ERNÄHRUNG FÜRS lEBEN - World Vision Schweiz

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ERNÄHRUNG FÜRS lEBEN - World Vision Schweiz

ERNÄHRUNG

FÜR DIE GESUNDHEIT

VON KINDERN EIN

STARKES FUNDAMENT

SCHAFFEN


Titelfoto /

Le Thiem Xuan

Hand und Fuss des einjährigen

Ho Thi Hung aus der

ethnischen Minderheit der

Van Kieu und die Hand seiner

Mutter Ho Thi Nui aus Vietnam.

Sie hat das im Ernährungskurs

Gelernte umgesetzt und

ihr Kind in den ersten

Lebensmonaten ausschliesslich

gestillt.

Foto / Hasanthi Jayamaha

GESUNDE KINDER wElTwEIT

ERNÄHRUNG & HEIlUNG

Es ist entscheidend,

dass wir angemessene

Ernährung weltweit

zum Thema machen.

Nur mit vereinten

Kräften werden

wir Fortschritte im

Kampf gegen Unterernährung

und gegen

ihre vermeidbaren

tödlichen Folgen für

Millionen von Kindern

erzielen.

Kevin Jenkins, Präsident und CEO,

World Vision International

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2 GESUNDE KINDER wElTwEIT ERNÄHRUNG & HEIlUNG

KERNBOTSCHAFTEN

Foto / Andrew Goodwin

KINDER, FAMIlIEN UND

GEMEINSCHAFTEN

MÜSSEN IM ZENTRUM

DES wElTwEITEN

BESTREBENS UM

GENÜGEND UND

AUSGEwOGENE

ERNÄHRUNG STEHEN

Es ist heute möglich, eine der grössten Herausforderungen

für die menschliche Gesundheit

anzugehen: die Mangelernährung und

deren Folgen für Kinder. Dass nicht alle Kinder

angemessen ernährt werden können, ist eine

moralische Katastrophe und eine fundamentale

Verletzung der Kinderrechte, einschliesslich

des grundlegendsten: dem Recht auf Leben.

Denn ein Drittel der jährlich fast acht Millionen

Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren

sind direkte Folgen von Unterernährung.

World Vision stellt sich der Herausforderung,

sofort und langfristig angemessene

Ernährung weltweit zu fördern und tut

dies in Zusammenarbeit mit zahlreichen

anderen Organisationen, Regierungen,

Unternehmen, Universitäten, der Zivilgesellschaft

und regionalen Gemeinschaften.

Ernährung ist entscheidend für die Gesundheit

und das Wohlergehen von Kindern,

Gemeinschaften und ganzen Ländern. Forschungsergebnisse

belegen, dass Unterernährung

das Entwicklungspotenzial einer Nation

massiv beeinflussen kann. Doch in vielen

Ländern fehlt es noch immer am politischen

Willen und den notwendigen Mitteln, um das

Wissen um die Bürde der Mangelernährung

in konkrete Gegenmassnahmen umzusetzen.

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4 Gesunde kinder weltweit ernährunG & heilunG

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Unternährung hemmt die Entwicklung

ganzer Länder und belastet sie mit hohen

Kosten, weil sie Produktivität und geistige

Fähigkeiten der Menschen mindert und zudem

das Risiko chronischer Erkrankungen, sowie

die Sterblichkeit bei Infektionskrankheiten,

besonders bei Kleinkindern, stark erhöht.

Erste Fortschritte

Aufs Ganze gesehen hat sich seit 1990 der

Ernährungszustand von Kindern weltweit

verbessert. Der Anteil untergewichtiger

Kinder ist von schätzungsweise 25% im Jahr

1990 auf 16% im Jahr 2010 gesunken. Und

während 1990 noch 40% aller Kinder deutlich

zu klein für ihr Alter waren, sank der Anteil im

selben Zeitraum auf 27%. Doch noch immer

sind 104 Millionen Kinder untergewichtig,

und die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

schätzt, dass die Zahl der Kinder mit zu

geringer Körpergrösse bezogen auf ihr

Alter von 45 Millionen im Jahr 1990 auf 60

Millionen im Jahr 2010 gestiegen ist. Zurzeit

ist die grösste Gefahr, dass die erzielten

Fortschritte in Bezug auf Unterernährung

durch die globale Wirtschaftskrise, steigende

Lebensmittelpreise, den Klimawandel und

den massiven Mangel an finanziellen Mitteln

rückgängig gemacht wird. Ohne eine deutliche

Intensivierung der Massnahmen im Bereich

der Ernährung wird es extrem schwierig

werden, die Millenniumsentwicklungsziele zur

Halbierung des Hungers und zur Verbesserung

der Gesundheit von Kindern und

Müttern zu erreichen.

Die Unterernährung von Kindern zu

reduzieren erfordert politischen Willen, mehr

Ressourcen und koordiniertes Handeln sowohl

auf der Ebene von Familien und Gemeinschaften

als auch auf nationaler, regionaler

und globaler Ebene. Auch muss der Fokus

auf Rechenschaftslegung für Ressourcen auf

allen Ebenen verstärkt werden. Die Bewegung

„Scaling Up Nutrition“ (zur Intensivierung

der Ernährungsinterventionen) will diesen

Herausforderungen begegnen, indem sie ein

breites Spektrum an Interessenvertretern

und Entscheidungsträgern aller Ebenen

zusammenbringt. Primäres Ziel ist es, die

Ernährungssituation von zwei Personengruppen

zu verbessern, die besonders

gefährdet für Unterernährung sind: Schwangere

Frauen und Kinder unter zwei Jahren.

Die 1‘000 Tage von Beginn der Schwangerschaft

bis zum Erreichen des zweiten

Geburtstags ist das Zeitfenster mit den

besten Möglichkeiten, Unternährung und

ihren potenziell lebenslänglichen Folgen

vorzubeugen. Der Schaden, den Kinder in

dieser Zeit erleiden, wirkt sich erheblich auf

physisches Wachstum und Hirnentwicklung

aus und ist zu grossen Teilen irreversibel.

Die Folgen von Unterernährung reichen

sogar über mehr als eine Generation hinaus.

Denn die Unternährung einer Mutter erhöht

ihr Risiko, bei der Geburt zu sterben und

führt oft zu Untergewicht bei Neugeborenen.

Letzteres ist wiederum Ursache von 60%

aller Todesfälle innerhalb des ersten Monats

nach der Geburt. Untergewicht bei der Geburt

kann die Entwicklung von Kindern auch

später noch erheblich beeinträchtigen.

Die grundlegenden Ursachen von

Unterernährung bestehen meist aus

verschiedenen Ursachen, weshalb die

Unterstützung von Familien ebenfalls in

mehreren Bereichen stattfinden muss, wie

typischerweise in Landwirtschaft, Wasserversorgung,

sanitären Einrichtungen, Bildung,

sozialer Sicherheit und Gesundheit.

Während viele Ernährungsinterventionen

durch das Gesundheitssystem umgesetzt werden

können, gibt es einige Aspekte der Ernährung,

welche sich nicht leicht der Zuständigkeit

einer bestimmten Regierungsstelle zuordnen

lassen. So braucht es eine die Ernährung einbeziehende

Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft

und der Bildung. Damit wird sicher

gestellt, dass auch in diesen Sektoren darauf

geachtet wird, wie die Programme zur Reduktion

von Unterernährung beitragen können.

Länder, in welchen solch multi-sektorale

Ansätze umgesetzt werden konnten, verdanken

dies vielfach dem Engagement für

Ernährung auf hoher politischer Ebene,

manchmal einigen sich besonders engagierte

Parlamentsmitglieder, Pioniere auf

nationaler und regionaler Ebene aus einem

breiten Spektrum von Regierungsfunktionen

und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Wenn wir uns auf den Zusammenhang zwischen

Gesundheit und Ernährung fokussieren,

so ist der Einbezug von ernährungsbezogenen

Interventionen im Rahmen von dezentralen

Gesundheitszentren oder Besuchen durch

Gesundheitspersonal ein entscheidender

Schritt, um die Bedürfnisse der ärmsten

Familien abzudecken und global nachhaltige

Fortschritte im Bereich der Ernährung zu

erzielen. Letztlich muss bessere Ernährung für

Kinder und ihre Familien in denjenigen Haushalten

und Gemeinschaften Fuss fassen, wo

die Bedürfnisse besonders konzentriert sind.

Interventionen zu Gesundheit und Ernährung

müssen dort stattfinden, wo sie am meisten

benötigt werden und wo Menschen einfach

Zugang dazu finden. Dabei ist darauf zu achten,

dass die gewählten Interventionen das lokale

und nationale Gesundheitssystem stärken.

Um Gesundheitssysteme so zu stärken,

dass sie die Ernährung für Mütter und Kinder

fördern, müssen sowohl personelle als auch

technische Kapazitäten auf allen Ebenen

erweitert werden. Ausserdem ist es wichtig,

dass die Qualität und die Reichweite der

Gesundheitsdienstleistungen regelmässig

überprüft werden und ihre Wirkung gemessen

wird. Nur so, mit Massnahmen für Familien

und Dorfgemeinschaften, lässt sich der

Kampf gegen Unterernährung gewinnen.

Die Rolle von world Vision

World Vision arbeitet eng mit den Familien und

Dorfgemeinschaften zusammen in Regionen,

wo die Not am grössten ist, und setzt sich

gleichzeitig bei Regierungen und anderen Entscheidungsträgern

auf lokaler, nationaler und

globaler Ebene für eine faire Nahrungsmittelverteilung

ein. Ernährung ist ein zentrales

Element von World Visions globaler Gesundheitsstrategie,

die sich auf unsere Erfahrung

in der praktischen Arbeit vor Ort stützt. Hierbei

setzen wir auf die grossen Vorteile einer Entwicklungszusammenarbeit,

die über die Sektoren

Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung

hinweg ein besonderes Augenmerk auf Ernährung

hat. Dieser Ansatz geht einher mit einem

starken Fokus auf Forschung und Anwaltschaft

sowie dem Bestreben um Partnerschaften,

um gemeinsam grössere Wirkung zu erzielen.


6 Gesunde kinder weltweit ernährunG & heilunG

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ERNÄHRUNG

FÜRS lEBEN

KENNTNISSE DER

ERZIEHUNGSpERSONEN

Eltern und andere Erziehungspersonen

brauchen praktische Kenntnisse

zu nährstoffreichem Essen und zu

hygienischen und gesundheitlichen

Aspekten in der Betreuung ihrer Kinder.

NAHRUNGSRESSOURCEN

Kinder und Familien brauchen

ununterbrochenen Zugang zu

genügend und angemessener

Nahrung.

ENGAGEMENT VON FAMIlIEN

UND GEMEINSCHAFTEN

Kinder brauchen das Engagement aller

Erziehungspersonen in den grossen und

kleinen Entscheidungen, welche ihre

Ernährung und Gesundheit betreffen.

GEMEINSCHAFTEN MIT GESUND-

HEITSSySTEMEN VERBINDEN

Der flächendeckende Zugang zu

Gesundheitsdienstleistungen für

Familien und Gemeinschaften ist von

entscheidender Bedeutung für bessere

Gesundheit und Ernährung.

Zurzeit formiert sich eine globale Bewegung, um Ernährung zu

verbessern. Hierzu kann jede und jeder einen Beitrag leisten. Der

Erfolg hängt nicht alleine von starken Gesundheitssystemen ab,

sondern auch von fähigen Familien und Gemeinschaften. Dies sind

aus Sicht von World Vision einige praktische Massnahmen, um sie

dabei zu unterstützen:

während der

Schwangerschaft

Mit dem praktischen

Wissen aus Geburtsvorbereitungskursen

legen Frauen eine

wichtige Grundlage

für die Ernährung ihrer

Kinder.

Die Ernährung von

Kindern beginnt mit

einer Mutter, die sich

mit genügend und

ausgewogenen lokalen

Lebensmitteln ernähren

kann.

Familien und

Gemeinschaften sollen

Schwangere ermutigen,

angemessene Nahrung

zu sich zu nehmen und

dabei auch schädliche

lokale Tabus oder

Gebräuche überwinden.

Auch braucht es

Gesundheitspersonal

vor Ort, um Schwangere

mit notwendiger

Nahrungsergänzung

und Ernährungstipps zu

unterstützen.

0-6

Monate

Es kommt Müttern

und Kindern zugute,

wenn sie im Wissen um

die gesundheitlichen

Vorteile ihre Kinder von

Geburt bis zum Alter

von sechs Monaten

ausschliesslich stillen.

Stillende Mütter

brauchen regelmässiges

und nährstoffreiches

Essen, um ihre Kinder

weiterhin ausschliesslich

stillen zu können.

Müttergruppen eignen

sich besonders gut,

um Ernährungs- und

Stilltipps weiterzugeben.

Müttergruppen sollten

von einer Gesundheitsfachperson

begleitet

und zu Themen wie

der Vorbeugung von

Krankheiten beraten

werden.

6-24

Monate

Erziehungspersonen, die

über richtige Menge und

Qualität von Ergänzungsnahrung

für ihre Kinder

Bescheid wissen, können

damit einem gehemmten

Wachstum ihrer Kinder

vorbeugen.

Küchengärten verbessern

die Nahrungssicherheit

eines Haushalts dadurch,

dass sie die konstante

Verfügbarkeit von nährstoffreichem

Essen für

Kleinkinder ermöglichen.

Väter und Grossmütter

müssen Teil von Ernährungsprogrammen

sein,

weil sie eine wichtige Rolle

im Leben kleiner Kinder

spielen.

Gesundheitsfachpersonen

unterstützen die von der

lokalen Gemeinschaft getragenen

Massnahmen gegen

akute Mangelernährung und

identifizieren Kinder, die

professionelle medizinische

Versorgung brauchen.


8 GESUNDE KINDER wElTwEIT

FAllSTUDIEN

photo / Jon Warren

NUTRITION & HEAlTH

EIN pOSITIVER ANSATZ

ZUR VERBESSERUNG

VON ERNÄHRUNGS-

GEwOHNHEITEN

– pD HEARTH

• Positive Deviance Hearth ist eine

Intervention, die auf Verhaltensänderung

mittels der Methode „positiver Abweichung“

abzielt. Hierzu wird zunächst

bei den Erziehungspersonen von gut

ernährten Kindern aus armen Familien

nach förderlichen Ernährungsgewohnheiten

gesucht, um diese Praktiken dann

lokal unter anderen ärmeren Familien mit

mangelernährten Kindern zu fördern. PD

Hearth-Programme befähigen Gemeinschaften,

die Gesundheit von Kindern

zu verbessern, indem sie das Potenzial

bestehender lokaler Kenntnisse aufzeigen.

Der PD Hearth -Ansatz trägt besonders

der Erfahrung von Frauen Rechnung und

bestärkt sie in ihrer Schlüsselrolle für eine

positive Entwicklung ihrer Gemeinschaft.

Einige Beispiele der Wirkung von PD

Hearth in den Programmen von World

Vision:

• In einem Projekt in Mali hat sich der

Anteil normalgewichtiger Kinder von

59% auf 84% erhöht.

• Die ärmsten Familien einer Gemeinschaft

engagieren sich in den Projekten,

wobei jedes Familienmitglied eine aktive

Rolle spielt und besonderes Gewicht auf

Solidarität innerhalb der Gemeinschaft und

die Führungsrolle von Frauen gelegt wird.

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10 Gesunde kinder weltweit ernährunG & heilunG

11

• PD Hearth fördert eine integrierte

ländliche Entwicklung, indem es wirtschaftliche

Entwicklung, Landwirtschaft

und Gesundheit berücksichtigt

• In einem Projekt in Nicaragua ist der

Anteil mangelernährter Kinder von 43%

auf 31% gesunken und blieb auch drei

Monate nach Ende des Programms auf

diesem Niveau.

KAMBODSCHAS

INITIATIVE FÜR

BABy-FREUNDlICHE

GEMEINSCHAFTEN

• Seit sie 2004 vom kambodschanischen

Gesundheitsministerium ins Leben gerufen

wurde, hat sich die Initiative für „Babyfreundliche

Gemeinschaften“ (BFCI) weit

verbreitet. Während sie zunächst nur in

50 Dörfern umgesetzt wurde, deckt sie

heute deren 2’675 ab, also 20% aller

Dörfer in Kambodscha. Dank ihrer integrierten

und gezielten Vorgehensweise

auf Gemeinschaftsebene hat die Initiative

eine wichtige Rolle darin gespielt, den Anteil

ausschliesslich stillender Mütter innert

der letzten 10 Jahre zu erhöhen.

• Die BFCI umfasst gesetzliche Grundlagen,

Richtlinien und Strategien auf nationaler

Ebene, die dezentral auf regionaler

und lokaler Ebene umgesetzt werden.

Ihre Kernelemente sind Müttergruppen,

die von Gesundheitsfachpersonen vor Ort

begleitet werden und „kinderfreundliche

Klinken“ für Kinder unter fünf Jahren.

• Gewöhnlich nehmen an den Treffen

einer BFCI-Müttergruppe eine traditionelle

Hebamme und zwei „Modellmütter“ teil,

oftmals sogar der Dorfchef. Ausserdem

sind meist lokale Gesundheitsvolontärinnen

anwesend, die als Vermittlerinnen

zwischen der lokalen Bevölkerung und

den Gesundheitsfachpersonen zur Verfügung

stehen. Sie bilden eine beispielhafte

Brücke zwischen dem formellen Gesundheitssystem

und der lokalen Gemeinschaft.

Nebst dem häufigen informellen

Austausch unter Schwangeren und

Müttern kleiner Kinder in ihren jeweiligen

Dörfern, treffen sich Müttergruppen aus

mehreren Dörfern vierteljährlich in einem

lokalen Gesundheitszentrum, um ihre

Erfahrungen auszutauschen.

• Weltweit sind Müttergruppen ein

entscheidender Schlüssel zur Verbesserung

der Ernährung von Müttern und

Kindern, da sie ein verlässliches Gefäss

zum Austausch von Erfahrungen und zur

gegenseitigen Unterstützung bilden.

MIT GEMEINSCHAFTEN

ARBEITEN – EIN

INTEGRIERTER ANSATZ

• Anämie ist ein grosses Gesundheitsrisiko

für Frauen und Kinder in

Malawi. Im Jahr 1996 waren 86% aller

Kinder zwischen 6 und 59 Monaten

und 51% aller nicht schwangeren

Frauen davon betroffen. Als Antwort

darauf, initiierte World Vision das von

der kanadischen Regierung finanzierte

Programm MICAH, welches von 1995 bis

2006 in Malawi und vier weiteren Ländern

umgesetzt wurde. MICAH nutzt integrierte,

von der Gemeinschaft getragene Ansätze,

um die Versorgung mit Mikronährstoffen

von Frauen und Kindern unter fünf Jahren

zu verbessern.

• Programme auf der Ebene von

Dorfgemeinschaften gingen einher mit

politischem Engagement und dem Aufbau

personeller Kapazitäten auf nationaler

Ebene. Die Förderung von Küchengärten

und der Haltung von Kleintieren trug zur

Verbesserung der Ernährungssicherheit

auf Haushaltsebene bei. Lokale Organisationen

und nationale Radiosendungen

verbreiteten das Wissen um die Wichtigkeit

von Mikronährstoffen und angemessene

Ernährungspraktiken für Kinder (z.B.

ausschliessliches Stillen während der

ersten sechs Monate oder angemessener

Ergänzungsnahrung danach). Gleichzeitig

wurden Gesundheitsfachpersonen vor

Ort in Interventionen unterstützt, die für

den Kampf gegen Mangelernährung von

Bedeutung sind, wie beispielsweise der

Abgabe von Eisenpräparaten, Moskitonetzen

oder Malaria-Medikamenten

sowie Massnahmen zur Verbesserung

hygienischer Bedingungen, der Wasserversorgung

und sanitärer Anlagen.

• MICAH verwendet einen integrierten

Ansatz zur Reduktion von Anämie, indem

es einerseits Strategien zu vermehrter

Aufnahme von Eisen verfolgt, andererseits

die hohe Bürde an Malaria und parasitären

Infektionskrankheiten zu verrin-

gern sucht. Das Spektrum an Massnahmen

umfasst Eisenpräparate für Kinder

und Frauen, Förderung des Anbaus von

eisenhaltigem Gemüse und der Haltung

von Kleintieren, die Anreicherung von

Grundnahrungsmitteln und eine Vielzahl

praktischer Schulungsangebote zum

Thema Ernährung. In ihrer Kombination

konnte durch diese Massnahmen eine

deutliche Verbesserung der Koch- und

Essgewohnheiten von Familien erzielt

werden.

• In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium

wurden auf nationaler

Ebene multisektorale Strategien zur

Reduktion von Anämie eingeführt. In

diesem Rahmen wurde auch die Domasi

Fortification Unit ins Leben gerufen,

welche Grundnahrungsmittel mit Eisen

und anderen Mikronährstoffen anreichert.

• In Malawi konnte als Folge des

MICAH-Programms eine beeindruckende

Verbesserung der Ernährung von Frauen

und Kindern in den Gemeinschaften erzielt

werden:

• Unter Schwangeren sank der Anteil

anämischer Frauen von 59% auf 48%

• 70% aller Mütter gaben an, dass sie

in den ersten sechs Monaten ihre Kinder

ausschliesslich stillten; zuvor waren es

nur 15%

• Der Anteil von Kindern unter fünf

Jahren, die zu klein für ihr Alter sind, sank

von 56% auf 40%

• Wo zuvor 29% aller Kinder untergewichtig

waren, waren es danach nur noch

13%


12 Gesunde kinder weltweit

EMpFEHlUNGEN

Den Kampf gegen die Unterernährung

von Kindern anzugehen ist eine dringliche

Herausforderung.Heute haben wir die

Mittel und das Wissen, um die notwendigen

Veränderungen vorzunehmen. World

Vision ruft deshalb alle Akteure dazu

auf, die Umsetzung der folgenden fünf

entscheidenden Reformen zu unterstützen.

Sie können innerhalb betroffener Länder

umgesetzt werden und tragen wesentlich zur

Verbesserung der Ernährung von Kindern und

zur Verhinderung von Todesfällen bei:

• Auf allen Entscheidungsebenen

Schlüsselpersonen identifizieren

und fördern, um dem Anliegen mehr

Aufmerksamkeit zu verschaffen und die

Herausforderung der Unterernährung

wirksam anzugehen;

• Die angemessene und langfristige

Finanzierung von umfassenden

Ernährungsmassnahmen sicher stellen,

einschliesslich verbindlicher Zusagen von

nationalen und lokalen Budgetanteilen;

• Mittels klarer Zielvorgaben die

Rechenschaft für Ergebnisse im Kampf

gegen die Unterernährung von Kindern

fördern, das Erreichte regelmässig

überprüfen und evaluieren, wobei dem

Einbezug von Daten der lokalen Ebene

besonderes Gewicht zukommt;

• Gruppen ins Leben rufen oder fördern,

die alle relevanten Akteure im Kampf

gegen die Unterernährung von Kindern

zusammenbringen, einschliesslich

Entscheidungsträgern aus den Bereichen

Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und

Finanzen sowie Vertretungen aus der

Zivilgesellschaft. Solche Gruppen sollten

sich sowohl auf nationaler als auch auf

regionaler und lokaler Ebene formieren.

• Die Verfügbarkeit von Gesundheitsfachpersonen

und technischen Kapazitäten

auf der Ebene von Familien oder

Gemeinschaften sicher stellen.

photo / Didier Habimana


world Vision schweiz ist ein christlichhumanitäres

hilfswerk. im Mittelpunkt der Arbeit

steht die unterstützung von kindern, Familien

und ihrem umfeld im kampf gegen Armut und

ungerechtigkeit. world Vision international

unterstützt als föderalistisch organisierte

Partnerschaft in nahezu 100 ländern mehr als

100 Millionen Menschen.

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Schweiz

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