Gesunde Kinder WeltWeit Gemeinsam leben ... - World Vision Schweiz

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Gesunde Kinder WeltWeit Gemeinsam leben ... - World Vision Schweiz

Gesunde Kinder

WeltWeit

Gemeinsam leben

retten

Eine bessere Welt für Kinder


titelfoto: Jon Warren,

World Vision, März 2007.

Die Witwe Jeanne Zaire, 33, trägt den

15 Monate alten Abdou in Mgunga,

einem Flüchtlingslager bei Goma,

D.R. Kongo. Seitdem sie wegen des

Bürgerkriegs aus ihrer Heimat Ngunga

fliehen musste, hat sie aufgrund von

Hunger und Krankheiten zwei Kinder

verloren.


inhalt

VoRWoRt 44

ZuSAMMeNFASSuNG 66

eiNleituNG 20

1. Die uNBeMeRKte K AtAStRopHe 24

2. Die uRSAcHeN DeR K AtAStRopHe 32

46

3. WAS ReicHe läNDeR tuN MüSSeN : MeHR

GelD FüR Die KiNDeRGeSuNDHeit, MeHR

KiNDeRGeSuNDHeit FüRS GelD

4. FoRtScHRitt iSt MöGlicH : GRüNDe,

optiMiStiScH Zu SeiN

54

5. ScHluSSFolGeRuNGeN uND eMpFeHluNGeN 68

ANHANG 72

liteR AtuRHiNWeiSe 86

WoRlD ViSioN ScHWeiZ 91


VorWort

4

Kwenda paipi/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | VO rWO rt

Gesunde Kinder Weltweit“ ist die erste World Vision-Kampagne, die sich gezielt und global für ein einziges Thema

einsetzt: die Reduzierung vermeidbarer Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren.

In den zwei Minuten, die Sie benötigen werden, um dieses Vorwort zu lesen, sterben mehr als 30 Kinder unter fünf

Jahren. Innerhalb der nächsten 24 Stunden wird sich die Zahl dieser vermeidbaren Todesfälle bei Kindern auf 24’000

erhöhen. Die meisten von ihnen sterben an leicht vermeidbaren oder heilbaren Krankheiten wie Lungenentzündung,

Durchfall und Malaria oder infolge von Komplikationen bei der Geburt. Bis zur Hälfte dieser Todesfälle wären allein

mittels genügender und nährstoffreicher Ernährung zu verhindern, welche das Immunsystem von Kleinkindern stärkt.

Jährlich 8.8 Millionen Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren kann man nicht nur achselzuckend als Problem

der Entwicklungsländer abtun. Es handelt sich um eine stille, unbeachtete Katastrophe globalen Ausmasses – wir

sind überzeugt: um die grösste Kinderrechtsverletzung unserer Zeit!Das ist auch der Grund, warum World Vision

die Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“ ins Leben gerufen hat. Diese über fünf Jahre laufende Kampagne hat

das Ziel, weltweit die vermeidbare Kindersterblichkeit zu reduzieren. Sie fusst auf den Erfahrungen, die wir in

mehr als 1’600 Entwicklungsprogrammen gemacht haben, in denen wir unsere Strategien und Massnahmen der

Entwicklungszusammenarbeit eng mit einem auf Kommunal- und Landespolitik abzielenden Engagement für

Kinderrechte verzahnt haben. Mit Hilfe dieser Kampagne unterstützen wir nicht nur die kommunalen Interessen zur

Verbesserung der Gesundheitsversorgung, sondern üben auch Druck auf nationale Regierungen aus, damit diese ihrer

Verantwortung für Kinder, Mütter, Familien und Dorfgemeinschaften im Land besser nachkommen.

Wir werden uns mit lokalen Behörden und Nichtregierungsorganisationen verbünden, um die in den jeweiligen

Dorfgemeinschaften vorherrschenden Gesundheitsprobleme anzugehen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass eine

wirksame Gesundheitsversorgung – mit einfachen, präventiven und kostengünstigen Massnahmen – zum wichtigsten

Faktor kommunaler Entwicklung werden kann. World Vision wird selbst einen beachtlichen finanziellen Beitrag – 1.5

Milliarden US-Dollar über die nächsten fünf Jahre – zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den eigenen

Entwicklungsprogrammen bereitstellen.

Sich lokal zu engagieren, wird aber nicht ausreichen. World Vision drängt auch die reichen Länder, ihre Versprechen

einzuhalten, um die Bedingungen in den Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern. Mehr als 190 Staats- und

Regierungschefs haben sich auf die UN-Millenniumsentwicklungsziele verständigt, die sie bis 2015 erreichen

wollen. Unsere World Vision-Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“ soll eine Mahnung an die internationale

Staatengemeinschaft sein, sich erneut diesen Zielen zu verpflichten.

Auch Sie können zur Vermeidung von täglich etwa 8'000 Todesfällen unter Vorschulkindern, welche auf

Mangelernährung zurückzuführen sind, beitragen. Denn durch Ihr Konsum- und Mobilitätsverhalten sind Sie

Teil einer Wirkungskette mit Auswirkungen auf die Produktion und die lokale Versorgung mit Nahrungsmitteln

in Entwicklungsländern. So kann Ihre bewusste Wahl von fair gehandelten Agrarprodukten den Bauern in armen

Ländern ein existenzsicherndes Einkommen geben. Ihre Einsparungen an CO2-Emissionen verhindern zudem, dass

die lokale Bevölkerung weitere Ernteausfälle infolge des Klimawandels erleidet.

Da weltweit mehr als die Hälfte aller mangelernährten Kinder in Bauernfamilien leben, kann Ihr alltägliches

Handeln in entscheidender Weise zur Verbesserung der Ernährungs- und Gesundheitssituation von Kindern

beitragen. Weitere Hintergrund-Informationen zum Thema Ernährungssicherung finden Sie unter www.worldvision.

ch/nahrung.

Nur zusammen sind wir stark. Nur zusammen können wir die Welt verändern. Nur zusammen werden wir die

Kampagne „Gesunde Kinder Weltweit“ zum Erfolg führen.

Urs Winkler

CEO, World Vision Schweiz

5


ZusammenfassunG

6

Andrew Goodwin/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

Im Jahr 2000 trafen sich die Staatschefs zur jährlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN)

und verpflichteten sich gemeinsam zu einer Reihe von historischen Zielen zur Armutsbekämpfung und deren

zugrunde liegenden Ursachen. Die acht Millenniumsentwicklungsziele (MDGs), deren Erreichung für das Jahr

2015 festgeschrieben wurde, beinhalten ambitionierte erreichbare Ziele: den Hunger und die extreme Armut

zu halbieren, eine Grundschulbildung für alle durchzusetzen, die großen Armutskrankheiten aufzuhalten sowie

die Kinder- und die Müttersterblichkeit signifikant zu mindern. Mit nur noch fünf verbleibenden Jahren bis zur

Erreichung des Stichtages ist eine Bestandsaufnahme bisheriger Fortschritte fällig: Im September 2010 werden

die Vereinten Nationen wieder zusammenkommen, um die Erreichung ihrer Ziele zu überprüfen und nötige

Schritte zur weiteren Umsetzung zu bestimmen.

Aus Sicht der Kinder, die in den ärmsten Ländern der Welt leben, ist diese Überprüfung auch

dringend nötig. Der Weg in Richtung der Millenniumsentwicklungsziele verläuft in allen Bereichen

holprig, und wenn die gegenwärtigen Entwicklungstrends anhalten, dürften die meisten dieser Ziele

wohl nicht erreicht werden. Das größte Entwicklungsdefizit besteht jedoch im Bereich der Gesundheit.

Lediglich 30 % des Fortschritts, der zur Verwirklichung von Ziel 4 der MDGs (Senkung der

Kindersterblichkeit um zwei Drittel) erforderlich wäre, wurden erreicht. Was das damit eng verbundene

Ziel der Verringerung der Müttersterblichkeit betrifft, sind sogar noch weniger Fortschritte zu verzeichnen,

denn gerade mal 11 % des Ziels wurden nach 10 Jahren erreicht! Noch immer sterben jeden Tag mehr als

24.000 Kinder, bevor sie das fünfte Lebensjahr vollendet haben. Einfach formuliert ist das die schwerste

Kinderrechtsverletzung unserer Zeit. Diese Todesfälle werden überwiegend durch Armut hervorgerufen:

99 % der Kinder sterben in Entwicklungsländern. Die große Mehrheit dieser Todesfälle wird durch

einfach zu vermeidende Komplikationen und Infektionen bei Neugeborenen sowie durch Durchfall

und Lungenentzündung verursacht. In mehr als der Hälfte aller Fälle sind die Gründe unzureichende

Ernährung sowie der Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen.

Obgleich jedes Jahr nahezu neun Millionen solcher Kinder weltweit sterben, bleibt diese Katastrophe

weitestgehend unbemerkt. Und ihr wird erstaunlich wenig politische Aufmerksamkeit geschenkt –

sowohl in den am schwersten betroffenen Ländern als auch auf internationaler Ebene. Das daraus

resultierende Leid und die Verschwendung menschlichen Potenzials sind skandalös im doppelten Sinne,

denn die positiven Auswirkungen von Vorsorgemaßnahmen und Gesundheitspflege auf Familien- und

Gemeinschaftsebene sind nicht nur bewiesen, sondern auch kosteneffizient. Erfahrungen von armen

Ländern wie Malawi und Liberia, die durch hohes politisches Engagement und präzise Richtlinien

eine faktische Senkung ihrer Kindersterblichkeit erzielten, zeigen, dass Fortschritt sogar bei extremer

Ressourcenknappheit möglich ist. Analog dazu bezeugen auch die Erfahrungen von Ländern wie Kenia

und Burkina Faso, die seit 1990 rückläufige oder gleichbleibende Zahlen verzeichnen, dass mit business as

usual die Gesundheits-MDGs nicht erreicht werden können.

Die nächsten fünf Jahre bieten ein enges, aber ausreichendes Zeitfenster, um aus diesen Erfahrungen

Nutzen zu ziehen und in den 30 höchstbetroffenen Ländern, die 80 % aller Todesfälle von unter

fünfjährigen Kindern verzeichnen, die Fortschritte zu beschleunigen. In einer Welt, in der die globale

Wirtschaftskrise die Unterstützung für die ärmsten Länder schrumpfen lässt, ist alles bisher Erreichte

nun bedroht. Die Weltbank schätzt, dass – bedingt durch die globale Wirtschaftskrise – bis 2015 weitere

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g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

2,8 Millionen Kinder sterben könnten, wenn nicht umgehend gehandelt wird. Diese Analyse bekräftigt

die Dringlichkeit, sich der Herausforderung der Gesundheitsversorgung von Kindern anzunehmen. Der

vorliegende Bericht stellt einen Fahrplan auf, der aufzeigt, wie wir uns dieser Herausforderung stellen

können.

eine unbemerKte Katastrophe und ihre

ursachen

Der Großteil aller Kindstode ist vier Hauptursachen zuzuschreiben: Komplikationen und Infektionen bei

Neugeborenen (40 % aller Todesfälle ereignen sich in den ersten 28 Lebenstagen), Lungenentzündung,

Durchfall und Malaria, die zusammen weitere 45 % der Kindersterblichkeitsrate ausmachen. All diese Ursachen

sind größtenteils vermeidbar – die wenigsten Kinder in den industrialisierten Ländern sterben an diesen

Krankheitsbildern – und geschätzte zwei Drittel aller betroffenen Kinder könnten durch einfache Maßnahmen,

wie beispielsweise bessere Ernährung und kompetente Geburtshilfe, gerettet werden.

Die Epizentren der Kindersterblichkeitskatastrophe befinden sich in Afrika südlich der Sahara und in Südasien,

wobei fünf Länder ca. die Hälfte aller Todesfälle verzeichnen: Indien, Nigeria, die Demokratische Republik

Kongo, Pakistan und Äthiopien. Ohne konzertierte und nachhaltige Bemühungen in diesen Ländern besteht

wenig Aussicht, das MDG 4 zu erreichen. Die meisten dieser am schwersten betroffenen Länder sind arm und

viele werden schlecht regiert. In allen diesen Ländern gibt es große Unterschiede im Gesundheitszustand der

Bevölkerung – sowohl zwischen ländlichen und städtischen Gebieten als auch zwischen Reich und Arm: In

Nigeria ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben für Kinder aus dem ärmsten Fünftel der Bevölkerung dreimal so

hoch wie für Kinder aus dem reichsten Fünftel. Allein diese Ungleichheiten zu beseitigen hätte dramatische

Auswirkungen: Würde die Sterblichkeitsrate der ärmsten 20 % der Bevölkerung in diesen Ländern auf das

Niveau der reichsten 20 % gesenkt, würde sich die Zahl der jährlichen Kindstode um 3,5 Millionen verringern!

Die Ursachen für die dramatischen Kindersterblichkeitsraten variieren je nach den örtlichen

Gegebenheiten. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass Regierungen, Geber und internationale

Institutionen kontextabhängig reagieren. Einige gemeinsame Faktoren gibt es jedoch: Wo Regierungen

im Bereich der Gesundheitsfürsorge für Kinder entschlossen handeln, folgen oftmals auch

Ergebnisse. In Liberia hat Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf die Friedensdividende dafür genutzt, die

Gesundheitsausgaben zu verdreifachen, Patientengebühren abzuschaffen und die Malariavorsorge zu

forcieren. Prompt hat sich die Kindersterblichkeitsrate in weniger als fünf Jahren nahezu halbiert.

Allein durch eine Aufstockung der Gelder wird das MDG 4 nicht realisiert werden. Dennoch ist

die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel unerlässlich, um eine effektive Gesundheitsversorgung für

Kinder und deren Familien gewährleisten zu können. Leider geben achtzehn der dreißig am schwersten

betroffenen Länder weniger als 10 % ihres Staatshaushalts für Gesundheitszwecke aus. Die gezielte

Verteilung der Gesundheitsbudgets ist dabei mindestens ebenso wichtig: Um das Wohlbefinden und

Überleben von Kindern und Familien zu sichern, braucht es qualifiziertes Gesundheitspersonal genau

dort, wo Menschen es am dringendsten benötigen, und ein Angebot an medizinischen Diensten, das sich

ärmere Haushalte auch tatsächlich leisten können.

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g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

Erste Ansatzpunkte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Kindern sind die Familie und

die Gemeinschaft, in der sie leben. Dennoch schenken die meisten Regierungen kostengünstigen und

einfach anzuwendenden Maßnahmen auf dieser Ebene wenig Aufmerksamkeit. So können einfachste

Maßnahmen wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen, ausschließliches Stillen sowie die frühzeitige

Diagnose von Lungenentzündungen entscheidend für die Erhaltung der Gesundheit von Kindern sein.

Dorfgesundheitsvolontäre können einen wichtigen Beitrag zur Basisgesundheitsversorgung vor Ort

leisten. Wie eigene Schätzungen von World Vision ergeben haben, könnte ein umfassendes Paket von

Maßnahmen im Bereich der Gesundheitspflege auf Familien- und Gemeinschaftsebene jedes Jahr 2,5

Millionen Todesfälle unter Kindern verhindern.

Trotz bewiesener Kosteneffizienz werden diese kostengünstigen Maßnahmen in öffentlichen

Gesundheitssystemen häufig vernachlässigt. Die Gesundheitssysteme bedürfen einer grundlegenden

Neugestaltung, die die Gesundheitspflege auf Familien- und Gemeinschaftsebene mit einbezieht und

die mit einer fundamentalen Neuausrichtung der öffentlichen Gesundheitsausgaben einhergeht, bei

denen künftig ein deutlich größeres Schwergewicht auf die Finanzierung von Vorsorgemaßnahmen gelegt

werden sollte. Sauberes und sicheres Trinkwasser, sanitäre Einrichtungen und grundlegende Hygiene

sind eindeutige Beispiele: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten diese

Maßnahmen zusammen jedes Jahr rund 7 Milliarden US-Dollar an Gesundheitsausgaben einsparen.

Was reiche länder tun müssen

Die Entscheidung darüber, ob das MDG 4 erreicht wird oder nicht, wird größtenteils in den armen Ländern

fallen. Trotzdem kommt den Geberländern eine wesentliche unterstützende Rolle hinsichtlich der Bereitstellung

von Ressourcen zu, damit gewährleistet ist, dass nationale Maßnahmen für die Gesundheitsversorgung von

Kindern nicht an fehlenden finanziellen Mitteln scheitern. Gegenwärtig mangelt es keineswegs an Erklärungen

und Vereinbarungen auf höchster Ebene, doch in der Praxis sind die Finanzzusagen der Geber für den

Gesundheitsbereich leider rückläufig. Um diese Situation umzukehren, müssen sich die reichen Nationen

verpflichten, mehr Geld in die Gesundheit von Kindern zu investieren – um mit dem investierten Geld mehr

Kindergesundheit zu schaffen.

Auf globaler Ebene müssen die Geberländer ihre eingegangenen Verpflichtungen zur

Gesundheitsfinanzierung vom derzeitigen Stand von 16 Milliarden bis 2015 auf 42,5 Milliarden US-

Dollar pro Jahr steigern, um die Gesundheits-MDGs zu erreichen. Dieser Finanzierungsbedarf entspricht

den Gesundheitsausgaben, die in den USA innerhalb von fünf Tagen getätigt werden, oder 4 % des von

den G-20-Ländern für 2009 bekannt gegebenen Konjunkturpaketes.

Jede Erhöhung gesundheitsbezogener Finanzzusagen muss auch mit Qualitätsverbesserungen bezüglich

der Entwicklungszusammenarbeit einhergehen. Die heutigen Leistungen von Gebern sind weit gestreut

und oft schlecht koordiniert – so fallen in den dreißig am schwersten von Kindersterblichkeit betroffenen

Ländern vier Fünftel der globalen Kindermortalität an, doch erhalten diese weniger als die Hälfte der

Finanzhilfen für Gesundheit. Der Großteil dieser zugesagten Mittel zielt außerdem gar nicht auf eine

Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern ab – im Durchschnitt geben die

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g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

Geberländer in den am schwersten betroffenen Ländern weniger als 8 US-Dollar pro Kind aus. Die

größten „Kinderkiller“ und ihre Ursachen werden oft links liegen gelassen: Obwohl in über einem Drittel

aller Kindertodesfälle Unternährung ein Faktor ist, werden lediglich 1,5 % der Entwicklungshilfe in

Ernährung investiert.

Die Entwicklungszusammenarbeit, die gegenwärtig im Gesundheitsbereich geleistet wird, ist oft von

geringer Qualität. Sie ist häufig schlecht mit anderen Gebern koordiniert, aus Sicht der Regierungen der

Empfängerländer schwer kalkulierbar und oft nicht in die Pläne der Empfängerländer integriert. Die

Ziele des Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (OECD) zur Steigerung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit haben zwar

dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit hochrangiger Geber auf diese Sachverhalte zu lenken, u. a. durch

Initiativen wie der Internationalen Partnerschaft für Gesundheit, doch Änderungen in der Praxis erfolgen

nur sehr langsam. Geber- wie Empfängerländer müssen über die üblichen Sicht- und Herangehensweisen

im Bereich Gesundheit hinausgehen und sicherstellen, dass beim gegenwärtigen Schwerpunkt auf der

Stärkung von Gesundheitssystemen die sozialen Determinanten für Kindergesundheit nicht außer Acht

gelassen und die Familien- und Gemeinschaftsgesundheitspflege mit eingeschlossen werden.

fortschritt ist möGlich

Dass wir gegenwärtig hinter den Zielvorgaben des MDG zur Kindersterblichkeit hinterherhinken,

darf uns freilich nicht entmutigen. Die Tatsache, dass sogar in einigen der ärmsten Länder bedeutende

Fortschritte gemacht wurden, sollte vielmehr einen Impuls für ein gemeinsames Vorgehen der jeweiligen

Regierungen, Geber und internationalen Institutionen geben. Fallbeispiel Malawi: Obschon eines

der ärmsten Länder Afrikas, hat Malawi seine Kindersterblichkeitsrate durch eine Kombination von

Maßnahmen innerhalb von 20 Jahren um fast die Hälfte gesenkt. Zu diesen Maßnahmen gehörten die

Erhöhung der Anzahl von Hebammen, eine wesentlich verbesserte Impfungsrate und Investitionen in

eine verbesserte Kinderernährung. Diese Erfolge wurden auch durch die Erstellung eines einheitlichen

nationalen Gesundheitsplans ermöglicht, der große Unterstützung durch die Gebergemeinschaft erfuhr.

Die abgeleiteten Erfolgsprinzipien aus Malawi und anderen Ländern, die auf bestem Wege sind, das

MDG 4 zu erreichen, müssen auf solche Länder angewandt werden, die seit 1990 nur langsame oder gar

keine Fortschritte verzeichnet haben. Vorsorge ist günstiger als spätere Behandlung: Durch eine sehr gute

Impfungsrate wurde seit 2001 in Südafrika eine 90-prozentige Reduzierung der Todesfälle infolge von

Masern erreicht. In Äthiopien legte eine Kampagne zur Bereitstellung von Moskitonetzen für sämtliche

Haushalte das Fundament für einen 61-prozentigen Rückgang der Malariafälle seit 2005.

Eine weitere Lehre, die aus den Erfolgsgeschichten in der Gesundheitsfürsorge für Kinder gezogen

werden kann, ist, dass Veränderungen auf Familien- und Gemeinschaftsebene für die Erzielung

nachhaltiger Fortschritte entscheidend sind. Dies erfordert wiederum flexible und dezentralisierte

nationale Gesundheitspläne. Während der Interventionsmix den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten

angepasst werden muss, bedürfen drei Hauptbereiche näherer Aufmerksamkeit, damit das Kinderrecht auf

Wohlergehen und Gesundheit verwirklicht werden kann:

1 0


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

• Ernährung: Vermehrtes und ausschließliches Stillen von Säuglingen sowie die Zugabe von

Ergänzungsnahrung, kostengünstigen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zur Vorbeugung von

Unterernährung und Wachstumshemmung sowie Überwachungssysteme, die zur Früherkennung von

Fällen akuter Unterernährung und zur rechtzeitigen Überweisung der betroffenen Kinder in ärztliche

Behandlung dienen, sind entscheidende Faktoren, um die 35 % Todesfälle von Kindern zu reduzieren,

die auf Unterernährung zurückzuführen sind.

• Gesundheit von Müttern: Das Überleben und Wohlbefinden von Müttern ist als sozioökonomischer

Selbstzweck zu verstehen und bedarf deshalb größerer Aufmerksamkeit von Regierungsseite. Darüber

hinaus kommt dem Wohlbefinden der Mütter ausschlaggebende Bedeutung für die Gesundheit der

Kinder zu. Verbesserte Ernährung für Mütter während Schwangerschaft und Stillzeit, besserer Zugang

zu und Nutzung von Angeboten im Bereich der reproduktiven Gesundheit, längere Geburtenabstände,

qualifizierte Geburtshelfer und umfangreiche prä- und postnatale Fürsorge würden zusammen vielen

der Todesfälle von Neugeborenen vorbeugen, die durch Komplikationen und Infektionen verursacht

werden (40 %). Diese Maßnahmen könnten das Leben von 500 000 Müttern pro Jahr retten.

• Vorsorge und Behandlung von Kindererkrankungen: Hygieneaufklärung – Programme, die auf

regelmäßiges Händewaschen mit Seife und sichere sanitäre Anlagen gepaart mit verbesserter

Ernährung und Bereitstellung von Antibiotika abzielen, könnten bis zu 85 % aller durch

Lungenentzündung ausgelösten Todesfälle verhindern. Sicheres Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen,

ebenso wie die Anwendung von einfachen Zucker-Salz-Lösungen, sind der Schlüssel zur Verhinderung

eines Großteils der jährlich 1,5 Millionen Kindertodesfälle, die durch Durchfall bedingt sind. Die 850 000

Todesfälle von Kindern durch Malaria könnten massiv reduziert werden, wenn 80 % oder mehr innerhalb

der Zielgruppenbevölkerung mit behandelten Moskitonetzen ausgestattet, Schwangere prophylaktisch

behandelt, Schlafräume ausgesprüht, Mütter und Kinder mit Artemisin-Kombinationstherapie (ACT)

behandelt und Aufklärungsprogramme über die Malariavorsorge durchgeführt würden. Frühzeitige

Diagnose und Behandlung können das Leben von mehr als 90 % der Kinder mit HIV und AIDS

verlängern.

empfehlunGen

Zusammen können diese Maßnahmen die Gesundheitsstrategien zur Erreichung von MDG 4 wieder ins

Gleichgewicht bringen und die unbemerkte Katastrophe, die jedes Jahr nahezu 9 Millionen Kinderleben

fordert, beenden. World Vision ruft nationale Regierungen, Geber und internationale Institutionen zur

Zusammenarbeit in den folgenden vier Bereichen auf:

1. Aufstellung von einheitlichen nationalen Plänen zur Erreichung des MDG 4, vor allem für die Länder

mit den höchsten Kindersterblichkeitsraten, die gegenwärtig hinter den Zielvorgaben hinterherhinken,

spätestens bis zur MDG-Überprüfung durch die Vereinten Nationen im Jahr 2010. Diese Pläne müssen

zeitgebunden, kostenkalkuliert und auf die Bekämpfung der direkten und indirekten Ursachen von

Kindersterblichkeit und Erkrankungen unter Kindern im jeweiligen Land ausgerichtet sein.

2. Klare und zeitlich planbare Geberzusagen zur Unterstützung nationaler Pläne, dazu die ausdrückliche

1 1


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | z U S a m m E n fa S S U n g

Zusage der Geberländer, dass kein Plan an mangelnden finanziellen Ressourcen scheitern muss. Im

Rahmen dieser Bemühung müssen die Geberländer gemeinsam ihre Entwicklungshilfezusagen für

den Gesundheitsbereich bis 2015 auf 42,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr verdreifachen. Es muss

sichergestellt sein, dass die bereitgestellten Mittel gezielt, vorhersehbar, koordiniert und mit den

nationalen Prioritäten und Systemen abgestimmt werden.

3. Im Zentrum dieser globalen Anstrengungen stehen die Fokussierung auf Verteilungsgerechtigkeit

und die Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten. Regierungen und Geber müssen gemeinsam

dafür Sorge tragen, dass ein Paket medizinischer Grundversorgungsleistungen für den Patienten

gebührenfrei angeboten wird, Freiwillige im Bereich Gesundheit in den Dörfern ausgebildet werden

und Lungenentzündungen und Durchfall sowie deren Ursachen in den nationalen Plänen priorisiert

werden.

4. Ein umfassendes Überwachungs- und Rechenschaftslegungssystem, welches als Bestandteil eines

regelmäßigen UN-Überprüfungsmechanismus Daten über Fortschritte in Richtung des MDG 4 auf

lokaler, nationaler und internationaler Ebene zusammenträgt und verbreitet.

1 2


1 3


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | da S p rO b l E m

das problem

Wer stirbt?

9 millionen

KiNDeR uNteR FüNF

JAHReN SteRBeN JeDeS

JAHR

Wo

sterben

sie?

1%

industrieländer

99%

entWicKlunGsländer

indien

2 Millionen

Kindstode

d.r. Kongo

500.000

Kindstode

china

382.000

Kindstode

städtisch

5 millionen tote

60% aller Kindstode in nur 6 ländern

unGleichheit

niGeria

1,1 Millionen

Kindstode

paKistan

400.000

Kindstode

äthiopien

381.000

Kindstode

ländlich

Auf 10 Frauen, die in Städten mit medizinischer Begleitung entbinden,

kommen 5 Mütter in ländlichen Gebieten mit demselben Zugang.

28 tage

3,8

millionen

Woran

sterben sie?

10% andere urs.

indireKte todesursachen -

es fehlen:

trinkwasser &

hygiene

ausreichende

ernährung

1 Jahr 5 Jahre

6,3

millionen

9

millionen

Zugang zu

Gesundheitsdiensten

gesundheitsaufklärung

Vorbeugung

dabei sind zwei drittel aller Kindstode vermeidbar

Warum sterben sie?

1 4

3% hiV/aids

2% masern

8% malaria

18%

durchfall

40%

Geburts-

KompliKationen

19%

lunGenentZündunG

1. mangElndEr pOlitiSChEr WillE KindErgESUndhEit zU

priOriSiErEn

2. finanzlüCKE zWiSChEn bEnötigtEr Und gElEiStEtEr

UntErStützUng

3. fraUEn & KindEr habEn KaUm pOlitiSChE StimmE

4. andErE SOzialE UrSaChEn WErdEn ignOriErt

5. EntSChEidUngEn zU gESUnhEit SChliESSEn diE ärmStEn

familiEn aUS


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | d i E l ö S U n g E n

die lösunGen

6 millionen

KiNDeRleBeN KöNNteN JeDeS

JAHR DuRcH eiNFAcHSte

löSuNGeN GeRettet

WeRDeN

mosKitonetZe

ZucKer-salZtrinKlösunGen

GeGen

durchfall

6 monate Vollstillen

ausGebildetes

Gesundheitspersonal

impfunGen

dies sind einiGe der beWährten,

KostenGünstiGen massnahmen, die

Kinderleben retten Könnten

Quellen: uNiceF (2009) State of the World’s children Report, countdown to 2015 (2008) tracking progress in Maternal, Newborn and child Survival Report

1 5


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | d i E W i C h t i g S t E n fa K t E n

die 30 am schwersten

betroffenen länder

verzeichnen 80% aller

todesfälle unter Kindern

über 700.000 Kinder

sterben jährlich an Malaria

fast 40% der

Kinder sterben an

zwei Krankheiten:

lungenentzündung oder

durchfall

Durch sauberes Wasser, bessere sanitäre einrichtungen

und Hygienemaßnahmen könnte die Zahl der

Durchfallerkrankungen um 65% gesenkt werden

Kinder, die bei der Geburt zu halbwaisen werden,

sterben zehnmal häufiger vor ihrem fünften Geburtstag

als Kinder, deren mütter die Geburt überleben

1 6

die für die mütter-,

neugeborenen-

und Kindergesundheit

bereitgestellten

geberhilfen

machen lediglich

3% der weltweiten

Entwicklungsfinanzierung

aus

Mindestens

35%

aller todesfälle

von Kindern

sind auf unterernährung

zurückzuführen


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | d i E W i C h t i g S t E n fa K t E n

Eine Verbesserung der Kinderüberlebensquote

um 5% steigert das

Wirtschaftswachstum im darauffolgenden

Jahrzehnt um 1% pro Jahr

nur 40% der Kinder, die eine aidsbehandlung

benötigen, erhalten

diese auch

Wenn die derzeitige Entwicklung weiter

anhält, werden auch im Jahr 2015 noch

7 millionen Kinder vor ihrem fünften

geburtstag sterben

im fall einer erreichung des mdG 4 würde die Zahl der opfer

bis 2015 auf 4 Millionen fallen

Durch die erfüllung des mdg 4 könnten

in den fünf Jahren bis 2015 wahrscheinlich

12,5 millionen leben

und in den zehn Jahren bis 2020

29 millionen leben gerettet werden

1 7

Weltweit entbinden

40% aller Mütter

noch immer ohne

kompetente

Geburtshelfer

und die

Müttersterblichkeit

ist seit 1990 nicht

nennenswert

zurückgegangen

säuglinge, die

nicht gestillt

werden, sterben

sechsmal häufiger

in den ersten beiden

lebensmonaten

als gestillte

Kinder


9 millionen Kinder

unter fünf Jahren

sterben Jährlich

und ZWar hier

= 100.000 KiNDeR SteRBeN iNNeRHAlB DeR eRSteN

28 taGe nach der Geburt

= 100.000 KiNDeR SteRBeN

iM ersten lebensJahr

= 100.000 KiNDeR SteRBeN

VoR iHReM fünften GeburtstaG

indUStriEländEr

100.000

1 8

latEinamEriKa

Und KaribiK

300.000

mittlErEr OStEn Und

nOrdafriKa

500.000


afriKa Südl. d. Sahara

4,5 Millionen

SüdaSiEn

3 Millionen

alle zahlen jeweils auf- oder abgerundet auf die nächsten 100.000. zentral- und Osteuropa/Commonwealth sowie industrieländer:

Kindstode in den ersten fünf lebensjahren liegen unter 100.000. daten: „UniCEf State of the World’s Children 2009“.

1 9

OStaSiEn

Und SüdpazifiK

800.000

zEntral- Und

OStEUrOpa,

COmmOnWEalth Of

indEpEndant StatES

100.000


einleitunG

2 0

Sopheak Kong/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | E i n l E i t U n g

Unsere Welt wird gegenwärtig von einer anhaltenden Katastrophe heimgesucht, die täglich mehr als

24.000 Kindern unter fünf Jahren das Leben kostet. Doch anders als etwa die weltweite wirtschaftliche

Rezession oder der Klimawandel beherrscht diese Katastrophe weder die internationalen Gipfeltreffen

noch die Schlagzeilen der Medien. Sie entfacht in den meisten Ländern keine politischen Diskussionen

und schlägt sich in der Regel auch nicht in den Haushaltsbeschlüssen der Regierungen nieder. Sie

fordert mehr Opfer als jede dokumentierte Naturkatastrophe und ist dennoch weitgehend unsichtbar,

selbst in den ärmsten Ländern der Erde, in denen sich diese Tragödie im Bereich der Kindergesundheit

und der Kindersterblichkeit vornehmlich abspielt.

Als eine der weltweit größten Entwicklungsorganisationen ist World Vision der Auffassung,

dass dieser Status quo nicht aufrechterhalten werden darf: Aus unserer sechzigjährigen Erfahrung

im Bereich der Entwicklungsarbeit wissen wir nämlich, dass einfache, bewährte Maßnahmen – die

zudem überwiegend sehr kostengünstig sind – die Lebensperspektiven der ärmsten und gefährdetsten

Kinder dieser Welt grundlegend verändern können. Ein umfassendes Paket von Maßnahmen, das u.

a. die Verabreichung oraler Rehydrationspräparate bei Durchfallerkrankungen, die Verteilung von

Moskitonetzen zur Malariaprävention und die Anleitung zum ausschließlichen Stillen einschließt, kann

insgesamt 16.000 Kindern täglich das Leben retten. Die Tatsache, dass es in einigen der ärmsten Länder

dieser Erde gelungen ist, durch eine angemessene Politik gepaart mit einem nachhaltigen politischen

Engagement eine erhebliche Senkung der Kindersterblichkeit herbeizuführen, belegt, dass die neun

Millionen Todesfälle unter Kindern, die sich jedes Jahr ereignen, keineswegs unabwendbar und

unvermeidlich sind.

Die von World Vision gestartete Aktion „Gesunde Kinder Weltweit“ stuft diese Situation als ebenso

dringlich ein wie die akuten humanitären Notlagen, in denen wir regelmäßig in Aktion treten. Das

Ausmaß dieser Krise macht ein umgehendes, konzertiertes Vorgehen der Regierungen erforderlich,

das vornehmlich auf diejenigen Bereiche ausgerichtet sein muss, in denen Kinder gefährdet sind und

sterben. Ebenso notwendig ist jedoch auch der langfristige Aufbau von Systemen und Strukturen,

die die Sicherheit und Gesundheit von Kindern in ihren Lebensgemeinschaften auf lange Sicht

gewährleisten können. Dies ist nicht nur eine moralische Notwendigkeit, sondern auch eine sinnvolle

Investition, denn in einer globalisierten Welt breiten sich Krankheiten und die daraus erwachsenden

gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Folgen immer rascher aus, wie das Beispiel der

Schweinegrippe in jüngster Zeit wieder einmal gezeigt hat.

Im Jahr 2000 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Welt auf acht

Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz MDGs), darunter u. a. auf das

Ziel, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde

jedoch erst ein Drittel der Wegstrecke zurückgelegt. Die Bemühungen um eine ähnliche Verringerung

der Todesfälle unter Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt – ein an sich schon

dringliches Anliegen, dem aber zudem noch ausschlaggebende Bedeutung für die Verbesserung der

Kindergesundheit zukommt – hinken sogar noch weiter hinter den Vorgaben hinterher. Hier wurden

bislang nicht einmal 10 % des Fortschritts erzielt, der vonnöten wäre. Insgesamt gesehen ist man derzeit

bei den gesundheitsbezogenen MDGs von allen Entwicklungszielen am weitesten im Rückstand. Die

2 1


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | E i n l E i t U n g

100%

90%

80%

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

Ziel 1

einkommen

Ziel 1

Hunger

Ziel 2

Grundschulbildung

Ziel 3

Geschlechergleichstellung im

Bildungsbereich

Ziel 4

Kindergesundheit

Weltweite Fortschritte im Hinblick auf die erreichung der Milleniumsentwicklungziele (MDGs) (Quelle: countdown to 2015)

nächsten fünf Jahre bieten ein enges, aber ausreichendes Zeitfenster, in dem es möglicherweise noch

gelingen kann, diese Entwicklung zum Besseren zu wenden.

Jedes Land, das in Bezug auf die Erreichung des MDG 4 im Rückstand ist, muss einen klaren,

kostenkalkulierten und zeitgebundenen Handlungsplan für den Abbau der Kindersterblichkeit

aufstellen, der auf die in dem jeweiligen Land vorherrschenden Krankheitsbilder und spezifischen

Gegebenheiten zugeschnitten ist. Diese Pläne müssen die formalen Gesundheitssysteme und die

auf einzelne Krankheiten bezogenen Initiativen einschließen, auf denen derzeit das Schwergewicht

liegt, aber auch deutlich darüber hinausgehen. Die meisten Kinder und ihre Gesundheit dürften sehr

wahrscheinlich durch Maßnahmen gerettet werden, die derzeit vernachlässigt werden oder nicht in

2 2

Ziel 5

Müttergesundheit

Ziel 6

AiDS, tBc und Malaria

Ziel 7

Wasser

Ziel 7

Sanitäreinrichtungen


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t | E i n l E i t U n g

den Erfassungsbereich der formalen Gesundheitssysteme fallen. Solche Maßnahmen reichen von der

Gewährleistung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen über die Ernährung

bis hin zu Maßnahmen der Familienpflege.

Zwar wird über den Erfolg dieser Maßnahmen hauptsächlich in den Ländern entschieden werden,

in denen die Kindersterblichkeit auftritt, doch kommt dabei der internationalen Gemeinschaft die

Pflicht zu, die Bemühungen in den einzelnen Ländern zu unterstützen und dafür Sorge zu tragen, dass

nationale Gesundheitspläne nicht an fehlenden finanziellen Ressourcen scheitern. Diese Unterstützung

wird umso wichtiger in einer Zeit, in der die weltweite Rezession einen Teil der bislang bereits erzielten

Fortschritte nun zunichtezumachen droht. So könnte es laut Schätzungen der Weltbank in den

ärmsten Ländern der Erde infolge von rückläufigen Einkommen der Privathaushalte und sinkenden

Ausgaben der öffentlichen Hand bis zum Jahr 2015 zu weiteren 2,8 Millionen Todesfällen unter

Kindern kommen, wenn nicht umgehend gehandelt wird. Zu einer Zeit, da die Entschlossenheit

einiger Geber zur Erfüllung der einst gemachten Entwicklungshilfezusagen ins Wanken gerät, müssen

die Maßnahmen zur Unterstützung der ärmsten Kinder der Welt verstärkt und nicht etwa abgebaut

werden.

Der vorliegende Bericht legt dar, wie ein gemeinsames Vorgehen der Regierungen der

Entwicklungsländer und der Geberstaaten aussehen sollte und welche Maßnahmen erforderlich sind,

damit die Zielvorgabe, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken, erreicht wird. Das erste

Kapitel fasst das Ausmaß und Wesen der bestehenden Herausforderung zusammen, im zweiten Kapitel

werden die Hauptursachen der Katastrophe aufgezeigt. Das dritte Kapitel setzt sich damit auseinander,

welche Aufgaben den Geberländern zukommen, und im vierten Kapitel werden schließlich konkrete

Handlungsempfehlungen unterbreitet, die auf erfolgreichen Erfahrungen aus der Praxis basieren.

2 3


1.

die unbemerKte

Katastrophe

2 4

Jon Warren/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

d i E U n b E m E r K t E K ata S t rO p h E

Akute Katastrophen, von denen die Medien berichten, sind für uns schon Teil des alltäglichen Lebens geworden – so

sehr, dass mancher bereits eine allgemeine „Mitleidsmüdigkeit“ konstatiert. Im Brennpunkt der Aufmerksamkeit von

Öffentlichkeit und Politik stehen dabei vor allem die Naturkatastrophen, zum Teil sicherlich deshalb, weil derartige

Katastrophen innerhalb kürzester Zeit eine immense Zahl von Menschenleben fordern. Der Tsunami im Indischen

Ozean, der am 26. Dezember 2004 die Welt erschütterte und 216.000 Menschen das Leben kostete, war sicherlich das

bislang dramatischste Beispiel für eine solche Katastrophe und löste weltweit eine beispiellose Welle der Betroffenheit

und Spendenbereitschaft aus. Aber bei allen tragischen Verlusten und Verheerungen durch Naturkatastrophen – der

Blutzoll der unbemerkten Gesundheitskatastrophe, die Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt betrifft,

liegt um ein Vielfaches höher. In der Zeit, die seit dem Tsunami verstrichen ist, sind mehr als 40 Millionen Kinder

bis zu fünf Jahren an Ursachen gestorben, die leicht vermeidbar gewesen wären. Diese Katastrophe ist inzwischen

zum Dauerzustand geworden, was vor allem auf die Untätigkeit der Politik und fehlgeleitete Abhilfemaßnahmen

zurückzuführen ist. Sie findet kaum ein Echo, weder in den Medien noch in der Politik noch in der Zivilgesellschaft

erschallt ein Aufschrei – wahrscheinlich, weil diese Katastrophe ihren tagtäglichen Blutzoll unter den Schwächsten der

Schwachen fordert, die selbst keine Stimme haben: unter Kindern, die in extremer Armut leben. Kurz gesagt stößt die

weltweite gesundheitliche Notsituation von Kindern viel zu oft gerade bei denjenigen auf fatale Gleichgültigkeit, in

deren Macht es stünde, das Problem anzugehen.

Der weitaus größte Teil der Kinder, die heute vor ihrem fünften Geburtstag ihr Leben lassen müssen,

sterben in erster Linie deshalb, weil sie arm sind: 99 % aller Todesfälle unter diesen Kindern ereignen sich in

Entwicklungsländern. Der Großteil dieser Kindstode ist vier Hauptursachen zuzuschreiben: Komplikationen und

Infektionen bei Neugeborenen (40 % der Kinder sterben in den ersten 28 Lebenstagen), Lungenentzündung (Ursache

für 19 % der Todesfälle), Durchfall (18 %) und Malaria (8 %) 1 . Masern sowie HIV und AIDS zeichnen jeweils für

weitere 2 % bis 3 % der Todesfälle unter Kindern verantwortlich. All diese Ursachen sind größtenteils vermeidbar 2

und man hört höchst selten davon, dass ein Kind in einem reichen Land aufgrund einer dieser Ursachen stirbt. Wie

Untersuchungen belegen, könnten zwei Drittel der Kinder, die jedes Jahr sterben – insgesamt fast sechs Millionen

–, durch einfache und finanzierbare Vorsorgemaßnahmen wie beispielsweise bessere Ernährung, Geburtenplanung

und kompetente Geburtshilfe gerettet werden 3 . Nahezu drei Millionen Todesfälle gehen allein auf Unterernährung

zurück. Zudem kann auch die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Krankheiten Leben retten und die

Kindersterblichkeit deutlich verringern 4 .

Will man die gesundheitsbezogenen MDGs erreichen, so müssen die Vorsorgemaßnahmen in den ärmsten

Ländern drastisch ausgeweitet werden: Schätzungsweise 270 Millionen Kinder leben, was die Gesundheitsfürsorge

anbelangt, in einer Wüstenei, in der es selbst an der elementarsten Grundversorgung mangelt. 5 Weitere Millionen

Kinder sehen sich einer lückenhaften und häufig nicht rechenschaftspflichtigen, nicht bezahlbaren und

minderwertigen Gesundheitsfürsorge gegenüber. In gewisser Weise aber ist die Bewältigung der Kindersterblichkeit

nur ein Teil der Herausforderung: Auch für sich genommen stellen Krankheiten der Kinder bzw. die

Kindersterblichkeit eine schwere Bürde für Familien und Gemeinschaften dar und können – insbesondere in den

ersten zwei Lebensjahren – langfristige Auswirkungen auf die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder haben.

Um dieser zweifachen Herausforderung durch Tod und Krankheit Herr zu werden, müssen die Gesundheitssysteme

auf breitere Füße gestellt werden, sodass sich ein ausgewogeneres Verhältnis von Prävention und Heilung ergibt und

den Bedürfnissen der von Armut betroffenen Familien und Gemeinschaften umfassender Rechnung getragen wird.

Zwar nimmt die internationale Gemeinschaft in jüngster Zeit die Stärkung der Gesundheitssysteme zunehmend ins

2 5


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| d i E U n b E m E r K t E K ata S t rO p h E

Visier, dennoch besteht in den Gemeinschaften, in denen die meisten Kinder sterben, noch immer ein deutliches

Gefälle zwischen dem Bedarf der Gesundheitsfürsorge zum einen und der tatsächlichen Gesundheitsversorgung zum

anderen.

die epiZentren der Katastrophe

Allein in sechs Ländern – Indien, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan, China und Äthiopien

– sterben zusammengenommen jedes Jahr fast fünf Millionen Kinder, d. h. dort ereignen sich mehr als die Hälfte

aller einschlägigen Todesfälle. Die zwanzig Länder mit der absolut gesehen höchsten Kindersterblichkeit decken

sich teilweise mit den zwanzig Ländern, die die höchsten Sterblichkeitsraten aufweisen: Legt man diese zusammen,

so erhält man eine Liste der 30 am schwersten betroffenen Länder, die insgesamt 80 % all dieser Todesfälle unter

Kindern verzeichnen. Zwei dieser Länder, China und Indonesien, sind Länder mit mittlerem Einkommen, die

hohe Wachstumsraten aufweisen und zunehmend in der Lage sind, Ressourcen für die Gesundheitsversorgung

der Kinder bereitzustellen: In beiden Ländern konnte die Sterblichkeitsrate seit 1990 nahezu halbiert werden. Ein

weiteres Land, Indien, steht derzeit an der Schwelle zur Einstufung als Land mit mittlerem Einkommen, doch

offenbaren sich dort bei genauerem Hinsehen enorme Unterschiede: So beläuft sich etwa im Bundesstaat Orissa die

Kindersterblichkeitsrate auf nahezu 10 %, im Bundesstaat Kerala liegt sie dagegen bei nur knapp über 1 % 6 . Die

übrigen am schwersten betroffenen Länder liegen in Afrika südlich der Sahara oder in Südasien. Es handelt sich

zumeist um Länder mit geringem Einkommen und großer Landbevölkerung, die vielfach von Konflikten geprägt sind

und eine wenig durchsetzungsfähige Regierung haben, die ihrer Rechenschaftspflicht kaum nachkommt. In den am

schlechtesten aufgestellten Ländern wie beispielsweise Sierra Leone, Niger und Afghanistan erlebt ein Viertel aller

Kinder ihren fünften Geburtstag nicht – der Anteil der Kinder, die im frühen Kindesalter sterben, ist dort fünfzigmal

höher als in Westeuropa oder Nordamerika.

Über 80 % der Todesfälle unter Kindern ereignen sich in Afrika südlich der Sahara (4,4 Millionen bzw. 50 % aller

Todesfälle) und in Südasien (2,8 Millionen bzw. 32 %) 7 . Allerdings sind die Überlebenschancen selbst innerhalb der

Länder in diesen Regionen ungleich verteilt: In über der Hälfte der am schwersten betroffenen Länder, für die Daten

verfügbar sind, ist die Sterblichkeitsrate der unter Fünfjährigen bei den ärmsten 20 %, d. h. bei einem Fünftel der

Bevölkerung, mehr als doppelt so hoch wie bei den reichsten 20 %. In Nigeria, wo jedes Jahr mehr als 1,1 Millionen

Kinder sterben, sind die Unterschiede am ausgeprägtesten. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, vor Vollendung des

fünften Lebensjahres zu sterben, für Kinder aus den ärmsten 20 % der Bevölkerung mehr als dreimal so hoch wie für

Kinder aus den wohlhabendsten 20 %. Häufig haben diese Unterschiede auch eine regionale Dimension. In Tansania

beispielsweise liegt die Kindersterblichkeitsrate im Verwaltungsbezirk Ngorogoro bei 40 pro 1.000 Geburten, im

Bezirk Ruangwa hingegen bei 250 8 .

Hinter diesen offenkundigen großen Unterschieden verbergen sich extrem ungleich verteilte Chancen auf Zugang

zur Gesundheitsversorgung. In Äthiopien beispielsweise, wo 381 000 Kinder vor dem fünften Geburtstag sterben,

werden vier Fünftel der für die Gesundheitsversorgung bereitgestellten Mittel für das reichste Fünftel der Bevölkerung

aufgewandt. Wie die Daten über die Gerechtigkeit beim Zugang in den 30 am schwersten betroffenen Ländern

belegen, tut sich in jedem Land bei der Grundversorgung zwischen dem reichsten und dem ärmsten Fünftel der

Bevölkerung eine Versorgungslücke von 20 bis 80 % auf 9 . Am geringsten ist diese Lücke mit nur 20 % in Sambia,

einem Land, in dem die Gesundheitsversorgung seit Kurzem gebührenfrei erfolgt.

2 6


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nigEria

mali

gUinEa

nigEr

bUrKina faSO

mOSambiK

KamErUn

d.r. KOngO

tSChad

Uganda

rUanda

äthiOpiEn

KEnia

tanSania

libEria

Sambia

paKiStan

indiEn (ländliCh)

bangladESCh

indOnESiEn

0 50 100 150 200 250 300

KindersterblichKeit

bei den reichsten und

ärmsten 20%

ärmste 20% reichste 20%

Kindersterblichkeit pro 1000 lebendgeburten

Quelle: UniCEf State of the World's Children 2009, 20 high priority countries

2 7

2 7


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| d i E U n b E m E r K t E K ata S t rO p h E

Ein Abbau der Ungleichheiten zwischen Arm und Reich bei der Gesundheitsversorgung auch in den ärmsten

Ländern hätte gewaltige Auswirkungen auf die Sterblichkeitsraten insgesamt: Gelänge es, die Sterblichkeitsindikatoren

der ärmsten Bürger Nigerias denjenigen der wohlhabendsten 20 % der Bevölkerung anzugleichen, so würde dies

die Kindersterblichkeit um zwei Drittel reduzieren. In Indien würde dies eine Halbierung der Kindersterblichkeit

bedeuten. Entspräche in jedem der am schwersten betroffenen Länder die Gesundheitssituation der ärmsten 20 % der

Bevölkerung der Gesundheitssituation der reichsten 20 %, so würde sich die Zahl der jährlichen Kindstode um 3,5

Millionen verringern 13 .

Am ausgeprägtesten ist das Gefälle zwischen verschiedenen Einkommensgruppen häufig dann, wenn die

Möglichkeiten der Inanspruchnahme bestimmter Maßnahmen untersucht werden, insbesondere das Angebot an

Vorsorgemaßnahmen wie etwa der Zugang zu qualifizierten Geburtshelfern. Zu den verlässlichsten Indikatoren

für den sozialökonomischen Status zählen der Anteil an Frauen mit einem geringen Body-Mass-Index (BMI),

der Umfang, in dem kompetente Geburtshilfe in Anspruch genommen wird sowie der Zugang zu aufbereitetem

Trinkwasser und sanitären Einrichtungen. In Äthiopien beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit, verbesserte sanitäre

Einrichtungen nutzen zu können, für die reichsten 20 % der Bevölkerung 39-mal höher als für die ärmsten 20 %.

KindErgESUndhEit in EinEm dEr am SChWErStEn bEtrOffEnEn ländEr – das beispiel nigeria

Nigeria ist mit 145 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas und verzeichnet einen

jährlichen Bevölkerungszuwachs von 2 %. Zwar ist Nigeria eine der weltweit größten Ölexportnationen,

doch Jahrzehnte der Militärherrschaft, der tief verwurzelten Korruption und einer rücksichtslosen

Wirtschaftspolitik haben ein Land hinterlassen, in dem 64 % der Bevölkerung mit weniger als einem

US-Dollar pro Tag auskommen müssen und die Lebenserwartung der Männer bei 47 und die der Frauen

bei 46 Jahren liegt. Was den Lebensstandard anbelangt, bestehen innerhalb Nigerias enorme regionale

Unterschiede und die Gesundheitssituation im Norden des Landes ist weit schlechter als die im Süden.

Eine Rolle spielt sicherlich, dass über Jahrzehnte hinweg für die Gesundheitsfürsorge viel zu geringe Mittel

eingesetzt wurden: 1999 stellte die nigerianische Regierung nur 1,7 % der Mittel des Staatshaushaltes

für die Gesundheitsversorgung bereit; zwar stieg dieser Anteil bis 2002 auf 6,4 %, ging jedoch danach

wieder auf nur 4 % zurück 10 , obwohl das Land 2006 von einem Schuldenerlass im Umfang von einer

Milliarde US-Dollar profitieren konnte. Nigeria hat noch einen weiten Weg vor sich, bis die Zusage

des nigerianischen Präsidenten von der zwischenstaatlichen Konferenz in Abuja im Jahr 2001 erfüllt

ist, 15 % aller Mittel der öffentlichen Hand für die Gesundheitsversorgung bereitzustellen. Ähnlich

niedrig wie im Gesundheitsbereich waren bislang auch die öffentlichen Investitionen in den Bereichen

Bildung, Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen: Den Großteil der Ausgaben für grundlegende

Dienstleistungen bestritten die Haushalte durch zu entrichtende Gebühren selbst.

Im Prinzip haben rund 71 % der Bürger Nigerias Zugang zur primären Gesundheitsversorgung, aber

viele der betreffenden Einrichtungen sind wegen fehlender Ausrüstung, mangelhafter Ausstattung

2 8


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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mit grundlegenden Versorgungsgütern und einem Mangel an qualifiziertem Personal nur beschränkt

arbeitsfähig. Verschärft wird dieses Problem noch durch zu geringe Personalausstattung (74 %

aller Ärzte arbeiten in privaten Kliniken) und mangelnde Mitarbeitermotivation, die zum Teil auf

unregelmäßige bzw. unangemessene Vergütung zurückzuführen ist, sowie dadurch, dass kaum begleitende

Unterstützungsmaßnahmen, Ausbildungsgelegenheiten und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten geboten

werden. Dies führt dazu, dass das qualifizierte Gesundheitspersonal vielfach in privaten Einrichtungen

arbeitet oder aber abwandert.

Aber auch noch andere Barrieren behindern den Zugang, beispielsweise die Kosten der

Gesundheitsdienste, die Fahrtkosten, die anfallen, um diese in Anspruch nehmen zu können, der Mangel

an Entscheidungsbefugnis und Mitspracherecht, der den Einzelnen – und ganz besonders Frauen – häufig

davon abhalten kann, die betreffenden Einrichtungen aufzusuchen, sowie die weitverbreitete Ansicht, das

Gesundheitssystem sei ein Hort der Korruption. Diese Gegebenheiten stehen in deutlichem Kontrast zu

dem gemeinschaftsorientierten Ansatz, der vor mehr als 20 Jahren in Nigeria auf den Weg gebracht wurde

und damals in Afrika ein wegweisendes Beispiel für eine primäre Gesundheitsversorgung darstellte.

Heute stirbt fast jedes fünfte Kind vor seinem fünften Geburtstag. Die landesweite Masernimpfquote

liegt bei den unter Einjährigen laut Schätzung bei etwa 62 % und der Anteil der Kinder, die drei

DTP-Impfungen erhalten haben, beläuft sich auf schätzungsweise 54 %. Nur 5 % der Kinder schlafen

unter einem mit Insektiziden behandelten Moskitonetz – und dies, obwohl in Nigeria ein Viertel

aller Todesfälle unter Kindern auf Malaria zurückgeht. Nur ein Drittel der Kinder, die an Malaria

oder Lungenentzündung erkranken, begibt sich in Behandlung, und nur ein Viertel der Kinder, die

unter Durchfall leiden, nehmen die Gesundheitsfürsorge in Anspruch 11 – und dies, obwohl diese drei

Krankheiten für 60 % aller Todesfälle unter Kindern verantwortlich sind.

Nur ein Drittel aller Mütter entbindet mit Unterstützung kompetenter Gesundheitsfachkräfte und nur

13 % nutzen Familienplanungsmaßnahmen, um die Abstände zwischen den Geburten zu verlängern.

Infolgedessen weist Nigeria mit über 1.110 Todesfällen unter Frauen pro 100.000 Lebendgeburten eine

der weltweit höchsten Müttersterblichkeitsraten auf. Das bedeutet, dass jedes Jahr 59 000 Kinder durch

den Verlust der Mutter in eine äußerst prekäre Lage geraten. Nur 17 % der Babys werden ausschließlich

gestillt und nur ein Drittel wird innerhalb einer Stunde nach der Niederkunft an die Brust gelegt.

Durch den Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung in Verbindung mit einer

Hygieneschulung ließe sich die Gesundheitssituation drastisch verbessern, aber kaum der Hälfte der

Bevölkerung steht Wasser in Trinkwasserqualität zur Verfügung und weniger als einem Drittel wird eine

sanitäre Grundversorgung geboten 12 .

Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, bei der Entbindung kompetente Geburtshilfe in Anspruch nehmen zu können,

für die reichsten 20 % der äthiopischen Bevölkerung 27-mal höher als für die Ärmsten.

In Indien und Bangladesch sind Frauen aus dem ärmsten Fünftel der Bevölkerung gemessen am BMI zwei- bis

dreimal häufiger unterernährt als Frauen aus dem reichsten Fünftel. Damit werden auch vor- und nachgeburtliche

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Komplikationen, ein gestörtes fetales Wachstum und der Tod der Mutter wahrscheinlicher. In Kenia zeigen sich

beim Anteil an Frauen mit geringem BMI noch größere Unterschiede: Dort weisen 23 % der Frauen aus dem ärmsten

Fünftel einen zu geringen BMI auf verglichen mit nur 5 % der Frauen aus dem reichsten Fünftel.

In vielen Fällen zeigen sich hinsichtlich der Gesundheitsversorgung und der in einem weiteren Sinne

bestimmenden Faktoren für die Kindergesundheit wie beispielsweise die Wasserversorgung und sanitäre

Einrichtungen immense geografische Unterschiede, insbesondere zwischen der Bevölkerung städtischer

Ballungsgebiete und der Landbevölkerung. Ein typisches Beispiel bietet Niger: Haushalte in ländlichen Gebieten

haben bis zu neunmal seltener Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen als Haushalte in städtischen

Gebieten und die Wahrscheinlichkeit, bei der Niederkunft kompetente Geburtshilfe zu erhalten, ist für Frauen in

städtischen Ballungsgebieten dreimal höher als für Frauen auf dem Land. Aber selbst innerhalb der Bevölkerung

in den städtischen Ballungsgebieten gibt es gravierende Ungleichheiten und manchmal leben von Armut

betroffene Slumbewohner unter schlimmeren Bedingungen als die Landbevölkerung, insbesondere was die

Wasserversorgung und die sanitären Einrichtungen anbelangt 14 . Um diese Ungleichheiten abbauen und das MDG

3.5

3.0

2.5

2.0

1.5

1.0

0.5

0

indien

Mosambik

Sambia

Nigeria

indonesien

Burkino Faso

tansania

Mali

Kamerun

Kenia

pakistan

Bangladesch

Zentralafr. Rep.

Niger

Guinea

Guinea Bissau

tschad

äthiopien

Angola

D.R. Kongo

uganda

Ruanda

Sierra leone

Burundi

Schere zwischen den ärmsten 20% und den reichsten 20% beim Zugang zur grundlegenden Gesundheitsversorgung, 2006. (Quelle: countdown to 2015).

4 erreichen zu können, bedarf es maßgeschneiderter Strategien, zum einen für die ländlichen Gebiete, in denen

die Bevölkerungsdichte gering ist, die Einkommen niedriger sind und häufig nur eine beschränkte Verkehrs- und

Kommunikationsinfrastruktur verfügbar ist, und zum anderen für die Slums in den Ballungsgebieten, wo als Folge

des ungewissen rechtlichen Status der örtlichen Gemeinschaften häufig keine öffentlichen Dienstleistungen erbracht

werden.

3 0


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hygiEnE- Und ErnährUngSSChUlUngEn in bangladESCh

Das Dorf Idilpur befindet sich außerhalb der Stadt JalchatraI im Tangail-

Distrikt in Nordbangladesch. Wenn die Straßen überflutet sind, ist es schwer

zu erreichen, dennoch machen sich die Mütter aus den benachbarten Dörfern

gern auf den Weg dorthin. Sie wollen erfahren, wieso in Idilpur so viel weniger

Kinder krank sind oder sterben.

Im Rahmen des Hearth-Programms, das von World Vision Bangladesch

unterstützt wird, erhalten die Mütter eine ganze Reihe von Fortbildungen, wo

sie lernen, wie sie den Gesundheitszustand ihrer Kinder verbessern können.

Beispielsweise wird gezeigt, wie die Mahlzeiten so zubereitet werden, dass

sie den höchstmöglichen Nährwert haben oder welche der vorhandenen

Nahrungsmittel zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung führen. Auch

erfahren die Mütter, wie wichtig Hygiene im Haushalt ist und wie etwa durch

häufiges Händewaschen mit Seife tödliche Durchfallerkrankungen vermieden

werden können.

Die Unterstützung der Mütter und die Information über grundlegende

Hygienemaßnahmen brachte große Verbesserungen der Gesundheitssituation

im Dorf. Die Mütter geben ihr Wissen gern an andere weiter und das Resultat

– gesunde Kinder – sind ein deutlicher Beweis für die Wirksamkeit der

Maßnahmen und den Wert des Programms.

3 1


2.

die ursachen der

Katastrophe

3 2

Andrew Goodwin/World Vision


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eine menschenrechts-

VerletZunG

Die Kindersterblichkeitskatastrophe hat viele – globale wie auch lokale

– Ursachen, die je nach den gegebenen Umständen stark variieren. Eines

haben viele der am schwersten betroffenen Länder jedoch gemeinsam:

Ihre Regierungen versäumen es, dem Wohl der Kinder den gebührenden

Stellenwert einzuräumen, obwohl die Gesundheitsfürsorge für Kinder

und Mütter eine bindende Verpflichtung darstellt. Denn in Artikel 24 des

Internationalen Übereinkommens über die Rechte des Kindes (der sogenannten

Kinderrechtskonvention – KRK), das von allen Staaten außer Somalia und

den USA unterzeichnet wurde, verpflichten sich die Vertragsstaaten zur

Gewährleistung des Rechtes des Kindes „auf das erreichbare Höchstmaß

an Gesundheit […] sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur

Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die

Vertragsstaaten bemühen sich sicherzustellen, dass keinem Kind das Recht auf

Zugang zu derartigen Gesundheitsdiensten vorenthalten wird.“ Insbesondere

verpflichtet die KRK die Vertragsstaaten, geeignete Maßnahmen zu treffen, „um

die Säuglings- und Kindersterblichkeit zu verringern“.

Die Gesundheit des Kindes als Recht zu betrachten wird häufig mit dem

Argument abgelehnt, die Regierungen finanziell gebeutelter Entwicklungsländer

könnten es sich nicht leisten. Doch dieses Argument ist verfehlt, denn schließlich

erkennen sie Menschenrechtskonventionen an, dass viele Länder nicht in der

Lage sind, die für die allgemeine medizinische Versorgung benötigten Mittel

sofort selbst aufzubringen. Die Staaten sind allerdings verpflichtet, das Recht

auf Gesundheit durch klare Maßnahmen und größtmögliche finanzielle und

politische Anstrengungen Schritt für Schritt umzusetzen. Wenngleich in erster

Linie die nationalen Regierungen dafür verantwortlich sind, besteht dort, wo

Regierungen gemeinsam agieren – im Rahmen der Vereinten Nationen und

internationaler Finanzinstitutionen – auch eine internationale Verpflichtung, die

Regierungen der ärmsten Länder dabei zu unterstützen, ihre Ressourcenengpässe

zu überwinden. Durch diese ineinandergreifenden Grundsätze – Mobilisierung

von Ressourcen, schrittweise Umsetzung und internationale Zusammenarbeit

– werden klare Kriterien geschaffen, anhand derer sich die Erfolge einzelner

Regierungen und der internationalen Gemeinschaft bei der Verwirklichung des

Rechts auf Gesundheit messen lassen.

Die Rechte von Kindern werden häufig besonders vernachlässigt, weil sie in

der Politik formell nicht mitreden können. Auch Frauen stehen in politischen

Debatten und bei der Erarbeitung nationaler Agenden oft im Abseits.

3 3

das übereinkommen über die rechte des

Kindes – artikel 24:

1. Die Vertragsstaaten erkennen das Recht

des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an

Gesundheit an sowie auf inanspruchnahme von

einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten

und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die

Vertragsstaaten bemühen sich sicherzustellen, dass

keinem Kind das Recht auf Zugang zu derartigen

Gesundheitsdiensten vorenthalten wird.

2. Die Vertragsstaaten bemühen sich, die volle

Verwirklichung dieses Rechts sicherzustellen und

treffen insbesondere geeignete Maßnahmen, um

(a) die Säuglings- und Kindersterblichkeit zu

verringern;

(b) sicherzustellen, dass alle Kinder

die notwendige ärztliche Hilfe und

Gesundheitsfürsorge erhalten, wobei besonderer

Nachdruck auf den Ausbau der gesundheitlichen

Grundversorgung gelegt wird;

(c) Krankheiten sowie unter- und Fehlernährung

auch im Rahmen der gesundheitlichen

Grundversorgung zu bekämpfen, unter anderem

durch den einsatz leicht zugänglicher technik

und durch die Bereitstellung ausreichender

vollwertiger Nahrungsmittel und sauberen

trinkwassers, wobei die Gefahren und Risiken der

umweltverschmutzung zu berücksichtigen sind;

(d) eine angemessene Gesundheitsfürsorge

für Mütter vor und nach der entbindung

sicherzustellen;

(e) sicherzustellen, dass allen teilen der

Gesellschaft, insbesondere eltern und Kindern,

Grundkenntnisse über die Gesundheit und

ernährung des Kindes, die Vorteile des Stillens,

die Hygiene und die Sauberhaltung der umwelt

sowie die unfallverhütung vermittelt werden,

dass sie Zugang zu der entsprechenden Schulung

haben und dass sie bei der Anwendung dieser

Grundkenntnisse unterstützung erhalten;

(f) die Gesundheitsvorsorge, die elternberatung

sowie die Aufklärung und die Dienste auf dem

Gebiet der Familienplanung auszubauen.

3. Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und

geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche,

die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind,

abzuschaffen.

4. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die

internationale Zusammenarbeit zu unterstützen

und zu fördern, um fortschreitend die volle

Verwirklichung des in diesem Artikel anerkannten

Rechts zu erreichen. Dabei sind die Bedürfnisse

der entwicklungsländer besonders zu

berücksichtigen.


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| d i E U r S aC h E n d E r K ata S t rO p h E

Zudem wissen sie bisweilen wenig über ihre Rechte oder trauen sich nicht, sie einzufordern. Bedenkt man den engen

Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Kindern und Müttern, so wird deutlich, dass Regierungen der Gesundheit

von Kindern häufig deshalb nicht den gebührenden Stellenwert einräumen, weil sie sich nicht wirklich für die Rechte der

Frauen einsetzen.

Dort, wo jedoch die Regierungen die Gesundheitsfürsorge für Frauen und Kinder zu einem vorrangigen Anliegen

machen, liegen die Vorteile klar auf der Hand. Länder, die Fortschritte bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit

erzielen, weisen einige Gemeinsamkeiten auf, vor allen Dingen großes politisches Engagement auf höchster Ebene. Wo

sich Regierungschefs und Politiker gemeinsam für die Gesundheit der Kinder stark machen, folgen oftmals Ergebnisse,

etwa eine verstärkte Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen, eine höhere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den

Gesundheitsschutz, besser motiviertes Gesundheitspersonal und ein stärkeres Engagement der Geber, wie die jüngsten

Beispiele aus Liberia, Nepal, Uganda, Ruanda und Malawi bezeugen.

In Liberia haben die Wahl von Ellen Johnson-Sirleaf zur Präsidentin und das Ende der gewaltsamen Konflikte

zu einem neuen Engagement für die Gesundheitsfürsorge für Kinder geführt: Die Regierung verdreifachte

die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen von 9 auf 28 USD. Dies entspricht einem Fünftel des

Staatshaushalts. Die Aussetzung von Patientengebühren führte zu einer verstärkten Inanspruchnahme von

Gesundheitsdienstleistungen. Zusammen mit einer höheren Bettenauslastung und der Behandlung von 60 % aller

Malariafälle wurden so 23.000 Kinder vor dem Tod bewahrt 15 . Zwar bleibt noch viel zu tun, doch ist in weniger als

fünf Jahren die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren bereits von 235 auf 133 je 1.000 Lebendgeburten

gesunken.

bereitGestellte mittel

Im Gegensatz zu Liberia haben es die Regierungen vieler der am schwersten betroffenen Länder versäumt, auf die

Herausforderung angemessen zu reagieren. 2001 verpflichteten sich die Staaten auf dem Gipfel der Afrikanischen Union

im nigerianischen Abuja, als realistische Grundlage für eine allgemeine medizinische Grundversorgung 15 % ihres

Staatshaushalts in das Gesundheitswesen fließen zu lassen 16 . Seit dem sind acht Jahre vergangen und nur sehr wenige

Länder halten sich an diese Zusage, während 17 afrikanische Länder ihre Gesundheitsausgaben in den ersten drei Jahren

nach dem Gipfel von Abuja sogar gekürzt haben 17 . Nur drei der dreißig am schwersten betroffenen Länder geben derzeit

mehr als 15 % ihres Staatshaushalts für das Gesundheitswesen aus, 18 Länder hingegen weniger als 10 %. Nigeria und

Indien, die beiden Länder mit der höchsten absoluten Zahl der Todesfälle unter Kindern, stellen weniger als 5 % ihrer

Gesamtausgaben für die medizinische Versorgung bereit.

GeWährleistunG einer Gebührenfreien

mediZinischen GrundVersorGunG Vor ort

Obwohl das Recht der Kinder auf Zugang zum Gesundheitswesen anerkannt ist, bleibt es für viele der 200 Millionen

Kinder im Alter von unter fünf Jahren, die von weniger als 1 USD pro Tag leben müssen, ein Luxus. 18

Schätzungsweise vier Milliarden Menschen in Entwicklungsländern mussten sich Geld leihen oder Eigentum verkaufen,

um sich Gesundheitsfürsorge leisten zu können. Welch drastische Formen ein unerschwingliches Gesundheitswesen

3 4


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us$

25

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5

0

liberia

Ruanda

Burkina Faso

Mali

Sambia

Kamerun

Zentralafr. Rep.

tschad

china

Niger

uganda

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Mosambik

tansania

Kenia

Sierra leone

D.R. Kongo

äquatorialguinea

Sudan

Bangladesch

Guinea

indonesien

Angola

Guinea Bissau

Nigeria

indien

Afghanistan

Burundi

pakistan

Somalia

Staatliche ausgaben für die gesundheitsfürsorge als anteil am Staatshaushalt für die 30 am schwersten betroffenen länder (Quelle: Countdown to 2015).

annehmen kann, zeigen Berichte darüber, wie Frauen in Ländern wie Kenia so lange auf der Entbindungsstation

eingeschlossen werden, bis sie die Entbindungskosten bezahlen können. 19

Die Aufwendungen für die Gesundheitsfürsorge lassen sich oftmals nur schwer im Voraus abschätzen und

können mit erheblichen Kosten verbunden sein. Daher sind Privathaushalte häufig zu Notverkäufen ertragsfähiger

Vermögenswerte wie Vieh oder Land gezwungen, um die Behandlung eines Familienangehörigen finanzieren zu können.

Nach Schätzungen der WHO geraten jährlich 100 Millionen Menschen in Armut, weil sie für Gesundheitsfürsorge

zahlen müssen. 20 Eine in Afrika durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich mehr als 30 % der in armen

Haushalten lebenden Menschen aus reinen Kostengründen keine medizinische Versorgung leisten können. 21 In einer

Studie zu den Auswirkungen privater Zahlungen auf die Armut in elf asiatischen Ländern wurde festgestellt, dass 78

Millionen Menschen nach Zahlungen für Gesundheitsleistungen weniger als 1 USD pro Tag zur Verfügung hatten. Die

Studie kam zu dem Schluss, dass private Zahlungen für Gesundheitsleistungen die Armut verschärfen und Maßnahmen

zur Verringerung der Zahl der Asiaten, die von weniger als 1 USD pro Tag leben, auch Maßnahmen zur Verringerung

dieser Zahlungen einschließen müssten. 22

Es gibt triftige Gründe für eine gebührenfreie medizinische Grundversorgung in Entwicklungsländern: Allein

dadurch könnte jährlich in 20 afrikanischen Ländern das Leben von schätzungsweise 233.000 Kindern für nicht einmal

1,50 USD pro Person und Jahr gerettet werden. 23 Länder mit einer öffentlich geförderten, gebührenfreien medizinischen

Grundversorgung weisen in der Regel die besten aggregierten Gesundheitsindikatoren auf, wie eine kürzlich

veröffentlichte Studie der Weltbank zum Gesundheitswesen in Asien zeigt. 24

3 5


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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Die Abschaffung der offiziellen Gebühren ist jedoch nur ein Teil der

Herausforderung. Viele kostenbedingte Barrieren zur medizinischen

Grundversorgung entstehen durch inoffizielle Kosten. So machen etwa in Armenien

Schmiergeldzahlungen rund zwei Drittel der Gesundheitskosten aus und auch indirekte

Kosten z. B. für die Beförderung zum Gesundheitsdienstleister können hemmend

wirken. 25 Jede Strategie, die auf gebührenfreie medizinische Leistungen abzielt, muss

deshalb mit einer Erhöhung der bereitgestellten Mittel einhergehen, denn es sind

einerseits die Einkommensverluste aufgrund wegfallender offizieller Gebühren und

inoffizieller Zahlungen auszugleichen und andererseits muss der resultierende Anstieg

der Nachfrage nach Leistungen bewältigt werden.

Im Rahmen einer breiteren Strategie für ein nachhaltiges und gerechtes

Gesundheitssystem haben einige Länder mit niedrigem Einkommensniveau jedoch den

Zugang zu medizinischen Dienstleistungen durch Abschaffung der Patientengebühren

stark verbessert. So führte Uganda 2001 eine gebührenfreie Gesundheitsfürsorge

ein, was zur Folge hatte, dass sich die Inanspruchnahme von Leistungen mehr

als verdoppelte. Untersuchungen zeigen, dass die Leistungen zu einem Großteil

vom ärmsten Fünftel der Bevölkerung – vor allem Frauen und Kindern – stärker

in Anspruch genommen werden. Auch Sambia schaffte 2006 – zum Teil durch

einen Schuldenerlass seitens der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds

finanziert – die Gesundheitsgebühren in den ländlichen Gebieten ab, wodurch die

Inanspruchnahme medizinischer Leistungen um 50 % stieg. In Burundi führte die

Abschaffung der Gebühren für Entbindungen dazu, dass die Zahl der Entbindungen

in Gesundheitszentren um mehr als 60 % zunahm. Auch Niger und Nepal können auf

ähnlich positive Erfahrungen verweisen. 26

Im Gegensatz dazu finanzieren viele der am schwersten betroffenen Länder wie

Sierra Leone, Guinea Bissau und Nigeria ihre Gesundheitssysteme durch private

Zahlungen und treiben damit die Ungleichheit voran. Solange sich in diesen

Ländern keine armenfreundlichere Finanzierungspolitik durchsetzt (wozu auch eine

gebührenfreie medizinische Grundversorgung zählt), werden Fortschritte bei der

Verwirklichung des MDG 4 auch weiterhin ausbleiben.

Gesundheitspersonal

und VerWaltunG Von

Gesundheitssystemen

Die Gesundheitsfürsorge ist an sich sehr arbeitsintensiv und das Personal – von Ärzten

und Krankenschwestern in den formalen Gesundheitssystemen bis hin zu qualifizierten

Geburtshelfern und Gesundheitsaufklärern in den örtlichen Gemeinschaften –

bildet das Rückgrat jeder effektiven Strategie zur Verwirklichung des MDG 4.

3 6


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2

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Burundi

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äuqatorialguinea

liberia

Niger

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Mosambique

tansania

Bangladesch

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Sierra leone

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D.R. Kongo

Mali

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Guinea

Guinea Bissau

uganda

indonesien

Sudan

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Kamerun

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Nigeria

china

Sambia

Zentralafr. Rep.

Zahl der Mitarbeiter im Gesundheitswesen je 1.000 einwohner in den dreißig am schwersten betroffenen ländern. (Quelle: countdown to 2015)

Um eine angemessene medizinische Grundversorgung zu erreichen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) mindestens 2,5 Mitarbeiter je 1.000 Einwohner. 27 Wie die Grafik zeigt, ist dies jedoch nur in einem der

30 am schwersten betroffenen Länder der Fall, während 23 von ihnen nicht einmal die Hälfte der empfohlenen

Mindestpersonalausstattung erreichen. 28 Zum Vergleich: In einem wohlhabenden Land wie Großbritannien stehen im

Gesundheitswesen rund 15 Mitarbeiter je 1.000 Einwohner zur Verfügung, mehr als das Sechsfache des von der WHO

empfohlenen Minimums. 29

Die Zahl der Mitarbeiter im Gesundheitswesen ist jedoch nur ein Teil der Herausforderung. Die Regierungen

müssen auch dafür sorgen, dass das Gesundheitspersonal die für die medizinische Versorgung der Bevölkerung nötigen

Qualifikationen und Kompetenzen besitzt. 2006 empfahl die WHO, zur Verwirklichung der MDG in jedem Land 10

USD pro Einwohner und Jahr in die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsfachkräften und die Aufrechterhaltung

einer ausreichenden Mitarbeiterzahl im Gesundheitswesen zu investieren. 30 Im gleichen Bericht wurde den Ländern

dazu geraten, den Personalbestand zu evaluieren, um festzustellen, wie viele Gesundheitsfachkräfte benötigt werden und

welche Qualifikationsdefizite bestehen.

Die größten Defizite bestehen in ländlichen Gebieten: In den meisten Ländern ist qualifiziertes medizinisches

Personal hauptsächlich in den Städten konzentriert. In Tansania zählt der überwiegend städtische Distrikt Moshi

12 Mitarbeiter je 1000 Einwohner, der ländliche Distrikt Bukombe hingegen nur 0,3. 31 Kurzfristig müssen die am

schwersten betroffenen Länder ihr Personal im Gesundheitswesen halten und die Qualifikationen und Leistungen

der Mitarbeiter durch Strategien wie Aufgabendelegierung und Ausbildung von medizinischem Grundpersonal

3 7


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verbessern. Genau dies ist in Afghanistan im Rahmen des 18 monatigen

Ausbildungsprogramms für Hebammen in den Dörfern geschehen. 32 Eine

andere mögliche Maßnahme ist die Weiterbildung von Krankenschwestern

und Hebammen für die Notfallversorgung in der Geburtshilfe. Dies hat sich in

Mosambik und Malawi bewährt. 33

nichterreichen Gefährdeter

familien und Gemeinschaften

Die Gesundheitsversorgung von Kindern unter fünf Jahren findet in der Regel

zuerst im Haushalt statt. Darüber hinaus werden Leistungen normalerweise in den

örtlichen Gemeinschaften durch offizielle und inoffizielle Gesundheitsdienstleister

erbracht. In Anbetracht dessen sollte einfachen Maßnahmen zur Prävention und

Kostenminimierung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hierzu zählen

unter anderem bessere Ernährung, regelmäßiges Händewaschen, Stillen und die

frühzeitige Diagnose von Lungenentzündungen. All diese Maßnahmen haben

potenziell eine enorme Breitenwirkung. Eigenen Schätzungen von World Vision

zufolge könnte ein umfassendes Programm von Gesundheitspflegeleistungen auf

Familien- und Gemeinschaftsebene, das diese Maßnahmen einschließt, jedes

Jahr das Leben von 2,5 Millionen Kindern retten – mehr als die Hälfte der zum

Erreichen des MDG 4 benötigten Zahl. 34

Trotz der zentralen Bedeutung, die der Gesundheitspflege in den Familie und

örtlichen Gemeinschaften zukommt, konzentrieren sich Gesundheitspläne und

gesundheitspolitische Strategien in der Regel darauf, Probleme der Angebotsseite

anzugehen, etwa die Logistik, Transport , Personal- und Finanzverwaltungssysteme

sowie die Verwaltung wichtiger Gesundheitsdaten, während für die Beseitigung von

Hemmnissen auf der Nachfrageseite und die sozialen Gesundheitsfaktoren kaum

Mittel und Anstrengungen aufgebracht werden. So werden etwa häufig Mittel

für Mobilisierungsmaßnahmen in den örtlichen Gemeinschaften eingesetzt, die

eine stärkere Inanspruchnahme von Leistungsangeboten fördern sollen, ohne dass

bEdürfniSSE VOn gEmEinSChaftEn Und rEaKtiOn dES

StaatES – brückenschlag in nepal

In dem ländlichen und bergigen Distrikt Makwanpur in Nepal

entbinden 90 % der Frauen zu Hause. In einem Projekt, das sich an

sozialen Mobilisierungsmaßnahmen in örtlichen Gemeinschaften

3 8

Was ist ein Gesundheitssystem?

Nach der Definition der WHo umfasst ein

Gesundheitssystem alle organisationen,

personen und maßnahmen, deren

vorrangiges Ziel darin besteht,

Gesundheit zu verbessern,

wiederherzustellen oder zu erhalten.

Dazu zählen auch organisationen und

personengruppen wie etwa Mütter, die ihre

Kinder zu Hause betreuen, organisationen,

die sich für die verstärkte Verwendung von

Moskitonetzen zur Malariaprävention einsetzen,

traditionelle Heiler, Dorfgesundheitsvolontäre,

staatliche Kliniken und Krankenhäuser, NRo und

Krankenversicherungsverbände.

ein effektives Gesundheitssystem benötigt

zumindest verschiedene prozess- und

Kapazitätsfunktionen. Hierzu zählen im

Allgemeinen:

• die unmittelbare erbringung von

leistungen für die Bevölkerung

in der primären, sekundären (z. B.

regionale Kliniken) und tertiären (z. B.

zentrale Ausbildungskrankenhäuser)

Gesundheitsversorgung, wobei die leistungen

von privaten und öffentlichen Anbietern erbracht

werden können und Vorsorge, Behandlung und

Rehabilitation einschließen;

• unterstützende dienstleistungen, die die

erbringung von leistungen ermöglichen, etwa die

Beschaffung und lagerung von Medikamenten

oder die instandhaltung von Geräten;

• eine ausreichende Zahl von mitarbeitern

und ihre entwicklung einschließlich der Aus- und

Weiterbildung von medizinischem personal;

• eine physische infrastruktur für die

erbringung von Gesundheitsdienstleistungen

(Krankenhäuser, labors, Medizintechnik und

andere Gerätschaften sowie Ausbildungsstätten);

• finanzierungsregelungen (beispielsweise

Krankenversicherung, Direktzahlungen von

patienten, öffentliche Mittel und internationale

Hilfen);

• ein regulierungs- und Zulassungssystem,

das die Bevölkerung vor unsicheren produkten,

unwirksamen Medikamenten und ungeeigneten

Behandlungsmethoden schützt;

• eine übergreifende steuerungsfunktion

des Gesundheitssystems (Festlegung der

politik, planung und Zuteilung von Ressourcen,

leistungsüberwachung).


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in Bolivien orientierte, kamen Moderatorinnen mit Frauen zusammen, um die Hemmnisse für eine

stärkere Nutzung von Kliniken auf der Angebots- und der Nachfrageseite auszuloten. Anschließend ging

das Programm die Schwierigkeiten auf der Angebotsseite an, während die örtlichen Gemeinschaften

die Überwindung der Barrieren auf der Nachfrageseite in Angriff nahmen, indem sie beispielsweise

Frauen über die Vorteile von Geburtsvorbereitungskursen und des Stillens aufklärten. Im Rahmen

des Programms wurden medizinische Einrichtungen insbesondere in der Neugeborenenpflege

verstärkt, Beförderungsprobleme, die den Zugang zur medizinischen Versorgung behinderten,

beseitigt, Haustürkampagnen zur Gesundheitsförderung durchgeführt und Aufklärungsarbeit zur

Ernährung und zu den Vorteilen von Entbindungen mit qualifizierten Geburtshelfern betrieben. Die

Neugeborenensterblichkeit ging in den Gemeinschaften um ein Drittel zurück, die Müttersterblichkeit

sank um etwa 70 %, während die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen um mehr als

100 % zunahm. 35

die tatsächlichen Prioritäten und Bedürfnisse der betreffenden Gemeinschaften im Vorfeld ermittelt und anschließend

berücksichtigt werden. Die Mitglieder der Gemeinschaften – insbesondere Frauen und Kinder – werden bei der Planung

und Überwachung von Leistungen und Maßnahmen oftmals übergangen, was wiederum eine geringe Inanspruchnahme

der Leistungen zur Folge haben kann.

Die Erfahrung zeigt, dass Dorfgesundheitsvolontäre einen entscheidenden Beitrag zur Überbrückung der

bestehenden Kluft zwischen dem Gesundheitsfürsorgebedarf von Müttern und Kindern und der Realität der

Gesundheitssysteme leisten können. Das in den 50er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstandene chinesische

System der „Barfußärzte“, das in den 25 Jahren seines Bestehens zur Verdoppelung der Lebenserwartung in China

beitrug, und ähnliche Ansätze in Nicaragua in den 80er-Jahren zeigen, welche dramatischen Verbesserungen angelernte

Mediziner für das Überleben und das Wohl von Kindern erreichen können. 36 Solche Volontäre sind zwar von

qualifiziertem medizinischem Fachpersonal wie Ärzten, Krankenpflegepersonal und Hebammen abzugrenzen, sind

aber dennoch als wichtiger Teil des Gesundheitssystems zu betrachten und können bei der Gesundheitsaufklärung, bei

gEbUrt im ländliChEn nEpal – tara devis geschichte

Tara Devi, 19 , mähte Heu für das Vieh der Familie, als die Wehen einsetzen. Die Fruchtblase war schon

zuhause geplatzt, doch Tara war über die Geburt, und die Signale, die sie ankündigen, nicht informiert,

so dass sie trotzdem ihrer täglichen Arbeit nachging. Irgendwann wurden die Schmerzen so stark, dass sie

sich auf den Heimweg in ihr Dorf machte. Gewöhnlich ist das ein Fußmarsch von 45 Minuten, doch an

dem Tag brauchte sie fast zwei Stunden. Sie erinnert sich: „Ich wusste gar nicht, was mit mir

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passiert. Alle fünf Minuten musste ich anhalten und mich an einer

Mauer oder einen Baum anlehnen, weil die Schmerzen unerträglich

wurden.“ Als sie zuhause ankam, wusste ihr Ehemann ebenso wenig

wie sie, dass die Geburt unmittelbar bevorstand. Er trug ihr auf, das

Essen vorzubereiten. Erst als die Schwiegermutter nach Hause kam

und erkannte, was geschah, ließ Tara ihre eigene Mutter holen. Zu dem

Zeitpunkt war schon der Kopf des Babys sichtbar. Taras Mutter und

ihr Mann legten sie auf ihr Bett, als sie vor Schmerzen das Bewusstsein

verlor. Da weder ein Krankenhaus noch Gesundheitsposten erreichbar

waren, half Taras Mutter dem Baby auf die Welt. Die Plazenta wurde

jedoch nicht ausgestoßen. Nach einer Woche mit immer stärkeren

Schmerzen machte sich Taras Mutter mit ihrer Tocher auf den Weg

in die nächste Klinik – normalerweise ein dreistündiger Fußmarsch.

Sie lieh sich Geld von den Nachbarn und organisierte Träger und eine

Bahre. Im Krankenhaus wurde sie behandelt und noch am gleichen Tag

wieder nach Hause gebracht. Bei der Geburt ihres zweiten Kindes unter

ähnlichen Umständen erlitt Tara eine schwere Gebärmuttersenkung,

sodass sie operiert werden musste. Sie ist nun, mit 36 Jahren, eine

Dorfgesundheitsvolontärin und informiert Frauen darüber, wie sie ihr

Baby sicher und gesund zur Welt bringen können.

Immunisierungskampagnen und der grundlegenden Schwangerschaftsfürsorge einen

wesentlichen Beitrag leisten (siehe Textkasten).

Sie sind weder Schnelllösungen noch eine billige Alternative zu qualifiziertem

medizinischem Personal, sondern Teil der Pflegekontinuität vom Haushalt bis zum

Krankenhaus und sie benötigen eine spezielle Ausbildung sowie effektive Anleitung

und Unterstützung. Da sie Kindern und ihren Familien gewöhnlich sowohl

körperlich als auch funktionell näherstehen als medizinisches Fachpersonal, können

Volontäre auch eine wichtige Rolle bei der Steigerung der Nachfrage nach effektiver

Gesundheitsfürsorge in den örtlichen Gemeinschaften übernehmen und dazu beitragen,

dass formelle Gesundheitssysteme verantwortungsbewusster und bürgerfreundlicher

werden, beispielsweise durch Einbeziehung von Menschen vor Ort in die Planung

und Überwachung von Dienstleistungen. Eine besonders wichtige Funktion haben

Volontäre sicherlich in den am schwersten betroffenen Ländern mit einer zahlenmäßig

großen, aber zerstreuten Landbevölkerung und einer schwachen Infrastruktur. Deshalb

4 0


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dOrfgESUndhEitSVOlOntärE – das beispiel Kambodscha

Schwerpunkte des Kinderüberlebensprogramms in Nordostkambodscha waren die Unterstützung und

Förderung des Stillens, Immunisierung, Ernährung, die Verabreichung von Mikronährstoffpräparaten zur

Nahrungsergänzung, die Behandlung von Durchfallerkrankungen, die Verwendung von Moskitonetzen

und die Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsdiensten im Bereich der reproduktiven Gesundheit und

Gesundheitsfürsorge für Mütter. Dorfgesundheitsvolontäre und ihre Vorgesetzten traten aktiv für eine

stärkere Inanspruchnahme der Dienstleistungen und gesündere Verhaltensweisen ein.

Im Ergebnis ging die Müttersterblichkeit in den betroffenen Gemeinschaften um 75 % und die

Kindersterblichkeit um 70 % zurück, während die Zahl der Mütter, die ausschließlich stillten, drastisch

stieg – von 2 % auf 73 %. Zudem erhöhte sich die Durchimpfungsrate gegen Tetanus von 12 % auf

73 %, die Verwendung von Jodsalz von 1 % auf 41 % und die Anwendung der oralen

Rehydrationstherapie (ORT) stieg von 15 % auf 81 %. Der Anteil der vollständig immunisierten Kinder

erhöhte sich von 17 % auf 79 %. Die Inanspruchnahme von Schwangerschaftsfürsorgeleistungen stieg

auf mehr als das Doppelte, der Anteil der unter Mitwirkung qualifizierter Geburtshelfer entbindenden

Frauen immerhin von 19 % auf 25 %. Die von den Volontären durchgeführten Datenerhebungen

haben außerdem zur Verbesserung der Gesundheitsinformationssysteme der Bezirke und somit auch der

künftigen Gesundheitsplanung beigetragen. 37

müssen nationale Pläne zur Verwirklichung des MDG 4 eine umfassende gesetzliche und finanzielle Unterstützung für

den Ausbau ihres Leistungsvermögens enthalten.

die ursachen anpacKen

Es ist eine Binsenweisheit, dass zur Gesundheit mehr gehört als medizinische Versorgung: Will man das Wohl der Kinder

nachhaltig verbessern, ist ein umfassender Ansatz vonnöten, der über die Schaffung von Systemen zur Vorbeugung

und Behandlung von Krankheiten hinaus auch die vielen sozialen Gesundheitsfaktoren berücksichtigt. Einige dieser

Faktoren wirken sich unmittelbar auf das Überleben von Kindern aus – verunreinigtes Wasser ist die Hauptursache dafür,

dass jährlich 1,5 Millionen Kinder an Durchfallerkrankungen sterben. Andere Faktoren wie mangelnde Bildung der

Eltern und Diskriminierung von Frauen und Mädchen mögen zwar weniger unmittelbar wirken, haben aber dennoch

erhebliche Folgen für Kinder.

Diese Einsicht beschleunigte viele der Sozialreformen in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Beispiel dafür

ist der Beveridge-Plan in Großbritannien, der im Rahmen eines umfassenden Pakets zur Anhebung des Lebensstandards

nicht nur auf eine allgemeine Gesundheitsversorgung, sondern auch auf eine Verbesserung der Ernährung, der

Wohnsituation und der Einkommenssicherheit abzielte. 38 Doch diese auch in der wegweisenden Erklärung von Alma-Ata

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im Jahr 1978 geteilte Einsicht fällt heutzutage oftmals den praktischen Schwierigkeiten

der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern zum Opfer. 39 Die

Gesundheitsministerien arbeiten in der Regel isoliert von den für Wasser, Ernährung

und andere Schlüsselfaktoren zuständigen Ministerien, und obwohl es in vielen Ländern

nationale Gesundheitspläne gibt, haben nur sehr wenige ein sektorübergreifendes

Konzept für die Verwirklichung des MDG 4.

Die Vernachlässigung von Wasser und Hygiene sollte Anlass zu besonderer Sorge

sein: Nach Schätzungen der WHO könnten durch sauberes Wasser, bessere sanitäre

Einrichtungen und grundlegende Hygienemaßnahmen zusammen jedes Jahr rund

7 Mrd. USD an Gesundheitsausgaben eingespart werden. 41 Doch bislang waren

die meisten nationalen Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs der ärmsten

Bevölkerungsschichten zu sauberem Wasser unsystematisch und unterfinanziert.

Die Wasserversorgung erfolgt in der Regel durch relativ hoch entwickelte integrierte

Systeme. Dies führt dazu, dass arme und ländliche Haushalte häufig nicht daran

angeschlossen sind. So haben etwa in Benin mehr als 90 % des in den Stadtgebieten

konzentrierten reichsten Fünftels der Bevölkerung Zugang zu aufbereitetem Wasser.

In dem größtenteils in ländlichen Gebieten lebenden ärmsten Fünftel haben hingegen

weniger als 15 % einen solchen Zugang. 42

KlimaWandEl Und gESUndhEit –

eine herausforderung für die gegenwart und die zukunft

Die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit von Kindern

werden häufig übersehen, dabei stellen beide eine ständig wachsende

Herausforderung für das Erreichen des MDG 4 dar. Für Kinder dürften

die Folgen schon deshalb schwer sein, weil sie zum einen für Krankheiten

anfälliger sind als Erwachsene und zum anderen ihre Rechte nicht

so einfach durchsetzen können (weshalb sie beispielsweise häufig als

Letzte mit Nahrungsmitteln bedacht werden). Am stärksten ist der

Klimawandel in ohnehin schon armen Gegenden zu spüren, die oftmals

landwirtschaftliche Randgebiete sind und zudem in der Regel eine hohe

Kinderkrankheitsrate und sterblichkeit aufweisen. Durch die Änderung

von Durchschnittstemperaturen steigt die von ansteckenden Krankheiten,

insbesondere von Malaria, ausgehende Gefahr, während klimabedingte

Wasserverunreinigungen (etwa durch Versalzung der Wasserversorgung,

Überschwemmungen und das Abschmelzen von Gletschern) die

4 2

die erklärung von alma-ata

Die 1978 von der WHo und

uNiceF in Alma-Ata (Kasachstan)

veranstaltete internationale Konferenz

zur primären Gesundheitsversorgung,

an der fast alle Mitgliedstaaten der

Weltgesundheitsorganisation (WHo)

teilnahmen, war ein Meilenstein

in den weltweiten Bemühungen

zur Verwirklichung des Rechts auf

Gesundheit. Die von der Konferenz

verabschiedete erklärung erkannte

die entscheidende Bedeutung der

primären Gesundheitsversorgung

für diese Bemühungen. Sie erkannte

auch, dass Gesundheit (definiert

als größtmögliches soziales

Wohlbefinden und nicht nur die

Abwesenheit von Krankheit) neben

rein medizinischen Maßnahmen

vor allem auch vorbeugende

Maßnahmen, vielfach außerhalb

der formellen Gesundheitssysteme,

sowie Gesundheitsförderungs- und

Rehabilitationsmaßnahmen erfordert.

Sie setzte das Jahr 2000 als Ziel, bis

zu dem ein Gesundheitszustand der

Bevölkerung erreicht sein sollte, der

es jedem ermöglicht, ein sozial und

wirtschaftlich produktives leben zu

führen. 40


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| d i E U r S aC h E n d E r K ata S t rO p h E

Gefahrvon durch das Wasser übertragenen Krankheiten wie Durchfall

erhöhen. Bereits heute sind dem Klimawandel wahrscheinlich mehr

als 150.000 Todesfälle und 5 Millionen Krankheitsfälle pro Jahr

zuzuschreiben. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge ist in bis zu

46 Ländern, in denen 2,7 Milliarden Menschen leben, mit einem Anstieg

des Risikos klimabedingter Konflikte zu rechnen. Bis 2050 könnten an

die 150 Millionen Menschen durch Wüstenbildung, Wasserknappheit,

Überschwemmungen und Stürme gezwungen sein, ihre Heimat zu

verlassen, worunter die Kinder wiederum am stärksten zu leiden hätten. 43

Bessere sanitäre Einrichtungen könnten zu ähnlich großen Erfolgen in Bezug

auf die Gesundheit der Kinder führen: Jeder hier investierte Dollar entlastet die

betreffenden Volkswirtschaften durch Produktivitätssteigerungen und niedrigere Kosten

für die Gesundheitsversorgung um schätzungsweise 9 Dollar. 44 Bedenkt man, dass

jedes Jahr bei mehr als 2 Millionen Todesfällen von Kindern unzureichende sanitäre

Einrichtungen eine Rolle spielen 45 und für nahezu die Hälfte dieser Fälle sogar die

Hauptursache sind – weshalb allein durch saubere Toiletten und bessere Hygiene

65 % der Durchfallerkrankungen vermieden werden könnten –, dann wird deutlich,

wie dringend dieses Problem in den Vordergrund und ins Zentrum nationaler und

weltweiter Strategien zur Verwirklichung des MDG 4 gestellt werden muss. 46 Dennoch

sind sanitäre Einrichtungen und grundlegende Hygiene die vielleicht am stärksten

vernachlässigten Schlüsselfaktoren für die Gesundheit von Kindern: In den 90er-Jahren

wurde im Durchschnitt nur ein Zehntel der für Wasser und sanitäre Einrichtungen

bestimmten Entwicklungshilfen für die Verbesserung von sanitären Einrichtungen

verwendet. Gewöhnlich stellen die Regierungen der Empfängerländer für diesen

Bereich ebenfalls wenig Geld zur Verfügung, während die Zuständigkeit dafür auf die

lokale Ebene delegiert wird. Auch andere einfache Hygienemaßnahmen können zu

dramatischen Erfolgen führen. So ließen sich allein durch Händewaschen mit Seife die

durchfallbedingten Todesfälle um 45 % und die Fälle von Lungenentzündungen um

23 % senken. 47

Die Stellung der Frau ist ein weiterer Schlüsselfaktor für die Gesundheit von

Kindern, der – ebenso wie die Faktoren Wasser und sanitäre Einrichtungen – häufig

übersehen wird. Dabei fehlt es nicht an Belegen: Eine in 152 Ländern durchgeführte

Studie ermittelte Bildungsmangel und Armut unter Frauen als die beiden größten

Einflussfaktoren für die Kindersterblichkeit. Frauen, die einen Bildungsabschluss

4 3


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erworben haben, insbesondere einen Sekundarschulabschluss, nehmen eher für sich

und ihre Kinder Gesundheitsfürsorgemaßnahmen in Anspruch und achten auf eine

effektive Durchführung der Behandlung. 48 Eine Studie aus Sri Lanka zeigt, dass die

Kindersterblichkeit mit jedem zusätzlichen Jahr Vollzeitausbildung, das die Mütter

absolviert haben, sinkt, während Kinder von Müttern ohne Bildungsabschluss doppelt

so häufig sterben wie Kinder von Müttern mit Sekundarschulabschluss. 49 Frauen mit

einem Sekundarschulabschluss heiraten zudem später, entbinden in größeren Abständen

und bekommen weniger Kinder, was ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Kinder

zugutekommt. 50

Wie diese zahlreichen Belege zeigen, stellen die geschlechtsbedingten

Bildungsunterschiede in vielen der am schwersten betroffenen Länder eines der größten

Probleme dar. Weltweit sind mehr als 55 % der Kinder, die keine Schule besuchen,

Mädchen. In Niger schließen 56 % der Jungen die Grundschule ab, aber nur 40 %

der Mädchen. In Afghanistan besuchen drei Viertel aller Jungen die Grundschule,

jedoch weniger als die Hälfte aller Mädchen. Noch größer wird die Kluft in der

Sekundarschule, wo die Zahl der Abschlüsse bei afghanischen Jungen dreimal so hoch

ist wie bei Mädchen. 51

Die geschlechtsbedingte Bildungskluft in den ärmsten Ländern zu schließen sollte

ein vorrangiges Anliegen sein, denn Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Bildung.

Dies würde auch der Gesundheit der Kinder in erheblichem Maße zugutekommen.

Der Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen und Mädchen geht oft damit

einher, dass sich Gemeinschaften mit heiklen kulturellen und religiösen Themen

auseinandersetzen, von denen viele – etwa die Beschneidung von Mädchen, die Frühehe

und negative Einstellungen zur Familienplanung – unmittelbare gesundheitliche Folgen

haben können. Angesichts der mit einer Änderung solcher Praktiken verbundenen

Herausforderungen ist es von immenser Bedeutung, Gesundheitsstrategien hinreichend

zu dezentralisieren, um das lokale Umfeld der Kinder gebührend berücksichtigen und

die Maßnahmen auf die Beseitigung dieser Barrieren zuschneiden zu können. Die

Initiative „Channels of Hope“ von World Vision, in der wir gemeinsam mit örtlichen

religiösen Führern wie Pfarrern und Imamen gegen die mit HIV und AIDS verbundene

Stigmatisierung eintreten und Änderungen von Verhaltensmustern fördern, ist ein

Beispiel dafür, wie Gemeinschaften auf konstruktive Weise in den Kampf für eine

bessere Gesundheitsversorgung einbezogen werden können. 52

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4 5


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

3.

Was reiche länder

tun müssen :

mehr Geld für die

KinderGesundheit,

mehr

KinderGesundheit

fürs Geld

4 6

Jon Warren/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

Von 100 Todesfällen unter Kindern ereignen sich 99 in Entwicklungsländern. Die

deutlichsten Impulse für Veränderungen müssen daher von diesen Ländern ausgehen, nicht

zuletzt durch stärkeres politisches Engagement einzelner Bürger und Gemeinschaften wie

auch der organisierten Zivilgesellschaft (NRO, Medien, Berufs- und Branchenverbände

sowie religiösen Organisationen) für die Gesundheit von Kindern. Erfahrungsgemäß

kommen wichtige staatliche Maßnahmen zur Senkung der Kindersterblichkeit häufig

durch öffentlichen Druck und aufgeklärte Diskussionen in der Öffentlichkeit zustande.

Gleichzeitig stehen die reichen Länder vor der realen und dringenden Aufgabe,

diese nationalen Bemühungen zur Verwirklichung des MDG 4 zu unterstützen.

Aus universellen Rechten wie dem der Kinder auf Gesundheit und Wohlbefinden

erwachsen universelle Pflichten. Daher ist es eine vorrangige Aufgabe der internationalen

Gemeinschaft, nationalen Regierungen, deren Ressourcen nicht ausreichen, dabei zu

helfen, ihren Kindern ein gesundes Leben zu ermöglichen. An diese Pflicht wird nicht nur

in Menschenrechtsdokumenten, sondern auch in Kommuniqués und Erklärungen von

Gipfeltreffen regelmäßig appelliert. Doch in der Praxis erfüllen die reichsten Länder die an

sie gerichteten Erwartungen allzu oft nicht – mit verheerenden Folgen für die ärmsten und

gefährdetsten Kinder der Welt. In diesem Kapitel wird dargelegt, dass die reichen Länder

ihre Bemühungen selbst intensivieren müssen, indem sie mehr Geld für die Gesundheit

der Kinder bereitstellen und gleichzeitig die Art und Weise ändern, in der die Hilfe

geleistet wird, damit ihr Geld der Kindergesundheit effektiver zugutekommt.

ins schWarZe treffen: betroffene

länder und präVention

Wenn man die weltweiten Bemühungen zur Verwirklichung des MDG 4 als Krieg

gegen Armut und Krankheit bezeichnet, müsste man genau genommen sagen, dass

viele der Geberländer gegenwärtig mit Platzpatronen schießen. Es herrscht nämlich ein

fundamentales Missverhältnis zwischen dem Wesen des Problems und dem Einsatz von

Geld und Energie. Dieses weist drei grundlegende Dimensionen auf: Erstens fließt die

Hilfe nicht in diejenigen Länder, die sie am dringendsten benötigen. Mehr als 80 % der

Todesfälle von Kindern oder über 7 Millionen Todesfälle pro Jahr ereignen sich in den

dreißig am schwersten betroffenen Ländern. 53 Dennoch erhalten diese Länder weniger als

die Hälfte der weltweit zur Verfügung gestellten Hilfen für die Gesundheitsversorgung.

Drei Länder – Indien, Nigeria und die Demokratische Republik Kongo – verzeichnen

40 % aller Todesfälle von Kindern, erhielten von 2006 bis 2007 jedoch nur 17 % der

Hilfen für die Gesundheitsversorgung. 54 In einigen Fällen spiegelt dies die Zweifel der

Geberländer an der Bereitschaft oder Fähigkeit eines Landes zur sinnvollen Verwendung

des Geldes wider. Doch hier wird auch ein allgemeines Schema der Entwicklungshilfe

sichtbar: Die wohlhabenderen Entwicklungsländer werden in der Regel auf Kosten

4 7


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

der bedürftigsten Länder überproportional unterstützt und die Geber bevorzugen

eine Handvoll „Favoriten“ und vernachlässigen dabei viele Länder mit ähnlichen

Erfordernissen. 55

Zweitens wird die für die Gesundheitsversorgung bestimmte Hilfe derzeit nicht nur

unzureichend auf die bedürftigen Länder verteilt, sondern es fließt auch noch viel zu

wenig davon in den Gesundheitsschutz für Kinder und Mütter: In den vergangenen Jahren

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

öffentliche entwicklungshilfe für die mütter- und

neugeborenengesundheit pro lebendgeburt (us-dollar)

Sambia

tansania

Angola

äqu.-Guinea

Ruanda

Kenia

Sudan

Mosambique

Mali

Guinea Bissau

uganda

Afghanistan

Guinea

liberia

Burundi

äthiopien

Burkina Faso

Bangladesch

Zentralafr. Rep.

Kamerun

Sierra leone

Für die Kinder-, Neugeborenen- und Müttergesundheit bereitgestellte entwicklungshilfezahlungen pro Kopf. (Quelle: uNiceF 2008)

machte die dafür vorgesehene Hilfe nur etwa 3 % der gesamten Entwicklungshilfe aus. 56

Wie das Diagramm zeigt, stellen die Geber in den dreißig am schwersten betroffenen

Ländern durchschnittlich weniger als 8 USD pro Kind für den Gesundheitsschutz von

Kindern und weniger als 10 USD pro Lebendgeburt für die Gesundheitsversorgung von

Müttern und Neugeborenen bereit. In einigen der ärmsten und bevölkerungsreichsten dieser

Entwicklungsländer wie der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan und Nigeria belaufen

sich die Hilfen der Geber auf weniger als ein Drittel dieser Durchschnittsbeträge. Eigene

Schätzungen von World Vision, die auf der Arbeit der Commission on Macroeconomics

and Health aufbauen, haben ergeben, dass für die medizinische Grundversorgung in den

Entwicklungsländern mindestens 40 USD pro Person benötigt werden. 57

4 8

Niger

tschad

Somalia

D.R. Kongo

pakistan

Nigeria

indien

indonesien

china

öffentliche entwicklungshilfe für die Kindergesundheit

pro Kind (us-dollar)


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

Drittens entfällt der Löwenanteil der für die Gesundheitsversorgung bestimmten

Hilfe nicht hauptsächlich auf die Bekämpfung von Krankheiten und anderen Ursachen

der Kindersterblichkeit. In den vergangenen Jahren sind politische Anstrengungen und

Gebergelder in großem Umfang in vertikale Programme zur Bekämpfung bestimmter

Krankheiten, insbesondere HIV, Tbc und Malaria, geflossen. Diese Bemühungen

haben in vielen Fällen zu wichtigen Fortschritten geführt – so erhalten jetzt mehr als

vier Millionen Menschen eine antiretrovirale Behandlung gegen HIV und AIDS – und

müssen aufrechterhalten werden. Doch gleichzeitig wurden wesentliche Ursachen für

Todesfälle von Kindern wie Unterernährung, verschmutzte sanitäre Einrichtungen und

mangelnde Hygiene bedauerlicherweise vernachlässigt. Obwohl etwa in über einem

Drittel aller Kindertodesfälle Unterernährung eine Rolle spielt, investierten die Geber

2007 lediglich 1,5 % der für die Gesundheitsversorgung bestimmten Entwicklungshilfe

in Ernährung. 58

Das derzeitige Ungleichgewicht der Geberfinanzierung darf jedoch nicht als Vorwand

für ein Nachlassen der Anstrengungen im Kampf gegen HIV und AIDS oder andere

Krankheiten mit hoher Medienpräsenz dienen. Vielmehr bedarf es einer ernsthaften

Debatte über eine Erhöhung der für die Gesundheitsversorgung bestimmten Hilfen im

Zeitraum bis 2015. Klar ist eines: Die derzeit bereitgestellten Hilfen zur Prävention von

Krankheiten, für die Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen sowie deren

Ernährung entsprechen in keiner Weise dem Ausmaß der Herausforderung und wenn

künftig kein größerer Teil der Hilfen für das Gesundheitswesen in diese Bereiche fließt,

dann werden die Aussichten, das MDG 4 doch noch zu erreichen, rapide schwinden.

Mit einem größeren Teil der Geberhilfen sollten nationale Gesundheitspläne unterstützt

werden, die ausdrücklich auf eine Senkung der Kindersterblichkeit abzielen, die

spezifischen Rahmenbedingungen des betreffenden Landes und die dort vorherrschenden

Krankheiten berücksichtigen und Interessenvertreter aus möglichst vielen Bereichen

einbeziehen. Entscheidend ist, dass Hilfen für auf bestimmte Krankheiten bezogene

Programme die Gesundheitspläne der betreffenden Länder stärken müssen, anstatt

Parallelstrukturen zu schaffen. Einige erste Diskussionen darüber, wie der Globale Fonds

zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM) und die Globale

Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) zur Stärkung von Gesundheitssystemen

beitragen können, sind ein ermutigender erster Schritt in diese Richtung und müssen mit

anderen Geberorganisationen fortgesetzt werden.

mehr Geld für die

KinderGesundheit

Selbst wenn die Geberländer die Hilfe für das Gesundheitswesen zielgerichteter einsetzen

würden, entspräche der gegenwärtige Gesamtumfang der Hilfen nicht dem Ausmaß der

4 9


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

Herausforderung, denn trotz der Aufstockungen in den vergangenen Jahren kann die

Finanzierungslücke in der Gesundheitsfürsorge vorsichtigen Schätzungen zufolge nur

geschlossen werden, wenn die Geber die Hilfen von derzeit 16 Mrd. USD pro Jahr etwa

verdreifachen. Die zwischenstaatliche High Level Task Force on Innovative International

Financing for Health Systems (HLTF) ermittelte kürzlich einen Aufstockungsbedarf der für das

Gesundheitswesen aus allen Quellen – einschließlich eigener Mittel der Entwicklungsländer

– bereitgestellten Gelder zwischen 36 und 45 Mrd. USD, um alle gesundheitsbezogenen

Millenniumentwicklungsziele erfüllen zu können. Diese Schätzung berücksichtigt jedoch nur

49 der ärmsten Länder der Welt, in denen sich gerade einmal 60 % der Todesfälle bei Kindern

ereignen, und geht von einem unrealistisch hohen Beitrag der Entwicklungsländer aus. Nach

Berechnungen von World Vision beträgt der realistische externe Finanzierungsbedarf für das

Erreichen der gesundheitsbezogenen MDGs in allen Entwicklungsländern bis 2012 jährlich

37,5 Mrd. USD und bis 2015 jährlich 42,5 Mrd. USD. 59

Dies sind ganz erhebliche Erhöhungen, die jedoch, wie schon von der HLTF betont 60 ,

auch erreichbar sind, wenn sich die Geber an ihre bereits gemachten Zusagen halten (etwa

die auf dem UNO-Gipfel in Monterrey zur Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit,

dem G-8 Gipfel im Jahr 2005 und in der Resolution 58.31 der Weltgesundheitsversammlung

gemachten Zusagen 61 ). Wenn, wie von der UNO vorgegeben, 0,7 % des

Nationaleinkommens bis 2015 für Entwicklungshilfen verwendet würden, beliefe sich die

gesamte öffentliche Entwicklungshilfe jährlich auf 390 Mrd. USD, wovon nur 11 % in

die Gesundheitsfürsorge fließen müssten. 62 Anders betrachtet entspricht die erforderliche

Aufstockung der externen Mittel zum Erreichen der Gesundheits-MDGs dem, was die USA

in weniger als einer Woche für das Gesundheitswesen ausgeben, oder ca. 4 % des von den

G-20-Staaten für 2009 vereinbarten Konjunkturpakets. 63

Eine Erhöhung der für die Kindergesundheit zugesagten Hilfen muss neben mehr

bilateralen Mitteln von nationalen Geberorganisationen auch mehr Investitionen in die

hauptsächlich für die Gesundheitsfürsorge zuständigen internationalen Institutionen

umfassen. Es bedarf effektiver multilateraler Verfechter der Kindergesundheit, um den

Dialog zwischen Gebern und Regierungen weltweit aufrechtzuerhalten, die Fortschritte

zu überwachen, bewährte Praktiken zu verbreiten und Maßnahmen zu koordinieren.

Die gegenwärtigen Finanzierungsregelungen sind jedoch häufig einzelfallbezogen und

unausgewogen. So verfügt etwa die Abteilung für Kinder- und Jugendgesundheit der WHO

über einen Etat von gerade einmal 29 Mio. USD, den sie zudem mit den Abteilungen für

Müttergesundheit und Familienplanung der WHO teilen muss. 64

mehr KinderGesundheit fürs Geld

Wenn das Gesundheitswesen durch Hilfen unterstützt wird, kommen diese aufgrund ihrer

geringen Qualität den ärmsten und gefährdetsten Kindern oft nur in sehr begrenztem

5 0


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

Umfang zugute. Im Jahr 2005 verständigten sich die Geber auf einer von der OECD,

der Weltbank und anderen in Paris veranstalteten großen Tagung zur Wirksamkeit der

Entwicklungszusammenarbeit auf eine Reihe von Zielen zur Verbesserung der Qualität

und Senkung der Transaktionskosten für Hilfen bis 2010. Das Gesundheitswesen ist

in vielerlei Hinsicht ein Prüfstand für die „Paris-Indikatoren“, denn Hilfen für die

Gesundheitsfürsorge sind häufig besonders stark fragmentiert. Dies liegt zum Teil daran,

dass auf einzelne Krankheiten bezogene Hilfsmaßnahmen der Geber möglich sind, die

schnell zu sichtbaren Ergebnissen führen, dabei aber umfassendere Gesundheitsprobleme

vernachlässigen. Eine im Auftrag des britischen Entwicklungsministeriums (Department

for International Development – DFID) durchgeführte Studie zur Wirksamkeit der

Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Wasser, Bildung und Gesundheit in

Uganda, Äthiopien und Bangladesch fand heraus, dass die Maßnahmen der Geber im

Gesundheitswesen besonders schlecht aufeinander und mit den nationalen Plänen der

Empfängerstaaten abgestimmt sind. 65 Im Fall Äthiopiens kam eine weitere kürzlich

veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass derzeit 16 offizielle Geber 54 Programme im

Gesundheitswesen durchführen, wobei die meisten Gelder nicht aus Haushaltsmitteln

stammen und fast drei Viertel der Gebermaßnahmen nicht aufeinander abgestimmt

sind. 66

Die Geber haben viele der Unzulänglichkeiten, an denen die Hilfen für das

Gesundheitswesen kranken, erkannt und – unter anderem durch die multilaterale

International Health Partnership, die der Abstimmung der Geber untereinander und mit

den nationalen Plänen zur Stärkung der Gesundheitssysteme dient – darauf reagiert. Doch

Begriffe wie „Partnerschaft“ und „nationale Eigenverantwortung“ sind der Realität oftmals

voraus, zum Teil aufgrund der Vielzahl der in der Gesundheitsfürsorge aktiven Geber, der

Komplexität der verschiedenen Maßnahmen, die das Gesundheitswesen betreffen, und weil

die meisten Gesundheitsausgaben regelmäßig anfallen, was Geber, die sich nicht durch

langfristige Finanzierungsregelungen binden wollen, vor besondere Herausforderungen

stellt. 67

Das letzte Problem, die Kalkulierbarkeit, stellt im Gesundheitswesen eine besondere

Herausforderung dar, vor allem in Bereichen wie der antiretroviralen Behandlung, wo

Zusagen für regelmäßige Zahlungen schwer rückgängig zu machen sind und die von

den Regierungen ohne langfristige Zusagen der Geber kaum in Angriff genommen

werden können. Wenngleich sich einige bilaterale Geber wie etwa Großbritannien zu

langfristigen Hilfen bereit erklärt haben, werden hier eher Bemühungen zugesichert als

bindende Verpflichtungen eingegangen, wobei es in der Praxis schon zu Unterbrechungen

der Hilfen aufgrund von allgemeiner Debatten über die Bedingungen gekommen ist. 68

In einer kürzlich veröffentlichten OECD-Studie konnten gerade einmal 10 von 33

Geberländern Angaben zu den künftigen Hilfszahlungen an ihre wichtigsten Empfänger

machen. Die Zahlen für die übrigen Länder mussten vom Ausschuss für Entwicklungshilfe

5 1


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

(DAC) der OECD geschätzt werden. Mehrere Geber, darunter Japan, haben für den Zeitraum bis 2010 keinerlei

Vorausschätzungen zu den als „Core Programmable Aid“ bezeichneten Hilfszahlungen an Staaten vorgelegt. 69

Neben diesen konkreten Problemen bestehen systembedingte Hemmnisse für eine effektivere Hilfe, die die Wirkung

der Gesundheitshilfen der Geber schmälern. So sind etwa diese Hilfen nach wie vor zu einem Großteil an Waren und

Dienstleistungen aus dem Geberland „gebunden“. Gebundene Entwicklungshilfe wirkt einerseits wie eine Art „Round

Tripping“ und erstickt andererseits den Wettbewerb, wodurch in der Regel die Beschaffungskosten steigen. Nach

Schätzungen der OECD verringert gebundene Hilfe den Wert von Transfers an die Empfängerländer um sage und

schreibe 30 %. 70 So mussten etwa in Kambodscha USAID-Aufträge, die einen bestimmten Mindestwert überschritten,

an US-Unternehmen vergeben werden. In einem Fall hätte dies bedeutet, dass eine im Gesundheitswesen tätige NRO

das Vier- bis Fünffache des lokalen Marktpreises für orale Rehydrationssalze hätte zahlen müssen. Nach einer Suche

nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten konnte die NRO die Salze über die WHO vor Ort beschaffen. 71 Trotz

der auf diesem Gebiet erreichten Fortschritte (für etwa 80 % der bilateralen Entwicklungshilfe war bis zur Überprüfung

der Pariser Ziele zur Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2008 in Accra die Lieferbindung

offiziell aufgehoben worden) vergeben nach wie vor die meisten Geber Aufträge faktisch an Auftragnehmer aus ihren

Herkunftsländern. Konkret sei an dieser Stelle Großbritannien genannt: Obwohl die Lieferbindung bereits 2001 offiziell

aufgehoben worden war, wurden noch 2005/2006 80 % der Aufträge der Hauptstelle des DFID an britische Firmen

vergeben. 72

einbeZiehunG der soZialen faKtoren der

KinderGesundheit

Wie sich bereits gezeigt hat, ist für eine Senkung der Todesfälle bei Kindern und die Förderung des Wohlbefindens

von Kindern weit mehr vonnöten als formelle Gesundheitsversorgung. Wasser und sanitäre Einrichtungen, gesunde

Ernährung und grundlegende Vorsorgemaßnahmen im Haushalt der Familie und in der örtlichen Gemeinschaft – etwa

ausschließliches Stillen und Gesundheitsaufklärung – sind oftmals die wichtigsten Faktoren, die die Überlebenschancen

von Kindern beeinflussen. Diese sozialen Faktoren werden allerdings bei dem derzeit dominierenden Geberkonzept

für die Gesundheitsversorgung häufig außer Acht gelassen: Gewöhnlich stehen auf bestimmte Krankheiten bezogene

Programme oder eine eng definierte Stärkung von Gesundheitssystemen im Mittelpunkt. Dies ist zum Teil Ausdruck

der institutionellen Korsetts, in das sowohl Geberorganisationen als auch Regierungen gezwängt sind: So fällt Wasser

bei den Geberorganisationen oft in die Rubrik „Infrastruktur“, wodurch sein Wert für die menschliche Entwicklung ins

Hintertreffen gerät. Die Ernährung wird in der Geberfinanzierung häufig vernachlässigt und gerät zwischen die Stühle

der landwirtschaftlichen Entwicklung und der Nahrungsnothilfe.

Sowohl die Geber- als auch die Empfängerländer müssen zunächst ihre Definitionen für Gesundheitssysteme um

weitere kritische Faktoren für das Wohlbefinden der Kinder erweitern sowie Planungs- und Durchführungssysteme

schaffen, die gewährleisten, dass wichtige Vorsorgemaßnahmen Bestandteil jedes nationalen Gesundheitsplans sind.

Die zweite Herausforderung besteht darin, Maßnahmen zur Bekämpfung der indirekten Ursachen für den Tod oder

Erkrankungen von Kindern in vollem Umfang zu finanzieren. Derzeit beträgt der Gesamtumfang der Hilfen für Wasser

und sanitäre Einrichtungen 6,5 Mrd. USD pro Jahr. Das sind schätzungsweise 40 % der Summe, die benötigt wird,

um den dringenden Erfordernissen der 2,5 Milliarden Menschen, die ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen leben

5 2


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| Wa S r E i C h E l ä n d E r t U n m ü S S E n

müssen, und der fast 900 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser

Rechnung zu tragen. Die Ernährungssicherheit, ein weiterer entscheidender Faktor für

die Kinderernährung, ist ebenfalls unterfinanziert. In diesem Bereich wird gegenwärtig

nur etwa ein Drittel des geschätzten Finanzierungsbedarfs gedeckt.

sektor

Gesamtbetrag der

hilfen im Jahr 2007

von World Vision

geschätzter Gesamtbedarf

Wasser und sanitäre Einrichtungen 6,5 mrd. US-dollar 15 mrd. US-dollar

Ernährungssicherheit und landwirtschaftliche

Entwicklung

8,0 mrd. US-dollar 22 mrd. US-dollar

grundschulbildung 3,8 mrd. US-dollar 11 mrd. US-dollar

Gegenwärtiger Stand der Geberfinanzierung für grundlegende Bereiche im Vergleich zum geschätzten jährlichen Gesamtbedarf 73

5 3


4.

fortschritt

ist möGlich :

Gründe,

optimistisch

Zu sein

5 4

Justin Douglass/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| f O rt S C h r i t t i S t m ö g l i C h

Obwohl die Millenniumsentwicklungsziele noch lange nicht erreicht sind und die globalen Bemühungen zur

Verringerung der Kindersterblichkeit große Lücken aufweisen, konnten in den vergangenen Jahrzehnten auch

erhebliche Verbesserungen bei der Überlebensquote und dem Wohlergehen von Kindern verzeichnet werden.

Vor 50 Jahren, als die Weltbevölkerung nur halb so groß war wie heute, starben jedes Jahr 20 Millionen Kinder

vor ihrem fünften Geburtstag. Das sind doppelt so viele wie heute. Die durchschnittliche Kindersterblichkeit in

Entwicklungsländern hat von 30 % in den späten 1970ern auf derzeit 10 % stark abgenommen. Derartige Fortschritte

konnten in vielen Regionen der Welt erzielt werden; so ist beispielsweise die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren

in Lateinamerika und Osteuropa seit 1990 um über 50 % zurückgegangen. 74

millionen

25

20

15

10

5

0

1960

1970

1980

1990

Die Kindersterblichkeit ist um über 50 % gesunken, während die Bevölkerungszahl auf mehr als das Doppelte gestiegen ist (Quelle: uNiceF 2008)

1995

Diesen Fortschritt verdanken wir großenteils wachsenden Einkommen und steigenden Lebensstandards, insbesondere

in Ostasien und Lateinamerika. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Im Rahmen des MDG 4 hat sich die

internationale Gemeinschaft dazu verpflichtet, die Kindersterblichkeit zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel zu

senken. Um diese Vorgabe umzusetzen, ist eine jährliche Senkung um durchschnittlich 4,3 % erforderlich. Ein Drittel

der Entwicklungsländer hat diese Rückgangsrate tatsächlich oder beinahe erreicht. Darunter sind viele Länder mit

niedrigem Einkommensniveau, die – trotz begrenzter wirtschaftlicher Fortschritte – intelligente Investitionen getätigt

haben, welche sich vorteilhaft auf das Wohl der Kinder auswirken. 75

Zu den Ländern, die in dieser Hinsicht am besten abschneiden, zählen Nepal, Laos, Bangladesch, Vietnam, die

Mongolei, Bolivien und Malawi (vgl. Textkasten). 76 Solche Erfolgsgeschichten sind schon an sich wertvoll, vermitteln

5 5

2000

2005

2006

2007

2008


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| f O rt S C h r i t t i S t m ö g l i C h

Entscheidungsträgern und Politikern aber zusätzlich noch eine wichtige Botschaft: Selbst wenn

Ressourcen fehlen, können durch das Zusammenspiel zielgerichteter, evidenzbasierter Maßnahmen

und staatlicher Führung dauerhafte Verbesserungen in Bezug auf die Gesundheit von Kindern bewirkt

werden.

ErfOlg in EinEm land mit niEdrigEm EinKOmmEnSniVEaU – das beispiel malawi

Obwohl Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, konnte die Sterblichkeit von Kindern unter

fünf Jahren dort fast halbiert werden, von 210 im Jahr 1990 auf 111 im Jahr 2007. Dies gelang durch

eine Reihe bewährter, kostengünstiger Maßnahmen, beispielsweise durch eine Steigerung der Zahl

der von qualifizierten Geburtshelfern begleiteten Geburten auf 60 %, die Anhebung der Impfquote

auf 99 % und die der Quote der Versorgung mit Vitamin-A-Präparaten von null auf 86 %. Auch die

Bekämpfung von Lungenentzündungen auf Gemeinschaftsebene sowie breit angelegte Programme

zur Nahrungsmittelsicherung (die zudem das Auftreten von Wachstumshemmungen um 20 %

reduzieren konnten), die therapeutische Ernährung und die Förderung des Stillens als ausschließlicher

Ernährungsmethode (wie es mittlerweile von 57 % der Frauen praktiziert wird) spielten eine wichtige

Rolle. Außerdem erzielte Malawi Fortschritte in Bezug auf die Harmonisierung durch die Aufstellung

eines einheitlichen nationalen Plans, ein Überwachungs- und Evaluierungssystem und eine bessere

Koordinierung der Geber. Aufgrund der Abwanderung von Krankenschwestern nach Großbritannien

und Südafrika setzte Malawi zudem alles daran, qualifizierte Arbeitskräfte für das Gesundheitswesen zu

gewinnen.

Umgekehrt sind die Probleme in Ländern, die in diesen Bereichen versagt haben, gewachsen. Ein

Drittel der Länder haben seit 1990 durchschnittlich weniger als die Hälfte des notwendigen jährlichen

Fortschritts erzielt. So zeigten sich beispielsweise in Burkina Faso, Afghanistan und Burundi in den

vergangenen 20 Jahren fast keine Veränderungen, während in einigen Ländern, darunter Kamerun,

Tschad und Kenia, in diesem Zeitraum sogar Rückschritte verzeichnet werden mussten. Obwohl

Kenia das reichste Land Ostafrikas ist, haben politische Versäumnisse, die in sich zusammenfallende

Gesundheitsinfrastruktur und die ungedeckten Bedürfnisse einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen

und Vertriebenen zu einem Anstieg der Kindersterblichkeit um ein Viertel beigetragen. 77

5 6


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| f O rt S C h r i t t i S t m ö g l i C h

Vor-und rücKschritte auf

dem WeG Zum mdG 4

auf Kurs

ZielVorGabe bis 2015

KindersterblichKeitsrate 2006

KindersterblichKeitsrate 1990

banGladesch indonesien china

Vom Kurs abGeKommen

mosambiK

Kein fortschritt

Gescheitert

Quelle: Countdown to 2015, tackling progress in maternal, newborn and Child Survival 2008 report, 29 high priority countries

• in der reihenfolge von den erfolgreichsten zu den am

wenigsten erfolgreichsten ländern zwischen 1990 und 2006

• die Kreisgröße variiert je nach dem wie nah ein land an die

mdg4 Vorgaben gekommen ist

• innerhalb eines Kreises zeigen die farbigen flächen die

Kindersterblichkeit an

• zum beispiel hatte mosambik zwischen 1990 und 2006 mehr

Erfolg bei der Senkung der Kindersterblichkeit als China, aber

indiens Kindersterblichkeitsrate ist näher an den Vorgaben von

mdg4 als mosambiks

äthiopien Guinea

niGer somalia tansania Guinea bissau

indien niGeria

paKistan

mali

sudan

sierra leone ruanda burundi

afGhanistan

d.r. KonGo liberia

anGola

uGanda

burKina faso

sambia Zentralafr. rep. tschad

Kamerun

Kenia

5 7

5 7


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| f O rt S C h r i t t i S t m ö g l i C h

erneute schWerpunKtVerlaGerunG auf die

präVention

In den Ländern, die auf bestem Wege sind, das durch das MDG 4 vorgegebene Ziel zu erreichen, zeigt sich die

Bedeutung wirksamer Vorsorgemaßnahmen, um die Gesundheit der Kinder von ihrer Geburt bis zum fünften

Lebensjahr zu gewährleisten. Die meisten der dazu erforderlichen Maßnahmen sind einfach und kostengünstig. 78

Einige Beispiele:

• Im südlichen Afrika hat die fast vollständige Durchimpfung eine Verringerung der Todesfälle infolge von Masern um

90 % seit 2001 ermöglicht. 79

• In Äthiopien wurden durch die praktisch umfassende Verfügbarkeit von mit Insektenbekämpfungsmittel

imprägnierten Moskitonetzen in den vergangenen drei Jahren hervorragende Ergebnisse erzielt: Seit 2005 sind die

Todesfälle infolge von Malaria um 50 % und die Zahl der Malariaerkrankungen um 61 % zurückgegangen. 80

• Während der 1990er-Jahre lag die Kindersterblichkeit in Tansania relativ konstant bei 140 Todesfällen auf

1.000 Geburten. Seit einer Erhöhung der Ausgaben für den Gesundheitsbereich im Jahr 1998, die vor allem der

Immunisierung und der Malariavorsorge zugutekam, konnte bei der Kindersterblichkeit ein Rückgang von 25 %

verzeichnet werden. 81

• Weltweit sind die HIV-Neuinfektionen bei Kindern auf den Stand von 1996 gefallen. Dies ist vor allem auf höhere

Investitionen in Strategien zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung zurückzuführen. 82

Doch obwohl klar ist, dass Vorsorge nicht nur billiger, sondern auch effektiver ist als Heilung (vgl. Textkasten),

räumen die ärmsten Länder der sektorübergreifenden Prophylaxe in ihren Gesundheitsetats häufig keinen hohen

Stellenwert ein. Länder, die in Bezug auf die Erfüllung des MDG 4 hinterherhinken, müssen einheitliche nationale

Pläne entwerfen, die darauf abzielen, die Gesundheit möglichst vieler Menschen zu möglichst geringen Kosten zu

verbessern. Dabei müssen vor allem Mütter und Kinder unter fünf Jahren erreicht werden. Für jede Erkrankung wird

ein Maßnahmenpaket benötigt, das speziell auf diese Krankheit und die zugrunde liegenden Ursachen zugeschnitten ist.

Die Maßnahmenschwerpunkte werden sich innerhalb des jeweiligen Landes bzw. zwischen den verschiedenen Ländern

unterscheiden, müssen jedoch vor allem folgende Aspekte abdecken: Ernährung, Hygiene, Zugang zu Trinkwasser

und Sanitäranlagen, Kontrolle der Geburtenabstände und Familienplanung, kompetente Geburtshilfe sowie prä- und

postnatale Fürsorge, Notfallbetreuung im Fall von Komplikationen bei Entbindungen sowie Vorsorge und rasche

Behandlung bei häufigen Erkrankungen von Neugeborenen und Kindern (insbesondere Lungenentzündung, Durchfall,

Malaria, Masern sowie in einigen Ländern HIV und AIDS).

Malawi hat diesen Ansatz so konsequent verfolgt, dass Gelder von Gebern, die nicht zur Unterstützung des

nationalen Gesundheitsplans bzw. der nationalen Gesundheitsstrategie bereit waren, abgelehnt wurden. Auch andere

Länder, beispielsweise Liberia, arbeiten an der Schaffung eines einheitlichen Rahmens zur Umsetzung, Überwachung

und Evaluierung von Maßnahmen im Gesundheitswesen. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht die Verbesserung

der Koordinierung, Harmonisierung und des Einflusses der nationalen Gesundheitsprogramme und -investitionen.

5 8


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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EinflUSS VOn präVEntiOnSmaSSnahmEn aUf diE KindErStErbliChKEit

– Erfahrungen aus West- und zentralafrika

Im Rahmen einer von Kanada finanzierten und gemeinsam mit UNICEF umgesetzten Initiative

haben elf west- und zentralafrikanische Länder das ACSD-Programm (Accelerated Child Survival and

Development) eingeführt, um die Auswirkungen eines umfassenden Präventionsmaßnahmenpakets auf

die Kindersterblichkeit zu zeigen. In Pilotbezirken mit insgesamt drei Millionen Einwohnern konnten

bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden, zum Beispiel ein Rückgang der Kindersterblichkeit um insgesamt

20 %. Als das Programm auf weitere Gebiete ausgedehnt und seine Maßnahmenpalette erweitert wurde,

sank die Kindersterblichkeit nochmals um 10 %.

Für diese Ergebnisse war kein erhöhter Aufwand an Heil- und Behandlungsmaßnahmen erforderlich. Sie waren

vor allem auf Initiativen wie Impfungen, die Bereitstellung von Moskitonetzen, die Verabreichung von Vitamin

A und pränatale Fürsorge zurückzuführen. Das Programm erreicht derzeit über 17 Millionen Menschen. Der

Evaluationsbericht von UNICEF gelangte zu der Schlussfolgerung: „Die Fortführung und Ausweitung dieses

äußerst vielversprechenden Programms scheitert in den meisten Ländern hauptsächlich an den fehlenden

finanziellen Mitteln.“ Die Länder müssen darin bestärkt werden, „… ACSD im Rahmen von Strategien zur

Armutsbekämpfung und von Reformen des Gesundheitssektors in ihre nationalen Gesundheitsstrategien und

-programme zu integrieren” ... und sicherzustellen, dass Mittel zur Sicherung des Überlebens von Kindern „im

mittelfristigen Ausgabenrahmen, in der Korbfinanzierung und in der Budgethilfe“ vorgesehen werden. 83

VeränderunGen auf familien- und

Gemeinschaftsebene

Die wirksamsten nationalen Gesundheitspläne sind so flexibel und dezentral angelegt, dass sie Raum für die

Förderung und Unterstützung von auf die jeweiligen Gegebenheiten zugeschnittenen lokalen Maßnahmenplänen

bieten. Umgekehrt müssen staatliche Maßnahmen zur Umsetzung des MDG 4 berücksichtigen, dass die Familie

eines Kindes und die örtliche Gemeinschaft, in der es lebt, die unmittelbarste und zumeist wichtigste Grundlage zur

Erhaltung seiner Gesundheit und Ermöglichung seiner Entwicklung bilden.

Dieser Maßgabe wird in den einzelstaatlichen Planungsprozessen gegenwärtig oft gar nicht oder zu zaghaft Rechnung

getragen. Doch ohne die wirksame Einbindung von Familien und Gemeinschaften lassen sich drei wichtige Gruppen

von Präventionsmaßnahmen nur schwer umsetzen:

I. Angemessene Ernährung von Kindern unter zwei Jahren

II. Verbesserung der Müttergesundheit

III. Wirksame Vorsorge- und Behandlungsprogramme für die häufigsten Kindererkrankungen

5 9


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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i. ANGeMeSSeNe eRNäHRuNG VoN KiNDeRN uNteR ZWei JAHReN

Bereits im Mutterleib sind Kinder anfällig für Erkrankungen. Deshalb spielt die Ernährung der Mutter für die

Entwicklung des Fetus eine wichtige Rolle. Auch nach der Geburt ist die Ernährung von Mutter und Kind durch das

Stillen eng verknüpft. Der Zeitraum zwischen der Geburt und dem zweiten Geburtstag eines Kindes ist ein wichtiges

Fenster, in dem ein großer Teil der lebenslangen physischen und kognitiven Entwicklung bestimmt wird. Anders

als in der späteren Kindheit führt die Unterernährung eines Kindes in dieser frühen Lebensphase zu langfristigen

Wachstumshemmungen, wodurch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionen verringert wird. In Afrika ist die

Anzahl von Kindern mit Wachstumshemmungen im Lauf der 1990er-Jahre von 40 auf 45 Millionen gewachsen. Das

entspricht etwa einem Drittel der weltweiten Anzahl. 84 Insgesamt leiden geschätzte 146 Millionen Kinder weltweit an

Unterernährung. Die überwiegende Mehrheit von ihnen lebt in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. 85 35 %

aller Todesfälle bei Kindern sind auf Unterernährung zurückzuführen. 86

In Anbetracht der enormen Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit und das Überleben von Kindern muss

größeres Augenmerk auf drei zentrale Aspekte der Ernährung gelegt werden:

• Förderung des Stillens als ausschließlicher Ernährungsmethode und der Verabreichung von

Ergänzungsnahrung: Obwohl ausschließliches Stillen die Zahl der Todesfälle bei Kleinkindern um 13 %

verringern kann, stillen viele Frauen ihre Babys nicht. In den örtlichen Gemeinschaften durchgeführte Programme

zur Förderung und Aufrechterhaltung des Stillens sind ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Ernährung der

Kinder, doch um erfolgreich zu sein, müssen die im Gesundheitswesen Tätigen in einen Dialog mit den Müttern

treten. Vor allem müssen die Mütter das Stillen lernen und dabei unterstützt werden, unmittelbar nach der Geburt

damit zu beginnen, sodass die Neugeborenen in den Genuss des hohen Nährwerts der Erstmilch kommen. Die

größten gesundheitlichen Vorteile lassen sich erzielen, wenn Kinder bis zum Alter von sechs Monaten ausschließlich

gestillt werden. Anschließend können Dorfgesundheitsvolontäre Mütter und andere Betreuer dabei anleiten, die

vor Ort verfügbaren Lebensmittel so nahrhaft wie möglich aufzubereiten. Da sich die Ernährung der Mutter beim

ausschließlichen Stillen auf die Qualität der Muttermilch auswirkt, ist es – in Anbetracht dessen, dass Frauen,

besonders in Südasien, häufiger hungern als Männer – erforderlich, das Thema Kinderernährung nicht isoliert in

Angriff zu nehmen. Auch die Ernährung Erwachsener muss gewährleistet sein. 87

• Verbesserung der Versorgung mit Mikronährstoffen zur Vermeidung von chronischer Unterernährung

und Wachstumshemmungen: Obwohl chronische Unterernährung infolge eines Mangels an Vitaminen und

Mineralstoffen („Mikronährstoffen“) oft im Verborgenen auftritt, sind die Auswirkungen auf die Gesundheit der

Kinder sehr real. Infolge von Eisenmangel kann es bei Kindern zu irreversiblen kognitiven Defiziten kommen.

Jodmangel ist die häufigste vermeidbare Ursache für Schädigungen des Gehirns und geistige Behinderungen

bei Kleinkindern. Bei fehlender Versorgung mit Vitamin A steigt das Sterblichkeitsrisiko von Kindern aufgrund

von Durchfall, Masern oder Malaria um ein Fünftel bis ein Viertel. Jedes Jahr sterben 1,1 Millionen Kinder an

diesen Krankheiten. Wenn Kinder nicht ausreichend Zink erhalten, einen Mikronährstoff, der zur Stärkung des

Immunsystems dient, erhöht sich ihr Risiko, an Lungenentzündung, Durchfall oder Malaria zu sterben, um 13

bis 21 %. 88 Mikronährstoffmangel kann durch die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoff-Ergänzungsmitteln

6 0


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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entgegengewirkt werden. Programme zur Versorgung von Kindern mit Mikronährstoffen lassen sich ebenso

kostengünstig wie kostenwirksam umsetzen: Soliden Schätzungen zufolge könnte der Vitamin-A-Bedarf von 80 %

der Kinder in Afrika zu einem Preis von 1,20 USD pro Kind gedeckt werden. Im Rahmen einer Erhebung wurde

jüngst errechnet, dass Programme zur Versorgung von Kindern mit Mikronährstoffen höhere Erträge abwerfen

als die Liberalisierung des Handels, die Malariaprophylaxe und sogar als die Bereitstellung von Wasser und

Sanitäranlagen. 89

ErnährUng Und KindErgESUndhEit - das beispiel haiti

Die Maßnahmen der Geber und des Staates zur besseren Ernährung der Kinder scheinen einem

„Problembehebungskonzept“ zu folgen, das sich der Kinder erst annimmt, wenn sie bereits unterernährt

sind. Eine vor Kurzem in Haiti von Wissenschaftlern des International Food Policy Research

Institute (IFPRI) und der Cornell University durchgeführte Studie verglich dieses Modell mit einem

Vorsorgekonzept, zu dessen Zielgruppe alle Kinder unter zwei Jahren zählten, unabhängig davon, ob

bei ihnen Unterernährung diagnostiziert worden war oder nicht. 90 Das Projekt dauerte vier Jahre. Seine

Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit World Vision Haiti auf dem Gebiet des Zentralplateaus im

Rahmen des Title-II-Programms für die Gesundheit und Ernährung von Mutter und Kind. Bei der Studie

stellte sich heraus, dass die Vorteile umso größer sind, je früher und je länger Kindern unter zwei Jahren

Nahrungsergänzungsmittel verabreicht werden. Dies gilt nicht nur für das frühe Wachstum, sondern auch

für die langfristige physische und kognitive Entwicklung. Investitionen in die ersten zwei Lebensjahre von

Kleinkindern wirken sich also weit über die Kindheit hinaus positiv aus.

• Verringerung akuter Unterernährung und Auszehrung: Fast 20 Millionen Kinder weltweit leiden an akuter

Unterernährung. Nach Schätzungen von UNICEF werden jedes Jahr 20 Million Kinder mit Untergewicht

geboren. 91 Unterernährte Kinder geraten oft in einen Teufelskreis, da die Unterernährung ihre Abwehrkräfte

schwächt. Gleichzeitig sinkt der Appetit eines Kindes durch eine Infektion, wodurch sich die Unterernährung noch

verschlimmert. Das von der Weltgesundheitsorganisation seit Kurzem unterstützte Programm zur Bekämpfung von

akuter Unterernährung auf Gemeinschaftsebene (Community Management of Acute Malnutrition – CMAM) ist

ein effektives Modell zur Vermeidung akuter Unterernährung bei Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren. Ziel von

CMAM ist die rechtzeitige Erkennung von Fällen von akuter Unterernährung und Überweisung der betroffenen

Kinder in ärztliche Behandlung. Bei Kindern ohne medizinische Komplikationen wird eine rasche Behandlung mit

fertiger Therapienahrung zu Hause oder ambulant angestrebt.

6 1


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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ii. VeRBeSSeRuNG DeR MütteRGeSuNDHeit

Die Gesundheit der Mutter ist nicht nur für die Frau selbst, sondern auch für

das Überleben und Wohlergehen des Kindes von entscheidender Bedeutung: Die

Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind stirbt, ist bis zu zehnmal so hoch, wenn seine

Mutter nicht mehr lebt. 92 Von allen Millenniumsentwicklungszielen ist man in

Bezug auf die Verwirklichung des Ziels, die Gesundheit der Mütter zu verbessern

(MDG 5), am weitesten von Zielvorgaben entfernt. Noch immer sterben jedes

Jahr mehr als eine halbe Million Frauen aufgrund von Komplikationen bei der

Schwangerschaft oder Geburt. 93 Und es gibt sogar noch mehr Opfer: Schätzungsweise

leiden weitere 10 Millionen Frauen an schwächenden Langzeitauswirkungen infolge

von Schwangerschaftskomplikationen. 94 Doch der weitaus größte Teil der Todesfälle

und Behinderungen bei Müttern – geschätzte 80 % – könnte vermieden werden,

wenn den Frauen relativ einfache und kostenwirksame Gesundheitsleistungen

wie angemessene Ernährung, Familienplanung, qualifizierte Geburtshilfe und

geburtshilfliche Notfallbetreuung zur Verfügung stünden. 95

• Verbesserung der Ernährung der Mütter: Mindestens ein Fünftel aller

Todesfälle bei Müttern sind auf Mangelernährung zurückzuführen. 96 Langfristig

spielen politische Maßnahmen zur Förderung der Lebensmittelsicherheit im

privaten Bereich – beispielsweise durch den Einsatz nachhaltiger Methoden

zur Erwirtschaftung des Lebensunterhalts u. a. in der Landwirtschaft – bei der

Bekämpfung dieser Sterblichkeit eine wichtige Rolle. Auch die Verabreichung von

Mikronährstoffpräparaten, vor allem Eisenpräparaten zur Anämievorbeugung,

Vitamin A, Folsäure und jodiertem Salz, trägt zur Reduktion der Sterblichkeit

von Müttern und Kindern und zur Verbesserung der Entwicklung im Kindesalter

bei. Zudem sollten Schwangere zu ihrem eigenen und zum Schutz ihres Kindes

hinsichtlich der Erhöhung ihrer Kalorien- und Proteineinnahme während der

Schwangerschaft beraten werden.

• Verbesserung des Zugangs zu und der Verwendung von Hilfsmitteln zur

Familienplanung und Kontrolle der Geburtenabstände: Verbesserter Zugang

zu Hilfsmitteln zur Familienplanung und Kontrolle der Geburtenabstände könnte

die Müttersterblichkeit um schätzungsweise ein Drittel verringern. Außerdem

tragen Schwangerschaftsintervalle von mindestens zwei Jahren zu gesünderen

Kindern mit geringerer Sterblichkeit bei der Geburt und in der frühen Kindheit

bei. Derzeit nutzt weniger als ein Viertel der Frauen in Afrika südlich der Sahara die

Möglichkeiten der Familienplanung zur Kontrolle der Geburtenabstände. 97

6 2

mdG 4: der beitrag

von World Vision

World Vision ist die

weltgrößte international tätige

Nichtregierungsorganisation, die die

interessen von Kindern vertritt. Sie

arbeitet in über 95 ländern in Afrika,

Asien, europa, dem Nahen osten,

Nordamerika und ozeanien mit der

dortigen Bevölkerung zusammen. Seit

1950 unterstützt World Vision Kinder,

Familien und örtliche Gemeinschaften

in ihrem Kampf gegen Armut und

unrecht. im Augenblick erreichen

wir mit unserer Arbeit jedes Jahr

über 100 Millionen Menschen

in entwicklungsländern. World

Vision investiert im Rahmen seiner

Regional-entwicklungsprogramme

jährlich ca. 200 Millionen uSD in

bar in die Gesundheitsfürsorge.

im Mittelpunkt steht dabei

insbesondere die Gesundheit von

Mutter und Kind (MDGs 4 und

5). Durch unsere programme

werden zudem Sachleistungen im

Wert von 250 Millionen uSD in

Form von Medikamenten und

Gesundheitsprodukten verteilt. in

partnerschaft mit Familien, örtlichen

Gemeinschaften und Regierungen

wird World Vision in den kommenden

fünf Jahren etwa 1,5 Milliarden uSD

bereitstellen. Mit diesen Mitteln

werden evidenzbasierte Maßnahmen

zur Verbesserung der ernährung und

der Gesundheit von Mutter und Kind,

zum Kampf gegen HiV und AiDS

und für den Zugang zu trinkwasser

und Sanitäranlagen gefördert, um die

Kindersterblichkeit zu verringern.


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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• Qualifizierte Geburtshilfe: Es ist kein Zufall, dass die beiden Weltregionen mit der

höchsten Müttersterblichkeit – Afrika südlich der Sahara und Südasien – gleichzeitig

den geringsten Anteil an von qualifizierten Geburtshelfern unterstützten Geburten

aufweisen. Bei ca. 15 % der Geburten gibt es Komplikationen. Die Erfahrung zeigt, dass

qualifizierte Geburtshelfer einen Großteil der Todesfälle bei Müttern und ungeborenen

Kindern verhindern können, indem sie die Komplikationen entweder selbst behandeln

oder für eine Notfallbetreuung der Frauen sorgen. 98 Trotzdem gebären jedes Jahr 60

Millionen Frauen ihre Kinder ohne qualifizierte Geburtshilfe zu Hause. 99 Insbesondere in

ländlichen Gebieten fehlen solche Angebote für Frauen häufig: Zwischen 1996 und 2005

wurden 57 Entwicklungsländer untersucht, wobei in Städten bei 81 % der Frauen ein

qualifizierter Geburtshelfer anwesend war, während dies auf dem Land nur bei 49 % der

Frauen der Fall war. 100

• Prä- und postnatale Fürsorge: Die pränatale Fürsorge umfasst zumindest vier

Fürsorgebesuche im Lauf einer Schwangerschaft und spielt eine wichtige Rolle, wenn es

darum geht, Schwangerschaftsprobleme abzusehen und zu vermeiden. Im Rahmen der

pränatalen Fürsorge können Frauen und Kinder vor sexuell übertragbaren Krankheiten

wie HIV geschützt bzw. im Krankheitsfall angemessen behandelt werden. Zudem

können bei der pränatalen Fürsorge andere Vorsorgemaßnahmen wie Tetanusimpfungen

oder die Abgabe von Moskitonetzen und Mitteln zur Malariaprophylaxe getroffen

werden. Ebenso viel Gewicht sollten die nationalen Gesundheitspläne auf die postnatale

Fürsorge legen, die in vielen Ländern zu den am stärksten vernachlässigten Bereichen

der Müttergesundheit zählt. Nur wenige Staaten verfügen über periodische Daten, aus

denen hervorgeht, in welchem Ausmaß eine postnatale Fürsorge erfolgt. Dies bereitet vor

allem aufgrund der Tatsache, dass 60 % der Todesfälle bei Müttern kurz nach der Geburt

auftreten, Grund zur Sorge. 101 Wenn sichergestellt ist, dass die Frauen überwacht werden

und in der postnatalen Phase zwei Kontrollbesuche stattfinden, lassen sich postnatale

Infektionen, Blutungen und andere Komplikationen oft vermeiden oder behandeln.

iii. WiRKSAMe VoRSoRGe- uND

BeHANDluNGSpRoGR AMMe FüR Die HäuFiGSteN

eRKR ANKuNGeN VoN KiNDeRN

Auf Lungenentzündung, Durchfall, Malaria sowie HIV und AIDS entfallen zusammen fast

60 % aller Infektionen von Kindern. Diesen Krankheiten muss, gemeinsam mit Masern,

besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn das MDG 4 erreicht werden soll. Auf

nationaler und lokaler Ebene werden die Schwerpunkte in Bezug auf diese verschiedenen

Infektionen unterschiedlich gesetzt werden müssen. So sind weltweit beispielsweise nur

6 3


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

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gESUndhEit Und ErnährUng VOn mUttEr Und Kind

das 7-11-Konzept von World Vision

Die Programme von World Vision zur Förderung der Gesundheit von Müttern und

Kindern basieren auf den besten verfügbaren Informationen zur Verhinderung von

Todesfällen bei Müttern und Neugeborenen. In ihrem Zentrum steht eine begrenzte

Anzahl kostengünstiger, grundlegender Gesundheits- und Ernährungsmaßnahmen, die

zusammengenommen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der MDGs 4 und 5 leisten

können. Beim „7-11”-Konzept handelt es sich um ein Paket möglicher Aktivitäten,

die unter Berücksichtigung des jeweiligen sozialen und wirtschaftlichen Hintergrunds

umgesetzt werden können. Das Paket enthält sieben mögliche zeitkritische Maßnahmen

für Mütter und elf für Kinder unter zwei Jahren. Unsere im vorliegenden Bericht

ausgesprochenen Empfehlungen, die vornehmlich auf Vorsorgemaßnahmen in den

Familien und den örtlichen Gemeinschaften abheben, beruhen in hohem Maß auf den im

Rahmen dieses Konzepts gewonnenen Erfahrungen.

Zentrale Maßnahmen des 7-11-Konzepts:

müttergesundheit

Kindergesundheit

(0-24 monate)

angemessene ernährung sachgemäßes Stillen

Verabreichen von eisen- und Folsäurepräparaten grundlegende Neugeborenenfürsorge

tetanusimpfung Händewaschen

Malariaprophylaxe und intermittierende

präventive Behandlung

angemessene ergänzungsnahrung

(6-24 Monate)

gesunde Geburtenabstände und Gebärzeitpunkte angemessene eisenversorgung

entwurmung Verabreichung von Vitamin-A-präparaten

Zugang zu pränataler Fürsorge (einschließlich

kompetenter Geburtshilfe, prävention der Mutter-

Kind-übertragung, Reihenuntersuchungen auf HiV

und Geschlechtskrankheiten)

orale Rehydrationstherapie/Zink

Fieberbehandlung

altersgerechte Durchimpfung

Malariavorsorge

entwurmung (+12 Monate)

6 4


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| f O rt S C h r i t t i S t m ö g l i C h

3% der Mortalität bei Kindern unter fünf Jahren auf HIV und AIDS zurückzuführen, während diese Todesursache im

südlichen Afrika zu den häufigsten zählt (und auch generell ein bedeutender Faktor für die Gefährdung von Kindern

ist). Im Gegensatz dazu ist das Leben von Kindern in Teilen von Westafrika viel stärker von Malaria bedroht. Zwar

haben insbesondere Malaria- und AIDS-Programme vonseiten der Geber eine erhebliche vertikale Finanzierung

erhalten; genauso wichtig ist es jedoch, dass die nationalen Bemühungen zur Senkung der Kindersterblichkeit nicht

nur krankheitsbezogen erfolgen, sondern gleichzeitig auch indirekte Gründe und die den wichtigsten Todesursachen

zugrunde liegenden Faktoren mitberücksichtigen.

• Lungenentzündung: Ca. zwei Millionen Todesfälle bei Kindern sind jedes Jahr auf Lungenentzündungen

zurückzuführen. In Kürze wird ein neuer Pneumokokken-Impfstoff verfügbar sein, der eine Verringerung der

durch Lungenentzündungen verursachten Todesfälle um ein Drittel ermöglichen könnte. 102 Zudem könnten bis

zu 85 % der Todesfälle infolge von Lungenentzündungen durch die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung

mit Antibiotika, aber auch durch so einfache Maßnahmen wie Händewaschen mit Seife vermieden werden.

Darüber hinaus kann eine bessere Ernährung, insbesondere durch Stillen und die Gabe von Zinkpräparaten, die

von Lungenentzündungen ausgehende Gefährdung von Kleinkindern ebenfalls senken. Auch eine Reduktion des

durch Öfen in Innenräumen bedingten Feinstaubs kann die Anzahl der Atemwegsinfektionen erheblich verringern:

Bei einer Studie in Kenia hat sich gezeigt, dass die Verwendung von Abzugshauben und Öfen mit Rauchfang eine

Senkung der Feinstaubbelastung in Wohnräumen um bis zu 80 % ermöglicht. 103

• Durchfall: Jedes Jahr sterben ca. 1,5 Millionen Kinder an Durchfall. 104 Schon der verbesserte Zugang zu sicherem

Trinkwasser, Sanitäreinrichtungen und Hygienemaßnahmen – eines der Anliegen des MDG 7 – würde einen

wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Durchfallerkrankungen leisten. 45 % aller Fälle könnten durch das

Händewaschen mit Seife verhindert werden. 105 Bald gelangt ein neuer Impfstoff zur Verhinderung von Todesfällen

infolge von durch Rotaviren verursachtem Durchfall auf den Markt. Doch schon die Verabreichung der einfachen

WHO-Trinklösung – bestehend aus in Trinkwasser gelösten wichtigen Salzen – kann dafür sorgen, dass eine

Durchfallerkrankung nicht zum Tod führt. Durch die WHO-Trinklösung konnte die Zahl der Todesfälle infolge von

Durchfallerkrankungen in den Jahren 1980 bis 2000 von 4,6 Millionen auf 1,8 Millionen pro Jahr halbiert werden.

Ein effizienterer Einsatz der WHO-Trinklösung in Afrika südlich der Sahara könnte jedes Jahr zusätzlich geschätzte

550.000 Leben retten. 106

• Malaria: Jedes Jahr sterben 850.000 Menschen an Malaria. 85 % der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren. Viele

weitere Menschen sind durch Malaria so geschwächt, dass sich dies auf ihre wirtschaftlichen Aktivitäten und ihre

ohnehin schon knappen Haushaltsmittel auswirkt. Aufgrund der Behandlungskosten kann schon eine einzige

schwere Malariainfektion eine Familie in die Armut treiben. Mit 90 % aller Todesfälle ist vor allem Afrika südlich

der Sahara von Malaria betroffen. In den meisten anderen Malariagebieten der Welt sind die Prophylaxe- und

Behandlungssysteme ausgereifter, sodass Malaria weniger oft zum Tode führt. Die Malariaprophylaxe bei einer

bestimmten Zielgruppe erfordert vier Maßnahmen mit mindestens 80-prozentiger Abdeckung 107 : die Verwendung

haltbarer, insektizidbehandelter Moskitonetze, die intermittierende präventive Behandlung Schwangerer, den

Einsatz von Insektensprays in Privathaushalten sowie die Behandlung erkrankter Mütter und Kinder mit der

6 5


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Artemisinin-Kombinationstherapie (ACT) binnen 24 Stunden nach dem Ausbruch von

Fieber. Für diese Programme ist ein relativ hoher Grad an Aufklärung und Motivation

der Zielgruppe erforderlich. Deshalb wirkt sich die Einbindung der Gemeinschaften

in die Planung und Umsetzung von Malariakontrollprogrammen vorteilhaft auf deren

Nachhaltigkeit aus.

• HIV und AIDS: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind über zwei Millionen Kinder unter

fünf Jahren mit HIV infiziert. Millionen weiterer Kinder leben in von HIV betroffenen

Haushalten mit hoher sozialer und wirtschaftlicher Belastung und sind infolgedessen

äußerst anfällig für andere Infektionen. Besonders negativ wirken sich HIV und AIDS

in Afrika südlich der Sahara aus. Auf dieses Gebiet entfallen 22 der 30 Millionen Fälle

weltweit. Innerhalb dieser Region ist das südliche Afrika am schlimmsten betroffen,

wo die Prävalenzraten in sieben Ländern über 15 % liegen. 108 Besonders in diesen

Ländern müssen Konzepte zur Verringerung der Kindersterblichkeit HIV sowohl

als unmittelbarer Todesursache als auch als Grund für die Anfälligkeit für andere

Erkrankungen entsprechende Aufmerksamkeit widmen. Um Neuinfektionen bei

Kindern so gering wie möglich zu halten, müssen alle Schwangeren auf HIV getestet

werden. Bei einem positiven Testergebnis müssen diesen Frauen vor der Geburt die

erforderlichen antiretroviralen Medikamente verabreicht werden. Wenn es für die

Gesundheit der Frauen erforderlich ist, muss außerdem eine antiretrovirale Therapie

eingeleitet werden. Neugeborene müssen auf HIV getestet und im Fall eines positiven

Testergebnisses behandelt werden. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung kann

eine Verlängerung der Lebensdauer HIV-infizierter Kinder um über 90 % ermöglichen.

Derzeit sind jedoch über 50 % der infizierten Kinder an ihrem zweiten Geburtstag

noch nicht als HIV-positiv diagnostiziert. 109 Wird die Behandlung innerhalb der ersten

zwölf Lebenswochen eingeleitet, verbessert dies die Überlebensquote bei Kindern

erheblich. Im Rahmen einer Studie in Südafrika wurde bei HIV-positiven Kindern eine

Reduktion der Kindersterblichkeit um 76 % festgestellt, wenn innerhalb des genannten

Zeitraums mit der Behandlung begonnen wurde. 110 Auch die Entwicklung sicherer und

wirksamer antiretroviraler Behandlungsmethoden (ART) für Kinder und die vermehrte

Bereitstellung der vorhandenen pädiatrischen ART für Kinder mit HIV spielen eine

wichtige Rolle bei der Verlängerung des Lebens und der Verbesserung der Lebensqualität

der als HIV-positiv diagnostizierten Kinder: Derzeit werden weniger als 40 % der HIVpositiven

Kinder weltweit mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. 111

6 6


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6 7

FAMILIE

GEMEINSCHAFT

LOKALE BEHÖRDE

NATIONALREGIERUNG

6 7

REGIONALE INSTITUTIONEN

INTERNATIONALE GEBER

MULTILATERALE INSTITUTIONEN

Jede

entscheidunG

betrifft

Jedes

Kind


5. schlussfolGerunGen

und

empfehlunGen

6 8

Jon Warren/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| S C h l U S S f O l g E rU n g E n U n d E m p f E h l U n g E n

Fünf Jahre vor dem Stichtag für die Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele

hängt die Erfüllung der weltweit eingegangenen Verpflichtung, die Kindersterblichkeit

um zwei Drittel zu senken und die Lebensperspektiven von Millionen Kindern dieser

Erde grundlegend zu verändern, derzeit in der Schwebe. Überall in der Welt hinkt man

hinter den Zielvorgaben hinterher. Mit business as usual werden wir die MDGs nicht

verwirklichen können.

Dieser Bericht hat gezeigt, dass wir sehr wohl wissen, was getan werden muss: Gefordert

ist eine Neuausrichtung der gesundheitspolitischen Strategien, bei der ein deutlich

größeres Schwergewicht auf bewährte, kostengünstige Vorsorgemaßnahmen gelegt wird

und die Rolle der Familie und der örtlichen Gemeinschaft als der ersten und wichtigsten

Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung eines Kindes stärker in den Mittelpunkt rückt.

Dies setzt wiederum voraus, dass die betroffenen Regierungen und Geber eine umfassendere

Definition von Gesundheitssystemen anwenden, in die auch Aspekte einbezogen werden,

die zumeist nicht in den unmittelbaren Zuständigkeitsbereich der Gesundheitsministerien

fallen, so beispielsweise die Wasserversorgung, sanitäre Einrichtungen und die Ernährung.

Auch die wesentliche Bedeutung von qualifizierten Gesundheitsfachkräften muss dabei

gebührend berücksichtigt werden.

Dieser Richtungswandel muss zuerst und vor allem innerhalb der 30 am

schwersten betroffenen Länder erfolgen, die den Brennpunkt der globalen

Kindersterblichkeitskatastrophe bilden. Einige dieser Länder weisen hier bereits den Weg:

Die Erfahrungen aus Malawi, Tansania, Bangladesch und anderen Ländern mit niedrigem

Einkommen, in denen es gelungen ist, die Kindersterblichkeitsraten deutlich zu reduzieren,

liefern lehrreiche Beispiele. Neue Verfahrensweisen müssen mit einer neuen Politik

gekoppelt sein, die auf die Bedürfnisse und Prioritäten von Kindern, ihren Familien und

den Gemeinschaften, in denen sie leben, eingeht und die das gegenwärtige Ausmaß der

Kindersterblichkeit und der Erkrankungen unter Kindern als unentschuldbare Verletzung

ihrer Grundrechte auffasst.

Doch selbst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, können die ärmsten Länder die

Kindergesundheit nicht allein angehen. Den Geberländern kommt im Hinblick auf die

Erfüllung des MDG 4 eine entscheidende Rolle zu: Sie müssen zum einen ihre finanziellen

Hilfen aufstocken, zum anderen aber auch dafür Sorge tragen, dass diese Gelder sinnvoller

eingesetzt werden und einheitlichen nationalen Gesundheitsplänen, Gesundheitsetats

und Überwachungssystemen zugutekommen. Zu einer Zeit, da die Bereitschaft einiger

Geberländer zur Leistung von Entwicklungshilfezahlungen angesichts einheimischer

Haushaltsprobleme bröckelt, bietet die Überprüfung der Millenniumsentwicklungsziele in

der zweiten Jahreshälfte 2010 eine Gelegenheit, diesem Bereich neue Dynamik zu verleihen

und das Engagement der Geber wiederzubeleben.

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| S C h l U S S f O l g E rU n g E n U n d E m p f E h l U n g E n

Wie die Erfahrung gezeigt hat, lassen sich Fortschritte im Bereich der Kindergesundheit nicht durch einen

einzigen Akteur oder eine einzelne Maßnahme erzielen. Die Erreichung des MDG 4 setzt voraus, dass Organisationen

und Bürger über berufliche, technische und institutionelle Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Das angestrebte

Ergebnis sollte als Leitstern dienen: So kann durch eine Kombination von geeigneten Maßnahmen die Zahl der

jährlichen Kindstode bis zum Ablauf der Frist für dieses Millenniumsentwicklungsziel um nahezu sechs Millionen

reduziert werden und das Leben dieser Kinder und von Millionen weiteren Kindern, ihren Familien und örtlichen

Gemeinschaften eine Wende zum Besseren erfahren. Die Verfolgung dieses Ziels ist ein Gebot der Moral und damit

ein Selbstzweck, bildet zugleich aber auch eine der sinnvollsten Investitionen der internationalen Gemeinschaft in die

zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Vor nahezu einem halben Jahrhundert sprach Martin Luther King in einer Zeit stürmischer politischer

Veränderungen und schwerer Entscheidungen von der „brennenden Dringlichkeit des Jetzt“. Fünf Jahre vor dem

Stichtag für die Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele, in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession und

des politischen Wandels, gibt es keine Aufgabe, die mehr umgehendes und konzertiertes Handeln und ein stärkeres

Bewusstsein brennender Dringlichkeit aufseiten der Regierungen, der Geber und der Zivilgesellschaft erfordert als die

Beendigung der unbemerkten Katastrophe, die jedes Jahr nahezu neun Millionen sinnlose Todesopfer unter Kindern

unter fünf Jahren fordert.

empfehlunGen

1. Aufstellung von einheitlichen nationalen Plänen zur Erreichung des MDG 4:

Die nationalen Regierungen müssen klare, zeitgebundene und kostenkakulierte Gesundheitspläne aufstellen, die auf

die Bekämpfung der direkten und indirekten Ursachen der Kindersterblichkeit im jeweiligen Land ausgerichtet sind.

Diese Pläne müssen im Rahmen eines transparenten, schrittweisen Prozesses entwickelt werden, an dem Vertreter der

wichtigsten nationalen Interessengruppen – darunter Organisationen der Zivilgesellschaft, Gesundheitsfachkräfte und

Vertreter von Glaubensgemeinschaften – beteiligt sind und der sich auf eine exakte und aktuelle Analyse des Wesens und

Ausmaßes der ungedeckten Bedürfnisse stützt. Diese nationalen Pläne werden sich inhaltlich je nach den Gegebenheiten

unterscheiden, doch müssen sie eine ausgewogene Mischung von Vorsorge- und Behandlungsmaßnahmen enthalten

und darauf abzielen, durch einen Korb von evidenzbasierten Maßnahmen, die auf die Kinder- und Müttergesundheit

ausgerichtet sind, eine höchstmögliche Wirkung zu den niedrigstmöglichen Kosten zu erreichen. Diejenigen Länder

mit hohen Kindersterblichkeitsraten, die derzeit in Bezug auf die Erfüllung der Zielvorgaben hinterherhinken und

noch keinen solchen Plan aufgestellt haben, sollten eine erste Fassung bis spätestens zu der Ende 2010 vorgesehenen

Überprüfung der MDGs durch die Vereinten Nationen vorlegen.

2. Klare und planbare Geberzusagen zur Unterstützung nationaler Pläne:

Die reichsten Länder der Erde müssen dafür Sorge tragen, dass kein Land, das sich zur Erreichung des MDG 4

verpflichtet hat, in dieser Hinsicht an fehlenden finanziellen oder technischen Ressourcen scheitert. Mit Blick auf die

Erfüllung ihrer gemachten Zusagen und der seit jeher bestehenden Verpflichtung zur Erreichung der Zielvorgabe der

Vereinten Nationen, 0,7 % des Nationaleinkommens für die Entwicklungshilfe vorzusehen, müssen die Geberländer

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g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

| S C h l U S S f O l g E rU n g E n U n d E m p f E h l U n g E n

ihre Entwicklungshilfe für den Gesundheitsbereich bis 2015 gemeinsam auf 42,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr

verdreifachen. Die Geberländer müssen ihre Entwicklungshilfe in Zusammenarbeit mit der OECD und den Vereinten

Nationen reformieren und diese künftig in vorhersehbarer und gut koordinierter Form und zum richtigen Zeitpunkt

bereitstellen, damit die Annahme von einheitlichen Gesundheitsplänen, Haushalts- und Überwachungsstrukturen

in den einzelnen Ländern gefördert wird. Die Geberländer sollten die Überprüfung der MDGs dazu nutzen, ein klar

formuliertes Finanzierungsabkommen mit den am schwersten betroffenen Ländern zu schließen, damit die Erreichung

der Zielvorgabe zur Kindergesundheit bis 2015 wieder in Reichweite rückt. Dabei sollten sie auch für eine gleichmäßige

Verteilung der Hilfsgelder Sorge tragen, die von den bestehenden Bedürfnissen und der Fähigkeit zur sinnvollen

Anwendung der Gelder ausgeht.

3. Die Verteilungsgerechtigkeit und Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten

als Schwerpunkte der globalen Anstrengungen:

Die nationalen Regierungen und die Geber müssen auf nationaler und internationaler Ebene zusammenarbeiten,

um einen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsfürsorge zu erreichen, indem wirtschaftliche und

gesellschaftliche Hindernisse angegangen werden, die gegenwärtig Millionen der ärmsten und gefährdetsten Kinder

von der Inanspruchnahme grundlegender Gesundheitsdienste abhalten. Dazu muss ein Paket von medizinischen

Grundversorgungsleistungen vor Ort gebührenfrei angeboten werden und es muss in den Aufbau landesweiter

Netzwerke von Dorfgesundheitsvolontären investiert werden, die den Abstand zwischen den Gesundheitsdiensten

und denen, die diese am meisten benötigen, verringern können. Um die ärmsten und am stärksten marginalisierten

Bevölkerungsgruppen zu erreichen, werden in vielen Fällen maßgeschneiderte Maßnahmen erforderlich sein, die

bisweilen zusätzliche Kosten verursachen, jedoch langfristige individuelle und gesellschaftliche Vorteile herbeiführen.

Außerdem müssen die Regierungen und die Geber zusammenarbeiten, um die vernachlässigten Krankheiten,

insbesondere Lungenentzündung und Durchfall, und die diesen zugrunde liegenden Ursachen (vor allem Ernährung,

Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen und Hygiene) durch nationale Pläne anzugehen, die im Rahmen eines

umfassenderen Ansatzes zur Stärkung der Gesundheitssysteme entsprechend den Auswirkungen dieser Krankheiten auf

die Kindergesundheit mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

4. Ein umfassendes Überwachungs- und Rechenschaftslegungssystem für das MDG 4:

Dazu sollten Daten auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zusammengetragen und regelmäßig

veröffentlicht werden, um die Fortschritte im Hinblick auf den Abbau der Kindersterblichkeit zu resümieren.

Dies sollte regelmäßig in offenen Foren unter Beteiligung der Regierungen und der Geber auf nationaler

Ebene überprüft sowie einem regelmäßigen UN-Überprüfungsmechanismus unterworfen werden. Bei diesem

Überwachungssystem muss regelmäßig eingeholtes Feedback in nationale Pläne eingebunden werden, die überprüft

und aktualisiert werden können, je nachdem, welche Maßnahmen sich als erfolgreich und welche sich als weniger

erfolgreich erwiesen haben. Örtliche Daten über erzielte Fortschritte müssen unter Mitwirkung der örtlichen

Gemeinschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft erhoben und diesen zur Verfügung gestellt werden,

um eine größere Transparenz und eine bessere Rechenschaftslegung der Regierungen gegenüber den Nutzern der

Gesundheitsdienste zu ermöglichen.

7 1


anhanG

7 2


7 3

patricia mouamar/World Vision

patricia Mouamar/World Vision


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

ANNex 1

hiGh priority countries - Key indicators

The twenty countries with the highest rates of child deaths per 1000 children born and the twenty with the greatest overall numbers

of child deaths overlap, giving a total of 30 high-priority countries where child deaths are most prevalent.

country child mortality rate 2007 health workers per 1000

afghanistan 257 0.4

angola 158 1.4

bangladesh 61 0.6

burkina faso 191 0.5

burundi 180 0.2

Cameroon 148 1.8

Car 172 5

Chad 209 0.5

China 22 2.1

drC 161 0.6

Eq. guinea 206 0.8

Ethiopia 119 0.3

guinea 150 0.8

guinea bissau 198 0.8

india 72 1.9

indonesia 31 1

Kenya 121 1.3

liberia 133 0.3

mali 196 0.7

mozambique 168 0.4

niger 176 0.3

nigeria 189 2

pakistan 90 1.2

rwanda 181 0.5

Sierra leone 262 0.5

Somalia 142 0.2

Sudan 109 1.1

tanzania 116 0.4

Uganda 130 0.8

zambia 170 2.1

total

7 4


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

Source: UNICEF (2008)

Government expenditure on health ($pppy) % Gov health exp under five deaths 2007

29 2 338,000

100 4 128,000

12 6 244,000

41 15 125,000

3 2 72,000

20 11 96,000

11 11 27,000

39 10 103,000

88 10 382,000

4 7 502,000

509 7 4,000

16 9 381,000

9 5 57,000

8 4 17,000

22 3 1,953,000

42 5 136,000

32 8 179,000

4 20 25,000

33 13 117,000

26 9 144,000

21 10 123,000

18 4 1,126,000

8 2 400,000

38 17 79,000

11 8 70,000

nd 54,000

27 7 134,000

42 9 186,000

18 10 188,000

48 13 80,000

7 5

7,470,000


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

ANNex 2

proGress on Key interVentions to cut

under 5 child mortality by tWo thirds

1990-2015 (mdG 4)

country

cmr 1990

and 2007

target

mortality rate on track/ off track

afghanistan 260:257 target 87 off track

angola 258:158 off track

progress in exclusive

breastfeeding (%)

bangladesh 151:61 target 50 on track reduced from 46 to 37

burkina faso 206:191 target 69 Very off track increased from 3 to 7

burundi 189:180 target 63 off track reduced by 10

Cameroon 139:148 target 46 Very off track (i) increased by 3

Car 171:172 target 58 Very off track (i) increased by 3

Chad 201:209 target 67 Very off track (i) reduced by 6

China 45:22 target 15 on track nd

drC 200:161 target 66 Very off track (Np) nd

Eq guinea 170:206 target 57 off track nd

Ethiopia 204:119 target 68 off track reduced from 54 to 49

guinea 231:150 target 78 off track increased by 7

guinea bissau 240:198 target 80 Very off track reduced by 10

india 117:72 target 38 off track increased from 44 to 46

indonesia 91:31 target 30 on track (almost met)

Kenya 97:121 target 32 Very off track (i) 0

liberia 205:133 target 78 Very off track (Np) nd

mali 250:196 target 83 off track increased from 8 to 25

mozambique 201: 168 target 78 off track stagnant at 30

niger 304:176 target 107 off track increased from 3 to 14

nigeria 230:189 target 77 off track increased from 1 to 16

pakistan 132:90 target 43 off track nd

rwanda 195:181 target 59 off track increased from 83 to 88

Sierra leone 290:262 target 9 Very off track increased by 2

Somalia 203:142 target 68 off track 0

Sudan 125:109 target 40 off track increased from 13 to 18

tanzania 157:116 target 54 off track increased from 23 to 41

Uganda 175:130 target 53 off track increased from 57 to 60

zambia 163:170 target 80 Very off track increased from 10 to 40

7 6


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

Source: Countdown to 2015 (2008)

nd = no data

progress in treatment of diarrhoea (%) progress in treatment of pneumonia (%) progress on oda funding for mdG 4

nd nd increased

increased

improved from 35 to 49 improved from 27 to 30 reduced

increased from 19 to 42 increased from 22 to 30

increased 5 reduced by 1 increased

reduced by 5 increased by 5 increased

0 0 reduced

reduced by 17 reduced by 7 stagnant

nd nd none

nd nd reduced

nd nd

reduced from 38 to 15 increase from 16 to 19 increased

increased by 5 increased by 1 increased

nd reduced by 4 reduced

increased from 22 to 32 stagnant at 69

reduced by 5 stagnant

reduced by 5 increased

nd nd reduced

increased from 27 to 45 increased from 2 to 36

increased from 33 to 47 increased from 39 to 55 increased

increased from 12 to 43 increased from 14 to 27

no progress increased from 23 to 33 increased

nd nd increased

increased from 20 to 24 reduced from 30 to 28 reduced

reduced by 5 reduced by 1 reduced

stagnant

nd nd increased

reduced from 54 to 53 reduced from 65 to 59 increased

increased from 23 to 29 increased from 61 to 67 increased to $10 per child

increased from 43 to 48 increased from 62 to 68 increased to $27 per child

7 7


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

ANNex 3

equity indicators by country

Disparities in coverage of key preventive indicators

afghanistan urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 35 7 0.2 – – –

Use of improved drinking water sources, % 37 17 0.5 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 45 25 0.6 – – –

angola urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 17 19 0.9 17 14 0.8

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 71 26 2.7 – – –

Use of improved drinking water sources, % 62 39 1.6 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 79 16 4.9 – – –

bangladesh urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % 25 37 1.5 47 17 0.4

Skilled attendant at delivery, % 37 13 0.4 – – –

Use of improved drinking water sources, % 85 78 0.9 79 86 1.1

Use of improved sanitation facilities, % 48 32 0.7 – – –

burkina faso urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 24 6 4.0 4 26 6.5

proportion of women with low bmi, % 9 24 0.4 26 9 0.3

Skilled attendant at delivery, % 66 51 1.3 56 65 1.2

Use of improved drinking water sources, % 97 66 1.5 78 94 1.2

Use of improved sanitation facilities, % 41 6 6.8 0 97 –

burundi urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 40 7 5.7 5 19 3.8

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 75 32 2.3 25 55 2.2

Use of improved drinking water sources, % 84 70 1.2 65 76 1.2

Use of improved sanitation facilities, % 44 41 1.1 30 35 1.2

7 8


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

Source: Countdown to 2015 (2008)

cameroon urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 14 12 1.2 9 18 2.0

proportion of women with low bmi, % 6 8 0.8 10 4 0.4

Skilled attendant at delivery, % 86 46 1.9 23 98 4.3

Use of improved drinking water sources, % 88 47 1.9 36 99 2.8

Use of improved sanitation facilities, % 58 42 1.4 5 74 14.8

car urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 24 10 2.4 5 28 5.6

proportion of women with low bmi, % 13 17 0.8 0 0 –

Skilled attendant at delivery, % 83 35 2.4 27 89 3.3

Use of improved drinking water sources, % 90 51 1.8 42 93 2.2

Use of improved sanitation facilities, % 40 25 1.6 20 75 3.8

chad urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 1 0 – 0 2 –

proportion of women with low bmi, % 15 22 0.7 31 15 0.5

Skilled attendant at delivery, % – – – – – –

Use of improved drinking water sources, % 71 40 1.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 23 4 5.8 – – –

china urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

indicator 3 (skilled attendant at delivery, %) 99 97 1.0 – – –

Use of improved drinking water sources, % 98 81 0.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 74 59 0.8 – – –

drc urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 8 4 2.0 – – –

proportion of women with low bmi, % 16 21 0.8 23 15 0.7

Skilled attendant at delivery, % 91 63 1.4 – – –

Use of improved drinking water sources, % 82 29 2.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 42 25 1.7 – – –

7 9


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

equatorial Guinea urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 3 0 – 0 3 –

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 87 49 1.8 47 85 1.8

Use of improved drinking water sources, % 45 42 1.1 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 60 46 1.3 – – –

ethiopia urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 36 33 1.1 35 34 1.0

proportion of women with low bmi, % 19 28 0.7 30 20 0.7

Skilled attendant at delivery, % 45 3 15.0 1 27 27.0

Use of improved drinking water sources, % 96 31 3.1 47 82 1.7

Use of improved sanitation facilities, % 27 8 3.4 1 39 39.0

Guinea urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 3 1 3.0 – – –

proportion of women with low bmi, % 11 14 0.8 13 12 0.9

Skilled attendant at delivery, % 81 26 3.1 15 87 5.8

Use of improved drinking water sources, % 91 59 1.5 32 94 2.9

Use of improved sanitation facilities, % 33 12 2.8 0 75 –

Guinea bissau urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 32 42 0.8 40 30 0.8

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 69 27 2.6 19 79 4.2

Use of improved drinking water sources, % 82 47 1.7 31 91 2.9

Use of improved sanitation facilities, % 48 26 1.8 18 99 5.5

india urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % 25 41 1.6 52 18 0.3

Skilled attendant at delivery, % 74 38 0.5 19 89 4.7

Use of improved drinking water sources, % 96 86 0.9 78 95 1.2

Use of improved sanitation facilities, % 52 18 0.3 3 94 31.3

8 0


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

indonesia urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 0 0 – – – –

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % – – – – – –

Use of improved drinking water sources, % 89 71 0.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 61 33 0.5 – – –

Kenya urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 12 5 2.4 – – –

proportion of women with low bmi, % 5 15 0.3 23 5 0.2

Skilled attendant at delivery, % 72 35 2.1 17 75 4.4

Use of improved drinking water sources, % 85 49 1.7 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 19 48 0.4 – – –

liberia urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % 8 12 0.7 14 8 0.6

Skilled attendant at delivery, % 79 32 2.5 – – –

Use of improved drinking water sources, % 72 52 1.4 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 49 7 7.0 – – –

mali urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 29 26 1.1 26 34 1.3

proportion of women with low bmi, % 10 15 0.7 16 10 0.6

Skilled attendant at delivery, % 80 38 2.1 35 86 2.5

Use of improved drinking water sources, % 86 48 1.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 59 39 1.5 – – –

mozambique urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % 6 10 0.6 10 5 0.5

Skilled attendant at delivery, % 81 34 2.4 – – –

Use of improved drinking water sources, % 71 26 2.7 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 53 19 2.8 – – –

8 1


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

niger urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 15 6 2.5 5 14 2.8

proportion of women with low bmi, % 13 21 0.6 19 13 0.7

Skilled attendant at delivery, % 78 25 3.1 21 71 3.4

Use of improved drinking water sources, % 91 32 2.8 1 87 87.0

Use of improved sanitation facilities, % 27 3 9.0 0 64 –

nigeria urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 1 1 1.0 – – –

proportion of women with low bmi, % 13 16 0.8 22 9 0.4

Skilled attendant at delivery, % 59 26 2.3 12 84 7.0

Use of improved drinking water sources, % 65 30 2.2 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 35 25 1.4 – – –

pakistan urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – – – –

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 60 30 0.5 16 77 4.8

Use of improved drinking water sources, % 95 87 0.9 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 90 40 0.4 – – –

rwanda urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 26 11 2.4 5 31 6.2

proportion of women with low bmi, % 10 10 1.0 11 7 0.6

indicator 3 (skilled attendant at delivery, %) 70 49 1.4 – – –

Use of improved drinking water sources, % 82 61 1.3 4 62 15.5

Use of improved sanitation facilities, % 51 47 1.1 49 84 1.7

sierra leone urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 5 5 1.0 4 8 2.0

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 76 35 2.2 27 83 3.1

Use of improved drinking water sources, % 83 32 2.6 11 91 8.3

Use of improved sanitation facilities, % 20 5 4.0 1 79 79.0

8 2


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

somalia urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 18 8 2.3 2 17 8.5

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % 65 15 4.3 11 77 7.0

Use of improved drinking water sources, % 63 10 6.3 3 74 24.7

Use of improved sanitation facilities, % 51 7 7.3 0 86 –

sudan urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % – – – 15 37 2.5

proportion of women with low bmi, % – – – – – –

Skilled attendant at delivery, % – – – 15 90 6.0

Use of improved drinking water sources, % 78 64 1.2 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 50 24 2.1 – – –

tanzania urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 49 21 2.3 – – –

proportion of women with low bmi, % 8 12 0.7 13 7 0.5

indicator 3 (skilled attendant at delivery, %) 79 35 2.3 26 85 3.3

Use of improved drinking water sources, % 81 46 1.8 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 31 34 0.9 – – –

uganda urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 21 8 2.6 11 15 1.4

proportion of women with low bmi, % 6 14 0.4 23 6 0.3

Skilled attendant at delivery, % 80 37 2.2 28 76 2.7

Use of improved drinking water sources, % 90 60 1.5 67 83 1.2

Use of improved sanitation facilities, % 29 34 0.9 42 98 2.3

Zambia urban rural ratio poorest richest ratio

Children sleeping under itns, % 30 28 1.1 – - –

proportion of women with low bmi, % 11 18 0.6 0 0 –

Skilled attendant at delivery, % 83 31 2.7 – – –

Use of improved drinking water sources, % 90 41 2.2 – – –

Use of improved sanitation facilities, % 55 51 1.1 – – –

8 3


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

ANNex 4

potential liVes saVed throuGh Wider use of

family and community health strateGies

cause of death

current

annual

deaths

(millions)

proven responses that can be implemented at the family and

community level

maternal deaths 0.5 later marriage and birth spacing, iron folate and calcium supplements, insecticide

treated nets to reduce malaria, clean birth practices and handwashing of mother

and birth attendant, peer support of mother, immediate breastfeeding to reduce

bleeding, strategies to reduce delays in obtaining treatment

child deaths

preterm birth 0.9 later marriage and birth spacing, adequate maternal nutrition including iron folate,

calcium and zinc, insecticide treated bednets for mother, clean birthing practices

and handwashing of mother and birth attendant, skin to skin care, adequate

warmth for the child, exclusive breastfeeding

estimated

minimum

reduction

in deaths

25% 0.13

20% 0.18

birth asphyxia 0.7 early identification and home-based resuscitation techniques 25% 0.18

antenatal sepsis 0.9 clean birthing practices and hand washing, cord care, early identification and

referral

15% 0.13

tetanus 0.2 clean birthing practices, hand washing, cord care, early identification and referral 20% 0.04

other neonatal causes 0.5 effect of more effective birth and neonatal care 10% 0.05

pneumonia 1.7 exclusive breastfeeding and effective complementary feeding, vitamin A and zinc,

hand washing, reduced indoor air pollution, early identification and referral

diarrhoea 1.5 exclusive breastfeeding and effective complementary feeding, vitamin A and zinc,

hand washing, clean water, oral rehydration salts, hygienic food preparation, early

identification and referral

malaria 0.7 insecticide treated bed nets, local residual spraying, improved nutrition, vitamin A

and zinc, early identification and referral

measles 0.2 improved nutrition, vitamin A supplements and as treatment, effective treatment

of secondary diarrhoea and pneumonia

40% 0.67

60% 0.90

20% 0.14

25% 0.04

injuries 0.3 wound treatment, better nutrition, early referral 10% 0.03

aidS 0.3 improved nutrition and early referral 10% 0.03

Other child deaths 1.1 health improvements through the above actions to improve nutrition, reduce

infections

10% 0.11

total 8.8 2.5

Source of information on disease breakdown: uNiceF State of the World’s children 2008 p8 applied to latest uNiceF estimate of

total child deaths

8 4

estimated

minimum lives

saved annually

(million)

28%


g E S U n d E K i n d E r W E lt W E i t

i a n h a n g

Source: Countdown to 2015 (2008)

It should be noted that the number of deaths prevented would be even greater if families or community health workers, in conjunction with families, were also able to

administer antimalarials, antibiotics and drugs to prevent post-partum haemorrhage.

For a discussion of family and community based strategies and examples of successful programs see: Costello et al 2004 ‘Reducing maternal and neonatal mortality in

the poorest communities’ BMJ 2004;329:1166-1168 , Bhutta et al 2008 ‘Interventions to address maternal, newborn, and child survival: what difference can integrated

primary health care strategies make?’ Lancet 2008; 372: 972–89, Rosato et al 2008 ‘Community participation: lessons for maternal, newborn, and child health’ Lancet

2008; 372: 962–71, Darmstadt et al 2008 ‘Saving newborn lives in Asia and Africa: cost and impact of phased scale-up of interventions within the continuum of care’

Health Policy and Planning 2008 23(2):101-117.

background information

For causes of maternal death see Khan et al 2006 ‘WHo analysis of causes of maternal death: a systematic review’ Lancet 2006; 367: 1066–74. For an example of significant reduction

in maternal deaths (80%) through community based strategies see Manandhar et al 2004 ‘effect of a participatory intervention with women’s groups on birth outcomes in Nepal:

cluster-randomised controlled trial’ Lancet 2004; 364:970-979.

preterm birth can be reduced though improved maternal nutrition, and zinc and calcium supplements. For example Villar et al 2006 ‘World Health organization randomized trial of

calcium supplementation among low calcium intake pregnant women’ Am J Obstet Gynecol 2006 Mar;194(3):639-49. found an average 30% reduction in preterm births and Mahomed

et al 2007 ‘Zinc supplementation for improving pregnancy and infant outcome’ Cochrane Review (www.cochrane.org/reviews/en/ab000230.html) found an average 14% reduction.

See Darmstadt et al 2008 ‘Saving newborn lives in Asia and Africa: cost and impact of phased scale-up of interventions within the continuum of care’ Health Policy and Planning 2008

23(2):101-117 for a summary of community level prevention and treatment approaches to preterm and other neonatal problems which the authors estimate would reduce neonatal

deaths by 13 – 32%.

Ariawan et al 2007 Managing Birth Asphyxia in Home Based Deliveries: The Impact of Village Midwives Training and Supervision on Newborn Resuscitation in Cirebon, Indonesia (pAtH) report

a 47% reduction in asphyxia deaths and Darmstadt et al 2008 (above) estimate that asphyxia deaths can be reduced by 25 to 50% through community level strategies.

Darmstadt et al 2008 (above) estimate that deaths from neonatal infection can be reduced by 10-20% and tetanus deaths by 75% through clean birthing practices and cord care. Bang

et al 2005 ‘Neonatal and infant mortality in the ten years (1993 to 2003) of the Gadchiroli field trial: effect of home-based neonatal care’. J Perinatology 2005; 25 (Suppl 1): S92–107

found a 17% reduction in sepsis deaths through primary prevention.

see above

Assumes small improvement due to better maternal nutrition, birth and antenatal care practices.

luby et al 2005 ‘effect of handwashing on child health: a randomised controlled trial’ Lancet 2005; 366: 225–33 found a 50% reduction in pneumonia through hand washing alone. Roth

et al 2008 ‘Acute lower respiratory infections in childhood: opportunities for reducing the global burden through nutritional interventions’ Bull. WHo Vol 86, No 5, May 2008, 321-416

estimated that zinc supplementation could result in a 7% reduction in child pneumonia deaths and breastfeeding a 15% decrease in respiratory disease hospitalizations.

luby et al 2005 ‘effect of handwashing on child health: a randomised controlled trial’ Lancet 2005; 366: 225–33 found a 53% reduction in diarrhoea through hand washing alone. curtis

and cairncross 2003 ‘effect of washing hands with soap on diarrhoea risk in the community: a systematic review’, Lancet Infectious Diseases 2003; 3:275-281 found a 42-47% reduction.

Also see pittet 2005 ‘clean hands reduce the burden of disease’ Lancet 2005;366: 185-187. Zinc supplementation is also highly effective at reducing the incidence and severity of

diarrhoea – lazzerini and Ronfani 2008 ‘oral zinc for treating diarrhoea in children’ Cochrane Review (www.cochrane.org/reviews/en/ab005436.html) found average reductions of

incidence of around 30%. Hand washing and zinc supplementation when combined with other family and community level interventions can prevent most diarrhoeal deaths.

lengeler c 2004 ‘insecticide-treated bed nets and curtains for preventing malaria’ Cochrane Review (www.cochrane.org/reviews/en/ab000363.html) reported that 20% of malarial

deaths in children can be prevented by itNs alone.

Yang et al 2009 ‘Vitamin A for treating measles in children’ Cochrane Review (www.cochrane.org/reviews/en/ab001479.html) found reductions in mortality of at least 67% for children

under two years of age; also see above effects for diarrhoea and pneumonia.

low reduction estimate to be conservative.

low reduction estimate to be conservative.

At least half of the deaths in this category are caused by other infectious diseases and are likely to be amenable to the nutrition interventions cited for the major childhood diseases.

of deaths of children under five, at a minimum, could be prevented through scale-up of effective family and community level strategies. this is more than half of the death reduction, 4.7

million, required to achieve MDG4.

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literaturhinWeise

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davinah nabirye/World Vision


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1 UNICEF (2008) The State of the World’s Children 2008: Child Survival, p.8

2 For example see Jones et al (2003) Darmstadt et al (2005) and Bhutta Z (2009)

3 Darmstadt, G et al (2005) ‘Evidence-based, cost-effective interventions: how many newborn babies can we save?’ The Lancet (365):977-988

4 Partnership for Maternal Neonatal and Child Health (2009) Investing in Maternal, Newborn and Child Health – The Case for Asia and the Pacific

5 UNICEF (2004) The State of the World’s Children 2005: Childhood Under Threat

6 Deccan Herald (2009)’ Infant Mortality Rate India’s Enduring Shame’ Published 5 October 2009 Accessed 12 October 2009 at http://www.deccanherald.com/

content/28760/infant-mortality-rate-indias-enduring.html

7 You, D et al (2009) ‘Levels and trends in under-5 mortality, 1990-2008’ The Lancet Published online 10 September 2009

8 Munga, M. and Mæstad, O (2009) ‘Measuring inequalities in the distribution of health workers: the case of Tanzania’ Human Resources for Health

9 Als Versorgungslücke (coverage gap) wird in dem Bericht „Countdown to 2015“ die Differenz bezeichnet, die zwischen der Zahl der Kinder besteht, die durch die

wichtigsten Versorgungsmaßnahmen für Kinder erreicht wurden, und der Gesamtzahl der Zielgruppe, die durch die betreffenden Maßnahmen erreicht werden soll.

10 Countdown to 2015 (2008) ‘Nigeria country profile’ Tracking Progress in Maternal, Newborn and Child Survival: The 2008 Report

11 ibid

12 ibid

13 Victora, C and Wagstaff, A et al (2003) ‘Applying an equity lens to child health and mortality; more of the same is not enough’. The Lancet (362):233-241 and

Nigeria DHS (2003). Die globale Verringerung der Kindersterblichkeit gründet sich auf die Anwendung der Kindersterblichkeitsrate für das reichste Fünftel der

Bevölkerung in jedem Land unter Zugrundelegung von Daten des statistischen Informationssystems der WHO (WHOSIS), aufgerufen am 1. Oktober 2009.

14 WHO UNICEF (2006) Meeting the MDG Drinking Water and Sanitation Target: the Urban and Rural Challenge of the Decade Accessed 12 October 2009 at http://

www.who.int/water_sanitation_health/monitoring/jmpfinal.pdf

15 UNICEF and Save the Children (2009) Briefing for the Day of the African Child – Reaching MDG 4: What Progress Has Africa Made and What More Needs to be

Done?

16 African Union (2001) Abuja Declaration on HIV/AIDS, tuberculosis and other related infectious diseases Accessed 12 October 2009 at http://www.un.org/ga/aids/pdf/

abuja_declaration.pdf

17 Countdown to 2015 (2008) Tracking Progress in Maternal, Newborn and Child Survival: The 2008 Report, UNICEF (2009) The State of the World’s Children 2009:

Maternal and Newborn Health, The African Child Policy Forum (2008) The African Report on Child Wellbeing 2008

18 Global Health Council (2008) Position Paper on Child Health

19 The Guardian (2009) ‘Kenyan mothers too poor to pay for treatment locked up in hospital.’ Published 13 August 2009 Accessed 12 October 2009 at http://www.

guardian.co.uk/world/2009/aug/13/kenya-maternity-poverty-detained-hospital

20 WHO (2005) World Health Report 2005: Making Every Mother and Child Count, WHO

21 Save the Children (2005) Coping with the Cost of Illness in East and Central Africa: Synthesis Report

22 Van Doorslaer, E et al (2006) ‘Effect of payments for health care on poverty estimates in 11 countries in Asia: an analysis of household survey data’ The Lancet

(368):1357–1364

23 James, C Morris, S Keith, R and Taylor, A (2005) ‘Impact on child mortality of removing user fees: simulation model’ British Medical Journal (331):747-749, 1

October 2005, DOI:10.1136/BMJ.331.7519.747

24 Rannan-Eliya R and Somanathan A (2005) Health Systems, Not Local Projects, Provide the Key to Social Protection for the Poor in Asia DFID Health Systems Resource

Centre

25 Hakobyan, T et al (2006) Armenia Health Systems Review Vol. 8 European Observatory on Health Systems and Policies

26 Keith, R and Shackleton, P (2006) Paying with their Lives: The cost of illness for children in Africa

27 WHO (2006) World Health Report 2006 – Working Together for Health

28 ibid

29 ibid

30 ibid

31 Munga, M and Mæstad, O (2009) ‘Measuring inequalities in the distribution of health workers: the case of Tanzania’ Human Resources for Health 2009, Vol.7, p.4

32 Merlin (2009) All Mothers Matter

33 Countdown to 2015 (2008) op cit

34 Siehe Anhang 4

35 Manandhar, D et al (2004) “Effect of a participatory intervention with women’s groups on birth outcomes in Nepal: cluster-randomised controlled trial. The Lancet

(364): 970-979

36 Lawn, J, Rohde, J, Rifkin, S, Were, M, Paul, V and Chopra, M (2008) ‘Alma-Ata 30 years on: revolutionary, relevant, and time to revitalize’ The Lancet (372):917-

927

37 World Vision and The Nossal Institute for Global Health (2009) Reducing maternal, newborn and child deaths in the Asia Pacific – strategies that work

38 Beveridge, W (1942) Social Insurance and Allied Services Report presented to Parliament. Accessed 12 October 2009 at http://www.almendron.com/politica/

pdf/2009/9119.pdf

39 Lawn, J et al (2008) ‘Alma Ata 30 years on: revolutionary, relevant, and time to revitalize.’ The Lancet (372):917-927

40 WHO (1978) Declaration of Alma-Ata Accessed 12 October 2009 at http://www.who.int/hpr/NPH/docs/declaration_almaata.pdf

41 WHO (2008) Safer Water, Better Health: Costs, Benefits and Sustainability of Interventions to Protect and Promote Health

42 UNDP (2006) Human Development Report 2006 – Beyond Scarcity: Power, poverty and the global water crisis

43 Global Humanitarian Forum (2009) Human Impact Report: Climate Change — The Anatomy of a Silent Crisis p. 19

44 Hutton, G et al (2006) Economic and health effects of increasing coverage of low cost sanitation interventions Occasional paper, UNDP

45 Water Aid (2008) Tackling the silent killer: the case for sanitation, p.9

46 WHO (2008) Safer Water, Better Health: Costs, Benefits and Sustainability of Interventions to Protect and Promote Health

8 8


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47 Rabie, T and Curtis, V (2006) ‘Handwashing and risk of respiratory infections: a quantitative systematic review’, Tropical Medicine and International Health, 11(3):

258-267

48 UNICEF (2009) State of the World’s Children 2009: Maternal and Newborn Health

49 Mc Nay, K Keith, R and Penrose, A (2003) Bucking the Trend: Good Health at Low Cost Policy Implications for Sri Lanka for the 21st Century, Save the Children UK

50 UNICEF (2009) State of the World’s Children 2009: Maternal and Newborn Health

51 ibid

52 World Vision (2009) Channels of Hope Methodology: Empowering Local Churches on their HIV Response Accessed 27 October 2009 at http://www.wvi.org/wvi/

wviweb.nsf/272A45E3414F256C882573DB006D5814/$file/wvi_hope_iac_05COH-flr_0708_lores.pdf.See Annexes 1 and 2 for details

53 Die zwanzig Länder mit der höchsten absoluten Zahl an Kindertodesfällen und die zwanzig Länder mit den höchsten Kindersterblichkeitsraten sind zusammen

dreißig Länder. Näheres dazu in den Anhängen 1 und 2.

54 OECD (2009) DAC CRS Database Accessed 22 Sept 2009. India and Nigeria are lower middle income countries and may require more technical than financial

assistance to reduce their high child mortality levels.

55 Action Aid (2005) Real Aid: an agenda for making aid work

56 Greco, G et al (2008) ‘Countdown to 2015: assessment of donor assistance to maternal newborn and child health between 2003 and 2006’, The Lancet (371):1269

57 Commission on Macroeconomics and Health (2001). Macroeconomics and Health: Investing in Health for Economic Development. World Health Organization (The

$40 figure reflects an updating to 2007 dollars of the original Commission estimate of $34 per person per year. These figures are in current dollars)

58 Kates, J et al (2007) Donor funding for health in low and middle income countries 2001-2007, Kaiser Family Foundation

59 Derzeit belaufen sich die jährlichen Hilfen der Geber für das Gesundheitswesen auf etwa 16 Mrd. USD. Die HLTF geht davon aus, dass die Entwicklungsländer

ihren Finanzierungsbeitrag in 7 Jahren um 30 Mrd. USD erhöhen können. Dies beruht auf der Annahme, dass alle afrikanischen Länder ihre in Abuja festgelegten

Ziele erreichen und alle anderen Länder 12 % der Staatsausgaben für das Gesundheitswesen verwenden. Dieses Ziel ist ehrgeizig und angesichts der gegenwärtigen

Entwicklungen unrealistisch. Im Durchschnitt stieg der Anteil der 49 Länder in den fünf Jahren von 2001 bis 2006 von 8,1 % auf 9,1 %, wobei nur drei dieser

Länder ihren in das Gesundheitswesen fließenden Anteil der Staatsausgaben in diesem Zeitraum um mindestens einen Prozentpunkt pro Jahr – den von der HLTF

angenommenen Anstieg – erhöhten. World Vision geht hingegen davon aus, dass die Entwicklungsländer insgesamt 20 Mrd. USD Gesundheitsausgaben erreichen

– das sind zwei Drittel des von der HLTF angenommenen Betrags und ein jährlicher Anstieg von real 20 % über sieben Jahre.

60 High Level Task Force on Innovative International Financing for Health Systems (2009), Constraints to Scaling Up and Costs: Working Group 1 Report Accessed 12

October 2009 at http://www.internationalhealthpartnership.net//CMS_files/documents/working_group_1_-_report_EN.pdf

61 The 2002 Monterrey Financing For Development Conference, The 2005 Gleneagles G8 Summit and WHA Resolution 58.31: Working Towards Universal

Coverage of Maternal, Newborn and Child Health Interventions

62 Dabei wird ein konservatives reales durchschnittliches Wachstum von 2 % pro Jahr in den OECD-Ländern bis 2015 und die in den vergangenen fünf Jahren

verzeichnete durchschnittliche Inflation des US Dollars von 2,8 % pro Jahr angenommen – siehe Deflator-Schätzungen des DAC der OECD.

63 The National Coalition on Health Care estimates that US health spending totaled $2.2 trillion in 2009, equivalent to 17.6% of US GDP and Prasad, E and Sorkin,

I (2009) Assessing the G20 Stimulus Plans: A deeper look

64 Interview with Elizabeth Mason, Director of Child and Adolescent Health Department, WHO

65 Welle, K et al (2008) Fluid Dynamics? Achieving greater progress on aid effectiveness in the water sector – lessons from three countries. Final Report to DFID, Overseas

Development Institute

66 Alemu, G (2009). A Case Study on Aid Effectiveness in Ethiopia: Analysis of the Health Sector Aid Architecture. Brookings Institution

67 Dodd, R et al (2007). Aid Effectiveness and Health: Making Health Systems Work, Working Paper No.9, World Health Organization

68 High Level Forum on the Health MDGs (2005). Fiscal Space and Sustainability: Towards a Solution for the Health Sector

69 Der DAC der OECD definiert „Core Programmable Aid“ (CPA) als den nach Abzug von humanitärer Hilfe, Schuldenerlass, kalkulatorischen Studien-/

Ausbildungsplatzkosten, Verwaltungsaufwendungen, Informationskampagnen zur Entwicklungszusammenarbeit, Forschung, Aufwendungen für Flüchtlinge in den

Geberländern, Nahrungsmittelhilfe, Hilfe von lokalen Regierungen und Kernfinanzierung von NRO verbleibenden Teil der Hilfszahlungen. Vgl. OECD-DAC,

2008 Survey of Aid Allocation Policies and Indicative Forward Spending Plans.

70 Clay, E et al (2008) The Developmental Effectiveness of Untied Aid: Evaluation of the Implementation of the Paris Declaration, Thematic Study and DAC (2001)

Recommendation on Untying ODA To The LDCs, Phase I Report. Copenhagen, December 2008

71 Action Aid (2005) Real Aid: an agenda for making aid work

72 Action Aid (2006) Real Aid: making technical assistance work

73 Aid commitments in 2007 from OECD DAC CRS database accessed 22 Sept 2009. Food security ($1.4bn and agricultural development $6.6 bn.), basic education

(includes one-third of funding for education – level unspecified and a correction for UK underreporting using DAC Online Table 5 figure). Estimates of total aid

required sourced from WaterAid (2001) Financing water and sanitation and UN (2002) preparatory report on Watsan costs for WSSD, Food security and agriculture:

the UN Millennium Project estimated that 12% of aid costs to achieve the MDGs would be related to food security, basic education. Sourced from UNESCO

(2009) Education for All Global Monitoring Report

74 You, D et al (2009) ‘Levels and trends in under-5 mortality, 1990-2008’ The Lancet Published online 10 September 2009

75 UNICEF (2009) Childinfo Database Accessed 22 September 2009

76 You, D et al (2009) ‘Levels and trends in under-5 mortality, 1990-2008’ The Lancet Published online 10 September 2009

77 UNICEF (2009) Childinfo Database Accessed 22 September 2009.

78 WHO (2009) ‘Progress on health related MDGs’ Accessed 22 September 2009 at www.who.int/statistics

79 World Vision (2008) Last chance for the world to live up to its promises? Why decisive action is needed now on child health and the MDGs

80 Roll Back Malaria (2008) Global Malaria Action Plan Accessed 12 October 2009 at www.rollbackmalaria.org/gmap

81 Masana, H et al (2008) ‘Child survival gains in Tanzania: analysis of data from demographic and health surveys’ The Lancet (371):1276-1283

82 UNAIDS (2008) Report on the Global AIDS Epidemic 2008

83 UNICEF (2005) Final report to CIDA: Accelerating Child Survival and Development – a results based approach in high child mortality areas

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84 De Onis, M et al (2004) ‘Methodology for estimating regional and global trends of child malnutrition’ International Journal of Epidemiology 33(6):1260-1270

85 UNICEF (2006) Progress for Children: A Report Card on Nutrition

86 Black, R et al (2008) ‘Maternal and child undernutrition: global and regional exposures and health consequences’ The Lancet (371): 243-260

87 Food and Agriculture Organization (2005) The state of food insecurity in the world 2005

88 Global Health Council (2009) Child Health Accessed 12 October 2009 at http://www.globalhealth.org/child_health/child_mortality/causes_death

89 Refer to Copenhagen Consensus (2009) Accessed 12 October 2009 at http://www.copenhagenconsensus.com

90 Ruel, M et al (2008) ‘Age-based preventive targeting of food assistance and behaviour change and communication for reduction of childhood undernutrition in

Haiti: a cluster randomized trial’ The Lancet (371):588-595

91 UNICEF (2009) ‘Key figures on nutrition’ Accessed 12 October 2009 at http://www.unicef.org/media/media_45490.html and UNICEF (2008) ‘Low

birthweight’ Accessed 12 October 2009 at http://www.unicef.org/progressforchildren/2007n6/index_41508.htm

92 UNICEF (2009) op cit

93 UNICEF and WHO et al (2007) Maternal Mortality in 2005

94 UNICEF (2009) op cit

95 UNICEF (2009) op cit

96 Black, R et al (2008) “Maternal and child undernutrition: global and regional exposures and health consequences” The Lancet (371): 243-260.

97 UNICEF (2009) op cit

98 Oona Campbell Wendy Graham (2006) ‘Strategies for reducing maternal mortality: getting on with what works’ The Lancet (368): 1284-99

99 Save the Children (2006) The State of the World’s Mothers 2006 – Saving the lives of mothers and newborns

100 United Nations (2007) The Millennium Development Goals Report 2007

101 UNICEF and WHO et al (2007) Maternal Mortality in 2005

102 Niessen, L et al (2009) ‘Comparative assessment of child pneumonia interventions’ Bulletin of the WHO DOI:10:2471/BLT.08.050870

103 Bates, E et al (2002) Reducing indoor air pollution in rural households in Kenya: working with communities to find solutions Intermediate Technology Development

Group

104 UNICEF (2009) Child Survival and Health: Diarrhoeal Disease Accessed 12 October 2009 at www.childinfo.org/diarrhoea Estimate updated based on 8.8 million

under 5 deaths in 2008

105 Curtis, V and Caincross, S (2003) ‘Effect of washing hands with soap on diarrhoea risk in the community: a systematic review’ The Lancet (3):275-281

106 UNICEF and Save the Children (2009) Briefing for the Day of the African Child – Reaching MDG 4: What Progress Has Africa Made and What More Needs to be

Done?

107 Jaggers, C (2009) Expanding the net: how community initiatives and local participation improve the effectiveness of malaria control efforts World Vision USA

108 UNAIDS (2008) Report on the global AIDS epidemic

109 UNICEF (2008) Children and AIDS, Third Stocktaking Report

110 UNICEF (2008) Children and AIDS, Third Stocktaking Report

111 WHO, UNAIDS and UNICEF (2009) Towards Universal Access: Scaling up Priority Interventions in the Health Sector

danKSagUng für diE EngliSChE aUSgabE

This report has been written by Regina Keith (consultant), Garth Luke from World

Vision Australia, Wendy Therrien from World Vision Canada and Kate Eardley from

World Vision UK. Patrick Watt from World Vision UK and Kirsty Nowlan and Frank

Smith from World Vision International also contributed. Over 120 World Vision staff

gave invaluable input in Asia, America, Africa, Europe and the Middle East. Thanks

are also due to staff at the World Health Organisation (especially the CAH unit

and nutrition team), the Partnership for Maternal Newborn and Child Health, the

GFATM, GAVI, Save the Children UK, Amnesty International, Health Unlimited,

End World Poverty, NGO Forum for Health, and the EAA. Special thanks are due

to the World Vision health and advocacy teams in the African and Kenya offices for

their input and support, to the members of the World Vision child health campaign

management team and policy subgroup, and to health and advocacy specialists

throughout World Vision.

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WOrld ViSiOn SChWEiz

Eine bessere Welt für Kinder

World Vision ist ein christlich-humanitäres Hilfswerk mit den Arbeitsschwerpunkten nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit,

Not- und Katastrophenhilfe und entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit. Im Mittelpunkt der

Arbeit steht die Unterstützung von Kindern, Familien und ihrem Umfeld im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit.

World Vision ist überkonfessionell und unterstützt bedürftige Menschen unabhängig von ethnischer Herkunft,

Religion oder Geschlecht.

World Vision Schweiz wurde 1982 gegründet und ist ein eigenständiger Teil der weltweiten World-Vision-Partnerschaft,

die derzeit in 98 Ländern aktiv ist. Das Hilfswerk ist in der Schweiz als gemeinnütziger Verein anerkannt

und hat seinen Sitz in Dübendorf. Gegenwärtig unterstützt World Vision Schweiz mehr als 100 Projekte in über 30

Ländern. World Vision Schweiz verfügt über das NPO-Label für Management Excellence und ist ISO 9001 zertifiziert.

Entwicklungszusammenarbeit

Durch eine Patenschaft erhält Entwicklungszusammenarbeit für beide Seiten ein Gesicht. Sie schlägt eine Brücke von

Mensch zu Mensch. Patenschaften sind in langfristige Regional-Entwicklungsprojekte eingebetet und entstehen jeweils

in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, die als Partner mitverantwortlich beteiligt sind. Die Unterstützung

ist ganzheitlich ausgerichtet, bedürfnisorientiert und soll langfristige Veränderungen bewirken. Schwerpunkte sind

Massnahmen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Ernährung.

not- und Katastrophenhilfe

Neben der Entwicklungszusammenarbeit führt World Vision Schweiz in der Not- und Katastrophenhilfe auch

humanitäre Projekte zugunsten der Opfer von Naturkatastrophen und Bürgerkriegen durch. Dank der weltweiten

Infrastruktur und der langfristigen Präsenz ist World Vision in der Lage rasch und unbürokratisch zu helfen. Nach der

Soforthilfe unterstützt World Vision die Bevölkerung beim Wiederaufbau. Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt

vor allem über Kooperationen mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP).

anwaltschaftsarbeit

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die entwicklungspolitische Anwaltschaft durch Kampagnen- Bildungs- und

Aufklärungsarbeit. World Vision Schweiz wirkt dabei auf zwei Ebenen: Zum einen soll die Schweizer Bevölkerung

durch Öffentlichkeitsarbeit für diese Themen sensibilisiert und zu einem Beitrag in ihrem Handeln ermutigt werden.

Zum anderen erhebt der neue Arbeitsbereich bei bestimmten politischen Entscheidungen die Stimme zugunsten der

Interessen ärmerer Länder, insbesondere in Bezug auf die Bedürfnisse von Kindern.

netzwerke und partner

Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern sowie die Mitarbeit in Netzwerken ist für die Arbeit von World

Vision von grosser Bedeutung. World Vision hat den Konsultativstatus bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

und arbeitet bei Nothilfeprogrammen mit dem Welternährungsprogramm (WFP) zusammen und hat Beraterstatus

beim Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR).

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World Vision

Schweiz

Kriesbachstrasse 30

8600 Dübendorf

telefon 044 510 15 15

telefax 044 510 15 99

info@worldvision.ch

www.worldvision.ch

ihr Ansprechpartner:

Roland Stangl

leiter Kommunikation

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