Adobe PDF - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
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WERKSTOFF-<br />
TECHNOLOGIEN<br />
Sommersemester 2011<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
<strong>Albert</strong>-<strong>Ludwigs</strong>-<strong>Universität</strong> <strong>Freiburg</strong><br />
IMTEK, Professur für Aufbau- und Verbindungstechnik<br />
1. Einführung<br />
2. Aufbau der Werkstoffe<br />
3. Thermodynamik und Kinetik<br />
4. Eisen- und Stahl<br />
5. Nichteisenmetalle<br />
6. Technische Eigenschaften<br />
7. Elektrochemie<br />
8. Literaturverzeichnis<br />
Werkstofftechnologien 1.1
Vorlesung<br />
Fr 13-15, wöchentlich<br />
Übungen<br />
Mi 11-12, Geb. 051 und Mi 14-15 Geb. 078,<br />
jeweils wöchentlich<br />
Prüfung:<br />
Klausur 120 min, Prüfungszeitraum SS 2011<br />
Rechenaufgaben, Wissensfragen<br />
Hilfsmittel: Skript, einfacher Taschenrechner<br />
2 Seiten Zusammenfassung<br />
Zulassung zur Prüfung<br />
Bedingung: keine<br />
Empfehlung: Durchrechnen der Übungen<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Anrechnung<br />
4 ECTS, entsprechend 120 Arbeitsstunden im<br />
Bereich Materialwissenschaften<br />
Dieses Skript beruht in Teilen auf einer früheren, von<br />
Prof. Dr. Oliver Paul, LS Materialien, erstellten Version.<br />
Werkstofftechnologien 1.2
Lebenslauf<br />
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Wilde<br />
Verheiratet, 2 Kinder<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
1957 Geboren in Aschaffenburg<br />
1976 WS Studium an der Uni Erlangen<br />
1982 Dipl.-Ing. Werkstoffwissenschaften<br />
Wissenschaftlicher Mitarbeiter,<br />
Institut für Schweißtechnik, TU Clausthal<br />
1988 Forschungsingenieur in AEG bzw. Daimler-<br />
Forschung, Fertigungstechnik und Werkstoffe<br />
der Elektronik<br />
1989 Promotion: Thema zu neuen Bonddrähten<br />
1999 Professur für Aufbau- und Verbindungs-<br />
technik am IMTEK<br />
Forschungsschwerpunkte<br />
Lebensdauer von Elektronik-Hardware<br />
AVT für Sensoren<br />
Werkstofftechnologien 1.3
Weiterführende Veranstaltungen<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
• “Keramiken, Metalle und Polymere”<br />
Prof. J. Haußelt<br />
5. Semester (WS)<br />
• “Halbleiter”, Prof. O. Paul<br />
6. Semester (SS)<br />
Physik der Halbleiter, IC-Technologie,<br />
Materialeigenschaften, Mikrostrukturierung<br />
• Vorlesungen der Wahlmodule<br />
„Produktionstechniken“ und „Biomaterialien”,<br />
beide im 5. Semester<br />
Werkstofftechnologien 1.4
KAPITEL 1: EINFÜHRUNG<br />
Inhalt<br />
1.1 Ziele der Lehrveranstaltung<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
1.2 Kurze Geschichte der Werkstoffkunde<br />
1.3 Einteilung der Werkstoffe<br />
1.4 Moderne Werkstoffanwendungen<br />
1.1 Ziele der Lehrveranstaltung<br />
• Vermittlung grundlegender Prinzipien und Mechanismen<br />
der Werkstoffwissenschaften, also Grundlagen<br />
• Kennenlernen der wichtigsten Strukturwerkstoffe, insbesondere<br />
der Metalle und ihrer Eigenschaften<br />
• Wissen über Fertigungstechnologien zur Verarbeitung<br />
und Bauteilherstellung<br />
• Fähigkeit zur Werkstoffauswahl für bestimmte Anwendungen<br />
• Vorbereitung auf weiterführende Lehrveranstaltungen<br />
• Erstes Verstehen der wissenschaftlichen Literatur<br />
• Insgesamt ist das Ziel ein tiefgehendes Verständnis für<br />
die Nicht-MST-Werkstoffe, insbes. im Maschinenbau.<br />
Werkstofftechnologien 1.5
1.2 Kurze Geschichte<br />
der Werkstoffkunde<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
• Altsteinzeit (>100000 v. Chr.):<br />
Behauen von Stein und Knochen<br />
• Jungsteinzeit (ca. 6000 - 4000 v. Chr.)<br />
Schleifen, Sägen, Bohren<br />
• Metallzeitalter<br />
=> reine Metalle: Au, Ag, Cu<br />
=> ca. 4000 v. Chr.: Schmelzen von Cu<br />
(1356 K), Pb (600 K), Sn (505 K)<br />
=> ca. 3000 v. Chr.: CuSn (Zinnbronze)<br />
= Bronzezeit<br />
(Kleinasien, Aegypten, China)<br />
=> ca. 800 v. Chr.: Eisenzeit<br />
Ungenügende Bronzekapazität<br />
=> Erschließung der Eisenwerkstoffe<br />
Auch Hg, Pb, Sb, As, Ni (Antike)<br />
Zn (Mittelalter)<br />
=> Weitere Metalle 1850 - 1950<br />
Verwendung noch später<br />
Werkstofftechnologien 1.6
Nichtmetalle<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
=> Keramik: seit Jungsteinzeit<br />
“künstlicher Stein”<br />
=> Glas: seit Antike<br />
=> Porzellan, Europa, 17. Jhrd.<br />
=> Polymere: seit Mitte des 19. Jhrd.<br />
z.B. vulkanisierter Kautschuk<br />
Celluloid (ca. 1900)<br />
Kunststoff (> 1930)<br />
Werkstofftechnologien 1.7
1.3 Einteilung der Werkstoffe<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Metalle: gute elektrische Leiter, verformbar,<br />
reflektieren Licht<br />
zum Teil chemisch unbeständig<br />
Anorganisch, nichtmetallisch:<br />
schlechte elektrische Leiter,<br />
oft transparent,<br />
chemisch beständig,<br />
hohe Schmelztemperaturen<br />
Polymere: schlechte elektrische Leiter,<br />
spröde bei tiefen Temperaturen<br />
viskoplastisch bei hohen Temp.<br />
geringe Dichte, makromolekular<br />
Leitfähige<br />
Polymere<br />
Elasto-,<br />
Duro-,<br />
Plastomere<br />
LP<br />
M<br />
V<br />
HL<br />
P A<br />
Silikone<br />
organisch-polymer: C ++<br />
Silikone: Si-O- +++<br />
Leichtmetalle: Al, Mg, Ti, Be<br />
hochschmelz. Metalle: W, Mo, Ta, ...<br />
Edelmetalle: Au, Ag, Pt<br />
Buntmetalle: Cu<br />
Werkstofftechnologien 1.8<br />
SL<br />
Halbleiter<br />
Supraleiter<br />
Gläser<br />
Beton<br />
Silikatkeramik<br />
Metalloxide<br />
Karbide, Boride, Nitride
1.4 Moderne Werkstoff-<br />
anwendungen<br />
1. Werkstoffe in der Medizin<br />
Hüftgelenk-Implantate<br />
2. Werkstoffe für Sport und Freizeit<br />
Verbundwerkstoffe für Ski<br />
3. Werkstoffe im Verkehrswesen<br />
Woraus baut man Flugzeuge?<br />
4. Technische Werkstoffe<br />
5. Materialien im Bauwesen<br />
6. Amorphe Metalle<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Werkstofftechnologien 1.9
1. EINFÜHRUNG<br />
1. Werkstoffe im Verkehrswesen<br />
Turbine Tragfläche<br />
Superlegierung<br />
Beispieldaten<br />
Aluminium<br />
Lebensdauer<br />
Werkstoff<br />
10.000 Flugstunden<br />
Titan, Superlegierungen,<br />
Stahl, CfK<br />
bis >50 Jahre<br />
Aluminiumlegierungen,<br />
GfK, CfK<br />
Temperatur -65 bis 1500°C -65 bis 200°C<br />
Geschwindig- bis 10.000 rpm, bis 2.000 km/h<br />
keit, Schub bis 50 t<br />
Festigkeit bis 1000 N/m² bis 600 N/m²<br />
Kosten 10 - 15 Mio € 10.000 bis<br />
„Zig“Mio €<br />
Werkstofftechnologien 1.10
1. EINFÜHRUNG<br />
2. Werkstoffe für Sport & Freizeit<br />
Faserverbundwerkstoffe / Ski<br />
Anforderungen<br />
Kosten 200 - 1000 €<br />
Lebensdauer 3-5 Jahre<br />
Betriebstemperaturen -30 bis 20°C<br />
Last: Biegespannung bis einige 100 MPa<br />
3. Werkstoffe in der Medizin<br />
Hüftgelenkimplantat<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Anforderungen<br />
Kosten: 100 pro Stück<br />
Lebensdauer 10-20 Jahre<br />
Kräfte bis 5000 N bzw. 500 MPa<br />
Zyklenzahl >> 10 Mio Lastzyklen<br />
Korrosionsbeständig, verschleißbeständig<br />
biokompatibel, ungiftig<br />
Herstellungsschritte:<br />
Gießen und nachfolgendes Schmieden<br />
Oberflächenbeschichtung<br />
Werkstofftechnologien 1.12
4. Technische Werkstoffe<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Glas und Keramiken<br />
• Fensterglas: Brechnungsindex n ≅ 1.46;<br />
• Optische Gläser: Homogenität 10 -6<br />
n bis 2.00, maßgeschneiderte Dispersion<br />
• Gläser mit niedriger thermischer Ausdehnung,<br />
Glaskeramiken (Abkühlung ≤ 1 K/Std.), blasenfrei<br />
• Maßgeschneiderte optische Filter<br />
IR-Transmission, UV-Transmission, ...<br />
• Laserglas: Nd-P-Glas bis 1 GW/cm 2<br />
• Glasfasern bei 1.3 μm, 3 Gb/s km, 25 km = d Verstärker<br />
• nichtlineare optische Effekte: optische Logik<br />
3.6 m<br />
Glaskeramik-Spiegel für das NTT-Teleskop (Chile)<br />
Werkstofftechnologien 1.13
1. EINFÜHRUNG<br />
Materialien mit verschwindendem thermischem<br />
Ausdehnungskoeffizient α th<br />
Verwendung: • Kochflächen<br />
• Spiegelteleskope<br />
• Elektronik, Medizin<br />
z.B. Zerodur, Fa. Schott<br />
Basis: Li 2 O Al 2 O 3<br />
Temperatur in Grad Celsius<br />
1600<br />
1200<br />
800<br />
400<br />
0<br />
Schmelze<br />
– – SiO2 + TiO2-Keime ⎧<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎨<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎪<br />
⎩<br />
Kriställchen mit αth < 0<br />
eingebettet in amorphe<br />
⎪<br />
Glasmatrix mit αth > 0 ⎭ ⎬⎪⎫<br />
Im Mittel<br />
⇒<br />
αth = 0<br />
Formgebung<br />
Kristallwachstum<br />
Keimbildung<br />
Zeit<br />
Abkühlung<br />
Werkstofftechnologien 1.14
5. Materialien im Bauwesen<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Hoch poröse Materialien:<br />
Dichte: 30-300 kg/m 3<br />
Porosität: 98-86%<br />
Porengrößen: 2-50 nm<br />
→ sehr niedrige thermische Leitfähigkeit<br />
Anwendungen: • Isolierverglasung<br />
• Wärmedämmung<br />
Struktur: Lose vernetzte SiO 2 -Einheiten<br />
• Kugeln (< nm) = Primärteilchen<br />
≅ Quarzglas<br />
• Ketten<br />
• Vernetzung<br />
Aerogel<br />
Licht<br />
Absorber<br />
IR-Strahlung<br />
Mauer<br />
Werkstofftechnologien 1.15
Herstellung<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
• TMOS- oder TEOS-Wasser-Lösung<br />
+Katalysator ⇒ Kieselsäure+(M)ethanol<br />
• (M)ethanol durch CO 2 (fl.) ersetzen<br />
• Superkritische Trocknung<br />
Bei normaler Trocknung fällt Aerogel<br />
zusammen (Oberflächenspannungen)<br />
Thermisches Schutzschild<br />
des Space Shuttle<br />
Graphitfasern<br />
SiC-Beschichtung<br />
hochporös (95%)<br />
Werkstofftechnologien 1.16
6. Amorphe Metalle<br />
Metalle sind normalerweise kristallin.<br />
Kristallite (Körner) bilden sich durch<br />
Diffusion der Atome beim Erstarren<br />
1. EINFÜHRUNG<br />
Abkühlrate ≅ 10 6 K/s ⇒ amorphe Struktur<br />
Düse<br />
amorphes<br />
Metallband<br />
KAPITEL 2:<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Inhalt<br />
2.1 Atom-Aufbau und -Wechselwirkung<br />
2.2 Kristallgitter<br />
2.3 Legierungen<br />
2.4 Defekte: reale Kristalle<br />
2.5 Strukturaufklärung<br />
• Hier vor allem Metalle<br />
• Gläser, Keramiken, Polymere<br />
in entsprechenden Kapiteln<br />
Werkstofftechnologien 2.1
2.1 Atomaufbau<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Elementarladung e = 1,602·10 -19 A·s<br />
Atomkern: Z Protonen, je 1 e<br />
m p = 1,672·10 -27 kg Ze<br />
N Neutronen, je 0 e<br />
m n = 1,675·10 -27 kg<br />
Masse = Z · m p + N · m n ...<br />
minus “Bindungsenergie”<br />
Elektronenhülle: Z Elektronen in Orbitalen<br />
um Kern: Ladung = Z · e<br />
⇒ Neutralität des Atoms;<br />
bestimmt chemische und werkstoffrelevante<br />
Eigenschaften<br />
Z = Ordnungszahl<br />
Orbitale: “Elektronenbahnen”<br />
• vor Sommerfeld (1913):<br />
klassische Satellitenbahnen:<br />
• Sommerfeld: quantisierte Bahnen<br />
⇒ Stabilität 3; 3-dim-Struktur<br />
• de Broglie / Heisenberg / Schrödinger<br />
(1924 - 1926): Quantenmechanik<br />
Werkstofftechnologien 2.2
Atomwechselwirkung<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Bindung • gleichartiger Atome<br />
• verschiedenartiger Atome<br />
Typischer Abstand: 1 - 4 Å (0,1 - 0,4 nm)<br />
Bindungstypen:<br />
• Ionische Bindung<br />
• Kovalente Bindung<br />
• Metallische Bindung<br />
• Zwischenmolekulare Bindung<br />
Ionische Bindung (heteropolar)<br />
A + →← B -<br />
1. Coulomb-Anziehung<br />
2. Überlappung innerer<br />
Schalen → Abstoßung<br />
E<br />
E min<br />
b<br />
r 12<br />
------<br />
r 0<br />
fe<br />
r2 ----<br />
z.B. Na + Cl -<br />
Abstoßung<br />
E min ≅ 400 J / mol<br />
Werkstofftechnologien 2.5<br />
r<br />
Anziehung
Elektronegativität (Pauling)<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
ist die Tendenz eines Atoms, Elektronen<br />
(e) abzugeben oder aufzunehmen<br />
0 < Elektronegativität < 4<br />
e-Donatoren e-Akzeptoren<br />
(siehe Periodensystem)<br />
Bei Verbindung AB: je größer die Differenz<br />
der Elektronegativitäten, umso größer der<br />
ionische Charakter der Bindung<br />
Beispiel:<br />
Kationen<br />
Li1+ LiF<br />
89%<br />
Be2+ BeF2 79%<br />
B 3+<br />
BF3 63%<br />
C 4+<br />
CF4 43%<br />
Anionen<br />
F 1- O 2- N 3- C 4-<br />
Li2O 79%<br />
BeO<br />
63%<br />
B2O3 43%<br />
CO2 22%<br />
Li 3 N<br />
63%<br />
Be3N2 43%<br />
BN<br />
22%<br />
C3N4 6%<br />
Pfeile: Härte und Schmelztemperatur<br />
nehmen zu<br />
Li4C 43%<br />
Be2C 22%<br />
B4C 6%<br />
CC<br />
0%<br />
Werkstofftechnologien 2.6
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Kovalente Bindung (homöopolare B.)<br />
Mehrere Atome teilen sich Valenzelektronen:<br />
Beispiele<br />
1. H2 , O2 , N2 , F2 (Gase bei NTP)<br />
2. C → Diamant, Graphit<br />
} 4-wertig<br />
Si →<br />
Ge →}Halbleiter<br />
Jedes C, Si, Ge ist von 4 Nachbarn<br />
umgeben<br />
1<br />
1<br />
--<br />
2<br />
2<br />
------<br />
2<br />
Kein ionischer Charakter<br />
sog. tetraedrische Bindung<br />
3. GaAs InSb (III-V-Halbleiter)<br />
3e - 5e -<br />
3e - 5e - ⇒ “Transfer v. 1e - ⇒ 4e - 4e - ”<br />
ZnSe CdTe<br />
2e - 6e -<br />
2e - 6e - ⇒ “Transfer von 2e - ”<br />
eher Teiltransfer: kombinierte kovalionische Bindung<br />
4. [SiO 2 ] n = Glas<br />
auch tetraedrisch gebunden<br />
Werkstofftechnologien 2.7
Metallische Bindung<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Atomrümpfe = Atomkerne + innere Schale<br />
(nicht chem. aktive Valenzelektronen)<br />
„schwimmen“ in Gas von quasi freien<br />
Elektronen (frühere Valenzelektronen)<br />
Bsp.: Viele Metalle, speziell Alkalimetalle<br />
Negative Raumladung hält Atomrümpfe<br />
zusammen. Nicht gerichtete Bindungen<br />
⇒ Kugelpackung ⇒ Kristallplastizität<br />
Nicht lokalisierte Elektronen, über den<br />
ganzen Festkörper “verteilt”<br />
• hohe elektrische Leitfähigkeit σ<br />
• hohe thermische Leitfähigkeit κ<br />
• Wiedemann-Franz- κ<br />
--<br />
σ<br />
π2<br />
----<br />
3<br />
k ⎛ B<br />
----- ⎞<br />
⎝ e ⎠<br />
2<br />
sches Gesetz:<br />
= T<br />
• hohes Reflexionsvermögen<br />
Bei Legierungen von Metallen bleibt der<br />
metallische Charakter üblicherweise<br />
erhalten!<br />
Werkstofftechnologien 2.8
Intermolekulare Bindungen<br />
auch “zwischenmolekulare Bindung”,<br />
“Van der Waals-Bindung”<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
• zw. polaren oder polarisierbaren Molekülen<br />
• bei polymeren Werkstoffen<br />
Wechselwirkung zwischen<br />
1. permanenten Dipolen<br />
sog. Orientierungskräfte<br />
z. B. H 2O als Eis<br />
2. permanentem Dipol u. unpolarem Atom<br />
+<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
- -<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
⇒<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- -<br />
- -<br />
-<br />
- -<br />
-<br />
- -<br />
- -<br />
3. unpolaren Komponenten<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
- -<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
- -<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
+ ⇒<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- - -<br />
-<br />
-<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
-<br />
Induktion<br />
eines Dipols<br />
Werkstofftechnologien 2.9<br />
-<br />
-<br />
-<br />
- -<br />
-<br />
-<br />
sog. Dispersionskräfte<br />
⇒ Lennard-Jones-Potential: Energie<br />
E<br />
=<br />
–<br />
a<br />
r 6<br />
---<br />
+<br />
b<br />
r 12<br />
------<br />
4. Wasserstoffbrücken (Kunststoffe)<br />
Das Proton des H-Kerns eines polarisierten<br />
Moleküls wird durch Außenelektronen eines<br />
negativ geladenen Atoms eines Nachbarmoleküls<br />
angezogen.
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Beispiele von Bindungsenergien<br />
Ionische Bindung<br />
CsCl: 3,4 eV<br />
NaCl: 4,0 eV<br />
Gerichtete ionische Bindung<br />
Al 2 O 3 : 31,4 eV<br />
MgO: 20,4 eV<br />
Kovalente Bindung<br />
Silizium: 4,7 eV<br />
SiC: 6,4 eV<br />
Diamant: 7,4 eV<br />
C-H: 4,3 eV pro Bindung<br />
C-C, C-O: 3,6 eV pro Bindung<br />
Si-F: 5,6 eV pro Bindung<br />
Metallische Bindung<br />
Hg: 0,7 eV<br />
Al: 3,4 eV<br />
Fe: 4,3 eV<br />
W: 8,8 eV<br />
Werkstofftechnologien 2.10
2.2 Kristallgitter<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Kristall: periodische 3-dim-Anordnung von<br />
identischen Zellen (Elementarzellen)<br />
a<br />
a<br />
a<br />
x<br />
x<br />
β<br />
γ<br />
z<br />
α<br />
z<br />
x<br />
Werkstofftechnologien 2.11<br />
z<br />
b b b<br />
α = β = γ = 90° a = b = c<br />
a = b ≠ c<br />
a ≠ b ≠ c<br />
u<br />
w<br />
v<br />
c<br />
c<br />
c<br />
y<br />
kubisch<br />
tetragonal<br />
(ortho)rhombisch<br />
α = β = γ ≠ 90° a = b = c rhomboedrisch<br />
α = β = 90°; γ = 120° a = b ≠ c hexagonal<br />
α = β = 90° γ ≠ 90° a ≠ b ≠ c monoklin<br />
α ≠ β ≠ γ ≠ 90° a ≠ b ≠ c triklin<br />
y
Kubische Systeme<br />
Viele Metalle haben kubische Struktur<br />
• kubisch primitiv (kp)<br />
engl.: simple cubic (sc)<br />
1 Atom / Elementarzelle<br />
• kubisch raumzentriert (krz)<br />
engl.: body centered cubic (bcc)<br />
2 kp ineinander<br />
2 Atome / kub. Einheitszelle<br />
• kubisch flächenzentriert (kfz)<br />
engl.: face centered cubic (fcc)<br />
4 kp ineinander<br />
4 Atome / kub. Einheitszelle<br />
In Raumdiagonalen-Richtung<br />
betrachtet:<br />
Folge von hexagonalen<br />
Stapelung derEbenen in Folge<br />
..ABCABC..<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
(P, etc)<br />
(Na, W, etc)<br />
(Al, Au, etc)<br />
Werkstofftechnologien 2.12<br />
1<br />
7<br />
6<br />
5<br />
2<br />
4<br />
8<br />
10<br />
60°<br />
1<br />
3<br />
9<br />
8<br />
2 6<br />
7<br />
9 10<br />
3 4 5<br />
l<br />
l<br />
l<br />
l<br />
------<br />
2<br />
60°
• Diamantgitter<br />
Variante der kfz:<br />
2 kfz ineinander;<br />
1 Atomsorte<br />
C, Si, Ge, α-Zn<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
• GaAs-Struktur<br />
Das selbe, aber mit 2 Atomsorten<br />
GaAs, InSb,<br />
CdTe, ...<br />
Ga<br />
Blickrichtung<br />
As<br />
Zinkblende<br />
Werkstofftechnologien 2.13<br />
l<br />
l
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
• Hexagonal dichteste Kugelpackung<br />
(hdp)<br />
a<br />
a<br />
a<br />
a<br />
A<br />
B<br />
1 Atomsorte,<br />
verschiedene<br />
Plätze<br />
Folge ...ABABA...<br />
c<br />
2 2<br />
= ---------a<br />
3<br />
Packungsdichte (PD), Koordinationszahl (KZ)<br />
Annahme kugelförmiger Atome<br />
PD = Atomvol. in Einheitsz. / Vol. der Einheitszelle<br />
KZ = Anzahl äquivalenter nächster Nachbarn<br />
kp: PD = 52%, KZ = 6<br />
krz: PD = 68%, KZ = 8<br />
kfz: PD = 74%, KZ = 12<br />
hdp: PD = ?, KZ = ?<br />
Werkstofftechnologien 2.14
Gittertypen u. -konstanten einiger Metalle<br />
krz kfz hdp<br />
Metall a[Å] Metall a[Å] Metall a[Å] c[Å] c/a<br />
Cr 2.87 Ni 3.52 Be 2.28 3.62 1.59<br />
α-Fe 2.87 β-Co 3.55 α-Co 2.51 4.10 1.63<br />
δ-Fe 2.90 Cu 3.61 Zn 2.65 4.93 1.86<br />
V 3.04 γ-Fe 3.65 Ru 2.69 4.28 1.59<br />
Mo 3.14 Rh 3.80 Os 2.72 4.32 1.59<br />
W 3.15 Tr 3.82 α-Ti 2.95 4.69 1.59<br />
β-Ti 3.31 Pd 3.87 Cd 2.97 5.61 1.88<br />
Ta 3.32 Pt 3.92 Mg 3.20 5.20 1.62<br />
Li 3.50 Al 4.04 α-Zr 3.23 5.14 1.59<br />
β-Zr 3.61 Au 4.07 Hf 3.32 5.46 1.64<br />
Na 4.29 Ag 4.08 Tl 3.40 5.51 1.62<br />
K 5.20 Nb 4.19<br />
Pb 4.94<br />
theoretische Dichte: p=N*(m/V), mit N=Anzahl Atome pro Einheitszelle
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Kristallebenen, Miller’sche Indizes<br />
Notwendig zur Beschreibung von<br />
• Kristalloberflächen<br />
• Grenzflächen<br />
• Gitterdefekten (2-dim): Verformbarkeit<br />
• Bandstruktur<br />
• Kristallwachstum<br />
Gitterpunkte<br />
[[101]]<br />
[[100]]<br />
c<br />
[[001]]<br />
[[001]]<br />
[[000]]<br />
1<br />
--<br />
2<br />
1<br />
--1<br />
2<br />
[[110]]<br />
[[011]]<br />
[[010]]<br />
etc.<br />
Gitterrichtungen<br />
[001]<br />
[111]<br />
[100] [110]<br />
[011]<br />
Gitterebenen sind charakterisiert durch<br />
Achsenabschnitte (ganzzahl. Vielfache der<br />
Basisvektoren der Einheitszelle): (m,n,p)<br />
Miller-Indizes der Gitterebene:<br />
1. Bilde (m -1 ,n -1 ,p -1 )<br />
2. Multipliziere mit kleinstem gemeinsamen Nenner<br />
3. Erhalte (i,j,k)<br />
• parallele Ebenen: gleiche Millerindizes (ijk)<br />
• Richtung [ijk] senkrecht auf Ebene (ijk)<br />
Werkstofftechnologien 2.16<br />
etc.
Beispiele<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Achsenabschnitte (∞,1,∞)<br />
Miller-Indizes (010)<br />
Richtung [010]<br />
Achsenabschnitte (1,∞,∞)<br />
Miller-Indizes (100)<br />
Richtung [100]<br />
Achsenabschnitte (2,∞,∞)<br />
Miller-Indizes (100)<br />
Richtung [100]<br />
Achsenabschnitte (1,1,∞)<br />
Miller-Indizes (110)<br />
Richtung [110]<br />
Achsenabschnitte (1,1,1)<br />
Miller-Indizes (111)<br />
Richtung [111]<br />
Achsenabschnitte (1,-1,1)<br />
Miller-Indizes (111)<br />
Richtung [111]<br />
Äquivalente Ebenen<br />
Konvention: 1=-1<br />
(100),(100),(010),(010),(001),(001) → {100}<br />
Analog 12 x {110}<br />
Analog 8 x<br />
Äquivalente Richtungen<br />
{111}<br />
[100], [100], etc. ⇒ <br />
[110], [110], [110], etc. ⇒ <br />
Werkstofftechnologien 2.17
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Frage: Liegt Richtung [rst] in Ebene (ijk)?<br />
Antwort: Ja, wenn (r,s,t) · (i,j,k) = 0<br />
(sog. Zonengleichung)<br />
ri + sj + tk=Skalarprodukt<br />
Hexagonales Gitter<br />
Gitterebenen werden z.T. mit 4 Indizes<br />
beschrieben, bezogen auf 4 Achsenabschnitte:<br />
sog. Miller-Bravais-Indizes<br />
Bravais-Indizes: (hkil)<br />
Miller-Indizes: (pqr)<br />
Flächen - Umrechnung - Vektoren<br />
h=p h= (2p - q)/3<br />
k=q k= (2q - p)/3<br />
i = -(p+q) i = -(p+q)/3<br />
l=r l = r<br />
Werkstofftechnologien 2.19<br />
a 3<br />
a 1<br />
(1,1,2,0)<br />
a 2
Polymorphie (≡ Allotropie)<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Gewisse Metalle und Legierungen existieren bei<br />
verschiedenen Temperaturen in verschiedenen<br />
Gittertypen, sog. allotropen Modifikationen, die<br />
durch Phasenumwandlung entstehen.<br />
Beispiele: Fe → 911°C krz α-Fe<br />
911°C→1392°C kfz γ-Fe<br />
1392°C→1536°C krz δ-Fe<br />
Sn → 13,2°C Diamant α-Sn<br />
(Zinnpest) 13,2°C→232°C tetr.rz β-Sn<br />
Ti → 880°C hdp α-Ti<br />
880°C→1668°C krz β-Ti<br />
Co → 420°C hdp α-Co<br />
420°C→1495°C kfz β-Co<br />
Zr → 867°C hdp α-Zr<br />
867°C→1855°C krz β-Ti<br />
Bestimmung:<br />
Welche Phase: Röntgenbeugung<br />
Umwandlungstemp.:Dilatometrie (Ausdehnung)<br />
Thermische Analyse: c p<br />
c p<br />
T cr<br />
T<br />
kritische Temperatur<br />
(spezifische Wärme)<br />
Werkstofftechnologien 2.19
Beispiel: Eisen, Fe<br />
c p [J/mol K]<br />
magnetisch unmagnetisch<br />
α -Fe<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
γ -Fe δ-Fe Schmelze<br />
0 200 600 1024 1184 1665 1809 T[K]<br />
Durch Legieren lassen sich kritische<br />
Temperaturen<br />
• verschieben<br />
• unterdrücken<br />
siehe Kapitel 3, 5 und 6<br />
Werkstofftechnologien 2.20
2.3 Legierungen<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Legierung: Ein aus mind. 2 Komponenten<br />
gebildeter Körper<br />
Komponente: Legierungsbestandteil, Atomsorte<br />
System: Gesamtheit aller zw. bestimmten<br />
Komponenten mögl. Legierungen,<br />
als Funktion der Temperatur<br />
Kategorisierung in<br />
Einstoffsysteme (1 Komponente)<br />
Zweistoff- oder binäre Systeme<br />
Dreistoff- oder ternäre Systeme<br />
Vierstoff- oder quaternäre Systeme<br />
Phase: Menge homogener Bereiche mit<br />
identischen physikalischen Eigen<br />
schaften<br />
Beisp.: Einstoffsystem H2O bei p = 100 kPa<br />
fest<br />
1 Phase<br />
flüssig<br />
1 Phase<br />
gasförmig<br />
1 Phase<br />
T<br />
0°C 100°C<br />
Schmelzpunkt Siedepunkt<br />
2 Phasen: 2 Phasen:<br />
Koexistenz von Koexistenz von<br />
flüssig und fest flüssig und gasförmig<br />
Werkstofftechnologien 2.21
Binäre Systeme<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Flüssiger Zustand<br />
• Oft völlig mischbar (=ineinander löslich)<br />
• Begrenzt löslich<br />
Ag-Fe, Ag-Co, Ag-Ni, Ag-Cr, Ag-W<br />
Al-Bi, Al-Cd<br />
Bi-Zn, Bi-V, Bi-Mn, Bi-W<br />
Cu-Pb, Cu-W, Cu-Mo<br />
Pb-Ni, Pb-Co, Pb-Zn, Pb-Al<br />
Völlig unlöslich: Fe - Pb<br />
Fester Zustand<br />
• Völlige Mischbarkeit<br />
• Begrenzte Mischbarkeit<br />
• Völlige Unlöslichkeit<br />
(Kristall erstarrt in getrennten reinen Phasen)<br />
Mischkristalle (Mk)<br />
1. Austausch-Mk (Substitutions-Mk)<br />
Bei Komponenten mit<br />
- gleichem Gittertyp<br />
- ähnlichen Atomradien<br />
- geringer chemischer Reaktionstendenz<br />
⇒ Zufällige Besetzung der Gitterplätze durch<br />
Komponenten<br />
Werkstofftechnologien 2.22
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Beispiele:<br />
NiCu, NiAu, NiPt, NiPd<br />
CuAu, CuPt, CuPd<br />
PdAu, PdAg, PdPt<br />
AuAg, MoW<br />
bilden bei allen Konzentrationen<br />
Mischkristalle ≡ lückenlose Mischkrist.<br />
2. Austausch-Mk mit Mischungslücke<br />
begrenzte Löslichkeit im festen Zustand.<br />
Mischungslücke: T-Konz.-Bereich, in dem<br />
Kristall nicht als homogene Phase existiert<br />
→ mind. 2 Phasen, z.B.<br />
Phase 1: A gesättigt mit B<br />
Phase 2: B gesättigt mit A<br />
3. Einlagerungs-Mk<br />
1. Komponente = Übergangselement<br />
Gitterlücken vorhanden<br />
R 2. Komp. ≤ 0,58 R 1. Komp. (R = Radius)<br />
→ 2. Komponente besetzt Plätze zwischen<br />
Gitterplätzen der 1. Komponente<br />
z.B. 2. Komp. = C, H, (O), N, B, z.B. Ti-O-Mk.<br />
mit O häufig → Oxide<br />
Werkstofftechnologien 2.23
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Wichtiges Beispiel: γ-Mk des Fe-C<br />
(Austenit)<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
Werkstofftechnologien 2.24<br />
x<br />
Fe (kfz)<br />
mögliche<br />
C-Plätze<br />
Die C-Plätze sind zufällig besetzt,<br />
falls C-Gehalt (in Masse-%) genügend<br />
klein; auf jeden Fall ≤ 2,06% (s. Kap.5)<br />
4. Überstrukturen<br />
Anstatt zufälliger Besetzung, regelmässige<br />
Anordnung auf Gitterplätzen<br />
Cu<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
Au<br />
Cu3Au-Typ ca. 190 Vertreter<br />
Ni3Fe, Ni3Al, Ni3Cr, Ni3Pt, Co3Al x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
CuAu-Typ<br />
ca. 50 Vertreter<br />
FePt, FePd<br />
NiPt, NiMn<br />
x<br />
x
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
• Die Überstruktur bildet sich durch Diffusion der<br />
Komponenten auf ihre Plätze.<br />
• Rasches Abkühlen unterbindet Bildung von<br />
Überstrukturen.<br />
• Mit Auftreten von Überstrukturen sind extreme<br />
Eigenschaftsänderungen verbunden.<br />
5. Intermetallische Phasen (IP)<br />
Kristallarten, bestehend aus metallischen<br />
Komponenten, deren Gittertyp von dem der<br />
Einzelkomponenten abweicht.<br />
Zn<br />
x<br />
x<br />
S<br />
Zn: hcp; S:komplex<br />
x<br />
x<br />
Werkstofftechnologien 2.25<br />
Cs<br />
X<br />
Cl<br />
Cs: bcc; Cl: komplex
x<br />
x x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
NaCl-Typ (krz)<br />
krz kp<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Fe 3 C: Eisenkarbid, Zementit<br />
Zentral für Fe-Werkstoffe<br />
Struktur komplex<br />
C<br />
Grundeinheit, über<br />
Fe-Atom miteinander<br />
verbunden<br />
6,67 Massen-% C<br />
Intermetallische Phasen können innerhalb<br />
gewisser Konz.-T-Bereiche stabil sein<br />
γ-Messing: 30% - 40% Cu, 70% - 60% Zn<br />
Spezielle IP :Hume-Rothery-, Laves-,<br />
Grimm-Sommerfeld-Phasen<br />
Werkstofftechnologien 2.26
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
2.4 Aufbau realer Kristalle:<br />
Strukturelle Fehlordnung<br />
Klassifizierung:<br />
0 - dim. Fehlordnung = Punktdefekte<br />
1 - dim. Fehlordnung = Liniendefekte<br />
2 - dim. Fehlordnung = Flächendefekte<br />
3 - dim. Fehlordnung = Volumendefekte<br />
Wichtigkeit der Fehlordnung für:<br />
• Verformbarkeit (Festigkeit, Zähigkeit)<br />
• Thermische Prozesse: Diffusion<br />
Gettern in Halbleitern, Härtung, ...<br />
• Gitterumwandlungen (Keime)<br />
• Magnische, elektrische, opt. Eigensch.<br />
1. Nulldimensionale Defekte<br />
Leerstelle = Schottky-Defekt = fehl. Atom<br />
Frenkeldefekt = Besetzung eines Nicht-<br />
Gitterplatzes = Zwischengitteratom<br />
Beispiel: krz-Gitter: Flächenmittelpunkt<br />
kfz-Gitter: Würfelkante<br />
Frenkelpaar = Anti-Schottky-Defekt =<br />
Kombination von beiden<br />
Werkstofftechnologien 2.27
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Entstehung: über Oberfläche<br />
als Anti-Schottky-Defekt<br />
“Abdampfen” von Stapelfehler<br />
Mechanismus 1: thermische Aktivierung<br />
ΔE L= Bildungsenergie der Leerstelle<br />
≅ 0,8 eV - 2,6 eV (1 eV = 1,6·10 -19 J)<br />
WL = Wahrscheinlichkeit, daß Gitterplatz<br />
unbesetzt<br />
#Leerstellen<br />
WL --------------------------------- e<br />
#Gitterplätze<br />
Δ – EL ⁄ kBT =<br />
∼<br />
Arrhenius-Gesetz<br />
k B = 1,38·10 -23 J/K Boltzmann-Konstante<br />
T = absolute Temperatur<br />
(k B T ≅ 26 meV bei 300K)<br />
Beispiel: Cu mit ΔE L = 0,86 eV<br />
273 K: W L ≅ 10 -16 ⇒Leerst. ≅ 10 6 cm -3<br />
1000 K: W L ≅ 5·10 -5 ⇒Leerst. ≅ 10 18 cm -3<br />
1365 K: W L ≅ 6·10 -4 ⇒Leerst. ≅ 10 19 cm -3<br />
zum Vergleich: Cu-Atome ≅ 10 23 cm -3<br />
Fazit: Leerstellen sind unvermeidbar!<br />
Werkstofftechnologien 2.28
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Mechanismus 2: durch Bestrahlung<br />
z.B. Silberhalogenide AgCl, AgBr<br />
hν<br />
*<br />
* Ag+ Ag<br />
-Zwischengitteratom<br />
+<br />
Cl -<br />
Ag + Leerstelle<br />
Ag + -Zwischengitterion ist hochmobil, diffundiert<br />
zur Keimstelle, wird bei Entwicklung<br />
zu Ag ausgefällt. Nur in bestrahlten<br />
AgCl-Kriställchen → s/w-Photographie<br />
Fremdatome (Verunreinigungen)<br />
• substitutionell (Austausch)<br />
• interstitiell (Zwischengitterplatz)<br />
Extrem wichtig für Halbleitertechnologie:<br />
Dotierung mit P, Sb, As, B, Al in Si<br />
Farbzentren Na +<br />
Elektron wird<br />
an Cl - -Leerstelle<br />
gebunden:<br />
Optisch aktiv: NaCl + X-Ray ⇒ gelb<br />
KCl + X-Ray ⇒ blau<br />
Cl -<br />
e -<br />
Cl - -Leerstelle<br />
Werkstofftechnologien 2.29
2. Liniendefekte<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
sog. Versetzungen<br />
Stufenversetzung Schraubenversetzung<br />
eingeschobene<br />
Ebene: Versatz ⊥<br />
Vers.linie<br />
Versatz<br />
Versetzungslinie<br />
Scherung<br />
Versatz || Vers.linie<br />
Burgersvektor b = Versatz durch Fehlordung,<br />
charakteriert<br />
Stärke der Versetzung<br />
Versetzungslinie geht bis zur Oberfläche<br />
oder ist in sich geschlossen.<br />
Vollständige Versetzung: b = Gittervektor<br />
Unvollständige Versetzung: b < Gittervekt.<br />
Energie von Versetzungen E~ G·b 2 , daher<br />
eher kleine Burgersvektoren<br />
Werkstofftechnologien 2.30
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Kubische Kristalle: vollst. Versetzung<br />
# Gittertyp b Kristall<br />
1. kp a[100]<br />
2. kp a[110] MgO, TiC<br />
3. kfz<br />
4. kfz<br />
5. krz<br />
6. krz<br />
a --[110] 2<br />
a[100]<br />
a --[111] 2<br />
a[100]<br />
Al, γ - Fe<br />
Cu3Au, Ni3Au α - Fe<br />
CsCl, CuZn, NiTi<br />
7. Diamant a --[110] 2<br />
8. Diamant a[110]<br />
Si<br />
GaAs, III-V-Verb.<br />
Kfz 3.<br />
Kfz 4.<br />
z<br />
x<br />
x<br />
y<br />
y x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
x<br />
a[110]/2<br />
a<br />
zusätzlich einzufügende Ebenen<br />
x<br />
x x x<br />
x<br />
x x x<br />
x<br />
a[100]<br />
Cu 3 Au<br />
a hier zusätzl. Ebenen einfügen<br />
Werkstofftechnologien 2.31
Versetzungsreaktionen<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
• Einzelversetzungen können sich in 2<br />
Shockley-Teilversetzungen aufspalten<br />
• 2 Versetzungen können sich zu einer<br />
neuen kombinieren<br />
Kombinationsregel: Vektoraddition<br />
= +<br />
b b1 b2<br />
Ob eher Aufspaltung oder Kombination,<br />
entscheidet Energiebilanz<br />
→ , wenn b 2 2 2<br />
> b1 + b2<br />
b b1+ b2<br />
b1 b2 → b<br />
~Energie<br />
+ , wenn b 2 2 2<br />
< b1 + b2<br />
Energie wird minimiert!<br />
Beispiele:<br />
kfz:<br />
a a<br />
--110 [ ] --121 [ ]<br />
2 6<br />
a<br />
→<br />
+ --211 [ ]<br />
6<br />
Werkstofftechnologien 2.32
Unvollständige Versetzung<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
immer in Verbindung mit Stapelfehlern<br />
Schematisch:<br />
Stapelfehler<br />
unvollständige Versetzg.<br />
Positive Franksche Versetzung (kfz)<br />
b<br />
Werkstofftechnologien 2.33<br />
b<br />
B<br />
Stapelfehler<br />
Negative Franksche Versetzung<br />
b<br />
A<br />
C<br />
B<br />
C<br />
B<br />
A<br />
b<br />
Ebene<br />
C<br />
B<br />
A<br />
C<br />
B<br />
A<br />
Ebene<br />
A<br />
C<br />
B<br />
A<br />
C<br />
B<br />
A
Bewegung von Versetzungen<br />
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
1. Wandern von vollständigen Versetzg.<br />
(Gleiten von Stufenversetzungen)<br />
Gleitebene Gleitrichtung<br />
Gleitsystem<br />
Gleit- Gleitebene<br />
Richtung Beispiel<br />
kfz (111) [110] Al, Ni, Cu, Ag, Au<br />
krz (110) [111] Fe α,δ , W, Mo, Nb, Ta<br />
(112) [111] Fe α,δ , W, Mo, Nb<br />
(123) [111] Fe α,δ , W, Mo<br />
hex (0001) [1120] Cd, Zn, Mg, Ti α , Be<br />
(1010) [1120] Cd, Zn, Mg, Ti α , Be,<br />
Zr α<br />
(1011) [1120] Mg, Ti α<br />
2. Klettern von Versetzungen<br />
durch Diffusion von Leerstellen an<br />
Versetzung heran<br />
Werkstofftechnologien 2.34
2. AUFBAU DER WERKSTOFFE<br />
Anisotropie, Textur, Korngrenzen<br />
Ein Körper ist anisotrop, wenn seine<br />
Eigenschaften von der Richtung abhängen.<br />
Sonst: isotrop<br />
Reale Werkstoffe bestehen im allg. aus<br />
zufällig orientierten Körnern ⇒ makroskopische<br />
Isotropie, mikroskop. Anisotropie.<br />
Wenn Körner Vorzugsorientierung aufweisen<br />
(Erstarrung von Formwand, mechanische<br />
Bearbeitung) → sog. Textur.<br />
Körner<br />
Korngrenze<br />
Gefüge mit nicht-aus- Gefüge mit ausgerichteten<br />
gerichteten Kristalliten, Kristalliten, Werkstoff hat<br />
Werkstoff ist “quasi-isotrop” Textur und ist anisotrop<br />
Großwinkelkorngrenze<br />
(>5°)<br />
Kleinwinkelkorngrenze<br />
(
Anisotropie, Textur, Korngrenzen<br />
Korngrenzengleiten und Korngrenzenrisse in Lötstellen<br />
Ball 12; TS -40/125°C, 2000 Zyklen;<br />
TB2; SnAg4Cu0,5; Cu<br />
31.04.2011<br />
Körner<br />
Korngrenzen<br />
Intermetallische<br />
Phasen<br />
-1 -
Anisotropie, Textur, Korngrenzen<br />
Großwinkelkorngrenzen Groß- und Kleinwinkelkorngr.<br />
Nickelfasern nach Verformung Nickelfasern nach 600°C/100 s<br />
31.04.2011<br />
Versetzungen<br />
Versetzungen<br />
Korngrenze<br />
-2 -
Chip-Metallisierungen für Smart Power IC<br />
Temperaturzyklen durch<br />
Ein-/Ausschalten<br />
ΔT von 50 bis 200 K<br />
• Oberflächenverwerfungen<br />
• Passivierungsrisse<br />
• Aluminiumaustritt<br />
• Kurzschlüsse<br />
31.04.2011<br />
-3 -
Kristallstruktur in Metallisierungen<br />
3.2 µm<br />
12.8 µm<br />
31.04.2011<br />
2 x 10 5 Zyklen<br />
• Kornwachstum durch<br />
Rekristallisation<br />
• Bambusstrukturen<br />
in den 3.2 µm Linien<br />
For internal u<br />
-4 -
Texturentwicklung vor dem Versagen<br />
Wie liegen die Al-Kristalle in der Schicht?<br />
Verfahren: Röntgenbeugungsmessung<br />
Reflektierende Bestrahlung mit Röntgenstrahlung<br />
Messung der räumlichen Verteilung eines bestimmten<br />
Reflexes (111) um die Winkel Ψ und ϕ<br />
Es gilt die Bragg-Gleichung<br />
n ⋅λ = 2⋅<br />
d<br />
Θ<br />
d<br />
λ<br />
31.04.2011<br />
⋅ sin( Θ)<br />
Braggwinkel<br />
Gitterabst.<br />
Wellenlänge<br />
-5 -
Texturentwicklung vor dem Versagen<br />
31.04.2011<br />
Wie liegen die Al-Kristalle in der Schicht?<br />
• Neues Al: 100 % Spitzdachlage (111)<br />
Winkel Ψ=0 bis 360°<br />
• Defektes Al: 60 % Spitzdach (111) und Würfellage<br />
76%<br />
-6 -
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
KAPITEL 3:<br />
THERMODYNAMIK UND<br />
KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Inhalt<br />
3.1 Thermodynamik<br />
3.2 Binäre Zustandsdiagramme<br />
→ Mischbarkeit & Unlöslichkeit<br />
→ Eutektisches System<br />
→ Peritektisches System<br />
→ Intermetallische Verbindungen<br />
3.3 Ternäre Zustandsdiagramme<br />
3.4 Diffusion<br />
3.5 Keimbildung&Umwandlungsvorgänge<br />
Literatur: Askeland<br />
Merkel / Thomas<br />
Simmchen / Riehle<br />
Hornbogen<br />
Werkstofftechnologien 3.1
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3.1 Begriffe der Thermodynamik<br />
Triebkraft der Thermodynamik:<br />
Gibbs’sches Potential G = Freie Enthalpie<br />
ΔG=ΔH-TΔS<br />
Ziel der Thermodynamik der Werkstoffe:<br />
Beschreibung der Zustände und Zustandsänderungen<br />
von mehrkomponentigen<br />
Werkstoffen in Funktion von<br />
p = Druck [1 Pa = 1 N/m 2 ]<br />
T = Temperatur [K, °C]<br />
C = Zusammensetzung [%]<br />
Zustandsvariablen,<br />
definieren<br />
Zustand<br />
Zusammensetzung: Komponenten A u. B<br />
• Massengehalt (w)<br />
wA =<br />
mA ---------------------mA<br />
+ mB =<br />
Masse v. A<br />
------------------------------------- ;<br />
Gesamtmasse<br />
wB = 1– wA • Stoffmengengehalt<br />
xA =<br />
nA -----------------nA<br />
+ nB =<br />
# Atome A<br />
-------------------------------------------- ; x<br />
Gesamt-# Atome B = 1 – xA Auch Konzentration genannt<br />
Werkstofftechnologien 3.2
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Phasen: homogene Bestandteile, durch<br />
Grenzflächen voneinander getrennt<br />
Beispiel: Schmelze (S) + Mk1<br />
Gleichgewichtszustand liegt vor, wenn bei<br />
festem p, T und w bzw. x sich die Zahl,<br />
Art und Mengenanteile der Phasen<br />
nicht mit der Zeit ändern<br />
System: Gesamtheit aller Gleichgewichts-<br />
Zustände von gegebenen Komponenten<br />
→ Einstoff-, Zweistoff-, etc.- Systeme<br />
Freiheitsgrade: p, T, Konzentration<br />
Anzahl Freiheitsgrade = F<br />
Oft: p = p Atm ≅ 10 5 Pa (= konstant)<br />
Gibbs’sche Phasenregel<br />
Im Gleichgewicht: P + F = K + 2<br />
P = Anzahl (stabiler) Phasen<br />
K = Anzahl Komponenten<br />
Falls p = konst: P + F = K + 1<br />
Werkstofftechnologien 3.3
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3.2 Binäres Zustandsdiagramm<br />
Komponenten A und B, p = p Atm = 10 5 Pa<br />
T [°C]<br />
T SA<br />
100% A<br />
(0% B)<br />
fest flüssig<br />
50% A<br />
50% B<br />
K=2<br />
Reine Stoffe<br />
K=1<br />
fest flüssig<br />
Reine Stoffe: z.B. A (analog für B)<br />
T SB<br />
Schmelzpunkt<br />
v. B<br />
B 100%<br />
(0% A)<br />
T < T SA : fest, 1 Phase (P = 1)<br />
P + F = K + 1<br />
1 + 1 2<br />
T variabel (T-Bereich)<br />
T > T SA : flüssig, P = 1 ⇒ F = 1, analog<br />
T = T SA : F = 0, K = 1 ⇒ P = 2<br />
flüssig u. fest koexistieren<br />
Werkstofftechnologien 3.4
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Einfachstes binäres Zustandsdiagramm<br />
T SA<br />
T T<br />
L 1<br />
S<br />
S + α<br />
α<br />
L 2<br />
Liquiduslinie<br />
Soliduslinie<br />
A 20% 40% 60% 80% B<br />
Konzentration<br />
T SB<br />
S: Schmelze<br />
α: Mk<br />
A und B sind im flüssigen und festen<br />
Zustand vollständig mischbar<br />
S und α sind 1-Phasen-Gebiete<br />
P = 1 ⇒ F = 2 (T + Konzentration)<br />
Verschiedene Phasengebiete werden<br />
durch Linien getrennt (Soliduslinie,<br />
Liquiduslinie) Phasengrenzen<br />
Gesetz der wechselnden Phasenzahl:<br />
Beim Überschreiten einer Phasengrenze<br />
ändert sich P um 1.<br />
Werkstofftechnologien 3.5
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Zweiphasengebiet<br />
T L<br />
T<br />
T 0<br />
α<br />
w α<br />
1<br />
a<br />
?<br />
L<br />
A B<br />
b<br />
β<br />
2<br />
w α w L w β<br />
Werkstofftechnologien 3.6<br />
w β<br />
Gew.-%<br />
• Alle Legierungen L im Zweiphasengebiet<br />
bestehen bei T 0 aus denselben zwei<br />
Phasen<br />
• Die zwei Phasen liegen auf den Phasengrenzen<br />
links ( 1 ) und rechts ( 2 ).<br />
• Die Zusammensetzung der Phasen<br />
(w α, w β ) im Zweiphasenraum stimmen<br />
nie mit w L überein.<br />
Mengenverhältnis wird durch Hebelgesetz<br />
beschrieben; dieses erlaubt die Bestimmung<br />
von<br />
m α mit w αA und m β mit w βA aus m L , w LA
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Bestimmung der Mengen<br />
Phasen α und β:<br />
Gegeben: m L ,w LA und w αA , w βA<br />
Gesucht: m α , m β<br />
Antwort: 1. Gesamtmasse: m α + m β = m L<br />
2. Masse der A-Atome<br />
m α w αA + m β w βA = m L w LA<br />
Masse v. A in α Masse v. A in β Gesamt-Masse A<br />
Hebelgesetz<br />
⇒ m α<br />
m α<br />
=<br />
b<br />
a+ b<br />
------------m L<br />
m β<br />
wβA – wLA --------------------------m<br />
wβA – w L<br />
αA<br />
= =<br />
=<br />
a<br />
a+ b<br />
------------m L<br />
a b<br />
Drehmoment = am α = bm β<br />
m β<br />
Dreiphasengebiet<br />
F = 0 ⇒ T und w sind festgelegt<br />
b<br />
a + b<br />
------------m L<br />
a<br />
a + b<br />
------------m L<br />
Werkstofftechnologien 3.7<br />
=
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Phasenumwandlung flüssig-fest<br />
T L<br />
T 1<br />
T 2<br />
T 3<br />
T S<br />
T SA<br />
T<br />
B<br />
A<br />
S<br />
Mk<br />
11 17 26 38 55 68 78 90<br />
89 83 74 62 45 32 22 10<br />
A 50%<br />
B<br />
Werkstofftechnologien 3.8<br />
L<br />
S+Mk T SB<br />
Erstarrung einer vollständig mischbaren Legierung<br />
mit w A = w B = 50%, Gesamtmasse M<br />
T = T L : m S = M; m Mk = 0<br />
w SA = 50%; w MkA = 10%; w MkB = 90%<br />
T1 : mS = 28<br />
----- M = 0.7M;<br />
40<br />
mMk = 12<br />
----- M = 0.3M<br />
40<br />
wSA = 62%; wMkA = 22%<br />
⇒ 30% der Masse ist erstarrt<br />
Schmelze auf 62% A-Anteil angereichert<br />
T2 : mS = 18<br />
----- M = 0.43M;<br />
42<br />
mMk = 24<br />
----- M = 0.57M<br />
42<br />
wSA = 74%; wMkA = 32%<br />
T 3 : m S = 0.13M m Mk = 0.87M<br />
w SA = 83% w MkA = 45%<br />
T S : m S = 0; w SA = 89%; m Mk = M; w MkA = 50%<br />
Voraussetzung: Gleichgewichts-Prozess
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Aufstellen von Zustandsdiagrammen<br />
Bei Zustandsänderungen ändern sich viele physikalische,<br />
mechanische, ... Eigenschaften unstetig<br />
(nicht differenzierbar).<br />
• Thermische Analyse: z.B. latente Wärme<br />
• Dilatometrie: Volumen- u. Längenänderung<br />
• Physikalische Eigenschaften:<br />
elektr. Widerstand, magn. Suszeptibilität, ...<br />
Thermische Analyse<br />
Abkühlung od. Erwärmung einer Probe<br />
Beisp. F = 0 (1-komponentige Erstarrung)<br />
P Wärme<br />
Legierung<br />
T<br />
T S<br />
P Wärme>0<br />
Haltepunkt<br />
Werkstofftechnologien 3.9<br />
t<br />
T<br />
T S<br />
P Wärme
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Grundtypen von Zustandsdiagrammen<br />
(binäre Systeme)<br />
1. Vollkommene Unlöslichkeit (fest/flüssig)<br />
z.B.: Pb - Fe, SiO 2 - Pt, Fe - Mg<br />
T<br />
T SA<br />
fest<br />
S A +S B<br />
A+S B<br />
A+B<br />
flüssig<br />
(beide fest)<br />
L<br />
A’<br />
B’<br />
B A<br />
T SB<br />
A Konzentration B t<br />
Bei A’(TA) u. B’(TB) 3 Phasen ⇒ F = 0 (Haltep.)<br />
2. Vollkommene Mischbarkeit (fest/flüssig)<br />
z.B.: Si - Ge, Cu - Au, UO 2 - PuO 2, Ni - Cu,<br />
Ni - Co, Cu - Pt, Ag - Au, Au - Pt<br />
dieselbe Kristallstruktur, ähnliche Chemie<br />
T SA<br />
S<br />
S+α<br />
α<br />
So<br />
A B<br />
Li<br />
Werkstofftechnologien 3.10<br />
T<br />
T SB<br />
T<br />
S A<br />
S B<br />
A<br />
S B<br />
A<br />
B<br />
Körner
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3. Spezialfälle von 2.<br />
2. + Entmischung od. Überstrukturbildung<br />
des Mk<br />
M L<br />
M α1<br />
M α2<br />
=<br />
=<br />
b<br />
a+ b<br />
a<br />
a+ b<br />
------------M L<br />
------------M L<br />
S<br />
α 1<br />
a b<br />
S+α<br />
Werkstofftechnologien 3.11<br />
L<br />
α 1 +α 2<br />
α 2<br />
α<br />
T<br />
A wα1 wL wα2 B<br />
S<br />
Mischungslücke<br />
L<br />
α’<br />
S+α<br />
α<br />
T<br />
A B<br />
Überstruktur α’ im<br />
Gegensatz zu α
3.2 Vollkommene Mischbarkeit<br />
(fest/flüssig)<br />
z.B.: Ni – Cu die selbe Kristallstruktur, ähnliche Chemie<br />
Quelle: Alloy Phase Diagrams, ASM International<br />
Querschliffbilder von Ag mit eingelagerten Cu+Ni-Fasern.<br />
Oben: kaltverformt, unten: nach 700 °C/30 min<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -1-
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Schmelzpunktminimum<br />
S<br />
α<br />
Werkstofftechnologien 3.12<br />
T<br />
A B<br />
Cu - Mn, As - Sb<br />
α<br />
S<br />
α 1 +α 2<br />
T<br />
A B<br />
Au - Ni, Pt - Cu, Fe - Cr, Fe - V
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
4. Eutektisches System<br />
T T SA<br />
T e<br />
α<br />
Solidus<br />
Sättigungslinie<br />
Liquidus<br />
Eutektikale<br />
eutektischer<br />
Punkt<br />
α+β<br />
Mischungslücke<br />
A We B<br />
α,β: Mischkristalle<br />
Werkstofftechnologien 3.13<br />
S<br />
3-Phasen-<br />
Gleichgew.<br />
β<br />
T SB<br />
Zulegieren von B zu A erniedrigt Schmelztemperatur<br />
von A, u. umgekehrt<br />
Legierung (w e ) mit niedrigster Schmelztemperatur<br />
T e ist eutektische Legierung;<br />
(w e ,T e ) ist eutektischer Punkt<br />
Bsp.:Al - Si (Halbleitertechnik) T e = 577°C<br />
Au 98 - Si 2 (Halbl.technik) T e = 370°C<br />
Lote: Pb 95 Sn 5 , PbZn, PbIn<br />
T (Dreiphasenpunkt) < T SA , T SB
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Eutektisches Erstarren<br />
T T SA<br />
T 2<br />
T e<br />
T 1<br />
α<br />
S + α<br />
A B<br />
w α2<br />
w αe<br />
w α1<br />
L 2<br />
L 1<br />
Werkstofftechnologien 3.14<br />
S<br />
w β1<br />
w2 we wβe e<br />
L1 bei Te : S → ( α, wα) + ( β, wβ) β<br />
e<br />
L 1<br />
β α β β<br />
α<br />
β β α<br />
α<br />
β<br />
α<br />
β α<br />
α<br />
flüssig → fest + fest (Körner)<br />
Mengenverhältnis aus Hebelgesetz<br />
L2 ; w ≡ A-Konzentration Primär-α<br />
bei T2 > Te : S → ( S, w2) + ( α, wα2) Te + ε: Sw , e<br />
( ) + ( α, wαe) Te - ε: ( β, wβe) + ( α, wαe) T1 < Te : ( β, wβ) + ( α, wα1) Bildung von Sekundär-α<br />
Diffusion
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
T = T e + ε T = T e - ε<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
S e<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
Werkstofftechnologien 3.15<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
β e<br />
α Sek,e<br />
Spezialfall: Eutektisches System mit vollständiger<br />
Unlöslichkeit (Mischunglücke) im<br />
festen Zustand<br />
Beispiele: Bi - Cd, Al - Zn,<br />
Au - Si<br />
S<br />
S + A S + B<br />
A + B<br />
rein rein<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
A B
3.2 Eutektische Systeme, Beispiele<br />
Legierung (w e) mit niedrigster<br />
Schmelztemperatur T e ist<br />
eutektische Legierung; (w e,T e) ist<br />
eutektischer Punkt<br />
Bsp.: Al Si (Halbleitertechnik)<br />
T e = 577 °C<br />
Au98 Si2 (Halbleitertechnik)<br />
T e = 370 °C<br />
Lote: Pb95Sn5, PbZn, PbIn<br />
T (Dreiphasenpunkt) <<br />
, = T , β α<br />
SA SB T<br />
(w e,T e)<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -2-
3.2 3.2 Eutektische Systeme, Beispiele<br />
Quelle: Alloy Phase Diagrams, ASM International<br />
Schliffbild von nah-eutektischer<br />
Legierung Al Si12<br />
Quelle: Micrograph Library, University of<br />
Cambridge<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -3-
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
5. Peritektisches System<br />
T(3-Phasengleichgewicht) zwischen T SA und T SB .<br />
Oft, wenn T SA und T SB sehr verschieden sind.<br />
T SA<br />
Solidus<br />
T p<br />
α-<br />
Mk<br />
S + α<br />
α + β<br />
w αP<br />
L 2 L p<br />
S<br />
Peritektikale<br />
β + S<br />
A B<br />
Mischungslücke<br />
Phasenreaktion bei T P<br />
w P<br />
peritektischer<br />
Punkt<br />
Liquidus<br />
β - Mk<br />
w SP<br />
( Sw , SP)<br />
+ ( α, wαP) → ( β, wP) 2 Phasen → 1 Phase<br />
Peritektische Legierung<br />
T = T p + ε T = T p - ε<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
S p β β β<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
T SB<br />
Werkstofftechnologien 3.16<br />
β<br />
β<br />
β<br />
β β<br />
β<br />
β<br />
β<br />
β<br />
β<br />
β
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Umsetzung der Schmelze<br />
β<br />
α Pr<br />
Werkstofftechnologien 3.17<br />
S<br />
Reaktion muß durch<br />
β-Hüllen hindurch<br />
erfolgen<br />
Erstarrung der Legierung L 2<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
T P + ε T P - ε<br />
S<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
β<br />
β<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
β β β<br />
Nicht alles α wird bei peritektischer Reaktion<br />
aufgebraucht, falls Prozess zu rasch<br />
α Pr<br />
α Pr<br />
β<br />
β
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
6. Intermetallische Verbindung<br />
S<br />
A+S S+V<br />
Werkstofftechnologien 3.18<br />
T<br />
S+V S+B<br />
A V=AmBn B<br />
krz hex kfz<br />
S<br />
A+V V+B<br />
Beispiel:<br />
Al - Sb<br />
Mg - Si<br />
(z.B.)<br />
A, V, B haben unterschiedliche Gitter,<br />
untereinander völlig unmischbar<br />
S+α<br />
α<br />
S<br />
α+ε<br />
S+ε<br />
ε<br />
ε+S S+β<br />
ε+β<br />
A<br />
B<br />
krz kfz hex (z.B.)<br />
S<br />
β<br />
Beispiel<br />
Ni - Be<br />
α, ε, β haben verschiedene Gitter<br />
α mit geringer B-Löslichkeit<br />
β mit geringer A-Löslichkeit<br />
Innerhalb ε können in beschränktem<br />
Maß A u. B durch einander ersetzt werden
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
7. Eutektoides System<br />
T<br />
α<br />
γ = fest<br />
S = flüssig<br />
S + γ<br />
γ + α γ + β<br />
α + β<br />
A B<br />
Werkstofftechnologien 3.19<br />
β<br />
Beispiel:<br />
Al - Zn<br />
8. Kompliziertes System: Fe - Fe 3 C<br />
1536°C<br />
1392°C<br />
911°C<br />
peritektisch eutektisch<br />
eutektoid<br />
1147°C<br />
723°C
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3.3 Ternäre Legierungen<br />
100% A<br />
0% C<br />
Komponenten A, B, C<br />
Konzentrationsdreieck<br />
A<br />
50%<br />
100% A<br />
0% B<br />
100% C<br />
0% A<br />
50%C<br />
22%B<br />
50%<br />
50%<br />
Werkstofftechnologien 3.20<br />
C<br />
28%A<br />
L<br />
100% C<br />
0% B<br />
100% B<br />
0% A<br />
100% B<br />
0% C<br />
Ternäres System mit völlig löslichen<br />
Komponenten<br />
Liquidusfläche<br />
T SA<br />
A<br />
T SC<br />
C<br />
T SB<br />
B<br />
Solidusfläche<br />
B
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3.4 Diffusion<br />
Platzwechselvorgänge von Atomen als<br />
Folge von Konzentrationsunterschieden.<br />
Zufällige Teilchenbewegung führt zum<br />
Ausgleich der Konzentrationsgradienten.<br />
Grund: Gitterschwingungen bei T > 0<br />
(T höher → Diffusion schneller)<br />
Rolle: • Bildung von homogenen Mk<br />
• Ausscheidung sekundärer Phasen<br />
• Wärmebehandlungen<br />
• Korrosionsvorgänge<br />
• Korrosionsschutzschichten<br />
Mechanismen<br />
der Diffusion<br />
Austausch- Zwischengitter- Leerstellen-<br />
-Diffusion<br />
1-Komponentensysteme: Selbstdiffusion<br />
Werkstofftechnologien 3.23
A<br />
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Ficksche Gesetze<br />
j<br />
c Teilchen<br />
m 3<br />
------------------------<br />
x<br />
B-Verunreinigungen<br />
Gradient dc<br />
----dx<br />
Teilchen<br />
m 4<br />
------------------------<br />
c = Konzentration von B-Atomen in<br />
A-Gitter, oder von Leerstellen, ...<br />
j Teilchenfluß mol<br />
m 2 =<br />
---------s<br />
1. Ficksches Gesetz<br />
j D dc<br />
= – ----dx<br />
D = Diffusionskonstante m 2 s 1 –<br />
[ ]<br />
D > 0: normale positive Difussion<br />
→ Ausgleich von c<br />
D < 0: neg., Bergauf- (uphill-) Diffusion<br />
→ Clusterbildung<br />
Werkstofftechnologien 3.24
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Diffusionskonstante<br />
D [m 2 s -1 ]<br />
10 -4<br />
10 -9<br />
10 -14<br />
10 -19<br />
10 -24<br />
10 -29<br />
0<br />
1600<br />
400 200 50 0 -50 T [°C]<br />
H<br />
Sprungzeit τ<br />
C<br />
us<br />
ms<br />
Fe<br />
1 2 3 4 5 1/T [10 -3 K -1 in α-Fe<br />
s<br />
min<br />
a<br />
h<br />
d<br />
]<br />
Diffusion ist thermisch aktiviertes Springen über<br />
Energiebarrieren mit der Aktivierungsenergie Ea; E a<br />
– --------kBT<br />
Q<br />
– -------<br />
RT<br />
DT ( ) = D0e = D0e (Q = NAEa , NA = 6,022×1023 mol-1 ,<br />
(R = NAkB = 8,314 JK-1mol-1 Arrhenius-<br />
Gesetz<br />
)<br />
Diffusionskonstante<br />
Gitter diffundierende<br />
Spezies<br />
D0 in<br />
[m 2 s -1 ]<br />
Q in<br />
[kJ mol -1 ]<br />
α - Fe Fe 5×10-5 240<br />
H 3 12<br />
C 2×10 -3<br />
75<br />
γ - Fe Fe 2×10-5 270<br />
Al Cu 8×10-6 136<br />
Cu Ni 6×10 -9<br />
125<br />
Ni Cu 10-7 150<br />
Werkstofftechnologien 3.25
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Bei konzentrationsunabhängigem Diffusionskoeffizient<br />
ergibt sich ein lineares Konzentrationsgefälle<br />
mit konstantem<br />
Gradienten<br />
ΔC<br />
-------<br />
Δx<br />
=<br />
C1 – C<br />
------------------- 2<br />
Δx<br />
Bsp.: Folie als Dampfsperre im Bauwesen<br />
Dünnschicht in der MST<br />
Werkstofftechnologien 3.26
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
2. Ficksches Gesetz<br />
∂C<br />
∂t<br />
=<br />
Werkstofftechnologien 3.27<br />
∂<br />
2<br />
∂ C<br />
Man kann sich das 2. Fick´sche Gesetz<br />
wie folgt ableiten:<br />
• In einem schmalen Volumenelement<br />
liegt die Konzentration C x vor.<br />
• Von links kommen mehr Teilchen an als<br />
nach rechts wegdiffundieren.<br />
x 2
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
• Die Differenz der Teilchenströme ist Δj<br />
• Die Zahl der sich ansammelnden Teil-<br />
chen ist ΔN = – ΔC ⋅ Δx ⋅ A<br />
• Die Zahl der neu zuströmenden Teilchen<br />
ist ΔN = Δj ⋅Δt⋅ A<br />
Gleichsetzen und Umformen ergibt<br />
ΔC<br />
-------<br />
Δt<br />
Δj<br />
– ------ D<br />
Δx<br />
ΔC<br />
( Δx)<br />
2<br />
= = ⋅ -------------<br />
Durch Grenzübergang ergibt sich das<br />
2. Fick´sche Gesetz:<br />
Aus<br />
∂c<br />
-----<br />
∂t<br />
=<br />
∂j<br />
– -----<br />
∂x<br />
folgt ∂c<br />
----- D<br />
∂t<br />
∂2c = --------<br />
∂x 2<br />
Erhaltung der<br />
Teilchenzahl<br />
Kontinuitätsbedingung<br />
Die Diffusionsgleichung muss mit entsprechenden<br />
Rand- und Anfangsbedingungen<br />
gelöst werden<br />
Werkstofftechnologien 3.28
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Technisch bedeutsame Randbedingungen<br />
• Diffusion aus unerschöpflicher Quelle<br />
• Diffusion aus erschöpflicher Quelle,<br />
d.h. die Quelle wird verbraucht<br />
Werkstofftechnologien 3.29
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Diffusion aus unerschöpflicher Quelle<br />
z.B. Eintauchen in ein Flüssigkeitsbad<br />
• erfc: komplementäre Error-Funktion<br />
• C0 : Oberflächenkonzentration des<br />
Dotierstoffes<br />
• Dt: Diffusionslänge, bei C=C0*0,48 N(x,t) / N 0<br />
⎛ ⎞ 1/2<br />
Cxt ( , ) C0erfc x2<br />
= ---------<br />
⎝4Dt⎠ E a<br />
D = D0( T0) exp⎛–<br />
------ ⎞<br />
⎝ kT⎠<br />
X [μm]<br />
√Dt = 1.0 μm<br />
√Dt = 0.5 μm<br />
√Dt = 0.1 μm<br />
Werkstofftechnologien 3.30
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
• Konzentration des Dotierstoffes an den<br />
Grenzflächen ist konstant, z.B. gasförmiger<br />
Dotierstoff mit kostantem Partialdruck<br />
• Konzentration an der Oberfläche bleibt<br />
konstant<br />
• Konzentrationsgradient an der Kristalloberfläche<br />
nimmt mit steigender<br />
Diffusionszeit ab<br />
• Immer weniger Dotieratome werden pro<br />
Zeiteinheit in die Tiefe des Kristalls<br />
transportiert<br />
Beispiel: Aufkohlen von Stahl<br />
950°C: C in γ-Fe-Oberfläche hinein<br />
x = 0,5 mm = 5 x 10 -4 m<br />
geplante Tiefe der Aufkohlung<br />
D = 1,18x10 -11 m 2 s -1<br />
t = x 2 D -1<br />
2, 1 10 4 = ⋅ s =<br />
59h ,<br />
Werkstofftechnologien 3.31
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Diffusion aus erschöpflicher Quelle<br />
z.B. Vorbeschichtung mit dem Dotierstoff<br />
in Dünnschichttechnik Δx<br />
• Gaußförmiges Profil<br />
• Q = Oberflächendosis des Dotierstoffes<br />
[m-2 ]<br />
• S = Menge Dotierstoff/Fläche = CQ ⋅ Δx<br />
N(x,t) / S [10 4 cm -1 ]<br />
6<br />
5<br />
4<br />
3<br />
2<br />
1<br />
0<br />
Nxt ( , )<br />
=<br />
Q<br />
------------- exp⎛–<br />
--------- ⎞<br />
πDt ⎝ 4Dt⎠<br />
E a<br />
Werkstofftechnologien 3.32<br />
x 2<br />
D = D0( T0) exp⎛–<br />
------ ⎞<br />
⎝ kT⎠<br />
X [μm]<br />
√(Dt) = 0.10 μm<br />
√(Dt) = 0.25 μm<br />
√(Dt) = 1.00 μm<br />
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4<br />
Fläche bleibt konstant!
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
• Oberflächenschicht mit (konstanter)<br />
Dotierstoffkonzentration, z.B. durch<br />
Aufschleudern & Trocknen einer Dotieremulsion<br />
• Keine weiter Zufuhr von Dotierstoffen<br />
von außen<br />
• Schneller Abfall der Dotierkonzentration<br />
in der oberflächennahen Schicht<br />
• Integral über Konzentration bleibt konstant<br />
Werkstofftechnologien 3.33
3.4 Das parabolische Wachstumsgesetz<br />
Beispiel: Intermetallische Phasen von Kupfer und Zinn auf<br />
Leiterplatten<br />
Lagerung 100 °C oder -40°C bis 125°C<br />
Lot Sn96,5 Ag3,0 Cu0,5<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -4-
3.4 Das parabolische Wachstumsgesetz<br />
0 Zyklen<br />
1250 Zyklen<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -5-
3.4 Metallurgie bleifreier Lötstellen<br />
0 Zyklen<br />
1250 Zyklen<br />
Thermozyklen-40°C to 125°C<br />
Kornwachstum von Ag 3Sn, Cu 6Sn 5<br />
Ca. 500 Zyklen, je etwa 30 min auf 125 °C<br />
IMZ: Intermetallische Zone<br />
Cu 3Sn + Cu 3Sn<br />
Parabolisches Wachstum: t IMZ ~ N 1/2<br />
Cu 3Sn y = 0,0781x + 2,2155<br />
Cu 6Sn 5<br />
Dicke t [μm]<br />
6<br />
5<br />
4<br />
3<br />
2<br />
1<br />
0<br />
Cu6Sn5 Cu3Sn Total linear<br />
y = 0,0153x + 1,9461<br />
y = 0,065x + 0,1959<br />
0 5 10 15 20 25 30 35 40<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -6-<br />
√ N
3.4 Diffusionsbestimmtes Wachstum<br />
Herleitung des parabolischen Wachstumsgesetzes<br />
Feste Randkonzentrationen C 1, C 2<br />
Lineares Konzentrationsgefälle mit konstantem Gradienten<br />
Schicht wird zeitabhängig immer dicker<br />
Δc<br />
j = −D<br />
Δx<br />
∂Δx<br />
Δc<br />
= j ⋅C<br />
= −D<br />
⋅ K ⋅<br />
∂t<br />
Δx<br />
Δx<br />
∫<br />
0<br />
Δx<br />
⋅ ∂Δx<br />
=<br />
Δx<br />
=<br />
1<br />
2<br />
Δx<br />
2<br />
2⋅<br />
D ⋅ K ⋅ Δc<br />
⋅ t<br />
= −D<br />
⋅ K ⋅ Δc<br />
⋅ t<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -7-
3.4 Interdiffusion und Kirkendall-Poren<br />
Intermetallische Zone wächst zwischen Pad und Bauteil<br />
Teilweise Kirkendall-Poren in Cu 3 Sn auf der Padseite<br />
Grund: vermutlich schnellere Cu-Diffusion im Vergleich zu Sn-Diffusion D Cu >> D Cu<br />
Wichtig in Dünnschichten bei hohen Temperaturen<br />
866 Zyklen<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -8-
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Kirkendall-Effekt (bei Diffusion an<br />
(Phasengrenzen)<br />
Beispiel: Messing / Kupfer<br />
CuZn Cu<br />
Schweissnaht<br />
DCu
3.4 Interdiffusion und Kirkendall-Poren<br />
Intermetallische Zone wächst zwischen Pad und Bauteil<br />
Teilweise Kirkendall-Poren in Cu 3 Sn auf der Padseite<br />
Grund: vermutlich schnellere Cu-Diffusion im Vergleich zu Sn-Diffusion D Cu >> D Cu<br />
Wichtig in Dünnschichten bei hohen Temperaturen<br />
866 Zyklen<br />
17.05.2011 Prof. Dr. Jürgen Wilde -8-
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
3.5 Umwandlungsvorgänge<br />
Folgende Umwandlungsvorgänge treten in Metallen und Legierungen<br />
auf:<br />
• Erstarrung: flüssig fest<br />
• Rekristallisation kaltverformt, mit Versetzungen versetzungsfrei<br />
• Umwandlung im festen Zustand: Gamma-Eisen kfz Alpha-Eisen<br />
krz<br />
Notwendige Voraussetzungen für Umwandlungen:<br />
1. Thermodynamischer Energieüberschuss ΔG
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Schritt 1: Keimbildung und Wachstum<br />
Sobald die Temperatur in einem sehr kleinen Volumen die Umwandlungstemperatur<br />
unterschreitet, so wird Energie frei. Es gilt: ΔG
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Die Grenzbedingung ist somit:<br />
∂Δg<br />
2<br />
= 4π<br />
⋅ r ⋅ ΔG<br />
+ 8π<br />
⋅ r ⋅γ<br />
∂r<br />
GF<br />
!<br />
= 0<br />
Damit berechnet man den kritischen Keimradius<br />
r<br />
krit<br />
2⋅<br />
γ<br />
≥ −<br />
ΔG<br />
GF<br />
Warum ist Unterkühlung so wichtig für die Umwandlung?<br />
Die freie Enthalpie ΔG einer Umwandlung setzt sich aus einem Term der<br />
Wärme ΔH und einem Term der Entropie T ΔS zusammen.<br />
Δ G = ΔH<br />
− TΔS<br />
Im Gleichgewicht gilt für jede Phase<br />
!<br />
G1 H1<br />
− TG<br />
⋅ S1<br />
= H 2 − TG<br />
=<br />
Daraus folgt<br />
⋅ S2<br />
= G2<br />
bzw. ΔH − TG<br />
⋅ ΔS<br />
= 0<br />
Δ H = TG<br />
⋅ ΔS<br />
bzw. Δ S = ΔH<br />
/ TG<br />
ΔS ist die Umwandlungsentropie, ΔH ist näherungsweise konstant.<br />
In der Nähe eines Umwandlungspunktes TG gilt (Einsetzen von oben)<br />
T ⋅ ΔS<br />
= ΔH<br />
⋅<br />
T<br />
T<br />
G<br />
T<br />
= ΔH<br />
⋅<br />
G<br />
− ΔT<br />
T<br />
Nach Einsetzen in ΔG ergibt sich<br />
ΔT<br />
Δ G = ΔH<br />
⋅<br />
TG<br />
G<br />
wobei ΔT die Abweichung von der Gleichgewichtstemperatur, also die<br />
Unterkühlung ist. Damit ergibt sich ein kritischer Keimradius<br />
2⋅<br />
γ GF ⋅TG<br />
rkrit<br />
≥ −<br />
ΔH<br />
⋅ ΔT<br />
Als notwendige Arbeit für die Bildung eines kritischen Keims ergibt sich<br />
A<br />
k<br />
16⋅π<br />
⋅γ<br />
= −<br />
ΔG<br />
3<br />
GF<br />
2<br />
3<br />
16⋅π<br />
⋅γ<br />
GF ⋅T<br />
= 2<br />
ΔT<br />
⋅ ΔH<br />
2<br />
G<br />
2<br />
Einheiten [<br />
3 6<br />
J m<br />
] = = J<br />
6 2<br />
m J<br />
Werkstofftechnologien 3.38<br />
A k<br />
!
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
1. geringe Unterkühlung große Unterkühlung<br />
2. geringe Verformung große Verformung<br />
Die Zahl der gebildeten Keime im Volumen ist dann näherungsweise<br />
n<br />
V<br />
3<br />
freieEnthalpie/<br />
Volumen ΔG<br />
ΔG<br />
=<br />
= =<br />
Arbeit / Keim A 16⋅π<br />
⋅γ<br />
Alternativer „Boltzmann“-Ansatz<br />
⎟ 3 2<br />
n& ⎛ Ak<br />
⎞ ⎛ 16⋅π<br />
⋅γ<br />
GF ⋅TG<br />
⎞<br />
= C ⋅exp⎜<br />
− ⎟ = C ⋅exp<br />
⎜<br />
⎜−<br />
2 2<br />
V ⎝ k ⋅T<br />
⎠ ⎝ ΔT<br />
⋅ ΔH<br />
⋅k<br />
⋅T<br />
⎠<br />
⎟ 3<br />
n& ⎛ 16⋅π<br />
⋅γ<br />
GF ⋅TG<br />
⎞<br />
≈ C ⋅exp<br />
⎜<br />
⎜−<br />
2 2<br />
V ⎝ ΔT<br />
⋅ ΔH<br />
⋅k<br />
⎠<br />
k<br />
Werkstofftechnologien 3.39<br />
3<br />
GF<br />
3 3<br />
ΔT<br />
⋅ ΔH<br />
=<br />
16⋅π<br />
⋅γ<br />
⋅T<br />
3<br />
GF<br />
3<br />
G<br />
bzw. wenn T = ca. TG<br />
Dies bedeutet, dass größere Unterkühlung zu einer signifikant erhöhten<br />
Zahl der Keime bzw. der Keimbildungsrate führt, also:
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Schnelleres Abkühlen größere Unterkühlung<br />
mehr Keime feineres Umwandlungsgefüge<br />
Siehe auch Bild S.3.9, Temperaturverlauf über der Zeit bei Unterkühlung!<br />
Für die Keimbildung gibt es vereinfacht zwei zeitliche Verläufe<br />
1. Alle n Keime werden auf einmal gebildet,<br />
Keimbildungsrate = „unendlich“<br />
Künstliche Keime = „Impfen einer Schmelze“<br />
2. Konstante Keimbildungsrate über den Zeitraum Δt,<br />
Keimbildungsrate n& = konstant<br />
Man unterscheidet folgende Arten der Keimbildung<br />
1. homogene Keimbildung, in der Schmelze, im Kristallvolumen<br />
2. heterogene Keimbildung, an Grenzflächen oder Impfkristallen<br />
Die benötigte Grenzflächenenergie γ GF wird vermindert<br />
Heterogene Keimbildung Verringerung der Keimbildungsarbeit<br />
mehr Keime feineres Umwandlungsgefüge<br />
bessere mechanische Eigenschaften (Hall-Petch)<br />
Werkstofftechnologien 3.40
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Schritt 2: Phasenwachstum<br />
Sobald Keime gebildet sind, so wachsen diese, indem sich eine<br />
Grenzfläche aus der Phase 2 in die Phase 1 schiebt.<br />
Dieses Wachstum geht im einfachsten Fall mit konstanter diffusionsgesteuerter<br />
Wanderungsgeschwindigkeit der Grenzfläche einher:<br />
Beispiel: Zerfall von Gammaeisen zu Perlit<br />
∂r<br />
r& = ≈ const.<br />
⎛ Ea<br />
⎞ ⎛ Q ⎞<br />
r& ∝ D = D0<br />
⋅exp⎜−<br />
⎟ = D0<br />
⋅exp⎜−<br />
⎟<br />
∂t<br />
⎝ k ⋅T<br />
⎠ ⎝ R ⋅T<br />
⎠<br />
Q bzw. Ea ist die Aktivierungsenergie der Diffusion.<br />
Nun gibt es verschiedene Fälle:<br />
1. konstante Keimzahl n im Volumen, einachsiges „Faser“-Wachstum<br />
V& V<br />
∂V<br />
1 n<br />
= ⋅ = ⋅ 2 ⋅ A⋅<br />
r&<br />
∂t<br />
V V<br />
t<br />
VV<br />
= V&<br />
∫ V ⋅ dt ∝ c1⋅<br />
r&<br />
⋅t<br />
2. konstante Keimzahl n im Volumen, flächiges, zweidimensionales<br />
Wachstum<br />
t<br />
V n<br />
V& ∂ 1<br />
2 2<br />
V = ⋅ = ⋅2<br />
⋅d<br />
⋅ r ⋅ r&<br />
VV<br />
= V&<br />
V ⋅dt<br />
∝ c2<br />
⋅ r ⋅t<br />
∂t<br />
V V ∫<br />
&<br />
0<br />
3. konstante Keimzahl n im Volumen, dreidimensionales Wachstum<br />
im Volumen<br />
& ∂V<br />
1 n<br />
2<br />
= ⋅ = ⋅ 2 ⋅ d ⋅ r ⋅ r&<br />
∂t<br />
V V<br />
V V<br />
V<br />
V<br />
t<br />
= ∫V&<br />
0<br />
V<br />
Werkstofftechnologien 3.41<br />
0<br />
⋅dt<br />
∝ c<br />
&<br />
3 3<br />
3⋅ r ⋅t<br />
4. konstante Keimbildungsrate n& im Volumen und dreidimensionales<br />
Wachstum im Volumen<br />
V n t<br />
V& ∂ 1 & ⋅<br />
2<br />
V = ⋅ = ⋅2<br />
⋅d<br />
⋅ r ⋅ r&<br />
∂t<br />
V V VV<br />
t<br />
= V&<br />
∫ V<br />
3 4<br />
⋅dt<br />
∝ c4<br />
⋅n&<br />
⋅ r&<br />
⋅t<br />
n = n&<br />
⋅t<br />
0
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Zusammenwachsen der Phasen<br />
Wenn der Volumenanteil der Phasen relativ groß wird (0,5
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Theorie des ZTU-Diagramms<br />
Wir betrachten eine einfache Umwandlung, den Zerfall von Gamma-<br />
Eisen zu Perlit bei 723 °C. Wir unterkühlen um ΔT und halten isotherm.<br />
1. Wir tragen die Zeit für 1 % und 99 % Umwandlung auf.<br />
2. Wir tragen bei größerer Unterkühlung die Zeit t1% für 1 % und t99%<br />
für 99 % Umwandlung auf. Diese Zeiten sind kürzer, weil mehr<br />
Keime gebildet werden: VV ∝ ( n / V ) ⋅t<br />
3. Wir messen bei noch größerer Unterkühlung die Zeiten t1% und<br />
t99%. Diese Zeiten werden länger, weil zwar mehr Keime gebildet<br />
werden, aber diese durch Diffusion langsamer wachsen: Es gilt<br />
Vv ∝ D0<br />
⋅exp(<br />
−E<br />
a / kT )<br />
4.<br />
Werkstofftechnologien 3.43
3. THERMODYNAMIK UND KINETIK DER LEGIERUNGEN<br />
Rekristallisation<br />
Rekristallisation führt zur Kornneubildung durch das Wachstum<br />
unverformter Kristallite in das verformte Gefüge hoher<br />
Versetzungsdichte. Die treibende Kraft ist die gespeicherte<br />
Versetzungsenergie Wv:<br />
2<br />
W = G ⋅b<br />
⋅ N<br />
v<br />
v<br />
Mit: G: Schubmodul, b: Burgersvektor, Nv: Versetzungsdichte<br />
Die aufzuwendende Energie ist die Korngrenzenenergie γ KG .<br />
Werkstofftechnologien 3.44
KAPITEL 4:<br />
EISEN UND STAHL<br />
Inhalt<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
4.1 Eisen-Kohlenstoff<br />
Fe-Graphit: stabiles System<br />
Fe-Zementit: metastabil<br />
4.2 Wärmebehandlung<br />
Glühen<br />
Härten<br />
Vergüten<br />
4.3 Legierungselemente im Stahl<br />
4.4 Bezeichnung der Stähle<br />
Werkstofftechnologien 4.1
4.1 Eisen-Kohlenstoff<br />
1. Reines Eisen<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
20°C: α-Fe (Ferrit), krz,<br />
ferromagnetisch, a = 0,286 nm<br />
768°C: α-Fe, ferro- → paramagnetisch<br />
911°C: α-Fe → γ-Fe (Austenit),<br />
kfz, a = 0,3649 nm (950°C)<br />
1392°C: γ-Fe → δ-Fe (Ferrit)<br />
krz, a = 0,293 nm (1425°C)<br />
1536°C: Schmelztemperatur<br />
2738°C: Siedetemperatur<br />
Atommasse: 55,85<br />
2. Eisen - Kohlenstoff<br />
Das wichtigste binäre System der Weltwirtschaft<br />
(mengenmäßig)<br />
Zwei Möglichkeiten<br />
a. C in Form von Graphit metastabil<br />
b. C in Form von Fe3C Eisenkarbid (≡ Zementit)<br />
Fe-Legierungen mit a. sind stabil<br />
z.B. Gußeisen mit Kugelgraphit<br />
Fe-Legierungen mit b. sind über praktische Zeiträume<br />
bei Raumtemperatur stabil (metastabil)<br />
Werkstofftechnologien 4.2
Eisen-Kohlenstoff-Schaubild (EKS)<br />
kfz<br />
Fe 3 C<br />
(Massengehalte)
Fe - Fe 3 C - Diagramm<br />
Aδ+S H B<br />
δ J<br />
N δ+γ<br />
P<br />
γ<br />
G<br />
α+γ<br />
S<br />
unter übereutektoid<br />
Stahl Gußeisen<br />
E<br />
S<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Q<br />
Fe 0.8% 2.08% 4.3% Fe3C %C<br />
Löslichkeiten<br />
γ+S<br />
Werkstofftechnologien 4.4<br />
C<br />
Eutektikum<br />
S+Fe 3 C<br />
untereutektisch übereutektisch<br />
γ+Fe 3 C<br />
eutektisch<br />
D<br />
1147°C<br />
723°C<br />
α-Fe 723°C 0,02 %C Punkt P<br />
20°C 0,006 %C Punkt Q<br />
γ-Fe 1493°C 0,16 %C Punkt J<br />
1147°C 2,08 %C Punkt E<br />
723°C 0,80 %C Punkt S<br />
δ-Fe 1493°C 0,10 %C Punkt H<br />
Schmelze 1493°C 0,51 %C Punkt B<br />
1147°C 4,3 %C Punkt C
Gefügearten
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Ferrit: Stabile krz-Phase,<br />
auch mit gelöstem C<br />
α- oder δ-Ferrit<br />
Austenit: Stabile kfz-Phase<br />
auch mit gelöstem C<br />
γ-Fe<br />
Perlit: entsteht durch eutektoiden (ed)<br />
Zerfall von γ<br />
Perlit<br />
bei 723°C: γ→ α ed + Fe 3 C ed<br />
0,8%C 0,02%C 6,67%C<br />
88,2% 11,8%<br />
γ - Korn<br />
Fe 3 C<br />
γ<br />
Fe 3 C<br />
γ<br />
α<br />
α γ etc.<br />
Werkstofftechnologien 4.6
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Ledeburit: Eutektikum durch Zerfall der<br />
Schmelze (4.3% C) Ledeburit I<br />
bei 1147°C: S → γ e + Fe 3 C e<br />
4.3% C 2.08% C 6.67% C<br />
51.5% 48.5%<br />
Mit abnehmender Temperatur scheidet γ e<br />
an Korngrenzen Fe 3 C ab,<br />
sog. Sekundärzementit Fe 3 C sek<br />
Bei 723°C hat γ-Phase nur noch 0,8% C<br />
und zerfällt in α ed und Fe 3 C ed ,<br />
sog. Tertiärzementit Fe 3 C tert. .<br />
Resultat heißt Ledeburit II<br />
Werkstofftechnologien 4.7
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Gefüge bei versch. C - Konzentrationen<br />
δ<br />
α<br />
Fe<br />
δ + γ<br />
1<br />
δ + S<br />
γ<br />
Austenit<br />
α + γ<br />
2<br />
1<br />
3α<br />
+ 2 Perlit +<br />
Perlit Fe3Csek K1 K2 γ + S<br />
1<br />
2<br />
3<br />
K 1 : untereutektoidisch<br />
T SS→δ S+δ→γ<br />
1<br />
δ→γ<br />
γ<br />
1<br />
2<br />
3<br />
4<br />
5<br />
Perlit + Fe3Csek + 1<br />
Ledeburit II<br />
K4 S<br />
Schmelze<br />
4<br />
Ledeburit II +<br />
Fe3Cpr K 3 K 5 K 6<br />
Fe 3 C<br />
Werkstofftechnologien 4.8<br />
1<br />
S + Fe 3 C<br />
γ + Ledeburit I Ledeburit I + Fe 3 C<br />
γ→α<br />
γ→αed +Fe3Ced 2<br />
3<br />
α→Fe 3 C tert.<br />
t<br />
2<br />
3
T<br />
T<br />
S<br />
S<br />
K 2 : eutektoidisch<br />
S → γ<br />
1<br />
γ<br />
γ → α ed + Fe 3 C ed<br />
2<br />
Perlit<br />
αed → Fe3Ctert. t<br />
K 3 : übereutektoidisch<br />
S → γ pr<br />
1<br />
γ pr<br />
γpr → Fe3Csek γpr → αed + Fe3Ced 2<br />
3<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
αed → Fe3Ctert. t<br />
Werkstofftechnologien 4.9
Fe - C - Werkstoffe<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Stähle C < 2% schmiedbar<br />
Gußeisen C > 2% spröde<br />
0<br />
0.1<br />
ed.<br />
0,5 0,8<br />
Fe3C 2,08 4,3 %C<br />
Rein-Eisen<br />
Baustähle<br />
Vergütete Stähle<br />
Werkzeugstähle<br />
Gußeisen<br />
Festigkeit ↑ spröde, schlagempfindl.<br />
Verformbarkeit ↓ mäßig fest<br />
warm- und nicht warmverformbar<br />
kaltverformbar<br />
Eigenschaften werden durch weitere<br />
Legierungselemente verändert<br />
Werkstofftechnologien 4.13
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
4.2 Wärmebehandlung der Stähle<br />
Ziel: Kontrollierte Veränderung der Eigen-<br />
schaften durch Ausnützen des Fe-C-<br />
Phasendiagrammes,über gezielte<br />
Veränderung derMikrostruktur.<br />
Eigenschaften<br />
• Bearbeitbarkeit<br />
• Festigkeit<br />
• Homogenität<br />
• Korngrößenverteilung<br />
• Gefügeart<br />
Zwei Hauptmethoden<br />
• Glühen: Langsame (Fast-)<br />
Gleichgewichtsprozesse<br />
• Härten: schnelle Prozesse<br />
Anstreben von Ungleichgewichtszuständen,<br />
z. B. Unterkühlung<br />
Werkstofftechnologien 4.14
Temperaturführung<br />
• Erwärmen auf Solltemperatur<br />
• Halten<br />
• Abkühlen<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Zu schnelle Erwärmung/Abkühlung<br />
=> thermomechanische Spannungen (Ausdehnung<br />
+ Phasenumwandlung) => Risse,Verzug<br />
Wärmebehandlung = Kosten<br />
Glühen<br />
• Rekristallisationsglühen: nach Kaltverformung,<br />
T = 550-650°C →entspanntes neues Gefüge<br />
• Grobkornglühen:<br />
für spanabhebende Bearbeitbarkeit;<br />
T > max(A 3, A 1), langsame Abkühlung<br />
Entstehung von grobem Perlit,<br />
• Normalglühen<br />
T > max(A 3, A zm)<br />
Entstehung von feinem Perlit<br />
• Weichglühen<br />
C-reiche Stähle → T ~ 723°C<br />
Lamellarer Perlit wird in eingeformten Perlit<br />
mit rundlichem (kugeligem) Zementit umgewandelt.<br />
Werkstofftechnologien 4.15
untereutektoid<br />
übereutektoid<br />
A3<br />
A zm<br />
A 1
Härten<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Grundlage: γ - α- Umwandlung<br />
Hohe Abkühlrate führt zu<br />
unterkühltem Austenit bis hin<br />
zu Martensit.<br />
α-Fe<br />
γ<br />
1 K/s<br />
15 K/s<br />
Bainit<br />
250 K/s<br />
Mit zunehmender Abkühlgeschwindigkeit<br />
• bei übereutektoidischen Stählen Fe 3C sek-Ausscheidung<br />
unterdrückt<br />
Ab 15 K/s: kein Fe 3C sek mehr!<br />
• bei untereutektoidischen Stählen unterdrückte<br />
Ferritausscheidung<br />
Werkstofftechnologien 4.17
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
-dT/dt<br />
~ 0,1 K/s 50 - 200 K/s 1000 K/s<br />
Perlit Sorbit Bainit Martensit<br />
Troostit<br />
180 HV 250 HV 400 HV 1000 HV<br />
Sorbit und Bainit = fein- bis feinststreifiger<br />
Perlit mit submikroskopischen Lamellen<br />
Martensit = verzerrte kfz-Phase = verzerrte<br />
krz - Phase<br />
Ferrit = ist die weiche Komponente<br />
Feinere Lamellenstruktur bei höheren Abkühlraten<br />
wegen abnehmender C-Diffusion<br />
v Abk =0 v Abk 0,5% C<br />
Werkstofftechnologien 4.18
Martensitbildung<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Falls dT/dt < -v ok , entsteht kein Ferrit<br />
mehr (C- und Fe-Diffusion ineffektiv)<br />
• Kohlenstoff bleibt zwangsgelöst<br />
• Anstatt γ-α-Umwandlung:<br />
Gitterverzerrung des Austenits<br />
(Umklappen des Gitters)<br />
Werkstofftechnologien 4.19
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Umwandlung in der Martensitstufe<br />
Martensit<br />
massiver nadeliger<br />
Werkstofftechnologien 4.20
Martensitbildung abhängig vom C-Gehalt<br />
100% Martensit<br />
Von γ –> 0°C<br />
abgeschreckt
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Zeit - Temperatur - Schaubilder<br />
Eine detaillierte Dokumentation des<br />
Umwandlungsgeschehens erfolgt in sogenannten<br />
Z - T - Schaubildern<br />
• Steigende Temperatur mit Ziel Austenit<br />
ZTA - Schaubilder<br />
Austenitisierung<br />
Temperatur<br />
Zeit<br />
• Fallende Temperatur, ausgehend von<br />
Austenit → Perlit bis Martensit<br />
ZTU - Schaubilder<br />
Umwandlung<br />
Zwei Varianten<br />
• kontinuierlich: dT / dt = konstant<br />
• bei konstanter Temperatur<br />
→ Abschrecken auf End-Temp.<br />
→ Halten<br />
Referenzwerte: F. Weber et al., „Atlas zur<br />
Wärmebehandlung der Stähle“, Verlag<br />
Stahleisen, Düsseldorf, 1954 - 1976<br />
Werkstofftechnologien 4.22
ZTU - Schaubilder<br />
Beisp.: Stahl mit 0.45% C<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
kontinuierliche Abkühlung<br />
S<br />
Gleichgewicht<br />
konstante Temperatur<br />
Werkstofftechnologien 4.23
Härteverfahren<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Härten = Abkühlen von Temperatur<br />
oberhalb Linie G-S-K<br />
mit Geschwindigkeit, daß<br />
oberflächlich oder durchgreifend<br />
eine Härtesteigerung eintritt.<br />
HRC max<br />
50<br />
HRC<br />
Oberfläche<br />
Jominy-Test<br />
stirnseitige Abschreckung<br />
eines Stabs<br />
Einhärtungstiefe<br />
Härte nachher<br />
Härte vorher<br />
Aufhärtbarkeit: kennzeichnet maximal<br />
erreichte Härte; hängt ab von C-%<br />
Einhärtbarkeit: kennzeichnet erreichbare<br />
Tiefe (ET); hängt ab von Legierungselementen<br />
Prozess: Aufwärmen, Halten und<br />
Abschrecken in : • Wasser<br />
• Öl<br />
• Luft<br />
Werkstofftechnologien 4.24<br />
x
Vergüten<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Abgeschreckter Martensit ist hart und<br />
spröde. Verspannung wird durch Anlassen<br />
abgebaut.<br />
Anlassen = Wärmebehandlung unterhalb<br />
A 1 = 723°C<br />
Anlasstemperatur > Betriebstemperatur<br />
Vergüten = Härten + Anlassen<br />
Einfluß der Zeit<br />
Gesetz von Hollomon & Jaffe mit<br />
Härte = Funtion(P), mit P = T ⋅ (ln t + c)<br />
T = Temperatur in K, t = Zeit in s, c ≅ 10 - 20<br />
0.56% C<br />
Werkstofftechnologien 4.25
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
4.3 Legierungselemente im Stahl<br />
Legierte Stähle haben für wenigstens ein<br />
Element die Grenzwerte der Tabelle erreicht<br />
oder überschritten (DIN EN 10020)<br />
Legierungselement Grenzgehalt<br />
in Massen - %<br />
Al 0,1<br />
Bi 0,1<br />
Pb 0,4<br />
B 0,0008<br />
Cr 0,3<br />
Co 0,1<br />
Cu 0,4<br />
Lanthanide 0,05<br />
Mn 1,6<br />
Mo 0,08<br />
Ni 0,3<br />
Nb 0,05<br />
Se 0,1<br />
Si 0,5<br />
Te 0,1<br />
Ti 0,05<br />
V 0,1<br />
W 0,1<br />
Zr u. Sonst. (außer C,P,S,N,O) 0,05<br />
Werkstofftechnologien 4.26
Fe - Mischkristalle<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Die Elemente<br />
Cr - Al - Ti - Ta - Si - Mo - V - W<br />
„Craltitasimovw“ lösen sich bevorzugt im<br />
Ferrit (stabilisieren Ferrit auf Kosten des<br />
Austenits): sog. Ferritbildner<br />
krz<br />
Die Elemente Ni - C - Co - Mn - N<br />
„Niccomann“ stabilisieren Austenit:<br />
sog. Austenitbildner<br />
Werkstofftechnologien 4.27
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Einfluss der Legierungselemente<br />
• Bildung von Karbiden<br />
(sogn. Sonderkarbiden)<br />
Mn - Cr - Mo - W - Ta - V - Nb - Ti<br />
zunehmende Karbidbildungstendenz<br />
Mo 2 C, TiC, VC, ...: → Härtung<br />
höhere Verschleißfestigkeit<br />
• Bildung von Nitriden<br />
Al - Cr - Zr - Nb - Ti - V<br />
→ sehr harte Stähle (bis 1200 HV)<br />
• Verschiebung der Phasengrenzen im<br />
EKS<br />
Werkstofftechnologien 4.28
Einfluß auf Härtbarkeit<br />
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
Besonders Mn, Ni, Cr, Mo verzögern die<br />
Bildung von Perlit und Bainit;<br />
unterstützen Martensitbildung;<br />
auch bei kleineren Abkühlraten<br />
→ nebst Wasser-härtenden auch<br />
Öl- und Luft-härtende Stähle<br />
Werkstofftechnologien 4.29
4. EISEN UND STAHLWERKSTOFFE<br />
4.4 Bezeichnung der Stähle<br />
Verwirrende Parallelität von Normen<br />
DIN 17006, 17210<br />
Euronorm 27<br />
DIN EN 10027 Teile 1 u. 2, 10020<br />
Zwei Beispiele:<br />
• Legierte Stähle nach Euronorm 27<br />
13_CrMo_4_4<br />
4/4% = 1% Mo<br />
0,13%C 4/4% = 1% Cr<br />
Legierungselemente<br />
Cr, Co, Mn, Ni, Si<br />
Al, Be, Cu, Mo, Nb, Ta, Ti<br />
V, Zr<br />
P, S, N, C, Ce<br />
B<br />
Faktor 4<br />
Faktor 10<br />
Faktor 100<br />
Faktor 100<br />
• Kennzeichnung durch Werkstoff-Nr.<br />
(DIN EN 10027 T. 2)<br />
1. XX XX(XX)<br />
Nr Reserve<br />
1 = Stahl<br />
Stahlgruppe, z.B. 20 = Cr - Stähle<br />
21 = Cr - Si; Cr - Mn, CrMnSi -<br />
2 - 9: andere 50 = MnSiCu -<br />
Werkstoffe<br />
etc. etc. -Stähle<br />
Werkstofftechnologien 4.30
KAPITEL 5:<br />
NICHT-EISEN-METALLE<br />
• Kupfer<br />
CuZn, CuSn, CuNi<br />
• Aluminium<br />
Al + Cu, Mg, Zn, Si, Mn<br />
• Nickel<br />
NiFe<br />
• Titan<br />
TiAl, TiV<br />
• Platinmetalle<br />
• Blei<br />
PbSn, PbSb<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Weitere Metalle und Legierungen z. B. in<br />
Merkel oder Bargel/Schulze<br />
Werkstofftechnologien 5.1
5.1 Kupfer<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Reihe von hervorragenden Eigenschaften:<br />
• hohe elektrische Leitfähigkeit<br />
• hohe thermische Leitfähigkeit<br />
• Korrosionsbeständigkeit<br />
• bakterizide Wirkung<br />
Dichte 8,9 - 8,96 g / cm 3<br />
Schmelztemperatur Ts 1083 °C<br />
Elastizitätsmodul E 125 GPa<br />
therm. Ausdehnungskoeffizient<br />
αk 17×10-6 K-1 elektr. Leitfähigkeit σel 35 - 58×106 Ω-1m-1 therm. Leitfähigkeit χth 240 - 350 WK-1m-1 Zugfestigkeit Rm 200 - 360 N/mm2 200 - 360 MPa<br />
Bruchdehnung 2 - 45%<br />
Struktur kfz<br />
P-, Li-, Ca-, B-<br />
Spuren<br />
Kupfermetalle<br />
Legiertes<br />
Kupfer<br />
> 99% Cu<br />
Kupfer-<br />
Legierung<br />
< 99% Cu<br />
Werkstofftechnologien 5.2
4.2.1: Kupfer - Wichtige Legierungen<br />
Kupferlegierungen (< 99% Kupfer):<br />
Cu + Zn : Messing<br />
Cu + Zn + Ni : Neusilber<br />
Cu + Sn : Bronzen<br />
Cu + Ni + Mn : für E-Technik (Konstantan)<br />
Cu + Mn : für Schiffsschrauben<br />
Cu + Ag : Hochtemperaturlote<br />
-1 -<br />
Konstantan-Widerstand © FhG IFAM<br />
Messing-Krug<br />
Schiffsschraube: CuMn - Manganbronze<br />
© Wikipedia
Reinkupfer<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Höchste elektrische Leitfähigkeit nach Ag,<br />
hängt stark von Reinheit ab (siehe Kap. 4)<br />
Verwendung: E-Wirtschaft (70%)<br />
Wasserstoffkrankheit:<br />
Cu kann flüssig erhebliche Mengen Sauerstoff<br />
aufnehmen → Cu2O an Korngrenzen<br />
H ist ebenfalls in hohem Maß in Cu löslich:<br />
2 H + Cu 2 O 2 Cu + H 2 O<br />
→ Druck (~ 1000 bar), Poren, Trennungen<br />
→ Cu versprödet → Schrott<br />
Werkstofftechnologien 5.3
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Cu + neutrale oder alkalische H 2 O-Lösung<br />
stabil<br />
Cu + Säuren Korrosion<br />
Cu + Essigsäure Kupferacetat<br />
(Grünspan)<br />
Cu + H 2 CO 3 Patina,<br />
Kupfercarbonat<br />
Legiertes Kupfer (> 99 % Kupfer)<br />
Elemente zur Verbesserung der<br />
mechanischen Kennwerte<br />
Ag: “Lake-Kupfer”, bessere Kriechfestigkeit<br />
(Mischkristallbildung)<br />
Cr, Zr, Cd, Fe, P: Aushärtbare Werkstoffe<br />
verbesserte Festigkeit<br />
Aushärten:<br />
• Lösungsglühen: T < Tent Mk → homogene Phase<br />
• Abschrecken (Lösungsverfestigung):<br />
keine Segregation an Korngrenze<br />
• Auslagern (homogen verteilte<br />
Auscheidungen)<br />
Werkstofftechnologien 5.4
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Kupferlegierungen (< 99% Kupfer):<br />
• Cu + Zn : Messing<br />
• Cu + Zn + Ni : Neusilber<br />
• Cu + Sn : Bronzen<br />
• Cu + Ni : für E-Technik<br />
• Cu + Mn : für Schiffsschrauben<br />
Messing<br />
Werkstofftechnologien 5.5
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
α-Phase: kfz, verformbar → Tiefziehen<br />
β-Phase: krz, hohe Zugfestigkeit<br />
→ Zerspanen<br />
γ-Phase: spröd, unbrauchbar<br />
Pb (bis 3%): verbessert Zerspanbarkeit<br />
(Automatenmessing)<br />
Farbe von Messing:<br />
< 5% Zn: goldrot bis goldgelb<br />
5% - 15%: gelbgrün<br />
37%: sattgelb<br />
40% - 42%: rötlich<br />
Werkstofftechnologien 5.6
Bronzen<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Verwendung:<br />
Leitungen, Relaisfedern, Drähte<br />
Technisch relevant: < 14% Sn<br />
Träge Umwandlungen beim Abkühlen<br />
→ Seigerungen<br />
Homogenisierungsglühen nur bis ca. 6% technisch<br />
vertretbar<br />
(< 24 h bei 650 °C)<br />
Werkstofftechnologien 5.7
4.2.1: Kupfer-Silber Legierungen<br />
Anwendung als Hartlot<br />
Anwendung von Silber-Kupfer Hartlot beim Aufbau von Hochtemperatur-<br />
Mikrosystemen: Durchführung in Si 3N 4-Keramik zur elektrischen Kontaktierung<br />
an Abgassonde<br />
-4 -<br />
Cu-Ag<br />
Legierung
4.2.1: Kupfer-Silber Legierungen<br />
Phasendiagramm AgCu<br />
-3 -<br />
78 mol %
Cu-Ni-Legierungen<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
lückenlose Mischreihe, ferromagnetisch ab<br />
40% Ni<br />
Spezielle Legierungen:<br />
Manganin CuMn12Ni12 dρ<br />
------ = 0@300 K<br />
Konstantan CuNi44 dT<br />
CuNi45 → Maximum<br />
der Thermospannung<br />
Werkstofftechnologien 5.8
5.2 Aluminium<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Geringe Dichte, hohe Leitfähigkeiten,<br />
beständig an Luft und in Wasser, härtbar<br />
Eigenschaften:<br />
Dichte 2,7 g / cm3 Ts 660 °C<br />
E-Modul 68,67 GPa<br />
Poissonzahl ν<br />
elektr. Leitfähigkeit σel 0,34<br />
thermische Leitfähigkeit χth 230 WK -1 m -1<br />
Zugfestigkeit 39 - 117 MPa<br />
Bruchdehnung 1 - 45 %<br />
Struktur kfz<br />
3,77·10 7 Ω −1 m -1<br />
Chemische Eigenschaften<br />
Al an sich ist sehr reaktiv<br />
Al-Bauteile überziehen sich in Luft und wäßrigen<br />
Lösungen mit einer Oxidschicht<br />
→ Schutz gegen oxidierende Medien und<br />
verdünnte organische Säuren (HNO3 ,<br />
Lebensmittel)<br />
Werkstofftechnologien 5.9
Wichtigste Legierungstypen:<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
AlCuMg<br />
AlMgSi<br />
Cu AlZnMg<br />
Mg AlZnMgCu<br />
Al Zn AlMg<br />
Si AlMgMn<br />
Mn AlMn<br />
AlSi<br />
AlSiCu<br />
Löslichkeiten:<br />
aushärtbar<br />
nicht<br />
aushärtbar<br />
Elem. T eut [°C]<br />
Cu : 548<br />
Fe : 655<br />
Mn : 658<br />
Mg : 450<br />
Si : 577<br />
Werkstofftechnologien 5.10
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Binäre Legierungssysteme des Al<br />
ϑ = Intermetallische Verbindung Al 2Cu<br />
max. Löslichkeit: 5,7%<br />
β = Al 3Mg 2 ; max. Löslichkeit 15,35%<br />
Werkstofftechnologien 5.11
Al-Si<br />
max. Löslichkeit 1,64%<br />
extrem wichtig für IC-Technologien:<br />
Al-Kontakte auf Si zeigen "Spiking"<br />
Vorher: Nachher:<br />
Si<br />
Al<br />
SiN<br />
SiOx<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Si<br />
Si geht in Al in Lösung, Al-Spitzen dringen in Si ein,<br />
Emitterkontakt schließt durch Basis zu Kollektor<br />
kurz.<br />
Werkstofftechnologien 5.12
4.2.2: Aluminium als Funktionswerkstoff<br />
-7 -<br />
Ellingham-Diagramm: Verhalten der<br />
Bildungsenthalpie von Oxiden über der<br />
Temperatur. Wichtiges Werkzeug zur<br />
Schichtentwicklung<br />
Freie Enthalpie bei Normaldruck in<br />
Abhängigkeit von der Temperatur:<br />
G( T,<br />
p0)<br />
=<br />
H(<br />
T,<br />
p0)<br />
−T<br />
⋅S(<br />
T,<br />
p0)
Aushärtbare Legierungen<br />
Aushärten<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
• kalt: bei Raumtemperatur<br />
ca. 5 Tage: AlCuMg, AlMgSi<br />
ca. 90 Tage: AlZnMg<br />
• warm: 120 - 180 °C<br />
1 - 48 h: AlMgSi<br />
Werkstofftechnologien 5.13
4.2.2: Aushärtbare Al-Legierungen<br />
Mechanismus: Feinste kohärente Ausscheidungen blockieren<br />
Versetzungen. Wichtige Formeln zur Teilchenhärtung:<br />
Δτ =<br />
2Gb<br />
d<br />
Prozess der Ausscheidungshärtung<br />
1. Lösungsglühen<br />
2. Abschrecken<br />
3. Altern<br />
Bauteile aus aushärtbaren<br />
Legierungen<br />
Gb<br />
Δσ ≈ 2 3 :<br />
d<br />
d Teilchenabstand<br />
R8 ©Audi
Mechanische Eigenschaften<br />
ausgehärteter Al-Legierungen<br />
AlMgSi1 kalt*<br />
warm*<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
T Aushärt Rm [MPa] Rp0,2 [MPa]<br />
200<br />
320<br />
100<br />
260<br />
AlCuMg2 kalt 440 290<br />
AlZnMg1 kalt<br />
warm<br />
320<br />
360<br />
200<br />
280<br />
AlZnMgCu warm 530 470<br />
* korrosionsbeständig<br />
Werkstofftechnologien 5.14
Korrosionsverhalten<br />
Enstehung einer Oxidschicht<br />
bei Raumtemperatur:<br />
• nach Sekunden: ca. 1 - 2 nm<br />
• nach 10 Tagen: ca. 10 nm<br />
bei 600°C: ca. 100 μm<br />
Anodische Oxidation = Eloxieren<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Al positiv vorgespannt in H 2 SO 3 -Lösung<br />
→ elektrochemisches Wachstum von<br />
10 - 20 μm porösem Oxid<br />
Einlagern von Farbstoff in Poren<br />
→ beliebige "Färbung" von Al-Oberflächen<br />
Allg.: Oxid ist stabil zwischen pH 5 und 8<br />
Werkstofftechnologien 5.15
5.3 Nickel<br />
Dichte 8,88 g / cm 3<br />
T s<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
1453 °C<br />
E-Modul 210 GPa<br />
Therm. Ausdehnungskoeffizient<br />
αth 13·10-6 K-1 Zugfestigkeit 370 - 700 MPa<br />
Bruchdehnung 2 - 60 %<br />
Struktur kfz<br />
• hohe Korrosionsbeständigkeit!<br />
Chrom-Überzüge werden auf galvanische<br />
Ni-Schicht aufgalvanisiert.<br />
Ni ist porenfrei und schützt Bauteil vor Korrosion<br />
Cr glänzt und passiviert als Oxid<br />
• Ferromagnetismus, T C = 360 °C<br />
Magnetostriktion wird zur Ultraschallerzeugung<br />
genutzt.<br />
Werkstofftechnologien 5.16
4.2.3: Nickel<br />
Hohe Korrosionsbeständigkeit<br />
Chrom-Überzüge werden auf galvanische<br />
Ni-Schicht aufgalvanisiert<br />
Ni ist porenfrei u. schützt Bauteil vor Korrosion<br />
Cr glänzt und passiviert als Oxid<br />
Ferromagnetismus, T C = 360 °C<br />
Magnetostriktion wird zur Ultraschallerzeugung genutzt.<br />
Anwendungen:<br />
Vernickeltes Leadframe<br />
©Atotech<br />
Batterien (NiCd, NiMH), Stahl, vernickelte Schrauben, Leadframes,<br />
Diffusionsbarriere für Au in der Mikrosystemtechnik<br />
-8 -
Fe-Ni-Legierungen<br />
Ende der α/γ-<br />
Umwandlung beim<br />
Erwärmen<br />
Beginn der α/γ-<br />
Umwandlung beim<br />
Erwärmen<br />
Beginn der α/γ-<br />
Umwandlung beim<br />
Abkühlen<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
magn.<br />
Umwandlung<br />
• Ni ist ein Austenitbildner (Niccomann)<br />
• Im Bereich um 75% Ni → Überstruktur<br />
kann durch rasches Abkühlen vermieden<br />
werden<br />
• um 29% : T C ð Raumtemperatur<br />
Werkstofftechnologien 5.17
Thermische Ausdehnung<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Zwei Effekte:<br />
α = α Gitter + α MS<br />
α MS = Magnetostriktion<br />
(Längenänderung mit<br />
Magnetisierung M;<br />
M = M(T))<br />
α Gitter > 0<br />
α MS < 0<br />
Werkstofftechnologien 5.18
Wichtigste Legierungen<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
FeNi29 : Bei Raum-T unmagnetisch,<br />
Elektromaschinen, heute<br />
festere, billigere Legierungen,<br />
z.B. FeNi9Mn8Cr4<br />
FeNi36 : hohe Permeabilität, hoher elektrischer<br />
Widerstand (kleine Wirbelstromverluste<br />
in<br />
magnetischen Blechen)<br />
FeNi50 : hohe Anfangspermeabilität,<br />
hohe Sättigungsmagnetisierung<br />
FeNi75 : Permeabilität μ r Š 8000,<br />
sog. Permalloy<br />
NiCr20TiAl:<br />
Superlegierungen, bewahren<br />
Festigkeit bis 800 - 1000 °C<br />
(Härtung durch Ni 3Al-Ausscheidungen)<br />
R0,2 700 - 800 MPa<br />
RB 1 - 1,2 GPa<br />
E-Modul 215 GPa<br />
RB (104 h @ 750 °C) 200 MPa<br />
RB (104 h @ 800 °C) 100 MPa<br />
Werkstofftechnologien 5.19
4.2.3: Wichtigste Ni-Legierungen<br />
-9 -<br />
NiCr20: Hervoragende thermische Stabilität und geringe<br />
Temperaturabhängigkeit des elektrischen Widerstands.<br />
Anwendung als Dehnungsmessstreifen(DMS):<br />
R( T)<br />
= R0<br />
⋅(<br />
1+<br />
α ⋅ΔT<br />
)<br />
−1<br />
αNiCr = 0.<br />
002 K zum Vergleich<br />
αCu<br />
DMS-Vollbrücke: NiCr20 gesputtert auf Polyimid<br />
= 0.<br />
004 K<br />
−1
5.4 Titan<br />
Dichte 4,5 g cm -3<br />
Schmelz-Temperatur 1670 °C<br />
E-Modul 110 GPa<br />
Ausdehnungskoeff. αth 9×10-6 K-1 5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
• Ausgezeichnete Korrsionsbeständigkeit<br />
Titan-Oxid-Nitrid<br />
beständig gegen: oxidierende Säuren,<br />
Cl-Lösungen, Meerwasser<br />
Korrosion durch Fluß-, Schwefel-,<br />
Ameisensäure<br />
• Hohe Festigkeit gewisser Legierungen<br />
• Niedrige Dichte<br />
→ Flugzeug-, Motoren-, Strahltriebwerksbau<br />
→ chem. Apparatebau, Galvanotechnik<br />
• Aufwendige Herstellung: Aufschmelzen<br />
im Hochvakuum, sonst O, H, N, C<br />
→ Zähigkeit<br />
Werkstofftechnologien 5.20
α-Ti hdP bis 882 °C<br />
β-Ti krz 882-1670 °C<br />
Al unterstützt α-Phase<br />
V unterstützt β-Phase<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Übliche α-Legierungen enthalten bis 5,5%<br />
Al:<br />
- 1 Phase, gut schweißbar,<br />
- hohe Festigkeit bis 900 MPa,<br />
- belastbar bis 600 °C<br />
Werkstofftechnologien 5.21
β-Legierungen (krz)<br />
z.B. TiV<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
• sehr fest: R m bis 1500 MPa<br />
• jedoch nur bis 300 °C<br />
• Einzige in größeren Mengen hergestellte<br />
β-Legierung: TiV13Cr11Al3<br />
α+β-Legierungen<br />
z. B. Ti6Al4V, warmgehärtet, α-Partikel<br />
werden in β-Phase ausgeschieden.<br />
Zugfestigkeiten bis 1300 MPa < 400 °C<br />
Werkstofftechnologien 5.22
5.5 Platinmetalle<br />
Ru Ruthenium<br />
Rh Rhodium<br />
Pd Palladium<br />
Os Osmium<br />
Ir Iridium<br />
Pt Platin<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
• Pd ist ein H 2 -Schwamm<br />
saugt das 600- bis 3000-fache seines<br />
Volumens an H 2 auf<br />
• Pt und Pd: Katalysatoren<br />
Pt-Tiegel für Glasherstellung<br />
• Pt-Ir-Legierungen: korrosionsbeständig,<br />
hart (140-320 HB), lichtbogenfest<br />
→ Relaiskontakte<br />
• Os: E = 560 GPa<br />
Ir: E = 528 GPa<br />
• Pt: Äußerst stabile R(T)-Charakteristik<br />
→ T-Sensoren, z. B. Pt100-Elemente<br />
Werkstofftechnologien 5.23
5.6 Blei (Pb)<br />
Dichte 11,34 g / cm 3<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
Schmelz-Ts 327 °C<br />
Wärmeleitfähigkeit ϑT 34,75 Wm-1K-1 Therm. Ausdehnungskoeffizient<br />
αth 2,83×10-5 K-1 Elektr. Leitfähigkeit σel 4,82×106 Ω-1m-1 E-Modul 15,7 - 19,6 MPa<br />
Zugfestigkeit 10,8 - 18,6 MPa<br />
Bruchdehnung 50 - 70%<br />
Brinellhärte 4<br />
Giess- und formbar<br />
Verwendung:<br />
• Dichtungen<br />
• Behälterauskleidungen (H2SO4 )<br />
• Medizin- und Kerntechnik<br />
• Lote<br />
• Schriftmetalle<br />
• Pigmente<br />
Werkstofftechnologien 5.24
Blei-Legierungen<br />
PbSn-Lote:<br />
35 -90%<br />
Sn<br />
PbSb-Lote:<br />
T<br />
(°C)<br />
183<br />
T<br />
327<br />
5. NICHT-EISEN-METALLE<br />
a 19.5<br />
61.9 97.4 b<br />
a+b<br />
Pb Sn<br />
(°C)<br />
327<br />
247<br />
13%<br />
a+b<br />
95%<br />
Pb Sb<br />
PbSb-Legierungen sind aushärtbar<br />
(auch Hartblei genannt)<br />
z.B. PbSb3: 6 HB 25 HB<br />
• PbSnSb-Legierungen<br />
→ Lagermetalle (stat. und dynam. Belastbarkeit,<br />
Benetzbarkeit, Laufeigenschaften<br />
→ Schriftmetalle (klass. graph. Industrie)<br />
Werkstofftechnologien 5.25<br />
630<br />
b<br />
232
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
KAPITEL 6:<br />
TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN<br />
DER WERKSTOFFE<br />
Inhalt<br />
6.1 Mechanische Eigenschaften<br />
• Elastizität<br />
• Plastizität<br />
6.2 Thermische Eigenschaften<br />
6.3 Elektrische Eigenschaften<br />
6.4 Magnetische Eigenschafte<br />
• Magnetwerkstoffe<br />
• Materie im elektrischen Feld<br />
• Die Curietemperatur<br />
• Mechanismen der Magnetisierung<br />
Werkstofftechnologien 6.1
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.1 Mechanische Eigenschaften<br />
Gefordert:<br />
• Festigkeit<br />
• Zähigkeit<br />
• Niedrige Dichte<br />
Eigenschaften können abhängen von<br />
• Spannung<br />
• Belastungsgeschwindigkeit<br />
• Dauer der Belastung<br />
• Anzahl der Lastwechsel<br />
• Frequenz der Lastwechsel<br />
• Temperatur<br />
• Chemische Umgebung<br />
Genormte Tests<br />
• Zugversuch<br />
• Härtemessung<br />
• Kriechversuch<br />
• Ermüdungsversuch<br />
siehe<br />
unten<br />
Werkstofftechnologien 6.2
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Elastizität und Plastizität<br />
Zugversuch: Einachsige Belastung einer<br />
zylindrische Probe → stetig zunehmende<br />
Verlängerung → erforderliche Kraft wird<br />
gemessen<br />
σ<br />
Δl<br />
ursprüngliche<br />
Form<br />
l 0<br />
A 0 = Quersch.fläche<br />
Technische Spannung = Kraft/Fläche<br />
σ = F/A 0 [MPa] oder [N/mm 2 ]<br />
Technische Dehnung = relative Längenänderung<br />
ε = Δl/l 0 [•] od. [%]<br />
Wahre Dehnung<br />
ε w = ln (l/l 0)=ln (1 + ε)<br />
Werkstofftechnologien 6.3<br />
σ<br />
=<br />
F<br />
-----<br />
A0
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Resultat:Spannungs-Dehnungs-Diagramm<br />
σ ≡ R<br />
R p0.2<br />
R E<br />
R LE<br />
δ G<br />
R S<br />
σ < R M<br />
ε = 0.2%<br />
Fließen R M<br />
σ σ<br />
R R<br />
σ > R M<br />
1-100%, je nach Material<br />
RLE : Proportionalitätsgrenze (σ ~ ε)<br />
Linear elastischer Bereich ε < 0,01%<br />
RE : Elastizitätsgrenze: εplast < 0,05%<br />
Rp0,2 : Streckgrenze, Fließgrenze (Definit.)<br />
Nach Entspannen bleibt εplast = 0,2%<br />
Rm : Zugfestigkeit: maximale Spannung<br />
mit gleichförmiger Verformung<br />
RR : Bruchspannung σ σ<br />
RS : Streckgrenze (falls ε oder ε)<br />
δG : Gleichmaßdehnung<br />
Werkstofftechnologien 6.4
Bruch<br />
R m<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Metalle<br />
(symmetrisch)<br />
σ<br />
R S<br />
Zug<br />
R S<br />
Druck<br />
R m<br />
Bruch<br />
ε<br />
Keramiken, Gläser<br />
(asymmetrisch)<br />
σ Zug<br />
Bruch<br />
Bruch<br />
R S, Druck<br />
Druck<br />
Werkstofftechnologien 6.5<br />
ε
Beispiele<br />
σ [N/mm 2 ]<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Zugprobe Zugprüfmaschine<br />
ε [%]<br />
Werkstofftechnologien 6.6
Zugversuch<br />
F<br />
F<br />
Zugprobe<br />
Zugprüfmaschine<br />
Feste Traverse<br />
(Maschinenrahmen)<br />
Bewegliche Traverse<br />
Kraftsensor<br />
Temperierkammer<br />
PC Steuerung<br />
Feste Traverse<br />
(Maschinenrahmen)<br />
26.06.2011 T. Fellner -2-
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Bei der plastischen Verformung wird Arbeit<br />
W geleistet<br />
σ<br />
dW= Fdx W⁄ ( A0L) ≅ σ( ε)<br />
dε<br />
W<br />
-----<br />
A0 ε<br />
Werkstofftechnologien 6.7<br />
∫<br />
Arbeit pro Volumen<br />
Beispiel: Knautschzone<br />
Elastizität (Linear)<br />
Bei kleinen Verformungen (ε ≤ 10 -4 )<br />
besteht ein linearer Zusammenhang zwischen<br />
Spannung und Deformation. Es gilt<br />
ein verallgemeinertes Hooke’sches Gesetz<br />
σ ~ ε F F<br />
Hooke: F/A = E ε<br />
bei isotropen Materialien:<br />
E-Modul<br />
≡ Young-Modul<br />
Hooke ist noch nicht alles. Es fehlen:<br />
• Querkontraktion<br />
• Scherung<br />
• Kristalline Körper: Anisotropie
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Spannungen<br />
σyy σxx x<br />
z<br />
σ zz<br />
σ zz<br />
σ xx<br />
σyy y<br />
σ i > 0 ⇒ Zugspannungen<br />
σ i < 0 ⇒ Druckspannung<br />
1. Normalspannungen<br />
(≡ ⊥)<br />
σ xx , σ yy , σ zz<br />
(σ x , σ y , σ z )<br />
(bzgl. Außennormalen)<br />
Volumenelement “fiktiv”<br />
aus deformiertem Körper<br />
herausgeschnitten<br />
2. Tangentialspannungen ≡ Scherspann.<br />
x<br />
σ yz<br />
σ yx<br />
σ xy<br />
z σ xy<br />
σzy σzx σxz σxz σzx σzy σxy σyx σ yz<br />
σ yx<br />
Werkstofftechnologien 6.8<br />
y<br />
z y<br />
x<br />
σ xy<br />
Anstatt “σ ij ”<br />
auch “τ ij ”<br />
σ yx
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Gleichgewicht impliziert<br />
σ xy = σ yx ; σ yz = σ zy ; σ zx = σ xz<br />
d.h. 3 unabhängige Scherspannungen<br />
Der Spannungszustand eines Volumenelements<br />
ist vollständig charakterisiert durch<br />
die 6 Spannungen<br />
(σ xx , σ yy , σ zz , σ xy , σ yz , σ xz )<br />
Auch: (σ 1 , σ 2 , σ 3 , σ 4 , σ 5 , σ 6 )<br />
Verformungen:<br />
Position eines Punktes des Körpers:<br />
vor Verformung: (x, y, z) = r<br />
nach Verformung : (x’, y’, z’) = r+ δr() r =<br />
(x+u(x,y,z), y+v(x,y,z), z+w(x,y,z))<br />
1. Dehnungen / Stauchungen<br />
ΔL<br />
L 0<br />
x<br />
ε zz<br />
z<br />
y<br />
z z<br />
ΔL<br />
x<br />
= ------ ε<br />
x xx εyy L 0<br />
Werkstofftechnologien 6.9<br />
y<br />
y
Es gilt:<br />
ε xx<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
∂u<br />
= ----- ; ε<br />
∂x<br />
yy<br />
2. Scherungen<br />
z<br />
σ 4<br />
x<br />
σ 4<br />
σ 4<br />
σ 4<br />
Definition: ε xy<br />
ε yz<br />
ε xz<br />
y<br />
∂v<br />
= ----- ; ε<br />
∂y<br />
zz<br />
∂w<br />
------<br />
∂z<br />
Werkstofftechnologien 6.10<br />
=<br />
Analog in anderen<br />
Ebenen<br />
ε xy , ε yz , ε xz<br />
1<br />
--<br />
2<br />
u ∂ ∂v<br />
= ⎛---- + ----- ⎞ = ε<br />
⎝∂y∂x⎠ yx;<br />
1<br />
--<br />
2<br />
u ∂ ∂v<br />
= ⎛---- + ----- ⎞ = ε<br />
⎝∂y∂x⎠ zy;<br />
1<br />
--<br />
2<br />
u ∂ ∂v<br />
= ⎛---- + ----- ⎞ = ε<br />
⎝∂y∂x⎠ zx<br />
Jede Deformation eines Volumenelements<br />
ist (bis auf Rotation) vollständig<br />
beschrieben durch 6 Verformungen<br />
(ε xx , ε yy , ε zz , ε xy , ε yz , ε xz )<br />
auch (ε 1 , ε 2 , ε 3 , ε 4 , ε 5 , ε 6 )<br />
oder (ε x , ε y , ε z , γ xy , γ yz , γ xz )<br />
≡2ε x , ≡2ε x , ≡2ε x
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Spannungs-Verformungs-Beziehung<br />
Isotropes Material<br />
• 2 unabhängige elast. Koeffizienten<br />
E = Young-Modul = E(lastizitäts)-<br />
Modul<br />
ν = Poissonzahl ≅ 0,1 - 0,45<br />
εxx = { σxx – νσ ( yy + σzz) } ⁄ E<br />
εxy = σxy( 1 + ν)<br />
⁄ E<br />
Analog: x → y → z → x (Indizes 2x zyklisch<br />
vertauschen)<br />
• Umgekehrt<br />
σ xx<br />
σ xy<br />
=<br />
=<br />
E<br />
-------------------------------------- { ( 1 – ν)ε<br />
( 1 + ν)<br />
( 1 – 2ν)<br />
xx + νε ( yy + εzz) }<br />
E<br />
---------------- ε<br />
( 1 + ν)<br />
xy<br />
Analog: x → y → z → x (Indizes 2x zyklisch<br />
vertauschen<br />
Beispiel: Balken<br />
y<br />
z<br />
x<br />
σ x<br />
σ xy = σ yz = σ xz = 0<br />
σ y = 0<br />
σ z = 0<br />
σ z = 0 σ y = 0<br />
⇒ σ xx = Eε xx (Hooke’sches Gesetz)<br />
ε yy = ε zz = - νε xx<br />
(Querkontraktion)<br />
Werkstofftechnologien 6.11<br />
σ x
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Elastische Konstanten<br />
Material E[GPa] ν<br />
W 360 0,35<br />
α-Fe, Stahl 215 0,33<br />
Ni 200 0,31<br />
Cu 125 0,35<br />
Mg 45<br />
Al 72 0,34<br />
Pb 16 0,44<br />
CDiamant 1200<br />
Porzellan 58 0,23<br />
Si3N4 320<br />
SiC 500<br />
Kieselglas 76 0,17<br />
Plexiglas 4 0,35<br />
Polystyrol 3,5 0,32<br />
Hartgummi 5 0,20<br />
Gummi 0,1 0,42<br />
ν = 0: keine Querkontraktion<br />
ν = 0,5: uniaxiale Spannungen erhalten Volumen<br />
typische Spannungen: 0 → 1,0 GPa<br />
(1 bar = 0,1 MPa)<br />
Werkstofftechnologien 6.13
Plastische Verformung<br />
Gleitsysteme (Kapitel 2)<br />
Wandern von Versetzungen<br />
Zwillingsbildung<br />
Martensitische Umwandlung (Shape-Memory-Legierungen)<br />
Oberhalb der Elastizitätsgrenze R E werden diese<br />
Mechanismen wirksam<br />
=> Einfaches Modell der plastischen Verformung<br />
26.06.2011 T. Fellner -2-
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Bonddrähte: Au (Heraeus HD5)<br />
26.06.2011 T. Fellner -3-
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Temperaturabhängiges Spannungs-Dehnungs-Diagramm (Bonddraht: Au-HD5)<br />
kaltverformt<br />
weichgeglüht<br />
σ<br />
ε ges = + C ⋅σ<br />
E<br />
ε<br />
ε el pl<br />
n<br />
Stress, MPa<br />
Stress, MPa<br />
250<br />
200<br />
150<br />
100<br />
50<br />
0<br />
200<br />
150<br />
100<br />
kaltverformt<br />
0 0,01 0,02 0,03 0,04 0,05 0,06<br />
mit<br />
σ - mechanische Spannung<br />
ε - Dehnung<br />
50<br />
0<br />
E, C und n sind Materialparameter<br />
0 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1 0,12 0,14 0,16<br />
T=-40°C<br />
T=-20°C<br />
T=0°C<br />
T=23°C<br />
T=60°C<br />
T=100°C<br />
T=150°C<br />
Strain<br />
26.06.2011 T. Fellner -4-<br />
Strain<br />
weichgeglüht<br />
T=-40°C<br />
T= 0°C<br />
T= 20°C<br />
T= 60°C<br />
T=100°C<br />
T=150°C
Modell der plastischen Verformung<br />
Abgleitgeschwindigkeit Versetzung<br />
Versetzungsdichte : N = N + c⋅ε<br />
Nv v 0<br />
N 0 : Versetzungsdichte vor Verformung<br />
c: Materialkonstante<br />
Plastische Dehngeschwindigkeit:<br />
d<br />
v Nv<br />
b<br />
dt<br />
⋅ ⋅ =<br />
ε<br />
= & ε<br />
σ ~ σ p + Gb ε<br />
Erklärt Zunahme von σ oberhalb der Dehngrenze bzw.<br />
Streckgrenze:<br />
Im Zugversuch: ε& = konstant<br />
Plastische Verformung<br />
26.06.2011 T. Fellner -3-<br />
v<br />
⇒ ↑⇒ v ↓⇒σ<br />
↑<br />
N v<br />
σ ~ σ + Gb<br />
ε ~ N<br />
p<br />
v<br />
N<br />
daher:<br />
v
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Zugversuche an Bonddrähten aus Kupfer<br />
Spannungs-Dehnungs-Kurven bei unterschiedlichen<br />
Prüf-Temperaturen<br />
-40 °C<br />
ε = C ⋅σ<br />
pl<br />
200 °C<br />
n<br />
Elastischer Anteil vernachlässigt<br />
Zugfestigkeit???<br />
26.06.2011 T. Fellner -7-
Spannung [MPa]<br />
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Extraktion weiterer temperaturabhängiger Materialparameter<br />
aus den Spannungs-Dehnungs-Kurven von Kupfer<br />
Zugfestigkeit R m & Streckgrenze R p0,2<br />
Elastizitätsmodul E<br />
300<br />
270<br />
240<br />
210<br />
180<br />
150<br />
120<br />
90<br />
R m<br />
R p0,2<br />
-50 0 50 100 150 200<br />
Temperatur [°C]<br />
Prüf-<br />
-50 0 50 100 150 200<br />
Temperatur [°C]<br />
26.06.2011 T. Fellner -8-<br />
E-Modul [GPa]<br />
120<br />
105<br />
90<br />
75<br />
60<br />
Prüf-
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Zugversuche an Bonddrähten aus Kupfer<br />
Spannungs-Dehnungs-Kurven bei unterschiedlichen<br />
Prüf-Temperaturen<br />
-40 °C<br />
ε = C ⋅σ<br />
pl<br />
200 °C<br />
n<br />
Elastischer Anteil vernachlässigt<br />
Zugfestigkeit???<br />
26.06.2011 T. Fellner -5-
Spannung [MPa]<br />
Beispiele unterschiedlicher Materialien<br />
Extraktion weiterer temperaturabhängiger Materialparameter<br />
aus den Spannungs-Dehnungs-Kurven von Kupfer<br />
Zugfestigkeit R m & Streckgrenze R p0,2<br />
Elastizitätsmodul E<br />
300<br />
270<br />
240<br />
210<br />
180<br />
150<br />
120<br />
90<br />
R m<br />
R p0,2<br />
-50 0 50 100 150 200<br />
Temperatur [°C]<br />
Prüf-<br />
-50 0 50 100 150 200<br />
Temperatur [°C]<br />
26.06.2011 T. Fellner -6-<br />
E-Modul [GPa]<br />
120<br />
105<br />
90<br />
75<br />
60<br />
Prüf-
Festigkeit<br />
Polykristallines Material:<br />
Real:<br />
R S<br />
3<br />
10 −<br />
≅<br />
Grund: Wandern von Versetzungen<br />
E<br />
Gegenmittel: Härtungsmechanismen<br />
Fremdatome<br />
(Mischkristallhärtung)<br />
Versetzungen<br />
(Kaltverfestigung)<br />
Korngrenzen<br />
(Feinkornhärtung)<br />
Teilchen anderer Phasen<br />
(Teilchenhärtung)<br />
R + Δσ<br />
+ Δσ<br />
+ Δσ<br />
+ Δσ<br />
S = RS<br />
0<br />
KG<br />
v<br />
Hall - Petch - Beziehung Teilchenabstand<br />
M<br />
T<br />
R<br />
th<br />
S<br />
= σ ≅σ<br />
→ + Δσ<br />
M<br />
Spalt<br />
th<br />
1<br />
2 ~ c<br />
1<br />
2<br />
→ + Δσ<br />
v ~ GbN<br />
Schub<br />
th<br />
1<br />
−<br />
→ + Δ ~ 2<br />
KG KG D σ<br />
−1<br />
→ + Δσ<br />
T ~ GbDT<br />
≅ E<br />
2<br />
Beispiel<br />
CuNi<br />
Au-Draht<br />
Stähle<br />
Duraluminium<br />
Superlegierungen<br />
26.06.2011 T. Fellner -4-
Festigkeit<br />
Ideal<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Spaltfestigkeit<br />
Spalt<br />
σth Spalt<br />
σth Ideale Schubfestigkeit<br />
Schub<br />
σth τ th<br />
Gleitebene<br />
τth Schub<br />
σth Spalt<br />
, τth bei der Ebene als<br />
Normalspannung σth bei der alle Bindungen Ganzes gleitet<br />
gleichzeitig auseinander<br />
gerissen werden<br />
τth ≅ E ⁄ 6 (Einkristall)<br />
th<br />
polykrist. Material: RS =<br />
Spalt<br />
σth σth<br />
Schub<br />
≅ ≅ E ⁄ 2<br />
Real RS ≅ 10-3 E; Grund: Wandern von Versetzungen;<br />
Gegenmittel: Härtungsmethoden<br />
• Fremdatome (Mischkr.-Härt.)→ + ΔσM ~ c1/2 • Versetzungen (Kaltverfest.) → + Δσv ~ GbN1/2 – 1⁄ 2<br />
• Korngrenzen (Feinkornhärt.)→ + ΔσKG ~ DKG • Teilchen anderer Phasen<br />
(Teilchenhärtung) → + Δσ T ~ GbD T<br />
0<br />
RS = RS + ΔσKG + Δσv + ΔσM + ΔσT Hall - Petch - Beziehung Teilchenabst.<br />
Werkstofftechnologien 6.14<br />
– 1
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Bruchverhalten<br />
Bruch =Trennung eines Werkstoffes durch<br />
mechanische Beanspruchung<br />
Zwei Teilschritte<br />
• Rissbildung (im Innern, an Oberfläche)<br />
• Rissausbreitung<br />
Gewaltbruch: monotone Beanspruchung<br />
Ermüdungsbruch: schwingende Belast.<br />
Kriechbruch: thermische Belastung<br />
Spannungsrisskorrosion: chemische Belastung<br />
Sprödbruch: Bruch ohne vorangehende<br />
(im Gegens. zu<br />
zähen Werkst.)<br />
Spannung σ<br />
Sprödbruch<br />
plastische Verformung<br />
R M < R S (R E)<br />
Beisp: Si, Keramiken, Glas<br />
T Ü<br />
Spaltbruchspannung<br />
Streckgrenze<br />
R S<br />
Gleitbruch<br />
Werkstofftechnologien 6.15<br />
T
Rissbildung<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
τ<br />
σ<br />
τ<br />
Versetzungs - Stau<br />
Gleitebene<br />
Versetzung<br />
Korn<br />
Spaltung<br />
σ<br />
Korngrenze<br />
1. Bildung und Bewegung von<br />
Versetzungen im Korn<br />
2. Stau der Versetzungen an<br />
Korngrenzen<br />
3. Spaltung an Korngrenzen<br />
Werkstofftechnologien 6.16
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Härteprüfung<br />
Härte = Widerstand eines Körpers gegen<br />
Eindringen eines anderen<br />
• Brinell-Verfahren (DIN EN 10003)<br />
D≅10mm<br />
F<br />
D<br />
d<br />
gehärtete<br />
Stahlkugel<br />
h<br />
0.24 D < d < 0.6 D<br />
Brinellhärte HB 0.102 2F<br />
= -------------π<br />
DD D2 d2 ⋅ ------------------------------------------<br />
[N / mm ( – – )<br />
2 ]<br />
• Vickers-Verfahren (DIN 50133)<br />
Diamant-Pyramide anstatt Brinell-Kugel<br />
d<br />
136°<br />
d’<br />
Vickers-Härte: HV 0.102 2F<br />
( d′ ) 2<br />
= ⋅ ----------- cos22°<br />
Zugfestigkeit:<br />
RM ~ (3,5 - 4,5) × (HB od. HV)<br />
Werkstofftechnologien 6.17
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
• Rockwell-Härte (DIN EN 10109)<br />
Häufigste Methode: Messung der Tiefe<br />
eines Eindrucks<br />
Rockwell-<br />
Verfahren<br />
C A B<br />
Prüfkörper Diamantkegel 120°<br />
CONE<br />
Stahlkugel BALL<br />
1,5875 mm<br />
F 0 98,07 N 98,07 N 98,07 N<br />
F 1 1,373 kN 490,3 N 882,6 N<br />
F total = F 0 + F 1 1,471 kN 588,4 N 980,7 N<br />
Max. Eindringtiefe<br />
0,2 mm 0,2 mm 0,26 mm<br />
HR HRC=100- h<br />
--------------<br />
0.002<br />
HRA=100- h<br />
--------------<br />
0.002<br />
HRB=130- h<br />
--------------<br />
0.002<br />
Bereich 20 - 70 HRC 20 - 88 HRA 20 - 100 HRB<br />
Vergleich der Methoden<br />
Rm HR B<br />
HR C<br />
2400 120 600<br />
1600 80 400<br />
800 40 200<br />
0 0<br />
Stähle Hartmetalle Mittl. Härte<br />
HB<br />
HRB<br />
HB<br />
R m<br />
HRC<br />
0<br />
0 500 1000<br />
HV<br />
Werkstofftechnologien 6.18
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.2 Thermische Eigenschaften<br />
• Spezifische Wärme<br />
• Wärmeleitung<br />
• Thermische Ausdehnung<br />
• Schmelztemperatur<br />
• Latente Wärmen<br />
Spezische Wärme<br />
Änderung des Energieinhalts U mit der<br />
Temperatur<br />
dU( T)<br />
C = --------------- , U = Energie/mol<br />
dT<br />
Energieinhalt der<br />
• Gitterschwingungen (Phononen) bei<br />
(poly-)kristallinen Körpern (K, M, HL)<br />
• Elektronen (quantenmech. e - - Gas)<br />
≤ 2 % bei Metallen u. hochdotierten HL<br />
• Atomschwingungen (lokale Bewegung<br />
bei amorphen Materialien: Gläser<br />
(ähnlich wie Gitterschw., außer bei<br />
tiefen Temperaturen<br />
Werkstofftechnologien 6.19
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Gitterschwingungen (s. Festkörperphysik)<br />
= Phononen = kollektive Bewegung der<br />
Atome um Gleichgewichtslage:<br />
Wellen mit: Wellenlängen λ<br />
Geschwindigkeit v(λ)<br />
Therm. Aktivierung gemäß Quantenphysik<br />
→ Bose-Einstein-Statistik<br />
Debye - Modell: v(λ) ≡ v 0 = konstant<br />
CT ( ) = 9 NkB Gaskonst. R<br />
⎧<br />
⎨<br />
⎩<br />
ΘD ⁄ T<br />
⎛ T<br />
------- ⎞<br />
⎝ ⎠<br />
3 x4ex ex ( – 1)<br />
2 ∫ ------------------- dx<br />
J<br />
-----------mol<br />
K<br />
ΘD 0<br />
hv0 mit ΘD -------kB<br />
6π2 ⎛ N<br />
-------------⎞<br />
⎝ V ⎠<br />
13 /<br />
= Debye - Temperatur<br />
N/V = # Atome / Vol. ; R = 8,314 JK<br />
25<br />
3R<br />
Dulong-Petit-Gesetz<br />
20<br />
-1mol-1 C/Mol (J/MolK)<br />
15<br />
10<br />
5<br />
~T 3<br />
Debye Model<br />
0 50 100 150 200<br />
T [K]<br />
Werkstofftechnologien 6.20
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Beispiel Si + Ge<br />
C in cal K -1 mol -1<br />
6<br />
5<br />
4<br />
3<br />
2<br />
1<br />
Ge<br />
Werkstofftechnologien 6.21<br />
Si<br />
0 100 200 300 400<br />
Debye - Temperaturen Θ D , C<br />
T [K]<br />
C [J mol -1 K -1 ] c [J kg -1 K -1 ] Θ D [K]<br />
Fe 460<br />
CrNi-Stahl 510<br />
Al 24,35 900 380<br />
Cu 24,44 386 310<br />
Ti 530<br />
Ni 440<br />
Mg 1005<br />
a-Al 2 O 3 (Saphir) 79,04 775<br />
NaCl 50,50 864 281<br />
Si 20 1299,7<br />
Pb 26,44 127,6 86<br />
Ag 25,35 235 220<br />
Polystyrol 1050<br />
Nylon 1360<br />
C (Diamant) 6,11 508 1950<br />
bei 300 K
Wärmeleitung<br />
Transport von thermischer Energie durch Temperaturgradienten<br />
Temperaturgradient<br />
j W<br />
T 1<br />
T 1<br />
T 0<br />
0 l<br />
T 0<br />
A<br />
Fourier’s Gesetz: j W<br />
∇T<br />
=<br />
∂T<br />
-----<br />
∂x<br />
T ∂<br />
-----<br />
∂y<br />
T ∂ ⎛ , , ----- ⎞ K<br />
----<br />
⎝ ∂z⎠<br />
m<br />
Wärmefluß: JW [W]<br />
Wärmeflußdichte:<br />
=<br />
j W<br />
=<br />
– κ∇T<br />
JW ------<br />
A<br />
W<br />
m2 -------<br />
κ = Wärmeleitfähigkeit W<br />
-------- (auch λ)<br />
mK<br />
Mechanismen<br />
• Gitterschwingungen (Phononen)
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
• Elektronengas (quantenmechanisch)<br />
e- streuen u. diffundieren d. Werkstoff<br />
Allg. Zusammenhang (für Phononen u. e- )<br />
κ 1<br />
= --C volvl 3<br />
mit C vol = spezifische Wärme pro Volumen<br />
v = Geschwindigkeit<br />
l = Mittlere freie Weglänge zw. Kollisionen<br />
Wärmeleitwerte<br />
κ [W/mK] 300K<br />
W 178<br />
Al 247<br />
Cu 398<br />
Ag 428<br />
SiO2 (Glas) 1,45<br />
Al2O3 30<br />
MgO 37<br />
Si intrinsisch<br />
156<br />
Si monokristallin<br />
Al 2 O 3 (30 K) 2000<br />
Polystyrol 0,13<br />
Nylon 0,24<br />
Teflon 0,25<br />
Polyäthylen 0,38<br />
Werkstofftechnologien 6.23
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Temperaturabhängigkeit von κ<br />
κ<br />
0<br />
Zunahme<br />
von C (Debye)<br />
Beispiel: Ge<br />
κ [Wm -1 K -1 ]<br />
kristalline Materialien<br />
Abnahme von l<br />
(Streuung)<br />
amorphe Materialien<br />
≅ Debye-C, l ≅ konstant ≅ a<br />
T [K]<br />
10 4<br />
5000<br />
reines Ge<br />
2000<br />
1000<br />
500<br />
200<br />
100<br />
50<br />
20<br />
10<br />
12 51020 50 200<br />
100 500<br />
74<br />
natürliches Ge:<br />
20 % Ge 70<br />
27 % Ge 72<br />
8 % Ge 73<br />
37 % Ge 74<br />
8 % Ge 76<br />
T [K]<br />
Werkstofftechnologien 6.24
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Thermische Ausdehnung<br />
1<br />
α( T0) ----- L Δ 1<br />
------ -----<br />
ΔT<br />
dL<br />
= = ------ [K<br />
dT<br />
-1 ]<br />
L 0<br />
L 0<br />
ΔL = L (T 0 + ΔT) - L 0 ; L 0 = L(T 0 )<br />
Linear therm. Ausdehnungs-Koeff. [K -1 ]<br />
Therm. Volumenausdehnungskoeff.: αVol 1<br />
αVol ----- dV<br />
= ------ = 3α [K<br />
dT<br />
-1 ]<br />
V 0<br />
Metalle: (1. Grüneisen-Regel)<br />
0.02<br />
α ≅ ---------------<br />
TS( K)<br />
Keramiken<br />
α 0.038<br />
≅<br />
--------------- – 7×10<br />
TS( K)<br />
Werkstofftechnologien 6.25<br />
– 6
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Latente Wärmen<br />
Bei jeder Phasenumwandlung wird Wärme<br />
absorbiert (T ↑ ) oder freigesetzt (T ↓).<br />
Z.B.: Umwandlungswärme, Schmelz- bzw.<br />
Erstarrungswärme, Verdampfungs- bzw.<br />
Kondensationswärme, Sublimationswärme.<br />
Einheiten allg.: [kJ / mol]<br />
Richards-Regel<br />
Metalle<br />
Keramiken<br />
Schmelzwärme<br />
--------------------------------------------------- Ý<br />
Schmelztemperatur<br />
J<br />
8------------------<br />
mol ⋅ K<br />
Schmelzwärme<br />
--------------------------------------------------- Ý<br />
Schmelztemperatur<br />
J<br />
30------------------<br />
mol ⋅ K<br />
Werkstofftechnologien 6.26
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.3 Elektrische Eigenschaften<br />
Definition der elektrischen Leitfähigkeit<br />
jel = σE<br />
I = Ajel El. Feld [V/m]<br />
El. Leitfähigkeit<br />
Stromdichte [A/m 2 ]<br />
A<br />
--------<br />
Vm<br />
1<br />
---------<br />
Ωm<br />
Spezifischer Widerstand: ρ = σ - 1 [Ωm]<br />
Supraleiter ρ ≡ 0 : Metalle, Oxidkeramik<br />
Leiter 10 -8 Ωm < ρ < 10 -6 Ωm:Metalle<br />
Halbleiter 10 -5 Ωm < ρ < 10 6 Ωm :Ge, Si, InSb,<br />
GaAs,…<br />
Isolatoren 10 7 Ωm
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Kleiner Exkurs: Bandstruktur<br />
Von Elektronen zu besetzend Energiezustände<br />
bilden im Festkörper Energiebänder<br />
Atom<br />
Festkörper<br />
E<br />
E<br />
E2 Band 2<br />
E 1<br />
Band 1<br />
Wie im Atom werden Zustände von unten<br />
mit Elektronen besetzt:<br />
2 Elektronen pro Zustand (Spin ↑ oder ↓)<br />
Metall Isolator<br />
E<br />
E<br />
Band<br />
freie<br />
Zustände<br />
besetzte<br />
Zustände<br />
Leitungsband<br />
Energielücke<br />
E g<br />
Valenzband<br />
E g (Isolator) ≥ 3 eV; „g“ = gap<br />
Werkstofftechnologien 6.28
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Intrinsischer (= ideal reiner) Halbleiter<br />
E g (300K) = 0,66 eV: Ge E Leitungs-<br />
1,11 eV: Si<br />
1,43 eV: GaAs<br />
(1 eV = 1,602×10 -19 J)<br />
therm.<br />
Anregung<br />
band<br />
Werkstofftechnologien 6.29<br />
E g<br />
Valenzband<br />
Zusammengefaßt:<br />
Metalle, Leiter: teilweise gefülltes Band<br />
Isolator: ganz volles und ganz<br />
leeres Band<br />
Halbleiter: ähnlich Isolator aber<br />
genügend kleines E g<br />
„genügend klein“: Valenzelektronen werden thermisch in<br />
Leitungsband angeregt, unter Hinterlassung von<br />
„Löchern“ -> Leitung<br />
intrinsische Ladungsträger-Konzentration<br />
– ⁄ 2k BT<br />
ni( T)<br />
C T32 / e E = ⋅<br />
g [cm-3 ]<br />
Gilt für Elektronen und Löcher<br />
Bei T = 300 K (k B T = 26 meV)<br />
Si: n i = 1,45× 10 10 cm -3<br />
Ge: ni = 2,4× 10 13 cm -3<br />
GaAs: ni = 1,8× 10 6<br />
cm -3
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Weitere Energielücken<br />
C-Diamant E g ≅ 6 eV Isolator<br />
SiC 02,86 eV Hoch-T-HL<br />
InSb 0,18 eV Niedrig-T-HL<br />
In intrinsischen HL steigt n i , die Anzahl<br />
mobiler Ladungsträger, rapide mit T<br />
⇒ ρ sinkt mit zunehmender T (NTC)<br />
(sog. negativer Temperatur-<br />
Koeffizient des Widerstandes)<br />
Dotierte Halbleiter (extrinsische HL)<br />
„Verunreinigungen“, sog. Dotierstoffe, wie<br />
P, B, Sb, As, (Al) (in Si) führen zusätzliche<br />
Energiezustände ein.<br />
Donatoren Akzeptor<br />
ca.<br />
45<br />
meV<br />
P, Sb, As<br />
je 5<br />
Elektronen<br />
= 4 Valenz-e-<br />
+ 1 Donatoren-<br />
+ Niveau<br />
je 3<br />
Elektronen<br />
= 4 Valenz-e-<br />
+ 1 Akzeptor-<br />
+ Niveau<br />
ca.<br />
45<br />
meV<br />
Werkstofftechnologien 6.30<br />
B
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Bei Raumtemperatur sind:<br />
• Elektronen von Donatorniveaus therm.<br />
in Leitungsband angeregt<br />
n ≅ N D = Konz. der Donatoren<br />
nnnKonz. der e - im n-dotierten HL<br />
• Elektronen thermisch aus Valenzband in<br />
Akzeptorniveaus angeregt unter Hinter-<br />
lassung von Löchern im Valenzband<br />
p ≅ N A = Konz. der Akzeptoren<br />
nnnKonz. der Löcher im sog.<br />
nnnp-dotierten HL<br />
(10 14 -<br />
10 20<br />
cm -3 )<br />
Elektrische Leitfähigkeit ist die Kombination<br />
aus:<br />
1. Konzentration von mobilen Ladungsträgern<br />
(e - oder Löcher)<br />
2. Ladung pro Ladungsträger (-q od. +q)<br />
mq = 1,602×10 -19 C (Coulomb)<br />
3. Mobilität der Ladungsträger μn , μp n-dotierter HL p-dotierter HL<br />
σ = nqμ n<br />
σ = pqμ p<br />
Werkstofftechnologien 6.31
Elektronen- und Löchermobilität (μ n , μ p ) in Silizium bei 300K<br />
1425<br />
480<br />
Mobility (cm 2 /Vs)<br />
1500<br />
1400<br />
1300<br />
1200<br />
1100<br />
1000<br />
900<br />
800<br />
700<br />
600<br />
500<br />
400<br />
300<br />
200<br />
100<br />
0<br />
Total Dopant Concentration, NA + ND (atoms/cm 3 ) 1020<br />
1014 1015 1016 1017 1018 1019 μn μp < 100
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Mobilitäten μ n , μ p hängen ab von:<br />
• Reinheit des Halbleiters<br />
μ i (N A + N D )<br />
Gesamtkonz. der Verunreinigungen<br />
Grund : Ladungsträger streuen an<br />
ionisierten Verunreinigungen<br />
• Temperatur des HL<br />
Gründe: 1. Ladungsträger streuen an<br />
Phononen (Dichte = f(T))<br />
2. Streuung an Verunreinigungen<br />
= g(T)<br />
Werkstofftechnologien 6.33
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
El. Leitfähigkeit von Metallen<br />
1. Konzentration der mobilen Ladungsträger<br />
ist hoch: ≅ 10 22 -10 23 cm -3<br />
→ hohe elektrische Leitfähigkeit<br />
Leitfähigkeiten bei 300K<br />
Ag: σ =0,616×10 8 Ω -1 m -1 Co: 0,16×10 8 Ω -1 m -1<br />
Cu: 0,593×10 8 Ω -1 m -1 Ni: 0,14×10 8 Ω -1 m -1<br />
Au: 0,42×10 8 Ω -1 m -1 Fe: 0,10×10 8 Ω -1 m -1<br />
Al: 0,382×10 8 Ω -1 m -1 Cr: 0,08×10 8 Ω -1 m -1<br />
Mg: 0,224×10 8 Ω -1 m -1 V: 0,04×10 8 Ω -1 m -1<br />
Na: 0,218×10 8 Ω -1 m -1 Ti: 0,04×10 8 Ω -1 m -1<br />
Zn: 0,167×10 8 Ω -1 m -1 Hg: 0,011×10 8 Ω -1 m -1<br />
2. Konzentration der Ladungsträger<br />
hängt nicht von T ab<br />
3. Mobilität µ der Ladungsträger wird von<br />
zwei Größen beeinflußt :<br />
• Temperatur, über Phononenstreuung<br />
⇒ σ ≅ 1/T ⇔ ρ ≅ T<br />
⇒ PTC-Widerstände (positive TC)<br />
• Unordnung, z.B. in Mischkristallen<br />
Werkstofftechnologien 6.34
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
El. Leitfähigkeit von Legierungen<br />
1. Kristallgemisch 2. Mischkristall<br />
T SA<br />
T T<br />
S<br />
S + A S + B<br />
A + B<br />
T SB<br />
A B<br />
ρ ρA<br />
A B<br />
Beispiele<br />
elektrische Leitfähigkeit<br />
Verunreinigungen<br />
ρ B<br />
T T<br />
T SA<br />
T SB<br />
A B<br />
A B<br />
Werkstofftechnologien 6.35<br />
ρ<br />
0.6<br />
0.4<br />
0.2<br />
ρ A ρ B<br />
ρ [10 -6 Ωm]<br />
0<br />
Cu 20% 40% 60% 80% Ni<br />
44% Ni:<br />
Konstantan<br />
dρ<br />
------ = 0<br />
dT<br />
1<br />
--<br />
ρ<br />
dρ<br />
------ [K<br />
dT<br />
-1 ]<br />
6‰<br />
4‰<br />
2‰
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Dielektrische Eigenschaften<br />
• Materie reagiert auf äußere elektrische<br />
Felder durch Ladungsverschiebung<br />
→ Polarisation<br />
neutral.<br />
Festkörper<br />
+ - + - + -<br />
- + - + - +<br />
≅ + - + - + -<br />
+ - + - + - + - + - + - ≅<br />
E ext = 0<br />
- + - + - +<br />
+ - + - + -<br />
• Maxwell’sche Gleichung:<br />
∇ Eext<br />
⋅ ρwahr ⁄ ε0 - - - - - - -<br />
+ - + - + -<br />
+ - + - + - + - + - + -<br />
+ - + - + - + - + - + -<br />
- + - + -<br />
+ + + + +<br />
+ - + - + -<br />
neutral.<br />
E F.k.<br />
p<br />
- + - + -<br />
E ext ≠ 0 ≠ E ext<br />
= , ε 0 = 8,85×10 -12 As/Vm<br />
Div. (E-Feld) wahre, freie Ladungen<br />
• Analog für Polarisationsladungen:<br />
→ Polarisation P, resp. el. Polarisationsfeld Ep<br />
∇ Ep<br />
⋅ = ρpolaris. ⁄ ε0 (⇔∇ ⋅P= ρpolaris. )<br />
Divergenz der Polarisation (P-Feld)<br />
• Im Festkörper herrscht dann das Feld<br />
Etotal Eext+ Ep<br />
= od. Etotal = Eext – Ep<br />
E p ist E ext entgegengesetzt; dessen<br />
Effekt wird im Innern des Dielektrikums<br />
abgeschwächt<br />
Werkstofftechnologien 6.36
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
• In sog. dielektrischen Körpern (fast alle<br />
sind es) hängen Ep und Etotal linear<br />
zusammen:<br />
Ep = χEtotal (⇔P = χε0Etotal) dielektrische Suszeptibilität<br />
• Es folgt ( 1+ χ )Etotal = Eext<br />
oder<br />
=:<br />
εr Etotal = Eext<br />
⎧<br />
⎨<br />
⎩<br />
relative Dielektrizitätskonstante<br />
des Mediums<br />
d.h. das innere Feld ist um ε r schwächer<br />
als das außen angelegte.<br />
Dielektrizitätskonstanten<br />
Vakuum ε r = 1 Pb - Glas 19<br />
Luft (tr.) 1,0006 Gummi 3 - 30<br />
H 2 O-Dampf 1,007 Teflon 2,1<br />
Eis (268 K) 2,9 Polystyrol ≅ 2,5<br />
H 2 O (fl.) 81 Nylon 4<br />
SiO 2 -Glas 3,8 Neopren 6,3<br />
LiF 9 Papier 7,0<br />
Si 11,9 PVC 4,5<br />
MgO 9,65<br />
TiO 2 14 - 110 siehe Kapitel Keramiken<br />
Titanate 15 - 12000 z.B. BaTiO 3<br />
Werkstofftechnologien 6.37
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.4 Magnetwerkstoffe<br />
Ein Magnetfeld wird durch einen axialen<br />
Vektor beschrieben, der über die Lorentzkraft<br />
definiert ist<br />
F = q⋅⎛V× B⎞<br />
⎝ ⎠<br />
[ B]<br />
1 Vs<br />
------ 1 Wb<br />
= = -------- = 1Tesla<br />
m 2<br />
m 2<br />
1Wb( Weber)<br />
= 1Vs<br />
⎛ ⎞<br />
⎝ ⎠<br />
Betrag der Kraft auf einen Leiter B: J ⊥ B<br />
F = J ⋅ l⋅B B nennt man auch die magnetische<br />
Flussdichte oder Induktion<br />
Für eine Spule definiert man ein Magnetfeld:<br />
H<br />
n<br />
= -- ⋅ J [ H]<br />
l<br />
Werkstofftechnologien 6.38<br />
=<br />
A<br />
---m
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Die Maxwellschen Gleichungen in integraler<br />
Form besagen<br />
d<br />
4. ∫° Eds = – B<br />
dt<br />
∫ ndA<br />
=<br />
S<br />
5. Bds<br />
∫°<br />
S<br />
6. E n dA<br />
∫°<br />
A<br />
7. BndA ∫°<br />
A<br />
=<br />
=<br />
1<br />
---d<br />
dt<br />
c 2<br />
As ( )<br />
dθ<br />
–<br />
dt<br />
∫ EndA + μ0 ∫ jndA As ( )<br />
1<br />
---- ρdV ε 0<br />
∫<br />
VA ( )<br />
As ( )<br />
= 0 Das Magnetfeld ist quellenfrei<br />
Für die Selbstinduktion einer Spule gilt aufgrund<br />
der 1. Maxwell-Gleichung<br />
U<br />
=<br />
dθ<br />
– -----dt<br />
∫ μ 0 μ r<br />
mit θ Bn A d = =<br />
n<br />
⋅ ⋅ -- ⋅ J ⋅A<br />
l<br />
θ = magnetischer Fluss<br />
n<br />
für eine Windung: U – μ0<br />
μr -- A<br />
l<br />
dJ<br />
= ⋅ ⋅ ⋅ ⋅ ----dt<br />
n<br />
für n Windungen: U – μ0μr<br />
2<br />
-----A<br />
l<br />
dJ<br />
----- L<br />
dt<br />
dJ<br />
= = – ----dt<br />
L ist die Induktivität L<br />
[ ] 1 Vs<br />
= ------ =<br />
1Henry<br />
A<br />
Werkstofftechnologien 6.39
μ0 ⋅ ε0 6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
=<br />
B<br />
H<br />
--- μ0 1 26 10 6 – Vs<br />
= = , ⋅ --------<br />
Am<br />
1<br />
-----<br />
c 2<br />
c : Lichtgeschwindigkeit<br />
ε : Dielektrizitätskonstante<br />
μ 0 gibt den Einfluss von Materie im<br />
Magnetfeld an<br />
Das B-Feld eines stromdurchflossenen<br />
Drahtes der Länge L<br />
B<br />
μ 0<br />
= r = Abstand vom Leiter<br />
------<br />
2π<br />
L<br />
⋅ --<br />
r<br />
Linienintegral auf einem Kreis um den Leiter<br />
Bds<br />
∫°<br />
2π<br />
μ0 I<br />
= ∫ ------ ⋅ - ⋅ rdϕ =<br />
2π r<br />
Werkstofftechnologien 6.40<br />
0<br />
μ 0 J<br />
rdϕ ds<br />
=<br />
Ursache des Magnetismus sind bewegte<br />
elektrische Ladungsträger,vgl. Leiter,Spule
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.4.2 Materie im elektrischen Feld<br />
Wenn der Zusammenhang zwischen B<br />
und H untersucht wird, so zeigt sich, dass<br />
B durch Materie im magnetischen Feld<br />
beinflusst wird<br />
Es gilt: B = μ0 ⋅μr⋅ H<br />
μ r ist die relative Permeabilität<br />
Folgende Fälle sind unterscheidbar<br />
μr < 1<br />
μr ≥ 1<br />
leichte Feldschwächung diamagnetisch<br />
keine bis geringe Feldverstärkung<br />
paramagnetisch<br />
μr » 1 große Feldverstärkung ferromagnetisch<br />
μr » 1 große Feldverstärkung ferrimagnetisch<br />
μr = 1 + χm χm ist die magentische Sus-<br />
zeptibilität, M ist die durch<br />
M χ m H<br />
⋅<br />
= das H-Feld bewirkte zusätzliche<br />
Magnetisierung<br />
Werkstofftechnologien 6.41
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Quelle: Guy, Essentials of Material Science<br />
Schematische Illustration des atomaren Ursprungs der vier magnetischen<br />
Eigenschaften. Kein äußeres Magnetfeld ist vorhanden.<br />
Repräsentative Kurven der Anfangsmagnetisierung und Hysteresekurven<br />
für zwei Arten von ferromagnetischen Materialien. (Quelle Guy).<br />
Werkstofftechnologien 6.42
Eigenschaften repräsentativer hartmagnetischer Materialien<br />
Material Composition<br />
Wolfram-<br />
Stahl<br />
Alnico,<br />
Typ 5B<br />
Alnico,<br />
Typ 9<br />
Cunife,<br />
Type 1<br />
Seltene-<br />
Erden-<br />
Magnet<br />
Neodym-<br />
Eisen-Bor<br />
Typ N 27<br />
Vacodym<br />
722 HR<br />
Keramik,<br />
Typ 5<br />
Keramik,<br />
Typ 7<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
(Gew.-%)<br />
Remanenz<br />
B r<br />
Wb m2 ( ⁄ )<br />
Koerzitivkraft<br />
( μ0H) c<br />
Wb m2 ( ⁄ )<br />
metallische Legierungen (ferromagnetisch)<br />
Fe W C<br />
94,3 5 0,7<br />
1,0 0,007<br />
Fe Co Ni Al Cu<br />
51 24 14 8 3 1,3 0,065<br />
Fe Co Ni Al Cu<br />
39 35 15 7 4 1,1 0,15<br />
Energiedichte<br />
( BH)<br />
max<br />
J m3 ( ⁄ )<br />
2, 6 10 3<br />
×<br />
4, 4 10 4<br />
×<br />
8 10 4<br />
×<br />
Cu Fe Ni<br />
60 20 20 0,6 0,06 1, 5 10 4<br />
×<br />
Samarium-Cobalt,<br />
SmCo 5<br />
Fe Nd B<br />
72,3 26,7 1<br />
0,95 0,95 24 10 4<br />
×<br />
1,2 3,5<br />
Fe Nd B 1,4 1,2<br />
keramische Materialien (ferrimagnetisch)<br />
BaO ⋅ 6Fe2O3 SrO ⋅ 6Fe2O3 5, 12 10 5<br />
×<br />
4, 15 10 5<br />
×<br />
0,4 0,24 2, 8 10 4<br />
×<br />
0,34 0,33 2, 3 10 4<br />
×<br />
Werkstofftechnologien 6.43
Eigenschaften repräsentativer weichmagnetischer Materialien<br />
Material Composition<br />
reines<br />
Eisen<br />
Siliziumstahl<br />
kornorientierterSiliziumstahl<br />
Supermalloy<br />
Permalloy<br />
Metglas<br />
2605SA1<br />
Ferroxcube<br />
Typ A6<br />
Ferroxcube<br />
Typ B2<br />
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
(Gew.-%)<br />
relative<br />
Permeabilität<br />
μ r<br />
anfangs maximal<br />
Sättigungs<br />
-magnetisierung<br />
B s<br />
Wb m2 ( ⁄ )<br />
metallische Legierungen (ferromagnetisch)<br />
Fremdstoffe<br />
~ 0,1<br />
Fe Si<br />
95,75 4,25<br />
Fe Si<br />
96,75 3,25<br />
Ni Fe Mo<br />
79 16 5<br />
Ni Fe<br />
81 19<br />
(Mn, Zn)<br />
Fe 2 O 4<br />
(Ni, Zn)<br />
Fe 2 O 4<br />
0, 5 10 3<br />
× 2 10 4<br />
×<br />
1, 5 10 3<br />
× 0, 9 10 4<br />
×<br />
2 10 3<br />
× 4 10 4<br />
×<br />
2,15<br />
1,95<br />
2,0<br />
Koerzitivkraft<br />
( μ0H) c<br />
Wb m2 ( ⁄ )<br />
5 10 5 –<br />
×<br />
4 10 5 –<br />
×<br />
1 10 5 –<br />
×<br />
1 10 4<br />
× 1 10 5<br />
× 0,8 1 10 6 –<br />
×<br />
3 10 4<br />
× 7 10 4<br />
×<br />
___<br />
6 10 5<br />
×<br />
0,8<br />
keramische Materialien (ferrimagnetisch)<br />
1, 5 10 3<br />
×<br />
0, 3 10 3<br />
×<br />
3, 8 10 6 –<br />
×<br />
1,56 ___<br />
___ 0,4 4 10 5 –<br />
×<br />
___ 0,3<br />
4 10 5 –<br />
×<br />
Werkstofftechnologien 6.44
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Begriffe bei Hart- und Weichmagneten<br />
B r Remanenz: Magnetisierung bei feh-<br />
lendem äußerem<br />
Magnetfeld (H 0<br />
= )<br />
H c Koerzitivkraft: Äußeres Magnetfeld, bei<br />
dem die Magnetisierung<br />
Null wird (B = 0)<br />
BH<br />
( ) max Magne- Größte Rechteckfläche<br />
tische Energie- die unter die H-B-Kurve<br />
dichte: gelegt werden kann<br />
Werkstofftechnologien 6.45
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Magnetische Energiedichte<br />
300<br />
200<br />
100<br />
J<br />
m3 -------<br />
W-Leg. Stahl (1885)<br />
AlNiCo (1938)<br />
CoPt (1952)<br />
Ba - Ferrit (1954)<br />
CoSm (1969)<br />
Fe-Nd-B (1993)<br />
Werkstofftechnologien 6.46
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.4.3 Die Curietemperatur<br />
Die Sättigungsmagnetisierung von<br />
Magnetmaterialien sinkt mit steigender<br />
Temperatur<br />
M<br />
M S<br />
20°C<br />
Vor allem 3d-<br />
und 4f - Metalle<br />
T [K]<br />
Oberhalb einer bestimmten Temperatur<br />
verschwindet die zusätzliche Magnetisierung<br />
vollständig. Es kommt zum Übergang<br />
Werkstofftechnologien 6.47<br />
T C<br />
ferromagnetisch paramagnetisch<br />
d.h. B = μ0 ⋅ H μr ≈ 1<br />
Diese Temperatur nennt man Curie-Temperatur<br />
T C
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
M S [Gauss] T C [K] T C [°C]<br />
Bsp.: α-Fe 1707 1043 1316<br />
Co 1400 1400 1673<br />
Ni 485 631 904<br />
Cu 2 MnAl 500 710 983<br />
MnAs 670 318 591<br />
CrTe 247 339 612<br />
FeO Fe 2 O 3 480 858 1131<br />
MgO Fe 2 O 3 110 713 986<br />
M s : Sättigungsmagnetisierung<br />
T c : Koerzitivkraft<br />
Werkstofftechnologien 6.48
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
6.4.4 Mechanismen der Magnetisierung<br />
Kristalline Werkstoffe:<br />
• Auch ohne äußeres Magnetfeld sind die<br />
vom Elektronenspin der Atome herrührenden<br />
magnetischen Momente innerhalb<br />
kleiner Volumina parallel<br />
ausgerichtet.<br />
• Der Durchmesser dieser sog.<br />
Weiss´schen Bezirke beträgt etwa 10 6 – m<br />
bis 10 8 – m (10nm – 1000nm ).<br />
• Die Weiss´schen Bezirke sind Kristallographisch<br />
in "leichte" Richtungen oritiert,<br />
z.B. in , und des<br />
kubischen Kristalls.<br />
<br />
<br />
Werkstofftechnologien 6.49
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
Weiss´sche Bezirke sind durch Blochwände<br />
getrennt. Innerhalb der Blochwände<br />
dreht sich der Magnetisierungsvektor<br />
M<br />
M S<br />
M R<br />
0<br />
Magnetisierung in Feld-Richtung<br />
[110]<br />
[100]<br />
[111]<br />
H-Feld bzgl. Kristall<br />
15 30 45<br />
angelegtes<br />
äußeres Feld<br />
H ext [kAm -1 ]<br />
• Bei weichmagnetischen Materialien werden<br />
durch ein äußeres Feld H ext die<br />
Blochwände verschoben.<br />
• Die Weiss´schen Bezirke mit Magnetisierung<br />
in Feldrichtung dehnen sich aus<br />
H ext = 0<br />
H ext<br />
H ext < H 1 H ext >H 2 H ext > H 3<br />
Blochwand<br />
Werkstofftechnologien 6.50
6. TECHNISCHE EIGENSCHAFTEN DER WERKSTOFFE<br />
• Bei hartmagnetischen Materialien werden<br />
die Blochwände durch Ausscheidungen,<br />
Verunreinigungen,<br />
Korngrenzen festgehalten. Dies erzeugt<br />
einen Widerstand gegen Blochwandbewegung.<br />
• Sehr hartmagnetische Werkstoffe können<br />
nur noch durch "Umklappen" der<br />
Weiss´schen Bezirke mit starken<br />
Magnetfeldern ummagnetisiert werden.<br />
Bei Entfernen des externen Felds bleibt<br />
eine Magnetisierung erhalten.<br />
= Remanenz<br />
• Im Nanomaßstab feinkörnige Materialien<br />
aus Hartmagneten werden weichmagnetisch.<br />
Werkstofftechnologien 6.51
KAPITEL 7:<br />
ELEKTROCHEMIE<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
_____________________________________________<br />
Inhalt<br />
7.1 Grundlagen der elektrochemischen Korrosion<br />
7.2 Spezialfälle der Korrosion<br />
7.3 Galvanische Abscheidung<br />
Werkstofftechnologien 7.1
Ausfallursachen, oder wer ist schuld daran?<br />
ISO16750-(1-5): Road vehicles - environmental conditions for<br />
electronic equipment<br />
Motor<br />
www.imtek.de/avt<br />
Steuergerät<br />
ECU<br />
Jürgen Wilde / 25.5.2011 / 1<br />
elektrisch<br />
mechanisch<br />
(Vibration 20 %)<br />
klimatisch<br />
(Temperatur 55 %)<br />
chemisch<br />
(Feuchtigkeit 19 %,<br />
Staub 6 %)<br />
Umweltbedingungen als Fehlerursachen für<br />
elektronische Bauelemente, Güttler 2004
Was passiert bei Feuchteproblemen?<br />
Die „Gabel des Teufels hat drei Zacken“:<br />
1. Betauung - Elektronik wird nass<br />
2. Ionische Verunreinigung<br />
3. Elektrische Spannung<br />
www.imtek.de/avt<br />
Ein Metallbäumchen wächst.<br />
Kurzschluss: Es brennt ab.<br />
Ein neues Metallbäumchen wächst ...<br />
Quelle: J. Wilde u.a.: Reliability requirements ... MicroEngineering, Stuttgart, 1999<br />
Jürgen Wilde / 25.5.2011 / 2<br />
Elemente<br />
Si Sn<br />
Mg Pb<br />
Al<br />
Cl
7. ELEKTROCHEMIE<br />
7.1 Grundlagen der elektrochemischen Korrosion<br />
Beispiel 1: Rosten des Eisens<br />
4 Fe + 2H2O + O2 > 4Fe O OH Eisenhydroxid, „Rost“<br />
Rosten des Eisens in Gegenwart von schwefelsaurer<br />
Lösung (Industrieluft) nach Evans<br />
Beispiel 2: Auflösung des Aluminiums in Säuren<br />
Merke:<br />
Metallauflösung und<br />
Abscheidung<br />
2Al + 6 HCl > 2AlCl3 + 3 H2<br />
sind elektrochemische Prozesse<br />
Werkstofftechnologien 7.2
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Die Nernst’sche Gleichung:<br />
Für das Elektrodenpotential eines Metalls, das in eine<br />
Lösung seines Kations taucht, gilt:<br />
0,<br />
E = Eo<br />
+ z<br />
⋅logc<br />
z ist die Wertigkeit des Ions, z.B. z=+3 für Aluminium.<br />
c ist die Konzentration in mol/l.<br />
E o ist das Standard-Elektrodenpotential des jeweiligen<br />
Metalls und ist in der Elektrochemischen Spannungsreihe<br />
festgelegt.<br />
Werkstofftechnologien 7.3<br />
0592<br />
Metall Redoxsystem Normalpotential<br />
in V<br />
Magnesium Mg ⇔ Mg 3+ +3e -<br />
Ruhepotential<br />
Seewasser<br />
-2,363 -1,14<br />
Aluminium Al ⇔ Al 3+ +3e - -1,690 -0,67<br />
Zink Zn ⇔ Zn 2+ +2e - -0,763 -0,79<br />
Chrom Cr ⇔ Cr 3+ +3e - -0,710 -<br />
Stahl Cr Ni 18 8 - - -0,13<br />
Eisen Fe ⇔ Fe 2+ +2e - -0,440 -0,34<br />
Nickel Ni ⇔ Ni 2+ +2e - -0,253 -<br />
Zinn Sn ⇔ Al 2+ +2e - -0,160 -0,81<br />
Wasserstoff H2 ⇔ 2H + +2e - 0,000 -<br />
Kupfer Cu ⇔ Cu 2+ +2e - +0,350 +0,01<br />
Kupfer Cu ⇔ Cu + + e - +0,520 -<br />
Silber Ag ⇔ Ag + +e - +0,799 +0,15<br />
Gold Au ⇔ Ag 3+ +3e - +1,360 -<br />
Gold Au ⇔ Au + +e - +1,680 +0,24<br />
Spannungsreihe gegenüber Wasserstoff.<br />
Das absolute Potential eines Metalls ist nicht bekannt!
Korrosion<br />
In Lösung bringen der Metallionen durch:<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
1. Hydratisierung an der Oberfläche (Versetzungen)<br />
2. Transport durch eine elektrische Doppelschicht<br />
3. Diffusion und Elektrotransport des Metallhydrates<br />
(nach Kaesche)<br />
Werkstofftechnologien 7.4
Elektrische Vorgänge bei der Korrosion<br />
Anodische Oxidation: Elektronenabgabe<br />
(Positive Elektrode)<br />
Me > Me z+ +z e -<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Kathodische Reduktion: Elektronenaufnahme in Säure<br />
(Negative Elektrode)<br />
2H + +2 e - > H2<br />
2<br />
+ −<br />
[ H ][ OH ] −14<br />
mol<br />
2 = 10<br />
[ H ]<br />
2<br />
2O l<br />
Ionenprodukt des Wassers, d.h.<br />
H + und OH - sind in wässrigen Lösungen für jeden pH-<br />
Wert immer vorhanden!<br />
Für beide Redox-Prozesse gilt das Faradaysche Gesetz.<br />
Nach diesem ist die<br />
korrodierte Metallmenge ∝ umgesetzte Ladungen<br />
Korrosionsgeschwindigkeit ∝ Stromdichte Metallauflösung<br />
Q nMe<br />
⋅ z ⋅ F<br />
= bzw.<br />
Werkstofftechnologien 7.5<br />
n Me<br />
Q<br />
=<br />
z ⋅ F<br />
Q ist die ausgetauschte elektrische Ladung<br />
nMe: korrodierte Molzahl, z: Wertigkeit des Ions<br />
F: Faradaykonstante<br />
Für die abkorrodierte Schichtdicke d gilt<br />
d<br />
=<br />
n<br />
⋅ m<br />
ρ ⋅ A<br />
Me<br />
Me<br />
Q ⋅ mMe<br />
J ⋅ t ⋅ mMe<br />
= =<br />
z ⋅ F ⋅ ρ ⋅ A z ⋅ F ⋅ ρ ⋅ A<br />
mMe: Molmasse, ρ Dichte, A: Fläche<br />
Q<br />
t<br />
= ∫ 0<br />
J ⋅ dt
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Durch elektrische Messungen von J bzw. j=J/A kann<br />
man die Korrosionsrate eines Metalls in einem<br />
Medium (=Elektrolyten) bestimmen.<br />
Versuchsaufbau zur Messung von Stromdichte-<br />
Potential-Kurven (nach Kaesche)<br />
Galvanostat: Einprägen von Strom ME-GE<br />
Messen der Spannung an VE/ME<br />
Potentiostat: Vorgabe eines Potentials VE/ME<br />
Regeln des Stroms ME-GE<br />
links: Gegenelektrode: misst den Gesamtstrom<br />
Mitte: Messelektrode, aus dem untersuchten Metall,<br />
z.B. Aluminium, Eisen<br />
rechts: stromlose Vergleichselektrode Kalomel oder H2<br />
Werkstofftechnologien 7.6
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Stromdichte i–Potential-ε-Kurven bei der sauren Korrosion<br />
Metalloberfläche ist gleichzeitig Anode und<br />
Kathode, es fließt kein äußerer Strom, Js=0<br />
Das Stromgleichgewicht von anodischer und kathodischer<br />
Teilreaktion ist näherungsweise (Kaesche).<br />
Es gilt:<br />
j z<br />
s<br />
= j<br />
+ − j + = z ⋅C<br />
Me/<br />
Me<br />
H / H<br />
Me<br />
⎛ ε ⎞<br />
⋅exp<br />
⎜<br />
⎟ − C<br />
⎝ cMe<br />
⎠<br />
⎛ ε ⎞<br />
⋅exp<br />
⎜<br />
⎟<br />
⎝ cH<br />
⎠<br />
Am Ruhepotential εr oder Korrosionspotential εkorr gilt<br />
j<br />
s<br />
=<br />
j<br />
j<br />
s<br />
korr<br />
= j z+<br />
− j z<br />
Me/<br />
Me<br />
⎡ ⎛ ε −ε<br />
⋅ ⎢exp<br />
⎜<br />
⎣ ⎝ cMe<br />
korr<br />
H / H<br />
= 0<br />
⎞ ⎛ ε −ε<br />
⎟ − exp ⎜<br />
⎠ ⎝ cH<br />
Werkstofftechnologien 7.7<br />
korr<br />
H<br />
⎞⎤<br />
⎟<br />
⎟⎥<br />
⎠⎦
Tafelgeraden<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Halb-logarithmische Auftragung des Betrags der<br />
Stromdichte- Potentialkurven aus galvanostatischen<br />
oder potentiostatischen Messungen<br />
Ermittlung des Ruhepotentials εR, εkorr<br />
Ermittlung der Korrosionsstromdichte ik<br />
Berechnung der Abtragsrate aus dem Faraday-<br />
Gesetz<br />
Werkstofftechnologien 7.8
7.2 Spezialfälle der Korrosion<br />
7.2.1 Korrosionsverhalten von Aluminium<br />
Natürliche Oxidschicht von Aluminium<br />
Entstehung einer Oxidschicht<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
bei Raumtemperatur:<br />
nach Sekunden: ca. 1 - 2 nm<br />
nach 10 Tagen: ca. 10 nm<br />
bei 600°C: ca. 100 μm<br />
Das Oxid ist etwa zwischen pH5 und pH8 stabil.<br />
Eigenschaften von Passivschichten<br />
• Dicht gegen H2O, O2, Ionen<br />
• elektrisch isolierend oder halbleitend<br />
• haftfest auf Grundmetall<br />
• praktisch nicht löslich in H2O<br />
Anodische Oxidation = Eloxieren<br />
Al wird in H2SO3-Lösung positiv=anodisch polarisiert<br />
elektrochemisches Wachstum von 10 - 20 μm<br />
porösem Oxid<br />
Einlagern von Farbstoff in die Poren<br />
beliebige "Färbung" von Al-Oberflächen = „Eloxal“<br />
Werkstofftechnologien 7.9
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Das Aluminium-Oxid ist etwa zwischen pH5 und pH8<br />
stabil.<br />
Stromdichte-Potentialkurve eines passiven Metalls, hier<br />
Fe oder Al.<br />
Das Ruhepotential (Korrosionspotential) liegt normalerweise<br />
bei εR.<br />
Durch das Anlegen einer anodischen Spannung<br />
oberhalb von εp1 wird eine oxidische Deckschicht<br />
gebildet, die<br />
oberhalb von εp2 dicht und halbleitend/isolierend ist<br />
nur noch eine geringe Stromdichte ipass zulässt.<br />
Das Metall ist passiv.<br />
Beispiele: Al, Mg, Fe in H2SO4, Ti, Stahl mit Cr>13 %,<br />
X 12 Ni Cr 18 10, etc.<br />
Werkstofftechnologien 7.10
Das galvanische Element, Kontaktkorrosion<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Im stromlosen Zustand ergibt sich eine Potentialdifferenz,<br />
welche der Differenz der Ruhepotentiale der<br />
Elektroden entspricht.<br />
In Realität sind jedoch oft zwei Metalle in einer Lösung in<br />
elektrischem Kontakt miteinander: Beispiel Kupfer und<br />
Eisen:<br />
Werkstofftechnologien 7.11
Stromdichte-Potentialkurven der beiden Metalle<br />
A (=Fe) und C (=Cu)<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Bei der Kontaktkorrosion<br />
• wird an der Anode das unedlere Metall aufgelöst<br />
• wird an der Anode das edlere Metall geschützt<br />
• läuft an der Anode die Reduktionsreaktion,<br />
z.B. H2-Abscheidung ab<br />
Werkstofftechnologien 7.12
Möglichkeiten zum Verlust der Passivität:<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Lochfraß des Aluminiums (Engl.: Pitting Corrosion)<br />
Ist eine spezielle Kombination aus<br />
• Verlust der Passivität<br />
• Lokalelementbildung<br />
Mechanismus<br />
• Adsorption von Chlor an der Oberfläche<br />
• Lokales Anlösen von Al als AlCl3 * 6 H2O<br />
• Bilden eines kleinen Loches (Pit)<br />
• Ansäuern des Lochelektrolyten durch Protonen<br />
• Kleines Loch wird aktiv = Anode, hohe Stromdichte j<br />
• Aluminiumoberfläche: passive Kathodenfläche<br />
• Chlor verbraucht sich nicht!<br />
Werkstofftechnologien 7.13
Zusammenfassung Korrosionsverhalten<br />
Edle Metalle:<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
• Hohes, positives Potential<br />
• Teilreaktion Me/Me z+ hat positiveres Potential als die<br />
Rückreaktion z.B. H + /H2<br />
• Edelmetalle Au, Pd, Pt, Ir, Os, ...<br />
Unedle, aktive Metalle:<br />
• Negatives Potential<br />
• Teilreaktion Me/Me z+ hat negativeres Potential als<br />
H + /H2-Korrosion<br />
• Beispiele Fe, Cu, Ag, Sn<br />
Unedle, passive Metalle:<br />
Wie 2, aber es bilden sich Deckschichten aus dem Oxid<br />
Werkstofftechnologien 7.14
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Korrosionsschutz am Beispiel des Eisens<br />
Schutzverfahren Beispiel Schutz-Mechanismen<br />
Verhinderung H2O-, O2-<br />
Zutritt Passivierung<br />
Lackierung auf Mennige<br />
(Pb3O4), Zn-Lack, Chromaten<br />
Beschichtung<br />
Belegung der Oberfläche,<br />
Verhinderung des Zutritts<br />
von Korrosionsmedien<br />
Reines Eisen in konzentrierter<br />
Schwefelsäure<br />
Passivierung<br />
Korrosionsgefährdetes<br />
Metall wird zur Kathode<br />
Anlegung von Schutzpotential<br />
Opferanode aus Zn oder Al<br />
Kathodischer Schutz<br />
Kathodischer Schutz<br />
Aluminieren,<br />
Dichte Deckschichten<br />
Verzinken, ...<br />
Beschichtung mit unedlen<br />
passiven Metallen<br />
Dichte Deckschichten<br />
Gefahr bei Löchern (Pits)<br />
Verchromung,<br />
Verzinnung<br />
Beschichtung mit edleren<br />
Metallen<br />
Belegung der Oberfläche,<br />
Hemmung der Reaktion<br />
Inhibitorzugabe in Medium Hydrazin, N2H4 im Wasser<br />
bzw. Nassdampf<br />
Werkstofftechnologien 7.15
7. ELEKTROCHEMIE<br />
7.3 Galvanisierung:<br />
Die Galvanische Abscheidung von Nickel<br />
Es gilt das Faraday´sche Gesetz. Nach diesem ist die<br />
abgeschiedene Menge in Mol proportional der Ladung:<br />
Q nMe<br />
⋅ z ⋅ F<br />
= bzw.<br />
n Me<br />
Q<br />
=<br />
z ⋅ F<br />
Q ist die benötigte Ladung<br />
Q<br />
J ⋅ dt<br />
nMe: abgeschiedene Molzahl, z: Wertigkeit des Ions<br />
F: Faradaykonstante<br />
Werkstofftechnologien 7.16<br />
t<br />
= ∫ 0<br />
Für die abgeschiedene Schichtdicke gilt<br />
nMe<br />
⋅ m<br />
d = η ⋅<br />
ρ ⋅ A<br />
Me<br />
η ⋅ Q ⋅ mMe<br />
η ⋅ J ⋅ t ⋅ mMe<br />
= =<br />
z ⋅ F ⋅ ρ ⋅ A z ⋅ F ⋅ ρ ⋅ A<br />
mMe: Molmasse, ρ Dichte , A: Fläche, η⋅ Wirkungsgrad<br />
Teilreaktionen<br />
Edle Metalle scheiden sich besser auf unedlen Metallen<br />
ab als umgekehrt.<br />
Schichten:<br />
Nickel, Kupfer, Zinn, Zink, Chrom, Gold, Palladium,<br />
Silber, Kadmium<br />
Verchromen:<br />
Kupfer + Nickel + Chrom<br />
(Fahrradlenker, Hydraulikzylinder)
Galvanik-Bäder:<br />
Ni: Watt´s Bad (Ni-Sulfat, Chlorid)<br />
Ag: Zyanidisches Bad<br />
Au: Zyanidische Bäder, Sulfamat-Bäder<br />
7. ELEKTROCHEMIE<br />
Aus dem Faradayschen Gesetz folgt, dass die lokale<br />
Abscheiderate proportional der lokalen Stromdichte ist.<br />
• unterschiedliche Abstände<br />
• Feld-Konzentration an Spitzen<br />
Abhilfe:<br />
• Blenden Abstände (Konstruktion)<br />
• Stromfähige Bäder (Material)<br />
• Bewegung der Teile (Prozess)<br />
Werkstofftechnologien 7.17
KAPITEL 8:<br />
LITERATURVERZEICHNIS<br />
Inhalt<br />
8.1 Lehrbücher,<br />
Lehrbuchsammlung II UB<br />
8.2 Lehr- und Fachbücher,<br />
Fakultätsbiliothek<br />
8.3 Lehr- und Fachbücher, UB<br />
8.4 Lehr- und Fachbücher,<br />
sonstige Standorte in FR<br />
8.5 Wörterbücher<br />
8. LITERATUR<br />
Werkstofftechnologien 8.1
8. LITERATUR<br />
8.1 Lehrbücher,<br />
Lehrbuchsammlung II der UB<br />
Bargel, Hans-Jürgen<br />
Werkstoffkunde: 8., überarb. Aufl..<br />
Berlin; Heidelberg: Springer, 2004.<br />
ISBN 3-540-40114-8<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/407<br />
Bargel, Hans-Jürgen [Hrsg.]<br />
Werkstoffkunde: 7., überarb. Aufl..<br />
Berlin ; Heidelberg ; New York ; Barcelona; Hongkong ;<br />
Lon*: Springer, 2000.<br />
ISBN 3-540-66855-1<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/407<br />
Bargel, Hans-Jürgen [Hrsg.]<br />
Werkstoffkunde: Nachdr. der 6., überarb. Aufl..<br />
Berlin ; Heidelberg ; New York ; Barcelona; Hongkong ;<br />
Lon*: Springer, 1999.<br />
ISBN 3-540-65456-9<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/407<br />
Hornbogen, Erhard<br />
Werkstoffe: Aufbau und Eigenschaften von Keramik-,<br />
Metall-, Polymer- und Verbundwerkstoffen. 7. Aufl..<br />
Berlin ; Heidelberg [u.a.]: Springer, 2002.<br />
ISBN 3-540-43801-7<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/408<br />
Werkstofftechnologien 8.2
8. LITERATUR<br />
Merkel, Manfred; Thomas, Karl-Heinz<br />
Taschenbuch der Werkstoffe. 6., verb. Aufl..<br />
München ; Wien: Fachbuchverl. Leipzig im Carl-Hanser-<br />
Verl., 2003.<br />
ISBN 3-446-22084-4<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 620/36<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: Standnummer: LB 80/405<br />
Riehle, Manfred; Simmchen, Elke<br />
Grundlagen der Werkstofftechnik: 2., aktualisierte Aufl..<br />
Stuttgart: Dt. Verl. für Grundstoffindustrie;<br />
[Weinheim: Wiley-VCH], 2000.<br />
ISBN 3-527-30953-5, ISBN 3-342-00690-0<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/406<br />
Riehle, Manfred; Simmchen, Elke<br />
Grundlagen der Werkstofftechnik:<br />
Stuttgart: Dt. Verl. für Grundstoffindustrie, 1997.<br />
ISBN 3-342-00667-6<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LB 80/406<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WB/1.0/8<br />
Werkstofftechnologien 8.3
8. LITERATUR<br />
8.2 Lehr- und Fachbücher, Fakultätsbibliothek<br />
Askeland, Donald R.<br />
Materialwissenschaften: Grundlagen, Übungen, Lösungen.<br />
Akad. Verl., 1996.<br />
ISBN 3-86025-357-3<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WB/1.0/6<br />
Callister, William D.<br />
Materials science and engineering: an introduction.<br />
5. ed.. New York ; Weinheim: Wiley, 2000.<br />
ISBN 0-471-32013-7<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WB/1.0/10<br />
DeHoff, Robert T.<br />
Thermodynamics in materials science. 2. ed..<br />
Boca Raton [u.a.]: CRC Press, 2006.<br />
ISBN 0-8493-4065-9<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
HB/A.3/53<br />
Elßner, Gerhard<br />
Ceramics and ceramic composites: {materialographic<br />
preparation}. 1. ed..<br />
Amsterdam: Elsevier, 1999.<br />
Werkstofftechnologien 8.4
ISBN 0-444-10030-X<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WD/5.2/11<br />
8. LITERATUR<br />
Göpel, Wolfgang; Ziegler, Christiane<br />
Einführung in die Materialwissenschaften: (physikalischchemische<br />
Grundlagen und Anwendungen).<br />
Stuttgart ; Leipzig: Teubner, 1996.<br />
ISBN 3-8154-2111-X<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
Frei 91: AB/5.0/4<br />
Gottstein, Günter<br />
Physikalische Grundlagen der Materialkunde.<br />
Berlin ; Heidelberg [u.a.]: Springer, 1998.<br />
ISBN 3-540-62670-0<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WB/2.0/4<br />
Hornbogen, Erhard; Haddenhorst, Holger; Jost, Norbert<br />
Werkstoffe: Fragen, Antworten, Begriffe.<br />
3. Aufl - Berlin ; Heidelberg [u.a.]: Springer, 1995.<br />
ISBN 0-387-58186-3, ISBN 3-540-58186-3<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften.<br />
WB/1.0/3<br />
Hosford, William F.<br />
Physical metallurgy / William F. Hosford.<br />
Boca Raton [u.a.]: Taylor & Francis, 2005.<br />
ISBN 978-0-8247-2421-4, ISBN 0-8247-2421-6<br />
Werkstofftechnologien 8.5
Irene, Eugene A.<br />
Electronic materials science / Eugene A. Irene.<br />
Hoboken, NJ: Wiley-Interscience, 2005.<br />
ISBN 0-471-69597-1<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
EB/3.0/7<br />
8. LITERATUR<br />
Menges, Georg<br />
Werkstoffkunde Kunststoffe / G. Menges 5., völlig überarb.<br />
Aufl..<br />
München ; Wien: Hanser, 2002.<br />
ISBN 978-3-446-21257-2 und ISBN 3-446-21257-4<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WD/4.0/11 und HB/I.4/27<br />
Raabe, Dierk<br />
Computational materials science: the simulation of materials,<br />
micro-structures and properties.<br />
Weinheim: Wiley-VCH, 1998.<br />
ISBN 3-527-29541-0<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WA/3.2/2<br />
Ruge, Jürgen; Wohlfahrt, Helmut<br />
Technologie der Werkstoffe: für Studenten des Maschinenbaus<br />
und Bauingenieurwesens, der Verfahrenstechnik<br />
und der Werkstoffkunde. 6. Aufl..<br />
Braunschweig ; Wiesbaden: Vieweg, 2001.<br />
ISBN 3-528-53021-9<br />
Werkstofftechnologien 8.6
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WB/1.0/11<br />
8. LITERATUR<br />
Schulze, Dietrich<br />
Sehen, Verstehen, Gestalten:<br />
(Mikrostrukturen im Elektronenmikroskop).<br />
Frankfurt am Main: Werkstoff-Informationsgesellschaft,<br />
1998.<br />
ISBN 3-88355-260-7<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
AB/3.0/67<br />
Schumann, Hermann<br />
Metallographie / von Hermann Schumann. 13. Aufl.<br />
Stuttgart: Dt. Verl. für Grundstoffindustrie, 1991<br />
ISBN 3-342-00431-2<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissenschaften:<br />
WD/1.1/1<br />
Tisza, Miklós<br />
Physical metallurgy for engineers / M. Tisza. - 2. print..<br />
Materials Park, Ohio: ASM International, 2002.<br />
ISBN 0-87170-725-X<br />
Fakultätsbibliothek Angewandte Wissen<br />
schaften: WD/1.0/2<br />
Werkstofftechnologien 8.7
8.3 Lehr- und Fachbücher, UB<br />
Amelinckx, S. [Ed.]<br />
Handbook of microscopy. Band: Methods 1(1997).<br />
ISBN 3-527-29280-2<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: NA 97/25-1<br />
8. LITERATUR<br />
Frühauf, Joachim<br />
Werkstoffe der Mikrotechnik: Lehrbuch für Ingenieure.<br />
München ; Wien: Fachbuchverl. Leipzig im Carl Hanser<br />
Verl., 2005.<br />
ISBN 3-446-22557-9<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 620/1<br />
Meiners, Hermann [Hrsg.]<br />
Klinische Materialkunde für Zahnärzte<br />
München: Hanser, 1998.<br />
ISBN 3-446-19072-4<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Med 744/30<br />
Schatt, Werner [Hrsg.]<br />
Werkstoffwissenschaft. 9. Aufl..<br />
Weinheim: Wiley-VCH, 2003.<br />
ISBN 3-527-30535-1<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 620/39<br />
Schatt, Werner [Hrsg.]<br />
Werkstoffwissenschaft.<br />
8., neu bearb. Aufl..<br />
Werkstofftechnologien 8.8
Stuttgart: Dt. Verl. für Grundstoffindustrie, 1996.<br />
ISBN 3-342-00675-7|3-527-30956-X<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: TM 96/2132<br />
8. LITERATUR<br />
Weißbach, Wolfgang<br />
Werkstoffkunde und Werkstoffprüfung: [Lehr- und<br />
Arbeitsbuch für das Studium] Wolfgang Weißbach. - 14.,<br />
verb. Aufl..<br />
Braunschweig ; Wiesbaden: Vieweg, 2001.<br />
ISBN 3-528-01119-X<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 620/2<br />
8.4 Lehr- und Fachbücher,<br />
sonstige Standorte in FR<br />
Callister, William D.<br />
Fundamentals of materials science and engineering: an<br />
interactive e.text, 5. ed.<br />
New York [u.a.]: Wiley, 2001.<br />
ISBN 0-471-39551-X<br />
Fakultätsbibliothek Physik: FA 162 - [2]<br />
Callister, William D.<br />
Materials science and engineering: an introduction. 6. ed.<br />
New York: Wiley, 2003.<br />
ISBN 0-471-22471-5, ISBN 0-555-00205-5 (CD-ROM)<br />
Kristallographisches Institut: K/Callister<br />
Werkstofftechnologien 8.9
Gersten, Joel I.; Smith, Frederick W.<br />
The physics and chemistry of materials.<br />
New York ; Weinheim: Wiley, 2001.<br />
ISBN 0-471-05794-0<br />
Fakultätsbibliothek Physik: FA 193<br />
8. LITERATUR<br />
Grellmann, Wolfgang<br />
Deformation und Bruchverhalten von Kunststoffen.<br />
Berlin ; Heidelberg ; New York ; Barcelona; Budapest ;<br />
Hon*: Springer, 1998.<br />
ISBN 3-540-63671-4<br />
Fakultätsbibliothek Physik: Abt. 8<br />
Goodhew, Peter J.<br />
Materials science on CD-ROM: an interactive learning<br />
tool for students ; Version 2.1 für Microsoft Windows and<br />
Macintosh 2. ed.<br />
London: Chapman & Hall, 1998.<br />
ISBN 0-412-83660-2, 0-412-83670-X<br />
Kristallographisches Institut: P/Materials<br />
Hummel, Rolf E.<br />
Understanding materials science: (history, properties,<br />
applications).<br />
New York ; Heidelberg: Springer, 1998.<br />
ISBN 0-387-98303-1<br />
Fakultätsbibliothek Physik: FA 157<br />
Werkstofftechnologien 8.10
8. LITERATUR<br />
Hellerich, Walter; Harsch, Günther; Haenle, Siegfried<br />
Werkstoff-Führer Kunststoffe: Eigenschaften, Prüfungen,<br />
Kennwerte. 9. Aufl..<br />
München ; Wien: Hanser, 2004.<br />
ISBN 3-446-22559-5<br />
Bibliothek der Pädagogischen Hochs.: Tech C 150: 6<br />
Ludwig, Klaus [Hrsg.]; Biffar, Reiner<br />
Lexikon der zahnmedizinischen Werkstoffkunde<br />
Berlin [u.a.]: Quintessenz-Verl., 2005.<br />
ISBN 3-87652-310-9<br />
<strong>Universität</strong>sklinik für Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde<br />
46: 5/1/100<br />
Seidel, Wolfgang<br />
Werkstofftechnik: Werkstoffe, Eigenschaften, Prüfung,<br />
Anwendung ; mit zahlreichen Tabellen, Beispielen, Übungen<br />
und Testaufgaben. 6., neu bearb. Aufl..<br />
München ; Wien: Hanser, 2005.<br />
Bibliothek der Pädagogischen Hochschule:<br />
Tech C 10: 14<br />
Literatur: (Diffusion)<br />
G.Barton; "Elements of Green´s<br />
Functions and Propagation:<br />
Potentials, Diffusion, and Waves";<br />
Oxford University Press;<br />
ISBN: 0-19-851998-2<br />
Werkstofftechnologien 8.11
8.5 Wörterbücher<br />
8. LITERATUR<br />
Goetzel, Claus G.; Goetzel, Lilo K.<br />
English German dictionary of materials and process engineering:<br />
Munich ; Vienna ; New York: Hanser; Cincinnati: Hanser/<br />
Gardner, 1995.<br />
ISBN 3-446-17531-8|1-56990-148-1<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 629/14-1<br />
Goetzel, Claus G.; Goetzel, Lilo K.<br />
German English dictionary of materials and process engineering:<br />
Deutsch-englisches Wörterbuch der industriellen Werkstofftechnik.<br />
Munich ; Vienna ; New York: Hanser; Cincinnati: Hanser/<br />
Gardner, 1997.<br />
ISBN 3-446-17400-1|1-56990-221-6<br />
UB <strong>Freiburg</strong>: LS: Nat 629/14-2<br />
Werkstofftechnologien 8.12
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
Aufgabe 1: Elektronenstruktur<br />
Stellen Sie die Orbitale von<br />
• Beryllium<br />
• Magnesium<br />
• Titan<br />
• Zirkonium<br />
• Eisen<br />
tabellarisch dar.<br />
Aufgabe 2: Kristallgitter<br />
2.1 Zeichnen Sie die Einheitszellen von<br />
• Alpha-Eisen (Ferrit), Gitterkonstante a= 3,65 Angstrom<br />
• Gamma-Eisen (Austenit), Gitterkonstante a= 2,87 Angstrom<br />
Berechnen Sie die theoretischen Dichten der beiden Eisen-Modifikationen<br />
2.2 Zeichnen Sie die Einheitszelle von Beryllium bei Raumtemperatur<br />
Gitterkonstanten a= 2,26 Angstrom, c= ? Angstrom<br />
Berechnen Sie die theoretische Dichte des Berylliums<br />
Aufgabe 3: Kristallgitter<br />
3.1 Geben Sie folgende Ebenentypen des Alpha-Eisens an<br />
• Grundfläche Würfel<br />
• Grundflächendiagonale<br />
• Raumdiagonale<br />
Berechnen Sie die Gitterebenenabstände dieser Ebenen<br />
3.2 Geben Sie folgende Ebenentypen des Berylliums an<br />
• Grundfläche Sechseck<br />
• Eine Grundflächendiagonale, im Sechseck senkrecht stehend<br />
• Raumdiagonale Ebene: Grundflächendiagonale auf eine Ecke der Einheitszelle<br />
Jeweils als<br />
• Miller-Indices<br />
• Bravais-Miller-Indices (hexagonal)<br />
Hilfsmittel wie in Prüfung: Skriptum, Taschenrechner (nicht programmierbar)<br />
C:\Dokumente und Einstellungen\Hirnis\Desktop\Skript<br />
WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_1.doc - 1 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
Aufgabe 4: Kristallstrukturen<br />
4.1 Zeichnen Sie den Einlagerungs-Mischkristall zwischen Gamma-Eisen und<br />
Kohlenstoff.<br />
4.2 Zeichnen Sie den Kristall Ni3Al mit seiner Überstruktur<br />
4.3 Wie viele Nickel-Atome und wie viele Aluminium-Atome sind in einer<br />
Einheitszelle?<br />
Aufgabe 5: Versetzungen<br />
5.1 Zeichnen Sie das Gleitsystem des Gamma-Eisens mit einer Gleitebene und drei<br />
möglichen Gleitrichtungen.<br />
5.2 Bestimmen Sie die Länge des Burgersvektors von Gamma-Eisen (Austenit).<br />
Gitterkonstante a= 2,87 Angstrom<br />
5.3 Untersuchen Sie, ob die Aufspaltung in Teilversetzungen möglich ist.<br />
(Vektorbetrachtung und Energiebetrachtung)<br />
5.4 Bestimmen Sie ggfs. die Länge des Burgersvektors der Teilversetzungen!<br />
5.5 Zeichnen Sie das einfachste Gleitsystem des Alpha-Titans mit einer Gleitebene<br />
und drei möglichen Gleitrichtungen.<br />
Hilfsmittel wie in Prüfung: Skriptum, Taschenrechner (nicht programmierbar)<br />
C:\Dokumente und Einstellungen\Hirnis\Desktop\Skript<br />
WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_2.doc - 1 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
Aufgabe 6: Stähle, Eisen-Kohlenstoffdiagramm<br />
6.1 Sie kühlen den Austenit der eutektoiden Zusammensetzung langsam auf<br />
Raumtemperatur ab.<br />
Welche Gefügebestandteile können Sie dann bei Raumtemperatur in welchen<br />
Massenanteilen erkennen?<br />
Welche Phasen erscheinen bei Raumtemperatur? Wie sind die Massenanteile<br />
dieser Phasen?<br />
6.2 Man kühlt den Austenit der eutektoiden Zusammensetzung mit 1000 K/s schnell<br />
auf Raumtemperatur ab.<br />
Welche Gefügebestandteile und Phasen erscheinen bei Raumtemperatur?<br />
Wie sind die Massenanteile?<br />
6.3 Sie kühlen die Schmelze der eutektischen Zusammensetzung mit 0,1 K/s auf<br />
Raumtemperatur ab.<br />
Welche Phasen erscheinen bei Raumtemperatur? Wie sind ihre<br />
Massenanteile?<br />
Welche Gefügebestandteile erscheinen bei Raumtemperatur?<br />
Wie sind die Massenanteile?<br />
Hinweis:<br />
- Gehen Sie sequentiell von der Schmelztemperatur ausgehend vor.<br />
- Schreiben Sie die Einzelreaktionen auf.<br />
6.4 Ein Stahl mit 0,15 % C wird erschmolzen und mit 0,1 K/s auf Raumtemperatur<br />
abgekühlt.<br />
Bei welchen Temperaturen laufen welche Reaktionen ab.<br />
Welche Phasen und Gefügebestandteile erscheinen bei Raumtemperatur?<br />
Hinweis: Gehen Sie sequentiell von der Schmelztemperatur ausgehend vor.<br />
C:\Dokumente und Einstellungen\Hirnis\Desktop\Skript<br />
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Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
Aufgabe 6: Stähle, Eisen-Kohlenstoffdiagramm<br />
6.5 Reaktionen beim Schweißen I<br />
Sie schweißen einen kaltgewalzten Baustahl mit 0,15 % C mit dem Elektro-<br />
Handverfahren.<br />
• Neben dem Schmelzbad gibt es eine Wärmeeinflusszone in welcher der Stahl<br />
warm und wieder kalt wurde.<br />
• Für das Schmelzbad nehmen wir eine Abkühlzeit von 5 Sekunden an.<br />
• Die größte Abkühlgeschwindigkeit unterhalb von 1000°C liegt dabei bei etwa<br />
300°C pro Sekunde. Weiter weg von dem Schmelzbad wird die maximale<br />
Temperatur und die Abkühlgeschwindigkeit immer geringer.<br />
• Bei welchen Temperaturen laufen welche Reaktionen ab.<br />
• Zeichnen Sie qualitativ ein, welches Gefüge sich quer zur Schweißnaht ausbildet,<br />
d.h. welche Phasen und Gefügebestandteile erscheinen bei Raumtemperatur?<br />
Wie hart ist das Gefüge?<br />
Hinweis: Gehen Sie sequentiell von der Mitte und Schmelze aus vor.<br />
6.6 Reaktionen beim Schweißen II<br />
Beschreiben Sie, was bei den entsprechenden Temperaturen beim Schweißen eines<br />
Bauteils aus dem Stahl Ck45 mit 0,45 % C mit dem gleichen Elektro-Handverfahren<br />
passiert.<br />
Benutzen Sie das Fe-Fe3C-Diagramm und die beiden ZTU-Diagramme!<br />
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WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_4.doc - 1 -
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Aufgabe 7: Werkstoffprüfung, Spannungen und Dehnungen<br />
7.1 Spannung-Dehnung<br />
Sie prüfen eine Probe aus Stahl Ck45 im Zustand normalisiert, vergütet und gehärtet<br />
im Zugversuch, Seite 7.6. Die Probe hat einen runden Durchmesser von 1 mm² und<br />
sie ist 10 mm lang.<br />
1. Welche elastische Dehnung und welche Querdehnung wird bei der Streckgrenze<br />
erreicht? (normalisiert und vergütet)<br />
2. Welche elastische Dehnung, welche plastische Dehnung und welche<br />
Querdehnung wird bei der maximalen Spannung erreicht? Geben Sie auch die wahre<br />
Dehnung bei der maximalen Last an.<br />
3. Berechnen Sie die Verformungsenergie und die spezifische Verformungsenergie.<br />
7.2 Spannung-Dehnung, mehrachsig<br />
Sie prüfen die gehärtete Probe aus Stahl Ck45 im Zugversuch bis zu 50 % der<br />
Zugfestigkeit.<br />
1. Welche elastische Dehnung εx wird gemessen?<br />
2. Die Probe hat einen runden Durchmesser von 1 mm² und sie ist 10 mm lang.<br />
Geben Sie die Kräfte und Längenänderungen an.<br />
3. Neben der Zugspannung wird nun die Probe in einer Dickenrichtung mit gleicher<br />
Zugspannung σy gezogen. Welche elastische Dehnung εx wird gemessen?<br />
4. Neben der Zugspannung wird nun die Probe in einer Dickenrichtung mit gleicher<br />
Zugspannung σy auf Druck belastet. Welche elastische Dehnung εx wird gemessen?<br />
7.3 Spannung-Dehnung<br />
Sie prüfen eine Probe aus PMMA im Zugversuch. Die Probe hat einen quadratischen<br />
Querschnitt von 1 mm² und sie ist 10 mm lang. Formel S. 7.11.<br />
1. Sie ziehen die Probe 0,5 % in x-Richtung. In y und z kann die Probe machen, was<br />
sie will. Welche Kraft müssen Sie ausüben?<br />
2. Sie ziehen die Probe gleichzeitig um 0,5 % in x, y und z-Richtung. Welche Kraft<br />
müssen Sie dazu ausüben?<br />
3. Sie drücken die Probe 0,5 % in x-Richtung. In y und z kann die Probe sich nicht<br />
ausdehnen, weil sie in einem Rohr steckt. Welche Kraft müssen Sie ausüben?<br />
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WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_5.doc - 1 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
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Aufgabe 8: Werkstoffprüfung, Spannungen und Dehnungen<br />
8.1 Härteprüfung<br />
Sie prüfen eine Probe aus Stahl Ck45 in den Zuständen<br />
(Nr. 1, Nr. 5 und letzte der Abb. 3 der Übung 4) im Härteversuch nach Vickers.<br />
1. Welche Festigkeit wird im Zugversuch jeweils erreicht?<br />
2. Welche Härte wird bei der Brinellprüfung sowie Rockwell HRB und HRC erreicht?<br />
8.2 Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität<br />
Bauen Sie eine mikrosystemtechnische Heizerstruktur auf einer dünnen<br />
freitragenden Membrane.<br />
Die Membran ist 10 Mikrometer dünn und 20 Mikrometer breit.<br />
Sie ist 1 mm lang und wird in der Mitte auf 10 Mikrometer Länge geheizt.<br />
1. Die Membran besteht aus:<br />
SiO2, Al2O3, Silizium oder Diamant.<br />
Heizen Sie so, dass die Temperatur 200 °C nicht überschreitet, wenn die Umgebung<br />
auf 20 °C liegt.<br />
• Welche Leistung benötigen Sie dazu?<br />
• Wie ist die Wärmestromdichte?<br />
2. Die Membran besteht aus reinem Germanium.<br />
Heizen Sie so, dass die Temperatur 200 und 500 K nicht überschreitet, wenn die<br />
Umgebung auf Temperatur des LN2=77 K liegt.<br />
• Welche Leistung benötigen Sie dazu?<br />
• Wie ist die Wärmestromdichte?<br />
3. Berechnen Sie die Energie, die Sie für die Erwärmung von 20 auf 200 °C<br />
benötigen. Die mittlere Temperatur in der Schicht sei 100°C.<br />
Material SiO2 Silizium Germanium Diamant<br />
Dichte 2,2 2,32 5,32 3,51 g/cm³<br />
Quelle: CRC Handbook of Chemistry and Physics, CRC Press, Boca Raton, FL, USA<br />
8.3 Wärmeausdehnung<br />
Berechnen Sie, um wie viel sich die mikrosystemtechnische Heizerstruktur auf der<br />
freitragenden Membrane gegenüber dem Grundkörper aus Silizium in der Länge<br />
verändert! Die mittlere Temperatur in der Schicht sei 100°C.<br />
Wie hoch ist die mechanische Spannung in den Membranen aus SiO2, Al2O3,<br />
Silizium, Germanium oder Diamant?<br />
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WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_6.doc - 1 -
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Aufgabe 9: Elektrische und magnetische Eigenschaften<br />
9.1 Silizium, Ladungsträger, Leitfähigkeit<br />
1. Berechnen Sie die Ladungsträgerkonzentration von Silizium bei Temperaturen von<br />
250, 300, 350, 400, 450 und 500 K.<br />
2. Schätzen Sie näherungsweise die intrinsische Leitfähigkeit von Silizium bei<br />
Temperaturen von 250, 300, 350, 400, 450 und 500 K ab.<br />
2. Das Silizium ist nun dotiert mit:<br />
Bor 10 17 cm -3 sowie Bor 10 19 cm -3<br />
Phosphor 10 17 cm -3 sowie Phosphor 10 19 cm -3<br />
Schätzen Sie in den vier Fällen die extrinsische Leitfähigkeit des Silizium bei<br />
Temperaturen von 300 und 500 K ab.<br />
9.2 Elektrische Leitfähigkeit<br />
Sie bonden Ihre Mikrosysteme mit dünnen freitragenden Drähten von 25 Mikrometer<br />
Durchmesser und 2 mm Drahtlänge.<br />
Der Draht besteht aus:<br />
Kupfer, Kupfer mit 1 % Nickel, Nickel, Nickel mit 1 % Kupfer, Konstantan<br />
1. Berechnen Sie jeweils den Widerstand des Drahtes bei 300 K, 400 K und 500 K<br />
2. Der Bonddraht aus Kupfer führt durch Luft mit einer Wärmeleitfähigkeit von 10<br />
W/m²K. Die Stromstärke beträgt 0,25 Ampere.<br />
Berechnen Sie iterativ die Temperatur des Drahtes!<br />
Brennt der Draht durch?<br />
9.3 Dielektrische Eigenschaften<br />
Sie bauen Kondensatoren aus verschiedenen Materialien.<br />
Die Fläche beträgt 10 cm², die Schichtdicke ist 10 Mikrometer<br />
Das Dielektrikum ist Luft, SiO2, Silizium, Teflon (PTFE), Bariumtitanat und Papier.<br />
Berechnen Sie die elektrische Feldstärke und die Kapazität.<br />
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Name: ..............................<br />
Aufgabe 10: Werkstoffauswahl<br />
Für die folgenden Anwendungen sollen Sie jeweils einen metallischen Werkstoff<br />
auswählen. Geben Sie eine Metall- bzw. Legierungsart sowie jeweils eine spezielle<br />
Legierung an. Begründen Sie Ihre Auswahl, geben Sie ein oder zwei relevante<br />
Eigenschaften sowie typische Kennwerte mit den richtigen Einheiten an.<br />
Hilfsmittel: Skriptum<br />
10.1 Luftfahrt: Flugzeugturbine<br />
1. Wählen Sie einen Werkstoff für Turbinenschaufeln für Belastungen bis 400°C aus.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
2. Bestimmen Sie einen Werkstoff für Turbinenschaufeln für Belastungen bis 1000°C.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
3. Wählen Sie einen metallischen Werkstoff, um damit tragende, hoch belastete Teile<br />
für die Tragflächen von Verkehrsflugzeugen herzustellen.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
10.2 E-Technik: Leiterwerkstoffe, Messwiderstand, MST<br />
1. Ein Leiterwerkstoff, der für eine elektromechanische Anwendung hohe Ströme<br />
trägt und gut lötbar ist.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
C:\Dokumente und Einstellungen\Hirnis\Desktop\Skript<br />
WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_8.doc- 1 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
2. Ein Werkstoff für einen Messwiderstand, der bei hohen Strömen eingesetzt wird.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
3. Geben Sie einen Werkstoff an, um damit einen high-end Luftkühler für den PC<br />
herzustellen.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
4. Für einen magnetischen Aktor sollen Sie einen Elektromagneten herstellen. Das<br />
Magnetmaterial (kein Permanentmagnet) soll mit den Methoden der MST (PVD oder<br />
Galvanik) abscheidbar und bis 200 °C geeignet sein.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
5. Für einen Schallwandler benötigen Sie das beste Permanentmagnetmaterial, das<br />
Sie kennen.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
C:\Dokumente und Einstellungen\Hirnis\Desktop\Skript<br />
WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_8.doc- 2 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
10.3 Konstruktionen, Maschinenbau<br />
1. Sie bauen eine Apparatur, um Mikrostrukturen exakt zu vermessen. Weil die<br />
Apparatur relativ groß ist, besteht die Gefahr, dass sie durch Temperaturänderungen<br />
von wenigen Grad ihre Form und Dimension so stark ändert, dass das Messsystem<br />
nicht mehr funktioniert.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
2. Sie bauen im Labor eine regalähnliche Vorrichtung, die sehr stabil und<br />
kostengünstig ist und von der Werkstatt durch Schweißen hergestellt wird.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
3. Sie müssen eine Vorrichtung bauen bei der eine schnell drehende Welle hochfest<br />
und verschleißbeständig (hart) sein muss. Neben dem Werkstoff ist auch der<br />
Werkstoffzustand wichtig.<br />
Werkstoffart /Legierung/Behandlung:<br />
Begründung und Beschreibung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
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WT_X_2008\WT_2008_Wilde\Uebungen\WT_Uebung_2008_8.doc- 3 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
4. Für eine optische Vorrichtung müssen Sie einen Parabolspiegel aus einem<br />
kostengünstigen Material drehen, das sehr gut zerspanbar sein soll.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
5. Sie sollen im Druckguss billige Formteile aus einer Aluminiumlegierung herstellen.<br />
Werkstoffart /Legierung:<br />
Begründung:<br />
Eigenschaft 1: [ ]<br />
Eigenschaft 2: [ ]<br />
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Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
Aufgabe 11: Umwandlungsvorgänge und Diffusion<br />
11.1 Keimbildung<br />
Sie stellen einen Silberdraht durch Drahtziehen bei Raumtemperatur her. Durch<br />
Verfestigung stellt sich eine Versetzungsdichte von 10 12 cm -2 ein.<br />
Berechnen Sie die in den Versetzungen gespeicherte Arbeit (= freie Enthalpie)!<br />
Die Formel für die Versetzungsenergie lautet:<br />
(Bitte ergänzen!)<br />
Zu benutzende Werte:<br />
G=29,2 GPa, Gitterkonstante von Silber a=4,086 Angström.<br />
Gleitsystem von Silber:<br />
Burgersvektor b=<br />
Der Silberdraht muss geglüht werden, damit er wieder weich wird.<br />
1. Beschreiben Sie die Vorgänge bei der Rekristallisation des Silbers mit einer<br />
Skizze!<br />
2. Wie groß ist die minimale Korngröße, die überhaupt bei der Rekristallisation<br />
möglich ist? Die Korngrenzenenergie des Silbers beträgt 0,4 J/m².<br />
3. Berechnen Sie die kritische Keimgröße zum Beginn der Umwandlungsreaktion.<br />
Wir nehmen an, dass die gesamte Versetzungsenergie zur Verfügung steht.<br />
4. Berechnen Sie die Arbeit zur Bildung eines Rekristallisationskeims!<br />
11.2 Reaktionsgeschwindigkeit<br />
Eine Untersuchung von Balicki ergab, dass ε=10 % und 95 % verformtes Silber wie<br />
folgt reagiert:<br />
Der rekristallisierte Volumenanteil ist anfangs proportional der Zeit, später gehorcht<br />
er einem Avrami-Gesetz.<br />
Verformungsgrad ε 10 % 95 %<br />
Aktivierungsenergie Q 126 kJ/mol 58,6 kJ/mol<br />
Geschwindigkeitskonstante τ 10 0<br />
-12 h 0,33*10 -6 h<br />
⎛ Q ⎞<br />
Es gilt: τ = τ 0 ⋅exp⎜−<br />
⎟ ;<br />
⎝ R ⋅T<br />
⎠<br />
⎡<br />
x V<br />
⎢<br />
V = 1 − exp<br />
⎢<br />
−<br />
⎢⎣<br />
⎛ t ⎞<br />
= ⎜ ⎟<br />
⎝τ<br />
⎠<br />
⎤<br />
⎥<br />
⎥<br />
⎥⎦<br />
n<br />
, n=1<br />
Berechnen Sie den Umwandlungsgrad x nach 1, 3 und 10 Sekunden bei 300°C und<br />
500°C!<br />
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Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
Aufgabe 11: Umwandlungsvorgänge und Diffusion<br />
11.1 Keimbildung<br />
Sie stellen einen Silberdraht durch Drahtziehen bei Raumtemperatur her. Durch<br />
Verfestigung stellt sich eine Versetzungsdichte von 10 12 cm -2 ein.<br />
Berechnen Sie die in den Versetzungen gespeicherte Arbeit (= freie Enthalpie)!<br />
Die Formel für die Versetzungsenergie lautet:<br />
(Bitte ergänzen!)<br />
Zu benutzende Werte:<br />
G=29,2 GPa, Gitterkonstante von Silber a=4,086 Angström.<br />
Gleitsystem von Silber:<br />
Burgersvektor b=<br />
Der Silberdraht muss geglüht werden, damit er wieder weich wird.<br />
1. Beschreiben Sie die Vorgänge bei der Rekristallisation des Silbers mit einer<br />
Skizze!<br />
2. Wie groß ist die minimale Korngröße, die überhaupt bei der Rekristallisation<br />
möglich ist? Die Korngrenzenenergie des Silbers beträgt 0,4 J/m².<br />
3. Berechnen Sie die kritische Keimgröße zum Beginn der Umwandlungsreaktion.<br />
Wir nehmen an, dass die gesamte Versetzungsenergie zur Verfügung steht.<br />
4. Berechnen Sie die Arbeit zur Bildung eines Rekristallisationskeims!<br />
11.2 Reaktionsgeschwindigkeit<br />
Eine Untersuchung von Balicki ergab, dass ε=10 % und 95 % verformtes Silber wie<br />
folgt reagiert:<br />
Der rekristallisierte Volumenanteil ist anfangs proportional der Zeit, später gehorcht<br />
er einem Avrami-Gesetz.<br />
Verformungsgrad ε 10 % 95 %<br />
Aktivierungsenergie Q 126 kJ/mol 58,6 kJ/mol<br />
Geschwindigkeitskonstante τ 10 0<br />
-12 h 0,33*10 -6 h<br />
⎛ Q ⎞<br />
Es gilt: τ = τ 0 ⋅exp⎜−<br />
⎟ ;<br />
⎝ R ⋅T<br />
⎠<br />
⎡<br />
x V<br />
⎢<br />
V = 1 − exp<br />
⎢<br />
−<br />
⎢⎣<br />
⎛ t ⎞<br />
= ⎜ ⎟<br />
⎝τ<br />
⎠<br />
⎤<br />
⎥<br />
⎥<br />
⎥⎦<br />
n<br />
, n=1<br />
Berechnen Sie den Umwandlungsgrad x nach 1, 3 und 10 Sekunden bei 300°C und<br />
500°C!<br />
D:\Vorlesungen\Werkstofftechnologien\WT_2011\Uebungen\WT_Uebung_2011_9.doc- 1 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Name: ..............................<br />
11.3 Diffusion<br />
Cu Ni: D0 = 6×10 -9 m 2 s -1 , Q = 125 kJ mol<br />
Ni Cu: D0 = 10 -7 m 2 s -1 , Q = 150 kJ mol<br />
R=8,31 kJ /mol K<br />
Berechnen Sie, ob es bei Glühung bei 800°C zur Bildung von Kirkendall-Poren<br />
kommen kann.<br />
11.4 Diffusion<br />
Beim: Aufkohlen von Stahl arbeitet man im Austenitgebiet. Sie arbeiten zunächst bei<br />
950° um C in die γ-Fe-Oberfläche hinein diffundieren zu lassen. Die Konzentration<br />
beträgt dann etwa 1/2. Dazu packen Sie das Bauteil in Holzkohle.<br />
Die vorgegebene Tiefe der Aufkohlung beträgt x = 0,5 mm = 5×10 -4 m<br />
Die Diffusionskonstante bei 950 °C beträgt D = 1,18×10 -11 m 2 s -1<br />
Wie lange brauchen Sie dazu? Die Näherungsformel für die Zeit lautet<br />
⎛ x ⎞<br />
Exakt gilt: c = c0<br />
⋅ erfc⎜<br />
⎟<br />
⎝ 2⋅<br />
Dt<br />
⎠<br />
Wie lange müssen Sie bei 700°C für den gleichen Kohlenstoffgehalt glühen?<br />
Wie lange müssen Sie bei 700°C für die gleiche Diffusionstiefe glühen?<br />
D:\Vorlesungen\Werkstofftechnologien\WT_2011\Uebungen\WT_Uebung_2011_9.doc- 2 -
Übung zur Vorlesung „Werkstofftechnologien“<br />
Prof. Dr.-Ing. J. Wilde<br />
Hilfsmittel wie in der Prüfung:<br />
Skriptum, Taschenrechner (nicht programmierbar)<br />
Aufgabe 12: Werkstoffprüfung, Spannungen und Dehnungen<br />
12.1 Plastisches Spannungs-Dehnung-Diagramm<br />
Sie prüfen Kupferdrähte für die Leistungselektronik gemäß Skript und erhalten die<br />
Kurven von Rm und Rp0,2 über der Temperatur.<br />
⇒ Berechnen Sie den Spannungsexponenten bei -40, 70 oder 150 °C.<br />
Zur Vereinfachung: Die maximale Spannung wird immer bei ca. 20 % Dehnung<br />
erreicht.<br />
12.2 Noch ein Spannungs-Dehnung-Diagramm<br />
Der Saarstahl - 54SiCr6 wurde bei 350 °C und bei 500°C angelassen.<br />
Siehe Umdruck des Datenblatts<br />
⇒ Bestimmen Sie den Spannungsexponenten für die plastische Dehnung.<br />
⇒ Schreiben Sie die Gesamtdehnung als Funktion der Spannung als Formel hin<br />
⇒ Leiten Sie diese Formel zunächst her.<br />
12.3 Härte, Spannungen und Dehnungen<br />
In einer Elektro-Schweißnaht haben Sie den folgenden Härteverlauf mit dem<br />
Vickersverfahren HV0,1 gemessen. Pos. 1 mm = Mitte Schweißnaht.<br />
HV0,1<br />
220<br />
200<br />
180<br />
160<br />
140<br />
120<br />
100<br />
Härteverlauf<br />
0 5 10 15 20 25 30<br />
Position in mm<br />
HV0,1<br />
⇒ Was für ein Stahl liegt hier wahrscheinlich vor, d.h. welche Aussagen können<br />
Sie speziell über Zusammensetzung und Verformungsgrad treffen?<br />
⇒ Welche Zugfestigkeit hat der Grundwerkstoff und welche Zugfestigkeit werden<br />
die Bauteile quer zur Schweißnaht haben?<br />
⇒ Nehmen wir an, die Bruchdehnung im weichen Bereich sei A=20 %.<br />
Wie hoch ist dann die Dehngrenze Rp0,2?<br />
D:\Vorlesungen\Werkstofftechnologien\WT_2011\Uebungen\WT_Uebung_2011_10.doc - 1 -