Dynamoheft 03 / 2010 - Dynamo-Windrad | Freizeitsportclub Kassel eV

dynamowindrad

Dynamoheft 03 / 2010 - Dynamo-Windrad | Freizeitsportclub Kassel eV

Der Herbst ist da!

Wurde auch mal Zeit. Den Sommer

gab es eigentlich nicht und als er

kurz da war, hatte man schon im Stehen

Schweißausbrüche. Sommerloch

vom feinsten mit Erpressungsversuchen

der Atomindustrie, einer unfassbar

dämlichen und strunzdeutschen

K-Frage – ächz. Die Huskies haben

sich den bizarrsten Abgang aus einer

bizarren Liga gegönnt. Und es gab

nicht mal einen Problembären.

Wie schön ist da doch der Herbst:

Moderate Temperaturen, Bundesliga,

wirklich hübsche Landschaften

(Wald!) und die Natur deckt den

Tisch reichlich. Es ist eine Freude. In

Kassel zu leben heißt ja sowieso, dem

Wetter ein Schnippchen zu schlagen.

Wer über das Wetter meckert, soll

halt nach Freiburg oder noch weiter

nach Süden ziehen. Und politisch

geht es auch wieder rund, man denke

nur an die anstehendeJahreshauptversammlung

von Dynamo Windrad.

Deswegen feiern wir den Herbst

auch mit gleich zwei Dynamoheften.

Denn das nächste kommt schon in

zwei Monaten. Aber wir wollen auch

nicht verschweigen, dass es einen sogenannten

Sommer gab, der sich in

Kassel eigentlich auf ein Wort reduzieren

lässt: BolzWM. Unbeschreibliche

Szenen spielten sich auch dieses

Mal wieder auf den Waldauer Wiesen

ab – wir versuchen trotzdem Worte

und Bilder dafür zu finden. Und weil

wir zum ersten Mal einen Handicup

erfolgreich durchgeführt haben,

kriegt das Thema Behinderten-Sport

gleich einen eigenen Schwerpunkt.

Nicht verschweigen wollen wir

auch, dass sich unsere Haus- und

Heftkarikaturistin Anja Kress unter

250 KünstlerInnen aus 44 Ländern

den zweiten Preis des Aachener Cartoonwettbewerbs

angeln konnte. Famos!

Und völlig zu Recht. Denn mit

Anja funktioniert das so: Man sagt

ihr das Heftthema und zwei Monate

später hat man zwei bis vier Karikaturen

zur Auswahl – immer pünktlich

und vor allem immer gut. Glückwunsch!

Nicht ins Heft geschafft hat es eine

fundierte Auseinandersetzung mit

dem Angebot der Stromkonzerne, die

AKWs sofort abzuschalten. Aber wir

kommen aus dem „Ja!“-Sagen nicht

mehr raus. War eigentlich doch nicht

so schlecht der Sommer. Aber egal,

der Herbst kann auch so Einiges!

die Redaktion

3


Dynamo goes South Africa

Die Sunny Dancers

Blinde spielen Fußball

Preiswürdig

Das ist los

INHALTSVERZEICHNIS

6

Rückblick

BolzWM

9 The whole world in one city

13 Frauenbolzmasters 2010

15 Ausland: Dynamo goes South Africa

Titelthema

21 Behinderten-Sportgemeinschaft Kassel 1951 e.V.

25 Die Sunny Dancers

28 Erster Dynamo-Windrad-Handicup 2010

31 Blinde spielen Fußball - geht das überhaupt?

35 Integrationssportverein Stadt & Landkreis Kassel

37 Kinder im Schnee

Preiswürdig

43 Otto Schily bleibt rechts stehen

45 Glosse: Wenn wir Deutschen tanzen, und nebenan

tanzen die Brasilianer...

47 Gedicht

Dynamische Sportangebote

49 Das Wort zum Sport

50 Sportangebote

54 Wassersport

61 Dynamo Windrad Jahreshauptversammlung

62 Streetbolzer in der neuen Saison

63 Radikale Therapie

64 Freestyle: nach Ab kommt Auf

66 Der Kranich

67 Das ist los

68 Weltkriegsverlierbesieger

Plattensport

70 Online Musik entdecken

71 Junge Kunst

77 Glosse: Gernfums oder die Freiheit ohne Trainer

84 Das macht die Konkurrenz

88 Zukunft erFahren

91 Rote Karte

94 Dynamo des Monats

5


BOLZWM

7


D

iese Hitze! Ausgerechnet die 10

heißesten Tage des Jahres waren

Rahmen der BolzWM. Was haben wir

geschwitzt – im doppelten Sinne. Denn

eine Großveranstaltung bei diesen

Temperaturen auszurichten, lässt schon

um die Gesundheit der Teilnehmenden

bangen. Aber letztendlich ging alles

gut, nur ein Kind bekam Probleme. Mit

Hilfe von Wassereimern, kostenlos Mineralwasser

einem eigens angeschafften

Swimmingpool war Abkühlung

stets in Reichweite. Und es war wieder

die reine Freude! Etwa 1000 Fußballer-

Innen in sechs Turnieren, plus Kinderund

Jugendolympiade. Gäste aus allen

möglichen Ländern, darunter Norwegen,

Italien, Rumänien, Österreich,

Niederlande, England und den USA.

Zwei Ausstellungen auf dem Gelände

über Afrika bzw. Migration und Fußball.

Performances und Konzerte, Fußball

spielen und die andere WM auf

Großleinwand – ein wahres Fest bzw.

ein innerer Reichsparteitag für das Organisationsteam.

Wie üblich gab es am

ersten Wochenende das Bolzmasters,

es folgten Kinderturnier, Jugendzentrumsturnier,

ein „Last-Kick“, bei dem

alte Dynamos aus der ganzen Republik

(zum letzten Mal?) Fußball spielten

und dann mit Sekt und Devotionalien

eingedeckt wurden. Der erste Handicup

und das zweite Frauenbolzmasters

waren rauschende Erfolge (siehe Berichte)-

kurz und gut es war wieder einmal

ein größenwahnsinniges und gelungenes

Fußballfest.

Man weiß eigentlich gar nicht, wo

man bei einem Rückblick anfangen

soll, ich entscheide mich für die eigentliche

BolzWM, auch wenn die sieben

Tage davor schon großartig waren.

Die BolzWM wurde mit einem wahren

Paukenschlag eröffnet. Der Titelverteidiger

Partysahne Kassel hatte die

Organisation der Eröffnungsfeier übernommen

und es stellte sich heraus,

dass das das Beste war, was der Veranstaltung

passieren konnte. In einer über

zweistündigen Multimediaperformance

wurden die offiziellen Auslosungen

9


auf höchstem Niveau karikiert. Auf der

Bühne: Ein charmantes und witziges

ModeratorInnen-Team, das durch die

Gala leitete. Lothar Matthäus, Diego

Maradona, David Beckham und Birgit

Prinz wurden mit selbstgemachten Filmen

eingeführt und waren anwesend.

Jedes Team wurde vorgestellt und einige

traten auf die Bühne, um selber was

beizutragen. Man soll sich nicht selber

loben, aber die Diskidance-Performance

von Dynamo war sicherlich

nicht der schlechteste Beitrag. Union

Street Oxford führte einen merkwürdigen

Tanz auf und lobte selber gleich einen

Parallelwettbewerb aus, bestehend

aus Gummistiefelweitwurf, Froschhüpfen

und Grimassenschneiden. Es war

ein fast schon magischer Abend, der

entscheidenden Anteil an der Stimmung

während der ganzen Veranstaltung

hatte. Samstag wurde dann

endlich Fußball auf großem Feld gespielt

– auch für mich ein bewegender

Moment, weil ich nach einem halben

Jahr Verletzungspause mein Comeback

auf dem Feld gab – standesgemäß gegen

St. Pauli. In der Folge half ich noch

BOLZWM

bei Oxford und Leipzig aus – jedes

Spiel mit meiner Beteiligung endete

mit einer Niederlage. Was soll´s. Nachmittags

dann kleines Finale der anderen

WM mit deutscher Beteiligung.

Schon während der Woche wurden die

Nationalhymnen vor Anpfiff ausgeblendet,

um stattdessen hells bells von

AC/DC einzuspielen – großartig und

ein sympathisches Mittel gegen übermotivierte

Nationalhymnen-Aufsteher.

Abends traten dann She´s all that auf

und rockten das Zelt – aber richtig.

Ganz großartig, man muss es erlebt haben.

Bis in die Puppen gefeiert. Und

wann hat man das in Kassel denn

schon: An einem Tisch Menschen aus

England, USA, Norwegen und

Deutschland, die miteinander Spaß haben?!

Nationale Eigenarten werden auf

die Schippe genommen (meint ein

Engländer zur Amerikanerin: „Dein

Englisch ist wirklich gut, aber an deinem

Akzent könntest du noch arbeiten.“)

und alle gemeinsam haben

Schwierigkeiten auf der Bierbank zu

bleiben (Alkohol gut und schön, aber

es gab wirklich viel zu lachen).

Der Sonntag begann dann mit einer

Persiflage auf die Fernseh-Laberrunden

– dem Warburger Stammtisch. Unfassbar

sinnloses Gefasel am frühen

morgen – herrlich. Danach trat dann

am Rande Gerd Dembowski mit einer

Fußball-Countrymusik-Trash-Performance

auf. Unspektakulär, abseits der

Bühne, aber einfach gut. Wieder ein

11


BOLZWM

Tag der glücklichen und verschwitzten

Gesichter, vieler unterschiedlicher und

doch vereinter Menschen im Schatten

und auf dem Feld. Zu viele Anekdoten,

um sie alle zu erzählen.

Gewonnen haben das Turnier übrigens

die „Traktor Sissies“ und diese

Geschichte muss erzählt werden: 2006

traten bei der BolzWM zwei Teams aus

Regensburg bzw. Wien an: Traktor Bukowski

und die Soccer Sissies. Man

lernte sich kennen, mochte einander

und besuchte sich in der Folge gegenseitig.

2010 hatte man jeweils zu wenige

SpielerInnen und fusionierte für die

BolzWM. Und belegte den ersten

Platz. Bei der Siegerehrung dann der

große Auftritt: Freudentrunken bestieg

man die Bühne und erkannte, was die

BolzWM ist und wer sie ermöglicht

hatte. Nämlich nicht nur Dynamo

Windrad alleine, sondern eben auch

Partysahne und die Söhne der Mutter

(und ihre schwärmenden Schwestern).

Folgerichtig wurden alle drei Kasseler

Vereine besungen, weil aus einer reinen

Dynamo-Veranstaltung inzwischen

eine Kasseler Veranstaltung geworden

ist. Deshalb geht an dieser

Stelle auch von Dynamo der Dank an

die andere beiden Kasseler Teams, weil

die Verbindung inzwischen viel zu eng

ist, um gerade bei einer solchen Veranstaltung

noch zu unterscheiden, wer

was aus welchen Background gemacht

hat. Es war unsere BolzWM!

12

Man kann überhaupt den Menschen,

die die BolzWM möglich gemacht haben,

gar nicht genug danken. Sie hier

alle aufzuzählen ist dem Autor nicht

möglich, aber es gab Menschen, die alles

stehen und liegen gelassen haben,

um im Vorfeld und vor allem während

der Veranstaltung jederzeit mit anzupacken.

Eine Woche Urlaub nehmen, von

außerhalb anreisen, um für zehn Tage

zu helfen? Alles dabei. Theke machen

bis man nur noch stieren kann. Technik,

Aufbau, Turnierleitung, hier und

da mit anpacken, gute Laune verbreiten,

Gäste betreuen – alles wurde ehrenamtlich

geleistet. Und natürlich

geht auch ein ganz dicker Dank an

alle die, die beruflich bzw. als Sponsoren

mitgewirkt haben und die z.T.

genauso zehn Tage lang auf dem Gelände

waren und sich den A… aufgerissen

haben, ohne auf den Profit

oder den Stundenlohn oder sonst was

zu schauen. Man muss es so deutlich

sagen: Eine nichtkommerzielle Veranstaltung

auf einem so hohen Niveau

zu organisieren ist beileibe kein

Pappenstiel, aber es hat funktioniert.

Und wie!

Bleiben nur noch die Ankündigungen:

Nächstes Jahr ist Frauenbolz-

WM und 2014 ist auch schon die

nächste BolzWM.

CV

weitere Infos, Bilder, Sponsoren:

www.bolz-com.de bzw. bei facebook


Zum zweiten Mal war es wieder soweit. Das Motto der diesjährigen

FrauenBolzMasters hat sich bestätigt: Es gibt noch mehr da draußen, mehr Frauen,

die gern bolzen… Auf dem Platz standen 9 Teams unterschiedlicher Stärken, sowohl

bezogen auf die Anzahl der Spielerinnen als auch deren spielerische Niveaus.

Die letzten Rest Schatten für die Damen, die

Herren durften in die Sonne.

Im Zeichen der Hitze: Schiedsrichterin mit

Sonnenschirm. Immerhin gab dessen

Farbgestaltung keinen Grund zu Irritationen.

Kein Ball wurde verloren gegeben, auch

wenn es manchmal ein schleichender

Prozess war…

13


14

BOLZWM

Das Finale!!!

Frauenbolzmasters 2010


Dynamo goes South Africa

ach der großartigen BolzWM

N 2006 gab es natürlich relativ

schnell Visionen, wie denn die WM

2010 aussehen könnte. Da Dynamo

manchmal ganz gerne zum Größenwahn

neigt, sollte die BolzWM 2010

gleich komplett in Südafrika stattfinden.

Schöne Idee, aber womöglich

eine Nummer zu groß für die damalige/jetzige

Situation von Dynamo.

Seit 2006 haben sich

verschiedene Projekte von

Dynamo prächtig entwickelt,

„Freestyle“ und

„Streetbolzer“ sind hier an

erster Stelle zu nennen.

Begonnen hat Streetbolzer

damit, dass ein Herr Michael

Klode eines Tages in

unser Büro kam, sich als

neu in Kassel vorstellte

und auf Kontaktsuche war,

besonders interessierte ihn Straßenfußball.

Und dann ging alles rasend schnell.

Dynamo wurde Gründungsmitglied

des ersten deutschen „Netzwerk Straßenfußball“

und dieses ist Mitglied bei

„streetfootballworld“ (sfw) in Berlin.

Streetfootballworld arbeitet weltweit

und hat die FIFA davon überzeugt, das

Straßenfußball- Turnier „Football for

Hope“ als offiziellen Bestandteil der

WM erstmalig aufzunehmen. Selbst-

verständlich hat auch die FIFA ein großes

Interesse daran, sich ein soziales

und positives Image zu geben, dazu

aber später mehr.

32 Teams aus der ganzen Welt nahmen

an Football for Hope teil, darunter eine

aus Deutschland, unser Netzwerk

Deutschland. Eine Mannschaft hatte

aus 4 Spielerinnen und 4 Spielern im

Alter von 15-18 Jahren zu bestehen.

Das Netzwerk besteht aus

acht Organisationen, also

stellt jeder eine SpielerIn,

so einfach ist das. Damit

war auch klar, Dynamo

Windrad stellt offiziell

einen deutschen Nationalspieler

bei einer Weltmeisterschaft,

das hätte

1982 bei der Gründung

auch niemand für möglich

gehalten.

Dynamo hat sich nach

einem intensiven Auswahlverfahren für

Mehmet Cevik aus der Kasseler Nordstadt

entschieden. Das bundesweite

Team hat sich ein Jahr lang regelmäßig

getroffen. Es musste fußballerisch und

inhaltlich zusammenwachsen, immerhin

haben sie Deutschland, das Netzwerk

und ihre Mitgliedsorganisationen

vertreten. Das war alles andere als ein

Zuckerschlecken und locker Urlaub

machen, sondern viel Arbeit und intensive

Vorbereitung.

15


Dynamo goes South Africa

„Football for Hope“ fand in der Zeit

vom 27.Juni. bis 14. Juli in Johannesburg

statt, also fast die ganze WM. Als

Austragungsort wurde das Township

Alexandra ausgewählt. Das Fußballturnier

selbst dauerte vom 4. bis 10. Juli.

Aber Dynamo stellte nicht nur den Nationalspieler

Mehmet. Der

Kasseler Sozialarbeiter und

Filmemacher Mustafa

Gündar reiste für sfw als Medienpädagoge

ebenso nach

Johannesburg. Da waren es

schon zwei Südafrikafahrer

aus Kassel.

Dieser Umstand wurde von

Dynamo als einmalige Chance

angesehen, über den eigenen Tellerrand

hinaus zu blicken und eine kleine

Delegation nach Südafrika zu entsenden.

Dabei gab es viele Aufgaben und Möglichkeiten

zu bearbeiten:

- Unterstützung für unseren Jugendlichen

Mehmet

- Das Festival „Football for Hope“

hautnah mitzuerleben und Eindrücke

sammeln.

- Die FIFA- WM ebenfalls erleben &

auch diese Eindrücke zu sammeln.

- (soziale) Fußballprojekte in Johannesburg

besuchen und Kooperationen

auszuloten.

- Weltweite Kontakte knüpfen für zu

künftige Kooperationen.

- Dynamo Windrad endgültig in der

ganzen Welt bekannt zu machen.

AUSLAND

- Fortführung der dynamischen Reisetradition.

- Möglichkeiten für eine BolzWM

1014 in Brasilien realisieren.

Es wurde ein dreiköpfiges Team zusammengestellt,

welches einige Bedingungen

erfüllen musste. Den

Verein in und auswendig kennen

um ihn entsprechend repräsentieren

zu können. Erfahrungen

bei oder mit Dynamo

in ähnlichen Projekten

und Netzwerken. Über die Fähigkeit

der Kommunikation

zu verfügen. Die Bereitschaft,

alle Kosten der Dienstreise

selber zu tragen, außer den Flugkosten.

Die Bereitschaft, die BolzWM in Kassel

größtenteils zu verpassen. Die Bereitschaft,

Frauen und Kinder sich

selbst zu überlassen. Diese Bereitschaft

zeigten:

- Axel Jahr (u.a. Projektleiter „Eine Lebensweltmeisterschaft“),

- Karsten Onderka (u.a. Projektleiter

„Eine Lebensweltmeisterschaft“, Mitarbeiter

Freestyle und im Netzwerk

Straßenfußball)

- Claus Wiese, Geschäftsführer von

Dynamo

Ankunft am Flughafen Johannesburg,

mit dem Taxi zum Hostel. Noch

am selben Nachmittag sind wir aufgebrochen,

um Mehmet und Mustafa zu

treffen. Wieder mit dem Taxi (und so

ging das 10 Tage lang) direkt mitten ins

17


Township Alexandra. Der Taxifahrer

hieß Paul und wollte nicht glauben,

dass wir dahin wollten. Vor Erreichen

des Township hat er seine Pistole im

Handschuhfach kontrolliert, das Taxischild

runter genommen und gesagt:

„Ich komme mit dem Taxi zwar rein,

aber nie mehr hinaus“. Wir haben uns

in Ruhe das extra errichtete Straßenfußball-Stadion

angeschaut sowie das

ganze Gelände. Fantastisch, vor allem

die überdimensionierte Darstellung

von FIFA, Coca Cola, Sony und Adidas.

Von dort aus zur Unterkunft der

Teilnehmer von Football for Hope in

einer 10 km entfernten Schule. Die

ganze Schule samt Sportplätzen hermetisch

abgeriegelt, unter schwersten

Sicherheitskontrollen haben wir dann

Zutritt erhalten. Die Jugendlichen waren

schwer beschäftigt mit Workshops,

für uns eine gute Gelegenheit um mit

den vielen Betreuern der Teams aus aller

Welt erste Kontakte aufzunehmen.

Schnell war der Nachmittag vorbei und

schon am ersten Tag hatten wir unzäh-

18

AUSLAND

lige Adressen gesammelt und Freundschaften

geknüpft.

Alle Jugendlichen sowie Betreuer

und Organisatoren hatten sich ans Protokoll

zu halten, d.h. zu jeder Tag und

Nachtzeit in Klamotten von Adidas herumzulaufen

und massenweise Cola in

sich reinzuschütten. Das Protokoll gab

auch für die Teilnehmer einen exakt

einzuhaltenen Tagesablauf vor. Keine

Chance mal einen Kaffee trinken zu

gehen oder überhaupt nur das Gelände

zu verlassen um irgendetwas von

Jo´burg kennen zu lernen. Es war für

uns auch sofort spürbar, dass nicht alle

Teilnehmer damit einverstanden waren,

besonders die Südamerika-Fraktion

war sehr ungehalten und wollte unverzüglich

abreisen. Natürlich ist es großartig,

Bestandteil der FIFA-WM zu

sein, aber zu welchem Preis? Die

Teams wurden immer mit Polizeikonvoi

samt Hubschraubereinsatz zum

Township und zurück gebracht. Zur

Begrüßung haben Sepp Blatter und

Staatspräsident Zuma gesprochen. Was

sollen bloß die Jugendlichen, die alle-


Dynamo goes South Africa

samt aus eher schlichten Verhältnissen

kommen, denken? Wir sind die Größten,

wenn wir mit einer Hundertschaft

Polizisten zum Stadion eskortiert werden?

Verschiedene Treffen mit sozialen

Projekten in Johannesburg standen auf

der Tagesordnung, zu nennen ist hier

„Terres des Hommes“, die in Kooperation

mit dem VW-Betriebsrat ein tolles

Projekt direkt in der Innenstadt organisieren.

Leider haben wir den Betriebsrat-Chef

aus Baunatal um 3 Tage verpasst.

Die FIFA hatte nach den sensationellen

Erfahrungen mit Public Viewing

und Fanmeilen in Deutschland, dasselbe

im großen Stil für Südafrika organisiert.

Nur leider interessierte es dort so

gut wie niemanden. Auf einem Gelände

für 15 000 Zuschauer saßen wir mit

300 plus 500 Sicherheitsbeamten da

und haben Holland-Brasilien gesehen

sowie Deutschland-Argentinien. Immerhin

bestand zu keinem Zeitpunkt

die Gefahr, dass die Getränke nicht

ausreichen. Im Stadion waren wir

auch, aber hier kann nur ein Bruchteil

der Ereignisse aufgeschrieben werden.

Wer möchte, kann den Blog auf

www.bolz-wm.com lesen oder direkt

nachfragen.

Zum Schluss möchten wir einfach

„Danke“ sagen: an Dynamo und an unsere

Familien und Freunde, dass wir

dabei sein durften und konnten. Und

nach den Eindrücken von Football for

Hope und der FIFA-WM, haben wir

noch das letzte Wochenende der

BolzWM miterlebt und das ist einfach

„die wahre Weltmeisterschaft“

Axel, Karsten, Claus

19


Die Behinderten Sportgemeinschaft

Kassel 1951 e.V. stellt sich vor

D

ass Menschen unterschiedlichste

Sportarten in organisierten

Gruppen und Vereinen betreiben,

ist eine so allgemein bekannte

Tatsache, dass sie sich

kaum zu erwähnen lohnt. Und

insbesondere von jenen (Mannschafts-)

Sportarten, die wettbewerbsmäßig

bzw. im Ligabetrieb,

regional, bundesweit oder international

praktiziert werden, sind die

Sportseiten der Tageszeiten bzw.

die verschiedenen Sportsendungen

voll. Aber eben nicht von allen und

insbesondere nicht von solchen

Sportarten, die von sogenannten

Minderheiten ausgeübt werden -

sei es, weil ihr Sport so exotisch ist

oder die Sportler und Sportlerinnen

so „besonders“ sind. Und gerade

dies trifft auf die sportlichen

Aktivitäten und Angebote für behinderte

Menschen in hohem Umfang

zu – schade eigentlich.

Nachdem nun auch Dynamo

Windrad mit dem 1. HANDICUP, einem

Fußballturnier für Menschen

mit Behinderungen, im August diesen

Jahres versucht hat, in Kassel eine

etwas größere Öffentlichkeit in

diesem Bereich herzustellen – was,

nebenbei erwähnt, von der HNA mit

einem gerade mal handtellergroßen

Artikel gewürdigt wurde – wollen

wir in diesem Heft auch anderen

etablierten Vereinen die Möglichkeit

geben, sich und ihre Angebote für behinderte

(und nichtbehinderte) Menschen

vorzustellen.

Bitte schön, die Behinderten-Sportgemeinschaft

Kassel 1951 e.V.:

Die BSG Kassel 1951 e. V. bietet alle

klassischen Behindertensportarten

an. Da Integration bei uns einen ganz

hohen Stellenwert hat, können auch

Nichtbehinderte bei uns Sport treiben.

Alle Trainings- und Sportstunden finden

unter Anleitung gut ausgebildeter

Übungsleiter statt. Nachstehend möchten

wir Ihnen unser Sportangebot kurz

vorstellen. Und wenn wir Ihr Interesse

geweckt haben sollten, machen Sie

doch einfach einmal mit! Wir freuen

uns über jeden neuen Sportler!

Sport für Blinde und Sehbehinderte

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten,

sich als Blinder und Sehbehinderter

sportlich zu betätigen.

Zum Beispiel beim Kegeln, Schwimmen,

Wandern, Ski-Langlauf, bei der

Leichtathletik oder beim Blindentorball.

Torball - Die Ohren ersetzen die Augen!

Torball ist eine Mannschaftssportart

mit Ball, die vorwiegend von Blinden

und Sehbehinderten gespielt wird. Die

Torballspielerinnen und Torballspieler

21


Tt

sind ausschließlich auf das Gehör angewiesen.

Alle tragen eine lichtundurchlässige

Dunkelbrille, damit

Chancengleichheit zwischen Spielern

mit und ohne Sehrest besteht. Torball

wird mit einem Klingelball gespielt.

Durch sein Geräusch können ihn die

Aktiven jeweils genau orten. Geräusche

außerhalb des Spielfeldes sind dabei

irritierend. Jeden Freitag trifft sich

die Sportgruppe in der vereinseigenen

Sporthalle zur Gymnastik und anschließendem

Torballspiel. Bei sportlichen

Treffen und Turnieren pflegen wir

freundschaftliche Verbindungen zu anderen

Torballmannschaften im In– und

Ausland.

Fußball-Tennis - Fußball ohne Abseitsfalle!

Beim Fußballtennis stehen sich zwei

22

TITELTHEMA

Mannschaften gegenüber, deren

Spielfeld in der Mitte durch ein Netz

von einem Meter Höhe getrennt ist.

Nach fußballerischen Regeln darf

der Ball mit Beinen, Kopf und Körper

gespielt werden, um dann im

gegnerischen Feld zu landen. Geschicklichkeit

mit dem Ball, Schußgenauigkeit

und Kopfballstärke sind

die Eigenschaften, die hier trainiert

werden und im sportlichen Wettkampf

mit anderen Mannschaften

zum Erfolg beitragen.

Die ideale Sportart für Fußball-Fans

jeden Alters, die nicht (mehr) Stunden

lang über den Fußballplatz rennen

wollen (oder können).

Gymnastik & Rückenschule -

Bewegung für die Gesundheit!

In der heutigen Zeit leiden immer

mehr Leute unter Rückenschmerzen.

Dieses Problemfeld ist zu einer richtigen

Volkskrankheit geworden. Rückenschmerzen

entstehen nicht nur

durch falsches Sitzen und Heben.

Wichtige Ursachen sind auch psychischer

Stress oder die verkrampfte

Schonhaltung des Körpers, um

schmerzhafte Bewegungen zu vermeiden.

Jeden Mittwoch trifft sich

unsere Rückenschule-Gruppe zu Bewegungsübungen

für einen gesunden

Rücken und ein rückengerechtes Verhalten

im Alltag, aber auch Übungen

zur Lockerung und Entspannung.


Behinderten-Sportgemeinschaft Tt

Rollstuhlsport:

Rollstuhlbasketball - Kampf unter

dem Korb!

Rollstuhlbasketball ist eine Behindertensportart

und Disziplin der Paralympics.

Neben Menschen mit körperlicher

Behinderung dürfen auch

Fußgänger mitspielen. Die Regeln sind

an die des klassischen Basketballs angelehnt

und in einigen Punkten an die

Anforderungen des Rollstuhlgebrauchs

angepasst. Als einer der wichtigsten

ist hier das Klassifizierungssystem

zu nennen, das einen Ausgleich

zwischen Mitspielern mit unterschiedlich

starken Behinderungen herstellt.

Neue Spielidee: Rolli-Volleyball!

Ein neues Spiel, das so fesselt, dass

man nicht mehr aufhören möchte zu

spielen. Abgeleitet vom ursprünglichen

Volleyballspiel spielen zwei

Mannschaften mit je fünf Spielern

gegeneinander über das Netz. Drei

Ballkontakte und zwei Bodenberührungen

sind pro Spielzug erlaubt.

Kegeln - (K)eine ruhige Kugel

schieben!

Menschen mit und ohne Behinderung

betreiben bei uns Freizeit–, Breitensport–

und Sportkegeln auf Scherenbahnen.

Das Sportkegeln wird als Einzel–

und als Mannschaftssportart

betrieben. Beim Freizeitkegeln stehen

weniger die sportliche Betätigung und

der Wettkampf im Mittelpunkt, son-

dern mehr Geselligkeit und Spaßfaktor.

Diese Sportart integriert Menschen mit

unterschiedlichen Behinderungen –

auch Rollstuhlfahrer oder Blinde und

Sehbehinderte betreiben diese Sportarten

mit Erfolg und viel Freude.

Sitzball - „fliegende" Menschen mit

100% körperlichem Einsatz!

Wer die Sportler in ihren gepolsterten

Hosen über das Spielfeld und darüber

hinaus rutschen, springen und

fliegen sieht, wird mit großem Erstaunen

feststellen, dass Sitzball wenig

mit Sitzen zu tun hat. Es handelt

sich beileibe nicht um einen geruhsamen

Sport, wie der Name vielleicht

vermitteln möchte. Sitzball ist eine

der ältesten Ballspielarten im Bereich

des Behindertensports und vom

Spielgedanken her mit Volleyball und

Faustball verwandt. Die Sportart ist

geprägt von Schnelligkeit und Dynamik.

Sitzball eignet sich ideal für das

23


Tt

24

TITELTHEMA

gemeinsame Spiel von behinderten

und nichtbehinderten Menschen.

Tischtennis - Großes Spiel mit dem

kleinen Ball!

Der Gewinn von Spiel, Satz und Sieg

steht hier nicht im Vordergrund, sondern

der Spaß beim gemeinsamen

Spiel im Einzel oder Doppel. Jeden

Freitag treffen sich die Tischtennisspieler

in der vereinseigenen Sporthalle in

der Fuldaaue.

Sport und Spiele - Bewegung und

Spiele mit Spaß!

Nicht nur zum wöchentlichen Treffen

in der Sporthalle, sondern auch zu vielfältigen

anderen Aktivitäten außerhalb

der Sporthalle kommt unsere Sport–

und Spielegruppe mit Körper- und

Geistigbehinderten gerne zusammen.

Die speziell für den Sport mit Behinderten

ausgebildeten Übungsleiter

werden durch zusätzliche Assistenten

unterstützt. Damit wird eine möglichst

individuelle Betreuung und intensive

Unterstützung der einzelnen Teilnehmer

gewährleistet.

Schwimmen - Spaß und Bewegung

im Wasser!

Schwimmen und Wassergymnastik

bietet vor allem im Winterhalbjahr einen

guten Ausgleich zur fehlenden Bewegung

an der frischen Luft. Wer hier

einmal mitmacht, merkt sehr schnell,

dass Wassergymnastik nicht nur Was-

Behinderten-Sportgemeinschaft

sertreten und Plantschen ist. Vielmehr

handelt es sich um ernsthaftes therapeutisches

und funktionelles Training.

Schließlich bietet das erfrischende

Nass eine der sanftesten Möglichkeiten,

gesund und fit zu werden - und

auch zu bleiben. bsg kassel/heiss

Und so erreichen Sie die Behinderten-Sportgemeinschaft

Kassel 1951

e. V.:

Heinrich-Schütz-Allee 287

34134 Kassel

Tel. 4009560

vorstand@bsg-kassel.de

www.bsg-kassel.de

Information und Anmeldung zu den

Sportangeboten:

Torball, Fußballtennis, Rolli-Volleyball,

Sport & Spiele - Helmut Ernst

(torball@bsg-kassel.de)

Gymnastik & Rückenschule, Tischtennis

- Renate Molkenthin (r.molkenthin@bsg-kassel.de)

Kegeln - Tanja Werkmeister

(t.werkmeister@bsg-kassel.de )

Sitzball - Thomas Abel

(sitzball@bsg-kassel.de)


A

ls ich beim diesjährigen Stadtfest

die Auftritte verschiedener

Gruppen der Tanzschule Body

and Soul verfolgte, sah ich auch die

Performance der Sunny-Dancers,

und ich sage euch, da ging tatsächlich

die Sonne auf. In einer Supervorstellung

zu „Hells Bells“

rockten die Jungs und Mädels, was

das Zeug hielt. Mit Leib und Seele

waren sie dabei, so dass der Funke

schnell ins Publikum übersprang,

was auch mit lang anhaltendem

Beifall belohnt wurde.

Daraufhin sehr neugierig geworden

befragte ich die Initiatorin und Co-

Trainerin Beate Bobke (Miss B.).

Dynamo: Wie kam diese Idee zustande?

Miss B.: Da gab es parallel zwei

Anlässe. Ich selbst habe bei Body and

Soul eigene Tanzerfahrung gemacht.

Mein Sohn, der mit dem Down Syndrom

lebt, holte mich eines Tages vom

Tanzstudio ab und war völlig begeistert

von den Jugendlichen, die dort

nach Hip-Hop-Klängen an einer Choreographie

arbeiteten. Daraufhin entstand

nach einem Gespräch mit Tanzlehrer

Pete Ezednor die Idee, für

Jugendliche mit Down-Syndrom einen

Kurs in „modern Dance“ anzubieten.

Gleichzeitig gab es eine Anfrage an

unsere Selbsthilfegruppe Arbeitskreis

Down-Syndrom Kassel wieder an der

„Woche für das Leben“, einer bundes-

25


Tt

weiten Initiative der katholischen und

der evangelischen Kirche teilzunehmen.

(Die WfL findet jährlich statt,

steht unter einem bestimmten Motto.

Hier wird versucht den Wert und die

Würde des menschlichen Lebens

durch verschiedenste Veranstaltungen

mit der Unterstützung von unterschiedlichen

Vereinen und Gruppen

zu thematisieren. www.woche-fuerdas-Leben.de)

Mir ist es bei solchen Veranstaltungen

besonders wichtig, nicht von und über

Menschen mit Down-Syndrom zu

sprechen, sondern die Zuschauer spüren

und erfahren zu lassen, welche Fähigkeiten

sie haben, wie „normal“ sie

sind, welches Potential in ihnen steckt.

Eine Gruppe tanzender junger Menschen

mit Down-Syndrom würde die

Zuschauer beeindrucken. So ist die

Idee für dieses Tanzangebot entstanden

Im August 2005 haben wir uns zum

ersten Mal getroffen. Wir waren damals

acht junge Leute zwischen 15

26

TITELTHEMA

und 25, die, die ersten Versuche gestartet

haben, in einer Gruppe gemeinsam

eine Choreographie zu erarbeiten.

Der 1. öffentliche Auftritt war

dann 2006 bei der Eröffnungsveranstaltung

der „Woche für das Leben“ in

Fulda.

Und wie ging es dann weiter?

Seither treffen wir uns einmal pro

Woche und erarbeiten unterschiedlichste

Choreographien. Weitere Auftritte

fanden statt: u.a. Gesamtschule

Ahnatal zur Verabschiedung der

10.Klässler, in Arolsen bei der Veranstaltung

„Aktion für Behinderte Menschen

Nordhessen“, in Frankfurt bei

dem „Down-Syndrom Festival“ 2007.

Nach diesem Auftritt sind Pete und ich

gefragt worden, ob wir innerhalb dieser

Veranstaltung nicht Workshops anbieten

könnten. Seither fahren wir

jährlich nach Frankfurt und bieten für

jeweils 3 Gruppen á 30/40 Personen

diesen Workshop an. Das Ergebnis

wird dann bei der Abschlussveranstal-


Sunnydancers

tung vorgeführt. Die Begeisterung der

Teilnehmer und Zuschauer ist grenzenlos.

Das kann ich mir gut vorstellen,

auf dem Stadtfest ging es mir

genauso.

Ja, traditionell treten wir seit 2006

auf dem Stadtfest in Kassel an beiden

Tagen auf. 2008 haben die Sunny`s

auch auf dem Stadtfest in Baunatal

getanzt und selbstverständlich bei den

internen Festen von Body and Soul.

Ein weiteres Highlight war ein Auftritt

bei einer Hochzeit.

Gibt es so was in anderen

Städten auch?

Wir werden oft gefragt,

ob wir regelmäßige

Tanzworkshops in anderen

Städten anbieten würden.

Das geht leider nicht.

Tanzstudios oder Tanzschulen

in anderen Städten haben vielleicht

Berührungsängste,

Tt

Angst vor dem Umgang mit Menschen

mit Behinderung oder sie können

sich nicht vorstellen, dass das

Bedürfnis dieser jungen Menschen

„modern“ zu tanzen genauso ist, wie

das der „normalen“ Jugendlichen. Eine

Möglichkeit wäre, wenn die Eltern

offensiver auf die Tanzschulen zugehen

würden, um ein Angebot zu schaffen,

zumal sie dieselben Beiträge bezahlen

würden. Vielleicht trauen die

Schulen sich, wenn Eltern ein wenig

Unterstützung oder Begleitung anbieten.

Vielleicht trägt dieser Artikel ja dazu

bei. Vielen Dank und weiterhin

viel Spaß und Erfolg den Sunny-

Dancers!

Gefragt hat Resi

27


D

ie 7. Bolz-WM 2010 ist vorbei –

schon lange und mit etwas

weniger fröhlich-öffentlichem Nachhall,

als sich das manche/r gewünscht

oder zumindest erhofft haben

dürfte. Aber wir wollen nicht

oder gerade doch „nachtragend“

sein und passend zum Schwerpunktthema

des vorliegenden Heftes einen

kleinen Rückblick geben auf ein Ereignis,

das im Rahmen der Bolz-WM

seine sehr erfolgreiche Premiere

buchstäblich gefeiert hat: der Erste

Dynamo-Windrad-HandiCup 2010!

Wir erinnern uns: die Bolz-WM –

dieser nicht nur fußball-lastige, sondern

ebenso alternative, multi-kulturelle

und politische Event fügte sich in

diesem Jahr selbst ein weiteres bedeutsames

Attribut zu – das der Integration

von Menschen mit (geistigen) Behinderungen

durch ein eigenes Fußballturnier.

Teilgenommen haben am 8. Juli bei

hochsommerlichen Temperaturen unter

strahlender Sonne letztendlich sieben

28

Fußballteams aus Werkstätten in Baunatal,

Bebra, Marburg und Hofgeismar

sowie die Freizeit-Fußballer „Bolzköppe“

des ISV Kassel.

Bunt gemischte Truppen, das muß

man schon sagen, die sich da auf und

neben dem Platz trafen und wunderbar

verstanden. So gab es bei den Baunatalern

aktiv spielende Fußballerinnen; es

gab grundsätzlich interessante Altersspannen

in den Teams und allgemein

eine große Vielfalt und Fülle in Bezug

auf die Begeisterungsfähigkeit und den

sportlichen Aktivitätsgrad oder auch in

Bezug auf das Regelverständnis und

das spielerische bzw. technische Können

der Spieler und Spielerinnen.

Heterogenität ist da der Fachausdruck

– und ein großartiges Beispiel

gelebter Integration, Interaktion, Toleranz

und Kommunikation.

Dieser Vielfältigkeit (auch sportlich)

entgegenzukommen versuchten die

Veranstalter des Turniers (GROSSEN

Dank an dieser Stelle an Philip, Mar-


1. Dynamo-Windrad-Handicup

kus, Micha und Heidrun) mit solider

Vorbereitung, mit einem ausgeklügelten

Spiel- und Pausenplan sowie der

zeitgleichen Ausrichtung eines A-Turniers

(weniger spielstarke Teams) und

eines B-Turniers (spielstärkere Teams).

Diese „leistungsorientierte“ Einteilung

der Mannschaften wurde im Vorfeld

von deren Trainern vor- und während

des Verlaufs dann nicht allzu ernst genommen.

Auch die jungen Schiedsrichter

(DANKE!) agierten eher als Spielbeobachter,

die zugunsten eines harmonischen

Spielflusses die üblichen Spielregeln

und Spielzeiten auch mal den

verschiedenen Voraussetzungen und

Spielniveaus der FußballerInnen oder

dem heißen Wetter anpassten.

Das Turnier wurde die ganze Zeit

hinweg über eine kleine Lautsprecheranlage

moderiert, was durchaus erfolgreich

dazu beitrug, die Spiele zu koordinieren,

den Ablauf zu strukturieren

und sowohl TeilnehmerInnen, Betreue-

TITELTHEMA

Tt

rInnen wie Fans bei Laune zu halten.

So kam es auf und neben dem Spielfeld

immer wieder zu fröhlichen, erheiternden,

aufregenden und originellen

Szenen und Begegnungen. Zu großen,

unverstellten Gesten und Emotionen.

Zu interessierten Nachfragen und engagierten

Fachsimpeleien. Zu interessanten

Spielzügen, bemerkenswerten

Fußballtaktiken und Selbsteinwechslungen.

Zu sportlichen Kommentaren,

hilfsbereiten Angeboten und vielen anregenden

Gesprächen.

In einer gemeinsamen Mittagspause

konnten sich alle mit einem vorbereiteten

Eintopf stärken, den die Segelabteilung

von Dynamo liebenswürdiger

Weise zubereitet hatte und der von

einem freiwillig gebildeten Service-

Team aus Schwärmenden Schwestern

und einer Dynamita serviert wurde

(auch hier an alle GROSSEN Dank!).

Ein kleiner Höhepunkt des Turniers

war das spontan nach dem Mittagessen

angesetzte Freundschaftsspiel von Be-

29


Tt

treuern und Betreuerinnen, die sich –

weitgehend ahnungslos – nur auf’s Betreuen

und Zuschauen eingestellt hatten.

Um dabei etwaige Materialnachteile

auszugleichen, wurde deshalb

barfuß, aber nicht ohne Ehrgeiz gespielt.

So fand das, was Intention und Hintergrund

der gesamten Veranstaltung

war, in diesem Turnier ganz von alleine

statt: der Spaß am gemeinsamen Spiel,

gegenseitige Wertschätzung, Fair-Play

und Toleranz anderen gegenüber. Es

war beeindruckend und schön zu erleben,

wie selbstverständlich und „normal“

von allen auch die auffälligsten

Eigentümlichkeiten, Phänomenologien

und individuellen Verhaltensweisen anderer

genommen und akzeptiert wurden.

Da machte es auch nicht allzuviel,

dass zu Beginn des Tages der Schlüssel

zu den Getränken fehlte, das Zelt noch

völlig übernächtigt aussah oder sich

kein Dynamo-Funktionär beim Turnier

blicken ließ – immerhin war nachmit-

30

TITELTHEMA

1. Dynamo-Windrad-Handicup

tags der ehemalige KSV-Fußballer und

Schirmherr des HandiCups Stefan

Markolf vor Ort, um sich einige Spiele

anzusehen und schließlich, selbst hörbehindert,

von seinem Werdegang und

seinen Erfahrungen zu berichten.

Krönender Abschluß war nach der

Rückrunde am Nachmittag die große

Siegerehrung, bei der neben persönlicher

Urkunde, Schweißband und Button

für jede/n Spieler/in zwei einzigartige

Pokale der Baunataler Wachswerkstatt

an die beiden Gewinnerteams

vergeben wurden.

Was noch ?

Es wird weitergehen mit dem Handi-

Cup bei Dynamo Windrad – darüber

waren und sind sich alle TeilnehmerInnen

und VeranstalterInnen einig. Denn

es hat allen Riesenspaß gemacht und es

gibt noch viel mehr Fußball-Teams und

Sportmannschaften von Menschen mit

Behinderungen, die wir dabei haben

wollen – beim nächsten Mal.

heiss


„Blinde Fußballer, das geht doch

gar nicht! Blind sind beim Fußball

doch höchstens die Schiedsrichter.“

Das sind nicht selten die ersten

Reaktionen von Fußballfans,

wenn sie vom „Blindenfußball“

hören. Doch es geht, und wie! Seit

2008 gibt es sogar eine eigene

Blindenfußball-Bundesliga. Nachdem

im Ausland schon seit vielen

Jahren erfolgreich Blinden-fußball

gespielt wird, war die Fifa WM

2006 Auslöser, diesen Sport auch in

Deutschland bekannt zu machen.

Doch wie funktioniert Blindenfußball

eigentlich?

Eine Mannschaft besteht aus 4 blinden

Feldspielern und einem sehbehinderten

oder sehenden Torwart. Um

sicherzustellen, dass die Feldspieler

wirklich nichts sehen, tragen sie eine

Augenbinde. Gespielt wird mit einem

Ball mit Rasseln. Das Spielfeld ist 20 x

40 Meter groß und hat an den Längsseiten

Banden. Zur Unterstützung der

Spieler geben so genannte „Guides“

Hinweise vom Spielfeldrand. Der Torwart

darf seinen Torraum von zwei Metern

nicht verlassen und darf nur in

diesem den Ball aufnehmen.

31


Tt

Gespielt wird auf zwei Handballtore

und die Spieldauer beträgt 2 x 25 Minuten.

Eine zentrale Rolle nimmt im

Blindenfußball auch das spanische

Wort "Voy" ein, welches so viel bedeutet

wie "Ich komme". Dieses Wort

muss von jedem Spieler gerufen werden,

wenn er den Ball führenden

Spieler attackieren will. Geschieht

dieses nicht, wird einer der beiden

Unparteiischen auf dem Feld Foul

pfeifen.

Vergehen, wie ein fehlendes

"Voy", werden mit einem persönlichen

Foul für den jeweiligen Akteur

geahndet. Hat ein Spieler fünf persönliche

Fouls in einem Spiel, so

muss er das Spielfeld verlassen, darf

aber, anders als bei einer roten Karte,

ersetzt werden.

Neben den speziellen persönlichen

Fouls gibt es auch Teamfouls. Diese

werden immer pro Halbzeit gezählt.

Erreicht ein Team die Teamfoulgrenze

von vier, so gibt es einen Strafstoß

aus acht Metern Entfernung. Dieses

wiederholt sich dann bei jedem Weiteren

Foul bis zum Ende einer Halbzeit.

Bei einem Foul im Zweimeterraum

wird ein Strafstoß aus 6 Metern

Entfernung verhängt. Selbstverständlich

gibt es beim Blindenfußball auch

Freistöße, Ecken sowie gelbe und rote

Karten, aber kein Abseits! Die Regeln

des Blindenfußballs ähneln also

32

Blinde spielen Fußball -

geht das überhaupt?

insgesamt eher dem Futsal als dem

Fußball und manchmal erinnert das

körperbetonte Spiel auch an Rugby.

In Marburg war man von Anfang an

begeistert

Nach den ersten Lehrgängen 2006

gründete 2007 die SSG blista Marburg

eine Fußballabteilung. Das Team von

Trainer Peter Gößmann bestand im

Wesentlichen aus Schülern, die das

Gymnasium der Deutschen Blindenstudienanstalt

besuchen. Als dann

unter der Schirmherrschaft von Uwe

Seeler 2008 die Blindenfußball-Bundesliga

startete, galt das Marburger

Team nur als Außenseiter. Doch nach


dem Motto „Jugend schützt nicht vor

Erfolg“, sicherten sie sich als mit Abstand

jüngstes Team völlig überraschend,

aber verdient, den erstmals

vergebenen Meistertitel. In den letzten

beiden Spielzeiten konnten die Marburger

ihren Erfolg aber nicht wiederholen.

Sie landen jedes Mal auf dem

vierten Platz. Die Meisterschaft 2009

und 2010 gewann das Team vom MTV

Stuttgart.

Tag des Blindenfußballs

Um den Blindenfußball in Deutschland

noch bekannter zu machen, wurde

im Mai dieses Jahres erstmals der

„Tag des Blindenfußballs“ durchgeführt.

Unter der Schirmherrschaft von

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

rollte erstmals der Rasselball vor dem

Reichstag, um der politischen Prominenz

ebenso wie zahlreichen

Berlinern und Berlin-Touristen zu demonstrieren,

dass auch blinde und

sehbehinderte Menschen Spaß

am Fußball haben können

und manche es sogar zu

internationalen Ehren

bringen. So fand an

diesem Tag vor

dem Westportal

des Reichstags das

erste Länderspiel

eines deutschen

Teams auf heimischem

Boden statt.

Gegner war die Mann-

TITELTHEMA

Tt

schaft der Türkei, und Deutschland

setzte sich mit 3.2 durch.

Dieser Tag des Blindenfußballs ist

ebenso wie die Blindenfußball-Bundesliga

eine gemeinsame Veranstaltung

der DFB-Stiftung Sepp

Herberger, des Deutschen Behindertensportverbandes

e.V. (DBS) und

des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes

e.V. (DBSV).

Hintergrundinformationen und Videos

zum Blindenfußball, Portraits

der teilnehmenden Mannschaften und

Infos rund um die neue DBFL-Saison

gibt es unter www.blindenfussball.de

oder www.blista.de.

Bei aller Unterschiedlichkeit des

Blindenfußballs vom Fußball der Sehenden,

ist eins sicher: Es geht darum,

das Runde ins Eckige zu befördern

und die Punkte mit nach Hause zu

nehmen. Auch wenn beim Blindenfußball

Fangesänge

während des Spiels

nicht möglich sind, so

sind durchaus Zuschauer

erwünscht,

die in den Spielpausen

und nach

Toren für gute

Stimmung sorgen.

Text: Rudi Ullrich

Fotos: Bruno Axhausen

33


Der Integrationssportverein Stadt und

Landkreis Kassel e.V. stellt sich vor

D

er ISV e.V. wurde 1993 gegründet

und geht aus der

Behindertensportabteilung des ehemaligen

Sportvereins Hessen Kassel e.V.

hervor. Der ISV hat ca. 144 Mitglieder.

Als Projekt in Zusammenarbeit mit der

Universität Kassel entstanden verschiedene

Gruppen für geistig behinderte

Kinder, Jugendliche und

Erwachsene aus Kassel und Umgebung.

Studenten konnten im Rahmen

ihres Sportstudiums eine Zusatzausbildung

als ‚Übungsleiter für Sport mit

geistig Behinderten’ absolvieren. So

konnte es gelingen, als einziger

Sportverein in Kassel Sport für geistig

behinderte und von Behinderung

bedrohter Menschen anzubieten.

Ein weiterer Schwerpunkt des ISV

e.V. ist die Integration. Hier bieten wir

einige Sportgruppen im Vorschul- und

Grundschulbereich, in die behinderte

Kinder oder Kinder mit erhöhtem psychomotorischem

Förderbedarf integriert

werden. Unser Team besteht aus

Übungsleitern mit besonderen Qualifikationen:

Diplom -Motologen, Sozi-

alpädagogen mit Zusatzausbildung,

Ergotherapeuten, Erzieher und Heilpädagogen

mit Lizenz, Übungsleiter mit

Lizenz sowie Praktikanten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

be-steht mit dem Verein für psychomotorische

Entwicklungsförderung‚ Bewegen-Spielen-Lernen’

e.V.‘ der August-Fricke-Schule,

der Lebenshilfe

e.V., der Grundschule Harleshausen,

verschiedenen Ergotherapie-Praxen

und dem Verein Ambulante Hilfen im

Alltag e.V.. Wir sind Mitglied beim

Landessportbund Hessen e.V., beim

Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-sportverband

e.V. und beim

Hessischen Turnbund e.V. .

Unsere Ziele sind:

1. die Förderung von Kindern,

Jugendlichen und Erwachsenen in den

Bereichen Bewegung, Spiel und Sport,

2. die Unterstützung der sozialen

Integration von behinderten, von

Behinderung bedrohten, bewegungsgestörten

oder entwicklungsverzögerten

Kindern, Jugendlichen und

Erwachsenen,

35


Tt

3. Einrichtung und Unterstützung von

Gruppen, die dem Erwerb von vielfältigen

personalen, materialen und sozialen

Erfahrungen in den Bereichen

Bewegung, Spiel und Sport dienen,

4. Rehabilitationssport für geistig

behinderte Kinder, Jugendliche und

Erwachsene.

Im Einzelnen die Förderung der

Ich-Kompetenz (lernen, mit sich

selbst umzugehen), der Sach-Kompetenz

(lernen, mit der Umwelt umzugehen)

und der Sozialkompetenz (den

Um-gang mit anderen Menschen zu

lernen).

Der Integrationssportverein bietet

elf verschiedene Gruppen an:

a. Gruppen für geistig behinderte

Menschen im Rahmen des Rehabilitationssports,

b. integrative Gruppen, bestehend

aus nicht behinderten und behinderten

Mitgliedern,

c. sport- und psychomotorische

Fördergruppen, bestehend aus Mitgliedern

mit einem besonderen

Förder-bedarf.

Alle Gruppen werden in ihrer eigenständigen

Bedeutung gesehen und

in ihren integrationsbezogenen Zielset-zungen

unterstützt.

Inhaltlich stehen primär die Bedürf-nisse

der Teilnehmer im Vordergrund,

weniger die Ausübung einer

‚normierten’ Sportart. Dabei gilt es

den Teilnehmern die Möglichkeit zu

bieten, aus einer Vielzahl und Vielfalt

36

TITELTHEMA

Alle Infos unter: www.isvkassel.de

Integrationssportverein Stadt &

Landkreis Kassel

attraktiver Angebote gemäß eigener

Wünsche und Vorstellungen auszuwählen

und diese inhaltlich auszugestalten

und weiterzuentwickeln.

Die thematischen Schwerpunkte

sind überwiegend breiten- und freizeitsportlichen

Leitprinzipien wie

etwa freie Zeiteinteilung, Freiwilligkeit,

Zwanglosigkeit, Wahlmöglichkeit,

Entscheidungskompetenzen,

Eigeninitiative und größere Offenheit

bezüglich Alter, Geschlecht sowie individuelle

Leistungsfähigkeit verpflichtet.

Unsere Angebote zielen darauf ab,

dass Menschen mit und ohne Behinderungen

für sich selbst bestimmen (wollen),

was Sport ist, nach welchen

Regeln, an welchen Orten und mit welchen

Part-nern er ausgeübt wird. Die

Bedürfnisse der Menschen nach Bewegung,

Spiel und Sport stellen den entscheidenden

Ausgangspunkt dar. Das

Konzept beinhaltet keine grundsätzliche

Absage an eine sportartbezogene

Spezialisierung, sondern an eine (zu)

frühzeitige Festlegung.


Kinder im Schnee :-)

enn ich mich an meine eigene

W

Schulzeit zurückerinnere, dann

tauchen auch in Bezug auf den Sportunterricht

bei mir eine ganze Menge

blinde oder dunkle Flecken auf (ich

sage nur „Volkstänze-Kurs“!). Gut,

mag auch daran liegen, dass ich mich

damals überhaupt nicht für Sport interessiert

habe und aus Blödheit die falschen

Kurse wählte – wenn ich es

recht bedenke, weiß ich auch gar nicht

mehr, was da so

alles angeboten

wurde – aber wenn

ich das mit dem

Angebot vergleiche,

das meine

heutige Schule auf

die Beine stellt,

dann weiß ich,

dass uns da damals

Einiges gefehlt

haben muss.

Ich arbeite seit Jahren als Förderschullehrerin

an einer Schule für praktisch

bildbare Kinder und Jugendliche

hier in der Gegend und deren sportliche

Aktivitäten reichten und reichen

von Tanzkursen (Hip-Hop, Standard,

ModernDance etc.) über gängige

Mannschaftssportarten wie Fußball,

Handball, Basketball sowie Leichtathletik;

Schwimmen; Gymnastik; Roller-,

Fahrrad- oder Mountainbike-Fahren;

Inlinern; NordicWalking bis hin

zum Marathontraining und schließlich

zum Skifahren. Alle zwei Jahre fährt

die halbe Schule zum gemeinschaftlichen

Skifahren in die Berge und

kommt zurück und alle können es –

mehr oder weniger, aber alle irgendwie.

Und da meine Schülerin Melanie so

liebenswürdig war, auf meine Bitte

hin einen Bericht über die diesjährige

Skifreizeit vom Januar (!) zu schreiben,

damit wir sie hier veröffentlichen

können, dürft ihr jetzt lesen, wie toll

es dort war:

(mit Einverständnis

der Autorin

wurde an dem

handschriftlichen

Text nichts verändert

außer ihn abzutippen):

„Der Bericht von

der Klassenfahrt“

(Erster Teil)

Tag 1: sind wir

angekommen mit dem Bus und haben

unsere Kofers aus dem Bus geholt und

sind dan aufs Zimmer gegangen und

haben unsere Kofers ausgereumt.

dann sind wir zum Abentessen gegangen

und dann war auch schon schlafenszeit.

Tag 2: sind wir aufgestanden und

sind zum Früstück gegangen dann

sind wir Skigefahren ganz lange es

waren verschidene Gruppen einmal

eine Grupp die schon echt gut Skifahren

konten und eine Gruppe die noch

nicht so gut Skifahren konten es hat

37


WACHSTUM

Lilienthalstraße 25 I Tel.: 05 61 - 570 170


Kinder im Schnee

auch viellen Spaß gemacht. Und am

Abent sind wir zum Haus zurück gefharen

und haben dann getuscht und

dann sind alle zum Abentessen gegangen

und dann sind die anderen auf den

Flur rumgelaufen und dann war wieder

Schlafenszeit.

Tag 3: sind wir aufgestanden und

sind zum Früstück gegangen dann

sind wir wieder Skigefahren bis

Abens am Abent sind wir wieder zum

Abentessen gegangen dann sind die

anderen auf den Fluch wieder rumgelaufen

und dan war wieder Abent da

war dann Schlafenszeit.

Tag 4: sind wir aufgestanten und

sind dann zum Früstück gegangen.

Dann sind wir alle zum Ski-fahren dis

Abens dann haben alle getuscht und

sind dann zum Abentessen gegangen,

dann sind manch auf dem Flur rumgelaufen

dann war wieder Schlafenszeit.

Tag 5: sind wir aufgestanden und

sind zum Früstück gegangen. Dann

sind wir Skigefahren bis

Abens dan nach dem

Abentessen sind wir in

ein Raum gegangen und

haben Uhrkunden bekommen

und Mitalien

das war auch cool. Manche

sind danach auf den

Flur rumgelaufen dann

war wieder Abent und

schlafenszeit.

Tag 6: sind wir aufgestanten

und zum Frü-

Tt

stück gegangen. Dann sind manche

wieder auf den Flur rumgelaufen

dann sind wir ins Salzbergwerk gegangen

das war cool am Abent sind

wir wieder zum Abentessen gegangen

und dann war Schlafenszeit

Tag 7: haben wir unsere Kofers gebackt

dann sind wir zum essen gegangen

dann sind wir mit den Kofers in

den Bus gegangen.“

(Zweiter Teil)

„an einen Tag sind wir nach Österreich

gefahren in die salzburg gegangen

und wir haben uns noch die Statd

angeguckt wir waren noch Kakao getrungen.

An einem Tag waren wir in

der Disco und haben getanzt. Wir haben

noch einen spieleabent gemacht.

Die Disco war bei uns im Haus.“

tja, so war’s...

Melanie E. /heiss

39


Otto Schily bleibt rechts stehen

A

m 7.09. verlieh der DFB zum

sechsten Mal den Julius Hirsch

Preis. Julius Hirsch war in den 20er

Jahren deutscher Nationalspieler jüdischen

Glaubens, der 1943 nach

Auschwitz deportiert und dort ermordet

wurde. Nach dem Nationalsozialismus

hielt es der DFB Jahrzehnte

lang nicht für nötig, die Tilgung

Hirschs aus der Liste der Nationalspieler,

die die Nazis vorgenommen

hatten zu revidieren. 2005 besann man

sich eines besseren und schriebe einen

Preis aus, mit dem Vereine geehrt werden,

die sich in besonderer Weise

öffentlich gegen Diskriminierung und

Rechtsextremismus positionieren. Seit

letztem Jahr wird zusätzlich eine

Einzelperson mit einem Ehrenpreis

42

bedacht. Preisträgerin dieses Jahr:

Angelika Riebler von der hessischen

Sportjugend, die Sportvereine berät,

wenn es zu Nazivorfällen kommt oder

interkultureller Beratungsbedarf

besteht. Eine gute Wahl, denn Angelika

ist seit Jahren in ganz Deutschland und

vor allem in Hessen im Einsatz und

versteht ihre Arbeit nicht nur einen

Beitrag gegen Rechtsaußen sondern

sieht auch Handlungsbedarf in der

Mitte der Gesellschaft, wenn etwa

Vereinsvorsitzende sich abfällig über

„Ausländer“ äußern. Ihr Preisgeld ging

dementsprechend auch an eine

Bürgerinitiative in Mittelhessen, die in

ihrer Kleinstadt massiv Probleme mit

Nazis hat und an eine Antifa in der

Wetterau.

Zur Preisverleihung hatte Angelika

dann etwa 20 bis 30 Menschen aus

Hessen eingeladen – vom Abteilungsleiter

im Innenministerium bis hin zur

Bürgerinitiative und auch den Autoren

dieses Artikels, der es sich natürlich

nicht nehmen ließ, ins Kölner Rathaus

zu fahren, um zu schauen, wie man

beim DFB so feiert.

Und es hat sich gelohnt. Allein

der Widerspruch in der

Gästeliste: Einerseits Promis

wie Juryvorsitzender

Otto Schily, Sportbund-

Chef Bach, Theo Zwanziger

sowie DFB-Oldies wie


Wolfgang Niersbach, den man vor 20

Jahren im Fernsehen sehen konnte, wie

er versuchte der Öffentlichkeit zu erklären,

warum der DFB keineswegs einen

Verein dulden könne, der Dynamo

im Namen trägt. Anderseits ein bunter

Haufen Menschen, mit denen man sofort

abhängen möchte weil sie so sympathisch

aussehen.

Den Anfang machte der OB von

Köln, der so tat, als ob Köln eine Welt-

Sportstadt wäre, aber sich anhörte wie

ein Provinzbürgermeister bei dem die

Welt zu Gast ist. Dann ein erstes Highlight:

Der zweite Preis ging nämlich an

Roter Stern Leipzig, die zu Gast bei

der BolzWM waren. Aus gut informierten

Kreisen verlautete, dass eigentlich

der Juryvorsitzende, also Otto

Schily, den Preis an RSL übergeben

sollte, sich aber geweigert hatte. Als

Schily dann danach redete, konnte er

sich eine Spitze gegen die offen linken

Kollegas aus Leipzig auch nicht verkneifen,

und redete davon, dass ihm irgendwelche

abstrakten Hirngespinste

nicht gefielen. Dafür war der Moderator

unfreiwillig komisch, als er zum

nahenden Innenminister a.D. am Rednerpult

meinte: „Herr Schily, bleiben

sie doch hier rechts stehen“, was in

Teilen des Publikums zu Lachanfällen

führte. Den ersten Platz belegte ein

Verein aus Ostdeutschland, der seit

1990 Asylbewerber, die im Ort untergebracht

sind, integriert und einzelne

PREISWÜRDIG

Menschen

auch vor der

Abschiebung

bewahren

konnte (für die

zeitweise der

Juryvorsitzende

verantwortlich

war). Theo

Zwanziger machte

auf der Bühne

eine gute Figur, man nahm im ab, dass

es ihm ein wirklich wichtiges Anliegen

ist, dass sich der DFB nach über 50

Jahren krasser Untätigkeit bzw. rechtskonservativer

Traditionspflege mal anders

in der Öffentlichkeit, aber auch

verbandsintern präsentiert.

Dementsprechend freute sich vor

allem Angelika Riebler überschwänglich

über die Ehrung, den sie

als den wichtigsten Preis des DFB

bezeichnete, eben weil er ein politischer

Preis sei. Aber sie freute sich

auch über die Dynamo-Ehrennadel,

die sie im Anschluss formlos übergeben

bekam. Das anschließende

Buffet war gut aber kurz, weil die

wichtigen Menschen zum Länderspiel

mussten. Insgesamt eine witzige

Veranstaltung mit den richtigen

PreisträgerInnen und teils bizarren

Widersprüchen auf DFB-Seite. Aber

auf den Theo lass ich nix mehr kommen.

CV

43


Wenn wir Deutschen tanzen, und

nebenan tanzen die Brasilianer….

Weil es immer wieder Spaß macht, geistreiche Sprüche von Fußballern und

Trainer zu lesen, gibt es hier und heute ein paar schöne Beispiele.

Ihr dürft mir gerne eure Lieblingssprüche und Geschichten zukommen lassen,

die kommen dann auch irgendwann hier hin, wenn sie mir denn gefallen.

Ich habe zu Michael Preetz “Halt`s

Maul“ gesagt. Der Schiedsrichter-

Assistent hat`s aber auf sich bezogen

und verstanden „Halt die Fresse, du

Penner“ (Timo Wenzel)

Hätte, wenn und aber, alles blödes

Gelaber. (Hermann Gerland)

Lieber 90 Minuten Maradonna beim

Autowaschen zuschauen, als Hansi

Pflügler beim Fußball (Max Merkel)

Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vor

geht. Viel kann das nicht sein.

(Ionnis Amanatidis über seinen übermotivierten

Gegenspieler Maik Franz)

Wenn wir Deutschen tanzen und

nebenan tanzen die Brasilianer, dann

sieht das bei uns aus wie bei

Kühlschränken. (Berti Vogts)

Am besten grätschen wir die

Brasilianer schon bei der Hymne weg.

(Torsten Frings)

Er will 2009 aufhören. Da wird es

schwierig sich für die WM 2010 zu

empfehlen. (Jürgen Klopp über seinen

kroatischen Verteidiger Robert Kovac)

Wenn der Ball so aufgesprungen wäre,

wie ich gedacht habe, hätte ich ihn

gehalten, glaube ich. (Jens Lehmann)

Mit mir in absoluter Höchstform hätte

es ein 0-8 gegeben. (Franz Wohlfahrt,

österreichischer Nationaltorwart nach

einer 0-9 Niederlage gegen Spanien)

Hass gehört nicht ins Stadion. Solche

Gefühle soll man gemeinsam mit seiner

Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.

(Berti Vogts)

Wir sind zufrieden mit den 3 Punkten.

(Lukas Podolski im Interview nach dem

1-1 in Florenz)

Ein Wort gab das andere. Wir hatten

uns nichts zu sagen. (Lothar Matthäus)

In jedem Kader gibt es fünf richtig

blöde Spieler. Von denen würde einer

auf jeden Fall unter der Brücke landen,

wenn er nicht Fußball spielen würde.

(Hans Meyer)

Manchmal spreche ich zuviel.

(Lothar Matthäus)

Man darf bei Fußball nicht denken wie

Beamter – 0-0 halten bis Feierabend!

(Giovanni Trappatoni)

Ich spiele solange, bis ich mit

Wolfsburg hier in München gewonnen

habe. Und wenn ich hier gewonnen

habe, spiele ich noch länger.

(Claus Reitmeier)

45


Ich fühl mich alt, ich fühl mich leer

die Knie sind lahm, die Füße schwer

die Muskelmassen baumeln lose

Der Rücken zwickt ich hab Arthrose

Auch Laufen fällt seit Jahren schwer

kurzum mit Fußball ist nix mehr

Wo hab ich nicht in Situationen

ohne irgendwen zu schonen

den vollen Körpereinsatz gezeigt

ein Spiel gewonnen zwei vergeigt

Oh Fußball, wie schwer wirst Du vermisst

weil Du für mich nur noch Geschichte bist

Doch halt,

Wenn ich so denk, wie`s DAMals war

dann wird mir Eines recht schnell klar

einmal noch, das ist nicht zuviel

zur Bolz WM ein Abschiedsspiel

Ein letztes Mal auf den Waldauer Wiesen

den Ball aus 3 Metern am Tor vorbei schießen!

Noch einmal ne Flanke unterlaufen

sich danach ordentlich die Haare raufen

ein letztes Mal den Kopfball verweigern

und einmal noch schön übersteigern

noch einmal Müllern vor dem Tor

ja genau das hab ich dann vor

Darum nicht lange nachgedacht

und auf den Weg nach Kassel gemacht

Die Bolz WM muss nochmal sein

und einmal muss der Ball noch rein!

soli-42

GEDICHT

You never are injured alone

47


Das Wort zum Sport

Fehlende Sporthallen – fehlende Multifunktionshalle –

ausgestorbene Schlittenhunde

Ich habe es schon lange gewusst und gesagt. Das wird nichts mit der Multifunktionshalle.

Gut gefallen hat mir damals der Standort Giesewiesen, wo

seinerzeit die Baseballer für ca. 30.000 € (vielleicht auch 20.000 oder

40.000) auf die Waldauer Wiesen zwangsumgesiedelt wurden. Ich bin kein

Fachmann für Eishockey und Multikultihallen. Aber kopfschüttelnd verfolge

ich seit Jahren das Gezeter um die Eishalle. Jedes Jahr aufs Neue die völlig

überraschende Frage, wo die Huskies denn in Zukunft spielen wollen.

Der Gedanke lag für mich immer ziemlich nahe, dass es hier ausschließlich

um die Kohle geht und nicht um den Sport und die Fans. Und daran

hat sich bis heute nix geändert, im Gegenteil. Immerhin sparen wir (wer ist

das?) jetzt das Geld für die Multivitaminhalle. Wie in vielen anderen Städten

hätte das auch niemals funktioniert, na gut, vielleicht für den, der die

Investitionsgelder bekommen hätte.

Auf jeden Fall hätte kein einziger „Sportler“ aus Kassel in dieser Halle Sport

machen dürfen. Obwohl es vorne und hinten an Hallenmöglichkeiten für

die Kasseler Sportvereine mangelt, hat mich keiner gefragt, ob wir denn

die leer stehenden Zeiten in der Multimillionärshalle nutzen wollen, gerne

auch gegen Peanuts. Die bisher zusätzlich gemieteten Hallen für Sport

müssen wir ja auch bezahlen.

Zum Schluss nur noch eines, mein Mitgefühl gilt allen Fans der Huskies,

die immer da waren und das immer teuer bezahlt haben und die jetzt die

Einzigen sind die leiden, Seemann V.S. aus Körle mach`s gut. CW

Achten Sie auf dieses Siegel

Mittlerweile sind nun schon 3 Angebote von Dynamo

mit dem Siegel „Sport Pro Gesundheit“ ausgezeichnet.

Aber was bedeutet das:

1. Die ÜbungsleiterIn hat an den notwendigen

Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen und die

Prüfung erfolgreich bestanden.

2. Die ÜbungsleiterIn bietet ein sehr qualifiziertes Angebot an, von dem

die TeilnehmerInnen besonders profitieren.

3. Nach erfolgreicher und regelmäßiger Teilnahme an diesen Kursen er-

stattet die Krankenkassen zwischen 75-90 % der Kursgebühren.

49


Dynamische Sportangebote

Donnerstag,

Hegelsberghalle,

Quellhofstr. 140

18.00 - 20.00 Uhr

Übungsleiter: Holger Rüdiger

(Tel.: 05 61 / 66 943)

50

BADMINTON FREIZEITABTEILUNG

BASKETBALL

Dienstag, Halle

Friedrichsgymnasium

20.00 - 21.30 Uhr

Übungsleiter: Timo Schmidt

Montag

17.30 - 19.00 Uhr

Mittwoch

20.30 - 22.00 Uhr

Sporthalle Gabelsbergerstraße

Montag, Sporthalle

VOLLEYBALL

Dienstag,

Gabelsbergerstraße

Hegelsberghalle

20.30 - 22.00 Uhr

18.00 - 20.00 Uhr

Übungsleiter: Timo Stockhardt, Übungsleiter Christian Koch

TISCHTENNIS

QI GONG

Aus Zeitgründen kann der Termin

Dienstags nicht mehr stattfinden.

Es ist angedacht Qi Gong zukünftig

Montags anzubieten. Informationen

dazu auf unserer Internetseite.

Montag, Berufszentrum Feuerwehr-Schillerstr., 20.00 - 22.00 Uhr

Mittwoch, Berufszentrum Feuerwehr-Schillerstr., 20.00 - 22.00 Uhr

Übungsleiter: Claus Wiese

WIRBELSÄULENGYMNASTIK

Montag, in der Sporthalle Heinrich-Schütz-Schule

1. Kurs 18.30 - 20.00 Uhr

2. Kurs 20.00 - 21.30 Uhr

Übungsleiterin: Lea Brühl

Achtung: Nach den Herbstferien findet die Wirbelsäulengymnastik

endlich wieder in der Heinrich-Schütz-Schule statt. Bitte auf die

geänderten Anfangszeiten achten!

Achtung: Bis zu den Herbstferien findet das Angebot in der

Königstorhalle statt.


Sportangebote

JUGENDFREIZEITFUSSBALL

Mittwoch, ab den Herbstferien in der Sporthalle Hegelsberg

16.15 - 17.30 Uhr

5-7 Jahre Übungsleiter: Markus Fenrich und Torsten Bodenbach

7-10 Jahre Übungsleiter: Jens Steuber, Holger Jungnik

10-12 Jahre Übungsleiter: Matz Foitzik, Andreas Wygrabek

12-15 Jahre Übungsleiter: Danny Pohl

ELTERN-KIND-TURNEN

Für Kinder von 1,5 - 3 Jahren

Freitag, Sporthalle der Luisenschule

1. Gruppe: 15.30 - 16.30 Uhr

2. Gruppe: 16.30 - 17.30 Uhr

3. Gruppe: 17.30 - 18.30 Uhr

Leiter: Uwe Schmidt

KINDERSPORT

Donnerstag, Luisenschule Freitag, Sporthalle Hupfeldschule

Für Kinder von 3 bis 5 Jahren Für Kinder von 3 bis 4 Jahren

16.00 - 17.00 Uhr 15.15 - 16.00 Uhr

Für Kinder von 6 bis 9 Jahren Für Kinder von 5 bis 6 Jahren

17.00 - 18.00 Uhr 16.15 - 17.15 Uhr

Leiterin: Claudia Waldheim Leiter: Andreas Rohde

FUSSBALL

Dienstag, Waldauer Wiesen

20.00 - 21.30 Uhr

Leiter: Christian Walden

CARDIO WORKOUT

„Ausdauer-Fitness-Training“

Dienstag, neue Sporthalle Wilhelmsgymnasium

17.00 - 18.30 Uhr

Das Angebot findet in Kursform bis zum Jahresende

statt. Die Kurs-gebühr beträgt 85 € und wird zu 90%

von der Krankenkasse bezuschußt.

Übungsleiterin: Viola Bozinovska.

51


Donnerstag, Luisenschule

20.00 - 21.30 Uhr

Leiterin: Andrea Boemke

Sportangebote

KICK IT LIKE BIRGIT

Sporthalle?

16.30 - 18.00 Uhr

Für Mädchen von 9 bis 12 Jahren und 12 bis 15 Jahren

Achtung: Nach den Herbstferien findet das Training wieder

in der Halle statt.

FITNESSGYMNASTIK

FRAUENFUSSBALL - DYNAMITAS

Mittwoch, Waldauer Wiesen

18.30 - 20.00 Uhr

Für Frauen, die Spaß am runden Leder haben. Es kann Jede kommen,

egal, ob sie Vorkenntnisse mitbringt oder nicht.

Leiterin: Sabine Grünewald

KEEP ON MOVING

Montag, Sporthalle Heinrich-Schütz-Schule

1. Kurs: 19.30 - 20.30 Uhr

2. Kurs: 20.30 - 21.30 Uhr

Übungsleiterin: Vera King

Auf Musik der verschiedensten Richtungen wird sich locker bewegt

und die persönliche Fitness gesteigert. Bestandteile des Kurses sind:

Stretching, Kräftigungsübungen, Konditionsverbesserung, 5 min. für

zu Hause, sowie Basics verschiedener Trainingsstyles und Combis.

Achtung: Nach den Herbstferien findet Keep On Moving endlich wieder in der

Heinrich-Schütz-Schule statt. Bis zu den Herbstferien weiter in Frauenzentrum.

WEITERE INFORMATIONEN

Tel.: 0561/ 284163 (Dynamo Windrad Büro)

oder unter info@dynamo-windrad.de

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54

Jahresplan Ausbildung 2010

Binnen Motor: Prüfung

3. Kurs 8. September Preis 220 e 6. September

(jeweils 4 Mittwochabende, von 18.00 – 22.00 Uhr)

Binnen-Kompakt:

3. Kurs 31. Oktober Preis 80 e 6. November

(Nur für SBF-See-Inhaber, nur Theorie 10.00 – 16.00 Uhr)

SBF-See:

4. Kurs 13. November Preis 275 e noch offen

(Jeweils 6 Samstage von 10.00 – 14.00 Uhr)

SBF-See Kompakt:

Info, Anmeldung und mehr bei:

Dynamo-Windrad-Wassersport, Gräfestraße 43a, 34121 Kassel

Fon: 05 61 - 28 89 363,

email: info@dynamo-segeln.de

www.dynamo-segeln.de

15. – 17. Okt. Preis: 350 e 30. Oktober

(Maximal 5 Teilnehmer, jeweils 9.00 – 18.00 Uhr)


DYNAMO WINDRAD WASSERSPORT

Sportküstenschifferschein (SKS)

Ab 04.11. 2010, 18 Abende, jeweils Donnerstag 18.00 – 22.00 Uhr Preis: 350 e,

nur Theorie.

Sport-See-Schifferschein (SSS)

Ab 26.10.2010, jeweils Freitags 18.00 – 22.00 Uhr, Preis 500 e

(Stoff und Gebühren verteilen sich auf zwei Halbjahre, jeweils 250 e)

Funkausbildung 2010 AAmmttlliicchhee UUKKWW SSpprreecchhffuunnkkzzeeuuggnniissssee

Short Range Certificate: 2. Kurs 30.10. und 31.10. Preis: 275e

UKW Binnenfunk (UBI): 2. Kurs 01. und 02.11. Preis: 120 e noch offen

Für SRC-Inhaber jeweils 75 e

Long Range Certificate (LRC), Kurz, Grenzwellen und Satellitenfunk:

2. Kurs 06. und 07.11. Preis: 275 e noch offen

Englisch für Funker: 2. Kurs 09. und 10.10. Preis: 95 e keine

Weitere SBF-Binnen/See/Funkkurse und SKS-Kurse in Bonaforth, Eschwege und Obersuhl auf

Anfrage. Unsere Kurse führen wir auf Wunsch auch gerne in Ihrem Sportverein durch.

Anfragen bitte an:

Dynamo Windrad Tel.: 0561-288 93 63 email: info@dynamo-segeln.de

Dynamo-Windrad ist Mitglied im DSV - lsb Hessen. VDS und DMYV anerkannte Ausbildungsstätte.

Ansegeln

1. bis 8. April

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora GibSea 126

Skipper: O. Pfeil

Preis: 295 e

Weitere Infos

Törnplan 2011

Urlaubstörn

9. bis 23. April

Revier: Sizilien/Malta

Schiff: Charter (43 Fuß)

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 295 e

Atlantiküberquerung

15. April bis 9. Mai

Revier: Martinique/Azoren

Schiff: Beneteau First 47.7

Skipper: F. Lahme

Preis: 990 e

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56

DYNAMO WINDRAD WASSERSPORT

Meilentörn 1

29. April bis 6. Mai

Revier: Nordsee

Schiff: Bora GibSea 126

Skipper: H.G. Wemmers

Preis: 395 e

Meilentörn 2

1. bis 8. Mai

Revier: Elba

Schiff: Contessa

Skipper: O. Pfeil

Preis: 395 e

Prüfungstörn SKS 1

6. bis 13. Mai

Revier: Nordsee

Schiff: Bora GibSea 126

Skipper: H.G. Wemmers

Preis: 445 e

Prüfungstörn SKS 2

8. bis 15. Mai

Revier: Elba

Schiff: Contessa

Skipper: O. Pfeil

Preis: 445 e

Skippertraining

13. bis 20. Mai

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora GibSea 126

Skipper: K.H. Großkurth

Preis: 445 e

Törnplan 2011

Schnuppertörn 1

3. bis 10. Juni

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora GibSea 126

Skipper: B. Hollstein

Preis: 295 e

Meilentörn 3

10. Juni bis 17. Juni

Revier: Nordsee

Schiff: Bora, GibSea 126

Skipper: B. Hollstein

Preis: 395 e

Prüfungstörn SKS 3

17. Juni bis 24. Juli

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora, GibSea 126

Skipper: B. Hollstein

Preis: 395 e

Eltern- Kind- Törn

25. Juni bis 2. Juli

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora, GibSea 126

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 649 e**

Hausboottörn

3. bis 8. Juli

Revier: Holland Kanäle

Schiff: Charter

Skipper: T. Lotz

Preis: 345 e

Meilentörn 4

22. bis 29. Juli

Revier: Nordsee

Schiff: Meltemi, GibSea 442

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 395 e

Prüfungstörn SKS 4

29. Juli bis 5. August

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Meltemi, GibSea 442

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 495 e

Schottland 1

29. Juli bis 12. Aug.

Revier: Inverness

Schiff: Nordwind, GibSea 442

Skipper: H.G. Wemmers

Preis: 790 e

Studententörn

12. bis 19. August

Revier: Ijsselmeer

Schiff: Bora, GibSea 126

Skipper: F. Lahme

Preis: 295 e

Schottland 2

12. bis 26. August

Revier: Kaledonian Ch.

Schiff: Nordwind, GibSea 442

Skipper: O. Pfeil

Preis: 790 e


DYNAMO WINDRAD WASSERSPORT

Schottland 3

26. Aug, bis 9. Sept.

Revier: Edinburg

Schiff: Nordwind, GibSea 442

Skipper: O. Pfeil

Preis: 790 e

SSS Prüfungstörn

26. Aug. bis 2. Sept.

Revier: Nordsee

Schiff: Meltemi, GibSea 442

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 445 e

Fernwehtörn USA

September, 2 Wochen

Revier: New Jersey

Schiff: Charter, 43 Fuß

Skipper: H.G. Müller

Preis: 890 e

Urlaubstörn

24. Sept. bis 8. Okt.

Revier: Kykladen

Schiff: Myrtho, GibSea 442

Skipper: K.P. von Friedeburg

Preis: 790 e

Familientörn

9. bis 14. Oktober

Revier: Ostsee

Schiff: Amazone

Skipper: H.G. Müller

Preis: 295 e*

Ausbildertörn

14. bis 21. Oktober

Revier: Nordsee

Schiff: Bora, GibSea 126

Skipper: F. Lahme

Preis: 200 e

Die Preise gelten für die angegebene Zeit. Wenn nicht anders angegeben kommen die

Kosten für die Anreise und die Bordkasse hinzu.

Die mit * gekennzeichneten Angebote beinhalten die Bordkasse, allerdings

ohne Anreisekosten. Für den Familientörn zahlen Kinder bis 14 Jahre 195 e.

Die mit ** gekennzeichneten Angebote sin leider bereits ausgebucht!!

Das mit *** gekennzeichnete Angebot kostet für 1 Erwachsenen und 1 Kind 649 e für

jede weitere Kind sind 199 e zusätzlich zu zahlen.

Aus Versicherungsrechtlichen Gründen sind alle Mitsegler für die Dauer des Törns

Mitglied von DYNAMO-Windrad-WASSERSPORT. Die Mitgliedschaft erlischt automatisch

mit Törnende.

Wir sind für alle Wünsche offen und können Ihnen auch Ihren individuellen Törn

planen! Auch einen erfahrenen Skipper für Ihren eigenen Törn können Sie bei uns

buchen. Kontaktaufnahme über unser Büro.

57


Jahreshauptversammlung

allo Dynamos,

H

nach einigen turbulenten Wochen

und Monaten in diesem Sommer steht

für unseren heimeligen FreizeitSport-

Club die nächste Alltagsphase an.

Nein? Nicht! Wieso? Nun, im nächsten

Jahr findet zum Beispiel die Frauen-

Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland

statt. Die Abteilung FrauenFußball

von Dynamo Windrad hat sich für

dieses Großereignis vorgenommen, ein

AlternativEvent der besonderen Art

auf die Beine zu stellen: die Frauen-

Bolz WM 2011. Also nix mit Alltag,

sondern die nächsten Ausrufungszeichen

in Angriff genommen. Es gilt,

weibliche Teams aus dem In- und Ausland

anzusprechen und für ein tolles

Fußballturnier einzuladen. Das Motto

heißt: „Es muss noch mehr Frauen geben

da draußen, die Fußball spielen.“

Neu im Alltag wird ab Ende diesen

Jahres auch voraussichtlich das Projekt

‚Betrieb einer Halle‘ sein. Bei Freestyle

hat sich Karsten Onderka über die

letzten 12 Monaten ebenfalls die Finger

wund telefoniert, um Nutzungskonzepte,

Hallenumbauten, Zuwege

und temporäre Toilettenwagen zu organisieren.

Damit steht der Eröffnung

von Sportangeboten im Wesertor grob

nix mehr im Weg. Doch wie so oft wird

‚Teufelchen im Detail‘ noch zu lösen

am 29.10.2010 um 19:00 Uhr

sein. Und die Jugendlichen warten bereits

sehnsüchtig auf die ‚eigenen‘

Räumen, um dort Mitternachtssport

(momentan noch bei ACT zur Untermiete),

Fußball, Parkour, Tanzen und

viele andere Dinge freizeitlichsportlich

zu betreiben.

Dies ist eine Einführung in den dynamischen

Alltag. Und wer glaubt, hier

wäre alles aufgelistet, oder gar übertrieben

berichtet worden, der wende

sich dem Internet zu. Studiere er oder

sie bitte die Seiten von www.streetbolzer.org

und www.netz-strassenfussball.de

oder gar die Seiten von

www.bolzwm.de. Da wird klar, was die

dynamische Uhr so alles geschlagen

hat. Und wie das so im Alltagsleben ist,

gibt es eine Reihe von kleineren Problemen

(meist technisch) und Fragen

(meist überflüssig), die zu klären sind.

Das wichtigste bei dieser JHV wird

aber sein, uns über den eingeschlagenen

Weg zu unterhalten. Denn zu allem

Alltag gehört die FRAGE: Was ist da

jetzt bitte schön alternativ?

Also bis Freitag den 29. Oktober

um 19 Uhr, wenn es wieder heißt

„Alternativ ist …“

Dynamische Grüße

bo

61


S

traßenfußball wird es in Kassel

auch im Jahr 2 nach Ligagründung

geben. Beim Treffen des Ligarates

beschlossen die TeamvertreterInnen

mit neuen Vorgaben in die zweite Saison

zu starten. Grundsätzlich ändern

wird sich dabei vor allem der Wertungsmodus.

Die Liga soll künftig zu

sechs Turnieren zusammenkommen,

wo die Teams Punkte für die Wertung

sammeln können. Am Ende wird dann

abgerechnet. Daneben gibt es auch

weiterhin kleinere Highlights, wo die

Teams sich zeigen können. Aktuell

werden am Staatstheater zum Beispiel

einige Streetbolzer für die Bühne fit

gemacht. Auch Streetbolzer-TV plant

eine dritte Sendung.

Nun aber zum wesentlichen: Für die

Saison 2010/11 spielen Streetbolzer an

jedem ersten Wochenende der Monate

Sept, Okt und Nov (Hinrunde) sowie

Apr, Mai und Jun (Rückrunde) ein Turnier

in den Altersklassen unter 15 Jahren

und über 15 Jahren. Start ist in der

Regel 14 Uhr. Los geht’s am

4. Sept Über 15 Schule a. Wall ab 14 Uhr

5. Sept Unter 15 Schule a. Wall ab 14 Uhr

2. Okt Über 15 Baunatal

3. Okt Unter 15 Rothenberg

6. Okt Über 15 Wehlheiden

7. Okt Unter 15 Brückenhof

62

Die FairPlaywertung ermitteln die

Teams pro Spieltag vor Ort. Kommt

keine Wertung zu Stande, gehen die

Teams leer aus und die Spielbeobachter

bekommen einen Freischein, Wertungen

aus Ihrer Beobachtung zu vergeben.

Die Teams müssen auch für die

Turniere einmal die Leitung übernehmen

(Paarungen verkünden, Ergebnisse

sammeln, Spielpläne ausfüllen). Aus

‚nur‘ kicken wird so eine kleine Aufgabe,

die jedoch mit Fahrten belohnt wird.

Bei Erscheinen dieses Heftes waren 8

Mädels und 8 Jungs zum Beispiel beim

bundesweiten Treffen der Straßenfußballer.

In der Altersklasse Über 15 Jahren

ist Streetbolzer aus Kassel Titelverteidiger.

Ob das wieder geklappt hat, erzählen

wir dann im nächsten Heft.

bo


W

ir möchten eine neue, gemischtgeschlechtliche

RT-Gruppe ins

Leben rufen. Wir suchen Menschen,

die mitmachen wollen und bieten dafür

Info-Termine an. Wir freuen uns über

alle diejenigen, die bisher keine RT-Erfahrung

haben und die Gelegenheit

nutzen wollen, RT kennenzulernen und

auszuprobieren. Wenn sich eine Gruppe

gefunden hat, möchten wir uns zukünftig

regelmäßig alle 14 Tage verbindlich

treffen. An welchem Wochentag

und zu welcher Uhrzeit steht noch

nicht fest. Räumlichkeiten stehen bei

uns in Kaufungen zur Verfügung.

Was ist RT?

RT ist ein Selbsthilfe-Therapiekonzept,

welches ohne hierarchische TherapeutIn-Klient-Beziehungfunktioniert,

sondern in welchem wir selbstorganisiert

unsere Sitzungen gestalten,

uns gegenseitig Unterstützung geben

und Raum zum Zuhören öffnen. RT ist

aus Prinzip kostenlos und bietet therapeutische

Hilfe nicht-kommerziell an.

Vom politischen Anspruch her ist die

Arbeit in RT anti-patriarchal und herrschaftskritisch.

RT steht für "Radikale-Therapie":

„Radikal“ – von radix (lateinisch) =

die Wurzel, weil RT an die Wurzeln unseres

Verhaltens geht und uns befähigen

soll, mit eingefahrenen Situationen

radikal anders umzugehen.

„Therapie“ - weil RT Elemente aus

verschiedenen Therapieformen aufgreift

und wir mit RT die Chance haben,

tiefsitzende Erlebnisse und verinnerlichte

Muster zu bearbeiten.

In RT-Sitzungen arbeiten wir u.a.

daran, unsere Gefühle besser wahrzunehmen

und damit umzugehen, Nähe

zueinander und eigene Schwächen zuzulassen,

unsere ansozialisierten Verhaltensmuster

zu bearbeiten. Wir lernen,

negative Gefühle zu entlasten, uns

gegenseitig Anerkennung zu geben,

nach Unterstützung zu fragen und diese

zu geben, uns gegenseitig zu kritisieren

ohne zu verletzen. Es geht also

um die Befreiung von ansozialisierten

Rollen - insofern ist RT riskant, politisch,

radikal - und lebensbejahend!

Die optimale Gruppengröße für eine

solche Veranstaltung ist 15-25 Leute.

Bitte Termin A oder B wählen.

Termin A ist Sonntag, der 19. September

2010, 15-18 Uhr

Termin B ist Sonntag, der 10. Oktober

2010, 15-18 Uhr

Ort: die Kommune Niederkaufungen

Bitte meldet euch auf jeden Fall verbindlich

an.

Kommune Niederkaufungen

neue-rt-gruppe@kommuneniederkaufungen.de

Kirchweg 3 | 34260 Kaufungen

Tel. 05605 - 80070

(Mo.-Fr. 9-13 und 14-18 Uhr)

63


Freestyle: nach Ab kommt Auf

– und bald die Einweihung

64

E

inige wissen alles darüber,

einige haben Mal

etwas davon gehört, andere

können überhaupt nichts

mit diesem Namen anfangen:

Freestyle. Wer jetzt an

Hip Hop denkt, liegt genau

so falsch, wie derjenige,

dem der Begriff Graffiti

in den Sinn kommt.

Freestyle ist der

Name eines Projektes,

dass nun

mehr schon seit

Jahren ein ständiges

Auf und Ab erlebt -

und für Dynamo

zu so etwas wie einer

Hass-Liebe

geworden ist.

Liebe, weil

Freestyle ein einzigartigesBeispiel

ist, wie benachteiligte

Kinder und Jugendliche

durch

Sport soziale

Kompetenzen

erwerben. Hass,

weil Kompromisse

und Teamwork

der Beteiligten

bei der

Umsetzung nicht

immer die Regel

waren und das Projekt außerdem innerhalb

der Dynamo-Familie noch nicht

den Stellenwert besitzt, welcher ihm

gebührt. Doch der Reihe nach.

Bevor ich die Projektleitung vor einem

Jahr übernahm, haben sich bereits

vier Dynamos trotz intensivem Einsatz’

von dieser Position zurückgezogen.

Woran dies gelegen hat, weiß jeder

von ihnen selbst. Jedoch wage ich

die These, dass sie alle früher oder später

bemerken mussten, dass Freestyle

eben kein ein „normales“ Dynamo-

Projekt ist. Kein Projekt, wo man nur

mit Engagement, Spiel, Spaß und Freude

rangeht; bei der eine Dynamo-Basis

vorhanden ist, die einem den Rücken

stärkt.

Weiterhin: zur Gründung eines gemeinsamen

Vereins für das Projekt

kam es bislang nicht, Alleingänge führten

manchmal zu Unstimmigkeiten

und Verwirrungen. Aber gerade weil

Freestyle eine Kooperation zwischen

drei sehr unterschiedlich geführten

Vereinen ist, kann das Projekt qualitativ

nur dann hochwertig umgesetzt

werden, wenn jeder der Beteiligten seine

unterschiedlichen Kompetenzen im

Sinne der gemeinsamen Sache abgestimmt

einbringt.

Nichts desto trotz sind wir in den

vergangenen Monaten sehr viel weiter

gekommen. Freestyle ist mittlerweile

ein Projekt geworden, das Dynamo

maßgeblich steuert und umsetzt. Der


feste Standort für das Projekt, die ehemalige

Vema-Halle im Wesertor, ist gefunden

und wird ab Oktober offiziell

über die AKGG (gemeinnützige

GmbH Arbeitskreis Gemeindenahe

Gesundheitsversorgung) angemietet.

Wir sind mittendrin, eine ehemals

industriell genutzte Halle in ein Sportzentrum

umzuwandeln. Noch gibt es

mehrere kleine Baustellen, doch dank

der Hilfen der Stadt Kassel, des Vereins

Buntstift und der AKGG sind wir bei

der Fertigstellung auf einem guten

Weg. Die offizielle Einweihung der

Halle ist für Ende Oktober geplant.

Parallel dazu hat Vabia Kontakte zu

den Schulen ausgebaut und Freestyle

mit dem Mitternachtssport in der ACT-

Halle den Zugang zu den Kids im Wesertor

intensiviert.

Eben weil die Ziele von Freestyle

wie maßgeschneidert zur Ausrichtung

von Dynamo passen, sind alle herzlich

eingeladen und aufgefordert, bei der

weiteren Umsetzung des Projektes mitzuarbeiten.

Eure helfenden Hände sind

gefragt! Karsten Onderka

FREESTYLE

Projektvorstellung Freestyle

Freestyle ist ein Projekt der Vereine

FSC Dynamo Windrad Kassel und

Vabia Vellmar und ehrenamtlich engagierte

Personen aus der Region.

Bei der Arbeit mit jungen Kindern

kooperiert Freestyle mit dem Verein

Spielmobil Rote Rübe Kassel. Die

Partner haben sich mit ihren Schwerpunkten

zusammengeschlossen, um

in der Kombination (sport-) fachlicher

und sozialer Kompetenzen nicht

leistungsbezogene, sondern niedrigschwellige,

sport- und spaßorientierte

Angebote für sozial benachteiligte

Kinder und Jugendliche im Stadtteil

Wesertor zu organisieren. In der Vernetzung

der unterschiedlichen Herangehensweisen

und Kompetenzen

der Kooperationspartner liegt die

Chance, eher schwer zugängliche

Personenkreise zu erreichen, Beiträge

zu deren gesellschaftlicher Integration

zu leisten und insgesamt

einen Beitrag zur Entwicklung eines

spezifischen Sport- und Kulturverständnisses

zu leisten.

65


Der Kranich

Rauh ging der Wind, der Regen troff,

Schon war ich naß und kalt;

Ich macht' auf einem Bauerhof

Im Schutz des Zaunes halt.

Mit abgestutzten Flügeln schritt

Ein Kranich drin umher,

Nur seine Sehnsucht trug ihn mit

Den Brüdern übers Meer;

Mit seinen Brüdern, deren Zug

Jetzt hoch in Lüften stockt,

Und deren Schrei auch ihn zum Flug

In fernen Süden lockt.

Und sieh, er hat sich aufgerafft,

Es gilt erneutes Glück;

Umsonst, der Schwinge fehlt die Kraft,

Und ach, er sinkt zurück.

Und Huhn und Hahn und Hühnchen auch

Umgackern ihn voll Freud'; -

Das ist so alter Hühner - Brauch

Bei eines Kranichs Leid.

Theodor Fontane

66


DAS IST LOS

Entlaufen: 6 Trikots!!!

Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, bis sich die Alte Herren-Mannschaft auf

neue Trikots einigen konnte. Und wie hübsch sie geworden sind! Die

Rückennummern verwirren Gegner und Schiris gleichermaßen, allerdings

auch manchmal uns selbst. Trotzdem haben wir sie sehr lieb gewonnen. Und

jetzt das: kaum ein halbes Jahr nach Erscheinen, sind schon welche verschwunden.

Das ist fies, gemein und war nicht Sinn der Sache. Wir machen

nie Trikottausch und wir haben auch keine Trikots von anderen Teams im

Gegenzug für die entschwundenen bekommen.

Wir sind deswegen ziemlich grrrr drauf, aber noch fragen wir im Guten:

Wer hat sie gesehen?

Bitte im Büro melden!!! Oder Feni geben!!!!

67


Weltkriegsverliererbesieger

M

oderne Nazis jammern ja

immer wieder gerne über fehlende

Meinungsfreiheit („Man wird

doch wohl noch seine Meinung

sagen dürfen“), wenn sich Widerstand

gegen ihre Aufmärsche oder

ihr menschenverachtendes Weltbild

regt.

Demokratie wird eingefordert,

auch wenn man selber was Anderes

im Sinn hat. Jüngstes Beispiel ist ein

Prozess, den eine Firma namens Media

Tex aus Brandenburg

anstrengte. Media

Tex produziert die Klamottenmarke

Thor

Steinar, bei Rechten

sehr beliebt, die u.A.

mit Motiven des historischenNationalsozialismus

spielt. So wird z.B.

unter dem Schriftzug

„Wüstenfuchs“ nicht Panzergeneral

Rommel gezeigt,

sondern ein Fuchs, so was finden

Nazis dann lustig. Weniger lustig fanden

Richter in Brandenburg vor einigen

Jahren das ursprüngliche Logo

der Marke und verboten es, weil es zu

sehr an nationalsozialistische Symbolik

erinnere. Daraufhin änderte die

Firma das Logo. Was aber nichts daran

änderte, dass man die Klamotten

der Marke u.a. nicht im Bundestag

oder in diversen Fußballstadien (auch

im Auestadion kann man deswegen

68

Ärger bekommen) tragen darf. Aber

man konnte auch schon immer selber

klagen. So darf man in der Öffentlichkeit

nicht mehr behaupten, dass Thor

Steinar eine rechtsextreme Marke ist.

2008 handelte man sich aber auch Ärger

mit Stammkunden ein: Ein arabischer

Investor übernahm Anteile an

Media Tex, weswegen es Kameraden

gibt, die die germanische Sache verraten

sehen und Thor Steinar boykottieren.

Gänzlich der

Lächerlichkeit preisgegeben

hat sich Thor

Steinar nun, weil man

einen Prozess anstrengte

– und verlor. Die Initiative

„Endstation

rechts“ informiert nicht

nur über Rechtsextremismus

in Mecklenburg-Vorpommern,

sondern hat auch

einen eigenen Kleiderversand:

Storch Heinar. Unter dieser Marke

werden Shirts und Accessoires

verkauft, die mal einen Storch mit

Hitlerbärtchen und Stahlhelm zeigen

oder andere rechtsextreme Symbolik

durch den Kakao ziehen. Thor Steinar

fand das nicht lustig und klagte wegen

Verwechslungsgefahr und Verunglimpfung.

Zunächst erreichte man einen

Teilerfolg: Media Tex ließ sich

„Wüstenfuchs“ als Marke schützen

und weil der Storch eine „Kampfta-


sche“ mit der markenrechtlich geschützten

Bezeichnung „Wüstenfuchs“

genau vier Mal verkaufte und

damit Umsatz von 119,60 Euro erzielte,

sollten Lizenzgebühren gezahlt

werden. Das Angebot des Storches,

gleich im Gerichtssaal die üblichen

fünf Prozent, also 5,98 Euro zu entrichten,

wurde abgelehnt.

Aber die umfassendere Klage mit

einem Streitwert von 180.000 Euro

verloren die Naziausstatter. Die Richter

wiesen die Klage zurück. Die satirische

Auseinandersetzung mit der

Marke Thor Steinar falle unter das

Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit.

Sieg auf der ganzen Linie für

Heinar bzw. „Ein guter Tag für Störche“

wie sich die Süddeutsche Zeitung

freute.

„Ich habe soeben im Nürnberger

Modeverbrecherprozess meinen Gegner

vernichtend geschlagen“ teilte der

ANTIFASCHISMUS

„Führerstorch“ noch in Nürnberg mit.

Man sei jetzt „Weltkriegsverliererbesieger“

und strebe fortan nach der

„Modeweltherrschaft“ zusammen mit

der Front deutscher Äpfel (benannt

nach dem Vorsitzenden der sächsischen

NPD – Holger Apfel), die gerne

mal Demos nach Jubelperser-Manier

gegen rechts macht. „Es ist ein Triumph

des Willens zur Gestaltung!“,

kommentiert Alf Thum, Führer der

Apfelfront, das Nürnberger Urteil und

verleiht zu diesem Anlasse dem Storchen

die Nahkampfspange der FDÄ in

Silber. Auch eine andere Ikone der

rechten Szene wird gerne vom Storch

auf die Schippe genommen. Die historisch

ziemlich gesicherte Tatsache,

dass Hitler nur einen Hoden hatte

wurde als Steilvorlage für ein T-Shirt-

Motiv gesehen und auch Eierlikör erfreut

sich beim Führerstorch großer

Beliebtheit, was er auf seiner Website

regelmäßig erkennen lässt. Adolf

kann nicht mehr klagen, aber seine

Fans tun es gerne. Wenigstens veräppeln

darf man die Nazis also, auch

wenn man einige nicht so nennen darf.

CV

69


ass das Internet das Musikbusi-

D

ness revolutioniert hat ist ein alter

Hut. Es gibt praktisch keine Band

mehr, die keine myspaceseite hat, wo

man ihre Musik hören kann. Illegale

downloads mal beiseite gelassen, ergeben

sich immer mehr Möglichkeiten,

Musik zu hören und neue Musik zu

entdecken. Aber wie erfahre ich eigentlich

von Bands, die mir gefallen, ohne

jemanden zu kennen, der mich auf dem

Laufenden hält? Vor drei oder vier Jahren

stieß ich auf ein Angebot: Eine

website namens Pandora, wo man Namen

von Bands eingab und man ihre

Musik hören konnte. Dazu aber ein unglaublicher

Service: Man bekam ähnliche

Bands vorgeschlagen, konnte sich

das anhören und eingeben, ob es einem

gefällt. Bei Nichtgefallen wurden Alternativen

vorgeschlagen. Eine neue

Welt tat sich auf. Leider wurde dann

kurz darauf mitgeteilt, dass nur

amerikanische User das Angebot wahrnehmen

dürfen. Jetzt gibt es aber europäischen

Ersatz: Auf der Seite

www.simfy.de wird ein ähnlicher Service

angeboten, wenn auch nicht ganz

so ausgefeilt. Man meldet sich an und

gibt in die Suchmaschine eine beliebige

Band ein. Daraufhin erscheinen

deren Platten sowie sechs Vorschläge

von Bands, die ähnliche Musik machen.

Nun kann man einzelne Lieder

70

PLATTENSPORT Online Musik entdecken

und ganze Platten im persönlichen account

speichern. Eine eigene kostenlose

Onlinebibliothek! Man kann auch

10 Euro im Monat investieren, wofür

man die Musik auch hören kann, ohne

online zu sein. Für zehn Tage bekommt

man am Anfang dieses „Premium“-

Angebot inklusive, allerdings funktionierte

es bei mir nicht, also musste ich

weiterhin online bleiben, um meine Bibliothek

zu hören. Nach Ablauf der 10

Tage gab es leider zwei Alben (bei

Warner Vertrag und die haben keinen

Bock auf kostenlos), die nun nicht

mehr verfügbar waren – schade. Trotzdem

hat sich mein aktueller Musikgeschmack

erweitert. Ich habe einfach

ein paar Bands eingegeben, die mir gefallen

und die Vorschläge, die ich daraufhin

bekam, waren meist ziemlich

passend. Natürlich gibt es nicht alles,

aber das Angebot ist ziemlich umfangreich

und auch noch aktuell. Es gibt

Bands wie Ärzte oder die Toten Hosen,

die sich dem Angebot verweigern, aber

die höre ich auch nicht mehr seit ich 18

bin. Achso, hier ein paar Sachen, die

gerade bei mir gerade auf Dauerrotation

laufen: The Gaslight Anthem, Phoenix,

Snow Patrol, Ellen Allien,

Florence and The Machine, Motion City

Soundtrack, Dear Reader. Check it

out!

CV


D

Interview mit Rainer Henze über den UPK-

Kunstpreis und die Förderung junger Kunst

in Kassel

ynamo: Letztes

Jahr wurde zum

ersten Mal der

Kasseler Kunstpreis verliehen.

Was hat es damit auf sich?

Rainer Henze: Kassel hat eine große

Künstlerszene, die hier leider nicht so

zur Wirkung kommt. Es gibt mehrere

hundert ausgebildete Künstler und ich

bin daran interessiert, dass sie in der

Öffentlichkeit auch bekannter werden.

Die Idee von Peter Grammet von der

Werbeagentur P3, einen lokalen

Kunstpreis zu vergeben, habe ich deshalb

unterstützt. Sponsoren waren der

Unternehmenspark Kassel, bzw.

Berlinhaus GmbH und VW OTC. Ich

war künstlerischer Berater und habe da

noch einiges andere gemacht, also

Ausstellung aufgebaut, Führungen

organisiert, die ganze Planung für die

Preisverleihung haben wir gemeinsam

organisiert.

War das Ganze denn erfolgreich?

Das war es. Wir hatten 127

Bewerber, davon hat die Jury 57 ausgewählt.

Von denen wir 100 Exponate

ausgestellt haben. Bei der Preisverleihung

waren etwa 500 Personen

anwesend. Auch im Nachhinein ist das

von allen Beteiligten sehr positiv

bewertet worden.

In diesem Herbst wird der

Kunstpreis zum zweiten Mal verliehen.

Sie sind nicht mehr dabei.

Wieso?

Schon im letzten Jahr hat uns die

Unterstützung des UPK bzw. deren

Besitzern in Berlin gefehlt. Da wurden

Termine ohne Rücksprache verlegt,

Versicherungen erst nach vielfacher

Rückfrage abgeschlossen,

Beseitigung undichter Stellen am

Dach, der als Veranstaltungs- und

Ausstellungsort vorgesehenen Halle

musste mehrfach angemahnt werden,

für die Beschaffung selbst kleinteiligen

Materials musste jedes Mal die

Finanzierung vorher geklärt werden

usw. usw.

Ich hatte in Berlin moniert, dass

unsere Arbeit erschwert würde und

habe nie eine Reaktion bekommen.

Zwischendurch wollten wir das Ding

schon fallen lassen. Aber im Interesse

der Künstler haben wir uns vorgenommen,

es so gut wie möglich vorzubereiten

und durchzuführen. Die

Jury war mit Dr. Kimpel vom Kulturamt,

Karin Stempel, Rektorin der

71


Kunsthochschule, Herrn Bürgermeister

Junge, Kulturdezernent, Wladimir

Olenburg vom Bundesverband

Bildender Künstlerinnen und Künstler

und Herr Scholtyssek, Leiter vom

VW-OTC hier in Kassel hochkarätig

besetzt. Was zeigt, dass das Ganze

sich auf einem guten Niveau abgespielt

hat.

Ist es nicht völlig normal, dass es

bei der Organisation einer solchen

Veranstaltung nicht alles

glatt läuft und es auch mal zu

Schwierigkeiten kommt?

Das stimmt. Ich arbeite ja schon

eine Weile mit Peter Grammet bei der

Organisation des UPK-Kunstforums

zusammen. Da ist mir im Laufe der

Zeit schon aufgegangen, dass die

Wertschätzung vor allen Dingen der

Künstler, wie auch unsere Arbeit nicht

vorhanden ist. Es spielt im Grunde

genommen keine Rolle, was da an den

Wänden hängt oder auf Podesten steht,

sondern nur, dass irgendwas als

Dekoration da ist. Ansonsten spielt

eine Rolle, dass es gutes Essen und zu

Trinken gibt. Dafür wird viel Geld

ausgegeben. Ich habe das als

Extremfall bei einer Ausstellungseröffnung

erlebt, bei der ich die

Laudatio halten sollte. Fünf

Minuten vorher

72

JUNGE KUNST

Germanys next

Fußballmannschaft

wurde gesagt, das ginge nicht, weil zu

viele andere Leute aus Politik und

Wirtschaft reden. Das war eine

Ausstellungseröffnung, ohne dass über

die Kunst und den Künstler gesprochen

wurde.

Als wir dann im Herbst gefragt

wurden, ob wir den Kunstpreis 2010

machen wollen, habe ich einen Kostenvoranschlag

erstellt, weil ich nicht

wieder ohne Bezahlung wie im letzten

Jahr mitarbeiten wollte. Aus Berlin

kam wieder keinerlei Reaktion. Bis Juni

habe an den Vorbereitungen mitgearbeitet,

aber dann geschrieben, dass

ich so lange nicht mehr zur Verfügung

stehe, bis der finanzielle Rahmen geklärt

ist. Aber da kam auch keine Antwort.

In Verbindung mit der mangelnden

Wertschätzung habe ich dann die

Zusammenarbeit gekündigt. Da habe

ich dann zum ersten Mal eine Mail der

Berlinhaus GmbH bekommen, in der

sie meinen Schritt bedauern und sich

für die bisherige Zusammenarbeit bedanken.

Aber ist es nicht oft so, dass sich

Geldgeber nicht zwingend für den

Inhalt der Kunst interessieren. In

Kassel wurde die Treppe auf dem

Königsplatz abgerissen, obwohl


auf den Ortsschildern „documenta-Stadt“

steht.

Das ist schon richtig. Aber dann soll

man wenigstens den Leuten, die das

organisieren, die Freiheiten lassen, da

zu entscheiden und sie unterstützen.

Gerade so ein Kunstpreis lebt ja

davon, dass er erfolgreich ist und auf

einem bestimmten Niveau stattfindet.

Und wenn Künstler erfahren, dass das

irgend so eine Larifari-Geschichte ist,

dann machen die nicht mit, denn sie

wollen ja auch angemessen und würdig

vertreten werden.

Wie sähe denn der perfekte

Kasseler Kunstpreis aus?

Eigentlich so, wie wir das im letzten

Jahr gemacht haben. Die Organisation

und die Finanzierung müssten anders

laufen und dann wäre das mit

Sicherheit etwas, was wir wieder mit

der gleichen Begeisterung gemacht

hätten.

Kann denn die Stadt Kassel etwas

tun?

Ich hatte das bei der Preisverleihung

schon gesagt. Es müsste

eigentlich eine städtische Galerie

geben, um in einem angemessenen

Rahmen die Arbeiten von

JUNGE KUNST

Kasseler Künstlern präsentieren zu

können. Auch eine regionale Biennale

würde den vielen Künstlern, die es

hier gibt, hilfreich sein. Es ist ein

Verlust für die Stadt, dass man mit diesem

Pfund viel zu wenig wuchert. Die

Künstler, die hier leben und arbeiten,

stellen ihre Werke in anderen Städten

aus, weil es hier keinen Markt gibt. Sie

leben aber hier, weil es die

Kunsthochschule gibt, die Ateliers

finanzierbar sind. Auch die documenta

zieht Künstler an, die hier bleiben.

Ich bin schon dazu übergegangen,

Arbeiten von Künstlern an Orten

zu präsentieren, an denen der

„Normalbürger“ sonst mit Kunst nicht

in Berührung kommt. Also z.B. im

Citypoint oder in den Messehallen zur

Frühjahrsausstellung. Die Leute sind

dann überrascht darüber, wie viele

„tolle“ Künstler es in Kassel gibt.

Das Interview führte CV

73


Sandershäuser Straße 34 | 34123 Kassel

Fon: 05 61 - 57 25 42 | Fax: 05 61 - 57 11 27

e-mail: info@kulturfabrik-kassel.de

URL: www.kulturfabrik-kassel.de

6. Phantastischer Trashfilm Festival

Fr. 08.10.10

Sa. 09.10.10

Beginn 19.00 Uhr / beide Tage

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt: ein Tag: 8 € / ermäßigt: 6 €

beide Tage: 12 € / ermäßigt: 10 €

Zum 6. mal findet in Kassel das "Phantastische Trashfilm" Festival statt. An zwei

Tagen werden vom Profi bis Amateur, Video-Produktionen der Gattung Trash,

Horror und Fantasy gezeigt. www.spontitotalfilm.com

Didgeridoo Workshop

Fr. 19.11.10

Beginn: 17.00 Uhr – 19.00 Uhr

Bitte um Voranmeldung!

Trommelkurs

Fr. 19.11.10

Beginn: 19.00 Uhr – 20.30 Uhr

Bitte um Voranmeldung!

Open Stage

"JAM JAM" “Sommer-Session ”

Fr. 19.11.10

Beginn: 20:00 Uhr

Eintritt frei

74

Sommer 2010


Bands können die offene Bühne für wechselnde 20 Minuten-Sets nutzen. Die

Backline steht, Instrumente, Lust und Laune mitbringen. Alles ist erlaubt! Free

Flow, Blues, Electro, Freestyle, Rock, HipHop, Rap, Reggae, Jazz, Folk, Metal,

einfach ALLES!

Musiker und Musikerinnen, die mitspielen möchten, können sich vorher anmelden,

aber auch spontan mitmachen. Nach den Konzerten finden sich unvermittelt

neue Konstellationen, welche traditionell (tief in der Nacht) in eine gemeinsame

Session münden.

Free Flow Festival

Fr. 15.10.10

Sa. 16.10.10

Beginn Fr.: 18.00 Uhr

Beginn Sa.: 14.00 Uhr

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt beide Tage: 17€ / Ermäßigt 15€

Ein Tag: 10€ / Ermäßigt 8€

Am Freitag spielen STROM, MORLE, EÈKHEYM.

Am Samstag ab 14.00 Uhr beginnt der „Open Space“ mit Workshops für Kinder,

Jugendliche und Erwachsene, Free-Floh-Markt und Drumcircle (im Eintritt enthalten

oder Teilnahmegebühr 10€ und ermäßigt 6 €)

Konzerte ab 18.00 Uhr: Wolfgang-Rennert-Trio, sounDDances, GUNTER HAM-

PEL + MUSIK + TANZ- IMPROVISATIONS –COMPANY, EMBRYO, JULA WIND

XXL-Reggae-Nacht

Sa 13.11.10

Beginn: 21.00 Uhr

Einlass: 20.00 Uhr

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt: 10 € ermäßigt 8 €

Mit den Reggaekläusen aus Kassel, Blessed and Irie und

In Out Reggae aus Göttingen.

Jimmy Kelly

Sa. 04.12.10

Beginn: 20.00 Uhr

Einlass: 19.00 Uhr

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt: 22 € VVK 19,90 €

75


Jimmy Kelly, Singer und Songwriter der „The Kelly Family“ kommt im Herbst

2010 gemeinsam mit seiner Frau Meike Kelly (Akkordeon + Mandoline) und seiner

Band (Fiddle, Gitarre, Kontrabass) mit seiner neuen Tour „My Hometown“ in

die Kulturfabrik Salzmann.

Mambo Kurt

Di. 22.12.09

Einlass: 20.00 Uhr

Beginn: 22.00 Uhr

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt: VVK 10 € - AK 13 €

Unser allseits beliebter, leicht durchgeknallter Orgelgott interpretiert eine feine

Zusammenstellung wahrer Welthits auf seiner geliebten Heimorgel.

Poetry Slam

Sa. 20.11.10

Beginn: 21.00 Uhr

Einlass: 20.00 Uhr

Kulturfabrik Salzmann

Eintritt: 8 € ermäßigt 5 €

26. Kasseler dichterrat Poetry Slam

Die nun bereits 26. Bühnenliteratur - Show wird wieder einmal erstklassig

besetzt sein! Poetry Slam ist Poesie und Performance, also ein literarischer

Vortragswettbewerb.

Aufgerufen sind vor allem Autorinnen und Autoren aus dem Kasseler Raum, die

sich, perfekter weise, wegen besserer Planung, per e-mail (ich@dichterrat.de)

oder noch am Veranstaltungsabend, beim Slammaster und MC Wolfgang K.

Fiege anmelden können.

Infos: www.dichterrat.de und www.kulturfabrik-kassel.de

Weitere Veranstaltungstermine, Infos und Anmeldung:

www.kulturfabrik-kassel.de oder Tel. 0561/ 57 25 42

76


Gernefums

oder die Freiheit ohne Trainer

m letzten Heft wurden „Frei-

I zeitfußballer“ und „Vereinsfußballer“

als zwei Kategorien beschrieben,

mit deren Hilfe sich Spieler und

Mannschaften kategorisieren lassen.

Kurz zusammengefasst spielen Vereinsfußballer

ergebnisorientiert, sie

haben Spaß, wenn sie das Spiel zu

gewinnen. Freizeitfußballer wollen

zwar auch gewinnen, im Vordergrund

steht aber das Spiel und der

gemeinsame Spaß daran. Beide

Spielarten kommen selten in Reinform

vor, meist sind sie mehr oder

weniger in die eine oder andere

Richtung ausgeprägt. „Vereinsfußball“

und „Freizeitfußball“ wären

demnach Endpunkte auf einer Skala,

auf der sich die Mannschaften

und Spieler verorten lassen.

Beim letzten Iron Cup Turnier gab

es einige Mannschaften, deren Spiel

nicht mehr in das System von „Freizeit-“

und „Vereinsfußball“ passte.

Die Spieler, übrigens ausschließlich

Männer, waren meist jung, um die

zwanzig vielleicht, und technisch

sehr versiert. Sie haben sich in einigen

Situationen bemerkenswert verhalten.

Zum Beispiel: Ein Spieler

steht frei vorm leeren Tor des Gegners,

der Ball muss nur noch locker

eingeschoben werden, wird aber

stattdessen mit vollem Risiko volley

knapp am Tor vorbei gedroschen.

Oder: Ein Abwehrspieler lässt sich

als letzter Mann auf ein kunstvolles,

aber vollkommen unnötiges Dribbling

ein. Im Mittelfeld werden Zweikämpfe

gesucht, die dann artistisch

77


78

GLOSSE

geführt werden, ohne dass dies aber

zu irgendeinem erkennbaren Nutzen

führen würde. Die Bälle werden bei

jeder Ballannahme technisch anspruchsvoll

gestoppt oder direkt weiterverarbeitet,

mit hohem Risiko und

entsprechend mehr Ballverlusten als

nötig.

Weder Freizeitfußballer noch Vereinsfußballer

würden sich in den

oben beschriebenen Situationen derartig

verhalten: technisch versierte

Vereinsfußballer ordnen ihre Fertigkeiten

dem Erfolg unter. Technische

Kabinettstückchen ohne erkennbaren

Zusammenhang zur Verbesserung

des Ergebnisses sind als „brotlose

Kunst“ nicht akzeptiert. Wer eine

100% Torchance fahrlässig vergibt,

wird ausgewechselt. Für Freitzeitfußballer

verbietet der Respekt vorm

Gegenspieler unnötige Tricks. Wer an

einem Abwehrspieler auch so vorbeikommt,

wird auf technische Finessen

verzichten. Die Demonstrationen der

eigenen Fähigkeiten auf Kosten einer

Demütigung des Gegners werden von

der Spielgemeinschaft nicht akzeptiert.

Einzelne Spieler, die sich wie oben

beschrieben verhalten, hat es vermutlich

schon immer gegeben, sowohl

unter „Freizeitfußballern“ als auch

unter „Vereinsfußballern“. Das sich

aber ganz Mannschaften, nicht nur

einzelne, sondern im Iron-Cup Finalturnier

vielleicht sechs von acht derartig

verhalten, spricht für eine qualitative

Veränderung.

Die Spielweise dieses neuen Typs,

den jetzt mal als Akronym für Ger-


Gernefums

oder die Freiheit ohne Trainer

manys next Fußballmannschaft „Gernefum“

nennen möchte, ist, so

scheint es zumindest, nicht mehr darauf

angelegt Tore zu erzielen. Vielmehr

geht es darum möglichst artistische

Tricks zu zeigen und die Gegenspieler

auszuspielen. Auf der anderen

Seite ist es aber nicht so, dass das

Ergebnis vollkommen gleichgültig

wäre. Zweikämpfe werden relativkörperbetont

geführt. Zwar wird die

Defensivarbeit eher vernachlässigt,

wer aber gerade hinten ist, verteidigt

mit harten Bandagen. Das Ergebnis

ist wichtig, das wichtigste aber ist der

Spieler. Das Spiel dient in erster Linie

dazu den Spielern eine Bühne zu

bieten, um ihre jeweils individuellen

Fähigkeiten am Ball aufzuführen.

Ein einfaches Tor ist kein Erfolg.

Ein Erfolg ist ein Tor nach einer

spektakulären Aktion. Und wenn die

Situation nicht kompliziert genug ist,

um elegant gelöst zu werden, dann

wird sie eben verkompliziert. Konkret

bedeutet das: Statt den Ball ins

Tor zu schieben, wird er lieber mit

höchstem Risiko als Seitfallzieher

vorbei geschossen nach dem Motto:

Lieber gar kein Tor als ein einfaches

Tor. Da die Spieler der Gernefum-

Mannschaften ähnlich motiviert sind,

gibt es bei unnötig vergebenen Möglichkeiten

relativ wenig Kritik. Die

Aufführung der individuellen Ballkunst

ist richtet sich nicht nur an den

Gegner oder das Publikum, sondern

auch – vielleicht sogar in erster Linie

– an die eigenen Mitspieler. Die

Spieler sind somit Publikum und Akteure

gleichzeitig.

Bleibt die Frage, was der Grund dafür

ist, dass die Gernefums auf dem

Vormarsch sind. Eine abschließende

Bewertung soll an dieser Stelle nicht

geschehen, es gibt aber zumindest

drei interessant theoretische Ansätze.

Ein Ansatz, der in letzter Zeit populär

geworden ist, ist die Theorie des

Rückkopplungseffekts von Video-

Fußballspielen. Ursprünglich orientierten

sich die Spieledesigner an

dem, was sie auf den Fußballplätzen

der Profimannschaften vorfanden und

versuchten das Spiel virtuell nachzubauen:

Taktik und Technik, Stärken

und Schwächen der Spieler und sogar

der Torjubel orientierten sich im Konsolenfußball

an real existierenden

Mannschaften und Spielern. Dabei

wurde die Annäherung an die Realität

immer stärker, das virtuelle Spiel immer

realer. Bis sich eine umgekehrte

Beeinflussung einstellte: Virtueller

Spieler „beherrschen“ Tricks, die reale

Fußballer dann nachzustellen versuchen.

Mittlerweile entwerfen Spie-

79


ledesigner in Zusammenarbeit mit

Werbestrategen und Superstars wie

Christiano Ronaldo oder Ronaldinho

Tricks, die dann in die Spiele eingebaut

werden. Die Spieler, auf der anderen

Seite, profitieren in Form von

Werbeverträgen oder Steigerung des

Marktwertes durch Steigerung der Popularität.

Die Gernefums, so eine

mögliche Erklärung, versuchen in ihrem

Spiel die Tricks, die sie von ihren

Spielekonsolen her kennen und immer

wieder üben, im Spiel umzusetzen.

Eine weitere Erklärung könnte

sein, dass die Spieler dieses Typs alltags

in hochklassigen Jugendmannschaften

spielen und dort ihr Können

nur selten zeigen dürfen, weil sie sich

als Vereinsspieler an den entsprechenden

Verhaltenskodex halten müssen.

Gerade für junge Spieler ist das frustrierend.

Freizeitturniere dienen ihnen

als Ventil und Kompensation. Gernefums

wären demnach eigentlich

Vereinsspieler, die das Fehlen eines

Trainers/Betreuers auf Freizeitturnieren

nutzen, um ihre erworbene Fertigkeiten

präsentieren, ohne dabei Sank-

80

GLOSSE

Gernefums

oder die Freiheit ohne Trainer

tionen des ergebnisorientierten Trainers

fürchten zu müssen.

Eine dritte Erklärung ergibt sich

aus dem Phänomen der „Germanys

next XY“ Formate im Privatfernsehen:

Germanys next Popstar, Germanys

next Supermodel, Germanys next

Starkoch usw. usw. In diesem Format

gibt es Abschnitte, in denen die Teilnehmer

als Gruppe auftreten, eine

„Bandphase“ oder ähnliches. Manchmal

wird auch gleich ein Duett, eine

Band, ein Team oder ein sonstiger Verbund

gesucht. Die Teilnehmer scheiden

dabei nach und nach aus, bis nur

noch das gesuchte Objekt übrigbleibt.

Bei der Bewertung treten die Teilnehmer

zwar gemeinsam auf, werden aber

einzeln, also unabhängig voneinander,

bewertet. Das „Duett“ wird nicht gemeinsam

bewertet, sondern jeder Teilnehmer

einzeln. Die Gernefums, so

die Theorie, haben dieses Prinzip in

ihre Lebenswelt übertragen und spielen

Fußball, wie die Teilnehmer von

Germanys next Fußballmannschaft

spielen würden. Zwar als Mannschaft,

aber aus der Perspektive des Kandidaten,

der die nächste Runde erreichen

will.

Die wissenschaftliche Analyse

steht erst am Anfang, wir werden das

Phänomen aber weiter beobachten.

Olli Br8


Wissenschaft und Fußball

or der WM war das Angebot an

V Büchern und Artikeln über

Fußball schier unermesslich. Selbst

Medien, die sich sonst nicht weiter

für Fußball interessieren, konnten

sich dem nicht entziehen, dazu kam

die Tatsache, dass zum ersten Mal eine

WM in Afrika ausgetragen wurde.

Per Zufall geriet mir ein Exemplar

eines „Forschungsjournals

Neue Soziale Bewegungen“ in die

Hände, deren Ausgabe den Schwerpunkt

„Abseits des Fußballs – Gesellschaftliche

Dimensionen des

Volkssports Nr.1“ lautete. Unscheinbares

Layout, ein paar Karikaturen

lockern die Bleiwüste nur sporadisch

auf, aber was erwartet man auch von

einem wissenschaftlichen Journal?

Dann aber die Sensation: Ein mir

unbekannter Autor zitiert mehrfach

wissenschaftlich korrekt aus unserem

Dynamoheft und der Dynamo-website!

In dem Beitrag „Undogmatische Leibesübungen

– Ein Porträt des deutschen

Alternativfußballs“ von Richard

Gebhardt geht es um die mehr oder

minder bekannte Geschichte(n) bunter

Ligen und ihrer Teams. Alte Bekannte

wie Partisan Eifelstraße und Roter

Stern Bremen tauchen auf, Anekdoten

wie die vom Papst, der mal Ehrenmitglied

der Bunten Liga Aachen wurde,

genauso wie die Auseinandersetzungen

Dynamo Windrads mit dem Hessischen

Fußballverband.

84

Und gerade am Beispiel von Dynamo

zeigt der Autor eine Ambivalenz

der Alternativszene auf, die uns selbst

seit Jahren umtreibt: Was bedeutet „alternativ“

im 21. Jahrhundert? Auf der

einen Seite der positive Bezug auf die

linke Vergangenheit und das, was man

davon bis heute hinüber retten konnte,

auf der anderen Seite „Dienstleister“

mit 1000 Mitgliedern inkl. PraktikantInnen

und 1 Euro Jobbern, was uns einen

kleinen Neoliberalismus-Vorwurf

einbringt, worüber man zurecht diskutieren

kann. Das Dynamoheft kommt

durchaus positiv weg („hochprofessionelles

layout“) wird aber mal als „Infoblatt“

oder auch „Zirkular“ bezeichnet,

fehlt eigentlich nur Kassiber. Trotzdem


ist es spannend, eigene Gedanken, die

man in der letztjährigen Ausgabe über

Kollektive unternommen hat, noch mal

auf Metaebene eingeordnet zu finden

(sorry für das Fremdwort, man kann

auch „auf übergeordneter Ebene“

schreiben – da hat wohl die Lektüre etwas

abgefärbt).

Auch andere Artikel im Heft

zeigen, dass die Leute Ahnung

davon haben, worüber sie

schreiben und nicht eben Mal

irgendwelche Typen (es

schreiben nur Männer im Fußballschwerpunkt)

von ihrem

Elfenbeinturm auf die Prolls

aus der Fußballecke werfen:

Fundierte Analysen afrikanischen

Fußballs bzw. wirtschaftlicher

Aspekte der WM in Südafrika, ein Interview

mit Christoph Biermann über

die Verwissenschaftlichung des Spiels,

die Rolle von Ultras beim Kampf gegen

Rechtsextremismus in Stadien –

alles auf hohem Niveau und gar nicht

mal so unverständlich wie man es von

einem Forschungsjournal erwarten

würde. Wobei Richard Gebhard in seinem

ansonsten gut lesbaren Artikel

auch mal so einen Satz über seine Beobachtungen

auf der letztjährigen

DAM unterbringt: „Offizielle und

selbst kreierte Schals, Trikots, Hüte

und Winkelelemente formen sich zu einer

Bricolage, in der jeweils der altvertraute

Signifikant der konventionellen

DAS MACHT DIE

KONKURRENZ

Fankultur von seinem Signifikat entbunden

wird.“

Ein echtes Aha-Erlebnis dann in einem

Artikel über die veränderte Rolle

von Sportvereinen in der Gesellschaft,

ehrenamtliches Engagement und die

Übernahme von staatlichen Aufgaben

durch die Zivilgesellschaft, wo der Autor

u.a. fordert, dass Sportvereine sich

nicht nur wie bisher darüber

Gedanken machen sollten,

wie man Mitglieder zum Engagement

für den Verein gewinnen

könnte (was immer

seltener klappt), sondern sich

eher bewusst machen sollte,

dass diese Menschen auch

selber von ihrem Engagement

profitieren, weil es sich gut im

Lebenslauf macht und eigene soziale

Kompetenzen fördert („Bildungskapital“),

eine Argumentation die man auch

als neoliberal bezeichnen kann, was

aber den Inhalt nicht weniger bedenkenswert

macht.

Insgesamt eine sehr lohnende Lektüre

also, nicht nur für Studis oder Intellektuelle,

auch wenn der Preis von

15 Euro nicht gerade zum Kauf einlädt.

Aber in der Uni-Biblithek sollte das

Forschungsjournal NSB vorhanden

sein und wenn die Kollegen sich auch

über andere Themen alle drei Monate

so kenntnisreich auslassen, dann sollte

man da mal nachschauen.

CV

85


ie sieht die Gegenwart aus?

W

Unser heutiger Lebensstil fordert

jede Menge Verzicht von uns.

„Wir verzichten auf belebte und

lebenswerte Innenstädte und tauschen

dafür Einkaufszentren auf ehemals

grünen Wiesen ein. Menschen,

die an Hauptverkehrsstraßen wohnen,

müssen auf Ruhe verzichten,

Kinder und Ältere auf Bewegungsfreiheit

außerhalb ihrer Wohnung.

Und Pendler verzichten auf kostbare

Zeit mit Familie und Freunden, während

sie mit tausenden anderen im

Stau stehen – gemeinsam allein. Ein

großer Teil unseres Alltags besteht

aus Verzicht. Wir haben es nur noch

nicht begriffen.“

Bundespräsident Horst Köhler zur

Verleihung des „Deutschen Umweltpreis

2009“

Entscheidende Änderungen in

unserem Verkehrsverhalten sind

notwendig, weil klar ist:

- dass der CO2-Ausstoß drastisch reduziert

werden muss (Klimaschutz),

- dass wir die Endlichkeit der fossilen

Rohstoffe akzeptieren und sie

als Energieträger ersetzen müssen

(Peak Oil) und

- dass wir die Umweltbelastungen

durch giftige Emissionen, Straßenverkehrslärm

und die Inanspruchnahme

neuer Flächen deutlich reduzieren

müssen.

88

Wie kann also die Zukunft aussehen?

Ziel des Projektes „ZUKUNFT er-

FAHREN“ ist es, Mobilitätsverhalten

mit angepassten modernen Elektro-

Leichtfahrzeugen unter Alltagsbedingungen

zu untersuchen und die

Fahrzeuge einem breiten Publikum bekannt

und zugänglich zu machen. Mit

unserem Projekt fördern wir die Entwicklung

und Verbreitung zeitgemäßer

Verkehrskonzepte und tragen dazu bei,

dass der Standort sich zu einem kompetenten

Anlaufpunkt für neue Mobilitätskultur

etabliert und damit auch

langfristig die Markteinführung zukunftsweisender

Fahrzeuge unterstützt.

Unser Angebote

Öffentliche Präsentationen mit Probefahrten

An regelmäßigen betreuten Informations-

und Test-Terminen wird der

Fuhrpark einem allgemeinen Publikum

zugänglich gemacht. Wir geben Ihnen

Informationen über neue Mobilitätsstrategien

und Möglichkeiten neuartiger

Leichtfahrzeuge. Sie bekommen

einen Überblick über die gesamte Fahrzeugpalette

und die unterschiedlichen

Eigenschaften und haben die Möglichkeit,

die Fahrzeuge selbst auszuprobieren.

Auf Sonderveranstaltungen wie

zum Beispiel Messen, Stadtfesten

(„Tag der Erde“) wird der Modellfuhrpark

ausgestellt und Probefahrten werden

angeboten.


Zielgruppenspezifische Beratung

und Information

Aufgrund der Erfahrungen mit dem

vorhandenen Fuhrpark können wir gezielte

Beratungen für Anwender mit

speziellen Problemstellungen anbieten.

Wir analysieren zusammen mit Ihnen

die Nutzungsprofile Ihrer Fahrzeuge

und machen Ihnen Substitutionsvorschläge

mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Die potentiellen Anwender

können die Fahrzeuge bei uns kennen

lernen und Probe fahren.

Gerne vermitteln wir Ihnen Fahrzeuge

und Kontakte zu den Herstellern.

Da wir über eigene Werkstätten

und einen Schlosserei-Meisterbetrieb

verfügen, können wir Fahrzeuge speziell

für Sie ausstatten und mit Sonderaufbauten

versehen.

Sprechen Sie uns an, wir machen Ihnen

gerne ein Angebot.

Seminare

Wir planen, Seminare und Bildungsurlaube

zum Themenkomplex

„Wege zu einer nachhaltigeren Mobilität

und zu mehr Lebensqualität“ durchzuführen.

Die TeilnehmerInnen haben

die Möglichkeit, die Fahrzeuge in einem

Praxisteil auszuprobieren.

ÖKOLOGIE

Wenn Sie Seminare zu ähnlichen

Themen anbieten wollen und einen

Praxisteil mit unseren Fahrzeugen integrieren

möchten, stehen wir Ihnen gerne

unterstützend zur Verfügung. Die

Seminare können im Tagungshaus Niederkaufungen

durchgeführt werden.

Auf Wunsch steuern wir inhaltliche

Teile bei und stellen den gesamten

Fuhrpark mit Betreuung zur Verfügung.

Events

Sie wollen mit einer Gruppe einen

interessanten und unterhaltsamen

Nachmittag oder Tag verbringen (z.B.

Betriebsausflug)?

Wir bieten Ihnen an:

Information über neue Mobilitätskultur

und die Fahrzeuge unseres Fuhrparks

Ausprobieren des gesamten Fuhrparks

Ausflug mit den Fahrzeugen

Kaffee/Kuchen und/oder Mittagessen

bei uns vor Ort (Bio-Catering)

Sprechen Sie uns an, wir machen Ihnen

gerne ein Angebot.

ZUKUNFT erFAHREN

Verein für Ökologie, Gesundheit und

Bildung e.V.

Wilhelmstr. 7, 34260 Kaufungen

Telefon: 05605-800762

www.zukunfterfahren.de

info@zukunfterfahren.de

89


Eine Parteiveranstaltung

der FDP im Schlachthof

E

ine Parteiveranstaltung der FDP

im Schlachthof? Na, das kann ja

lustig werden, dachten wir uns und lagen

goldrichtig. Kaum angekommen,

begann der Abend mit bester 9Live

Unterhaltung: man sei Stammgast im

Schlachthof. Integration sei das zentrale

FDP Thema. Da wolle und müsse

man viel tun. Bildung, Chancengleichheit,

Freiheit. Überhaupt sei man sehr

interessiert an der Integration von Ur-

Deutschen, Neu-Deutschen, Russland-

Deutschen und dem Rest der hier lebenden

Welt. So sprach es der Herr Minister

für Integration in Hessen: Jörg-

Uwe Hahn. Doch warum Integration

nun ausgerechnet Thema einer FDP-

Kreisparteiveranstaltung im Kasseler

Schlachthof ist, konnte oder wollte der

Herr Minister so richtig deutlich auch

nicht sagen. „Lokale Integrationspolitik

am Beispiel der Modellregion Kassel

– Fehlanzeige Herr Minister.

Doch für Kleinigkeiten vergeben

wir keine roten Karten. Die muss

sich mit außergewöhnlicher

Dummheit verdient werden.

Und da, Herr Minister, haben

sie einen echten Loddar

hingelegt. Auf dem Podium

saß Herr Aydin, stellvertretender

Vorsitzender des Ausländerbeirates.

Der fragte,

ob es nicht im Sinne

der Integration

wäre, Bürge-

Rote Karte

rInnen mit ständigem Wohnsitz in einer

Gemeinde und ohne deutschen

Pass ein passives Wahlrecht zu geben.

Ein Anliegen, das seit Jahrzehnten

durch die Kommunalpolitik wandert.

Ihre Reaktion war ein Offenbarungseid.

Herr Aydin sei nicht zu verstehen

und wolle selbst auch nicht

verstehen, so polterten sie los. Er und

seinesgleichen hätten doch alle Möglichkeiten.

Jeder könne sich wählen

lassen, dazu müsse nur eine Voraussetzung

erfüllt sein: er muss Deutscher

sein.

Au Backe, Jörg-Uwe! Inhaltlich ist

uns dein rechts-konservatives Geschwafel

schwer suspekt, deine konstruierten

Begriffen wie Ur-deutsch

etc haben demagogisches Potential,

und das Weltbild ist, nun ja, irgendwo

zwischen Geschichte und Wirklichkeit

hängengeblieben.

Aber die Rote Karte gibt’s für dieses

unsägliche Benehmen, einem

Vertreter des Ausländerbeirates

völlig zu Unrecht mangelnde

Artikulation zum Vorwurf zu

machen. Integration, lieber

Jörg-Uwe, beginnt mit Respekt

und Verständigung, nicht

mit Ausgrenzung und Arroganz.

Das schreib dir mal hinter

die deutschen Ohren!

91


Impressum

Redaktion

Dynamo Windrad

Schönfelder Str. 35

34121 Kassel

Tel.: 05 61 / 28 41 63

Fax: 05 61 / 2 28 91

Öffnungszeiten

Mo. - Fr.: 10 - 17 Uhr

E-Mail, Internet

info@dynamo-windrad.de

www.dynamo-windrad.de

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Christopher Vogel CV (ViSdP)

Heidrun Siegesmund heiss

Theresia Hevera Resi

Anja Hauke anousha

Anzeigenleitung

Claus Wiese

92

Bankverbindung

Kasseler Sparkasse

BLZ 520 503 53

KtoNr.: 10 225 53

Grafik | Satz | Layout

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Tel.: 05 61 / 2 87 51 83

www.p3-werbung.de

Grafische Leitung

Nina Mechmershausen,

Ninja Honsberg,

Luisa Schaumburg

Druck: Die Grafische

Vertrieb: LoPo

Erscheinungsweise

4x jährlich, Nächstes Heft 01.12.10


FRANKFURTER STRASSE 88 b, TELEFON: 05 61 / 2 79 03


DYNAMO DES MONATS

Die BolzWM hat natürlich eine Unmenge an

KandidatInnen für unsere Auszeichnung produziert

und eine einzelne Person rauszugreifen

ist eigentlich völlig unangemessen, aber

trotzdem haben wir uns für eine Frau entschieden,

die sich nicht nur dadurch auszeichnete,

dass sie die mit Abstand weiteste Anreise hatte,

um die BolzWM zu unterstützen, nämlich ungefähr

8500 Kilometer aus Eugene/Oregon/USA.

Kirstin war vor zwei Jahren in Deutschland, weil ihr

damaliger Freund und heutiger Ehemann Josiah einen

Forschungsaufenthalt an der Uni Kassel hatte. Josiah

spielte bei Dynamo Fußball, Kirstin an der Uni

Theater, mit Fußball hatte sie nichts weiter am Hut, geschweige

denn selber gespielt. Im Frühjahr dann die Anfrage von Kirstin an Dynamo:

Ob sie ein Praktikum für ihr Kulturmanagement-Studium machen könne.

Sie müsse irgendwas machen, was mit Kultur und Eventmanagement zu tun habe

und da es so was wie Dynamo Windrad in den USA (noch) nicht gebe, wolle sie

halt nach Deutschland kommen. Sie habe eh schon ein paar Scheine bekommen,

weil sie Referate über Dynamo an der Uni von Oregon gehalten hatte. Aber sicher

doch. Und so kamen die beiden wieder, diesmal war Josiah in der Rolle des Begleiters

und Kirstin wurde sofort in die Vorbereitung mit einbezogen: Planung des

kulturellen Rahmenprogramms, Erstellung der website und eines Blogs, Aufbau

der Veranstaltung (auch wenn sie es nicht gerne hört, ihre Fähigkeiten, eine Ausstellung

aufzubauen, haben zwei beidseitige Linkshänder gerettet) und währenddessen

immer mal wieder um alles mögliche kümmern. Nicht zu vergessen ihre

tragende Rolle bei unserer Diski-Dance-Performance (zu sehen auf Dynamos facebook

Seite).

Eine Woche vor der Veranstaltung sprang sie dann über ihren Schatten: Erstes

Fußballtraining bei den Dynamitas und danach Teilnahme am Frauenfußballturnier.

Davon war sie so begeistert, dass sie jetzt in einem mixed team namens Dynamo

Windmills spielt. Begeisterungsfähig, kompetent und verlässlich, so eine

Praktikantin wünscht man sich. Aber eine Menge Zeit und Geld zu investieren,

mal eben aus den USA anzureisen, um zum Gelingen der BolzWM beizutragen ist

unerreicht. Danke und gerne wieder - hoffentlich!

Der Verein

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