Life zum Download - CVJM-Landesverband Bayern

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Life zum Download - CVJM-Landesverband Bayern

Foto: life_is_live / photocase.com

42012

Juli/August

Volker Kamin

Da steckt mehr drin!

Silke Traub

Wunderbar gemacht?

Rainer Dick

Hallo, Madensack.

Wunderbar gemacht


G R U N D S A T Z

Foto: Midgard Designer / photocase.com

Hier geht’s erst mal um Sex

Wenn Paulus der Gemeinde in Korinth folgende

rhetorische Frage stellt: »Oder wisst

ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen

Geistes ist, der in euch ist und den

ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch

selbst gehört?« (1. Kor. 6,19), dann geht es

ihm nicht um die Pflege des menschlichen

Körpers durch ein ausgewogenes Sport- und

Ernährungsprogramm. Er redet in diesem

Abschnitt des Briefes an die Korinther Klartext

in Sachen käuflicher Sex. Nach dem

Motto »Mir ist als erlöstem Christ alles erlaubt.«

rechtfertigten einige Gemeindemitglieder

ihr ausschweifendes Sexleben und

ihren Besuch bei den käuflichen Frauen der

Stadt. Paulus hält dagegen: »Es mag zwar

alles erlaubt sein, aber nicht alles ist gut

für euch!« und: »Wer aber Unzucht treibt,

vergeht sich an seinem eigenen Leib.« Kurz

gesagt: Das tut nicht gut! Nun könnte man

sicher ausführlich über den letzten Satz und

den sexfeindlichen Paulus diskutieren. Ich

möchte aber im Hinblick auf den Titel dieses

Heftes »Wunderbar gemacht« lieber die körperfreundlichen

Aspekte dieser Paulus-Sätze

in den Blick nehmen: Paulus sieht die

Gefahr, dass man am eigenen Leibe sündigt,

wie es in der Luther-Übersetzung heißt

und macht die Korinther darauf aufmerksam,

dass ihr Leib ein Tempel des heiligen Geistes

ist. Er wertet unseren Körper also auf mit

dem Prädikat »Heiliger Geist Inside« und

posi tioniert sich damit eher körperfreundlich

als körperfeindlich.

Heiliger Geist Inside

Ein tolles Prädikat! Unser Körper ist nicht

nur eine Aufbewahrungshülle für unser Herz

und unser Gehirn. Da steckt mehr drin!

Paulus nennt ihn den Tempel des Heiligen

Geistes. Der Tempel war für die Juden der

Ort, an dem Gott wohnt, also das Zuhause,

die Wohnung des dreieinigen Gottes. Gott

wohnt in uns!

Die Medizin hat es schon lange festgestellt,

auch wenn die Mediziner nicht immer

danach handeln: Der Mensch besteht nicht

nur aus Knochen, Haut, Blut und Organen.

Geist und Körper hängen eng miteinander

zusammen und beeinflussen sich gegensei-

4 tig. Viele Menschen mit Burnout erfahren

das heute leidvoll. Der Druck im Arbeitsleben

wirkt sich auf unseren Körper aus, erschöpft

uns, lähmt unsere Widerstandskraft,

was sich wiederum auf unsere Psyche auswirkt.

Ein Teufelskreis, aus dem viele nicht

mehr ohne fremde Hilfe herauskommen.

Wenn wir diesen Zusammenhang zwischen

Geist und Körper akzeptieren und

das Paulus-Prädikat »Heiliger Geist Inside«

ernst nehmen, ergibt sich meines Erachtens,

dass wir Verantwortung für den Umgang mit

unserem Körper übernehmen müssen. Auch

die Tatsache, dass wir Geschöpfe Gottes

sind, die ihr Leben, mit allem was dazu gehört,

von Gott geschenkt bekommen haben

(siehe 1. Mose 2,7), sollte uns diese Verantwortung

vor Augen führen.

Da steckt mehr

Unser Körper als Tempel des


drin!

Heiligen Geistes

Wir wissen selbst genau, was

uns gut tut!

Trotzdem gehen wir oft mit unserem Körper

um, als hätten wir noch einen oder zwei

Ersatzkörper im Kleiderschrank hängen und

wissen dabei genau, u dass wir zweimal die

Woche unsere Ausdauer mit Schwimmen,

Laufen oder Radfahren trainieren sollten

u dass wir einen Ausgleich zu unserer oft

sitzenden Tätigkeit brauchen, damit wir unseren

Rücken entlasten und trainieren u

dass unser Körper eine ausgeglichene, gesunde

Ernährung und ausreichend Schlaf

benötigt u dass Alkohol, Nikotin und Drogen

keine Probleme lösen, sondern eher unsere

Gehirnzellen und unsere Beziehungen.

Wir – und nur wir selbst – haben die Verantwortung

für den Umgang mit unserem

Körper, besonders weil wir heute genau

wissen (können), was uns gut tut und was

schlecht für uns ist.

Mein Körper und ich

– eine Insel?

Wir sind als Menschen und Christen Gemeinschaftswesen

und sollten deshalb bei

aller Fürsorge für unseren eigenen Körper

nicht aus dem Blick verlieren, dass unser

Umgang mit unserem Körper auch immer

auf die Menschen in unserer Umgebung

wirkt: Auf unsere Partner, unsere Kinder,

Verwandte, Arbeitskollegen, Mitschüler/innen,

auf die Kinder in unserer Jungschar

oder die Teilnehmer/innen der Freizeiten,

die wir leiten. Was wir für uns tun, wirkt

sich auch immer auf andere Menschen aus,

positiv oder negativ. Wenn wir joggen, joggen

andere mit. Wenn wir trinken, trinken

andere mit. Wenn wir spielen, spielen andere

mit. Wenn wir Stress haben, machen

wir anderen Stress.

CVJM bewegt

Wenn wir uns als CVJM einen ganzheitlichen

Zugang zu den Menschen auf die Fahnen

schreiben (Body, Mind & Spirit – Körper,

Seele & Geist), dann müssen wir auch Verantwortung

für das körperliche Wohlergehen

der Besucher unserer Kreise, der Freizeiten

und unserer Mitarbeiter/innen übernehmen.

Der CVJM-Gesamtverband hat unter

anderem aus diesem Grund im vergangenen

Jahr die Kampagne "CVJM bewegt" mit einer

Aktionswoche im Mai gestartet. Bewegungsspiele,

Indiaca, CVJM-Hockey, Fußball,

Tischtennis, Klettern, Laufen – um nur einige

Beispiele zu nennen – sollten genauso

selbstverständlich zu unserem Repertoire

in der Jugendarbeit gehören wie Bibelarbeit

und Andacht. Wir sind es den uns anvertrauten

Kindern und Jugendlichen schuldig.

"CVJM bewegt" ist ein tolles Motto für eine

ganzheitliche CVJM-Arbeit: Wir bewegen unseren

Körper, die Seele und den Geist.

"CVJM bewegt" geht übrigens in diesem

Jahr in die zweite Runde mit einer weiteren

Aktionswoche vom 6. bis 14. Oktober. Infos

unter: www.cvjm-bewegt.de

Ganz persönlich – ganz

praktisch

Wie sitzt du jetzt gerade, wenn du diesen

Text liest? Aufrecht? Zusammengesunken?

Liegend? Setz dich doch mal ganz gerade hin.

Füße aufsetzen; Ober- und Unterschenkel im

90° Winkel; Brust raus und Rücken gerade.

Bleib einfach mal so gerade sitzen, solange

du den Text zu Ende liest.

Wie lange hast du dich diese Woche schon

bewegt? 30 Minuten? 60 Minuten? Mehr?

Welche Strecken hättest du auch zu Fuß

oder mit dem Fahrrad zurücklegen können?

Wer von deinen Freunden ist sportlich

unterwegs? Gäbe es da eine Möglichkeit sich

gemeinsam zu bewegen?

Alle diese Fragen helfen dir auch nicht

weiter? Ich wüsste einen Experten für hoffnungslose

Fälle. Jemanden, der es in den

letzten 2000 Jahren geschafft hat, Menschen

jeder Art zu bewegen.

Der Heilige Geist bewegt

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie

schön es auf der Couch vor dem Fernseher

ist, die Chipstüte in der Hand, die Füße

entspannt hochgelegt. Ich weiß auch wie

schwer es ist, sich in der dunklen Jahreszeit

nach der Arbeit noch einmal die Joggingschuhe

anzuziehen und sich auf den Weg in

die kalte Dunkelheit zu machen...

Ich weiß aber auch, wie wohltuend es ist,

seinen Körper zu bewegen, sich an der frischen

Luft auszutoben und hinterher eine

heiße Dusche zu genießen. Dann schmecken

die Chips auf der Couch doppelt so gut.

Lassen wir doch dem Heiligen Geist auch

einmal Raum und Phantasie um für unser

körperliches Wohl zu sorgen. Wenn er in

unserem Körper wohnen will, wird er sicher

daran interessiert sein, dass es ihm dort

auch gut geht. Er kann für die Freunde sorgen,

die uns zum Joggen abholen. Er kann

eine Sportart für uns finden, die uns wirklich

Spaß macht. Er kann uns das Durchhaltevermögen

schenken, das uns zum Start und

regelmäßigen Training oft fehlt. Vielleicht

schickt er uns aber auch nur einen guten

Freund, der uns in Bewegung bringt.

5

Da steckt mehr drin!

In unserem Körper steckt mehr drin! Das

Prädikat »Heiliger Geist Inside« adelt uns

und Adel verpflichtet ja bekanntlich. Er verpflichtet

dazu Verantwortung zu übernehmen.

Verantwortung gegenüber unserem

Körper und dem ganzheitlichen Wohlergehen

unserer Mitmenschen. Die Frage des

Paulus an die Korinther »Wisst ihr nicht,

dass euer Leib ein Tempel des Heiligen

Geistes ist?« ist eine ganzheitliche Herausforderung

an unser Leben. Es muss ja nicht

gleich ein Marathon sein, für den du ab morgen

trainierst. Auf jeden Fall steckt mehr in

dir drin, als du denkst!

Volker Kamin, CVJM-Gesamtverband

G R U N D S A T Z


S E E L S O R G E

6

Wunderbar gemacht?

Fragezeichen oder

Ausrufezeichen?!

Wetten, dass das Fragezeichen gewinnt?

Ich habe den Test schon mehrmals

gemacht (selbstverständlich nur

bei Frauen!). Bei passender Gelegenheit

habe ich gesagt: »Weißt du, dass

Du wunderschön bist?« Jedes Mal die

gleiche Reaktion: ein kurzes Zögern –

dann bekam ich eine längere Aufzählung

zu hören über das, was angeblich nicht

schön ist: Haare, Lippen, Busen, Oberschenkel

usw.

Im Blick auf ihr Aussehen sind die

meisten Menschen so selbstkritisch wie

sonst in keinem Punkt ihrer Persönlichkeit.

Warum? Weil sie größeres Vertrauen

in den Spiegel setzen als in das Wort

Gottes. »Ich danke dir dafür, dass ich

wunderbar gemacht bin ... das erkennt

meine Seele« – so bekommen wir es

in Psalm 139 vorgestellt, damit wir es

selbst auch so sehen lernen!

Fragezeichen im Blick auf unsere Person

lauern genug auf uns, von außen

und in uns selbst. Da ist es wichtig und

richtig, dass wir an diesem einen Ausrufezeichen

an Gottes Wort festhalten:

Wunderbar gemacht! Das soll gelten. Unantastbar!

»Spieglein, Spieglein

an der Wand …

Aber warum können wir das so schwer

gelten lassen? Warum sind wir so unzufrieden

mit unserem Aussehen?

Es geht uns wie Schneewittchens Stief-

mutter. Der Blick in den Spiegel ist nicht

nur ein betrachtender, sondern immer

zugleich ein vergleichender, misstrauischer

Blick: »Wer ist die Schönste/der

Schönste im ganzen Land?«

Dieser Blick ist deshalb so gefährlich,

weil es dabei nicht nur um mich geht,

sondern immer zugleich um meine Position

im Miteinander: Wie komme ich

dabei weg? Kann ich mithalten oder sogar

übertreffen? Im Vergleich hoffen wir

insgeheim, besser abzuschneiden. Damit

steigt in unseren Augen unser Selbstwert.

Aber damit manövrieren wir uns in

die verzweifelt aussichtslose Lage von

Schneewittchens Stiefmutter: überall

lauert mindestens noch ein Schneewittchen

oder ein Adonis.

Märchen oder Bibel?

Wie wäre es stattdessen mit einem

Blick in den Spiegel des Wortes Gottes?

Dieser Blick bringt uns zu einer weitaus

besseren Erkenntnis als jeder Spiegel:

»Denn du hast meine Nieren bereitet und

hast mich gebildet im Mutterleibe. Es war

dir mein Gebein nicht verborgen, als ich

»verwoben« wurde unten in der Erde (…)

Deine Augen sahen mich, als ich noch

nicht bereitet war, und alle Tage waren

in dein Buch geschrieben, die noch werden

sollten und von denen (noch) keiner

da war.« (Psalm 139, 13.15.16)

Der Beginn meiner Persönlichkeit –

beim Aussehen angefangen, über meine

seelische Struktur und sogar bis in meine

Lebensgeschichte hinein – liegt eben

nicht nur in Genen und Zufällen begrün-

det! Dahinter steht der große Schöpfer

höchst persönlich! Er hat mich zu der

Persönlichkeit »verwoben«, die ich bin!

Ein großartiges Wortbild: Der Schöpfer

selbst am »Webstuhl meiner Persönlichkeit«.

Er hat sich das »Muster« speziell

ausgedacht!!!

Die »Nieren« werden dabei extra genannt.

Sie sind der Ausdruck des Alten

Testaments für das »Gewissen« – d.h.

meine Ansprechbarkeit für diesen Gott,

das »Empfangsmodul« für ihn, meine

geistig-geistliche Dimension. Sie ist verwoben

mit meiner körperlichen Seite,

also nicht zu trennen von meiner Gestalt

und von meiner Seele. Und mein Schicksal

ist bei ihm beschlossen, d.h. von ihm

abgesegnet. ER kennt das »Tage-Buch«

meines Lebens von Anfang an!

Körper, Seele, Geist und Schicksal

verbindet dieser Gott zu einer einzigartigen,

unnachahmlichen Menschengeschichte:

Echt Ich! Mehr Ich gibt es nicht!

Und mit weniger Ich brauche ich mich

nicht abfinden!

So darf ich mich sehen und verstehen

lernen: ganz wunderbar und einzigartig,

ein Unikat dieses großen Gottes.

Mit diesem Wissen als Lebensgrundlage

kann ich jedem Spiegel standhalten. Kein

Mensch kann es mir je nehmen.

Ob ich das je begreife, was für ein

einmaliges Geschenk ich mir selbst sein

darf? Das ist meine Würde und mein

Wert. Also doch Ausrufezeichen: Wunderbar

gemacht!

Silke Traub


Meine Krone ist meine Fröhlichkeit

Interview mit Roland Walter

Zur Person: Roland Walter ist von Geburt an schwerstbehindert und auf Hilfe

anderer und auf seinen Rolli angewiesen. Wenn man ihm begegnet, sieht

man sofort seine schwere spastische Lähmung, die ihn an den Rollstuhl

fesselt. Aber wer ihn kennt, weiß, dass er sein Leben ganz aktiv gestaltet.

Er wagt sich immer wieder an Neues heran und mutet sich dadurch viel zu.

CVJM-Life: Roland, vielen Menschen,

die weniger körperliche Einschränkungen

haben als du, fällt es

schwer zu erkennen, dass sie »wunderbar«

gemacht sind und sie wünschen

sich, dass vieles in ihrem Leben

anders wäre. Wie empfindest du

das als ein Mensch, der stark eingegrenzt

leben muss?

Roland: Wohl jeder von uns möchte

hin und wieder in eine andere Haut

schlüpfen. Ich auch. Ja, das ist auch

menschlich. Du denkst, jetzt müsste es

einen Knall geben und du bist gesund,

nicht mehr behindert. Das halte ich auch

für möglich. Aber nur dann, wenn mich

Gott für andere Aufgaben gebrauchen

will. Denn ohne Behinderung hätte ich

für meine jetzigen Aufgaben keine Zeit

mehr. Also nimm dich so an wie du bist

und diene mit deinen Gaben Gott.

Du setzt deine Gaben und Fähigkeiten,

die du von Gott bekommen

hast, gerne und aktiv ein. Was sind

deine Gaben und wie hast du sie herausgefunden?

Kaum einer glaubt, dass Gott mich

trotz starker Behinderung mit so vielen

Gaben ausgestattet hat. Ich darf oft

Seelsorger und Berater für Teenager und

junge Erwachsene sein, weil ich gut zuhören

und wertvolle Tipps geben kann.

Tja, neben Jugend- und Infoabend werde

ich häufig zum Predigen eingeladen.

Außerdem darf ich Menschen mit meiner

Performance erfreuen.

Vermutlich gehen viele Menschen

etwas merkwürdig mit dir um, weil

sie nicht richtig wissen, wie sie dir

begegnen sollen. Was ist dein Tipp

für einen guten Umgang zwischen

behinderten und nichtbehinderten

Menschen?

Oft machen Leute um mich einen Bogen,

weil sie Angst haben, meine undeutliche

Aussprache nicht zu verstehen.

Oder sie antworten auf meine Äußerungen

einfach mit Ja, obwohl ich keine

Frage gestellt habe. Beides tut weh. Besser

ist, so lange nachzufragen, bis man

es verstanden hat. Das braucht einem

gar nicht peinlich sein.

Im Arbeitskreis »Perspektivforum Behinderung«

der evangelischen Allianz haben

wir in der Broschüre »Barrierefreiheit«

wichtige Tipps zusammengestellt,

wie man sich mit wenig Aufwand gut begegnen

und was man bei Veranstaltungen

berücksichtigen kann. Die Broschüre

kann man sich runterladen: http://www.

perspektivforum.org/download/pfb_barrierenfreiheit_broschuere_2008.pdf

Körperlich behinderte Menschen

zeigen ihre Stärken meistens auf

der geistigen Ebene. Du wagst dich

auch an körperliche Ausdrucksmöglichkeiten

heran. Du tanzt und gestaltest

Bilder, die sogar in einer

Ausstellung zu sehen sind. Warum

ist dir das so wichtig?

Ein glücklicher und

intelligenter König

plaudert aus seinem

Leben. Roland

Walter ist von Geburt

an schwerbehindert

und ständig

auf fremde Hilfe angewiesen.

Trotzdem

sagt er, er sei ein

König – ein König

der Lebensfreude. Der berührende Bericht

eines eingeschränkten und doch erfüllten

Lebens. Die ansteckende Energie und Ehrlichkeit

des Autors, sein ungebrochenes

Vertrauen in Jesus und sein trockener Humor

machen dieses Buch zu einer außergewöhnlichen

Autobiografie.

Leider leben wir in einer Gesellschaft,

in der man sich nicht mehr traut, echt zu

sein. Ich möchte damit Mut machen. Wir

dürfen zu dem stehen, was wir sind. Wir

brauchen uns nicht hinter Fassaden zu

verstecken. Und wir dürfen uns über das

Leben freuen. Ich möchte den Leuten

zeigen, dass die Schöpfung so schön ist.

In diesem Jahr ist dein Buch »König

Roland – im Rollstuhl durchs

Universum« erschienen. Du beschreibst

dich als einen König der

Lebensfreude. Woher nimmst du

diese Lebensfreude?

Eigentlich bin ich gar kein König. Ich

bin ein armer Behinderter, der ständig

auf fremde Hilfe angewiesen ist. Aber 7

nein. Ich bin doch ein König. Meine Krone

ist meine Fröhlichkeit und mein Königreich

ist die Freude am Leben. Und

positiv gesehen sind die Assistenten

meine Diener, liebe Menschen, die es mir

ermöglichen, ein selbständiges Leben zu

führen. Ja, ich bin glücklich, weil ich andere

mit meiner Fröhlichkeit anstecken

kann. Und wer froh und glücklich ist, ist

ein König. Dabei ist es wichtig, danach

zu schauen, womit man anderen dienen

und eine Freude bereiten kann. Und wer

anderen dient, erntet mehr als er sät.

Naja, wer mehr darüber wissen möchte,

kann ja mein Buch lesen oder mich kontaktieren.

www.roland-walter.de

Das Gespräch führte Mirjam Olsson.

I N T E R V I E W


G L O S S E

Foto: pakalou / photocase.com Bitte,

nicht auch noch der

CVJM, auch wenn er das Dreieck als Erkennungszeichen

hat! Ständig flimmern

uns schon Kochshows ins Wohnzimmer,

dass es einem geschmackvoll übel wird.

Penetrant werden wir mit Diät-Rezepten

traktiert, bei denen man nun wirklich

»dauerhaft abnehmen« kann.

Ununterbrochen wird uns eingebläut,

dass es eigentlich unverantwortlich ist,

Fleisch zu essen und wir uns lieber an

Sauerampfer und Vogelbeeren halten

sollten. Man wagt schon fast nicht mehr,

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für das Gulasch ein Dankgebet zu sprechen

und überlegt sich, ob nicht besser

eine vierwöchige Buße angebracht wäre.

Und nun auch noch der CVJM! Leute,

wo bleibt die Lebensfreude des Reformators,

der, weil »mein Gott den guten

Rheinwein und die großen Hechte geschaffen

hat«, sich diese auch munden

lassen wollte, der selbstironisch von dem

»feisten Doktor« sprach, den er »den

Maden zum Fraß« überlassen wollte?

Also, nichts gegen Fitness und Wellness,

oder wie die modernen ansteckenden

Krankheiten heißen. Aber wie

ist das mit mir?

Der morgendliche Blick in den Spiegel

führt zur Ernüchterung: Da ist kein

Hallo, Madensack.

Six-Pack, sondern eher ein Twelve-Pack

zu sehen. Von der früheren Haarpracht

ist auch nur ein Restbestand vorhanden,

bei dem man in die Versuchung kommt,

die einzelnen Haare mit Namen anzusprechen.

Und als ich neulich meinem Sohn beim

Renovieren geholfen habe, taten mir am

anderen Tag Knochen und Muskeln weh,

von deren Anwesenheit in meinem Körper

ich bis dahin überhaupt keine Ahnung

hatte. Also, was sagt mir das Thema?

Maßvoll essen? Eigentlich muss ich

mir das nicht sagen. Mein empfindlicher

Magen zeigt mir ganz schnell die

Grenzen auf. Aber die Versuchung, in

einem reichen Land auch reichlich zuzulangen,

ist schon real. Als ganz junge

Evangelisten bekamen wir von einem

alten gestandenen Zeugen Jesu, Erich

Schumann, die Mahnung auf den Weg:

»Achtet auf den ‚Evangelisten-Nacken’!

Ihr seid überall Gäste und werdet reichlich

bewirtet. Als unförmige Fleischklopse

seid Ihr kein ansprechendes Zeugnis.«

Verantwortungsvoll mit meinem

Körper umgehen? Hoppla, da

meldet sich schon wieder das schlechte

Gewissen: Man müsste mehr Sport

treiben. Man müsste mehr Rad fahren.

Man müsste weniger Bier trinken (tu ich

sowieso nur 14tägig), man müsste weniger

rauchen (tu ich überhaupt nicht),

man müsste weniger Auto fahren (dann

»Ade« allen, die mich um Dienste anfragen).

Und doch: Wenn in der Bibel steht,

dass »mein Leib ein Tempel des Heiligen

Geistes« ist, dann bin ich für den

Zustand dieses Tempels verantwortlich.

Taktvoll kleiden? Dafür sorgt schon

meine Frau. Die weiß, dass ihr Ehegatte

ein kleiner Schlamper ist, der

den bekleckerten Pullover, die speckigen

Jeans geflissentlich zu übersehen

scheint. »So kannst du nicht vor die Leute

treten. Da machst du dem Evangelium

keine Ehre.«Sie stellt aber auch seltsame

Überlegungen an, wenn sie fromme, junge

Moderatorinnen sieht, die einen Ausschnitt

zur Schau tragen, der Einblicke

bis zum Bauchnabel gewährt.

Vielleicht lass ich mir das ganze Thema

doch noch einmal durch den Kopf

gehen, denn wenn der gute Paulus im

1.Thessalonicherbrief schreibt: »Er aber,

der Gott des Friedens, heilige euch durch

und durch, und euer Geist soll ganz, mit

Seele und Leib, untadelig bewahrt werden

bis zur Wiederkunft unseres Herrn

Jesus Christus«, dann bekommt unser

Thema eine Ewigkeitsdimension. Und die

gilt es in jedem Fall zu beachten.

Rainer Dick


Wunderbar gemacht: das Dreieck

Im Durchschnitt haben gläubige

Menschen eine etwas höhere Lebenserwartung.

Sie leben gesünder und länger

als ihre Mitmenschen.« Zu dieser Erkenntnis

kam vor einigen Monaten eine Apothekenzeitung

aufgrund von Forschungsergebnissen

der Universität Bielefeld. Erforscht

wurde dort der Zusammenhang

von Glaube und Gesundheit.

Na gut, das mit dem längeren Leben

wussten wir Christen schon. »Wer an

mich glaubt, der wird leben, auch wenn

er stirbt«, sagt Jesus. »Länger« ist also

stark untertrieben, »ewig« wäre besser

formuliert.

Wie aber ist das mit dem gesünderen

Leben?

Keine Sorge, wir machen hier nicht

der Apothekenzeitung Konkurrenz. Es

gibt keine Ferndiagnosen, Gesundheitstipps

oder Ernährungsratschläge. Es

reicht völlig aus, auf den CVJM zu verweisen.

Besonders auf sein Logo, das

Dreieck also. Wir kennen es ja – die Einheit

von Leib, Seele und Geist sind damit

dargestellt.

Ein schönes Bild, ein toller Vergleich!

Vorausgesetzt, Anspruch

und Wirklichkeit entsprechen sich einigermaßen.

Dann hilft uns das Dreieck

vielleicht weiter. Was bedeutet denn die

vielbeschworene Einheit von Leib, Seele

und Geist? Ganzheitliche Arbeit natürlich,

schon klar. Und wie sieht die aus?

Bevor wir uns jetzt in unseren Arbeitsfeldern

und Programmplanungen

verlieren, missionarische Aktivitäten gegen

soziale Projekte gewichten und Bildungsangebote

mit Sportprogrammen

vernetzen, etwas Grundsätzlicheres.

Ganzheitlicher als alle unsere Programme

ist der Mensch selbst. Jeder

Mensch und deswegen auch alle, mit

denen wir es im CVJM zu tun haben. Sie

sind mehr als ein Kopf, den man schulen

kann oder ein Körper, der gesund erhalten

werden sollte. Auch mehr als ein

Herz, das wir für Gott öffnen möchten.

Jeder Mensch ist alles auf einmal. Alles

gleichzeitig.

So ganzheitlich können wir uns

wahrnehmen und begegnen, egal

bei welcher Gelegenheit. So sieht und

begegnet uns auch Gott selbst. Leib,

Seele und Geist – bei ihm hat das immer

etwas miteinander zu tun.

Deshalb ist Gesundheit mehr als nur

körperliche Fitness, gesund soll auch

meine Seele sein. Und Bildung ist mehr

als Kopfsache, es gibt auch eine Herzensbildung.

Eine Bekehrung zu Gott

ist mehr als nur eine geistliche Hinwendung

zu ihm. Es ist auch eine Bekehrung

zu mir selbst. Zu den Gaben, die ich

habe, dem Körper, der mir gehört, den

Lebensumständen, in denen ich stehe.

»Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Mein ganzer Mensch verlangt nach

dir.« heißt es in Psalm 63,2. Das Dreieck

erinnert uns auf seine Weise daran,

dass wir vor Gott ganze Menschen sind.

Und als solche wunderbar von ihm gemacht.

Mit allem, was uns auszeichnet

oder scheinbar auch fehlt.

Vielleicht genügen wir nicht allen

Schönheitsidealen oder sind nicht topfit.

Vielleicht hat es nicht zum Abi mit

Auszeichnung gereicht. Vielleicht sind wir

keine Glaubenshelden mit unerschütterlichem

Mut. Sein Prädikat »wunderbar

gemacht« gilt dennoch, er sieht uns im

Ganzen. Und darum möchte ich Menschen

auch gern so sehen oder selbst von ihnen

gesehen werden – egal ob mit oder ohne

Dreieck. Wenn das nicht gesund ist!

Wolfgang Freitag

Schenke mir eine gute Verdauung,

Herr,

und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes

mit dem nötigen Sinn dafür,

ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine Seele,

der die Langeweile fremd ist,

die kein Murren kennt und kein Seufzen

und Klagen,

und lass nicht zu,

dass ich mir allzu viel Sorge mache

um dieses sich breit machende Etwas,

das sich »Ich« nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,

gib mir Gnade, einen Scherz zu verstehen,

damit ich ein wenig Glück kenne im

Leben

und anderen davon mitteile.

Thomas Morus

Aus dem Evangelischen Gesangbuch

(Ausgabe für die Ev.-Luth. Kirchen

in Bayern und Thüringen)

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P E R S P E K T I V E


M E D I T A T I O N

Foto: Nanduu / photocase.com Warum

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ich dich so gemacht habe

Ein Brief von Gott, deinem Vater und Schöpfer an DICH

Mein liebes Kind, ich habe dich

wunderbar gemacht. Ich weiß,

es fällt dir schwer, das auch so für dich

zu erkennen und innerlich zu bejahen.

Ich verstehe das gut. Du lebst in einer

Welt, in der Schönheit klar definiert ist.

Das ist bei mir nicht so. Ich habe alle

meine Geschöpfe wunderbar gemacht.

Manchmal trösten dich meine Worte,

oft aber hast du das Gefühl, dass du

überhaupt nicht so wunderbar bist.

Du hast vielleicht festgestellt, dass du

nicht so gut reden kannst wie andere,

dass du dein Leben nicht so gut auf die

Reihe bekommst, wie es andere können,

dass du nicht so eine gute Figur hast,

wie sie andere haben. Du stellst fest,

dass dein Körper und deine Seele nicht

immer so in der Balance sind, wie du es

dir wünschst. Über deinen Sorgen bist du

krank (geworden). Immer wieder sagst

du mir, was dich an dir selbst stört und

was dich unzufrieden macht. Du fragst

dich, wie es sein kann, dass ich behaupte,

dich wunderbar gemacht zu haben!

Vielleicht verwechselst du das Wort

»wunderbar« mit »perfekt«? Und dein

Blick sieht dabei auf das, was dir fehlt

und was du an dir vermisst. Du schaust

zu anderen Menschen und möchtest

auch das haben, was sie haben.

Hast du schon mal darüber nachgedacht,

dass es vielleicht gar nicht so gut für dich

wäre, wenn du perfekt wärst, weil du

mich dann nicht mehr brauchst? Unsere

Beziehung und der Austausch, den wir

haben, kommt vor allem immer wieder

deshalb zustande, weil du spürst, dass

du mich brauchst. Wenn du alles selbst

könntest und so richtig (selbst-)zufrieden

wärst, dann hättest du es nicht mehr

nötig, mich zu suchen. Du bräuchtest

mich vermutlich auch nicht mehr.

Hast du schon mal bedacht, dass du

erst in dem, was du nicht hast, sehen

kannst, was du von mir bekommen hast?

Aber, du kannst getrost sein, dein Leben

umfasst nur ein paar Jahre auf

dieser Erde, danach wird alles anders

werden, das verspreche ich dir!

Ich glaube, es würde dir und mir besser

tun, wenn du mir dankbar sein kannst,

für all das, was in und an dir so gut ist.

Es ist nämlich tatsächlich alles an dir

wunderbar und einzigartig! Ja, so habe

ich dich geschaffen. Ich habe dir so

viele Fähigkeiten gegeben, ich habe dir

einen Körper gegeben, den du einsetzen

kannst. Mit ihm kannst du die Fähigkeiten,

die ich dir gegeben habe,

ausüben. Du kannst mit anderen Menschen

zusammen kommen und mit ihnen

gemeinsam etwas erleben. Du

darfst deinen Körper gebrauchen! Ich

habe dir selbst die Entscheidung darüber

überlassen, ihn so einzusetzen,

wie du es für richtig erachtest.

Du kannst ihn pflegen und erhalten, wie

du es möchtest. Und du darfst ihn auch

so gestalten, wie du es schön findest.

Immer dann, wenn meine Kinder das,

was sie von mir bekommen haben, wertschätzen

und mit ganzer Kreativität und

Freude einsetzen, pflegen und bewahren,

dann erfüllt das mein Herz. Das empfinde

ich als große Dankbarkeit mir gegenüber.

Wenn du dies tust, wirst du übrigens

auch ganz schnell merken, dass sich

dein Blick auf dich selbst verändert. Du

kannst erkennen, wie wunderbar ich dich

gemacht habe. Ich habe nämlich nichts

an dir vergessen, was für dich gut gewesen

wäre. JA, ich habe dir genau das

gegeben, was du brauchen wirst!

Ich freue mich an dir und empfinde es

als eine große Ehre, wenn du den Körper,

den du von mir bekommen hast,

gut pflegst, ihn gesund hältst, ihm Erholung

und Entspannung schenkst, ihn

trainierst, um fit zu werden und zu bleiben,

ihn gut und schön kleidest, ihm eine

schöne und gepflegte Frisur schenkst.

Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn

du dich das auch was kosten lässt!

Ich empfinde es als große Dankbarkeit,

wenn du deinen Geist, den du von mir

bekommen hast, pflegst, gesund erhältst,

ihm Erholung schenkst, wenn du

ihm schöne Erlebnisse zukommen lässt,

ihm neue Impulse gibst, ihn kreativ einsetzt,

ihn trainierst und fit hältst. Und

ich habe wirklich nichts dagegen, wenn

du dich auch das etwas kosten lässt! Damit

zeigst du mir, dass du deinen Wert

erkennst und entfaltest.

Ich freue mich sehr, wenn du Gemeinschaft

mit mir suchst, dich von mir beschenken

lässt, dort wo du dich selbst

als schwach empfindest. Ich habe Freude

daran dich zu überraschen mit den Dingen,

die ich für dich vorbereitet habe.

Jeden Augenblick in dem ich spüre, dass

du dich darüber freust mein wunderbares

Kind zu sein, ist wie ein Lichtstrahl

voller Liebe in mein Herz.

Mirjam Olsson


Die Quadratur des Kreises

oder das Wunder

der Sexualität

Wer schon mal Pornos gesehen genitaler Verkehr ein Teil des bunten Blu-

hat, weiß, dass diese Bilder einem menstraußes sind, die Gott in seiner Lie-

nicht aus dem Kopf gehen. Man nimmt be für uns geschaffen hat. Die Bibel lädt

sie mit ins Leben und ins Lieben.

uns immer wieder ein, das Spektrum der

Liebe zu erschließen und miteinander zu

buchstabieren.

Wer Liebesromane liest, spürt, wie die

Vorstellungen von Liebe geprägt werden.

Das Handeln und Nichthandeln des

Partners geht durch den romantischen

Scheinweltfilter.

Sexualität entsteht im Kopf und beeinflusst

das Leben. Viele Fragen, Gerüchte

und Hirngespinste ranken sich um

diesen Bereich. Deshalb schauen wir einmal

nach den Kernfragen zum Thema

Partnerschaft.

ERSTENS Was ist heutzutage

wichtig für eine gelingende christliche

Partnerschaft? Es ist zu allererst

das »Ja, mit Gottes Hilfe!« Damit

begründen wir eine stabile Dreiecksbeziehung.

Wo jeder in einer Partnerschaft

die Beziehung zu Gott sucht und man gemeinsam

gewiss ist, dass Gott die Partnerschaft

mitträgt, hat man ein gutes

Fundament. Daraus resultieren Respekt

und Wertschätzung vor- und füreinander,

die die Grundlage zur Bewältigung

von Spannungen und Konflikten bildet.

Wer JA zum anderen sagt, muss dieses

JA täglich erneuern. Das kostet manchmal

Kraft, aber es fördert das Vertrauen,

das wir füreinander brauchen. Und

in dieser Alltagsliebesbezeugung spiegelt

sich Treue wider, Treue, die bis ins hohe

Alter Qualität in die Beziehung bringt.

Die Sexualität ist dabei ein ständiger Begleiter.

Es ist gut zu wissen, dass zärtliche

Blicke, erotische Berührungen und

ZWEITENS Was steht dem im

Wege? Zu allererst die vorenthaltene

Zeit. Es sind ein paar Sekunden für einen

Kuss, eine Umarmung, einen Blick, die

uns nichts kosten, die aber nicht investiert

werden. Zu viele Selbstverständlichkeiten

werden angenommen und viel

zu schnell leben die Paare aneinander

vorbei. Die Liebe, die nicht täglich genährt

wird, verhungert. Und es geschieht

schnell, dass sich aus diesem Hunger

Krisen entwickeln, die das Paar in Verzweiflung

stürzen. Die Lösung zeichnet

sich dann in der Trennung ab. Aber es

gibt keine wirkliche Trennung, wenn man

sich einmal so sehr bis in die intimsten

Bereiche vertraut gemacht hat. Man hat

immer den Teil des anderen präsent,

auch wenn er nicht mehr da ist. Die Liebe

sitzt tiefer, als manchem lieb ist.

DRITTENS Was können wir tun?

Ein wichtiger Schritt zu gelingender Beziehung

und zu erfüllter Sexualität ist

gegenseitige gute Kenntnis. Bei einer

Umfrage gaben Jugendliche folgende

Hinweise:

Was sollten Jungs von Mädchen

wissen? u Wir sind sensibel und wollen

Zuhörer. u Wir sagen manchmal das

Gegenteil von dem, was wir meinen. u

Wir möchten viel Zeit und das Gefühl von

Sicherheit. u Wir machen uns oft über

vieles (unnötige) Gedanken. u Wir vereinen

Gefühle und Sexualität und nehmen

vieles schnell persönlich. u Freundinnen

sind für uns sehr wichtig. u Der Regelzyklus

führt zu Stimmungsschwankungen,

deshalb sollten Jungs darüber Bescheid

wissen.

Und was sollten Mädchen über

Jungs wissen? u Für uns ist die Quantität

des Geschlechtsverkehrs wichtig,

trotzdem wollen Männer nicht immer nur

Sex. u Wir sind öfter triebgesteuert und

visuell veranlagt. u Männer sind pragmatische

und logische Wesen, die sich

auf eine Sache konzentrieren. u Das Geschlechtsteil

ist ein höchst sensibler Ort

und empfindliches Thema.

Natürlich bleiben noch viele offene

Fragen, mit denen sich jedes

Pärchen selbst noch auseinandersetzen

muss. Die eigene Biographie ist

z.B. wichtig für das Verhalten und die

Einstellung zur Sexualität. Wie habe ich

z.B. als Kind Nacktheit erlebt und wie

natürlich ist mein Schamgefühl ausgeprägt?

Wer hat mich aufgeklärt und was

für Worte habe ich für meine Sexualität?

Welche Wertschätzung empfinde ich

meinem Körper gegenüber und welchen

Respekt habe ich vor dem Intimbereich

des anderen? Wer auf diesem lebenslangen

Weg immer wieder neu das Geschenk

der Liebe und der Sexualität entdeckt

und buchstabiert, wird sich in der

Partnerschaft wohl fühlen, Krisen durchhalten

und am Ende sagen: »Es wird immer

schöner«.

Gottfried Muntschick

Foto: photocase.com © Jo.Sephine

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P E R S P E K T I V E


M O T I V A T I O N

Foto: Nanduu / photocase.com

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Liter Blut durch unseren Kreislauf und

sorgt für die Sauerstoffversorgung. Dabei

hat es niemals Raucherpause oder

einen Urlaub auf den Karibikinseln. Auch

hier lässt sich mit kleinen alltäglichen

Mitteln eine Verbesserung für die Herzgesundheit

erreichen. Vielleicht hältst du

es eher mit Churchills «no sports”. Dreimal

pro Woche 20 bis 30 Minuten können

jedoch schon eine entscheidende Wende

bringen. Dabei lässt sich Bewegung

leicht in den Alltag integrieren. Mal eine

Station früher aussteigen und heimlaufen,

einmal am Tag auf den Aufzug verzichten

und die Treppe nehmen, abends

nochmal eine Runde drehen, statt fernzusehen,

im Sommer frühmorgens ein

paar Bahnen im Schwimmbad ziehen und

erfrischt zur Arbeit gehen... die Möglichkeiten

sind grenzenlos und individuell.

Lass deiner Fantasie freien Lauf! Nur

eines ist wichtig: Mach es dir zur Gewohnheit.

Mach feste Termine und trage

sie in deinen Kalender ein. Vier Wochen

durchgehalten und eine neue, sinnvolle

Gewohnheit ist entstanden.

Gehen wir wieder zurück zu den

Gegebenheiten unseres Körpers.

Er besitzt 650 Muskeln, die dafür sorgen,

dass wir uns bewegen, lachen, sprechen,

umarmen, etc. können. Je mehr diese

Muskeln beansprucht werden, desto effektiver

und besser können sie arbeiten.

Viele Menschen leiden unter der Bewegungsarmut

unserer Gesellschaft – das

Arbeiten findet meist im Sitzen statt, der

Ernährung und Gesundheit

Seit Menschenbeginn ist der Umgang

mit dem eigenen Körper eine

zentrale Lebensfrage, die auf sehr unterschiedliche

Weise beantwortet wird.

Nimmt man beispielsweise die Lehre der

Gnostiker als Grundlage, so muss der

menschliche Leib als schlecht und verachtenswert

gelten, wohingegen ein Hedonist

besonders auf die Befriedigung

körperlicher Freuden pocht. Das sind

natürlich zwei Extrempositionen, aber

auch wir als Christen können uns diesem

wichtigen Thema nicht entziehen.

Wie in dem Eingangsartikel erwähnt,

ist laut Bibel der Körper ein «Tempel des

Heiligen Geistes” (1. Kor. 6,19). Gott hat

uns ja diese Hülle zur Verfügung gestellt,

um hier auf der Erde leben zu können.

Es liegt daher auch ganz eindeutig in unserem

Verantwortungsbereich, diesen

Körper zu pflegen und zu umsorgen.

Wie kann das nun praktisch aussehen?

Unser Körper besteht aus unglaublichen

100 Billionen Zellen, davon sind

allein 1000 Milliarden nur für das Immunsystem

verantwortlich. Jeden Tag

Tipps und Tricks für jedermann

werden unzählige neue Zellen gebildet.

Dafür braucht der Körper aber Energie,

die wir ihm in Form von Nahrung zukommen

lassen. Und jetzt kommt der Knackpunkt:

Natürlich können wir den Energiebedarf

auch durch einen Cheeseburger

stillen. Für die vielen verschiedenen

Funktionen jedoch, die unser Körper Tag

für Tag erfüllen muss, sind Vitamine, Mineralstoffe,

Spurenelemente und sekundäre

Pflanzenstoffe unersetzlich. Fleisch

ist dein Gemüse, sagst du jetzt? Kein

Problem, kombiniere doch dein Fleisch

(wenn es geht, eher fettarme Sorten)

mit einem bunten Salat oder frischem,

gedünstetem Gemüse. Du liebst Süßes

und kannst auf Schokolade nicht verzichten?

Mach dir nichts draus, gönn dir ein

schönes Eis und schneide dir ein paar

frische Erdbeeren, Melone oder Banane

dazu. Schon solche kleinen Tricks können

den Unterschied machen.

Nochmal einen Blick zurück in

unseren Körper: Hinter der linken

Brust verbirgt sich ein kleines Wunderwerk.

Es hat zwar nur ein Viertel PS,

pumpt aber pro Minute fünf bis sieben

Weg zur Arbeit wird im Auto oder öffentlichen

Verkehrsmitteln zurückgelegt und

abends wird auf der Couch gelümmelt.

Kein Wunder also, dass Schmerzen im Rücken,

den Knien, dem Schulterapparat immer

häufiger werden. Aber auch hier kann

man mit einfachsten Mitteln einen Unterschied

machen: Beim Telefonieren einfach

mal stehen oder auf und ab gehen,

zwischendurch aufstehen und sich richtig

recken und strecken oder die Schultern

kreisen lassen. Gut ist, was gut tut.

Das gilt natürlich auch für Menschen,

die nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten

haben. Bei den körperlichen

Übungen ist eine Rücksprache mit behandelndem

Arzt oder Physiotherapeuten

nötig, die dann entsprechend

Tipps und Übungen vorschlagen können.

Den Optionen, wie wir unserem »Tempel«

Gutes tun können, sind keine Grenzen

gesetzt. Schon mit kleinen Tricks

und Kniffen kann man sich wieder gezielt

seinem Körper und dessen Pflege zuwenden.

Am besten beginnst du gleich jetzt:

Schuhe an und raus!

Sarah Schwemmlein


Adventswochenende 30.11. - 02.12.2012

VN: 2246

Ort: Großrückerswalde (bei Marienberg), Erzgebirge

Teilnehmergruppe: Singles, Ehepaare

Leitung: Sibylle und Fritz Wilkening

Kosten: 110€ pro Teilnehmer

Unterbringung: Pension „Altes Gut“, Zwei-und

Mehrbettzimmer mit DU/WC und Telefon, Aufenthaltsräume

Programm: Bibeltexte und Lieder zum Advent neu entdecken,

Advent festlich und kreativ feiern und gestalten

Leistung: Unterkunft, VP, Bettwäsche, Leitung

Mindest-Teilnehmerzahl: 18

Bemerkung: individuelle An- und Abreise

Advent, eine für uns besondere Zeit im Jahr. Wir wollen diese

einmal in Gemeinschaft besonders erleben und uns so auf die

eigentliche Bedeutung dieser Zeit besinnen. Es wird Kreatives

und Besinnliches geben, wenn wir gemeinsam den 1. Advent

vorbereiten und bewusst feiern.

Info + Anmeldung: CVJM Sachsen e.V., Leipziger Straße 220,

01139 Dresden, 0351-3179295, www.cvjm-sachsen.de/anmeldung

ROM

VESUV

SORRENT

CAPRI

POMPEJI

29. Sept. - 06. Okt. 2012

8-tägige Flugreise

- 04.11.

2012 Israel.28.10.

Studienreise See Genezareth

Totes Meer

Jerusalem

Direktflüge ab/nach München, Mittelklassehotels mit Halbpension.

Leitungsteam: Friedrich Rößner und Dr. Thomas Popp (AfG),

Hans-Helmut Heller (CVJM-Bayern)

Veranstalter:

Amt für Gemeindedienst in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.

Infos: 0911/43 16-280 (Frau Stoll), Fax: 0911/4316-296.

E-Mail: evangelisation@afg-elkb.de; www.afg-elkb.de

in Kooperation mit dem CVJM-Landesverband Bayern e.V.

WWW.CVJM-BAYERN.DE

Bilder und Texte dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung

der Redaktion veröffentlicht werden. Bilder ohne Quellenangabe

sind aus unserem Archiv. Kontakt: presse@cvjm-bayern.de

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P I N N W A N D


I M P U L S

Foto: monarchin / photocase.com Schön

– Wer ist denn eigentlich

schön? Zunächst eine frohe

Botschaft für uns alle: Jeder von uns

entspricht einem Schönheitsideal, es

kommt immer nur auf den Zeitpunkt

und den Ort an. Ein Beispiel: Das antike

männliche Schönheitsideal Adonis (seine

Göttlichkeit sei an dieser Stelle einmal

angezweifelt) hatte für heutige Verhältnisse

wohl eine sportliche Figur, glatte

Haut und war so um die 1,65m groß,

da etwa in diesem Bereich die Durchschnittsgröße

im antiken Griechenland

gelegen haben dürfte. Im heutigen Holland,

das mit 1,84m bei Männern weltweit

die höchste durchschnittliche Körpergröße

aufweist, wäre Adonis, der

Traum antiker griechischer Frauen, weniger

ein Schönheitsideal, sondern eher

ein nettes antikes Kerlchen.

Aber beginnen wir doch beim ältesten

Zeugnis menschlicher Attraktivität: Die

Venus von Willendorf ist eine kleine

Figur (ca. 11 cm hoch) und zeigt eine

Schönheitsideale

im Wandel der Zeiten

weibliche Person. Man darf annehmen,

dass es sich um das damalige (wir reden

hier von ca. 27 000 Jahren Zeitdifferenz)

Schönheitsideal handelte. Diese »Venus«

geizt durchaus nicht mit Hüftgold

und zeigt mit ziemlich augenfälligen

Merkmalen, dass Schönheit und

Fruchtbarkeit in engem Zusammenhang

standen.

Springen wir ins spätere Mittelalter,

konkret ins 15. Jahrhundert und schauen

in die damalige Metropole Nürnberg. Hier

bekommen wir mannigfaltige Zeugnisse

von Schönheitsvorstellungen in den

alten Patrizierfamilien, den Reichen

und Schönen dieser Zeit: Frauen

waren damals schön, wenn sie schmal

gebaut waren, kleine zarte Brüste und

eine enge, hochsitzende Taille hatten.

Gebärfreudige Becken waren damals

nicht wirklich en vogue. Das männliche

Schönheitsideal des Mittelalters würde

man heute wahrscheinlich in die Gruppe

der metrosexuellen Männer einordnen:

Gerade, aber schmale Schultern, lange

Beine, gepflegtes Äußeres und, sehr

geehrte Herren, die Feinkostbeule war

eine optische Ordnungswidrigkeit, der

männliche Bauch hatte schlank zu sein

und wurde zudem noch in entsprechende

Textilien geschnürt. Blondes, lockiges

Haar war schick und blasse Haut war

damals ein absolutes Muss in der High

Society, um zu zeigen, dass man es

nicht nötig hatte, unter freiem Himmel

zu arbeiten.

Und jetzt das Beste für uns Menschen,

die ein wenig mehr auf den Rippen

haben (Ja, zu denen zähle ich mich

auch). Man muss schon zugeben, dass es

für alles ein Zuviel gibt, das gilt auch für

zu heftige Fettleibigkeit, die Ausgangs-

punkt für viele Krankheiten ist. Hier geht

es nicht mehr um schön oder nicht, sondern

um gesund oder nicht. Bewegung,

Ernährungsumstellung und ein verantwortungsvoller

Weg in Richtung gesundes

Wohlfühlgewicht sind angesagt. Aber

schön waren (und sind) auch wir Fülligen:

In Japan haben Sumoringer (Normalgewicht

110 bis 150 kg, in der Spitze

schon mal bis zu 260 kg) ein extrem

hohes Ansehen und erfreuen sich einer

unglaublichen Beliebtheit bei den weiblichen

Fans.

Im Barock (ca. 16./17. Jahrhundert)

durften auch Frauen nicht dünn sein: Hätte

Peter Paul Rubens damals Heidi Klum

getroffen, hätte er sie wahrscheinlich

eher zur Armenspeisung geschickt als ein

Bild von ihr gemalt. Frauen durften und

sollten damals üppig sein, die vornehme

Alabasterblässe blieb als Idealbild erhalten.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts

wird dann begonnen, die Rundungen in

Korsetts zu schnüren, ein Gedanke, der

mich dankbar für meine T-Shirts werden

lässt. Frauen waren damals hübsch, wenn

sie aussahen wie Sanduhren mit Füßen

und einem frisch geweißelten Kopf. Hygiene

war nicht ganz so schicklich, aber

ein dick gespachteltes und gepudertes

Gesicht galt, übrigens auch bei Männern,

als durchaus ansehnlich.

Gott sei Dank lässt sich über Geschmack

ja nicht streiten. Es bleibt festzuhalten,

dass das menschliche Schönheitsideal

immer gewissen Veränderungsprozessen

unterlag und es stets

lokale Unterschiede in der Betrachtungsweise

gab. Wie bereits eingangs gesagt,

irgendwo waren wir alle mal irgendwann

schön. Aber um die Wahrheit auf den

Punkt zu bringen: Es ist völlig wurscht,

ob man von der Masse als schön empfunden

wird und damit einem Schönheitsideal

entspricht. Wichtig ist vor allen Dingen

eines: Wir sollten als Christen lernen, mit

den Augen Gottes zu sehen. Diese Brille

sollten wir aufsetzen, wenn wir uns

selbst und andere betrachten. Dann werden

wir erkennen, wie schön und wertvoll

wir wirklich sind. Wer seine wahre, nicht

endende Schönheit noch nicht gesehen

hat, den möchte ich gerne ermutigen,

zum Beispiel im 1. Petrusbrief, gleich im

ersten Kapitel genauer nachzulesen. Das,

was uns bevorsteht, ist ewige Schönheit

in den Augen Gottes und nicht kurzweilige

Attraktivität in den Augen einiger

Menschen. Wir sind schön, ohne dass es

auf den Zeitpunkt oder Ort ankommt!

Andi Schwemmlein

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