Fortschritte in unseren regionalen ... - World Vision Schweiz

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Fortschritte in unseren regionalen ... - World Vision Schweiz

Niger

Fortschritte in unseren

regionalen Entwicklungsprojekten

Liebe Patinnen und Paten

Wenn ich über Niger fliege, staune ich

über den endlosen Staubteppich, der

sich über das ganze Land ausbreitet. Wie

kann man hier bloss leben? Obwohl das

Land reich an Uran und anderen Mineralien

ist, gehört es zu den ärmsten

Ländern. Regelmässige Dürrekatastrophen

und Überschwemmungen zerstören

die Lebensgrundlage. World Vision

verteilt darum Nahrungsmittel und versorgt

akut mangelernährte Kinder, um

die grösste Not zu lindern.

Die urbane Bevölkerung in den von

World Vision Schweiz finanzierten Projektgebieten

möchte aus dieser Abhängigkeit

von fremder Hilfe wegkommen.

Jugendliche wie auch Frauen betonen

immer wieder, dass Bildung und Verdienstmöglichkeiten

für sie der Schlüssel

zu einem eigenständigen Leben

seien.

Jedoch, was tun wenn sich die Ausbildung

um etliche Zeit verlängert, weil

Lehrer streiken und die Korruption

auch im Schulsystem Spuren hinterlässt?

World Vision setzt hier auch auf

alternative Bildung und berufliche Ausbildung.

In einem Land, wo die Mehrheit

der Bevölkerung unter 15-jährig

ist, wird den Kindern gerade auch mit

alternativen Bildungsmöglichkeiten eine

Chance gegeben, ihre Zukunft auch in

den schwierigen Lebensbedingungen

gestalten zu können.

Tabea Leutwyler

Programmverantwortliche Niger

World Vision Schweiz

November 2011


Wege aus der Armut

Eine Frauengruppe

betreibt

einen privaten

Kindergarten in

Karadjé.

Ein erster Schritt aus der Armut ist zu erkennen, dass man eine Ausbildung braucht. Ein zweiter

Schritt ist, diese Ausbildung in guter Qualität zu erhalten. World Vision setzt sich in Niger

dafür ein, dass dies möglich wird.

Niger gehört zu den ärmsten Ländern

der Welt. Auf dem Human

Development Index 2010 der

UNO liegt Niger auf Rang 167 von

169 Ländern mit vergleichbaren

Daten. Dieser Index berücksichtigt

nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen,

sondern auch die Lebenserwartung

und den Bildungsgrad der Bevölkerung.

Das Land hat nicht nur mit

verheerenden Dürren und Flutkatastrophen

zu kämpfen, sondern auch

mit weit verbreiteter Korruption.

63 Prozent der Bevölkerung leben

unter der nationalen Armuts-

In Niger unterstützt World Vision

Schweiz seit 2002 die beiden Regionalen

Entwicklungsprojekte Karadjé

Banguey-do und Harobanda-Est in der

Hauptstadt Niamey. Rund 40 000 Menschen

profitieren direkt von den Projekten,

3300 Kinder aus sehr armen Familien

sind derzeit im Patenprogramm.

Im Winterhalbjahr 2010/11 wurde in

den durch Patenschaften finanzierten

Projekten u. a. Folgendes gemacht:

Harobanda-Est:

• 2588 Moskitonetze wurden an Familien

im Projektgebiet verteilt.

grenze von 1.25 Dollar pro Tag, wobei

Frauen viel stärker betroffen

sind als Männer. 52.5 Prozent der

Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt.

Nur knapp 29 Prozent der Erwachsenen

können lesen und schreiben.

Die Kindersterblichkeit der unter

fünfjährigen Kinder sank zwar seit

1990 von 305 auf 160 pro 1000

Kinder, ist aber immer noch sehr

hoch. Jedes sechste Kind stirbt vor

seinem fünften Geburtstag.

Erfolge und Rückschläge

Die Hauptstadt Niamey liegt am

Fluss Niger. World Vision führt auf

der westlichen Flussseite seit 2002

die beiden Regionalen Entwicklungsprojekte

Karadjé Banguey-do

und Harobanda-Est durch mit dem

Ziel, Kindern und ihren Familien aus

ärmsten Verhältnissen ein besseres

Leben zu ermöglichen. Gemeinsam

wurden Erfolge erzielt, wichtige

Prozesse in Gang gebracht – und

Rückschläge verkraftet. So mussten

wir eine Leiterin wegen Veruntreuung

von anvertrauten Geldern entlassen

und darum ein Mikrofinanzprojekt

bis auf Weiteres schliessen.

Fortschritte in den regionalen Entwicklungsprojekten in Niger

• 83 Patenkinder erhielten medizinische

Behandlung gegen Malaria

und anderen Krankheiten.

World Vision beteiligte sich an

einem regionalen Impfprogramm

für Mütter und Kinder.

• Für 200 Kinder wurde das Schulgeld

übernommen.

• 3 Frauen konnten ihre Ausbildung

als Hauswirtschaftslehrerin abschliessen.

Karadjé Banguey-do:

• Das Geburtshaus Zarmaggandey,

das World Vision gebaut hat, bekam

In der Behindertenwerkstatt in Harobanda-Est

werden Gartenstühle

hergestellt.

Schule – Ja oder Nein?

Immer mehr Menschen erkennen,

wie wichtig eine Ausbildung ist, um

aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen.

Doch fehlt es im

Bildungswesen an geeigneten Schulräumen,

an gut ausgebildeten und

motivierten Lehrkräften, an Schulmaterial

und an Möglichkeiten, einen

Beruf zu erlernen. Manchmal

verhindert auch Korruption den

Zugang zur Bildung. All dies führt

dazu, dass sehr viele Kinder nicht

in die Schule gehen oder sie vorzeitig

abbrechen. Denn ihren Eltern

ist es bei derartigen Verhältnissen in

diesen Frühling nach langen Bemühungen

einen Wasseranschluss.

• 123 Kinder zwischen 3 und 5 Jahren

besuchten die 11 von Frauengruppen

geleiteten Kindergärten.

• 64 Mädchen und 21 Jungen erhalten

in den Berufsbildungszentren

eine Grundausbildung.

• 190 Lehrer besuchten einen Weiterbildungskurs,

um ihren Unterricht

zu verbessern.

• An einem zweitägigen Workshop

über einen angemessenen Umgang

mit behinderten Menschen nahmen

43 Komiteemitglieder teil.


der Schule wichtiger, dass die Kinder

mithelfen, die Familie durchzubringen

und Geld zu verdienen.

Ausbildung ist wichtig

World Vision setzt darum auf verschiedenen

Ebenen an: Einerseits

bei der Sensibilisierung der Eltern

und Kindern, wie wichtig Schule ist,

andererseits bei der Infrastruktur

und der Lehrerausbildung. World

Vision hat in Zusammenarbeit mit

den Quartierkomitees und den lokalen

Behörden kleine Schulhäuser

mit zwei bis drei Klassenzimmern

gebaut und eingerichtet. Dazu gehören

auch Latrinen und Trinkwasserversorgung,

und natürlich das richtige

Händewaschen, damit die Kinder

gesund bleiben.

Lehrerfortbildungsgruppen wurden

gegründet, um den meist wenig

ausgebildeten Lehrern zu helfen, ihren

Unterricht zu verbessern. Auch

wurden einfache Berufsbildungszentren

errichtet. Hier machen Jugendliche

ohne Schulabschluss eine

Anlehre für handwerkliche Berufe.

Es gibt dort auch Alphabetisierungskurse

für Jugendliche und Erwachsene.

Saratou (14) sagt: «Diese Ausbildung

verändert mein Leben und

bewahrt mich davor, als Prostituierte

meinen Lebensunterhalt verdienen

zu müssen. Ich bin dankbar, dass

ich Lesen, Schreiben und Rechnen

gelernt habe.» �

Brückenbauerin zwischen Paten und Patenkindern

Das von World Vision Schweiz finanzierte Schulhaus Gaweye II mit drei Klassenzimmern

wurde 2008 in Harobanda-Est eröffnet.

Hadiza Zezi arbeitet im World Vision Büro in Niamey als Koordinatorin

des Kundendienstes für das Projekt Karadjé Banguey-do.

World Vision: Was beinhaltet Ihre Arbeit?

Hadiza Zezi: Ich koordiniere die Arbeit der Volontäre, welche die im Programm

aufgenommenen Patenkinder betreuen. Regelmässig besuchen

sie die Kinder, um zu sehen, wie es ihnen geht. Sie helfen den Kindern

auch, ihren Paten Briefe und Berichte zu schreiben. Bei schwierigen Fällen

werde ich mit einbezogen. Auch beantworte ich

Anfragen von Schweizer Paten, die ihr Patenkind betreffen.

Es ist eine sehr interessante Arbeit, sie kann

aber auch hektisch werden, wenn der Zeitdruck gross

ist, ich die betreffenden Kinder und ihre Familien nicht

antreffe. Schwierig ist auch, wenn ich widersprüchliche

Angaben zu den Familienverhältnissen und der Situation

des Kindes erhalte.

Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Ich arbeite sehr gerne mit den Kindern. Sie haben gute

Ideen und zögern nicht, ihre Visionen für die Entwicklung

des Quartiers einzubringen. In unserer Kultur ist

es unüblich, Kindern eine Stimme zu geben. Aber ich

freue mich, wenn sie ihre Ideen einbringen.

Was ist die grösste Veränderung, die Sie im Projektgebiet beobachten?

Die Frauen können dank der Frauengruppen und den Schulungen viel

erfolgreicher zum Familieneinkommen beitragen als früher. Sie sind damit

auch finanziell selbständiger und selbstbewusster. Viele Menschen im

Quartier betrachten diese Frauen als Vorbilder und machen sich auch

daran, ihre Situation zu verbessern.

Was ist die grösste Herausforderung in Ihrer Arbeit?

Dass die Menschen bereit werden, ihre Mentalität zu ändern. Trotz all

unserer Bemühungen mit Informationsveranstaltungen und Schulungen

sehen wir nur langsam Veränderungen im Verhalten der Menschen. Es ist

schwierig, das Verhalten zu ändern, das wir in unserer Kindheit und durch

unsere Kultur gelernt haben. Es wäre hilfreich, wenn die Menschen mehr

positive Beispiele mit ihren eigenen Augen sehen könnten.

Entwicklungsprojekte

Karadjé, Harobanda

Hadiza Zezi

setzt sich für das

Wohl der Patenkinder

ein.


Alle Jahre wieder

Eine überschwemmte

Strasse in

Karadjé

In Niger leiden die Menschen abwechslungsweise unter Dürrekatastrophen und Überschwemmungen,

die ihre Lebensgrundlage zerstören. Gemeinsam wird erarbeitet,was die Bevölkerung

dagegen tun kann.

Niger ist ein Land extremer Kontraste.

Während vieler Monate im

Jahr kämpft die Bevölkerung mit

den Auswirkungen von Dürre und

Wassermangel. Doch einmal im

Jahr, in der Regenzeit, werden weite

Gebiete von über die Ufer tretenden

Flüssen überschwemmt. So

auch die meisten Quartiere in Karadjé

und Harobanda. Die Lehmhäuser

halten den Wasserfluten nur

schlecht stand. Die Ernte wird zerstört,

Krankheiten verbreiten sich

rasant. 2011 brach sogar Cholera

aus. Die zuständigen Autoritäten

fühlen sich nicht verpflichtet, einen

Schutz gegen die Überschwemmungen

zu errichten, da sie die betroffenen

Quartiere als inoffiziell ansehen,

weil die Landrechtfrage nicht

geklärt ist. Die Bevölkerung hat sich

mit der regelmässigen Zerstörung

abgefunden und hofft jedes Jahr auf

Hilfe von aussen.

Die Initiative ergreifen

World Vision hat im Frühjahr 2011

einen Workshop mit den Quartierleitern

und interessierten Männern,

Frauen, Kindern und Jugendlichen

durchgeführt, wie sie sich besser

auf die Katastrophen vorbereiten

können. Sie trugen verschiedene

Ideen zusammen. Die Kinder stell-

ten das Problem in einem Theaterstück

dar. Alle wissen, dass es am besten

wäre, nicht so nahe am Fluss zu

wohnen. Doch gibt man ja nicht so

ohne weiteres sein Haus auf, wenn

es in der Nähe von Läden, Schulen

und Gesundheitszentren liegt. Eine

andere Lösung wäre, einen Damm

zu bauen. Doch das ist sehr aufwändig,

und die Bevölkerung wartete

bis jetzt vergebens darauf, dass

die Behörden etwas unternehmen.

In dem Workshop besprachen die

Teilnehmer, wie sie die Menschen

motivieren können, selbst etwas zur

Verbesserung der Lage zu unternehmen

So entwickelten sie die Idee, dass

es besser wäre, den Menschen Lebensmittel

als Lohn für Arbeit zu geben,

als in der Notsituation einfach

Lebensmittel zu verteilen. Denn

viele Menschen sind während bis zu

fünf Monaten im Jahr von Lebensmittelhilfe

abhängig. Mit einem Lebensmittel-für-Arbeit-Projektwürde

es möglich, den dringend benötigten

Damm gemeinsam zu bauen.

Getreidebanken

In der Trockenzeit steigen die Preise

für Lebensmittel ins Unermessliche.

Für arme Menschen ist dies

ein grosses Problem. Viele sind als

Folge davon mangelernährt, was

Frauen besuchen einen Kurs für Betriebsführung

und Buchhaltung, um

eine Getreidebank zu verwalten.

besonders bei Kindern verheerende

Folgen hat.

World Vision ermutigt darum

Frauen, sich zu Gruppen zusammenzuschliessen,

die gemeinsam

eine Getreidebank anlegen. Die

Frauen erhalten Schulungen in Betriebsführung

und Buchhaltung. In

guten Zeiten lagern sie in den von

World Vision gebauten Lagerhäusern

günstig gekauftes Getreide ein,

um dieses in schlechten Zeiten zu

vernünftigen Preisen an ihre Mitglieder

verkaufen zu können. Somit

können sie sich und ihre Kinder

auch in der schlechten Zeit besser

ernähren und gesunder bleiben. �

Aktuelles

Infos zu Ihrem Patenkind, mehr

über das Projekt oder Ihre

Spenden übersicht – das alles gibt

es unter MyWorldVision.

www.myworldvision.ch

Impressum

Herausgeber: World Vision Schweiz,

Kriesbachstr. 30, 8600 Dübendorf

Redaktion: Monika Lukas

www.worldvision.ch, Tel. 044 510 12 12

World Vision Schweiz ist ein christlichhumanitäres

Hilfswerk. Im Mittelpunkt

der Arbeit steht die Unterstützung von

Kindern, Familien und ihrem Umfeld

im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit.

World Vision leistet langfristige

Entwicklungszusammenarbeit, Not- und

Katastrophenhilfe sowie entwicklungspolitische

Aufklärungsarbeit.

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