Förderung 2010 - VolkswagenStiftung : Seite nicht gefunden

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Förderung 2010 - VolkswagenStiftung : Seite nicht gefunden

Jahresbericht 2010

Wir stiften Wissen


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Inhalt

Vorwort

Die Stiftung und ihr Profil

Die Förderung – Grundlagen, Arbeitsweise und Qualitätssicherung

Förderung 2010

Personen und Strukturen

Internationales

Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Offen – für Außergewöhnliches

Niedersächsisches Vorab

Förderstatistik 2010

Managementprozesse

Wirtschaftsbericht 2010

Kuratorium und Mitarbeiter der Geschäftsstelle

Kuratorium

Mitarbeiter der Geschäftsstelle

Rechtsgrundlagen

Die Förderinitiativen


Förderangebot *)

● • • • • • • • ● • • •

Personen und Strukturen

Lichtenberg-Professuren

Herausforderungen –

für Wissenschaft und Gesellschaft

Integration molekularer Komponenten in

Schumpeter-Fellowships für den Hochschullehrer-

und Führungsnachwuchs in den Wirt-

funktionale makroskopische Systeme

schafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften

Pro Geisteswissenschaften

Neue konzeptionelle Ansätze zur Modellierung

und Simulation komplexer Systeme

– Dilthey-Fellowships

– Opus magnum

Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern:

Peter Paul Ewald-Fellowships am LCLS in Stanford

Hochschule der Zukunft

Evolutionsbiologie

– Bologna – Zukunft der Lehre

Forschung in Museen

Symposien und Sommerschulen

• ● • • • •

Internationales

Fellowships an amerikanischen Universitäten

für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden

aus den Geisteswissenschaften

– Humanities Center der Harvard University

– Washington University, St. Louis

Wissen für morgen – Kooperative

Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika

Zwischen Europa und Orient – Mittelasien /

Kaukasus im Fokus der Wissenschaft

Europe and Global Challenges

Dokumentation bedrohter Sprachen

European Platform for Life Sciences,

Mind Sciences, and the Humanities

Schlüsselthemen für Wissenschaft und

Gesellschaft – Integrative Projekte aus den

Kultur- und Gesellschaftswissenschaften

Deutsch plus – Wissenschaft ist mehrsprachig

• • • ● • •

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

• • • • ● •

Offen – für Außergewöhnliches

Außergewöhnliches

Stand: Juni 2011

*) Die Ansprechpartner zu den einzelnen Förderinitiativen

siehe hintere Umschlagseite.


Wir stiften Wissen


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Vorwort

Lutz Stratmann, Vorsitzender des Kura to -

riums, und Wilhelm Krull, General sekre tär

der VolkswagenStiftung

Liebe Leserinnen und Leser,

inzwischen, mitten im Jahr 2011 angekommen, befindet sich die Stiftung mit

Erscheinen dieses Berichts auch im übertragenen Sinne „mittendrin“. Einerseits

mit gleichsam abschließendem Blick Rückschau haltend auf das Jahr

2010, andererseits aber richtet sie vielleicht mehr noch – und mehr denn je –

erwartungsvoll und gespannt den Blick nach vorn. Nach vorn, das heißt ins

Jahr 2012, das für die VolkswagenStiftung ein besonderes werden wird und

sein soll. Denn im Jahr 2012 begeht die Stiftung ihr 50. Jubiläum. Fünf Jahrzehnte

erfolgreiche Stiftungsarbeit liegen dann hinter ihr. Sie hat sich in dieser

Zeit stark gemacht für die nationale wie internationale, im umfassenden

Sinn grenzüberschreitende Wissenschaftsförderung, im Weiteren aber gleichermaßen

Spuren hinterlassen in der deutschen Wissenschaftslandschaft

und bei der Ausgestaltung des europäischen Stiftungswesens.

Vielleicht zeigt den Bogen über die fünf Jahrzehnte im Großen wie im Kleinen

umspannend gerade auch das zurückliegende Jahr 2010, welches Selbstverständnis

die VolkswagenStiftung im Kern vor allem hat: Sie versteht sich als

konsequent lernende, sich stets neu denkende Organisation. So hat die Stiftung

Ende 2010 nach intensiver Analyse einerseits ihre Förderung intern neu organisiert

und die drei Bereiche „Personen und Strukturen“, „Internationales“ sowie

„Heraus for derungen – für Wissenschaft und Gesellschaft“ als ihre Kernakti vi -

täten identifiziert. Mehr Fokussierung, mehr Klarheit, mehr Sichtbarkeit in

der Stiftungs- und Wissenschaftslandschaft sowie Schärfung des Profils ihrer

Forschungsförderung – das sind die damit verbundenen Ziele. Der Aufbau dieses

Jahresberichts folgt in seinem Hauptteil der neuen Organisationsstruktur

der Förderung.

Wie sehr die VolkswagenStiftung sich als permanent lernende Organisation

versteht, wird aber vor allem an einem anderen „Schwerpunktthema“ in 2010

sichtbar. So hat die Stiftung erneut ihre Qualitätssicherung geschärft und das

erst in jüngster Zeit eingeführte Instrument externer Evaluationen noch einmal

stark geweitet. Denn lag bis dato das Augenmerk vor allem auf der Evaluation

einzelner Förderinitiativen und erfasste deren Verlaufsgeschichte –

von der Einrichtung über die Phase der Betreuung und des Monitorings bis

hin zu deren Beendigung –, so umschließt das erweiterte Verständnis bestmöglicher

Qualitätssicherung nun auch die Evaluation ganzer Förderbereiche

wie jüngst das personenbezogene und das auslandsorientierte Engagement.

Und so steht mithin die Evaluation der gesamten Tätigkeit der Stiftung auf

der Agenda. Die Ergebnisse dieses Prozesses sollen Ende 2011 vorliegen.


Ist die Stiftung dadurch schon eine lernende Institution? Der Nutzen der systematischen

Qualitätssicherung durch Evaluation zeigt sich vor allem zweifach.

Zum einen lässt er sich aus den Ergebnissen und Empfehlungen ableiten. So

geben die Evaluatoren konkrete Handlungsoptionen: etwa für die Ausrichtung

einer Förderinitiative, für Antrags- und Begutachtungsprozesse, die Förderinstrumente,

aber auch die strategische Positionierung des Förderportfolios

– bis hin zur Themenfindung. Zum anderen lässt sich aus dem jeweiligen

Evaluationsprozess ein direkter Nutzen für die Stiftung selbst ableiten. So fordern

etwa die stiftungsinterne Erörterung der spezifischen Kriterien und

Rahmenbedingungen einer Evaluation ebenso wie die kritische Reflexion bei

der Erstellung interner Berichte und Stellungnahmen oder nicht zuletzt die

Diskussionen der Stiftungsmitarbeiter mit dem Evaluationspanel „die Stiftung“

als lernende Organisation heraus – und das bedeutet vor allem: den

Einzelnen als unmittelbar Lernenden. Damit ist letztlich der konstruktive

Umgang mit kritischen Urteilen externer Experten ein Lernprozess, der den

selbstkritischen Blick der Stiftung geschärft hat und weiterhin schärfen wird.

Im Jahr 2012 also hält die VolkswagenStiftung nach einer umfassenden Evaluation

ihrer Tätigkeit Rückschau auf fünfzig Jahre nachhaltiges Engagement

– und blickt dabei zugleich weiter voraus. Denn so wie aus Vergangenheit

Zukunft wird, muss gleichsam gelten, im Ausblick auf die Zeit nach dem Jubiläumsjahr

bereits jetzt die aktuelle Position in der Wissenschafts- ebenso wie

in der Stiftungs- und Förderlandschaft kontinuierlich zu überdenken, das heißt

Optionen für die weitere Ausgestaltung des Förderprofils zu entwickeln, die

Weichen für die nächsten Jahre zu stellen, kurz: Perspektiven für den weiteren

Verlauf dieses Jahrzehnts zu erarbeiten.

Dieses Verständnis zum einen, aktuelle Ergebnisse aus den Evaluationen zum

anderen haben inzwischen dazu geführt, dass die Stiftung im Frühjahr 2011

Veränderungen an ihrem Förderportfolio vorgenommen hat. So hat sie mit

letztem Stichtag in der ersten Jahreshälfte die Initiative Evolutionsbiologie –

mit ihrem Fokus zuletzt auf der Postdoktorandenförderung – sowie die Fellowships

„Computational Sciences“ beendet und gleichermaßen beschlossen, in

Kürze ein umfassendes Postdoktoranden-Fellowship-Programm aufzulegen,

das allen wissenschaftlichen Fächern offensteht. Bereits Ende 2010 auf den

Weg gebracht wurde mit den Peter Paul Ewald-Fellowships eine spezielle

Initiative, die explizit auf Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern zielt.

Zum Schluss sei gesagt: Wir freuen uns sehr auf das Jubiläumsjahr, werden es

feiern – gemeinsam mit unseren Unterstützern wie den Gutachtern, Evaluatoren

und anderen Ratgebern, denen allesamt unser Dank gilt, gemeinsam

mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland,

mit Mitarbeitern und Freunden der Stiftung. Zahlreiche Aktivitäten sind

geplant. Und für die Zeit danach haben wir ein großes Ziel vor Augen: Wir

wollen die nächsten fünfzig Jahre so viel bewegen wie bisher – mindestens!

Lutz Stratmann Wilhelm Krull

Jahresbericht 2010 Vorwort 5


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Die Stiftung und ihr Profil

Wir stiften Wissen

Rund 3,8 Milliarden Euro für über 29.600 Forschungsprojekte

hat die VolkswagenStiftung in

den inzwischen 49 Jahren ihres Bestehens bewilligt

– und sich damit einen festen Platz in der

nationalen wie internationalen Förderlandschaft

erworben. Als eine der größten Stiftungen hierzulande

und einer der leistungsstärksten privaten

Wissenschaftsförderer in Europa hat sie sich stets

als verlässlicher Partner der Wissenschaft gezeigt.

Von ihrem Sitz aus – einer kleinen, von Kastanien

umsäumten Allee in einem südlichen Stadtteil

Hannovers – hat die VolkswagenStiftung häufig

landesweit und über die Grenzen hinaus eine Vorreiterrolle

gespielt, wenn es um neue Förderangebote

ging. Flexibel und vielseitig fördern, Risiken

in Kauf nehmen, Grenzen überschreiten: Unter

diesen Prämissen wird die Stiftung auch weiterhin

Impulse setzen und ihrem Stiftungszweck –

„Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre

zu fördern“ – nachkommen. Sie ist dabei autonom

und unabhängig in ihren Entscheidungen:

Ein Kapital von derzeit etwa 2,4 Milliarden Euro

bildet dabei die starke Basis für eine nachhaltige

Wissenschaftsförderung.

Die VolkswagenStiftung fördert im Wesentlichen

die Grundlagenforschung. Sie ist offen für alle Wissenschaftsbereiche:

von den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

über die Ingenieur-, Naturund

Biowissenschaften bis hin zur Medizin. Der

Stiftung steht es frei, nach eigener Gewichtung

zu fördern, was sie für relevant und wen sie für

geeignet hält. Dies jedoch immer innerhalb der

Bestimmungen ihrer Satzung: So vergibt sie ihre

Mittel – für wissenschaftliches und sonstiges Personal,

für einmalige und laufende Sachkosten, für

Reisekosten und Gebäude, für Geräte und Literatur

– nur an wissenschaftliche Einrichtungen. Sie

fördert ausschließlich zweckgebunden und hat

darauf zu achten, dass die Mittel zusätzlich verwendet

werden, also nicht den Grundetat einer

Institution entlasten.

Die Gestaltung des Förderangebots orientiert sich

nicht ausschließlich an den seitens der Scientific

Community geäußerten Bedürfnissen. Das Förderkonzept

spiegelt vielmehr die Verpflichtung, berechtigte

Interessen und Erwartungen angemessen zu

berücksichtigen, die von außen an die Wissenschaft

herangetragen werden. Zunehmend schenkt die

Stiftung jenen Problembereichen Beachtung, in

denen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit Recht

von der Wissenschaft Unterstützung erwarten.

Zentrales Anliegen ist es, immer wieder Fördermöglichkeiten

in neuen Wissenschaftsgebieten

zu eröffnen und neue Förderinstrumente zu entwickeln.

Dabei gilt im Hinblick auf die Gesamtheit der von

der Stiftung angebotenen Fördermöglichkeiten,

dass es für die einzelnen Initiativen in der Regel

keine Budgetierung gibt: Jeder Bewerber, jede Be -

werberin steht folglich im Wettbewerb mit allen

anderen Antragstellern. Das fordert wissenschaftliche

Kompetenz und fördert diese zugleich.

Das Förderangebot

Zwanzig Förderinitiativen bilden derzeit das Förderportfolio

der VolkswagenStiftung. Gruppiert

sind die Initiativen nach der primär verfolgten

Intention: Sie sind etwa struktur- und personenbezogen,

vorrangig auslandsorientiert oder auch


30. November 2010: Der Schauspieler Ulrich Tukur und der Gene -

ralsekretär der VolkswagenStiftung Dr. Wilhelm Krull erhalten

im Galeriegebäude Herrenhausen den Niedersäch sischen Staats -

preis aus den Händen von Ministerpräsident David McAllister.

Krull wird für seine Verdienste um die Wissen schaftsförderung,

die deutsche Wissenschaftslandschaft und das europäische Stif -

tungswesen ebenso ausgezeichnet wie für sein ehrenamtliches

Wirken – hier gilt der Dank vor allem seinem Einsatz für das niedersächsische

Musikleben und das bürgerschaftliche Engagement.

themenspezifisch ausgerichtet. Daraus ergeben

sich die übergeordneten Förderbereiche, in denen

die Stiftung zurzeit mit ihren Initiativen nachhaltig

Akzente setzt. Eine Übersicht des gesamten

Förderangebots finden Sie auf der vorderen inneren

Umschlagseite.

Die Förderbereiche bilden ein Netz, das in seiner

Flexibilität den unterschiedlichen Herausforderungen,

denen sich die VolkswagenStiftung als

Wissenschaftsförderer gegenübersieht, gerecht

wird. Es bietet auch bei begrenzten Mitteln gute

Chancen, herausragende und zukunftweisende

Vorhaben „einzufangen“: von den Geistes- und

Gesellschaftswissenschaften über die Natur- und

Ingenieurwissenschaften bis hin zur Medizin.

Die Rubrik „Offen – für Außergewöhnliches“ er -

möglicht es insbesondere, auch hochkarätige Vorhaben

zu unterstützen, für die es bei der Stiftung

derzeit kein entsprechendes Angebot im Rahmen

einer definierten Förderinitiative gibt. Das „Niedersächsische

Vorab“ wiederum umfasst jene

Erträge der VolkswagenStiftung, die ausschließlich

der Forschungsförderung in Niedersachsen

zugutekommen.

Die derzeit laufenden Initiativen finden Sie mit

jeweils beispielhaften Bewilligungen ab Seite 19

ausführlich beschrieben. Die Förderbereiche sind

zu Beginn eines Kapitels kurz skizziert. Informationen

zu allen in einer Förderinitiative bewilligten

Vorhaben sind darüber hinaus abrufbar unter

www.volkswagenstiftung.de.

Mit der Kernaufgabe der Stiftung, der Wissenschaftsförderung,

befasst sich zudem das nach -

folgende Kapitel „Die Förderung – Grundlagen,

Arbeitsweise und Qualitätssicherung“.

Gründung und Beginn

Seit nunmehr nahezu fünf Jahrzehnten engagiert

sich die VolkswagenStiftung in der Wissenschaftsförderung.

Sie wurde im Jahre 1961 von der Bundesrepublik

Deutschland und dem Land Niedersachsen

als eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts

gegründet und nahm 1962 ihre Arbeit auf. Sie ist

keine Unternehmensstiftung, wie aufgrund ihres

Namens gelegentlich vermutet wird. Gründung,

Name und Zweck der Stiftung sind vor dem Hintergrund

der besonderen Bedingungen der deutschen

Nachkriegszeit zu sehen. In einem Staatsvertrag

zwischen dem Land Niedersachsen und

der Bundesrepublik Deutschland vom November

1959 wurden die Auseinandersetzungen um die

nach 1945 ungeklärten Eigentumsverhältnisse am

Volkswagenwerk beendet: Man beschloss, eine

wissenschaftsfördernde Stiftung zu errichten.

Nach diesem Vertrag wurde die damalige Volkswagenwerk

GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

60 Prozent des Aktienkapitals wurden

durch Ausgabe sogenannter Volksaktien in Privateigentum

überführt, je 20 Prozent erhielten die

Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen.

Der Erlös aus der Privatisierung und

die Gewinnansprüche auf die dem Bund und dem

Land verbliebenen Anteile des Aktienkapitals

wurden als Vermögen der neu gegründeten „Stiftung

Volkswagenwerk“, wie sie bis 1989 hieß,

übertragen. Dahinter stand die Idee, in der noch

jungen Bundesrepublik Deutschland eine unabhängige

und starke Institution zur Förderung

von Wissenschaft und Technik zu etablieren. Der

finanzielle Spielraum, den die Stiftung hat Impulse

zu setzen, ist substanziell. Jährlich schüttet sie

rund 100 Millionen Euro an Fördermitteln aus.

Jahresbericht 2010 Die Stiftung und ihr Profil 7


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Organisationsaufbau

und Struktur

Den Vorstand der Stiftung bildet ein Kuratorium

bestehend aus 14 Mitgliedern (vgl. Seite 118), von

denen je sieben von der Bundesregierung und

der Niedersächsischen Landesregierung für eine

Amtszeit von bis zu zwei Mal fünf Jahren berufen

werden. Die Kuratoren entscheiden selbstverantwortlich

und frei von Weisungen; sie sind während

ihrer Amtszeit nicht abberufbar. Für den Vorsitz

beruft die Niedersächsische Landesregierung,

für den stellvertretenden Vorsitz die Bundesregierung

ein Mitglied des Kuratoriums. Ein weiteres

Mitglied für den stellvertretenden Vorsitz wählt

das Gremium aus seiner Mitte.

Vorsitzender des Kuratoriums ist Lutz Stratmann,

bis 2010 Niedersächsischer Minister für Wissenschaft

und Kultur; stellvertretende Vorsitzende sind

die Bundesministerin für Bildung und Forschung,

Professorin Dr. Annette Schavan, und Professor Dr.

Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung

in Frankfurt am Main. Das Kuratorium

verwaltet als Vorstand die Stiftung und beschließt

über die Vergabe der Fördermittel. Um über Anträge

zu entscheiden, kommt es normalerweise drei

Mal jährlich zusammen; darüber hinaus gibt es

zwischen den Sitzungen ein schriftliches Verfahren.

Das Kuratorium stellt den jährlichen Wirtschaftsplan

sowie die Jahresrechnung auf, veröffentlicht

den Jahresbericht über die Tätigkeit der

Stiftung und bestellt den Generalsekretär.

Die Geschäftsführung der Stiftung liegt in Händen

des vom Kuratorium bestellten Generalsekretärs

Dr. Wilhelm Krull. Er entscheidet innerhalb eines

finanziell definierten Rahmens über Anträge, die

keine grundsätzlichen Fragen aufwerfen.

Die derzeit über 90 Mitarbeiterinnen und Mit -

arbeiter der VolkswagenStiftung bereiten die

Beschlüsse des Kuratoriums vor und führen sie aus:

So werden Förderinitiativen entwickelt, betreut

und evaluiert, Förderanträge bearbeitet, Antrag-

steller informiert und beraten, bewilligte Vorhaben

über die gesamte Zeit begleitet. Desgleichen

sind die Fördermittel zu bewirtschaften, und es

wird deren bestimmungsgemäße Verwendung

geprüft. Eine weitere zentrale Aufgabe ist die

Verwaltung und Anlage des Stiftungsvermögens.

Wissenschaft und Öffentlichkeit

Mit ihren Veröffentlichungen und ihrer Öffentlichkeitsarbeit

möchte die Stiftung ein umfassendes

Bild ihrer Tätigkeit und der Fördermöglichkeiten

vermitteln – nicht nur der Wissenschaft, sondern

auch Interessierten in Politik oder Wirtschaft

sowie der breiten Öffentlichkeit. Zugleich soll auf

diesem Weg ein Beitrag dazu geleistet werden,

dass wissenschaftlich komplexe Themen öffentlich

diskutiert werden. Ein weiteres Ziel ist es, Verständnis

und Aufgeschlossenheit in der Gesellschaft

für Wissenschaft und Technik zu wecken

und zu stärken.

• Unter www.volkswagenstiftung.de findet sich

beispielsweise eine aktuelle Übersicht der laufenden

Förderinitiativen, eine Liste der jeweiligen

Bewilligungen einschließlich einer Projektbeschreibung

– oder man findet zu allem den

richtigen Ansprechpartner. Vielfältig sind auch

die Angebote für die Medien; allgemeinverständlich

werden hier zum Beispiel ausgewählte ge -

förderte Vorhaben oder die Arbeit der Stiftung

vorgestellt. Es finden sich gleichermaßen Informationen

über die Vermögensanlage oder den

Begutachtungsprozess sowie die Rubriken Aktuelles

und Terminhinweise für den eiligen Nutzer.

• Dort findet sich auch ein neues Projekt, das die

Stiftung zur Förderung der Wissenschaftskommunikation

gestartet hat: „sciencemovies.de“.

Das Format präsentiert Kurzfilme aus dem Forscheralltag.

Wissenschaftler aus acht geförderten

Vorhaben begleiten selbst ihre Arbeit mit der

Kamera – im Labor, im Goldbergwerk oder auch

in der Südsee. Das Ergebnis: einzigartige Bilder

und Eindrücke.


• Auch über eine Vielzahl eigener Veranstaltungen

fördert die VolkswagenStiftung inzwischen spürbar

den Transfer wissenschaftlicher Inhalte in

die Gesellschaft. Ob Herrenhäuser Gespräche

und Konferenzen oder singuläre Events wie der

Zukunftskongress „Our Common Future“: Jedes

Format lockte und lockt viele Interessierte – den

fachkundigen Wissenschaftler ebenso wie den

interessierten Bürger. So setzt die Stiftung aktuell

ganz neue Akzente, die nicht zuletzt im Kontext

stehen mit dem von ihr betriebenen Wiederaufbau

von Schloss Herrenhausen, das als wis senschaftliches

Tagungszentrum konzipiert wird.

• Von der Vielzahl der Publikationen der Stiftung

liegt die umfassendste vor Ihnen: der Jahresbericht.

Er erscheint in der Jahresmitte zur Sommersitzung

des Kuratoriums und enthält alle

wichtigen Informationen über die Stiftung und

ihre Aktivitäten im Berichtsjahr, darunter auch

die Förderstatistik und den Wirtschaftsbericht.

• Jeweils am Beginn eines Kalenderjahres veranschaulicht

die Broschüre Impulse für die Wissenschaft

anhand ausgewählter Beispiele die große

Bandbreite geförderter Initiativen. Beiträge über

interessante Forschungsvorhaben bieten einen

Querschnitt durch das Engagement der VolkswagenStiftung.

Diese Publikation soll vor allem

die Fördertätigkeit schlaglichtartig beleuchten.

• Für ausländische Wissenschaftler und Institutionen

erscheint im Zwei-Jahres-Rhythmus eine

englischsprachige Informationsbroschüre. Crossing

borders gibt einen Überblick über Fördergrundlagen,

-mög lichkeiten und -initiativen und

greift beispielhaft einzelne interessante Förderungen,

vorwiegend mit Auslandsbezug, auf.

• Für den eiligen Leser sind Faltblätter mit knapper

gehaltenen Informationen erhältlich: die

Kurzinformationen, die Hinweise für die Begutachtung

– beides in deutscher und englischer

Sprache – sowie ein Folder über die Möglichkeit

von Zustiftungen. Zu fast allen Förderinitiativen

liegen auch englischsprachige Fassungen der

Merkblätter zur Antragstellung vor. Nicht zuletzt

gibt es die wichtigsten Informationen auch für

die „Westentasche“; ein englischsprachiges „in

brief“ porträtiert die Stiftung in aller Kürze.

• Des Weiteren informieren Broschüren speziell

über einzelne Förderinitiativen: etwa über die

„Dokumentation bedrohter Sprachen“, die Initiative

„Pro Geisteswissenschaften“, das „Niedersächsische

Vorab“ – oder die personenbezogene

Förderung. Pünktlich zum Darwinjahr 2009 ist

ein Sonderheft zur Initiative „Evolutionsbiologie“

erschienen – in Kooperation mit dem renommierten

Magazin „Bild der Wissenschaft“.

• Zur Ansprache spezifischer Zielgruppen gibt es

als ergänzendes Format die Plakatfolder – von

einer Seite als Plakat, von der anderen als Informationsfolder

verwendbar. Die Folder vereinen

grundsätzliche Informationen über die Stiftung

und das Förderangebot mit – sofern es in der

jeweiligen Initiative schon laufende Vorhaben

gibt – der Vorstellung von Geförderten. Die Konzeption

des Folders zielt vor allem auf jüngere

Personen aus Wissenschaft und Praxis.

• Die Grenzen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

weiter öffnen: Forscher wie gleichermaßen

Wissenschaftsförderer müssen sich heute

stärker als je zuvor gegenüber der allgemeinen

Öffentlichkeit legitimieren und entsprechend

geeignete Dialogformen suchen beziehungsweise

fördern. Neue Möglichkeiten für diesen

Dialog bietet inzwischen auch die Initiative

„Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft“.

Hier von der Stiftung geförderte „Grenzüberschreitungen“,

etwa im Zuge von Ideenwettbewerben,

haben nachdrücklich gezeigt, welch

neue Kommunikationswege sich aus der Wissenschaft

heraus beschreiten lassen.

Informationen zu weiteren Publikationen sowie

bibliografische Angaben finden sich darüber

hinaus auf der Website der Stiftung, die auch eine

Gesamtübersicht aller im Berichtsjahr 2010 ausgesprochenen

Bewilligungen vorhält.

Jahresbericht 2010 Die Stiftung und ihr Profil 9


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Die Förderung – Grundlagen,

Arbeitsweise und Qualitätssicherung

Positionsbestimmung

In den vergangenen Jahren haben sich für die

Bereiche Bildung und Wissenschaft vielerlei Veränderungen

ergeben: Die Forschung und mithin

ihre Förderung werden immer internationaler, der

Wettbewerb um Mittel und exzellente Köpfe verschärft

sich, Engpässe in den öffentlichen Haushalten,

Forderungen nach Verantwortungs-, Verfahrens-

und Entscheidungstransparenz sowie

einem offeneren Verhältnis zur Praxis und Öffentlichkeit

erfordern neue Ideen, Konzepte und Strukturen.

In der Tat hat all dies bereits zu vielfältigen

Neuerungen im deutschen Wissenschaftssystem

geführt – weitere werden folgen.

Die VolkswagenStiftung versucht hierzu ihren

Beitrag zu leisten. Sie sieht sich als großer, privater

Wissenschaftsförderer entsprechend herausgefordert,

schnell auf neue Ideen und Vorstellungen zu

reagieren, um gezielt Akzente zu setzen. Das Selbst -

verständnis der Stiftung „Erneuern als Tradition“

meint dabei nicht nur den kontinuierlichen Wechsel

im Förderangebot der Stiftung, sondern gerade

auch die permanente Reflexion und Weiterentwicklung

der Förderstrategie insgesamt: Inwieweit beispielsweise

werden die richtigen Maßnahmen

ergriffen, aktuelle Herausforderungen zu bewäl -

tigen? Wo besteht Handlungsbedarf, und welche

Initiativen bieten sich an, der Wissenschaft nachhaltige

Impulse zu geben? Die Antworten auf diese

und andere Fragen führen dazu, dass in der Förderung

der VolkswagenStiftung letztlich nur eines

von Dauer ist – der Erneuerungsprozess.

Wissenschaft zu fördern, ist ein komplexes

Geschäft: Es beginnt bei der grundlegenden Förderstrategie

und der Suche nach neuen Themen

und Förderbereichen, geht über das praktische

Tun zur Auswahl der zu fördernden Projekte mittels

Begutachtung, Antragsberatung und -begleitung

sowie Entscheidungsfindung und reicht bis

zur Qualitätssicherung in Form von Evaluationen

und Nachbetreuung sowie Alumnipflege. Den

somit umrissenen Prozess des Förderns transparent

zu machen, ist Ziel dieses Kapitels.

Das Förderangebot

Das Förderangebot der Stiftung umfasst zurzeit 20

Initiativen. Von Beginn der Fördertätigkeit im Jahr

1962 an stand fest, dass das Förderbudget der Stiftung

keine flächendeckenden Engagements zulässt,

sondern eine Konzentration auf bestimmte Bereiche

angemessener Größenordnung erfordert. Zu -

gleich möchte die Stiftung mit einem hinreichend

vielfältigen und breiten Angebot, das sich ergänzt

und von den Zielsetzungen her auch überlappen

kann, ein „Fördernetz“ bilden, das sich neuen An -

forderungen zeitnah und unbürokratisch anpassen

lässt. Ziel dabei ist, aus dem vollen Spektrum der

wissenschaftlichen Disziplinen herausragende

und zukunftsweisende Vorhaben „einzufangen“.

Damit hat sich die VolkswagenStiftung bewusst

gegen jede Art der Einseitigkeit in der Förderung

entschieden – sei sie fachlich beziehungsweise

thematisch, strukturell oder auch institutionell

definiert, sei sie zielgruppenspezifisch, verfahrensmäßig

oder vom Zeitrahmen her bestimmt.

Die damit gegebene Flexibilität erlaubt es, das

Portfolio kontinuierlich neuen Gegebenheiten

und Entwicklungen anzupassen und neue Akzente

zu setzen. Das schließt nicht aus, dass für einen

ge wissen Zeitraum bestimmte Ziele Vorrang


Kernelement der internationalen Förderung der Stiftung ist die

Aus- und Weiterbildung von Nachwuchswissenschaftlern sowie

die Etablierung und Ausweitung wissenschaftlicher Netz werke

in der Zielregion. „Fieldschools“ in Afrika beispielsweise bringen

Nachwuchsforscher aus mehreren Nationen zusammen: Hier diskutieren

Oris Chapinga aus Malawi und Tim Schikora aus Deutsch -

land im Oktober 2009 über Besonderheiten eines Kie fer fragments

während einer Unterrichtseinheit im Camp Malema, Malawi.

genießen. Aktuell zeigt sich dies etwa an einer

verstärkten Ausrichtung auf ein personenbezogenes

„capacity building“ wie im Falle der Lichtenberg-Professuren,

der Dilthey-, Schumpeter- und

Harvard-Fellowships – aber auch in weiteren Initiativen

– beziehungsweise mit Blick auf das auslandsorientierte

Engagement für die Region Mittelasien/Kaukasus

und das sub-saharische Afrika.

Will man insbesondere in solchen Regionen Erfolge

in der Wissenschaftsförderung erzielen, geht das

naturgemäß mit einer längerfristigen Bindung

von Fördermitteln einher.

Nichtsdestotrotz eröffnen sich der Stiftung selbst

bei einstweilen stagnierendem Fördervolumen

stets Spielräume für neue Angebote. Kontinuierlich

werden Förderinitiativen beendet und neue

aufgelegt, 2009 etwa die Initiative „Forschung in

Museen“ sowie zuletzt im Jahr 2010 die „Peter Paul

Ewald-Fellowships“. Jene stehen beispielhaft dafür,

wie schnell die VolkswagenStiftung das Interesse

auf ein neu entstehendes Forschungsfeld lenkt.

Dies formiert sich aktuell, da seit Kurzem Röntgenlaser

verfügbar sind, die hohe Brillanz und Pulsdichte

leisten. Auf Anhieb gelangen spektakuläre

Messungen. Nun gilt es, gerade jungen Wissenschaftlern

dieses Arbeitsfeld der Zukunft zu öffnen.

Flexibles Förderhandeln ist auch dadurch gewährleistet,

dass neue Formen und Inhalte der Förderung

über wechselnde, fokussierte Ausschreibungen

unter dem Dach einer Initiative erprobt werden

– beispielsweise im Rahmen des Förderangebots

zum „sub-saharischen Afrika“ oder jüngst mit der

Ausschreibung „Bologna – Zukunft der Lehre“ im

Feld „Hochschule der Zukunft“. Ebenso gibt es

Initiativen mit einer jeweils auf die spezifischen

Erfordernisse zugeschnittenen modularen Förder-

struktur – etwa bei „Pro Geisteswissenschaften“

oder der Initiative „Evolutionsbiologie“. Auf diese

Weise kann es gelingen, eine hohe Veränderungsdynamik

der Themenfelder mit der nötigen Konstanz

und Verlässlichkeit im Förderangebot in

Einklang zu bringen.

Auch Wettbewerbe können diese Profilbildung

vorantreiben wie zuletzt der Ideenwettbewerb

„Extremereignisse – Wahrnehmung in Wissenschaft

und Gesellschaft“ im Rahmen der Initiative

„Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft“.

Hier sind Wissenschaftler gefragt, originelle Ideen

für Vermittlungsformate zu liefern, die deutlich

machen, welche Bedeutung Extremereignisse –

beispielsweise Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme,

Pandemien, Industrieunfälle oder Börsencrashs –

für unsere Lebenswelt haben und vor allem, welcher

Gewinn von der Anwendung wissenschaft -

licher Verfahren und Einschätzungen zu erwarten

ist. Die Entscheidung über die Gewinner fällt im

Sommer 2011.

Bei aller Dynamik im Förderangebot achtet die

Stiftung dabei stets darauf, die generellen Zielrichtungen

passgenau zu verfolgen – etwa die

Favorisierung fächerübergreifender Fragestellungen

und Herangehensweisen, die Förderung des

wissenschaftlichen Nachwuchses und die Stärkung

der internationalen Kooperation.

Einschränkungen

Zu den das Förderangebot einschränkenden Grund -

sätzen der VolkswagenStiftung gehört, dass sie

keine Vorhaben finanziert, die eine abgeschlossene

Förderung der Stiftung wieder aufnähmen, dass

Jahresbericht 2010 Die Förderung – Grundlagen, Arbeitsweise und Qualitätssicherung 11


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sie nicht dort einspringt, wo andere Förderer eine

Finanzierung abbrechen, und keine Mittel für Vorhaben

bereitstellt, die in den ausreichend geförderten

Aufgabenbereich anderer Stellen fallen. Ferner

prüft die Stiftung keine Anträge, die von ihr bereits

einmal abgelehnt wurden. Vorhaben, die dauerhaft

laufende Kosten verursachen, fördert die Stiftung

grundsätzlich nur, wenn zuvor sichergestellt

wird, dass spätestens nach Beendigung ihres zeitlich

begrenzten Engagements die laufenden Kosten

von anderer Seite getragen werden.

Einer Reihe von Förderungswünschen kann die

Stiftung in keinem Fall entsprechen. Die nachfolgende

Liste informiert über jene Fälle, in denen eine

Antragstellung von vornherein aussichtslos ist:

• Aufstockung von Reisebeihilfen oder Stipendien

Dritter;

• Druckkostenzuschüsse ohne Verbindung mit

Stiftungsprojekten;

• Erwerb, Vervollständigung oder Unterhaltung

von Sammlungen – sowie Ausstellungen;

• Auf- und Ausbau von Krankenhäusern,

Senioren- und Pflegeheimen;

• Geräte, die der Therapie dienen;

• Entwicklungs- und Erprobungsarbeiten zu

wissenschaftlich bereits gelösten Problemen;

• Auswertung von Patenten;

• Schulen, Studienkollegs und Einrichtungen der

Erwachsenenbildung, Studentenwohnheime;

• Starthilfen für wissenschaftliche Einrichtungen

mit politischer, weltanschaulicher oder konfessioneller

Bindung;

• pauschale Erhöhung von Grundetats oder

Schließung von Etatlücken;

• Erstattung anderweitig gewährter Vorfinan -

zierung;

nicht gemeinnützige Zwecke;

• karitative Anliegen;

• Privatpersonen.

Fellowships für Doktoranden und Postdoktoranden

vergibt die VolkswagenStiftung nur im Rahmen

ihrer Förderinitiativen.

Förderstrategie

Die VolkswagenStiftung versteht sich als richtungweisender

Impulsgeber. Sie bringt also Initiativen

und Vorhaben von hoher wissenschaftlicher Qualität

auf den Weg, die ohne sie keine oder wesentlich

schlechtere Realisierungschancen besäßen.

Un geachtet ihres begrenzten Fördervolumens

muss und möchte sie sich als unverzichtbarer

strategischer Akteur der Wissenschaftsförderung

in Deutschland erweisen. Damit hat die Förderstrategie

eine herausragende Bedeutung für den

Erfolg der Stiftung.

Suchverfahren

Um frühzeitig Forschungsfelder identifizieren zu

können, die künftig an Relevanz gewinnen werden

und die entsprechende Impulse benötigen, ist die

Art und Weise, wie die VolkswagenStiftung zu

ihren Förderinitiativen gelangt, von großer Bedeutung.

Für eine auf Innovation und Initiative ausgerichtete

Stiftung besitzt die Entwicklung geeigneter

Suchstrategien entsprechend höchste Priorität

– wobei sich Ideenfindung natürlich nur in Maßen

steuern lässt.

Förderstrategisch geht es primär um zwei Aspekte:

Zum einen gilt es, bestmögliche Voraussetzungen

dafür zu schaffen, dass Ideen, die Grundlage zu -

kunftsträchtiger Förderinitiativen sein können,


generiert und an die Stiftung herangetragen werden.

Zum anderen müssen Wege existieren für

deren systematische Ausarbeitung, eine effiziente

Prüfung und für eine gegebenenfalls schnelle Um -

setzung in entsprechende Förderkonzepte. Hierfür

lässt sich kein einheitliches Verfahren festlegen.

Leitprinzipien sind für die Stiftung daher: eine

größtmögliche Offenheit für die Vielfalt denkbarer

Innovationsquellen und die flexible Nutzung

aller verfügbaren Formen der Umsetzung in hand -

habbare Förderkonzepte.

Anregungen können dabei aus verschiedenen

Feldern kommen: aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft

und Gesellschaft, aus dem Kuratorium und

der Geschäftsstelle, aus Symposien, Tagungen und

Gesprächen an deren Rand, aus „außergewöhnlichen“

Projekten – und nicht zuletzt aus laufenden

Förderinitiativen und fokussierten Ausschreibungen.

Entscheidend ist, dass die Stiftung nach außen hin

als „neugierige“, an neuen Förderideen interessierte

Institution wahrgenommen und angesprochen

wird. Gleichermaßen pflegen die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Förderung ihre traditionell

guten und intensiven Kontakte zur scientific

community; sie verfügen nicht nur über die nötige

Offenheit und das Gespür für zukunftsträchtige

Förderideen, sondern besitzen auch das fachliche

und administrative Know-how, diese auf Trag -

fähigkeit zu prüfen und gegebenenfalls konzeptionell

zügig umzusetzen.

Kooperationen

Um Wirkung und Reichweite ihrer Angebote und

Initiativen zu erhöhen, bieten sich für die Volkswa -

genStiftung neben Zustiftungen und Spenden, die

den finanziellen Spielraum erweitern, vor allem

Kooperationen und strategische Allianzen mit

anderen Förderern an. Grundvoraussetzung dafür

ist die „Passfähigkeit“ der jeweiligen Stiftungsprofile,

Aufgabenverständnisse und Arbeitsweisen.

Die Stiftung geht diesen Weg bereits seit geraumer

Zeit sowohl auf nationaler wie internationaler

Ebene – beispielsweise mit der Initiative „Pro

Geisteswissenschaften“, für die VolkswagenStiftung

und Fritz Thyssen Stiftung ihre Kräfte bündeln,

oder mit dem im Jahr 2010 entschiedenen

Wettbewerb „Bologna – Zukunft der Lehre“, ein

gemeinsam mit der Stiftung Mercator vorangebrachtes

Engagement.

Die internationale Perspektive und namentlich

die europäische Dimension der Wissenschaftsförderung

haben dabei in den vergangenen Jahren

erheblich an Bedeutung gewonnen – gerade für

Initiativen, die aufgrund ihrer internationalen

Ausrichtung, Struktur oder Bedeutung von solchen

Kooperationen nachhaltig profitieren können oder

Der afrikanische Kontinent ist reich an natürlichen Ressourcen.

Doch deren nachhaltige Nutzung stellt vielerorts ein Problem dar.

Es fehlt an stabilen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt auch

an wissenschaftlicher Expertise, um die vorhandenen Poten ziale

sinnvoll zu erschließen. In ihrer Afrika-Initiative „Wissen für morgen“

hat sich die Stiftung dieser Thematik angenommen und

fördert in zwischen zwölf Projekte zum Thema „Natürliche Res -

sour cen“. Ein Wandkalender für 2011 stellt jedes Vorhaben mit

einem monatlichen Blatt bildhaft vor – hier zwei Eindrücke.

Jahresbericht 2010 Die Förderung – Grundlagen, Arbeitsweise und Qualitätssicherung 13


14

sich überhaupt nur über ein solches Zusammenspiel

komplementär wirkender Akteure realisieren

lassen. So wurde etwa das 2008 beendete „Forschungs-

und Ausbildungsprogramm für eine

Europäische Außen- und Sicherheitspolitik“ fünf

Jahre zuvor gemeinsam mit der Compagnia di San

Paolo in Turin und dem Riksbankens Jubileumsfond

in Stockholm auf den Weg gebracht. Das

Engagement war so erfolgreich, dass sich die drei

Partner inzwischen erneut zusammengetan haben

für die Ausschreibung „Europe and Global Challenges“,

die 2010 erstmals Entscheidungen brachte

und nun einen zweiten Durchgang erfahren soll.

Ein Beispiel für erfolgreiche internationale Zusammenarbeit

ist auch die zum Jahreswechsel 2007/08

mit rund einem halben Dutzend international

tätiger Stiftungen gestartete Kooperation zur

Erforschung der vernachlässigten Tropenkrankheiten,

die ebenfalls auf vorherige Aktivitäten der

Stiftung zum sub-saharischen Afrika wirkungsvoll

aufsetzt. Sie hat 2010 ihre nunmehr bereits

zweite Auswahlrunde durchlaufen – Fortsetzung

soll ob des großen Erfolgs auch hier folgen. Auch

der seit dem Jahr 2009 aktive „Sachverständigenrat

für Integration und Migration“ gliederte sich

an eine Initiative der Stiftung an; er ist ein Produkt

der Zusammenarbeit von acht in diesem Fall deutschen

Stiftungen.

Nicht zuletzt über solche Formen der Zusammenarbeit

bietet sich der VolkswagenStiftung vor allem

die erhöhte Chance, ungeachtet ihres im Vergleich

zu nationalen Aufwendungen für Forschung

begrenzten Fördervolumens richtungweisende

Akzente zu setzen, die über den akademischen

Bereich hinaus zudem die breitere Öffentlichkeit

erreichen können.

Capacity Building

Sich auch über die Grenzen Europas hinaus zu

engagieren, gehört für die VolkswagenStiftung

seit vielen Jahren zu ihren prägenden Traditionen.

Ostasien, Südostasien und insbesondere China,

aber auch Nord- und Lateinamerika sowie der Vordere

und Mittlere Orient waren jeweils über Jahre

hin Zielgebiete ihrer regionenbezogenen Förderung.

Mit den 1999 beziehungsweise 2003 eingerichteten

Förderinitiativen „Zwischen Europa und

Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft“

sowie „Wissen für morgen – Kooperative

Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika“

hat die Stiftung ihr Engagement in dieser Richtung

vorangetrieben. Eine weitere Initiative gilt

den bedrohten Sprachen der Welt. Dabei trat als

Förderziel zunehmend das „capacity building“ vor

Ort in den Vordergrund, also die Qualifizierung

insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses

in den Ländern südlich der Sahara beziehungsweise

in der Region Mittelasien/Kaukasus.

Einerseits geht es hier darum, dass die wissenschaftlichen

Einrichtungen im Ausland von dem

Vorhaben profitieren und insbesondere die jüngeren

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

in der Region Möglichkeiten zur Qualifizierung

erhalten. Andererseits soll aber auch der deutschen

Forschung durch Unterstützung von Auslandsprojekten

und -aufenthalten zu stärkerer

internationaler Orientierung verholfen werden.

Diese Ziele erfordern nicht nur eine kreative Justierung

der Förderangebote und -verfahren im

Blick auf die örtlichen Gegebenheiten, sondern

auch eine starke und nachdrückliche Einbindung

der Stiftung in die Programm- und Projektgestaltung.

Förderpraxis

Die konkrete Fördertätigkeit der Stiftung ist in

die grundlegende Förderstrategie eingebettet. Auf

dieser Basis erfolgen Begutachtung und Entscheidungsfindung

über einzelne Vorhaben, Beratung,

Monitoring, Evaluation und Nachbetreuung der

Projekte. All diese Schritte dienen einerseits der

Prüfung der wissenschaftlichen Exzellenz und

Bedeutung der zu fördernden beziehungsweise

geförderten Vorhaben, andererseits der Sicherung

einer hohen Qualität der eigenen Förderpraxis.

Angesichts wachsenden Legitimationsbedarfs von

Wissenschaft und (privater) Wissenschaftsförde-


ung hat sich die VolkswagenStiftung entsprechend

auf ein Qualitätssicherungs- und Evaluationskonzept

verständigt, das die unterschiedlichen Handlungsfelder

von der Antrags- und Projektebene bis

hin zur Ebene der Förderinitiativen und des Gesamtportfolios

übergreift und die Fördertätigkeit der

Stiftung damit insgesamt in den Blick nimmt.

Begutachtung und Entscheidung

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Qualitätssicherung

liegt zunächst auf der Ebene der Einzelvor -

haben und hier wiederum auf der Prüfung von

Skizzen und Anträgen. Die dabei eingesetzten

Begutachtungsverfahren bilden mit ihrem Kernelement

des „peer review“ nach wie vor das zen -

trale und dementsprechend hochelaborierte

Qualitätssicherungsinstrument. Angesichts der

Bedeutung, die ihm für Profil und Renommee der

Stiftung als wissenschaftsfördernder Einrichtung

zukommt, ist der damit verbundene hohe Aufwand

zweifelsohne gerechtfertigt. Denn bezogen

auf die an die Stiftung herangetragenen Anliegen

besteht hier der größte Interventionsspielraum.

„Falsche“ Entscheidungen in dieser Phase lassen

sich später kaum mehr oder nur unter erheblichen

Schwierigkeiten korrigieren.

Die Stiftung bittet hinsichtlich der Entscheidungsfindung

externe Fachleute um Rat. Dabei nutzt sie

keinen festen Stamm an Gutachtern; sie trifft ihre

Wahl aufgrund der Erfordernisse, die der jeweilige

Antrag mit sich bringt – und sammelt so Informationen

aus verschiedenen Disziplinen, Hochschulen

und Instituten, auch aus dem außeruniversitären

Bereich und dem Ausland. Den Experten wird

dabei ein kurzer Leitfaden „Hinweise für die

Begutachtung“ an die Hand gegeben.

Vielfach werden Anträge inzwischen in Gutachterkreisen

beraten. Diese richtet die Stiftung vorwiegend

dann ein, wenn für ein abgewogenes

Urteil der unmittelbare Diskurs von Experten

unterschiedlicher Disziplinen ratsam erscheint –

etwa aufgrund der Interdisziplinarität eines Themas.

Damit bietet sich zudem die Möglichkeit,

kontinuierlich vergleichende Bewertungen vorzu-

nehmen. Auch lassen sich spezielle Ansprüche an

ein Förderprogramm eher umsetzen über eine

Kommission, die in abgestimmter Weise auf Möglichkeiten

der Zusammenarbeit hinweist und spezifische

Anregungen zur Gestaltung einzelner

Vorhaben geben kann. Nicht zuletzt holt die Stiftung

in einigen Wissenschaftsgebieten möglichst

das Votum ausländischer Gutachter ein. Zunehmend

erhalten Antragstellerinnen und Antragsteller

auch die Gelegenheit, ihr Anliegen vor

einer Kommission zu präsentieren und zur Diskussion

zu stellen.

Die Stiftung wahrt hinsichtlich der Begutachtung

strikte Vertraulichkeit, um gerade auch in problematischen

Fällen ein vorbehaltlos offenes Votum

zu ermöglichen. Wenn einem Antragsteller –

damit er die Chance hat darauf einzugehen – im

Einzelfall Auszüge aus einem Gutachten mitgeteilt

werden, so geschieht das in anonymisierter

Form. Insgesamt stellen jedes Jahr derzeit rund

800 Gutachterinnen und Gutachter der Stiftung

ihre Kompetenz zur Verfügung, Ihnen ist an dieser

Stelle ein ganz besonderer Dank auszusprechen.

Im Falle einer Bewilligung werden der geförderten

wissenschaftlichen Einrichtung die Mittel zur

eigenverantwortlichen Verwendung überlassen.

Zu den Bewilligungsgrundsätzen gehört, dass die

VolkswagenStiftung außer einem rechnerischen

Nachweis über die Mittelverwendung jährlich

Berichte erwartet, die erkennen lassen, wie sich

das Projekt entwickelt. Ferner ist gewünscht, dass

Bewilligungsempfänger die Ergebnisse von Fördervorhaben

vorzugsweise in gängigen Fachorganen

oder Monografien der Öffentlichkeit zugänglich

machen. Dabei ist auf die Unterstützung

durch die VolkswagenStiftung hinzuweisen. Darüber

hinaus legt die Stiftung Wert darauf, dass ein

Transfer wissenschaftlicher Themen und Erkenntnisse

an die breitere Öffentlichkeit erfolgt.

Die VolkswagenStiftung hat interessierten Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern die Antragstellung

in den vergangenen Jahren zunehmend

erleichtert. Ausführliche Hinweise und praktische

Jahresbericht 2010 Die Förderung – Grundlagen, Arbeitsweise und Qualitätssicherung 15


16

Tipps dazu finden sich ebenso wie Einzelheiten

zur Zielsetzung einer Förderinitiative in den jeweiligen

Informationen zur Antragstellung. Diese

„Merkblätter“, die für jede Förderinitiative vorliegen,

sind wie weitere grundlegende, umfassende

und aktuelle Informationen auf der Homepage

der Stiftung abgelegt.

Betreuung und Monitoring

Für spezielle Fragen zur Antragstellung und allgemein

zu den einzelnen Förderinitiativen stehen in

der Stiftung die Förderreferentinnen und -referenten

mit ihrem wissenschaftlichen und förderpraktischen

Know-how gern zur Verfügung (die jeweiligen

Zuständigkeiten sind der hinteren inneren

Umschlagseite dieses Jahresberichts zu entnehmen).

Deren Aufgaben – neben der Entwicklung

neuer und der Betreuung sowie dem Monitoring

bestehender Förderinitiativen sind dies vor allem

die intensive Antragsberatung und die sachverständige

Bearbeitung der Skizzen und Anträge

nebst Begleitung der Projekte selbst – stellen zu -

gleich zentrale Mittel der Qualitätssicherung dar.

Im Bereich des Monitorings ergänzen zwei weitere

Bausteine der Qualitätssicherung die Ebene der

persönlichen Beratung: zum einen jährliche Statusberichte,

die quantitative und qualitative Informationen

sowie bewertende Stellungnahmen zur

Entwicklung der Förderung in dem betreffenden

Bereich enthalten, sowie die inzwischen regelmäßig

durchgeführten Statussymposien. Diese finden

zumeist spätestens zwei Jahre nach dem Start

der ersten Projekte einer Förderinitiative erstmals

statt; beteiligt sind neben den Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern der geförderten Projekte

auch die an der Einrichtung der Initiative und der

laufenden Antragsprüfung mitwirkenden Gutachter

sowie externe Fachleute.

Erkenntnisse aus einer solchen Veranstaltung

münden in einen Bericht an das Kuratorium. Dieser

ergänzt und vertieft die Statusberichte und

unterbreitet gegebenenfalls Vorschläge zur weiteren

Entwicklung, Ausgestaltung oder eventuell

auch Modifikation einer Förderinitiative.

Evaluation

Seit dem Jahr 2006 sind Evaluationen ein wichtiger

Bestandteil des Qualitätssicherungskonzepts

der Stiftung. Hier liegt das Augenmerk vor allem

auf der Ebene der einzelnen Förderinitiative und

erfasst deren gesamte Verlaufsgeschichte: von der

Einrichtung über die Phase der Betreuung und des

Monitorings bis hin zu ihrer Beendigung.

Mit dem Instrument der Midterm-Evaluationen

werden laufende Förderinitiativen hinsichtlich

ihres Verlaufs, der genutzten Förder- und Begutachtungsinstrumente

sowie -kriterien und der bis

dato erzielten Wirkungen und Ergebnisse bewertet.

Auf dieser Basis wird dem Kuratorium ein

Vorschlag unterbreitet, ob und gegebenenfalls in

welcher Form die betreffende Förderinitiative weitergeführt

werden soll. Ex-post-Evaluationen dienen

demgegenüber zum einen dazu, Rechenschaft

abzulegen über einen bestimmten Förderbereich

und die dort eingesetzten Mittel und Ressourcen;

sie zielen zum anderen darauf, aus den Befunden

für die künftige Fördertätigkeit insgesamt zu lernen

– insbesondere mit Blick auf die konzeptionelle

Entwicklung und förderpraktische Ausgestaltung

neuer Initiativen und des Förderportfolios.

Für beide Formen der Evaluation wird jeweils ein

international besetztes Panel hochkarätiger Ex per -

ten zusammengestellt. Die Evaluatoren nutzen zur

Informationsgewinnung und -bewertung Fragebogen,

Interviews und Datenrecherchen sowie

statistische und bei Bedarf bibliometrische Analysen.

Die Ergebnisse und Empfehlungen werden in

einem Abschlussbericht zusammengefasst und

dem Kuratorium vorgestellt. Die zuständige Fachabteilung

nimmt in der folgenden Kuratoriums -

sitzung zu den Empfehlungen und den bis dahin

erfolgten Umsetzungen schriftlich Stellung.

Im Jahr 2010 wurde mit der „personenbezogenen

Förderung“ zum ersten Mal die Evaluation eines

ganzen Förderbereichs abgeschlossen. 2011 folgt

entsprechend der Bereich der gesamten „auslands -

orientierten Förderung“. Doch auch jenseits der


Förderung setzt die Stiftung in ihrem Anspruch

hoher Qualitätssicherung auf Evalua tion. So wurden

in 2010 gleichermaßen Managementbereiche

erfolgreich evaluiert: „Vermögensanlage, Finanzen

und Verwaltung“ sowie die „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“.

Ziel bei allen Bemühungen ist eine

Gesamtevaluation der Fördertätigkeit der Stiftung

bis zum Jahr 2012, die über die Ebene der Einzel -

initiativen hinaus das Portfolio der Förderung, die

dabei verfolgten Strategien und Verfahren sowie

die weiteren Aufgabenbereiche der Stiftung

bewertet.

Nachbetreuung und

Alumnipflege

Qualität und Reichweite des Engagements der

Stiftung hängen maßgeblich von ihrer Wahrnehmbarkeit

und ihrem Ruf in der scientific community

ab. Entscheidend geprägt wird beides

nicht zuletzt durch die von der Stiftung geförder-

ten Personen und deren „Zugehörigkeitsgefühl“.

Daher wurde in den vergangenen Jahren damit

begonnen, möglichst auf Dauer angelegten Kontakt

zu geförderten Wissenschaftlern aufzunehmen.

Auf diese Weise lässt sich die Nachhaltigkeit

der Förderung langfristig steigern. Auch Veranstaltungen

zu Förderinitia tiven einige Jahre nach

deren Beendigung verstärken solche Netzwerkbildung

wesentlich. Sie verankern zugleich die Rolle

der Stiftung und die Bedeutung ihrer Förderung

für ein bestimmtes Gebiet im Bewusstsein der

scientific community – dies umso mehr, als sich

Erkenntnisfortschritte und Strukturveränderungen

oft erst nach Jahren richtig bilanzieren lassen.

Im Jahr 2012 wird die Stiftung Rückschau halten

können auf fünfzig Jahre Förderung: Grund genug,

im Ausblick auf diesen Zeitpunkt kontinuierlich

die aktuelle Position in der Wissenschafts- ebenso

wie in der Stiftungs- und Förderlandschaft zu

überdenken, Optionen für die weitere Ausgestaltung

des Förderprofils zu entwickeln und die

Weichen für die kommenden Jahre zu stellen.

Beispielgebend für das Afrika-Engagement der Stiftung und die Netzwerkbildung ist eine Sommerschule, die im Herbst 2010 in Kenia

und Tansania stattfand. An dem dreiwöchigen Ausbildungsprogramm nahmen zwanzig Studierende aus Kenia, Äthiopien, Tansania,

Uganda, Malawi, der Türkei und aus Deutschland teil. Es umfasste ein einwöchiges Seminar zu moderner Evolutionsbiologie, einen

Geländekursus, eine Ausbildungseinheit zum Thema Klimaveränderungen und ein Praktikum zur Paläontologie und Paläoan thro -

pologie (siehe auch Text S. 39). Was bleibt, ist nicht nur neu erarbeitetes Wissen – sondern sind auch neue Freundschaften.

Jahresbericht 2010 Die Förderung – Grundlagen, Arbeitsweise und Qualitätssicherung 17


Förderung 2010

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68

72

Personen und Strukturen

Lichtenberg-Professuren

Schumpeter-Fellowships für den Hochschullehrer- und Führungsnachwuchs in den

Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften

Pro Geisteswissenschaften

Hochschule der Zukunft

Forschung in Museen

Symposien und Sommerschulen

Internationales

Fellowships an amerikanischen Universitäten für Postdoktorandinnen und -doktoranden

aus den Geisteswissenschaften

Wissen für morgen – Kooperative Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika

Zwischen Europa und Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft

Zukunftsfragen der Gesellschaft – Europe and Global Challenges

Dokumentation bedrohter Sprachen

Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft

Integration molekularer Komponenten in funktionale makroskopische Systeme

Neue konzeptionelle Ansätze zur Modellierung und Simulation komplexer Systeme

Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern: Peter Paul Ewald-Fellowships am LCLS in Stanford

Evolutionsbiologie

European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities

Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften – Programm zur Förderung fachübergreifender

und internationaler Zusammenarbeit

Deutsch plus – Wissenschaft ist mehrsprachig

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Offen – für Außergewöhnliches

Außergewöhnliches

Niedersächsisches Vorab

Niedersächsisches Vorab


22

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28

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32

Lichtenberg-Professuren

Schumpeter-Fellowships für den Hochschullehrer- und Führungsnachwuchs in den

Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften

Pro Geisteswissenschaften

Hochschule der Zukunft

Forschung in Museen

Symposien und Sommerschulen


Förderung 2010

Personen und Strukturen

Personen im Fokus, Strukturveränderungen im Blick: Mit diesem Angebot verbindet

die VolkswagenStiftung eine explizit personenbezogene Förderung mit einem

strukturinnovativen Ansatz. So unterstützt sie beispielsweise – an entsprechend

„mutigen“ Hochschulen – exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

mit zukunftsweisenden Themen und einem klaren Risikobewusstsein, um im Zu -

sammenspiel dieser Kräfte zu erreichen, dass nicht nur neues Wissen generiert

wird, sondern auch Alternativen zu eingefahrenen Prozessen und Strukturen an

den Wissenschaftseinrichtungen in diesem Land aufgezeigt werden. Bewusst an -

gelegt, um die Überschreitung von Fachgrenzen anzuregen, sollen sich exzellente

Forscherinnen und Forscher dabei Themen widmen können, die ihren Wissens ge -

bieten neue Horizonte erschließen. Gerade auch „quer“ denkende Wissenschaftler

erhalten auf diese Weise die Chance, sich als führende Vertreter eines Wissensge -

bietes zu etablieren. Es geht also vorrangig darum, inhaltliche und methodische

Fachgrenzen auszuloten, und es geht um Kommunikations- und Kooperations -

platt formen jenseits üblicher Fächerkombinationen – und damit um Weitung

fest gefügter Wissensräume.

Wissenschaftliches und strukturelles Neuland wird erschlossen durch innovative

Forscherpersönlichkeiten, die ebensolche Ideen verfolgen – das verbindet die Ini -

tiativen in diesem Segment, und das macht sie zugleich so unverwechselbar in

der nationalen wie internationalen Forschungsförderlandschaft. So füllen sie den

Anspruch mit Leben, den die Stiftung an sich stellt: dass es ihr gelingt, über das

sinnvolle Ineinandergreifen und die Ausrichtung ihrer Initiativen die Studien-, Lehrund

Forschungsbedingungen in Deutschland weiter zu verbessern – für den langfristigen

Erfolg des Wissenschaftsstandortes Deutschland. Auf diese Weise will

die Stiftung nicht zuletzt dazu beitragen, dass sich wieder mehr hervorragende

Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für eine Hochschulkarriere

in Deutschland entscheiden, dass die Attraktivität des Berufsfeldes „Wissenschaft“

durch frühe Selbstständigkeit in Forschung und Lehre und durch frühzeitige

Karriereperspektiven steigt – und auch, dass einer umfassenden Chancengerech -

tigkeit in Wissenschaft und Forschung der Weg bereitet wird.


22

Personen und Strukturen

Anträge 2010

Eingereicht 22

mit Volumen in Mio. Euro 24,2

Bewilligungen 9

mit Volumen in Mio. Euro 7,6

Bewilligungen insgesamt 46

in Mio. Euro, seit 2002 46,8

Kontakt

Dr. Anja Fließ

Telefon 0511/8381-374

fliess@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 79

Diese vier setzten sich in einem harten

Wettbewerb durch und können sich nun

Lichtenberg-Professorin oder Lichtenberg-

Professor nennen (Seite 23, von oben):

Dr. Urs Nater, Dr. Daniela Hußer-Bollmann,

Dr. Henrik Oster und Dr. Harald Langer.

Lichtenberg-Professuren

Mit ihrer personen- und institutionenbezogenen Förderinitiative „Lichtenberg-

Professuren“ – benannt nach dem Mathematiker, Physiker und Philosophen

Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799) – gibt die VolkswagenStiftung

einen Anstoß für die Eröffnung alternativer Qualifizierungs- und Be rufungs -

wege an deutschen Hochschulen. Der Leitgedanke hinter dieser Initiative

lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ziel ist es, herausragende Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler in Verbindung mit innovativen Lehr- und

Forschungsfeldern zu fördern und damit auch zu einer Profilbildung der besten

unter den deutschen Hochschulen beizutragen – im Interesse des Wissenschaftsstandortes

Deutschland. Mit den Lichtenberg-Professuren sollen also

in einem Zug sowohl thematische als auch strukturelle und forschungspoli -

tische Akzente gesetzt werden.

Kernzielgruppe sind Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler

bis zu vier Jahre nach ihrer Promotion. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben

werden, frühzeitig eigenständig Forschung auf neuen, herkömmliche Diszi -

plinengrenzen überschreitenden Gebieten zu betreiben. Weiter zielt diese

Initiative auf solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bevorzugt

Rückkehrer beziehungsweise Bewerber aus dem Ausland –, deren Promotion

in der Regel bis zu sieben Jahre zurückliegt. Hier werden sowohl an die persönliche

Qualifikation als auch an die Bedeutung des Forschungsgegenstands

noch höhere Anforderungen gestellt als bei der Kernzielgruppe des Programms.

Die VolkswagenStiftung stellt ihre Leistungen nur zur Verfügung, wenn von

universitärer Seite die Rahmenbedingungen für die zu etablierende Stiftungsprofessur

stimmen. Dies betrifft sowohl das künftige wissenschaftliche Um -

feld als auch die fachlich-strategische Ausrichtung und die Personalplanung.

Soll heißen: Der thematische Fokus muss sich sinnvoll in die Gesamtentwicklung

des jeweiligen Fachbereiches beziehungsweise der Fakultät einfügen.

Folglich kann eine Hochschule auch selbst die Initiative zur Einrichtung einer

„Lichtenberg-Professur“ ergreifen. Sie muss deutlich machen können, dass sie

innovative Entwicklungen auf einem aktuellen Forschungsgebiet aufgreifen

will, zukunftsträchtige und auch risikoreiche Themen definieren kann und

soweit möglich fachübergreifend ausgestalten möchte. Und sie muss pass -

genau dafür eine hoch qualifizierte Wissenschaftlerpersönlichkeit finden,

die dann selbst die Antragstellung bei der Stiftung übernimmt.


Es erfolgt zunächst eine auf fünf Jahre befristete Startfinanzierung, an die

sich bei positiver Zwischenevaluation eine bis zu dreijährige degressive Übergangsfinanzierung

anschließen kann. Danach sollte die Nachwuchsprofessur

in der jeweiligen Universität als reguläre W2- oder W3-Professur verankert

werden. Für den innovativen wissenschaftlichen Nachwuchs – nicht zuletzt

auch aus dem Ausland – eröffnet sich damit in einer Art „Tenure-track-Verfahren“

eine neue, auch im internationalen Vergleich attraktive Förderperspektive.

In den letzten jährlichen Ausschreibungsrunden wurden jeweils knapp

zwanzig Anträge zum Stichtag eingereicht, die sich jedoch nicht alle als prüffähig

erwiesen. Die Gründe hierfür lagen zumeist in den fehlenden Zusagen

der einzelnen Universität. Das Kuratorium der Stiftung hat daher beschlossen,

dass die verbindlichen Stellungnahmen in Ausnahmefällen auch erst nach

der Entscheidung eingereicht werden können. In jedem Fall sind aber bereits

vor Antragstellung konkrete Vorgespräche zu führen, die die Universität

schriftlich dokumentieren muss. Erfreulich weit gestreut sind nach wie vor

die Themengebiete der beantragten Professuren; allerdings ist der Anteil der

Bewerbungen aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geringer als

der aus den Naturwissenschaften und der Medizin und liegt bei rund einem

Drittel. Im Berichtsjahr konnten sich eine Bewerberin und drei Bewerber

durchsetzen, für deren Forschung zu Herzrhythmusstörungen, zur Arterienverkalkung,

zur chronischen Erschöpfung sowie zur inneren Uhr die Stiftung

mehr als 5,7 Millionen Euro bereitstellte. Weitere Bewilligungen gingen an

die ersten erfolgreich evaluierten Lichtenberg-Professoren früherer Ausschreibungsrunden.

Als neuer W2-Lichtenberg-Professor untersucht Dr. Henrik Oster künftig an

der Medizinischen Fakultät der Universität Lübeck die molekularen Grund -

lagen des Zusammenspiels von menschlichem Stoffwechsel und innerer Uhr.

Störungen der inneren Uhr können schwere Auswirkungen auf das metabolische

Gleichgewicht haben und die Entstehung von Krankheiten begünstigen

wie beispielsweise einen Typ II-Diabetes. Am Herzzentrum der Universität

Leipzig richtet Dr. Daniela Hußer-Bollmann ihre W1-Lichtenberg-Professur

ein. Sie beschäftigt sich dort mit den genetischen Grundlagen des Vorhofflimmerns,

der häufigsten Form einer Herzrhythmusstörung.

Professor Dr. Urs Nater erforscht am Fachbereich Psychologie der Universität

Marburg den Zusammenhang von Stress und schwerer chronischer Erschöpfung.

Die Arbeiten des W2-Lichtenberg-Professors sollen zu einem besseren

Verständnis des Beschwerdebildes führen und damit neue Diagnose- und

Behandlungswege ermöglichen. Und in der Inneren Medizin des Klinikums

der Universität Tübingen wird das Interesse von W1-Lichtenberg-Professor

Dr. Harald Langer dem Einfluss von dendritischen Zellen auf die Arterienverkalkung

gelten. Dendritische Zellen spielen als Wächter des Immunsystems

eine wichtige Rolle. Welchen Einfluss sie jedoch im Einzelnen auf die Entstehung

von Arteriosklerose haben, ist bislang unbekannt.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 23


24

Anträge 2010

Eingereicht 32

mit Volumen in Mio. Euro 17,8

Bewilligungen 9

mit Volumen in Mio. Euro 4,9

(weitere Bewilligungen sind

Anfang 2011 erfolgt)

Bewilligungen bis 2010 20

in Mio. Euro, seit 2006 10,9

Kontakt

Prof. Dr. Hagen Hof

Telefon 0511/8381-256

hof@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 87

Schumpeter-Fellowships für den

Hochschullehrer- und Führungsnachwuchs in den

Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften

Mit den „Schumpeter-Fellowships“ möchte die Stiftung jungen Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften,

die mit herausragendem Ergebnis promoviert haben und Potenzial

für Führungspositionen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft erkennen

lassen, die Möglichkeit einer langfristigen Unterstützung eröffnen. Das Angebot

richtet sich an Nachwuchswissenschaftler, die – einzeln oder in kleinen

Forschungsgruppen – für ihr Fachgebiet Neuland erschließen wollen und de -

ren Vorhaben aufgrund ihrer Komplexität oder ihres höheren Risikos längere

Bearbeitungshorizonte notwendig machen. Dabei kann es sich einerseits um

Projekte handeln, die die Grenzen des eigenen Fachs auszuloten und „von

innen“ aufzubrechen suchen. Andererseits kommen Vorhaben in Betracht,

die den Mainstream durch Kooperation jenseits üblicher Fächerkombinationen

verlassen und so zu einer inhaltlichen oder methodischen Neuorientierung

des jeweiligen Forschungsgebietes beitragen können.

Zielgruppe sind Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die

mit mindestens „magna cum laude“ promoviert haben und von denen erwartet

werden kann, dass sie mit ihren Arbeiten einen Beitrag zur internationalen

Diskussion leisten können. Die Promotion sollte nicht länger als fünf Jahre zu -

rückliegen. Angesprochen sind in erster Linie Wirtschafts-, Sozial- und Rechts -

wissenschaftler, doch ist auch eine Beteiligung aus thematisch angrenzenden

Disziplinen möglich. Nach insgesamt elf Bewilligungen in den Entscheidungs -

runden 2007 und 2008 wurden zum Jahreswechsel 2009/2010 weitere acht

Schumpeter-Fellowships auf den Weg gebracht; die betreffenden Wissenschaftler

wurden mit ihren Forschungsvorhaben im Jahresbericht 2009 (s. S. 24/25)

bereits vorgestellt. Hier noch einmal in Kürze die Fellows des Jahrgangs 2010:

An der Universität Frankfurt am Main beschäftigt sich Professorin Dr. Tanja

Betz mit der Frage, wie die in politischen Berichten und Programmen ver -

breiteten „Leit bilder guter Kindheit“ von verschiedenen Personengruppen

aufgegriffen werden. Ausführlich vorgestellt ist ihr Projekt in den aktuellen

„Impulsen für die Wissenschaft 2011“, dem Forschungsmagazin der Stiftung.

Dr. Diana Raufelder untersucht, wie sich soziale Beziehungen und damit einhergehende

Emotionen auf das Lernen in der Schule auswirken. Angesiedelt

ist ihr Vorhaben gleichermaßen an der Technischen Universität Berlin und der

Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ebenfalls in Berlin, am dortigen Wissenschaftszentrum

für Sozialforschung, fragt Dr. Petra Böhnke danach, wie sich

prekäre Lebenslagen – etwa Arbeitslosigkeit – auf Verhalten und Engagement

Einzelner auswirken. Sie interessiert beispielsweise, ob in schwie rigen

Lebenssituationen eher ein Rückzug ins Private erfolgt und ob womöglich

auch die Bereitschaft schwindet, sich für die Allgemeinheit zu engagieren.


Dr. Daniel Flemes will am GIGA German Institute of Global and Area Studies

in Hamburg Spannungsverhältnisse zwischen Staaten untersuchen am Beispiel

von Indien und Pakistan, Brasilien und Venezuela sowie Nigeria und

Südafrika. Darüber hinaus analysiert er die Beziehungen dieser Länder zu

den USA, zu China, Russland, Deutschland und zur Europäischen Union. Nicht

weniger als eine neue ökonomische Theorie des Dritten Sektors möchte am

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa in Halle (Saale)

Dr. Vladislav Valentinov entwickeln; er wird dazu in Deutschland, der Ukraine

und der Tschechischen Republik entsprechende Organisationen in Städten

und auf dem Land miteinander vergleichen.

Ebenfalls angelegt als europäischer Vergleich, geht es Dr. András Jakab künftig

am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht

in Heidelberg um den sprachlichen Stil von verfassungsrechtlichen Argumentationen

in verschiedenen Ländern – sein Ziel: eine Art „vergleichende Grammatik“

der europäischen Verfassungssprachen. An der Juristischen Fakultät

der Humboldt-Universität Berlin untersucht Dr. Florian Möslein unter anderem,

welchen Beitrag das Vertragsrecht für die Governance-Forschung leisten

kann. Und für den Stellenwert von psychologischen Einflussfaktoren im Zuge

ökonomischer Entscheidungen schließlich interessiert sich – inzwischen an

der Universität Würzburg – Professor Dr. Johannes Hewig; dabei insbesondere

dafür, wie sich verschiedene Emotionen auf unterschiedliche Entscheidungs -

kontexte auswirken.

Zugleich lief im vergangenen Jahr die inzwischen vierte Auswahlrunde zu

den Schumpeter-Fellowships. Aus dem Kreis der Wettbewerber konnten sich

vier exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durchsetzen, deren

Vorhaben im Frühjahr 2011 bewilligt wurden. Die neuen Fellows werden daher

erst im kommenden Bericht 2011 ausführlicher vorgestellt – hier schon einmal

ein kurzer Blick auf Person und Projekt.

So erhält Dr. Julia Haberstroh rund 530.000 Euro für ihr Vorhaben „Förderung

der Einwilligungsfähigkeit in medizinische Maßnahmen bei Demenz durch

ressourcenorientierte Kommunikation“, das verankert ist an der Klinik für

Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum in

Frankfurt am Main. Für das Projekt „Financialization: History, Economics,

Politics” von Professor Dr. Moritz Schularick vom Fachbereich Wirtschafts -

wissenschaften der Freien Universität Berlin stellt die Stiftung knapp

570.000 Euro bereit. Mit rund 515.000 Euro gefördert wird Dr. Steffen Altmann

am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn; sein Thema:

„Understanding Default Effects: Psychological Foundations, Economic Consequences

and Implications for Public Policy“. Und Dr. Bettina Bruns beschäftigt

sich künftig – gefördert mit 600.000 Euro – am Leibniz-Institut für Länderkunde

e. V. in Leipzig unter dem Titel „Im ‚Ring sicherer Nachbarstaaten’ …“

mit regionalen und lokalen Effekten des extraterritorialen Engagements der

Europäischen Union in Belarus, der Ukraine und der Republik Moldau.

Bei ihrer Suche nach Leitbildern guter Kind -

heit betritt Professorin Dr. Tanja Betz (unten,

links) wissenschaftliches Neuland, indem sie

neben Lehrern, Erziehern und Eltern auch

Kinder gleichberechtigt in ihre Untersuchun -

gen einbezieht. Zu ihrem „Schumpeter-Team“

gehören (oben, von links) die beiden Diplom -

pä dagoginnen Stefanie Bischoff und Con -

stan ze Söllner so wie die Diplomso zio login

Bettina Breuer. An der Universität Frankfurt

am Main fühlt sich die interdis ziplinär aufgestellte

Forscherin nen gruppe sichtlich wohl.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 25


26

Bewilligungen insgesamt

Bewilligungen

Stiftungskonsortium 83

in Mio. Euro, seit 2005 22,7

davon: Bewilligungen

VolkswagenStiftung 64

in Mio. Euro, seit 2005 18,5

Anträge 2010 Dilthey-Fellowships

Eingereicht 41

mit Volumen in Mio. Euro 16,4

Bewilligungen

Stiftungskonsortium 7

mit Volumen in Mio. Euro 2,8

davon: Bewilligungen

VolkswagenStiftung 6

mit Volumen in Mio. Euro 2,4

Anträge 2010 „Opus magnum“

Eingereicht 18

mit Volumen in Mio. Euro 2,4

Bewilligungen

Stiftungskonsortium 9

mit Volumen in Mio. Euro 1,5

davon: Bewilligungen

VolkswagenStiftung 6

mit Volumen in Mio. Euro 1,2

Kontakt

Dr. Gudrun Tegeder

Telefon 0511/8381-289

tegeder@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 84

Pro Geisteswissenschaften

Was haben die Geisteswissenschaften zu den Fragen der modernen Wissensgesellschaft

und zu den brisanten kulturellen Konflikten der Gegenwart zu

sagen? Welche Rolle spielt die historische und symbolische Verfasstheit aktueller

Problemlagen? Auf welche Weise ist die Geschichte von Begriffen, Bildern,

Zeichen und Medien mit im Spiel, wenn Naturwissenschaftler, Techniker und

auch Politiker ihre Erkenntnisse gewinnen? Was überhaupt ist geisteswissenschaftliche

Grundlagenforschung?

Fragen wie diese charakterisieren die Unverzichtbarkeit der Geisteswissenschaften.

Und: Sie deuten zugleich an, wie unermesslich breit und reichhaltig

sich das Feld interessanter Fragestellungen darstellt. Sicher ist: Mit dem neuen

Jahrzehnt scheint die Zeit endgültig vorbei, in der vor allem die Krise und

Marginalisierung der Geisteswissenschaften hierzulande thematisiert wurden.

Inzwischen stehen wieder das Potenzial, die Kompetenz und das Leistungsvermögen

geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschung im Vordergrund

der Debatten – ein Erfolg auch der Initiative „Pro Geisteswissenschaften“? Seit

dem Jahr 2005 bekennen sich VolkswagenStiftung und Fritz Thyssen Stiftung

gerade mit diesem Angebot explizit zu den geisteswissenschaftlichen Fächern

und möchten deren spezifischen Bedürfnissen Rechnung tragen.

Unterstützung soll geisteswissenschaftliche Forschung insbesondere dort er -

halten, wo sie sich in den Grenz- und Überschneidungsbereichen der Fächer

bewegt, wo sie sich neue, schwierige Felder erschließt und schon von daher

einen längeren Atem benötigt. Dabei geht es sowohl darum, hoch qualifizierten

wissenschaftlichen Nachwuchs in den Geisteswissenschaften zu halten,

als auch jenen ein attraktives Angebot zu machen, die durch hervorragende

Arbeiten bereits Renommee und einen festen Platz in der Wissenschaft

gewonnen haben. Mit der Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ haben die

beiden Stiftungen ein in Deutschland bislang einzigartiges Förderangebot

ins Leben gerufen, das passgenau auf die spezifischen Rahmenbedingungen

und Möglichkeiten der geisteswissenschaftlichen Forschung zugeschnitten

ist. So werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Nachdruck

ermutigt, sich anspruchsvollen, neuen und besonders risikoreichen Forschungsfeldern

jenseits des Mainstreams zuzuwenden.

Die Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ umfasst zwei Komponenten. Ein

bedeutender Baustein sind die „Dilthey-Fellowships“ für den hoch qualifizierten

wissenschaftlichen Nachwuchs in den Geisteswissenschaften. Des Weiteren

ermöglicht die Förderlinie „Opus magnum“ Freistellungen für herausragende

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ein größeres wissenschaft -

liches Werk verfassen möchten – bei gleichzeitiger Lehrvertretung. Für beide

Förderlinien stellten die Stiftungen im Jahr 2010 insgesamt 4,25 Millionen

Euro bereit. Davon profitierten sieben neue Dilthey-Fellows und neun „Opus

magnum“-Vorhaben.


Woher beispielsweise rühren Betroffenheit und der Wunsch, Verantwortung

für Notleidende in fernen Ländern zu tragen? Welche Bedeutung spielen dabei

politische und wirtschaftliche Interessen – neben persönlicher Prägung, religiösen

und moralischen Überzeugungen? Ein spannendes Thema zweifelsohne.

Ebenso wie das folgende: Wie veränderten sich Erziehungsideale und -praktiken

in (West-)Deutschland und Frankreich zwischen dem Ende des Zweiten

Weltkriegs und den späten 1970er Jahren, und was sagt dieser Wandel über

grundlegende gesellschaftliche Entwicklungen der Nachkriegszeit aus? Und:

Wie kam es, dass Massenmedien eine politische Bedeutung zuwuchs? Handelte

es sich dabei vielleicht gar zunächst nur um eine „gefühlte“ Bedeutung,

die dann real wurde? Und wie stellt sich diese Entwicklung vergleichend dar

mit Blick beispielsweise auf Großbritannien, Deutschland und die USA?

Diese drei Fragestellungen illustrieren beispielhaft die unterschiedlichen

Facetten innovativer geisteswissenschaftlicher Forschung im Rahmen der

aktuellen Bewilligungen von „Pro Geisteswissenschaften“; drei von 16 Themen,

die für die breite Palette wissenschaftlicher Vorhaben stehen, die nun

im Zuge von Dilthey-Fellowships oder Opus magnum-Förderungen von Fritz

Thyssen Stiftung und VolkswagenStiftung auf den Weg gebracht wurden.

Mit den Dilthey-Fellowships – benannt nach dem deutschen Philosophen

Wilhelm Dilthey (1833 bis 1911) – sollen exzellente Nachwuchswissenschaft -

lerinnen und -wissenschaftler Themen bearbeiten können, die den Geisteswissenschaften

neue Gebiete erschließen und die aufgrund ihrer Komplexität

oder ihres höheren Risikos von vornherein längere Planungs- und Zeithorizonte

benötigen. Ein solches Fellowship ist in der Regel mit einer Fördersumme

von 400.000 Euro ausgestattet. Die in 2010 neu bewilligten sieben Fellows

befassen sich mit Fragestellungen aus den Politik- und Geschichtswissenschaften,

aus Philosophie und Theologie sowie aus den Literatur- und Kulturwissenschaften.

Angesiedelt sind die Vorhaben an der Humboldt-Universität

Berlin und den Universitäten Eichstätt-Ingolstadt, Freiburg, Gießen, Heidelberg,

Leipzig und Münster.

Über die Förderlinie Opus magnum können sich Forscherinnen und Forscher

bis zu zwei Jahre von ihren sonstigen Aufgaben freistellen lassen, um sich

auf die Abfassung eines größeren wissenschaftlichen Werks zu konzentrieren,

für das sie ansonsten aufgrund ihrer Einbindung in Lehre, universitäre

Selbstverwaltung, Begutachtungs- und Evaluationsverfahren keine Zeit finden.

Für den gewählten Zeitraum muss eine Lehrvertretung aus dem wissenschaftlichen

Nachwuchs bereitstehen. Die im Jahr 2010 von den beiden Stiftungen

ausgewählten neun Projekte umfassen Themen aus der Philosophie,

den Geschichts- und Politikwissenschaften, der Theologie sowie der Islamwissenschaft.

Zwei der geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft ler

arbeiten an der Universität Münster, die sieben anderen an den Universitäten

Bamberg, Braunschweig, Frankfurt am Main, Halle-Wit tenberg, Konstanz,

Tübingen und an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.

Welchen Einfluss haben US-amerikanische

Hilfs organisa tionen auf die Weltpolitik? Dr.

Daniel Roger Maul vom Historischen Institut

der Universi tät Gießen verschaffte sich zu

Beginn seines Dilthey-Fellowships im Jahr

2010 zunächst in Oslo am Nobel-Institut

einen Einblick in Veröffentlichungen von und

über wichtige amerikanische Hilfsorganisa -

tio nen wie CARE, das Amerikanische Rote

Kreuz oder die Quäkerhilfe. Das Nobel-Insti -

tut beherbergt eine der weltweit besten

Samm lungen zum Thema Humanitarismus.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 27


28

Anträge 2010

Eingereicht 30

mit Volumen in Mio. Euro 13,1

Bewilligungen 10

mit Volumen in Mio. Euro 3,0

Bewilligungen insgesamt 41

in Mio. Euro, seit 2004 9,0

Kontakt

Dr. Gudrun Tegeder

Telefon 0511/8381-289

tegeder@volkswagenstiftung.de

Hochschule der Zukunft

Strukturelle Erneuerung und stärkere Internationalisierung der Hochschulen:

Das waren die beiden grundlegenden Ziele, die in den ersten Jahren mit der

Förderinitiative „Hochschule der Zukunft“ verfolgt wurden. Inhaltlich war

das Angebot dabei bewusst offengehalten. Seit dem Jahr 2009 konzentriert

sich die Stiftung nun auf ausgewählte Themenfelder und nimmt fokussierte

Ausschreibungen vor. Als erstem Thema widmete sie sich in Zusammenarbeit

mit der Stiftung Mercator der Lehre. Auf diesem Gebiet gab es in verschiedenen

Ländern Europas bereits zahlreiche Neujustierungen, ausgerichtet zumeist

auf das ehrgeizige Vorhaben, im Zuge des Bologna-Prozesses einen gemeinsamen

europäischen Hochschulraum zu schaffen.

Auch in Deutschland gilt es, Kompetenz neu aufzubauen im Bereich der

Curri culumentwicklung – und zwar unter Einbeziehung der Lehr- und Lernforschung.

Genau darauf zielte die Ausschreibung „Bologna – Zukunft der

Lehre“. Konkret ging es darum, die Studierbarkeit von Studiengängen zu

erhöhen, Abbrecherquoten zu senken, Betreuungsrelationen zu verbessern

und die Mobilität zwischen Hochschulen auszubauen. Dass hier auch von -

seiten der Hochschulen Nachbesserungsbedarf gesehen wurde, bewies die

große Resonanz auf die Ausschreibung. Insgesamt waren mehr als 350 Hochschulen

deutschlandweit antragsberechtigt, 105 beteiligten sich federführend

– aus nahezu allen Bundesländern. Knapp 180 Antragsskizzen gingen ein: aus

allen Fachbereichen und vielfach in Form hochschulübergreifender Allianzen.

Die Ausschreibung umfasste drei Förderlinien. Antragsstichtag für die Wettbewerbsteilnehmer

in den ersten beiden Linien war Mitte 2009, die Entscheidungen

fielen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Frühjahr 2010.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres präsentierten sich die neun Wett -

bewerbsgewinner bei einer Veranstaltung der Stiftungen in Berlin. Zurzeit

können Anträge nur in der dritten Förderlinie „Regionalkonferenzen und

Workshops“ eingereicht werden.

Mit der ersten Förderlinie sollten Hochschulen bei der Entwicklung und

Erprobung neuer Curricula bei Bachelorstudiengängen unterstützt werden.

Hier galt es, Anreize zu setzen für beispielgebende Studiengänge, die die Vermittlung

von Basiswissen und Überblickskompetenz in Einklang bringen

mit der wissenschaftlich gebotenen Spezialisierung. Insgesamt ließ sich die

international und interdisziplinär zusammengesetzte Expertenkommission

in dieser Förderlinie von sechs Vorhaben überzeugen.

Die Fachhochschule Bielefeld beispielsweise wird in Kooperation mit einer

Berufsschule einen dualen Studiengang „Pflege“ einrichten, in dem akade -

mische und berufliche Ausbildung parallel und zugleich verzahnt verlaufen.

Theoretische und praktische Ausbildungsaktivitäten sind dabei eng aufein -

ander abgestimmt. Auch die Universität Ulm und die Hochschule Ulm wollen


ein gleichermaßen forschungsorientiertes wie praxisnahes Studienangebot

schaffen; der gemeinsame Studiengang „Computational Science and En gi neer -

ing“ verbindet Mathematik, Informatik, Ingenieur- und Naturwissenschaften

mit dem Schwerpunkt Modellierung und Simulation. Der besondere Praxisund

Regionalbezug wird erreicht über eine Kooperation mit der Indus trie- und

Handelskammer Ulm. An der Universität Göttingen wiederum zielt das Projekt

PONS für die Klassische Archäologie darauf, interessierten Studierenden

über ein zu knüpfendes Netzwerk den Studienortwechsel innerhalb Deutschlands

zu erleichtern. Studierende können künftig durch geschickt gewählte

Aufenthalte an zwei oder drei Universitäten spezifische Vertiefungen individuell

in ihre Ausbildung integrieren.

Die zweite Förderlinie zielte auf Expertengruppen beziehungsweise Kompetenzzentren

für Hochschullehre. Auf diese Weise lassen sich Kenntnisse und

Erfahrungen zur Verbesserung der Lehrqualität bündeln: zum Beispiel in

Fachzentren, für einzelne Disziplinen oder aber Fächergruppen – und das

auch hochschulübergreifend. Ziel ist es dann in einem nächsten Schritt, die

experimentell entwickelten Curricula – und zwar wissenschaftlich begleitet

– konkret zu implementieren. Aufgrund der Unterschiede in den Arbeitsweisen,

Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten der einzelnen Fächer

sind die Zentren und Gruppen möglichst fachnah organisiert, ohne dass

dabei jedoch Fachgrenzen zementiert werden. Zudem wirken Praktiker aus

Hochschule und (Hochschul-)Politik mit, sodass die Forschungsaktivitäten

der Expertengruppen und Kompetenzzentren von Beginn an praxisorientiert

ausgerichtet sind. Letztlich ging es den beiden Stiftungen vor allem darum,

über diese zweite Förderlinie eine nachhaltige Infrastruktur zu schaffen, die

alle relevanten Aspekte der Hochschullehre erforscht, stützt und stärkt.

Drei solcher Zentren konnten sich im Feld der Wettbewerber durchsetzen.

So versteht sich das standortübergreifende Kompetenzzentrum „Hochschuldidaktik

Mathematik“ an den Universitäten Paderborn und Kassel als didaktischer

Kristallisationspunkt für alle Studiengänge mit Mathematikanteil –

etwa die Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Gerade zu Beginn

des Studiums haben viele Studierende Schwierigkeiten mit mathematischen

Inhalten. Hier setzt das Kompetenzzentrum an: Für Mathematiklehrende werden

Instrumente entwickelt, mit deren Hilfe sie Studierende besser erreichen

können. Zwei weitere Zentren entstehen an der Charité in Berlin und für die

Ingenieurwissenschaften an den Universitäten Bochum und Dortmund.

Die dritte Förderlinie fokussiert internationale Konferenzen, Workshops

und Symposien. Zunächst haben die beiden Stiftungen selbst in der Startphase

der Initiative vier Regionalkonferenzen ausgerichtet, bei denen Beispiele

guter Lehre vorgestellt, Erfahrungen ausgetauscht und wichtige Aspekte des

Bologna-Prozesses diskutiert wurden. Geplant ist, künftig gemeinsam mit

europäischen Partnerstiftungen internationale Konferenzen, Workshops und

Symposien auf den Weg zu bringen.

Im Oktober 2010 präsentierten die Gewinner

des Wettbewerbs „Bologna – Zukunft der

Lehre“ in der Bundeshauptstadt ihre Ideen

und erste Umsetzungen. Sie stellten sich

den Fragen der Beteiligten aus den anderen

Projekten, aber auch einem bunten Feld

Interessierter aus Wissenschaft und Politik,

die aus dem In- und Ausland in der Berlin-

Brandenburgischen Akademie der Wissen -

schaften zusammengekommen waren.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 29


30

Anträge 2010

Eingereicht 15

mit Volumen in Mio. Euro 0,2

Bewilligungen 15

mit Volumen in Mio. Euro 0,1

Bewilligungen insgesamt 35

in Mio. Euro, seit 2008 4,3

Kontakt

Katharina Ulbrich

Telefon 0511/8381-276

ulbrich@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 93

Forschung in Museen

Im Jahr 2008 startete die VolkswagenStiftung ein Förderangebot, das die

Institution Museum in den Blick nimmt. Übergreifende Ziele der Initiative

„Forschung in Museen“ sind dabei die Stärkung der Museen als Forschungseinrichtungen

und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im

Bereich der sammlungsbezogenen Forschung. Nach einer sehr erfolgreichen

ersten Ausschreibungsrunde konnten Mitte 2010 nun zum zweiten Mal Projektskizzen

in dieser Initiative eingereicht werden. Das in der ersten Ausschreibung

2008 entwickelte Rahmenkonzept galt – mit leichten Modifizierungen

– auch für die zweite Wettbewerbsrunde. Es trägt vor allem der

He terogenität der Museumslandschaft Rechnung. Erneut war die Resonanz

groß: Zum Stichtag erreichten die Stiftung 82 Projektskizzen, von denen gut

ein Viertel zu einer Antragstellung aufgefordert wurde. Über diese Anträge

wird im Laufe des Jahres 2011 entschieden.

Das Förderangebot zielt im Kern auf mittlere und kleinere Museen hierzu -

lande. Gerade diesen Einrichtungen stehen oftmals nur unzureichend Mittel

und Kapazitäten für Forschung an den Sammlungen zur Verfügung. Das ist

fatal, kann doch eine nachhaltige Museumsarbeit nur auf dem Wissen über

die vorhandenen Sammlungen aufbauen. Daher bietet die Stiftung gerade

kleinen und mittleren Häusern die Möglichkeit, Forschungsvorhaben zu be -

antragen. Ein solches Projekt soll auf der Kooperation zwischen einem Museum

und einer universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtung

beruhen und maßgeblich vom wissenschaftlichen Nachwuchs getragen sein.

Explizit fördert die Stiftung hier zum einen im Rahmen kooperativer Projekte

Doktorarbeiten zu sammlungsbezogenen Themen. Zum anderen erhalten

promovierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Chance,

selbst Projekte mit Sammlungsbezug zu beantragen.

Beispielhaft dafür steht ein 2010 bewilligtes Forschungsprojekt am Museum

für Naturkunde Chemnitz, das auf große Aufmerksamkeit sogar weit über die

paläobotanische Fachwelt hinaus stößt – der versteinerte Wald von Chemnitz,

eine weltweit einzigartige geologische Grabungsstätte. Durch einen Vulkanausbruch

vor 290 Millionen Jahren entstand ein konservierter Regenwald,

der sich heute in bis zu zwanzig Metern Tiefe unter dem Chemnitzer Stadtteil

Hilbersdorf befindet. Seit 2008 wurden auf dem 500 Quadratmeter großen

Areal bereits über 550 Baumstämme und andere Pflanzen ausgegraben, davon

rund fünfzig noch aufrecht stehend an ihrem ursprünglichen Wuchsort. Und

nicht nur das, auch zwei vollständige Skelette kleiner Saurier wurden inzwischen

entdeckt, des Weiteren über tausend Abdruckfossilien erschlossen. Der

spektakulärste Fund aber ist ein etwa zehn Meter langer und – eine Besonderheit

– verzweigter Schachtelhalm, den die Deutsche Paläontologische Gesellschaft

prompt zum „Fossil des Jahres 2010“ wählte. Chemnitzer Forscher

können jetzt das geborgene Fossilmaterial im Detail präparativ und wissenschaftlich

erschließen. Zu dem von der VolkswagenStiftung geförderten For-


scherteam um die Projektleiter Dr. Ronny Rößler und Dr. Thorid Zierold gehören

im Kern noch Postdoktorand Dr. Zhuo Feng und der Geologietechniker

Mathias Merbitz nebst weiteren Mitarbeitern. Anhand der Funde wollen sie

möglichst viele Arten bestimmen und die dortige Ur-Pflanzengesellschaft

genau zu rekonstruieren versuchen.

Darüber hinaus unterstützt die Stiftung in einer zweiten Förderlinie auch

internationale Vernetzungsaktivitäten großer Museen, die Spitzenforschung

betreiben. In diesem Kontext haben Museumsmitarbeiter die Chance, sich

für projektbezogene eigene Forschungsarbeiten freistellen zu lassen. Großer

Nachfrage erfreut sich die dritte Förderlinie, die der Schärfung des Profils von

Museen als Forschungsinstitution und deren besserer Wahrnehmung in der

Öffentlichkeit dient. Die Stiftung fördert hier zum einen Workshops und Veranstaltungen,

die auf die Vernetzung von Museumsmitarbeitern zielen. Auf

diesem Weg sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener

Institutionen möglichst mit Bezug zu einem bestimmten Sammlungsbestand

zusammenkommen – und zwar in der Perspektive, gemeinsam Forschungsfragen

und -methoden zu entwickeln. Zum anderen unterstützt die Stiftung

Formate der Öffentlichkeitsarbeit, damit Forschungsergebnisse nicht zuletzt

ein breiteres Publikum erreichen. Auch so werden Museen als Forschungs -

institutionen sichtbar profiliert.

Ein in 2010 bewilligtes Vorhaben, das beide Zielsetzungen überzeugend zu -

sammenführt, ist am Till Eulenspiegel-Museum in Schöppenstedt verankert.

Im Juni vergangenen Jahres trafen sich dort zu einem Symposium Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler aus aller Welt, die über Till Eulenspiegel

forschen. Einige von ihnen motivierte das derart, dass sie nun zwei Wanderausstellungen

zum Thema konzipieren. Dies Projekt trägt entscheidend dazu

bei, das Museum und seine Sammlungen in die Eulenspiegel-Forschung zu

integrieren und als forschende Institution bekannt zu machen.

Neben der Unterstützung von Forschungsvorhaben bot die Förderinitiative

im Jahr 2010 auch den Rahmen für eine Veranstaltung mit dem Titel „Erblickt,

verpackt und mitgenommen. Herkunft der Dinge im Museum. Provenienzforschung

im Spiegel der Zeit“. Mit dieser Veranstaltung Mitte November im

Sprengel Museum Hannover erhielten Wissenschaftler aus der Provenienzforschung

ein Forum zum Austausch über Fragen, die sich mit der Herkunft

von Kunstwerken in deutschen Museen beschäftigen. Sie diskutierten dort

verschiedene Themenfelder wie „Kunst aus jüdischem Besitz“, „Raub- und

Beutekunst aus dem Zweiten Weltkrieg“ oder „Vermögensentzug von Kunstgegenständen

in der DDR“. Aufgrund des regen Interesses insbesondere der

Fachöffentlichkeit fasst die Stiftung ins Auge, in den kommenden Jahren die

Provenienzforschung als Veranstaltungsthema erneut aufzugreifen. Mit

einer solchen Reihe wird nicht zuletzt ein grundlegendes Ziel der Förderinitiative

verwirklicht: Anstöße zu geben, öffentlich über Forschung an Museen

zu diskutieren.

Der versteinerte Wald von Chemnitz sorgt

seit seiner Entdeckung als einzigartige geo -

logische Grabungsstätte für Furore. Die

Stiftung ermöglicht nun die wissen schaft -

liche Erschließung der Funde, an deren Aus -

grabung mittlerweile über 200 freiwillige

Helfer beteiligt waren und sind. Stück für

Stück wird mit bloßen Händen und jeder

Menge Schweiß freigelegt und geborgen.

Mathias Merbitz, Robert Noll und Dr. Zhuo

Feng (Bild unten, von links) verstärken jetzt

das Museums- und Forscherteam bei der

Bearbeitung der Tier- und Pflanzenfunde.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 31


32

Anträge 2010

Eingereicht 89

mit Volumen in Mio. Euro 2,5

Bewilligungen 47

mit Volumen in Mio. Euro 1,3

Bewilligungen insgesamt 1921

in Mio. Euro, seit 1966 28,4

Kontakt

das jeweilige Fachreferat –

und zu allgemeinen Fragen der

Förderinitiative:

Dr. Henrike Hartmann

Telefon 0511/8381-376

hartmann@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 1

Die Stiftung misst generell inner -

halb ihrer Initiativen der Förderung

wissen schaftlicher Kommunikation

große Bedeutung bei. Angaben zur

möglichen Unterstützung entsprechender

Veranstaltungen finden

sich bei den betreffenden Förder -

initia tiven beziehungsweise in den

jeweiligen Merkblättern.

Symposien und Sommerschulen

Bereits seit 1966 besteht die Förderinitiative „Symposien und Sommerschulen“.

Auch wenn sie im Laufe der Zeit diverse inhaltliche Veränderungen erfahren

hat, so standen doch immer die Erschließung neuer interessanter wissenschaftlicher

Themenfelder, die Vernetzung der Teilnehmer und – mit Blick

auf die Vermittlung – vielfach innovative Ausbildungsansätze im Fokus. Wissen

weiterzugeben außerhalb der üblichen Lehrpläne an Hochschulen und

dies in einem internationalen und interdisziplinären Umfeld: Das ist Kernanliegen

des Angebots. Wie in anderen Förderinitiativen auch, legt die Stiftung

dabei besonderen Wert auf die Einbindung des akademischen Nachwuchses

und berücksichtigt dessen Bedürfnisse. So können im Rahmen der Förderung

auch Mittel für Kinderbetreuung gewährt werden. Zudem setzt die Stiftung

über die Bedingungen der Veranstaltungsausschreibungen Akzente mit Blick

auf eine angemessene Teilnahme von Wissenschaftlerinnen – ein wichtiges

Kriterium bei der Begutachtung eines Antrags.

Im Jahr 2010 wurden zwölf Sommerschulen und 35 Symposien mit insgesamt

rund 1,3 Millionen Euro unterstützt – selten war die Zahl der Anträge und

Bewilligungen so hoch wie im Berichtsjahr. Der Hauptanteil der Veranstaltungen

entfällt mit etwa 70 Prozent wie in den Vorjahren auf die Geistesund

Gesellschaftswissenschaften. Allerdings waren – der Philosophie der

Initiative entsprechend – viele der Symposien und Sommerschulen explizit

interdisziplinär ausgerichtet, sodass eine eindeutige Zuordnung zu einem

bestimmten Fachgebiet nur schwer möglich ist. Im Folgenden werden drei

Veranstaltungen dargestellt, die die thematische Breite und den Facettenreichtum

dieses Förderangebots belegen:

Der immer weiter voranschreitende medizinische Fortschritt berührt nicht

nur neue Fragen der Gesundheitsökonomie, sondern stellt zugleich geistesgeschichtliche

Entwürfe und Vorstellungen von Krankheit oder über das

Verhältnis zum eigenen Körper immer wieder neu infrage. Sowohl aus historischer

als auch insbesondere kulturell vergleichender Perspektive können

sich hier unterschiedliche Betrachtungen und Bewertungen ergeben. Damit

ist der Rahmen gesteckt für das Symposium „Health, Culture and the Human

Body“, das initiiert wurde von Professor Dr. Dr. Ilhan Ilkilic vom Institut für

Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Mainz und

Professor Dr. Hajo Zeeb vom Bremer Institut für Präventionsforschung. Im

Zentrum der interdisziplinär angelegten Veranstaltung stand vor allem ein

entsprechender „deutsch-türkischer Kulturvergleich“. Aus der Perspektive

insbesondere der Medizingeschichte, Epidemiologie und Gesundheitsethik

näherten sich die Diskutanten dann konkret Themenfeldern wie der Organtransplantation,

Infektionskrankheiten oder Fragen rund um das Lebensende.

Ziel war es dabei auch, die Netzwerkbildung zwischen den Teilnehmerinnen

und Teilnehmern beider Länder voranzubringen. Über die Veranstaltung wurde

in mehreren türkischen Zeitungen berichtet.


33 Nachwuchswissenschaftler aus der Psychologie, Ökonomie, Philosophie,

Biologie und den Neurowissenschaften besuchten die achttägige Sommerschule

„Bounded Rationality – Foundations of an Interdisciplinary Decision

Theory”. Deren Ziel war es, eine Grundlage zu schaffen für eine neue Entscheidungstheorie,

die auf dem Konzept der „Begrenzten Rationalität“ fußt. Dieser

Begriff stellt eine Alternative dar zu klassischen Entscheidungstheorien und

geht davon aus, dass Entscheidungsmechanismen immer auch an die Umwelt

angepasst sind. In mehreren Workshops waren die Teilnehmer gefordert, eben

erst Erlerntes anhand expliziter wissenschaftlicher Fragestellungen anzuwen -

den. Darüber hinaus stellte jeder Teilnehmer eigene Forschungsprojekte vor

und erhielt Feedback von Kollegen und Lehrenden – darunter 16 international

renommierte Wissenschaftler, die Einblicke gaben in verschiedene Bereiche

der Entscheidungsforschung. Das Programm bot unterdessen genügend

Raum für den freien interdisziplinären Austausch mit dem Ziel, hier und da

vielleicht einen Grundstein zu legen für potenzielle künftige Kooperationen.

Geleitet wurde die Veranstaltung von Professor Dr. Gerd Gigerenzer vom

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Professor Dr. Vernon

Smith von der Chapman University School of Law in Orange, Kalifornien, USA.

Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts haben das Gesicht Europas und

der Welt nachhaltig geprägt. Einen Einblick in die Gedankenwelt jener Zeit

bieten auf ganz eigene Weise die Feldpostbriefe. Diese privaten Texte waren

wichtigstes Medium für den Gedankenaustausch zwischen Angehörigen

und Soldaten und damit zugleich tragende Säule gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Im Museum für Kommunikation in Berlin lagern die deutschlandweit

größten geschlossenen Sammlungsbestände an Feldpostbriefen aus dem

Zeitalter der Weltkriege. Dort fand im Jahr 2010 ein Symposium statt zum

Thema „Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg: Feldpost im Zeitalter der

Weltkriege“. Unter Leitung von Dr. Lieselotte Kugler und Dr. Veit Didczuneit

diskutierte ein internationaler Teilnehmerkreis den aktuellen Forschungsstand

und neue methodische Ansätze. Des Weiteren diente die Veranstaltung

dem Erfahrungsaustausch zum archivarischen und sammlerisch angemessenen

Umgang mit diesen Materialien. Erörtert wurde auch der mediale und

literarische Wert der Feldpostbriefe.

Schnell noch einen Gruß in die Heimat: Feldpostbriefe waren in

beiden Weltkriegen essenzielles Medium für den Gedan ken aus -

tausch zwischen Soldaten und ihren Angehörigen – und im Sep -

tem ber 2010 Thema eines internationalen Sym posiums in Berlin.

Die Fotografien in der Mitte und unten aus dem Jahr 1915 zeigen

deutsche Soldaten im Ersten Welt krieg beim Schreiben von Feld -

postbriefen, teils im Schützen graben. Oben sind wir im Jahr 1942:

Ein Soldat wirft einen Brief in einen mit kyrillischen Buchstaben

beschrifteten Briefkasten in Nowo-Petrowska ein.

Jahresbericht 2010 Personen und Strukturen 33


36

38

40

42

44

Fellowships an amerikanischen Universitäten für Postdoktorandinnen

und -doktoranden aus den Geisteswissenschaften

Wissen für morgen – Kooperative Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika

Zwischen Europa und Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft

Zukunftsfragen der Gesellschaft – Europe and Global Challenges

Dokumentation bedrohter Sprachen


Förderung 2010

Internationales

Wissenschaft ist in besonderem Maße globalisiert – das kommt nicht zuletzt in

dem Slogan von der weltweiten Konkurrenz um die besten Köpfe zum Ausdruck.

Betrachtet man das Ziel der Internationalisierung explizit von der Wissenschaft

her, werden allerdings viele Barrieren erkennbar. Sie haben mit Geld und Politik zu

tun, mit disziplinären Methoden, technologischen Voraussetzungen oder institutionellen

Strukturen, auch mit Sprache und gegenseitigem Verstehen. Hier ebenso

„entgrenzend“ wie über die Grenzen – gleich welcher Art – zusammenführend zu

wirken, ist immer schon Ziel der VolkswagenStiftung gewesen. Mit diesem Förder -

bereich zielt die Stiftung daher besonders auf die Zusammenarbeit von Wissen -

schaftlern in Deutschland mit akademischen Institutionen in Ländern außerhalb

der Europäischen Union, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zum

einen sollen die wissenschaftlichen Einrichtungen im Ausland von dem Vorhaben

profitieren und die – insbesondere jüngeren – Wissenschaftlerinnen und Wissen -

schaftler in der Region Möglichkeiten zur Qualifizierung erhalten. Ebenso soll aber

auch durch Unterstützung von Auslandsprojekten und -aufenthalten der deutschen

Forschung zu stärkerer internationaler Orientierung verholfen werden. Die Stiftung

hat sich ein „capacity development“ in den jeweils fokussierten Regionen zum Ziel

gesetzt und sich vor dem Hintergrund dieser Herausforderung prinzipiell für langfristige

Engagements und damit für Kontinuität in der Förderung entschieden.

Leitender Gedanke ist das Bestreben, die klassische Perspektive des „Forschens

über“ zu verlassen und in die des „Forschens mit“ zu überführen. Forschungsvor -

haben werden daher gemeinsam von allen Beteiligten konzipiert und umgesetzt.

Damit die Wissenschaftler der jeweiligen Region von Beginn an angemessen be -

teiligt sind, entwickelt die Stiftung spezifische Förderinstrumente, die den Gege -

benheiten in den einzelnen Ländern und Regionen Rechnung tragen. Darüber hinaus

können – sowohl unabhängig als auch im Kontext von Forschungsprojekten –

Symposien, Sommerschulen oder spezifische Fortbildungsmaßnahmen für Nach -

wuchswissenschaftler beantragt werden wie etwa Methodentrainings. In einigen

Initiativen können sich herausragende Nachwuchswissenschaftler auch direkt um

ein Fellowship bewerben. Wo es sich inhaltlich anbietet, ist die Einbe ziehung von

Stakeholdern in die Projektplanung und -durchführung Teil der Förderung.

Anträge von im Ausland tätigen Wissenschaftlern nimmt die Stiftung übrigens

auch im Rahmen der meisten anderen Förderinitiativen entgegen, dies schließt

Forscher aus Industrienationen ein. Basis muss auch hier eine substanzielle

Kooperation mit einer deutschen Partnerinstitution sein, und natürlich gilt für

alle Förderlinien das Prinzip der „Kooperation auf Augenhöhe“.


36

Internationales

Anträge 2010

Eingereicht 9

mit Volumen in Mio. Euro 0,9

Bewilligungen 2

mit Volumen in Mio. Euro 0,2

Bewilligungen insgesamt 9

mit Volumen in Mio. Euro,

seit 2007

0,7

Kontakt

Dr. Almut Steinbach

Telefon 0511/8381-370

steinbach@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 91 und 95

Fellowships an amerikanischen Universitäten

für Postdoktorandinnen und -doktoranden

aus den Geisteswissenschaften

Die „Fellowships at Harvard“ hatte die VolkswagenStiftung erstmals 2008

ausgeschrieben. Mit dieser Förderung erhalten junge Geisteswissenschaftler

die Möglichkeit, für jeweils ein Jahr am Humanities Center der Harvard University

zu arbeiten und dabei auf die dortigen Bibliotheken, Archive und weitere

Forschungs- und Kommunika tionsangebote zurück zugreifen. Sie können

somit ihre Forschungskompetenz und ihr Forschungsprofil auf einem zukunftsweisenden

geisteswissenschaftlichen Gebiet international stärken und weiterentwickeln

sowie Grenzen überschreitende Netzwerke knüpfen.

Ende 2010 wurde, ausgehend vom Harvard-Engagement, mit der Ausweitung

des Angebots entsprechender Fellowships an amerikanischen Univer sitäten

begonnen. So hat die Stiftung als ersten weiteren Baustein ein Partnerprogramm

mit der Washington University in St. Louis auf den Weg ge bracht.

Dabei wurde die Initiative erstmals auch um eine reziproke Dimension er -

gänzt, einen Austausch in beide Richtungen. In einem nächsten Schritt will

die Stiftung nun mehrere Institutes for Advanced Studies, Universitäten und

Forschungsinstitute auf deutscher beziehungsweise europäischer sowie auf

amerikanischer Seite in die Initiative einbinden. Die Konkretisierung des Programms

wird 2011 im Austausch mit möglichen aufnehmenden Institutionen

und mit der US-amerikanischen Mellon Foundation erfolgen.

Washington University, St. Louis

Dieses kleine Programm mit der Washington University in St. Louis, eine der

besten amerikanischen Forschungsuniversitäten, wird jährlich zwei mit rund

80.000 Euro ausgestattete Fellowships umfassen. Sie werden erstmals für

das Studienjahr 2011/12 vergeben. Die Initiative für dieses Angebot ging von

Professor Dr. Paul Michael Lützeler aus vom Max Kade Center for Contemporary

German Literature an der Washington University; dort ist das Vorhaben in die

School of Arts & Sciences eingebunden. Im Austausch wird die Washington

University zwei Fellows einen Aufenthalt von etwa neun Monaten an einer

deutschen Forschungseinrichtung ermöglichen.


Humanities Center der Harvard University

Das Humanities Center der Harvard University bietet besondere informelle

Möglichkeiten zum Gedankenaustausch und zu gemeinsamer wissenschaftlicher

wie künstlerischer Arbeit. Ein wichtiges Anliegen dieser Einrichtung

ist die Förderung von Kontakten und Kooperationen zwischen den Geistes-,

Sozial- und Naturwissenschaften. Darüber hinaus gehört es zu den Zielen des

Centers, die Bedeutung der Geisteswissenschaften für die politischen und

gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit augenfällig und verständlich

zu machen. Unter acht Bewerberinnen und Bewerbern der Auswahlrunde

2010 konnten sich letztlich zwei durchsetzen.

So wird sich die Historikerin Dr. Sita Steckel von der Universität Münster in

Harvard mit Kulturen rechtlicher, theologischer und charismatischer Autorität

in Häresiekontroversen im mittelalterlichen Frankreich beschäftigen. In

ihrem Projekt „Katalytische Konflikte“ reflektiert sie dabei das Verhältnis von

Religion und Politik; ein Thema, dem gegenwärtig auch international hohe

Aufmerksamkeit zukommt. Dr. Andreas Victor Walser vom Deutschen Archäo -

logischen Institut in München setzt sich unter dem Oberbegriff „Sympolitien“

mit gesellschaftlichen Konzentrationsprozessen in der hellenistischen Zeit

auseinander. Wenig untersucht sind die Zusammenschlüsse einzelner griechischer

Stadtstaaten, die häufig durch eine Eingemeindung kleinerer Nachbargemeinden

erfolgten. Walsers Analyse könnte nun Erkenntnisse liefern

über Grundbedingungen der gesellschaftlichen Ordnung und des Zusammenlebens

in jener Zeit. Die Stiftung stellt für jedes „Harvard-Fellowship“ mit einer

Laufzeit von einem Jahr rund 100.000 Euro zur Verfügung. Im Frühsommer

2011 stehen die Fellows der vierten Wettbewerbsrunde fest. Aufgrund der

geringen Zahl von Bewerbern im Vorjahr wurden bei der Veröffentlichung

der Ausschreibung neue Wege gewählt, etwa über einschlägige Newsletter

und andere Verteiler – mit Erfolg: Die Zahl der Bewerber stieg auf 23.

Die drei Fellows des akademischen Jahres 2008/2009 sind inzwischen aus

Harvard zurückgekehrt. Dr. Andreas Fischer vom Fachbereich Geschichts- und

Kulturwissenschaft der Freien Universität Berlin berichtete wie seine beiden

Kollegen von einem erfolgreichen Forschungsjahr in einem anregenden akademischen

Umfeld, in dem er wertvolle Kontakte knüpfen konnte. Über ihre

Zeit in Harvard und die vielfältigen Einblicke in das Hochschulwesen der USA

schreibt Dr. Christina Wald vom Fachbereich Anglistik der Universität Augsburg

in einem ausführlichen Reisebericht in den aktuellen „Impulsen für die

Wissenschaft 2011“, dem Forschungsmagazin der VolkswagenStiftung. Den

wissenschaftlichen Austausch mit den Kollegen von jenseits des Atlantiks

wollen die drei auch weiterhin pflegen – nicht zuletzt über gegenseitige

Besuche. So organisierte beispielsweise Fellow Dr. Detlef von Daniels vom

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität

Erfurt im Mai 2011 in Harvard einen weiteren Workshop zu seinem

Thema, der Entwicklung einer politischen Philo sophie eines Commonwealth.

Ein Jahr im Forscherparadies – das erwartet

auch die beiden erfolgreichen Harvard-Fel -

lows der Auswahlrunde 2010: Dr. Sita Steckel

und Dr. Andreas Victor Walser erleben gerade

das attraktive akademische Umfeld der USamerikanischen

Elite-Universität.

Jahresbericht 2010 Internationales 37


38

Anträge 2010

Eingereicht 42

mit Volumen in Mio. Euro 5,6

Bewilligungen 25

mit Volumen in Mio. Euro 2,6

Bewilligungen insgesamt 162

in Mio. Euro, seit 2003 21,4

Kontakt

– zu Anträgen aus den Natur- und

Ingenieurwissenschaften; Medizin:

Dr. Detlef Hanne

Telefon 0511/8381-389

hanne@volkswagenstiftung.de

– zu Anträgen aus den Geistes- und

Gesellschaftswissenschaften:

Dr. Cora Ziegenbalg

Telefon 0511/8381-237

ziegenbalg@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 81

Über eine Sommerschule zur Paläoanthropologie

im Herbst 2010 in

Malawi, die von Dr. Stefan Schmid

vom ZIAF in Frankfurt am Main für

Studierende aus mehreren afrikanischen

Ländern organisiert wurde,

informiert dessen Erlebnis bericht

in den aktuellen „Impulsen für die

Wissenschaft 2011“, dem Forschungs -

magazin der Volkswagen Stiftung.

Wissen für morgen –

Kooperative Forschungsvorhaben

im sub-saharischen Afrika

Will eine Gesellschaft sich nachhaltig entwickeln, erfordert dies ein gewisses

Maß an Bildung in der Bevölkerung: Das gilt für industrialisierte Länder ebenso

wie für Entwicklungs- und Schwellenländer. Angesichts von Konflikten,

Krankheit und Armut wird in der Diskussion über Afrika jedoch oft vergessen,

dass gerade eine nachhaltige Bildung der dort Lebenden eine wichtige

Voraussetzung ist für die Bekämpfung der genannten Probleme und anderer

mehr. Für Afrika als Kontinent mit der im globalen Vergleich niedrigsten

Akademikerquote und den mit Abstand geringsten staatlichen Investitionen

im Hochschulsektor ist die aktuelle Situation kritisch, steht doch der Kontinent

im 21. Jahrhundert vor gewaltigen Herausforderungen angesichts der

Vielzahl an wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen.

So trifft etwa der Klimawandel die Menschen Afrikas, insbesondere die arme

Landbevölkerung des Kontinents, in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer

Hinsicht. Hier wie auf anderen Feldern auch gibt es bislang keine überzeugenden

Lösungsstrategien. Andere Handlungsfelder sind das rapide Bevölkerungswachstum,

die fortschreitende Urbanisierung verbunden mit flächenhafter

Armut sowie das vielerorts unzureichende Gesundheitswesen. Allein

Investitionen in den Bildungssektor und die Entwicklung von Technologien,

die auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten sind, helfen substanziell

weiter. Dies erfordert zugleich die Einbeziehung der Bewohner und ihres

Know-hows sowie von vorhandenen Ressourcen.

Aufgrund der Unterfinanzierung der Bildungssysteme und mangelnder Ar -

beitsmöglichkeiten für afrikanische Wissenschaftler vor Ort verlassen talentierte

junge Kräfte oftmals spätestens nach der universitären Grundausbildung

ihre Heimatländer, um in den Industriestaaten zumeist der Nordhalbkugel

ihre Karrieren zu verfolgen. Dies verstärkt den „Brain Drain“. Eben hier setzt

die VolkswagenStiftung an mit ihrer Initiative „Wissen für morgen – Kooperative

Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika“, die jungen afrikanischen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihren Heimatländern

Perspektiven eröffnet. Dabei verfolgt die Stiftung über ein dreistufiges Karrieremodell

einen langfristigen und nachhaltigen Weg, der es dem dortigen

Forschernachwuchs ermöglichen soll, auch nach der Promotion längerfristig

an afrikanischen Forschungsinstitutionen zu arbeiten. In diesem Zusammenhang

ist es zweifelsohne ein Erfolg, dass die Initiative der Stiftung im Jahr

2010 von der OECD als „vorbildliches Förderprogramm“ ausgewählt wurde.

In der nun fast abgeschlossenen ersten Förderphase der Initiative wurden

Doktoranden und Masterstudierende im Zuge von Netzwerkvorhaben ausgebildet.

Derzeit läuft bereits die zweite Förderphase, in der junge Wissenschaft-


ler über Postdoktoranden-Programme die Möglichkeit erhalten, eigene Projekte

zu beantragen. Diese sind an den afrikanischen Heimatinstituten verankert.

Können die Junior-Postdoktoranden Erfolge vorweisen, sollen sie in einer ge -

planten dritten Förderphase ihren Weg als Senior-Postdoktoranden machen.

Die Stiftung bietet umfassende zusätzliche Fördermaßnahmen an, die metho -

dische Ausbildung, Netzwerkbildung, Mentorship-Programme und das Training

sogenannter Soft Skills umfassen. So können sich junge afrikanische

Wissenschaftler für eine Karriere als Junior- und Senior-Postdoktoranden in

Afrika gerüstet fühlen. Dabei erfolgt jedes Förderangebot der Stiftung in dem

Verständnis, dass beide Seiten sich auf Augenhöhe begegnen – unabdingbar

für eine Wissenschaftspartnerschaft, die sich als fair und nachhaltig begreift.

Das Jahr 2010 stand im Zeichen der Konsolidierung der Initiative und der spezifischen

Ergänzung bestehender Fördermaßnahmen. Beispielgebend für ein

erfolgreiches Projekt ist eine Sommerschule, die im Herbst 2010 in Kenia und

Tansania stattfand. An dem dreiwöchigen Ausbildungsprogramm nahmen

zwanzig Studierende aus Deutschland, der Türkei, Kenia, Äthiopien, Tansania,

Uganda und Malawi teil. Es umfasste neben einem einwöchigen Kompaktseminar

zu moderner Evolutionsbiologie einen Geländekursus in Kenia zu den

tektonischen und vulkanischen Prozessen im ostafrikanischen Grabenbruch

und zum möglichen Einfluss, den Klimaveränderungen haben. Darüber hinaus

absolvierten die Teilnehmer in Tansania ein Praktikum zur Paläontologie und

Paläoanthropologie. Ganz praktisch arbeiteten die jungen Forscher an weltberühmten

Fundstellen von Fossilien frühester menschlicher Vorfahren und

ihrer Werkzeuge. Zwölf deutsche und kenianische Wissenschaftler betreuten

die Studierenden. Initiiert wurde die Sommerschule von Privatdozent Dr.

Martin Trauth vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften und Professor

Dr. Ralph Tiedemann vom Institut für Biochemie und Biologie der Universität

Potsdam – gemeinsam mit Kollegen der Universität Frankfurt am Main

und der University of Nairobi in Kenia.

Zudem wurden 2010 die bisherigen Aktivitäten der Afrika-Initiative durch

ein internationales Expertengremium evaluiert. Eingebettet war dieser Prozess

in vier Statussymposien, an denen rund 450 Wissenschaftler teilnahmen.

Des Weiteren wurden in der Tropenmedizin sieben neue Postdokto -

randen-Fellowships im Rahmen der „EFINTD-Initiative“ bewilligt. EFINTD

steht für „European Foundation’s Initiative for Neglected Tropical Diseases“ –

ein gemeinsames Förderprogramm von VolkswagenStiftung und vier weiteren

Stiftungen: der Fondazione Cariplo in Italien, der Fundaçao Gulbenkian in

Portugal, der Fondation Meriéux in Frankreich und der Nuffield Foundation

in Großbritannien. Informationen dazu unter www.ntd- africa.net. Darüber

hinaus erfolgten zwei Ausschreibungen zu „Natürlichen Ressourcen“ und den

„Ingenieurwissenschaften“; die Anträge wurden Anfang 2011 entschieden.

Im laufenden Jahr nun werden die Aktivitäten in der Tropenmedizin, den

Ingenieurwissenschaften und den Sozialwissenschaften weiterentwickelt;

hier sind neue Ausschreibungen für Postdoktoranden-Fellowships geplant.

September 2010: Zwanzig Studierende aus

sieben Ländern treffen sich in Kenia und

Tansania zu einer Sommerschule, die sie so

bald nicht vergessen sollen. Ein Einblick in

ganz unterschiedliche naturwissenschaft -

liche Themenfelder erwartet sie – und alle

Teilnehmer sind von Tag zu Tag mehr begeistert.

Ein stabiles Netzwerk für die Zukunft

ist geknüpft. Initiiert und betreut wurde die

Sommerschule von Privatdozent Dr. Martin

Trauth und Professor Dr. Ralph Tiedemann

von der Universität Potsdam gemeinsam mit

Kollegen der Universität Frankfurt am Main

und der University of Nairobi in Kenia.

Jahresbericht 2010 Internationales 39


40

Anträge 2010

Eingereicht 36

mit Volumen in Mio. Euro 6,2

Bewilligungen 29

mit Volumen in Mio. Euro 4,7

Bewilligungen insgesamt 228

in Mio. Euro, seit 1999 31,4

Kontakt

– zu Anträgen aus den Natur- und

Ingenieurwissenschaften; Medizin:

Dr. Matthias Nöllenburg

Telefon 0511/8381-290

noellenburg@volkswagenstiftung.de

– zu Anträgen aus den Geistes- und

Gesellschaftswissenschaften:

Dr. Wolfgang Levermann

Telefon 0511/8381-212

levermann@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 72

Zwischen Europa und Orient –

Mittelasien/Kaukasus im Fokus

der Wissenschaft

Mit der im November 1999 eingerichteten Förderinitiative „Zwischen Europa

und Orient – Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft“ möchte die

Stiftung das Forschungsinteresse an jener Region in Deutschland stärken,

vor allem aber die Wissenschaft dort aktiv unterstützen. Entsprechend dieser

Zielsetzung besteht die – allen Fächern offenstehende – Initiative aus zwei

Komponenten. Um hierzulande das For schungsinteresse an der Region zu

fördern, unterstützt die Stiftung in der ersten Programmkomponente Vor -

haben, die die politischen, sozio-ökonomischen, kulturellen oder auch natür -

lichen Gege ben heiten der Region in den Blick nehmen und diese in ihren

komplexen Wechselwirkungen untersuchen. Auch die Anrainer staaten der

Zielregion wie etwa die Türkei und der Iran können Berücksichtigung finden,

sofern deren vielfältige Beziehungen zur Region thematisiert oder sie unter

vergleichenden Aspekten in Untersuchungen einbezogen werden. Die Stiftung

erwartet, dass die Forschungsvorhaben unter maßgeblicher Beteiligung

von Wissen schaftlern aus der Region durchgeführt werden und/oder mit der

Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern einhergehen.

Die zweite Programmkomponente zielt darauf, die Voraussetzungen von

Forschung und Lehre vor Ort zu verbessern. Dabei ist die Beteiligung von

Wissenschaftlern aus den Ländern Mittelasiens und des Kaukasus zwingend,

nicht aber die Beschäftigung mit einer regionenspezifischen Thematik. Zur

Angebotspalette gehören einerseits sogenannte Partnerschafts vorhaben,

durch die besonders jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in

den Ländern der Zielregion die Gelegenheit erhalten sollen, an ihren Heimat -

instituten verankerte Forschungsarbeiten in enger Kooperation mit Fachkollegen

aus Deutschland durchzuführen. Für junge Wissenschaftler, die ihre

Ausbildung im Ausland abge schlossen haben und an eine wissenschaftliche

Einrichtung in der Zielregion zurückkehren wollen, sieht die Stiftung zudem

besondere „Eingliederungshilfen“ vor, die die Umsetzung neuer, innovativer

Ideen erleichtern sollen. Außerdem können Vorhaben unterstützt werden, die

auf den Auf- und Ausbau von Lehrkapazität und Infra struktur in den Ländern

der Zielregion gerichtet sind. Dies schließt akademische Lehrprojekte oder

spezielle Lehrprogramme zur Aus- und Weiterbildung von Nachwuchswissenschaftlern

ebenso ein wie Infrastrukturhilfen, die im Rahmen einer Forschungs -

koope ration vonnöten sind.

Im Rahmen der ersten Programmkomponente wurden 2010 zehn kooperative

Forschungsprojekte neu bewilligt, von denen die meisten zugleich Aus- und

Weiter bildungskomponenten für Nachwuchswissenschaftler beinhalten.

Neben aktuellen Fragen der Landnutzung und zur Biodiversität in den Wald-

Steppe-Zonen oder der Entwicklung des Strafprozessrechts bildete im Berichts-


jahr die Geschichte Zentralasiens einen thematischen Schwerpunkt. Forscher

dreier Vorhaben wenden sich allein diesem Arbeitsfeld zu; sie befassen sich

mit der Sozialgeschichte der Region während der Kolonialzeit, der Um setzung

der „Perestroika“ in den 1980er Jahren und mit dem heu tigen „Management

von Geschichte“ in Turkmenistan.

Im zweiten Programmsegment unterstützt die Stiftung seit dem Jahr 2010

zum einen weitere fünf „Partner schaftsprojekte“: drei im Bereich Physik, je

eines in der Elektro technik und der Zoologie. So erforscht ein deutsch-russisch-georgisches

Team um Professor Dr. Gerald Kerth vom Zoologischen

Institut und Museum der Universität Greifswald die in Europa und dem Kaukasus

beheimatete, stark gefährdete Bechsteinfledermaus – und zwar insbesondere

in ihrem Zusammenleben mit zwei blutsaugenden Ekto-Parasiten,

einer Flughautmilbe und einer Fledermausfliege.

Zum anderen nahm die Stiftung sechs Ausbildungs- und Lehrprojekte in die

Förderung, von denen drei auf die Verbesserung der akademischen Lehre an

Hochschulen in der Region zielen. Eines davon dient der nachhaltigen Stärkung

der Lehr- und Forschungskompetenz im Bereich der Betriebswirtschaftslehre,

ein weiteres dem Aufbau eines inter disziplinären Masterstudiengangs „Öf -

fentliche Verwaltung“; beide sind angesiedelt an der Staatlichen Javakhis hvili-

Universität in Tbilisi, Georgien. Das dritte Vorhaben zielt auf die Entwicklung

und Etablierung einer Lehreinheit zur Konfliktforschung an den Universitäten

Naltschik (Nordkauka sus/Russland) und Osch (Fergana-Tal/Kir gis is tan).

Über die drei anderen Ausbildungs- und Lehrprojekte hingegen bieten sich

explizit Nachwuchswissenschaftlern aus der Region zusätzliche Aus- und

Weiterbildungs möglichkeiten. Beispielhaft dafür ist der dreisemestrige

Online-Masterstudien gang „Studies on the EU and Central Asia in the Inter -

national System“, der vom Institut für Europäische Politik in Berlin und dem

Centre International de Formation Européenne in Nizza entwickelt wurde.

Er startete im Herbst 2010 mit Studierenden aus den fünf post sowjetischen

zentralasiatischen Staaten, aus Afghanistan und aus Nordwestchina.

Das Jahr 2010 stand insbesondere auch im Zeichen zweier großer Statussymposien

zur Förderinitiative. Sie fanden in Tiflis, Georgien, und in Bischkek,

Kirgi sistan, statt. Dort bot sich den seit 2006 geförderten Wissenschaftlern

die Chance, ihre Ergebnisse vorzustellen und vieles rund um die Initiative zu

erörtern. Organisiert wurden die Veranstaltungen von dem Sprachwissen -

schaftler Pro fessor Dr. Jost Gippert von der Universität Frankfurt am Main

beziehungsweise dem Geo grafen Professor Dr. Hermann Kreutzmann von

der Freien Universität Berlin. Neben Projektpräsentationen und Dis kussionen

über Forschung beschäftigten sich die Teilnehmer beider Symposien intensiv

mit wissenschafts- und forschungspolitischen Fragen und bemühten sich

um eine Bestandsaufnahme der bisherigen Förder aktivitäten und der gegenwärtigen

Situation von Forschung und Lehre in der Region.

Sie sind in wissenschaftlicher Partnerschaft

unterwegs im Kaukasus auf der Suche nach

der stark gefährdeten Bechsteinfledermaus,

um deren Bedrohung durch Parasiten zu

erforschen: Professor Dr. Gerald Kerth (oben)

aus Greifswald – hier beim Netzfang und bei

der Entnahme von Flughautproben (Mitte)

– und seine Forscherkollegen Ioseb Natradze

und Suren Gazaryan; Letzterer entfernt

unten vorsichtig eine soeben gefangene

Bechsteinfleder maus aus dem Netz.

Jahresbericht 2010 Internationales 41


42

Anträge 2010

Eingereicht 38

mit Volumen in Mio. Euro 18,3

Bewilligungen 11

mit Volumen in Mio. Euro 0,4

Bewilligungen insgesamt 175

in Mio. Euro, seit 2002 20,6

Kontakt

„Europe and Global Challenges“

Dr. Wolfgang Levermann

Telefon 0511/8381-212

levermann@volkswagenstiftung.de

Zukunftsfragen der Gesellschaft –

Europe and Global Challenges

Im März 2002 wurde die Förderinitiative „Zukunftsfragen der Gesellschaft –

Analyse, Beratung und Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis“

eingerichtet. Die Stiftung wollte auf diesem Weg problemorientierte Grundlagenforschung

zu wichtigen Themen des gesellschaftlichen Wandels am

Beginn des 21. Jahrhunderts anstoßen und in diesem Rahmen Brückenschläge

zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit fördern – dabei gerade auch

zu unterschiedlichen und neuen Formen der Zusammenarbeit anregen. Den

Mittelpunkt des Angebots bilden seitdem wechselnde Ausschreibungen, die

jeweils näher umrissene „Zukunftsfragen der Gesellschaft“ thematisieren.

Ende 2010 wurde die Initiative fokussiert auf eine dieser Ausschreibungen,

„Europe and Global Challenges“; sie wird künftig unter diesem Titel fortgeführt.

Die übrigen Ausschreibungen sind inzwischen beendet beziehungsweise

laufen mit letzten Bewilligungen im Jahr 2011 aus. Eine Rückschau zur

Initiative „Zukunftsfragen der Gesellschaft“ wird daher im kommenden Jahresbericht

zu lesen sein.

Europe and Global Challenges

Im Herbst 2008 haben die schon zuvor kooperierenden Stiftungen Com -

pagnia di San Paolo in Turin, Riksbankens Jubileumsfond in Stockholm und

VolkswagenStiftung die Ausschreibung „Europe and Global Challenges“ aufgelegt.

Ziel war und ist es, der Forschung zu „globalen Herausforderungen“,

die über die Zusammenarbeit in Europa hinaus kollektives, supranationales

Handeln auf globaler Ebene erfordern, Impulse zu geben und zum Aufbau

interdisziplinärer und internationaler Arbeitsgruppen anzuregen. In diesen

Teams sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus europäischen

und nichteuropäischen Ländern zusammenarbeiten.

Im Jahr 2010 wählten die drei Stiftungen aus 78 Anträgen im Zuge einer

mehrstufigen Prüfung letztlich sechs Kooperationsvorhaben aus, für die sie

dann Anfang 2011 insgesamt fünf Millionen Euro bereitstellten. Inhaltlich

beschäftigen sich die Projektbeteiligten unter anderem mit der Energiepolitik

der Europäischen Union gegenüber aufstrebenden Schwellenländern, den

Folgen der Finanzkrise für den internationalen Handel und für Direktinvestitionen

sowie mit den technologischen Dimensionen der Anpassung an den

Klimawandel in China, Indien und Europa. Für 2011/12 ist eine erneute Ausschreibung

mit einem mehrstufigen Auswahlverfahren geplant. Dies erstreckt

sich von der Vorlage entsprechender Skizzen über die Aufforderung geeigneter

Vorschläge zur Antragstellung bis zur Präsentation der für die letzte

Bewerbungsphase ausgewählten Projekte vor einem international und interdisziplinär

zusammengesetzten Gutachterkreis.


Migration und Integration

Das inzwischen beendete Förderangebot zielte auf die Einrichtung von Stu -

diengruppen zum Thema „Migration und Integration“. Einzelne Ausschreibungen

unter diesem Dach fokussierten die Themenfelder Bildung, Mehrsprachigkeit,

Organisation, Partizipation, Wirtschaft und Gesundheit. Die

Ergebnisse wurden bei einer abschließenden Konferenz im Februar 2011 in

Bochum vorgestellt. Insgesamt brachte die Stiftung in drei Ausschreibungsrunden

13 Studiengruppen auf den Weg.

Auch nach der Beendigung der Ausschreibung bleibt es für die Stiftung ein

wichtiges Anliegen, dass Wissenschaftler im Dialog mit Vertretern relevanter

Praxisfelder einen Beitrag zur Migrations- und Integrationsdebatte leisten.

Einen bedeutsamen Schritt in diese Richtung stellt der 2008 ins Leben gerufene

„Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migra -

tion“ dar. Dieses unabhängige wissenschaftliche Expertengremium geht auf

eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung

zurück und wird von sechs weiteren Stiftungen unterstützt. Sein erstes

Jahresgutachten legte der Sachverständigenrat im Frühjahr 2010 vor. Unter

dem Titel „Einwanderungsgesellschaft 2010“ wurden hier die Rahmenbedingungen

und Entwicklungslinien von Integration und Migration beziehungsweise

von Integrations- und Migrationspolitik herausgearbeitet. Der Widerhall

in der Öffentlichkeit war groß, und es wurde in Politik, Wissenschaft und

Wirtschaft gleichermaßen intensiv darüber diskutiert. Die Stellungnahmen

des Sachverständigenrats – ein zweites Jahresgutachten erschien im April

2011 – gelten bereits jetzt als wichtiges Instrument der Politikberatung.

Individuelle und gesellschaftliche Perspektiven des Alterns

Ziel dieser im Sommer 2006 unter dem Dach der „Zukunftsfragen“ auf den

Weg gebrachten Ausschreibung war es, Entwicklungspotenziale einer alternden

Gesellschaft zu erkennen und entsprechend zu fördern. 2008 bewilligte

die Stiftung insgesamt fünf Millionen Euro für 16 Forschungsprojekte, seitdem

unterstützt sie im Zuge des Angebots entsprechende Veranstaltungen.

Vom 21. bis 23. Oktober 2010 fand ein von Professor Dr. Georg Rudinger an der

Universität Bonn organisiertes Projekttreffen statt mit dem Titel „Perspektiven

des Alterns“. Hier hatten die an den 16 geförderten Vorhaben Beteiligten

in verschiedenen Workshops und Panels Gelegenheit, erste Ergebnisse ihrer

Arbeit zu präsentieren. Dies führte zu einer ersten Zwischenbilanz der Ausschreibung.

Die Veranstaltung machte die Vielschichtigkeit und Komplexität

der Alternsforschung deutlich und bestätigte die große Bedeutung einer interdisziplinären

Herangehensweise an dieses Themenfeld. Anfang 2012 sollen

die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den geförderten Projekten bei einer

Abschlusskonferenz zusammengetragen und der Öffentlichkeit vorgestellt

werden.

Kontakt

„Migration und Integration“

Dr. Almut Steinbach

Telefon 0511/8381-370

steinbach@volkswagenstiftung.de

Kontakt

„Alternsforschung“

Dr. Thomas Brunotte

Telefon 0511/8381-297

brunotte@volkswagenstiftung.de

Jahresbericht 2010 Internationales 43


44

Anträge 2010

Eingereicht 4

mit Volumen in Mio. Euro 0,8

Bewilligungen 3

mit Volumen in Mio. Euro 0,5

Bewilligungen insgesamt 117

in Mio. Euro, seit 1999 22,1

Kontakt

Dr. Vera Szöllösi-Brenig

Telefon 0511/8381-218

szoelloesi@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 67

Dokumentation bedrohter Sprachen

Immer mehr Sprachen sind vom Aussterben bedroht; rund zwei Drittel der

weltweit noch gesprochenen 6500 Sprachen – so die Schätzung – laufen

Gefahr, in den nächsten ein bis zwei Generationen zu verschwinden. Wenn

aber eine Sprache stirbt, dann stirbt mehr als nur ein Kommunikationsmittel:

Es verschwindet ein Stück kultureller Vielfalt unserer Welt. Die Förderinitiative

„Dokumentation bedrohter Sprachen“ – sie wurde 1999 von der Volkswagen-

Stiftung eingerichtet und ist inzwischen unter dem Akronym DobeS international

bekannt – kann diese Entwicklung im Zuge der kulturellen Globalisierung

nicht aufhalten. Es kann und soll jedoch versucht werden, die Zeugnisse

dieser meist nur mündlich vermittelten Sprachkulturen vor ihrem spurlosen

Verschwinden in einem elektronischen Archiv für bedrohte Sprachen aufzuzeichnen:

mit Rekorder, Videokamera, Fotoapparat und Notizblock.

Die in den vergangenen zehn Jahren archivierten Sprachdokumentationen

sind auf der Internetseite des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in

Nijmegen frei zugänglich unter www.mpi.nl/DOBES. Dort findet sich auch

eine Weltkarte, die zeigt, welche bedrohten Sprachen in der DobeS-Initia tive

der Stiftung erforscht und dokumentiert werden.

Im Jahr 2010 wurden in der Förderinitiative zwei Dokumentationsprojekte

und eine Sommerschule bewilligt, alle drei Vorhaben fokussieren Afrika. Damit

folgt die Stiftung einer Empfehlung der DobeS-Evaluationskommission, bewusst

den Blick zu richten auf den afrikanischen Kontinent mit seinem immensen

Sprachenreichtum, aber nur begrenzten finanziellen Möglichkeiten für geisteswissenschaftliche

Forschung. Dokumentiert werden die beiden Bantu-

Sprachen Bubia und Isubu in Westkamerun sowie die im südlichen Senegal

gesprochenen Baïnouk-Sprachen.

Das Projekt zu den Baïnouk-Sprachen mit dem Titel „Pots, plants and people“

verbindet die Sprachdokumentation mit einer Dokumentation der materiellen

Kultur. Hier gilt das Interesse der Forscher insbesondere der Töpferei und

der heimischen Pflanzentaxonomie. Töpferei und gleichermaßen die traditionellen

landwirtschaftlichen Techniken sind als ebenso kulturrelevante wie

bedrohte Wissenssysteme einzuordnen. Dass die Baïnouk keine Töpfe mehr

selbst herstellen, ist auf Plastik-Billigimporte aus China zurückzuführen.

Und die traditionellen Anbautechniken der Subsistenzwirtschaft werden

aufgege ben als Folge einer massiven Landflucht, da die jüngeren Baïnouk

vermehrt Arbeit in den Städten suchen. Die drei Arbeitsschwerpunkte der

Dokumentation – Sprache, Landwirtschaft und Töpferei – spiegeln sich im

Projektteam wider. Es besteht aus der deutschen Linguistin Dr. Friederike

Lüpke von der School of Oriental and African Studies in London, dem senegalesischen

Botaniker Dr. Mathieu Guèye und dem senegalesischen Archäologen

Dr. Moustapha Sall, beide von der University Cheikh Anta Diop in Dakar. Die

VolkswagenStiftung fördert das Projekt für drei Jahre mit rund 250.000 Euro.


Auf die Bantu-Sprachen Bubia und Isubu zielt das zweite, mit gut 160.000

Euro geförderte Dokumentationsvorhaben. Kamerun gehört mit insgesamt

286 Sprachen zu den Ländern mit dem größten linguistischen Reichtum in

Afrika. Bubia wird von nur noch rund 800, Isubu von etwa 600 Westkame -

runern gesprochen. Die Wissenschaftler planen nun für beide Sprachen den

Aufbau eines Audio- und Video-Corpus insbesondere von „linguistic practices“

und „social histories“. Dieser soll verschiedene Textgenres umfassen, darunter

Oral Literature, Sprichwörter, Witze und Märchen. Ferner wollen sie die Sprachen

detaillierter beschreiben hinsichtlich Wortschatz, Grammatik und linguistischer

Anthropologie. Bewilligt wurde das Projekt an Professorin Dr. Anne Storch vom

Institut für Afrikanistik der Universität Köln.

Auf der Ostseite Afrikas, in Äthiopien, findet in diesem Sommer eine zweiwöchige

„East African Summer School in Language Documentation: Methods and

Technology“ statt, für die die Stiftung im Berichtsjahr gut 50.000 Euro bewilligt

hat. Zwanzig Nachwuchslinguistinnen und -linguisten aus Eritrea, Äthiopien,

Kenia, Tansania, Sudan, Uganda sowie fünf aus Deutschland werden

dort in Methoden und Praktiken der linguistischen Feldforschung im Bereich

be droh ter Sprachen ausgebildet. Zugleich stärkt diese Veranstaltung die Linguistik

an der Universität von Addis Abeba unter der Leitung von Dr. Hirut

Woldemariam und fördert im Weiteren auch die Vernetzung ostafri kanischer

Universitäten. Deutscher Kooperationspartner und Bewilligungsempfänger

ist Professor Dr. Gerrit Dimmendaal von der Universität Köln. Neben Methoden

und Techniken der Sprachdokumentation trainieren die Nachwuchswissenschaftler

im Verlauf der Sommerschule auch, wie man Anträge bei internationalen

Förderorganisationen stellt: How to apply for a research grant?

Die Schlussphase der Förderinitiative wird noch zwei weitere Entschei dungs -

runden für Dokumentationsvorhaben umfassen. 2011 fällt die Entscheidung

für die im Berichtsjahr eingereichten Anträge für Sprachdokumenta tionspro -

jekte wie für Vorhaben, die mit den entstandenen Sprachcorpora bedrohter

Sprachen wissenschaftlich arbeiten wollen. Stichtag für die letzte Antragsrunde

in dieser Initiative ist voraussichtlich der 15. September 2011. Anträge

für Symposien und Sommerschulen werden jederzeit entgegengenommen.

Die Baïnouk-Sprachen im südlichen Senegal werden samt Teilen

der materiellen Kultur – Landwirt schaft und Töpferei – dokumentiert.

So filmt PhD-Student Alexander Cobbinah (mittleres Bild,

Mitte) mit den senegalesischen Studierenden Amadou Kane Bèye

(links) und Cheikh Daouda Diatta beispielsweise Handgriffe und

Gesänge der Bewohner des Dor fes Gonoum bei der Reis ernte

(Bild oben). Unten diskutiert Projektleiterin Professorin Dr. Frie -

de rike Lüpke aus London mit Bewohnern des Ortes Ziguinchor

über das geplante Baïnouk-Dokumentationsvorhaben.


48

50

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54

56

58

60

Integration molekularer Komponenten in funktionale makroskopische Systeme

Neue konzeptionelle Ansätze zur Modellierung und Simulation komplexer Systeme

Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern: Peter Paul Ewald-Fellowships am LCLS in Stanford

Evolutionsbiologie

European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities

Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften – Programm zur Förderung fachübergreifender

und internationaler Zusammenarbeit

Deutsch plus – Wissenschaft ist mehrsprachig


Förderung 2010

Herausforderungen –

für Wissenschaft und Gesellschaft

Ein grundlegendes Ziel der Stiftung ist es, auf neue Forschungsgebiete, -inhalte und

-methoden aufmerksam zu machen. Sie will dazu beitragen, diese in der Forschungs -

landschaft zu verankern; es geht darum, Anreize zu setzen für Forschung, die sich

neuen, durchaus risikoreichen Feldern zuwendet und die vorhandene Grenzen

überschreitet – sei es zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen verschiedenen

Fachkulturen oder zwischen der deutschen und der internationalen Forschung.

Den Ausgangspunkt bilden Themen- und Problemfelder, die in engem Austausch

mit der Wissenschaft entwickelt werden. Dabei stößt die Stiftung auch dort

Forschung an, wo Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Orientierungswissen und

wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze für die Zukunftsgestaltung und zur

Bewältigung konkreter Probleme erwarten.

Die Stiftung verfolgt somit in diesem Fördersegment das grundlegende Ziel, Impulse

zu geben, Erfolg versprechende Ansätze auszubauen und Voraussetzungen zu

schaffen für die weitere Etablierung eines Themas in der Wissenschaftslandschaft.

Abgestimmt auf das jeweilige Anliegen können dabei mit Blick auf die einzelne

Förderinitiative unterschiedliche Instrumente zum Einsatz kommen. So kann es

bei Forschungsprojekten darum gehen, eine Veränderung von Arbeitsformen zu

initiieren oder bislang nicht gehobene Synergien durch Kooperationsangebote zu

erschließen. Stets wird dabei das Ziel verfolgt, den wissenschaftlichen Nachwuchs

in besonderem Maße einzubinden – etwa über eine gezielte Nachwuchsförderung

in einem attraktiven, hierzulande bislang unterrepräsentierten Forschungsfeld.

Gleichermaßen denkbar sind neue Konzepte in der Lehre, die Bildung von Netzwer -

ken, die Unterstützung von Forschungsaufenthalten sowie spezifische Veranstal -

tungsformate: je nachdem, was der gewählte themen- oder problemorientierte

Fokus nahelegt. Wo es sich anbietet, verfolgt die Stiftung darüber hinaus begleitende

Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt so den gesellschaftlichen Diskurs.


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Herausforderungen –

für Wissenschaft und Gesellschaft

Anträge 2010

Eingereicht 46

mit Volumen in Mio. Euro 11,6

Bewilligungen 23

mit Volumen in Mio. Euro 5,7

Bewilligungen insgesamt 45

in Mio. Euro, seit 2007 9,7

Kontakt

Dr. Franz Dettenwanger

Telefon 0511/8381-217

dettenwanger@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 92

Integration molekularer

Komponenten in funktionale

makroskopische Systeme

Seit Jahren entwickeln Wissenschaftler neue Materialien und Komponenten

mit herausragenden Eigenschaften im Miniaturmaßstab. Größenordnungen

von wenigen Nanometern – das entspricht Millionstel Millimetern – zeichnen

die winzigen Bausteine aus, die in der Nanotechnologie entstehen. Bislang

sind es vor allem Einzelkomponenten, gut charakterisiert und beherrschbar;

größere Anwendungen basierend auf diesen Bausteinen sind allerdings

immer noch die Ausnahme. Doch die Nanotechnologie ist auf dem Sprung

zur Anwendung. Es gilt nun, das Potenzial an molekularen Komponenten und

Prinzipien für die Hochtechnologie zu nutzen. Die VolkswagenStiftung unterstützt

diesen Prozess der Umsetzung mit ihrer im Jahr 2007 eingerichteten

Förderinitiative zum Thema „Integration molekularer Komponenten in funktionale

makroskopische Systeme“.

Welche realistischen Anwendungspotenziale stecken in den bislang erzielten

Erkenntnissen und Technologien? Wie können daraus komplexere und funktionstüchtige

Systeme im makroskopischen Maßstab aufgebaut werden? Das

Spektrum an Themen ist ungeheuer breit und längst nicht ausgereizt. Um

dieser Breite an lohnenswerten Förderfeldern gerecht zu werden, ist die Initiative

thematisch offen angelegt. Angesprochen sind Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen: von der Chemie über die

Physik bis hin zur Biologie, außerdem die Ingenieurwissenschaften und mitunter

auch die Medizin.

Im Vordergrund der Initiative steht – unabhängig vom Themengebiet – die

Verknüpfung molekularer oder nanoskaliger Einheiten zu komplexeren Funktionssystemen

mit makroskopisch nutzbaren Effekten. Die Herausforderung

besteht unter anderem darin, die fehlende Schnittstelle zwischen der makroskopischen

und der Nano-Welt zu schaffen. Dabei nimmt die Stiftung mit der

Initiative die gesamte Forschungskette in den Blick. Und die reicht von der

Herstellung der winzigen Bausteine über deren Integration in größere Systeme,

von der Kontrollierbarkeit und Manipulation über den Funktionsnachweis

bis hin zur Herstellung des Prototyps eines Gerätes oder Bauelements.

Mindestens zwei dieser Schritte sollten die geförderten Vorhaben umfassen.


Im Jahr 2010 konnten weitere acht Vorhaben starten, an denen zumeist mehrere

Arbeitsgruppen beteiligt sind. Diese Projekte setzten sich in der zweiten

Ausschreibungsrunde unter insgesamt 79 Vorschlägen durch. Erneut lassen

sich die ausgewählten Forschungsthemen ganz unterschiedlichen Wissenschaftsfeldern

zuordnen. So wollen Forscher beispielsweise eine „Nanomaschine“

designen, ausgehend von einem natür lichen DNA-Molekül. Ein anderes

Team strebt die Herstellung eines Quantencomputers an; hierzu wollen

die Wissenschaftler mit höchster Präzision einzelne Atome in einen Kristall

verpflanzen. Und wieder andere versuchen, auf Basis einer ultradünnen

Membran eines der kleinsten Mikrofone der Welt herzustellen. Beteiligt an

den Projekten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener

Disziplinen: Chemiker, Physiker, Biologen und Ingenieurwissenschaftler.

Neben bereits etablierten Forschern konnten sich auch diesmal wieder erfreu -

lich viele Nachwuchswissenschaftler im Wettbewerb um eine Förderung

durchsetzen; stellvertretend seien hier Dr. Eva Weig und Dr. Doris Heinrich

genannt. Die beiden Wissenschaftlerinnen arbeiten an der Ludwig-Maxi -

milians-Universität München auf den Gebieten Nanomechanik bezieh ungs -

weise Biophysik. Ihr Ziel ist es, mit Hilfe der Halbleitertechnologie einen ultra -

sensitiven Detektor für die Kraftmessung an lebenden Zellen zu ent wickeln.

Die Verbindung von Halbleiterbauelementen mit Zellsystemen verspricht

neue Einsichten darüber, welche Kräfte etwa beim Zellwachstum, bei der Wanderung

von Zellen oder der Zelldifferenzierung wirken. Auch könnte man so

möglicherweise Reaktionen verschiedener Zelltypen auf externe Reize besser

verstehen – zum Beispiel Vorgänge, die sich bei der Zufuhr von Medikamenten

abspielen. Die Stiftung stellt für das Projekt „Dynamic force field mapping

of living cells in a macro-scale transducer array based on flexible semiconductor

nanopillars“ über eine Laufzeit von drei Jahren insgesamt 685.000 Euro bereit.

Grundsätzlich fördert die Stiftung in dieser Initiative gleichermaßen herausragende

einzelne Arbeitsgruppen und integrative Projekte – auch mit ausländischen

Kooperationspartnern. Vorgesehen ist eine längerfristige Förderung

der Vorhaben von fünf bis sechs Jahren. Flankierend zu den Forschungsprojekten

wird auch der wissenschaftliche Austausch unterstützt: Exzellente

Vorschläge für Sommerschulen und Tagungen sind ebenso erwünscht wie

Anträge zu Gastprofessuren, Freisemestern oder für Labor rotationen.

Sie wollen einen ultrasensitiven Detektor entwickeln, der die

Kraftmessung an lebenden Zellen ermöglicht: Dr. Eva Weig (links)

und Dr. Doris Heinrich von der Ludwig-Maximilians-Universität

München. Beide Forscherinnen arbeiten hier gerade im Labor am

optischen Aufbau, mit dessen Hilfe sich bestimmte mechanische

Eigenschaften untersuchen und charakterisieren lassen; im Bild

unten: Eva Weig im Reinraum am Rasterelektronenmikroskop.

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 49


50

Anträge 2010

Eingereicht 33

mit Volumen in Mio. Euro 6,3

Bewilligungen 13

mit Volumen in Mio. Euro 2,4

Bewilligungen insgesamt 95

in Mio. Euro, seit 2003 15,4

Kontakt

Dr. Ulrike Bischler

Telefon 0511/8381-350

bischler@volkswagenstiftung.de

Neue konzeptionelle Ansätze

zur Modellierung und

Simulation komplexer Systeme

Die Computersimulation ergänzt das Experiment und die Theorie in vielen

Feldern mit wachsendem Erfolg. Eine große Herausforderung besteht darin,

auch für komplexe Systeme entsprechende Lösungen zu finden, die für einfache

Modellsysteme oder eng umrissene Problemstellungen bereits etabliert

sind. Denn gerade für komplexe Systeme fehlen noch realitätsnahe, daten -

getriebene und breit einsetzbare Simulationsansätze. Dies möchte die Stiftung

mit ihrer Förderinitiative „Neue konzeptionelle Ansätze zur Modellierung

und Simulation komplexer Systeme“ ändern. Ein besonderes Augenmerk

liegt auf der Methodenentwicklung und auf computergestützten Untersuchungen,

die zu einem tieferen Verständnis komplexer Systeme beitragen.

Explizites Ziel ist es, Computersimulationen zu finden, die eine Verallgemeinerung

über den Einzelfall hinaus ermöglichen. Ein weiteres Anliegen ist die

Kooperation von computerbasiert oder theoretisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern mit komplementärem Methoden repertoire.

In der Initiative werden zwei Förderlinien verfolgt. Zum einen greift die Stiftung

mit wechselnden Ausschreibungen für Forschungsprojekte aktuelle Themen

der Modellierung und Simulation auf, die in aller Regel in interdisziplinärer

Kooperation bearbeitet werden. Bislang gab es drei Ausschreibungen zu so

verschiedenen Themenfeldern wie Biomoleküle und Zellen, komplexe Netzwerke

und Extremereignisse. Im Berichtsjahr konnten zum letztgenannten

Thema Anträge eingereicht werden. Die zugehörigen Entscheidungen zur

dritten Ausschreibung „Extremereignisse: Modellierung, Analyse und Vor -

hersage“ stehen im Jahr 2011 an.

Die zweite Förderlinie ist ein jährlich angebotenes Fellowship-Programm für

Postdoktoranden; es zielt auf wissenschaftliche Selbstständigkeit in jungen

Jahren und die Wegbereitung einer akademischen Karriere. Diese Fellowships

„Computational Sciences“ umfassen das eigene Gehalt und Sachmittel für drei

Jahre. Die zu bearbeitende Forschungsfrage zum Thema „Modellierung und

Simulation komplexer Systeme“ ist frei wählbar. Bewerbungsvoraussetzung

ist der Wechsel in ein neues wissenschaftliches Umfeld an einem anderen Ort.

Zur besseren Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie trotz der geforderten

Mobilität kann das andere Elternteil – unabhängig von der Fachrichtung

– einen Antrag auf Postdoktorandenförderung einreichen (Dual Career Option).

Bei den diesjährigen Bewilligungen ergibt sich ein thematisches Cluster

von Vorhaben, die sich um menschliche Mobilität ranken. Das illustrieren die

folgenden drei Beispiele. So möchte Dr. Vitaly Belik im Zuge seines mit rund

212.000 Euro geförderten Fellowships „Investigation of complex human travel

patterns as a basis for epidemic modeling“ ein epidemiologisches Modell


ergänzen um den Einflussfaktor menschliche Mobilität. Die räumliche Bewegung

des Menschen weist erkennbare Muster auf, jedoch sind empirische

Datensätze dazu rar. Es ist bekannt, dass sich kurze und in beide Richtungen

zurückgelegte Strecken zwischen bevorzugten Orten wiederholen – zum Beispiel

der Weg zur Schule oder zum Arbeitsplatz. Seltener werden daneben

größere Entfernungen überwunden, etwa anlässlich privater oder beruflicher

Reisen. Für eine genauere Analyse will Vitaly Belik jetzt anonymisierte

Mobilfunkverbindungen und Chipkarteninformationen auswerten, um ein

datenbasiertes Netzwerk menschlicher Mobilität zu erhalten. Diese Arbeiten

führt er durch am Department of Civil and Environmental Engineering am

Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA. Nach seiner Rückkehr

ans Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen

wird er sein Modell zur Krankheitsausbreitung entsprechend verfeinern.

Ebenfalls mit menschlicher Mobilität, dieses Mal bezogen auf die rasant

wachsende Metropole Accra in Ghana, befasst sich Dr. Tyler Frazier vom

Institut für Land- und Seeverkehr der Technischen Universität Berlin. Für sein

Fellowship „Developing an Urban Simulation System for a Major West African

City“ stellt die Stiftung rund 225.000 Euro bereit. Alle bisherigen mikroskopischen

Simulationsplattformen zur Analyse von Landnutzung und Verkehrsinfrastruktur

entstanden im europäischen oder nordamerikanischen Kontext.

Sie sind nicht ohne Weiteres auf die Situation in Westafrika übertragbar. Daher

wird Dr. Tyler Frazier mit Hilfe von Analysen vor Ort zunächst einmal ein realitätsnahes

Abbild der Bevölkerung erarbeiten, das typische Haushaltsgrößen,

Berufstätigkeit, verfügbare Arbeitsplätze und vorhandene Verkehrsmittel

berücksichtigt. Auf dieser Basis lassen sich dann Computersimulationen

durchführen zur Berechnung von Szenarien der Stadt- und Verkehrsplanung.

Das dritte Beispiel zu menschlichem Reiseverhalten – und ergänzend zu

Gütertransport – betrifft ein transatlantisches Kooperationsprojekt, das im

Kern von zwei Wissenschaftlern getragen wird: Professor Dr. Bernd Blasius

vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Universität Oldenburg

und Professor Dirk Brockmann vom Department of Engineering Sciences and

Applied Mathematics der Northwestern University in Evanston bei Chicago,

USA. Sie haben bereits in einem Vorläuferprojekt umfangreiche Datensätze

zusammengetragen und analysiert zu Handelsrouten der Seefahrt, internationalen

Flugverbindungen und zum Vogelzug. Das Forscherteam verfolgt

nun Störungen dieser Netzwerke wie etwa aktuell die Flugunterbrechungen

infolge der vom Eyjafjallajökull in Island ausgestoßenen vulkanischen Aschewolken.

Gleichermaßen interessieren sie sich für Ausbreitungsprozesse;

Beispiele sind die unbeabsichtigte Verschleppung fremder Organismen im

Ballastwasser von Schiffen mit schädlicher Wirkung auf die heimische Flora

und Fauna oder der Verlauf der Grippeepidemie beim neuen H1N1-Virus

im Winter 2009/10. Für die Weiterführung dieses erfolgreichen Vorhabens

„Bioin vasion and epidemic spread in complex transportation networks“

bewilligte die Stiftung insgesamt knapp 600.000 Euro.

Von Oldenburg aus beobachtet Professor

Dr. Bernd Blasius, wie sich fremde Arten in

neuen Lebensräumen ansiedeln. Im Zentrum

seiner Forschung stehen derzeit unter anderem

Meeresbewohner, die sich entlang von

Schifffahrtsrouten ausbreiten. Inte res sante

und reizvolle Neulinge finden sich etwa in der

Nordsee: Allerdings können Invasoren wie

Pazifische Auster, Amerikanische Schwert mu -

schel und Amerikanische Pantoffel schne cke

langfristig andere Arten verdrängen und das

eingespielte Ökosystem merklich verändern.

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 51


52

Förderinitiative seit 2010

Kontakt

Dr. Ulrike Bischler

Telefon 0511/8381-350

bischler@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 94

Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern:

Peter Paul Ewald-Fellowships am LCLS in Stanford

Mit den „Peter Paul Ewald-Fellowships“ lenkt die Stiftung das Interesse auf

ein neu entstehendes Forschungsfeld. Dies formiert sich aktuell, da seit Kurzem

Röntgenlaser verfügbar sind, die hohe Brillanz und Pulsdichte leisten. So

ging im Herbst 2009 in den USA am Stanford Linear Accelerator Center (SLAC)

der weltweit erste Freie-Elektronen-Laser für harte Röntgenstrahlung – abgekürzt

LCLS von Linac Coherent Light Source – in Betrieb. Auf Anhieb gelangen

spektakuläre Messungen. Forscher beobachteten beispielsweise bei einer

Legierung Diffusionen unmittelbar auf atomarer Ebene; auch konnten sie die

Struktur eines biomolekularen Komplexes aufklären – und zwar ohne dass

zuvor eine aufwändige Proteinkristallisation erfolgte. Doch die Fantasie der

Wissenschaft reicht weiter. Freie-Elektronen-Laser könnten zum Einsatz kommen

bei der Strukturaufklärung von Viren, beim Filmen chemischer Reaktionen

oder bei der Untersuchung von Materiezuständen, wie sie im Innern von

Sternen vorherrschen. Kurzum: Für Forscher aus den Natur- und Biowissenschaften

eröffnen sich völlig neue Experimentiermöglichkeiten.

Dies allein wäre Grund genug, eine Förderinitiative zu starten. Ein weiterer,

nicht weniger gewichtiger Anlass liegt darin, dass derzeit ein Freie-Elektronen-Laser

am Deutschen Elektronensynchrotron DESY in Hamburg gebaut

wird – der im Vergleich zu seinem amerikanischen Pendant noch leistungs -

fähigere European XFEL. Er wird voraussichtlich im Jahr 2014 betriebsbereit

sein. Entsprechend besteht bereits jetzt großes Interesse, in der Zwischenzeit

die Messmöglichkeiten am LCLS zu nutzen. So lassen sich erste Erfahrungen

sammeln, bis dann das europäische Forschungsgerät einsetzbar ist. Eben hier

greift nun die Förderinitiative der Stiftung, die im Kern auf eine transatlantische

Wissenschaftskooperation baut. Die Idee wurde von den betreibenden

Forschungseinrichtungen DESY in Hamburg und SLAC in Stanford unmittelbar

mit Begeisterung aufgenommen.

Im Detail stellt sich die Initiative wie folgt dar: Die jeweils in den kommenden

drei Jahren ausgeschriebenen Peter Paul Ewald-Fellowships zielen auf herausragend

qualifizierte Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, die ihre ori -

ginellen Forschungsideen mit Freie-Elektronen-Lasern in die Tat umsetzen

möchten. Jährlich werden bis zu vier Fellowships vergeben. Die Förderung

umfasst das Gehalt des Begünstigten (mit Auslandszuschlag) und Sachmittel

für drei Jahre. Diese Zeit kann aufgeteilt werden in einen längeren Forschungsaufenthalt

von ein bis zwei Jahren Dauer an der Stanford University oder einer

benachbarten Forschungseinrichtung und in eine Rückkehrphase sowie ge -

gebenenfalls eine Vorbereitungszeit an der Heimatinstitution in Deutschland.

Auf diese Weise lassen sich internationale Kontakte aufbauen, das junge Gebiet

in Deutschland stärken und – nicht zuletzt – Nachwuchswissenschaftlerinnen

und Nachwuchswissenschaftler in ihrer Karriere voran bringen.


Es versteht sich von selbst, dass die Stiftung mit ihrer Förderung nur die Basis

legen kann für die Teilnahme an einem Experiment am Freie-Elektronen-Laser

für Röntgenstrahlung und dass die begehrte Messzeit am LCLS sowie später

am European XFEL im Wettbewerb mit anderen Interessenten beantragt

werden muss. Daher kommen nur die besten Bewerberinnen und Bewerber

zum Zuge: jene, die eine überzeugende Forschungsidee präsentieren und

zugleich passende Kooperationen vorweisen können. Ein internationaler

Gutachterkreis wird die Stiftung bei der Auswahl beraten.

Namensgeber für das Fellowship-Programm ist der deutsch-amerikanische

Physiker Peter Paul Ewald, einer der Pioniere der Röntgenforschung. Er wurde

1888 in Berlin geboren und studierte in Deutschland und England, bevor er

1912 in München promovierte. Mit 33 Jahren wurde er außerordentlicher Professor

an der Technischen Hochschule Stuttgart und erhielt bald darauf einen

Lehrstuhl für Theoretische Physik. In den Folgejahren gewann Peter Paul Ewald

hohe Reputation für seine Forschung zu Röntgeninterferenzen bei Kristallen

und zugleich als Hochschullehrer. Von 1932 bis 1933 war er Universitätsrektor

in Stuttgart. Bereits nach einem Jahr trat er von diesem Amt wieder zurück,

da der Nationalsozialismus zunehmend den Universitätsbetrieb beeinflusste.

Es folgten die Emigration nach England, eine Professur in Irland und 1949 der

Wechsel ans Polytechnic Institute of Brooklyn in den USA, an dem er bis zu

seinem Ruhestand arbeitete. Peter Paul Ewald setzte sich während dieser Zeit

sehr für die internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft ein, insbesondere

in seinem eigenen Forschungsfeld, der Kristallografie.

Die Förderinitiative zur Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern wurde Mitte

2010 neu eingerichtet. Um Interessierten genügend Zeit für die Ausarbeitung

ihrer Anträge und den Aufbau von Kontakten mit den gastgebenden Einrichtungen

einzuräumen, findet die erste Auswahlrunde für Peter Paul Ewald-

Fellowships im Jahr 2011 statt.

Mit 27.000 Röntgenblitzen pro Sekunde machen Freie-

Elektronen-Laser Dinge sichtbar, die kein Forscher je zuvor

gesehen hat. Der Freie-Elektronen-Laser an der Stanford

University in Kalifornien ist aktuell der weltweit leistungs -

fähigste – hier im Bild die Undulatoren-Halle des „Linac

Coherent Light Source“ (LCLS). Seit September 2009 sammelt

die Wissenschaft dort experimentelle Erfahrungen. Den Bau

des ersten Lasers dieser Art in Deutschland im Blick habend,

unterstützt die Stiftung die Etablierung des brandneuen

Forschungs felds mit einer eigenen Förderinitiative.

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 53


54

Anträge 2010

Eingereicht 95

mit Volumen in Mio. Euro 29,7

Bewilligungen 25

mit Volumen in Mio. Euro 6,4

Bewilligungen insgesamt 131

in Mio. Euro, seit 2005 19,7

Kontakt

Dr. Oliver Grewe

Telefon 0511/8381-252

grewe@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 85

2009 gab das „Darwinjahr“ Anlass,

einen Ideenwettbewerb „Evolution

heute“ auszuschreiben mit dem Ziel,

mittels geeigneter Aktivitäten einer

breiteren Öffentlichkeit die Aktualität

und Relevanz des Themas Evolu -

tion ansprechend und gut verständlich

zu vermitteln. Insgesamt zwölf

Projekte konnten sich durchsetzen,

gefördert mit jeweils rund 100.000

Euro. Einige der Vorhaben – etwa

eine zum Thema Evolution gestaltete

Straßenbahn, die durch Köln fährt,

oder ein Film zur Wunderwelt der

Orchideen – sind bis heute zu sehen

oder können auf den entsprechenden

Webseiten besucht werden,

darunter viele preisgekrönte Aktivitäten

(siehe www.volkswagenstiftung.de/fileadmin/downloads/

publikationen/bdw_evolution.pdf).

Evolutionsbiologie

In viele Bereiche hinein reicht das Spektrum aktueller Anwendungen, die

sich aus modernen evolutionsbasierten Verfahren und aus evolutionsbiolo -

gischem Wissen ergeben. Charles Darwin hat seinerzeit sicher nicht ahnen

können, was seine Untersuchungen an Käfern und Vögeln allein an technologischem

Fortschritt einmal auslösen würden – sogar weit außerhalb der Biologie.

Unser tiefer gehendes Verständnis zu Verlauf und Mechanismen der

Evolution hat dabei mit Blick auf Bereiche wie etwa die Ökologie oder die

Forensik zu leistungsfähigen, praktisch anwendbaren Verfahren geführt, die

für viele Bereiche unseres Lebens relevant sind. Gleichermaßen interessieren

sich auch Soziologen, Ökonomen und Philosophen für evolutive Prozesse, derart

universal und auf unterschiedliche Systeme übertragbar sind evolutionsbiologische

Konzepte inzwischen – von der Vielzahl neuer Erkenntnisse für

das weite Feld der Biologie ganz zu schweigen.

Historisch bedingt war das facettenreiche und gleichzeitig hochaktuelle Ge -

biet der Evolutionsbiologie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts

bis in diese Tage hinein an den meisten deutschen Universitäten eher

schwach verankert: Studierende kamen oft nur am Rande mit evolutionsbiologischen

Konzepten in Berührung, und auch für Nachwuchswissenschaftler

gab es lange Zeit in Deutschland nur sehr begrenzt attraktive Perspektiven.

Mit der im Jahr 2005 gestarteten „Initiative Evolutionsbiologie“ der VolkswagenStiftung

hat sich das inzwischen spürbar geändert. Passgenau griff hier

von Beginn an ein größeres Rahmenkonzept mit unterschiedlichen Einzel -

elementen. Zunächst im Vordergrund stand ein zwei Mal ausgeschriebener

„Wettbewerb um innovative Ausbildungskonzepte“; nach beiden Ausschreibungsrunden

fördert die Stiftung mittlerweile vier Hochschulen, und zwar

die Universitäten in Münster, Tübingen und Potsdam sowie die Ludwig-

Maximilians-Universität München. Begleitet wurde dieser Förderbaustein

von maßgeschneiderten Angeboten vor allem für Doktoranden und Postdoktoranden,

auch ermöglichte die Stiftung Gastdozenturen und den Austausch

von Mitarbeitern. Ferner unterstützte sie die wissenschaftliche Kommunikation,

indem sie Mittel für Symposien und Sommerschulen bereitstellte.

Aktuell konzentriert sich die Stiftung in der Schlussphase der Initiative neben

der fortdauernden Unterstützung von Symposien und Sommerschulen ausschließlich

auf die Förderung von Postdoktoranden, nachdem im Frühjahr

2010 letztmals gesondert Doktorandenstellen bewilligt wurden (siehe auch

www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum= 20100408). Eines dieser

letzten Doktorandenstipendien erhielt die Umweltnaturwissenschaftlerin

Susanne Landis. Sie untersucht die Beziehung zwischen der Grasnadel, einem

Fisch aus der Familie der Seenadeln, und einem parasitischen Saugwurm aus

dem Stamm der Plattwürmer. Generell ist eine parasitische Beziehung geprägt

von einem steten Wettrüsten: Der Parasit verbessert seine „Angriffsmecha-


nismen“, um den Zielorganismus noch effektiver auszunutzen und sich weiter

zu verbreiten, der Wirt dagegen baut seine Abwehr aus. Landis nimmt nun

einen Faktor unter die Lupe, der das Rennen zugunsten einer Seite entscheiden

könnte – die globale Erwärmung. Drei Jahre lang kann sie jetzt am Leibniz-Institut

für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR)

und der Universität Uppsala in Schweden forschen.

2010 wurden weitere neun Doktoranden und zwölf Postdoktoranden in die

Förderung genommen, sodass mittlerweile fast hundert Nachwuchsforscher

unterstützt werden. Einer von ihnen ist seit dem vergangenen Jahr Yingguang

Frank Chan, PhD. Er macht sich im Rahmen einer zweijährigen Postdoktoran -

denförderung am Max-Planck-Institut für Evolu tionsbiologie in Plön daran,

das Geheimnis von Riesenmäusen zu lüften. Der Riesenwuchs – und auch die

Verzwergung – bestimmter Tierarten im Vergleich zu ihren Verwandten ist ein

ungeklärtes Phänomen, das meist mit geografisch abgeschlossenen Räumen

in Zusammenhang steht. Über die genetischen Grundlagen solcher Anpassungsmechanismen

ist wenig bekannt. Chan will nun mithilfe einer gene -

tischen Kartierungsmethode jene Veränderungen im Erbgut identifizieren,

die bei verschiedenen Mauspopulationen zum Riesenwuchs geführt haben.

Am Zoologischen Institut der Universität Kiel wird sich Postdoktorandin Dr.

Gerrit Joop in den kommenden fünf Jahren mit der breiten antimikrobiellen

Wirkung des Quinons beschäftigen. Über die Abgabe dieser Substanz halten

Mehlkäfer ihren Lebensraum rein – eine Form sozialer, gemeinschaftlicher

Immunabwehr. Welche schädlichen Mikroben werden dadurch besonders

effektiv bekämpft? Und: Handelt es sich bei diesem „externen Immunsystem“

tatsächlich um ein soziales, altruistisches Verhalten, wie man es von

Staaten bildenden Insekten wie Ameisen und Bienen kennt? Eine zentrale

evolutionsbiologische Frage mit spannungsgeladenem Potenzial, denn bei

den eindeutig nicht sozial lebenden Mehlkäfern sollte man im Sinne der

Evolutionstheorie erwarten, dass sich in der Population langfristig nur ego -

istisches, ausschließlich dem einzelnen Individuum förderliches Verhalten

durchsetzt. Danach dürfte es nur Mehlkäfer geben, die auf die Quinon-Sekretion

verzichten und die lieber in das eigene Immunsystem investieren.

Im Jahr 2010 trafen sich die engagierten Nachwuchsforscher zum zweiten

Statussymposium der Initiative in Frauenchiemsee. Organisiert wurde das

Treffen von Professorin Dr. Susanne Foitzik und Dr. Elena Berg von der Ludwig-

Maximilians-Universität München. Die Veranstaltung diente auch der Netzwerkbildung

zwischen den Geförderten, von denen ein substanzieller Teil in

Arbeitsgruppen im Ausland tätig ist. Das nächste Statussymposium wird im

November 2011 auf Sylt stattfinden, organisiert von Professor Dr. Thorsten

Reusch und Dr. Olivia Roth vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an

der Universität Kiel (IFM-GEOMAR). Roth konnte bereits im Jahr 2009 erfolgreich

eine Postdoktorandenförderung einwerben; ihr Projekt ist ausführlich

vorgestellt in den „Impulsen 2011“, dem Wissenschaftsmagazin der Stiftung.

Sie hat ein Postdoktoranden-Fellowship eingeworben

und richtet zudem im November

2011 das nächste Statussymposium der Initia -

tive „Evolutionsbiologie“ aus: Dr. Olivia Roth

vom IFM-GEOMAR in Kiel. Ihr Forschungs -

objekt ist die Seenadel, ein kleiner schlanker

Knochenfisch – man sieht die Forscherin

gerade mit Netz beim frischen Fang in der

Kieler Förde. Ihr Team wartet derweil im

„Wassermann“. Mit dabei – links im Boot –

Susanne Landis, die ebenfalls an Syg nathus

typhle forscht und hierfür im Jahr 2010 ein

Doktorandenstipendium der Stif tung einwerben

konnte. Die Fische ziehen um in

die „Seenadel-Beckenanlagen“ des IFM.


56

Anträge 2010

Eingereicht 27

mit Volumen in Mio. Euro 4,8

Bewilligungen 23

mit Volumen in Mio. Euro 3,1

Bewilligungen insgesamt 34

in Mio. Euro, seit 2006 4,0

Kontakt

Dr. Thomas Brunotte

Telefon 0511/8381-297

brunotte@volkswagenstiftung.de

European Platform for

Life Sciences, Mind Sciences,

and the Humanities

Mit der „European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities“

möchte die VolkswagenStiftung die Vernetzung von Nachwuchsforschern

und -forscherinnen vorantreiben, die im Grenzbereich von kognitiven Neurowissenschaften

sowie Geistes- und Gesellschaftswissenschaften arbeiten –

und zwar explizit über Disziplinen- und Ländergrenzen hinweg. Ziel ist es, die

Fronten zwischen den Disziplinen mit ihren jeweiligen Deutungsansprüchen

über das Bild vom Menschen aufzubrechen und dadurch das neu entstehende

Forschungsfeld spürbar voranzubringen.

Bei einem ersten Workshop im Jahr 2006 hatten sich 60 Nachwuchswissenschaftler

in mehreren interdisziplinär zusammengesetzten Arbeitsgruppen

ausgetauscht. Im Anschluss daran entwickelten die Gruppenteilnehmer Rahmenkonzepte

für eine gemeinsame zweijährige Arbeitsphase. Insgesamt

acht solcher Arbeitsgruppen fördert die Stiftung seit dem Jahr 2007. Die zur

Verfügung gestellten Mittel ermöglichen gegenseitige Laborbesuche, Workshops

oder Arbeitstreffen mit führenden Wissenschaftlern, aber auch die

Umsetzung einzelner Pilotprojekte und die Arbeit an gemeinsamen Publi -

kationen. Alle Gruppenmitglieder erhielten 2008 die Gelegenheit zu einem

Medientraining. Mit der Vermittlung entsprechender Kompetenzen sollte

dabei zugleich der Blick über die Scientific Community hinaus geweitet und

dazu angeregt werden, den professionellen Austausch mit einer breiteren

Öffentlichkeit besser zu beherrschen und ihm positiv gegenüberzustehen.

Im Februar 2009 trafen sich die Teilnehmer des Netzwerks zu einem Statussymposium

in Osnabrück. Dort diskutierten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit

mit wissenschaftlichen Experten und Vertretern der Stiftung. Es zeigte sich

eindrucksvoll, dass es den „European Platformern“ offenkundig gelungen

war, sich Gewinn bringend zu vernetzen und mit ihren Erkenntnissen in der

Fachwelt zu platzieren; sie hatten gemeinsame Artikel in angesehenen Fachzeitschriften

publiziert und Ideen für weitergehende Projekte formuliert.

Im Jahr 2010 trat die „European Platform for Life Sciences, Mind Sciences,

and the Humanities“ in eine neue Förderphase über. Um die festgestellte Produktivität

und Innovationsfreude der Nachwuchswissenschaftlerinnen und

Nachwuchswissenschaftler weiter fruchtbar zu machen, bot die Stiftung den

Arbeitsgruppen an, Vorschläge für eigene Forschungsvorhaben einzubringen.

In einem strengen Auswahlverfahren konnten sich von zwölf eingereichten

Projekten immerhin acht durchsetzen, die seitdem gefördert werden. Leitkriterium

für die Auswahl war neben der Qualität der zu erwartenden Zusammenarbeit

in der Gruppe auch die Frage nach dem wissenschaftlichen Ertrag

für alle an einem Projekt beteiligten Disziplinen.


Mit diesen Forschungsthemen beschäftigen sich die acht Arbeitsgruppen im

Einzelnen:

• Being Addressed as You: Conceptual and Empirical Investigations of a

Second-Person Approach to Other Minds

• Social Conformity: Why Do Humans and Monkeys Make Weak Decisions

under Social Influence?

• Intuition and Emotion in Moral Decision-Making: Empirical Research and

Normative Implications

• Narcissus & Echo: Self-Consciousness and the Intersubjective Body

• Who Is Thinking? Authorship and Control of Thoughts

• Grounding Thoughts in Actions: Interdependencies Between Thoughts and

Motor Control

• Why Love Hurts: The Social Modulation of Pain

• Irrationality as Dysfunctional Option Generation

Im Zuge dieser von ihnen selbstständig verfolgten interdisziplinären For -

schungs vorhaben haben die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

auch die Möglichkeit, eigene Doktorandinnen und Doktoranden zu betreuen.

Nicht zuletzt diese neue Herausforderung soll dazu beitragen, dass sie sich

auf ihrem Weg zu einer Karriere in Forschung und Lehre weiter qualifizieren

und etablieren können. Die Stiftung erhofft sich von dem Angebot exzellente

wissenschaftliche Vorhaben, die – aufbauend auf den positiven Erfahrungen

mit dem Netzwerk – gleichermaßen durch ihren hohen Innovationsgehalt

wie durch ihre interdisziplinäre Integration überzeugen.

Die durchweg positiven Erfahrungen mit der ersten Netzwerkphase der

„European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities“

veranlassten die VolkswagenStiftung, das Angebot weiter auszubauen. Mit

dem Ziel, an den Erfolg der ersten Generation anzuknüpfen, fand Anfang Juni

2010 in der Evangelischen Akademie in Tutzing der Gründungsworkshop für

ein zweites Netzwerk statt: 46 Doktoranden und Postdoktoranden waren nach

einem ersten Auswahlprozess an den Starnberger See eingeladen. Auch sie

fanden sich wieder in Arbeitsgruppen zusammen und diskutierten mög liche

neue Themen im Schnittfeld von Neurowissenschaften, Philosophie und Psychologie.

Dabei wurden sie von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der

ersten „European Platform“ begleitet. Die Stiftung plant nun, im Jahr 2011 die

beiden Netzwerke zusammenzuführen und übergreifende Kooperationen

anzustoßen.

Mit diesem zweiten Durchlauf beendet die VolkswagenStiftung zugleich ihre

Förderaktivität in Sachen „European Platform for Life Sciences, Mind Sciences,

and the Humanities“. Der große Erfolg lässt sie derzeit darüber nachdenken,

das Format der Plattform mittelfristig auch auf andere Themenfelder zu

übertragen.

Die Atmosphäre war lebendig, die gemein -

same Arbeit intensiv – und die Vernetzung

erfolgreich: Insgesamt gut hundert European

Platformer beider „Generationen“ trafen im

Juni 2010 in der Evangelischen Akademie in

Tutzing aufeinander und diskutierten über

Forschung im Schnittfeld von Neurowissen -

schaften, Philosophie und Psychologie. Mit

dabei Anika Fiebich (oben) und Marijn van

Wingerden (unten) – sowie Dr. Henrike Hart -

mann (Mitte) von der VolkswagenStiftung,

die die Initiative von Beginn an begleitet hat.

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 57


58

Anträge 2010

Eingereicht 7

mit Volumen in Mio. Euro 5,3

Bewilligungen 3

mit Volumen in Mio. Euro 1,8

Bewilligungen insgesamt 53

in Mio. Euro, seit 1998 26,0

Kontakt

Dr. Vera Szöllösi-Brenig

Telefon 0511/8381-218

szoelloesi@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 65

Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften

– Programm zur Förderung fachübergreifender

und internationaler Zusammenarbeit

Die 1998 eingerichtete Initiative zielt auf die geistes- und kulturwissenschaftlichen

Disziplinen an deutschen Hochschulen. Sie sind aufgerufen Projektthemen

zu definieren, die auf der einen Seite – hier ist der Name Programm –

tatsächlich die Qualität eines „Schlüsselthemas der Geisteswissenschaften“

haben; auf der anderen Seite sollen sie aber auch aktuelle, in der Gesellschaft

diskutierte Fragestellungen aufgreifen und damit nicht zuletzt für die breitere

Öffentlichkeit von Interesse sein. Diese doppelte thematische Anforderung

wird durch drei strukturelle Kriterien ergänzt: So sollen die Projekte nur im

interdisziplinären Verbund, nach Möglichkeit unter Einschluss naturwissenschaftlicher

Fächer, bearbeitet werden – und zudem den internationalen

Forschungskontext einbeziehen. Schließlich muss es sich um ein integriertes

Forschungsdesign handeln, nicht um die bloße Addition verschiedener Teilprojekte

zu einem Thema. Es geht um ein gemeinsames Ergebnis!

Es versteht sich von selbst, dass die Stiftung solche „Schlüsselthemen“ nicht

vorgibt. Vielmehr sind bereits bei der Definition entsprechender Problemfelder

und Fragestellungen intellektuelles Gespür und wissenschaftliche Neugier

gefordert. An den Forscherinnen und Forschern liegt es zu verdeutlichen, dass

sie eine Thematik gewählt haben, die den Kriterien des Programms entspricht.

Besonderen Wert legt die Stiftung – der Zielsetzung der Förderinitiative entsprechend

– auf eine überzeugende Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse

in der akademischen Lehre und gegenüber den verschiedenen interessierten

Öffentlichkeiten. Je Vorhaben stellt die Stiftung bis zu einer Million

Euro bereit. Die Förderdauer erstreckt sich zunächst über drei, längstens fünf

Jahre. Im Jahr 2010 konnten zwei neue Projekte die Stiftung und ihre Beraterinnen

und Berater von ihrer Qualität als „Schlüsselthema“ überzeugen.

Eines der beiden neu bewilligten Vorhaben trägt den Titel „Autonomie und

Vertrauen in der modernen Medizin. Erkenntnis – Praxis – Norm“. Im inter -

disziplinären Verbund beschäftigen sich sieben Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler samt ihrer Teams mit Entscheidungen, die am Lebensanfang

und am Lebensende getroffen werden. Ihr Interesse gilt dabei explizit der

Reproduktionsmedizin und der Zeit in einer Palliativstation. Gilt landläufig

in unserer liberalen Gesellschaft die Autonomie des Einzelnen als zentraler

Schlüsselbegriff und ist die Anerkennung des Rechts von Patienten auf Selbstbestimmung

in der Medizin die notwendige Folge dieser Überzeugung, so

stellt das Projekt die Kategorie „Vertrauen“ als notwendigen komplementären

Begriff heraus – Vertrauen in den Arzt; Vertrauen in die Familie, die den

Patienten begleitet; Vertrauen in die Institution Krankenhaus, in das Rechtssystem

und auch in den Glauben. Diese verschiedenen Ebenen nehmen die

Forscher in insgesamt sieben Teilprojekten in den Blick.


Angesiedelt ist das Vorhaben an der Universität Göttingen; beteiligt sind die

Medizinethikerinnen Professorin Dr. Claudia Wiesemann und Professorin Dr.

Silke Schicktanz, der Palliativmediziner Professor Dr. Friedemann Nauck, die

beiden Medizinrechtler Professor Dr. Gunnar Duttge und Professor Dr. Volker

Lipp sowie der evangelische Theologe Professor Dr. Reiner Anselm und der

Philosoph Professor Dr. Holmer Steinfath. Sein Teilvorhaben liefert die theoretisch-konzeptuelle

Analyse des Spannungsfelds von Autonomie und Vertrauen.

Als klinisch-praktische Interpretations- und Erprobungsplattform dienen

interdisziplinäre Fallkonferenzen.

Bewilligt wurde 2010 auch das Vorhaben „Soziale Informationsverarbeitung

und Kultur – eine interdisziplinäre Untersuchung von Selbstkonstrukten,

Fremdverstehen, sozialer Interaktion und den kulturellen Einflussfaktoren“.

Im Überschneidungsfeld der Wissenschaftsgebiete Philosophie, Neurowissenschaften,

Psychologie und kulturvergleichende Kommunikationspsychologie

fragen die Forscher: Wie versteht der Mensch sich selbst und den

Anderen, und wie kommt es zu sozialer Interaktion? Zu den komplexesten

kognitiven Leistungen des Menschen gehört die Verarbeitung sozialer Information.

Damit dies möglich ist, muss eine Person „sich selbst verstehen“,

gleichermaßen andere – und zudem soziale Interaktionen einordnen können.

Zugleich ist die zwischenmenschliche Kommunikation wesentlich in kulturelle

Kontexte eingebettet und wird von diesen geprägt. Hauptinteresse der

Wissenschaftler ist es daher, die Rolle herauszuarbeiten, die sowohl kognitiven

als auch kulturellen Faktoren zukommt mit Blick auf die Kategorien Selbstkonstruktion,

Fremdwahrnehmung und Fremdverstehen sowie Kommuni -

kation. Getragen wird das Kooperationsvorhaben von Professor Dr. Albert

Newen von der Universität Bochum sowie den Professoren Dr. Gary Bente

und Dr. Dr. Kai Vogeley von der Universität Köln.

Neben den Professorinnen und Professoren arbeiten in den „Schlüsselthemen“

viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die

sich durch die interdisziplinär angelegten Projekte qualifizieren: eine besondere

Herausforderung. Sie haben sich im Frühsommer 2010 zum ersten Mal

im „NaSch-Forum“ – Nachwuchs in den Schlüsselthemen – zu einem Gedankenaustausch

getroffen (www.nasch-forum.de). Das Programm wurde zusammengestellt

vom Organisationsteam um Jan Schmirmund und Anita Bader

von der Universität Gießen, Nicole Schmiade und Isabell Stamm von der Freien

Universität Berlin sowie Daniel Kersting von der Universität Marburg. Es um -

fasste eine Standortbestimmung der Geisteswissenschaften ebenso wie die

Erörterung mög licher Karrierewege und neuer Ansätze in den eHumanities.

Schloss Eringerfeld bei Paderborn bot den stimmungsvollen Rahmen für

intensive Diskussionen.

Im Frühjahr 2011 hat die Stiftung beschlossen, die Initiative neu auszurichten

unter dem Titel „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft – Integrative

Projekte aus den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften“.

„NaSch-Forum“ – das klingt nach etwas

Süßem, Angenehmem. Und das strahlen die

fünf Organisatoren auch aus. Sie hatten es

in die Hand genommen, einmal alle Nach -

wuchs wissenschaftlerinnen und Nachwuchs -

wissenschaftler, die in den Schlüsselthemen

gefördert werden, zum Gedankenaustausch

zusammenzubringen. Es wurde ein Erfolg. Als

Ort für die Standortbe stim mung der Geistes -

wissenschaften wählten Nicole Schmiade, Jan

Schmirmund, Anita Bader, Isabell Stamm und

Daniel Kersting (von links) Schloss Eringerfeld

bei Paderborn.

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 59


60

Anträge 2010

Eingereicht 19

mit Volumen in Mio. Euro 2,0

Bewilligungen 5

mit Volumen in Mio. Euro 0,7

Bewilligungen insgesamt 27

in Mio. Euro, seit 2007 2,6

Kontakt

Dr. Thomas Brunotte

Telefon 0511/8381-297

brunotte@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 89

Deutsch plus – Wissenschaft ist mehrsprachig

Der Gebrauch der englischen Sprache ist bei wissenschaftlichen Veröffent -

lichungen und auch bei Tagungen in Deutschland in vielen Disziplinen gang

und gäbe. Doch Denkstil und Sprache können eng miteinander verknüpft

sein, und die schlichte Übersetzung einer wissenschaftlichen Arbeit in eine

andere Sprache ist nicht selten mit deutlichen Veränderungen und Einbußen

in Ausdruck, Akzentuierung und Bedeutung verbunden. Gerade über die

jeweils verwendete Sprache finden spezifische Begriffe, Erkenntnis- und Deutungsmuster

Eingang in die Prozesse von Forschung und Lehre. Entsprechend

ist es das Ziel dieser Förderinitiative, im Kontext wissenschaftlicher Mehrsprachigkeit

dem Deutschen als Wissenschaftssprache und den in deutscher

Sprache erarbeiteten wissenschaftlichen Erkenntnissen international mehr

Raum und Gewicht zu geben. Die Initiative umfasst die nachfolgend vorgestellten

vier Förderlinien, bei denen es teils regelmäßig wiederkehrende Ausschreibungen,

teils die Möglichkeit einer fortlaufenden Antragstellung gibt.

Ausschreibung für mehrsprachige Studienangebote

Mit bis zu 200.000 Euro fördert die Stiftung im Zuge einer zumeist jährlichen

Ausschreibung Studiengänge, die als zentrales Element ein integriertes Konzept

zum Erwerb des Deutschen als Wissenschaftssprache vorweisen. In Betracht

kommen dabei auch Studienangebote, die das Ziel wissenschaftlicher Mehrsprachigkeit

in der Kooperation von deutschen und ausländischen Hochschulen

verfolgen. Grundsätzlich können mehrsprachige Studiengänge aller Qualifikationsstufen

unterstützt werden. Nicht gefördert werden die Entwicklung

und Verankerung einzelner Sprachmodule ohne integratives mehrsprachiges

Gesamtkonzept. Im Jahr 2010 gab es in dieser Förderlinie keine neue Bewilligung,

jedoch wurde der zuvor auf den Weg gebrachte deutschsprachige Bachelorstudiengang

„Deutsch als Sprache der Geisteswissenschaften“ an der Universität

Olmütz in Tschechien eröffnet. Tschechische Studierende haben im

Rahmen dieses Ausbildungswegs die Möglichkeit, geisteswissenschaftliche

Fächer wie Geschichte, Philosophie, Judaistik, Soziologie, Linguistik oder

Mediävistik auf Deutsch zu studieren. Insgesamt fördert die Stiftung nach

der nunmehr dritten Ausschreibungsrunde drei Studiengänge.

Übersetzung deutschsprachiger wissenschaftlicher Arbeiten

Im Jahr 2010 ermöglichte die Stiftung die Übersetzungen von vier deutschsprachigen

wissenschaftlichen Standardwerken in eine andere Wissenschaftssprache,

allein zwei davon ins Russische. Ziel dieser Förderlinie ist es,

die Reichweite und Bedeutung deutschsprachiger Publikationen zu erhöhen

und die Qualität der Übersetzungen zu verbessern. Das Angebot richtet sich

an alle Fachrichtungen, wobei vor allem jene Fachgebiete angesprochen wer-


den, bei denen es im Zuge der Übersetzung nicht nur um den Brückenschlag

zwischen fachsprachlichen Terminologien geht, sondern gerade auch um die

stimmige Übertragung eines spezifischen Denkstils in die andere Sprache.

Beispielhaft dafür ist die auf den Weg gebrachte Übersetzung des wissenschaftlichen

Lehrbuchs „Strafrecht“ von Helmut Frister ins Russische. Ebenfalls in

die russische Sprache werden Wolfgang Klafkis „Neue Studien zur Bildungstheorie

und Didaktik“ übertragen; darüber hinaus Berthold Spulers Grund -

lagenwerk „Iran in frühislamischer Zeit“ vom Deutschen ins Englische. Eine

Übersetzung ins Chinesische hingegen erfährt Sigmund Freuds „Studien -

ausgabe Band 1; Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und neue

Folgen der Vorlesungen“.

Forschungsprojekte

Ferner unterstützt die Stiftung fortlaufend Forschungsprojekte zu Fragen

der Prägung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens durch Sprache und

Kultur. Im Jahr 2010 profitierte von diesem Angebot ein mit rund 540.000

Euro gefördertes deutsch-italienisches Kooperationsvorhaben. Professorin Dr.

An gelika Redder vom Institut für Germanistik der Universität Hamburg und

ihre Forscherkollegen beschäftigen sich darin mit dem Thema „Linguistische

Profilierung einer europäischen Wissenschaftsbildung“. Während in deutschen

Hörsälen der Diskurs eine wichtige Rolle spielt, setzen zum Beispiel italienische

Hochschulen eher auf den reproduktiven Wissensaufbau. Worin genau

die Unterschiede bestehen und welche Wechselwirkungen es zwischen

Wissenschaftssprache und -kultur gibt, dafür interessiert sich nun das bina -

tio nale Wissenschaftlerteam im Detail. In den nächsten drei Jahren werden

die Linguisten der Universitäten Hamburg, Chemnitz, Bergamo und Modena

die Wissenschaftssprachen von Lehrveranstaltungen mittels Ton- und Videoaufzeichnungen,

Beobachtungen, Interviews und Befragungen analysieren.

Auf diese Weise wollen sie einerseits die „wissensvermittelnde Hochschulkommunikation“

vergleichend untersuchen. Zum anderen erhofft sich das

Forscherteam vor dem Hintergrund der Bolognareform und der Neuordnung

des europäischen Hochschulraums praxisrelevante Interventions- und Unterstützungsmaßnahmen

für die wissenschaftliche Lehre unter den veränderten

Bedingungen von Mehrsprachigkeit und Multikulturalität an den Universi tä -

ten des zusammenwachsenden Europas.

Veranstaltungsprogramm

Darüber hinaus fördert die Stiftung weiterhin Vortragsveranstaltungen,

Streitgespräche, Podiumsdiskussionen und Symposien rund um das Thema

„Wissenschaft ist mehrsprachig“. Darin soll es, ähnlich wie in den Forschungsprojekten,

um Funktion und Bedeutung von Sprache und Kultur für die wissenschaftliche

Arbeit gehen.

Start für den Bachelorstudiengang „Deutsch

als Sprache der Geisteswissenschaften“ an

der Universität Olmütz in Tschechien – mit

Studierenden, Wissenschaftlern und viel

politischer Prominenz aus beiden Ländern.

Tschechische Studierende können jetzt an

der Hochschule Fächer wie Geschichte,

Philosophie, Judaistik, Soziologie, Linguistik

oder Mediävistik auf Deutsch studieren. Aus

ihrem Kreis eröffnete Marek Kysela (Bild

unten), Dr. Thomas Brunotte (oben) begrüßte

für die VolkswagenStiftung. Ihm lauscht

aufmerksam unter anderem eine der Initia -

torinnen des neuen Ausbildungsangebots,

Professorin Dr. Inge borg Fiala-Fürst (rechts).

Jahresbericht 2010 Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft 61


64

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft


Förderung 2010

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Wissenschaft braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Die „Öffentlichkeit“, wie sie

sich etwa im politischen Diskurs und in den Medien abbildet, fordert heute viel

stärker als früher, dass sich „Wissenschaft“ öffnet und den Dialog sucht. Dabei

ist schon der Begriff der „Öffentlichkeit“ facettenreich: Diese beginnt im wissenschaftlichen

Raum – denn auch der Experte eines Nachbarfachs ist bereits Teil der

Öffentlichkeit –, geht weiter über Wissenschaftsjournalisten und reicht bis zum

„wissenschaftlich interessierten Laien“. Die Zielgruppen lassen sich weit ausdifferenzieren.

Entsprechend müssen die Kommunikationsangebote den Bedürfnissen

der jeweiligen Adressaten Rechnung tragen und zugleich wechselseitigen Aus -

tausch ermöglichen.

Wissenschaftsvermittlung und -kommunikation stellt folglich eine große Heraus -

forderung an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft dar. Um sie zu

bewältigen, müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Wege gehen.

Die VolkswagenStiftung als größte private wissenschaftsfördernde Einrichtung

bietet ihnen mit diesem Angebot Unterstützung an.


64

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Anträge 2010

Eingereicht 12

mit Volumen in Mio. Euro 3,4

Bewilligungen 7

mit Volumen in Mio. Euro 1,7

Bewilligungen insgesamt 29

in Mio. Euro, seit 2007 6,0

Kontakt

Dr. Thomas Brunotte

Telefon 0511/8381-297

brunotte@volkswagenstiftung.de

>> Merkblatt 90

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft

Wissenschaft in die Gesellschaft zu vermitteln, ist eine ebenso dringliche wie

anspruchsvolle und schwierige Aufgabe. Um bei dieser Herausforderung zu

unterstützen, hat die VolkswagenStiftung im Jahr 2007 die Förderinitiative

„Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft“ ins Leben gerufen. Die Stiftung

kann dabei auf Erfahrungen mit zahlreichen Projekten und Vermittlungsformaten

in der Vergangenheit zurückgreifen. Insofern fand hier auch eine Bündelung,

Systematisierung und ein Ausbau der Aktivitäten zu einem breit ge -

fächerten Förderangebot statt. Die VolkswagenStiftung unterstreicht damit,

dass sie die Verbesserung der Kommunikation zwischen Wissenschaft und

Öffentlichkeit als eigenständiges und umfassendes Förderziel begreift – wobei

in jedem Fall der Fokus auf neuen Konzepten und Formaten liegt. Konkret in

den Blick genommen wurden bislang drei Handlungsfelder.

Zum einen unterstützt die Stiftung Vorhaben und Formate der Öffentlichkeitsarbeit

in geförderten Projekten und bestehenden Initiativen. Dieses Angebot

versteht sich als Anbindung an die laufenden Förderaktivitäten der Stiftung.

Denkbar sind vielerlei Vermittlungsformen und -formate, die – den spezifischen

Rahmenbedingungen und Anforderungen der einzelnen Förderinitiativen

entsprechend – jeweils zielgruppenbezogen und an Nachhaltigkeitskriterien

orientiert zu entwickeln sind. Mittel für verstärkte Öffentlichkeitsarbeit

können bereits im Rahmen der Antragstellung für das betreffende Vorhaben

eingeplant werden, ihre Beantragung ist jedoch auch nachträglich möglich.

Des Weiteren zielt die Förderinitiative auf originelle Formate, die der Verbesserung

der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit dienen.

Hier hat die Stiftung im Jahr 2010 letztmals drei einzelne kleinere Projekte

bewilligt – ein Nano-Kurzfilm-Festival, eine wissenschaftliche Philosophieperformance

und eine Veranstaltungsreihe „Ethnologie und Öffentlichkeit“.

Künftig bündelt sie dieses zentrale Angebot in Form themenfokussierter Ausschreibungen.

Im Berichtsjahr stieß sie dazu bereits den Ideenwettbewerb

„Extremereignisse – Wahrnehmung in Wissenschaft und Gesellschaft“ an.

Gefragt sind originelle Ideen für konkrete Vermittlungsformate, die deutlich

machen, welche Bedeutung Extremereignisse für unsere Lebenswelt haben,

wie man ihnen begegnen kann und vor allem, welcher Gewinn von der

Anwendung wissenschaftlicher Verfahren und Einschätzungen zu erwarten

ist. Angesprochen sind kreative Forscherinnen und Forscher, die sich mit


Extremereignissen – beispielsweise Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürmen, Pan -

demien, Industrieunfällen oder Börsencrashs – in natürlichen, technischen

und sozioökonomischen Systemen beschäftigen. Die Entscheidung über die

Gewinner des Ideenwettbewerbs fällt im Sommer 2011. Ob und wann die

Stiftung in diesem Fördersegment einen neuen themenfokussierten Wett -

bewerb ausschreiben wird, ist derzeit offen.

Das dritte Handlungsfeld nimmt „Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft“

als Thema der Forschung in den Blick. Hier geht es um Vorhaben, die sich

mit dem spannungsreichen Verhältnis von Wissenschaft und Forschung zur

Öffentlichkeit befassen. In dieser Förderlinie werden 2011 letztmals Projekte

bewilligt. Damit fokussiert die Stiftung ihr Engagement in der Initiative auf

die Öffentlichkeitsarbeit zu geförderten Projekten sowie gegebenenfalls auf

Ideenwettbewerbe zur Wissenschaftskommunikation. 2010 bewilligte die Stiftung

zwei solcher Forschungsprojekte mit insgesamt knapp einer Million Euro.

So beschäftigt sich am Wissenschaftszentrum Berlin unter der Leitung von

Professor Dr. Michael Hutter ein Forscherteam mit den Kommunikations- und

Austauschbeziehungen zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. In

welcher Richtung und mit welchen Folgen haben sich die Grenzen zwischen

Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik in den vergangenen Jahren im internationalen

Vergleich verschoben? Was waren gegebenenfalls die Ursachen

dafür, und welche Mechanismen liegen diesem Wandel zugrunde? Geforscht

wird am Beispiel der Handlungsfelder Arbeitsmarktpolitik und Verbraucherschutz

– und mit vergleichendem Blick auf die Länder Deutschland, Großbritannien

und USA. Das zweite Vorhaben wird geleitet von Juniorprofessorin

Dr. Silvia Hansen-Schirra vom Institut für Publizistik der Universität Mainz.

Gemeinsam mit Forschern der Universität Freiburg untersucht sie populärwissenschaftliche

Texte aus Printmedien und dem Internet insbesondere hinsichtlich

deren Stil und inhaltlicher Aufbereitung. Ziel ist es, über die Analyse

von Beiträgen zu aktueller natur- und technikwissenschaftlicher Forschung

letztlich Empfehlungen geben zu können, wie sich die textgebundene Vermittlung

von Wissenschaft weiter verbessern lässt.

Jahreshöhe der Förderaktivität der Stiftung im Interaktionsfeld von Wissenschaft,

Öffentlichkeit und Gesellschaft war vom 2. bis 6. November 2010 in

Hannover und Essen der Zukunftskongress „Our Common Future“; er schlug

zugleich eine Brücke zum Kulturhauptstadtjahr „RUHR.2010“. Gemeinsam

mit der Stiftung Mercator und der Messe AG Hannover veranstaltete die

VolkswagenStiftung einen Kongress, bei dem Nachwuchswissenschaftlerinnen

und Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt die Gelegenheit

erhielten, mit hochrangigen Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und

Politik die drängendsten globalen Zukunftsfragen zu diskutieren. Die Themen

waren Klimawandel und Energie, Zukunftstechnologien, wirtschaftliche

Entwicklung und Strukturwandel, Weltgesundheit und Molekularmedizin

sowie Menschenrechte und globale Werte.

Anfang November 2010 trafen sich in Hanno -

ver und Essen Wissenschaftler aus aller Welt

zum Zukunftskongress „Our Common Future“,

um die großen globalen Fragen zu diskutieren.

Markante Akzente im Panel „Global

Health and Molecular Medicine” setzten

mit ihren Beiträgen (von oben nach unten)

Professor Dr. Karl Lenhard Rudolph von der

Universität Ulm, Professorin Dr. Elisabeth

Blackburn von der Universität Kalifornien in

San Francisco, USA, und Professor Dr. Rudi

Balling von der Universität Luxemburg.


68

Außergewöhnliches


Förderung 2010

Offen – für Außergewöhnliches

Wer eine herausragende wissenschaftliche Projektidee hat, einen innovativen,

außergewöhnlichen Forschungsansatz verfolgt, sein Gebiet schon spürbar vorangebracht

hat, quer zu Disziplinen und Mainstream denkt, aber unter den aktuellen

Förderinitiativen der VolkswagenStiftung keine findet, der sich das geplante Vor -

haben zuordnen lässt – der könnte dennoch bei der VolkswagenStiftung an der

richtigen Adresse sein. Die Stiftung ist sehr daran interessiert, auch Vorhaben zu

fördern, für die es bei ihr derzeit kein entsprechendes Rahmenangebot gibt. Auf

diese Weise möchte sie ein Forum bieten für Ideen und Konzepte, die zukunftsweisenden

Fragestellungen gelten und durch Zusammenführung unterschiedlicher

Fachrichtungen und methodischer Ansätze neue Perspektiven eröffnen – in der

Forschung, in der Lehre und nicht zuletzt im Zusammenspiel von Wissenschaft,

Praxis und Öffentlichkeit.

Dieses Angebot zielt allerdings nicht auf den Regelfall, sondern auf die Ausnahme.

Wer hier zum Zuge kommen will, muss daher mit seinem Vorhaben nicht nur

höchsten wissenschaftlichen Maßstäben genügen, sondern auch plausibel machen

können, dass sich dafür im Rahmen der Förderangebote anderer Institutionen

keine Unterstützung finden lässt und somit die VolkswagenStiftung gefordert ist.

Auf alle Fälle empfiehlt es sich, zunächst Kontakt mit der Stiftung aufzunehmen

und als gegebenenfalls ersten Schritt eine entsprechende Ideenskizze vorzulegen.

So kann die Stiftung schnell entscheiden, ob die Pläne überhaupt mit Aussicht auf

Erfolg weiterverfolgt werden können.


68

Offen – für Außergewöhnliches

Anträge 2010

Eingereicht 6

mit Volumen in Mio. Euro 1,3

Bewilligungen 6

mit Volumen in Mio. Euro 1,3

Bewilligungen insgesamt 77

in Mio. Euro, seit 2002 19,6

Angestoßen wurde das „Clinical

Scientist Training Program“ durch

eine Initiative der „Jungen Charité“,

einer Gruppe von rund 30 jungen

Medi zinerinnen und Medi zinern, die

auf der Basis von Exzellenzkriterien

ausgewählt wurden. Ein Managementteam

aus diesem Kreis übernimmt

die organisatorische Abwicklung,

begleitend findet zudem eine

Evaluation der Pilotphase statt.

Außergewöhnliches

Wenngleich die VolkswagenStiftung mit wechselnden Initiativen Prioritäten

in der Förderung setzt, so ist sie doch immer auch außerhalb ihres Förderspektrums

offen für Außergewöhnliches – und damit für einzelne Vorhaben,

die aus besonderen Gründen Unterstützung verdienen. Im Jahr 2010 hat die

Stiftung hier sechs Bewilligungen über insgesamt 1,3 Millionen Euro ausgesprochen,

darunter Projektverlängerungen für zwei erfolgreich laufende

Verbundvorhaben, an denen vier Arbeitsgruppen beteiligt sind. Die beiden

neuen Vorhaben werden nachfolgend vorgestellt; sie verdeutlichen, woran in

diesem Bereich außerhalb der fest umrissenen Förderinitiativen gedacht ist.

Mit gut 860.000 Euro fördert die Stiftung ein Projekt zur besseren Ausbildung

von Fachärzten, das „Clinical Scientist Training Program“ an der Charité – Universitätsmedizin

Berlin. Ziel ist eine bessere Ausbildungsstruktur für klinische

Forscherinnen und Forscher, die sowohl die verschiedenen Arbeitsfelder als

auch die möglichen Karrierewege eines Facharztes in einem Universitätskrankenhaus

im Blick behält. Im Vordergrund steht dabei der Mediziner als

forschender Wissenschaftler, der für seine Forschung auch den notwendigen

zeitlichen Spielraum haben muss – dabei gleichermaßen über eine fundierte

fachliche Ausbildung, eine fachärztliche Weiterbildung und über klinische

Erfahrung in zumindest einer medizinischen Fachdisziplin verfügen sollte.

Gedacht ist an schon erfahrene Teilnehmer, die drei Jahre ihrer Facharztausbildung

absolviert haben, an klinischen oder translationalen wissenschaft -

lichen Arbeiten beteiligt sind oder nach einem Auslandsaufenthalt nun als

Postdoktorand den Wiedereinstieg in die Klinik suchen. Darüber hinaus sollten

sie ein eigenes wissenschaftliches Vorhaben wie beispielsweise eine klinische

Studie oder ein Projekt aus der Grundlagenforschung verfolgen. Teil

des Angebots ist begleitend ein ausdifferenziertes Weiterbildungspaket. Das

Ausbildungsprogramm umfasst einen Zeitraum von drei bis vier Jahren und

wird in erster Linie getragen von Professor Dr. Duska Dragun von der Nephrologie

und internistischen Intensivmedizin, Privatdozent Dr. Daniel Baumgart

von der Gastroenterologie und Hepatologie und Privatdozentin Dr. Britta

Siegmund von der Infektiologie und Rheumatologie der Berliner Charité.

Die Ausbildung führt zu einer vollwertigen Facharztanerkennung im jeweiligen

Fachgebiet mit einer durch den Titel „Clinical Scientist“ bezeichneten Zusatz-


qualifikation in der translationalen und klinischen Forschung. Sie bietet erstmals

die Möglichkeit, dass es definierte Zeiten der Freistellung von klinischer

Tätigkeit für die eigene Forschung gibt und die wissenschaftliche Weiterbildung

nicht am Ende oder am Rande der Facharztausbildung stattfindet, sondern

zentral integriert ist. Bis zu acht junge Fachärzte können an dem ersten

Durchgang, dem von der Stiftung geförderten Pilotprojekt, teilnehmen. Von

den Ergebnissen und Erfahrungen sollen dann nach Abschluss andere interessierte

Einrichtungen national wie international profitieren.

Die Begegnung der beiden Welten Kunst und Neurowissenschaften, zusammenfließend

in der speziellen Ausdrucksform des Tanzes – dieses Vorhaben

ist wohl beispielhaft ein „Außergewöhnliches“. Das Tanztheaterprojekt

„Dance Engaging Science“ versucht diesen Ansatz. Die Verknüpfung besteht

dabei in einem gemeinsamen Interesse an Themen wie Bewegungskontrolle

und Wahrnehmung, Entstehung und Bedingungen für Kreativität oder auch

Analyse und Dokumentation von Choreografie. Bei „Dance Engaging Science“

werden sich Choreografen, Tänzer, Philosophen, Verhaltensforscher, Kognitionsund

Neurowissenschaftler entsprechend zu Themen wie Choreografie, Ästhetik,

Bewegungswahrnehmung oder Kreativität austauschen. Wie beispielsweise

entsteht Kreativität? Was empfindet der Künstler als ästhetisch, und

wie sieht demgegenüber die Wahrnehmung und Einschätzung desjenigen

aus, der die Kunst erlebt?

Geplant sind zum einen öffentliche Aufführungen und Präsentationen der am

Projekt beteiligten Gastchoreografen, andererseits Lecture-Veranstaltungen

zu den vielfältigen genannten Aspekten. Workshops und Residenzen, zu denen

Wissenschaftler und Experten eingeladen werden, sollen Impulse setzen für

eine interdisziplinäre Forschung zu gemeinsamen Fragestellungen, die sich

zuvorderst aus der Tanzpraxis ergeben. Umgesetzt wird das von der Stiftung

mit knapp 90.000 Euro geförderte Vorhaben als Teil eines weiteren Rahmens,

der abgesteckt ist von den auf insgesamt vier Jahre (2010-2013) angelegten

„Motion Bank“-Workshops der Forsythe Company.

Partner der Forsythe Company für die von der Stiftung geförderten Veranstaltungsteile

„Dance Engaging Science“ sind Managing Director Annette Winkelmann

von der Berlin School of Mind and Brain an der Humboldt-Universität

Berlin und Scott DeLahunta, Writing Research Associates, Amsterdam – sowie

das Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main. Die vier

Workshops zu den Themen „Choreographic Organisation”, „Dance Phenomenology“,

„Choreographic Thinking” und „Meaning and Expertise“ finden innerhalb

von zwei Jahren statt, der erste war vom 20. bis 22. Mai 2011 in Frankfurt

am Main.

Mit Blick auf die Weiterentwicklung des Förderangebots „Offen – für Außergewöhnliches“

eruiert die Stiftung darüber hinaus derzeit Unterstützungsstrategien

für explizit risikoreiche Projekte.

Schon mehrfach hat sich die Stiftung bei der

Medizinerausbildung engagiert, dabei wiederholt

in der Bundeshauptstadt. So brachte sie

im Jahr 2002 mit massiver Unterstützung den

inzwischen hochgelobten Reformstu dien -

gang Medizin an der Humboldt-Uni ver si tät

Berlin mit auf den Weg, förderte seinerzeit

vor allem den Aufbau eines Trainingszen trums

für ärztliche Fertigkeiten. Dort entstanden

damals diese Bilder. Acht Jahre später nun

unterstützt die Stiftung an der Charité –

Universitätsmedizin Berlin ein Projekt zur

besseren Ausbildung von Fachärzten, das

„Clinical Scientist Training Program“.

Jahresbericht 2010 Offen – für Außergewöhnliches 69


72

73

Übersicht bewilligter Mittel

Beispiele aus der Förderung im „Vorab“


Förderung 2010

Niedersächsisches Vorab

Das „Niedersächsische Vorab“ ist seit nahezu fünfzig Jahren eine feste Größe in

der Forschungsförderung. Es umfasst jene Erträge der VolkswagenStiftung, die

ausschließlich der Forschungsförderung in Niedersachsen zugutekommen. Dabei

wirken das Land und die VolkswagenStiftung als größte private wissenschaftsfördernde

Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland eng zusammen. Die Mittel

des Vorab haben es Niedersachsen als Forschungsregion ermöglicht, Anschluss zu

halten an den nationalen und internationalen Forschungsstand und Spielräume

für die Entwicklung neuer Forschungsrichtungen zu gewinnen. Als erstes der deutschen

Länder konnte Niedersachsen ein für wissenschaftliche Neuorien tie rungen

offenes, verlässliches und von Vertrauen zwischen den Partnern im Wissen schafts -

system getragenes Modell der Wissenschaftsförderung entwickeln, in dem Forschung

und Lehre, Stiftung und Politik frei und zugleich koordiniert agieren.


72

Niedersächsisches Vorab

Bewilligungen

in Mio. Euro 2010 56,9

in Mio. Euro, seit 1962 1297,4

Kontakt

Prof. Dr. Hagen Hof

Telefon 0511/8381-256

hof@volkswagenstiftung.de

Nach § 8 Abs. 2 der Satzung der Stiftung ist ein festgelegter Teil der zur

Verfügung stehenden Fördermittel an das Land Niedersachsen vorweg zu

vergeben. Dieser Teil umfasst – nach Abzug der anteiligen Verwaltungskosten

– den Gegenwert der jährlichen Dividende auf nominal 77,3 Millionen

Euro VW-Aktien, der der VolkswagenStiftung aus der Beteiligung des Landes

Niedersachsen an der Volkswagen Aktiengesellschaft zusteht, den Ertrag aus

der Anlage von rund 35,8 Millionen Euro aus einem Vertrag mit dem Land

Niedersachsen von 1987 sowie zehn Prozent der übrigen zur Verfügung stehenden

Mittel. Über die Vergabe dieser Fördermittel entscheidet das Kura -

torium aufgrund von Verwendungsvorschlägen der Niedersächsischen

Landesregierung.

Die seit 1962 für das Niedersächsische Vorab zur Verfügung gestellten Mittel

machen bis heute über diesen Zeitraum rund ein Drittel des gesamten Bewilligungsvolumens

der Stiftung aus. Im Jahr 2010 wurden die von der Stiftung

in ihrer Allgemeinen Förderung bewilligten Mittel (53,6 Millionen Euro) vom

Bewilligungsvolumen des Niedersächsischen Vorab (56,9 Millionen Euro)

erneut übertroffen. 2010 wurden für die im Jahr 2006 eingerichteten Strukturlinien

folgende Beträge bewilligt:

Bewilligungen 2010 in Mio. EUR

Forschungsverbünde und -schwerpunkte 16,3

Exzellenzinitiative 23,2

Drittmittel für Niedersachsen 3,2

Holen & Halten 2,3

Neue und sich entwickelnde Forschungsgebiete 9,3

Forschungskooperation Niedersachsen und Israel 2,6

Förderung insgesamt 56,9


Beispiele aus der Förderung im „Vorab“

Forschungsverbünde und -schwerpunkte: Bewilligungen 16,3 Mio. Euro

Im Jahr 2010 hat die Fachhochschule Emden/Leer aus Mitteln des Niedersächsischen

Vorab 907.000 Euro für den Aufbau des neuen Forschungsschwerpunkts

„ROBUST“ zur Routen- und Befrachtungsplanung für die Seeschifffahrt erhalten.

Dabei soll vor allem geprüft werden, inwieweit sich die Ressource Wind

als regeneratives Antriebssystem für Frachtschiffe eignet. Erste Frachter fahren

inzwischen nicht mehr nur mit Motorkraft, sondern nutzen die Hilfe neuartiger

Segel zur effizienten Fahrt. Allerdings rechnen sich solche alternativen

Antriebe derzeit nur auf einigen Routen. Wissenschaftler der Fachhochschule

wollen nun im Boot mit Kooperationspartnern aus Industrie und Verwaltung

eine ideale Kombination aus Route, Schiffsantrieb, Schiffs geschwindigkeit

und Befrachtung zu beschreiben versuchen, um darauf aufbauend Energieeinsparpotenziale

bestmöglich abschätzen und maximieren zu können.

Auf die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für werdende Mütter und

junge Familien zielt der neue, mit knapp einer Million Euro geförderte Forschungsschwerpunkt

„Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und

Wochenbett“. Er ist verankert an der Hochschule Osnabrück. Die beteiligten

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen zum einen medizinische

Aspekte in den Blick. Vor allem aber wollen sie Indikatoren und Instrumente

beschreiben beziehungsweise entwickeln, anhand derer sich psychisches Wohlbefinden

oder Erkrankungshäufigkeiten werdender Mütter messen lassen.

Drittmittel für Niedersachsen: Bewilligungen 3,2 Mio. Euro

Für die Anschaffung eines ultraschnellen Transmissionselektronenmikroskops

erhält das Courant Forschungszentrum „Nano-Spektroskopie und Röntgenbildgebung“

an der Universität Göttingen 1,5 Millionen Euro. Ziel der Forscherinnen

und Forscher dort ist es, elektronische und strukturelle Veränderungen

auf atomarer Ebene mit einer zeitlichen Auflösung im Femtosekundenbereich

abzubilden. Das Courant Forschungszentrum hat sich die Entwicklung und

Anwendungsreife neuer Experimentiertechniken zur Forschungsaufgabe

gemacht. Ein aktuelles Beispiel dafür sind linsenlose Abbildungen, die mit

Hilfe von Röntgenstrahlung ermöglicht werden. Ebenso arbeiten die Forscher

auf Feldern wie der Röntgenoptik und der Röntgenspektroskopie oder be schäf -

tigen sich mit der sogenannten zeitaufgelösten Röntgenstreuung.

Des Weiteren wurden in dieser Förderlinie aus Mitteln des Vorab unter an -

derem 250.000 Euro bewilligt zum Aufbau einer Klinischen Forschergruppe

an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule

Hannover. Ebenfalls mit 250.000 Euro unterstützt wird seit dem Jahr 2010 an

Viel Kraftstoff lässt sich sparen, nutzt man

auch in der Schifffahrt die Ressource Wind

zum Vorwärtskommen – und setzt Segel eben

nicht nur bei Segelschiffen. Inwieweit eignet

sich Wind als regeneratives Antriebs system

explizit für Frachtschiffe? Das erforschen

künftig Wissenschaftler der Fachhoch schule

Emden/Leer im neuen Forschungs schwer -

punkt „ROBUST“ gemeinsam mit Koope ra -

tionspartnern vor allem aus der Industrie.

Jahresbericht 2010 Niedersächsisches Vorab 73


74

Wissenschaftler vom Laser-Zentrum Han -

nover (LZH) und vom Deutschen Institut für

Kautschuktechnologie (DIK) in Hannover

beschäftigen sich künftig gemeinsam mit

der Weiterentwicklung optischer Systeme.

Melanie Gauck vom LZH beispielsweise ist

gerade dabei, benötigte Polymerschichten

herzustellen. Dr. Jörg Neumann (mittleres

Bild) vom LZH demonstriert einen experimentellen

Aufbau zur optischen Charakte -

risierung laseraktiver Polymerwellenleiter.

Und Uwe Schneider vom DIK (unten) wid -

met sich der Synthese neuartiger Polymere

für konkrete Anwendungen in der Optik.

der Technischen Universität Braunschweig der neue Sonderforschungsbereich

„Grundlagen des Hochauftriebs künftiger Verkehrsflugzeuge“.

Holen & Halten: Bewilligungen 2,3 Mio. Euro

Mit 800.000 Euro begleitend unterstützt wird eine Alexander von Humboldt-

Professur für Physikalische Chemie an der Universität Göttingen. Der aus

Kalifornien berufene Professor Dr. Alec Wodtke ist ausgewiesener Experte

auf dem Gebiet der Reaktionskinetik. Künftig leitet er nebenamtlich auch die

Abteilung für Physikalische Chemie am dortigen Max-Planck-Institut für Biophysikalische

Chemie, zudem ist er als Gründungsdirektor vorgesehen für das

in Göttingen geplante International Centre for Advanced Studies of Energy

Conversion. Aus den Mitteln des Vorab können nun für seine Forschung speziell

konfektionierte Großgeräte beschafft und andere modernisiert werden.

Ebenfalls 800.000 Euro dienen der Einrichtung einer Max-Planck-Forschergruppe

„Angewandte Physik, Informationstechnik und Nanoskopie“ an der

Universität Göttingen. Sie wird von Dr. Gopalakrishnan Balasubramanian

geleitet. Knapp 240.000 Euro werden des Weiteren bereitgestellt für eine W3-

Professur für Biochemie – auch sie ist an der Universität Göttingen angesiedelt.

Neue und sich entwickelnde Forschungsgebiete: Bewilligungen 9,3 Mio. Euro

Das Laser-Zentrum Hannover (LZH) erhält 1,5 Millionen Euro für die interdiszi -

plinäre Erforschung komplexer polymeroptischer Systeme. In Zusammenarbeit

mit dem Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) in Hannover,

das die polymerchemische Expertise für die geplanten Arbeiten liefert, sollen

neuartige polymeroptische Phänomene mit Strukturen im Nanobereich (ein

Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter) erforscht, entwickelt,

erprobt und letztlich auch hergestellt werden. Die Forscher erhoffen sich

Ergebnisse, von denen insbesondere die optische Industrie in Niedersachsen

mittelfristig profitieren kann.

Das DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik plant, das städtische Gebiet

Braunschweig samt Umgebung zu einer offenen Plattform für modernste

Mobilitätsanwendungen auszubauen. Die Arbeiten erfolgen dabei in einem

realen Umfeld. Unter anderem gehen die beteiligten Wissenschaftler der Frage

nach, wie sich generell das Verkehrsmanagement oder aber die Nutzung

der Infrastruktur – beispielsweise hinsichtlich Reisezeit, Verbrauch, Lärmund

Schadstoffemissionen – verbessern lässt. Mit dem Ziel, etwa die Verkehrssicherheit

zu erhöhen, kommen Fahrerassistenz- und Kommunikationssysteme

sowie die Verkehrssensorik auf den Prüfstand. Ferner sollen

„Naturalistic Driving Studies“ durchgeführt werden. Für den Aufbau dieser

Plattform stehen 1,25 Millionen Euro zur Verfügung.


Exzellenzinitiative: Bewilligungen 23,2 Mio. Euro

Erstmals wurden in diesem Rahmen Mittel für den Landesanteil der „Exzellenzinitiative

II“ des Bundes und der Länder bereitgestellt – und zwar rund

11,6 Millionen Euro. Sie dienen der Förderung von Spitzenforschung an

niedersächsischen Hochschulen und einer Stärkung der Zusammenarbeit

mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Land. Grundsätzlich

ist mit dieser Förderlinie das strategische Ziel verbunden, die Forschungsund

Kooperationsstrukturen zu festigen und weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus entfielen im Jahr 2010 auf neun niedersächsisch-israelische

Gemeinschaftsvorhaben rund 2,6 Millionen Euro.

Nach Fachgebieten untergliedert verteilen sich die im Jahr 2010 bewilligten

Mittel im Niedersächsischen Vorab wie folgt:

• Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: 4,0 Millionen Euro

• Biowissenschaften: 2,8 Millionen Euro

• Naturwissenschaften: 5,5 Millionen Euro

• Ingenieurwissenschaften: 5,2 Millionen Euro

• die Wissenschaftsbereiche übergreifend: 39,4 Millionen Euro

Die einzelnen Bewilligungen im Niedersächsischen Vorab aus dem Jahr 2010,

aufgelistet nach Wissenschaftsstandorten, sind zu finden auf der Website der

Stiftung (www.volkswagenstiftung.de) bei der Initiative „Niedersächsisches

Vorab“ oder als Teil einer Gesamtübersichtsliste aller Bewilligungen der Stiftung

des Jahres (s. Hinweis dazu auf der Startseite „Förderung“ auf der Website).

Forschung, von der auch Niedersachsens optische Industrie

profitieren kann – dafür haben sich viele Wissenschaftler

zweier hannoverscher Einrichtungen zusammengetan. Mit

dabei: Dr. Carsten Reinhardt vom Laser-Zentrum Hannover

(LZH), der hier gerade am Kurzpulslaser (Femtosekunden la -

ser) Versuche durchführt. Eine weitere, fünfte Arbeitsgruppe

beschäftigt sich am LZH mit der „Mikrostereolithografie“.

Einen Eindruck von deren Forschung vermittelt das Bild auf

Seite 18 im vorliegenden Jahresbericht (zu diesem Team

gehören Rainer Kling, André Neumeister und Ulrich Klug).

Jahresbericht 2010 Niedersächsisches Vorab 75


78

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83

83

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86

Förderstatistik 2010

Grafiken

Antragsentwicklung 2010

Bewilligungen in den Förderinitiativen

Förderung gesamt

Allgemeine Förderung nach Wissenschaftsbereichen

Allgemeine Förderung nach Empfängergruppen

Allgemeine Förderung nach Verwendungsarten

Entscheidungen und Bewilligungen 2001 bis 2010

Bewilligungsquoten 2001 bis 2010

Antrags- und Bewilligungssummen seit 1962


Förderstatistik 2010


78

Förderstatistik 2010

Bewilligungen

Auslandsförderung

Förderinitiativen

Antragsentwicklung

In den 49 Jahren ihrer Tätigkeit von 1962 bis zum Ende des Berichtsjahres 2010

hat die VolkswagenStiftung in 29.615 Bewilligungen 3,8 Milliarden Euro für

die Förderung von Forschung und Lehre zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 111,5 Mio. Euro für die Erfüllung des Stiftungszwecks

bewilligt. Davon entfielen auf die Allgemeine Förderung 53,6 Mio. Euro

für Bewilligungen an externe Antragsteller sowie 1,0 Mio. Euro auf stiftungseigene

Projekte und Veranstaltungen; 56,9 Mio. Euro wurden im Rahmen des

Niedersächsischen Vorab bewilligt (vgl. hierzu Seite 72).

Die folgenden Angaben zur Auslandsförderung der Stiftung umfassen neben

Bewilligungen an ausländische Einrichtungen und an deutsche Einrichtungen

im Ausland auch Maßnahmen zugunsten ausländischer Kooperationspartner

im Rahmen von Inlandsbewilligungen. Im Jahr 2010 wurden 6,3 Mio. Euro für

85 Projekte bewilligt. Auf das europäische Ausland entfielen dabei 3,1 Mio.

Euro, auf das außereuropäische 3,2 Mio. Euro. 54,9 Prozent der Bewilligungen

der Auslandsförderung wurden in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

ausgesprochen, 45,1 Prozent entfielen auf die Bio-, Natur- und Ingenieurwissenschaften

und die Medizin.

In Tafel 1 (Seite 80) ist die Allgemeine Förderung nach Bewilligungsbeträgen

und Anzahl der Bewilligungen dargestellt. Vom Umfang der bewilligten Mittel

her dominiert für 2010 die Förderinitiative „Lichtenberg-Professuren“ mit

7,6 Mio. Euro, danach folgen die Förderinitiativen „Evolutionsbiologie“ mit

6,4 Mio. Euro und „Funktionale makroskopische Systeme“ mit 5,7 Mio. Euro

sowie die „Schumpeter-Fellowships“ mit 4,9 Mio. Euro und die „Mittelasien/

Kaukasus“-Initiative mit 4,7 Mio. Euro. Nach Zahl der geförderten Vorhaben

liegen die „Symposien und Sommerschulen“ mit 47 Bewilligungen deutlich

vorn. Gefolgt werden sie von der „Mittelasien/Kaukasus“-Initiative mit 29

Bewilligungen sowie den Initiativen „Evolutionsbiologie“ und „Forschungsvorhaben

im sub-saharischen Afrika“ mit je 25 Bewilligungen.

Die Zahl der Bewilligungen entspricht zumeist der Zahl der Arbeitsgruppen.

In einigen Förderinitiativen, insbesondere in den Naturwissenschaften, werden

jedoch überwiegend Kooperationsvorhaben gefördert, in denen jeweils

mehrere Arbeitsgruppen – und damit Bewilligungen – verbunden sind.

Das Mittelvolumen (vgl. Abb. S. 79) der im Jahr 2010 eingegangenen Anträge

ist gegenüber dem Vorjahr von 160,8 Mio. Euro auf 205,7 Mio. Euro gestiegen,


die Zahl der Anträge stieg ebenfalls von 629 im Jahr 2009 auf 819 (beides

ohne Niedersächsisches Vorab). Insgesamt wurden 745 Anträge über 198,0

Mio. Euro abschließend bearbeitet (2009: 654 Anträge über 152,6 Mio. Euro).

Der Antragsübertrag ins Jahr 2011 beläuft sich auf 393 Anträge mit 124,9 Mio.

Euro. Bei einer Betrachtung der Zahl der Anträge ist allerdings zu berücksichtigen,

dass mittlerweile in einer Reihe von Förderinitiativen eine positiv be -

gutachtete Projektskizze Voraussetzung für eine Antragstellung ist.

Im Berichtsjahr wurden (ohne Niedersächsisches Vorab) insgesamt 313 posi -

tive Entscheidungen getroffen, und zwar zu 293 beantragten Vorhaben und

20 stiftungseigenen Projekten. Bei einem Verhältnis von 42,0 zu 58,0 Prozent

stehen ihnen 432 negative Entscheidungen gegenüber, die neben den Ablehnungen

und sonstigen Erledigungen auch Abgaben zur Entscheidung an

andere Institutionen einschließen. Im Vorjahr standen 291 positiven 363

negative Entscheidungen gegenüber: ein Verhältnis von 44,5 zu 55,5 Prozent.

2010 wurde über ein Antragsvolumen von 198,0 Mio. Euro entschieden;

davon wurden mit 54,6 Mio. Euro 27,6 Prozent positive Entscheidungen

getroffen. Im Vorjahr betrug diese Quote mit 46,6 Mio. Euro bei 152,6 Mio.

Euro Antragsvolumen 30,5 Prozent. Allein bezogen auf die 293 bewilligten

Projekte der Allgemeinen Förderung in Höhe von 53,6 Mio. Euro liegt die

Bewilligungsquote bei 39,3 Prozent der Anträge und 27,1 Prozent der beantragten

Summe. (vgl. Abb. 6/7, S. 84/85).

Die Abb. 3 bis 5 zeigen die Aufgliederung der 293 bewilligten Vorhaben der

Allgemeinen Förderung im Jahr 2010 (53,6 Mio. Euro; ohne „Vorab“ und ohne

stiftungseigene Projekte bzw. Veranstaltungen) nach Wissenschaftsbereichen,

Empfängergruppen und Verwendungsarten. Daraus geht unter anderem hervor,

dass für 159 Vorhaben in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften

23,3 Mio. Euro, für 58 Vorhaben in den Naturwissenschaften und der Mathematik

14,1 Mio. Euro, für 51 Vorhaben in den Biowissenschaften einschließlich

der Medizin 13,9 Mio. Euro und für zehn Vorhaben in den Ingenieurwissenschaften

1,2 Mio. Euro bewilligt wurden. Hinzu kommen 15 Vorhaben mit

1,1 Mio. Euro Bewilligungssumme für Fachgebietskombinationen.

Antragsentwicklung 2010 (ohne Niedersächsisches Vorab)

819 neu eingegangene Anträge über 205,7 Mio. EUR

+

319 Anträge, Vortrag am Jahresbeginn, über 117,2 Mio. EUR

393 Anträge, Überträge ins Jahr 2011, über 124,9 Mio. EUR

745 entschiedene Anträge über 198,0 Mio. EUR


=

Entscheidungen

Aufgliederungen

313* positive Entscheidungen über 54,6* Mio. EUR

Kürzungen um 5,1 Mio. EUR

432 negative Entscheidungen über 138,3 Mio. EUR

* inklusive 20 stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen in Höhe von 1,0 Mio. Euro

Jahresbericht 2010 Förderstatistik 2010 79


80

1 Bewilligungen (inklusive Nachbewilligungen) in den Förderinitiativen (Allgemeine Förderung)

Personen und Strukturen

Lichtenberg-Professuren (seit 2002) 9 7,6 46 46,8

Schumpeter-Fellowships (seit 2006) 9 4,9 20 10,9

Pro Geisteswissenschaften (seit 2005) 12 3,6 64 18,5

Hochschule der Zukunft (seit 2004) 10 3,0 41 9,0

Forschung in Museen (seit 2008) 15 0,1 35 4,3

Symposien und Sommerschulen (seit 1966) 47 1,3 1921 28,4

Internationales

Harvard-Fellowships (seit 2007) 2 0,2 9 0,7

Wissen für morgen – Kooperative Forschungsvorhaben 25 2,6 162 21,4

im sub-saharischen Afrika (seit 2003)

Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft (seit 1999) 29 4,7 228 31,4

Dokumentation bedrohter Sprachen (seit 1999) 3 0,5 117 22,1

Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft

Funktionale makroskopische Systeme (seit 2007) 23 5,7 45 9,7

Modellierung und Simulation komplexer Systeme (seit 2003) 13 2,4 95 15,4

Evolutionsbiologie (seit 2005) 25 6,4 131 19,7

European Platform (seit 2006) 23 3,1 34 4,0

Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften (seit 1998) 3 1,8 53 26,0

Deutsch plus (seit 2007) 5 0,7 27 2,6

Offen – für Außergewöhnliches

Außergewöhnliches (seit 2002) 6 1,3 77 19,6

Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft (seit 2007) 7 1,7 29 6,0

Beendete Förderinitiativen

Zukunftsfragen der Gesellschaft 11 0,4 175 20,6

– beendete Ausschreibungen (bis Dezember 2010)

2010

Anzahl

2010

Mio. EUR

gesamt

Anzahl

gesamt

Mio. EUR

Innovative Methoden zur Herstellung

funktionaler Oberflächen (2004 bis Januar 2010)

3 0,4 72 16,2


2 Förderung gesamt (111,5 Mio. EUR)

1,0 Mio. EUR

53,6 Mio. EUR

56,9 Mio. EUR

Allgemeine Förderung

Niedersächsisches Vorab

Stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen

Jahresbericht 2010 Förderstatistik 2010 81


82

3 Allg. Förderung nach Wissenschaftsbereichen (ohne Niedersächsisches Vorab und stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen)

Bewilligungssummen in Mio. EUR:

1,2

14,1

I

NM B

FK

Geistes- und Gesellschafts wissenschaften

Fachgebietskombinationen FK

Biowissenschaften einschl. Medizin B

23,3

1,1

13,9

Anzahl der bewilligten Vorhaben:

10

58

Naturwissenschaften und Mathematik NM

Ingenieurwissenschaften I

I

NM B

FK

159

15

51


4 Allg. Förderung nach Empfängergruppen (ohne Niedersächsisches Vorab und stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen)

Bewilligungssummen in Mio. EUR:

3,7

Anzahl der bewilligten Vorhaben:

24

Wissenschaftliche Hochschulen

Andere wissenschaftliche

Einrichtungen

Ausländische wissenschaftliche

Einrichtungen

5 Allg. Förderung nach Verwendungsarten (ohne Niedersächsisches Vorab und stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen)

Bewilligungssummen in Mio. EUR:

1,5

0,2

10,5

2,7

81

6,7

6,7

39,4

188

35,8

Personalkosten: 37,3

Wissenschaftliches Personal

Nichtwissenschaftliches Personal

Laufende Sachkosten: 13,4

Sonstige laufende Sachkosten

Reisekosten

Einmalige Sachkosten: 2,9

Geräte

Sonstige einmalige Beschaffungen

Jahresbericht 2010 Förderstatistik 2010 83


84

6 Allgemeine Förderung: Entscheidungen und Bewilligungen 2001 bis 2010

(ohne Niedersächsisches Vorab und stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen)

Anzahl der Bewilligungen und Anträge:

2010

09 278 654

08

07

06

05

04

03

02

01

Bewilligungs- und Antragssummen in Mio. EUR:

08*

07

06

05

04

03

02

01*

319

321

328

377

402

09 44,9 152,6

293 745

465

2010 53,6 198,0

339 846

851

276 872

57,6 192,0

51,4 213,4

53,4 213,0

50,7 214,6

49,2 214,2

51,7 258,1

60,3 211,2

61,9 195,3

841

884

902

920

992

Anträge

Bewilligungen

* Bewilligungssumme inklusive Sammelbewilligung


7 Allgemeine Förderung: Bewilligungsquoten 2001 bis 2010

(ohne Niedersächsisches Vorab und stiftungseigene Projekte/Veranstaltungen)

Bewilligte Anträge in %:

2010 39,3

09 42,5

08

07

06

05

04

03

02

01

Bewilligte Summen in %:

2010 27,1

09

08

07

06

05

04

03

02

01

20,0

23,0

24,1

23,6

25,1

29,4

28,6

30,0

31,7

31,7

37,5

38,2

37,1

38,0

40,1

44,6

50,5

Jahresbericht 2010 Förderstatistik 2010 85


86

8 Antrags- und Bewilligungssummen seit 1962 in Mio. EUR

Jahr

Anträge

Allg. Fördermittel

Bewilligungen

Allg. Fördermittel

Einzelbewilligungen

Sammelbewilligungen

Bewilligungen

Nds. Vorab

Bewilligungen

insgesamt

1962 140 27,0 27,0 – 9,9 36,9

1963 69,6 27,8 27,8 – 7,9 35,7

1964 173,1 98,5 98,5 – 9,6 108,1

1965 122,8 70,2 70,2 – 13,7 83,9

1966 104,8 36,3 36,3 – 11,6 47,9

1967 124,1 40,1 40,1 – 15,2 55,3

1968 167,6 95,2 95,2 – 13,0 108,2

1969 163,4 79,1 39,3 39,8 12,4 91,5

1970 181,5 54,6 29,7 24,9 35,7 90,3

1971 80,3 30,9 20,4 10,5 13,2 44,1

1972 40,4 22,8 22,7 0,1 7,6 30,4

1973 60,1 21,2 16,6 4,6 3,0 24,2

1974 73,7 21,6 17,5 4,1 3,2 24,8

1975 75,3 29,5 19,9 9,6 2,3 31,8

1976 121,8 37,2 30,2 7,0 6,8 44,0

1977 117,5 46,5 38,6 7,9 6,2 52,7

1978 93,5 48,6 44,1 4,5 8,2 56,8

1979 122,5 44,8 43,2 1,6 14,0 58,8

1980 103,4 40,4 39,7 0,7 17,5 57,9

1981 156,3 48,6 45,2 3,4 13,6 62,2

1982 118,7 44,7 39,6 5,1 13,6 58,3

1983 78,0 40,7 39,8 0,9 20,1 60,8

1984 117,1 50,8 46,5 4,3 8,4 59,2

1985 105,8 53,9 52,0 1,9 16,1 70,0

1986 114,3 51,0 49,9 1,1 29,1 80,1

1987 154,7 56,2 54,6 1,6 29,6 85,8

1988 88,2 46,3 44,5 1,8 30,3 76,6

1989 116,3 62,7 46,9 15,8 38,7 101,4

1990 174,4 57,0 46,5 10,5 46,8 103,8

1991 100,7 47,8 42,0 5,8 33,6 81,4

1992 110,8 42,6 40,0 2,6 38,6 81,2

1993 133,1 56,9 50,1 6,8 23,7 80,6

1994 153,7 56,2 55,4 0,8 28,0 84,2

1995 170,2 67,4 58,4 9,0 15,5 82,9

1996 213,8 67,1 66,0 1,1 25,3 92,4

1997 454,6 61,5 61,5 – 29,1 90,6


Jahr Anträge Bewilligungen

EinzelSammel- Stiftungseig.

Allg. Fördermittel Allg. Fördermittel bewilligungenbewilligungen Proj./Veranst.

Bewilligungen

Nds. Vorab

Bewilligungen

insgesamt

1998 224,2 60,7 60,3 0,4 – 32,5 93,2

1999 238,9 59,9 59,6 0,3 – 38,2 98,1

2000 213,6 60,7 60,2 0,5 – 37,7 98,4

2001 257,5 61,9 61,4 0,5 – 53,1 115,0

2002 240,1 60,3 60,3 – – 54,5 114,8

2003 229,7 51,7 51,7 – – 47,5 99,2

2004 245,6 49,2 49,2 – – 42,0 91,2

2005 222,7 50,7 50,7 – – 41,1 91,8

2006 205,2 53,4 53,4 – – 58,5 111,9

2007 188,1 51,4 51,4 – – 64,1 115,5

2008 162,9 57,6 56,4 1,2 – 64,2 121,8

2009 160,8 44,9 44,9 – 0,5 56,0 101,4

2010 205,7 53,6 53,6 – 1,0 56,9 111,5

bis 2010 7.491,0 2.499,7 2.309,0 190,7 1,5 1.297,4 3.798,6

Jahresbericht 2010 Förderstatistik 2010 87


90

90

91

92

92

92

Governance

Entscheidungs- und Kontrollstrukturen

Anlagestrategie und Vermögensbeirat

Effizienz und Transparenz

Spenden, Zustiftungen und weitere Mittelzuflüsse

Personal und Personalentwicklung


Managementprozesse


90

Managementprozesse

Der Bericht über die Managementprozesse ergänzt

den Einblick in die Organisations- und Kontrollstrukturen

der Stiftung und beschreibt deren

Handlungen, die der Sicherung von Qualität und

Unabhängigkeit der VolkswagenStiftung dienen.

Governance

In Fortschreibung und Weiterentwicklung der

„Grundsätze guter Stiftungspraxis“ des Bundesverbandes

deutscher Stiftungen und der „Principles

of Good Practice“ des European Foundation

Centre hat die VolkswagenStiftung gemeinsam

mit weiteren großen deutschen Stiftungen „20

Prinzipien guter Stiftungspraxis“ erarbeitet. Ziel

der Prinzipien ist es, verbindliche Qualitätsniveaus

für Governance im engeren Sinne, die Zweckverwirklichung

sowie das Finanz- und Rechnungs -

wesen festzuschreiben. Bereits 2007 hat sich die

Stiftung freiwillig verpflichtet, den Bestimmungen

zu entsprechen und über eventuell auftretende

Abweichungen und deren Gründe zu berichten.

Für das Berichtsjahr wird bestätigt, allen Vorgaben

uneingeschränkt entsprochen zu haben.

Entscheidungs- und

Kontrollstrukturen

Oberstes Organ der Stiftung ist das Kuratorium,

das in seinen drei Sitzungen pro Jahr alle Entschei -

dungen fällt, soweit sie nicht vom Generalsekretär

im Rahmen seiner Vollmacht getroffen werden.

Vermögensbeirat und Geschäftsleitung der Stiftung

stehen dem Generalsekretär beratend und

unterstützend zur Seite. In ihrem Förderhandeln

wird die Geschäftsstelle ebenfalls durch zahlreiche

Expertengespräche, Gutachten und Stellungnahmen

in der Entscheidungsvorbereitung beratend

unterstützt.

Ergänzend zur regelmäßigen Prüfung und Kontrolle

durch Externe (zum Beispiel Finanzverwaltung,

Sozialversicherungsträger, Stiftungsaufsicht,

vom Kuratorium gem. § 10 der Satzung bestellter

Wirtschaftsprüfer) hat die Stiftung auch interne

Kontrollstrukturen errichtet:

Kuratorium

Als oberstes Aufsichtsorgan wacht das Kuratorium

über die Arbeit des Generalsekretärs und der Ge -

schäftsstelle. Es lässt sich jährlich über die vorgenommenen

Evaluationen und Revisionen berichten

und beschließt das Arbeitsprogramm für die

anstehenden Evaluationen. Außerdem gibt es

einen Mindestkatalog an Revisionstätigkeit für

das Folgejahr vor. Die Kontrollen werden je nach

Prüfgebiet von der Internen Revision oder Externen

durchgeführt.

Evaluation

In ihrem Verständnis als lernende Organisation

erweiterte die VolkswagenStiftung im Jahr 2005

ihr Qualitätssicherungskonzept um das Instrument

der Evaluation. Vorgesehen sind systematische

Evaluationen sowohl auf der Ebene der Förderinitiativen

als auch der Förder- und Management -

bereiche. Übergeordnetes Ziel ist die Gesamtevaluation

der VolkswagenStiftung.

Seit dem Jahr 2005 konnten insgesamt sechs Evaluationen

von Förderinitiativen abgeschlossen

werden. Von den beiden im Jahr 2009 gestarteten

Evaluationen auf der Ebene der Förderbereiche


Mit der Einrichtung der Baustelle startete Ende September 2010

der Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen in Hannover. Nach

den Plänen des Hamburger Büros JK – Jastrzembski Kotulla entsteht

auf Betreiben der VolkswagenStiftung am historischen

Ort die klassizistische Fassade der Sommerresidenz der Welfen

wieder. Die Innenräume werden als modernes Tagungszentrum

beziehungsweise für eine Museums nutzung konzipiert.

wurde 2010 die Evaluation zur „Personenbezogenen

Förderung“ beendet, die Ergebnisse und Empfehlungen

der Evaluation zur „Auslandsorientierten

Förderung“ wurden dem Kuratorium der Stif tung

im Frühjahr 2011 vorgestellt. Im Jahr 2010 konnten

zudem die Evaluationen der Managementbereiche

„Vermögensanlage, Finanzen und Verwaltung“

sowie „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ beendet

werden. Darüber hinaus erfolgten weitere Vorbereitungen

zur Gesamtevaluation, die im November

2010 mit der konstituierenden Sitzung des Evaluationspanels

begann. Der Abschluss der Gesamt -

evaluation ist für Ende 2011 geplant.

Interne Revision

Die Interne Revision ist seit 2005 ein wesentlicher

Teil des Steuerungs- und Überwachungssystems

der Stiftung. Ihr kommt die Aufgabe zu, Vorgänge

und Strukturen hinsichtlich ihrer Ordnungsmäßigkeit

(einschließlich Prüfung auf dolose Handlungen),

ihrer Zweckmäßigkeit, Angemessenheit und Effizienz,

aber auch hinsichtlich der Funktionsfähigkeit

des Kontrollsystems der Stiftung zu prüfen.

Die Interne Revision erfüllt damit drei sogenannte

Primärfunktionen (Informations-, Präventiv- und

Vertrauensfunktion); sie berichtet unmittelbar

dem Generalsekretär.

Verwendungsprüfung

Die Mitarbeiter der Verwendungsprüfung kontrollieren

die bestimmungsgemäße Verwendung der

Stiftungsmittel sowie die Einhaltung sonstiger

Bewilligungsbedingungen durch die Bewilligungsempfänger.

Grundlage der Tätigkeit ist die Verpflichtung

der Bewilligungsempfänger, die Verwendung

der Mittel dem Kuratorium nachzuweisen (§9 der

Satzung). Die Verwendungsprüfung erfolgt unabhängig

von der Förderung.

Interne Kontrolle

Neben dem „Grundsatz der Vier-Augen“ als einem

zentralen Kontrollmechanismus wurde für den

bedeutsamen Bereich der Vermögensanlage zu -

sätzlich ein Internes Kontrollsystem implementiert,

das von der Vermögensverwaltung strikt getrennt

arbeitet.

Risikocontrolling

Ebenfalls in einem von der Vermögensverwaltung

streng separierten Bereich werden die stiftungsrelevanten

Finanzrisiken (im Wesentlichen Adress -

risiken und Marktpreisrisiken) regelmäßig gemessen

und die Einhaltung der Anlagegrundsätze

überwacht. Grundlegendes Bestreben ist es, frühzeitig

Hinweise zu geben auf die Erreichung der

finanziellen Ziele: die Sicherung des Fördervolumens

und der realen Kapitalerhaltung sowie die

Deckung der Verwaltungskosten. Der Generalsekretär

erhält hierüber einen täglichen Bericht.

Anlagestrategie und

Vermögensbeirat

Mit ihrer Errichtung erhielt die VolkswagenStiftung

ein umfangreiches eigenes Vermögen, das

sie selbst bewirtschaftet, um aus den Erträgen

ihren Satzungszweck „Förderung von Wissenschaft

und Technik in Forschung und Lehre“ zu

erfüllen. Da die Stiftung auf Dauer errichtet wurde,

ist die Anlagestrategie entsprechend langfristig

orientiert. Sie basiert auf den Erkenntnissen

der modernen Portfoliotheorie des Nobelpreis -

trägers Harry Markowitz. Demnach ist der dauerhaft

positive Erfolg einer Vermögensbewirtschaftung

umso gesicherter, je breiter die mit der

Jahresbericht 2010 Managementprozesse 91


92

An lage eingegangenen Risiken – und damit auch

Chancen – gestreut werden. Entsprechend erfolgt

die Anlage des Stiftungskapitals in Verzinslichen

Wertpapieren, Aktien, Immobilien und Alternative

Investments. Innerhalb dieser vier Investmentsäulen

wird über Korrelationsanalysen regelmäßig

überprüft, ob die Anlagen zueinander eine diver -

sifizierende Wirkung entfalten können.

Die Stiftung verfolgt einen Core-Satellite-Ansatz:

Während der größte Teil des Vermögens in der

„Eurozone“ investiert ist, führen die weltweit aufgebauten

„Anlage-Satelliten“ zu der beschriebenen

optimalen Risiko-Diversifizierung des Gesamtvermögens.

Diese Anlagestrategie hat sich über viele

Jahre bewährt. Damit konnte das Ziel, die Höhe

der Fördermittel zu verstetigen, auch in schwierigen

Jahren stets erreicht werden. Zudem ist es

gelungen, bezogen auf den Zeitpunkt der Stiftungsgründung

einen Zuwachs des Stiftungsvermögens

zu erwirtschaften: Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung

verfügte die Stiftung über ein Kapital von gut 500

Millionen Euro zuzüglich der Gewinnansprüche

der von der Bundesrepublik Deutschland und dem

Land Niedersachsen gehaltenen Aktien an der

Volkswagen AG, heute beträgt der Kapitalwert

etwa 2,4 Milliarden Euro.

Bereits Ende der 1980er Jahre wurde auf Beschluss

des Kuratoriums ein Vermögensbeirat gebildet.

Er setzt sich zusammen aus fünf hochkarätigen

Experten des Finanz- und Wirtschaftslebens. Der

Beirat hat die Aufgabe, über die Anlagestrategie

und die Ergebnisse der Vermögensverwaltung zu

befinden und den Generalsekretär zu beraten.

Effizienz und Transparenz

Professionelles Management großer Stiftungen

bedarf der Verpflichtung exzellenter Kuratoren

und kompetenter, engagierter Mitarbeiter. Rein

ehrenamtlich ist dies nicht möglich. Die Stiftung

hat deshalb bestimmt, allen Kuratoren neben der

Erstattung von Reisekosten eine anerkennende

Aufwandspauschale zu zahlen. Die Mitarbeiter

werden nach einem „Haustarifmodell“, das parallel

zum Beurteilungs- und Zielvereinbarungssystem

eingeführt wurde, vergütet. Die Summe der

Aufwendungen für Kuratoren beläuft sich im

Berichtsjahr auf rund 156.000 Euro (inkl. USt); die

Bruttolohnsumme aller Mitarbeiter beträgt 5,06

Millionen Euro, davon 682.000 Euro für die Ge -

schäftsleitung. Eine stiftungsspezifische Travel-

Policy regelt die Erstattung von Reisekosten. Die

Verwaltungskostenquote (im engeren Sinne; das

heißt ohne Förderung und Vermögensverwaltung)

beträgt im Berichtsjahr 7,0 (3,4) Prozent bezogen

auf die erwirtschafteten Erträge beziehungsweise

10,3 (4,9) Prozent bezogen auf das Fördervolumen.

Spenden, Zustiftungen und

weitere Mittelzuflüsse

Die VolkswagenStiftung ist offen für Zustiftungen

und Spenden, bewirbt dies jedoch nicht. Im Berichtsjahr

wurden keine entsprechenden Mittel vereinnahmt.

Aus Kooperationen im Rahmen von Fördervorhaben

hat die Stiftung Mittel in Höhe von

851.000 Euro vereinnahmt.

Personal und

Personalentwicklung

Um auch weiterhin als Partner der Wissenschaft

Impulse setzen zu können, müssen neue Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Geschäftsstelle mit

größtmöglicher Sorgfalt ausgewählt und die Qualifikation

des vorhandenen Personals durch systematische,

dem jeweiligen Arbeitsplatz und Aufgabenbereich

angemessene Fort- und Weiterbildung

auf hohem Niveau gehalten werden. Bedarfsgerechte

Fort- und Weiterbildungen sowie Perso -

nalaustausch und Projektteams zählen zu den

individuell ausgestaltbaren Maßnahmen des

integrierten Personalentwicklungskonzepts. Flankiert

wird dies durch gute Rahmenbedingungen

für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.


Jahresbericht 2010 Managementprozesse 93


96

96

99

101

101

107

115

Überblick

Ertragsrechnung

Bilanz

Verwendungsprüfung

Rechnungsprüfung

Ergänzende Angaben zur Jahresrechnung 2010

Bestätigungsvermerk


Wirtschaftsbericht 2010


96

Wirtschaftsbericht 2010

Überblick

Im Geschäftsjahr 2010 beliefen sich die Erträge

aus Vermögensbewirtschaftung auf 162,8 Mio.

EUR (162,7 Mio. EUR) 1 . Es wurden Bewilligungen

in Höhe von 111,5 Mio. EUR (101,4 Mio. EUR) ausgesprochen

und Fördermittel in Höhe von 115,4 Mio.

EUR (105,2 Mio. EUR) ausgezahlt. Zur Werterhaltung

des Stiftungsvermögens wurden dem Sons -

tigen Stiftungskapital Rücklagen nach § 58 Nr. 7 a

AO sowie aus Umschichtungsgewinnen in Höhe

von 25,6 Mio. EUR (24,1 Mio. EUR) zugeführt.

Im Berichtsjahr wurden erstmals die Vorschriften

des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)

angewendet. Des Weiteren wurden der Aufbau

der Bilanz und der Ertragsrechnung überarbeitet

(vgl. dazu die Ausführungen in den Ergänzenden

Angaben zur Jahresrechnung 2010 ab Seite 107 ff).

1 Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Vorjahr.

Ertragsrechnung

Erträge aus Vermögensbewirtschaftung

Die Ertragsrechnung ist auf Seite 106 wiedergegeben.

Die Erträge aus Vermögensbewirtschaftung

betrugen insgesamt 162,8 Mio. EUR (162,7 Mio. EUR).

Wesentliche Abweichungen resultieren aus den

im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Mio. EUR geringeren

Erträgen aus Wertpapieren des Anlagevermögens,

um 3,5 Mio. EUR geringeren Sonstigen Zinsen

und ähnlichen Erträgen sowie aus um 3,8 Mio. EUR

niedrigeren Erträgen aus Beteiligungen. Die Erträge

aus VW-Gewinnansprüchen gegenüber dem Land

Niedersachsen (vgl. unten „VW-Gewinnansprüche“)

haben sich ebenfalls um 10 Mio. EUR verringert.

Gegenläufig wirken sich um 19,3 Mio. EUR höhere

Sonstige Erträge aus, die im Wesentlichen aus

Zuschreibungen auf Wertpapiere des Anlage- und

Umlaufvermögens in Höhe von 14,6 Mio. EUR re sul -

tieren. Die Sonstigen Erträge enthalten außerdem

Veräußerungsgewinne aus Wertpapierumschichtungen

in Höhe von 9,2 Mio. EUR (2,4 Mio. EUR)

sowie Erträge aus Quellensteuererstattungen in

Höhe von 1,3 Mio. EUR (2,3 Mio. EUR).

VW-Gewinnansprüche

Die Stiftung ist bei ihrer Errichtung mit der Übertragung

des Veräußerungserlöses von 60 Prozent

des Grundkapitals der seinerzeit neu gegründeten

Volkswagen AG sowie mit dem Anspruch auf den

Gegenwert der jährlichen Gewinne aus den der

Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen

verbleibenden je 20 Prozent des damals

vorhandenen Grundkapitals der Volkswagen AG

ausgestattet worden (§ 4 Abs. 1 Buchst. a) und b)

der Satzung). Die Satzung sieht für den Fall der Veräußerung

des Anteilsbesitzes vor, dass die Bun des -

republik Deutschland und das Land Niedersachsen


ihre Verpflichtung zur Abführung der jährlichen

Dividende durch Abführung des Veräußerungserlöses

an die Stiftung abgelten.

Die Stiftung hat ihren satzungsgemäßen Gewinnanspruch

gegen das Land Niedersachsen in Höhe

des fiktiven Barwertes von 76,7 Mio. EUR in das

Stiftungskapital eingestellt und ihn als Sonderposten

vor dem Anlagevermögen bilanziert. Basis

für die Bewertung sind die Gewinnansprüche der

Stiftung zum Zeitpunkt ihrer Errichtung aus no mi -

nal 61,4 Mio. EUR Aktien der Volkswagen AG. Diese

Ansprüche wurden unter der hilfsweisen Annahme

bewertet, dass eine nachhaltig erzielbare Dividende

von 10 Prozent p.a. bei einem Kapitalisierungszinssatz

von 8 Prozent erreicht werden kann.

Derzeit bezieht sich der Anspruch der Stiftung im

Anschluss an die Kapitalerhöhung der Volkswagen

AG im Jahre 1998 auf 30.234.600 Stück VW-Aktien

(Nominalwert 77,3 Mio. EUR). 2 Bei einer Dividende

von 1,60 EUR pro Aktie (1,93 EUR pro Aktie) betrugen

die im Berichtsjahr gezahlten Dividendengegenwerte

demgemäß 48,4 Mio. EUR (58,4 Mio. EUR).

Die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 1986

ihr zustehende Bezugsrechte und 1988 ihren Anteil

an der Volkswagen AG veräußert. Die Abführung

der Erlöse von 374,9 Mio. EUR aus dem Verkauf

von dem Gewinnanspruch der Stiftung unterliegenden

Aktien und von 38,2 Mio. EUR aus dem

Verkauf entsprechender Bezugsrechte, insgesamt

413,1 Mio. EUR, erfolgte gemäß Verträgen vom

13. November 1989 und vom 21. November/2.

Dezember 1997 in den Jahren 2000 bis 2007.

Aufwendungen aus Vermögensbewirtschaftung

Die Aufwendungen aus Vermögensbewirtschaftung

beliefen sich auf 29,8 Mio. EUR (30,8 Mio. EUR).

Hierbei handelte es sich um Aufwendungen, die

unmittelbar bei der Erwirtschaftung der Erträge

entstanden und nicht zu den Aufwendungen aus

der Stiftungsverwaltung im Sinne des § 4 Abs. 4

der Satzung gehörten. Die Verminderung gegenüber

dem Vorjahr resultiert im Wesentlichen aus

um 2,5 Mio. EUR niedrigeren Sonstigen Aufwen-

2 In 2010 fand erneut eine Kapitalerhöhung der Volkswagen AG statt.

Der auf die Aktienstückzahl bezogene Anspruch der Stiftung bleibt davon unberührt.

dungen. Dem gegenüber stehen höhere Abschreibungen

auf Wertpapiere des Anlagevermögens

um 1,7 Mio. EUR.

Überschuss

Der Überschuss aus Vermögensbewirtschaftung

(Erträge abzüglich Aufwendungen) betrug

132,9 Mio. EUR (131,9 Mio. EUR).

Zuschüsse für Förderzwecke

Im Rahmen eines Kooperationsprogramms wurden

von europäischen Stiftungen Zuschüsse für

Förderzwecke in Höhe von 0,9 Mio. EUR (0,3 Mio.

EUR) vereinnahmt.

Aufwendungen aus Verwaltung

Die Aufwendungen aus Verwaltung gemäß § 4

Abs. 4 der Stiftungssatzung betreffen die Aktivitäten

des Kuratoriums und der Geschäftsstelle. Hierin

sind Aufwendungen enthalten, die ebenso gut

der Erfüllung des Stiftungszwecks und der Bewirtschaftung

des Stiftungsvermögens zugeordnet

werden könnten (vgl. hierzu die Spartenrechnung

in den Ergänzenden Angaben zur Jahresrechnung

2010 auf Seite 112). Die entsprechenden Aufwendungen

beliefen sich auf 11,2 Mio. EUR (11,2 Mio. EUR).

Außerordentliche Aufwendungen

Die Außerordentlichen Aufwendungen in Höhe

von 4,4 Mio. EUR betreffen den Unterschiedsbetrag

aus der Bewertungsänderung der Pensionsverpflichtungen

zum 1. Januar 2010 aufgrund des

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes.

Jahresertrag

Der Jahresertrag ist um 2,8 Mio. EUR gegenüber

dem Vorjahr (121,0 Mio. EUR) auf 118,2 Mio. EUR

zurückgegangen.

Aufwendungen zur Erfüllung des Stiftungszwecks

An Fördermitteln bewilligte das Kuratorium im

Jahr 2010 110,5 Mio. EUR (100,9 Mio. EUR) an externe

Einrichtungen – davon 56,9 Mio. EUR im Rahmen

des Niedersächsischen Vorab. Bewilligungen für

eigene Stiftungsveranstaltungen und -projekte

betrugen 1 Mio. EUR (0,5 Mio. EUR).

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 97


98

Rückgängig gemachte Bewilligungen haben sich

um 1,7 Mio. EUR auf 7,8 Mio. EUR (6,1 Mio. EUR)

erhöht und verstärken die für Bewilligungen verfügbaren

Mittel auf insgesamt 100,4 Mio. EUR

(103,0 Mio. EUR). Die Mittel entfielen auf Vorhaben,

bei denen die Bewilligungsgrundlagen nachträglich

ganz oder zum Teil entfallen waren, sowie auf

Restmittel aus Projektabrechnungen.

Dem Sonstigen Stiftungskapital wurden zur Wert -

erhaltung des Stiftungsvermögens 25,6 Mio. EUR

(24,1 Mio. EUR) zugeführt.

Da die Stiftung höhere Verpflichtungen aus Bewilligungen

einging, als für Bewilligungen verfüg -

bare Mittel vorhanden waren, erhöht sich der

Vorgriff auf künftige Erträge (Mittelvortrag auf

das Folgejahr) um 11,1 Mio. EUR auf 74,5 Mio. EUR

(63,4 Mio. EUR).

Der Vorgriff entwickelte sich wie folgt:

Bestände am 31.12.2009

Mittel gemäß § 8 Abs. 1 der Satzung (Allgemeine Fördermittel) – 32.907.876,66

Mittel gemäß § 8 Abs. 2 der Satzung (Niedersächsisches Vorab) – 30.466.562,89

Bestand am 31.12.2009 (Mittelvortrag auf das Folgejahr) – 63.374.439,55

Veränderung 2010

aus Jahresertrag + 92.588.624,03

aus Rückflüssen + 7.767.567,74

Zwischensumme + 36.981.752,22

Bewilligungen an externe Einrichtungen – 110.515.427,00

Bewilligungen eigener Projekte und Veranstaltungen – 992.572,00

Mittelvortrag auf das Folgejahr am 31.12.2010 – 74.526.246,78

davon:

Mittel gemäß § 8 Abs. 1 der Satzung (Allgemeine Fördermittel) – 41.094.818,85

Mittel gemäß § 8 Abs. 2 der Satzung (Niedersächsisches Vorab) – 33.431.427,93

Von den für Bewilligungen verfügbaren Mitteln in

Höhe von 92,6 Mio. EUR (96,9 Mio. EUR) entfallen

auf Allgemeine Fördermittel gemäß § 8 Abs. 1 der

Satzung 42,0 Mio. EUR (36,4 Mio. EUR) und auf das

Niedersächsische Vorab gemäß § 8 Abs. 2 der Satzung

50,6 Mio. EUR (60,5 Mio. EUR).

EUR


Bilanz

Die Bilanz zum 31. Dezember 2010 ist auf den Seiten

103 ff. wiedergegeben. Die Bilanzsumme beträgt

2.606,7 Mio. EUR; damit hat sie sich gegenüber dem

Vorjahresstichtag (2.600,3 Mio. EUR) um 6,4 Mio.

EUR beziehungsweise 0,25 Prozent erhöht.

Aktiva

Die Aktivseite ist in Gegenüberstellung zu den Vor -

jahreswerten auf der nächsten Seite dargestellt:

• Zu den Ansprüchen gegen das Land Nieder -

sachsen vgl. oben „VW-Gewinnansprüche“,

Seite 96 f.

• Der Anstieg der Finanzanlagen um 80,0 Mio.

EUR ist zurückzuführen auf die Erhöhung bei

den Wertpapieren des Anlagevermögens um

107,7 Mio. EUR. Die Sonstigen langfristigen Forderungen

haben sich um 25,0 Mio. EUR und die

Beteiligungsbuchwerte um 2,7 Mio. EUR ver -

mindert.

• Der Anstieg der Forderungen und Sonstigen

Vermögensgegenstände (einschließlich Rechnungsabgrenzungsposten)

um 56,5 Mio. EUR ist

auf höhere Forderungen aus dem Verleih von

Wertpapieren des Umlaufvermögens in Höhe

von 55,9 Mio. EUR und höhere Zinsansprüche

in Höhe von 2,2 Mio. EUR zurückzuführen. Die

Sonstigen Forderungen haben sich um 1,6 Mio.

EUR verringert.

• Die Verminderung des nach dem strengen

Niederstwertprinzip bewerteten Bestands

an Wertpapieren des Umlaufvermögens um

116,4 Mio. EUR resultiert im Wesentlichen aus

der Reduzierung des Bestands an festverzins -

lichen Wertpapieren.

Passiva

Die Passivseite der Bilanz weist im Vergleich zum

Vorjahr Veränderungen auf, die auf der nächsten

Seite dargestellt sind:

• Das Stiftungskapital gemäß § 4 der Satzung be -

läuft sich unverändert auf 1.085,1 Mio. EUR. Das

Sonstige Stiftungskapital ist um 25,6 Mio. EUR

auf 1.338,9 Mio. EUR angewachsen (1.313,3 Mio.

EUR); die Zuführung dient der Werterhaltung

des Stiftungsvermögens. Der Vorgriff auf künf -

tige Erträge (Mittelvortrag auf das Folgejahr) hat

sich um 11,1 Mio. EUR auf 74,5 Mio. EUR (63,4 Mio.

EUR) erhöht und mindert das Stiftungskapital

entsprechend.

• Die für eigene Veranstaltungen und Projekte im

Sinne von § 8 Abs. 1 Satz 3 der Satzung gebildete

Projektrücklage gemäß § 58 Nr. 6 AO beträgt

0,5 Mio. EUR (0,5 Mio. EUR).

• Der Anstieg der Rückstellungen um 4,5 Mio. EUR

betrifft im Wesentlichen die Rückstellungen für

Altersversorgung. Im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

hat sich zum 1. Januar

2010 eine Bewertungsänderung für Pensionsverpflichtungen

ergeben. Der daraus resultierende

Unterschiedsbetrag in Höhe von 4,4 Mio. EUR

wurde im Berichtsjahr in voller Höhe den Rückstellungen

zugeführt.

• Am 31. Dezember 2010 bestanden Verpflichtungen

aus Bewilligungen in Höhe von 235,8 Mio.

EUR; davon entfielen auf das Niedersächsische

Vorab 119,4 Mio. EUR. Der Gesamtbestand hat

sich gegenüber dem Vorjahr (248,4 Mio. EUR)

um 12,6 Mio. EUR vermindert.

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 99


100

Aktiva

Ansprüche gemäß § 4 Abs. 1b der Satzung 76,7 76,7 0,0

gegen das Land Niedersachsen

Immaterielle Vermögensgegenstände 0,6 0,6 0,0

Sachanlagen 2,3 2,2 +0,1

Finanzanlagen 1.921,2 1.841,2 +80,0

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 139,3 82,8 +56,5

sowie Rechnungsabgrenzungsposten

31.12.2010

Mio. EUR

31.12.2009

Mio. EUR

Veränderung

Mio. EUR

Wertpapiere des Umlaufvermögens 412,4 528,8 -116,4

Flüssige Mittel 54,2 68,0 -13,8

Summe 2.606,7 2.600,3 +6,4

Passiva

31.12.2010

Mio. EUR

31.12.2009

Mio. EUR

Veränderung

Mio. EUR

Kapital 2.349,5 2.335,0 +14,5

Projektrücklage gemäß § 58 Nr. 6 AO 0,5 0,5 0,0

Rückstellungen 20,3 15,8 +4,5

Verpflichtungen aus Bewilligungen 235,8 248,4 -12,6

Sonstige Verbindlichkeiten sowie Rechnungsabgrenzungsposten 0,6 0,6 0,0

Summe 2.606,7 2.600,3 +6,4


Verwendungsprüfung

Die Bewilligungsempfänger der Stiftung sind verpflichtet,

alsbald nach Abschluss der Fördermaßnahme

einen Nachweis über die Verwendung der

Mittel zu erbringen. Die Verwendungsnachweise

werden von der Stiftung gemäß § 9 ihrer Satzung

geprüft. Im Berichtsjahr wurde die Prüfung von

296 (280) Verwendungsnachweisen abgeschlossen.

Die Zahl der am Bilanzstichtag bei der Stiftung

eingegangenen, aber noch nicht abschließend

geprüften Verwendungsnachweise beträgt 154

(133). Für 112 (115) Fördermaßnahmen stehen die

Verwendungsnachweise noch aus. Die ausstehenden

Verwendungsnachweise sind angefordert,

zum Teil angemahnt.

Nach dem Ergebnis der Verwendungsprüfung

haben die Bewilligungsempfänger die Zweckbestimmung

der Mittel und die sonstigen Bewilligungsbedingungen

wie bisher in aller Regel

beachtet.

Rechnungsprüfung

Zum Abschlussprüfer wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Ernst & Young GmbH, Hannover,

bestellt. Der Abschlussprüfer hat auch nach

Richtlinien geprüft, die im Jahre 1966 im Einvernehmen

mit den Stiftern sowie dem Bundesrechnungshof

und dem Niedersächsischen Landesrechnungshof

festgelegt worden sind. Weiter

erstreckte sich die Prüfung auf die Beachtung der

Vorschriften des Niedersächsischen Stiftungsgesetzes

und der hierzu erlassenen Richtlinien. Der

Abschlussprüfer hat uneingeschränkt bestätigt,

dass die Buchführung, die Bilanz, die Ertragsrechnung

sowie die Kapitalerhaltungsrechnung und

die Ergänzenden Angaben zur Jahresrechnung

nach pflichtgemäßer Prüfung den Grundsätzen

einer ordnungsmäßigen Rechnungslegung entsprechen

(vgl. Bestätigungsvermerk auf Seite 115).

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 101


102

Bilanz zum 31. Dezember 2010 4


103

Bilanz zum 31. Dezember 2010

Aktiva

A Ansprüche gemäß § 4 Abs. 1b der Satzung gegen das Land Niedersachsen

B Anlagevermögen

I. Immaterielle Vermögensgegenstände

Anschaffungs-/Herstellungskosten

Stand am 1.1.2010 Zugänge

EUR EUR

Software 1.422.596,01 165.866,64

II. Sachanlagen

1. Bebaute Grundstücke und grundstücksgleiche

Rechte mit Wohn- und Geschäftsgebäuden

5.747.017,70 208.048,21

2. Geschäftsausstattung 2.459.127,18 304.827,06

III. Finanzanlagen

8.206.144,88 512.875,27

1. Beteiligungen 166.980.116,32 4.974.185,44

2. Wertpapiere des Anlagevermögens 1.647.317.845,04 219.645.724,96

3. Sonstige langfristige Forderungen 125.006.399,63 –

C Umlaufvermögen

I. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

1. Zinsansprüche

2. Sonstige Vermögensgegenstände

II. Wertpapiere

III. Flüssige Mittel

D Rechnungsabgrenzungsposten

1.939.304.360,99 224.619.910,40


Umgliederungen Abgänge Gesamte Abschreibungen Zuschreibungen

Abschreibungen des Geschäftsjahres des Geschäftsjahres

EUR EUR EUR EUR EUR

104

Stand: 31.12.2010

EUR

Stand: 31.12.2009

EUR

76.693.782,18 76.693.782,18

– 62.632,20 953.231,45 210.557,53 – 572.599,00 619.317,89

– 154.328,95 4.157.449,22 65.425,21 – 1.643.287,74 1.549.153,95

– 18.101,73 2.042.752,10 202.343,96 – 703.100,41 600.617,31

– 172.430,68 6.200.201,32 267.769,17 – 2.346.388,15 2.149.771,26

– 7.660.000,00 – – – 164.294.301,76 166.980.116,32

41.525.723,22 133.064.656,72 118.110.470,95 29.611.578,02 5.637.067,24 1.662.951.232,79 1.555.273.171,64

– 31.074.223,22 – – – – 93.932.176,41 118.969.138,52

10.451.500,00 140.724.656,72 118.110.470,95 29.611.578,02 5.637.067,24 1.921.177.710,96 1.841.222.426,48

29.546.321,22 27.308.964,02

109.770.830,29 55.486.201,25

139.317.151,51 82.795.165,27

412.363.723,27 528.798.060,00

54.208.642,61 67.999.321,22

49.700,42 32.717,79

2.606.729.698,10 2.600.310.562,09


Passiva

A Kapital

I. Stiftungskapital gemäß § 4 der Satzung 1.085.163.715,43 1.085.163.715,43

II. Sonstiges Stiftungskapital 1.338.894.979,34 1.313.295.245,46

III. Mittelvortrag auf das Folgejahr – 74.526.246,78 – 63.374.439,55

2.349.532.447,99 2.335.084.521,34

B Projektrücklage gemäß § 58 Nr. 6 AO 535.634,39 457.607,16

C Rückstellungen

1. Rückstellungen für Altersversorgung 19.764.379,00 15.270.766,00

2. Rückstellungen für sonstige Zwecke 533.273,00 481.295,00

D Verbindlichkeiten

Stand: 31.12.2010

EUR

Stand: 31.12.2009

EUR

20.297.652,00 15.752.061,00

1. Verbindlichkeiten aus Bewilligungen 235.827.803,06 248.407.800,21

2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 299.779,37 300.616,93

3. Sonstige Verbindlichkeiten 236.381,29 307.608,61

236.363.963,72 249.016.025,75

E Rechnungsabgrenzungsposten – 346,84

2.606.729.698,10 2.600.310.562,09

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 105


106

Ertragsrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2010

Erträge aus Vermögensbewirtschaftung

Erträge aus Ansprüchen gemäß § 4 Abs. 1b 48.375.360,00 58.352.778,00

der Satzung gegen das Land Niedersachsen

Erträge aus Beteiligungen 5.430.579,04 9.251.485,05

Erträge aus Wertpapieren des Anlagevermögens 56.741.814,72 58.424.984,42

Erträge aus sonstigen langfristigen Forderungen 567.853,04 62.740.246,80 829.559,25

Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 25.081.981,62 28.582.421,18

Sonstige Erträge 26.570.091,83 7.231.609,83

Aufwendungen aus Vermögensbewirtschaftung

162.767.680,25 162.672.837,73

Abschreibungen auf vermietete Grundstücke 2.095,00 19.676,66

Abschreibungen auf Finanzanlagen 29.611.578,02 27.917.540,53

Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 30.000,00 35.800,00

Aufwendungen für vermietete Grundstücke 22.241,03 197.713,11

Sonstige Aufwendungen 169.769,81 29.835.683,86 2.622.864,42

Überschuss aus Vermögensbewirtschaftung 132.931.996,39 131.879.243,01

Erträge aus Zuschüssen

Zuschüsse für Förderzwecke

Aufwendungen aus Verwaltung gemäß

§ 4 Abs. 4 der Satzung

850.800,00 300.000,00

Personalaufwendungen 7.296.682,30 7.383.320,64

Sachaufwendungen 3.674.854,36 3.684.507,24

Abschreibungen auf immaterielle Vermögens- 476.231,70 329.430,37

gegenstände und Sachanlagen

Eigene Erträge der Geschäftsstelle – 221.496,88 11.226.271,48 – 235.764,67

Außerordentliche Aufwendungen 4.368.167,00 –

Jahresertrag 118.188.357,91 121.017.749,43

Aufwendungen zur Erfüllung des Stiftungszwecks

Bewilligungen des Kuratoriums bzw. 110.515.427,00 100.852.799,00

des Generalsekretärs an externe Einrichtungen

Aufwendungen aus operativer Tätigkeit 992.572,00 545.000,00

(Stiftungsveranstaltungen und -projekte)

31.12.2010

EUR

31.12.2010

EUR

31.12.2009

EUR

Rückgängig gemachte Bewilligungen – 7.763.787,54 – 6.090.019,97

Sonstige Rückflüsse – 3.780,20 103.740.431,26 – 284,30

Jahresüberschuss 14.447.926,65 25.710.254,70

Mittelvortrag aus dem Vorjahr – 63.374.439,55 – 64.940.012,52

Rücklagenbildung im Rahmen der Abgabenordnung – 25.599.733,88 – 24.144.681,73

Mittelvortrag auf das Folgejahr – 74.526.246,78 – 63.374.439,55


Ergänzende Angaben zur

Jahresrechnung 2010 der

VolkswagenStiftung

A. Allgemeine Angaben zur Jahresrechnung

Mit den „Ergänzenden Angaben zur Jahresrechnung“

wird die Jahresrechnung der Volkswagen-

Stiftung auf freiwilliger Basis in Anlehnung an die

für Kapitalgesellschaften geltenden Vorschriften

für den Anhang erweitert.

Die Bilanz und die Ertragsrechnung sind nach den

für alle Kaufleute geltenden Vorschriften des Handelsgesetzbuches

(§§ 238 ff. HGB) unter Berücksich -

tigung von stiftungsspezifischen Besonderheiten

gegliedert.

Die Ertragsrechnung stellt sich als Ermittlung von

Erträgen und Aufwendungen aus der Bewirtschaf -

tung des Stiftungsvermögens zuzüglich Zuschüssen

für Förderzwecke und abzüglich Verwaltungsaufwendungen

gemäß § 4 Abs. 4 der Satzung, Außerordentlichen

Aufwendungen, Aufwendungen zur

Erfüllung des Stiftungszwecks sowie Rücklagendotierung

gemäß § 4 Abs. 3 der Satzung dar.

B. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie

Angaben zur Bilanz und zur Ertragsrechnung

Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

ent sprechen den für alle Kaufleute geltenden

Vorschriften des Handelsgesetzbuches (§§ 238 ff.

HGB). Der Jahresabschluss 2010 der Volkswagen-

Stiftung wurde unter Beachtung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

(BilMoG) vom 25. Mai

2009 aufgestellt und die Vorjahreszahlen aufgrund

des Wahlrechts des Artikel 67 Abs. 8 Satz 2

EGHGB nicht angepasst.

Angaben zur Bilanz

Die Ansprüche nach § 4 Abs. 1 Buchst. b) der Sat-

zung gegen das Land Niedersachsen wurden zum

fiktiven Barwert angesetzt. Der Bewertung wurde

eine nachhaltig erzielbare Dividende von 10 % p.a.

und ein Kapitalisierungszinssatz von 8 % p.a. zu -

grunde gelegt.

Die erworbenen Immateriellen Vermögensgegenstände

werden zu Anschaffungskosten, vermindert

um planmäßige Abschreibungen, angesetzt.

EDV-Programme werden grundsätzlich über drei

Jahre abgeschrieben.

Die Sachanlagen werden zu Anschaffungskosten,

vermindert um planmäßige Abschreibungen, an -

ge setzt. Den Abschreibungen werden die voraussichtlichen

wirtschaftlichen Nutzungsdauern der

Vermögensgegenstände zugrunde gelegt.

Geringwertige Anlagegüter werden im Zugangsjahr

voll abgeschrieben. Für Anlagegüter mit

Anschaffungskosten von mehr als EUR 150 und

bis zu EUR 1.000, die in den Jahren 2008 und 2009

angeschafft wurden, wurde ein Sammelposten

gemäß § 6 Abs. 2a EStG gebildet. Dieser Posten

wird unter Anwendung des Beibehaltungswahlrechts

nach BilMoG weiter über die Restnutzungsdauer

abgeschrieben.

Beteiligungen werden zu Anschaffungskosten

beziehungsweise – bezüglich der vermögensverwaltenden

Kommanditgesellschaften – in Anlehnung

an die steuerliche Spiegelbildmethode an -

gesetzt. Nach der Spiegelbildmethode erhöht sich

der Beteiligungsbuchwert jeweils um das Jahresergebnis

sowie Einlagen und vermindert sich um

Entnahmen des Geschäftsjahres. Der Beteiligungsbuchwert

entspricht damit grundsätzlich dem

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 107


108

Kapitalkonto der Beteiligungsgesellschaft. Die

Beteiligungserträge der vermögensverwaltenden

Kommanditgesellschaften werden nach Feststellung

der betreffenden Jahresabschlüsse – das

heißt im Folgejahr – vereinnahmt.

Die Bewertung der Sonstigen Finanzanlagen

(Wertpapiere des Anlagevermögens und Sonstige

langfristige Forderungen) erfolgt zu Anschaffungskosten.

Agio- beziehungsweise Disagiobeträge bei

den Sonstigen langfristigen Forderungen werden

zeitanteilig über die Restlaufzeiten der Darlehensforderungen

aufgelöst. Abschreibungen werden

nur bei voraussichtlich dauernden Wertminderungen

vorgenommen. Bei verzinslichen Wertpapieren

ohne liquiden Markt werden Über-pari-

Beträge planmäßig linear über die Restlaufzeiten

abgeschrieben. Dies betrifft im Wesentlichen die

Anlagesegmente der nachrangigen Schuldverschreibungen

sowie der Genussscheine. Bei darüber

hinausgehenden, voraussichtlich dauerhaften

Wertminderungen werden außerplanmäßige

Abschreibungen vorgenommen.

Bei Wegfall der Gründe für außerplanmäßige

Abschreibungen erfolgen Zuschreibungen bis

maximal zur Höhe der Anschaffungskosten.

Die Höhe der voraussichtlich dauernden Wertminderung

des Aktienbestands sowie der Spezialfonds

und Private Equity-Zertifikate wird, ausgehend von

der IDW-Stellungnahme zur Rechnungslegung IDW

RS VFA 2 vom 8. April 2002, nach Maßgabe eines

Staffelabschreibungsverfahrens ermittelt. Dieses

Verfahren basiert im Wesentlichen auf einer Verknüpfung

der Abschreibungskriterien „Höhe der

Wertminderung“ und „Dauer der Wertminderung“.

Abhängig von der Dauer der Wertminderung wird

ein bestimmter, im Zeitverlauf sinkender Teil der

Wertminderung als vorübergehend und der rest -

liche Teil als dauerhaft angenommen. Im ersten

Jahr der Wertminderung einer Aktie wird eine Wert -

minderung in Höhe von 25 Prozent der Anschaffungskosten

als vorübergehend angesehen. Diese

Toleranzgrenze sinkt auf 20 Prozent im zweiten

Jahr der Wertminderung, auf 15 Prozent im dritten

Jahr, auf 10 Prozent im vierten Jahr und auf 5 Prozent

im fünften Jahr der Wertminderung. Ab dem

sechsten Jahr der Wertminderung wird die gesamte

Wertminderung als dauerhaft angenommen.

Diese Staffelabschreibungssystematik wird mit

zwei vom Versicherungsfachausschuss des IDW

am 2. Oktober 2002 veröffentlichten Aufgreifkri -

terien verknüpft. Das erste Aufgreifkriterium ist

erfüllt, wenn der Zeitwert des Wertpapiers in den

dem Bilanzstichtag vorangehenden sechs Monaten

permanent um mehr als 20 Prozent unter dem Buch -

wert liegt. Das zweite Aufgreifkriterium kommt

zur Anwendung, wenn der Zeitwert länger als ein

Geschäftsjahr unter dem Buchwert liegt. Es ist

erfüllt, wenn der Durchschnittswert der täglichen

Börsenkurse des Wertpapiers in den letzten zwölf

Monaten um mehr als 10 Prozent unter dem Buchwert

liegt. Sofern beide Aufgreifkriterien nicht er -

füllt waren, wurde die entsprechende Aktie nicht

abgeschrieben. War jedoch mindestens eines der

beiden Aufgreifkriterien erfüllt, wurde das jewei -

lige Wertpapier in Höhe des Betrages gemäß

Staffelabschreibungssystematik abgeschrieben.

Im Geschäftsjahr wurden Abschreibungen auf

Wert papiere des Anlagevermögens sowie Sons tige

langfristige Forderungen aufgrund von vo raus sicht -

lich dauernden Wertminderungen in Höhe von

TEUR 29.612 vorgenommen. Davon entfallen TEUR

20.648 auf Aktien und TEUR 8.964 auf festverzinsliche

Wertpapiere (im Wesentlichen Öffentliche

Anleihen und Unternehmensanleihen). Die gesamte

Wertminderung der Aktien sowie der verzinslichen

Wertpapiere des Anlagevermögens (vor Abschreibungen

des Geschäftsjahrs und bezo gen auf Stichtagsbörsenkurse)

hätte zum 31. Dezember 2010

TEUR 53.842 beziehungsweise TEUR 10.324 betragen.

In 2010 wurden wegen voraussichtlich nicht dauerhafter

Wertminderungen auf folgende verzins -

liche Wertpapiere des Anlagevermögens keine

Abschreibungen vorgenommen (siehe Tabelle

Seite 109):


Bei den Öffentlichen Anleihen handelt es sich um

das erste Jahr der Wertminderung. Es liegen keine

Indizien für eine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung

vor. In der Vergangenheit fand stets

ein regulärer Zins- und Tilgungsdienst ohne Ausfälle

und Auffälligkeiten statt. Von den drei großen

Rating-Agenturen erhält die Anleihe ein

Rating von AA+.

Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung der

Wertpapiere mit Nachrang (planmäßige Zinszahlungen,

Erwartung positiver Betriebsergebnisse

der Banken) wird die Auffassung vertreten, dass

diese Papiere per 31. Dezember 2010 voraussichtlich

nicht dauerhaft wertgemindert sind.

Hinsichtlich der Genussscheine sind keine Verlautbarungen

des Emittenten bekannt, die auf

eine anteilige Verlustübernahme hindeuten. Das

Rating des betreffenden Genussscheins ist un ver -

ändert bei A. Es wird die Auffassung vertreten,

dass dieses Papier per 31. Dezember 2010 voraussichtlich

nicht dauerhaft wertgemindert ist.

Bei den Pfandbriefen wird aufgrund der Zinssitu -

ation ebenfalls von einer nur vorübergehenden

Wertminderung ausgegangen. Es liegen keine

Hinweise auf eine schlechte Bonität der Emittenten

vor. Die Pfandbriefe sind durch erstrangige

Sicherheiten besichert.

Kurswert Buchwert Lasten

in EUR in EUR in EUR

Öffentliche Anleihen 41.643.000,00 41.900.400,00 -257.400,00

Wertpapiere mit Nachrang 28.899.000,00 29.803.600,00 -904.600,00

Genussscheine 3.487.693,80 3.500.000,00 -12.306,20

Pfandbriefe 24.697.500,00 24.883.250,00 -185.750,00

-1.360.056,20

Im aktuellen Geschäftsjahr wurden im Finanzanlagevermögen

Zuschreibungen auf Aktien in Höhe

von TEUR 1.600, auf ein Private Equtiy-Zertifikat in

Höhe von TEUR 3.287 sowie TEUR 750 auf einen

Genussschein vorgenommen.

Anteile und Anlageaktien an Investmentvermögen

setzen sich wie folgt zusammen (siehe Tabelle auf

der folgenden Seite):

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 109


110

Zusammensetzung Anteile und Anlageaktien an Investmentvermögen

Rentenspezialfonds

Name

Herkunftsstaat

Anlageziel

Anteilswert in TEUR

Differenz zum Buchw ert in TEUR

AusschüttungGeschäftsjahr in TEU R

Rückgabebeschränkungen

Aktienspezialfonds

Name

Herkunftsstaat

Anlageziel

Anteilswert in TEUR

Differenz zum Buchwert in TEUR

AusschüttungGeschäftsjahr in TEU R

Rückgabebeschränkungen

Immobilienspezialfonds

Name

Herkunftsstaat

Anlageziel

Anteilswert in TEUR

Differenz zum Buchwert in TEUR

AusschüttungGeschäftsjahr in TEU R

Rückgabebeschränkungen

US-Rentenfonds

Deutschland

Staatsanleihen USA

136.067

+21.827

4.279

siehe*)

Aktienfonds International

Deutschland

Aktien USA und Aktien

Süd-Ost-Asien ohne Japan

240.162

+65.056

4.632

siehe *)

Euro Immobilienfonds

Deutschland

Europäische Immobilien

ohne Deutschland

113.659

+981

2.317

Aufgrund der Liquiditätshaltung

ist eine kurzfristige Rücknahme von

Anteilsscheinen nur eingeschränkt

möglich.

')Grundsätzlich ist eine tägliche Rückgabe möglich. Die Kapitalanlagegesellschaft kann aufgrundder Fondsverträge die Rücknahme

der Fondsanteile aus wichtigem Grund verweigern. Es gelten die bei Spezialfonds üblichen Kündigungsfristen.

Rentenfonds International

Deutschland

Renten International

244.804

+15.271

10.331

siehe*)

Mehr-Länder-Fonds

Deutschland

Aktien Japan und Aktien

Europa ex Euroland

135.503

+4.791

3.134

siehe *)


Die Bewertung der Wertpapiere des Umlaufver-

mögens erfolgt zu Anschaffungskosten unter Be -

achtung des strengen Niederstwertprinzips (§ 253

Abs. 4 HGB). Entfallen die Gründe, die ursächlich

für die Abschreibung gewesen sind, erfolgt eine

Zuschreibung auf den höheren Stichtagswert bis

maximal zur Höhe der Anschaffungskosten.

Im Geschäftsjahr 2010 wurden Zuschreibungen bei

den Wertpapieren des Umlaufvermögens in Höhe

von TEUR 8.994 vorgenommen. Abschreibungen

waren in Höhe von TEUR 30 vorzunehmen.

Im Rahmen der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände

werden insbesondere zum

Abschlussstichtag abgegrenzte Zinsansprüche aus

Wertpapieren und Forderungen aus dem Verleih

von Wertpapieren des Umlaufvermögens bilanziert.

Die verliehenen Wertpapiere werden zu

Anschaffungskosten unter Beachtung des strengen

Niederstwertprinzips (§ 253 Abs. 4 HGB) angesetzt.

Das sonstige Umlaufvermögen wird zum

Nominalwert – gegebenenfalls vermindert um

angemessene Wertberichtigungen – bilanziert.

Von den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen

(TEUR 139.317) weisen TEUR 366

eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr auf.

Für eigene Veranstaltungen und Projekte im Sinne

von § 8 Abs. 1 Satz 3 der Satzung wird zum Zeitpunkt

der Beschlussfassung in Höhe der voraussichtlichen

Gesamtkosten eine Projektrücklage

gemäß § 58 Nr. 6 AO gebildet.

Für die bestehenden Rückstellungen für Altersversorgung

beträgt der Verpflichtungsumfang zum 1.

Januar 2010 nach den bisher für die Handelsbilanz

verwendeten Grundsätzen TEUR 14.944. Zum gleichen

Stichtag ergibt sich nach dem BilMoG hergeleiteten

Grundsätzen ein Verpflichtungsumfang

in Höhe von TEUR 19.312. Der sich daraus ergebende

Unterschiedsbetrag in Höhe von TEUR 4.368

wurde unter Verwendung der Heubeck-Sterbetafeln

„Richttafeln 2005 G“ nach dem Projected Unit Credit-Verfahren

unter Zugrundelegung eines Rech-

nungszinses von 5,27 Prozent, einem Gehaltstrend

von 3,0 Prozent und einem Rententrend von 2,0

Prozent errechnet und im Geschäftsjahr 2010 vollständig

zugeführt.

Die Rückstellungen für Altersversorgung per 31.

Dezember 2010 in Höhe von TEUR 19.406 wurden

gemäß § 253 Abs. 1, 2 HGB unter Verwendung der

Heubeck-Sterbetafeln „Richttafeln 2005 G“ nach

dem Projected Unit Credit-Verfahren ermittelt.

Dabei wurde ein Rechnungszins von 5,19 Prozent,

ein Gehaltstrend von 3,0 Prozent sowie ein Rententrend

von 2,0 Prozent zugrunde gelegt.

Die Rückstellungen für sonstige Zwecke werden

mit dem nach vernünftiger kaufmännischer

Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag an -

gesetzt. Sie bestehen im Wesentlichen für Urlaubsansprüche

(TEUR 212), für ausstehende Eingangsrechnungen

(TEUR 152) sowie für Prüfungs- und

Beratungskosten (TEUR 104). Bei den Rückstellungen

für Jubiläumszuwendungen ergibt sich ein

Betrag der Überdeckung aus der BilMoG-Umstellung

gem. Art. 67 Abs. 1 S.4 EGHGB in Höhe von

TEUR 4.

Die Verpflichtungen aus Bewilligungen werden

mit dem Erfüllungsbetrag angesetzt. Sie entstehen

durch Bewilligungsbeschlüsse des Kurato -

riums sowie des Generalsekretärs.

In 2010 wurde die Abbildung der Bewilligungen,

der Stornierungen, der Förderverpflichtungen so -

wie des Mittelvortrags geändert. Die Aufwendungen

für den Stiftungszweck werden nun als solche

in der Ertragsrechnung ausgewiesen. Das tatsächliche

Ergebnis des Jahres nach Aufwendungen zur

Erfüllung des Stiftungszwecks wird als Jahresüberschuss

oder Jahresfehlbetrag gezeigt. Der nach

Verrechnung des Jahresüberschusses oder Jahresfehlbetrages

mit dem Mittelvortrag des Vorjahres

und den neu zu bildenden Rücklagen verbleibende

Mittelvortrag des aktuellen Geschäftsjahres

wird in der Bilanz innerhalb des Stiftungskapitals

unter A. III. „Mittelvortrag auf das Folgejahr“

ausgewiesen. Der in den Vorjahren ausgewiesene

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 111


112

Passivposten D. „Förderverpflichtungen“ entfällt

damit.

Anteilige Bewilligungen mit einer Restlaufzeit

von weniger als einem Jahr werden innerhalb der

Verpflichtungen aus Bewilligungen betragsmäßig

nicht gesondert ausgewiesen. Der Mittelabruf bei

der Stiftung richtet sich nach dem Projektfortschritt.

Die Bewilligungsempfänger sind gehalten, die

Mittel grundsätzlich erst zu Beginn des Monats

abzurufen, in dem sie für den Förderungszweck

tatsächlich benötigt werden. Etwa 39 Prozent der

Verpflichtungen aus Bewilligungen (Allgemeine

Fördermittel) haben eine Restlaufzeit von weniger

als einem Jahr.

Gemäß § 8 Abs. 1 der Satzung sind Fördermittel

grundsätzlich für eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren

zu vergeben. Verpflichtungen aus Bewilligungen

(Allgemeine Fördermittel) mit einer Restlaufzeit

von mehr als fünf Jahren bestehen derzeit nicht.

Die Verbindlichkeiten sind mit ihren Erfüllungsbeträgen

angesetzt. Die Verbindlichkeiten aus

Lieferungen und Leistungen haben ausnahmslos

Restlaufzeiten bis zu einem Jahr. Von den Sonstigen

Verbindlichkeiten (TEUR 236) weisen TEUR

140 eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr, TEUR

59 eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr und

bis zu fünf Jahren sowie TEUR 37 eine Restlaufzeit

von mehr als fünf Jahren auf.

Besicherungen für Verbindlichkeiten sind nicht

gegeben.

Angaben zur Ertragsrechnung

Im Geschäftsjahr 2010 erfolgte erstmalig eine Aufteilung

der Aufwendungen aus Verwaltung nach

Sparten. Die Verwaltungsaufwendungen verteilen

sich wie folgt:

TEUR

Vermögensanlage 1.506

Förderung 4.074

Eigene Veranstaltungen und Projekte 289

Übrige 5.357

Verwaltungskosten 11.226

Die übrigen Verwaltungsaufwendungen betreffen

den Stab (Generalsekretär und Stabsreferate ohne

Veranstaltungsmanagement) sowie den Bereich

Finanzen und Verwaltung.

In den Personalaufwendungen sind Zinsaufwendungen

aus den Verpflichtungen zur Altersversorgung

in Höhe von TEUR 966 und den Jubiläumsgeldverpflichtungen

in Höhe von TEUR 1 enthalten.

Die außerordentlichen Aufwendungen in Höhe

von TEUR 4.368 betreffen den Unterschiedsbetrag

aus der Bewertungsänderung der Pensionsverpflichtungen

aufgrund des BilMoG zum 1. Januar

2010, der im Geschäftsjahr 2010 in voller Höhe

ergebniswirksam erfasst wurde.

Die Mittelverwendung wird ab dem Geschäftsjahr

2010 nach dem Jahresertrag in der Ertragsrechnung

gezeigt.


C. Weitere Angaben

a) Organe

Vorstand der Stiftung ist gemäß § 5 Abs. 1 der Satzung

das Kuratorium, welches aus 14 Mitgliedern

besteht. Von diesen werden je sieben von der Bundesregierung

und der Niedersächsischen Landesregierung

für eine Amtszeit von bis zu zwei Mal

fünf Jahren berufen.

Dem Kuratorium gehören an

(Stand 31. Dezember 2010):

Lutz Stratmann, Vorsitzender

Mitglied des Niedersächsischen Landtages,

Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und

Kultur (2003-2010), Hannover

Prof. Dr. Annette Schavan, Stellvertretende

Vorsitzende

Bundesministerin für Bildung und Forschung,

Mitglied des Deutschen Bundestages, Bonn/Berlin

Prof. Dr. Wolf Singer, Stellvertretender Vorsitzender

Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt

am Main

Prof. em. Dr. Klaus J. Bade

Vorsitzender des Sachverständigenrates für

Integration und Migration, Berlin

Prof. Dr. Horst Bredekamp

Seminar für Kunstgeschichte der Humboldt-

Universität und Wissenschaftskolleg zu Berlin

Prof. Dr. h. c. mult. Martin F. Hellwig

Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung

von Gemeinschaftsgütern, Bonn

Prof. em. Dr. Brigitte M. Jockusch

Abteilung Zellbiologie, Zoologisches Institut,

Technische Universität Braunschweig

Prof. Dr. Katharina Kohse-Höinghaus

Lehrstuhl für Physikalische Chemie, Universität

Bielefeld

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Kowalsky

Institut für Hochfrequenztechnik, Technische

Universität Braunschweig

Prof. Dr. Gerd Litfin

Geschäftsführender Gesellschafter der Arkadien

Verwaltungs KG, Göttingen

Prof. h. c. Dr. Horst Neumann

Vorstand der Volkswagen AG, Wolfsburg

Michael Sommer

Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes,

Berlin

Prof. Dr. Ursula M. Staudinger

Vice President of Jacobs University Bremen and

Founding Dean of the Jacobs Center on Lifelong

Learning and Institutional Development

Prof. Dr. Waltraud Wende

Präsidentin der Universität Flensburg

Die Geschäftsführung und die Leitung der

Geschäftsstelle der Stiftung werden gemäß § 6

der Geschäftsordnung des Kuratoriums entsprechend

§ 5 Abs. 7 der Satzung einem Generalse -

kretär übertragen. Generalsekretär der Stiftung

ist seit dem 1. Januar 1996 Dr. Wilhelm Krull.

b) Vergütung

Der Aufwandsersatz für die Tätigkeit der Kuratoren

beläuft sich 2010 einschließlich der darauf

anfallenden Umsatzsteuer auf TEUR 156. Die Vergütung

des Generalsekretärs sowie der drei (bis

31. August 2010 vier) Abteilungsleiter beträgt in

2010 insgesamt TEUR 682.

Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 113


114

c) Sonstige finanzielle Verpflichtungen

Die sonstigen finanziellen Verpflichtungen gemäß § 285 Nr. 3 a HGB betreffen folgende Verpflichtungen

aus Miet-, Leasing-, Wartungs- und Serviceverträgen:

in TEUR

Miet- und Leasingverträge für 112 59 30 0

Betriebs- und Geschäftsausstattung

Mietvertrag für Büroraum 12 12 2 0

Wartungsverträge für Software 86 0 0 0

Wartungsverträge für 3 0 0 0

Betriebs- und Geschäftsausstattung

2014

und später

Sonstige Dienstleistungsverträge 140 14 7 0

2011

2012

2013

354 85 39 0

d) Beteiligungen

Für Zwecke der Vermögensverwaltung ist die VolkswagenStiftung unmittelbar an folgenden

Gesellschaften beteiligt:

Kapitalanteil Eigenkapital Jahresüberschuss

31.12.2009 Geschäftsjahr 2009

% TEUR TEUR

IVA Immobilien-Verwaltungs- und Anlage- 100 111.964 3.524

gesellschaft Dr. A. Steiger KG, Hannover

IVI Immobilien-Verwaltungs- und Investitions- 100 53.771 1.450

gesellschaft Dr. Brigitte Sträter KG, Hannover

IVB Corporation, Washington D.C., USA 100 5.692 577

e) Haftungsverhältnisse

Die Stiftung hat die persönlich haftenden Gesellschafter der IVA Immobilien-Verwaltungs- und Anlagegesellschaft

Dr. A. Steiger KG, Hannover, und IVI Immobilien-Verwaltungs- und Investitionsgesellschaft

Dr. Brigitte Sträter KG, Hannover, von ihrer Haftung als Komplementäre der Gesellschaften im Innen -

verhältnis freigestellt. Weitere Haftungsverhältnisse im Sinne des § 251 HGB bestanden am Stichtag

nicht.

f) Sonstige Angaben

Die VolkswagenStiftung beschäftigte im Geschäftsjahr 2010 durchschnittlich 94 Mitarbeiter, davon vier

(bis 31. August 2010 fünf) leitende Angestellte.

Hannover, im März 2011

VolkswagenStiftung

Der Generalsekretär

Dr. Wilhelm Krull


Jahresbericht 2010 Wirtschaftsbericht 2010 115


118

120

Kuratorium

Mitarbeiter der Geschäftsstelle


Kuratorium und Mitarbeiter der Geschäftsstelle


118

Kuratorium

Das Kuratorium der VolkswagenStiftung

besteht aus 14 Mitgliedern, von

denen je sieben von der Bundesregierung

und der Niedersächsischen Landesregierung

für eine Amtszeit von

bis zu zwei Mal fünf Jahren berufen

werden. Bei seinen Entscheidun gen

ist es nur an die Satzung gebunden.

Lutz Stratmann

Mitglied des Niedersächsischen

Land tages, Minister für Wissenschaft

und Kultur des Landes

Niedersachsen (2003-2010),

Hannover (Vorsitzender)

Professorin Dr. Annette Schavan

Bundesministerin für Bildung

und Forschung, Mitglied des

Deutschen Bundestages,

Bonn/Berlin

(Stellvertretende Vorsitzende)

Professor Dr. Wolf Singer

Max-Planck-Institut

für Hirnforschung,

Frankfurt am Main

(Stellvertretender Vorsitzender)

Professor em. Dr. Klaus J. Bade

Vorsitzender des Sachverständigenrates

für Integration und

Migration, Berlin

Professor Dr. Horst Bredekamp

Seminar für Kunstgeschichte

der Humboldt-Universität zu

Berlin und Wissenschaftskolleg

zu Berlin


Professor Dr. h. c. mult.

Martin F. Hellwig

Max-Planck-Institut zur Erfor -

schung von Gemein schafts -

gütern, Bonn

Professorin em.

Dr. Brigitte M. Jockusch

Abteilung Zellbiologie, Zoolo -

gisches Institut, Technische

Universität Braunschweig

Professorin Dr. Katharina

Kohse-Höinghaus

Lehrstuhl für Physikalische

Chemie, Universität Bielefeld

Professor

Dr.-Ing. Wolfgang Kowalsky

Institut für Hochfrequenz -

technik, Technische

Universität Braunschweig

Professor Dr. Gerd Litfin

Arkadien Verwaltungs KG,

Göttingen

Professor h. c.

Dr. Horst Neumann

Mitglied des Vorstands

der Volkswagen AG, Wolfsburg

Michael Sommer

Bundesvorsitzender des

Deutschen Gewerkschafts -

bundes, Berlin

Professorin

Dr. Ursula M. Staudinger

Vize-Präsidentin der Jacobs

University Bremen und Found -

ing Dean des Jacobs Center on

Lifelong Learning and Institutional

Development

Professorin

Dr. Waltraud Wende

Präsidentin der Universität

Flensburg

Jahresbericht 2010 Kuratorium und Geschäftsstelle 119


120

Mitarbeiter der Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle der VolkswagenStiftung hatte

im Juli 2011 insgesamt 96 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter.

Im Stabsreferat Veranstaltungsmanagement nahmen

Vanessa Spitau, Anorthe Kremers und Anna

Böhning ihre Tätigkeit auf. In den Förderbereich

traten Dr. Almut Steinbach, Dr. Cora Ziegenbalg,

Nataliya Moor, Katrin Schrödter, Katharina Ulbrich

und Dr. Oliver Grewe ein; in Abteilung III nahmen

Manuela Braß und Bernhard Schepers ihre Arbeit

auf.

Ausgeschieden sind Gunda Reich (Abteilung II)

sowie Sabine Zimmerling (Stab) und Dr. Justyna

Schulz (Förderung); in den Ruhestand traten Henning

Epstein und Herbert Kruft aus Abteilung III

sowie Prof. Dr. Axel Horstmann und Dr. Alfred

Schmidt aus dem Förderbereich.

Mitarbeiterliste

Stand: Juli 2011

Akrami, Petra

Aumann, Silke

Bartsch, Marvin

Batke, Melanie

Batschko-Rühmann, Annemarie

Behrens, Claudia

Bensch, Carolin

Birck, Silvia

Bischler, Ulrike, Dr. rer. nat., Dipl.-Phys.

Bodemer, Andreas, Dr. rer. pol., Dipl.-Math.

Böhning, Anna, Dipl.-Oec.

Böker, Dorothea

Braß, Manuela, Dipl.-Kffr.

Brauer, Meike

Brünig, Georg

Brunk, Marion

Brunotte, Thomas, Dr. phil.

Buch, Regina

Campe, Annelie

Darge, Gabriele

Dettenwanger, Franz, Dr. rer. nat., Dipl.-Phys.

Ebeling, Katja, RA

Erdmann, Bärbel

Fallnacker, Christina

Fließ, Anja, Dr. rer. nat., Dipl.-Chem.

Grabner, Susanne

Grages, Daniela

Grewe, Oliver, Dr. rer. nat., Dipl.-Biol.


Häberli, Frank

Hammerich, Frank

Hanne, Detlef, Ph. D., Dipl.-Geol.

Hartmann, Henrike, Dr. rer. nat.

Hawner, Katja

Hinz-Räschke, Carola

Hof, Hagen, Prof., Dr. jur.

Hoppe, Nicole, Dipl.-Kulturw.

Jädick-Jäckel, Margot

Jezusek, Andreas

Jung, Christan, Dr. phil., Dipl.-Biol., Dipl.-Journ.

Jutrzonka, Blanka, von

Kaiser, Carmen

Kandert, Thomas, Dipl.-Medienw. (FH)

Karguth, Stefanie

Kiewning, Katharina, Dipl.-Bibl.

Klinge, Susanne

Köpp, Martina

Kramer, Stephan

Kremers, Anorthe, Dipl.-Kult.Man.

Krüger, Kerstin

Krull, Wilhelm, Dr. phil.

Kruse, Claudia

Künnecke, Simone

Laas, Sybille

Lehmann, Dieter, Dipl.-Oec.

Levermann, Wolfgang, Dr. phil.

Lorenz, Bernd

Lumpp, Dieter

Maaß, Michael, Dipl.-Wirtschaftsinform.

Moor, Nataliya, B.A.

Müller, Hendrik, Dipl.-Kfm. (FH)

Nesper, Monika

Nöllenburg, Matthias, Dr. sc. agr., Dipl.-Biol.

Otto, Henning, Dipl.-Kfm.

Panitzki, Dirk, Dipl.-Ing. (FH)

Peiß, Marion

Pitz, Hans-Joachim

Pörschke, Martina, Dr. rer. pol., Dipl.-Volksw.

Rehländer, Jens

Reinhold, Beate, M. A.

Richter, Nicole

Riegler, Barbara, Dipl.-Biol.

Robrecht, Antje, Dr. phil.

Rosengart-Kamburis, Birgit

Saß, Uta, Dr. rer. pol., Dipl.-Soz.Ök

Schäfer, Marianne

Schepers, Bernhard, Dipl.-Betriebsw.

Schmiedeskamp, Christine

Scholz, Udo

Schrödter, Katrin, M. A.

Seeliger, Bettina

Spitau, Vanessa

Stanitzke, Anja, Ass. jur.

Steinbach, Almut, Dr. phil.

Steinert, Ute

Strahl, Kurt

Strube, Nicole, Dipl.-Betriebsw. (FH)

Szöllösi-Brenig, Vera, Dr. phil.

Tegeder, Gudrun, Dr. rer. nat.

Thorns-Gratzke, Cordula

Ulbrich, Katharina, Dipl.-Soziol.

Vogler, Sylvia

Weber, Susanne

Willms-Hoff, Indra, Dr. rer. nat., Dipl.-Biochem.

Wundenberg, Jennifer

Zeuch, Anette

Ziegenbalg, Cora, Dr. rer. soc.

Betriebsrat

Scholz, U. (Vors.)

Nöllenburg, Dr. M. (stellv. Vors)

Grages, D.

Jädick-Jäckel, M.

Krüger, K.

Jahresbericht 2010 Kuratorium und Geschäftsstelle 121


124

126

Vertrag

Stiftungsurkunde und Satzung


Rechtsgrundlagen


124

Rechtsgrundlagen

Vertrag

Vertrag über die Regelung der Rechtsverhältnisse bei

der Volkswagenwerk Gesellschaft mit beschränkter

Haftung und über die Errichtung einer „Stiftung

Volkswagenwerk” vom 11./12.11.1959 (BGBl. 1960,

Teil I, S. 301, Anlage S. 302)

Der Bund und das Land Niedersachsen sind über -

eingekommen, die zwischen ihnen in bezug auf

die Eigentumsverhältnisse an der Volkswagen -

werk GmbH in Wolfsburg bestehenden Meinungs -

ver schiedenheiten vergleichsweise zu bereinigen.

Zu diesem Zweck schließen der Bund, vertreten

durch den Bundesminister für wirtschaftlichen

Besitz des Bundes, und das Land Niedersachsen,

vertreten durch den Niedersächsischen Minister -

präsi den ten, dieser wiederum vertreten durch

den Niedersäch sischen Minister der Finanzen,

folgenden Vertrag:

§ 1 Die Volkswagenwerk GmbH wird in eine Aktien -

gesellschaft umgewandelt.

§ 2 Der Bund und das Land Niedersachsen erhalten

je 20% des Grundkapitals der Volkswagenwerk

Aktiengesellschaft und je zur Hälfte die bis zur

Umwandlung von der Volkswagenwerk GmbH

ausgeschütteten Gewinne einschließlich der

aufgelaufenen Zinsen.

Die restlichen 60% des Grundkapitals werden in

Form von Kleinaktien in noch im Benehmen mit

dem Lande Niedersachsen festzulegenden Raten

veräußert werden. Bis zur Veräußerung werden

die Aktien vom Bund im Benehmen mit dem

Land Niedersachsen verwaltet.

§ 3 Der Bund und das Land Niedersachsen werden

gemeinsam eine „Stiftung Volkswagenwerk“ mit

dem Sitz in Niedersachsen errichten, deren Zweck

es ist, Wissenschaft und Technik in Forschung

und Lehre zu fördern.

Der Stiftung sollen folgende Vermögenswerte

übertragen werden:

a) die jährlichen Gewinne auf die den Vertragspartnern

verbleibenden Aktien,

b) der Erlös aus den zu veräußernden Kleinaktien

mit der Maßgabe, daß die Stiftung verpflichtet

wird, diesen Betrag zu einem angemessenen

Zinssatz als Darlehen für die Dauer von zwanzig

Jahren dem Bund zur Verfügung zu stellen,

c) diejenigen Gewinne, die auf die vom Bund ge -

mäß § 2 Abs. 2 zu verwaltenden Aktien entfallen.

§ 4 Die Satzung der Stiftung soll Bestimmungen darüber

enthalten, nach welchen Grundsätzen die

Stiftungsorgane zu besetzen und die der Stiftung

zufließenden Erträge zu verwenden sind.

Hierbei ist sicherzustellen, daß

a) der Vorsitz im Kuratorium der Stiftung einem

Vertreter des Landes Niedersachsen übertragen

wird,


) dem Land Niedersachsen zufließen

aa) die Erträge aus dem Niedersächsischen

Aktienbesitz,

bb) als Sitzland neben dem allgemeinen schlüs -

selmäßig zu ermittelnden Länderanteil ein Vorab

von 10% aus den restlichen Stiftungserträgen.

Diese Mittel sind vom Land Niedersachsen im

Sinne des § 3 dieses Vertrages zu verwenden.

§ 5 Die Höhe des Grundkapitals der Volkswagenwerk

Aktiengesellschaft wird vom Bund im Benehmen

mit dem Land Niedersachsen festgesetzt werden.

In der Satzung der Volkswagenwerk Aktiengesell -

schaft ist vorzusehen, daß je zwei Mitglieder vom

Bund und dem Land Niedersachsen in den Auf -

sichtsrat entsandt werden und daß Beschlüsse,

für die nach dem Aktiengesetz eine qualifizierte

Mehrheit erforderlich ist, einer Mehrheit von

mehr als 80% des bei der Beschlußfassung vertretenen

Grundkapitals bedürfen.

Einen Vorschlag des Bundes, einen seiner Ver -

tre ter im Aufsichtsrat zum Vorsitzer zu wählen,

werden die Vertreter des Landes Niedersachsen

unterstützen.

§ 6 Der Bund und das Land Niedersachsen verpflichten

sich, alle Maßnahmen zu treffen, die notwendig

und geeignet sind, das mit diesem Vertrag

angestrebte Ziel zu erreichen.

§ 7 Der Vertrag tritt nach Billigung durch die gesetzgebenden

Körperschaften des Bundes und des

Landes Niedersachsen in Kraft.

Hannover, den 11. November 1959

Für den Niedersächsischen Ministerpräsidenten

Der Niedersächsische Minister der Finanzen

(gez.) Ahrens

Bad Godesberg, den 12. November 1959

Der Bundesminister für wirtschaftlichen

Besitz des Bundes

(gez.) Dr. Lindrath

Jahresbericht 2010 Rechtsgrundlagen 125


126

Stiftungsurkunde und Satzung

Gemäß §§ 3 und 4 des Vertrages über die Rege -

lung der Rechtsverhältnisse bei der Volkswa gen -

werk Gesellschaft mit beschränkter Haftung und

über die Errichtung einer Stiftung Volkswa gen -

werk vom 11./12.11.1959 (BGBl. 1960 Teil I S. 301/302)

er richten die Bundesrepublik Deutsch land, vertreten

durch den Bundesminister für wirtschaft -

lichen Besitz des Bundes, und das Land Nieder -

sachsen, vertreten durch den Nie dersächsischen

Ministerpräsi denten, dieser wiederum vertreten

durch den Nie dersäch si schen Minister der Finan -

zen, ge mein sam eine Stiftung des bürgerlichen

Rechts mit der Bezeichnung

„Stiftung Volkswagenwerk“

1. Die Stiftung hat ihren Sitz in Hannover.

2. Zweck der Stiftung ist es, Wissenschaft und Tech -

nik in Forschung und Lehre zu fördern.

3. Der Stiftung werden folgende Vermögenswerte

übertragen:

a) Ein Anspruch gegen die Bundesrepublik Deutsch -

land auf Übertragung des Erlöses aus der Ver -

äußerung von 60% des Grundkapitals der Volks -

wagenwerk Aktiengesellschaft.

b) Ein Anspruch gegen die Bundesrepublik

Deutschland und das Land Niedersachsen auf

den Gegenwert der jährlichen Gewinne aus den

der Bundesrepublik Deutschland und dem Land

Niedersachsen gehörenden Aktien der Volkswa -

genwerk Aktiengesellschaft in Höhe von je 120

Millionen DM.

Bei der Veräußerung ihres diesbezüglichen Ak tien -

besitzes sind die Bundesrepublik Deutsch land

und das Land Niedersachsen berechtigt, ihre

Ver pflichtung zur Abführung der jährlichen

Divi den de durch die Abführung des Erlöses aus

der Veräu ßerung an die Stiftung abzulösen.

c) Ein Anspruch gegen die Bundesrepublik Deutsch -

land auf den Gegenwert der Gewinne, die der

Bundesrepublik Deutschland nach der Umwand -

lung der Volkswagenwerk GmbH in eine Aktien -

gesellschaft aus den gemäß a zu veräußernden

Aktien zufließen.

4. Die Stiftung ist verpflichtet, an das Land Nieder -

sachsen zur Verwendung im Sinne des Stiftungs -

zwecks aus ihren jährlichen Erträgen vorab zu

vergeben:

a) Die Erträge aus dem Niedersächsischen Aktien -

besitz oder im Falle seiner Veräußerung und der

Abführung des Erlöses an die Stiftung die Erträge

aus dem gemäß Ziffer 3b abgeführten Kapital,

b) 10% der restlichen Stiftungserträge.

5. Den Vorsitz im Kuratorium der Stiftung führt ein

Vertreter des Landes Niedersachsen.

6. Im Falle der Beendigung der Stiftung fällt ihr

Vermögen zu gleichen Teilen der Bundes repu blik

Deutschland und dem Land Niedersachsen zu, die

das Vermögen entsprechend dem Stif tungszweck

verwenden sollen.

7. Die Stiftung erhält nachstehende

Satzung:

(Text der Satzung vom 19. Mai 1961 in der ab 2009

geltenden Fassung – Niedersächsisches Minis terial -

blatt 1989, S. 488f.; 1992, S. 1315 und 1995, S. 866

sowie 2009, S. 1064f.)

§ 1 Name, Sitz

Die Stiftung führt den Namen „VolkswagenStiftung“.

Sie ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen

Rechts und hat ihren Sitz in Hannover.


§ 2 Stiftungszweck

Zweck der Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft

und Technik in Forschung und Lehre.

§ 3 Gemeinnützigkeit

Die Stiftung verfolgt unmittelbar und ausschließlich

gemeinnützige Zwecke im Sinne des Ab -

schnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung.

Sie ist selbstlos tätig und verfolgt nicht

in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Mittel

der Stiftung dürfen nur für die satzungsmäßigen

Zwecke verwendet werden. Es darf keine Person

durch Ausgaben, die dem Zweck der Stiftung

fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe

Vergütungen begünstigt werden.

§ 4 Stiftungsvermögen

1 Das Vermögen der Stiftung besteht im Zeitpunkt

ihrer Errichtung aus:

a) dem Anspruch gegen die Bundesrepublik

Deutschland auf Übertragung des Erlöses aus

der Veräußerung von 60 % des Grundkapitals

der Volkswagen Aktiengesellschaft,

b) dem Anspruch auf den Gegenwert der jährlichen

Gewinne aus den der Bundesrepublik Deutsch -

land und dem Land Niedersachsen zustehenden

je 20 % des im Zeitpunkt der Errichtung der Stif -

tung vorhandenen Grundkapitals der Volkswa -

gen Aktiengesellschaft. Bei der Veräußerung ihres

diesbezüglichen Aktienbesitzes sind die Bundes -

republik Deutschland und das Land Niedersach -

sen berechtigt, ihre Verpflichtung zur Abführung

der jährlichen Dividende durch Abführung des

Erlöses aus der Veräußerung an die Stiftung

abzulösen,

c) dem Anspruch gegen die Bundesrepublik

Deutschland auf den Gegenwert der Gewinne,

die der Bundesrepublik Deutschland nach der

Umwandlung der Volkswagenwerk GmbH in

eine Aktiengesellschaft aus den gemäß a zu veräußernden

Aktien zufließen.

2 Die nach Absatz 1a und Absatz 1b Satz 2 anfallenden

Vermögenswerte sind gewinnbringend anzulegen.

Den unter Absatz 1a genannten Betrag hat

die Stiftung der Bundesrepublik Deutschland für

die Dauer von zwanzig Jahren als Darlehen zur

Verfügung zu stellen. Das Darlehen ist für die

ersten drei Jahre der Laufzeit mit 5 v. H. zu verzinsen.

Nach jeweils drei Jahren ist der Zinssatz auf

den Satz festzusetzen, den der Bund im voraus -

gegangenen Jahr für an der Börse gehandelte

Anleihen mit einer Laufzeit von mindestens fünf

Jahren gezahlt hat. Ist ein marktüblicher Zins in

dieser Weise nicht festzulegen, soll der Präsident

der Deutschen Bundesbank ihn verbindlich

bestimmen.

3 Freie Rücklagen dürfen im Rahmen der steuer -

lichen Vorschriften gebildet werden. Sie gehören

zum Stiftungsvermögen im Sinne von § 6 Abs. 1

Satz 1 des Niedersächsischen Stiftungsgesetzes.

Das Gleiche gilt für Zustiftungen.

4 Zur Erreichung des Stiftungszwecks verwendet

die Stiftung die Erträge aus der Anlage ihres Ver -

mögens einschließlich der in Absatz 1b Satz 1 und

Absatz 1c genannten Gewinne sowie sonstige

Zuwendungen. Die Verwaltungskosten der Stif -

tung sind aus diesen Mitteln vorab zu decken.

Jahresbericht 2010 Rechtsgrundlagen 127


128

§ 5 Kuratorium

1 Vorstand der Stiftung ist das Kuratorium.

2 Das Kuratorium besteht aus 14 Mitgliedern.

Je sieben Mitglieder werden von der Bundesre -

gierung und dem Niedersächsischen Landes -

ministerium berufen. Anstelle eines ausgeschiedenen

Mitglieds ist für den Rest der Amtszeit

ein neues Mitglied zu berufen.

3 Die Amtszeit der Mitglieder des Kuratoriums

beträgt fünf Jahre; sie kann bei Mitgliedern des

ersten Kuratoriums auf siebeneinhalb Jahre verlängert

werden. Anschließende Wiederberufung

ist nur einmal zulässig. Die Mitglieder des Kura -

toriums erhalten eine pauschalierte Vergütung,

die ihre Aufwendungen für die Stiftung deckt.

4 Aus dem Kreis der Mitglieder des Kuratoriums

beruft das Niedersächsische Landesministerium

den Vorsitzenden und die Bundesregierung einen

stellvertretenden Vorsitzenden. Das Kuratorium

wählt aus seiner Mitte einen weiteren stellver -

tretenden Vorsitzenden.

5 Das Kuratorium fasst seine Beschlüsse mit einer

Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen

Stimmen. Satzungsänderungen bedürfen einer

Mehrheit von zwei Dritteln der satzungsmäßigen

Mitgliederzahl. Das Kuratorium ist beschlussfähig,

wenn acht seiner Mitglieder, darunter der Vor -

sitzende oder einer seiner Stellvertreter, anwesend

sind.

6 Der Vorsitzende beruft die Sitzungen des Kurato -

riums ein. Über die Sitzung ist eine Niederschrift

zu fertigen, die vom Vorsitzenden und dem Pro -

tokollführer zu unterzeichnen ist.

7 Das Kuratorium gibt sich eine Geschäftsordnung.

§ 6 Vertretung der Stiftung

Die Stiftung wird gerichtlich und außergerichtlich

durch das Kuratorium, dieses durch den

Vorsitzenden des Kuratoriums gemeinsam mit

einem seiner Stellvertreter oder gemeinsam

durch die beiden Stellvertreter des Vorsitzenden

vertreten. Das Kuratorium soll durch die beiden

Stellvertreter des Vorsitzenden nur vertreten

werden, wenn der Vorsitzende verhindert ist.

§ 7 Aufgaben des Kuratoriums

a) Das Kuratorium verwaltet die Stiftung. Ihm obliegen

insbesondere

b) Beschlussfassung über die Vergabe der

Förderungsmittel,

c) Aufstellung eines jährlichen Wirtschaftsplans,

d) Aufstellung der Jahresrechnung,

e) Aufstellung und Veröffentlichung des Jahres -

berichts über die Tätigkeit der Stiftung.

§ 8 Vergabe der Förderungsmittel

1 Die Förderungsmittel sind als zweckgebundene

Zuwendung an wissenschaftliche Einrichtungen

zu vergeben. Dabei ist sicherzustellen, dass sie als

zusätzliche Förderungsmittel verwandt werden;

darunter fallen auch zusätzliche laufende Perso -

nal- und Sachkosten, jedoch nur in Ausnahme -

fällen über die Dauer von fünf Jahren hinaus. Im

Rahmen ihrer Fördertätigkeit kann die Stiftung

auch eigene Veranstaltungen und Projekte durchführen.


2 Der vom Lande Niedersachsen an die Stiftung

gezahlte Gegenwert der jährlichen Dividende

von 20 % des Aktienkapitals der Volkswagen

Aktiengesellschaft sowie 10 % der übrigen zur

Verfügung stehenden Mittel, die sich als Erträge

aus der Anlage der nach § 4 Absatz 1 a und Absatz

1 b Satz 2 anfallenden Vermögenswerte bzw. als

Gewinne gemäß § 4 Absatz 1 b Satz 1 und Absatz

1 c ergeben, sind entsprechend den Vorschlägen

des Niedersächsischen Landesministeriums und

nach Abzug der anteiligen Verwaltungskosten

zur Förderung von Vorhaben der im Rahmen des

Absatzes 1 genannten Zwecke an das Land Nie -

dersachsen vorweg zu vergeben.

§ 9 Verwendungsnachweis

Bei der Vergabe von Förderungsmitteln hat das

Kuratorium Bestimmungen hinsichtlich des

Nachweises über die Verwendung dieser Mittel

durch den Empfänger und über die Nachprüfung

des Verwendungsnachweises zu treffen. Dabei ist

auszubedingen, dass die Stiftung befugt ist, die

bestimmungsgemäße Verwendung der Mittel

auch bei dem Empfänger zu prüfen oder prüfen

zu lassen.

§ 10 Jahresrechnung, Prüfung

1 Das Haushaltsjahr der Stiftung ist das Kalender -

jahr. Innerhalb der ersten 5 Monate eines jeden

Jahres hat das Kuratorium eine Jahresrechnung

für das abgelaufene Kalenderjahr aufzustellen.

Die Rechnung einschließlich der Verwendungs -

nachweise ist jährlich durch einen Wirtschafts -

prüfer oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

zu prüfen, die vom Kuratorium zu bestellen und

für deren Prüfung im Einvernehmen mit den

nachstehenden Rechnungshöfen Richtlinien

festzusetzen sind.

2 Die Stiftung unterliegt der Prüfung durch den

Niedersächsischen Landesrechnungshof und den

Bundesrechnungshof.

§ 11 Satzungsänderungen

Änderungen dieser Satzung bedürfen der Zustimmung

der Stifter.

§ 12 Beendigung, Heimfall

Bei Auflösung oder Aufhebung der Stiftung oder

bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt das

Vermögen der Stiftung zu gleichen Teilen an die

Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen,

die es unmittelbar und ausschließlich

für gemeinnützige Zwecke entsprechend dem

Stiftungszweck zu verwenden haben.

Schloß Arensburg, den 19. Mai 1961

Für den Niedersächsischen Ministerpräsidenten

Der Niedersächsische Minister der Finanzen

(gez.) Ahrens

Der Bundesminister für wirtschaftlichen Besitz

des Bundes

(gez.) Wilhelmi

Der Text der Satzung ist auch im Internet zu finden unter

www.volkswagenstiftung.de.

Jahresbericht 2010 Rechtsgrundlagen 129


Impressum

Herausgeber

© VolkswagenStiftung,

Hannover, Juni 2011

Redaktion (verantwortlich)

Dr. Christian Jung

Korrektorat

Cornelia Groterjahn, Hannover

Gesamtherstellung

Sponholtz Druckerei GmbH,

Hemmingen

Copyright VolkswagenStiftung 2011

Bildnachweis

Allen Bildgebern, Instituten und Fotografen danken

wir für die Unterstützung.

Die Fotos und Abbildungen wurden – soweit unten

nicht anders angegeben – dankenswerterweise von

den jeweiligen Instituten beziehungsweise Hoch -

schul-Pressestellen zur Verfügung gestellt, die Fotos

der Kuratoren von diesen selbst.

Seite 4: Dennis Börsch, Hannover

Seite 7: Martin Steiner, Hannover

Seite 11: Stefan Schmid, Frankfurt am Main

Seite 12, 13: Bettina Kölle, Heidelberg

Seite 17, 39: Martin Trauth, Potsdam

Seite 18, 74, 75, 91: Frank Wilde, Hannover

Seite 23: alle privat

Seite 25, 27: Jens Steingässer, Darmstadt

Seite 29: David Außerhofer, Berlin

Seite 31: TIETZ/Museum für Naturkunde Chemnitz

Seite 33: Museum für Kommunikation Berlin

Seite 37: privat

Seite 41: Zoologisches Institut und Museum

der Universität Greifswald

Seite 49: Friedrich Schmidt, München

Seite 51: Claudia Schiffner, Bremen

Seite 53: Brad Plummer, SLAC

Seite 55: Christoph Edelhoff, Kiel

Seite 57: Wolfgang Filser, Augsburg

Seite 59: Alexander Bader

Seite 61: Universität Olmütz, Martin Farka

Seite 65: Jürgen Schmidt-Lohmann/

Our Common Future

Seite 69: Klaus Siebahn, Güstrow

Seite 73: ANWI Institut, Hochschule Emden/Leer


Ihre Ansprechpartner in der Förderung

Förderung

Mitglied der Geschäftsleitung Dr. Indra Willms-Hoff /-285

Assistenz: Sylvia Vogler /-286

Personen und Strukturen

Teamleitung Dr. Henrike Hartmann / -376

Assistenz: Meike Brauer / -375

Sachbearbeitung: Monika Nesper / -224

Förderinitiativen

• Lichtenberg-Professuren Dr. Anja Fließ / -374

Assistenz: Regina Buch / -388

• Schumpeter-Fellowships Prof. Dr. Hagen Hof / -256

Assistenz: Simone Künnecke / -255

• Pro Geisteswissenschaften Dr. Gudrun Tegeder / -289

Assistenz: Marion Brunk / -226

• Hochschule der Zukunft Dr. Gudrun Tegeder / -289

Assistenz: Marion Brunk / -226

• Forschung in Museen Katharina Ulbrich / -276

Assistenz: Kristina Baae-Lorenz / -341

• Symposien und Sommerschulen Dr. Henrike Hartmann / -376

Assistenz: Meike Brauer / -375

Internationales

Stand: Juli 2011

Telefon 05 11/83 81-0

Teamleitung Dr. Almut Steinbach / -370

Assistenz: Stefanie Karguth / -385

Sachbearbeitung: Susanne Klinge / -384

Förderinitiativen

• Fellowships an amerikanischen Universitäten für Postdoktorandinnen Dr. Almut Steinbach / -370

und Postdoktoranden aus den Geisteswissenschaften Assistenz: Stefanie Karguth / -385

• Wissen für morgen – Kooperative Dr. Detlef Hanne / -389

Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika Assistenz: Nataliya Moor / -202

Dr. Cora Ziegenbalg / -237

Assistenz: Katja Hawner / -208

• Zwischen Europa und Orient – Dr. Matthias Nöllenburg / -290

Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft Assistenz: Daniela Basse / -291

Dr. Wolfgang Levermann / -212

Assistenz: Katrin Schrödter / -243

• Europe and Global Challenges Dr. Wolfgang Levermann / -212

Assistenz: Katrin Schrödter / -243

• Dokumentation bedrohter Sprachen Dr. Vera Szöllösi-Brenig / -218

Assistenz: Kerstin Krüger / -232


Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft

Teamleitung Dr. Franz Dettenwanger / -217

Assistenz: Petra Akrami / -372

Sachbearbeitung: Silke Aumann / -254

Förderinitiativen

• Integration molekularer Komponenten in funktionale Dr. Franz Dettenwanger / -217

makroskopische Systeme Assistenz: Petra Akrami / -372

• Neue konzeptionelle Ansätze zur Modellierung Dr. Ulrike Bischler / -350

und Simulation komplexer Systeme Assistenz: Jennifer Wundenberg / -248

• Forschung mit Freie-Elektronen-Lasern: Dr. Ulrike Bischler / -350

Peter Paul Ewald-Fellowships am LCLS in Stanford Assistenz: Jennifer Wundenberg / -248

• Evolutionsbiologie Dr. Oliver Grewe / -252

Assistenz: Christine Schmiedeskamp / -236

• Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft Dr. Vera Szöllösi-Brenig / -218

Assistenz: Kerstin Krüger / -232

• European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, Dr. Thomas Brunotte / -297

and the Humanities Assistenz: Silvia Birck / -246

• Deutsch plus – Wissenschaft ist mehrsprachig Dr. Thomas Brunotte / -297

Assistenz: Silvia Birck / -246

Weitere Förderinitiativen

• Wissenschaft – Öffentlichkeit – Gesellschaft Dr. Thomas Brunotte / -297

Assistenz: Silvia Birck / -246

• Offen – für Außergewöhnliches Zuständigkeit je nach Fachgebiet

• Niedersächsisches Vorab Prof. Dr. Hagen Hof / -256

Assistenz: Simone Künnecke / -255

Ihre Ansprechpartner nach Fachgebieten

Agrar- und Forstwissenschaften Dr. Matthias Nöllenburg

Alte und außereuropäische Sprachen und Kulturen Katharina Ulbrich

Architektur Dr. Gudrun Tegeder

Biologie Dr. Matthias Nöllenburg

Biomedizin Dr. Oliver Grewe

Chemie, Biochemie Dr. Anja Fließ

Geowissenschaften Dr. Detlef Hanne

Geschichte Dr. Wolfgang Levermann

Humangeografie, Landesplanung und Städtebau Dr. Gudrun Tegeder

Ingenieurwissenschaften Dr. Franz Dettenwanger

Kunst- und Musikwissenschaften Dr. Vera Szöllösi-Brenig

Mathematik Dr. Franz Dettenwanger

Neurowissenschaften Dr. Henrike Hartmann

Pädagogik Prof. Dr. Hagen Hof

Philosophie, Theologie Dr. Thomas Brunotte

Physik Dr. Ulrike Bischler

Politikwissenschaften Dr. Cora Ziegenbalg

Psychologie Dr. Thomas Brunotte

Rechtswissenschaften Prof. Dr. Hagen Hof

Regionalstudien Katharina Ulbrich

Soziologie Dr. Gudrun Tegeder

Sprach- und Literaturwissenschaften Dr. Vera Szöllösi-Brenig

Umweltwissenschaften Prof. Dr. Hagen Hof,

Dr. Detlef Hanne

Veterinärmedizin Dr. Matthias Nöllenburg

Wirtschaftswissenschaften Dr. Almut Steinbach

Stand: Juli 2011


Ihre Ansprechpartner

Generalsekretär

Büro des Generalsekretärs

• Referentin des Generalsekretärs,

Kuratoriumsangelegenheiten, Zusammenarbeit

mit Wissenschaftsorganisationen und Hochschulen

• Rechtsangelegenheiten,

Zusammenarbeit mit Stiftungen und Verbänden

Evaluation, Interne Revision, Verwendungsprüfung

Veranstaltungen

Kommunikation

Standardpublikationen

Förderung

Mitglied der Geschäftsleitung Dr. Indra Willms-Hoff /-285

Assistenz: Sylvia Vogler /-286

Alle Ansprechpartner in der Förderung finden Sie auf den beiden inneren Umschlagseiten.

Vermögensanlage

Mitglied der Geschäftsleitung Dieter Lehmann /-351

Assistenz: Marion Peiß /-352

Verantwortungsbereich

• Aktien Carolin Bensch /-354

• Verzinsliche Wertpapiere, Cashmanagement Dr. Andreas Bodemer /-239

• Immobilien Dr. Martina Pörschke /-365

Finanzen und Verwaltung

Mitglied der Geschäftsleitung Henning Otto /-219

Assistenz: Sybille Laas /-229

Verantwortungsbereich

• Finanz- und Rechnungswesen, Controlling Manuela Braß /-269

Assistenz: Gabriele Darge /-268

• Personalwesen und Zentrale Dienste Christina Fallnacker /-220

Assistenz: Claudia Kruse /-371

• Elektronische Datenverarbeitung Michael Maaß /-366

Stand: Juli 2011

Telefon 05 11/83 81-0

Dr. Wilhelm Krull /-215

Assistenz: Annemarie Batschko-Rühmann /-225

Claudia Behrens /-225

Antje Robrecht /-211

Assistenz: Susanne Grabner /-221

Anja Stanitzke /-240

Assistenz: Susanne Grabner /-221

Dr. Uta Saß /-331

Assistenz: Margot Jädick-Jäckel /-206

Katja Ebeling /-284

Anorthe Kremers /-260

Anna Böhning /-279

Assistenz: Bettina Seeliger /-200

Vanessa Spitau /-292

Jens Rehländer /-380

Assistenz: Birgit Rosengart-Kamburis /-381

Dr. Christian Jung /-210


Wir stiften Wissen

VolkswagenStiftung

Kastanienallee 35

30519 Hannover

Telefon 05 11/83 81-0

Telefax 05 11/83 81-344

mail@volkswagenstiftung.de

www.volkswagenstiftung.de

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