29 6.423,93 6.879,17

Wachstumsrate %J/J 22,5 30,1 34,6

Anteil in % 12,4 13,2 13,6

Passiva 5.474,79 6.138,64 6.577,45

Wachstumsrate %J/J 21,9 28,2 33,2

Anteil 12,6 13,4 13,7

* JSCB: CITIC Industrial Bank, Everbright Bank of China, Huaxia Bank, Guangdong Development Bank, Shenzhen

Development Bank, China Merchants Bank, Shanghai Pudong Development Bank, Industrial Bank, China

Minsheng Banking Co. , Evergrowing Bank, China Zheshang Bank, China Bohai Bank

Quelle: CRBC

Research Seite 37 13.02.2008


Bilanz Kommunale Banken Quartalsende September 2007

in Mrd. Yuan Q1 2007 Q2 2007 Q3 2007

Aktiva 2.680,64 2.917,65 3.090,58

Wachstumsrate %J/J 28,3 26,9 27,7

Anteil in % 5,8 6 6,1

Passiva 2.549,12 2.780,00 2.918,88

Wachstumsrate %J/J 27,1 25,9 25,8

Anteil 5,8 6,0 6,1

Quelle: CRBC

Bilanz Sonstige Institute Quartalsende September 2007

in Mrd. Yuan Q1 2007 Q2 2007 Q3 2007

Aktiva 12.210,93 12.726,69 13.183,58

Wachstumsrate %J/J 19,4 19,6 19,0

Anteil in % 26,6 26,2 26,0

Passiva 11.590,08 12.043,10 12.450,79

Wachstumsrate %J/J 19,1 18,9 18,2

Anteil 26,6 26,2 26,0

Quelle: CRBC

Per 31. Mai 2007 bestand das Bankensystem aus 3 Förderbanken, 5 staatlichen Kommerzbanken, 12

Aktienbanken, 113 Kommunale Banken, 16.869 ländlichen Kleinbanken, 70

Finanzierungsunternehmen, 54 Trust- und Investmentgesellschaften, 6 Leasingbanken, der Postbank

und ausländischen Banken.

Im Dezember 2006 wurden die Restriktionen für Auslandsbanken erheblich gelockert. Die Regierung

hob einige Beschränkungen für den Besitz von Banken durch Ausländer auf. Unter den

Auslandsbanken gibt es derzeit einen starken Trend zur Körperschaftsgründung unter chinesischem

Recht. Ein Hauptkritikpunkt dieser Banken nach der Öffnung des chinesischen Bankenmarktes sind

die oft widersprüchlichen regulatorischen Vorgaben durch den Staat und nach wie vor bestehende

Kapitalverkehrskontrollen. Wesentliche ausländische Banken in China sind: Citibank, HSBC, Goldman

Sachs, Standard Chartered und Morgan Stanley. Deren Geschäftsfokus liegt in den Bereichen der

Exportfinanzierung und dem Investmentbanking, allerdings gewinnt das Retail Banking zunehmend an

Bedeutung.

4.2 Aktuelle Entwicklungen

Im Januar 2008 wurden größere Unregelmäßigkeiten bei den Banken festgestellt. Diese betrugen

insgesamt 860 Mrd. Yuan (119 Mrd. USD), was ungefähr dem dreifachen Jahresgewinn der

chinesischen Großbanken aggregiert entspricht. Die chinesischen Großbanken verzeichneten laut

China Banking Regulatory Commission zusammen 2007 einen Jahresgewinn von 299 Mrd. Yuan. In

einer Veröffentlichung am 5. Juli 2007 wurde für 2006 ein aggregierter Vorsteuergewinn von 240,9

Mrd. Yuan angegeben. Laut China Banking Regulatory Commission betrugen die Aktiva aller Banken

per 31. 12. 2007 52,6 Billionen Yuan.

Research Seite 38 13.02.2008


Quelle: Foreign Affairs Division International Department China

Banking Regulatory Commission, 17. Juli 2007, Melbourne

Gemäß offiziellen Angaben konnte der Anteil der notleidenden Kredite an dem

Gesamtkreditportfolio der Geschäftsbanken bis 30. September 2007 auf durchschnittlich 6,17%, von

28% im Jahr 2003 reduziert werden. Große Fortschritte konnten vor allem im Bereich der staatlichen

Großbanken erzielt werden. Deren notleidende Kredite an der Kreditsumme liegen nur noch leicht

über dem Durchschnitt der Banken insgesamt.

"Non Performing Loans" - Geschäftsbanken Ende-September 2007

nach Bankkategorie

Ausstehenden

Betrag

NPL Fünf-Kategorien Klassifikation 1245,57 6,63 1266,15

Doubtful 517,66 2,75 501,70

Große Geschäftsbanken 1161,42 7,02 1186,06 6,91 1174,18 6,63

staatlich Geschäftsbanken (SOCB) 1061 8,20 1087,51

Aktienbanken (JSCB) 100,42 2,78 98,55 2,59 94,36 2,41

Kommunale Banken 65,96 4,52 62,59

Ländliche Kleinbanken 15,06 5,32 14,60 4,8 13,51 4,21

Ausländische Banken 3,13 0,62 2,90

Q 1 Q 2 Q 3

Anteil an

gesamter Ausstehenden

Kreditvergabe Betrag

Anteil an

gesamter

Kreditvergabe

Ausstehenden

Betrag

Anteil an

gesamter

Kreditvergabe

6,45 1251,78 6,17

Substandard 261,32 1,39 244,16 1,24 228,45 1,13

2,56 479,57 2,36

Loss 466,59 2,48 520,29 2,65 543,76 2,68

8,14 1079,82 7,83

3,95 60,72 3,67

0,51 3,38 0,54

Anmerkung:

1. Geschäftsbanken inklusive staatliche Geschäftsbanken, Aktienbanken, Kommunale Banken, ländliche Kleinbanken und ausländische

Banken.

Großbanken enthalten: state-owned commercial banks (SOCB) und joint stock commercial banks (JSCB).

SOCB enthalten: Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Agricultural Bank of China (ABC), Bank of China (BOC), China

Construction Bank (CCB) und Bank of Communications (BOCOM).

JSCB enthalten: CITIC Industrial Bank, Everbright Bank of China, Huaxia Bank, Guangdong Development Bank, Shenzhen Development

Bank, China Merchants Bank, Shanghai Pudong Development Bank, Industrial Bank, China Minsheng Banking Co. , Evergrowing Bank,

China Zheshang Bank und China Bohai Bank.

Research Seite 39 13.02.2008


2007M7 2007M8 2007M9 2007M10 2007M11 2007M12

Auslandsverbindlichkeiten Bankensektor [% p.a.] 2,87 10,87 10,06

Einlagezinssatz [in %] 3,33 3,60 3,87 3,87 3,87 4,14

Kreditzins [in %] 6,84 7,02 7,29 7,29 7,29 7,47

Spread Kredit- über Einlagezinssatz 351,00 342,00 342,00

Forderungen ggü. Privatsektor [% p.a.] 17,96 18,69 19,46

Inlandskreditvergabe [% p.a.] 16,18 16,42 17,26

Fremdwährungskonten in % der Gesamtliquidität 28,16 29,00 28,65

Fremdwährungskonten in % aller Einlagen

Quelle: Global Insight

30,30 31,23 30,91

34

32

30

28

26

24

22

Fremdwährungskonten in % der Gesamtliquidität

Fremdwährungskonten in % aller Einlagen

20

Jan 95 Jan 96 Jan 97 Jan 98 Jan 99 Jan 00 Jan 01 Jan 02 Jan 03 Jan 04 Jan 05 Jan 06 Jan 07

Quelle: Global Insight

Bedeutend für das chinesische Bankensystem

sind auch die hohen Fremdwährungseinlagen.

Diese ergeben sich vor allem aus dem hohen

Leistungsbilanzüberschuss Chinas und der nur

teilweisen Sterilisierung des Dollarzuflusses

durch die PBoC.

Research Seite 40 13.02.2008


5. Energiesektor

Der chinesische Energiesektor unterscheidet sich grundlegend vom globalen Energiemix. Während

weltweit der Schwerpunkt der Energieversorgung bei Erdöl liegt und Erdgas eine immer wichtigere

Bedeutung zukommt, setzte China bislang zur Deckung seiner Energie primär auf billige, inländische

aber auch sehr umweltfeindliche Kohle zur Generierung von Strom und Wärme. Aufgrund der

Umweltprobleme in China und des zunehmenden Individualverkehrs zeigt sich jedoch auch in China

eine zunehmende Bedeutung von Erdöl und Erdgas. Relativ unbedeutend werden auf absehbare Zeit

dagegen die Kernenergie und alternative Energien bleiben, trotz einer Vielzahl an geplanten

Reaktoren.

Nuklearenergie

1%

Kohle

69%

Energiemix 2006

Wasserkraft

6%

Erdöl

21%

Erdgas

3%

Nuklearenergie

6%

Energiemix 2006 - Global

Research Seite 41 13.02.2008

Kohle

28%

Wasserkraft

6%

Quelle: BP Statistical Review 2007 Quelle: BP Statistical Review 2007

China ist, hinter den USA, seit kurzem der weltweit zweitgrößte Ölverbraucher und der drittgrößte

Rohölimporteur. Allerdings verfügt das Land nach wie vor über relativ hohe Ölreserven. Diese liefen

sich laut Oil & Gas Journal (OGJ) per Januar 2006 auf 18,3 Mrd. Fass. Die statische Reichweite

dieser Reserven betrug laut BP Statistical Review 2007 per Ende 2006, unter der Voraussetzung

einer konstanten auf gegenwärtigem Niveau befindlichen Produktion, noch 12 Jahre.

Die inländische Produktion hat in den vergangenen Jahren ein Plateau ausgebildet und die

Wachstumsraten sind nur noch gering. Die International Energy Agency schätzt die Produktion im

Jahr 2007 auf 3,8 Mio. Fass/Tag und für 2008 wird eine Produktion von 3,9 Mio. Fass pro Tag

prognostiziert. 7

Ölangebot, Nachfrage, Bilanz Statische Reichweite Reserven

10

8

6

4

2

0

1975 1978 1981 1984 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008

-2

-4

-6

Nachfrage

Produktion

Überschuss-/Defizit

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Erdgas

24%

Erdöl

36%

Irak

Kuwait

Vereinigte Arab. Emirate

Iran

Kasachstan

Venezuela

Saudi Arabien

Libyen

Sudan

Aserbaidschan

Nigeria

Katar

Equador

Russland

Indien

Australien

Angola

Oman

Brasilien

Algerien

Kanada

Ägypten

Malaysia

China

USA

Indonesien

Mexiko

Norwegen

Großbritannien

Kanada + Ölsand

Quelle: BP Statistical Review 2007, IEA Quelle: BP Statistical Review 2007

7 IEA Oil Market Report, Dezember 2007

Welt

OECD

OPEC

Nicht-OPEC

Ex-Sowjetunion


Die Importquote Chinas wird daher in den nächsten Jahren weiter steigen und so Aufwärtsdruck auf

den weltweiten Ölpreis generieren. China ist seit 1993 mit steigender Tendenz Nettoimporteur von

Rohöl. Für 2008 ist bereits mit einer Importquote von über 51% zu rechnen. Die Importe kommen

hauptsächlich aus dem Nahen Osten, wobei durch den Bau alternativer Pipelines, insbesondere

Richtung Sibirien und in den kaspischen Raum und das starke Engagement chinesischer Ölfirmen in

Afrika versucht wird die Energieversorgung breiter zu diversifizieren.

Importquote

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005

-10%

-20%

-30%

-40%

-50%

Quelle: BP Statistical Review 2007, IEA

Die Atasu-Alashankou Pipeline von Kasachstan nach China wurde Mitte 2006 mit einer Kapazität

von in Betrieb 1,7 Million Tonnen Rohöl genommen. Die Pipeline ist jedoch für eine Kapazität von 10

Mio. Tonnen pro Jahr (~200.000 b/d) ausgelegt. Das nach China transportierte Öl stammt aber bisher

aus Russland und dem Kumkol Feld (im Norden Kasachstans). Im September 2007 startete die

russische TNK-BP Rohöllieferungen nach China über die neue Exportroute von Atasu nach

Alashankou in China. Die Pumpstation in Atasu vermengt Rohöl das aus dem kasachischen Ölfeld

Kumkol kommt mit Rohöl aus der Region Westsibirien. Die Pipeline müsste weiter Richtung Westen

zu den neuen Ölfeldern an der kaspischen See herangeführt werden, um auch diese Region an China

anzubinden.

Der inländische Konsum belief sich laut International Energy Agency im Jahr 2007 auf 7,53 Mio.

Fass/Tag und für 2008 wird ein Verbrauch von 7,96 Mio. Fass pro Tag erwartet. 8 Wie die Revisionen

für den Verbrauch zeigen, hatte der bisherige Ölpreisanstieg kaum Auswirkungen auf den

chinesischen Konsum. Der negative Preiseffekt auf die Ölnachfrage wird weitgehend durch den

Einkommenseffekt eines stark steigenden Bruttoinlandsprodukts kompensiert. Auch sind die

inländischen Ölproduktpreise weitestgehend staatlich administriert, wodurch die Profitabilität der

inländischen Ölfirmen bei gleichzeitig steigenden Einkaufspreisen für Rohöl leidet und diese wenig

Anreiz hatten den Markt zu versorgen, was sich in China dann des öfteren in Benzinrationierungen

bemerkbar macht. In der Vergangenheit zeigte sich des Öfteren sogar, dass genehmigte

Preiserhöhungen die Nachfrage beflügelten, da die Ölfirmen dadurch einen höheren Anreiz hatten,

diese zu bedienen. Es bleibt daher fraglich, inwieweit ein weiter steigender Ölpreis sich dämpfend auf

die chinesische Nachfrage auswirken wird. Erst bei einem sehr großen Preissprung oder einen

signifikanten Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums ist mit einer Verlangsamung der

chinesischen Ölnachfragedynamik zu rechnen!

8 IEA Oil Market Report, Dezember 2007

Research Seite 42 13.02.2008


Zusammenhang Wirtschaftswachstum/Ölnachfrage IEA Monatliche Revisionen Verbrauch

20

15

10

5

0

1975 1978 1981 1984 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008

-5

-10

Ölnachfragewachstum (in % p.a.)

Wirtschaftswachstum, real (in % p.a.)

Quelle: BP Statistical review 2007, IEA Quelle: IEA

5,00

Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr

Research Seite 43 13.02.2008

8,50

8,00

7,50

7,00

6,50

6,00

5,50

2005 2006 2007 2008

ex ante Schätzungen für Jahr t Nachfrageschätzungen für aktuelles Jahr t ex post Schätzungen für Jahr t

Die noch immer niedrige Wirtschaftleistung pro Kopf und der noch immer niedrige Ölverbrauch pro

Kopf zeigen das enorme Nachfragepotential in China in den kommenden Jahrzehnten.

BIP pro Kopf/ Ölverbrauch pro Kopf BIP pro Kopf/ Ölverbrauch pro Kopf

Ölverbrauch in Fass pro Kopf

40

35

30

25

20

15

10

5

Australia Austria Belgium Canada China France Germany Greece

India Indonesia Ireland Italy Japan Malaysia Netherlands New Zealand

Philippines Portugal Spain Switzerland Thailand Turkey United Kingdom United States

China, Indien,

Philippinen,

Thailand, Türkei

0

0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 40.000 45.000 50.000

BIP pro Einwohner (in USD)

USA

Österreich

Ölverbrauch in Fass pro Kopf

35

30

25

20

15

10

5

Griechenland, Spanien

China, Indien

0

0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 40.000 45.000 50.000

BIP pro Einwohner (in USD)

Quelle: BP Statistical Review 2007, Global Insight Quelle: BP Statistical Review 2007, Global Insight

USA

China

Greece

India

Indonesia

Malaysia

Philippines

Portugal

Spain

Thailand

Turkey

United States


6. Rahmenbedingungen/Weiche Faktoren

6.1 Rechtssicherheit

Das Rechtssystem hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert und es kann inzwischen

bereits in vielen Bereichen von einer „rule of law“ gesprochen werden. Die Einführung einer

Marktwirtschaft hat in den vergangenen Jahren zu einer stetigen Herausbildung eines Privatrechts

geführt. Dieses ist in vielen Bereichen auf dem Stand der Zeit, allerdings in einigen Bereichen auch

lückenhaft. Da die Justiz unter der direkten Kontrolle der KPC steht, haben Unternehmen und Private

vor Gericht gegenüber den Interessen des Staates bzw. der Repräsentanten oft das Nachsehen.

Quelle: Weltbank 9

6.2 Investitionsklima/ Unternehmensumfeld

Gemäß World Business Report 2008 hat sich das Investitionsklima in China im Jahr 2007 weiter

verbessert. Chinas Rang im Ländervergleich verbesserte sich von 93 auf 83. Wesentliche Fortschritte

konnten in den Bereichen Genehmigungen, Zugang zu Kapital und im Insolvenzrecht erzielt werden.

Chinas komparative Stärken liegen in den Bereichen Registrierung von Eigentum (Rang: 29), im

grenzüberschreitenden Warenverkehr (Rang: 42), der Durchsetzung von Verträgen (Rang: 20) und

dem Insolvenzrecht (Rang: 57). Defizite sind insbesondere in den Bereichen Unternehmensgründung

(Rang: 135), Genehmigungsverfahren und Bewilligungen (Rang: 175) und dem administrativen

Aufwand zur Bezahlung von Steuern (Rang: 168) vorhanden.

Im Vergleich zur Vorjahreserhebung ist China im Ländervergleich in den Bereichen

Unternehmensgründung, Genehmigungen, Arbeitsrecht, Registrierung von Eigentum und im Bereich

internationaler Warenaustausch zurückgefallen, während das Ranking in den Bereichen

Investorenschutz, Bezahlung von Steuern unverändert blieb. Verbesserungen konnten in den

Bereichen Zugang zu Kapital, der Durchsetzung von Verträgen und bei Insolvenzverfahren erzielt

werden.

9 Percentile Rank zeigt die Prozentanzahl aller übrigen Länder weltweit, deren Rating sich unter dem Chinas befindet. Das Gesamtrating

setzt sich unter anderem aus den Teilrating von OECD Development Center African Economic Outlook, Bertelsmann Transformation Index,

Freedom House Countries at the Crossroads, EIU Economist Intelligence Unit, FRH Freedom House, World Economic Forum Global

Competitiveness Survey, Gallup World Poll, Reporters Without Borders Press Freedom Index; WMO Global Insight Business Conditions

and Risk Indicators zusammen. Die strichlierten Linien geben das 90 Prozent Konfidenzintervall für diese Größe an; d.h.: es besteht eine

90%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechende Variable sich im Bereich zwischen den strichlierten Linien befindet.

Research Seite 44 13.02.2008


Ein neues Grundstücksgesetz stellt nun Privateigentum offiziell jenem von staatlichem Eigentum

gleich. Die Anzahl der möglichen Vermögensgegenstände, die als Sicherheiten dienen können, wurde

erweitert (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Lagerbestände). Auch wurde ein neues

Insolvenzgesetz verabschiedet, welches den Forderungen der Kreditgeber im Insolvenzfall Vorrang

gewährt. Durch die elektronische Erteilung von Baugenehmigungen wurde der administrative

Zeitaufwand wesentlich verkürzt.

Quelle: Weltbank Doing Business in 2008 Quelle: Weltbank Doing Business in 2008

Quelle: Weltbank Doing Business in 2008 Quelle: Weltbank Doing Business in 2008

Quelle: Weltbank Doing Business in 2008 Quelle: Weltbank Doing Business in 2008

Durch die Stärkung der Rechte der Kapitalgeber im neuen Insolvenzrecht und das neue

Eigentumsrecht wird die Anzahl der möglichen Sicherstellungen um Forderungen aus Lieferungen und

Leistungen und Lagerbestände erweitert. Es wird geschätzt, dass so 2.000 Mrd. USD an „totem“

Research Seite 45 13.02.2008


Kapital so für chinesische Unternehmungen nutzbar gemacht werden kann und die

Kapitalbeschaffung für chinesische Firmen erheblich erleichtert.

Durch die verschärfte Informationspflicht der Unternehmen wurde die Transparenz chinesischer

Firmen wesentlich erhöht und der Aktionärsschutz in China erheblich verbessert.

Quelle: Weltbank Doing Business in 2008 Quelle: Weltbank Doing Business in 2008

Besonders effizient und kostengünstig zeigt sich die staatliche Verwaltung im Bereich des

internationalen Warenhandels und dem damit verbundenen administrativen Aufwand.

Quelle: Weltbank Doing Business in 2008 Quelle: Weltbank Doing Business in 2008

Die Qualität des regulatorischen Rahmens hat sich in den vergangenen Jahren wieder verbessert,

nachdem China im Ländervergleich bis 2002 stetig in diesem Bereich abrutschte. Im Jahr 2006

befand sich China damit im Mittelfeld.

Quelle: Weltbank

Research Seite 46 13.02.2008


Auf relativ hohem Niveau befindet sich der Indikator Effektivität der staatlichen Handlungen.

Allerdings konnten in diesem Bereich in den letzten Jahren keine weiteren wesentlichen

Verbesserungen erreicht werden, woraus eine Stagnation im Ländervergleich resultiert.

Quelle: Weltbank

6.3 Arbeitsmarkt & Humankapital

China verfügt über eine gut ausgebildete, junge Erwerbsbevölkerung. Im akademischen Bereich ist

ein Großteil dieser in der Lage sich auf Englisch zu verständigen und die Kenntnisse in Englisch

nehmen in der restlichen Bevölkerung zu. Eine Einschränkung für die Verfügbarkeit des Faktors Arbeit

ergibt sich aus der Genehmigungspflicht für eine Übersiedelung. Trotz hoher und versteckter

Arbeitslosigkeit in den westlichen und nördlichen Regionen ist die Mobilität eingeschränkt, während

gleichzeitig in der Vergangenheit sektorale Engpässe in den Küstenregionen auftraten. Aufgrund der

Bestimmungen gibt es eine hohe Anzahl von Wanderarbeitern. Aufgrund der rapiden Alterung ist

jedoch längerfristig mit einer starken Verknappung im Arbeitsangebot zu rechnen.

6.4 Steuern

Das chinesische Steuersystem gilt als sehr komplex. Zwar sind die Steuersätze relativ niedrig jedoch

zählen zu den Hauptkritikpunkten: Überschneidung der Einhebung durch lokale und überregionale

Behörden, Steuern sind oft willkürlich festgelegt, werden willkürlich eingehoben und ändern sich

häufig.

6.5 Korruption

Trotz Fortschritten in der Korruptionsbekämpfung gilt diese noch immer als virulent. Gemäß 2007

Corruption Perceptions Index von Transparency International hielt das Land im Jahr 2007 gemeinsam

mit Indien den 72. Platz 10 (zum Vergleich: Rumänien: 69; Serbien: 79, Russland: 143). Die Korruption

reicht in China bis in die höchsten Ämter, auch die Justiz ist davon betroffen. Hauptursache für die

hohe Korruption ist die mangelnde Transparenz und die Überschneidung von öffentlichen Aufgaben

und privaten Nebentätigkeiten von Beamten und Politikern. Die Korruption ist besonders häufig in den

Bereichen Finanz, Banken, Bausektor sowie der öffentlichen Auftragsvergabe anzutreffen. Die

Problematik ergibt sich auch aus dem Umstand, dass es für Geschäftsabschlüsse erforderlich ist eine

enge Beziehung mit einem potentiellen Geschäftskunden aufzubauen, was oft mit Geschenken

verbunden ist. In der Vergangenheit wurden bereits drastische Schritte ergriffen um potentielle Täter

abzuschrecken. Allerdings hält sich die Korruption nach wie vor sehr hartnäckig. Auch darf die

Kommunistische Partei nicht allzu viele Korruptionsfälle aufdecken, da sie dadurch ihr eigenes Image

ramponieren würde. Dessen sind sich auch die Täter bewusst. Darüber hinaus trifft die strafrechtliche

10 Länder mit niedrigen Rang haben eine vergleichsweise niedrige Korruption

Research Seite 47 13.02.2008


Verfolgung meist nur jene, die nicht hinreichende Kontakte nach „oben“ haben. Ein weiterer Grund für

die hohe Korruption ist die schwerfällige Bürokratie. Korruption gilt weitläufig als Mittel Verfahren

erheblich zu beschleunigen.

Quelle: Weltbank

6.6 Politik

Das politische Umfeld schneidet im Ländervergleich relativ schlecht ab. Es ist jedoch mit keinen

politischen Krisen zu rechnen. Dies lässt sich damit begründen, dass eine Opposition nicht existiert,

um die herrschende kommunistische Partei herauszufordern. Instabilität ergäbe sich beispielsweise

nur aus Aufständen verarmter Bauern und Landbewohnern oder es könnten infolge erhöhter Preise

Unruhen entstehen, welche jedoch kein systembedrohendes Ausmaß annehmen sollten. Der

steigende Wohlstand des Landes sollte in den kommenden Jahren mit dazu beitragen soziale

Spannungen abzubauen.

Quelle: Weltbank

Inland

Die politische Macht in China wird in der Kommunistischen Partei zentralisiert. Hu Jintao wurde im

Oktober 2007 beim 17. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas zum zweiten Mal zum

Vorsitzenden wiedergewählt. Dies ist seine zweite und letzte Amtszeit, sie beträgt 5 Jahre. Die

Kommunistische Partei wird durch mehrere Flügel geprägt. Hu Jintao gelang es seit Beginn seiner

Amtszeit, seine Position durch die Verabschiedung seines Programms als etablierte Parteitheorie und

die Unterbringung einiger Vertrauensleute in wichtigen Positionen entscheidend zu verbessern. Zwar

gibt es in der KPC mehrere Flügel, jedoch stimmen diese in der Zielsetzung des Parteiprogramms

weitestgehend überein und mittelfristig stehen auch keine bedeutenden Änderungen an der

Führungsspitze der Partei an. Unter der so genannten 4. Generation der politischen Führer unter

Research Seite 48 13.02.2008


Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao ist eine Fortsetzung der Reform Agenda

„Schaffung einer harmonierenden Gesellschaft“ zu erwarten. Dieses Programm verfolgt die

Zielsetzung die unterentwickelten westlichen Provinzen und die ländlichen Regionen am Aufschwung

stärker teilhaben zu lassen und so sozialen Spannungen vorzubeugen. Daneben wird die

Zielsetzung verfolgt die verbliebene Staatsindustrie weiter zu sanieren und „grünes“, also

umweltfreundlicheres Wachstum zu schaffen. Spannungen könnten sich erst im Vorfeld der

nächsten Wahl des Parteivorsitzenden im Jahr 2012 ergeben. Kurzfristig bis mittelfristig sollte das

politische System daher stabil bleiben.

Auch langfristig besteht ein politisches Risiko wohl nur im Falle eines Einbruches in der

Wirtschaftsaktivität, welcher dann die sozialen Probleme weiter zuspitzt. Der Abbau der Armut in

den ländlichen Regionen gilt langfristig als entscheidend für den Machterhalt der KPC. Die

„Demokratisierung“ durch die Direktwahlen von Volksvertretern auf Kommunalebene zeigte bislang

wenig Auswirkung auf das Gesamtsystem. Auch haben sie nicht zu einer Stärkung der

Verantwortlichkeit der Verwaltung gegenüber der Bevölkerung beigetragen. Eine Gefährdung durch

politische Herausforderer scheint auf absehbare Zeit wenig realistisch.

In China ist auch eine zusehende Diversifikation der Macht feststellbar. Hatten frühere

Parteivorsitzende weitestgehende absolute Macht, so befindet sie sich jetzt in mehreren Händen.

Zudem gibt es einen Trend hin zu mehr Föderalismus, nachdem erkannt wurde, dass die

Zentralisierung der Kompetenzen bei der Zentralregierung zur Überforderung letzterer führte. Auf

lokaler Ebene werden auch zusehends lokale Eigeninteressen vertreten, wodurch sich eine höhere

Ressourceneffizienz ergibt. Dies gilt vor allem für die erfolgreichen Regionen an der Küste, während

die rückständigen Gebiete im chinesischen Hinterland zunehmend auf die Hilfe der Zentralregierung

angewiesen sind. Der Föderalismus ist durch Lippenbekenntnisse und Unterwürfigkeit gegenüber der

Zentralregierung gekennzeichnet, wobei die Umsetzung der Vorgaben weitgehend aufgrund von

Eigeninteressen auf lokaler Ebene geprägt ist. Den Provinzen kommt eine zunehmende Bedeutung

in der Umsetzung der “harmonischen Gesellschaft” zu, indem sie für einen Großteil der damit

verbundenen Ausgaben im Sozialbereich und der Gesundheit und Bildung verantwortlich sind. Um

diese Aufgaben zu schultern sind die Provinzen auf hohe Steuereinnahmen angewiesen. Gleichzeitig

haben Unternehmen das Recht „mit den Füßen“ über die jeweiligen lokalen Standortbedingungen

abzustimmen. Ein verschärfter Standortwettbewerb zwischen den einzelnen Provinzen hat wesentlich

zur erhöhten Effizienz der Lokalverwaltungen beigetragen.

Außenpolitik

Die chinesische Außenpolitik zielt nach wie vor auf Sicherung der chinesischen Interessen und

Großmachtambitionen unter der Doktrin des „Friedlichen Aufstiegs Chinas“. Durch diplomatische

Lösungen sollen Konflikte weitgehend vermieden werden. Um sich den Zugang zu Märkten und die für

China wichtigen Bodenschätze zu sichern, ist China an einer friedlichen wirtschaftlichen Integration

in die Weltwirtschaft interessiert. Im Hintergrund werden, soweit dies vertretbar ist, protektionistische

Maßnahmen für die eigene Wirtschaft getroffen und es findet eine starke militärische Aufrüstung

statt. Gegenüber Taiwan und dessen Unabhängigkeitsbestrebungen wird eine nationalistische

Rhetorik betrieben, die von Zeit zu Zeit durch heftiges Säbelrasseln unterstrichen wird. Hauptgegner

um die Vorherrschaft in asiatisch-pazifischen Raum sind dabei die USA und ihre Verbündeten in der

Region. Gleichzeitig ist China jedoch noch auf die USA als wichtigen Absatzmarkt angewiesen.

USA

China und die USA weisen eine sehr komplexe Beziehung auf, welche durch gegenseitige

Abhängigkeit in wirtschaftlichen und einigen politischen Bereichen (z.b.: Nordkorea) und

gegenseitiges Misstrauen andererseits gekennzeichnet ist. Trotz der wirtschaftlichen Öffnung Chinas

und dessen Integration in die Weltwirtschaft misstrauen in den USA viele politische Kreise den

politischen Ambitionen Chinas. Es besteht die Befürchtung, dass China eine Vorherrschaft im

asiatischen Raum aufbauen wolle. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist die Taiwanfrage.

Research Seite 49 13.02.2008


Taiwanesische Politiker hatten in der Vergangenheit unter dem vermeintlichen Schutz durch den

Verbündeten durch Unabhängigkeitsbestrebungen die Volksrepublik mehrmals provoziert. Mittlerweile

üben selbst die USA Druck auf ihren Verbündeten Taiwan aus sich in der Rhetorik zu mäßigen, da

sich die USA zunehmend bewusst sind, dass ein Konflikt mit China große Opfer erfordern würde. In

China wiederum wird der US-Außenpolitik häufig unterstellt, Chinas Einfluss begrenzen zu wollen

indem es schwach und geteilt bleibe. Trotz dieser Gegensätze ist eine zunehmende Kooperation in

vielen Fragen beobachtbar. Dies betrifft vor allem das nordkoreanische Atomprogramm und auch in

Fragen der chinesischen Wechselkurs- und Handelspolitik zeichnet sich eine zunehmende

Dialogbereitschaft der USA ab.

Japan

Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind nach wie vor durch die japanischen Kriegsgräuel in

China und die Besetzung des Landes zwischen 1931 und 1945 schwer belastet. Bislang wenige

Früchte zeigten die japanischen Investitionen in China und der verstärkte Handel zwischen beiden

Staaten. Nach wie vor werden die Beziehungen durch chinesische Reparationsforderungen und das

Nichteinstehen Japans für die Kriegsverbrechen belastet. Weitere Spannungspunkte sind die

japanischen Ambitionen als ständiges Mitglied in den UN-Sicherheitsrat aufgenommen zu werden und

die territorialen Ansprüche beider Länder im südchinesischen Meer, wo Öl- und Gasvorräte vermutet

werden. Japan ist besorgt über die militärische Aufrüstung Chinas, und China unterstellt Japan,

ähnlich wie den USA, China vom Aufstieg abhalten zu wollen.

Russland

Die Beziehungen zwischen China und Russland haben sich in den vergangenen Jahren nicht zuletzt

aufgrund der Expansion des nord-atlantischen Bündnisses und der amerikanischen Asienpolitik

wesentlich verbessert. Beide Länder sehen sich durch die USA und ihre Verbündeten zunehmend

eingekreist und isoliert. Gleichzeitig handelt es sich um ein Zweckbündnis, welches unter Abwesenheit

der äußeren Umstände rasch die Gegensätze zwischen beiden Ländern aufdecken würde. Russlands

Sorge galt lange der Unterwanderung Sibiriens durch chinesische Migranten und man unterstellte

China, sich dieses rohstoffreiche Territorium aneignen zu wollen. Auch gab es aus der Vergangenheit

bereits einen Konflikt über den gemeinsamen Grenzverlauf beider Staaten, der sogar in offenen

kriegerischen Handlungen mündete. Mit dem Widererstarken Russlands als außenpolitischer

Machtfaktor und dem Bewusstsein der technologischen Überlegenheit der russischen Streitkräfte

haben sich die Beziehungen in den letzten Jahren erheblich verbessert. Ein Freundschaftsvertrag im

Jahr 2001 und die Unterstützung des russischen WTO-Beitritts durch China haben die Beziehungen

weiter entspannt. Beide Länder sind Motor der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)

und es besteht mittlerweile eine strategische Zusammenarbeit, die zuletzt sogar in gemeinsamen

Militärmanövern mündete. Beide Länder sehen sich auch durch den militanten Islam bedroht. Für

Russland ist die Annäherung an China auch eine Möglichkeit, seine Abhängigkeit vom europäischen

Energieabsatzmarkt zu reduzieren.

Taiwan

China sieht Taiwan nach wie vor als “abtrünnige Provinz” und beansprucht Taiwan als Teil der

Volksrepublik China. Die Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans sind zuletzt jedoch deutlich

abgeflaut, nachdem taiwanesische Politiker zunehmend erkennen mussten, dass ihre Ambitionen

nicht durch ihren Verbündeten USA unterstützt würden. Auch zeigt sich, dass der Konflikt mit dem

Festlandchinesen die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans bremst.

Research Seite 50 13.02.2008


Indien

Auch die Beziehungen zu Indien sind durch starke Widersprüche gekennzeichnet. Zwischen China

und Indien gibt es nach wie vor einen Grenzstreit, welcher 1962 sogar zu kriegerischen Handlungen

führte. Indien ist die militärische Zusammenarbeit Chinas mit seinem Hauptrivalen Pakistan ein “Dorn

im Auge”. Für Irritationen sorgt auch die US-amerikanische Hilfe in der friedlichen Nutzbarmachung

der Atomenergie in Indien. China sah in der Zusammenarbeit einen weiteren Beweis für die

Eingrenzungspolitik der USA. Dies wird jedoch hauptsächlich den USA vorgeworfen. Jedoch haben

sich die Beziehungen in den letzten Jahren spürbar verbessert und im Januar 2008 konnte ein

Übereinkommen über eine tiefere wirtschaftliche Zusammenarbeit erzielt werden. Beide Länder

vorfolgen dabei ihre Eigeninteressen. China möchte seine Position als regionaler Machtfaktor und

verantwortliche Großmacht stärken und mehr Einfluss auf die Länder Myanmar (Burma), Bhutan und

Nepal ausüben. Indien verfolgt das Ziel die Zusammenarbeit Chinas und Pakistans zu unterminieren.

Aus pragmatischen Überlegungen beider Seiten heraus ist mit keinen akuten Spannungen zu

rechnen.

Südkorea

Die chinesisch-südkoreanischen Beziehungen werden nach wie vor durch den Kalten Krieg geprägt,

indem China im Koreakrieg an der Seite Nordkoreas kämpfte. Seit Aufnahme der diplomatischen

Beziehungen im Jahr 1992 hat sich das Klima jedoch wesentlich verbessert und beide Länder sehen

die verstärkte wirtschaftliche Kooperation als positiv.

6.7 Terrorismus und Sicherheit

Eine der größten Bedrohungen für den Frieden in China stellen soziale Unruhen dar. Einerseits sind

diese auf verarmte Bauern zurückzuführen, die besonders oft unter Behördenwillkür und

Zwangsumsiedlungen zu leiden haben und andererseits auf Arbeiter, welche durch die Reform der

staatlichen Kombinate ihre Stelle verloren haben. Letztere sind überwiegend im Nordosten des

Landes zu finden, der ein Zentrum der Schwerindustrie ist. In dieser Region sind auch die meisten

Ausstände zu verzeichnen. Die Machthaber waren im Jahr 2007 sehr über die großen Preisanstiege

bei Nahrungsmittel beunruhigt, da diese schon in der Vergangenheit die klassischen Auslöser für

Unruhen in diesen Regionen waren. Um die Lage zu beruhigen wurden im Januar 2008

Preisobergrenzen für bestimmte Lebensmittel und Energie festgesetzt.

Separistische, islamistische Gruppen befinden sich vor allem im Nordwesten des Landes. Die

Terrorgefahr gilt jedoch als gering.

6.8 Infrastruktur

Als relativ gut kann die chinesische Infrastruktur eingestuft werden. Trotz enormer Investitionen in

den vergangenen Jahren ist diese aufgrund des enormen Wirtschaftswachstums jedoch stets an ihrer

Kapazitätsgrenze. Die Qualität der Infrastruktur weist jedoch große regionale Unterschiede auf: Die

westlichen Provinzen gelten als unterentwickelt, während in vielen Küstenstädten und insbesondere in

Hongkong eine ausgezeichnete Infrastruktur vorzufinden ist. Die Häfen sind weitgehend gut

ausgebaut und am neuesten Stand, was sich in besonders niedrigen Transportkosten bemerkbar

macht. Die Eisenbahn gilt nach wie vor als das wichtigste chinesische Transportmittel. Allerdings ist

sie aufgrund der steigenden Pendleranzahl und der zu erbringenden Gütertransportleistung

(insbesondere Kohletransport aus den westlichen Provinzen) an ihr Limit gestoßen. Ein groß

Research Seite 51 13.02.2008


angelegtes Investitionsprogramm, mit Fokus auf die westlichen Provinzen, soll in den nächsten

Jahren weitere Kapazitäten schaffen. Chinesische Großstädte gelten bereits jetzt durch den

Straßenverkehr als chronisch verstopft. Im Januar 2005 wurde ein 2000 Mrd. Yuan

Investitionsprogramm verabschiedet, welches das derzeitige Schnellstraßen- und Autobahnnetz bis

2030 von derzeit 30,000 km auf 85,000 km ausbauen soll. Das Telekommunikationsnetz des Landes

ist in den Küstenregionen bereits sehr gut ausgebaut. Im Hinterland gilt es aber als veraltet.

Research Seite 52 13.02.2008


7. Bonität: Ratings und Risikoeinschätzung

China 2007M7 2007M8 2007M9 2007M10 2007M11 2007M12

Sovereign rating, foreign currency, Standard & Poor's A A A A A A

Sovereign rating, foreign currency, Moody's A2 A1 A1 A1 A1 A1

Sovereign rating, foreign currency, Global Insight BBB+ A- A- A- A- A-

Sovereign rating, foreign currency, Fitch Ratings A A A A A+ A+

Sovereign rating, foreign currency, consensus

Quelle: Global Insight

A A A A A A

Fitch erhöhte am 6. November 2007 sein Fremdwährungs-Staatenrating aufgrund verbesserter

fiskalischer Rahmenbedingungen und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, dass der Staat den

Großbanken unter die Arme greifen muss, um einen Notch von A auf A+ und das Lokalwährungsrating

entsprechend von A+ auf AA-. Der Ausblick für beide Ratings ist “stabil”. Die stetige Verbesserung in

den öffentlichen Finanzen und in der Außenposition eröffnet der Regierung die notwendige Flexibilität

für eine etwaige Unterstützung des Bankensektors. (Notenschlüssel siehe Anhang)

Um die starke externe Zahlungsbilanzposition Chinas zu reflektieren, hat Moody's Investors Service

am 26. Juli 2007 sein langfristiges Fremdwährungsanleihenrating um einen Notch von A2 auf A1

angehoben. Moody’s hob auch den Trend in der Staatsverschuldung und den Fortschritt bei

wirtschaftlichen Reformen positiv hervor. Gleichzeitig wurde auch das Rating von Hongkong und

Macau angehoben. Der Ausblick wurde mit “stabil” festgesetzt. Laut Moody’s wird China durch seine

gute Zahlungsbilanzposition von externen Schocks abgeschirmt und die Regierung ist in der Lage,

größere und tiefere Strukturreformen durchzuführen. Trotz der Aufwertung des Yuan ist der

Exportsektor nach wie vor stark. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO und hohe

Direktinvestitionszuflüsse hätten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöht und es zum drittgrößten

Exporteur der Welt gemacht. Der Country Ceiling für Fremdwährungs- als auch

Lokalwährungseinlagen bzw. Anleihen wurde ebenfalls von A2 auf A1 angehoben. Der Ausblick wurde

mit „stabil“ festgesetzt. Auch wurden substantielle Fortschritte bei der inneren Finanzstärke und der

Aufsicht über die großen staatlichen Geschäftsbanken erzielt.

S&P hat am 26. Juli 2007 sein Fremdwährungs-Staatenrating für China von A bestätigt, den Ausblick

jedoch von „neutral“ auf „positiv“ angehoben. Das bisherige Rating bestand seit 27. Juli 2006. Die

Anhebung wurde mit der starken Vermögensposition des Landes gegenüber dem Ausland, dem

Wachstumspotential, und dem verbesserten fiskalischen Rahmen begründet.

20

18

16

14

12

10

8

6

4

2

0

1993

1994

Sovereign rating, foreign currency, Standard & Poor's

Sovereign rating, foreign currency, Moody's

Sovereign rating, foreign currency, Global Insight

Sovereign rating, foreign currency, Fitch Ratings

Sovereign rating, foreign currency, consensus

1995

1996

Quelle: Global Insight

1997

1998

1999

2000

Research Seite 53 13.02.2008

2001

S&P New Fitch New Moodys New

AAA 22 AAA 22 Aaa 22

AA+ 21 AA+ 21 Aa1 21

AA 20 AA 20 Aa2 20

AA- 19 AA- 19 Aa3 19

A+ 18 A+ 18 A1 18

A 17 A 17 A2 17

A- 16 A- 16 A3 16

BBB+ 15 BBB+ 15 Baa1 15

BBB 14 BBB 14 Baa2 14

BBB- 13 BBB- 13 Baa3 13

BB+ 12 BB+ 12 Ba1 12

BB 11 BB 11 Ba2 11

BB- 10 BB- 10 Ba3 10

B+ 9 B+ 9 B1 9

B 8 B 8 B2 8

B- 7 B- 7 B3 7

CCC+ 6 CCC+ 6 Caa1 6

CCC 5 CCC 5 Caa2 5

CCC- 4 CCC- 4 Caa3 4

CC 3 CC 3 Ca 3

C 2 C 2 C 2

D 1 DDD 1 D 1

SD NA DD 1

D 1

2002

2003

2004

2005

2006

2007


8. Externe Faktoren – Weltkonjunktur & Ölpreis

In den USA zeichnet sich im Jahr 2008 eine spürbare Abschwächung der Konjunktur ab. Da diese

nach wie vor einen wichtigen Absatzmarkt für China darstellen, ist mit einem negativen Effekt auf den

chinesischen Exportsektor zu rechnen. Eine Verlangsamung der US-Konjunktur hat voraussichtlich

jedoch einen dämpfenden Effekt auf die Rohstoffpreise, wovon China profitieren könnte.

Auch in Japan ist mit einem Rückgang der Wirtschaftsdynamik zu rechnen. In den vergangenen

Monaten wurden bereits die BIP-Prognosen für 2008 durch die BOJ und die japanische Regierung

drastisch zurückgenommen. Insbesondere der japanische Binnenkonsum und die Bauwirtschaft

schwächeln. Da das Wirtschaftswachstum derzeit stark vom Export getragen wird und sich die

Weltkonjunktur abschwächen dürfte ist mit einer stärkeren chinesisch-japanischen Rivalität bei den

Exporten zu rechnen.

Die Eurozone hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Exportmarkt Chinas entwickelt.

Bislang entwickelte sich diese sehr robust. Allerdings zeigen einige Immobilienmärkte in Europa

deutliche Einbrüche, was sich negativ auf den Konsum auswirken dürfte. Auch ist Europa stärker von

der Kreditkrise betroffen. Aufgrund der ebenfalls hohen Exportabhängigkeit des europäischen

Wachstums und der derzeitigen Eurostärke könnte sich der Druck von Seiten der Europäer auf China

im Hinblick auf den Wechselkurs des Yuan erhöhen, was sich dämpfend auf die Exportchancen

Chinas auswirken könnte.

Die Ölpreise verharrten im Herbst und in den Wintermonaten 2007/08 entgegen dem saisonalen

Trend auf hohem Niveau. Der Ölpreis für leichtes US-Öl der Sorte WTI belief sich im

Jahresdurchschnitt 2007 auf USD 72,34/Fass. Unsere Ölpreisprognose wurde damit deutlich

überschritten. Im 2. Halbjahr 2007 wurde der Ölpreis hauptsächlich spekulativ getrieben. Die

zunehmende Rolle von Rohstoffen als alternative Investments verstärkte den Aufwärtstrend ebenso

wie der Verfall des Dollars. Aufgrund stark gestiegener Inputpreise, Materialknappheiten und

technischer Probleme verzögerte sich die Inbetriebnahme einiger wichtiger Ölfelder, was sich

preistreibend auf den Ölpreis auswirkte.

Ergebnisse aus Ölmarktanalyse Mai 2007

Nachdem wir in unseren beiden letzten Analysen zum Ölpreis noch keine große Angebotsreaktion

auf die höheren Ölpreise erkennen konnten, zeichnet sich nun eine starke Ausweitung der

Kapazitäten in den nächsten Jahren ab. Ölfirmen scheinen ihre Rentabilitätserwartung in den

vergangenen Monaten weiter angehoben zu haben und dementsprechend wurden einige Projekte

zusätzlich in Angriff genommen. Zahlreiche Projekte sind dadurch zusätzlich in die Planungsphase

eingetreten und könnten möglicherweise im Zeitraum 2007-2012 für zusätzliches Angebot sorgen.

Wesentliche Unsicherheitselemente sind die zukünftige OPEC-Politik, wetter- und technisch

bedingte Verzögerungen bei der Installation neuer Anlagen, Investitionsstopps der Ölfirmen aufgrund

steigender Kosten (Material, Personal, Lizenzkosten,….), verstärkte Investitionen in politisch instabile

Regionen, geopolitischen Spannungen (Terrorismus, islamischer Fundamentalismus, Nahostkrise),

Naturkatastrophen, knappe Raffineriekapazitäten, insbesondere in den USA, weitere Verschärfungen

bei den Emissionsstandards.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die angekündigten Projekte nicht in vollem

Umfang umgesetzt werden können. Dies betrifft vor allem die jüngst verlautbarten Planungen der

OPEC und Projekte, die sich noch in der Frühphase befinden.

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012

Rohölpreis WTI (Jahresdurchschnitt)

[$/Fass]

56,64 66,05 63,55 60,13 58,17 60,66 66,35 86,24

Änderung zu Vorjahr 16,61% -3,79% -5,38% -3,26% 4,28% 9,37% 29,99%

Research Seite 54 13.02.2008


Trotz der revidierten Daten können wir jedoch noch keine grundsätzliche Trendwende am Ölmarkt

erkennen. Zwar sollte sich der Ölpreis in den nächsten Jahren zurückbilden, jedoch besteht langfristig

weiterhin die Gefahr wieder steigender Preise für den Fall, dass die erforderlichen Investitionen in die

Ölwirtschaft nicht getätigt werden. Ein „Schweinezyklus“, d.h. Überinvestitionen aufgrund des

angestiegenen Ölpreises, die später zu einer deutlichen Preiskorrektur nach unten führen, zeichnet

sich bislang noch nicht ab. Insbesondere ab dem Jahr 2011 ist die Preisprognose sehr unsicher.

9. Quellen

BP Statistical Review 2007

CIA Worldfactbook

Global Insight

International Energy Agency Oil Market Report, Dezember 2007

IMF Working Paper (WP/07/266) China’s Changing Trade Elasticities, Jahangir Aziz, Xiangming Li,

November 2007

IMF Working Paper (WP/07/214) The Shifting Structure of China’s Trade and Production, Li Cui and

Murtaza Syed

Reuters

U.S. Energieministerium

World Bank China Research Paper No. 8: Raw material prices, wages, and profitability in China’s

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Kim, Louis Kuijs, Oktober 2007

World Bank China Research Paper No. 7, REBALANCING CHINA’S ECONOMY—MODELING A

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World Bank Doing Business 2008

Research Seite 55 13.02.2008


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Research Seite 56 13.02.2008

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