VFW aktuell - Bundesverband für Wohnungslüftung eV

wohnungslueftungev

VFW aktuell - Bundesverband für Wohnungslüftung eV

Editorial

Liebe Leserin,

lieber Leser,

auch im ersten Halbjahr

2011 spüren wir das stetig

wachsende Interesse

am Thema Wohnungslüftung

durch die Handwerker,

die Verbände und jetzt

auch die Verbraucherorganisationen.

Das in

der Lüftungsnorm 1946-6

eingeführte Lüftungskonzept

bringt mehr als ein

frisches Lüftchen in den

Markt.

Man kann schon von einer

steifen Brise sprechen. Im

vergangenen Jahr hat der

Bundesverband für Wohnungslüftung

in über 30

Veranstaltungen, Vorträgen

und Seminaren dieses

Thema präsentiert.

In diesem Jahr setzt sich

der Trend fort. Um noch

weiter in die Breite zu

gehen, hat der Verband

jetzt ein App für Smart-

Phones und browserfähige

Handys entwickelt.

Mit dem auf der Basis

unseres Planungstools

Lüftungskonzept entwickelten

App kann ab September

jedermann direkt

vor Ort ermitteln, ob lüftungstechnischeMaßnahmen

bei einem Neubau

oder einer Renovierung

einzuplanen sind. Diese

Frage wird immer selbstverständlicher.

Fortsetzung Seite 2

Juli 2011

VFW aktuell

Bundesverband für Wohnungslüftung e.V.

DIN 18599-6 wird erweitert

Autor: Dr. Thomas Hartmann, Dresden

Wer die Lüftung für ein Wohngebäude plant, muss eine Vielzahl von

Normen beachten, die sich zudem ständig im Fluss befi nden. Zurzeit

geht die Überarbeitung der DIN 18599-6 in die heiße Phase. Der VFW-

Normenexperte und Geschäftsführer des Instituts für technische

Gebäudeausrüstung Dresden Dr. Thomas Hartmann hat für VFW

aktuell die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

Allgemeines

Noch in diesem Jahr soll die Normenreihe

DIN V 18599-6 (Endenergiebedarf

von Lüftungsanlagen,

Luftheizungsanlagen und

Kühlsystemen für den

Wohnungsbau) in einer neuen

überarbeiteten Fassung erscheinen.

Teil 6 der Normenreihe liefert

die Algorithmen und Kennwerte

für die Berechnung des

Endenergiebedarfs von Lüftungsanlagen,Luftheizungsanlagen

und Kühlsystemen für

den Wohnungsbau. Neben der

redaktionellen Fortschreibung

einschließlich Fehlerbeseitigung

(Teil 100: u.a. Hilfsenergiebedarf

Ventilatoren, Wärmeabgabe von

Bild 1: Schematische Darstellung

von dezentralen Zuluftsystemen

Zu-/Abluftsystemen mit Wärmeübertrager

und Wärmepumpe;

Fassung 2011:

u.a. Leitungslängen Luftleitungen,

monatsmittlere Anlagenluftwechsel)

enthält die aktuelle

Fassung einige wesentliche

Erweiterungen.

Zuluftanlagen

Die Auslegung von Zuluftsystemen

ist in Deutschland erstmals

mit der DIN 1946-6_2009

reglementiert, so dass auch die

Beschreibung der energetischen

Bilanzierung im Rahmen der

DIN V 18599 erforderlich wird.

Die im Teil 6 aufgenommenen

Algorithmen folgen dem üblichen

Procedere und defi nieren

den Endenergiebedarf Wärme

und Hilfsenergie in den Teilbereichen

Übergabe -Verteilung

-Speicherung - Erzeugung. Energetische

Einsparpotenziale können

bei Zuluftsystemen durch

Nutzung regenerativer Energie

(Erdreich-Zuluft-Wärmeübertrager

oder Solarluftkollektoren bei

zentralen Systemen) und durch

Reduzierung des Anlagenluftwechsels

(Bedarfsführung bei

zentralen und dezentralen Systemen)

erschlossen werden und

werden in Teil 6 bilanziert.

Bild 2: Schematische Darstellung

von zentralen Zuluftsystemen

Fortsetzung Seite 2

VFW aktuell

Juli 2011


Editorial Fortsetzung

Weiteren Rückenwind

erhalten wir durch die

tragischen Ereignisse im

japanischen Fukushima.

Durch sie ist die Thematik

rund um alternative Energiegewinnung

und intelligente

Möglichkeiten der

Energieeinsparung wieder

auf der Prioritätenliste der

Politik nach oben gerückt.

Wir dürfen also gespannt

sein.

Jetzt wünsche ich Ihnen

eine anregende Lektüre

und einen schönen Sommer.

Beste Grüße

Ihr Raimund Käser

VFW-Geschäftsführer

Inhaltsverzeichnis

Editorial 1-2

DIN 18599-6 wird erweitert 1-3

App „Lüftungskonzept”

fürs Handy 4

Im Bad beschlagen die

Spiegel nicht mehr 5-6

3. Forum Wohnungslüftung 7

VFW Mitgliederversammlung

tagte in Kassel 8

Kurz notiert 8-10

DIN 18599-6 wird erweitert

Autor: Dr. Thomas Hartmann, Dresden Fortsetzung

Nutzung regenerativer Energie

Im Zusammenhang mit ventilatorgestützten

Lüftungssystemen

kann regenerative Energie durch

Erdreich-Zuluft-Wärmeübertrager

(Bild 3) oder durch Solarluftkollektoren

(Bild 4) genutzt werden,

dabei wird die dem Gebäude

zugeführte Luft vorgewärmt

(Heizfall) bzw. angekühlt (Kühlfall,

nur Erdreich-Zuluft-Wärmeübertrager).

Die bisher vorhandenen Algorithmen

sind erweitert worden

(Erdreich-Zuluft-Wärmeübertrager)

bzw. es werden komplett

neue Algorithmen aufgenommen

(Solarluftkollektoren).

Grundsätzlich werden die regenerativen

Energiegewinne und

der (erhöhte) Hilfsenergiebedarf

monatlich ausgewiesen.

Davon unbenommen ist die

Abwärmenutzung durch Wärmerückgewinnung

mit Wärmeübertragern

und/oder Wärmepumpen,

die in Teil 6 ebenfalls detailliert

monatsweise bilanziert und separat

ausgewiesen wird.

Bild 3: Schematische Darstellung

Erdreich-Zuluft-Wärmeübertrager

Bild 4: Schematische Darstellung

Solarluftkollektor

Leistungsgeregelte Wärmepumpen

In ventilatorgestützten Lüftungssystemen kommen heute Abluft-Wärmepumpen

in unterschiedlichsten Konstellationen zum Einsatz.

Typisch sind z. B.

- Abluft-Zuluft-Wärmepumpen (Bild 5)

- Abluft-Wasser-Wärmepumpen zur Heizungsunterstützung (Bild 6)

- Abluft-Wasser-Wärmepumpen zur Trinkwassererwärmung (Bild 6)

bzw. Kombinationen daraus sowie auch mit Wärmeübertragern.

Während in den letzten Jahren der Einsatz von ungeregelten, einstufig betriebenen Wärmepumpen

überwog, werden zunehmend Lösungen mit leistungsgeregelten Wärmepumpen (oft als Inverterregelung

des Verdichters) angeboten. Diese Leistungsregelung der Wärmepumpen ist mit einer verbesserten

Energieeffizienz verbunden und wird in DIN V 18599-6 auch für Abluft-Zuluft-Wärmepumpen

und Abluft-Wasser-Wärmepumpen zur Heizungsunterstützung (eine Leistungsregelung

bei Wärmepumpen zur Trinkwassererwärmung ist energetisch nicht sinnvoll) in

Wohnungslüftungsanlagen bilanziert.

Impressum 10 Fortsetzung Seite 3

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Bild 5: Schematische Darstellung

Abluft-Zuluft-Wärmepumpe

Wohnungskühlung

Technische Lösungen zur sommerlichen

Wohnungskühlung

werden zunehmend angeboten

– oft in Verbindung mit klassischen

Heiz- oder Lüftungssystemen.

Typische Lösungen stellen

z. B. die Nutzung von Heizwärmepumpen

als Kältemaschine,

aber auch die passive Kühlung (u.

a. Erdsonden, Erdreich-Wärmeübertrager,

ventilatorgestützte

Nachtlüftung) dar.

Die neu in die DIN V 18599-6

aufgenommene Bilanzierung der

Wohnungskühlung fokussiert auf

diese Lösungen, bildet aber auch

klassische Kühlsysteme, wie

Kompressionskältemaschinen

und Split-/ Multisplitgeräte ab

(siehe Tabelle 1).

DIN 18599-6 wird erweitert

Autor: Dr. Thomas Hartmann, Dresden Fortsetzung

Ein wesentlicher Unterschied zur

Kühlung im Nichtwohngebäude

stellt die oft eingeschränkte Leistungsfähigkeit

der Wohnungskühlsysteme

(z.B. bei passiver

Kühlung) dar.

Um diese zu berücksichtigen,

werden ein Teilkühlfaktor tc,part

und ein Ankühlfaktor fc.limit

eingeführt. Ersterer beschreibt

den Fall, dass nicht die gesamte

Nutzfläche eines Gebäudes

gekühlt wird, der Ankühlfaktor

berücksichtigt, dass nicht alle

Wohnungskühlsysteme für eine

komplette Deckung des monatlichen

Nutzkältebedarfs ausgelegt

werden. Dies kann sowohl durch

eine Beschränkung bei der Kälteerzeugung

(z.B. Erdreich-Wärmeübertrager

oder ventilatorgestützte

Nachtlüftung)

Tabelle 1: Systeme der Wohnungskühlung in DIN V 18599-6

Bild 6: Schematische Darstellung

Abluft-Wasser-Wärmepumpe

oder auch bei der Kälteübergabe

bzw. -verteilung (z.B. Luftkühlsysteme

oder Fußbodenkühlung)

bedingt sein.

Um den Nutzkältebedarf von

Wohngebäuden in DIN V 18599-

2 bestimmen zu können, werden

in DIN V 18599-10 Nutzprofile

Sommer aufgenommen.

Die Bilanzierung der Wohnungskühlung

liefert Kennwerte für

Wärmeverluste und Hilfsenergiebedarf

in den Teilbereichen

Übergabe - Verteilung - Speicherung

- Erzeugung sowie für die

Erzeugerkälteabgabe, den Endenergiebedarf

und die regenerative

Energie bei der Kälteerzeugung.

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Lüftungstest sofort

App „Lüftungskonzept” fürs Handy

Für alle, die auf der Baustelle direkt prüfen wollen, ob bei einem Bauvorhaben

besondere lüftungstechnische Maßnahmen (LtM) notwendig sind, bietet der

VFW jetzt das App „Lüftungskonzept” fürs Handy an.

Der Nutzer gibt einfach die Adresse des Objektes ein, beantwortet einige vom

System vorgegebene lüftungsrelevante Fragen und bestimmt den Standort.

Aufgrund dieser Daten ermittelt das Programm sofort, ob die notwendige nutzerunabhängige

Lüftung zum Feuchteschutz entsprechend Abschnitt 4.2 der

DIN 1946-6 durch die vorhandene Infi ltration sichergestellt ist oder ob weitere

Lüftungstechnische Maßnahmen einzuplanen sind.

Die Ergebnisse dieser Prüfung können dann sowohl per

E-Mail als auch als PDF-Datei direkt ausgegeben werden.

Ab September 2011 bietet der VFW das App für einmalig

3,99 € im Onlineshop auf www.wohnungslueftung-ev.de an.

Um das sogenannte Browser-App nutzen zu können, ist ein internetfähiges

Mobiltelefon erforderlich. Das Programm funktioniert auf allen Betriebssystemen.

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Fallbeispiel pluggit GmbH

Im Bad beschlagen die Spiegel nicht mehr

„Ich hätte nie gedacht, wie wichtig frische Luft für

das Wohlbefinden sein kann“ , zeigt sich Oliver Gerlach*

überrascht. „Im Wohn- und Schlafbereich

riecht es so frisch, als hätten wir permanent die

Fenster geöffnet. In der Küche ist der Essensgeruch

nach dem Kochen schnell verschwunden - und

im Bad beschlagen die Spiegel nicht mehr, obwohl

wir das kleine Badfenster gar nicht mehr geöffnet

haben“, führt Gerlach begeistert weiter aus.

Pluggit Avent R 100-Küche

Pluggit Wartungsklappen

Filtertausch in der Küche

Zu verdanken hat das der Mieter einer 60 Quadratmeter

großen Wohnung in der Lauenauer Straße in Hannover

dem Umstand, dass die Wohnung, in der er mit

seiner Lebensgefährtin lebt, mit dem Lüftungssystem

refresh von Pluggit ausgestattet ist. 2007 hat die

Baugenossenschaft Oberricklingen die energetische

Modernisierung des Mehrfamilienhauses mit fünf

Wohnungen auf rund 300 Quadratmeter Wohnfläche

auf zwei Geschossen begonnen.

Im Zuge der Modernisierung wurden die gesamte

Elektrik ausgetauscht, Küche, Bad, Heiztherme und

Balkon erneuert sowie ein neuer Estrich verlegt.

Pluggit- Außenwandhaube

Auf Empfehlung eines Fachbetriebes entschieden sich die Verantwortlichen

außerdem für den Einbau einer refresh Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung

von Pluggit. Das System sorgt dafür, dass über ein Kanalsystem

kontrolliert frische Luft von außen der Wohnung zugeführt wird, während

die verbrauchte Luft über hiervon getrennte Luftkanäle herausgeleitet wird.

Dabei wird die Abwärme der verbrauchten Luft dazu genutzt, die frische Luft

zu erwärmen, um die Energieverluste möglichst gering zu halten.

*Name geändert

Projektdaten

- Mehrfamilienhaus

- Baujahr 1960

- Energetische Sanierung 2007:

Außenhülle, Dachdämmung, Fenstertausch

- Geschosse: 2

- Anzahl der Wohneinheiten: 5

- Fläche pro Wohneinheit: ca. 60 m 2

- Bauherr: Baugenossenschaft Oberricklingen

- Planung und Ausführung: Peter Hauke

- Regionales Förderprogramm proKlima

Technik

- Ein Lüftungsgerät refresh AR 100,

waagerechte Montage in der Küche

- Luftverteilsystem: ca. 30 m PK 150,

ca. 6 m PK 200

- Luftdurchlässe:

3 Zuluftluftdurchlässe in Wohn-, Schlaf- und

Arbeitszimmer, 2 Außenluftablässe in Küche

und Bad

Fortsetzung Seite 6

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Juli 2011

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Luft intelligent verteilen

Das Besondere der in der Lauenauer

Straße zum Einsatz kommenden

Lüftungsanlage ist die

Luftverteilung der Zuluft über

die iQoanda-Luftauslässe.

Die Zuluft strömt oben an der

Zimmerdecke entlang und verteilt

sich langsam im Raum.

Durch den sogenannten Qoanda-

Effekt entsteht kein störender

Luftzug. Zusätzlich ist die Luftrichtung

durch einen Regelungsmechanismus

an den Luftauslässen

steuerbar.

Pluggit- iQoanda-Luftauslass

im Schlafzimmer

Ringverteilung im Flur

Fallbeispiel pluggit GmbH

Im Bad beschlagen die Spiegel nicht mehr

Die Auslässe wurden hier im

Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer

installiert. Im Optimalfall

liegen die Auslässe direkt über

der Tür eines jeden Raumes

und gewährleisten so eine optimale

Frischluftzufuhr. Die verbrauchte

Luft gelangt durch die

in Küche und Bad angebrachten

Abluftsammler in den Verteilerring.

Von dort wird sie mittels

eines Ventilators im Lüftungsgerät

angezogen und nach außen

abtransportiert. Der Zu- und

Abluftvolumenstrom liegt hier

jeweils bei 80 Kubikmeter pro

Stunde (m 3 /h) ‘ die Verteilung

erfolgt gemäß DIN 1946-6.

Der refresh Ring verteilt die

Frischluft

Damit frische Luft von außen

angesaugt werden kann, musste

ein Durchbruch durch die

Außenwand erfolgen. Das an der

Außenwand angebrachte Kombi-

Außenwandgitter sorgt dafür,

dass frische Zuluft oben angesaugt

und verbrauchte Abluft

unten ausgelassen wird.

Die Zu- und Abluftkanäle werden

ringförmig im Flur entlang

der Decke befestigt. Der Ring

wird mit dem Lüftungsgerät

in der Küche und den Zu- und

Abluftauslässen verbunden. Die

Elemente des PluggFlex-Rings

sind äußerst flexibel und können

- je nach Bedarf und Beschaffenheit

der Wohnung - zusammen-

gesteckt werden.

Pluggit- Ablufteinlass im Bad

Ein Abhängen der Decke ist nicht

erforderlich. Außerdem wird

der Verteilerring mittels angeclippter

Abdeckung, der optisch

einer Stuckdecke ähnelt, fast

unsichtbar. Fazit: Das Lüftungssystem

passt sich harmonisch in

die Wohnung ein, der Wohnkomfort

steigt und niemand muss sich

mehr über beschlagene Badezimmerspiegel

ärgern.

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Lüftung ist und bleibt ein

wesentliches Thema in der Wohnungswirtschaft.

Darauf verständigten

sich die Teilnehmer des 3.

Forums Wohnungslüftung, das

am 26. Mai in Berlin stattfand.

Auf Einladung der HEA - Fachgemeinschaft

für effiziente Energieanwendung

e. V., der Solarpraxis

AG und des Bundesverbandes

für Wohnungslüftung

(VfW) diskutierten Experten aus

der Wohnungswirtschaft, Politiker,

Planer, Sachverständige,

Architekten und Hersteller praxisnah

Konzepte und Varianten

für mehr Energieeffizienz.

In dem umfangreichen Vortrags-

und Diskussionsforum beleuchteten

die Beteiligten die Wohnungslüftung

aus allen Gesichtspunkten.

Rechtliche Aspekte

fanden ebenso Berücksichtigung

wie Praxisbeispiele und Überlegungen

zur Information und Einbeziehung

der Hausbewohner.

Sanierungsfahrpläne bewerten

Gleich zu Beginn betonte André

Hempel vom Bundesministerium

für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung

(BMVBS): „Die

europäische Gebäudeeffizienzrichtlinie,

seit Juli 2010 in Kraft,

birgt enorme Herausforderungen

insbesondere für die Wohnungswirtschaft.

Ohne intelligente

Lüftungstechnik können

zukünftig Niedrigstenergiehäuser,

wie sie ab 2021 nur noch

errichtet werden dürfen, kaum

realisiert werden.”

3. Forum Wohnungslüftung

Potenziale für mehr Energieeffizienz,

Komfort und Gesundheit nutzen

Etwa 80 Fachleute aus Politik,

Wohnungswirtschaft, Industrie

sowie Architekten, Planer und

Sachverständige waren Hörer

beim 3. Forum Wohnungslüftung,

das die HEA –Fachgemeinschaft

für effiziente Energieanwendung

e. V. und die Solarpraxis AG im

Mai in Berlin durchführten.

Fotos: HEA / Christoph Große

Hempel forderte mehr Modellvorhaben,

die einen ganzheitlichen

Ansatz systemisch abbilden

sowie eine weitere Qualifizierung

der Energieberater, Planer

und ausführenden Handwerker.

Wichtig seien auch Untersuchungen

zu den Auswirkungen von

Sanierungsfahrplänen auf die

Wertentwicklung von Immobilien

und den Mietspiegel. Das

Energieeinsparrecht dürfe nur

soweit verschärft werden, wie es

wirtschaftlich bleibt, so Hempel.

Aus der Praxis für die Praxis

Große Aufmerksamkeit widmeten

die Teilnehmer fünf Praxisbeispielen.

Architekt Olaf Reiter

aus Dresden stellte das Passivhausprojekt

einer Bauherrengemeinschaft

und die Sanierung

eines denkmalgeschützten

Wohnhauses vor. In beiden

Fällen habe es sich als wichtig

erwiesen, alle Partner an einen

Tisch zu holen. Erst die qualifizierte

Ausführung durch die

Handwerker führte jedoch zu

den gerechneten Ergebnissen

der Lüftungskonzepte. Im Passivhaus

bestanden alle Eigentümer

auf wohnungszentrale Systeme

mit einem Strahlungsheizkörper

im Wohnzimmer und

einem Handtuchtrockner im

Bad. Die Anordnung von Küchen

und Bädern sowie Ausstattungsdetails

müssen vorab eindeutig

definiert werden. Reiter empfahl

einen Blower-door-Test in Anwesenheit

aller Handwerker – im

Bedarfsfall sogar zwei Mal.

Michaela Meyer von der Joseph-

Stiftung aus Bamberg erläuterte

anhand von drei Sanierungen

wichtige Erfahrungen. Auch sie

unterstrich die enge Zusammenarbeit

aller Beteiligten sowie die

Einbeziehung der Nutzer: „Menschen

funktionieren nicht nach

DIN, und Lüftungsanlagen bringen

nur die Wirkung, wenn Mieter

sie bewusst annehmen”. In

den drei Objekten wurden unterschiedliche

Lösungen umgesetzt

– abhängig vom energetischen

Standard, Platz, Grundrissen,

Brand- und Schallschutz sowie

der Wartung:

Von Kleinstgeräten über zentrale

Abluftlösungen mit Wärmerückgewinnung

oder sogar die Kombination

mit Nahwärmenetz,

Geothermie, Solarthermie und

Fotovoltaik. Meyer empfahl, vor

Beginn der Sanierungsmaßnahmen

das vorgesehene System in

einer Musterwohnung einzuregulieren

und zu testen.

Marketingargument Lüftung

Für den VfW widmete sich Rolf

Schmidt dem Thema „Wohnungslüftung

nach Konzept” mit

Blick auf die DIN 1946-6 bezüglich

der Regel zur vereinbarten

Beschaffenheit von Gebäuden

Rolf Schmidt

als Vertragsgrundlage zwischen

den Partnern. Implementiert ist

dabei ohne ausdrückliche Vereinbarung

die Sicherung von

Raumlufthygiene, die Planer,

Unternehmer und Handwerker

nur durch ein ventilatorgestütztes

Lüftungssystem garantieren

können. HEA und VfW bieten

auf ihren Portalen ein kostenloses

Planungstool für das Lüftungskonzept

nach DIN 1946-6.

Schmidt präsentierte den Teilnehmern

anhand von Beispielen

für Einfamilien- und Reihenhäuser

sowie Wohnungen unterschiedliche

technische Lösungen

einschließlich Kostenrahmen.

Er bemängelte, dass Bauträger

Lüftungssysteme erst nach dem

Verkauf der Eigentumswohnungen

planen, was natürlich bautechnisch

Grenzen setzt. „Wer

Lüftung auch als Komfort anbieten

will, verschenkt hier Potenziale”,

so Schmidt.

www.hea.de

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Juli 2011

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Kurz notiert

Zu Beginn des Jahres fand im Kasseler Zentrum für umweltbewusstes

Bauen die jährliche Mitgliederversammlung des Bundesverbandes

für Wohnungslüftung statt. Die Mitglieder nutzten die Tagung am

24. Februar, um sich über aktuelle Entwicklungen aus der Normungs-

und Gesetzgebung zu informieren, bevor sie sich den satzungsmäßigen

Modalitäten zuwandten. Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden

Peter Schwarz erläuterte deswegen Dr. Thomas

Hartmann von der ITG Dresden den Stand der internationalen Normungsarbeit.

Neues von den Normen

Aktuell entwickeln die Ausschüsse Beiblätter zu der DIN 1946-6 (Teil

6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen

zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/

Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung), der DIN 18017-3

(Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster -Teil 3:

Lüftung mit Ventilatoren, Lüftung von fensterlosen Räumen) und der

DIN 4719 (Anforderungen an Lüftungsgeräte).

Diese sollen bei der Kennwertumrechnung und beim Zertifi zierungsverfahren

zur E-H-S-Kennzeichnung (Energieeffi zienz, Schallschutz,

Hygiene) Einsatz fi nden. Darüber hinaus stehen in den Gremien eine

Positivliste der verbauten Materialien und die Fortentwicklung der

DIN 1946-6 bezüglich der Kühlung von Wohngebäuden zur Diskussion,

um das schwierige Thema der Zertifi zierung voranzubringen.

Anschließend erläuterte Hartmann die Entwicklungen der Energieeinsparverordnung

(EnEV), die 2012 erneut überarbeitet wird. Dabei

ging er besonders auf die Referenzanlagentechnik ein.

Es folgten Ausführungen zum Europaanpassungsgesetz Erneuerbare

Energien, der EU-Gebäuderichtlinie und ihre Auswirkungen auf die

EnEV 2012.

VFW Mitgliederversammlung tagte in Kassel

Familie Schmidt verabschiedet sich

aus der Messeorganisation

13 Messeauftritte haben VFW-Vorstandsmitglied und Architekt Rolf

Schmidt, seine Frau Gabriele Schmidt und ihre Tochter Katja Pickel seit

1999 für den Verband für Wohnungslüftung organisiert: vom Konzept für

den Gemeinschaftsstand, über die Betreuung und Koordination der Aussteller,

organisatorische Absprachen mit der Messe bis hin zur Ausarbeitung

des Vortragsprogramms und der Standbetreuung. Nach dem erfolgreichen

Verlauf der Bau 2011 zieht sich die Familie jetzt aus dem Messegeschäft

zurück.

Anlässlich der Mitgliederversammlung dankten Vorstandsvorsitzender

Peter Schwarz und Geschäftsführer Raimund Käser Familie Schmidt für

die langjährige Unterstützung. „Sie haben den öffentlichen Auftritt des

VFW mit Ihrem Engagement entscheidend mitgeprägt.

Dafür unseren herzlichen Dank”, betonte Peter Schwarz.

International steht die Prüfnorm EN 13141 (Leistungsprüfungen von

Bauteilen/Produkten für die Lüftung von Wohnungen) zur Überarbeitung

an und der Entwurf zur EN 13142 (Ventilation for buildings -

Components/products for residential ventilation - Required and optional

performance characteristics) wird diskutiert. Darüber hinaus ging

der Experte vom ITG Dresden auf die Bemühungen ein, das Verfahren

der DIN V 18599 (Teil 6: Lüftung von Wohnungen - Allgemeine

Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und

Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung)

international einzuführen. Thomas Hartmanns Einschätzung

nach wird das Thema Labelling Ecodesign Lot 10 mit seinen Anforderungen

an die Lüftungsgeräte noch in diesem Jahr stark an Bedeutung

gewinnen.

Peter Schwarz als Vorsitzender bestätigt

Im Anschluss an den technischen Teil der

Tagung stellte VFW-Geschäftsführer Raimund

Käser den Geschäftsbericht 2010 vor.

Nach der Entlastung des Vorstandes bestätigten

die Mitglieder Peter Schwarz einstimmig

als Verbandsvorsitzenden.

Nach dieser turnusgemäßen Wahl stellte

Raimund Käser die für 2011 geplanten

Aktivitäten vor.

Peter Schwarz

Als einen Schwerpunkt will der VFW seine erfolgreiche Seminarreihe

zum Lüftungskonzept und seiner Auslegung fortführen. Dazu stehen

weitere Vortragsveranstaltungen auf dem Programm. Am Nachmittag

referierte Professor Dr. Anton Maas zum „Diskussionsstand der

Novellierung der EnEV 2012 im Hinblick auf die Wohnungslüftung”.

Hierzu ergaben sich viele Fragen und eine lebhafte Diskussion.

Familienpower für VFW-Messeauftritte:

Katja Pickel, Gabriele und Rolf Schmidt (v. l.)

organisierten 12 Jahre lang das Messegeschehen

VFW aktuell

Juli 2011

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Kurz notiert

Handwerk hat grünen Boden

Das Thema Wohnungslüftung hat auf dem Bundeskongress

des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks

(ZVDH) und Holzbau Deutschland Einzug gehalten.

Die Veranstaltung, die vom 6. bis 7. Mai in Bremen stattfand,

betonte die Bedeutung der energetischen Sanierung des Gebäudebestands

für die Dachdecker- und Zimmereibetriebe.

An der Eröffnungsveranstaltung nahm auch der Bundestagsabgeordnete

und ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin

teil. In seinem Grußwort unterstrich er, dass Handwerk nicht

nur goldenen sondern inzwischen auch grünen Boden habe.

ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider erklärte, der Energieeffi

zienz im Gebäudebestand käme eine maßgebliche Rolle zu,

weil auf diesen Bereich nahezu 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs

entfi elen. In diesem Zusammenhang war das Knowhow

des VFW gefragt.

Vorstandsmitglied Rolf Schmidt referierte über die rechtlichen

Grundlagen, die ein Lüftungskonzept notwendig machen.

Wohnungslüftung ist ein wesentlicher Baustein bei der energetischen

Gebäudesanierung. Nur, wenn die Lüftung geregelt ist,

können die errechneten energetischen Gewinne tatsächlich realisiert

werden”, so Schmidt.

VFW informiert Berater der

Verbraucherzentralen

In insgesamt sieben Vorträgen bringt der VFW 2011 den Energieberatern

der Verbraucherzentralen die Fragen ausreichender

Wohnungslüftung näher. Dabei stehen die rechtlichen

Aspekte im Vordergrund.

„Mit unseren Schulungen wollen wir die Teilnehmer fi t machen,

Ratsuchende zu unterstützen, die in ihrer Wohnung Probleme

mit Schimmel- oder Feuchteschäden aufgrund unzureichender

Lüftung haben”, erklärt Rolf Schmidt,

VFW Vorstandsmitglied. Die ersten Seminare haben bereits

in Bad Kreuznach, Frankfurt und Waren an der Müritz stattgefunden.

Die nächsten sind schon in Planung.

„Das rege Interesse zeigt, dass das Thema Wohnungslüftung

langsam auch in der breiteren Masse ankommt”, schließt

Rolf Schmidt.

Handwerk hat grünen Boden:

v. l. Ullrich Huth (Holzbau Deutschland, Bund Deutscher Zimmermeister),

Jürgen Trittin, Anja Würzberg (Moderatorin),

Karl-Heinz Schneider (ZVDH) auf dem Bundeskongress in Bremen

DIN 1946-6 und DIN 18017-3

Neue Workshop-Termine in

Hamburg und Ladenburg

Die neuen Termine für die Experten-Workshops zur Erstellung

von Lüftungskonzepten stehen fest.

Am 7. September 2011 leitet Dr. Thomas Hartmann

(ITG Dresden) das Eintages-Seminar in Hamburg.

Am 27. Oktober fi ndet der Workshop ebenfalls unter Hartmanns

Leitung in Ladenburg am Neckar statt. Inhaltlich geht

darum, anhand von Praxisbeispielen mit dem Planungstool Lüftungskonzept

und dem Auslegungsprogramm DIN 1946-6 die

Auslegung von freien und ventilatorgestützten Lüftungssystemen

zu berechnen und ein Lüftungskonzept zu erarbeiten.

„Der VFW setzt mit den Seminaren seine erfolgreiche Workshop-Reihe

fort, die wir jetzt schon im dritten Jahr durchführen”,

erklärt VFW-Geschäftsführer Raimund Käser.

Anmeldung auf www.wohnungslueftung-ev.de

VFW aktuell

Juli 2011

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Im Juli veröffentlicht das

Europäische Testzentrum

für Wohnungslüftungsgeräte

(TZWL) e. V., Dortmund,

die 12. Aufl age des

TZWL-eBulletins.

Das eBulletin „Liste für

Wohnungslüftungsgeräte

mit und ohne Wärmerückgewinnung”

gibt Planern

und Interessenten einen

übersichtlichen und herstellerneutralen

Vergleich über

die technischen Leistungsdaten

von Wohnungslüftungsgeräten.

Impressum

VFW aktuell Juli 2011

Herausgeber:

Bundesverband für Wohnungslüftung e. V.

Wasserstr. 26a

D-68519 Viernheim

Tel.: +49 (0)6204 7086637

Fax :+49 (0)6204 7086638

info@wohnungslueftung-ev.de

www.wohnungslueftung-ev.de

Geschäftsführer:

Raimund Käser

Inhaltlich Verantwortlicher

gemäß § 10 Absatz 3 MDStV:

Raimund Käser

Redaktion:

Raimund Käser

Thomas Hartmann

Antje Ebner

Kurz notiert

TZWL Bulletin neu aufgelegt

Leistungsdaten direkt vergleichen

Aktuell werden die Technik- und

Planungsdaten von 109 nach

DiBT-Vorgaben geprüften Einzelgeräten

und 28 Geräten mit

Passivhauszertifi kat verglichen

und bewertet. Als anerkannte

Prüfstelle für Wohnungslüftungsgeräte

überprüft das TZWL

die Einsatzmaterialien der Wohnungslüftungsanlagen

ebenso

wie die Sicherheit, den Einsatzbereich,

den Wärmebereitstellungsgrad

und das elektrische

Wirkungsverhältnis.

Nötig ist eine solche Liste, weil

der Markt für Wohnungslüftungsgeräte

eine Vielzahl von

Geräten anbietet, die sich hinsichtlich

ihres Aufbaus und ihrer

Leistungsdaten deutlich unterscheiden.

Wer sich in diesem

Dschungel technischer Angaben

in Eigenregie um Vergleichswerte

bemühen will, muss viel

Zeit mitbringen. Hinzu kommt,

dass eine reine Beschreibung

eines Gerätes nicht immer zufriedenstellend

sein kann.

Konzept + Produktionsüberwachung:

Antje Ebner

PR-Beratung

Neumühle 1

D-74638 Waldenburg

Fon 0 79 42 – 94 20 550

Fax 0 79 42 – 94 20 551

info@ebner-pr.de

www.ebner-pr.de

Gestaltung:

more and mohr - mediengestaltung ist mehr...

Am Kressenbach 1

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ist nur mit Quellenangabe gestattet.

Die nächste VFW aktuell erscheint

im Dezember 2011

Hilfreich für die Auswahl

eines passenden Gerätes ist

ein neutraler Testbericht, der

eine direkte Vergleichsmöglichkeit

mit anderen Geräten

gestattet, so wie es das TZWLeBulletin

tut. Über die technische

Information hinaus

berichtet es über die aktuelle

rechtliche Situation und das

Energiekonzept der Bundesrepublik

Deutschland. Es wird

einmal im Jahr aktualisiert.

Die neue 12. Ausgabe und

steht voraussichtlich ab Juli

auf www.tzwl.de zum kostenlosen

Download bereit.

VFW aktuell

Juli 2011

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