DR. MED. DENT. MARCUS NICKO Leserbrief - ASbH

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DR. MED. DENT. MARCUS NICKO Leserbrief - ASbH

DR. MED. DENT. MARCUS NICKO

Praxis für Orale Chirurgie, Implantologie, Zahnheilkunde

DVT-Zentrum Lausitz

Hegelpromenade 11

02943 Weißwasser

Tel.: 03576-243033

e-mail: info@zahnheilkunde-dr-nicko.de

An den

ASBH e.V.

Bundesgeschäftsstelle

Grafenhof 5

44137 Dortmund

Weißwasser, 28. Juli 2012

Betr.: Leserbrief von Dr. Chr. Clemen vom Februar 2012 zum Artikel von

Herrn Prof. Dr. Th. Kohl, Ausgabe ASBH Brief Nr. 4/2011 November

S. 32-33

Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich den Beitrag des Kollegen Clemen bezüglich

vorgeburtlicher Operationen der Spina bifida durch Herrn Prof. Dr. Th. Kohl gelesen.

Für betroffene Eltern ergibt sich eine komplexe und sehr schwierige

Entscheidungssituation. Gerade in der Medizin entwickelt sich vieles weiter, neue

Wege können manchmal bessere Heilungschancen ergeben. Hier ist zu überlegen, ob

in einigen Jahren ein Paradigmenwechsel zugunsten der vorgeburtlichen Operation

stattfinden wird, auch wenn dieser Eingriff in vielen Kliniken zur Zeit keine

Unterstützung findet. Der vorgeburtliche Eingriff soll die Spina bifida verschließen.

Damit kann ab diesem Moment ein Schutz der Rückenmarksnerven vor dem

Fruchtwasser erfolgen. Die aggressiven Komponenten des Mekoniums (Vorstuhl)

und die mazerierenden Wirkungen des Fruchtwassers schädigen das offen liegende

Rückenmark. Der Fetus bildet extra vor der Geburt die vernix caeseosa (weißliche

Käseschmiere), um sich vor diesen negativen Einflüssen zu schützen. Diesen ganzen

Einflüssen ist das Rückenmark des betroffenen Feten ausgesetzt. Kann der Defekt

dagegen zeitig verschlossen werden ist zu erwarten, dass eine Schädigung dieser

Nerven ausbleibt oder deutlich geringer ausfällt. Dies muss sich positiv auf die

Blasen- und Darmentwicklung, Sensibilität und Motorik der Beine auswirken.

Weiterhin ist es möglich, dass infolge des dichten Verschlusses kein Hirnwasser mehr

am vormals offenen Rücken austritt, die entstehende Flüssigkeitssäule zur

Rückbildung der Gehirndeformation führt.

Diese zu erwartende positive Entwicklung wurde in dem Brief des Kollegen außer

Acht gelassen. Stattdessen zeigte er nur die Folgen des unter Umständen zu


erwartenden „Tethered Cord“ auf. Dieses ist aber ebenso unabdingbare Folge der

nachgeburtlich operierten Kinder.

Mit diesen Informationen stehen betroffene Eltern in der Zwickmühle. Aus diesem

Grund möchte ich meine Erfahrungen als Arzt und betroffener Vater weitergeben,

dessen Tochter vorgeburtlich operiert wurde und wesentlich davon profitierte.

Wir lernten Prof. Dr. Th. Kohl als sehr einfühlsamen und offenen Arzt kennen. Seine

Aufklärung war sehr umfassend und enthielt alle Details der Risiken für Kind und

Mutter, unter anderem die mögliche Frühgeburt mit allen Folgen oder den Kindstod

als Folge der Operation oder Narkose. Er ging immer wieder auf den experimentellen

Charakter der Operation ein und beschrieb genau das Ergehen aller vorher operierten

Kinder und Mütter, soweit es seine Schweigepflicht zuließ. Weiterhin ermöglichte er

ein Treffen mit diesen Personen. Trotz mehrfachen Nachfragens machte er keine

Versprechungen und beschrieb immer wieder die normalen Folgen einer Spina bifida.

Er nannte allerdings die positiven Entwicklungen der operierten Kinder. Wir können

die Darstellung des Kollegen Clemen nicht nachvollziehen. Prof. Dr. Kohl ließ uns

niemals im Glauben, dass unser Kind mit seiner Operationstechnik „gesund“ zu Welt

käme oder dass diese Technik die einzige Option sei, einen Hydrozephalus zu

vermeiden. Eine größere Offenheit im Umgang mit den Risiken ist nicht möglich.

Fragebögen können und sollen möglichst zusammen mit dem Arzt ausgefüllt werden,

um Missverständnisse zu vermeiden. Zusammen mit Prof. Dr. Kohl konnten wir uns

ein sehr umfassendes Bild von der Operation und ihren Risiken machen. Nach der

Operation kümmerte er sich immer wieder persönlich um seine Patientin und war in

allen Fragen rund um die Uhr für uns ansprechbar. Einige Monate später besuchte er

uns sogar zu Hause, um sich ein genaues Bild von der Entwicklung unserer Tochter

machen zu können. Auch Jahre später steht er noch mit Rat und Tat zur Seite. Er

übernimmt Verantwortung für seine Patienten.

Für uns als Eltern war es schwer abzuwägen. Einerseits bot die Operation Chancen,

die bisher unbekannt waren, andererseits ergaben sich andere Risiken für Kind und

Mutter. Als gläubige Christen bezogen wir Gott in unsere Entscheidung mit ein,

fanden so innerlich Ruhe und ein „Ja“ zu dem fetalchirurgischen Eingriff. Wir danken

jetzt Gott für die positiven Entwicklungen, die er uns auch durch Prof. Dr. Kohl

ermöglichte:

Unsere Tochter hatte einen offenen Rücken ab L2 abwärts. Sie wurde in der 23. SSW

operiert, der Rücken musste nach der Geburt nicht noch einmal operiert werden. Sie

ist jetzt mit 4 Jahren harn- und stuhlkontinent und kann mit Unterschenkelorthesen

laufen, springen, Fußball spielen und weist keine Sensibilitätsstörungen an ihren

Füßen auf. Die Orthesen trägt sie zur Stabilisierung, wobei alle genannten Dinge auch

ohne Orthesen möglich sind. Diese Entwicklung wäre bei ihrer Diagnose ohne

fetalchirurgischen Eingriff nicht zu erwarten. Sie hat bis jetzt keine Einschränkungen

durch den „Tethered Cord“. Für unsere wunderbare Tochter sind wir Gott von Herzen

dankbar. Trotz der damaligen fetalchirurgischen Operation konnte meine Frau eine

weitere, diesmal problemlose, Schwangerschaft und Geburt erleben und wir freuen

uns über eine zweite, diesmal gesunde, Tochter.

Ich erbitte die Veröffentlichung dieses Briefes. Wir stehen aufrichtigen Anfragen offen

gegenüber.

Freundliche Grüße

Dr. Marcus Nicko

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