im PDF-Dokument - Dr. Kalaitzis & Partner

kalaitzis

im PDF-Dokument - Dr. Kalaitzis & Partner

SCHRIFTLICHER MANAGEMENT-LEHRGANG IN 11 LEKTIONEN

Instandhaltung kompakt

Fachliche Leitung: Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis

2

Organisation und Arbeitsabläufe

Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis

Dr. Ekkehard Schweizer

Dr. Walter Hahn

LESEPROBE


Instandhaltung kompakt

Lektion 2

Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis

Dr. Ekkehard Schweizer

Dr. Walter Hahn

Organisation und Arbeitsabläufe

Hinweis des Herausgebers

© 2/2007, Herausgeber dieser Lektion des schriftlichen Management-Lehrgangs ist die EUROFORUM

Verlag GmbH, Düsseldorf. Wir weisen darauf hin, dass das Urheberrecht sämtlicher Texte und Grafi ken

in dieser Lektion bei dem/n jeweiligen Autor/en und das Urheberrecht des Lehrgangs als Sammelwerk

bei dem Herausgeber liegt. Die begründeten Urheberrechte bleiben umfassend vorbehalten. Jede Form

der Vervielfältigung z. B. auf drucktechnischem, elektronischem, optischem, photomechanischem oder

ähnlichem Wege – auch auszugsweise – bedarf der ausdrücklichen, schriftlichen Einwilligung sowohl des

Herausgebers als auch des jeweiligen Autors der Texte und Grafi ken. Es ist Lehrgangsteilnehmern und

Dritten nicht gestattet, die Lektionen oder sonstige Unterrichtsmaterialien zu vervielfältigen.

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis

Autoren

Prof. Dr. Dimitrios Kalaitzis ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Kalaitzis

& Partner GmbH. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind Instandhaltung, Instandhaltungs-Controlling

und Organisationshaftung, mit denen er sich seit mehreren

Jahren als Berater, Sachverständiger und Gutachter von Industrieunternehmen,

Ministerien und öffentlichen Betrieben beschäftigt. Er ist Professor an der International

School of Management in Dortmund und Lehrbeauftragter an der Otto-

Friedrich-Universität Bamberg.

2

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Dr. Ekkehard Schweizer

Autoren

Dr. Ekkehard Schweizer ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Kalaitzis & Partner

GmbH und Geschäftsführer der Dr. Kalaitzis & Partner GmbH Austria. Er

leitet den Fachbereich Supply Chain Management und Produktion innerhalb der

K&P Gruppe und hat umfangreiche Erfahrungen in den Branchen Pharma, Chemie,

Stahl, Metallverarbeitung, Konsumgüter und Automotive.

3

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Dr. Walter Hahn

Autoren

Dr. Walter Hahn ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Kalaitzis & Partner

GmbH und arbeitet seit 1987 als Berater im Bereich Technik und Instandhaltung

mit dem Branchenfokus anlagenintensive Prozessindustrien (Raffi nerien, Chemieindustrien,

Stahl- und andere Metallindustrien, Stromerzeugung und Betrieb von

Netzen).

4

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Inhalt

Inhalt

Zielformulierung 6

1 Organisationskonzepte der Instandhaltung 7

1.1 Anlagenwirtschaft als anlagenbezogenes

Life Cycle Management 7

1.2 Lean and Value-added-Maintenance 8

1.2.1 Grundkonzept und typische Bestandteile 8

1.2.2 Grundsätzliche Aufbauorganisation der Instandhaltung 10

1.2.3 Produktionsintegrierte Instandhaltung

(Total Productive Maintenance (TPM)) 12

1.2.4 Service-Center Technik 16

1.2.5 Outsourcing 17

1.3 Zentrale und/oder dezentrale Instandhaltungswerkstätten 18

1.4 Spezialwerkstätten 20

2 Arbeitsabläufe in der Instandhaltung 22

2.1 Überblick über wichtige Arbeitsabläufe in der Instandhaltung 22

2.2 Praktische Beispiele von ausgewählten Arbeitsabläufen 23

2.2.1 Ungeplante Instandsetzungen 23

2.2.2 Geplante Instandhaltungsmaßnahmen 25

2.2.3 Schwachstellenanalyse und -beseitigung 27

2.2.4 Fremdfi rmeneinsatz 28

2.3 Erfahrungen bei der Optimierung von Arbeitsabläufen 30

Zusammenfassung 32

Übungsaufgaben 33

Lösungen 34

Literaturverzeichnis 37

5

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Zielformulierung

Zielformulierung

Das Ziel dieser Lektion, „Organisation und Arbeitsabläufe“ ist es, Ihnen aktuelle

und wichtige Organisationskonzepte sowie Arbeitsabläufe der Instandhaltung vorzustellen

und zu erläutern.

Sie sollen in die Lage versetzt werden, die Zielsetzung mit aufbauorganisatorischen

Konzepten der Instandhaltung aufzuzeigen und dieses Konzept umzusetzen.

Neben bedeutsamen Arbeitsabläufen werden Sie wirkungsvolle Instrumente kennen

lernen, mit denen Sie die Arbeitsabläufe kontinuierlich verbessern können.

6

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

2 Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Neben den – Ihnen zuvor aufgezeigten – aufbauorganisatorischen Konzepten ist

es für die Erreichung der angestrebten Ziele der Instandhaltung wichtig, auch ihre

Arbeitsabläufe effektiv zu gestalten.

Abbildung 12: Kernarbeitsablauf der Instandhaltung

Arbeitsabläufe werden in der Praxis oft fälschlicherweise mit Geschäftsprozessen

gleichgesetzt, die eher eine strategisch-kundenbezogene Sicht auf wichtige, übergeordnete

Funktionen (z. B. Produktionsprozess, Vertriebsprozess) eines Unternehmens

haben. Arbeitsabläufe besitzen dagegen eine eher operative-technische

Sichtweise. Sie sind eine sinnvolle Abfolge von Aktivitäten mit der zentralen Frage

„wer, macht was, wann, wie und womit“.

Wir wollen nachfolgend den Kernarbeitsablauf der Instandhaltung behandeln und

darauf aufbauend einige ausgewählte Arbeitsabläufe ohne EDV-Einsatz darstellen.

7

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Arbeitsabläufe mit EDV-Einsatz werden Sie in Lektion 10 kennen

lernen.

2.1 Überblick über wichtige Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Eine Analyse der vielfältigen und vielschichtigen Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

von Unternehmen wird Ihnen leicht zeigen, dass es in diesem Bereich

einen sehr häufi g verwendeten Kernarbeitsablauf gibt. Dieser ist aus Abbildung 12

ersichtlich und enthält ablauforganisatorische Regelungen, Arbeitsbelege und Instrumente

zur sach- und wirtschaftsgerechten Arbeitsabwicklung. Er erstreckt sich

von der Erfassung einer Störung (auslösendes Ereignis) über die Instandhaltungsdurchführung

bis hin zu entsprechenden Auswertungsberichten (Reports).

Im Rahmen dieses Arbeitsablaufs werden die einzelnen Instandhaltungsmaßnahmen

mit dem dafür eingesetzten Personal, Material, Werkzeugen, Informationen etc. als

abgeschlossene Einheit in Form eines Instandhaltungsauftrages betrachtet.

Ausgehend von diesem Kernarbeitsablauf lassen sich grundsätzlich die nachfolgend

genannten

• wichtigen Arbeitsabläufe und

• unterstützenden Arbeitsabläufe

in der Instandhaltung unterscheiden.

Wichtige Arbeitsabläufe sind u. a.:

• Erkennen und Festlegen der Instandhaltungsbedarfe

(relevante Anlagen und -teile, Zustände, Zyklen, Aufwände …)

• Durchführung einer technischen Klärung

(Störungsart, Bedarf, notwendige Maßnahmen …)

• Erstellung einer Instandhaltungsplanung/Arbeitsvorbereitung

(Prioritäten, Kostenvoranschlag, Termine, Kapazitäten …)

• Leistungsvergaben

(Einzelbeauftragung, nach Standardleistungsverzeichnis …)

• Durchführung der Instandhaltungsmaßnahmen

(Wartung, Inspektion, Instandsetzungen, Revisionen …)

Dokumentation der Instandhaltung

• Auswertungen und Erfahrungsrückfl uss

(Reports, Schwachstellenanalyse …)

Unterstützende Arbeitsabläufe sind u. a.:

• Verwaltung und Pfl ege der Anlagendokumentation

• Personaleinsatz (Kapazitäten bestimmen, Qualifi zierung …)

• Fremdfi rmeneinsatz (Beschaffung, Vertragsgestaltung, Überwachung …)

8

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

• Ersatzteilbewirtschaftung (Beschaffung, Lagerung, Optimierung …)

• Kaufmännische Leistungsabrechnung

(Anlagenbuchhaltung, ILV, Kostenrechnung …)

• Controlling

(Budgeterstellung, Soll-Ist-Vergleiche, Abweichungsanalysen …)

• Arbeitssicherheit

• Einhaltung gesetzlicher Regelungen

• Archivierung

Nachfolgend werden Ihnen hieraus einige praktische Beispiele von ausgewählten

Arbeitsabläufen dargestellt und erläutert.

2.2 Praktische Beispiele von ausgewählten Arbeitsabläufen

2.2.1 Ungeplante Instandsetzungen

Ungeplante Instandsetzungen zeichnen sich dadurch aus, dass unvorhergesehen

eine Störung oder ein Anlagenausfall entsteht und derartige Maßnahmen notwendig

werden. Bei wichtigen Anlagen sind diese Maßnahmen sofort zu erbringen, um

hohe Kosten (Instandhaltungs- und Anlagenausfallkosten) zu vermeiden.

Ein praktisches Beispiel aus der metallverarbeitenden Industrie für den Arbeitsablauf

„ungeplante Instandsetzungen“, der mit dem zuvor dargestellten Kernarbeitsablauf

weit gehend übereinstimmt, gibt Ihnen Abbildung 13 wieder.

9

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Fremdfirmeneinsatz

Instandhaltung

Leitstand AV /Meister

FiBu

Zentrale Bereiche

KoRe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Produktion 1 Produktion 2 Produktion 3 Produktion 4

... ...



IH-Controlling

Werkstätten

Hiernach erfolgt der Arbeitsablauf wie folgt:

Materialwirtschaft

Fibu

Lager

Abbildung 13: Ablauf ungeplanter Instandsetzungen

• Störungen oder ungeplante Anlagenausfälle, die ungeplante Instandsetzungsmaßnahmen

notwendig machen, werden per Funk bzw. telefonisch an den

Instandhaltungsleitstand gemeldet.

• Die Störungen werden von der Arbeitsvorbereitung im Instandhaltungsleitstand

entgegengenommen und gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern des

Leitstandes geklärt und abgestimmt.

• Von der Arbeitsvorbereitung werden für die Arbeitsdurchführung die entsprechenden

Arbeitsbelege (Instandhaltungsauftrag und Materialentnahmeschein)

erstellt und den Handwerkern bereitgestellt. Die Personaldisposition

wird vom Meister vorgenommen.

• Bei störungsbedingten Instandsetzungen, die keinen zeitlichen Aufschub

zulassen, ist es nicht immer möglich, entsprechende Arbeitsbelege bereitzustellen.

In diesem Fall kann die Eröffnung des Arbeitsauftrages auch nach

Auftragsdurchführung gemeinsam mit der Rückmeldung vorgenommen

werden.

10

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

• Mithilfe eines Materialentnahmescheins erhalten die Handwerker das entsprechende

Material vom zuständigen Magazin.

• Nach der Auftragsdurchführung erfolgen eine entsprechende Rückmeldung

über die geleisteten Arbeiten und Fertigmeldung an den betreffenden

Produktionsbereich.

• Die geleisteten Rückmeldungen werden im Instandhaltungsleitstand erfasst

und zu Berichten ausgewertet.

Wie hieraus ersichtlich wird, existiert bei diesem Unternehmen im Instandhaltungsbereich

eine Störerfassungsstelle bzw. Leitstand bestehend aus einer Arbeitsvorbereitung

und entsprechenden Meistern. Dieser Leitstand ist für die Aufnahme aller

Störungsmeldungen und für die Planung, Steuerung und Kontrolle der Instandhaltungsmaßnahmen

zuständig.

Er ist darüber hinaus auch für die Koordination des Fremdfi rmeneinsatzes, die

Schnittstelle zur Materialwirtschaft sowie für die Wahrnehmung eines Instandhaltungs-Controllings

verantwortlich.

Zwischen diesem Leitstand und dem zentralen Lager und/oder dezentralen Bereichslägern

für Ersatzteile bestehen DV-technische Schnittstellen; ebenso auch zu den

zentralen, kaufmännischen Unternehmensfunktionen wie Kostenrechnung und

Finanzbuchhaltung.

Schwachstellen im Arbeitsablauf

Untersuchungen in vielen Industrieunternehmen haben ergeben, dass im Arbeitsablauf

„störungsbedingte Instandsetzungen“ eine Reihe von kritischen Punkten festgestellt

wurde. Nachfolgend zeigen wir einige davon.

Im Rahmen der Störungsmeldung/Arbeitsformulierung tritt häufi g das Problem

auf, dass das Produktionspersonal nicht eindeutige Arbeitsformulierungen an die

Instandhaltung weiterleitet. Nicht selten werden Meldungen wie etwa „Anlage

defekt“, „Störung an Anlage“ etc. an die Instandhaltung übermittelt, die ihrerseits

diese Information nicht weiterverwerten kann. Entscheidend für die Güte

der Auftragsformulierung ist hierbei insbesondere der Qualifi kationsstand des

Produktionspersonals.

Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist, dass die Störungsmeldung an die

Instandhaltung teilweise nur mündlich erteilt wird. Hierbei besteht die Gefahr, dass

die Meldung zwar entgegengenommen wird, jedoch aufgrund eines allgemeinen

hohen Arbeitsaufwandes durchaus verloren gehen kann. Des Weiteren ist zu beobachten,

dass in der Produktion die Störungsmeldung nach Auftragsdurchführung

häufi g nicht nachvollzogen werden kann.

11

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Auch kommt es vor, dass für die Entgegennahme der Störungsmeldung im Instandhaltungsbereich

keine klaren Zuständigkeiten herrschen. Es werden vom Produktionspersonal,

je nach Möglichkeit, der einzelne Handwerker oder Meister

angesprochen.

Im Rahmen der Arbeitsplanung fi nden sich noch Vorgehensweisen, die es vorsehen,

eingehende Störungsmeldungen in mehr oder minder chronologischer Abfolge

„einfach abzuarbeiten“. Eine derartige Arbeitsabwicklung hat nicht selten zur Folge,

dass in der Instandhaltung ein gewisses Arbeitsabwicklungsvolumen häufi g vorweggeschoben

wird und die Instandhaltungskapazitäten fast immer für zu gering

angesehen werden.

Markante Merkmale einer derartigen Vorgehensweise sind u. a., dass

• die Funktionen der Arbeitsvorbereitung nicht systematisch wahrgenommen

werden,

• die eingehenden Aufträge oftmals nur gesammelt werden,

• Arbeitsprioritäten fehlen oder mündlich erteilt werden,

• Arbeitspläne für standardisierte Arbeiten nicht vorliegen,

• Arbeitsbelege für die Handwerker nur mit viel Aufwand erstellt werden und

• Materialentnahmen aus den Magazinen ohne Dokumentation erfolgen.

Im Rahmen der Arbeitsrückmeldung kann es durchaus vorkommen, dass

vom Instandhaltungs- bzw. Produktionspersonal erbrachte Leistungen (vgl.

Abschnitt 1.2.3) nicht vollständig erfasst werden und die Rückmeldungen zu viel

administrativen Aufwand erfordern.

Besonders unbefriedigend ist es dann, wenn umfangreiche Instandhaltungsauswertungen

durchgeführt werden, jedoch notwendige Konsequenzen bzw. Maßnahmen

unterbleiben.

2.2.2 Geplante Instandhaltungsmaßnahmen

Zu geplanten Instandhaltungsmaßnahmen gehören die Maßnahmen der Inspektion,

Wartung und eine geplante Instandsetzung.

Wie Sie in Lektion 1 erfahren haben, fallen unter die Inspektion

alle Tätigkeiten, mit denen der Ist-Zustand einer Anlage, eines

Anlagenteiles oder eines Bauteiles festgestellt und beurteilt werden

kann.

Dies kann sowohl während des Stillstandes als auch bei laufendem

Betrieb erfolgen.

12

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Inspektionsmethoden sind

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

• visuelle Methoden,

• Messungen mit instrumentellen Inspektionsgeräten

(z. B. Ultraschallmessungen) und

• kontinuierliche Messungen

(Stoßimpulsmessungen an Wälzlagern).

Wartung beinhaltet neben Reinigungsarbeiten auch die Versorgung der Schmierstellen,

den Schmierstoffwechsel und weitere notwendige Wartungsarbeiten wie

Dichtungs- und Filterwechsel sowie Verschleißkontrolle.

Geplante Instandsetzungen sind Arbeiten, die zwar durch eine Störung oder Anlagenausfall

ausgelöst werden, jedoch vor ihrer Durchführung hinsichtlich des

• Arbeitsablaufs,

• Personal- und Materialeinsatzes,

• Abstimmung mit der Produktion etc.

geplant werden müssen. Nach der Durchführung ist ihr Ablauf analog dem für

ungeplante Instandsetzungen.

Der Arbeitsablauf für Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen sieht häufi g vor, dass

• auf Basis vorgefertigter Pläne (W/I-Pläne) Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen

angestoßen werden;

im Rahmen der Termin- und Kapazitätsplanung die technischen bzw. inhaltlichen

Vorbereitungen für die Maßnahmen geplant und der Soll-Termin mit

der Produktion abgestimmt werden;

• entsprechend des Soll-Termins die Materialien und Betriebsmittel reserviert

werden. Für fehlende Materialien werden Bestellungen ausgelöst. Hierbei ist

auch zu entscheiden, ob für die Durchführung des Auftrages eine Fremdvergabe

stattfi nden oder mit eigenen Kräften erfolgen soll. Die Veranlassung

erfolgt durch die Übergabe der Wartungs-/Inspektionsaufträge an die entsprechenden

Meistereien bzw. Handwerker;

• nach der Durchführung die Auftragsrückmeldung erfolgt. Hierbei werden die

Wartungs-/Inspektionsaufträge einzeln oder pauschal erfasst und analog dem

Kernarbeitsablauf ausgewertet.

Wie man erkennen kann, kommt den Wartungs- und Inspektionsplänen (W/I-

Pläne) in diesem Prozess eine sehr hohe Bedeutung zu. In diesen W/I-Plänen wird

angegeben,

13

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

• wer,

• was,

• wann,

• wie und

• wo

durchzuführen hat.

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Da die Qualität der W/I-Pläne bestimmend für den Erfolg des ganzen W/I-Systems

ist, muss bei deren Aufarbeitung besondere Sorgfalt gewährleistet werden.

Dabei sollten Sie sich stützen auf:

• Angaben der Herstellerfi rmen

• interne Schadensaufzeichnungen, Statistiken

• bereits vorhandene Wartungsvorschriften und Erfahrungsberichte

• Schmiervorschriften

• Betriebserfahrungen von Führungskräften der Technik und der Produktion

• gesetzliche Prüf- und Revisionsvorschriften

W/I-Pläne sollten gemeinsam mit der Produktion erarbeitet bzw. abgestimmt werden,

da es von zentraler Bedeutung ist, welche Arbeiten von der Instandhaltung und

welche von der Produktion durchgeführt werden. W/I-Pläne werden üblicherweise

mittels EDV verwaltet und gepfl egt.

2.2.3 Schwachstellenanalyse und -beseitigung

Hohe Investitionskosten, sinkende Produktlebensdauer und die Wettbewerbssituation

zwingen die Betreiber technischer Systeme dazu, diese in einem Grad hoher

Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit zu erhalten. Eine hohe Lebensdauer und eine

geringe Ausfallrate bedürfen bei immer komplexer werdenden Systemen eines

ausgereiften und methodischen Instandhaltungskonzeptes. Ein Mittel, dem Sie

in diesem Konzept eine besondere Bedeutung zukommen lassen sollten, ist die

Schwachstellenanalyse und -beseitigung.

Der zentrale Begriff der Schwachstelle selbst wurde erstmals im Jahr 1980 in der

DIN 31051 defi niert und mit der Neufassung der DIN 31051: 2003-06 den Instandhaltungstätigkeiten

zugeordnet. Im Rahmen der Inspektion wird eine Fehleranalyse

durchgeführt, die u. a. in der Schwachstellenanalyse mündet und eine Verbesserung

nach sich zieht.

14

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Schwachstelle = Betrachtungseinheit, bei der ein Ausfall häufi -

ger, als es der geforderten Verfügbarkeit entspricht, eintritt und

bei der eine Verbesserung möglich und wirtschaftlich vertretbar

ist.

DIN 31051: 2003-06

Diese Defi nition ist zwar im Rahmen der Instandhaltung sinnvoll, enthält aber zwei

entscheidende Einschränkungen:

• Es werden nur Schwachstellen mit Abnutzungsvorrat erfasst;

keine funktionalen bzw. konstruktiven Schwachstellen.

• Es handelt sich um eine eher wirtschaftliche Sichtweise.

Die vorrangigen Ziele der Schwachstellenanalyse sind demnach:

• die Schwachstellenbeseitigung

(wo technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar),

• die Lebensdauerprognose und

• die Festlegung optimaler Instandhaltungsstrategien.

Der am häufi gsten in der Praxis verwendete Arbeitsablauf der Schwachstellenanalyse

und -beseitigung sieht folgende Arbeitsschritte vor:

1. Analyse und Auswertung von Daten und Informationen

2. Anwendung einer bestimmten Systematik; Ableiten von Folgerungen

(z. B. Schadenshäufi gkeit, Ausfallzeiten)

3. Mathematische Betrachtung/Darstellungsweise

4. Empfehlungen für die Durchführung; Vorteile (Nachteile)

5. Planung der Schwachstellenbeseitigung

6. Durchführung der Maßnahmen

7. Dokumentation

8. Auswertung und Erfahrungsrückfl uss

In der Praxis erfolgt dieser Arbeitsablauf beispielsweise mit u. a. folgenden Handlungsrichtlinien

gemeinsam:

• Durchführung systematischer Schwachstellenanalysen an ausgewählten

Systemen/Anlagen

• Anwendung der Methodik grundsätzlich im gemischten Team

• Konsequente Erfassung von Schadensbildern und Schadensursachen im

SAP-System für wichtigere Systeme/Komponenten

• Etablierung einer Methode zur systematischen Reduzierung von

Wiederholstörungen (5-W-Methode inklusive Formblatt und Anleitung)

• Laufende Anwendung durch den jeweiligen Verantwortlichen

• Stichprobenweise Überprüfung der Anwendung der Methode durch den

Instandhaltungsleiter

15

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

2.2.4 Fremdfi rmeneinsatz

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Weitere Informationen zu dieser Thematik gibt Ihnen

Lektion 4.

Der Arbeitsablauf „Fremdfi rmeneinsatz“ sollte klare Regelungen zu allen prozessorientierten

Schritten des Fremdfi rmeneinsatzes, d. h. von der Auswahl,

Koordination bis hin zur Bewertung der Fremdfi rmen, haben. Dabei sind neben

wirtschaftlichen insbesondere auch alle rechtlichen notwendigen Sicherheitssachverhalte

zu berücksichtigen.

Ein geeigneter Arbeitsablauf „Fremdfi rmeneinsatz“ sollte u. a. folgende Arbeitsschritte

aufweisen:

1. Bedarfsfeststellung

2. Auswahl und Anfrage

3. Angebot und Bewertung

4. Vergabe und Beauftragung

5. Durchführung und Überwachung

6. Abnahme und Dokumentation

7. Auswertung/Bewertung

Nachfolgend werden Ihnen zu einigen dieser Arbeitsschritte wichtige Hinweise

gegeben.

Für die Vergabe von Instandhaltungsleistungen bieten sich in der Regel die folgenden

typischen Vertragsarten an:

• Dienstvertrag

• Werkvertrag

• Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜG-Vertrag)

Bei einem Dienstvertrag führt ein externes Unternehmen den Dienst unter eigener

Verantwortung aus. Ihm obliegt die Organisation der Dienste sowie die Auswahl

und Überwachung der Erfüllungsgehilfen.

Im Gegensatz zum Werkvertrag ist ein herbeizuführender Erfolg kein Bestandteil

des Dienstvertrages.

Dienstverträge werden in der Praxis für TÜV-Prüfungen, Rechts- und Steuerberatungen,

technische Studien und Beratungsleistungen erstellt.

Für Fremdarbeiten in der Instandhaltung wird in der Praxis am häufi gsten der

Werkvertrag genutzt. Im Gegensatz zum Dienstvertrag ist bei einem Werkvertrag

ein vorher exakt beschriebener herbeizuführender Erfolg Bestandteil des Vertrages

(vgl. § 633 BGB).

16

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

Instandhaltungsleistungen können letztlich auch in Form eines Arbeitnehmerüberlassungsvertrages

an Dritte vergeben werden. Der Abschluss von Arbeitnehmerüberlassungsverträgen

empfi ehlt sich dann, wenn weder nach Rahmenaufmaß noch

nach Kalkulation abgerechnet werden kann – oder in dem Fall, dass Fremdfi rmenmitarbeiter

lediglich zur Unterstützung der eigenen Mitarbeiter eingesetzt werden.

Der Arbeitnehmerüberlassungsvertrag wird dann nach den von den Leiharbeitern

tatsächlich erbrachten Zeiten abgerechnet.

Im Arbeitsschritt „Auswertung und Bewertung“ sollte nach Durchführung der

Leistungen eine Bewertung von Fremdfi rmen vorgenommen werden. Eine derartige

Bewertung erfolgt typischerweise in der Praxis mithilfe von Punktwertverfahren,

die in Form von Checklisten aufgebaut sind.

Ein derartiges Verfahren kann zu Bewertungen von

• Projekt-/Qualitätsmanagementkriterien,

• Sicherheitsmanagementkriterien,

• Auftragsabwicklung und Leistungsergebniskriterien

herangezogen werden, die sich zwischen 0 und 10 Punkten erstrecken können. Die

Wertigkeit der einzelnen Bewertungskriterien kann in einer Punkteskala von 1 bis 5

ausgedrückt werden.

Die Gesamtpunktzahl wird letztlich dadurch ermittelt, indem die Bewertungspunkte

mit den Wertigkeitspunkten multipliziert und für die jeweilige Fremdfi rma

aufsummiert werden.

Ist der Erfüllungsgrad (Verhältnis erreichte Punktzahl zur möglichen Punktzahl)

höher als 80 %, ist es ein guter Zustand (Einstufung A), ist er zwischen 50 und

80 %, ist es ein verbesserungserforderlicher Zustand (Einstufung B), und liegt er

unter 50 %, sind grundlegende Maßnahmen erforderlich (Einstufung C).

2.3 Erfahrungen bei der Optimierung von Arbeitsabläufen

Wie beispielhaft anhand der ungeplanten Instandsetzungen dargestellt wurde,

besteht in den Arbeitsabläufen der Instandhaltung noch eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten.

Um diese zu nutzen, gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche

Ansätze.

Der erste Ansatz wird häufi g auch als „Neuplanung auf der grünen Wiese“ bezeichnet,

da die vorhandenen Arbeitsabläufe außer Acht gelassen und völlig neu gestaltet

werden. Dieser in Amerika entwickelte Ansatz ist in der Praxis kaum umsetzbar

bzw. nur sehr bedingt sinnvoll, da er für die Mitarbeiter demotivierend ist und

gesammelte Erfahrungen weit gehend unberücksichtigt lässt.

Der zweite Ansatz wird als kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) bezeichnet

und dient der laufenden Verbesserung von bestehenden Arbeitsabläufen. Dieser

17

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Arbeitsabläufe in der Instandhaltung

häufi g auch als „Kaizen“ bezeichnete Ansatz hat das Ziel, eine lernende Organisation

zu erreichen, die sich permanent selbst verbessert.

Auf dem Weg zu einer lernenden Organisation hat es sich seit geraumer Zeit als

sinnvoll erwiesen,

• Prozessindikatoren zu entwickeln und

• Peer Reviews durchzuführen.

Prozessindikatoren dienen dazu, die Entwicklung von Arbeitsabläufen zu messen

und damit vorzeitig aufzuzeigen, ob die Arbeitsabläufe zielorientiert verlaufen.

Damit ist es möglich, frühzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten und

umzusetzen. Als Prozessindikatoren werden dabei sowohl quantitative Größen

(z. B. Höhe der Arbeitsablaufkosten) als auch qualitative Größen (z. B. Kundenzufriedenheit

mit ungeplanten Instandsetzungen) berücksichtigt.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in Lektion 8.

Peer Reviews dienen dazu, den Stand der Entwicklung von Arbeitsabläufen gespiegelt

an der Entwicklung von Indikatoren festzustellen und evtl. zusätzlich notwendige

Maßnahmen mit den betreffenden Führungskräften und Mitarbeitern zu

erarbeiten und zu realisieren. Wichtige Grundhaltung aller Beteiligten dabei ist,

dass man sich auf dem Weg zu einer lernenden Organisation befi ndet.

Weitergehende Ausführungen hierzu lesen Sie in:

Bechthold, Tilmann/Hahn, Walter: Nachhaltig erfolgreiches

Instandhaltungsmanagement in einem EVU durch Einbindung

der Mitarbeiter, in: ew, Jg. 105, 2006, Heft 23-24, S. 100 – 103.

18

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Übungsaufgaben

Aufgabe 4

Übungsaufgaben

Stellen Sie dar und erläutern Sie den Kernarbeitsablauf in der Instandhaltung.

Aufgabe 5

Zeigen Sie auf und erläutern Sie, wozu Prozessindikatoren und Peer Reviews

dienen.

19

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Lösungen

Lösung 4

Kernarbeitsablauf der Instandhaltung

Lösung 5

Lösungen

Prozessindikatoren dienen dazu, die Entwicklung von Arbeitsabläufen zu messen

und damit vorzeitig aufzuzeigen, ob die Arbeitsabläufe zielorientiert verlaufen.

Damit ist es möglich, frühzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten und

umzusetzen. Als Prozessindikatoren werden dabei sowohl quantitative Größen

(z. B. Höhe der Arbeitsablaufkosten) als auch qualitative Größen (z. B. Kundenzufriedenheit

mit ungeplanten Instandsetzungen) verwendet.

20

LESEPROBE


Lektion 2: Organisation und Arbeitsabläufe

Lösungen

Peer Reviews dienen dazu, den Stand der Entwicklung von Arbeitsabläufen gespiegelt

an der Entwicklung von Indikatoren festzustellen und evtl. zusätzlich notwendige

Maßnahmen mit den betreffenden Führungskräften und Mitarbeitern zu

erarbeiten und zu realisieren. Wichtige Grundhaltung aller Beteiligten dabei ist es,

sich auf dem Weg zu einer lernenden Organisation zu befi nden.

21

LESEPROBE


Anmeldung für den

schriftlichen Management-Lehrgang

Instandhaltung kompakt

Start: 28. September 2007

Ja, ich/wir melde/n mich/uns an für

den schriftlichen Management-Lehrgang

„Instandhaltung kompakt“ zum Preis von

€ 1.699,– zzgl. MwSt. pro Person.

[P6100197M780]

Information und Anmeldung

Astrid Mönch

Telefon: 02 11 / 96 86 – 31 79

Fax: 02 11 / 96 86 – 41 50

E-Mail: astrid.moench@euroforum.com

Schriftlich: Euroforum Verlag GmbH

Postfach 11 12 34

40512 Düsseldorf

Internet: www.euroforum-verlag.de

Name 1:

Position:

Abteilung:

E-Mail:

Name 2:

Position:

Abteilung:

E-Mail:

Firma:

Ansprechpartner im Sekretariat:

Straße:

PLZ/Ort:

Telefon: Fax:

Rechnung an (Name):

Abteilung:

Lieferadresse:

Teilnahmebedingungen. Der Preis für diesen Lehrgang beträgt € 1.699,– zzgl. MwSt. und ist nach Erhalt

der Rechnung fällig. Nach Eingang Ihrer Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung. Sie können Ihre Bestellung

innerhalb von 14 Tagen nach Eingang schriftlich widerrufen.

Ihre Daten. Ihre Daten werden von der Euroforum Verlag GmbH und Partnerunternehmen zur Organisation

verwendet. Wir werden Sie gerne künftig über unsere Produkte informieren. Mit Ihrer Unterschrift

geben Sie Ihre Einwilligung, dass wir Sie auch per Fax, E-Mail oder Telefon kontaktieren sowie Ihre Daten

mit anderen Unternehmen (insb. der Informa plc) in Deutschland und international zu Zwecken der Werbung

austauschen dürfen. Sollten Sie die Einwilligung nicht in dieser Form geben wollen, so streichen Sie

bitte entsprechende Satzteile oder setzen sich mit uns in Verbindung [Tel.: 02 11/96 86–33 33]. Diese

Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Sie können der Verwendung Ihrer Daten zu den genannten

Zwecken jederzeit widersprechen.

Datum: Unterschrift:

Per Fax an Astrid Mönch: 02 11/96 86 – 41 50

PDF/LP

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine