Zum Artikel ->l - Wühler & Gebauer

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20 Managementebene

Selten passt ein ERP-System

wirklich zu den gewachsenen

Abläufen und Strukturen einer

Firma – trotz vieler branchenspezifi

scher Lösungen und

Customizing durch

Systemintegratoren. Dem

Problem begegnet die

Firma Wühler & Gebauer

mit einem modularen

System, das als „Open-

Source“ individuell

angepasst werden kann.

Den Beweis liefern

vier unterschiedliche

Implementierungen.

K leine

und mittelständische Unternehmen

tun sich schwer, die Steuerung

von Disposition, Waren- und Betriebswirtschaft

zu automatisieren. Der

Grund: Die Enterprise-Resource-Planning-Systeme

(ERP) der großen Software-Schmieden

werden häufi g als zu

umständlich empfunden und lassen sich

nicht einfach anpassen. Auch die Systeme

kleinerer Anbieter erfüllen oft nicht

die spezifi schen Anforderungen, obwohl

gerade sie auf spezielle Branchen fokussieren.

Oft gibt es kleine, aber wichtige

Spezialitäten, die sich – wenn überhaupt

– nur mit viel Aufwand integrieren lassen.

Daher bleiben solche Anforderungen

bei einer ERP-Einführung gerne unberücksichtigt

oder werden „so gut es

eben geht“ umgesetzt. Diesem Problem

Das Open-Source-ERP

Den Begriff „Open-Source“ bezieht Wühler &

Gebauer in erster Linie auf den Quelltext

(Source-Code), also die lesbare Struktur der

Software mit allen Kommandozeilen und

Parametern. Während diese Daten üblicherweise

vom Hersteller im Safe verschlossen bleiben,

stellt der ERP-Anbieter seinen Kunden alle

Informationen zur Verfügung, um bei Bedarf

selbst Anpassungen an der Software vornehmen

zu können. Konkret erhalten die Entwickler

Zugriff auf den vollständigen Code aller

Programmbestandteile der ERP-Software

Hans Peter Wühler, Klaus Gebauer

Das ERP-Puzzle

begegnet Wühler & Gebauer EDV-Consulting

mit einer Quellcode-offenen

ERP-Lösung.

Das Fundament bilden Module zu

Materialwirtschaft, Disposition, Einkauf

und Vertrieb, Produktion, Kalkulation

und Kundenmanagement (CRM).

Damit lassen sich alle relevanten Informationen

vom Wareneingang über die

Absatzplanung und Fertigungssteue-

„effective company“. Zusätzlich werden das

Programmier- und das Betriebshandbuch zur

Verfügung gestellt. Bei der Entwicklung kommen

zudem nur gängige Programmierwerkzeuge wie

Eclipse, Java und Groovy zum Einsatz. Dadurch

kann jeder Käufer oder Mieter der Software die

Funktionen in seiner Programmversion nach

seinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen

umgestalten und eigene Applikationen einfügen.

Diese Offenheit der Daten ist nicht zu verwechseln

mit Freeware oder Programmen unter

GPL-Lizenz (General Public Licence), deren

Nutzung und Verbreitung kostenfrei sind.

Das Programm „effective company“ wurde

rung bis zur Versandabwicklung abbilden

und dokumentieren. Bei Bedarf

kann die ERP-Software aus diesen Daten

auch Statistiken generieren. Neben

diesen Grundmodulen lässt sich die

Software optional um weitere Standard-

Bausteine für Betriebsdaten-, Pro -

jekt- und Dokumentenmanagement

ergänzen. Desweiteren gibt es ein Qualitätssicherungsmodul

mit integrierter

Mitte 2010 veröffentlicht und wird derzeit bei

vier Unternehmen unterschiedlicher Industriezweige

implementiert. Die Firma bietet die

ERP-Software als Kaufl izenz, zur Miete mit und

ohne Application Service Providing (ASP) sowie

als Software- und Gesamtprojektleasing. Bei

ASP wird die Software geschützt auf den

Servern eines darauf spezialisierten Providers

betrieben. Der Kunde benötigt damit keine

große IT-Infrastruktur und muss sich nicht selbst

um die Wartung kümmern. Dieses Service-

Modell ermöglicht auch kleinen Betrieben und

Mittelständlern die Einführung von Unternehmenssoftware

ohne große Investitionen.

1/11 . www.computer-automation.de

(Bilder: Dominik Pöpping, pixelio; Dürr; ThyssenKrupp; viastore; Wühler & Gebauer)


Lieferantenbewertung sowie ein Management-Informationssystem.

Aufgrund der Modularisierung und

Open-Source-Philosophie kann das Programm

um spezifi sche Funktionen erweitert

werden. Auf Anregungen von vier

Unternehmen aus verschiedenen Industriezweigen

wurden bereits in der Standard-Software

Spezialitäten verwirklicht,

beispielsweise die Verwaltung komplexer

Kommissionierungsvorschriften und die

exakte Verfolgung von Halbfertigteilen

entlang der Prozesskette.

Spezialitäten umgesetzt

Ein Hersteller von Bremsscheiben hat

wegen der vielen verschiedenen Typen

und Modelle sehr hohe Anforderungen

an die Lagerverwaltung, da teilweise

komplette Containerladungen mit unterschiedlichen

Artikeln zusammengestellt

werden müssen. Hierfür wurde im

ERP-System eine Wege-Optimierung

mit dem Materialstamm des Lagers

kombiniert, das die Kommissionierung

im Hochregallager vereinfacht. Ebenso

erhalten die Mitarbeiter im Versand mit

dem Auftrag die genauen Verpackungsvorschriften

der einzelnen Empfänger,

die in den Kundenstammdaten hinterlegt

sind. Diese Vorschriften reichen

von der Art des Kartons über das Füllmaterial

bis hin zu Schemabildern der

richtigen Karton-Anordnung auf der

Palette. Sogar die Etiketten muss der

Hersteller entsprechend den Vorgaben

erstellen. Dafür wurde ein eigenes Modul

samt Schnittstelle zu einer speziel-

www.computer-automation.de . 1/11

len Druckersoftware entwickelt. Damit

kann die Software die über 30 verschiedenen

Layouts auf unterschiedlichen

Etikettarten für den Kommissionierlauf

in der Reihenfolge der Produkte

drucken.

Die Reihenfolge-Planung ist auch

für einen Lackierbetrieb wichtig, der

ebenfalls an der Programm-Entwicklung

mitgewirkt hat. In der weitläufi -

gen Lackieranlage des Automobilzulieferers

werden Spoiler, Schweller

und andere Komponenten über ein Förderband

zu den entsprechenden Bearbeitungsstellen

transportiert, wo sie

beschichtet und teilweise zusammengebaut

werden. Über das ERP-Tool erhält

das System die Anweisungen, welcher

Arbeitsschritt als nächstes folgt

und wohin die Teile transportiert werden

müssen. Bislang müssen diese Informationen

noch bei der Arbeitsvorbereitung

von Hand im ERP eingegeben

werden. Künftig soll diese Steuerung

über die Artikelnummer erfolgen.

Gleichzeitig werden in der Software

alle technischen Parameter für die Lackierer

und Fertigungsanlagen bis hin

zu den einzelnen Farbcodes verwaltet.

Die entsprechenden Aufträge erhält

das Lackierunternehmen per DFÜ von

seinen Kunden. Das ERP-Programm

wurde daher so angelegt, dass diese

Anweisungen direkt ins System übernommen

und weiterverarbeitet werden

können.

Tracking und Tracing von

Halbfertigteilen

Komplexe Anforderungen an Materialwirtschaft

und Disposition brachte ein

Bandstahl-Produzent in die Entwicklung

der Software mit ein. Der Betrieb

walzt Stahlbahnen nach spezifi schen

Kundenvorgaben zu Bändern oder Stäben.

Daher gibt es keinen festen Artikelstamm.

Jeder Auftrag ist individuell und

setzt sich aus vielen technischen Angaben

zusammen: Härte, Legierung, Format

und Verpackung. Selbst die Drehrichtung

der Stahlcoils auf der Palette

ist vorgegeben, damit der Kunde diese

automatisiert in seine Maschinen einlegen

kann. Sämtliche Parameter können

trotzdem zusammen mit den üblichen

Auftragsdaten in der Unternehmenssoftware

erfasst und an die Fertigung

weitergegeben werden.

Managementebene

Eine besondere Herausforderung für die

Materialverwaltung stellen die Halbfertig-

Produkte dar, die schon einen oder mehrere

Arbeitsschritte durchlaufen haben und auf

die Weiterverarbeitung an der nächsten

Maschine warten. Bei der klassischen Materialverwaltung

wird das Material aus dem

Lager ausgebucht und erst als Fertigteil

wieder eingetragen. Daher erscheint das

Lager im ERP-System in der Zwischenzeit

leer, obwohl die Ware dort noch vorhanden

ist und teilweise auch mehrmals dort abgelegt

wird, wenn sich der nächste Fertigungsschritt

verzögert. In einer anderen

Variante werden solche Teile bis zur Fertigstellung

in der Lagerverwaltung aufgeführt.

Dann meldet das System Lagerplätze

als belegt, die eigentlich frei sind.

Um das zu verhindern, wurde in die

Effective-company-Software die Möglichkeit

implementiert, auch Zwischen-

Zustände zu dokumentieren: Dazu kombiniert

das ERP-Modul die Artikelnummer

beim Einbuchen in das System

mit einem variablen Fertigungscode,

der den aktuellen Bearbeitungsschritt beschreibt.

So lässt sich jeder Auftrag und

das zugehörige Material im System abbilden

und fi nden. Die Rückmeldung jedes

Arbeitsschritts ermöglicht zudem eine

genaue Bestandsbewertung und verlässlichere

Aussagen zu den Lieferterminen.

Intelligente Materialverwaltung: Die

Kombination der Artikelnummer mit

einem variablen Fertigungscode bringt

Transparenz in die Lagerung von

Halbfertig-Teilen.

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22 Managementebene

Kalkulation von Serien- und

Einzelfertigung

Einem Hersteller von Leuchtreklame und

anderen Werbeträgern ging es vor allem

um die Flexibilität bei unterschiedlichen

Leistungen. Der Betrieb fertigt Schriftzüge

oder Schilder sowohl als Einzelstücke wie

auch in Serie für große Filialketten. Hinzu

kommen individuell abzurechnende

Dienstleistungen vom Design bis zur Planung

und Montage der Schilder. Diese unterschiedlichen

Tätigkeiten muss das ERP-

Programm abdecken. Dazu wurde die

Option eingerichtet, Stücklisten der benötigten

Teile eines Auftrags in die Vertriebsbelege

einzupfl egen und dann zusammen

an die Fertigung zu übergeben. Hierzu

kann der Vertriebsmitarbeiter entweder auf

defi nierte Teile-Sets aus dem Materialstamm

zurückgreifen oder die Komponen-

In der Lackiererei eines Automobilzulieferers

durchlaufen die Werkstücke

verschiedene Bearbeitungsstationen.

Der Transport zwischen den einzelnen

Stationen soll künftig über die im

ERP-System hinterlegte Artikelnummer

gesteuert werden.

ten je nach Auftrag individuell zusammenstellen.

Durch den Mischbetrieb war es

zudem notwendig, sowohl für die Vor- als

auch für die Nachkalkulation frei defi nierbare

Schemata zu implementieren. Darüber

hinaus wurde eine komplexe Preisfi ndung

mit Einzel- oder Pauschalkosten

ermöglicht, die zusätzlich zwischen Preisen

nach Ländern unterscheiden kann.

Weitere, ebenfalls realisierte Sonderlösungen

umfassen das Management

externer Fertigungen mit und ohne Beistell-

Teile, die Verwaltung von Konsignations-

Lagern oder die Steuerung einer chaotischen

Lagerhaltung. Auch die Anbindung

an Industriesteuerungen ist im Rahmen einer

spezifi schen Anpassung möglich. Darüber

können Auftragsdaten zur Maschine

übertragen werden, die Mitarbeiter vor Ort

wählen nur die Anweisung aus und können

direkt mit der Produktion beginnen. Ebenso

lassen sich Daten aus der Fertigung abfragen.

Auf diese Weise meldet beim erwähnten

Bandstahlhersteller eine Waage

am Ende der Verpackungsstraße das Gesamtgewicht

ins System zurück. Darüber

hinaus verfügt W&G effective company

über verschiedene Schnittstellen zu exter-

nen Systemen. Standard ist unter anderem

die Anbindung an die Finanzbuchhaltung

von Datev und Varial. Um auch in internationalen

Betrieben eingesetzt werden zu

können, lässt sich die Software auf unterschiedliche

Schriftgrößen, Sprachen und

Währungen einstellen. Außerdem sind die

Programm-Masken kor respondierend angelegt,

was die Datenbearbeitung beschleunigt:

Öffnet man beispielsweise in der Registerkarte

eines Kunden ein Fenster mit

dessen offenen Posten, ändern sich diese

Ansichten und Angaben entsprechend

automatisch mit, sobald im Register ein anderer

Kunde ausgewählt wird. Aufgrund

der so genannten 3-tier-Technologie, eine

Gliederung in drei Leistungsschichten,

ist die Effective-company-Software plattformunabhängig

auf allen Geräten mit

einer Java Runtime lauffähig. sk

Klaus

Gebauer

ist Geschäftsführer

bei Wühler & Gebauer

EDV Consulting in

Hambrücken.

Hans Peter

Wühler

ist Geschäftsführer

bei Wühler & Gebauer

EDV Consulting in

Hambrücken.

1/11 . www.computer-automation.de

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