Jahresbericht 2010 - Kinderschutz-Zentrum Berlin

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Jahresbericht 2010 - Kinderschutz-Zentrum Berlin

Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V. Jahresbericht 2010


Liebe Freunde und Förderer des Kinderschutz-Zentrums, wir freuen uns, Ihnen unseren Jahresbericht 2010 überreichen zu können und blicken mit Ihnen zurück auf ein arbeitsreiches Jahr. Unsere Angebote wurden wie auch in den letzten Jahren außerordentlich gut nachgefragt. In beiden Beratungsstellen konnten wir den präventiven Bereich weiter festigen. Das Projekt Traumkind, das sich in der Beratungsstelle Neukölln sehr gut etabliert hat, stand Pate für unser neues Präventionsprojekt von Anfang an in der Beratungsstelle in Hohenschönhausen. Darüber können Sie mehr in unserem Bericht erfahren. Am Anfang des Jahres mussten wir alle zur Kenntnis nehmen, dass Kinder über Jahre nicht vor sexuellem Missbrauch in kirchlichen und reformpädagogischen Einrichtungen geschützt werden konnten. Nach Jahren des Schweigens und Verharmlosens sprachen inzwischen ältere Erwachsene über ihre traumatisierenden Erfahrungen und es wurde ihnen zugehört. Einige öffentliche Auftritte und Beiträge unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Schutz von Kindern in Familien und Einrichtungen nahmen diese Entwicklungen auf. Als Schwerpunkt für den Jahresbericht haben wir diesmal die Perspektive der Kinder gewählt. „Auf die Kinder kommt es an“ formulierte Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln, in einem Interview mit Schülern im Herbst 2010. Er fordert, dass alle Anstrengungen darauf gerichtet werden müssen, sie zu schützen und zu fördern mit oder ohne Beteiligung der Eltern. Wir sind der Überzeugung, dass Schutz und Förderung von Kindern am besten im Zusammenwirken mit den Eltern gelingt; nach diesem Prinzip sind unsere Angebote ausgerichtet. Aber wie ist die Situation von Kindern in armen Familien, wie erleben Kinder eine Familienberatung, wie können sie sich in einer Kindertherapie entwickeln und welchen Eindruck hinterlässt ein Aufenthalt in der Kinderwohngruppe bei ihnen? Auf diese Fragen fi nden sie in diesem Bericht an Beispielen anschaulich Antworten. Ihr Engagement für Kinder und Ihre freundliche Begleitung unseres Konzepts von Kinderschutz stärken uns in der täglichen Arbeit. Sie machen uns Mut, uns immer wieder für Kinder, Jugendliche und Eltern und die fi nanzielle Absicherung unserer 1


2 Projekte einzusetzen. Viele von Ihnen tragen ganz konkret zu dieser Absicherung bei. Dafür danken wir Ihnen sehr. Wir wünschen Ihnen eine interessante, aufschlussreiche Lektüre und hoffen, dass Sie weiterhin mit uns verbunden bleiben. Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Im Namen des Vorstandes Elisabeth-Charlotte Knoller und Dr. Elke Nowotny


Inhalt Aufgaben und Angebote 4 Hilfen für Kinder, Jugendliche und Eltern 6 Krisenintervention, Beratung und Therapien im Überblick Schwerpunkt: Blick auf misshandelte und 10 vernachlässigte Kinder Kinder in der Familienberatung Kindertherapie Alltag in unserer Kinderwohngruppe Auf der Krankenstation – Therapeutische Erste Hilfe in der Kinderwohngruppe Bevor manches zu spät ist: Prävention im 24 Kinderschutz-Zentrum Traumkind – ein Projekt der Neuköllner Beratungsstelle Prävention in Lichtenberg – Die Eltern-Kind-Gruppe und von Anfang an Angebote für Fachkräfte: Fachberatung und Fortbildung 29 Armut in Familien – Ein Handicap für förderliche 31 Beziehungen 3. Kunstauktion zugunsten des Kinderschutz-Zentrums 34 Chronologie 2010 36 Dank 43 Nachruf 45 Der Verein stellt sich vor 46 Wenn Sie uns unterstützen möchten ... 46 © Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V., Berlin 2011 3


4 Aufgaben und Angebote Das Kinderschutz-Zentrum ist eine spezialisierte Einrichtung, die sich an Kinder, Jugendliche, deren Eltern und Bezugspersonen sowie an die Fachöffentlichkeit wendet. Alle Formen von Gewalt gegen Kinder sind Gegenstand der Arbeit des Kinderschutz-Zentrums. Aufgabe des Kinderschutz-Zentrums ist es, physische, psychische und sexuelle Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu vermindern und deren Folgen zu lindern. Dies geschieht durch konsequente Entwicklung, Anwendung und Weitervermittlung von spezifi schen, an den Ursachen von Gewalt ansetzenden Hilfen. Unsere Einrichtung bietet konkrete Hilfe im Einzelfall und wirkt im gesamtgesellschaftlichen Kontext auf sozialpolitische Verbesserungen für Kinder und Eltern hin. Bei Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern ist ein niedrigschwelliges Angebot notwendig. Familien brauchen in Krisen fachlich gute Unterstützung außerhalb üblicher Öffnungszeiten von Beratungsstellen und Behörden, insbesondere an Wochenenden und Feiertagen, dann, wenn Familien zusammen sind. Das Kinderschutz-Zentrum ist deshalb täglich telefonisch für Ratsuchende erreichbar. Mobile Einsätze unseres Krisendienstes, um Familien in Krisen zu Hause aufzusuchen oder Kinder und Jugendliche dort zu treffen, wo sie gerade sind, sichern die schnelle Erreichbarkeit unserer Hilfen und verhindern, dass Kinder noch mehr verletzt oder geschädigt werden. In den beiden Beratungsstellen des Kinderschutz-Zentrums in Hohenschönhausen und Neukölln können Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen von Kindern über ein erstes Krisengespräch hinaus auch eine längerfristige Beratung in Anspruch nehmen. Ein Angebot, das längere Beratungsprozesse und mehrere Termine sehr kurzfristig zulässt, ist bei schwierigen Konfl ikten in Familien, die mit Misshandlung von Kindern einhergehen, unerlässlich. Die meisten Eltern und Kinder bzw. Jugendliche suchen uns auf, wenn es bereits zu Misshandlungen kam. Existentielle Ängste vor Bestrafung und Trennung der Familie sowie Verstrickungen in Schuld, Scham und Wut werden im ersten Kontakt mit den Eltern deutlich. Sie gehen den Weg ins Kinderschutz-Zentrum gegen viele innere Widerstände und haben ihn geradeso geschafft. Unsere sofortigen und unbürokratischen Angebote stärken ihr Vertrauen in umgehende Hilfe und in die Helfer. Wenn die Konfl ikte in Familien so eskaliert sind, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr selbst schützen können, steht mit der


Kinderwohngruppe in Steglitz eine Einrichtung zur vorübergehenden Unterbringung von Kindern zur Verfügung. Während der Zeit der Unterbringung wird mit Eltern und Kindern intensiv an der Entwicklung einer Perspektive für die gesamte Familie gearbeitet. Krisenintervention, Familienberatung, Kinder- und Jugendlichentherapie und die Möglichkeit des vorübergehenden stationären Aufenthalts von Kindern in der Kinderwohngruppe wirken als ein Verbund von Hilfen bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Mit diesem Hilfeverbund unterscheidet sich das Kinderschutz-Zentrum von anderen Hilfeeinrichtungen in der Stadt. Aufgaben und Angebote des Kinderschutz- Zentrums Beratung und Therapie für Familien, Elternpaare, Alleinerziehende, Einzelklienten Kinder- und Jugendlichentherapie Therapie mit misshandelnden Erwachsenen Pädagogisch-therapeu sche Arbeit mit Kindern in der Kinderwohngruppe und Klärung der Perspek ve der Kinder in Zusammenarbeit mit den Eltern Kriseninterven on, Krisengespräche vor Ort, Arbeit mit Wegläufern Telefonberatung Beratung und Supervision von Fachkrä en Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Krisenhilfe am Telefon Präven ver Kinderschutz: Eltern-Kind-Gruppe, Projekte Traumkind und von Anfang an Präven ve Angebote für Lehrer, Erzieher und Eltern Präven ve Arbeit mit Schulklassen Au lärung der Öff entlichkeit durch Informa- onsveranstaltungen mit Eltern, Lehrern, Schülern, Erziehern, Sozialarbeitern, Ärzten, Studenten, Auszubildenden Publika onen Zusammenarbeit mit Medien 5


6 Hilfen für Kinder, Jugendliche und Eltern: Krisenintervention, Beratung und Therapien im Überblick Das Kinderschutz-Zentrum bietet Hilfen an, die für Eltern, Kinder bzw. Jugendliche und deren Bezugspersonen ohne große Hürden zu erreichen sind. Dazu gehört unsere Erreichbarkeit an Werktagen bis 20 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr. Schnelle Hilfe heißt für uns, dass eine Beratung schon am Telefon erfolgen kann und ein erstes Gespräch in einer der Beratungsstellen innerhalb weniger Tage möglich ist. In Krisensituationen können die Betroffenen auch direkt vor Ort aufgesucht werden. Vielen Menschen, die unser Krisentelefon anrufen, ist es wichtig, Hilfe außerhalb des Jugendamts zu erhalten. Telefonische Beratung und Krisenintervention So breit wie das Spektrum der Anrufenden sind auch deren Anliegen: Besorgte Bürger berichten von Geschrei und Beschimpfungen aus ihren Nachbarwohnungen und befürchten das Schlimmste. Familienangehörige machen sich Sorgen um die Kinder ihrer Verwandten. Sie möchten wissen, wie sie den Kindern helfen können, auch wenn deren Eltern oft schon den Kontakt zu den Anrufern abgebrochen haben. Getrennte Eltern vermuten, dass der jeweils andere Elternteil bei Besuchen dem Kind schaden könnte oder schon geschadet hat. Mütter oder Väter sind verzweifelt, weil sie im Streit ihre Kinder geschlagen haben oder die Kinder nach dem Streit weggelaufen sind. Sie machen sich Sorgen über Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder. Kinder und Jugendliche beklagen sich über ungerechte Eltern und Lehrer. Anrufe von Kindern und Jugendlichen Die Probleme von Kindern und Jugendlichen, die zu einem Anruf am Krisentelefon führten, sind in den letzten Jahren nahezu unverändert geblieben. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die über Gewalterfahrungen in der Familie oder im familiären Umfeld berichteten, lag wie in den vorhergehenden Jahren bei 10%. Mitunter hatten Bekannte der Familie oder Eltern von Freunden den telefonischen Kontakt zu uns hergestellt. Jugendliche berichteten, dass sie im Streit von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden und nun bei einem Kumpel wohnten. Diesen Anrufern wurde ein sofortiges persönliches Krisengespräch angeboten. 32 Kindern und Jugendlichen, die über physische oder psychische Gewalterfahrungen innerhalb oder außerhalb der


Familie berichteten, erhielten ein persönliches Gespräch, das in der Schule, in einer Freizeiteinrichtung oder in einer der Beratungsstellen stattfand. 43 Kindern und Jugendlichen, die über physische oder psychische Gewalterfahrungen innerhalb oder außerhalb der Familie berichteten, erhielten ein persönliches Gespräch, das in der Schule, in einer Freizeiteinrichtung oder in einer der Beratungsstellen stattfand. Anrufe von Eltern und Bezugspersonen von Kindern bzw. Jugendlichen Die vorrangigen Problemlagen von Eltern betrafen heftige Familienkonfl ikte, die zu gewaltsamen Eskalationen geführt hatten oder zu eskalieren drohten. Mit konkreten Fragen und praktischen Anweisungen versuchten wir zu deeskalieren und das Risiko einer erneuten Zuspitzung einzuschätzen. Vor allem bei Berichten über häusliche Gewalt war es wichtig zu klären, ob die Wohnung für Mutter und Kinder noch ein sicherer Ort war. Wenn Kinder nach einem Streit weggelaufen waren, galt es mit den anrufenden Eltern zu überlegen, wie die Suche gestaltet werden kann. Schon das Sortieren am Telefon brachte häufi g Entlastung, so dass die Eltern sich beruhigten und abwarten konnten, ob das Kind in kürzerer Zeit wieder nach Hause kommt. 76 Mütter oder Väter meldeten sich, weil es in ihrer Familie zu körperlicher, seelischer oder sexueller Misshandlung gekommen war bzw. das Kind von einem Fremdtäter sexuell misshandelt wurde. 26 Mütter berichteten von häuslicher Gewalt zwischen den Eltern. Am Krisentelefon schätzten wir ein, ob das Kind in der Familie genügend vor weiterer Gefährdung geschützt ist und besprachen erste Hilfsmöglichkeiten. Des Weiteren meldeten sich 118 Eltern in sehr zugespitzten, gewaltsam ausgetragenen Konfl iktsituationen nach Trennung und Scheidung. Unser Krisentelefon wurde vor allem an den Wochenenden von getrennten Eltern genutzt, die ihre Befürchtungen mitteilten, weil das Kind sich beim anderen Elternteil aufhielt und sie keinen Kontakt zum Kind herstellen konnten. Wir bemühten uns, den telefonischen Kontakt zu halten, um Gefährdungen für das Wohl des Kindes einzuschätzen. 165 Bezugspersonen aus dem nahen Umfeld von Familien (Nachbarn/ Bekannte/ Verwandte) wandten sich mit ihren Beobachtungen und Befürchtungen an unsere Beratungsstelle. Mit ihnen wurde überlegt, wie sie der Familie eine Brücke zu uns bauen können. 7


8 Beratung von Familien in unseren Beratungsstellen Die Begleitung durch die Krisensituation und die Erarbeitung einer neuen Perspektive für die Familie einschließlich des Schutzes ihrer Kinder nimmt in der Regel mehrere Monate in Anspruch. Die Komplexität der Problemlagen, mit denen sich die Ratsuchenden an das Kinderschutz-Zentrum wenden und das oft ambivalente Verhältnis der Ratsuchenden zur Hilfe, erfordert eine große Flexibilität im Setting und die Möglichkeit, immer wieder neu auf die Familie zugehen zu können. Professionelle Arbeit nach fachlichen Standards mit Familien, in denen Kinder gefährdet sind, nimmt viel Zeit in Anspruch, u.a. für Telefonate zwischen den Terminen in der Beratungsstelle. Nur so kann das Arbeitsbündnis wieder stabil gestaltet werden. Wie kommen Familien zum Kinderschutz-Zentrum? 258 Familien meldeten sich selbst an. Sie waren hauptsächlich durch ihre Recherche im Internet auf unser Angebot gestoßen oder durch Familienangehörige und Bekannte auf uns aufmerksam geworden. 199 Familien wurden uns von Institution wie Kinderärzten, Schulen, Kindergärten, dem Jugendamt und anderen Diensten überwiesen Besondere Konfl ikte und Problemlagen Nach wie vor bilden Familien, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, so dass eine Gefährdung der Kinder droht, den Hauptteil unseres Klientels. Junge Eltern und besonders junge, alleinerziehende Mütter mit Säuglingen suchten Beratung oft schon in den ersten Lebenswochen des Kindes. Die Umstellung vom Leben als Jugendliche zum Leben mit Kindern war misslungen, weil das Kind die Erwartungen der Eltern enttäuschte. Eltern, deren Kinder eine Kita besuchen, wandten sich häufi g auf Empfehlung der Erzieherinnen an uns. Diese Eltern fühlten sich häufi g unter Druck, weil das Kind in der Kita andere Kinder traktierte und sie sich auch zu Hause nur noch mit Schreien durchsetzen konnten. Familien mit Pubertierenden wünschten Beratung, weil sie fürchteten, die Jugendlichen könnten auf die schiefe Bahn geraten. Die Konfl ikte waren oft schon soweit eskaliert, dass die Jugendlichen nicht mit den Eltern sprechen wollten. Eine weitere Zunahme verzeichneten wir bei der Beratung von Familien in Trennungs- und Scheidungskonfl ikten. 161 Eltern(teile) suchten Hilfe, weil sie sich mit dem anderen Elternteil nicht auf eine dem Kind angemessene Umgangs-


regelung einigen konnten. Einige dieser Eltern waren uns direkt vom Familiengericht zugewiesen worden. Besonders in Familien, in denen häusliche Gewalt der entscheidende Trennungsgrund war, hatten die Kinder starke Loyalitätskonfl ikte. In 17 Fällen war zusätzlich zur Beratung der Eltern eine Betreuung des Umgangs zwischen dem getrennten Elternteil (meist der Vater) und den Kindern notwendig. Eltern mit Migrationserfahrung wurden uns wie in den Jahren zuvor überwiesen, weil sie ihre Kinder schwer misshandelt hatten und nur wenig Zugang zur Schädigung ihrer Kinder fi nden konnten. Die Eltern fühlten sich von den Fachkräften nicht verstanden und vermuteten in den Vorwürfen der Kindesmisshandlung Ausländerfeindlichkeit. Auch für uns war die Gestaltung eines Arbeitsbündnisses bisweilen schwierig. Aufgrund von Verständigungsproblemen war manchmal die Hilfe von Dolmetschern nötig. Für eine erfolgreiche Arbeit ist es oft notwendig, zunächst die Spezifi k der unterschiedlichen Kulturen zu klären. Afrikanische Eltern berichteten zum Beispiel davon, dass Schläge in ihrem Heimatland als Erziehungsmittel üblich sind. Sie wollten sich zwar an die deutschen Gesetze halten, konnten sich aber nicht vorstellen, wie sie ihre Kinder ohne Schläge erziehen sollten. Teilweise hatten die Eltern hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder und waren bitter enttäuscht, wenn die schulischen Leistungen der Kinder nicht ihren Erwartungen entsprachen. Auszug aus der Sta s k Beratung und Therapie von Familien Anzahl der Erstkontakte 958 davon telefonisch 899 persönlich 44 schri lich 15 Über einen Erstkontakt hinaus beratenen Familien 457 Übernahmen aus dem Vorjahr 207 Gesamt 664 Anzahl der abgeschlossenen Fälle 415 Dabei Dauer Einmalige Krisenberatung 233 der Beratung: 2 - 5 Beratungstermine 111 6 - 15 Beratungstermine 50 16 - 30 Beratungstermine 13 31 und mehr Beratungstermine Eine Weitervermi lung nach der Krisenberatung erfolgte in 122 Fällen aus inhaltlichen Gründen. 8 Elterngruppen (Zahl der Sitzungen): 17 Eltern-Kind-Gruppe (Zahl der Sitzungen): 45 9


10 Schwerpunkt: Blick auf misshandelte und vernachlässigte Kinder Kinder in der Familienberatung Wenn von Familienberatung gesprochen wird, geht man davon aus, dass die Kinder in die Beratung mit einbezogen werden. Das Leitthema jeder Familienberatung ist: Wie können wir gute Entwicklungsmöglichkeiten für alle Familienmitglieder, Kinder und Eltern, schaffen. Die Schwierigkeiten der Familie werden aus den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder betrachtet, wobei Koalitionen und Loyalität sowie Kommunikationsmuster herauszuarbeiten sind. Kleine Kinder fungieren in den Beratungsgesprächen häufi g als Seismografen für die emotionalen Befi ndlichkeiten der Eltern. Die Kinder wenden sich dem bedürftigen Elternteil zu oder lenken durch eigene Aktionen von schwierigen Themen ab. Ältere Kinder sind oft in der Lage, eine exakte Diagnose des Familiensystems zu geben, wenn sie sich in der Beratungssituation sicher fühlen. Wenn es gelingt, die Eltern für die Perspektive ihrer Kinder zu sensibilisieren, ist ein großer Schritt in der Beratung erreicht. Bei der Beratung von Familien, in denen Kinder in ihrem Wohl gefährdet sind, zeigen die Kinder häufi g Ängste und Unsicherheiten in den Sitzungen. Sie befürchten, dass es zu Hause nur schlimmer wird, wenn sie hier ihre Meinung sagen. Meist sind die Kinder angespannt, zupfen vor Nervosität an der Kleidung oder konzentrieren sich voll auf das angebotene Spielzeug. Beraterinnen und Berater sind gefordert, den Kindern Verständnis zu signalisieren sowie den Eltern das Verhalten der Kinder zu erklären. Eine besondere Herausforderung ergibt sich, wenn Familien aufgrund von Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung zu einer Beratung ins Kinderschutz-Zentrum geschickt werden. Hier muss bei einer Einbeziehung der Kinder in die Beratung darauf geachtet werden, ob das Kind im Rahmen der Beratung hinreichend vor psychischer Misshandlung durch die Eltern geschützt werden kann. Sicher werden Eltern ihr Kind nicht absichtlich während der Sitzung demütigen. Aus der Rechtfertigung der Eltern für das eigene Handeln wird das Kind zum Schuldigen für die Misshandlung bzw. für alle familiären Probleme gemacht. Treten diese Beschuldigungen in massiver Form auf, kommt das einer psychischen Misshandlung des Kindes gleich. Dem Kind wird von den Eltern signalisiert „Du bist an allem Schuld, wenn du nicht wärst, hätten wir ein leichteres Leben“. Die Kinder reagieren auf die Abwertung durch die Eltern entweder mit starrem Dasitzen oder mit „Weghören“, indem sie sich intensiv mit Malzeug oder Spielzeug beschäftigen. Beide Verhaltensweisen zeigen, dass


die Kinder stark belastet sind. Sie brauchen in dieser Situation die Erfahrung, dass sie den Beschuldigungen nicht hilfl os ausgeliefert sind, so wie es zu Hause der Fall ist. Sie benötigen von der Beraterin/dem Berater ein Zeichen, dass sie sich für ihre Perspektive interessieren. Wir Berater sind gefordert, eine Brücke zu bauen zwischen den Bedürfnissen des Kindes nach Wertschätzung, Verständnis und Entlastung und dem Bedürfnis der Eltern nach Anerkennung und Unterstützung in ihrem Elternsein. Eltern und Kinder sollen mit Hilfe der Beraterin/des Beraters eine neue Basis entwickeln können. Eltern und Kinder verbindet in solchen Situationen die Annahme, nicht geliebt und anerkannt zu werden. Eltern erleben das oben geschilderte Verhalten ihrer Kinder als Beweis, dass diese nur provokant und ignorant sind. Kinder haben den Eindruck, sie sind unnütz, voller Fehler und nicht wert, geliebt zu werden. Solange diese Wahrnehmung nicht aufgelöst werden kann, ist kein Arbeiten am Konfl ikt zwischen Eltern und Kindern möglich. Ein erstes Ziel der Beratung ist daher, den Eltern zu ermöglichen, die Probleme aus der Perspektive des Kindes wahrzunehmen. Damit dies gelingen kann, brauchen Eltern und Kinder die Sicherheit, dass alle von Beratern geschätzt und akzeptiert werden. Manchmal ist es dafür sinnvoll, dass die Eltern zum ersten Gespräch allein kommen und auch den Kindern ein Gespräch allein mit dem Berater angeboten wird. So haben beide die Chance, unabhängig von einander Vertrauen zu den Beratungspersonen aufzubauen. Das nachfolgende Beispiel veranschaulicht die beschriebene wechselseitige Dynamik. Fallbeispiel Der achtjährige Max1 kommt mit seinen Eltern zum ersten Gespräch in die Beratungsstelle des Kinderschutz-Zentrums. Max ha e in der Schule erzählt, sein Vater habe ihn mit einem Zollstock geschlagen. Die zuständige Sozialarbeiterin im Jugendamt, die von der Lehrerin verständigt worden war, ha e nach einem Krisengespräch mit den Eltern die Familie zu einer Beratung im Kinderschutz-Zentrum verpfl ichtet. Während der Vater ausführlich die Schläge rech er gt, sinkt Max immer mehr in sich zusammen. Es hat den Anschein, als ob er durch die Worte des Vaters noch mal geschlagen wird. Der Vater beschreibt seinen Sohn als faul und schlampig. Dass es zu den he igen Schlägen gekommen sei, habe sich Max selbst zuzuschreiben, er habe durch seine Schlamperei eine teure Jacke und Sportschuhe verloren. 1 Name geändert 11


12 Die Mu er nickt zus mmend. Max rührt sich nicht in seinem Sessel, ein paar Tränen rollen ihm über die Wange. Die Eltern achten nicht auf ihn. Vater und Mu er haben in ihrer Wut den Blick auf Max verloren. Sie erleben ihr Kind mäch ger als sie selbst, da sie durch seine Ak on gezwungen wurden, eine Beratung aufzusuchen. Die Beraterin würde nun am liebsten Max verteidigen, weil sie das „Häufchen Elend“ anrührt. Damit wäre allerdings die Balance verloren. Damit die Eltern auf Max schauen können, brauchen sie zunächst selbst Verständnis für ihre Kränkung und Anerkennung für ihre Bemühungen um Max. Andererseits muss Max von der Beraterin ein Signal bekommen, dass er in seiner Traurigkeit wahrgenommen wird. Sie wendet sich an Max und benennt seine Traurigkeit. Dann spricht sie die Eltern an, welche Sorgen sie sich um Max machen. Nachdem die Eltern formulieren konnten, wie groß ihre Angst ist, Max könne in der Schule versagen und wie sehr sie sich von der Lehrerin als schlechte Eltern verurteilt fühlen, sind sie bereit, Max zuzuhören. Dieser antwortet auf die Frage der Beraterin, was sich in der Familie verändern soll: „Meine Eltern sollen ne er sein.“ Die Mu er seufzt ef und berichtet, dass sie sich in letzter Zeit sehr wenig um Max gekümmert habe. Sie habe durch ihre Schichtarbeit den Kontakt zu ihrem Sohn verloren und aufgrund der fortwährenden Schlamperei von Max daran gezweifelt, ob er die Anstrengung der Eltern schätzt. Der Vater mischt sich ärgerlich ein, er könne zu Max nur ne sein, wenn dieser sich an Regeln hält. Auch für den Vater ist das Verhalten von Max eine harte Kränkung. Er bemüht sich, seinem Sohn alle materiellen Wünsche zu erfüllen und dieser achtet die Sachen nicht. Ihm fällt es schwer, sich in die Lage von Max zu versetzen. Auf die Frage der Beraterin, was er an Max gut fi ndet, fällt ihm nichts ein. Er braucht zunächst selbst Wertschätzung, bevor er sich auf seinen Sohn einlassen kann. Die Mu er springt ein. Sie mag an ihrem Sohn, dass er gut bastelt und sie miteinander über die gleichen Sachen lachen können. Sie erinnert ihren Mann daran, dass er noch vor einem halben Jahr beeindruckt war, wie selbständig Max schon ist. Max, der sich in der Situa on langsam sicher fühlt, richtet sich mehr und mehr auf. Er wünscht sich, dass der Vater ö er mit ihm Schach spielt, das könne der Vater sehr gut. Dieser entgegnet, er werde nur dann mit Max spielen, wenn dieser alle Hausaufgaben erledigt habe. Die Eltern können die Sehnsucht von Max nach Zuwendung sehen, andererseits möchten sie auch eine Gegenleistung. Sie müssen hart arbeiten, das soll der Sohn ebenso machen. Ihre Unzufriedenheit mit der eigenen Arbeitssitua on verschiebt sich auf das Kind, er soll ihnen Freude machen ansta Kummer. Je mehr sie sich selbst entlastet fühlen, umso mehr können


sie auch die posi ven Eigenscha en von Max wieder in den Blick nehmen. Sie können Max klarmachen, dass er sich an die Regeln halten muss, aber sie wollen auch verstehen, was in ihrem Sohn vorgeht. So beginnt ein gemeinsamer Verständigungsprozess. Max selbst macht die Erfahrung, dass er nicht nur von der Beraterin ernst genommen wird, sondern, dass ihn auch seine Eltern mit anderen Augen sehen. Er gewinnt zunehmend an Selbstvertrauen und kann seine „Mir-dochegal-Haltung“ aufgeben. Beratung und Therapie von Kindern und Jugendlichen 72 Kinder und Jugendliche nahmen für sich alleine Gespräche in Anspruch. Oft hatten die Jugendlichen explizit darum gebeten, Gespräche ohne ihre Eltern haben zu können. Bei anderen waren diese Gespräche zusätzlich zur Beratung der Familien angeboten worden, weil sich die Kinder in der Beratung mit der Familie aufgrund von Loyalitätskonfl ikten kaum äußern konnten. Langfristige Kinder- bzw. Jugendlichentherapie erhielten Kinder bzw. Jugendliche, die durch chronifi zierte Konfl ikte, Misshandlung und Vernachlässigung traumatisiert sind. Kindertherapie mit der neunjährigen Maria „Meine Familie hat ein großes Haus mit Garten, wir haben viele Tiere: Zwei Hunde, eine Katze, den Papagei …“ „ … und ich habe das Dachgeschoss ganz allein für mich, einen Riesenpool, und es gibt ein Wohnmobil, … und einen Zoo mit Elefanten, einem Tiger (aber der ist ganz zahm); im Garten steht das Indianerzelt für die Kinder zum Spielen, da sind Schaukeln und die Mu er ist den ganzen Tag zuhause und kocht jeden Tag Essen …“ Das Puppenhaus wird während des Erzählens immer weiter eingerichtet. Immer mehr kommt noch dazu, was die neunjährige Maria sich für ihr Puppenhausmädchen Kay wünscht. Einmal im Leben rich g reich sein, so dass die Mu er sich keine Sorgen um Geld machen müsste, das wäre klasse, und schnell packt Maria die Goldstücke aus dem Piratenschatz in den Kleiderschrank. Und für den Fall, dass das nicht reicht, werden die Glitzersteine als Diamanten und Edelsteine dazugekippt. „Oh, da ist ja ein Tennisschläger: Tennis spiele ich auch – und auch Keyboard! Ich bin supergut und alle bewundern mich. Ah, gute Idee! Heute ist mein Geburtstag und alle Freundinnen kommen zur Party, bringen Geschenke mit … Alle werden staunen!“ Mir – als die Puppe Lisa – wird von Maria die Rolle zugedacht, eher arm zu sein, sie zu bewundern, aber auch zu beneiden. Lisa ist ebenfalls eingeladen zum Geburtstagsfest. 13


14 Für die weitere Spielhandlung gibt mir Maria klare Regieanweisungen. Solange diese mir nicht widerstreben, folge ich ihnen. Schon beim Betreten ist Lisa von der Schönheit und der Größe des Hauses ihrer Freundin sehr beeindruckt und bleibt in der Tür stehen. Die anderen Puppenkinder sind schon da und Kay zeigt Lisa das ganze Haus. Lisa ist sehr schüchtern angesichts der vielen fremden Dinge, was Marias Puppe Kay lus g fi ndet. Die anderen Puppenkinder lachen. Ich sage Maria, dass meine Puppe Lisa denkt, sie wird ausgelacht, weil sie vieles nicht kennt. Sie ärgere sich, dass andere darüber lachen. Maria hört aufmerksam zu, gibt mir recht: „Klar haben die sie ausgelacht. Sie tuscheln sogar hinter ihrem Rücken“. Der Kindergeburtstag nimmt seinen Lauf, immer wieder gibt es ähnliche Situa onen, bis ich Maria sage, ich weiß jetzt nicht mehr weiter, ich glaube, das Mädchen Lisa würde jetzt am liebsten nach Hause gehen. Maria sagt darauf: „Das kann ich gut verstehen“. Maria und ich arbeiten schon eine ganze Weile zusammen, und mithilfe ähnlicher Rollenspiele hat sie mir schon viel von sich erzählt. Sie hat noch nie ein Kind eingeladen in die kleine, altmodische Wohnung der Großmu er, in der sie seit einer Weile lebt. Es wäre ihr peinlich und „überhaupt einfach zu


kompliziert“. Wenn sie von der Schule nach Hause kommt, wird gegessen und Hausaufgaben gemacht. Dann geht die Großmu er schon bald zu Be , da sie bereits wieder um fünf Uhr morgens am Bahnhof Zeitungen verkau , um mit der Enkelin über die Runden zu kommen. Maria ist froh, dass die Oma sie aufgenommen hat, und nimmt viel Rücksicht auf sie. Verglichen mit dem harten Leben bei ihrer drogenabhängigen Mu er geht es Maria bei der Großmu er prima. Manchmal träumt Maria von den alten Zeiten, wenn ihre Mu er nicht ansprechbar war und sie bei den Nachbarn um Essen be elte. Dann wacht sie auf und ist nur schwer zu beruhigen. Es ist viel Wut, aber auch Sehnsucht und Sorge um die Mu er da, über die sie mit der Oma nicht sprechen möchte. Das bringt sie durcheinander. Nach diesen Träumen kann sich Maria in der Schule nicht konzentrieren, wo sie als unsicheres, freundliches Kind gilt, das immer etwas abseits steht. Die Mitschülerinnen vergessen sie meistens, wenn sie sich für den Nachmi ag verabreden. Maria fällt auf, dass die Puppenhausfi guren keine warmen Jacken und Schals haben, und dass es in der Puppenküche nur leere Teller und Kochtöpfe gibt, wie das früher bei ihrer Mu er war. Für die kleine Welt des Puppenhauses können wir Abhilfe schaff en, nähen aus Filz einfache Kleider und basteln aus Fimo Obst, Gemüse und Brot. Währenddessen erzählt Maria immer wieder Begebenheiten aus ihrem Leben und wie es damals für sie war, wenn sie aus Verzweifl ung zu den Nachbarn ging, obwohl ihr die Mu er das verboten ha e. Als ich Maria frage, ob es auch etwas gibt, was ihr selbst im Moment fehlt, verneint sie ganz schnell. Nach und nach fallen ihr aber doch Dinge ein „die aber sowieso nicht gehen“, wie sie mir gleich versichert. 15


16 Maria hä e gern ein eigenes abgeschlossenes Zimmer, das sie selbst nach ihrem Geschmack einrichten darf, möchte wie die anderen Mädchen allein von der Schule nach Hause fahren und sich verabreden können. Maria zögert, sich mit diesen Wünschen an die Großmu er zu wenden. Sie möchte nicht undankbar erscheinen und fürchtet, dass ihre Anliegen abgelehnt werden. Wir überlegen, wie sie diese Wünsche mit der Oma besprechen könnte, und nach einiger Zeit wagt sie es. Die Oma war sehr off en dafür und ha e sich selbst schon Gedanken gemacht, wie sie die Lebenssitua on mit der Enkelin verbessern könnte. Auch Marias Oma kommt regelmäßig zur Beratung. Sie fühlt sich manchmal überfordert und unsicher im Umgang mit ihrer Enkelin. Die Großmu er befürchtet, dass Maria den gleichen verhängnisvollen Weg wie ihre Mu er gehen könnte und denkt viel darüber nach, was sie bei Marias Mu er in der Erziehung falsch gemacht hat. Wir überlegen auch, ob es für Maria hilfreich sein könnte, wenn sie wieder Kontakt zu ihrer Mu er hä e und unter welchen Bedingungen dies möglich wäre. Beim Spielen entwickelt Maria den Wunsch, ein eigenes Puppenhaus zu haben, und wir basteln in verschiedenen Schuhkartons ein Zimmer, eine Küche und ein Bad, die Maria dann nachhause nimmt. Im weiteren Verlauf der Therapie arbeitet Maria an neuen Themen, entdeckt Regelspiele, die sie dann teilweise auch mit ihrer Großmu er zuhause spielt und entwickelt viel Spaß am We eifern und Gewinnen. Maria wird selbstbewusster und lernt sich auseinander zu setzen. Dies ist für die Großmu er nicht immer einfach, und sie fi ndet unsere Beratungsgespräche sehr hilfreich, um für sich immer wieder Klarheit zu erlangen. Inzwischen hat Marias Oma nach langem Suchen am Stadtrand eine bezahlbare kleine Dachwohnung gefunden, in die sie einziehen, und beide haben viel Spaß daran, die Wohnung gemeinsam einzurichten. Maria lackiert ihre Möbel selbst in ihrer Lieblingsfarbe und ist sehr stolz auf das Ergebnis. Entgegen ihrer Befürchtungen kommt Maria in der neuen Schule


gut an und fi ndet Freundinnen. Gegen Ende der Therapie hat sich Maria noch einen Verkaufsstand für Süßigkeiten gebaut mit vielen Zuckerstangen und Lutschern. Sie malte sich in der Phantasie aus, wie toll das wäre, wenn sie den in Wirklichkeit besäße – am besten einen ganzen Rummelplatz dazu mit Achterbahn und Karussell. Als Maria und ihre Großmu er sich an unserem letzten Termin verabschieden, versichern sie sich, dass sie wiederkommen können, wenn neue Schwierigkeiten au reten sollten. Mar na Kaiser Alltag in unserer Kinderwohngruppe Im Jahr 2010 lebten in der Kinderwohngruppe 23 Kinder im Alter von 2 bis 13 Jahren. Alle waren von den Sozialarbeiter/innen des Sozialpädagogischen Dienstes im Jugendamt in Obhut genommen worden, weil sie in ihrer Familie Gefährdungen ausgesetzt waren. Die kleinen Kinder waren meist von ihren Eltern nicht genügend versorgt worden. Einige der Älteren kamen in die Wohngruppe, weil sie zuhause misshandelt wurden, andere waren sexuell missbraucht. Trotz der schwierigen Ausgangslage durch die Inobhutnahme konnten sich ein Teil der Eltern auf einen Beratungsprozess einlassen, an dessen Ende die Rückkehr des Kindes in die Familie stand. Auszug aus der Sta s k Anzahl der neu aufgenommenen Kinder: Dauer des 18 Aufenthalts weiblich männlich gesamt bis 28 Tage 2 0 2 bis 3 Monate 4 3 7 bis 6 Monate 7 2 9 länger 1 4 5 Alter weiblich männlich gesamt bis 3 3 2 5 4 bis 6 1 2 3 7 bis 10 6 3 9 11 bis 13 4 2 6 Verbleib der Kinder nach dem Aufenthalt Zu den Eltern 8 | Pfl egefamilie 0 | Heim 7 Acht Kinder blieben über den Jahreswechsel. 17


18 Ein Tag in der Kinderwohngruppe 2 6:00 Uhr Wecken und Frühstück. Es ist noch dunkel draußen. Noch die schäumende Zahnbürste im Mundwinkel, hört der Betreuer tappende Schri e auf dem Flur und vor ihm steht der dreijährige Micha und reibt sich verschlafen die Augen. „Ist schon Morgen, kann ich aufstehen?“ murmelt er. Er wird wieder ins Be begleitet, denn jetzt sind erst einmal die Schulkinder dran, die versorgt werden müssen. In der Küche stehen Cornfl akes, Milch und Toast zum Frühstücken schon bereit und der Betreuer befragt die Kinder nach Ihren Wünschen für die Schulbrote. Heute ist Salami der unangefochtene Favorit. 7:30 Uhr Die Schule ru . Die Brotbüchsen sind bestückt und ein Brief für einen Gesprächstermin mit der Lehrerin von Jonas liegt im Mi eilungshe , da fällt Jonas plötzlich ein, dass er heute einen Fußball mitbringen muss. Auch dieser wird bescha und Jonas wird mit zwei weiteren Kindern samt Schultaschen vom Zivi ins Auto befördert, angeschnallt und zur Schule gefahren. Die anderen beiden Schulkinder – zwei Mädchen – sind in der Küche in Streit über eine Zeitschri geraten, die beide als die ihre reklamieren. Sie stehen sich unversöhnlich gegenüber und zischen sich wütend an. Der Betreuer nimmt die Zeitschri und sagt ruhig aber entschieden: „Ihr müsst jetzt zur Schule, das klären wir heute Nachmi ag, ich nehme die Zeitschri erst mal an mich.“ Da ihre Schule nur zwei Straßen weiter ist, können sie alleine zur Schule laufen. 8:30 Uhr Frühstück der Kleinen. Nachdem die Schulkinder aus dem Haus sind, geht der Betreuer wieder in die obere Etage zu den kleinen Kindern, die jetzt alle schon wach sind und angezogen werden müssen. Die kleine Paula braucht noch eine frische Windel und muss, da sie an Neurodermi s leidet, eine spezielle Salbe aufgetragen bekommen. Nun geht’s aber endlich runter zum Frühstück für die Kleinen. Während der Betreuer eine Banane holt, hat der zweijährige Tom einen Milchbecher ausgekippt. Die Milch tröpfelt der kleinen Paula über die Hose, so dass sie erschreckt anfängt zu weinen. Der Betreuer beruhigt Paula und holt eine neue Hose. Dann kann das Frühstück fortgesetzt werden. Dabei erzählt Tom, wie seine Mu er ihn immer wieder mit einem Handtuch schlug, weil er am Tisch Sa verkleckert ha e. 2 Alle Namen geändert


9:00 Uhr Dienstwechsel. Kurz berichtet der Betreuer, immer wieder von kleinen Streits der Kinder unterbrochen, seiner Kollegin wie die Nacht war und was für Termine anstehen. Da sind um 10 Uhr die Ergotherapie von Lukas und die Logopädie bei Paula. Und um 11 Uhr kommt die Mu er von Simon zu Besuch. 10:00 Uhr Ententeich. Nachdem die beiden Kleinen zu ihren jeweiligen Therapieterminen gebracht worden sind, kann die Betreuerin mit den anderen drei kleinen Kindern zum nahe gelegenen Ententeich gehen. Darauf haben sie sich schon die ganze Woche gefreut. „Ente fu ern“ wie der kleine Tom begeistert ru . Unterwegs stolpert er aber und fällt auf sein Knie, das etwas blutet. Zum Glück hat die Betreuerin ein Pfl aster mit, das zusammen mit einem Bonbon Schmerz und Schreck gleichermaßen vertreibt. 11:00 Uhr Besuchszeit. Ergotherapie und Logopädie sind vorbei. Alle Kleinen sind wieder da und die Mu er von Simon ist gekommen. Sie hat eine ganze Tasche voller Süßigkeiten mitgebracht und gibt sie ihrem Sohn. Die Betreuerin versucht der Mu er zu erklären, dass das für ein kleines Kind wie Simon viel zu viel ist. Simon protes ert lautstark und tri nach der Mu er als diese etwas von den Süßigkeiten wieder an sich nehmen will. Diese ist verunsichert und weiß nicht was sie tun soll. Zuhause hat sie alles gemacht, was ihr kleiner Sohn wollte. Die Betreuerin unterstützt die Mu er, indem sie sich mit der Mu er und Simon hinsetzt und zu vermi eln sucht. Die Mu er wirkt etwas sicherer und kann mit Hilfe der Betreuerin die Situa on in ein Spiel überführen. 13:00 Uhr Mi agessen. Die Schulkinder sind eingetroff en und alle stürmen in die Küche, angetrieben von der Angst zu wenig abzubekommen. Dabei ist genug da. Die zwei Betreuer die zum Spätdienst schon mit am Tisch sitzen, ordnen und beruhigen die Kinder. Sie verteilen das Essen und versuchen besonders die Kleinen mit dem ungewohnten Gemüse „näher bekannt“ zu machen. Trotzdem bleibt die Situa on aufgeregt und schön zugleich. Die Schulkinder berichten von ihren Erlebnissen. Ein Mathetest wurde geschrieben und die Mathelehrerin von Steven ist krank. Tom erzählt begeistert von den Enten, die er mit Brot beworfen hat. Ein Becher fällt wieder um und der kleine Simon niest so he ig, dass er gleichzei g einen Schluckauf bekommt, worüber alle lachen müssen. 19


20 14:00 Uhr Mi agsbesprechung. Nachdem der kleine Tom in den nicht immer ganz gewollten, dennoch ersehnten Mi agsschlaf gesungen wurde, versammeln sich die Betreuer des Früh- und Spätdienstes bei einem Kaff ee in der Küche. Sie besprechen den Nachmi ag. In dieser Zeit sollen sich die Kinder allein beschä igen. Eine „Übung“ die den meisten von ihnen sichtlich schwer fällt, da sie das entweder nicht gewohnt sind oder schon zu o in ihrem Leben auf sich allein gestellt waren. 15:00 Uhr Hausaufgaben und Termine. Der Nachmittag ist geplant, Tom vorsichtig aus dem Mittagsschlaf geweckt und alle Schulkinder sind im Hausarbeitszimmer versammelt. Auch wenn Steven wie jeden Tag energisch das Vorhandensein von Hausaufgaben abstreitet, fi ndet sich in seiner Schultasche ein Aufgabenbla , das er ausfüllen muss. Verena muss ein Gedicht lernen, Jerome schreibt morgen ein Diktat und Susanne hat „vorsichtshalber“ ihr Mathebuch in der Schule „vergessen“. Eine Freundin muss angerufen werden, die ihr die Aufgaben durchgibt. Die Kinder tun sich schwer mit dem Lernen. Sie haben o große Defi zite und sind es nicht gewohnt, regelmäßig Hausaufgaben zu machen. Da klingelt schon zum vierten Mal das Telefon und der Betreuer muss ins Büro. Frau Schmi , die für Susanne zuständige Sozialarbeiterin des Jugendamts, möchte ein Termin für eine Hilfekonferenz absprechen. 16:00 Uhr Spielen, Spielen, Spielen. Endlich ist Zeit zum Spielen. Da die Sonne scheint, werden alle Kinder angezogen und gehen in den Garten. Vorher muss Steven noch zum Fußballtraining gefahren werden. Dann aber gibt’s im Garten großes Versteckspielen, das allen enormen Spaß macht, auch wenn es wieder zu etwas Streit kommt. Z.B. weil die kleine Paula immer die Verstecke der anderen Kinder verrät und Susanne, die das von ihrer kleinen Schwester von zu Hause kennt, s nksauer wird und mit einem Stock auf Paula losstürmt, die sich hinter einen Betreuer fl üchtet. Und da kommt ja endlich Klaus, der Betreuer von Tom. Gemeinsam gehen sie in den therapeu sch eingerichteten Spielkeller, in dem sie einmal die Woche eine Stunde ganz für sich alleine haben. Zum Spielen … 17:30 Uhr Abendessen. Der vom Fußball zurückgekehrte Steven und Alex decken den Tisch. Dann wird der Gong geschlagen und alle Kinder wissen: Jetzt gibt’s Abendbrot. Doch das wird o sehr dynamisch. Da gibt es „Streitreste“ vom Tag, Konkurrenz ums Essen und die Aufmerksamkeit der Betreuer und viel zu erzählen. Die meisten Kinder kennen gemeinsame Abendes-


sen nicht von zu Hause und sind damit am Anfang sichtlich überfordert. Simon hat gar keinen Hunger und bohrt nur seinen Finger in die Bu er, so dass für die Betreuer viel zu tun ist und o wenig Zeit für ein eigenes Brot bleibt. 18:30 Uhr Baden und Video schauen. Nach dem Abendessen heißt es Küche aufräumen, was heute Susanne und Janine zusammen mit dem Betreuer mehr oder minder freiwillig erledigen. Inzwischen werden oben die ersten Kleinen gebadet. Paula liebt es ausgiebig zu planschen und mit ihrer Ente zu spielen, während Tom immer noch große Angst hat vor dem Duschen. Er wehrt sich mit Händen und Füßen gegen das aus dem Duschkopf „feindlich“ spritzende Wasser und es bedarf großer Geduld und Empathie, um ihn zu einem vorsich gen Kontakt mit dem Wasser zu überreden. Inzwischen haben die Kinder sich einen Videofi lm herausgesucht. „Lars – der kleine Eisbär“ Und so kuscheln sich alle in die Sofas und Sessel und dazu gibt’s noch ein Teller frisch geschni enes Obst. Nach einer halben Stunde ist Zahnputzpause und die Kleinen werden ins Be gebracht. 20:00 Uhr Ins-Be -Bringen und Gute Nacht. Und so bringen die Betreuer nacheinander die Kinder ins Be . Jedes wird noch zugedeckt, die Anziehsachen für den nächsten Tag werden zurechtgelegt, das Nachtlicht und bei Wunsch ein Kasse enrekorder mit Benjamin Blümchen-Kasse en eingeschaltet. Dann gehen auch die größeren Kinder ins Be und werden dort ganz schnell zu kleinen Kindern, die sich vom Betreuer ein Märchen vorlesen oder ein lus ges Lied vorsingen lassen. 21:00 Uhr Nachtdienst und Licht aus. Die Betreuer räumen noch die Wohngruppe ein wenig auf, decken den Frühstücks sch und schreiben ins Tagebuch die Ereignisse des Tages. Dann tri der Kollege ein, der Nachtdienst hat. Steven kommt noch mal aus seinem Zimmer. Ihm ist eingefallen, dass er morgen für einen Ausfl ug 4 € braucht und Gummis efel. 00:30 Uhr Schlecht geträumt. Der Nachtdienst hat sich gerade eine Stunde hingelegt, da ru Susanne laut und weint. Ein Albtraum hat sie aufgeschreckt und einnässen lassen. Der Betreuer tröstet Susanne, nimmt sie in den Arm und wechselt anschließend Be wäsche und Schlafanzug des jetzt wieder müde tapsigen Mädchens. Er bleibt noch solange im Zimmer bis sie wieder eingeschlafen ist und geht dann selber zu Be in der Hoff nung, bis der Wecker klingelt durchschlafen zu können. 21


22 „Auf der Krankensta on“ – Therapeu sche Erste Hilfe in der Wohngruppe Jedes Kind verbringt einmal in der Woche eine Einzelstunde mit seiner besonders geschulten Betreuungsperson, um trauma sche Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung im Spiel refl ek eren zu können. Dafür haben wir im Souterrain des Hauses einen therapeu sch eingerichteten Raum, für den besondere Regeln gelten. Nur zur Einzelstunde kann man hier herein, immer in dieser Zweiersitua on. Die Spielsachen bleiben auch immer dort. Dies macht den Raum zu einem Besonderen, wodurch im Laufe der Zeit dort Prozesse und Interak onen in Gang kommen, die den Charakter einer „Therapeu schen Ersten Hilfe“ tragen. Lena, ein achtjähriges, schmäch ges Mädchen spielt dort am liebsten mit Playmobil. Mit großer Sorgfalt stellt sie jede Woche verschiedene Szenarien auf. Meist macht die Vater- Mu er-Kind-Familie einen Ausfl ug, auf den sich alle freuen. Nach Badespaß am See oder Toben im Wald, passiert aber stets ein Unglück. Einmal bricht sich die Mu er ein Bein, als sie auf dem steilen Weg zurück zum Auto ausrutscht. Die herbeieilenden Sanitäter kümmern sich aufopferungsvoll um die Mu er und bringen sie ins Krankenhaus, wo sie von Schwestern und Ärzten umhegt und gepfl egt wird. Der Bruch ist aber kompliziert, eine Opera on notwendig. Als es der Mu er besser geht und sich die Familie schon auf die Entlassung freut, entpuppt sich eine der Schwestern aber als „Todesengel“, der der Mu er extra eine falsche Spritze gibt. Das Herz hört auf zu schlagen. Vater und Kind, die zu Besuch sind, werden schroff des Raumes verwiesen. Nach einer komplizierten, aber letztlich erfolgreichen Herztransplanta on, kommt der Arzt zur Mu er ins Zimmer. Er hat eine herzförmige, geöff nete Blechdose in den Händen, die er der Mu er mit den Worten übergibt: „Das ist Ihr altes Herz, das ist zerbrochen“. Aus der Familiengeschichte wussten wir, dass es kein ähnliches reales Ereignis gegeben ha e. Da Lena fast jede Woche solche Szenarien darstellte, vermuteten wir, dass in diesen Geschichten Mo ve und Gefühle ihres eigenen Erlebens enthalten sind. Eindrücklich beim Spielen waren vor allem zwei Dinge: Zum einen führte Lena nach und nach in jedes Spiel immer mehr Figuren ein, so dass irgendwann verschwamm, wer wen spielt, wer wer ist. Des Ö eren wechselte sie während des Spiels die Figuren aus. Der Betreuer bekam die Figuren, die Lena vorher ha e, sie nahm die Figuren des Betreuers. Zum anderen war es typisch, dass eine von ihrem Beruf her als helfend agierende Figur (z.B. ein Arzt), irgendwann zu einem „Bösen“ wurde. Unsere Hypothese war, dass Lena mit ihren Inszenierungen in den Einzelstunden ein für sie (damit verbundenes) grundle-


gendes Gefühl von Angst zum Ausdruck bringt: Sie kann sich nie darauf verlassen, ob eine schöne Situa on auch gut endet (ein Familienausfl ug). Und ob nicht jemand, der „es gut mit ihr meint“, sich nicht unvermi elt auf die andere Seite schlägt (der „Todesengel“). Ferner ließen die Szenen vermuten, dass Lena unsicher war, ob sie selbst gut oder böse ist. Auf der Grundlage dieser Überlegungen führte ich als Betreuer in kleinen Schri en einige Modifi ka onen in das Spiel ein. Die Anzahl der Personen, die mitspielten, haben wir auf drei pro Spieler beschränkt. Dies hat der Rollen- und Iden fi ka onskonfusion ausreichend Einhalt geboten. Und weiter hat eine Familienfi gur, wenn sie von mir als Betreuer geführt wurde, stets die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass vielleicht jemand von den Helfern etwas Böses im Schilde führt. Wenn mir als Betreuer eine Helferfi gur zugeteilt war, blieb die Figur Helfer ohne böse Absichten. Diese Modifi ka onen mögen äußerst gering erscheinen. Als Veränderungen in einem aber lange Jahre währenden Muster des Selbsterlebens waren es für Lena entscheidende. Im Alltag rannte sie in Konfl iktsitua onen o mals auf ihr Zimmer, warf sich auf ihr Be und wiederholte ohne Unterbrechung den Satz „Ich bin ein böses Kind!“. Dies war eine der Zuschreibungen durch ihre Eltern, die alle Probleme der Familie an Lena festmachten. Die sogar, um ihr „Schlimmes“ nachweisen zu können, eine Videokamera im Kinderzimmer mon ert ha en. In der Einzelstunde wie im Gruppenalltag konnte Lena in der Zeit ihres Aufenthaltes die Erfahrung machen, dass es Menschen gibt, auf deren Wort sie sich verlassen kann und die zu ihr stehen. Sie widersprechen auch ihrem Satz „Ich bin ein böses Kind!“ und meinen das ernst. Lenas Eltern haben parallel eine Beratung in unserer Beratungsstelle Hohenschönhausen angenommen. Hier konnten Sie gemeinsam mit der Beraterin erarbeiten, dass für Lena eine längerfris ge sta onäre Hilfe am hilfreichsten ist. In Koopera on mit dem zuständigen Jugendamt haben wir für Lena eine Erziehungswohngruppe mit sechs Plätzen in guter Erreichbarkeit für die Eltern gesucht und gefunden. Thorsten Bloedhorn Diese „Therapeutische Erste Hilfe“ gibt den Kindern die Möglichkeit, ihre Verwirrung der Gefühle von Wut, Angst und Schuld nach Misshandlung und Vernachlässigung darzustellen und im Spiel neue Erfahrungen zu machen. Sie sind für alle Kinder in ihrer Krisensituation ein Ort der Sicherheit, Ruhe und Verlässlichkeit. Wir danken allen Unterstützern herzlich, die mit ihrer Spende oder dem Erwerb eines Bildes auf unserer dritten Kunstauktion diese Einzelstunden für eine bestimmte Zeit ermöglichten. 23


24 Bevor manches zu spät ist: Prävention im Kinderschutz-Zentrum In beiden Beratungsstellen wurden spezielle Projekte für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern weitergeführt und konnten sogar um ein neues Projekt erweitert werden. Traumkind – das Präventionsprojekt in der Neuköllner Beratungsstelle In der Beratungsstelle in Neukölln konnte das Projekt Traumkind für junge Eltern mit belasteter Biografi e sein einjähriges Bestehen feiern. Die Gruppe für jugendliche Schwangere und junge Eltern ist sehr gut nachgefragt. Jugendämter, das Familiengericht, die Klinik oder andere Beratungsstellen überweisen uns die Familien. Zeitweilig konnten wir leider nicht alle Anfragen nach Teilnahme positiv beantworten, weil die Gruppe übervoll war. Wenn alle Teilnehmer da sind, sind bis zu 20 Personen im Raum - Babys, Mütter, Väter, Großeltern, andere Helfer und die beiden Familienberater. Die Eltern kommen sehr gern und regelmäßig. Väter kommen mit, wenn sie nicht einer Arbeit nachgehen. Außer an Feiertagen fi ndet die Gruppe jeden Donnerstag statt, um einen verlässlichen Ort für die Eltern zu sichern. Parallel zur Gruppe besuchen wir Eltern Zuhause oder führen mit ihnen Einzelgespräche in der Beratungsstelle. Häufi g erstellen wir dabei ein Video von der Interaktion mit ihren Kindern. Ausschnitte aus dem Video sehen wir uns dann gemeinsam mit den Eltern an, um sie für die Signale ihrer Kinder zu sensibilisieren. Als Erfolg werten wir u. a., dass etliche der Eltern, die wir inzwischen aus der Gruppe verabschiedet haben, sich weiter mit Fragen zur Entwicklung ihrer Kinder an uns wenden.


Auch das Angebot der Einzelberatung ohne Gruppenbesuch ist gut nachgefragt. Die meisten Eltern, die von sich aus Rat suchen, kommen über unser Krisentelefon zu uns. Probleme mit dem Essen, dem Schlafen oder exzessives Schreien sind die Hauptanlässe, die Eltern zu uns führen. Im Berichtszeitraum haben wir 26 Einzelberatungen, die je zwischen 8 und 12 Termine umfassten, durchgeführt, 19 Beratungen davon wurden inzwischen beendet. Eine Finanzierung des Projekts über Mai 2012 hinaus ist noch sehr fraglich, obwohl das Projekt sehr erfolgreich arbeitet und im Bezirk geschätzt wird. Ob die weitere Finanzierung der neu geschaffenen Stelle aus Eigenmitteln des Kinderschutz-Zentrums und aus Mitteln des Bezirks Neukölln möglich sein wird, müssen wir im Laufe des Jahres 2011 klären. Wir danken an dieser Stelle ganz besonders Herrn Dr. Becker und seiner Familie, die anlässlich der Beerdigung von Frau Becker die Trauergäste um eine Spende für das Projekt gebeten haben. Prävention in der Beratungsstelle Hohenschönhausen Eltern-Kind-Gruppe – ein bewährtes Angebot In der Beratungsstelle Hohenschönhausen fanden über das gesamte Jahr wiederum die Treffen der Eltern-Kind-Gruppe statt. An der Gruppe nahmen durchschnittlich immer acht bis zehn Eltern mit ihren Säuglingen und Kleinkindern kontinuierlich teil. Die wöchentlichen Gruppenvormittage über zweieinhalb Stunden, die von einer Mitarbeiterin und meist der jeweiligen Praktikantin vorbereitet und angeleitet werden, sind für die Eltern ein wichtiger und vertrauter Ort geworden, den sie entsprechend ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse und auch besonderer Anliegen für sich nutzen können. Die kleinen Kinder können erste Erfahrungen im Kontakt mit anderen machen und die Eltern erleben andere Eltern, tauschen sich aus, unterstützen oder trösten sich auch. Wenn notwendig kann es zusätzlich therapeutische Einzelgespräche geben, bzw. Eltern wird geholfen, noch weitere Unterstützungsmöglichkeiten zu fi nden. Das Angebot ist nach wie vor gut nachgefragt und wird seit längerem schon von Kinderärzten oder anderen Einrichtungen den Eltern empfohlen. Erfreulich war es für uns in den letzten Gruppen, dass immer auch wieder Väter, die die Elternzeit genommen hatten, daran teilnahmen. Großmütter oder andere wichtige Bezugspersonen der Eltern und Kinder sind immer willkommen. Wir verabschiedeten wieder etliche Kinder zum Übergang in die Kita. Zu einer schönen Tradition ist es geworden, dass viele Eltern danach immer noch mal an einem Gruppenvormittag vorbei schauen, um von der Eingewöhnung ihrer Kinder in die Kita zu berichten, und die anderen Eltern und Kinder wieder zu sehen. 25


26 Besonders freut uns, wenn Eltern mit ihrem nächsten Kind wieder zu uns zurückkommen, was inzwischen in fast jeder neuen Gruppe der Fall ist. Wir sehen das auch als eine Bestätigung dieses wertvollen präventiven Angebotes des Kinderschutz-Zentrums. Von Anfang an – ein Projekt in Kooperation mit dem Jugendamt Lichtenberg 1 Mit diesem im Juni 2010 begonnenen Projekt wollen wir Schwangere und Eltern mit kleinen Kindern aus dem Bezirk Lichtenberg über einen längeren Zeitraum begleiten und unterstützen, damit der Start ins Familienleben von Anfang an gut gelingen kann. Ziel ist es, Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung vorzubeugen, um den Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen. Aus den Erfahrungen der jahrelangen Beratungsarbeit mit misshandelten und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern wissen wir, wie bedeutsam der Start in das gemeinsame Familienleben ist. Schon hier können Phantasien und Fehldeutungen des kindlichen Verhaltens zu Zuschreibungen und Missverständnissen führen, die die Eltern-Kind-Beziehung häufi g nachhaltig belasten. Diese anzusprechen und mit den Eltern auf der Grundlage ihrer eigenen Geschichte zu verstehen, gleichzeitig aber auch die entwicklungsbedingten Bedürfnisse und die Signale des Kindes den Eltern verständlich zu machen, ist die Chance der präventiven Arbeit. So kann eine Mutter beispielsweise lernen, dass das Wegdrehen des Kopfes des Kindes im Spiel ein Zeichen dafür sein kann, dass es gerade eine Erholungspause braucht oder seine Aufmerksamkeit durch etwas anderes abgelenkt wurde. Sie muss das Abwenden dann nicht als Wiederholung der Kränkungen und Enttäuschungen aus anderen Beziehungserfahrungen (i.S.v. ich bin nicht wichtig genug) erleben, sondern kann es als entwicklungsbedingtes kindliches Verhalten deuten und verstehen. Dies wiederum wird sich auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind auswirken und kann zu Entspannung führen. In der ersten gemeinsamen Zeit ist der Wille der Eltern, ihren Kindern alles erdenklich Gute zukommen zu lassen, sehr stark. Das zeigt sich auch in den Anmeldungen zur Teilnahme am Projekt von Anfang an: Schon nach sieben Monaten sind die Kapazitäten des auf acht Plätze ausgelegten Projektes ausgeschöpft und die Nachfrage hält immer noch an. Alle teilnehmenden Eltern haben sich selbst im Kinderschutz-Zentrum gemeldet. Manchmal hatten sie vorher schon Kontakt zu anderen Institutionen, die uns empfohlen haben. 1 Das Jugendamt Lichtenberg fi nanziert bis Dezember 2011 eine halbe Stelle für eine Dipl. Sozialpädagogin


Vornehmlich handelt es sich um Familien, die mit besonderen biografi schen, gesundheitlichen oder anderen Belastungen konfrontiert sind und / oder sich überlastet fühlen. Diese (werdenden) Eltern sind ähnlich wie beim Projekt Traumkind in Neukölln noch sehr jung, eingewandert und suchen soziale Kontakte oder alleinerziehend. Sie haben wenig soziale Unterstützung in ihrem Umfeld, haben einen schweren Start (komplizierte Schwangerschaft oder Geburt, langer Krankenhausaufenthalt, Trennungserfahrungen), bekamen zu früh geborene Babys oder Kinder mit besonderen Entwicklungsbedürfnissen, machten schwierige Erfahrungen in der eigenen Kindheit mit ihren Bezugspersonen (Suchtproblematik, Parentifi zierung, Gewalt), befi nden sich im Ablösungskonfl ikt zur eigenen Herkunftsfamilie oder ein Elternteil ist psychisch erkrankt. Das Angebot von von Anfang an umfasst die Arbeit in der Gruppe als auch Einzelgespräche, die in den Räumen der Beratungsstelle oder auch in Form von Hausbesuchen stattfi nden. Seit September 2010 fi nden wöchentlich Gruppentreffen statt. Beim gemeinsamen Frühstück kommen die Eltern in Kontakt, tauschen sich über die Ereignisse der letzten Woche und Erlebnisse mit ihrem Kind aus. Nach dem Essen setzen die Erwachsen sich zu den Kindern auf den Boden und Themen, die bereits am Tisch begonnen wurden, werden fortgeführt. Diese sind immer sehr an der momentanen Lebenssituation und Entwicklung des Kindes orientiert. Auch die Lieder, Fingerspiele und das angebotene Spielzeug sind auf das Alter der Kinder abgestimmt. Die zuverlässige, versorgende und wohlwollende Haltung gegenüber den Eltern bildet den Boden für die gemeinsame Arbeit. Indem ihre Gedanken und Gefühle ernst genommen werden, wird es möglich, mit ihnen ins Gespräch und somit in die Arbeit zu kommen. Das Erleben eines empathischen und respektvollen Umgangs bietet die Chance, dass diese Haltung als wertvoll erlebt und diese in der Beziehung zu ihrem Kind umgesetzt wird. Auch in der Gruppe wird dies unter den Eltern spürbar. So trauen sich immer mehr Mütter Fragen in der Gruppe offen auszusprechen, Eltern machen sich gegenseitig auf jeweilige Reaktionen 27


28 auf das Kind aufmerksam und hinterfragen diese. Einige Eltern trauen sich bereits eigene Erfahrungen und Fähigkeiten in die Gestaltung der Gruppe einzubringen. 2 Erste Kontakte zwischen den Eltern außerhalb des Projektes sind entstanden. Einigen Eltern genügt es, sich in der Gruppe Anregungen zu holen. Viele Eltern nutzen aber auch die Einzelberatung. Ob diese in Form von Hausbesuchen oder in der Beratungsstelle stattfi nden, wird immer wieder im Gespräch mit den Eltern geklärt. Die Hausbesuche verstehen sich als Angebot und fi nden somit nur auf Wunsch statt. Ein Ziel der Einzelberatung ist es, die individuelle Eltern-Kind- Beziehung in den Blick zu nehmen und zu thematisieren. Dazu werden beobachtbare Interaktionen mit dem Kind und deren mögliche Auswirkungen auf dessen Entwicklung besprochen. Insbesondere wird versucht, Eltern auf die entwicklungsbedingten Bedürfnisse ihres Kindes aufmerksam zu machen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie sie ihr Kind unterstützen können. Aber auch andere Themen, die das Leben mit dem Kind betreffen, können zur Sprache kommen. So z.B.: Wie gestalte ich die Umgangskontakte zum Kindesvater, mit dem ich sehr zerstritten bin? Wie komme ich an einen Kita-Gutschein und an einen Kindergartenplatz? Wie sichern wir als Familie die Betreuung unseres Kindes, wenn ein Elternteil durch seine psychische Erkrankung ausfällt? Es ist uns ein großes Anliegen das Projekt im Bezirk gut bekannt zu machen, Kontakte zu Fachpersonal und Institutionen zu knüpfen, die für den Zugang und anschließende Hilfeprozesse wichtig sein könnten. Damit entstand ein dichtes Netz von Kooperationspartnern. Wir hoffen, dass die Arbeit mit den Familien auch noch nach Ablauf des Jahres 2011 fortgeführt werden kann, damit Eltern, die bisher keine zuverlässigen und stabilen Beziehungserfahrungen machen konnten, hier einen Ort fi nden, dies nachzuholen. Dies setzt eine stabile Finanzierung des Projektes von Anfang an voraus. Nicole Panzlaff 2 So bringt eine Mu er gern Kuchen mit, eine andere stellt ein neues Kinderlied vor, es werden Empfehlungen für schonende und doch wirksame Arzneimi el weitergegeben ...


Unsere Angebote für Fachkräfte: Fachberatung, Supervision und Fortbildung Kinder, die in ihrem Wohl gefährdet sind, werden geschützt, indem Fachkräfte gut mit Eltern und Kindern in Kontakt kommen. Damit dies gelingt, können sich Fachkräfte aus der Jugendhilfe, dem Gesundheits- und dem Bildungswesen im Kinderschutz- Zentrum beraten lassen. Sie sind gemäß der gesetzlichen Vorschrift (§ 8a SGB VIII Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) gehalten, bei der Einschätzung von Gefährdung des Kindeswohls eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ hinzuzuziehen. Diese Aufgabe übernehmen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 334 Fachkräfte nahmen uns in Anspruch, 16% mehr als im Vorjahr. Der häufi gste Anlass für eine Fachberatung ist die Einschätzung der Gefährdung von Kindern. Diese Einschätzung erfolgt durch strukturierte Fragen nach den Äußerungen des Kindes über Misshandlungen der Gewährleistung der Versorgung des Kindes, dem physischen und psychischen Zustand des Kindes, seinem Verhalten gegenüber Kindern und Bezugspersonen außerhalb der Familie dem beobachtbaren Verhalten der Eltern gegenüber dem Kind den Risikofaktoren in der Familie (z.B. alleinerziehender Elternteil, enge Wohnverhältnisse) den persönlichen Risikofaktoren der Eltern (z.B. Sucht, psychische Erkrankung) den Ressourcen der Eltern (z.B. Tatkraft, Optimismus, soziales Netz) den Schutzfaktoren beim Kind (z.B. positive Ausstrahlung, Intelligenz, Selbstvertrauen) den Ressourcen der Fachkräfte für die Arbeit mit der Familie Bei dieser Einschätzung werden je nach Fallkonstellation auch standardisierte Einschätzbögen wie der Berliner Kinderschutzbogen verwendet. Ein wesentlicher Teil der Fachberatung besteht ferner darin, mit den Fachkräften Strategien zu erarbeiten, wie sie auf die Eltern zugehen können. Dies ist meist der schwierigste Punkt. Die Fachkräfte sind oft emotional befangen, weil sie dem Kind näher stehen als den Eltern. Manche haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass Gespräche mit den Eltern gescheitert sind. Diese Hürden müssen sorgfältig analysiert werden, damit am Ende der Fachberatung für die Fachkräfte ein Leitfaden entstanden ist, an dem sie sich orientieren können. 29


30 Im Rahmen der Qualifi zierung von „insoweit erfahrenen Fachkräften“ gemäß § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) wirkten Mitarbeiter/innen des Kinderschutz-Zentrums an Fortbildungsveranstaltungen mit. Dabei werden folgende Themen bearbeitet: Erkennen von Kindeswohlgefährdung, Rolle und Auftrag der Fachkräfte, Gesprächsführung mit Eltern, Analyse und Vermeidung von Fachfehlern sowie Kooperation im Hilfesystem. Auszug aus der Sta s k Anzahl der Fachberatungen 334 Anzahl der einmalig Beratenen 196 Anzahl der mehrmalig Beratenen 138 Fortbildungsveranstalt. bzgl. § 8a SGB VIII 36


Armut in Familien – ein Handicap für eine förderliche Eltern-Kind-Beziehung Zunehmende Armut von Kindern und Familien war in den letzten Jahren ein bedrückendes Thema in der Öffentlichkeit. In verschiedenen Studien wird zwar darauf verwiesen, dass mangelndes Einkommen allein nicht zwangsläufi g die Entwicklung von Kin-dern und ihre Beteiligung am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt. Eine Häufung von Risikofaktoren wie Einkommensarmut, Erwerbslosigkeit, niedriges Bildungsniveau der Eltern, ein Migrationshintergrund oder allein erziehend zu sein, können aber prekäre Lebenslagen für Kinder bedeuten und zu Ressourcenarmut in Familien führen. Der nationale Bildungsbericht geht davon aus, dass jeder Dritte unter Achtzehnjährige mit einem Mangel an Geld, Bildung oder Arbeit seitens der Eltern zu kämpfen hat. Kinder in Familien, die mit weniger Ressourcen ausgestattet sind, verfügen über weniger altersgemäße Handlungsspielräume und Erfahrungsmöglichkeiten als Kinder aus ressourcenreichen Familien. Sie trauen sich weniger an Leistung in der Schule zu, haben oft bereits im Vorschulalter eine geringere Sprachkompetenz und erleben häufi ger, dass sie ausgegrenzt werden. Die inneren und äußeren Auswirkungen dieser Armut spüren wir in der Arbeit des Kinderschutz-Zentrums an vielen Stellen. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert Der fi nanzielle Mangel macht sich direkt bemerkbar, wenn Familien kein Fahrgeld haben, um zur Beratung in unsere Beratungsstelle zu kommen, wenn Kinder nicht mitmachen können bei Schulausfl ügen oder Ferienreisen. Oft bleibt kein Geld, um bestimmte Interessen, wie zum Beispiel Schwimmen, Fußball oder das Spielen eines Musikinstrumentes zu verwirklichen. Für viele Jugendliche ist es ein Problem, wenn Sie sich bestimmte Statussymbole wie das richtige Handy, oder die jeweils angesagt Kleidung nicht leisten können. Armut ist hier sowohl ein objektiver Mangel wie eine innere Verarbeitung dieses Mangels. Nicht-Dazugehören bildet einen fl ießenden Übergang zum Gefühl, minderwertig zu sein. Das Gefühl zu kurz zu kommen, benachteiligt zu sein, nicht dazu zu gehören kann auch ein Baustein sein, um sich das Benötigte einfach zu nehmen, die Eltern, den Klassenkameraden zu bestehlen oder sich im Laden zu bedienen. Konfl ikt um Geld in der Familie Armut ist häufi g verbunden mit Arbeitslosigkeit. Diese bedeutet nicht nur einen Mangel an Geld, sondern vermittelt das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, nichts wert zu sein, nicht zur Gesellschaft zu gehören. Hinzu kommt die Selbstzuschreibung bei 31


32 vielen Eltern, selbst schuld zu sein an der Arbeitslosigkeit. Dies führt manchmal zum depressiven Rückzug, zum unzufriedenen Zuhause-Sitzen und zu Gereiztheit. Untersuchungen zeigen, dass arbeitlose Eltern weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen als jene mit Arbeit. Wenn Eltern unzufrieden zuhause sitzen und sie nichts mit sich anzufangen wissen, führt dies häufi g auch zu Konfl ikten in der Paarbeziehung. In den Beratungen werden Gefühle von fehlendem Sinn und Leere benannt. Der Griff zur Bierfl asche, die alleinige Kommunikation mit dem PC etc. liegen nahe. Angst vorm sozialen Abstieg (Prekariatsangst) Diese Angst geht in weiten Teilen auch in der Mittelschicht um. Arbeit wird zur ständigen Bewährung. Die Angst, nicht zu genügen erhöht den Stress. So gelingt keine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit und Familie. Am Feierabend bleibt wenig Kraft für Kinder. „Die Kinder sollen es mal besser haben“ Kinder sollen spuren und fl eißig sein, gute Noten nachhause bringen, damit sie nicht werden wie ihre Eltern. Die eigenen Ängste von Versagen und Ungenügen werden auf die Kinder projiziert. Sie werden mit rigiden Strafen und überhöhten Ansprüchen in die Karriere geschickt. Äußerer Druck soll dann oft die geringen inneren Unterstützungsmöglichkeiten ersetzen. Konfl ikte um Noten, um die Schule, manchmal ums Schwänzen sind vorprogrammiert. Spenden für einen Familienfond: Möglichkeit der Unterstützung armer Familien Die Situation von vielen Familien, die motiviert unsere Angebote in Anspruch nehmen wollen und nur sehr wenig Geld zur Verfügung haben, ist bei unseren Spenderinnen und Spendern auf offene Ohren gestoßen. Dabei geht es um Familien, die regelmäßig unsere Beratungen in Anspruch nehmen, um sich mit der Gefährdung des Wohls ihrer Kinder auseinander zu setzen und heftige gewaltsame Beziehungskonfl ikte bzw. Veränderungsmöglichkeiten zu besprechen. Sie können z.B. im letzten Drittel des Monats das Geld für BVG-Tickets nicht mehr aufbringen. Spendengelder unseres Fonds ermöglichen es, zielgerichtet zu helfen. Kindern aus diesen Familien wird z.B. ein Schwimmkurs fi nanziert, der Beitrag für den Sportverein übernommen oder auch einmal ein Zuschuss zu einer Klassenfahrt am Ende des Schuljahres gewährt. Die Notwendigkeit der besonderen fi nanziellen Unterstützung wird fachlich durch unsere FamilienberaterInnen bzw. die Kindertherapeutinnen eingeschätzt. Insbesondere wird Kindern geholfen, die häufi g eine Ausgrenzung erfahren, weil sie selbstunsicher und materiell nicht gut ausgestattet sind.


Kinder und Eltern, denen auf diese Weise geholfen wurden, sind sehr überrascht, erleichtert und dankbar. Das zeigt auch das folgende Beispiel: Schwimmkurs für den zehnjährigen Thomas Der zehnjährige Thomas kommt in die Kindertherapie wegen großer Ängstlichkeit, Gehänselt werden in der Schule und sehr wenig Selbstbewusstsein. Er passt sich den Wünschen seiner allein erziehenden Mu er so sehr an, dass er seine eigenen Bedürfnisse kaum wahrnimmt. Seine junge Mu er hat von früher Kindheit an ein Nierenleiden. Zeitweise war sie Dialysepa en n, und ging dreimal wöchentlich in die Klinik. Sie hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und ist mit Ende Zwanzig bereits früh berentet. Zu ihrer Familie hat sie ein sehr angespanntes Verhältnis; ihr Bruder hat ihr nicht verziehen, dass sie als Kind immer alle Aufmerksamkeit der Mu er von ihm abgezogen hat, ihr Vater ha e sich getrennt und den Kontakt zu den Kindern abgebrochen. Frau S. nimmt die Hilfe ihrer Mu er nicht gern in Anspruch, muss aber manchmal darauf zurückgreifen. Thomas war immer wieder in verschiedenen Kurz-Pfl egestellen, wenn die Mu er in die Klinik musste, wechselte o zu Verwandten, und damit auch die Schule. Er hat viel versäumt, und hat auch nie das Schwimmen gelernt, wofür ihn die anderen Kinder jetzt hänseln. Der Junge hat die Angst der Mu er gespürt, wenn er Wünsche geäußert hat, wie z.B. ein Besuch im Freibad, und sich angepasst. Es bedur e vieler Gespräche mit seiner Mu er, bis sie verstand, dass Thomas ihr zuliebe auf vieles verzichtete und dies für seine Entwicklung hinderlich ist. Fr. S. ha e große Angst, ihren Sohn zu verlieren, wenn er eigene Wünsche entwickelt, und sprach darüber, dass er alles sei, was sie habe. Ohne ihn, so sagt sie, hä e sie schon längst aufgegeben. Ein Schwimmkurs für Thomas war für die Mu er eine fi nanzielle Belastung, die sie von ihrer kleinen Rente nicht tragen konnte. So haben wir zwei Kurse aus dem Fond bezahlt, die er erfolgreich abgeschlossen hat. Die Erfahrung, dass er Dinge noch nachholen kann, dass er viel lernen und entdecken kann, wenn er sich auf den Weg macht, hat sich auch auf viele andere Bereiche ausgewirkt, und er ist viel selbstbewusster geworden. Zwischen Mu er und Sohn ist eine efere Beziehung entstanden, die beiden mehr Autonomie ermöglicht. Wir bedanken uns im Namen der Kinder, die in den Genuss dieser besonderen Unterstützung gekommen sind, sehr herzlich bei Familie Renker und den Golf-Spielerinnen des Golf- und Landclubs Berlin-Wannsee e.V. mit Frau Brink (Ladies Captain). 33


34 3. Kunstauktion von Internationalen Berliner und Brandenburger Künstlern zugunsten des Kinderschutz-Zentrums Am Sonntag, den 21.03.2010, pünktlich zum Frühlingsanfang, öffnete das Stilwerk seine Pforten für die 3. Kunstauktion zugunsten des Kinderschutz-Zentrums. Die Veranstaltung stand wieder unter der Schirmherrschaft von Herrn Prof. Dr. Zöllner, Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Frau Dr. Theophana Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen. Viele Teilnehmer, die schon die ersten beiden Kunstauktionen besucht hatten, waren gespannt auf die neuen Werke, die diesmal angeboten wurden. Der Auktionator, Herr Gerhold, animierte die Bieter mit viel Humor zum Ersteigern eines Kunstwerkes. Als besonderes Highlight hatten sich die Künstler Kani Alavi und Thierry Noir eine live-Malaktion ausgedacht. Ihre vor Ort entstandenen Werke, eine


bemalte Vase und einige kleine Aquarelle, fanden bei den Bietern reges Interesse und wurden für Höchstpreise ersteigert. Aber nicht nur die hochwertigen Kunstobjekte sorgten für einen spannenden Nachmittag, auch die junge Sopranistin Mary Elizabeth Osborne wurde für ihre Gesangseinlagen mit stürmischem Beifall bedacht. Die Auktion erbrachte einen Erlös von 5 590 Euro, den wir uneingeschränkt für die therapeutische Hilfe von misshandelten und vernachlässigten Kindern verwenden können. Wir bedanken uns bei allen, die die Auktion ermöglicht haben. Insbesondere danken wir Sonja Zunker (Zunker Events), Andreas Kuhn (Galerie Kuhn und Partner) und Susanne Kettelför (Susanne Kettelför Medienberatung), die auch diesmal wieder als Initiatoren Künstler für die Auktion geworben und die Veranstaltung in den Medien bekannt gemacht haben. 35


36 Chronologie 2010 Januar Die Kinderwohngruppe startet mit sechs Kindern ins neue Jahr, am Ende des Monats ist die Gruppe wieder voll belegt. Unsere Gruppe ehrenamtlicher MitarbeiterInnen am Krisentelefon nimmt nach ihrer Ausbildung die Tätigkeit auf und hilft sehr wirksam am Abend und an Wochenenden. Trotz knapper Personalausstattung in den Beratungsstellen können unsere hauptamtlichen MitarbeiterInnen Krisengespräche und laufende Beratungsprozesse in diesen Zeiten durchzuführen. Georg Kohaupt nimmt am Runden Tisch Gesundheit des Berliner Netzwerks Kinderschutz teil und an Fachgesprächen über die Konzeption eines Bundesweiten Kinderschutz-Gesetzes mit Frau Bundesministerin Schröder. Immer mehr ehemalige Schülerinnen und Schüler aus kirchlichen und reformpädagogischen Einrichtungen öffnen sich und sprechen über sexuellen Missbrauch in diesen Institutionen. Georg Kohaupt gibt im Info-Radio Berlin ein interessantes Interview zu sexuellen Übergriffen im Canisius-Colleg. Während des gesamten Jahres werden wir zu Anhörungen z.B. von Fraktionen im Bundestag eingeladen sowie gebeten, Interviews zum Thema zu geben. Interviews zu Missbrauch in Institutionen erscheinen in der Berliner Morgenpost und im Tagesspiegel und werden von Spreeradio, vom WDR, NDR und in der Tagesschau gesendet. Die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH unterstützt unsere Arbeit mit jungen Familien kurz nach Geburt ihrer Kinder in Lichtenberg. Die Spende zu Beginn des Jahres dient der Anschaffung therapeutischen Spielmaterials für stark nachgefragte Einzelund Gruppenangebote im präventiven Bereich. Februar Wir beginnen mit einem internen Diskussionsprozess zur Erarbeitung eines Leitbildes. Alle Mitarbeiter/innen werden in diesen Prozess einbezogen. Zunächst wird eine kleinere Gruppe mit der Planung beauftragt, die das ganze Jahr über kontinuierlich arbeitet. Frau Susanne Nega verstirbt nach langer, schwerer Krankheit. Peter Berding und Elke Nowotny sind an der Seite von Frau und Herrn Renker, ihrer Familie


und Freunden. Die Familie kommt Susanne Negas Wunsch nach, anlässlich ihrer Beisetzung um Spenden für von in den Beratungsstellen betreute Kinder, Jugendliche und Eltern zu bitten. Das Geld wird zielgerichtet und sparsam verwendet, um einigen Kindern armer Familien, die im Kinderschutz-Zentrum betreut werden, die Beteiligung an Klassenfahrten oder Sportvereinen zu ermöglichen. Die anlässlich eines Benefi z-Bridge-Turniers im Golfund Landclub Berlin-Wannsee e.V., organisiert von Frau Renker und Frau Thomaschewski, überwiesene Spende wird verwendet, um in unserer Neuköllner Beratungsstelle einen Raum für betreuten Umgang von Kindern mit ihren hochstrittigen Eltern nach Trennung auszustatten. So können wir dringend benötigte neue Möbel, Spiele, Spielzeug, Bastelmaterial usw. anschaffen. Eine große Spende kommt anlässlich der Trauerfeier für Frau Becker zustande und hilft sehr, insbesondere unser Neuköllner Projekt Traumkind für junge Mütter aus komplizierten Herkunftsfamilien fi nanziell zu stützen. Traumkind beginnt bevor alles zu spät ist und Kinder gewaltsam verletzt werden. Das Projekt ist stark nachgefragt und im Bezirk gut vernetzt mit Einrichtungen der Jugendhilfe und des Gesundheitsbereichs. März Die Landesarbeitsgemeinschaft Kinderschutz, die die Umsetzung des Netzwerks Kinderschutz in den Bezirken analysieren soll, nimmt die inhaltliche Arbeit auf. Lotte Knoller bringt als Mitglied die Perspektive des Kinderschutz-Zentrums ein. Zum dritten Mal fi ndet die Kunstauktion statt. Renommierte Künstler aus Berlin und Brandenburg haben Kunstwerke zur Versteigerung gestiftet. Ein besonderes Highlight der Auktion ist die live-Malaktion der beiden Künstler Kani Alavi und Thierry Noir. Der Leo-Club Quadriga überweist eine Spende für außergewöhnliche Aktivitäten mit Kindern unserer Wohngruppe. Wie in den letzten Jahren gestalten die sehr engagierten Mitglieder des Clubs über das ganze Jahr hinweg u.a. Zoobesuche, Bastelnachmittage, Kinobesuche, Stadterkundungsausfl üge. Der Lions Club Kurfürstendamm unterstützt die Aktivitäten der Leos ebenfalls mit einer Spende. 37


38 April Abgeordnete der Bundestagsfraktion der Grünen besuchen das Kinderschutz-Zentrum, um sich mit Georg Kohaupt und Elke Nowotny im Zusammenhang mit dem in Vorbereitung befi ndlichen Bundeskinderschutz-Gesetz zu brennenden aktuellen Problemlagen auszutauschen. Georg Kohaupt nimmt an Unterarbeitsgruppen (Frühe Hilfen und Vernetzte Strukturen, Erweiterung von Fachkompetenz) zur Entwicklung des Bundeskinderschutz-Gesetzes teil und verfasst die Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren zur Diskussion des künftigen Gesetzes. Frau Carolyn Brand veranstaltet mit vielen Freunden und KollegInnen einen Frühlingsball zugunsten des Kinderschutz-Zentrums. Mai Frau Nowotny hält auf dem Meeting des Inner Wheel Clubs Berlin Spree einen Vortrag zur Entwicklung des Kinderschutz-Zentrums nach dem Fall der Mauer mit Blick auf die Veränderungen in den Familien und in der Jugendhilfe. Die Damen des Clubs gehören zu den verlässlichen, treuen und großzügigen Spenderinnen, die seit 1991 unsere Einrichtung unterstützen und damit in erheblichem Maße dazu beigetragen haben, dass Kindern, Jugendlichen und Eltern in Gewaltsituationen fachlich gute Angebote zur Verfügung gestellt wurden. Die Damen gedenken Frau Ingeborg Becker, die das Thema des Meetings noch vorgeschlagen hatte. Frau Hahn, die Präsidentin des Clubs, überreicht eine Spende in Erinnerung an Frau Bügler, die Fördermitglied war und 2009 verstorben ist. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz- Zentren veröffentlicht als Beitrag zur aktuellen gesellschaftlichen Diskussion des Missbrauchs in Institutionen unter dem Titel „Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ einen Sammelband mit interessanten Beiträgen, u. a. von Elke Nowotny zu „Risikoeinschätzung von sexueller Misshandlung von Kindern – besonders schwierig?“ Juni Unser Präventionsprojekt von Anfang an geht in Hohenschönhausen an den Start. Der Jugendhilfe- Ausschuss des Bezirks Lichtenberg fi nanziert eine 20-Stunden-Stelle für eine Sozialarbeiterin, die an STEEP angelehnt (ein bereits evaluiertes Projekt) fl exible Hilfen in Form von Einzel- und Gruppen-


arbeit, Hausbesuchen, eine kriteriengestützte Analyse der Eltern-Kind-Beziehung anbietet. Ziel ist die Vermeidung von Bindungsstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Stärkung der Eltern. Frau Hohmann veranstaltet wiederum im Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e.V. ein eindrucksvolles Benefi z-Golfturnier. Viele Damen beteiligen sich. Frau Hohmann spendet auch in diesem Jahr großzügig für die Sommerreise unserer Wohngruppenkinder. Viele Kinder, die teilnehmen, waren noch nie in den Ferien außerhalb Berlins. Frau Nowotny referiert im Juni und November vor Lesepatinnen und Paten des Bürgernetzwerks Bildung zum Thema „Nähe und Distanz im Umgang mit Kindern“. Sie erreicht fast 100 Lesepaten, die sehr interessiert nachfragen und diskutieren. Zu den Schwerpunkten “Du wolltest es doch auch“ – Arbeit mit sexuell grenzverletzenden Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien und sexueller Gewalt in Institutionen fi ndet eine Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz- Zentren in Berlin statt. Georg Kohaupt eröffnet die Tagung. Juli Die Kinder unserer Wohngruppe verbringen wunderschöne Ferientage in der Uckermark, ermöglicht durch das Benefi z-Golfturnier von Frau Hohmann im Golf- und Landclub Berlin Wannsee. Die Kinder unternehmen Ausfl üge, baden in der Ostsee und freuen sich über Schatzsuche, Lagerfeuer, Reiten und vieles mehr. August Der Lions-Club Berlin-Pariser Platz veranstaltet ein gut besuchtes und sehr spannendes Benefi z-Fußballturnier im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, bei dem die Lions Kicker Ost-Nord auf eine Mannschaft des Bundestags treffen. Die Lions spielten zum ersten Mal in dieser Formation mit Kapitän Christoph Mojen und konnten trotz Niederlage am Ende einen großartigen sportlichen Erfolg erzielen. Der namhafte Erlös dieser Veranstaltung kommt u. a. unseren Wohngruppenkindern zugute. Golf-Spielerinnen der Dienstags-Gruppe im Golfund Landclub Berlin Wannsee überreichen uns eine Spende für unseren Familienfond. Sie unterstützen damit Kinder in ressourcenarmen Familien, so dass 39


40 z.B. die Teilnahmegebühr für Sportvereine gezahlt werden kann. Die Berliner Morgenpost interessiert sich für unsere Haltung zu Prävention und Hilfe in der ersten Zeit nach der Geburt und veröffentlicht in der Beilage Familie ein Interview mit Elke Nowotny. September Frau Nowotny stellt anlässlich des auf der politischen Ebene viel beachteten 20-jährigen Jubiläums des Berlin American Club das Kinderschutz-Zentrum mit seinen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Eltern vor und betont die langjährige Unterstützung des Clubs für die Kinder in unserer Wohngruppe. Frau Renker und Frau Berthier veranstalten ein Bridge-Turnier zugunsten des Kinderschutz-Zentrums. Mit ihrer Spende werden stabile Lampen, CD-Player und dringend benötigte Ausstattungsgegenstände für die Kinderzimmer in der Wohngruppe angeschafft. Frau Nowotny ist zu Gast auf dem Meeting von Inner Wheel Berlin Spree, auf dem Herr Buschkowsky, Bürgermeister von Neukölln einen sehr eindrücklichen, problembewussten Vortrag zur Situation von Familien mit Migrationshintergrund hält. Anwesend ist auch


Frau Rademann, Mitarbeiterin einer Neuköllner Kita, die ebenfalls in ihrer Arbeit vom Club unterstützt wird. So entsteht die Gelegenheit, über Möglichkeiten der Kooperation zwischen unserer Neuköllner Beratungsstelle und der Kita zu diskutieren. Oktober Georg Kohaupt beteiligt sich am Runden Tisch der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch in Institutionen, insbesondere im Unterausschuss „Leitlinien zur Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden“. Frau Dr. Benz und Herr Professor Wolfgang Benz veröffentlichen ein Fachbuch mit dem Titel „Gewalt zwischen den Generationen“ mit Beiträgen einer Fachtagung u. a. von unseren Mitarbeitern Christine Maihorn, Peter Ellesat und Elke Nowotny. Frau Nowotny hält beim Qualitätsforum Vollzeitpfl ege des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts Berlin-Brandenburg mit 80 TeilnehmerInnen einen Vortrag zum Thema „Verwandtenpfl egestellen und ihre fachliche Begleitung – ein Blick auf Interaktionen in erweiterten Familiensystemen“. Frau Dr. Bodo spendet anlässlich ihrer Heirat im Sommer für die Kinder der Kinderwohngruppe. Am Ende kommt eine namhafte Spende zusammen. Von dem Geld werden u.a. Fahrräder angeschafft und eine Fahrradreparaturecke aufgebaut sowie Bekleidung für Kinder gekauft. Die Trias – gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Gesundheit und Soziales fertigt für die Kinderwohngruppe sieben große Holspielzeugkisten, sowie Tragetaschen an. Herr Ralf Renker und Frau Hansen überreichen den Kindern die in Projektarbeit entstandenen Geschenke. November Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung verlängert unseren Zuwendungsvertrag um weitere drei Jahre. Damit sind die niedrigschwelligen und sofortigen Hilfen in der Krise bei Gewalt gegen Kinder in den Beratungsstellen Neukölln und Hohenschönhausen zu 85 % fi nanziell abgesichert. Anlässlich der Tagung „Kinderschutz – Handeln im Rahmen interdisziplinärer Kooperation“ in der Charite, veranstaltet von den Senatsverwaltungen Gesundheit und Bildung, Wissenschaft und Forschung hält Georg Kohaupt einen Vortrag. 41


42 Frau Reinking und Frau Lanz veranstalten ihr Gänseessen wieder zugunsten der Kinder in unserer Wohngruppe. Unser Kollege Peter Berding berichtet vor 250 Gästen über die Situation, in der die Kinder bei uns aufgenommen werden. Die Spende hilft, dringend benötigte individuelle Ausstattungen für die Kinder zu kaufen. Viele Gäste beteiligen sich durch individuelle Spenden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht das 3. FORUM-Heft Sexualaufklärung und Familienplanung zum Thema „Sexueller Missbrauch“, u. a. mit einem Beitrag von Elke Nowotny zu „Qualitätsstandards im Umgang mit sexueller Misshandlung von Kindern im Kinderschutz-Zentrum Berlin“. Durch die Aktualität der Beiträge ist die Broschüre ist in kürzester Zeit vergriffen und erhält positive Bewertungen aus der Fachpraxis. Dezember Am 1.12.2010 besuchen uns die Präsidentin des Lions- Clubs Berlin-Potsdamer Platz, Frau Kirstgen, die Sekretärin des Clubs Frau Schaath-Fenske, der Vorsitzende des Fördervereins Herr Albert, Herr Mojen und Herr Dr. Knorn in unserer Kinderwohngruppe und überreichen eine größere Spende, die anlässlich des Benefi z-Fuß- ball-Turniers Lions-Kickers gegen FC Bundestag im August zusammen gekommen ist. Die Damen und Herren des Lions-Clubs sind beeindruckt von den Lebensgeschichten der Kinder und der intensiven Betreuungs- und Beratungsarbeit im Kinderschutz-Zentrum. Sie betonen, unsere Arbeit weiterhin unterstützen zu wollen. Anlässlich von zwei Bridge-Turnieren, organisiert von Frau Wallaschak und Frau Thomaschewski bzw. von Frau Mohren und Frau Schirmacher kommen Kinder und Eltern in den Genuss von namhaften Spenden. Unsere Fördermitglieder und Spenderinnen und Spender bedenken die bei uns betreuten Kinder sehr warmherzig mit Weihnachtsgeschenken und Spenden.


Dank Zur Umsetzung unseres Auftrags, Kinder bzw. Jugendliche vor Gewalt zu schützen und für sie und ihre Familien eine annehmbare Perspektive zu entwickeln, haben wir sehr großzügige und beeindruckende Unterstützung von Fördermitgliedern und vielen engagierten Spenderinnen und Spendern erhalten. Wir danken insbesondere unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen am Krisentelefon, die mit fachlich hoher Kompetenz abends und an Wochenenden zuhörten, Hilfe einleiteten, Rat gaben, der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung für die fachliche Begleitung und Finanzierung der Angebote in unseren Beratungsstellen, insbesondere Frau Range-Schmedes als Referatsleiterin und Frau Eichler, Frau Frank und Frau Kiep als unsere verlässlichen Ansprechpartnerinnen, den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in Jugendämtern verschiedener Berliner Bezirke für gelingende Kooperation, der Aktion Mensch und dem Bezirk Lichtenberg für die Finanzierung von präventiven Angeboten. Unser sehr herzlicher Dank gilt allen uns verbundenen und engagierten Fördermitgliedern, den Spenderinnen und Spendern, die uns großzügig, verlässlich und ideenreich unterstützten. Wir danken ganz besonders den Damen der Inner Wheel Clubs Berlin Spree, besonders der Präsidentin Frau Hahn für langjährige, treue Unterstützung und namhafte Spenden, den Damen des Inner Wheel Clubs Berlin, besonders der Präsidentin Frau Hilliger, Frau Hohmann für das Ausrichten eines großartigen und beeindruckenden Benefi z-Golf-Turniers, dem Lions Club Pariser Platz, besonders der Präsidentin Frau Kirstgen, Frau Schaath-Fenske, Herrn Albert, Herrn Dr. Knorn und Herrn Mojen, der Dienstags-Golf-Gruppe im Golf-Club Wannsee, den Organisatorinnen des Benefi z-Golf-Turniers u. a. Frau Brink, den Bridge-Spielerinnen und Spielern, organisiert im Golf-Club Wannsee, der Immobilienverwaltung Becker & Kries und besonders Familie Hirschfelder, der Alphons-Vehlisch-Stiftung, 43


44 dem Lions Club Berlin Dahlem, insbesondere Herrn Strieder, dem Lions Club Berlin Kurfürstendamm, dem Leo Club Quadriga und dem Hilfswerk der deutschen Leos e.V., Frau Dr. Witzgall, Frau Reinking und Frau Lanz, Frau Dr. Bodo, Mrs. Carolyn Brand, der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH, besonders Frau Schauer und Herrn Wagner, dem Pankgräfl ichen Barnajaden Bund e.V., dem Berlin American Club, insbesondere Frau Feilhauer und Frau Buhr, der Trias – gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Gesundheit und Soziales und Herrn Ralf Renker, der Delbrück Bethmann Maffei AG, insbesondere Frau Deppe und Herrn Liste, dem pro Bono Team der Kanzlei Freshfi elds Bruckhaus Dehringer, besonders Frau Kaufmann, Frau Gutsch-Thuja, der Coca Cola GmbH, besonders Frau Senkovic und Herrn Müller von der Daimler-AG am Salzufer sehr herzlich für die engagierte Unterstützung. Frau Zunker, Herr Kuhn, Frau Kettelför und Herr Gerhold haben die 3. Kunstauktion auf die Beine gestellt und viele KünstlerInnen dafür gewonnen. Besten Dank dafür! Wir sind den Familien Dr. Helmut Becker und Reingard und Joachim Renker verbunden in ihrer Trauer um ihre Nächsten und bedanken uns sehr für Spenden. Allen nicht namentlich genannten Spenderinnen und Spendern danken wir sehr warmherzig für Ihre Hilfe. Bitte bleiben Sie uns weiterhin verbunden!


Nachruf Frau Ingeborg Becker ist am 23. Februar 2010 verstorben. Frau Becker war eines unserer ersten Fördermitglieder. Kinder in Not und unsere Hilfen für diese Kinder und ihre Familien lagen ihr sehr am Herzen. Sie gehörte zu den tatkräftigen Damen des Inner Wheel Clubs Berlin Spree, die nach der Wende sehr interessiert und fördernd die Arbeit des Kinderschutz-Zentrums im Ostteil der Stadt begleitet haben. Sie hat uns bei Gelegenheit besucht und sich verstehend über Möglichkeiten der Hilfe für Familien, in denen Gewalt ausgeübt wird, erkundigt. Auch am Telefon hat sie zuletzt oft gefragt, welche Probleme die von uns betreuten Kinder haben, uns in unserer Haltung der Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern bestärkt und sich um Unterstützung für diese Arbeit gekümmert. Mit Frau Becker verlieren wir ein sehr interessiertes Fördermitglied. Wir trauern um sie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutz-Zentrums erinnern sich dankbar an Frau Becker. 45


46 Der Verein Vereinsvorstand Dr. Elke Nowotny (Vorsitzende), Elisabeth- Charlotte Knoller (Finanzen), Martin Breibert Öffentlichkeitsarbeit Georg Kohaupt Verwaltung Klaus Weiß Im Kinderschutz-Zentrum arbeiten in den beiden Beratungsstellen, im Krisendienst, und in der Kinderwohngruppe Diplompsychologen, Diplompädagogen und Diplomsozialpädagogen mit unterschiedlichen therapeutischen Zusatzausbildungen. Die insgesamt 22 Mitarbeiter/innen sind meist mit unterschiedlicher Stundenzahl teilzeitbeschäftigt. Darüber hinaus werden – ebenfalls z.T. in Teilzeit – Mitarbeiter für Bewirtschaftung und Reinigung sowie ein Zivildienstleistender beschäftigt. In den Beratungsstellen und in der Wohngruppe werden Sozialarbeiterbzw. Erzieher-Berufspratikanten ausgebildet. In der telefonische Krisenberatung werden wir von rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Spenden / Fördermitgliedschaft Die Arbeit des Kinderschutz-Zentrums kann nur wirksam gelingen, wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger sich aktiv für den Schutz der Kinder vor Gewalt, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch einsetzen. Sie können helfen, indem Sie sich für den Schutz der Kinder einsetzen, indem Sie Kindern und Eltern die Brücke zu uns bauen, indem Sie unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen, indem Sie förderndes Mitglied des Kinderschutz-Zentrums werden. Der Förderbeitrag beträgt mindestens 50 Euro – bei juristischen Personen mindestens 500 Euro – je Kalenderjahr. Die Beitragszahlung erbitten wir bis zum 30.9. auf das unten stehende Konto. Alternativ können Sie uns eine jederzeit widerrufbare Einzugsermächtigung erteilen. Spendenkonto 33 88 404 bei der Bank für Sozialwirtschaft (Bankleitzahl 100 205 00) Spenden und Förderbeiträge an das Kinderschutz-Zentrum sind steuerlich absetzbar. Bitte nennen Sie uns Ihren Namen und Anschrift für die Ausstellung einer entsprechenden Quittung.


Ich möchte förderndes Mitglied des Kinderschutz-Zentrums Berlin e.V. werden als Privatperson Mein Förderbeitrag beträgt im Kalenderjahr 50 Euro 100 Euro . . . . . . . . . . . Euro als Firma / Verein / Körperscha Unser Förderbeitrag beträgt im Kalenderjahr 500 Euro . . . . . . . . . . . Euro Ort, Datum Unterschri (ggf.Firmenstempel) _______________________________________________________________________________________ Name und Anschri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47


48 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschri Kontoinhaber/in wenn abweichend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ort, Datum Unterschri Mitglied 12051 Berlin Juliusstraße 41 Die Ermäch gung erlischt automa sch nach dem letzten fälligen Beitrag im Falle eines Vereinsaustri s oder jederzeit sofort bei Widerruf. Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . Kredi ns tut Bankleitzahl An das . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kontoinhaber/in Kontonummer Hiermit ermäch ge ich das Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V. fällige Förderbeiträge jeweils zum 30. September des laufenden Jahres von folgendem Konto einzuziehen: Ermäch gung zum Bankeinzug


Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V. Beratungsstelle Neukölln Juliusstraße 41, 12051 Berlin Telefon (030) 683 91 10 Beratungsstelle Hohenschönhausen Freienwalder Straße 20, 13055 Berlin Telefon (030) 971 17 17 Kinderwohngruppe Das Telefon. Für Kinder. Für Jugendliche. Für Eltern. ☎ 0800 111 0 444 Im Festnetz Berlin. Der Anruf ist kostenlos. Aus Mobilfunk- und anderen Netzen (030) 683 91 10. www.Kinderschutz-Zentrum-Berlin.de post@kinderschutz-zentrum-berlin.de Das Kinderschutz-Zentrum wird von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenscha und Forschung gefördert und fi nanziert sich darüber hinaus durch Spenden. Spendenkonto 33 88 404 bei der Bank für Sozialwirtscha (BLZ 100 205 00)

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