Life zum Download - CVJM-Landesverband Bayern

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Life zum Download - CVJM-Landesverband Bayern

Foto: Shuwal/photocase.com

12009

Januar/Februar

Mark Nockemann

Glaubensbekenntnis neu entdeckt

Dr. Thomas Hohenberger

Glaube und Denken

Hermann Traub

CVJM-Akzente des Glaubens

Was glauben wir?


G R U N D S A T Z

ir schreiben das Jahr 223 n. Chr.,

Ostersonntag 5.43 Uhr. Ein laues

Lüftchen weht in der noch dunklen Nacht.

In wenigen Sekunden geht die Sonne

über der Osternacht auf. Eine Gruppe

aus der Gemeinde in Rom hat sich versammelt

um fünf »junge« Christen in ihre

Gemeinschaft aufzunehmen. Um den See

am Rand der Stadt stehen etwa zweihundert

Christen um diese neuen Gemeindemitglieder

zu begrüßen und mit ihnen das

Fest ihrer Taufe zu feiern. Die Täuflinge

steigen ins Wasser. Mit Sonnenaufgang

werden die neuen Christen getauft. Ein

Aufblitzen der ersten Sonnenstrahlen erhellt

den Horizont. Der Älteste und Hirte

der Gemeinde steht gemeinsam mit den

Täuflingen im Wasser. Den Täuflingen

wird die Frage gestellt: »Glaubst du an

Gott den allmächtigen Vater?« Die Antwort

kommt wie aus einem Mund: »Ich

glaube!« Sie werden unter Wasser getaucht.

Nach dem Auftauchen wird weiter

gefragt: »Glaubst du an Christus Jesus,

Gottes Sohn, der geboren ist vom Heiligen

Geist aus der Jungfrau Maria und

gekreuzigt unter Pontius Pilatus und gestorben

ist und begraben und am dritten

Tage lebendig von den Toten auferstanden

ist und aufgestiegen in die Himmel

und sitzt zur Rechten des Vaters und

kommen wird, um die Lebendigen und

die Toten zu richten?« Wieder schallt es

über den See: »Ich glaube!« Wieder

werden die Täuflinge untergetaucht. Eine

letzte Frage wird gestellt: »Glaubst du an

den Heiligen Geist und die heilige Kirche

und die Auferstehung des Fleisches?« Ein

drittes Mal wird geantwortet und getauft:

»Ich glaube!«

4 Auf dieses alte Taufritual und die Tauffragen,

die um 215 n.Chr. von Hippolyt

von Rom formuliert wurden, geht unser

heute bekanntes apostolisches Glaubensbekenntnis

zurück. Bis heute werden diese

Glaubensgrundpfeiler genutzt: Als ein

Bekenntnis und eine Hilfe zur Bezeugung

der Glaubens-Grund-Sätze.

Foto: Shuwal/photocase.com W

»Ich glaube an …«

Apostolisch (»Apostolicum«) wird es

genannt, weil es laut Legende die zwölf

Apostel nach Pfingsten formulierten. Es

geht auf die Glaubenslehre der Apostel,

also der Jünger Jesu zurück. Sie wollten

die erste »Theologie« treu weitergeben

und alles an den Maßstäben Jesu ausrichten.

Manchmal sind die Glaubenssätze

nummeriert. Zwölf Glaubensaussagen –

für jeden Jünger Jesu eine.

Glaubensbekenntnis neu entdeckt

In den folgenden Jahren bis hin zum

Ende des 4. Jahrhunderts verfestigte

sich die Formulierung. Der endgültige Text

folgte dann im 8. Jahrhundert und wird

seitdem als apostolisches Glaubensbekenntnis

in den westlichen Kirchen (evangelisch

und katholisch, anglikanische und

in vielen freien Kirchen) verwendet.

Wie andere Bekenntnisse ist es in der

ersten Entwicklungsphase der Kirche entstanden,

um Irrlehren zu stoppen. In ersten

Treffen der Bischöfe beim Konzil von

Nicäa und Konstantinopel wurden die Pfeiler

unseres Glaubens festgelegt. In langen

und ausgiebigen Auseinandersetzungen

wurden Sätze formuliert, um eine Orientierung

auf dem religiösen Markt der Möglichkeiten

zu geben und sich vor Angriffen zu

schützen. Es wurde festgelegt, dass Jesus

wesenseins mit dem Vater ist um klar zu

stellen, dass er nicht nur Mensch war, mit

einem kleinen göttlichen Anteil und auch

nicht Gott, der nur in geisthafter Gestalt

eines Mensches zu uns gekommen ist. Er

ist ganz Mensch und ganz Gott. Ebenso

wurde geklärt, dass Gott uns dreifach begegnet.

Als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das spiegelt sich in den drei Abschnitten

(man spricht auch von den drei Glaubensartikeln)

des Glaubensbekenntnisses. Der

heute ökumenisch anerkannte Text wird

als verbindliche Lehraussage verwendet,

der sich alle Christen anschließen können.

Dennoch unterscheidet sich in den unterschiedlichen

Konfessionen das Glaubensbekenntnis

in einem Detail. In den


Kirchen der Reformation wird nicht der

Ausdruck »katholische Kirche«, sondern

»christliche Kirche«, »allgemeine Kirche«

oder »allgemeine christliche Kirche« verwendet,

um das Missverständnis zu vermeiden,

die römisch-katholische Kirche

sei gemeint. Katholisch bedeutet wörtlich

»allgemein«, »weltumspannend«

oder »universal« (gr. katholikos), bezieht

sich also nicht zwingend auf die römischkatholische

Kirche.

Ich glaube! Das alte lateinische Wort

»Credo« bezeichnet bis heute auch unser

Bekenntnis. Wie würdest du antworten,

wenn man dich fragt was du glaubst?

Fallen dir da nicht die »Lehrsätze« des

Glaubensbekenntnisses ein, oder versuchst

du dich bei der Formulierung deiner

Antwort daran zu halten? Das Glaubensbekenntnis

lädt dazu ein es immer wieder

neu zu entdecken. Was ist dir wichtig und

woran glaubst du? Ein Glaubensbekenntnis

muss ganz »eigen« werden, um es mit

Überzeugung zu bekennen. Ist mir und

dir das heute immer klar? Ein Bekenntnis,

das aus Tradition heruntergeleiert wird,

ist tot und leer. Man muss es bejahen

und mit den eigenen Überzeugungen und

Formulierungen füllen. Dabei können die

drei Artikel des Glaubensbekenntnisses

helfen und die Sprachfähigkeit unseres

Glaubens stärken.

Ich nehme mir die Zeit, lese das Glaubensbekenntnis

und merke was Gott mir

bedeutet:

ER S TENS Ich glaube

an Gott den Vater

Ich glaube an einen Gott der die Macht

hat, diese Welt zu gestalten. Der mich

und diese Welt so wunderbar gemacht

hat. Zu ihm kann ich eine Beziehung wie

zu einem guten Vater haben

ZWEI TENS Ich glaube

an Jesus Christus

Gott selbst hat sich zu mir aufgemacht.

Das ist in die Geschichte eingegangen. Es

ist ein Wunder, dass Gott durch die Jungfrau

Maria auf diese Welt kommt. Er hat

unter der römischen Besatzungsmacht

in Israel als Jude gelebt, er hat gewirkt,

viele Wunder getan, auf Gottes Liebe hingewiesen

und einen Plan vom Leben aufgezeigt.

Er hat gelitten und ist ans Kreuz

genagelt worden. Er ist gestorben, in die

Tiefe des Todes hinab gestiegen. Er hat

dadurch die Beziehungskrise zwischen

mir und Gott gelöst. Er hat den Tod für

mich besiegt. Er ist zum Leben durchgedrungen

und will Leben schaffen. Auf

ihn warte ich und darauf, dass er der gerechte

Richter am Ende dieser Welt ist.

DR I T TENS Ich glaube

an den Heiligen Geist

Ich glaube daran, dass Gott heute

bei mir ist. Dass er mitten unter uns unsichtbar

da ist. Dass er sich zeigt in der

Gemeinschaft der Christen und in seiner

Kirche. Ich glaube daran, dass Gott

treu ist, auch wenn ich oft untreu bin und

schuldig werde. Ich habe eine Hoffnung

im Leben und im Sterben. Er ist der Herr

über das Leben und wird uns, die wir an

ihn glauben, die Auferstehung schenken.

Gott macht am Ende alles gut. Ich darf

hier und in der Ewigkeit mit ihm leben.

Nach diesen eigenen Gedanken, kann

ich die alten Sätze voller Überzeugung

sprechen. Deshalb ist es auch heute noch

sinnvoll, dieses alte Bekenntnis zu nutzen.

Bis heute bekennen wir unseren

Glauben in Gottesdiensten. Dieses

Credo verbindet und eint uns weltweit als

Christen. Es lässt uns zusammenstehen

und stellt klar: Gott ist der Herr! Als Vater,

Sohn und Heiliger Geist. Es ist auf

den Schöpfer, den Sohn und den Heiligen

Geist, eben ganz auf Gott ausgerichtet.

Die unterschiedlichen Tauf- und

Abendmahlsverständnisse spielen da keine

Rolle.

Das Credo kann unseren Glauben

stärken, es lässt uns auf das Wesentliche

besinnen. Auf die Heilsgeschichte

Gottes mit uns. Er hat uns geschaffen

und hat alles getan, um uns zu erretten.

Und er ist bei uns alle Tage (Mt. 28).

Das bekennen wir, wenn wir es sprechen.

Kann das Glaubensbekenntnis auch unseren

Alltag begleiten? In Luthers Morgen-

und Abendsegen gehörte das Glaubensbekenntnis

– neben dem Vater Unser

zum festen Bestandteil. Es wäre einen

Versuch wert, das Glaubensbekenntnis

zweimal am Tag bewusst zu sprechen und 5

zu sehen, ob uns die Grundlagen unseres

Glaubens klarer werden. Im Glaubensbekenntnis

steckt die Zusage, dass Gott für

uns ist und wir uns an ihn hängen können.

So kann unser Glaube wirklich bekannt

werden. Ich stelle mich zu diesem Gott,

der sich ganz zu mir bekannt hat. Davon

will ich nicht aufhören zu reden. Deshalb

hilft uns das Credo auch in schwierigen

Zeiten unseren Glauben zu bekennen. Wir

müssen Sätze, die in unserer säkularen

Welt anecken, nicht weglassen. Dieses

Credo zu sprechen und zu bekennen bedeutet

auch heute für mich: Gott, ich

steh zu dir und das sage ich frei heraus!

Du auch?

Mark Nockemann, CVJM Bayern

G R U N D S A T Z


I M P U L S

Glaubenssätze der Bibel

Wir brauchen Glaubensätze der

Bibel, die für uns zu Lebenswor-

Z W E I T E N S Gott spricht: Fürchte

dich nicht, denn ich habe dich erlöst,

Großfamilie »Gottes«, sein Heiliger Geist

bewirkt dies in mir.

ten werden. Persönliche Lebensworte von

Gott, die uns begleiten. Dabei denke ich

an Zusagen der Bibel, die uns Halt in den

Stürmen des Alltags geben. Worte des lebendigen

Gottes, die uns aufrichten, wenn

wir am Boden liegen und Zusagen, die uns

den Himmel öffnen. Viele kennen dies: Die

Worte, die Gott zu uns spricht, sind nicht

immer nur beruhigende Worte, die unsere

Seele streicheln. Es sind oftmals auch

Herausforderungen, die uns Beine machen

und ernste Aussagen, die uns aufrütteln,

ich habe dich bei deinem Namen gerufen,

du bist mein! Jesaja 43,1

Gott kennt mich persönlich, mein

Name ist ihm wichtig!

D R I T T E N S Fülle uns frühe mit deiner

Gnade, so wollen wir rühmen und

fröhlich sein unser Leben lang. Psalm

90,14

Durch die Beziehung mit Gott erlebe

ich echte Freude. Ein Glanz, der meinen

Beziehungsnetzen Farbe gibt.

N E U N T E N S Trachtet zuerst nach

dem Reich Gottes und nach seiner

Gerechtigkeit, so wird euch alles andere

zufallen. Matthäus 6,33

Jesus Christus gibt mir einen klaren

Auftrag. So kann ich Prioritäten in

meinem Leben setzen.

Z E H N T E N S Jesus Christus spricht:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die

Reben. Wer in mir bleibt und ich in

ihm, der bringt viel Frucht, denn

weil wir der Heiligkeit Gottes begegnen. V I E R T E N S Jesus Christus spricht: ohne mich könnt ihr nichts tun.

Die Bibel ist ein ehrliches Buch, deshalb Kommt her zu mir alle, die ihr müh- Johannes 15, 5

wollen wir auch Gottes Anklopfen nicht selig und beladen seid, ich will euch Jesus Christus gibt meinem Leben eine

überhören, wenn er Sünde in unserem erquicken. Matthäus 11,28

Bedeutung und Ausstrahlung für unsere

Leben aufdeckt und uns zur Umkehr ruft. Gott lässt mich mit meinen Sorgen und

alltäglichen Belastungen nicht allein. Ich

kann mich immer an ihn wenden.

Gesellschaft.

Ich brauche ganz persönliche Lebensworte

von Gott, die mich in meinem Berufsalltag,

in meinen Aufgaben als Vater

bei Entscheidungen begleiten und die

mir in Krisensituationen Mut machen. Ich

hoffe, jeder hat solche Glaubenssätze der

Bibel in seinem Herzen gespeichert, die

dann in besonderen Lebenssituationen

wach werden und uns berühren. Es lohnt

sich, Bibelworte auswendig zu lernen, immer

wieder zu meditieren, vielleicht auch

auf kleine Kärtchen zu schreiben und sie

in den täglichen Kalender zu legen.

6

Martin Luther sagte einmal: »Wenn

ich Gottes Wort ergreife, dann habe ich

gewonnenes Spiel im Leben.«

Zwölf solche Lebensworte der Bibel

möchte ich zur Vergewisserung

unseres Glaubens einfach anheften. Gerne

kann dies noch mit vielen weiteren

zentralen biblischen Aussagen ergänzt

werden. Zwölf Lebensworte, vielleicht für

jeden Monat des neuen Jahres ein Wort.

E R S T E N S Gottes Geist hat mich geschaffen,

der Atem des Allmächtigen

hat mir das Leben geschenkt. Hiob

33,4

Ich bin von Gott geschaffen, dies gibt

meinem Leben seine Würde!

F Ü N F T E N S Jesus Christus spricht:

Der Menschensohn (Jesus Christus)

ist gekommen, zu suchen und zu retten,

was verloren ist. Matthäus 18,11

Die Bibel zeigt mir die Abgründe

meines Lebens. Jesus Christus ist gekommen,

um mich aus den Zerstörungskräften

des Bösen zu retten.

S E C H S T E N S Wenn wir unsere Sünde

bekennen, so ist Jesus Christus

treu und gerecht, der uns die Sünde

vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

1. Johannes 1,9

Gott vergibt mir meine Schuld: Ich

kann in echter Freiheit wieder durchatmen.

S I E B T E N S So kommt der Glaube aus

dem Hören. Das Hören aber durch

das Wort Christi. Römer 10,17

Ich höre auf sein starkes Reden, so

entsteht Glaube und wächst echtes Vertrauen.

A C H T E N S Welche der Geist Gottes

treibt, die sind Gottes Kinder. Der

Geist Gottes, selbst gibt Zeugnis unserem

menschlichen Geist, dass wir

Gottes Kinder sind. Römer 8,14 und 16

Durch Jesus Christus gehöre ich zur

E L F T E N S Gott wird bei ihnen wohnen

und sie werden sein Volk sein

und er selbst, Gott mit ihnen wird ihr

Gott sein. Und Gott wird abwischen

alle Tränen von ihren Augen und der

Tod wird nicht mehr sein, noch Geschrei,

noch Leid, noch Schmerz wird

mehr sein, denn das Erste ist vergangen

und Gott sprach: Siehe ich

mache alles neu. Offenbarung 21,3

und 4

Gott öffnet mir den Himmel. Seine

Hoffnung gibt mir eine große Zukunftsperspektive.

Hier wird die neue Welt

Gottes gezeigt.

Z W Ö L F T E N S So hat Gott die Welt

geliebt, dass er seinen eingeborenen

Sohn hingab, damit alle, die an ihn

glauben, nicht verloren gehen, sondern

das ewige Leben haben.

Johannes 3,16

Gott schenkt mir seine ganze Liebe

durch Jesus Christus. Diese Kraft trägt

mich in jeder Lebenssituation.

Ich lade herzlich dazu ein, diese Glaubenssätze

der Bibel zu ergänzen durch

persönliche Lebensworte oder zu unterstreichen,

so dass sie mitten in unserem

Alltag greifen.

Hans-Martin Stäbler


Provokation heute –

Glauben mit Akzenten

CVJMer in der ganzen Welt sind, soweit sie der

Pariser Basis sich verpflichtet haben, auch in ihrem

Glaubensbekenntnis mit ganz klarem und profiliertem

Akzent ausgestattet. Sie haben sich also Schwerpunkten

verpflichtet, die so nicht von allen Christen in

gleichem Maße mitgetragen werden. Das macht sie

erkennbar anders und zugleich auf ihre Ziele befragbar.

Damit haben sie längst vor allen Zieldiskussionen,

die wir heute in Kirche und Jugendarbeit reichlich antreffen,

ihre Ziele markiert und gewählt. Wir merken

sofort, dass diese Ziele auch heute provokativ in unsere

Situation hineinsprechen. Weithin müssen wir in

den CVJM eine Neuorientierung der Arbeit vornehmen.

Dazu braucht es Mut und Entschlossenheit.

ER S TENS Akzent Jesus Christus

Wir betonen und bekennen, dass Jesus Christus

allein der Retter der Welt ist und es daneben, nach

dem Wort der Bibel, keinen anderen gibt, der uns

erretten kann. Alle Versuche der Verwässerung und

Vermischung der Einzigartigkeit Jesu brechen dem

Rettungsevangelium die Spitze ab. Es gibt auch keine

»missionarischen« Gründe zur Einbeziehung anderer

Botschaften, Bekenntnisse und Weisheiten. Jesus

allein ist für uns Gott! Nicht nur nachahmenswerter

Mensch! An ihm und seinem Namen scheiden sich

die Geister.

ZWEI TENS Akzent Heilige Schrift

Wir bekennen, dass wir alle Nachrichten Gottes

komplett in der »Heiligen Schrift« haben und wir keine

anderen Prophetien, Offenbarungen und Erkenntnisse

brauchen für unseren Glauben. Damit wehren wir uns

gegen die Meinung, dass auch andere Religionen Offenbarungsquellen

Gottes haben. Und gleichzeitig stellen

wir uns gegen die schwärmerische Ansicht, dass

Gott heute neue und weiterführende Offenbarungen

für uns hat. Unser Glaube ist schriftgebunden. Und

wir entdecken, dass die biblischen Texte immer neu

zur aktuellen Offenbarungsquelle werden. Gottes Wort

ist lebendig, weil Gottes Geist lebendig und ständig

schöpferisch uns begegnet.

DR I T TENS

Akzent Glauben und Leben

Wir halten fest, dass gelebter Glaube die Äußerung

unserer Bindung an Jesus Christus und sein Wort ist.

Wir lassen nicht zu, dass Lebensäußerungen und Lebensgebiete

selbstständig, ohne die Rückbindung an

Jesus und sein Wort, möglich ist. Das schließt mit ein,

dass wir in Wort und Tat zu Jesu Aufträgen stehen und

sie je nach Möglichkeiten annehmen und verwirklichen

– als Einzelne und als CVJM-Gemeinschaft.

V IERTENS

Reich Gottes steht ganz oben

Wir bekennen, dass uns die weltweite Gemeinschaft

der Christen wichtiger ist als die »eigene Gemeinde«

vor Ort. Biblischer Glaube ist immer international,

hebt die Rassen und Hautfarbengrenzen auf und

ist für Frauen und Männer gleichermaßen offen. Auch

menschlich gezogene Grenzen der Konfessionen sind

für uns zweitrangig. Wir haben den Blick der weltweiten

Gemeinde vor Augen und dienen somit dem Reich

Gottes, das hier beginnt, wenn ein Mensch sich von

Jesus Christus rufen lässt. Dieses Reich Gottes wird

Jesus herbeiführen und vollenden. Wenn wir ihm dienen,

dann arbeiten wir der Zukunft Gottes zu.

FÜNF TENS Ausbreiten

ist unsere Leidenschaft

Wir bleiben niemals bei dem Erreichten stehen, sondern

suchen, wo es nur geht, »Menschen zu gewinnen«,

die Gottes Liebe in Jesus Christus annehmen und leben.

Die zur Nachfolge rufende Verkündigung ist das

besondere Kennzeichen des weltweiten CVJM. Evangelisation

ist eine Grundäußerung unseres Glaubens. Der

Schwerpunkt im CVJM ist also niemals nur das Bewahren,

Begleiten und Versorgen der Mitglieder, sondern die

hingehende Liebe, die uns über jeden Menschen ohne

Jesus unruhig macht. Dies hat in Planungen und der

Praxis unserer Jugendarbeit oberste Priorität!

Hermann Traub

Cartoon: Jörg Peter/comiczeichner.de

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O R I E N T I E R U N G


I M P U L S

Glauben und Denken

»Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen,

in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen

und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.«

Foto: der_jipi/photocase.com S

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o pointiert hat der Marburger

Theologieprofessor Rudolf Bultmann

unser Problem einer vermeintlichen

Unvereinbarkeit von Glauben und

Denken bereits vor nahezu 70 Jahren

formuliert. »Und wer meint, es für seine

Person tun zu können«, so fährt er fort,

»muss sich klar machen, dass er, wenn er

das für die Haltung des christlichen Glaubens

erklärt, damit die christliche Verkündigung

in der Gegenwart unverständlich

und unmöglich macht.«* Viele Aussagen

unseres Glaubensbekenntnisses sieht er

daher als intellektuell überholt an und

fordert eine zeitgemäße und dem wissenschaftlichen

Stand unserer Tage angemessene

Interpretation der neutestamentlichen

Botschaft von Jesus Christus.

Über Bultmanns eigenwillige Schlussfolgerung,

die Aussagen des Evangeliums

ledig lich als verinnerlichte, existentiell zu

verstehende Symbolsprache zu begreifen,

lässt sich sicherlich streiten (was auch

ausführlich geschehen ist), doch ist mit

seinen Wor ten klar und deutlich die Problemlage

umrissen, die bis heute die Diskussion

der Glaubwürdigkeit des Glaubens

durchzieht. Für die einen darf der

Glaube kein Opfer des Verstandes bedeuten

und für andere scheint es geradezu

notwendig, dass sich Glaube und Denken

wie zwei völlig voneinander unabhängige

Planeten verhalten.

Das Problem ist so alt wie das Christentum.

Während im 2. Jahrhundert

die Apostolischen Väter den christlichen

Glauben noch vehement gegen die Philosophie

ihrer Zeit abzugrenzen ver-

suchten mit Sätzen wie »Credo, quia

absurdum« (Ich glaube, weil es widersinnig

ist), setzte mit der Gründung der

ersten christlichen Akademien im Altertum

bereits eine intellektuelle Auseinandersetzung

mit der Botschaft der Bibel

ein. »Credo, ut intelligam« (Ich glaube,

um zu verstehen), heißt es darum bei

Anselm von Canterbury. Die Denknotwendigkeit

des Glaubens versucht dann

insbesondere der mittelalterliche Theologe

Abälard herauszustreichen: »Nihil credendum,

nisi prius in tellectum« (Nichts

ist zu glauben, wenn es nicht vorher verstanden

worden ist).

Schon sehr früh ist allen bewusst, die

über das Verhältnis von Glauben und

Denken ihre Nachforschungen anstellen,

dass der Glaube ein sehr vielschichtiges

Beziehungs geflecht zwischen Gott und

Mensch ist. Es geht um historisches Wissen

und die bloße Anerkenntnis Gottes

genauso wie um den Gott entgegengebrachten

Glauben und das unbedingte

Vertrauen auf ihn. In dieser Mehrschichtigkeit

finden auch Glauben und Denken

zueinander. Denn die Zusammenhänge

der Bibel erfordern geradezu eine verstandesmäßige

und intellektuelle Durchdringung,

während die Gewissheit des

Glau bens, dass Jesus mein Herr und Heiland

ist, der für mich gestorben ist, der

mir meine Sünden vergibt und mich vom

Tod erlöst, eine Erfahrung ohne wissenschaftliche

Be weisbarkeit bleibt. Weil der

ewige Gott unendlich viel größer ist als

wir Menschen, übersteigt auch der Glaube

notwendigerweise unser Denken (vgl.

Philipper 4, 7).

Faszinierend aber ist, dass der

christliche Glaube von allen Gelehrten

dieser Welt nicht zu Ende gedacht

werden kann, während allerdings

ein kleines Kind bereits fähig ist, das

Wesen des Glaubens in sich aufzunehmen.

So kann der Glaube zwar nicht aus

dem Denken erschlossen werden, aber er

schließt ein Denken in sich.

Weit entfernt ist der Glaube jedoch

von einem »Nicht-genau-wissen« und

»Für-wahr-halten«. Glaube im neutestamentlichen

Verständnis bedeutet immer

ein Höchstmaß an Wissen, eine über alles

Wissen hinausreichende Gewissheit.

Letztlich kommen Glaube und Denken

auch gar nicht ohne eine gegenseitige

Durchdringung aus. Wissender Glaube

und glaubendes Wissen entsprechen vielmehr

einander.

Was aber ist nun mit dieser gegenseitigen

Bezugnahme gemeint? Niemand

soll den Verstand an der Garderobe abgeben,

wenn er in den Bibelkreis geht.

Es ist wichtig, die Berichte der Bibel mit

möglichst viel Kenntnis und Sachverstand

zu erschließen, damit das Wort des Glaubens

unser Herz erreichen kann. Denn je

mehr ich verstehe und ein sehe, umso erstaunlicher

und beeindruckender wird mir

die Zuwendung Gottes für mein Leben.

Gute Kommentare und theologische Begleitlektüre

sind daher unver zichtbar für

das Wachstum im Glauben. Der Heilige

Geist will uns zu mündigen Christen machen,

die Freude am Denken haben.

Pfarrer Dr. Thomas Hohenberger

Hof/Saale

* Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutesta mentlichen Verkündigung, Nachdruck

der 1941 erschienenen Fassung hg. v. Eberhard Jüngel, Beiträge zur evan gelischen Theologie 96, München 1985, S. 16.


Glaube und Erfahrung

Erfahrung contra

Erkenntnis?

Im Sommer habe ich auf Korsika ein

ganz besonderes Exemplar eines Olivenbaums

entdeckt. Das heißt: Eigentlich

waren es zwei Olivenbäume. Aber das

konnte man nur bei ganz genauem Hinsehen

erkennen. Denn in der Krone waren

sie zusammengewachsen und bildeten

ein gemeinsames Dach. Und ihre Stämme

waren ineinander verschlungen, wie

bei einer innigen Umarmung. Sie haben

mich richtig berührt, wie sie so dastanden

in ihrer einzigartigen Zweisamkeit.

Dieses wunderbare »Baum-Paar« fiel

mir ein zum Thema »Glaube und Erfahrung«,

weil ich mir so das Miteinander

von Glaubenserkenntnis und Glaubenserfahrungen

bildlich vorstelle:

Für ein lebendiges, krisenfestes Christsein

sind beide wichtig. Sie brauchen sich

gegenseitig als Ergänzung. Erst zusammen

ergeben sie einen festen und lebendigen

Glauben. Kommt aber eins ohne

das andere daher, dann ist der Glaube

krisenanfällig.

Was fehlt der Glaubenserfahrung ohne

die Glaubenserkenntnis?

Ganz einfach: das feste

Fundament!

Erkenntnis setzt sich aus vielen einzelnen

Kenntnissen zusammen. Und je

mehr wir als Christen über unsere Glaubensgrundlagen

wissen, desto klarer wird

auch die Vorstellung darüber, was wir

glauben. In unserer vernetzten Welt ist

die geistige Auseinandersetzung mit den

unterschiedlichsten Weltanschauungen

ein absolutes Muss geworden. Ohne das

Basis-Wissen unseres Glaubens können

wir uns weder angemessen verteidigen

gegen verbale Angriffe noch Suchenden

im religiösen Supermarkt unserer Tage

eine Orientierungshilfe bieten.

Aber beides will Gott! Er will uns unseres

Glaubens gewiss machen. Und Gewissheit

steht in engem Zusammenhang

mit Wissen. Dazu hat er uns sein Wort

an die Hand gegeben. Es zeichnet uns

Christen aus, dass wir über Jahrtausende

hinweg gesicherte, gut und sorgfältig

überlieferte Schriften haben. Es liegt an

uns, diese Schätze zu heben. Gewissheit

des Glaubens braucht das Wissen über

den Glauben!

Zugegeben: als »Fastfood« ist dieses

Wissen nicht zu haben. Es braucht Zeit,

Geduld und Anleitung, wenn man sich als

Anfänger im Glauben an diese Aufgabe

wagt. Aber viele »Lehrer im Glauben« arbeiten

jedes Jahr hart an Bibellesehilfen

für alle Alters- und Bildungsstufen. Lasst

diese Arbeit nicht umsonst getan sein!

Macht euren Glauben fit und »nehmt immer

mehr zu an der Erkenntnis« – so

hat schon Paulus die jungen Christen ermahnt.

Was fehlt der Glaubenserkenntnis

ohne die Glaubenserfahrung?

Ganz einfach: das Leben!

Christlicher Glaube ist ja keine Theorie,

sondern eine lebendige Beziehung. Am

Anfang steht ein »Ja« – ja, ich will zu dir,

du auferstandener Herr, gehören! Daraus

wird ein täglicher Gedankenaustausch:

Ich höre auf die Worte, die mein Herr

gesagt hat und erzähle ihm mein Leben.

Nicht immer passt mein Leben zu seinen

Worten. Dann beginnt eine spannende

Auseinandersetzung:

Wer weiß besser über mein Leben Bescheid?

Glaube ich meinem Herrn, dass

er es gut mit mir meint? Kann ich ihm

vertrauen? Wo bleibt seine Hilfe?

In diesem Miteinander von Glauben

und Leben macht jeder Christ wunderbare

Glaubenserfahrungen:

Dass Gott persönlichste Gebete erhört.

Dass Gott Wünsche erfüllen kann. Dass

sich Gottes Zusagen aus seinem Wort

haargenau im eigenen Leben ereignen.

Dass in schweren Zeiten Gottes Liebe und

Nähe fast greifbar wird und selbst durch

dunkle Tage trägt.

Diese Erfahrungen verleihen dem

Glauben Flügel. Das Leben wäre um

vieles ärmer ohne sie. Deshalb gehören

Glaubenserfahrungen elementar zum Leben

als Christ. Sie bestärken uns darin,

dass unser Glaube keine ausgeklügelte

Theorie ist, sondern ein Lebensangebot

mit einer lebendigen Beziehung zu Jesus

Christus.

Damit Glaubenserfahrung und Glaubenserkenntnis

zusammenwachsen ...

Aber dann gibt es auch ganz andere

Zeiten: die Erfahrungen bleiben aus. Es

ist, als ob Gott sich aus meinem Leben

zurückgezogen hätte. Heiße Gebetswünsche

gehen nicht in Erfüllung. Gottes

Wort erreicht nicht mein Herz.

Fällt dann mein Glaube in

sich zusammen?

Wenn er nur erfahrungsorientiert ist,

besteht diese Gefahr!

Da braucht die Glaubenserfahrung

eine feste Stütze: die Glaubenserkenntnis!

Sie ist wie ein Kompass, der mich

sicher durch Glaubenkrisen navigieren

kann, denn Gottes Wort behält seine Gültigkeit

unabhängig von kurzfristigen Tageserfahrungen.

Das Wissen um Gottes

Handeln an der Welt und an mir – das

ist und bleibt unabhängig von meinen

Befindlichkeiten. Schließlich handelt es

sich dabei um Heils-Tatsachen, die ich mir

jederzeit vergegenwärtigen kann!

Und da wäre noch die andere

Glaubens«praxis« zu erwähnen, die die-

17

sen Namen schon nicht mehr verdient:

der Versuch, den christlichen Glauben auf

das »Glaubens-Wissen« zu beschränken.

Da gibt es nur selten eine Verbindung

zum Lebensalltag. Deshalb gibt es auch

keine Glaubenserfahrungen. So ein Glaube

bleibt leblos und schafft sich irgendwann

selbst ab.

Mein Wunsch für die »Life-Leser«:

Sorgt dafür, dass euer Glaube so wächst

wie die beiden Olivenbäume:

Dass Glaubenserkenntnis und Glaubenserfahrung

sich umschlingen, sich

gegenseitig stützen und tragen und miteinander

ein schützendes Glaubensdach

abgeben gegen Lebensstürme jeder Art.

Silke Traub

Foto: Anna-Lena Thamm/cydonna/photocase.comm

I M P U L S


O R I E N T I E R U N G

»Bekennen und verwerfen«

18

er ja sagt, entscheidet sich.

Viele andere Möglichkeiten kommen

nicht mehr infrage. Wer die Wahrheit

gefunden hat, hat die Freiheit gefunden.

Auch die Freiheit, nein zu sagen. Das ist

nicht intolerant, sondern der Wahrheit

geschuldet.

Nichts ist der Wahrheit lieber als dass

nach ihr gefragt wird, denn dann kann

sie sich als wahr erweisen. Oft entfaltet

sie ihre Kraft, wenn die Alternativen präsentiert

werden. Sie freut sich deshalb

auf die Zweifelnden, die Prüfenden, ja

sogar auf die Ablehnenden. Die biblische

Wahrheit beruft sich auf die Offenbarung

Gottes an die Menschen. Ihre Kraft entfaltet

sie in Menschen, die begonnen haben,

ihr zu vertrauen. Mit ihrem Leben sind sie

Zeugen für die Kraft der Wahrheit.

In Zeiten der Beliebigkeit, in Zeiten

der Auseinandersetzung, in Zeiten der

Drangsal, in Zeiten der Anfechtung – also

eigentlich fast immer, sind wir herausgefordert

ja oder nein zu sagen. Christen

müssen das nicht allein bewältigen. Die

Gemeinde stellt sich mit ihren vielen

Diensten, Gaben und Fähigkeiten dieser

Aufgabe und unterstützt auch so den einzelnen

Christen.

Das Ringen um die Wahrheit wie sie

uns in der Heiligen Schrift gegeben ist,

hat zu allen Zeiten die Christen umgetrieben.

Wie muss die Schrift verstanden

werden? Wer darf sie verbindlich auslegen?

Wer hat das Recht, Schlussfolgerungen

für aktuelle Herausforderungen

zu ziehen?

Das Reden und Tun der Wahrheit führt

zur Vergewisserung des Weges, aber

auch zu Unterscheidung und Trennung.

Oft fragen sich Christen: Muss denn nicht

die Liebe alles Trennende aufheben? Die

Foto: ©Gräfin./photocase.com W

gegenseitigen Verdammungen der Kirchen

und Christen gehören doch ins Mittelalter!

Die Liebe wird nur dauerhaft, wenn sie

von der Wahrheit getragen ist. Sie wird

kurzatmig und wirkt nicht heilsam, wenn

sie auf Kosten der Wahrheit wirken will.

Darum muss die Liebe auch Trennungen

aushalten und Unbequemes tragen. Allerdings

dürfen Christen nie den Anschein

erwecken, Letztgültiges über Menschen

sagen zu wollen. Das steht nur Gott zu.

In der Sache dürfen wir auch mal hart

streiten, ja und nein sagen, aber dabei

genau unterscheiden, welche Urteile Gott

zustehen und welche Aussagen wir machen

dürfen.

Die Heilige Schrift selbst fordert uns

heraus, unser Bekenntnis zu formulieren

und auszusprechen: »Du bist Christus,

der Sohn des lebendigen Gottes!«

steht im Matthäus-Evangelium, Kapitel

16, Vers 16. Petrus sprach es aus. Jesus

Christus markiert den Unterschied zwischen

Gott und den anderen Göttern. Er

ist der Sohn des lebendigen Gottes, der

von sich sagt: »Ich bin die Wahrheit.«

– Die Wahrheit, die Petrus aussprechen

konnte, ist geschenkte Wahrheit. Gleich

im folgenden Vers lesen wir den klarstellenden

Satz des Jesus Christus: »Du

darfst dich freuen, Simon, Sohn des Jona,

denn dieses Wissen hast du nicht von

Menschen. Es ist dir von meinem Vater

im Himmel eingegeben worden.« – Dieser

Fakt wehrt alle Selbstgerechtigkeit und

Selbstgefälligkeit ab und führt zur Demut.

Wenn wir die Wahrheit bekennen,

zum Beispiel im Gottesdienst, loben

wir Gott. Wir loben Gott, wenn wir

auf der Arbeit Wahres und Schönes über

Gott sagen. Wir loben ihn, wenn wir der

Gesellschaft wahre Worte sagen in einer

Weise, die sie hören und verstehen kann.

Oft wird sie sich nicht danach richten. Damit

müssen wir rechnen. Aber die Wahrheit

muss ausgesprochen werden, damit

Menschen Gott loben. Und wir loben Gott,

wenn wir mit Schwestern und Brüdern um

die Wahrheit ringen – in geschwisterlicher

Weise. Nur sehr selten wird die Gemeinde

herausgefordert, Bekenntnis und Ablehnung

gemeinsam zu formulieren. Aber

auch dann bleibt sie geschwisterlich, weil

sie die Menschen an die biblische Wahrheit

zu erinnern hat. Sehr deutlich geschah

dies 1934 in der Theologischen Erklärung

der Bekenntnissynode von Barmen.

Geistesgegenwart und Mut sprechen

aus jeder Zeile, wenn man bedenkt, dass

Adolf Hitler zu seinem Höhenflug ansetzte.

Ihm, dem ganzen System und dem deutschen

Volk wird in These vier vorgehalten:

»Wir verwerfen die falsche Lehre, als

könne und dürfe sich die Kirche abseits

von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen

ausgestattete Führer

geben und geben lassen.« (Evangelisches

Gesangbuch, Nr. 810)

Der Bekenntnissynode von Barmen

öffnete sich die Wahrheit der Heiligen

Schrift. Leider folgten längst nicht alle

diesem Bekenntnis. Auch im CVJM verrauten

viele dem Führer und gehorchten

ihm mehr als dem lebendigen Gott. Das

Überhören der Wahrheit führt in furchtbare

Sackgassen und Katastrophen.

Richtiger, wahrer Glaube trägt gute

Früchte. Er lässt fröhlich werden, er hat

den Blick Gottes auf diese Welt, er liebt

die Menschen, die Jesus retten will und

ist gewiss, dass Jesus hält, was er versprochen

hat. »Ihr werdet die Wahrheit

erkennen, und die Wahrheit wird euch

frei machen.«

Thomas Brendel


Geschichte der Barmer Erklärung

Dass im Jahr 1933 Adolf Hitler zum

Reichskanzler gewählt wurde, das ist

bekannt. Dass im gleichen Jahr Kirchenwahlen

stattfanden, die der sog. Glaubensbewegung

»Deutsche Christen« in fast allen evangelischen

Gemeinden eine klare Mehrheit verschaffte, das

ist vergessen.

Die »Deutschen Christen« waren eine innerkirchliche

Bewegung, die das kirchliche Leben

auf den Kurs des »nationalen Aufbruchs« bringen

wollte. Die »Deutschen Christen« betrieben

aktiv die Gleichschaltung von Kirche und Staat.

Nicht vergeblich hat sich Adolf Hitler vor der

Kirchenwahl für die Glaubensbewegung ausgesprochen:

»Im Interesse des Wiederaufstiegs

der Deutschen Nation ... wünsche ich daher

verständlicherweise, dass die neuen Kirchenwahlen

in ihrem Ergebnis unsere neue Volks-

und Staatspolitik unterstützen werden.«

Einen Dämpfer bekam die Begeisterung

nach einer Massenveranstaltung der Deutschen

Christen im Berliner Sportpalast. Dort hatte

der Hauptredner u. a. gefordert: »Wir erwarten,

dass unsere Deutsche Volkskirche sich frei

macht von allem Undeutschen in Gottesdienst

und Bekenntnis, insbesondere vom Alten Testament

und seiner jüdischen Lohnmoral.«

Solche Äußerungen, die Gründung einer

Reichskirche und Berufung eines Reichsbischofs

war dann doch vielen Evangelischen zu viel. Mit

ihrem Glauben, ihrem Verständnis von Bibel und

Bekenntnis war die Einführung des Führerprinzips

in der Kirche nicht zu vereinbaren.

Der Protest führte über die Bildung von bekenntnistreuen

Gruppen und Vereinigungen

(z.B. Pfarrernotbund), freien Synoden zu der

»Bekenntnisgemeinschaft

der Deutschen

E v a n g e l i s c h e n

Kirche«, die nach

einem Bekenntnisgottesdienst

im Ulmer

Münster (22.

April 1934) beanspruchte,

die rechtmäßige

evangelische

Kirche in Deutschland

zu sein.

Zur Klärung der eigenen

Position und zur

Orientierung für alle

Evangelischen sollte

eine Bekenntnissynode

dienen. Die theologische

Basis wurde Pfr.

Hans Asmussen , Prof.

Karl Barth und OKR Thomas

Breit erarbeitet.

Die Synode selbst wurde nach (Wuppertal-)

Barmen gelegt. Sie tagte vom 29. bis 31. Mai

1934. So wichtig für das Gelingen die theologische

Basis (»Die Theologische Erklärung der

Bekenntnissynode von Barmen«) war, so wichtig

war das Management des Barmer Pfarrers

Karl Immer und die vielseitige Unterstützung

der Gemeinde Gemarke.

Der vollständige Text der Erklärung (siehe:

http://www.ekd.de/bekenntnisse/142.html)

würde den Umfang dieses Beitrags sprengen,

deshalb beschränke ich mich auf eine Kurzfassung.

E R S T E N S Jesus Christus ist das eine Wort

Gottes an die Gemeinde.

Das ging gegen die Irrlehre: »Ein Volk – ein

Reich – ein Führer – ein Glaube«.

Z W E I T E N S Jesus Christus allein befreit

seine Gemeinde und beansprucht sie total.

Wir Christen haben keinen anderen Herrn als

Christus. Es darf keinen totalen Staat geben, wo

Christen etwas zu sagen haben.

D R I T T E N S Kirche von Jesus Christus ist

eine geschwisterliche Gemeinschaft allein

unter Gottes Gebot.

Die politischen Parolen »Juden raus!«,

Staatsfeinde raus!« werden von der Kirche nicht

übernommen.

V I E R T E N S In der Gemeinde gibt es keine

Herrschaft des einen über den anderen.

Die »Deutschen Christen wollten das »Jawoll,

mein Führer!«, das »Ja- und Amen sagen«

durchsetzen.

F Ü N F T E N S Das ist der Wille Gottes: Dass

staatliche Ordnung allen Menschen den

notwendigen Lebensraum bewahrt.

Der Staat kann nicht mit »Sachzwängen«

alles rechtfertigen. Wenn doch müssen wir um

Jesus willen widersprechen.

S E C H S T E N S Die Kirche verkündet die Bot- 19

schaft des Evangeliums – und nur das!

Der Geist der Zeit ist nicht Gottes Geist.

(nach: vom Baur/Schönborn, Barmen 1934.

München/Offenbach 1984)

Die erste Bekenntnissynode in Barmen ist

und bleibt ein Höhepunkt und das in doppelter

Hinsicht:

E R S T E N S Sie schafft Klarheit, was die Grundlagen

des christlichen Glaubens sind. So entsteht

durchaus eine Verbindung zu den Bekenntnissen

der Reformation.

Z W E I T E N S Sie ist ein deutliches Zeugnis für

die Christen in den verschiedenen Konfessionen

und Landeskirchen.

Wilfried vom Baur

G E S C H I C H T E


G L O S S E

Cartoon: Jörg Peter/comiczeichnner.de

20

Was wir nicht glauben

Also mal ganz unter uns: Es ist schon manchmal eine heftige Zumutung,

was einem so an »Glauben« abverlangt wird:

Ein Pfarrer predigt über die

Erschaffung der Eva. Er liest:

»Und Eva war …«, schaut die Gemeinde

an, verblättert sich in der Bibel,

gerät auf die Seite, wo vom Bau der

Arche Noah berichtet wird, merkt es

aber nicht und liest weiter: »… 300 Ellen

lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen

hoch und innen wie außen verpicht

mit Pech.« Dann schaut er die Gemeinde

an und sagt: »Dass die Eva

so lang, so breit und so hoch war, das

kann man noch verstehen. Denn sie

war schließlich die Mutter aller Lebenden.

Dass sie aber innen wie außen

verpicht war mit Pech, das kann man

nicht mehr verstehen, das muss man

einfach glauben.«

Da wird einem also zugemutet, den

größten Mist zu glauben.

Ich glaubs einfach nicht.

Es ist auch noch nicht lange her, da

war es Mode, bei verschiedenen Gottesdiensten

statt des Apostolischen

ein vom Prediger formuliertes »neues«

Glaubensbekenntnis nachzusprechen.

Da sollten zum Beispiel alle Gottesdienstbesucher

glauben, was die persönliche

Meinung des Predigers über

Jesus Christus, das Evangelium und

die gerade herrschende Politik war.

Oft sah ich bei solchen so genannten

»Glaubensbekenntnissen« Karl Marx

hinter dem Altar hervor blinzeln.

Man glaubt es einfach nicht. Dem

schon gar nicht.

Neuerdings wird landauf, landab

wieder einmal geglaubt, dass jeder, der

nur richtig glaubt, nie krank wird und

mit 104 Jahren bei bester Gesundheit

das Zeitliche segnet. Und außerdem –

so glaubt man – würde man als Christ

immer auf der Erfolgsspur durchs Leben

segeln und im Reichtum baden, wie

weiland Dagobert Duck. Das glaube,

wer will. Mit der Bibel hat das jedenfalls

nichts zu tun, eher mit Wunschträumen

von Wohlstandsbürgern oder solchen,

die es gerne sein möchten.

Da höre ich doch, wie der Apostel

Johannes in 1. Joh. 4,1 mahnt: Geliebte,

glaubt nicht jedem Geist, sondern

prüft die Geister, ob sie von Gott sind.

Denn es sind viele falsche Propheten

ausgegangen.

Wenn diese autorisierten Zeugen,

die uns ständig zum Glauben an Jesus

einladen, ein »Glaubt nicht!« aussprechen,

dann will ich ihnen wirklich

glauben.

Rainer Dick


Jugendbibeltag 2009

Freu' dich vor!

20./21.

Juni 2009

Torsten Hebel

Manfred Lütz

und viele andere!

Johannes Berthold

Eisstadion Crimmitschau/Sachsen | www.gemeindebibeltag.de

Missionarischer Einsatz auf Korsika

im Sommer 2009. In der Hauptreisezeit suchen

wir junge Christen (ab 18 Jahre) mit guter Erfahrung

in der Kinder- und Jugendarbeit, die ein flottes und

missionarisches Programm durchführen. Räume sind

dafür vorhanden. Das Ferienzentrum »Pinea« ist wunderschön

direkt am Strand gelegen und wartet auf motivierte

junge Christen, die mindestens drei Wochen Einsatz bringen

wollen. Der Einsatz kann als »soziales Kurzpraktikum«

bestätigt werden. Reise wird finanziert und ein kleines Taschengeld

wird bezahlt. Infos bei: Pfarrer Hermann Traub,

Südhangstraße 17, 76703 Kraichtal-Oberöwisheim, Telefon

(0 72 51) 3 22 96 48, eMail: traub@cidnet.de

Gemeindebibeltag 2009

Bilder und Texte dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion veröffentlicht werden. Bilder ohne Quellenangabe sind aus unserem Archiv.

21

P I N N W A N D


P R A X I S

22

Glaubenskurse

Ist der Glaube in Kursen erlernbar?

ls ich Konfirmand war, mussten

wir den ganzen kleinen Katechismus

vom Martin Luther auswendig lernen.

Oder genauer gesagt: Wir sollten ihn

auswendig lernen. Denn dieses Lernziel

des Konfirmandenunterrichts wurde bei

mir nicht erreicht. Zu unverständlich waren

mir die Formulierungen, zu weit weg

von meinem Leben die Inhalte. Also habe

ich mich so durchgemogelt. Ich denke,

das ging nicht nur mir so. Einige Jahre

nach meiner Konfirmation wurde dann

auch das sture Auswendiglernen von

Katechismusinhalten aufgegeben. Was

als Fortschritt bezeichnet wurde, hat die

Sache aber nicht besser gemacht: Nun

kennen noch weniger Menschen das achte

Gebot oder können das Glaubensbekenntnis

auswendig aufsagen.

Cartoon: Jörg Peter/comiczeichnner.de A

Was sich bei den Menschen aber nicht

geändert hat sind die Fragen, die das Leben

so aufwirft: Was ist Glück, wie autonom

bin ich wirklich, was ist gut? Wofür

bin ich in meinem Leben verantwortlich?

So ist es wohl kein Zufall, dass in den

letzten Jahren Glaubenskurse entstanden

sind die versuchen, diesem Defizit

entgegen zu wirken. Sie versuchen,

Jugendliche und Erwachsene für einen

überschaubaren Zeitraum anzusprechen.

Glaubensinhalte sollen vermittelt werden.

Aber nicht mehr als stures Auswendiglernen,

wie ich es noch erlebt habe. Vielmehr

werden Glaube und Leben mitei-

nander in Verbindung gebracht. Es wird

(wenigstens exemplarisch) Gemeinschaft

angeboten und gelebt. Und schließlich

werden Rituale des Glaubens kennergelernt

und eingeübt. Den Glauben einfach

mit Hilfe eines Glaubenskurses zu lernen,

wird nicht gelingen. Aber, es geht

darum, den Menschen einen Hinweis auf

Gott und Jesus Christus zu geben, indem

Glaubensinhalte (Kenntnisse und

Haltungen) in verständlicher Form dargelegt

und begründet werden und indem

Glaubensleben exemplarisch eingeübt

werden.

Martin Luther meinte, dass jeder

Christ fünf Hauptstücke des Glaubens

unbedingt kennen müsste. Für ihn

waren das: Die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis,

das Vaterunser sowie

ein Grundwissen über Taufe und Abendmahl.

Er wusste genau, warum er seinen

Katechismus schrieb: »Denn ich

kann mir die Zeit noch gut denken, ja

es kommt noch alle Tage vor, dass man

unwissende, alte, betagte Leute findet,

die von all dem gar nichts wissen, und

doch gehen sie gleichwohl zur Taufe und

zum Sakrament und machen von allem

Gebrauch, was die Christen haben.« Dieser

Satz hat 480 Jahre später leider eine

beängstigende Aktualität (und nicht nur

mit Blick auf »alte, betagte Leute«)! Nun

kann man natürlich fragen, ob das alles

wirklich nötig ist? Ob es nicht genug ist,

in Jesus Christus den persönlichen Hei-

land und Retter zu kennen und angenommen

zu haben? Ob also dieser ganze

»Wissenswust« wirklich nötig ist?

Hier hilft ein Blick in die Bibel weiter:

Der Zusammenhang von Glaube und

das notwendige Wissen über bestimmte

Sachverhalte ist schon im Neuen Testament

zu erkennen. »Wenn du mit deinem

Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist

und in deinem Herzen glaubst, dass ihn

Gott von den Toten auferweckt hat, so

wirst du gerettet«, schreibt Paulus im

Römerbrief (10,9). Damit intoniert er die

zwei Aspekte, die den Glauben bis heute

bestimmen: Zum einen, der Glaubensakt

des Bekennens, und zum anderen, das

Für-wahr-halten und glauben bestimmter

Glaubensaussagen.

Für beides stellen Glaubenskurse einen

Raum dar. Sie sind keine reinen Veranstaltungen

der Informationsvermittlung,

sondern immer auch eine Praxisform

zur Einübung religiösen Lebens.

Wer sich über Glaubenskurse und ihre

Durchführung informieren möchte findet

unter www.glaubenskurse.de ein Vielzahl

von Anregungen. Unter www.glaubens

kursfinder.de ist eine CD-Rom erhältlich,

mit deren Hilfe man den richtigen Glaubenskurs

für die eigene Situation finden

kann. Zusätzlich gibt es viele Praxistipps

und Hintergrundinformationen zu Glaubenskursen

auf dieser CD.

Friedrich Rößner

1 M. Luther in seiner »Vorrede an jedermann« aus dem großen Katechismus von 1529. Aus: Der große Katechismus, Stuttgart 1977, S. 17

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