Programmheft - Die Duisburger Philharmoniker

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Programmheft - Die Duisburger Philharmoniker

Programm

6.

Kammerkonzert

Sonntag 14. April 2013, 19.00 Uhr

Theater am Marientor

Emmanuelle Bertrand Violoncello

Pascal Amoyel Klavier

Alexander Borodin

Sonate für Violoncello und Klavier

h-Moll

Dmitri Schostakowitsch

Sonate für Violoncello und Klavier

d-Moll op. 40

Charles Valentin Alkan

Barcarolle op. 65 Nr.6

Johannes Brahms

„Immer leiser wird mein Schlummer“

op. 105 Nr. 2

Sonate für Klavier und Violoncello

e-Moll op. 38

Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi

Kulturpartner


Duisburger Kammerkonzerte

Sonntag, 14. April 2013, 19.00 Uhr

Theater am Marientor

2

Emmanuelle Bertrand

Violoncello

Pascal Amoyel

Klavier

Programm

Alexander Borodin (1833-1887)

Sonate für Violoncello und Klavier h-Moll (1860)

I. Allegro – II. Pastorale. Andante dolce

III. Maestoso – Presto

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)

Sonate für Violoncello und Klavier

d-moll op. 40 (1934)

I. Allegro non troppo – II. Allegro

III. Largo – IV. Allegro

Pause

Charles Valentin Alkan (1813-1888)

Barcarolle op. 65 Nr. 6 für Klavier solo (1864)

Johannes Brahms (1833-1897)

„Immer leiser wird mein Schlummer“,

Lied op. 105 Nr. 2 in der Fassung

für Violoncello und Klavier (1886)

Sonate für Klavier und Violoncello

e-Moll op. 38 (1862, 1865)

I. Allegro non troppo

II. Allegretto quasi Menuetto – Trio

III. Allegro

„Konzertführer live“ mit Sebastian Rakow um 18.15 Uhr

im Großen Saal des Theaters am Marientor.

Das Konzert endet um ca. 21.00 Uhr.

Frühwerke – Spätwerke

Bei den meisten Kompositionen im Programm des

sechsten Kammerkonzerts handelt es sich um Frühwer

ke. Alexander Borodin und Johannes Brahms waren

gleichaltrig und legten mit etwa dreißig Jahren

zwei verschieden geartete Cellosonaten vor. Auf ganz

un terschiedliche Weise blicken diese Werke in die Vergan

genheit zurück, die unmittelbare Erkennbarkeit eines

Bach­Zitates ist bei Borodin sogar noch ausgeprägter

als bei Brahms. Wäh rend Johannes Brahms der ersten

Cellosonate mit gro ßem zeitlichen Abstand eine weitere

Sonate in gleicher Besetzung folgen ließ, blieb die

Komposition von Alexander Borodin ein Einzelwerk.

– Im zwanzigsten Jahrhundert gehört die Cellosonate

d­Moll op. 40 zu den frühesten herausragenden Kammer

musikstücken von Dmitri Schostakowitsch, der als

Sinfoniker bereits spektakuläre Proben seines Könnens

gegeben hatte.

Abgerundet wird das Programm durch liedhafte Kompo

sitionen von Charles Valentin Alkan und Johannes

Brahms. Hiermit erweitert sich auch der geographische

Rah men, gelangen im Kammerkonzert somit nun die

Werkes eines in Österreich wirkenden deutschen Kompo

nisten, eines Franzosen und zweier russischer Musiker

zu Gehör.

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3


Alexander Borodin

Sonate für Violoncello und Klavier h-Moll

Wer an den russischen

Kom ponisten Alexander

Bo ro din denkt, dem

fällt zunächst die Oper

„Fürst Igor“ ein. Es ist

ein typisches Werk für

einen Musiker, der in St.

Petersburg der Grup pe

des „Mächtigen Häufleins“

angehörte und

sich für die Abgrenzung

von der westlichen beziehungsweise

euro päischen

Musik einsetzte.

Der Schöpfer der unvollendet hinterlassenen Oper „Fürst

Igor“ war eine faszinierende und vielseitige Erscheinung,

denn er genoss als Künstler und als Wissenschaftler

ähn liche Wertschätzung. Alexander Borodin wurde am

12. November 1833 als illegitimer Sohn eines Fürsten

gebo ren. Er erhielt eine umfassende Ausbildung, erlernte

Fremd sprachen, spielte Flöte, Violoncello und Klavier

und begann zu komponieren. Er studierte Medizin und

Che mie an der Petersburger Akademie, bevor er um

18 60 seine Studien in Heidelberg fortsetzte. Zwei Jahre

lang war er als Arzt in einem Militärlazarett tätig, dann

pro movierte er und wurde mit 28 Jahren als Professor

für Chemie an die Petersburger Akademie berufen. Um

1862 schloss Borodin sich dem Kreis um Mili Balakirew

(1836­1910) an, dachte aber nicht daran, seine wissen

schaftliche Tätigkeit aufzugeben. Borodin wurde

Vorsitzender des Petersburger Vereins der Musikfreunde.

Sei ne Frau Katharina – die Heirat war im Jahr 1863 –

machte ihn mit der Musik von Frédéric Chopin und Robert

Schumann vertraut. Borodin unternahm Reisen

nach Deutschland, und in Weimar stellte sich ein engerer

Kon takt zu Franz Liszt her. Im 54. Lebensjahr starb

Alexander Borodin

Alexan der Borodin unerwartet am 27. Februar 1887 in

St. Pe tersburg.

Welche Werke kennt man von Alexander Borodin? Selbst

die Oper „Fürst Igor“ ist als sein Hauptwerk nur ein selte

ner Gast auf den Spielplänen, doch dafür haben die

„Polowetzer Tänze“ hieraus enorme Beliebtheit ge funden.

An Orchesterwerken liegen zwei Sinfonien – eine

dritte Sinfonie blieb unvollendet – und „Eine Step penskiz

ze aus Mittelasien“ vor. Schließlich widmete sich der

Kom ponist ausgiebig der Kammermusik, was eigentlich

un ge wöhnlich war, da Kammermusik im Balakirew­Kreis

als zu westlich abgelehnt wurde.

Das Violoncello war das Lieblingsinstrument von Alexander

Borodin, und das ist auch aus seinem berühmten

zwei ten Streichquartett herauszuhören. Die Sonate

für Violoncello und Klavier h­Moll hat niemals eine vergleich

bare Popularität erlangt. Das liegt daran, dass sie

frag men tarisch hinterlassen und erst 1982 von dem

Geiger, Di ri genten und Musikpädagogen Michael Goldstein

zugänglich gemacht wurde. Alexander Borodin

beschäftigte sich 1860 in Heidelberg mit dieser Sonate

und hatte den Cellopart für sich selbst bestimmt. Als

Be sonderheit be ruht die Sonate h­Moll auf einem

gefundenen Thema: Das Fugenthema aus der ersten

Sonate für Violine g­Moll BWV 1001 von Johann Sebastian

Bach erklingt im ersten und im dritten Satz. Zunächst

bildet Bachs Fugenthema im ersten Satz den Kern des

Hauptthemas. Dagegen hat das zweite Thema einen

ausgeprägt russischen Cha rakter, der in den Bereich der

zweiten Sinfonie hi nein führt. Der Mittelsatz der Sonate ist

mit „Pas torale“ überschrieben und nimmt das berühmte

„Not turno“ aus dem zweiten Streichquartett vorweg.

Eine Be sonderheit ist die Cellokadenz in der Satzmitte.

Die Sonate für Violoncello und Klavier von Alexander

Bo ro din ist eine virtuose Komposition. Das Finale stellt

eine er neute Hommage an Johann Sebastian Bach dar.

Dem Satz ist eine Maestoso­Einleitung vorangestellt. Es

zitiert das Fugenthema aus Bachs Solosonate für Violine,

und die ses Thema ist lebhaft umgeformt auch aus dem

schnel len Hauptteil herauszuhören.

4 5


Dmitri Schostakowitsch

Sonate für Violoncello und Klavier

d-Moll op. 40

Als dankbares Virtuosenstück

begründete 1934

die So nate für Vio loncello

und Klavier d­Moll

op. 40 den Ruhm des

Kammermusikers Schosta

kowitsch. Die Vor gänger

stücke gehörten fast

aus nahmslos der Le ningra

der Studienzeit an.

(Schos takowitsch hatte

einige Kla vierstücke,

das erste Klaviertrio sowie

die beiden Sätze für

Streichoktett geschrieben.) Wesentlich grö ßere Brei tenwir

kung hatte der russische Komponist als Sinfoniker erzielen

können, und die grundlegenden Un terschiede dürfen

nicht übergangen werden: die Sinfonie Nr. 2 H­Dur

op. 14 „An den Oktober“ von 1927 und die Sinfonie

Nr. 3 Es­Dur op. 20 „Der erste Mai“ (1930) zogen als

patriotisch­programmatische Werke einen Chor hinzu.

Die Cellosonate op. 40 ist dagegen als absolutes Werk

zu verstehen.

Bei einer Beurteilung der Cellosonate d­Moll op. 40

wird allgemein ihr klassischer und konservativer Stil

her vorgehoben. In der Biographie von Krzysztof Meyer

sind die wesentlichen Aspekte zusammengefasst: „Die

Sonate wurde Schostakowitschs erstes größeres Kammermusikwerk,

das sich rasch seinen Weg in die Konzert

säle in aller Welt bahnte. Gregor Piatigorsky und

Pier re Fournier gehörten zu den ersten Künstlern, die

sie im Westen bekannt machten. Die aus vier Sätzen

be stehende Sonate d­Moll hat stilistisch nichts mehr

ge meinsam mit der experimentellen Nase und den

blut rünstigen frühen Klavierwerken. Schostakowitschs

Ent wicklung war inzwischen so weit gegangen, daß man

Dmitri Schostakowitsch

bei seinen letzten drei Werken annehmen könnte, ein

an derer Komponist habe sie geschrieben.“

Ein wirkungsvoller virtuoser Grundzug vermag am

ehesten die Popularität dieser Sonate zu erklären. Gleichzeitig

finden sich einige für Schostakowitsch ty pi sche Stilelemente.

Hingewiesen sei auf die Breite des Aus drucksspek

trums und das für diesen russischen Kom po nisten

typische Prinzip der Übersteigerung. Die Durch führung

des ersten Satzes kennt beispielsweise län gere Pizzicato­

Ab schnitte, die bei schnellem Tempo den Eindruck von

Ge schäftigkeit erwecken und als Kon trast mit tel eine

gro ße Farbigkeit erzielen. Motorische Passagen und

prägnante Thematik bestimmen den Scherzo­Satz.

Durch konsequente Erweiterung des Tonumfangs – die

rol lenden Figuren füllen schließlich einen Tonumfang

von nicht weniger als zwei Oktaven aus –, durch bis

zur Dreistimmigkeit erweiterte Pizzicato­Akkorde des

Vio lon cellos, durch geheimnisvolle Flageolettpassagen,

Glis sandi, wirkungsvolle Ausnutzung der hohen Lage

bei der Instrumente und ein hartnäckiges Insistieren auf

präg nanten Motiven erhält dieser Satz unverwechselbare

Kon turen. Demgegenüber ist das Largo von großer Ruhe

und Ernst gekennzeichnet. Das Violoncello übernimmt

die Führung und gewinnt in seinen weit ausschwingenden

The men große Ausdrucksstärke, während das Kla vier mit

seiner Begleitung – häufig durchsetzt von po chen den

Achtelnoten – bevorzugt der tiefen Lage verhaf tet bleibt.

Das Thema des Finalsatzes ist denkbar schlicht ge halten,

doch setzen ungeahnte virtuose Aufschwünge ein.

Wenn von Schostakowitschs Cellokompositionen die Rede

ist, fällt bald der Name von Mstislav Rostropovich ein.

Im Falle der Cellosonate op. 40 führt diese Vermutung

jedoch in die Irre. Schostakowitsch schrieb dieses Werk

1934 für den Cellisten Victor Kubatzki, mit dem er auch

Konzerttourneen unternahm. Der später weltberühmt

ge wordene Ausnahmecellist und Dirigent Rostropovich,

der Widmungsträger der beiden Cellokonzerte, trat erst

in das Umfeld von Schostakowitsch, als er nach dem

Zweiten Weltkrieg bei ihm am Moskauer Konservatorium

Kom position und Instrumentation studierte.

6 7


Charles Valentin Alkan

Barcarolle op. 65 Nr. 6

Der Franzose Charles Valen

tin Alkan zählt zu den

Sonderlingen der Mu sik ­

geschichte, und be zeichnen

derweise ist er durch

die Anekdote um seine

To desursache länger im

Ge dächtnis geblieben als

durch seine Werke selbst:

Es heißt, er sei von einem

um stürzenden Bücherregal

er schlagen worden, als er gerade nach dem Talmud

greifen wollte. Da war sein Ruhm bereits verblasst, und

die Zeitschrift „Le Ménéstrel“ hielt in ihrem Nachruf wenig

freundlich fest, durch die Todesnachricht sei erst

wieder ins Bewusstsein gekommen, dass es ihn überhaupt

gegeben habe. Doch die Karriere von Charles

Valentin Alkan begann überaus glanzvoll. Beherrschten

im Paris des 19. Jahrhunderts die Zugewanderten – der

bekannteste von ihnen war der Pole Frédéric Chopin –

die Virtuosenszene, so gehörte Alkan zu den wenigen

wich tigen einheimischen Vertretern. Er wurde 1813 in Paris

als Sohn eines jüdischen Musiklehrers geboren und

er hielt bereits im Alter von sieben Jahren Unterricht am

Pa riser Conservatoire. Charles Valentin Alkan gehörte

zeit weise zu den größten Klaviervirtuosen seiner Zeit. Er

war mit Frédéric Chopin und George Sand befreundet

und unterhielt Kontakte zu Franz Liszt, César Franck, Giaco

mo Meyerbeer, Felix Mendelssohn Bartholdy, Charles

Gou nod und Jules Massenet. Allerdings ging die aktive

Teil nahme am Musikleben mehr und mehr zurück.

Die „Barcarolle“ op. 65 Nr. 6 ist das Schlussstück einer

1864 komponierten Sammlung von Klavierstücken. Die

Melodie über der wellenförmigen Begleitung bietet manche

dezente Überraschung, doch charakteristisch ist der

at mosphärische Zauber der Klavierminiatur.

Charles Valentin Alkan

Johannes Brahms

„Immer leiser wird mein Schlummer“

op. 105 Nr. 2

Sonate für Klavier und Violoncello

e-Moll op. 38

Johannes Brahms war ein gewissenhaft arbeitender

Kom ponist. Man weiß um sein Ringen um die ersten Sinfo

nie, die er schließlich im Alter von 43 Jahren vorlegte,

nach dem mehrere Anläufe schließlich in andere Werke

ein geflossen waren. Ähnlich skrupulös handelte der Kammer

musiker. Er habe bereits mehr als zwanzig Quartette

geschrieben und wieder vernichtet, bis er schließlich mit

vierzig Jahren die beiden Streichquartette op. 51 ver öffent

lichte, so berichtete der Komponist.

Überhaupt lässt der Weg des Kammermusikers Johannes

Brahms besondere Prinzipien erkennen. Er schrieb zunächst

Werke in größeren Besetzungen – Klaviertrios,

Klavierquartette und Streichsextette –, bis er sich endlich

der Duosonate zuwandte. Die erste Duokomposition ist

die Sonate für Klavier und Violoncello e­Moll op. 38, die

1865 ihre endgültige Form fand. Dieser Cellosonate folgten

später drei Violinsonaten, eine weitere Cellosonate

und die beiden Klarinettensonaten, die zu den spätesten

Schöp fungen von Johannes Brahms überhaupt gehören.

Die erste Cellosonate e­Moll op. 38 war 1862 in Angriff

ge nommen worden, doch wurde das Finale erst drei

Jahre später ausgearbeitet. In ihrer endgültigen Gestalt

hat diese Komposition nur drei Sätze, weil Johannes

Brahms trotz Zuredens seiner musikalischen Ratgeber

ein Adagio wieder herausgenommen hatte. Über den

Verbleib dieses Satzes ist viel diskutiert worden, wo bei

auch die Übernahme in ein anderes Werk nicht aus geschlos

sen wurde. Die erste Cellosonate e­Moll op. 38

von Johannes Brahms besteht aus einem Kopfsatz in

So natenform, dessen Mollcharakter sich in der Coda

ein letztes Mal auf bemerkenswerte Weise auflichtet,

ei nem stilisierten Menuett und einem weitgehend als

Fuge gestalteten Finale. Johannes Brahms hat sein Werk

8 9


Johannes

Brahms,

1866

selbst als „Gruß an J.S. Bach“ bezeichnet, denn ist das

Haupt thema des ersten Satzes dem Contrapunctus 4

aus der „Kunst der Fuge“ nachgebildet, so ist das Finale

an den Contrapunctus 13 angelehnt. Dieser Finalsatz ist

zu gleich der problematischste Teil der Sonate, ist doch

in diesem Satz das klangliche Gleichgewicht der beiden

In strumente am meisten gefährdet. Nicht unwesentlich

ist jedoch auch das Anlehnen an Ludwig van Beethoven,

denn während der Klassiker seine letzte Cellosonate

mit einem Fugenfinale abschloss, so spielt die Fuge im

ers ten Werk für Violoncello und Klavier von Johannes

Brahms eine wichtige Rolle. Das Werk ist dem Wiener

Ge sangsprofessor Josef Gänsbacher gewidmet, der

dem Komponisten den Erwerb der Originalhandschrift

von Franz Schuberts Lied „Der Wanderer“ vermittelte.

Als Johannes Brahms mit der Komposition seiner ersten

Cel losonate begann, war er noch keine dreißig Jahre

alt. Als Vorgängerwerke können die drei Klaviersonaten

C­Dur op. 1, fis­Moll op. 2 und f­Moll op. 5 angeführt

werden, doch ist der kompositorische Weg nun ein ganz

an derer. Gegenüber den extrovertiert­dramatischen

Kla viersonaten blickt die Sonate für Klavier und Violon

cello e­Moll op. 38 bei Anlehnungen an Ludwig van

Beethoven und Johann Sebastian Bach nämlich stärker

in die Vergangenheit zurück. Die Erstaufführung der Cellosonate

op. 38 fand erst am 14. Januar 1871 im Leip ziger

Gewandhaus statt – immerhin fast sechs Jahre nach

Abschluss der Komposition. Bei dieser Gelegenheit waren

Friedrich Hegar (Violoncello) und Carl Reinecke (Klavier)

die Solisten. Viele Jahre später hat Johannes Brahms die

So nate auch selbst gespielt. Am 7. März 1885 trug er

das Werk mit dem Cellisten Robert Hausmann in Wien

vor, und diese Aufführung gab die Anregung zur Kompo

sition der zweiten, nun viersätzigen Cellosonate F­Dur

op. 99. Diese Sonate folgte der älteren Sonate somit um

zwanzig Jahre nach.

Das Fehlen eines langsamen Satzes in der Sonate e­Moll

op. 38 wird im Kammerkonzert kompensiert durch den

in strumentalen Vortrag des Liedes „Immer leiser wird

mein Schlummer“ op. 105 Nr. 2. Es handelt sich um eine

Komposition aus dem Jahr 1886, die etwa gleichaltrig mit

der zweiten Cellosonate ist. Mit vier anderen Nummern

bil det „Immer leiser wird mein Schlummer“ eine Gruppe

von wehmütig­dunkel gefärbten Liedern. Bekanntheit

ha ben vor allem noch die beiden Lieder „Wie Melodien

zieht es mir leise durch den Sinn“ op. 105 Nr. 1 und „Auf

dem Kirchhofe“ op. 105 Nr. 4 gefunden.

Das Lied „Immer leiser wird mein Schlummer“ kreist um

das Thema Abschied und Verlust und folgt einem Text

von Hermann Lingg, von dem Johannes Brahms nur ein

einziges Gedicht vertonte:

Immer leiser wird mein Schlummer,

Nur wie Schleier liegt mein Kummer

Zitternd über mir...

Das Thema des Liedes wurde von Johannes Brahms

1882 im dritten Satz des Klavierkonzerts B­Dur op. 83

vor weggenommen, und schon bei dieser Gele gen heit

hat te der Komponist die Melodie dem Solocello an vertraut

und damit auf die Fähigkeit zu gesangvollem Vortrag

verwiesen.

Michael Tegethoff

10 11


EIN FEST DES GESANGS

FESTLICHES

ENSEMBLE-

KONZERT


THEATER DUISBURG

25. APRIL & 11. MAI 2013

„Ihr“ Ensemble im Gala-Konzert: Mit 55

fest engagierten Sängerinnen und Sängern

kann die Deutsche Oper am Rhein nahezu

alle wichtigen Partien des Repertoires

aus den eigenen Reihen besetzen. Lassen

Sie sich von einigen der Solisten in ihren

„Paradepartien“ entführen und bezaubern

– mit Arien aus Verdis „Don Carlo“ und

„Il trovatore“, Wagners „Lohengrin“ und

„Tannhäuser“ sowie aus Werken von Bizet,

Charpentier, Puccini u.a.! ***

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Die Mitwirkenden des Kammerkonzerts

Je der für sich zählt auf seinem Instrument zu den ge fragtesten

Solisten Frankreichs: die Cellistin Em ma nuelle

Bertrand und der Pianist Pascal Amoyel. Doch wenn

das Künstlerpaar, das bereits seit 1999 auch als Duo

auf tritt, zusammen musiziert, tre ten die musikalischen

Qua litäten der beiden In stru mentalisten noch deutlicher

her vor, denn sie verstehen sich geradezu blind und können

ganz in die Musik eintauchen. Das ermöglicht be wegen

de, tiefgründige Interpretationen, bei dem das fein

aus balancierte Zusammenspiel dafür sorgt, dass keines

der beiden Instrumente unverhältnismäßig dominiert.

Ein drucksvoll belegen dies auch die bisherigen Ein spielun

gen des Duos, die mit wichtigen Kritikerpreisen wie

dem „Cannes Classical Award“ oder dem „Diapason

d’Or“ aus gezeichnet wurden.

Einladungen nach Deutschland führten das Duo

Bertrand/Amoyel in den letzten beiden Jahren unter anderem

zum Rheingau Musik Festival, zu den BASF­Konzer

ten Ludwigshafen, zur Sparkassen­Stiftung Hannover,

zum Kissinger Winterzauber, zu den Mettlacher Kammer

musiktagen und dem Musikfest Bremen.

13


Emmanuelle Bertrand (Violoncello) studierte am Conser

vatoire National Supérieur de Musique in Lyon und

Pa ris und ist Preisträgerin zahlreicher renommierter

Wett bewerbe wie dem Internationalen Rostropovich­

Wett bewerb und dem Wettbewerb der „Académie In terna

tionale Maurice Ravel“. Entscheidende Impulse erhielt

sie 1999 durch die Begegnung mit Henri Dutilleux, der

be zeugte: „Ihre Interpretation hat mich sofort beglückt,

durch ihre Klangtransparenz, rhythmische Präzision,

tech nische Perfektion und Bravour. Ich kann ohne Übertrei

bung behaupten, dass ihr Spiel für mich eine echte

Of fen barung bedeutet.“

Als Konzertsolistin war Emmanuelle Bertrand unter ande

rem Gast des Jerusalemer Sinfonieorchesters, des

BBC National Orchestra of Wales, des Orchestre Symphonique

de Québec und des Orchestre National de

Lille. Sie gastierte in den großen Pariser Konzertsälen

und bei namhaften Festivals in Europa, Japan, Kanada

und den USA.

Ihre Aufnahmen bei Harmonia Mundi France als So listin

oder mit dem Pianisten Pascal Amoyel haben die

wichtigsten Auszeichnungen der Kritik erhalten: „Cannes

Clas sic Award“, Jahrespreis „Diapason d’Or“, „10 Répertoire­Classica“,

Choc der Zeitschrift „Le Monde de la Musi

que“ sowie „ffff Télérama“.

Emmanuelle Bertrand ist außerdem Preisträgerin des

„Grand Prix de la Critique francaise 2002“ und Chevalier

de l’Ordre des Arts des Lettres.

Pascal Amoyel (Klavier) begann seine musikalische

Aus bildung im Alter von zehn Jahren an der École Normale

de Musique de Paris und besuchte ab 1988 das

Con servatoire National Supérieur de Musique in Paris,

an dem er 1992 den ersten Preis für Klavier­ und Kammer

musik erhielt. Entscheidend geprägt wurde er durch

die Begegnung mit György Cziffra, bei dem er in Frankreich

und Ungarn mehrere Jahre Unterricht nahm. Er ist

Preisträger der Menuhin­Stiftung und der Cziff ra­Stiftung,

außerdem gewann er den ersten Preis beim „In terna

tionalen Wettbewerb Junger Pianisten“ in Pa ris. Meister

kurse besuchte er bei Lazar Berman, Aldo Cic co lini,

Pierre Sancan und Charles Rosen.

Pascal Amoyel ist in Europa, den Vereinigten Staaten, in

Ka nada, Russland und Japan aufgetreten. Konzerte gab

er unter anderem mit dem Orchestre de Paris, mit dem

er auch eine DVD aufnahm, mit dem Orchestre National

de Lille, dem Orchestre National de Montpellier, dem

Sin fonieorchester des Bulgarischen Staatsrundfunks,

dem Staatlichen Sinfonieorchester Moskau und dem

En semble Anima Eterna. Seine Soloeinspielungen wie

auch seine Einspielungen im Duo mit der französischen

Cel listin Emmanuelle Bertrand haben die bedeutendsten

Aus zeichnungen erhalten. Im September 2009 empfahl

das Magazin „Classica­Le Monde“ seine Einspielung von

Liszts „Funérailles“ als eine der vier Referenz­Auf nahmen

neben denen von Alfred Brendel, Vladimir Horowitz

14 15


und Krystian Zimerman. 2010 wurde seine CD „Chopin

Noc turnes” im Rahmen des „Grand Prix du Disque Frédéric

Chopin“ von der Warschauer Frédéric Cho pin Gesell

schaft ausgezeichnet, von der Pariser „Fon dation

d’Entreprise Banque Populaire“ wurde er zum Kom ponis

ten des Jahres ernannt.

2010 und 2011 war Pascal Amoyel als Solist mit Jos

van Immerseel und seinem Ensemble Anima Eterna

auf Tournee. Bei dieser Gelegenheit spielte er das erste

Kla vierkonzert von Frédéric Chopin und das zweite

Kla vierkonzert von Franz Liszt. Auftritte führten unter

an derem zum Musikfest Bremen, zum Musikalischen

Herbst Darmstadt, in das Festspielhaus Baden­Baden,

zum Kunstfest Weimar, zum Beethovenfest Bonn und

zum Musikfest Berlin.

Im November 2011 fand in Paris die Uraufführung seiner

mu sikalische Inszenierung „Le pianiste aux 50 doigts“

statt, die dem Leben seines Lehrers, des ungarischen

Pia nisten György Cziffra, gewidmet war.

Als Gründer und künstlerischer Leiter des Festivals

„No tes d’Autome“ bringt Pascal Amoyel in Perreux­sur­

Marne Musiker und Schauspieler zu außergewöhnlichen

Pro jekten zusammen.

Pascal Amoyel ist mit dem Premier Grand Prix „Arts­

Deux Magots“ ausgezeichnet worden als Ehrung „für

ei nen Musiker, der sich durch Offenheit und Un vor ein genom

menheit auszeichnet“. Außerdem ist er Chevalier de

l‘Ordre des Arts et des Lettres.

Und nach dem Konzert...

Liebe Gäste der Philharmonischen Konzerte,

liebe Freunde der FSGG,

gerne sind wir auch nach dem Konzert für Sie da. Lassen Sie

den Abend bei einem

Glas Wein oder Sekt Revue

passieren.

Wir freuen uns auf Ihren

Besuch.

Ihr FSGG Team.

16


Samstag, 20. April 2013, 20.00 Uhr

Theater am Marientor

Gastkonzert des

WDR Sinfonieorchesters

WDR Sinfonieorchester Köln

Jukka-Pekka Saraste Dirigent

Vilde Frang Violine

Arnold Schönberg

Kammersinfonie Nr. 2 es-Moll op. 38

Erich Wolfgang Korngold

Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60

Mittwoch, 1. Mai 2013, 20.00 Uhr

Donnerstag, 2. Mai 2013, 20.00 Uhr

Theater am Marientor

9. Philharmonisches Konzert

2012/2013

Carl St. Clair Dirigent

Schlagzeugensemble:

Kersten Stahlbaum, Christoph Lamberty

Frank Zschäbitz, Steffen Uhrhan, Rafael Sars

Toru Takemitsu

„From me flows what you call time“

für fünf Schlagzeuger und Orchester

Peter Tschaikowsky

Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 „Pathétique“

Achtung!

„Konzertführer live“ mit Astrid Kordak um 19.00 Uhr

im Großen Saal des Theaters am Marientor

18 19


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Senden Sie eine SMS mit dem Kenn wort

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Gebühren dem Stiftungskonto gutgeschrieben.

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die Förderung junger Berufsmusiker zum Ziel.

Die Einrichtung ermöglicht es Ab sol venten von

Mu sik hochschulen, im Rah men eines Praktikums

bei den Duis burger Phil har monikern wertvolle

Er fahrungen beim Mu sizieren in einem Profi-

Orchester zu sam meln. Der oft steinige Übergang

vom Studium zum festen Engagement wird

deut lich er leich tert, zumal ohne Nachweis erster

Er fah rungen in einem großen Orchester kaum

eine Stelle als Berufsmusiker zu erhalten ist.

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Theens hätte sich gewiss sehr darüber gefreut,

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22

Herausgegeben von:

Stadt Duisburg · Der Oberbürgermeister Sören Link

Dezernat für Familie, Bildung und Kultur ·

Dezernent der Stadt Duisburg Karl Janssen

Duisburger Philharmoniker · Intendant Dr. Alfred Wendel

Neckarstr. 1

47051 Duisburg

Tel. 0203 | 3009 ­ 0

philharmoniker@stadt­duisburg.de

www.duisburger­philharmoniker.de

Layout: Michael Tegethoff

Druck: Basis­Druck GmbH · www.basis­druck.de

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Neckarstr. 1, 47051 Duisburg

Tel. 0203 | 3009 ­ 100

Fax 0203 | 3009 ­ 210

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Mo ­ Fr 10:00 ­ 18:30 Uhr

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Mo ­ Fr 10:00 ­ 19:00 Uhr

Sa 10:00 ­ 18:00 Uhr

Die Programmhefte der Kammerkonzerte

finden Sie bereits fünf Tage vor dem Konzert unter

www.duisburger­philharmoniker.de im Internet.

5.Profile-Konzert

Sonntag, 26. Mai 2013, 11.00 Uhr

Theater Duisburg, Großer Saal

Die Kreutzersonate

Florian Geldsetzer Violine

Peter Bonk Violine

Judith Bach Viola

Friedmann Dreßler Violoncello

Melanie Geldsetzer Klavier

Barbara Auer Sprecherin

Bernd Kuschmann Sprecher

Ludwig van Beethoven

Sonate für Klavier und Violine

A-Dur op. 47 („Kreutzersonate“)

Leoˇs Janáček

Streichquartett Nr. 1 „Die Kreutzersonate“

Gesellschaft der Freunde der

Duisburger Philharmoniker e. V.


7. Kammerkonzert

So 12. Mai 2013, 19.00 Uhr

Theater am Marientor

The Wallfisch Band

Elizabeth Wallfisch

Violine und Leitung

Kompositionen von

Johann David Heinichen

Giovanni Battista Pergolesi

Unico Willem van Wassenaer

Antonio Vivaldi

Luigi Boccherini

Gefördert vom Ministerium für Familie,

Kinder, Jugend, Kultur und Sport

des Landes Nordrhein-Westfalen

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