Fredi von Gunten - Mountain Wilderness

mountainwilderness.ch

Fredi von Gunten - Mountain Wilderness

Die Wanderwege auf Kurs gebracht

Prix Wilderness 2007

Preisträger-Porträts

Fredi von Gunten

Fredi von Gunten muss es vielen Recht machen: Wanderer wollen Wege, Wildnis-Suchende

wiederum keine, die Biker wollen eigene, die Bauern gewisse, die Alpinisten nicht zu viele.

Als Leiter der Schweizer Wanderwege vermittelt Fredi von Gunten zwischen den verschiedenen

Bedürfnissen. Doch vor allem hat er dem Verein selbst wieder zur nötigen Trittsicherheit

verholfen.

Von Stefan Schöbi

Als wir mit Fredi von Gunten vom Brienzer Rothorn Richtung Augstmatthorn aufbrechen, wird

schnell klar, dass dieser Mann nicht auf einen Wanderweg angewiesen ist. Behände und

sicher überwindet er kletternd die ersten Meter des schmalen Grates, von dem aus sich ein

beeindruckender Tiefblick zum Brienzersee eröffnet. Er trägt steife Bergschuhe statt der

neuen, leichten Trekkingschuhe, weil sie ihm eben einfach lieber seien. Fredi von Gunten ist

Alpinist und als solcher hat er viele Berner Gipfel wie die Jungfrau oder den Eiger auch schon

von oben gesehen.

So erstaunt es nicht, dass seine Wurzeln beim Schweizer Alpen-Club SAC zu finden sind,

dessen Zentralverband er zwischen 1991 und 1999 leitete. Doch Fredi von Guntens Laufbahn

ist alles andere als geradlinig. Gelernt hat er ursprünglich das Bankgeschäft und war später

auch als Zollbeamter tätig. Bevor er 2004 die Leitung der Schweizer Wanderwege übernahm,

engagierte sich Fredi von Gunten für die Schweizerische Gesellschaft der Muskelkranken.

Thematisch ist er also ein Allrounder, spezialisiert hat er sich aber auf die Sanierung von

angeschlagenen Non-Profit Organisationen (sogenannten NPOs). Mit Geld und grossen Zahlen

kennt er sich aus; das kommt dem Verein Schweizer Wanderwege nun zugute.

Kantonales national vernetzen

Die Wanderwege der Schweiz stehen in der Obhut der Kantone. Ihr Erhalt ist gesetzlich

geregelt, verwildern dürfen sie also nicht. Auf kantonaler Ebene engagieren sich die

Wanderweg-Fachorganisationen um die Instandsetzung und die Signalisation des Wegnetzes

– mit unterschiedlichen Aufgaben betreut allerdings. Die kantonalen Budgets reichen von ein

paar tausend Franken bis hin zu etwa einer Million in den grossen Tourismuskantonen.

Vielerorts ist jetzt ein Umdenken im Gange, so von Gunten: «Die Bedeutung der Schweizer

Wanderwege als wichtiger Pfeiler des Tourismus ist heutzutage allgemein anerkannt.»

Um die nationale Koordination des Wegnetzes und die Förderung des Wanderns kümmert

sich der Verein Schweizer Wanderwege, den von Gunten leitet. Da die eigentliche

Unterhaltspflicht für die Wege bei den Kantonen bzw. Gemeinden liegt, ist dies oftmals keine

einfache Aufgabe. Einerseits geht es um eine einheitliche Signalisation, andererseits um ein

gemeinsames Erscheinungsbild auf dem Markt. Fredi von Guntens Bemühungen zielen aber

auch dahin, das Wandern als Freizeitbeschäftigung beliebt zu machen. Er kooperiert mit

Gesundheits- und Tourismusverbänden und regt «Produkte» an, die das Wandern etwa mit

Übernachtungsmöglichkeiten oder der Direktvermarktung von Bioprodukten vom Bauernhof

kombinieren. Nicht zuletzt hat er auch ein Fundraising hochgezogen, das dem Verein


grösseren Handlungspielraum eröffnet und mittlerweile sogar die kantonalen

Fachorganisationen finanziell unterstützt.

Zurück in die Steinmannlizeit

Wichtige Nutzer der Schweizer Wanderwege sind auch die Bauern, deren Alphütten nicht

selten nur durch Wanderwege erschlossen sind. Dabei entstehen aber in machen Fällen auch

Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft, wenn etwa ein Wanderweg durch eine

Mutterkuhweide verläuft. Die Schweizer Wanderwege sind im Auftrage des Bundes (ASTRA,

Bundesamt für Strassen) daher auch Ansprechperson und Gutachter, wenn sich

Grundbesitzer, Gemeinde, Kanton und Fachorganisation nicht einigen können. In seinem

Team beschäftigt er Fachspezialisten, die in solchen Fällen die Abklärungen leiten.

Das Netz der Schweizer Wanderwege ist eigentlich fertig gestellt. Neue Erschliessungen sind

nicht vorgesehen. Wenn also ein neuer Weg eröffnet wird, handelt es sich in aller Regel um

einen Ersatz eines früher schon bestehenden Weges. Den Fans des Wild-Wanderns bleiben

dadurch gewisse nur wenig erschlossene Talschaften als Erlebnisgebiete erhalten.

Bestehende Wege werden aber manchmal neu kategorisiert, beispielsweise von weiss-rotweiss

(Bergwanderweg) zu weiss-blau-weiss (alpine Route). Gerade bei dieser noch recht

jungen Wegkategorie, die insbesondere alpinistisch erfahrene Wanderer anspricht, sollen in

Zukunft neben Farbmarkierungen vermehrt auch Steinmannli als Wegzeichen zum Einsatz

kommen. Die Wildnis freut’s!

Textabdruck in Absprache mit Mountain Wilderness erwünscht.

Bildmaterial: www.mountainwilderness.ch

Kontakt/weitere Informationen: prix.wilderness@mountainwilderness.ch, 044 461 39 00; 079 792 59 15

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