222 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

kleingartenbund

222 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

222

Seminar Umwelt

Bienen

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 222 1


Impressum

Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e. V., Berlin (BDG)

Heft/2012 – 34. Jahrgang

Seminar: Umwelt

vom 15. bis 17. Juni 2012 in Karlsruhe

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.,

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon (030) 30 20 71-40/-41, Telefax (030) 30 20 71-39

Präsident: Dr. Norbert Franke

Seminarleiter: Dieter Steffens

Präsidiumsmitglied für Seminare, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

Redaktion: Uta Hartleb

Zusammenstellung der Texte Uta Hartleb

Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise –

nur mit schriftlicher Genehmigung des

Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG)

ISSN 0936-6083


Seminar Umwelt

vom 15. bis 17. Juni 2012 in Karlsruhe

Thema

Bienen

Seminarleiter

Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied für Seminare, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.)

Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin (BDG)

Heft/2012 – 34. Jahrgang


Seminar Umwelt

Bienen

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied für Seminare, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.) 6

Wildbienen im Garten

Dipl.-Geograph Volker Fockenberg (Naturerlebnispädagoge, Kirchhellen) 8

Anforderungen von Honigbienen an das Nahrungsangebot

Dr. sc. agr. Helmut Horn (Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim) 16

Deutschland summt! – Bienen als Sympathieträger für mehr Stadtnatur

Cornelis F. Hemmer (Stiftung für Mensch und Umwelt, Berlin) 27

Imkerei im Kleingarten

Peter Sperlich (Vorsitzender des Stadtverbandes Regensburg der Kleingärtner e.V.) 29

Bienen halten – einfach und natürlich „Die Bienenkiste“

Erhard Maria Klein (Imker, Hamburg) 37

Praktische Tipps und Tricks zum Selbermachen von Bienenwachsschuhpflege

Dr. Corinna Hölzer (Stiftung für Mensch und Umwelt, Berlin) 41

Anhang

Impressionen 49

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Vorwort

Das BDG Seminar Umwelt fand vom 15. – 17. Juni 2012

in Karlsruhe statt. Inhaltlicher Schwerpunkt des Seminars

war das Thema Bienen.

Im ersten Vortrag „Wildbienen im Garten“ stellte Naturerlebnis-Pädagoge

Dipl. Geograph Volker Fockenberg

sehr eindrucksvoll einige exemplarische Beispiele der

560 Wildbienenarten vor und erläuterte die Bedeutung

dieser Bienen für die Natur. Ein Drittel der Bienenarten

sind sogenannte Kaktusbienen. Als Wildbienen werden

alle wildlebenden Bienenarten (inklusive Hummeln)

bezeichnet, um sie von den zur Honiggewinnung oder Bestäubung eingesetzten

Nutzbienen zu unterscheiden.

Dr. Helmut Horn – Diplomagrarbiologe der Landesanstalt für Bienenkunde in

Stuttgart, referierte unter dem Titel Das Bienenvolk – ein Sozialstaat und sozialer

Organismus.

Honigbienen sind hoch sozial organisiert und überwintern als Volk. Während des

Winters besteht ein Volk aus etwa 10.000 Arbeitsbienen, während des Sommers

kann die Volksstärke bis zu 50.000 Individuen erreichen. Der Futterbedarf für

die Aufzucht beträgt 30–50 kg Pollen sowie 30–50 kg Honig pro Jahr. Um diesen

hohen Bedarf sicher zu stellen ist es notwendig, dass in den Städten Gärten, Park-

und Friedhofsanlagen bienengerecht angelegt bzw. erhalten und gepflegt werden.

Das heißt, die Wiesen sollten zum Beispiel nicht zu kurz geschnitten werden.

Cornelius F. Hemmer der Stiftung Mensch und Umwelt aus Berlin setzte sich

mit seinem Vortrag Deutschland summt! – Bienen als Sympathieträger für mehr

Stadtnatur ein.

Stadtimkerei schafft Nähe zur (Stadt)-Natur. Die Honigbiene fungiert dabei als

Botschafterin. In Berlin wurden auf den Dächern 15 ausgewählter öffentlicher Gebäude

Bienenhäuser errichtet.

Geplant ist weiterhin, einen Stammtisch einzurichten, um Imker und Gärtner zu

vernetzen. Angestrebt ist außerdem, die Initiative auf weitere Großstädte auszudehnen.

Unter dem Thema Imkerei im Kleingarten stellte Peter Sperlich, Imker aus Regensburg,

die Imkerei als Hobby vor: Die Imkerei aus Liebe zur Natur und im

Kleingarten ein Muss.

In einer Power-Point-Präsentation zeigte er unter anderem die einzelnen Arbeitsschritte

eines Imkers.

Den Abschluss des Seminars bildete der Vortrag von Erhard Maria Klein – Imker

aus Hamburg. Er erklärte die Funktion einer Bienenkiste um Bienen einfach und

natürlich zu halten.

Abrufbar unter www.bienenkiste.de

Tipps und Tricks zur eigenen Herstellung von Schuhpflege aus Bienenwachs

stellte Frau Dr. Corinna Hölzer, Green MediaNet, Berlin den Seminarteilnehmern

in einer praktischen Vorführung zum Ende der Veranstaltung vor.

Seminarleiter Dieter Steffens, Präsidiumsmitglied für Seminare, BDG e.V.

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Wildbienen im Garten

Wildbienen im Garten

Bild 1: Hosenbiene

(Dasypoda hirtipes)

Immens ist die Bedeutung von Wildbienen in der Natur

und damit auch für uns Menschen. Die emsigen Wildbienen

sind unentbehrliche Blütenbestäuber und sorgen

für Samen und Früchte. Allein wegen ihrer großen

Bedeutung im Naturhaushalt verdienen diese überaus

friedfertigen Tiere unsere Aufmerksamkeit und unseren

Schutz.

Von den in Deutschland lebenden ca. 560 Wildbienenarten

sind über die Hälfte gefährdet oder vom Aussterben

bedroht. Jeder kann diese kleinen Helfer mit einfachen

Mitteln sehr wirkungsvoll unterstützen und ohne

große Kosten zum „Wildbienenimker“ werden.

Eine große Verwandtschaft

Dipl.-Geograph

Volker Fockenberg

Naturerlebnispädgagoge,

Kirchhellen

Der Begriff „Bienen“ ist eng mit der bekannten Honigbiene

(Apis mellifera) des Imkers verknüpft. Um die

weiteren ca. 560 in Deutschland wild lebenden Bienenarten

aus dem Schatten der Honigbiene hervorzuholen

wurde der Begriff „Wildbienen“ geprägt.

Bienen werden zusammen mit Wespen und Ameisen

zu der Insektenordnung der Hautflügler gezählt. Auf

ungefähr 12.000 schätzt man die Artenzahl der Hautflügler

in Mitteleuropa. Wir begegnen den Vertretern

dieser größten Insektenordnung auf Schritt und Tritt,

denn sie stellen etwa ein Viertel aller heimischen Tierarten.

Typische Hautflügler besitzen zwei häutige Flügelpaare

(daher auch der Name der Ordnung), von denen

das vordere Paar größer ist.

Lebensweise einer Einsiedlerbiene

Die meisten Wildbienenarten leben nicht in Staaten

sondern allein. Sie werden daher auch Einsiedlerbienen

oder solitäre Bienen genannt.

Die Lebensweise einer Einsiedlerbiene wird im Folgenden

am Beispiel einer im Siedlungsbereich sehr häufigen

Art vorgestellt:

Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) (früher

O. rufa)

Bild 2: Weibchen der Rostroten Mauerbiene auf

Apfelblüten-Knospe

Bild 3: Männchen der Rostroten Mauerbiene auf

Apfelblüten-Knospe

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Aussehen

Mauerbienen-Weibchen sind mit 9 bis 12 mm ungefähr

so groß wie eine Honigbiene. Der Hinterleib der Rostroten

Mauerbiene ist oben rostrot und läuft schwarz

aus. Kopf und Bruststück sind dunkel gefärbt. Mauerbienen

gehören zu den Bauchsammlerbienen, die den

Pollen in einer speziellen „Bauchbürste“ unter dem

Hinterleib sammeln. Bei der Rostroten Mauerbiene ist

die ungefüllte Bauchbürste dicht gelbbraun behaart.

Wildbienen-Männchen sehen anders aus als die artgleichen

Weibchen. Allgemein zeichnen sich Männchen

durch längere Fühler, einer oft hellen Gesichtsbehaarung

(als ob sie einen weißlichen Bart hätten) und der

meist geringeren Körpergröße aus. Außerdem fehlen

den Männchen der Stachel und die Pollensammelhaare.

Bild 4: Bauchsammlerbiene

Die Scherenbiene (Osmia florisomnis) sammelt wie die Mauerbiene

Pollen in einer Bürste unter dem Hinterleib

Bild 5: Beinsammlerbiene

Die Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) sammelt Blütenstaub (mehr

als 40 Milligramm) in einer Bürste an den Hinterbeinen

Verbreitung und Lebensraum

Die Rostrote Mauerbiene kommt überall in Deutschland

vor und lebt bevorzugt in unseren Gärten und Parks.

Bei der Nistplatzwahl erweist sich die Art als ausgesprochen

vielseitig. Neben Käferfraßgängen in besonnten,

morschen Bäumen sowie in alten, unbehandelten Holzschuppen

sind zum Beispiel auch Schilfmatten, Löcher

im Verputz von Hauswänden, Türschlösser, Fensterrahmen,

Löcher von Gartenstühlen und Gummischläuche

begehrte Nistplätze. Auch bei ihren Nahrungspflanzen

ist die Mauerbiene nicht besonders wählerisch ist. So

wird Pollen und Nektar beispielsweise von Obstbäumen,

Brombeeren, Himbeeren, Rosen, Weiden, Raps,

Klee und Taubnesseln genutzt. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit

ist die Rostrote Mauerbiene im Siedlungsbereich

die wohl häufigste solitäre Biene und

gehört auch zu den ersten Besiedlern von Nisthilfen.

Mauerbienen können auch anhand ihrer Nester nachgewiesen

werden. Der Nesteingang hat meistens eine

Weite von 5 bis 10 mm und wird mit einem rauen Mörtelverschluss

verschlossen, der gelblich (Lehm) bis

gräulich (Ton) gefärbt ist.

Bild 6: Der Nestverschluss kann Hinweise auf die Besiedler der

Gänge geben:

1. Mauerbiene;

2. Scherenbiene;

3. Blattlaus-Grabwespe

Fortpflanzung und Entwicklung

Von Anfang April bis in den Juni hinein können wir

Mauerbienen antreffen. Die vor den Weibchen aktiven

Männchen sammeln sich bevorzugt an den Nistplätzen

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und erwarten die dort schlüpfenden Weibchen, um sich

mit Ihnen zu paaren. Nach der Begattung suchen die

Weibchen geeignete Hohlräume (siehe Lebensraum)

um dort ihre Nester zu errichten. Die Männchen beteiligen

übrigens nicht an diesen Arbeiten.

Bild 7: Blick in frisch verschlossene Brutzellen der Mauerbiene

Hat das Weibchen einen Nistplatz gefunden so trägt es

Pollen und Nektar ein. Während der Blütenstaub die

Bauchbürste leuchtend gelb färbt, wird der zugleich

aufgenommene Nektar, für uns nicht sichtbar, im Kropf

transportiert. Die Biene krabbelt vorwärts in den Nestgang

und gibt Nektar ab. Dann erscheint sie wieder vor

dem Nesteingang und schlüpft nun rückwärts in den

Nestgang, um den Pollen aus der Bauchbürste zu streifen.

(Hat der Nestgang einen so großen Durchmesser,

dass die Biene sich darin drehen kann, so sieht man

sie nur vorwärts rein und wieder – mit leerer Bauchbürste

– vorwärts herauskrabbeln!). Ist nach 10 bis

15 Sammelflügen genügend „Bienenbrot“ – so nennt

man das Gemisch aus Blütenstaub und Nektar – für

ein Bienenkind herangeschafft, wird darauf ein weißliches

Ei gelegt. Anschließend wird die vordere Wand

zugemauert. Als Baumaterial dient Lehm, der mit Speichel

geschmeidig gemacht, in Form ca. 2 mm großer

Kügelchen in den Mundwerkzeugen ins Nest getragen

wird. Im Allgemeinen schafft die Biene eine Brutzelle

pro Tag. In der Folge baut die Mauerbiene weitere

Brutzellen, die untereinander durch senkrechte Lehmwände

abgegrenzt sind. Je nach Länge des Nestganges

entstehen so Liniennester mit bis zu 20 Brutzellen.

Etwa 10 Tage nach der Eiablage schlüpft eine augen- und

beinlose Larve. Durch Mutters Brutfürsorge braucht sie

keinen Hunger leiden. Nach 3 bis 4 Wochen hat die

Larve das Bienenbrot aufgefressen. Dann spinnt die

Bienenlarve einen tönnchenförmigen dunkelbraunvioletten

Kokon indem sie sich verpuppt. Anfang September

schlüpft die junge Biene, bleibt aber bis zum Flugbeginn

im April des folgenden Jahres im schützenden

Kokon. Im Winter sind alle belegten Brutzellen nach

außen hin durch einen Nestverschluss geschützt.

Bild 8 + Bild 9:

Blick in ein Nest mit Larven (Bild 8) und Puppen (Bild 9). Auffällig

ist die unversorgte Zelle zwischen der letzten Brutzelle und dem

Nestverschluss. Diese so genannte Leerzelle bietet den Bienenkindern

Schutz vor Feinden. So erbeuten Meisen nach Aufhacken des

Nestverschlusses keine fette Bienenmade sondern „gucken in die

Röhre“.

Im Frühjahr nagen sich die Bienen durch Kokon und

Lehmwände. Die Männchen schlüpfen einige Tage vor

den Weibchen. Daher hat die Bienenmutter bereits

beim Bau des Liniennestes dafür gesorgt, dass sich

in den vorderen Brutzellen (Nestausgang) Männchen

und in den hinteren Brutzellen Weibchen entwickeln.

Bienen können das Geschlecht bei der Eiablage bestimmen:

Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich

Männchen, aus befruchteten dagegen Weibchen. Während

ihrer nur ca. 4 bis 6 wöchigen Flugzeit, baut ein

Mauerbienen-Weibchen ungefähr 20 bis 40 Brutzellen.

Biene und Blüte

Ohne Blütenbesucher könnten Obstbäume keine Früchte

und Blumen keine Samen bilden. Mit energiereichem

Nektar danken die Blumen den Insekten für ihre Bestäubung.

In vielen Millionen Jahren hat sich zwischen

Pflanzen und Bienen eine für beide Seiten erfolgreiche

Partnerschaft entwickelt. Es gibt sogar Bienenarten, die

sich ausschließlich von Blüten einer Pflanzenart ernähren

und andererseits Pflanzen, die nur von wenigen

Bienenarten bestäubt werden.

Bild 10:

Zottelbiene

(Panurgus

banksianus) an

Habichtskraut

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Bestäubungsleistung der Bienen

Weltweit sind 87 der 115 wichtigsten Obst-, Gemüse-,

Gewürz- und Ölpflanzen auf Bestäuber angewiesen.

Beispiele von Pflanzen, die ausschließlich durch Tierbestäubung

Früchte tragen, sind Kakao, Maracuja, Kiwi,

Vanille, verschiedene Kürbissorten, Wassermelonen sowie

Para- und Macadamianüsse.

Neben den weltweit etwa 25.000 Bienenarten sind aber

auch viele andere Insekten wie Schwebfliegen und

Schmetterlinge und sogar Vögel und Fledermäuse Bestäuber.

Nach Angaben des Deutschen Imker Bundes beträgt

der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung

allein in der Bundesrepublik Deutschland ca. 2 Mrd.

Euro jährlich.

Mauerbienen als Bestäuber im Obstbau

Eine einzelne Mauerbiene ist ein effizienterer Bestäuber

als eine Honigbiene. Je nach Untersuchung ist von

einer 80- bis 300-fach höheren Bestäubungsleistung

die Rede. Die Wildbienen transportieren den Pollen

nicht als verklebte Pakete an den Hinterbeinen, sondern

trocken an einer Bürste am Unterleib. Beim Besuch einer

Blüte ist so eine Befruchtung viel wahrscheinlicher.

Zudem verschwenden Mauerbienen keine Zeit mit der

Produktion von Honig. 600 Mauerbienenweibchen

können einen Hektar mit Obstbäumen bestäuben. Die

gleiche Leistung erzielen Honigbienen mit drei Völkern,

das heißt mit rund 120 000 Tieren.

In den USA, Japan und Deutschland entwickelt

sich ein neuer Markt. Die deutschen Mauerbienen

Züchter schaffen kaum den Bedarf zu decken.

Kleingärtner brauchen aber keine Kokons für ca. 0,65 €

pro Stück kaufen! Mauerbienen können mit geeigneten

Nisthilfen gut im Garten angesiedelt werden.

Bild 11: Kokons Mauerbienen

Schutz und Förderung von Wildbienen

Es ist höchste Zeit, etwas für Wildbienen und Einsiedlerwespen

zu tun! Jeder kann dazu beitragen,

die Lebensbedingungen dieser für den Naturhaushalt

so wichtigen kleinen Helfer zu verbessern.

Ohne Nistmöglichkeiten können diese Insekten nicht

für Nachwuchs sorgen. Deshalb müssen hier Hilfsmaßnahmen

ansetzen. Bereits vorhandene, natürliche

Nistplätze sollten gesichert und ausgebaut werden.

Jeder kann aber auch mit speziellen Nistkästen vielen

bedrohten Wildbienen und Einsiedlerwespen sehr wirkungsvoll

helfen.

Bild 12: Wildbienen sind in einem alarmierenden Rückgang begriffen.

Jede zweite Art steht bereits in den „Roten Listen“! Wir alle

können diesen überaus friedfertigen Summern mit einfachen Mitteln

sehr wirkungsvoll helfen – sogar auf Balkonen und Terrassen!

Nisthölzer

Aus abgelagertem, trockenem Hartholz (z. B. Buche,

Eiche), das selbstverständlich nicht mit Holzschutzmitteln

behandelt sein darf, kann ohne große Kosten

und Mühe eine Nisthilfe gebastelt werden. (Das Holz

von Nadelbäumen ist dafür nicht geeignet, da Harz aus

angebohrten Harzkanälen den Bienen die Flügel verkleben

kann. Auch Weichholz, z. B. von Weiden, ist nicht

geeignet da dessen Fasern bei Feuchtigkeit in den Bohrgang

quellen.) Es können sowohl Hartholzreste (erhältlich

in Schreinereien) als auch Baumscheiben (Kaminholz)

oder dicke entrindete Äste Verwendung finden.

In das beliebig große Holzstück werden Gänge von 2

bis 10 mm Durchmesser gebohrt. Die Bohrtiefe richtet

sich dabei nach der vorhandenen Bohrerlänge, die

man ganz nutzen sollte. Das Holz darf aber auf keinen

Fall durchbohrt werden! Empfehlenswert ist die Kombination

von Nistgängen verschiedener Durchmesser

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in einem Holzstück, doch sollten Bohrweiten von 3 bis

6 mm bevorzugt werden. Um Risse entlang von Niströhren

zu vermeiden, ist zwischen Löchern über 4 mm

mindestens 2 cm Abstand einzuhalten. Querstehende

Fasern in den Lochöffnungen müssen mit Schmirgelpapier

beseitigt werden, denn zugefaserte und gespaltene

Gänge werden von den Insekten selten besiedelt. Nachdem

auch das Bohrmehl aus den Wohnungen geklopft

wurde, sind sie bezugsfertig.

Hohle Stängel

Aus Bambus-Stäben (gibt es in Gartencentern, Baumärkten

und manchmal als Pflanze in Gärten), Schilfstängeln,

Natur-Strohhalmen oder Stängeln vom

Herzgespann sowie anderen nicht mit Mark gefüllten

Stängeln lassen sich einfache Nisthilfen basteln.

Die Stäbe sollten möglichst unterschiedlich dick sein

und Innendurchmesser von 2 bis 10 mm aufweisen.

Diese Stäbe werden so zurecht gesägt, dass sie in eine

schützende Umhüllung (eine ca. 10 bis 15 cm lange leere

Blechdose oder einen Holzkasten) passen. Dünnwandige

Stängel kann man am besten einem mit fein gezähntem

Sägeblatt einer Laubsäge oder Dekupiersäge (elektrisch

betriebene Laubsäge) durchsägen. Dabei bitte

darauf achten, dass die Stäbe vorne nicht splittern. Die

Stängel sollten an einem Ende einen „Knoten“ haben,

der hinten als natürliche Nestbegrenzung dient. Die auf

die richtige Länge gesägten Stängel werden dann in den

Behälter gesteckt. Es werden so viele Stäbe in die Dose

gesteckt, bis sie voll ist. Die offenen Enden der Stäbe

ragen ein wenig aus der Umhüllung heraus. Nun werden

die Stäbe wieder herausgezogen und eine ca. 3 cm

dicke Schicht flüssiges Gips in den Behälter gefüllt und

die Stängel zügig (der Gips härtet schnell) erneut in die

Dose gestopft. Alternativ zum Gips, kann auch „Rotband

Haftputzgips“ aus dem Baumarkt verwendet werden, da

dieses Gipsmaterial erst nach ca. 20 Minuten härtet. Die

durch Gips gesicherten Stäbe können nicht von Meisen

oder Spechten herausgezogen und aufgehackt werden.

Sticht man kurz vor dem Boden einer Blechdose

zwei kleine Löcher in die Dose, kann dort (vor Einfüllen

des Gips!) ein kleines als Aufhängung gebogenes

Stück Draht hineingesteckt werden. Daran lässt sich

die Nisthilfe an einer geeigneten Stelle aufhängen.

Bild 13: Hier wurden hohle Stängel in eine Blechdose gesteckt

Lehmwände

Natürliche Steilwände und Abbruchkanten gibt es kaum

noch. Auch vom Menschen geschaffene Ersatznistgelegenheiten

für Pelzbienen, wie mit Lehm verfugte

Mauern und Wände, sind selten geworden. Dort leben

Steilwand-Spezialisten wie Pelzbienen oder Schornsteinwespen,

die ihre Nestgänge ausschließlich selber

graben. Verlassene der Nester dieser Arten, also bereits

vorhandene Gänge, werden von weiteren Bienenarten

genutzt.

Eine effektive und relativ leicht zu erstellende Nisthilfe

für Lehmwandbewohner wird hier vorgestellt.

Für eine solche Pelzbienen-Nistwand wird ein regengeschützter!

Standort benötigt. Es bietet sich an, die

Nistwand direkt an ein Gebäude mit überstehendem

Dach zu bauen. Die Nistwand muss von den Bienen frei

anzufliegen sein. Es sollten daher keine Sträucher oder

andere höhere Pflanzen vor der Nistwand wachsen. Anders

als bei angebohrten Baumscheiben ist ein sonniger

Standort nicht unbedingt notwendig. Es gibt lehmverfugte

Wände mit Hunderten von Pelzbienennestern an

der inneren Rückseite offener Schuppen.

Benötigt werden: (alte) Backsteine, etwas Zement und

unbelasteter Lehm oder Löß.

Anmerkungen: Ton wird nach dem Trocknen steinhart

und ist als Nistsubstrat für Pelzbienen wenig geeignet.

Das Material muss sich nach dem Trocken mit dem

Fingernagel abschaben lassen, sonst ist es zu hart für

die Steilwandbewohner. Auch Lehm mit hohem Sandanteil

ist wenig geeignet, da durch die oft scharfkantigen

Sandkörner die Oberkiefer der Bienen beim Graben

der Nestgänge stark abnutzen können. Lehm oder Löß

sollte nur dort entnommen werden, wo kein wertvoller

Lebensraum geschädigt wird!

12 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 222


Bild 14: Alte Backsteine (im oberen Teil ungebrannte Lehmziegeln)

können mit Lehm zu einer Pelzbienen-Nistwand aufgemauert

werden.

Auf ein tragfähiges Fundament werden zwei bis drei

Lagen Backsteine mit Zement aufgemauert. Der Einsatz

von Zement ist dabei sinnvoll, da die Nistwand so

besser vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt ist. Zudem

besiedeln Pelzbienen lieber etwas höher gelegene

Bereiche, als solche im Bodenbereich. Ist der Zement

der unteren Lagen abgebunden, können die übrigen

Backsteine mit Lehm aufgemauert werden. (Anstelle

von Backsteinen können auch ungebrannte Lehmziegel

verwendet werden. Ungebrannte Lehmziegel sind im

Öko-Baustoffhandel erhältlich; da sie Stroh und Holzfasern

erhalten, werden sie aber von den Bienen kaum

besiedelt!) Als Nistsubstrat dienen den Pelzbienen die

Lehmfugen zwischen den Backsteinen. Die Fugen sollten

daher eine Breite von ca. 3 cm aufweisen. Der Lehm

oder Löss sollte geknetet werden. Lehmpulver wird in

einen Eimer oder Mörtelbottich mit Wasser gegeben

und mit Hilfe einer Bohrmaschine mit Rühraufsatz gemischt.

Es wird solange Lehmpulver hinzu gegeben, bis

eine teigartige Lehmmasse entsteht. Desto feuchter der

Lehm ist, desto eher entstehen beim Trocknen Risse.

Um eine gute Verbindung von Backstein und Lehmmörtel

zu erreichen, sollten die Backsteine und ggf. die

dahinter liegende Gebäudewand mit Wasser befeuchtet

werden. Je nach Größe der Nistwand ist diese durch geeignete

Verankerungen (z. B. in der dahinter liegenden

Gebäudewand angedübelte Haken, die in die Lehmfugen

eingemauert werden) zu sichern.

Die Lehmfugen sollten langsam trocknen. Vor stärkerer

Sonneneinstrahlung ist eine frisch erstellte Nistwand

daher in den ersten Tagen zu schützen. Unter Frosteinwirkung

würde noch feuchter Lehm reißen. Die Nistwände

sollten daher vor Frosteintritt getrocknet sein!

In die getrockneten Lehmfugen werden einige ca. 3 cm

tiefe Gänge von ca. 7 mm Durchmesser gebohrt. Pelzbienen

werden dadurch angelockt und graben von diesen

kurzen Bohrungen aus ihre Nester.

Den Pelzbienen sollte die Nistwand Ende März zur Verfügung

stehen.

Käuflich: Das Bienenhotel

Bild 15:

Ein Weibchen der Pelzbiene

Anthophora plumipes nistet

in einer speziellen Nisthilfe.

Einige Arten wie diese Pelzbiene

nisten nicht in bereits vorhandenen

Löchern, sondern

graben diese selbst in Lehmwände

und Abbruchkanten.

Der Bienenstein ist das Ergebnis von zehnjähriger

„Nisthilfenforschung“ des Verfassers. Da die Nisthilfe

aus gebranntem, atmungsaktivem Ton besteht, kann sie

nicht faulen und gewährleistet Schutz vor Spechten.

Bild 16:

Mit Nestgängen von 2 bis

11 mm Durchmesser bietet

das Bienenhotel seinen

unterschiedlich großen

Bewohnern ideale Nistbedingungen.

Für Wildbienenwände

aber auch zum

Einbau in Fassaden

und Mauern hat der

Verfasser einen speziellen

Bienenstein

entwickelt. Die hübsche

Nisthilfe hat 331

Nestgänge mit Durchmessern

von 3 – 8,5

mm. (Abmessungen

ca.: Höhe 25 cm, Breite 12 cm, Tiefe 7,5 cm; Gewicht

ca. 3,9 kg) Der Bienenstein kann sowohl hochkant

als auch längs eingebaut werden. Wird er auf einen

Nagel oder einer Schraube aufgesteckt, kann

der Bienenstein auch einzeln aufgehängt werden.

Natürlich haben die Wildbienen den Bienenstein ausführlich

getestet. Kommentar einer Mauerbiene „Da

flieg ich drauf!“

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 222 13


Standort + Pflege

Bild 17: Das Foto zeigt

einen Bienenstein am

29. Tag des Wildbienentestes.

Am Ende

der Saison waren 329

Löcher verschlossen,

das entspricht 99,4

% der Nestgänge. Bei

durchschnittlich fünf

Brutzellen pro Nestgang,

warten in diesem

einen Bienenstein ca.

1600 kleine Helfer auf

den Frühling/Sommer!

Nisthilfen für Besiedler vorhandener Hohlräume (Nisthölzer,

Niststeine und hohle Stängel) hängt man an einer

sonnigen Stelle so auf, dass sie nicht baumeln. Die

waagerecht liegenden Gänge der Nisthilfen müssen von

den Tieren frei anzufliegen sein. Feuchtigkeit schädigt

die jungen Bewohner. Deshalb sollte ein regengeschützter

Standort bevorzugt werden, oder die Nisthilfe mit

einem etwas überstehenden und wasserabweisenden

Dach geschützt werden.

Zumeist beziehen Wildbienen und Einsiedlerwespen

neue Wohnungen schon nach wenigen Tagen. Von April

bis Oktober herrscht reges Treiben am Nistkasten. Die

einzelnen Arten fliegen allerdings nur wenige Wochen

im Jahr. Damit auch Frühjahrsarten eine Wohnung finden,

sollten Nisthilfen von Ende März an bezugsfertig

sein. Die Tiere nisten bevorzugt nahe ihres eigenen

Geburtsortes. Wenn weiterhin das Nistplatzangebot erweitert

wird, können bei gutem Nahrungsangebot von

einigen Arten hohe Nestdichten erreicht werden.

Bild 18: Bienennisthilfen

brauchen einen

sonnigen, regengeschützten

Platz. Wenn

sie durch ein Dach

vor Regen geschützt

werden, kann man sie

auch frei im Garten

aufstellen.

Niemand sollte sich die ungemein faszinierende Lebensweise

der einzeln lebenden Bienen und Wespen

entgehen lassen. Die Tiere lassen sich von ganz nahe

beobachten, ohne dass sie etwas tun. Man kann zusehen,

wie die Tiere den Pollen ins Nest transportieren,

wie sie Mörtel herantragen und das Nest mit einem Deckel

verschließen. Es bietet es sich daher an, Nistkästen

gut beobachtbar (z. B. auf Balkon oder Terrasse) aufzuhängen.

Alle Bewohner von Nisthilfen sind absolut

friedlich; niemand braucht Angst vor ihnen zu haben.

Die Weibchen haben zwar einen Stachel wie die Honigbiene,

aber sie stechen nicht damit. Nur wenn sie mit

den Fingern gepackt werden, bekommen sie Angst und

wehren sich. Die Tiere naschen nicht an Getränken und

beteiligen sich auch nicht am Pflaumenkuchen-Mahl.

Nisthilfen aus Holz, gebranntem Ton und hohlen Stängeln

werden viele Jahre lang von Wildbienen und Einsiedlerwespen

besiedelt. Anders als bei den Nistkästen

für Vögel, die im Herbst sauber gemacht werden

müssen, braucht man sich um die Wildbienen-Hotels

nicht mehr weiter zu kümmern. Die fleißigen Insekten

säubern selber schon benutzte, verlassene Nester

bevor wieder Pollen und Nektar eingetragen wird.

Im Winter bleiben die Bienenhotels draußen, denn die

Bewohner sind nicht frostempfindlich, würden jedoch

in warmer Umgebung vorzeitig schlüpfen und zugrunde

gehen.

Bild 19: Eine Scherenbiene hat

einen alten Nestgang gesäubert

und darin neue Brutzellen angelegt.

Da ein Teil des alten Nestverschlusses

(links hell) noch

vorhanden ist, ergänzt die pfiffige

Biene nur den fehlenden

Bereich (rechts dunkel).

Bild 20: Verschiedene Nisthilfen wie Nisthölzer, Hohle Stängel,

Lehmwand und Niststeine können zu hübschen Bienenwänden

kombiniert werden.

14 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 222


Blumen für Bienen

Die Nahrungsquellen von Bienen müssen erhalten oder

neu geschaffen werden. Einheimische Wildpflanzen

sollten in Gärten wieder eine Chance erhalten. Eine

bunte Blumenwiese ist zum Beispiel, anders als ein monotoner

Rasen, für Einsiedlerwespen und viele andere

Insekten ein wahres Schlaraffenland.

Bild 21: Blumenwiese

Auch viele Gartenblumen sind hervorragende Nahrungsquellen

für Insekten. Bei einigen Zierpflanzen

wurden aber die Pollen produzierenden Staubblätter

weggezüchtet. Diese „gefüllten“ Blüten sind für Wildbienen

und andere Insekten wertlos. Auf solche Züchtungen

sollte man daher verzichten.

Bild 22: Gefüllte und ungefüllte Margerite

Gewürzkräuter wie Thymian, Salbei, Ysop und Bergbohnenkraut

sind hervorragende Nahrungsquellen für

Wildbienen.

Einige Pflanzen von Küchenzwiebeln (Foto), Lauch,

Kohl und Salat sollten zur Blüte kommen dürfen. Man

wird überrascht sein wie viele Bienen sich an den Blüten

laben.

Bild 23: Blühende Küchenzwiebel

Mehr Infos über Wildbienen:

www.wildbiene.com

Besuchen Sie das Wildbienen-Portal www.wildbiene.

com im Internet. Dort erfahren Sie vom Leben der

Wildbienen, lernen Blumen für Bienen kennen, finden

ein ausführliches Artenlexikon mit über 170 Bienenarten,

erhalten Naturschutz-Tipps, können Fragen

und Anregungen ins Forum stellen und auch direkt

Bienenhotels, Literatur, Geschenkartikel und Trachtpflanzen

bestellen. Also unbedingt mal rein schauen!

Wer etwas von Belgien aus bestellen möchte und eine

deutsche Lieferadresse angibt spart Versandkosten ;-)

Text und Fotos: Dipl. Geograph Volker Fockenberg, Heimersfeld

77, 46244 Kirchhellen

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Anforderungen von Honigbienen an

das Nahrungsangebot

Dr. sc. agr. Helmut Horn

Landesanstalt für Bienenkunde,

Hohenheim

In der Imkerei wird ein einzelnes Bienenvolk auch als

„Bien“ bezeichnet, was zum Ausdruck bringt, dass ein

Bienenvolk wie ein einziger Organismus agiert. Honigbienen

sind hoch sozial organisiert und überwintern

als Volk. Dabei handelt es sich überwiegend um weibliche

Tiere, die Arbeiterinnen und die Königin. Nur zur

Schwarmzeit in den Frühjahrs- und Sommermonaten

werden Drohnen akzeptiert. Während des Winters besteht

ein Volk aus etwa 10.000 Arbeitsbienen, während

des Sommers kann die Volksstärke bis zu 50.000 Individuen

erreichen.

Das harmonische Zusammenleben einer solch großen

Individuenzahl auf engstem Raum ist nur durch eine

gut organisierte Sozialgemeinschaft mit strukturierter

Arbeitsteilung und intensiver Kommunikation möglich.

Eine Königin kann im Jahr bis zu 250.000 Arbeiterinnen

produzieren, was nur möglich ist, wenn ausreichend

Futter zur Verfügung steht. Dabei dient Zucker

in Form von Nektar, Honigtau oder Honig als reine

Energiequelle, während Pollen ausschließlich als Eiweißquelle

genutzt wird.

Der Futterbedarf für die Aufzucht dieser enormen Individuenzahl

wird mit etwa 40–50 kg Pollen und Honig

pro Jahr veranschlagt. Dies setzt ein kontinuierliches

Angebot beider Trachtquellen voraus. Während der Im-

ker eine unzureichende Kohlenhydratversorgung der

Völker durch Zuckerfütterung leicht ausgleichen kann,

ist dies hinsichtlich der Eiweißversorgung meist nur

unzureichend möglich. Blütenstaub ist essentiell notwendig

für die Produktion von Futtersaft zur Aufzucht

der Bienenbrut, sowie für die Ausbildung der Futtersaftdrüsen

der Ammenbienen. Pollenmangel führt zur

Einschränkung des Brutgeschäftes und damit zu schwächeren

Völkern, was sich natürlich auch in verringerten

Honigerträgen widerspiegelt.

Es ist weiterhin bekannt, dass die Qualität und Menge

der Eiweißnahrung die Lebensdauer und Krankheitsanfälligkeit

der Bienen beeinflusst. Von besonderer Bedeutung

ist dabei, dass Pollen während des gesamten

Bienenjahres in ausreichender Menge und Qualität zur

Verfügung stehen muss.

Blütenstaub ist von unterschiedlicher ernährungsphysiologischer

Wertigkeit. Pollen von anemophilen (windbestäubten)

Pflanzen ist in der Regel reich an Stärke,

während Pollen von entomophilen (insektenbestäubten)

Pflanzen höhere Proteingehalte aufweist und somit

aus ernährungsphysiologischer Sicht „wertvoller“ ist.

Die Intensivierung in der Landwirtschaft hat auch Einfluss

auf die Produktions- und Ernteverfahren genommen.

Ein vermehrter Einsatz von Pestiziden hat dazu

geführt, dass viele Wildkräuter nahezu vollständig aus

der Feldflur verschwunden und somit als Trachtquellen

für Bienen nicht mehr verfügbar sind. Wiesen werden

oft überdüngt, was zu einem drastischen Rückgang der

Artenvielfalt geführt hat. „Buntblühende“ artenreiche

Wiesen sind heute äußerst selten geworden. Man kennt

solche Wiesen nur noch aus „Bilderbüchern“, hinzu

kommt, dass die traditionelle Heuernte vielerorts durch

Silageproduktion abgelöst wurde. Letztere führt zu geringeren

„Ernteverlusten“ und scheint aus betriebswirtschaftlicher

Sicht unter Vollkostenrechnung günstiger

als die Produktion von Heu zu sein.

Der frühe Erntezeitpunkt noch vor der Samenreife vieler

Blütenpflanzen führt jedoch zu einem weiteren Verlust

der pflanzlichen Biodiversität. Somit beeinflussen die

veränderten landwirtschaftlichen Produktionsverfahren

nicht nur die Artenvielfalt unserer einheimischen Flora,

sie verkürzen auch das „natürliche“ Trachtangebot.

Der Anbau landwirtschaftlicher Kulturpflanzen wie

Raps, Sonnenblume oder Mais kann zwar dazu beitragen,

regional die Pollenversorgung unserer Bienenvölker

kurzzeitig zu verbessern, unabhängig von der

ernähungsphysiologischen Qualität der Pollenspender

ist jedoch noch nicht bekannt, welchen Einfluss die intensive

Nutzung eines einseitigen (monofloralen) Pollenangebots

auf die Volksentwicklung nimmt.

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Vergleichende Untersuchungen über den Nährwert von

Pollen verschiedener Pflanzenarten und von Pollenersatzprodukten

(Hefe, Sojamehl, Trockenmilch, Eidotter,

Fisch- und Fleischmehl…) haben eindeutig gezeigt,

dass letztere aus ernährungsphysiologischer Sicht den

Blütenstaub nicht ersetzen können. Die Studien haben

jedoch auch belegt, dass Pollen verschiedener Pflanzen

das Brutverhalten der Völker und die Lebensdauer der

Bienen unterschiedlich beeinflusst. Somit scheint ein

artenreiches, ausgewogenes Pollenangebot die Vitalität

der Völker und damit die Rentabilität der Bienenhaltung

nachhaltig zu beeinflussen.

Bienenhaltung auf dem Land ist heute leider vielfach

nicht mehr attraktiv, die besten Standorte bilden Städte

mit ihren Gärten, Parkanlagen oder Friedhöfen – eine

bedenkliche Situation, die uns Sorge bereiten sollte.

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Deutschland summt! –

mit der Biene als Botschafterin zu

mehr Stadtnatur

Cornelis F. Hemmer

Stiftung für Mensch und Umwelt, Berlin

Es kann gelingen, Akteure jenseits der Imkerei und des Naturschutzes

auf das Bienensterben aufmerksam zu machen. Hier:

Tag der offenen Tür im Abgeordnetenhaus zu Berlin mit OB Klaus

Wowereit

Seit Frühling 2011 summt es in Berlin, dem Startpunkt

von Deutschland summt!, etwas lauter als bisher.

An bislang fünfzehn repräsentativen Standorten

der Hauptstadt stellten Hausherren ihre Dächer und

Gärten für Bienenstöcke zur Verfügung. Darunter das

Haus der Kulturen der Welt, Berliner Dom und das Abgeordnetenhaus.

Die Initiatoren Corinna Hölzer und

Cornelis Hemmer von der Stiftung für Mensch und

Umwelt erreichen mit dieser konzertierten, öffentlichkeitswirksamen

Aktion nicht nur Bürger sondern auch

Entscheidungsträger der Stadt. Die Aktion macht darauf

aufmerksam, dass die Verantwortung für unsere Bienen

eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Ganz nach

dem Motto „für eine vielfältige Stadtnatur ist nicht nur

der Naturschutz zuständig“, können alle ihren Beitrag

leisten: Imker und Gärtner, Wissenschaftler, Journalisten,

Politiker, Kulturschaffende und Kommunalvertreter.

Deutschland summt! möchte die Stadtimkerei dabei jedoch

nicht glorifizieren. Die momentan günstigere Situation

der Stadt-Bienen kann jedoch genutzt werden,

um Städter durch das Imkern näher an die Faszination

natürlicher Systeme wie den „Bien“ 1 heranzuführen.

Bei Berlin summt!, München summt! und Frankfurt

summt! – weitere werden folgen – sollen möglichst viele

Menschen für „ihre“ Bienen und „ihre“ StadtNatur

begeistert werden.

1 Der Bien ist ein auch historisch gewachsener Begriff für

den Superorganismus des Bienenvolkes, in dem Honigbienen

in Gemeinschaft leben.

Die Honigbiene als Botschafterin

Die Initiative stellt die bekannte Honigbiene in den Fokus,

um über das tiefere Verständnis für das drittwichtigste

Nutztier in Deutschland auch die Bedeutung und

Schönheit der Wildbienen und ihrer bedrohten Lebensräume

zu vermitteln. Eine stilisierte Zeichnung einer

Biene will als Maskottchen die Herzen erobern. In der

Hauptstadt hat sie sich die Berliner Stadtfarben rot-weiß

übergestreift und dient als sympathische Botschafterin

für eine gesunde Mensch-Umwelt-Beziehung.

Gartenfreunde und Bienenfreunde

zusammen bringen!

Im Projektverlauf wurde deutlich, dass viele Imker nicht

genau wissen, von welchen Pflanzen ihre Honigbienen

eigentlich Nektar und Pollen sammeln. Andersherum

wissen viele Gärtner nicht, wie sie mit wenig Aufwand

ihren Garten zu einer Bienenoase machen können. Dabei

muss man nicht nur an die domestizierten Honigbienen

denken! Vielmehr wirbt die Initiative dafür, gerade

für die vielen Wildbienenarten schöne heimische

Pflanzen anzubieten.

In diesem Sinne lobte Berlin summt! im Jahr 2012 den

Wettbewerb „Der bienenfreundlichste Garten Berlins

gesucht“ aus. Ziel war es, die Bienenfreunde mit den

Gartenfreunden besser zu verbinden. Privat-, Klein- und

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Firmengärten waren eingeladen, ihre Gärten zu präsentieren,

die eben nicht nur schön aussehen sondern

gleichzeitig Lebensraum für Insekten bieten.

Ein Gartenwettbewerb hilft, das Wissen über Zusammenhänge

in die breite Bevölkerung zu geben. Die

Wettbewerbs-Webseite gab entsprechende Hinweise

rund um das naturnahe Gärtnern.

Deutschland summt!

Die Stiftung für Mensch und Umwelt bemüht sich, die

vielen Anfragen aus anderen Städten zu bündeln, Vor-

Ort Partnern Hilfestellung anzubieten und unter dem

Dach Deutschland summt! ihr Engagement darzustellen.

Das Netzwerk von Kooperationspartnern wächst

stetig.

Augenweide für die Besitzer, wenig Freude für die Bienen

Augen- und Bienenweide ....

Kontakt zu den Initiatoren:

Dr. Corinna Hölzer, Cornelis Hemmer,

info@deutschland-summt.de, Tel. 030 394064-320

Hermannstr. 29, 14163 Berlin

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Imkerei im

Kleingarten

Peter Sperlich

Vorsitzender des

Stadtverbandes Regensburg

der Kleingärtner e.V.

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Bienen halten – einfach und natürlich

„Die Bienenkiste“

Erhard Maria Klein

Imker, Hamburg

Einführung/Überblick

Honigbienen sind für die Bestäubung der Nutzpflanzen

(besonders Obstbäume) unverzichtbar, und auch

Wildpflanzen sind auf die Bestäubung der Bienen angewiesen.

Daher gehört eigentlich zu jeder Kleingarten-Siedlung

auch ein Bienenstand. Bereits wenige

Bienenvölker lassen die Gartenerträge der Schrebergartenkolonie

spürbar wachsen und haben einen positiven

Einfluss auf die Artenvielfalt.

Viele Menschen würden auch heute gerne Bienen im

eigenen Garten halten, wenn das nicht so aufwendig

wäre. Sie scheuen die Kosten, den Zeitaufwand und die

notwendigen Fachkenntnisse, um auf die herkömmliche

Art „Imker“ zu werden.

Die Bienenkiste ist ein neues Konzept, das Naturfreunden

und Menschen ohne Imker-Vorkenntnissen ermöglichen

soll, selbst erfolgreich Bienen zu halten. Es

handelt sich um eine einfache flache Holzkiste, in der

die Bienen Naturwaben selbst fest einbauen („Stabilbau“).

Um in das Volk hineinschauen zu können, wird

die Kiste – von einem Ständer gestützt – aufrecht ge-

stellt und der Boden abgenommen. Der Vorteil dieser

Art von Bearbeitung besteht darin, dass man einen sehr

guten, schnellen Einblick in das Bienenvolk bekommt,

ohne Waben bewegen zu müssen. Das Öffnen der Kiste

ist mit wenigen Handgriffen erledigt und man braucht

nicht schwer zu heben. Im hinteren Drittel der Kiste

wird der Honigüberschuss abgelagert, der dann später

geerntet werden kann. Der Honig muss nicht geschleudert

werden, sondern wird durch eine einfache

Filterkonstruktion als Tropfhonig gewonnen. So spart

man sich die kostspielige professionelle Ausrüstung für

die Honigernte. Die Vermehrung der Bienenvölker geschieht

über den natürlichen Schwarmtrieb.

Die Bienenkiste setzt ein ausgewogenes Angebot an

blühenden Pflanzen voraus, wie es z.B. im städtischen

Siedlungsbereich herrscht. Damit ist sie ideal für den

Einsatz in Kleingartenanlagen. Die Bienen überwintern

auf ihrem eigenen Honig – eine Winterfütterung mit

Zucker ist in der Regel nicht notwendig. Der Honigüberschuss

liegt bei ca. 15 kg pro Jahr.

Die Bienenkiste ist nicht nur eine Holzkiste, sondern

ein ganz neues Konzept, Menschen für die Bienenhaltung

zu gewinnen, denen es zu aufwendig wäre, „richtiger“

Imker zu werden. Dazu gehört auch das Internet-Portal

www.bienenkiste.de, das alle notwendigen

Informationen zum Selbstbau und zur Bienenhaltung

in der Bienenkiste liefert. Die Website vermittelt außerdem

Bienenschwärme und Unterstützung von erfahreneren

Imkern („Imkerlotsen“).

Warum haben wir die Bienenkiste entwickelt?

Die Probleme sind bekannt:

• Es gibt mittlerweile zu wenig Bienenvölker in der

Landschaft,

• zu wenig Imkernachwuchs …

• und die Vitalität der Bienenvölker ist in einem desolaten

Zustand.

Wir haben nach einem möglichst extensiven Art der

Bienenhaltung gesucht, das gleichzeitig möglichst artgerecht

ist und einen möglichst niederschwelligen Einstieg

in die Bienenhaltung ermöglicht.

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Ziel soll es also sein, die Bienen wieder in die Fläche zu

bekommen, neue Bevölkerungsschichten für Bienenhaltung

zu begeistern und eine – für die Bienen – stressfreiere

und damit gesundheitsfördernde Haltungsform

zu finden.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Bienen als „wilde

Tiere“ auch heute noch eigentlich unbetreut selbständig

existieren könnten – wenn die Rahmenbedingungen

stimmen – haben wir noch mal bei „Null“ angefangen

und uns vollkommen von den heute gängigen Konzepten

gelöst.

Wir wissen, dass

• die Varroamilbe,

• das geringe bzw. zu schmale Angebot an blühenden

Pflanzen …

• und der Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten ...

… es heute nahezu unmöglich macht, dass Bienen in

freier Wildbahn überleben können.

Dazu kommen Krankheiten wie Amerikanische Faulbrut,

die es aus heutiger imkerlicher Sicht nicht besonders

attraktiv erscheinen lässt, dass Bienenvölker unbetreut

und unbeobachtet leben.

Wir haben daher nach einem Konzept gesucht, das den

Bienen ermöglicht, so selbständig wie möglich ihren natürlichen

Anlagen folgen zu können. Eingriffe sollten

nur dort stattfinden, wo sie unbedingt nötig sind.

Das bedeutet für uns: Stabilbau in einem zusammenhängenden,

ausreichend großen Hohlraum.

Gleichzeitig soll das Konzept an den Imker bei der Betreuung

minimale „handwerkliche“ Anforderungen

stellen, um einen niederschwelligen Einstieg zu gewährleisten

und so eine neue Zielgruppe von Hobby-

Imkern zu erschließen.

Weitere Anforderungen:

• Schwarmbetriebsweise

• Überwinterung auf eigenem Honig (ausgewogene

Trachtbedingungen!

Urbaner Siedlungsraum = Wohnort unserer Zielgruppe)

Es geht uns ausdrücklich nicht um eine wirtschaftliche

Produktion von Honig u.a. Bienenprodukten. Wir

haben nach einer Beute gesucht, die Liebhabern und

Naturfreunden eine Möglichkeit bietet, so einfach wie

möglich selbst Bienen zu halten und für den Eigenbedarf

etwas Honig zu ernten.

Mit diesen Anforderungen im Hinterkopf haben wir den

Krainer Bauernstock wiederentdeckt und modernisiert:

Eine erste Anpassung bestand im Volumen. Wir sind

damit zu den ursprünglichen Maßen des Krainer Bauernstocks

zurück gekehrt. (Er war im Laufe der Jahre

immer kleiner geworden und hauptsächlich zur Gewin-

nung und Versand von

Schwärmen der beliebten

Carnica-Biene geworden.)

Maße: Innenraum ca.

100cm x 45cm x 20 cm

ca. 90 Liter Volumen

Eine zweite Anpassung

bestand im Handling:

• Kippen (Ständer und

Dachüberstand), statt

drehen

• moderne Beschläge

– Spannverschlüsse –

statt Schrauben

• leichter zu bewegen,

mit wenigen Handgriffen

zu öffnen.

Beim ursprünglichen Bauernstock hat die Ernte vor der

neuen Saison – also um Ostern herum – stattgefunden.

Man hat nur die Überschüsse geerntet. Dieser Erntezeitpunkt

ist wegen der Varroabehandlung heute nicht

mehr zeitgemäß. Außerdem sind die Waben am Ende

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des Winters nicht unbedingt in einem appetitlichen Zustand.

Wir haben den Raum in zwei Bereiche aufgeteilt:

Den Brutbereich und den Erntebereich (Honigraum).

• Der Honigraum wird nur während der Trachtzeit von

den Bienen genutzt.

Zu anderen Zeiten ist

er durch ein Schied

abgetrennt. Die Ernte

geschieht am Ende

der Trachtzeit.

• Der vordere Bereich

ist aber so bemessen,

dass dort genügend

Überschüsse für die

Überwinterung verbleiben.

Bei ausreichender

Tracht ist

also keine Winter-

Fütterung nötig. Wir ernten nur die Überschüsse.

Im vorderen Bereich finden keine Eingriffe statt.

• Im ursprünglichen Bauernstock werden die Waben

von den Bienen direkt an den Kistendeckel angebaut.

Um die Handhabung zu vereinfachen, bringen wir die

Anfangsstreifen nicht direkt am Kistendeckel an, sondern

setzen Leisten ein.

• Im Honigraum können statt Anfangsstreifen sogar

Mittelwände eingesetzt werden. Das erhöht den Honigertrag,

bzw. dämpft den Schwarmtrieb ein wenig und

stabilisiert die Honigwaben bei der Ernte erheblich.

• Die Entnahme der Honigwaben ist dadurch ohne Wabenbruch

sehr einfach möglich. Und es ist außerdem

in Ausnahmesituationen möglich, auch die Brutraumwaben

zu entnehmen – z.B. um ein Volk aufzulösen

oder für eine ausführliche Brutnestbegutachtung im

AFB-Verdachtsfall.

• Im Regelbetrieb bleibt der Brautraum aber unangetastet.

Wir nennen das „mobilen Stabilbau“. Es ist faktisch

Stabilbau, kann aber notfalls in Mobilbau umgewandelt

werden. Die Handhabung ist gegenüber klassischem

Stabilbau – z.B. in Körben oder Klotzbeuten –

wesentlich einfacher und auch für Anfänger möglich.

Die Bienenkiste im Jahreslauf:

1. Jahr

• Schwarm einlogieren (einlaufen lassen oder von hinten

reinschütten)

• falls nötig, flüssig im hinteren Raum füttern und in

kleinen Portionen über die Saison

• Varroakontrolle mit Puderzuckermethode

• Varroa-Behandlung im Nassenheider Verdunster

(Ameisensäure)

• Mäuseschutz und Varroa-Behandlung (Träufelmethode

Oxuvar)

Folgejahre

• Zur Obstblüte das

Trennschied heraus

nehmen und

den Honigraum

mit Mittelwänden

füllen.

• Ggf. Schwarmdiagnose

als Kippkontrolle

• bei Schwarmabgang:überschüssige

Weiselzellen

brechen

• Am Ende der Tracht: Honigernte (crush&strain)

• Varroakontrolle mit Puderzuckermethode

• AS-Behandlung, Trennschied einsetzen

• (weiter wie im ersten Jahr)

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Honigernte

Zusammenfassung der Pluspunkte:

Man bekommt gute Einblicke in das Bienenvolk, ohne

Waben bewegen zu müssen. Kleine Inspektionen und

Maßnahmen (z.B. füttern, AS-Behandlung) geschehen

durch das Rückbrett, ohne die Beute richtig öffnen oder

bewegen zu müssen.

Das Kippen und Abnehmen des Bodens stört die Bienen

kaum, da ihr Lebensraum unangetastet bleibt. Sie bleiben

deshalb sehr ruhig und auch der Gashaushalt wird

kaum gestört.

Bei einer Inspektion von unten sieht man aufgrund der

großen Oberfläche sehr viel vom Bienenvolk. Man kann

die Volksgröße gut einschätzen und wenn man in die

Wabengassen hinein späht, sieht man auch die Brutzellen.

Auch Weiselzellen sind sehr einfach zu erkennen.

Letztlich ist die Arbeit mit der Bienenkiste auch körperlich

leichter als die Arbeit mit dem Magazin. Man hebt

die Kiste ja nicht insgesamt an, sondern kippt sie nur.

Jede Beute legt eine bestimmte Betriebsweise nahe,

auch wenn man mit ihr anders imkern kann. Wer

Mobilbau hat, wird auch Waben ziehen. Selbst

wenn man es eigentlich gar nicht will, ist die Versuchung

groß, z.B. Brutnestableger zu bilden, radikale,

schwarmverhindernde Eingriffe vorzunehmen, usw.

Die Bienenkiste kann nur in dieser extensiven Art genutzt

werden.

Weiterführende Informationen

Internet: www.bienenkiste.de

Buch: Erhard Maria Klein, Die Bienenkiste: Selbst Honigbienen

halten – einfach und natürlich, pala-verlag

2012, ISBN: 978-3-89566-309-3

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Praktische Tipps und

Tricks zum

Selbermachen von

Bienenwachsschuhpflege

Dr. Corinna Hölzer

Stiftung für Mensch und Umwelt,

Berlin

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Rezept: Wie mache ich eine Bienenwachs-Schuhcreme selbst?

Vorgehensweise (Menge für 2 x 80 g Gläser):

1. Gib eine hitzebeständige Schüssel in ein Wasserbad und erhitze langsam das

Wasser (nicht kochen!)

2. In die Schüssel werden dann nacheinander

- 10 g Bienenwachs

- 10 gehäufte Teelöffel Lanolin (1 TL = 5 g, also 50 g)

- 60 ml Sojaöl gegeben

(Mengenverhältnisse je nach eigenem Bedürfnis anpassen)

3. Warte solange, bis das Wachs geschmolzen ist und schalte dann den Herd ab

4. Vermenge die Mischung mit einem Handrührer, bis sie dir homogen und cremiLasse

im Anschluss die Bienenwachs-Schuhcreme langsam abkühlen (nicht in den

Kühlschrank stellen)

Fertig ist die selbst gemachte Bienenwachs-Schuhcreme!

Sobald diese ausreichend abgekühlt ist, kannst du loslegen, deine schönen Ledersachen

damit zu behandeln. Ein kleiner Tipp: Dieses Rezept eignet sich besonders für

helle Lederschuhe! Gut verschlossen und kühl gelagert, hält die Bienenwachs-

Schuhcreme etwa 1 Jahr lang.

Menge für 50 Gläser :

- Bienenwachs: 250 g (beim Imker erwerben, ca. 5 Euro)

- Lanolin: 1.250 g (über (Internet-) Handel = ca. 25,00 Euro + ggf. Versandkosten)

- Sojaöl: 1.500 ml (aus dem Lebensmittelmarkt = ca. 3,00 Euro)

Weiteres Material:

- Herdplatten

- Waage

- Topf und Schüssel für Wasserbad

- Handrührer

- 50 Gläser (á 80 g) mit Schraubverschlüssen

Und als Geschenkidee:

- 50 Zellophanbeutel transparent

- Schleifenband rot

Viel Spaß beim Selbermachen!

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IMPRESSIONEN

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Leitthemen der Schriftenreihe seit 1997

Heft Jahr Ort Seminar

122 1997 Schwerin Haftungsrecht und Versicherungen im Kleingartenwesen

123 1997 St. Martin Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im

Kleingarten

124 1997 Berlin Lernort Kleingarten

125 1997 Gelsenkirchen Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im Kleingarten

126 1997 Freising Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und umweltgerechte

Gestaltung der Kleingärten als eine Freizeiteinrichtung der Zukunft

127 1997 Lübeck-Travemünde Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128 1997 Karlsruhe Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129 1998 Chemnitz Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130 1998 Potsdam Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung der lokalen Agenden

zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Kleingartenbereich

131 1998 Dresden Gesundes Obst im Kleingarten

132 1998 Regensburg Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im Kleingarten

Gesetz und Maßnahmen

133 1998 Fulda Der Kleingarten – ein Erfahrungsraum für Kinder und

Jugendliche

134 1998 Wiesbaden Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135 1998 Stuttgart Kleingärten in der/einer künftigen Freizeitgesellschaft

136 1998 Hameln Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von 1992 im

Bundesnaturschutzgesetz und die Möglichkeiten ihrer Umsetzung im

Kleingartenbereich

137 1999 Dresden (Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138 1999 Rostock Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139 1999 Würzburg Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140 1999 Braunschweig Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer

Bewirtschaftung

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Heft Jahr Ort Seminar

141 1999 Hildesheim Biotope im Kleingartenbereich – ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142 1999 Freiburg Zukunft Kleingarten

143 2000 Mönchengladbach Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144 2000 Oldenburg Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten

von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145 2000 Dresden Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146 2000 Erfurt Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147 2000 Halle Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148 2000 Kaiserslautern Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149 2000 Erfurt Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150 2001 Rüsselsheim Vereinsrecht

151 2001 Berlin Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152 2001 Mönchengladbach Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153 2001 St. Martin Das Element Wasser im Kleingarten

154 2001 Gelsenkirchen Frauen im Ehrenamt – Spagat zwischen Familie, Beruf und

Freizeit

155 2001 Erfurt Verbandsmanagement

156 2001 Leipzig Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen –

Gesetzliche Privilegien und Verpflichtungen

157 2002 Bad Mergentheim Kleingartenpachtverhältnisse

158 2002 Oldenburg Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die

Umwelt

159 2002 Wismar Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit –

was ich wie sagen kann

160 2002 Halle Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161 2002 Wismar Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162 2002 Berlin Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages

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Heft Jahr Ort Seminar

163 2003 Dessau Finanzen

164 2003 Rostock Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des

Kleingartenwesens

165 2003 Hamburg Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

166 2003 Rostock Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

167 2003 Limburgerhof Die Wertermittlung

168 2003 Bad Mergentheim Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche

Auswirkungen auf das Kleingartenwesen

169 2004 Braunschweig Kleingärtnerische Nutzung (Rechtsseminar)

170 2004 Kassel Öffentlichkeitsarbeit

171 2004 Fulda Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

172 2004 Braunschweig Mein grünes Haus

173 2004 Dresden Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

174 2004 Magdeburg Recht aktuell

175 2004 Würzburg Der Kleingarten als Gesundbrunnen für Jung und Alt

176 2004 Münster Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im

Schrebergarten (I)

177 2005 Kassel Haftungsrecht

178 2005 München Ehrenamt – Gender-Mainstreaming im Kleingarten

179 2005 Mannheim Mit Erfolg Gemüseanbau im Kleingarten praktizieren

180 2005 München Naturgerechter Anbau von Obst

181 2005 Erfurt Naturschutzgesetzgebung und Kleingartenanlagen

182 2005 Dresden Kommunalabgaben

183 2005 Bonn Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im

Schrebergarten (II)

184 2006 Dessau Düngung, Pflanzenschutz und Ökologie im Kleingarten –

unvereinbar mit der Notwendigkeit der Fruchtziehung?

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Heft Jahr Ort Seminar

185 2006 Jena Finanzmanagement im Verein

186 2006 Braunschweig Stauden und Kräuter

187 2006 Stuttgart Grundseminar Boden und Düngung

188 2006 Hamburg Fragen aus der Vereinstätigkeit

189 2007 Potsdam Deutschland altert – was nun?

190 2007 Jena Grundseminar Pflanzenschutz

191 2007 Jena Insekten

192 2007 Celle Grundseminar Gestaltung und Laube

193 2007 Bielefeld Rechtsprobleme im Kleingarten mit Verbänden lösen

(Netzwerkarbeit) Streit vermeiden – Probleme lösen

194 2008 Potsdam Pachtrecht I

195 2008 Neu-Ulm Pflanzenverwendung I – vom Solitärgehölz bis zur Staude

196 2008 Magdeburg Soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – nach innen und nach

außen

197 2008 Grünberg Pflanzenverwendung II – vom Solitärgehölz bis zur Staude

198 2008 Gotha Finanzen

199 2008 Leipzig Kleingärtner sind Klimabewahrer – durch den Schutz der Naturressourcen

Wasser, Luft und Boden

200 2009 Potsdam Wie ticken die Medien?

201 2009 Erfurt Vereinsrecht

202 2009 Bremen Vielfalt durch gärtnerische Nutzung

203 2009 Schwerin Gesundheitsquell – Kleingarten

204 2009 Heilbronn Biotope im Kleingarten

205 2009 Potsdam Wie manage ich einen Verein?

206 2010 Lüneburg Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung auch

von außen (1)

207 2010 Magdeburg Zwischenpachtvertrag – Privileg und Verpflichtung

54 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 222


Heft Jahr Ort Seminar

208 2010 Bremen Umwelt plus Bildung gleich Umweltbildung

209 2010 Kassel Der Fachberater – Aufgabe und Position im Verband

210 2010 Mönchengladbach Biologischer Pflanzenschutz

211 2010 Dresden Umweltorganisationen ziehen an einem Strang (grüne Oasen als

Schutzwälle gegen das Artensterben)

212 2010 Hannover Der Kleingärtnerverein

213 2011 Lüneburg Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung

auch von außen (2)

214 2011 Naumburg Steuerliche Gemeinnützigkeit und ihre Folgen

215 2011 Hamburg Blick in das Kaleidoskop – soziale Projekte des Kleingartenwesens

216 2011 Halle Pflanzenvermehrung selbst gemacht

217 2011 Rostock Ressource Wasser im Kleingarten – „ohne Wasser, merkt euch das …“

218 2011 Berlin Satzungsgemäße Aufgaben des Vereins

219 2012 Goslar Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

220 2012 Wittenberg Naturnaher Garten und seine Vorzüge

221 2012 Dortmund Rechtsfindungen im Kleingartenwesen – Urteile zu speziellen Inhalten

222 2012 Karlsruhe Bienen

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