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Quelle/Publication: Farbe und Lack<br />

Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

Seite/Page: 1<br />

Das Verhalten von Beschichtungssystemen an<br />

Beschädigungen stellt ein wichtiges Qualitätskriterium<br />

dar, wenn beschichteter Stahl korrosiven<br />

Medien ausgesetzt ist. Dieser Parameter ist<br />

Gegenstand entsprechen<strong>de</strong>r Prüfvorschriften zum<br />

Korrosionsschutzverhalten. Obwohl die verwen<strong>de</strong>ten<br />

Ritzwerkzeuge und techniken das Prüfergebnis<br />

erheblich beeinflussen, sind diese in <strong>de</strong>n Vorschriften<br />

nicht ein<strong>de</strong>utig <strong>de</strong>finiert.<br />

Ritzwerkzeuge und Ritztechniken beeinflussen das<br />

Verhalten von Beschichtungen am Defekt<br />

Roland Bentfeld und Andrea Rudolf*, Dres<strong>de</strong>n<br />

Mo<strong>de</strong>rne Beschichtungssysteme haben im<br />

Zusammenwirken mit geeigneten<br />

Oberflächenvorbereitungs/-vorbehandlungsverfahren<br />

einen hohen Qualitätsstandard beim Korrosionsschutz von<br />

Metalloberflächen erreicht. Zeitraffen<strong>de</strong> Untersuchungen<br />

an unverletzten Beschichtungen sind heute praktisch<br />

unmöglich gewor<strong>de</strong>n. An<strong>de</strong>rerseits treten in <strong>de</strong>r Praxis<br />

Beschädigungen <strong>de</strong>r Beschichtung in verschie<strong>de</strong>nen<br />

Ausprägungen auf, die zur Schwachstelle <strong>de</strong>s Systems<br />

wer<strong>de</strong>n. An diesen Verletzungen wird <strong>de</strong>r Werkstoff durch<br />

Korrosion zerstört. Ausgehend vom Rand <strong>de</strong>r Verletzung<br />

löst sich die Beschichtung vom Substrat. Ebenfalls vom<br />

Rand <strong>de</strong>r Verletzung ausgehend schreitet die Korrosion <strong>de</strong>s<br />

Substrats unter <strong>de</strong>r Beschichtung voran.<br />

Ziel eines Forschungsprojektes war es, <strong>de</strong>n Kenntnisstand<br />

zum Ablauf <strong>de</strong>r Korrosion an Beschädigungen <strong>de</strong>r<br />

Beschichtung auf Stahl, verzinktem Stahl und Aluminium<br />

zu erweitern. Dieser Beitrag gibt einen Überblick<br />

über wichtige Normen und Vorschriften und beschreibt<br />

<strong>de</strong>n Einfluss unterschiedlicher Ritzwerkzeuge auf das<br />

Korrosionsschutzverhalten von Beschichtungen auf Stahl.<br />

Korrosionsvorgänge am Defekt<br />

Die Korrosionsvorgänge am Defekt beruhen auf<br />

elektrochemischen Prozessen. Ist die Beschichtung<br />

verletzt, kommt das Metall mit <strong>de</strong>m umgeben<strong>de</strong>n Medium<br />

in Kontakt, das als Elektrolyt wirken kann. Zwischen <strong>de</strong>n<br />

Bereichen <strong>de</strong>r aktiven Metallauflösung im Zentrum <strong>de</strong>r<br />

Verletzung und <strong>de</strong>r nahezu intakten Phasengrenze Metall/<br />

Beschichtung am Ran<strong>de</strong> <strong>de</strong>r Ver-letzung entwickelt sich ein<br />

galvanisches Element. Die verstärkte Metallauflösung im<br />

Defekt (Ano<strong>de</strong>) wird durch zusätzliche Sauerstoffreduktion<br />

am Ran<strong>de</strong> <strong>de</strong>s Defekts (Katho<strong>de</strong>) ermöglicht. Die Wirkung<br />

<strong>de</strong>s galvanischen Elements ist <strong>de</strong>r Eigenkorrosion <strong>de</strong>s<br />

Metalls im Defekt überlagert.<br />

Unter Berücksichtigung <strong>de</strong>r Migration <strong>de</strong>r Ionen eines<br />

anwesen<strong>de</strong>n Neutralsalzes lassen sich die anodische und<br />

kathodische Teilreaktion am Beispiel zweiwertiger Metalle<br />

so formulieren:<br />

O2 + 2H2O + 4e + 4Na+? 4(Na+ + OH) (1)<br />

2Me + 2H2O 4e + 4Cl?<br />

(2MeOH+ + 2Cl) + 2(H+ + Cl) (2)<br />

.<br />

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Aus Gleichung 1 und 2 ist ersichtlich, dass <strong>de</strong>r pH-Wert<br />

am Ran<strong>de</strong> <strong>de</strong>r Verletzung stark ansteigt [1 - 4]. Dieser<br />

pH-Wert-Anstieg an <strong>de</strong>r Phasengrenze Metallsubstrat/<br />

Beschichtung wird für <strong>de</strong>n Adhäsionsverlust zwischen<br />

Beschichtung und Metallsubstrat verantwortlich gemacht [1,<br />

3, 5]. Der Mechanismus, unter <strong>de</strong>m Begriff kathodische<br />

Delamination bekannt, gilt für Korrosionsschutzsysteme mit<br />

weitgehend inerten Pigmenten in <strong>de</strong>r Grundbeschichtung,<br />

z.B. Zinkphosphat auf Stahl [6]. Bei <strong>de</strong>n im schweren<br />

Korrosionsschutz eingesetzten Beschichtungssystemen<br />

mit Zinkstaub-Grundbeschichtungen kommen aufgrund<br />

<strong>de</strong>s negativeren Standardpotentials <strong>de</strong>s Zinks an<strong>de</strong>re<br />

Mechanismen zum Tragen [7].<br />

In <strong>de</strong>r Praxis <strong>de</strong>r Korrosionsschutzprüfung<br />

wird das Verhalten von Beschichtungssystemen<br />

an Beschädigungen durch künstlich angebrachte<br />

Verletzungen und eine anschließen<strong>de</strong> Korrosionsbelastung<br />

simuliert. Dabei wird die Beschichtung mithilfe von<br />

Ritzwerkzeugen manuell o<strong>de</strong>r maschinell bis zur<br />

Grenzfläche Metallsubstrat/Beschichtung verletzt. So<br />

präparierte Prüfbleche o<strong>de</strong>r Bauteile wer<strong>de</strong>n Belastungen<br />

unter Einwirkung von Salzen (z. B. Salzsprühnebeltest nach<br />

DIN EN ISO 9227-NSS) [9] ausgesetzt.<br />

Um das Verhalten <strong>de</strong>r Beschichtung nach Belastungsen<strong>de</strong><br />

zu beurteilen, ist die seitlich <strong>de</strong>s Ritzes enthaftete<br />

Beschichtung abzuheben. Dabei sichtbar wer<strong>de</strong>n<strong>de</strong><br />

korrodierte Bereiche sind <strong>de</strong>r anodischen Metallauflösung<br />

zuzurechnen, nichtkorrodierte Bereiche <strong>de</strong>r kathodischen<br />

Enthaftung. In <strong>de</strong>r Praxis sind verschie<strong>de</strong>ne Fälle zu<br />

beobachten. So kann <strong>de</strong>r kathodisch enthaftete Bereich<br />

fehlen o<strong>de</strong>r im Vergleich zur korrodierten Fläche auch sehr<br />

groß sein. Das Beschichtungssystem ist im korrodierten<br />

und nicht korrodierten Bereich enthaftet (unterwan<strong>de</strong>rt).<br />

Der korrodierte Bereich <strong>de</strong>s Metallsubstrats ist begrifflich<br />

gleichbe<strong>de</strong>utend mit <strong>de</strong>m Bereich <strong>de</strong>r Unterrostung <strong>de</strong>r<br />

Beschichtung. Derzeit gültige Normen (DIN EN ISO 4628,<br />

Teil 8) [8] bezeichnen <strong>de</strong>n unterrosteten Bereich als<br />

Korrosion, <strong>de</strong>n unterwan<strong>de</strong>rten Bereich als Enthaftung.<br />

Uneinheitlich <strong>geritzt</strong><br />

Lei<strong>de</strong>r sind die heutigen Normen und Prüfvorschriften<br />

nicht einheitlich. Tab. 1 gibt einen Überblick über die<br />

verschie<strong>de</strong>nen Details zur Ritzanbringung und Auswertung<br />

in <strong>de</strong>n gültigen Prüfvorschriften. So bewerten einige<br />

Normen und Prüfvorschriften nur die Korrosion am Ritz,<br />

während das Ausmaß <strong>de</strong>r Enthaftung nicht beurteilt wird.<br />

Die Enthaftung am Defekt stellt jedoch wie die Korrosion<br />

eine Schwachstelle dar. Ein Beschichtungssystem, das nur<br />

eine geringe Korrosion am Ritz zeigt, aber an diesem<br />

erheblich enthaftet ist, erfüllt z.B. die Anfor<strong>de</strong>rungen<br />

<strong>de</strong>r DIN EN ISO 12944 [10]. Diesem System kann<br />

aus prüftechnischer Sicht aber nicht die gleiche Qualität<br />

bescheinigt wer<strong>de</strong>n wie einem System, das sich nicht<br />

so leicht ablöst. Das Problem <strong>de</strong>r Enthaftung spielt<br />

insbeson<strong>de</strong>re bei Beschichtungen mit hoher innerer<br />

Festigkeit wie Pulverbeschichtungen eine Rolle. Hierbei<br />

steht oftmals eine hohe Kohäsion <strong>de</strong>r organischen Schicht


Quelle/Publication: Farbe und Lack<br />

Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

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einer mäßigen Adhäsion <strong>de</strong>r Beschichtung auf <strong>de</strong>m<br />

Metallsubstrat gegenüber.<br />

Zu<strong>de</strong>m unterschei<strong>de</strong>n die Vorschriften sich darin, ob<br />

Mittelwerte o<strong>de</strong>r Maximalwerte anzugeben sind. Die<br />

sinnvollere Variante ist die Ermittlung von Mittelwerten für<br />

Korrosion sowie Enthaftung.<br />

Die heutigen Prüfvorschriften lassen zu<strong>de</strong>m relativ<br />

große Spielräume bezüglich <strong>de</strong>r Technik <strong>de</strong>r<br />

Ritzanbringung zu. Dies ist beson<strong>de</strong>rs kritisch zu<br />

bewerten, weil bereits aufgrund dieser Randbedingungen<br />

unterschiedliche Prüfergebnisse zu erwarten sind<br />

und Anfor<strong>de</strong>rungen und Prüfkriterien oftmals ohne<br />

Festlegung von Details zur Ritzanbringung vereinbart<br />

wer<strong>de</strong>n. Vergleichen<strong>de</strong> Untersuchungen zeigten, dass<br />

die Anwendung unterschiedlicher Ritzwerkzeuge zu<br />

unterschiedlichen Ritzbreiten und -tiefen führt und<br />

<strong>de</strong>shalb die Vergleichbarkeit von Prüfergebnissen zwischen<br />

verschie<strong>de</strong>nen Prüfstellen schon durch die Wahl <strong>de</strong>r<br />

Ritzwerkzeuge eingeschränkt ist [15]. Zu einem ähnlichen<br />

Ergebnis kommt eine Studie, die im Auftrag <strong>de</strong>s ISO/TC 35<br />

SC 9 "General test methods" WG 25 "Environmental tests"<br />

durchgeführt wur<strong>de</strong> [16, 17].<br />

Seit 2007 liegt DIN EN ISO 17872 [12] vor. Als<br />

üblicherweise verwen<strong>de</strong>te Ritzwerkzeuge (Typen) wer<strong>de</strong>n<br />

darin vorgestellt:<br />

Cutter 301 (Korea)<br />

Eclipse E225 (UK)<br />

Sikkens (Deutschland)<br />

Clemen (Deutschland)<br />

Van Laar (Deutschland)<br />

E-6 (USA)<br />

P-800 (Japan)<br />

Stanley (Südafrika)<br />

S22B Fräse (Japan)<br />

Die Eignung eines Ritzwerkzeuges hängt unter an<strong>de</strong>rem<br />

von <strong>de</strong>r Beschichtung ab, die verletzt wer<strong>de</strong>n soll.<br />

Für Korrosionsschutzbeschichtungen mit Trockenschichten<br />

von 250 µm ist beispielsweise <strong>de</strong>r Ritzstichel nach<br />

Clemen geeignet. Der Ritzstichel nach Van Laar<br />

ist hier ungeeignet, aber für verhältnismäßig dünne<br />

Beschichtungen durchaus anwendbar. Für Beschichtungen<br />

noch höherer Schichtdicke ist oftmals nur das Fräsen von<br />

Ritzen praktikabel.<br />

Eine Frage <strong>de</strong>r Ritzausführung<br />

Bei elekrochemischen Prozessen spielen die<br />

Flächenverhältnisse von Ano<strong>de</strong> und Katho<strong>de</strong> eine Rolle.<br />

Übertragen auf die hier diskutierte Problematik sollte also<br />

beispielsweise die Größe <strong>de</strong>r durch das Ritzen freigelegten<br />

Metalloberfläche für das Unterwan<strong>de</strong>rungsverhalten<br />

<strong>de</strong>r Beschichtung eine Rolle spielen. Für diese<br />

Untersuchungen wur<strong>de</strong>n die in Tab. 2 aufgeführten<br />

Ritzwerkzeuge verglichen.<br />

Die Ritzwerkzeuge und die entsprechen<strong>de</strong>n Ritzprofile<br />

im Querschliff eines Dreischichtsystems auf gestrahltem<br />

Stahl sind in Abb. 1 dargestellt. Zur Charakterisierung <strong>de</strong>s<br />

Ritzprofils stellt die erhaltene Breite <strong>de</strong>r Verletzung am Stahl<br />

eine wichtige Größe dar (Tab. 2).<br />

Die Ritze mit <strong>de</strong>n verschie<strong>de</strong>nen Werkzeugen wur<strong>de</strong>n<br />

manuell von stets <strong>de</strong>r selben Person angebracht. Die<br />

Ritzverletzung mit Klebeband (Ritzmetho<strong>de</strong> Nr. 6) wur<strong>de</strong><br />

erzeugt, in<strong>de</strong>m Probenplatten vor <strong>de</strong>r Applikation <strong>de</strong>r<br />

Beschichtungsstoffe mit 0,5 mm breiten Klebebandstreifen<br />

abgeklebt und die Klebstreifen nach Aushärtung <strong>de</strong>r<br />

.<br />

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Beschichtung wie<strong>de</strong>r abgezogen wur<strong>de</strong>n. Mit dieser<br />

Metho<strong>de</strong> lassen sich Defekte in <strong>de</strong>r Beschichtung ohne<br />

Beschädigung <strong>de</strong>s Substrats sicher erzielen.<br />

Folgen<strong>de</strong>s Beschichtungssystem wur<strong>de</strong> auf mind. Sa 2½<br />

gestrahltem Stahl (150 x 100 x 3 mm, Hartgussgranulat,<br />

Rauheit mittel "G" nach DIN EN ISO 8503-1) appliziert:<br />

- 1 x 80 µm 2K-EP-Zinkphosphat<br />

- 1 x 80 µm 2K-EP-Eisenglimmer<br />

- 1 x 80 µm 2K-PUR<br />

Die Belastung wur<strong>de</strong> nach VDA-Prüfblatt 621-415 [14]<br />

mit einer Belastungsdauer von 14 Zyklen durchgeführt.<br />

Die Auswertung erfolgte nach DIN EN ISO 4628-8 [8]<br />

durch Ermittlung <strong>de</strong>r Breite <strong>de</strong>s unterwan<strong>de</strong>rten Bereichs<br />

an mehreren Messpunkten (Abstand 10 mm) sowie <strong>de</strong>r<br />

Berechnung <strong>de</strong>s arithmetischen Mittelwerts.<br />

In Ritznähe tritt Blasenbildung in unterschiedlichem<br />

Ausmaß auf (Abb. 2). Die Größe <strong>de</strong>r Blasen ist<br />

abhängig von <strong>de</strong>r Ritzgeometrie: Eine geringe Ritzbreite<br />

(Cuttermesser, Van Laar) führt im Vergleich zu<br />

einer größeren Ritzbreite (Ritzstichel nach Clemen,<br />

Klebeband, Fräse mit 2 mm Breite) zu einer geringeren<br />

Unterwan<strong>de</strong>rung. Im Bereich <strong>de</strong>r Blasenbildung ist das<br />

Substrat unabhängig von <strong>de</strong>r Art <strong>de</strong>s Ritzstichels korrodiert,<br />

wie Querschliffaufnahmen zeigen (Abb. 3). Korrosion und<br />

Enthaftung lassen sich hier bei <strong>de</strong>r Auswertung nicht<br />

unterschei<strong>de</strong>n.<br />

Im Verlauf <strong>de</strong>r Belastung schreitet die Unterwan<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r<br />

Beschichtung voran (Abb. 4). Beson<strong>de</strong>rs forciert erfolgte<br />

dies bei Ritzen durch <strong>de</strong>n Ritzstichel nach Clemen sowie<br />

durch die Fräse (2 mm). Bemerkenswert ist, dass die<br />

durchschnittliche Unterwan<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r Beschichtung je<br />

nach Ritzwerkzeug bis zu 3 mm voneinan<strong>de</strong>r abweichen<br />

kann selbst bei Ritzbreiten &gt; 0,2 mm am Stahlsubstrat.<br />

Im Ritz selber ist teilweise ein erheblicher Korrosionsangriff<br />

in die Tiefe <strong>de</strong>s Werkstoffes zu verzeichnen. Dies wird<br />

bei <strong>de</strong>r Beurteilung <strong>de</strong>s Unterwan<strong>de</strong>rungsverhaltens <strong>de</strong>r<br />

Beschichtung am Ritz aber nicht berücksichtigt. Dabei<br />

kann dieses Erscheinungsbild beson<strong>de</strong>rs ausgeprägt sein,<br />

gera<strong>de</strong> wenn die laterale Ausbreitung von Korrosion und<br />

Enthaftung nur gering ausfällt.<br />

Fazit<br />

Die Ausführung <strong>de</strong>r künstlichen Verletzung spielt eine ganz<br />

erhebliche Rolle bei Korrosionsprüfungen. Unterschiedliche<br />

Ritzprofile verursachen ein unterschiedliches<br />

Unterwan<strong>de</strong>rungsverhalten <strong>de</strong>r Beschichtung. Eine<br />

Abhängigkeit <strong>de</strong>r Prüfergebnisse von <strong>de</strong>r Technik, mit <strong>de</strong>r<br />

die Verletzung erzeugt wird, ist nicht auszuschließen.<br />

Normen und Prüfvorschriften bieten hinsichtlich <strong>de</strong>r<br />

Ausführung von künstlichen Verletzungen große<br />

Gestaltungsfreiheiten. Umgekehrt gibt es häufig festgelegte<br />

Anfor<strong>de</strong>rungen und Kriterien, die von <strong>de</strong>r Beschichtung<br />

in <strong>de</strong>r jeweiligen Prüfung genauestens einzuhalten sind.<br />

Bei<strong>de</strong>s aufeinan<strong>de</strong>r abzustimmen, sollte in <strong>de</strong>r Praxis<br />

<strong>de</strong>r Korrosionsschutzprüfung von Beschichtungen mehr<br />

Beachtung fin<strong>de</strong>n.<br />

Korrosion und Enthaftung sind elektrochemisch<br />

miteinan<strong>de</strong>r verknüpft und bei<strong>de</strong> Phänomene müssen in <strong>de</strong>r<br />

Auswertung berücksichtigt wer<strong>de</strong>n. Dem tragen nicht alle<br />

Vorschriften Rechnung.<br />

Ein Teil <strong>de</strong>r Arbeiten wur<strong>de</strong> aus Haushaltsmitteln<br />

<strong>de</strong>s Bun<strong>de</strong>sministeriums für Wirtschaft und<br />

Technologie über die Arbeitsgemeinschaft industrieller<br />

Forschungsvereinigungen "Otto von Gue-ricke" e.V. (AiF)


Quelle/Publication: Farbe und Lack<br />

Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

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geför<strong>de</strong>rt (För<strong>de</strong>rkennzeichen 14614 BR). Für diese<br />

För<strong>de</strong>rung sei an dieser Stelle gedankt.<br />

Literatur<br />

[1] Leidheiser Jr., H.; Wang, W.; Igetoft, L.: Progress in<br />

Organic Coatings 1983, Vol. 11, S. 19-40. [2] Köhler,<br />

E. L.: The Corrosion - NACE 1984, Vol. 40, S. 5-8.<br />

[3] Leidheiser Jr., H.: J Adhesion Sci. Tech. 1987, Vol.<br />

1, S. 79-98. [4] Feser, R.; Stratmann, M.: Werkstoffe<br />

und Korrosion 1991, Vol. 42, S. 187-95. [5] Stratmann,<br />

M.; Hoffmann, K.; Müller, J.: Werkstoffe und Korrosion<br />

1991, Vol. 42, S. 467-472. [6] Pietsch, S.; Kaiser, W.-<br />

D.: FARBE UND LACK 2001, Vol. 107 (6), S. 141-142.<br />

[7] Pietsch, S.; Kaiser, W.-D.; Stratmann; M.: Materials<br />

and Corrosion 2002, Vol. 53, S. 299-305. [8] DIN EN<br />

ISO 4628-8 (2005), Beschichtungsstoffe - Beurteilung von<br />

Beschichtungsschä<strong>de</strong>n - Bewertung <strong>de</strong>r Menge und <strong>de</strong>r<br />

Größe von Schä<strong>de</strong>n und <strong>de</strong>r Intensität von gleichmäßigen<br />

Verän<strong>de</strong>rungen im Aussehen, Teil 8: Bewertung <strong>de</strong>r von<br />

einem Ritz ausgehen<strong>de</strong>n Enthaftung und Korrosion. [9] DIN<br />

EN ISO 9227 (2006), Korrosionsprüfungen in künstlichen<br />

Atmosphären Salzsprühnebelprüfungen. [10] DIN EN<br />

ISO 12944-6 (1998), Korrosionsschutz von Stahlbauten<br />

durch Beschichtungssysteme, Teil 6: Laborprüfungen<br />

zur Bewertung von Beschichtungssystemen. [11] ISO<br />

20340 (2009), Paints and varnishes Performance<br />

requirements for protective paint systems for<br />

offshore and related structures. [12] DIN EN ISO<br />

17872 (2007), Beschichtungsstoffe - Leitfa<strong>de</strong>n zum<br />

Anbringen von Ritzen durch eine Beschichtung auf<br />

Metallplatten für Korrosionsprüfungen. [13] TL/TP-<br />

KOR-Stahlbauten Technische Lieferbedingungen und<br />

Technische Prüfvorschriften für Beschichtungsstoffe für<br />

<strong>de</strong>n Korrosionsschutz von Stahlbauten (2002). [14] VDA-<br />

Prüfblatt 621-415 (1982). [15] Kothe, R.: Ausbildung<br />

von Ritzspuren bei Einsatz verschie<strong>de</strong>ner Ritzwerkzeuge,<br />

Vortrag im DFO-Fachausschuss Qualitätssicherung am<br />

21.01.1993. [16] Technical Report for ISO NWI ISO/TC35/<br />

SC9 WG25 N 2001-June-12, Study on the Scribing mark for<br />

Corrosion Test. [17] ISO/TC35/SC9/WG25 N 117 Scribing<br />

method of coated metallic panels for corrosion test-ing,<br />

document for discussion for the WG 25 meeting 04.04.2002<br />

in Tokyo.<br />

Ergebnisse auf einen Blick<br />

- Die Art <strong>de</strong>s Ritzwerkzeugs beeinflusst das<br />

Unterwan<strong>de</strong>rungsverhalten von<br />

Korrosionsschutzbeschichtungen an Beschädigungen<br />

nach Belastung in Korrosionskurzzeittests.<br />

- Die Größe <strong>de</strong>r Unterwan<strong>de</strong>rung (Enthaftung und<br />

Korrosion) nimmt ten<strong>de</strong>nziell mit <strong>de</strong>r Breite <strong>de</strong>s Ritzes zu.<br />

- Da Korrosion und Enthaftung elektrochemisch<br />

zusammengehören, sollte neben <strong>de</strong>r Bewertung <strong>de</strong>r<br />

Korrosion am Ritz auch die Enthaftung Gegenstand<br />

entsprechen<strong>de</strong>r Korrosionsschutzuntersuchungen sein.<br />

* Korrespondieren<strong>de</strong> Autorin.<br />

Kontakt:<br />

Dr. Andrea Rudolf<br />

Institut für Korrosionsschutz Dres<strong>de</strong>n GmbH<br />

T +49 351 871 71 04<br />

info@iks-dres<strong>de</strong>n.<strong>de</strong><br />

.<br />

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Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

Seite/Page: 6<br />

Abb. 1: Gängige Ritzwerkzeuge und die entsprechen<strong>de</strong>n Ritzprofile im<br />

Querschliff eines Dreischichtsystems auf gestrahltem Stahl<br />

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Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

Seite/Page: 7<br />

Abb. 2: Proben, mit verschie<strong>de</strong>nen Werkzeugen <strong>geritzt</strong>, nach 14 Zyklen<br />

Belastung gemäß VDA 621-415 (Vertikale Ritze)<br />

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Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

Seite/Page: 8<br />

Abb. 3: Querschnitt <strong>de</strong>r Beschichtung im Ritzbereich; <strong>geritzt</strong> mit (a) Ritzstichel<br />

nach Clemen) und (b) Fräse 2 mm<br />

.<br />

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Ausgabe/Issue: 04/2010<br />

Seite/Page: 9<br />

Abb. 4: Unterwan<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r Beschichtung am Ritz mit Standardabweichung<br />

nach VDA-Test in Abhängigkeit von <strong>de</strong>r Belastungsdauer; (a) vertikale Ritze<br />

und (b) horizontale Ritze<br />

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