181 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

kleingartenbund

181 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

181

Naturschutzgesetzgebung und

Kleingartenanlagen


Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin

( BDG )

Heft / 2005

27. Jahrgang

Tagung: vom 23. bis 25. September 2005 in Erfurt

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon 030/ 30 207 140/141

Telefax 030/ 30 207 139

Präsident: Ingo Kleist

Seminarleiter: Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung: Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch

auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde erfolgen.

Auflage: 1.000

ISSN 0936-6083


Bundesministerium

für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit

Dieses Projekt wurde finanziell vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt

gefördert.

Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie

für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht

mit denen der Förderer übereinstimmen.

INHALTSVERZEICHNIS SEITE

Vorwort 5

Dr. sc. Achim F r i e d r i c h

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Das Naturschutzrecht und seine Bedeutung für die Kleingärtner 7

Dr. Susanne C r e u t z i g

Rechtsanwältin

Köln

Gentechnik – Grundlagen und Entwicklung 19

Dr. Gabriele K r c z a l

RLP AgroScience GmbH

Neustadt

Bundesbodenschutzgesetz und Bundeskleingartengesetz – ein Widerspruch? 29

Dr. Norbert F r a n k e

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 181


Das Pflanzenschutzgesetz – Knebel oder Chance? 53

Ulrike H o l z

Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung

Frankfurt/Oder

Düngeverordnung und fachgerechte Düngung im Kleingarten 65

Dr. Ilona S c h o n h o f

Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt e.V.

Großbeeren

Berichte aus den Arbeitsgruppen zu den Themen: 79

AG I „Vereinsaktivitäten zur praktischen Umsetzung neuer Regelungen“

Leiter der Arbeitsgruppe I: Helmut V e t t e r

Landesverband Braunschweig der Kleingärtner e.V.

AG II „Alternative Düngevarianten (-methoden)“

Leiter der Arbeitsgruppe II: Detlef M u r k e n

Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V.

AG III „Bodenbelastungen vermeiden – eine Maßnahmenliste“

Leiter der Arbeitsgruppe III: Heinrich S t r i e g l

Landesverband Rheinland der Kleingärtner e.V.

AG IV „Chemieersatz im Kleingarten – aber wie?“

Leiter der Arbeitsgruppe IV: Friedhelm G r o e l l

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

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Vorwort

Der Umwelt zu Liebe

- 5 -

Das vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt geförderte Seminar hatte die

Zielstellung, die aktuelle Gesetzgebung auf dem Gebiet des Naturschutzes zu bündeln und

zugleich mit praktischen Hinweisen für deren Berücksichtigung bei der Bewirtschaftung von Kleingärten

zu verbinden.

Einführend stellte Dr. Susanne Creutzig, Köln, wesentliche Züge des Bundesnaturschutzgesetzes

und dessen Bedeutung für die Kleingärtner dar. Das Gesetz sei ein Rahmengesetz, auf dessen

Grundlage die einzelnen Bundesländer ihre Naturschutzgesetzgebung ausfüllen. Die Länder haben

somit die Möglichkeit, den regionalen Besonderheiten für den Natur- und Landschaftsschutz Rechnung

zu tragen. Deshalb sei die Naturschutzgesetzgebung der Länder für die Kleingärtner besonders

bedeutsam. Dabei würden die Regeln der neu in das Gesetz aufgenommenen Anforderungen

an die gute fachliche Praxis „Biotopverbund“ und „Artenschutz“ besondere Bedeutung haben.

Die konventionelle Landwirtschaft könne gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen mit dem

Fortschritt traditioneller Züchtungsforschung nicht mehr entsprechen, meinte Dr. Gabriele Krczal,

Neustadt. Weltweit mache die Anwendung gentechnisch erzeugter neuer Sorten rasche Fortschritte.

Ein wichtiges Ziel derartiger Arbeiten seien Resistenzen gegen unterschiedliche Schaderreger

wie Viren, Pilze, Bakterien und Insekten, aber auch Toleranz gegenüber abiotischen Stress und

Herbizidresistenz. Auch im Bereich des Obst- und Gemüsebaus würden entsprechende Arbeiten

geführt, praktikable Ergebnisse seien allerdings noch weit entfernt. Das seit Februar 2005 neue

deutsche Gentechnikgesetz kam nur unter heftigen Auseinandersetzungen im politischen Raum zu

stande.

Ob das Bodenschutzgesetz und das BKleingG ein Widerspruch sei, untersuchte Dr. Norbert

Franke, Berlin.

Sein Fazit: NEIN, kleingärtnerische Nutzung ist auch bei belasteten Böden möglich!

Neue Untersuchungsergebnisse zur Aufnahme und Speicherung von Schadstoffen durch die unterschiedlichen

Obst- und Gemüsearten zeigten, dass diese sehr differenziert seien. Das Schutzgut

„Menschliche Gesundheit“ stehe im Vordergrund aller mit Bodenkontamination im Zusammenhang

stehenden Fragen. Eine Reihe praktischer Beispiele belegte, dass festgestellte Bodenbelastungen

nicht zwangsläufig zur Aufgabe von Kleingartenanlagen führen müssen.

Wie viel Pflanzenschutz braucht ein Garten? Ulrike Holz, Frankfurt/Oder, setzte sich mit der aktuellen

Situation nach Inkrafttreten des Pflanzenschutzgesetzes 1998 auseinander. Den positiven Effekten,

wie erhöhter Verbraucher- und Umweltschutz, stehen im Klein- und Hausgartenbereich eine

Reihe von Bekämpfungslücken gegenüber. Besonders bedenklich seien diese auf obstbaulichem

Gebiet. Die Suche nach akzeptablen Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz sei auf der Tagesordnung.

Die Düngeverordnung und die fachgerechte Düngung im Kleingarten war Gegenstand der Ausführungen

von Dr. Ilona Schonhof, Großbeeren. In den Fragen der sachgerechten Düngung bestehe

nach wie vor akuter Handlungsbedarf. Das wurde nachdrücklich mit Zahlen belegt.

Ziel müsste es sein, Bewirtschaftungsstrategien für die Düngung zu erarbeiten.

Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

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- 7 -

Das Naturschutzrecht und seine Bedeutung für die

Kleingärtner

Dr. Susanne C r e u t z i g

Rechtsanwältin

Köln

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Das Naturschutzrecht und seine Bedeutung für die Kleingärtner

A. Historie des BNatSchG

I. Seit wann gibt es Naturschutzrecht?

-8 -

Die erste bedeutende rechtliche Naturschutzmaßnahme auf deutschem Boden war die 1836 erfolgte

Unterschutzstellung des Drachenfelsgebietes im Siebengebirge durch eine preußische Verordnung.

1906 wurde dann in Preußen eine staatliche Stelle für Natur- und Denkmalpflege und in Bayern

der Landesausschuss für Naturpflege geschaffen. Im Jahre 1921 entstand der Naturpark Lüneburger

Heide.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde während der Weimarer Republik in allen Ländern (außer Thüringen)

Natur- oder Heimatschutzgesetze verabschiedet. Eine systematische Naturschutzarbeit fand

aber erst aufgrund des in der NS-Zeit verabschiedeten Reichsnaturschutzgesetzes (RNatSchG)

vom 26.06.1935 (RGBl. I 821) statt. Nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes wurde das

RNatSchG, da es nur als Landesrecht fortgalt, von den Landesgesetzgebern abgeändert, ergänzt

oder ersetzt. In der ehemaligen DDR ist das RNatSchG 1954 durch ein DDR-NatSchG ersetzt worden;

dieses Gesetz wurde dann 1970 durch das Landeskulturgesetz der DDR nebst der 1. DVO

(NatSchVO) abgelöst. In der Bundesrepublik wurde erst am 10.11.1976 das Bundesnaturschutzgesetz

(BNatSchG) als Rahmengesetz verabschiedet.

II. Wie kam die BNatSchG-Novelle vom 04.04.2002 zustande?

Ende der neunziger Jahre wurde der erste Versuch einer umfassenden Naturschutznovelle gestartet,

die aber am Widerstand des Bundesrates weitgehend scheiterte und im Vermittlungsausschuss

als „kleine Novelle“ zur Umsetzung der artenschutzrechtlichen Vorgaben der Verordnungen EG

33/97 zur Regelung des Handels mit gefährdeten Tieren und Pflanzen, der Flora-Fauna-Habitat-

Richtlinie und der Europäischen Vogelschutzrichtlinie akzeptiert wurde. Diese Änderung trat dann

im Mai 1998 in Kraft. Weiter wurde im August 1998 die Regelungen über den Vertragsnaturschutz

und den Ausgleich für die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft bei Nutzungseinschränkungen auf

Grund naturschutzrechtlicher Regelungen eingeführt.

Bevor das jetzige Bundesnaturschutzgesetz am 04.04.2002 in Kraft treten konnte, musste der Vermittlungsausschuss

angerufen werden, der Änderungen bei der Regelung zur Land- und Forstwirtschaft

und die Streichung der Möglichkeit einer Verbandsklage gegen Bebauungspläne, die Planfeststellungsverfahren

ersetzen, vorschlug. Mit diesen Änderungen wurde das Gesetz von Bundestag

und Bundesrat verabschiedet. Grund für das Vermittlungsausschussverfahren war, dass die

Bundesländer von dem Entwurf wenig überzeugt waren. Der neue Gesetzesentwurf wurde zwar so

ausgestaltet, dass eine Zustimmung des Bundesrates nicht erforderlich war, die Bundesländer legten

aber im Bundesrat gegen das Gesetz Einspruch mit einer 2/3 Mehrheit ein. Da die rot-grüne

Koalition im Bundestag nicht über die erforderliche 2/3 Mehrheit verfügte, um einen solchen Einspruch

zurückzuweisen, bestand die einzige Möglichkeit, die Novelle nicht scheitern zu lassen,

darin, den Vermittlungsausschuss anzurufen.

B. Rahmengesetz

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist eine Rahmenvorschrift, das heißt, der Bund darf nur

den Rahmen des Gesetzes vorgeben, den die Länder dann mit ihren jeweiligen Landesnaturschutzgesetzen

ausfüllen. Dabei haben die Länder den sich aus den regionalen Besonderheiten ergebenden

unterschiedlichen Bedürfnissen für den Natur- und Landschaftsschutz in den Ausführungsgesetzen

Rechnung zu tragen. Diese Rahmenvorschrift musste innerhalb einer Frist von drei Jahren –

bis zum 03.04.2005 – in Landesrecht umgesetzt werden. Ausgenommen davon sind die Regelungen,

die gemäß § 11 unmittelbar in Kraft getreten sind, z. B. die Habitat-Regelungen in § 32 bis 35,

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37 Abs. 2 und 3 BNatSchG. Unmittelbar bedeutet, dass der Bund die jeweilige Materie abschließend

geregelt hat und für jedermann gilt. Die Zahl der unmittelbar geltenden Regelungen hat im

neuen BNatSchG erheblich abgenommen, da durch die Änderung des Art. 75 GG (Rahmengesetzgebung

des Bundes) die Gesetzgebungsbefugnis des Bundes zu unmittelbar geltenden Vorschriften

eingeschränkt wurde.

C. Föderalismusreform – Auswirkungen auf das Naturschutzrecht

I. Der Föderalismus in Deutschland

Der Föderalismus ist eines der wichtigsten, unantastbaren Wesensmerkmale unserer Verfassung.

Er hat eine lange Tradition und steht für die bundesstaatliche Ordnung unseres Staates; alle 16

Bundesländer haben in ihrem Territorium eigene Staatsgewalt mit eigenen Landesverfassungen,

die den republikanischen, demokratischen und sozialen Grundsätzen entsprechen müssen. Sinn

und Zweck des Föderalismus ist auf der einen Seite, den regionalen Eigenheiten und Problemen

weitaus besser gerecht zu werden, als dies eine zentrale Regierungsgewalt leisten könnte. Auf der

anderen Seite führt die Verteilung der Aufgaben zwischen Bund und Ländern zu einer Gewaltenteilung

und Machtbalance. Dies gilt vor allem für die Beteiligung der Länder an der politischen Willensbildung

auf Bundesebene – hier wirken sie über den Bundesrat mit.

Die derzeitige verfassungsrechtliche Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen zwischen Bund

und Ländern hat sich in der Vergangenheit nur bedingt bewährt. Ursprünglich hatte der Verfassungsgeber

die Absicht, zur Stärkung des Föderalismus die wesentlichen Gesetzgebungsmaterien

in die Kompetenz der Länder zu stellen. Durch zahlreiche Verfassungsänderungen und die Praxis

der Verfassungsrechtsprechung hat jedoch eine schleichende Verlagerung der Gesetzgebungskompetenzen

zu Gunsten des Bundes stattgefunden. Als Ausgleich wurden den Ländern immer mehr

Zustimmungsrechte zu Gesetzen (mittlerweile ca. 60% aller Gesetze) – ausgeübt durch den Bundesrat

– verliehen; dies, obwohl das Zustimmungsgesetz aus verfassungsrechtlicher Sicht eigentlich

die Ausnahme sein sollte.

Diese verfassungsrechtliche Konstellation hat zur Folge, dass die Länder einerseits den Verlust

ihrer Gesetzgebungskompetenz beklagen, der Bundestag andererseits immer häufiger mit seinen

Gesetzesvorhaben an dem Vetorecht des Bundesrates scheitert. Die Gesetzesblockaden entstehen

vor allem dadurch, dass der Regierungsmehrheit im Bundestag eine oppositionelle Mehrheit im

Bundesrat gegenüber steht. Dadurch finden sich häufig nicht ausschließlich Länderinteressen,

sondern teilweise auch sachliche und politische Ziele der Opposition.

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass in jüngster Vergangenheit die Stimmen nach

einer Reform unserer Verfassung immer lauter geworden sind. Es geht im Kern darum, die Defizite

des Status Quo auszuräumen und eine sinnvolle föderale Aufgabenverteilung zwischen Bund und

Ländern zu implementieren, die transparent, vereinfacht und entbürokratisiert ist.

II. Die Kommission zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung

Bundestag und Bundesrat hatten am 16. Oktober 2003 beschlossen, eine gemeinsame Kommission

zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung (KoMBO) einzusetzen. Diese hatte – wie

ihr Name vermuten lässt – die Aufgabe, Vorschläge zur Modernisierung der bundesstaatlichen

Ordnung zu erarbeiten, um die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit von Bund und Ländern zu

verbessern, die politischen Verantwortlichkeiten deutlicher zuzuordnen und die Effizienz der Aufgabenerfüllung

zu steigern. In diesem Zusammenhang sollte die Kommission die Zuordnung von

Gesetzgebungszuständigkeiten auf Bund und Länder, die Zuständigkeiten und Mitwirkungsrechte

der Länder in der Bundesgesetzgebung und die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern

überprüfen.

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Die aus Mitgliedern des Bundestages und Bundesrates, Vertretern der Bundesregierung, Abgeordneten

aus den Landtagen, Vertretern aus den Präsidien der kommunalen Spitzenverbände und

Sachverständigen bestehende Kommission ist unter dem Vorsitz von Bundestagsmitglied Franz

Müntefering und Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber am 17.12.2004 gescheitert. Vor allem in

der Bildungspolitik konnte zwischen Bund und Ländern keine Einigung erzielt werden. Auch im

Bereich des Naturschutzrechtes war man zu keiner einvernehmlichen Lösung gelangt. Nach der

Bundestagswahl am 18.09.2005 sollen die Reformbemühungen fortgesetzt werden.

Die nachfolgenden Ausführungen sollen dazu dienen, den Zusammenhang zwischen der angestrebten

Föderalismusreform und dem Naturschutzrecht zu erläutern sowie den Stand der letzten

Diskussion der KoMBO vor ihrem Scheitern darzulegen.

III. Föderalismusreform und Naturschutzrecht

Im Rahmen der Föderalismusdebatte war sich die KoMBO schnell einig, dass die sog. Rahmengesetzgebungskompetenz

des Bundes, der auch das Naturschutz-, Wasser-, Jagd- und Waldrecht

unterliegt, nicht mehr tauglich ist. In der Praxis bedingt diese Rahmengesetzgebungskompetenz

ein mehrstufiges, sehr aufwendiges gesetzgeberisches Verfahren. So muss zunächst der Bund ein

Rahmengesetz verabschieden; sodann sind die 16 Bundesländer verpflichtet, dieses Gesetz innerhalb

von einer bestimmten Frist in ihr Landesrecht umzusetzen. Damit ist ein gesetzgeberischer

Aufwand von mindestens 17 Rechtsakten erforderlich. Diese Situation wird sogar noch verschärft,

wenn die Bundesrepublik Deutschland europäische Richtlinien umzusetzen hat: In einem solchen

Fall muss ein dreistufiges Gesetzgebungsverfahren durchgeführt werden. Dass dies nicht effizient

und europarechtstauglich ist und eine zügige Umsetzung von Richtlinien nicht gewährleistet werden

kann, liegt auf der Hand.

Aufgrund der geforderten Abschaffung der Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes war automatisch

das Naturschutz-, Wasser-, Jagd- und Waldrecht, aber auch das Umweltrecht insgesamt

in den Fokus der Reformüberlegungen gerückt. In Frage stand, in wessen Zuständigkeitsbereich

diese Rechtsmaterie fallen sollte. Dies wurde – insbesondere in den letzten Wochen der Arbeit der

KoMBO – heftig diskutiert.

Die Länder sprachen sich dafür aus, nicht mehr nahezu ausschließlich für den Vollzug der Gesetze

zuständig zu sein, sondern eine Stärkung ihrer Gesetzgebungskompetenz im Bereich Naturschutzrecht

zu erhalten. Dafür wurden überwiegend geographische Gründe angeführt. Die Länder argumentierten,

sie könnten regionale, ökologische und soziale Besonderheiten im Bereich der Natur

und Umwelt aufgrund ihrer räumlichen Nähe hierzu besser beurteilen. Ortsnahe, rasche Lösungen

würden einen großen Vorteil bieten. Zudem würde die Gesetzgebungszuständigkeit einen Wettbewerb

zwischen den Bundesländern ermöglichen, der insbesondere auch die Stärkung des Natur-

und Umweltschutzes zur Folge hätte.

Der Bund argumentierte hingegen, schon aus Gründen der EG-Rechtstauglichkeit unseres Verfassungssystems

müsse er einheitliche Regelungen treffen können. Denn das nationale Umweltrecht

werde zunehmend mehr von Brüssel aus geprägt. Es sei unpraktikabel und unrationell, das vereinheitlichende

und integrierende europäische Recht im Bundesstaat wieder aufzuteilen. Vielmehr sei

– auch aus Gründen des Wettbewerbs der europäischen Mitgliedstaaten – eine rasche Implementierung

des EG-Rechts ohne mehrstufiges, langjähriges Gesetzgebungsverfahren notwendig. Dies

verhindere nicht zuletzt auch die in der Vergangenheit häufig gegen die Bundesrepublik Deutschland

eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission. Ferner sei es an der Zeit, ein

einheitliches Umweltgesetzbuch zu schaffen, um das gesamte, sehr zersplitterte Naturschutz- und

Umweltrecht zu vereinheitlichen und anwenderfreundlicher zu gestalten.

Die Natur- und Umweltschutzverbände sprachen sich für eine Stärkung der Bundesgesetzgebungszuständigkeit

aus (Siehe auch Hintergrundpapier des NABU:

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http://www.nabu.de/naturschutz/naturschutz_und_foederalismus.pdf). Gegen die Auffassung der

Länder wurde angeführt, eine Überleitung der Gesetzgebungskompentenzen im naturschutzrechtlichen

Bereich auf sie führe zu einem Negativwettbewerb bezüglich der Umweltstandards zwischen

den Ländern. Dies zeigten die jüngsten Erfahrungen aus der Vergangenheit; hier hätten die Länder

nahezu ausnahmslos im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Umweltstandards kontinuierlich abzubauen

und nicht zu verbessern versucht. So hat nach einer Studie des Naturschutzbund Deutschland

e.V. (NABU) in den letzten Jahren ein stetiger Abbau von Naturschutzleistungen in den Ländern

stattgefunden (Studie abrufbar im Internet unter:

http://www.nabu.de/naturschutzrecht/naturschutzleistungen.pdf). Es waren nicht nur drastische

Budgetkürzungen für spezielle Naturschutzleistungen, für den Vertragsnaturschutz und Kulturlandschaftsprogramme

zu verzeichnen, sondern auch ein gravierender Behördenabbau, insbesondere

im Bereich der Fachbehörden des Umweltbereichs. Zudem wurden Zuständigkeiten auf untere

Behördenebenen verlagert, wodurch teilweise Aufsichtsbehörden als Kontrollinstanz entfallen sind,

die seinerzeit die Einhaltung von naturschutzrechtlich relevanten Erwägungen überprüft haben.

Auch spürbare Etatkürzungen im Bereich der Management- und Pflegepläne waren zu verzeichnen.

Schließlich verdeutlichten die jüngsten Gesetzesnovellen verschiedener Bundesländer nach der

vorerwähnten Studie des NABU, dass die Länder ihre Gesetze nicht freiwillig zu Gunsten des Naturschutzes

ausgestalten, sondern – wenn überhaupt – am untersten Rand der Mindestvoraussetzungen

des Bundes halten.

Bevor die KoMBO am 17.12.2004 scheiterte, zeichnete sich für den Umweltbereich eine Kompromisslösung

zwischen Bund und Ländern ab, die allerdings noch zahlreiche Unklarheiten beinhaltete.

Es wurde überlegt, die naturschutzrechtlich relevante Rechtsmaterie in die sog. konkurrierende

Zuständigkeit des Bundes nach Art. 74 GG zu überführen. Diese besagt, dass die Länder nur dann

Regelungen treffen können, solange und soweit der Bund von seiner Gesetzgebungszuständigkeit

nicht durch Gesetz Gebrauch gemacht hat. Die Länder verlangten für diesen Fall, auf die Gesetzgebungskompetenz

des Bundes zugreifen zu können, d.h. sie forderten, in Teilbereichen – die noch

näher zu definieren gewesen wären – von den Bundesvorgaben abweichende Regelungen treffen zu

können, die notfalls auch zu Lasten des Naturschutzes gehen können sollten. Dafür hätten sie den

Weg für ein einheitliches Umweltgesetzbuch frei gemacht.

Auch diese Lösung wurde von den Natur- und Umweltschutzverbänden stark kritisiert. Denn auch

in diesem Fall lag die Befürchtung nahe, dass die Naturschutzstandards aufgrund der Abweichungsrechte

der Länder deutlich abgesenkt und die Naturschutzleistungen spürbar abgebaut werden

würden. Es hätte keine bundesgesetzlichen Mindeststandards mehr gegeben, die ein Minimum

an Schutz für Natur und Umwelt sichern konnten; dagegen hätte die Möglichkeit bestanden,

die bundesrechtlichen Regelungen zu Lasten des Naturschutzes zu unterlaufen. Dies wäre insbesondere

dann relevant geworden, wenn im EG-Recht keine verpflichtenden Standards vorgesehen

sind, die die Mitgliedstaaten in jedem Fall zwingend einzuhalten haben.

Es bleibt abzuwarten, ob die Föderalismusdebatte nach den Bundestagswahlen tatsächlich weiter

geführt wird. Das Schicksal des Naturschutzrechts liegt damit in der Hand der Politik.

D. Die neuen Regelungen des BNatSchG

I. Die Neuerungen im Überblick

Das BNatSchG ist durch die Novellierung im Jahre 2002 in weiten Teilen geändert worden. So wurde

das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft neu definiert. Erstmals werden im Naturschutzrecht

Anforderungen an die gute fachliche Praxis in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

formuliert. Diese ergänzen bestehende fachrechtliche Anforderungen. Dazu gehören z.B. der Erhalt

von Saumstrukturen und Trittsteinbiotopen für die Biotopvernetzung, ein ausgewogenes Verhältnis

von Tierhaltung und Pflanzenbau, der Aufbau naturnaher Wälder und der Verzicht auf Kahlschlag

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bei der Bewirtschaftung sowie der Erhalt und die Förderung von Lebensräumen für heimische Tier-

und Pflanzenarten bei der fischereiwirtschaftlichen Gewässernutzung.

Die bestehende Vorschrift über Ausgleichsleistungen für Nutzungsbeschränkungen wurde in eine

allgemeine Rahmenregelung umgewandelt. Künftig ist den Ländern allein aufgegeben, Vorschriften

über den Ausgleich von Nutzungsbeschränkungen zu treffen. Die Einzelheiten bestimmen die Länder.

Zur Stärkung des Naturschutzes und zur Verbesserung der Transparenz naturschutzrelevanter

Entscheidungen wurde die Beteiligung anerkannter Naturschutzvereine weiterentwickelt. Erstmalig

wurde auf Bundesebene die Vereinsklage eingeführt. Damit sollte den insgesamt positiven Erfahrungen

mit den bereits bestehenden entsprechenden Regelungen in 13 Ländern Rechnung getragen

werden. Für Klagen gegen Entscheidungen der Bundesbehörden ist die Regelung abschließend

ausgestaltet, die Länder können weitere Vereinsklagetatbestände schaffen. Die Klagemöglichkeit

der Naturschutzverbände knüpft an ihre Mitwirkung im vorausgegangenen Verwaltungsverfahren

an. Klagefähig sind Planfeststellungen sowie Befreiungen von Ge- und Verboten in Schutzgebieten.

Die Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege wurden weiterentwickelt. Bei Naturschutzmaßnahmen

ist ein frühzeitiger Informationsaustausch mit Betroffenen und interessierter

Öffentlichkeit, z.B. Sportverbänden zu gewährleisten.

Zur Sicherung von heimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Populationen einschließlich ihrer

Lebensräume und Lebensgemeinschaften wurde eine Regelung zur Schaffung eines bundesweiten

Biotopverbunds geschaffen, wobei der Biotopverbund als ein "Netz verbundener Biotope" definiert

wird.

Elemente des Biotopverbunds sind geeignete Kernflächen, deren Bestandteile, u. a. bestehende

geeignete Schutzgebiete oder Teile derselben, sowie Verbindungsflächen (z.B. Flussläufe) und Verbindungselemente

(z.B. Kirchturm als Nistplatz für Turmfalken). Der Biotopverbund stellt selbst

keine neue Schutzkategorie dar. Die Länder sollen für den Biotopverbund mindestens 10 % der

Landesfläche zur Verfügung stellen. Die erforderlichen Flächen sind durch geeignete Maßnahmen

(Schutzgebiete, planungsrechtliche Festlegungen, Vertragsnaturschutz u. a.) rechtlich zu sichern,

um den Biotopverbund dauerhaft sicherzustellen.

Die Eingriffsregelung wurde geändert. Durch Zusammenfassung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

bei der Prüfung der Zulässigkeit eines Eingriffs soll sie angeblich flexibler und praktikabler

gestaltet worden sein, was aus Sicht der Naturschutzverbände zweifelhaft ist.

Es bleibt beim Vorrang von Ausgleichsmaßnahmen, wonach ein gleichartiger Ersatz beeinträchtigter

Naturfunktionen zwingend ist. Beispiel: Wenn eine Streuobstwiese einem Straßenbauvorhaben

weichen muss, bedeutet Ausgleich, dass eine vergleichbare Streuobstwiese in einem engen funktionalen

Zusammenhang wieder angelegt wird. Soweit Ausgleichsmaßnahmen aus naturschutzfachlicher

Sicht weder angemessen noch verhältnismäßig sind, sind Ersatzmaßnahmen durchzuführen.

Diese müssen auch in Form von Naturalkompensation erbracht werden, d.h. Naturfunktionen

müssen in gleichwertiger Weise wiederhergestellt werden. Dies kann auch in Form von Verbesserungsmaßnahmen

für konkrete Naturfunktionen erfolgen (Verbesserungen durch Wiederbegrünung

von devastierten Flächen).

Die Abwägungsregelung wird für Lebensräume der streng geschützten Tier- und Pflanzenarten

verschärft. Der Vollzug wird gestärkt, indem die Länder verpflichtet werden, Regelungen zur Sicherung

der Durchführung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu erlassen (z.B. Flächenkataster).

Außerdem gibt das Gesetz einen Hinweis auf die Zulässigkeit von Flächenpool- und Ökokontoregelungen,

die auf Ebene des Landesnaturschutzrechts geschaffen werden müssen.

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Der Schutzgebietsteil des BNatSchG wurde modernisiert. Das Entwicklungsprinzip soll durchgehend

gestärkt werden. Der Umgebungsschutz und die Möglichkeit, Schutzgebiete in unterschiedlich

geschützte Zonen zu gliedern, wurde auf dem bereits durch die Rechtsprechung anerkannten

Standard eingeführt. Die Nationalparkregelung wurde weiterentwickelt; der Prozessschutzgedanke

und das Entwicklungsprinzip wurden rechtlich abgesichert.

Zur Stärkung des vorsorgenden Naturschutzes ist die Landschaftsplanung nunmehr flächendeckend

vorzunehmen. Ausnahmen sind nur für den Fall möglich, dass die vorherrschende Nutzung

eines Gebiets den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entspricht und dies planungsrechtlich

abgesichert ist.

Energiefreileitungen und Masten sollen so gesichert werden, dass Verletzungen von Vögeln durch

Stromschlag ausgeschlossen werden. Dazu wird eine Nachrüstungsverpflichtung für bestehende

Anlagen vorgesehen, deren Ziel es ist, innerhalb einer Frist von 8 Jahren Gefährdungen für Vögel

auszuschließen.

Im Bereich der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und des Festlandsockels

(= jeweils Bereiche von 12 - 200 Seemeilen von der Küstenlinie) wird der Meeresnaturschutz gestärkt.

Durch die Änderung der Seeanlagenverordnung werden die Genehmigungsvoraussetzungen

bei Errichtung, Betrieb und Änderung von Anlagen, z.B. bei Windenergieparks und Ölbohrplattformen,

schärfer gefasst. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, aus naturschutzrechtlicher

Sicht angemessen auf die steigenden wirtschaftlichen Aktivitäten in der AWZ reagieren zu können.

Im weiteren Verlauf des parlamentarischen Verfahrens sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen

werden, auch Meeresflächen in der AWZ unter Schutz stellen zu können. Damit werden die

Anforderungen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie im Bereich in Nord- und Ostsee umgesetzt.

II. Besonders relevante Regelungen für Kleingärtner

1. § 3 Biotopverbund

Nach § 3 BNatSchG schaffen die Länder ein Netz verbundener Biotope (Biotopverbund), das mindestens

10 Prozent der Landesfläche umfassen soll. Der Biotopverbund soll länderübergreifend

erfolgen. Die Länder stimmen sich hierzu untereinander ab.

Der Biotopverbund dient der nachhaltigen Sicherung von heimischen Tier- und Pflanzenarten und

deren Populationen einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung,

Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen.

Er besteht aus Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselementen. Bestandteile des Biotopverbunds

sind festgesetzte Nationalparke, gesetzlich geschützte Biotope, Naturschutzgebiete,

Biosphärenreservate u. ä., wenn sie dem Artenschutz dienen.

Der Biotopverbund soll das Überleben bestimmter Arten sichern. Ein Biotopverbund ist dann gegeben,

wenn ein räumlicher Kontakt zwischen Biotopen (Lebensräumen) besteht, der eine funktionale

Vernetzung zwischen Organismen in Form von Beziehungssystemen ermöglicht. Ein Biotopverbund

besteht, wenn die zwischen gleichartigen Lebensräumen liegende Fläche für Organismen

überwindbar ist, so dass ein beidseitiger Artenaustausch möglich ist.

Im Zuge der zunehmenden Flächenversiegelung, Industrialisierung und der intensiven Nutzung

von Landschaftsräumen werden die Lebensräume von bestimmten Arten immer mehr eingeschränkt.

Betroffen sind vor allem Tier- oder Pflanzenarten, denen eine Anpassung an die veränderten

Umweltbedingungen nicht oder nicht in dem notwendigen Maß möglich ist.

Eine besondere Bedeutung bei der Biotopvernetzung haben Linienbiotope in der Ackerlandschaft.

Zu den Linienbiotopen zählen Ackerrandstreifen, Raine, Lesesteinwälle, Böschungen, Wege und

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Straßenränder, Hecken, Alleen und Fließgewässer. Linienbiotope tragen besonders in einer stark

ausgeräumten Landschaft mit geringem oder fehlendem Wald- und Grünlandanteil zur Mannigfaltigkeit

und Vernetzung der inselartigen Biotope bei.

Ein Biotopnetz richtet sich in seiner Ausprägung nach den Arten und den dafür notwendigen Lebensbedingungen.

D.h. Ausbreitungswege, Ausbreitungsentfernungen oder Standortbedingungen

sind entscheidende Grundvoraussetzungen zum Aufbau eines funktionierenden Biotopnetzes.

Über solche Biotopnetze wird der (Gen-)Austausch zwischen den einzelnen Biotopen ermöglicht

und die Erhaltung einer Art stabil gesichert.

2. § 5 - Gute fachliche Praxis

Mit der Einführung der guten fachlichen Praxis in § 5 Abs. 4 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

ist das Verhältnis von Landwirtschaft und Naturschutz geklärt worden. Dass die konventionelle

Landwirtschaft in weiten Teilen bis jetzt nicht naturverträglich war, zeigen Sondergutachten des

Rates der Sachverständigen für Umweltfragen (SRU 1996, 1998), der Bericht der Enquete-

Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ (Deutscher Bundestag 1994 und die Studie des UBA

(1997) „Nachhaltiges Deutschland“. Sie haben die negativen Umweltauswirkungen der zu intensiven

Landbewirtschaftung bestätigt. Während die Landwirtschaft in vergangenen Jahrhunderten zur

biologischen Vielfalt beigetragen hat, gehört sie heute zu den Hauptverursachern des Artenrückgangs.

75% aller Feldvogelarten stehen zum Beispiel auf der Roten Liste. Die Ursachen hierfür sind

sehr komplex und lassen sich nicht allein auf den Einsatz umweltbelastender Betriebsmittel zurückführen.

Grundsätzlich wird als gute fachliche Praxis das von den Landwirten bei ihrer Landnutzung einzuhaltende

ökologische und sicherheitstechnische Schutzniveau bezeichnet. Dabei handelt es sich

um Grundsätze, deren Einhaltung von jedem verantwortungsvollen Landwirt erwartet wird. Die

Kosten, die mit der Einhaltung verbunden sind, müssen die Betroffenen selber tragen.

Damit der allgemeine Grundsatz der ordnungsgemäßen Bodennutzung auch rechtlich verbindlich

wird, bedarf es der Einführung von Gesetzen oder Verordnungen, in denen die gute fachliche Praxis

näher konkretisiert wird. Bisher ergaben sich die rechtlichen Anforderungen an die Landwirtschaft

aus Fachgesetzen wie dem Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG), dem Pflanzenschutzgesetz

(PflSchG) und der Düngeverordnung, nicht aber aus dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).

Das alte BNatSchG ging nämlich unrichtiger Weise davon aus, dass eine ordnungsgemäße Landwirtschaft

in der Regel den Zielen von Natur- und Landschaftsschutz diene. Um diesen Misstand

zu beheben, wurde mit der Novellierung des BNatSchG in § 5 ein Mindeststandard von naturschutzgemäßer

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft festgelegt.

Für den Landwirt, Forstwirt oder Fischer bedeuten die neuen Vorschriften, dass er seine Bewirtschaftungsverfahren

mit dem BNatSchG, in Ausführung der jeweiligen Landesgesetze, abgleichen

und dort anpassen muss, wo er hinter dem neuen Mindeststandard zurückbleibt. Im Einzelnen:

a) Pflicht zur standortangepassten Bewirtschaftung

Standortangepasst bedeutet, dass die Bewirtschaftung sich an den „natürlichen“ Gegebenheiten

des Standortes auszurichten hat. Damit sollen die natürliche Bodenfruchtbarkeit und die langfristige

Nutzbarkeit der Böden gesichert werden.

b) Pflicht zum Schutz von Biotopen

Vermeidbare Beeinträchtigungen von auf der Betriebsfläche vorhandenen und an diese angrenzenden

Biotopen sind zu unterlassen. Vermeidbar sind Beeinträchtigungen dann, wenn sie zur Ausübung

einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft nicht notwendig sind.

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-15 -

c) Pflicht zur Erhaltung und Vermehrung von Verbindungselementen

Die Landwirte werden durch diese Regelung dazu verpflichtet, die zur Schaffung des Biotopverbundes

nach § 3 BNatSchG erforderlichen Verbindungselemente zu erhalten und zu vermehren. Das

bedeutet, dass z.B. die Erhaltung von Saumstrukturen und Trittsteinbiotopen eine gewisse Restriktion

in der Bewirtschaftung der angrenzenden Agrarfläche erfordert. Aktive Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen

sind zumindest nicht bundesrechtlich angeordnet und sind damit auch nicht

Inhalt der guten fachlichen Praxis.

d) Schutz des Grünlandes

Grundsätzlich haben Grünlandflächen nicht nur aus der Sicht des Boden- und Gewässerschutzes,

sondern auch aus naturschutzfachlicher Sicht eine große Bedeutung. Es gibt zahlreiche grünlandgebundene

Arten und Biotoptypen, die nicht zuletzt aufgrund von zunehmender Ackernutzung

gefährdet sind.

e) Erhalt der natürlichen Ausstattung der Nutzfläche

Jede agrarische Nutzung heutiger Intensität beeinträchtigt den Naturhaushalt der betreffenden

Flächen. Mit dieser Bestimmung wird die Grenze derartiger Beeinträchtigung auf den sog. nachhaltigen

Ertrag festgelegt. Dieser bemisst sich nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach ökologischen

Kriterien.

f) Schlagspezifische Dokumentation

Eine schlagspezifische Dokumentation bedeutet eine feldbezogene Aufzeichnung über den Einsatz

von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln nach Maßgabe des landwirtschaftlichen Fachrechts.

Schlagkarteien sollen dazu dienen, negative Entwicklungen sowohl unter Umwelt- als auch unter

Wirtschaftsaspekten zu vermeiden.

3. §§ 39 ff. – Artenschutz

Der im fünften Abschnitt des BNatSchG geregelte Schutz der wild lebenden Tiere und Pflanzen war

schon im Reichsnaturschutzgesetz von 1935 normiert. Schon frühzeitig hat man erkannt, dass der

beständige Rückgang der Arten bedrohlich ist. Denn das Aussterben einer Art ist grundsätzlich

irreversibel. Außerdem wird dadurch das Gesamtgefüge der Natur nachhaltig gestört und das ökologische

Gleichgewicht gerät auf Dauer aus den Fugen.

Diesen schwerwiegenden Folgen versucht auch das internationale sowie europäische Recht zu begegnen.

Eine Vielzahl von internationalen Abkommen und europäischen Richtlinien enthält zahlreiche

Regelungen, die dem Schutz der Artenvielfalt dienen. In diesem Zusammenhang ist insbesondere

auf internationaler Ebene das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl.: CITES = Convention

on International Trade in Endangered Secies of Wild Fauna and Flora; BGBl. 1975 II, S.

777) sowie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (engl.: CBD = Convention on Biological

Diversity; BGBl. 1993 II, S. 1742) zu nennen; auf europäischer Ebene die Vogelschutzrichtlinie

[RL-Nummer 79/409/EWG vom 02.04.1979, ABl. EG Nr. L 103/1], die Fauna-Flora-Habitat-

Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie [RL-Nummer 92/43/EWG vom 21.05.1992, ABl. EG 206/7] und die

EG-Artenschutzverordnung [RL-Nummer 338/97/EG vom 09.12.1996, ABl. EG Nr. L 61].

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen aus dem Jahre 1975 hat das Ziel, durch geeignete

Überwachungsmaßnahmen zu verhindern, dass der internationale, grenzüberschreitende Handel

mit wild lebenden Pflanzen und Tieren sowie aus diesen gewonnen Produkten deren Überleben

gefährdet. Die 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnete CBD verfolgt drei Ziele: Neben der Erhaltung

der biologischen Vielfalt stehen die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile sowie die gerechte Verteilung

der Vorteile, die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergeben. Das Übereinkommen

beschränkt sich nicht mehr auf den Schutz bestimmter Arten, sondern bezieht die biologische

Vielfalt als Ganzes in ihr Schutzkonzept ein. Außerdem wird die besondere Situation der

Entwicklungsländer, in welchen der Großteil des Artenreichtums beheimatet ist, berücksichtigt.

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Die Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahre 1979 bezweckt den Schutz sämtlicher wild lebender europäischer

Vogelarten durch die Ausweisung besonderer Schutzgebiete für bestimmte Vogelarten zur

Vermeidung der Verschlechterung von ihren Lebensräumen. Die gebietsbezogenen Vorschriften

werden durch Regelungen des Artenschutzes ergänzt, die u. a. den Handel und die Jagd beschränken,

vgl. Art. 12 ff. Vogelschutzrichtlinie in Verbindung mit den in Anhang IV aufgelisteten Tierarten.

Die FFH-Richtlinie aus dem Jahre 1992 führt das in der Vogelschutzrichtlinie angelegte Konzept

zum Schutz der Artenvielfalt weiter. Sie stellt ebenfalls auf die Ausweisung von Schutzgebieten ab,

erstreckt aber den Schutz auf von der Vogelschutzrichtlinie nicht erfasste Tier- und Pflanzenarten.

Schutzzweck ist dabei die Bewahrung und Wiederherstellung der natürlichen Lebensräume und

wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Des Weiteren wird mit der Richtlinie erstmals ein ökologisches

Netzwerk von Schutzgebieten („Natura 2000) realisiert. Der europäische Gesetzgeber hat

erkannt, dass ein effektiver Artenschutz nicht auf die Bewahrung einzelner Rückzugsräume beschränkt

werden darf, sondern das Zusammenspiel von verschiedenen Lebensräumen berücksichtigt

werden muss. Die Natura 2000-Gebiete beziehen sich auf bestimmte natürliche Lebensraumtypen

und auf die Habitate bestimmter Tier- und Pflanzenarten. Diese sind in Anhang I und II der

Richtlinie aufgeführt.

Die EG-Artenschutzverordnung bezweckt den Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch

die Regelung des Handels mit ihnen und setzt Teile der Vogelschutz- und FFH-Richtlinie um. Sie

stuft die ihrem Schutz unterliegenden Arten gemäß ihrer unterschiedlichen Schutzbedürftigkeit in

vier Anhänge ein. Außerdem enthält sie Ein-, Aus- und Wiederausfuhrverbote von Exemplaren der

betroffenen Arten und Erzeugnisse aus diesen.

Das BNatSchG wurde durch die Novelle im Jahre 2002 in seinem fünften Abschnitt geändert. Dabei

wurden die artenschutzrechtlichen Regelungen in wesentlichen Teilen neu gegliedert bzw. an einigen

Stellen inhaltlich weiter entwickelt, so dass der Artenschutz insgesamt verbessert wurde.

Die §§ 39 – 41 BNatSchG stellen die allgemeinen Vorschriften zum Artenschutz dar, die §§ 42 ff.

BNatSchG betreffen insbesondere die besonders geschützten Arten. Mit der Neufassung des § 41

BNatSchG wurde die ursprüngliche Regelung über die Ansiedlung gebietsfremder Tiere und Pflanzen

in der freien Natur verschärft. Neuerdings unterliegt die Haltung von lebenden Tieren, die in

der Bundesrepublik Deutschland nicht natürlich vorkommen sowie eine Gefahr für die heimische

frei lebende Tierwelt darstellen, einer strengeren Kontrolle. Das Aussetzen von Tieren sowie von

Pflanzen gebietsfremder Arten ist neuerdings genehmigungspflichtig. § 43 Abs. 4 BNatSchG berücksichtigt

auch nach der Novelle nicht die besonders geschützten Anhang IV-Arten der FFH-

Richtlinie, so dass diese Vorschrift stets richtlinienkonform ausgelegt werden muss.

Ferner normiert § 51 BNatSchG die rahmenrechtliche Verpflichtung an die Länder, die EG-

Zoorichtlinie 1999/22/EG vom 29.03.1999 in Landesrecht umzusetzen. Diese Richtlinie dient dem

direkten Schutz wild lebender Tiere und der biologischen Vielfalt und verfolgt ihre Zielrichtung

durch die Einführung einer Betriebserlaubnis und die Überwachung von Zoos. Das BNatSchG gibt

nur die Definition eines Zoos in § 10 Abs. 2 Nr. 18 vor; die übrigen Regelungen zur Umsetzung der

Richtlinie – wie beispielsweise die Verpflichtung der Zoos, die Öffentlichkeit über die gehaltenen

Arten und deren natürliche Lebensräume zu informieren – sind von den Ländern zu treffen. Die

Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) hat einen Musterentwurf

einer entsprechenden Landesregelung erarbeitet, der mit der EU-Kommission – zumindest

informell – abgestimmt wurde. Mittlerweile haben acht Bundesländer die Richtlinie fristgerecht

umgesetzt, sieben weitere haben auf Drängen der Bundesregierung verspätet Regelungen

getroffen. Nur der Freistaat Bayern hat seine Hausaufgaben bis heute nicht gemacht. Dieses EUrechtswidrige

Verhalten Bayerns hatte eine Verurteilung durch den EuGH zur Folge.

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Ein großer Erfolg für den Naturschutz war die Aufnahme des unmittelbar geltenden § 53 BNatSchG

in das neue Gesetz. Diese Vorschrift regelt den Vogelschutz an Energiefreileitungen und will verhindern,

dass insbesondere große Vögel (wie der Storch oder Uhu) sich an Mittelspannungsleitungen

verletzen oder an Stromschlägen sterben. Bestehende Energiefreileitungen sind innerhalb von

10 Jahren nachzurüsten, neue Anlagen müssen von vorneherein so konstruiert werden, dass Vögel

nicht gefährdet werden. Die Vorschrift hat allerdings keine Geltung für die Oberleitungen der Bahn.

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Gentechnik – Grundlagen und Entwicklung

Dr. Gabriele K r c z a l

RLP AgroScience GmbH

Neustadt

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Gentechnik - Grundlagen und Entwicklung

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Mittelverbote, Wirkstoffverzichte der Industrie im Rahmen der EU Zulassung, Pflanzenschutzreduktionsprogramm

der Bundesregierung, Auflagen und Anwendungsbestimmungen bei der Mittelausbringung

.... das sind einige Schlagworte, die deutlich machen, dass Betriebe, vor allem Sonderkulturbetriebe,

immer höhere Anforderungen der guten fachlichen Praxis erfüllen müssen und

dadurch in Probleme geraten, die sich mit den Methoden der klassischen Kreuzungszüchtung und

klassischer phytosanitärer Maßnahmen immer häufiger nicht mehr zufriedenstellend lösen lassen.

Darüber hinaus sieht sich die heutige Landwirtschaft mit den Forderungen konfrontiert, effizient

und umweltschonend zu arbeiten. Der Erreichung dieser Ziele dient u.a. die Pflanzenzüchtung,

indem sie versucht, Pflanzen zu etablieren, die mit weniger ”Betriebsmitteleinsatz” und damit verbundener

Umweltschonung optimale Ernten erlauben. Bei der Erreichung all dieser Ziele kann die

Gentechnik einen erheblichen Beitrag leisten.

Anbausituation weltweit

Auf dem europäischen Markt sind derzeit nur wenige gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte

zugelassen. In größerem Umfang wird lediglich Sojamehl und Sojaöl aus Herbizidresistentem

Soja, dessen Import aus USA in den europäischen Markt seit 1996 erlaubt ist, verarbeitet.

Dieses Soja findet sich vor allem in Futtermitteln wieder, jedoch auch in einigen Nahrungsmitteln

sind Bestandteile von gentechnisch verändertem Soja zu finden, meist jedoch unter der Kennzeichnungs-relevanten

Schwelle von 0,9%.

Wenn auch die Produktion mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa derzeit noch sehr

schwierig ist - innerhalb der EU ist Spanien das einzige Land, das in nennenswertem Umfang gentechnisch

veränderte Pflanzen anbaut und zwar auf etwa 60.000 ha gentechnisch veränderten, insektenresistenten

Mais ("Bt-Mais") - so zeigt der rasante Ansteig der Anbaufläche gentechnisch

veränderter Pflanzen weltweit eine völlig andere Tendenz: Seit 1996 ist die globale Anbaufläche auf

81 Millionen Hektar angestiegen. Im Jahr 2004 war im Vergleich zum Vorjahr eine erneute Steigerung

um 20% zu verzeichnen.

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Zu den wichtigsten transgenen Kulturen gehören derzeit Sojabohnen, Baumwolle, Mais, Raps und

Kartoffeln. Diese Pflanzen zeichneten sich durch Resistenzen gegen Schadinsekten, einer Toleranz

gegenüber dem Herbizid Roundup oder durch einen veränderten Ölgehalt aus.

Methoden des Gentransfers

Eine der wichtigsten Methoden des DNA-Transfers ist der Natur "abgeschaut" es handelt sich dabei

um die Gen-Übertragung mit Hilfe des Pflanzenpathogens, Agrobacterium tumefaciens, das in

seiner nativen Form Tumorbildung bei Pflanzen verursacht. Agrobakterium enthält ein großes

Plasmid (nicht-chormosomale DNA), das sog. Ti(Tumor-induzierend)-Plasmid, das wiederum ein

T(Transfer)-DNA genanntes DNA Stück trägt. Wenn Agrobakterien eine Pflanzenzelle infizieren,

wird die T-DNA vom Plasmid in die Pflanzenzelle übertragen, wo sie an einer (beliebigen) Stelle in

das Pflanzenchromosom eingebaut wird. Durch diesen Transfer werden die Zellen so umgebaut,

dass sie nun selbst Stoffe (Opine) produzieren, die einerseits zu unkontrolliertem Zellwachstum

und damit zu einer Tumorbildung führen, andererseits dem Bakterium als Kohlen- und Stickstoffquelle

für sein Wachstum dienen. Es ist nun möglich, die Gensequenzen, die für die Tumorinduktion

verantwortlich sind, aus dem Inneren der T-DNA herauszuschneiden, ohne die Transfer-

Fähigkeiten des Plasmids zu verändern. Setzt man mit Hilfe gentechnischer/molekularbiologischer

Methoden an Stelle der tumorinduzierenden DNA eine Fremd-DNA mit den für die Züchtung gewünschten

Eigenschaften, so ist es möglich, diese mittels Agrobakteriumtransfers in Pflanzenzellen

zu übertragen. Agrobakterium kann ein weites Spektrum von zweikeimblättrigen Pflanzen infizieren,

ist aber für Einkeimblättrige wenig infektiös. In diesem Fall erfolgt der DNA-Transfer mit Hilfe

der sog. Partikel-Kanone. Hierbei wird Fremd-DNA auf kleine Metallkugeln (meist Gold oder Wolfram)

gefällt, und mit diesen dann das betreffende Pflanzengewebe beschossen. Einige dieser Kugeln

treffen die Zellkerne des beschossenen Pflanzengewebes, was für einen Einbau der Fremd-

DNA ins Erbgut der betreffenden Pflanze hinreichend ist.

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.


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Anwendungsziele "gentechnischer Züchtung"

Die Ziele gentechnischer Züchtungsvorhaben in staatlichen und industriellen Forschungslaboren

sind vielfältig. Ein wichtiges Ziel sind Resistenzen gegen unterschiedliche Schaderreger wie Viren,

Pilze, Bakterien und Insekten.

Das zur Erzeugung von Virusresistenzen eingesetzte Prinzip beruht auf der Einführung viraler Gensequenzen

in das pflanzliche Genom (Erbgut) (Pflanzenviren bestehen nur aus der die Erbinformation

tragenden Nukleinsäure und einer Schutzhülle aus Proteinen). Aufgrund dieser gentechnischen

Veränderung kommt es nach Eindringen des Virus in eine Pflanzenzelle zur Verzögerung

oder Unterbindung der Vermehrung des betreffenden Virus und damit zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit

der Pflanze gegen dieses Pathogen. Inzwischen hat sich gezeigt, daß nicht nur die

Übertragung des Gens für das virale Hüllprotein zu diesem Effekt führt, sondern auch die allermeisten

anderen viralen Gene oder Genfragmente. Die zu Grunde liegenden Resistenzmechanismen

beruht auf einem pflanzeneigenen Abwehrmechanismus, dem sog. Gene Silencing, ein Mechanismus,

mit dem sich Pflanzen gegen fremde Nukleinsäuren wehren. Durch die Übertragung

viraler Gensequenzen kann dieser Mechanismus induziert werden.

Ein weiterer Ansatz zur Erzeugung von Virusresistenzen ist die Exprimierung rekombinanter virusspezifischer

Antikörper, sog. Plantibodies in Pflanzenzellen. Um mit dieser Methode Tabak Mosaik

Virus (TMV)-resistente Pflanzen zu erhalten, wurden beispielsweise (tierische) Antikörpergene in

Tabakpflanzen eingeschleust, die die Information für die Synthese TMV-neutralisierender Antikörper

tragen. Die Sekretion dieser Antikörper in der gentechnisch veränderten Pflanze unterbindet

weitgehend die Replikation (Vermehrung) der Viren in der Pflanzenzelle und die Ausbreitung der

Infektion in der Pflanze.

Die gentechnische Etablierung von Pilzresistenzen erfolgt entweder über die rekombinante Expression

von Enzymen, die in der Lage sind, die pilzliche Zellwand abzubauen, wie z.B. Chitinasen oder

Glukanasen, oder aber durch die Bildung von fungitoxischen Substanzen. So konnte durch die Expression

einer Chitinase aus Gerste eine Resistenz gegen Rhizoctonia solani in Tabak erreicht werden.

Bakterielle Erkrankungen können in vielen Kulturen wie Kartoffel, verschiedenen Gemüsearten,

Obstgehölzen, Reis, Baumwolle und Weinreben zu erheblichen Ertragsausfällen führen. Ein Beispiel

hierfür sind bakterielle Erkrankungen von Kartoffeln, z.B. die Knollenfäule (Erwinia). Die konventionelle

Pflanzenzüchtung hat bei diesen Krankheiten kaum zu einem Erfolg geführt, da keine

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Kreuzungspartner mit den entsprechenden Resistenzen zur Verfügung stehen. Die gentechnische

Veränderung von Pflanzen stellt daher auch hier eine Möglichkeit dar, Bakterienresistenzen in Kulturpflanzenarten

einzubringen. Im Gegensatz zu den beschriebenen Virus- und Pilzresistenzen gibt

es auf diesem Gebiet relativ wenige Arbeiten, die meisten davon beschäftigen sich mit der Veränderung

von Kartoffeln und Tabak. Um auf gentechnischem Wege Bakterienresistenzen in Pflanzenmaterial

einzubringen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Expression von bakteriziden Peptiden (Cecropinen)

ist eine Möglichkeit, die aber aufgrund der Empfindlichkeit der Cecropine gegen pflanzeneigene

Proteasen (eiweißabbauende Enzyme) noch nicht zu durchschlagenden Erfolgen geführt

hat. Diese Strategie ist jedoch noch entwicklungsfähig.

Das Verfahren, das bisher zu den besten Erfolgen bei der Verbesserung der Widerstandsfähigkeit

gegenüber bakteriellen Infektionskrankheiten geführt hat, ist die Expression von Lysozymen in

transgenen Pflanzen. Lysozyme gehören zu einer großen Familie bakteriolytischer Enzyme, die in

allen lebenden Organismen, einschließlich Pflanzen, gefunden werden können. Sie spalten spezifisch

einen Baustein der bakteriellen Zellwand, was letztendlich zu Lyse (Platzen) der Bakterien

führt. Auf diese Weise konnte bereits eine Resistenz gegenüber Erwinia carotovora in transgenen

Kartoffelpflanzen erreicht werden.

Zur Erzeugung von Insektenresistenzen hat sich die Expression eines Proteins des Bacillus thuringensis

in transgenen Pflanzen als brauchbar erwiesen. Das Protein hat insektizide Eigenschaften

und wirkt spezifisch auf Insekten der Familie Lepidoptera (Schmetterlinge) aber auch auf Dipteren

(Glasflügler) und Coleopteren (Käfer). Rezeptoren in der Darmwand dieser Insekten binden das Bt-

Protein, was zu einer Auflösung der Membran der Darmwandzellen und schließlich zum Tod des

Insekts führt. Mit Hilfe dieser Strategie wurden Baumwolle ("Bollgard"), Kartoffeln und Mais mit

einer Insektenresistenz entwickelt. Diese Pflanzen werden in den USA bereits großflächig angebaut.

Der insektenresistente Mais hat auch eine Zulassung für den europäischen Markt, befindet sich

allerdings auf nur sehr kleinen Flächen im Anbau. Aufgrund des ökologisch günstigen Wirkungsspektrums

und der biologisch unbedenklichen Wirkungsweise (keine Toxizität gegenüber anderen

Organismen), wird das Bt-Protein schon seit mehr als 20 Jahren weltweit als Bioinsektizid eingesetzt.

Im Zusammenhang mit dem Anbau von ”Bt-Pflanzen” wird jedoch immer wieder die Gefahr

der schnelleren Resistenzbildung von Schadinsekten gegen dieses Toxin diskutiert. Die betreffenden

transgenen Pflanzen produzieren das Toxin über die ganze Vegetationperiode. Zudem ist die

Bt-Strategie weltweit die einzige Strategie zur gentechnologischen Bekämpfung von Schadinsekten

und wird auf großen Flächen angewandt. Dadurch entsteht auf die Schadinsekten ein erhöhter Selektionsdruck,

eventuell verbunden mit einer schnelleren Resistenzbildung. Ein geschicktes Resistenzmanagement,

wie zum Beispiel der Anbau von einem gewissen Prozentsatz knoventionellen

Mais zwischen den transgenen Pflanzen kann allerdings diese Resistenzbildung erheblich verzögern.

Toleranz gegenüber abiotischem Stress

Gegenüber abiotischem Stress (z. B. Hitze, Kälte, Trockenheit, Salz) tolerante Pflanzen sind ein

weitere Ziel der pflanzlichen Biotechnologie. Hierbei handelt es sich allerdings um polygen (d.h.

durch mehrere Gene) kodierte Eigenschaften, die der gentechnologischen Bearbeitung noch

schwer zugänglich sind. Bisher gibt es daher nur wenige Erfolge bei der Erreichung dieses Ziels mit

Hilfe gentechnischer Züchtungsmethoden. Ein Beispiel ist die Salztoleranz durch Einführung und

Expression eines bakteriellen Gens für eine Cholin-Dehydrogenase in Tabak. Dieses Enzym ist an

der Bildung eines vor Dehydrierung schützenden Osmolyten beteiligt.

Herbizidresistenz

Herbizide werden in der Landwirtschaft dazu eingesetzt, Unkräuter als Konkurrenten der Kulturpflanzen

zu eliminieren. Unter mitteleuropäischen Klimaten sind etwa 60% aller eingesetzten

Pflanzenschutzmittel Herbizide, in USA sogar 90%. Weltweit wird etwa 1/3 der Ertragsverluste

durch Unkräuter und Schadgräser verursacht. Rund 60% aller weltweit erfaßten Freisetzungsversuche

dienen dem Test herbizidtoleranter Kulturpflanzenarten. Besonderes Interesse gilt der Züchtung

von Pflanzen mit Resistenzen gegen Herbizide, die für die Umwelt weniger belastend sind,

d.h. die ein gutes biologisches Abbauverhalten zeigen und schneller als herkömmliche Präparate

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abgebaut werden (BASTA, RoundUp). Bei diesen Herbiziden handelt es sich jedoch um sog. Breitbandherbizide,

d.h. Herbizide, die sowohl gegen Unkräuter, als auch die Kulturpflanzen wirksam

sind und deswegen in ihrer Anwendbarkeit eingeschränkt. Bei Kulturpflanzen mit einer Resistenz

gegen solche Breitbandherbizide kann das betreffende Herbizid jederzeit ohne Gefahr für die

Nutzpflanze angewendet werden. Prophylaktisches Ausbringen ist deswegen nicht mehr notwendig

und das Herbizid kann nach Bedarf appliziert werden. Daher wird eine Resistenz gegen die genannten

Breitbandherbizide als wertvolle agronomische Eigenschaft betrachtet.

Einer Herbizidresistenz können unterschiedliche Mechanismen zu Grunde liegen. Das Herbizid

Phosphinocthricin (PPT) - Handelsname BASTA - blockiert das pflanzliche Enzym Glutaminsynthase

und verursacht damit eine Akkumulation von Ammoniak, was zum Absterben der Pflanze führt.

Zur Eliminierung konkurriender Bakterien stellt das Bakterium Streptomyces hygroscopicus einen

Stoff (Bialophos) her, der ebenfalls eine PPT Komponente enthält. Um sich vor der toxischen Wirkung

des selbst hergestellten Stoffes zu schützen, besitzt S. hygroscopicus ein Enzym, das PPT

chemisch verändert. Das sog. PAT-Gen, das für dieses Enzym kodiert, wurde inzwischen auf mehrere

Kulturpflanzenarten übertragen, die nun PPT inktivieren können und damit eine BASTA-

Resistenz zeigen.

Die in unseren Breiten angebauten Kulturpflanzen mit Ausnahme des Raps und der Zuckerrübe

haben keine natürlichen Verwandten, so daß mit einem Auskreuzen der neuen Eigenschaften, in

diesem Fall der Herbizidresistenz, auf Wildkräuter nur im Fall von Raps zu rechnen ist (die Zuckerrübe

kommt unter unseren Anbaubedingungen nicht zur Blüte). Raps ist eine Kreuzung aus Brassica

campestris (Rübsen) und B. oleracea (Kohl) und kann mit seinen Vorfahren rückgekreuzt werden.

B. campestris konnte bisher in natürlichen mitteleuropäischen Biotopen, durch die Konkurrenz

von Unkräutern unterdrückt, nicht nachgewiesen werden, im Rapsfeld kann das Unkraut mit

dem Herbizid kontrolliert werden, bevor eine Auskreuzung auftritt. Kreuzungen von Raps mit anderen

Wildkruziferen (z.B Sinapis arvensis (Ackersenf) und Raphanus raphanistrum (Hederich) treten

unter landwirtschaftlichen Bedingungen aufgrund physiologisch unterschiedlichen Verhaltens des

Pollens kaum auf. In den seltenen Fällen, wo eine Kreuzung stattfindet, weisen die Nachkommen

eine verringerte Fertilität auf.

Anfang der 90iger Jahre wurde in dem britischen PROSAMO-Projekt (Programmed Release of Selected

and Modified Organisms) gezeigt, daß durch Insertion von Genkonstrukten (Herbizidresistenz

bei Raps, Mais (Glufosinat) und Zuckerübe (Glyphosat), Bt-Toxin-Gen und Erbsenlectin-Gen

bei Kartoffel, Kanamycinresistenz bei Raps und Kartoffel und GUS-Gen ebenfalls bei Kartoffel) in

das Genom einer Kulturpflanze im Vergleich zu unveränderten Pflanzen keine Veränderung in Überleben,

Persistenz und Ausbreitung festzustellen waren. Weder bei Raps, Kartoffel, Mais oder

Zuckerrübe konnte dies beobachtet werden. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, daß gentechnisch

veränderte Kulturpflanzen nicht plötzlich zu "Superunkräutern" werden, die dann unkontrolliert

auswildern könnten. Genauso wie die konventionell gezüchteten Pflanzenarten/sorten benötigen

auch ihre gentechnisch veränderten Pendants die Pflege des Landwirtes, um zu gedeihen.

Bei optimalem Management können beim Einsatz von herbizidresistenten Kulturpflanzen positive

Effekte erwartet werden (Einsparung von Herbiziden, reduzierter Rückstand, geringere Grundwasserbelastung,

Ertragssicherung), bei durchschnittlichen oder schlechtem Management können

allerdings Schäden nicht ausgeschlossen werden (Bodenerosion durch totale Unkrautvernichtung,

Unbrauchbarkeit der Strategie, wenn dieselbe Resistenz in zu vielen Kulturarten vorkommt).

Veränderte Pflanzenqualität

Mit Hilfe gentechnischer Methoden ist es gelungen, die Qualität von Ernteprodukten zu verändern.

Oft wird dies durch die gezielte Hemmung von Enzymen, die unerwünschte Reaktionen katalysieren,

oder die Übertragung von Genen, die für bestimmte Enzyme kodieren, erreicht. Ein bekanntes

Beispiel hierfür ist die Flavr Savr-Tomate. Normalerweise zerstört das Enzym Polygalakturonase in

reifenden Tomaten die formstabilisierenden Zellwände was zu einem ”Matschigwerden” der (über-

)reifen Frucht führt. Durch einen gentechnischen Eingriff wird die Biosynthese dieses Enzyms verzögert.

Die Tomaten bleiben dadurch länger fest, können später in einem besseren Reifezustand

geerntet werden und damit ihre volle Geschmacks- und Aromaeigenschaften entfalten.

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Auch die Aminosäurezusammensetzung von Pflanzenproteinen und damit ihr Nährwert kann verändert

werden. Beispielsweise sind in Sojabohnen die schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und

Methonin stark unterrepräsentiert, wohingegen in Mais ein unausgeglichenes Verhältnis von Lysin

und Tryptophan vorliegt. Auch hier kann die Gentechnik zukünftig Möglichkeiten bieten, durch

gezieltes Eingreifen in Stoffwechselwege das Proteinmuster der jeweiligen Pflanze zu verändern.

Weitere Eigenschaften die durch gentechnische Veränderungen erreicht werden können, sind die

Verbesserung der Haltbarkeit von Früchten (z.B. Arbeiten des US-amerikanischen Unternehmens

DNA Plant Tech an Erdbeere) und die Veränderung der Blütenfarbe bei Zierpflanzen.

Pflanzen als Bioreaktor

Mit Hilfe molekular- und gentechnischer Methoden ist es möglich, die der Bildung von (Vertebraten)Antikörpern

zu Grunde liegenden Gene zu isolieren, mit entsprechenden Signalsequenzen zu

versehen und sie zur Expression in Pflanzenzellen zu übertragen. Derartige rekombinante Antikörper

bzw. Antikörperderivate erreichen in der Pflanze hohe Konzentrationen und können einige Prozente

des löslichen Gesamtproteins ausmachen. Dadurch stellt die Antikörperproduktion in Pflanzen

eine attraktive Alternative zu bisherigen Produktionsmethoden dar. Sie ist um ein Vielfaches

preiswerter als die Antikörperherstellung in Zellkulturen und unterliegt nicht den strengen Tierschutzgesetzen,

die im Falle der Antikörperherstellung in Mäusen zur Anwendung kommen. Die

Expression in Pflanzenzellen führt zudem zu einer korrekten Faltung und gegebenenfalls posttranslationalen

Modifizierung der betreffenden Proteine, was in Bakterien nicht möglich ist. Derart produzierte

Antikörper können zu therapeutischen Zwecken oder zur passiven Immunisierung eingesetzt

werden. Pflanzen-Antikörper können sogar ohne vorherige Aufreinigung direkt mit der Nahrung

aufgenommen werden, falls sie in Pflanzen synthetisiert werden, die für den Menschen bekömmlich

sind. Gelingt es, die funktionellen Antikörper spezifisch nur in den Pflanzensamen zu

exprimieren, so ist eine Lagerung der reifen Samen ohne Verlust der Aktivität der Antikörper bis zu

einem Jahr möglich.

In Pflanzen können auch industriell nutzbare Werkstoffe preiswert hergestellt werden. Konventionell

wird Plastik aus Erdöl hergestellt, die damit verbundenen Umweltprobleme, sowie der

Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen sind bekannt. Es gibt nun aber auch die Möglichkeit, in

Pflanzen biologisch abbaubare Polymere herzustellen, die sich nach etwa 1,5 Jahren durch natürlichen

Abbau durch Bodenbakterien zersetzen. Bioplastik (PHB, Polyhydroxybutyrat) wird in geringer

Menge natürlicherweise von dem Bakterium Alcaligenes eutrophus als Kohlenstoffspeicher produziert.

An der natürlichen Synthese von PHB sind im wesentlichen drei Enzyme beteiligt. Transformiert

man E. coli mit den zu Grunde liegenden Genen, so kann das produzierte PHB bis zu 90 %

des Trockengewichts der Bakterien ausmachen. Eine Vorstufe des PHB (Acetyl CoA), sowie Ketothiolase,

eines der beteiligten Enzyme, sind in allen Pflanzen vorhanden. Es bietet sich daher an,

in Pflanzen PHB zu produzieren. Es ist bereits gelungen, in den Plastiden von Arabidopsis bis zu

14 % PHB herzustellen. Da Arabidopsis aber selbst keinen agronomischen Wert besitzt, liegt es

nahe, die PHB-Produktion in landwirtschaftlich interessanten Kulturpflanzen vorzunehmen. Da

Raps einen hohen Flux an Acetyl-CoA aufweist, bietet sich diese Pflanzenart für die gentechnische

Optimierung der Herstellung von PHB an. Durch gentechnische Eingriffe läßt sich ein Maximum

an Acetyl CoA in die Produktion von PHB umlenken. Bei der petrochemischen Herstellung von

Plastik entstehen z.Z. Produktionskosten von 0,7 $/kg. Bei der Produktion von Bioplastik in Bakterien

$ 5-12/kg. ”Phytopolymere” aus Pflanzen könnten für etwa $ 1/kg hergestellt werden. Unter

diesen Bedingungen wird die Produktion von biologisch abbaubaren Polymeren auch wirtschaftlich

interessant, vor allem wenn sich die Besteuerung von Produkten aus Erdöl ändern sollte.

Trotz dieser offensichtlichen "technischen Vorteile" von transgenen Pflanzen gibt es immer noch

erhebliche Bedenken einiger Organisation, Produzenten und Konsumenten gegen diese neue innovative

Technologie. Einige dieser Bedenken zielen auf den Gesundheitswert gentechnisch veränderter

Lebensmittel, im besonderen werden Befürchtungen bezüglich des verstärkten Auftretens von

Allergien und Antibiotikaresistenzen befürchtet. Diese Bedenken lassen sich jedoch entkräften:

Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Organismen erhalten nur dann eine Zulassung, wenn

Sie sicher sind und eine entsprechende Sicherheitsbewertung durchlaufen haben. Dabei bezieht

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sich die Sicherheitsprüfung auf das neu eingeführte Genprodukt (in der Regel ein Protein) und das

„übrige Lebensmittel“ und damit auf „sicherheitsrelevante Nebeneffekte“.

Ob ein derartiges Protein ein Kandidat für Allergien sein könnte, lässt sich i.d.R. anhand verschiedener

Kriterien gut abschätzen. Schwierig wird die Abschätzung dann, wenn es sich um bisher unbekannte

Proteine handelt (was meistens nicht der Fall ist).Darüber hinaus resultieren Allergien

auch immer aus dem Zusammenspiel stofflicher Eigenschaften und dem individuellen Immunsystem.

D.h. ein gewisses geringes Restrisiko bezüglich allergenen Potentials ist nicht auszuschließen,

ist aber nicht als größer zu beurteilen – wahrscheinlich sogar geringer – als bei konventionell erzeugten

Produkten.

Maßgebend für die zunehmende Ausbreitung von antibiotika-resistenten Erregern sind vor allem

die leichtfertige Verwendung von Antibiotika in der Medizin und deren lange Zeit praktizierte Beimischung

im Tierfutter. Der horizontale Transfer von Antibiotika-Resistenzgenen aus Pflanzenmaterial

auf Bakterien ist zwar theoretisch möglich, aber ein äußerst selten eintretender Fall, hier ist

ein vergleichsweise sehr geringes Gefährdungspotential vorhanden. Darüber hinaus beziehen sich

die in gentechnisch veränderten Pflanzen verwendeten Antibiotika-Resistenzgene auf solche Wirkstoffe,

die in der Medizin kaum noch zum Einsatz kommen.

Weitere Fragen beschäftigen sich sich mit den ökologischen Risiken des Anbau genveränderter

Pflanzen ein. Aber auch hier ist eine realistische Risikoabschätzung möglich.

Für die „Freisetzung“ von gentechnisch veränderten Pflanzen in die Umwelt schreibt der Gesetzgeber

ein Genehmigungsverfahren vor, nur wenn keine besonderen Umweltrisiken zu erkennen sind,

erfolgt eine Genehmigung. Gesetzliche Grundlage ist die EU-Richtlinie über die absichtliche Freisetzung

von gentechnisch veränderten Organismen in die Umwelt (2001/18). Diese Richtlinie ist

überarbeitet worden. Die neue Richtlinie, in einigen Punkten verschärft, ist seit Oktober 2002

rechtskräftig. In Deutschland wird die Richtlinie durch das Gentechnik-Gesetz in nationales Recht

umgesetzt.

Der Anbauzulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen gehen Freilandversuche voraus, die in

etwa abschätzen lassen, wie sich eine gentechnisch veränderte Pflanze im Freiland verhält. Sollte

eine neue gentechnisch veränderte Pflanze in der Umwelt zu eindeutigen, offenkundigen Schäden

führen, sollte dies im Vorfeld der Zulassung erkannt werden. Das „Feintuning“ von Ökosystemen

hängt von vielen Bedingungen ab: vom Wetter, vom Boden, den ausgepflanzten Sorten und den

landwirtschaftlichen Anbaumethoden. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind dabei nur ein Faktor

und wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht der entscheidende. Auch werden gentechnisch

veränderte Pflanzen durch die Übertragung eines oder mehrer Gene nicht zum Unkraut, sie verhalten

sich wie konventionell gezüchtete Pflanzen und sind für ihr Überleben auf die Pflege durch den

Landwirt angewiesen.

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen hat – wie jede landwirtschaftliche Nutzung –

Auswirkungen auf die Umwelt. Doch so ganz unkalkulierbar, wie viele befürchten, sind diese nicht.

Kennzeichnungsregelungen für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel

Die auf dem Markt zugelassenen gentechnisch veränderten Lebensmittel sind sicher. Trotzdem hat

die EU Kommission Regelungen für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebens- und

Futtermitteln erlassen, um die Wahlfreiheit des Verbrauchers zu gewährleisten. Maßgebend für die

Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Produkten ist seit 1997 die Novel Food Verordnung.

Inzwischen ist eine novellierte Verordnung in Kraft, in der der Paradigmawechsel von einer Produkt-

zu einer Produktions-orientierten Kennzeichnung stattgefunden hat. D. h. für die Kennzeichnungspflicht

ausschlaggebend ist nun nicht mehr, ob sich die Gentechnik im Produkt noch nachweisen

läßt, sondern ob Gentechnik am Produktionsprozess beteiligt war, auch wenn das Endprodukt

sich in seiner Zusammensetzung nicht von konventionell erzeugten Produkten unterscheidet.

In dieser Verordnung gibt es derzeit zahlreiche Ausnahmen, so ist zum Beispiel in Bereichen keine

Kennzeichnung notwendig, wo die Gentechnik weit verbreitet und fast unvermeidbar ist: Ausgenommen

von der Kennzeichnung sind so Fleisch, Eier, Milch wenn Futtermittel aus gentechnisch

veränderten Pflanzen verwendet wurden. Dasselbe gilt für Enzyme die mit Hilfe von GV-

Mikroorganismen hergestellt wurden.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 181


-27 -

An anderen Stellen ist die Verordnung wenig präzise formuliert und lässt große Interpretationsspielräume.

Strittig ist die Kennzeichnung bei Zusatzstoffen, die mit gentechnisch veränderten

Organismen hergestellt sind, Zutaten oder Zusatzstoffen, die mit konventionellen Mikroorganismen

hergestellt werden, jedoch Nährstoffe aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten (z.B.

Vitamin C bei dessen Herstellung Stärke aus gentechnisch veränderten Mais verwendet wurde),

Zutaten und Zusatzstoffen, die nicht direkt aus gentechnisch veränderten Pflanzen oder den daraus

erzeugten Rohstoffen hergestellt sind, sondern diese in chemisch abgewandelter Form enthalten

(z.B. Glukose aus Stärke aus gentechnisch verändertem Mais).

Diese Beispiele zeigen, dass zwischen dem (vermeintlichen) Verbraucherwunsch einer alle Anwendungen

umfassenden Kennzeichnung und der Notwendigkeit praktikabler, kontrollierbarer Regeln

ein kaum lösbarer Zielkonflikt besteht. Eine Rückkehr zur Produkt-orientierten Kennzeichnungspflicht

würde dagegen eine realistische Kontrolle der Kennzeichnung gewährleisten.

Das neue Gentechnikgesetz

Anfang Februar 2005 ist das neue deutsche Gentechnik-Gesetz in Kraft getreten. Obwohl es im

Kern lediglich europäische Vorgaben in deutsches Recht umsetzt und der nationale Gestaltungsspielraum

begrenzt ist, war es über den gesamten Beratungsprozess von heftigen Auseinandersetzungen

begleitet. Dabei vollzieht das Gentechnik-Gesetz vor allem das, was auf europäischer Ebene

bereits beschlossen und von Deutschland nicht veränderbar ist. So hat das Gentechnik-Gesetz eine

Reihe von Regelungen aus der EU-Verordnung für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel

(1829/2003) übernommen. Notwendig war das jedoch nicht, denn EU-Verordnungen gelten

unmittelbar in allen EU-Mitgliedsstaaten und brauchen nicht in nationales Recht umgesetzt zu

werden.

Teile des Gentechnik-Gesetzes sind Übernahmen aus den maßgebenden europäischen Vorschriften,

etwa:

• Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GVO-Lebens- und Futtermitteln

• Verfahren für die Genehmigung von Anträgen auf Inverkehrbringen von GVO-Produkten

• eingeschränkte Verwendung von Antibiotikaresistenz- Genen in gv-Pflanzen

• Verfahren zum Nachweis und zur Identifizierung von GVOs als Zulassungsvoraussetzung

• auf zehn Jahre begrenzte Zulassungen

• Pflicht zur Offenlegung von bestimmten Unterlagen und Dokumenten

• öffentliche Register für zugelassene GVO-Produkte und für Anbauflächen von gv-Pflanzen

Nicht durch europäische Vorgaben einschränkt ist die nationale Ausgestaltung der Koexistenz. Die

EU-Kommission hat dazu nur Leitlinien vorgegeben und es den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen,

geeignete Maßnahmen festzulegen, mit denen das politisch beschlossene Ziel zu erreichen

ist: Verschiedene landwirtschaftliche Anbausysteme mit und ohne Gentechnik sollen auf Dauer

nebeneinander bestehen bleiben. Diese "Koexistenz" ist Voraussetzung, dass Landwirte und

Verbraucher die Wahl zwischen Produkten mit und ohne Gentechnik haben.

Die Bundesregierung hat das Gentechnik-Gesetz als geeignetes Instrument gewählt, um die Koexistenz

zu sichern. Es legt dem Landwirt, der gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen will, besondere

Pflichten auf. Sie sollen gewährleisten, daß sich GVO- und konventionelle Produkte nicht

unkontrolliert vermischen. Das Gesetz regelt auch, wer die Kosten für diese Maßnahmen zu tragen

hat und wer haftet, wenn es zu GVO-Einträgen auf konventionellen Nachbarfeldern kommt. Statt

die von der EU geforderte Koexistenzverschiedener Anbauformen zu ermöglichen werden potenzielle

Nutzer der Gentechnik durch im deutschen Gentechnikgesetz fixierten unkalkulierbare Haftungsrisiken

benachteiligt und verunsichert. Auch das Maßnahmenpaket, das laut Gentechnikgesetz

die Koexistenz sichern soll, ist heftig umstritten.

Der Bundesrat hat daher im aktuellen Gesetzgebungsverfahren den Vermittlungsausschuss angerufen

und entsprechende Gesetzesänderungen gefordert.

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-28 -

Andere Länder wie etwa die Niederlande haben nicht den Weg gesetzlicher Vorgaben gemacht.

Dort haben die betroffenen Verbände - Züchter, Landwirte, Verarbeiter, Konsumenten - gemeinsam

Regeln für die Koexistenz ausgehandelt.

In Zusammenhang mit der Diskussion um die Koexistenz ist auch ein Streit um "gentechnikfreie-

Zonen entstanden, d.h. Anbaugebiete, in denen sich die Landwirte (freiwillig) verpflichten, keine

gentechnisch veränderten Pflanzensorten anzubauen. Die Einrichtung dieser Zonen ist jedoch

kritisch zu betrachten.

EU-Landwirtschaftskommissar Fischler lehnt die Einrichtung gentechnikfreier Zonen ab. Das geltende

Zivil- und Haftungsrecht sei zur Regelung von Nachbarschaftskonflikten ausreichend. Darüber

hinaus geht es allein um wirtschaftliche Fragen und nicht um mögliche Risiken für Umwelt

und Gesundheit, die solche Zonen rechtfertigen könnten. Zahlreiche europaweit durchgeführte

Freilandversuche zur Koexistenz haben auch gezeigt, dass durch das Einhalten bestimmter Maßnahmen

(vor allem Abstandshaltung) bei nahezu allen Kulturen der Anbau von GVO- und nicht-

GVO-Pflanzen nebeneinander möglich ist. Die Einführung gentechnik-freier Zonen würde lediglich

dazu führen, dass sich bei den Verbrauchern der Eindruck noch verstärkt, dass von GVO-Produkten

eine Gefährdung ausgeht.

Was Deutschland viel mehr braucht, als gentechnikfreie Zonen ist eine andere Diskussionskultur in

Sachen Gentechnik. In den Niederlanden haben sich Dachverbände der Landwirtschaft, der Pflanzenzüchter

und der Verbraucher unter Mitwirkung von Biologica, der Dachorganisation der niederländischen

Ökoanbau-Verbände, sowie von Plattform ABC (Plattform Erde, Bauer, Verbraucher) auf

Regeln für den GVO-Anbau verständigt. Dem Biologica-Verband ist die Zustimmung zu den ausgehandelten

Koexistenzregeln nicht leicht gefallen, da der GVO-Anbau in den Niederlanden zugelassen

sei, seien aber klare Regeln notwendig. Ich würde mir wünschen, dass deutsche NGOs

(Nicht-Regierungs Organisationen, z.B. Green Peace) zu einer ähnlichen Einsicht kämen.

Von den Medien und einigen Gentechnik-Gegnern wird immer wieder die Meinung verbreitet, dass

in Deutschland die Ablehnung von sog. "Gen-Food" weit verbreitet ist.

Ich glaube nicht, dass diese Behauptung zutrifft. Deutschland dürfte sich, was die kritische Haltung

gegenüber GV-Produkten angeht, im europäischen Mittelfeld bewegen. Die (vermeintliche)

Verbraucherablehnung und die Schwierigkeiten der Gesellschaftlichen Diskussion zur Grünen Gentechnik

haben vielschichtige Gründe. Angefangen beim (anfänglich) ungeschicktem Vorgehen bei

der gesellschaftlichen Vermittlung der neuen Technologie durch Behörden und Wissenschaftler, die

negative Darstellung der Grünen Gentechnik in der Presse (only bad news is good news), dem zum

Teil unfairen Vorgehen von NGOs (bewusste Verbreitung falscher Informationen) bis hin zu (massen)phsychologischen

Phänomenen (kognitive Dissonanz, d.h. das Festhalten an einer einmal

gefassten Meinung unter Ausblendung von in eine andere Richtung weisender Informationen) haben

zu einer erheblichen Verunsicherung des Verbrauchers geführt. Trotzdem glaube ich, dass

gentechnisch veränderte Produkte, wenn sie endlich die Regale unserer Supermärkte erreichen, ihre

Käufer finden werden. Umfrageergebnisse spiegeln bekannter weise nicht immer das dann reale

Käuferverhalten wieder.

Meine Prognose ist, dass sich die gesellschaftliche Aufregung um die Grüne Gentechnik legen

wird, da sich bisher (und wohl auch in Zukunft) keine erwähnenswerten ökologischen oder gesundheitlichen

Schäden nachweisen haben lassen. Viele Produzenten – und aus meinem eigenen

beruflichen Alltag weiß ich dass es sich dabei nicht nur um die so oft beschimpfte Großindustrie,

sondern auch um viele kleine und mittelständische Betriebe handelt – setzen auf diese innovative

Technologie, da sie Lösungsansätze bietet, wo die konventionelle Pflanzenzüchtung und der konventionelle

Pflanzenschutz versagt. Diese neue Produktionsmethode wird zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit

landwirtschaftlicher Betriebe beitragen. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich

der Kunde von 2015 sich durch das gute Preis-Leistungsverhältnis von gentechnisch veränderten-

Produkten zum Kauf überzeugen lassen wird!

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-29 -

Bundesbodenschutzgesetz und

Bundeskleingartengesetz – ein Widerspruch?

Dr. Norbert F r a n k e

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 181


Bundeskleingartengesetz und Bundesbodenschutzgesetz - ein Widerspruch?

-30 -

Die Darstellung dieses Themas im Rahmen einer Schulung zum Problemkreis „Natur und Umwelt“

war für die Organisatoren nicht ganz einfach; denn die Nutzung des Bodens zur kleingärtnerischen

Tätigkeit muss für den – und ich betone uneingeweihten – Betrachter einen Widerspruch darstellen,

der sich kaum lösen lässt.

Trotzdem wurde dieses Thema zum Gegenstand der Schulung gemacht, weil davon auszugehen

ist, dass

- kleingärtnerische Nutzung auch bei belastetem Boden möglich und

- insbesondere die Fachberatung in der Verantwortung steht, den konkreten Pächter vor Ort zu

informieren und ihm erforderliche Hilfe und Unterstützung zu bieten.

Unter Zugrundelegung dieser beiden Aussagen kann abgeleitet werden, dass der Zusammenhang

von Bundeskleingartengesetz und Bundesbodenschutzgesetz gerade in dieser Schulung am richtigen

Ort ist.

Um dies nachzuweisen, soll in fünf Abschnitten die Problematik „Bundesbodenschutzgesetz“ mit

Bezug auf das Bundeskleingartengesetz dargestellt, daraus sich ergebende Konsequenzen abgeleitet

und Maßnahmen zum richtigen Umgang mit festgestellten Bodenbelastungen aufgezeigt werden.

Abschließend soll anhand von Beispielen deutlich gemacht werden, wie in verschiedenen Ländern

der Bundesrepublik Deutschland mit belasteten Böden auf Kleingartenflächen umgegangen wird.

In diesem Sinne gliedern sich die Darstellungen in folgende Punkte:

1. Vorbemerkungen zur Problematik

2. Inhaltliche Schwerpunkte des Bundesbodenschutzgesetzes und der Bundesbodenschutz-

und Altlastenverordnung

3. Bezug zum Bundeskleingartengesetz

4. Konsequenzen aus dem Wirksamwerden der Gesetze

5. Maßnahmen zum richtigen Umgang mit dem Boden bei festgestellten Bodenbelastungen;

Darstellung der Aufgaben der Fachberatung in diesem Bereich

6. Beispiele aus den Ländern Bremen, Berlin und Sachsen, die Ergebnisse des richtigen Umgangs

mit Kontaminationen aufweisen

1. Vorbemerkungen zur Problematik

Lange Zeit waren Fragen des Schutzes der Naturressourcen im Boden und somit auch der Belastung

des Bodens mit Schadstoffen auf Bundesebene nicht geklärt und auch nicht gesetzlich festgeschrieben.

Zu einzelnen inhaltlichen Komplexen gab es zwar zentrale Festlegungen, die aber nicht das gesamte

Problem überspannten.

Aus diesem Grunde wurden auf Länderebene viele Dinge geregelt wie z.B. durch ein spezifisches

Bodenschutzgesetz oder durch Festlegungen zur Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Der Gesetzgeber hat nun durch das Bundesbodenschutzgesetz und die Bundesbodenschutz- und

Altlastenverordnung die lange in der Diskussion stehende gesetzliche Regelung zum Schutz des

Bodens geschaffen und somit auch neue Prämissen für das Kleingartenwesen gesetzt.

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Mit der Neufassung des Gesetzes über die umweltverträgliche Prüfung, in dem die einheitlichen

Grundsätze einer wirksamen Umweltversorgung bei bestimmten öffentlichen und privaten Vorhaben

als Zweck festgeschrieben sind, wurden weitere gesetzliche Regelungen zum vorbeugenden

Schutz aller Naturressourcen sowie der Kultur- und Sachgüter, aber auch zu den sich aus der

Wechselwirkung zwischen den Schutzgütern ergebenden Konsequenzen erlassen.

Damit gibt es auch für Kleingartenflächen Grundsätze, die bei staatlichen Entscheidungen zu beachten

sind.

Wenn man nun noch beachtet, dass durch den Gesetzgeber immer stärker im Rahmen von Beplanungen

(auch für Kleingartenflächen) umweltverträgliche Prüfungen gefordert werden, so ergibt

sich – natürlich differenziert in einzelnen Ländern und Gemeinden – eine „Schere“, die eine Gefahr

für Kleingartenflächen darstellen könnte; das heißt,

- Auf der einen Seite besteht der Wunsch, Kleingartenflächen gefahrlos und uneingeschränkt zu

nutzen sowie durch Bebauungspläne langfristig als „Dauerkleingartenanlagen“ festzuschreiben;

- Auf der an deren Seite stehen gesetzliche Regelungen, die als Voraussetzungen für die Nutzung

und die Sicherung des Bodens einzuhalten sind.

Grundsätzlich – und das soll hier deutlich hervorgehoben werden – ist es für die Funktionsträger

auf allen Ebenen des Verbandes wichtig, dieses Problem zu thematisieren.

Gesetztes Ziel dieser Schulung ist es, der Problematik Schadstoffe im Boden den so genannten

„üblen Geruch“ zu nehmen und dabei deutlich zu machen, dass bei zielgerichteter, fachlichinhaltlicher

Aufklärung und einer auf das konkrete Problem ausgerichteten Fachberatung der Umgang

mit Schadstoffen auf Kleingartenflächen ohne Gefahr möglich ist. Daraus leitet sich ab, dass

auch nach In-Kraft-Setzung des Bundesbodenschutzgesetzes das Bundeskleingartengesetz in vollem

Umfang wirksam bleiben kann.

Nicht angestrebtes Ziel soll es in dieser Schulung und darüber hinaus sein

- eine Sache zu problematisieren, die für viele Kleingartenflächen des Landes nicht zutrifft bzw.

gegenwärtig nicht zur Diskussion steht;

- Vereine und Unterpächter durch die Aufzählung möglicher Gefahren zu verunsichern und dadurch

Fehlreaktionen zu initiieren;

- dieses Thema zur freien Diskussion auf allen Ebenen frei zu geben.

Auf das Problem „Bodenschadstoffe“ ist aber vorausschauend aufmerksam zu machen, damit

nicht eines Tages Entscheidungen getroffen werden, auf die man nicht mehr rechtzeitig reagieren

kann und die dem Kleingartenwesen einen nicht einzuschätzenden Schaden zufügen könnten.

Aus diesem Grunde ist es erforderlich zu vermitteln:

- Informationen über die Gesetzeslage – im Sinne von Wissensvermittlung – sowie zu den Inhalten

von Gesetzen und Verordnungen;

- Informationen über die Umweltverträglichkeitsprüfung, über die Festigung des Baugesetzbuches

zur Untersuchung von Böden, die mit Umwelt gefährdenden Stoffen belastet sein können

sowie über die Methodik der Untersuchungen (Beprobungen) zum Inhalt dieser Prüfungen sowie

zur Art und Weise der Bewertung der Ergebnisse;

- Vorschläge für Maßahmen, die eine weitere Nutzung von Kleingartenflächen nach Bundeskleingartengesetz

auch bei vorhandenen Bodenbelastungen gestatten und gleichzeitig die Festschreibung

von Anlagen in Bebauungsplänen ermöglichen;

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-32 -

- Inhalte zum Gefährdungspotential von Schadstoffen sowie zum aktiven Schutz der menschlichen

Gesundheit im Rahmen einer zielgerichteten und praktisch umsetzbaren Fachberatung

vor Ort.

Ehe zu den weiteren Punkten nähere Untersetzungen dargestellt werden, soll noch einmal auf das

Thema dieser Schulung zurückgekommen und die in der Überschrift ausgeführte Frage bereits an

dieser Stelle beantwortet werden.

Es kann als unumstößliche Tatsache angesehen werden, dass kleingärtnerische Tätigkeit auch bei

nachgewiesenen Bodenbelastungen weiterhin ausgeführt werden kann, ohne dass dabei gegen die

Festlegungen des Bundeskleingartengesetzes verstoßen wird – woraus sich wiederum ableitet,

dass das Bundeskleingartengesetz und das Bundesbodenschutzgesetz nebeneinander bestehen

können, ohne dass das eine das andere ausschließt.

Dies ist noch einmal eindeutig durch das Urteil des Bundesgerichtshofes IIIZR2281/03 vom

17. Juni 2004 unterstrichen worden, in dem es heißt:

„Besonderheiten wie eine atypische Größe der Parzellen, topografische Eigentümlichkeiten oder

eine Bodenqualität, die den Anbau von Nutzpflanzen teilweise nicht zulässt, können eine vom Regelfall

abweichende Beurteilung rechtfertigen.“

BUNDESGERICHTSHOF

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

III ZR 281/03

verkündet am 17. Juni 2004

in dem Rechtsstreit

Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom

13. Mai 2004 durch den Vorsitzenden Richter Schlick und die Richter Dr. Wurm, Streck,

Dörr und Dr. Herrmann

für Recht erkannt:

a. Eine Kleingartenanlage setzt nicht voraus, dass wenigstens die Hälfte ihrer Fläche

zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf (insbesondere

Obst und Gemüse) genutzt wird.

b. Es genügt, wenn diese Nutzung den Charakter der Anlage maßgeblich mitprägt.

c. Dies ist in der Regel anzunehmen, wenn wenigstens ein Drittel der Fläche zum Anbau

von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf genutzt wird. Besonderheiten, wie

eine atypische Größe der Parzellen, topographische Eigentümlichkeiten oder eine

Bodenqualität, die den Anbau von Nutzpflanzen teilweise nicht zulässt, können eine

vom Regelfall abweichende Beurteilung rechtfertigen.

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2. Inhaltliche Schwerpunkte des Bundesbodenschutzgesetzes und der Bundesbodenschutz- und

Altlastenverordnung

Als Kleingartenflächen sind in fasst allen Teilen des Landes teilweise solche Flächen errichtet worden,

die für eine andere Nutzung nicht benötigt wurden oder noch nicht attraktiv genug waren.

Unter Beachtung dieser Tatsachen muss davon ausgegangen werden, dass in hoch organisierten

Bereichen bis über 50 % der Flächen und in ländlichen Bereichen spezifisch genutzte Flächen nicht

gewachsene Muttererde waren und auch noch sind, sondern in vielen Fällen

- in Städten und Industriegebieten: Deponien und Industriebrachen

- in ländlichen Gebieten: auf Rieselfeldanlagen.

Hinzu kam, dass der Wunsch der Menschen nach einer eigenen „Grünen Oase“ Entscheidungen

der Politik und der Wirtschaft über viele Jahre beeinflussten, so dass Festlegungen zur Bereitstellung

von Flächen getroffen wurden, die man heute anders bzw. differenzierter sehen würde.

In diesem Sinne können folgende Positionen zugrunde gelegt werden:

- Es kann und muss davon ausgegangen werden, dass durch die kleingärtnerische Tätigkeit auf

belasteten Flächen das Schutzgut „menschliche Gesundheit“ bei Einhaltung notwendige Festlegungen

(Handlungsempfehlungen, Nutzungseinschränkungen) nicht gefährdet wird.

- Problematisch können solche Flächen erst dann werden, wenn darauf befindliche Kleingartenflächen

als Dauerkleingartenanlage durch Bebauungspläne festgesetzt werden sollen, da ein

Teil dieses Bebauungsplanes eine Umweltverträglichkeitsprüfung sein kann.

- Der Gesetzgeber hat – wie bereits ausgeführt – zur Festschreibung der Qualität der Naturressource

„Boden“ das Bundesbodenschutzgesetz sowie zur Bestimmung möglicher Gefährdungspotentiale

die Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung in Kraft gesetzt.

- Im Rahmen einer vorgegebenen Methodik für Bodenuntersuchungen werden nach diesem Gesetz

Schadstoffeinträge im Boden analysiert und hinsichtlich einer möglichen Gefährdung bewertet.

Diese Bewertung erfolgt nach so genannten Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmewerten.

- Die Bestimmungen des Gefährdungspotentials erfolgen nach Wirkungsphasen (Boden –

Mensch, Boden – Nutzland, Boden – Grundwasser), die die Art einer möglichen Beeinflussung

des Bodens deutlich machen.

Gesetze und Verordnungen (I)

Bundes-Bodenschutzgesetz vom 27. April 1998

Zweck des Gesetzes ist es, nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wieder

herzustellen.

Dabei sind schädliche Bodenbelastungen abzuwehren und bestehende Belastungen zu sanieren.

Gleichzeitig ist Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen auf den Boden zu treffen.

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-34 -

Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung vom 12. Juli 1999

Die Verordnung dient der Unterstützung und Bewertung von

- Verdachtsflächen,

- schädlichen Bodenveränderungen,

- altlastverdächtigen Flächen,

- Altlasten

sowie der Festlegung von Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmewerten mit dem Ziel der Sicherung

der Naturressource Boden.

In engem Zusammenhang mit dem in Kraft gesetzten Bundesbodenschutzgesetz sowie der zugehörigen

Altlastenverordnung stehen auch die Entscheidungen des Gesetzgebers zur Umweltverträglichkeitsprüfung,

bezogen auf das eigene Land, aber zum heutigen Zeitpunkt bereits auch bezogen

auf die europäische Gemeinschaft.

Gesetze und Verordnungen (II)

Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung

bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (Artikel 1 –

„Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung“) vom 12. Februar 1990.

Neufassung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung aus 2001.

Zweck dieses Gesetzes ist es sicherzustellen, dass bei bestimmten öffentlichen und privaten

Vorhaben zur wirksamen Umweltvorsorge nach einheitlichen Grundsätzen

1. die Auswirkungen auf die Umwelt frühzeitig und umfassend ermittelt, beschrieben

und bewertet werden,

2. das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung so früh wie möglich bei allen

behördlichen Entscheidungen über die Zulässigkeit berücksichtigt wird.

Gesetz zur Umsetzung der UVP-Änderungsrichtlinie, der IVU-Richtlinie und weiterer EG-

Richtlinien zum Umweltschutz vom 27. Juli 2001

§ 2, Absatz 1 (neu)

„Die Umweltverträglichkeitsprüfung umfasst die Ermittlung, Beschreibung und Bewertung

der unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Vorhabens auf

1. Menschen, Tiere und Pflanzen,

2. Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,

3. Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie

die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten Schutzgütern.

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Um bei anstehenden Untersuchungen im Rahmen der Sicherung von Kleingartenflächen die dabei

durchgeführten Maßnahmen verfolgen und auch werten zu können, erscheint es erforderlich, dass

die Verantwortungsträger des Kleingartenwesens – insbesondere aber die Fachberatung – wesentliche

Inhalte der gesetzlichen Festlegungen kennt; woraus sich die Möglichkeit ableitet, auch zielgerichtet

in Prozesse und Entscheidungen eingreifen zu können.

Um dies zielgerichtet tun zu können, ist es notwendig, sich mit den Begriffen dieses Gesetzes und

ihren Inhalten auseinander zu setzen.

Begriffsdefinitionen

im Sinne des Bundes-Bodenschutzgesetzes sind

• Schädliche Bodenveränderungen

Beeinträchtigungen der Bodenfunktion, die geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder

erhebliche Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeizuführen.

• Verdachtsflächen

Grundstücke, bei denen der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen besteht.

• Altlastverdächtige Flächen

Altablagerungen und Altstandorte, bei denen der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen oder

sonstiger Gefahren für den Einzelnen oder die Allgemeinheit besteht.

• Altlasten

Stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt,

gelagert oder abgelagert worden sind (Altablagerungen) und Grundstücke stillgelegter Anlagen und

sonstige Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist, ausgenommen

Anlagen, deren Stilllegung einer Genehmigung nach dem Atomgesetz bedarf, (Altstandorte),

durch die schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den Einzelnen

oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden.

Da es in dieser Schulung nicht um die Darstellung rechtlicher Fragen geht, sondern um die Vermittlung

von Ansätzen, wie der Zwischenpächter, aber auch der Verein und im Speziellen der

Fachberater vor Ort Einfluss nehmen kann auf Maßnahmen, die auf der Grundlage dieses Gesetzes

durchgeführt werden. Also genau genommen Einfluss nehmen kann auf die Beprobung von Kleingartenböden,

einschließlich ihrer Auswertung hinsichtlich eines möglichen Gefährdungspotentials.

Das sind vor allem die:

Methodik der Bodenuntersuchungen (I)

Bodenuntersuchungen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zur Festsetzung von Bebauungsplänen

für Kleingartenflächen werden nach folgender Methodik durchgeführt:

• Untersuchungsumfang

- Schwermetalle (Blei, Cadmium, Kupfer, Arsen, Quecksilber, Chrom, Nickel, Zink)

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-36 -

- Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), zur gesundheitlichen Bewertung

wird neben der Gesamtsumme PAK der Stoff Benzo(a)pyren herangezogen.

- Stichprobenartig auf Cyanide und Halogene.

- pH-Wert.

- Humusanteil.

- Tonanteil.

- Leitfähigkeit.

Je nach Bodenbelastungspfaden oder nach Entscheidung des Auftraggebers werden das gesamte

Analysespektrum oder nur Teile davon realisiert.

• Beprobungstiefe / Beprobungsform

Die Bodenproben werden aus einer Tiefe von 30 cm, in Ausnahmefällen von 50 cm entnommen.

Die Beprobung erfolgt nach einem repräsentativen Raster, z. B. nach einem Beprobungskreuz. Bei

konkreten Verdachtsmomenten können auch Bodenproben an bestimmten Standorten der Parzelle

entnommen werden. Die Laboruntersuchung wird anhand von Mischproben durchgeführt. Wenn

aufgrund der historischen Analyse es sich erforderlich macht, sind auch zusätzliche

- Rammkernsondieren in größere Tiefen

- Grundwasseruntersuchungen

notwendig.

Methodik der Bodenuntersuchungen (II)

• Untersuchungsformen

Die Analyse der Schadstoffe wird mit Hilfe des Säureaufschlusses durchgeführt, d. h. es wird die

Gesamtmenge der Schadstoffe ermittelt.

Zusätzlich werden auch Schadstoffbestimmungen aus dem Eluat mit Wasser (löslicher Anteil) vorgenommen.

• Bewertung

Die Bewertung der Gefährlichkeit von Schadstoffeinträgen in den Boden erfolgt nach Vorsorge-,

Prüf- und Maßnahmewerten für den Bereich der Schwermetalle und den Bereich der organischen

Stoffe. Diese Werte weisen die Notwendigkeit von Nutzungsempfehlungen und Nutzungseinschränkungen

bis hin zu Sanierungserfordernissen aus.

• Hinsichtlich der Nutzung einer belasteten Kleingartenparzelle kann von folgender Tatsache

ausgegangen werden:

Die Gefährdung des Schutzguts „Menschliche Gesundheit“ kann nur aus dem mobilen (löslichen)

Anteil der Schadstoffe resultieren.

Dieser ist aber immer geringer als die Gesamtschadstoffmenge.

Bestimmung des Gefährdungspotentials

Ausgehend vom Bundes-Bodenschutzgesetz vom 27.04.1998 sowie von der Bundes-Bodenschutz-

und Altlastenverordnung vom 12.07.1999 wird das Gefährdungspotential von Bodenbelastungen

festgelegt durch:

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• Vorsorgewerte

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Bodenwerte, bei deren Überschreitung unter Berücksichtigung von geogenen oder großflächig siedlungsbedingten

Schadstoffgehalten in der Regel davon auszugehen ist, dass die Besorgnis einer

schädlichen Bodenveränderung besteht.

• Prüfwerte

Werte, bei deren Überschreitung unter Berücksichtigung der Bodennutzung eine einzelfallbezogene

Prüfung durchzuführen und festzustellen ist, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast

vorliegt.

• Maßnahmewerte

Werte für Einwirkungen oder Belastungen, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung der

jeweiligen Bodennutzung in der Regel von einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast auszugehen

ist und Maßnahmen erforderlich sind.

Diese Werte bestimmen den Grad einer möglichen Gefährdung immer in Abhängigkeit vom Wirkungspfad.

Wirkungspfade der Schadstoffausbreitung

• Wirkungspfad Boden-Mensch (direkter Kontakt)

Prüfwerte für die direkte Aufnahme von Schadstoffen auf unterschiedlichen Flächen (Prüfwerte in

mg/kg Trockenmasse):

Stoff

Kinderspielflächen Wohngebiete 1 Park- und Freizeitanlagen

Arsen 25 50 125

Blei 200 400 1000

Cadmium 10 20 2 50

Cyanide 50 50 50

Chrom 200 400 1000

Nickel 70 140 350

Quecksilber 10 20 50

Aldrin 2 4 10

Benzo(a)pyren 2 4 10

DDT 40 80 200

Hexachlorbenzol 4 8 20

1.

2.

dem Wohnen dienende Gebiete einschließlich Hausgärten oder sonstige Gärten entsprechende

Nutzung

in Haus- und Kleingärten, die sowohl als Aufenthaltsbereiche für Kinder als auch für den Anbau

von Nahrungspflanzen genutzt werden, ist für Cadmium der Wert von 2 mg/kg Trockenmasse

als Prüfwert anzuwenden.

• Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze

Prüf- und Maßnahmewerte für den Schadstoffübergang Boden-Nutzpflanze auf Ackerbauflächen

und in Nutzgärten im Hinblick auf die Pflanzenqualität (Werte in mg/kg Trockenmasse):

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-38 -

Stoff Prüfwert Maßnahmewert

Arsen 200 -

Cadmium - 0,04/0,1

Blei 0,1 -

Quecksilber 5

Thallium 0,1 -

Benzo(a)pyren 1 -

• Wirkungspfad Boden-Grundwasser

In Trinkwassereinzugsgebieten muss auch der Wirkungspfad Boden-Grundwasser beachtet werden.

Die Vermittlung dieser wesentlichen Fakten gestattet es dem Kleingartenwesen in einem bestimmten

Umfang, wenn auch nicht auf die Ergebnisuntersuchungen, so doch auf die daraus abgeleiteten

Schlussfolgerungen Einfluss zu nehmen.

3. Bezug zum Bundeskleingartengesetz

Das Bundeskleingartengesetz, das seit dem Jahre 1983 als eines der wenigen Sozialgesetze den

Umgang mit dem Boden zum Zwecke der kleingärtnerischen Nutzung regelt und dabei auch die

Rechte der Unterpächter sichert, führt im Punkt 1 des Paragraphen 1, Abschnitt 1 aus:

„Ein Kleingarten ist ein Garten, der dem Nutzer (Kleingärtner) zur

nicht gewerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur

Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf und

zur Erholung dient (kleingärtnerische Nutzung).“

Wenn man dann noch das bereits zitierte Urteil des Bundesgerichtshofes heranzieht, in dem es

heißt, „eine Kleingartenanlage setzt nicht voraus, dass wenigstens die Hälfte ihrer Fläche zur Gewinnung

von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf (insbesondere Obst und Gemüse) genutzt

wird“ und darauf aufbauend ausführt, „wenn wenigstens ein Drittel der Fläche zum Anbau

von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf genutzt wird“, kann man bei Beachtung der Tatsache,

dass wenn „eine Bodenqualität, die den Anbau von Nutzpflanzen teilweise nicht zulässt …, eine

vom Regelfall abweichende Beurteilung rechtfertigen“ kann, schlussfolgern,

dass das Wirksamwerden des Bundeskleingartengesetzes durch die Inkraftsetzung des Bundesbodenschutzgesetzes

weder beeinträchtigt noch eingeschränkt wird.

4. Konsequenzen aus dem Wirksamwerden der Gesetze

Geht man vom Thema dieses Vortrages aus, so muss man - ohne eine differenzierte Information

über die gesetzlichen Regelungen sowie über die Wirkung von Schadstoffen auf die Naturressourcen

Flora und Fauna - die gestellte Fragen erst einmal dahingehend beantworten, dass man sagt,

dass zwischen beiden Gesetzen ein Widerspruch besteht, der bei erster Betrachtungsweise nur

schwer zu lösen ist.

Schaut man sich aber dieses Problem aus der Sicht der Belastung des Bodens durch unterschiedlichste

Schadstoffe näher an, so kristallisieren sich einige Punkte heraus, die man zur Beantwortung

der Frage näher untersetzen muss bzw. für die eine Antwort zu finden ist.

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Dabei sind vor allen folgende zu bedenken:

-39 -

- Kleingartenflächen als Flächen mit einer sensiblen Nutzung, da die Pächter mit ihren Familien

den Boden intensiv nutzen und somit in direkten Kontakt kommen.

- Gefährdungspotential als Maß für den Einfluss von Schadstoffen auf die Nutzbarkeit einer

Kleingartenfläche mit der Zielsetzung, dieses so gering wie möglich zu halten bzw. durch entsprechende

Maßnahmen auszuschließen.

- Wirkungspfade als Wege der Verbreitung von Schadstoffen im Sinne von Wechselwirkungen

zwischen Mensch und Boden, Pflanze und Boden, Grundwasser und Boden

- Schadstoffkonzentrationen als Maßgaben die Verunreinigung des Bodens mit verschiedenen

Schwermetallen bzw. mit unterschiedlichen organischen Substanzen.

- Schutzgut „Menschliche Gesundheit“ als Basis für die Gewährleistung der Gesundheit der

Pächter im Rahmen der Nutzung der angepachteten Fläche.

Wenn man diese Positionen in der vorangegangenen Aufzählung im Komplex darstellt, so ist es

durchaus verständlich, wenn sich für den konkreten Pächter vor Ort Fragen ergeben, die er beantwortet

haben will, und die auch durch die Verantwortlichen – dabei vor allem Fachberater - zu beantworten

sind.

Dabei ist es in den meisten Fällen nicht so, dass – wie oft befürchtet – allein aus der Tatsache, dass

Bodenbelastungen analysiert wurden, sich Reaktionen ergeben, die zu Kündigungen oder sogar zur

einer Panik führen; statt dessen ist in vielen Fällen sogar nachzuweisen, dass die Pächter teilweise

auf Grund ihrer langen Nutzungszeit über viele Dinge informiert sind und somit auch die Gefahren,

die durchaus bestehen könnten, genau kennen.

An dieser Stelle muss aber deutlich hervorgehoben werden, dass solche Sätze wie „wir leben schon

seit 30 Jahren auf dieser Parzelle und sind nicht krank geworden“ nicht die Basis sein können für

den Umgang mit Schadstoffen auf Kleingartenflächen und die daraus wachsenden möglichen Gefahren.

Hier ist es notwendig durch eine gezielte Aufklärung Notwendiges zu vermitteln, um mögliche

Gefährdungen auszuschließen.

Schaut man sich die oben ausgeführte Übersicht etwas differenzierter an, so kann man sehr schnell

deutlich machen, dass eine Vielzahl von Befürchtungen hinsichtlich der Nutzung des Bodens bei

nachgewiesenen Kontaminationen nicht zu treffen.

Dies wird schon einmal dadurch deutlich, dass selbst der Gesetzgeber Kleingärten nicht in den

Bereich der sensibelsten Flächen (wie Kindergärten, Schulen) eingeordnet hat, sondern sie hinsichtlich

einer möglichen Gefährdung erst dem Bereich Wohnbebauung zuordnet.

Allein hieraus leitet sich ab, dass durch das Gesetz toleriert wird, dass Kleingartenflächen nicht

einer unkontrollierten Nutzung unterliegen sondern sinnvoll und zielgerichtet bearbeitet werden.

Um die Wirkung einzelner Schadstoffe hinsichtlich möglicher Schadstoffe besser einordnen zu

können, weist das Gesetz Prüf- und Maßnahmewerte aus, die sich auf den konkreten Wirkungspfad

beziehen. So steht der Wirkungspfad Boden/Pflanze in einem völlig anderen Verhältnis zur

Nutzung der Kleingartenparzelle durch den Menschen, als der direkte Wirkungspfad Boden/Mensch.

Dies ist dadurch eindeutig nachzuweisen, dass unterschiedlichste Pflanzenarten im

unterschiedlichsten Maße diese Schadstoffe im Pflanzenkörper anreichern.

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-40 -

So zeigen Untersuchungen der Biologischen Bundesanstalt zum Beispiel, dass Schwermetalle sich

nicht in Tomaten ablagern, woraus sich wiederum ableitet, dass das Essen von Tomaten auch auf

Flächen mit Belastungen für den Menschen ungefährlich ist. Andersherum zeigen aber auch andere

Pflanzen, wie z. B. der Grünkohl, dass bei nachgewiesenen Schwermetallbelastungen, hier Vorsicht

geboten ist und der Verzehr eingestellt werden sollte.

Hinsichtlich der Schadstoffkonzentrationen muss – auch wenn schon dargestellt – noch einmal

deutlich gemacht werden, dass der Gesetzgeber zwar die Feststellung des gesamten Schadstoffgehaltes

im Boden verlangt und die dabei ermittelte Konzentration auch in die Bewertung einbezieht;

dass jedoch eine Gefährdung der Pächter auf der Parzelle nur aus dem mobilen Anteil – also dem

löslichen Teil der Schadstoffe – erwachsen kann.

Zum Gefährdungspotential ist auszusagen, dass es in enger Wechselwirkung mit dem Schutzgut

„Menschliche Gesundheit“ steht. Hier ist es erforderlich, bei festgestellten Schadstoffbelastungen,

dass notwendige Maßnahmen eingeleitet werden, die einmal das Gefährdungspotential senken,

bzw. überhaupt eine Gefährdung ausschließen, und zum anderen dazu beitragen, dass das

Schutzgut „Menschliche Gesundheit“ nicht beeinträchtigt wird.

Dies wird nicht nur durch das Gesetz in Form von Vorsorge- Prüf- und Maßnahmewerten zur

Grundlage für zu treffende Entscheidungen gemacht, sondern widerspiegelt sich auch Entscheidungen

der Eigentümer bzw. der Behörden bei der Bewertung von Schadstoffkonzentrationen im

Boden von Kleingartenparzellen.

Hier kommt es dann zu Festlegungen, die sich in drei Kategorien widerspiegeln. Diese sind

- Nutzungsempfehlungen, die auf den gezielten Umgang mit dem Boden orientieren,

- Nutzungseinschränkungen, die das Verbot des Anbaus einzelner Pflanzenarten beinhalten bzw.

die Realisierung von Schutzmaßnahmen für bestimmte Nutzungen festschreiben.

- Ausschluss des Bodens zum Zwecke der kleingärtnerischen Nutzung mit der Zielstellung einer

Sanierung der Fläche.

Die beiden erst genannten Kategorien werden heute von vielen Ämtern genutzt, um trotz bestehender

Belastungen, eine weitere kleingärtnerische Nutzung zu ermöglichen. Dies werden auch die

im folgenden darzustellenden Beispiele ausweisen, die sich auf die Erhaltung von Kleingartenflächen

durch Sanierung konzentrieren, aber gleichzeitig verbunden sind mit notwendigen Festlegungen,

zum zukünftigen Umgang mit den Flächen.

Die notwendigen Entscheidungen widerspiegeln sich dann in einem konkreten Maßnahmepaket,

das durch den Zwischenpächter und auch den Pächter vor Ort zu realisieren bzw. einzuhalten ist

und zum Teil (Anlage) des Unterpachtvertrages wird.

5. Maßnahmen zum richtigem Umgang mit dem Boden bei festgestellten Bodenbelastungen;

Darstellung der Aufgaben der Fachberatung in diesem Bereich

Geht man davon aus, wie es in den meisten Fällen Realität ist, dass erkannte und analysierte Bodenbelastungen

nicht ein Gefährdungspotential darstellen, sondern oft nur in Größenordnungen

bestehen, die keine direkte Gefährdung des Menschen darstellen, so kann man mit Nutzungsempfehlungen

bzw. Nutzungseinschränkungen auch weiterhin die kleingärtnerische Nutzung entsprechend

Bundeskleingartengesetz realisieren.

Dabei sollte man grundsätzlich von zwei Fragen ausgehen, die da lauten:

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-41 -

Was sollte man tun? Was sollte man unterlassen?

Insbesondere die Fachberater sind in diesem Zusammenhang aufgerufen, die in folgendem dargestellten

Maßnahmen zur richtigen Nutzung des Bodens bei festgestellten Bodenbelastungen konkret

an den Pächter heran zu bringen, und dabei sowohl theoretische als auch praktische Hilfe zu

leisten.

Beim Umgang mit erkannten Bodenbelastungen tragen folgende Maßnahmen dazu bei, auch weiterhin

eine ungefährdete Nutzung des Bodens nach dem Bundeskleingartengesetz zu gewährleisten.

Was sollte man tun?

Im Bereich der kleingärtnerischen Nutzung

• durch Schaffung optimierter Bedingungen für die Pflanze

- Einstellen des pH-Wertes zwischen 6,5 und 7

- Schaffung eines optimalen Humusgehaltes größer als 4%

- Ständige Gewährleistung des Humusgehaltes des Bodens durch regelmäßige Gründüngung

- Optimierung der Nährstoffversorgung

- Verwendung von organischen Handelsdüngern mit Gütezertifikat

- Gezielte Kalkung des Bodens zur Bindung von Schadstoffen

- Bevorzugung lehm- und tonhaltigen Bodens zur Erhöhung der Sorptionskraft (bis zu

einem Anteil von >10% auf sandigen Böden

• durch die Errichtung von Schutzbereichen und Vorrichtungen

- Errichtung von Hochbeeten oder Hügelbeeten mit unbelastetem Substrat

• Anbau in Gewächshäusern und Frühbeeten

- mit einer Sperrschicht oder durch das Einbringen von zertifiziertem Boden

Sperrschicht

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• Errichtung von Kompostanlagen (bei Prüfung auf schadstofffreie Materialien

• Folienabdeckung von Gemüsebeeten

• Aufbringen von Erdbeeren bei Reife auf bodenbedeckende Unterlagen wie

-42 -

Folie Stroh

- Abdeckung offener Bodenbereiche durch Mulch (auch zwischen Gemüsepflanzen)

- Flächenmäßig begrenzter Austausch der Bodenoberschicht durch kontrollierten Boden

(gezielt im Bereich von Gemüsebeeten)

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-43 -

- Bereitstellung von Sammelbehältnissen für Problemmaterialien

• durch zielgerichtete Auswahl von Pflanzen

- Nutzung von Flächen als Beeren- und Obstgarten

- Anbau von Kern- und Steinobst ausbauen

- Anbau von Fruchtarten mit geringer Schwermetallaufnahme erweitern (Kartoffeln,

Kopfkohl, Zwiebeln, Tomaten, Bohnen)

- einrichten von Blumenbeeten und Staudengärten und Pflanzung von Ziersträuchern

(z. B. unter besonderer Sicht von Bienenweiden)

• Bei der Nutzung des Erntegutes ist weiterhin zu beachten

- Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich säubern

- Wurzel- und Knollengemüse stets schälen

- Hüllblätter von Blattgemüse entfernen

Anreicherungsvermögen verschiedener Pflanzen für Cadmium und Blei

Pflanzenart

Blattgemüse

Cadmium

Blei

Eissalat stark stark

Endivien mittel stark

Feldsalat mittel stark

Kopfsalat stark stark

Mangold stark stark

Pflücksalat stark stark

Spinat stark stark

Kohlgemüse

Blumenkohl gering stark

Brokkoli gering mittel

Chinakohl stark mittel

Grünkohl stark stark

Kohlrabi mittel mittel

Rosenkohl gering gering

Rot-/Weißkohl gering mittel

Wirsingkohl mittel stark

Wurzelgemüse

Meerrettich mittel --

Möhren stark mittel

Radieschen mittel mittel

Rettich gering mittel

Rote Beete mittel gering

Schwarzwurzeln stark --

Sellerie-Blätter stark stark

Sellerie-Knollen stark stark

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Hülsenfrüchte

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Buschbohnen gering mittel

Erbsen gering gering

Stangenbohnen gering --

Fruchtgemüse

Gurken mittel mittel

Kürbis gering gering

Paprika gering gering

Rhabarber stark stark

Tomaten gering gering

Zuccini gering mittel

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Anreicherungsvermögen verschiedener Pflanzen für Cadmium und Blei

Pflanzenart

Cadmium

Zwiebelgemüse

Kartoffeln gering gering

Lauchzwiebeln -- mittel

Mais-Kolben gering gering

Porree stark stark

Schalotten mittel gering

Zwiebeln mittel gering

Blei

Kräuter

Basilikum gering stark

Bohnenkraut stark -

Dill -- mittel

Kresse stark --

Liebstöckl mittel --

Petersilie strark stark

Pfefferminze gering --

Salbei mittel --

Schnittlauch stark stark

Zitronenmelisse mittel --

Beerenobst

Erdbeeren mittel gering

Holunderbeeren gering --

Johannisbeeren mittel stark

Stachelbeeren mittel stark

Kernobst

Apfel gering gering

Birne gering gering

Steinobst

Kirsche gering mittel

Pflaume gering gering

Zwetschge gering gering

• Im Bereich der Erholung

- Heckenpflanzungen in Straßennähe, um zusätzlichen Fremdeintrag fernzuhalten

- Anlage von Rasenflächen, eventuell nach flachem Mutterbodenauftrag (mindestens

10cm) zum Schutz vor Staubwirbelung

- Abkieselung von offenen Bodenflächen, insbesondere im Bereich von Baumscheiben

oder Hecken

- Errichtung von Buddelkästen mit Grabesperre

- Schaffung von geschlossenen Flächen unter Spielgeräten

- Errichtung von Wildblumenwiesen (in begrenzten Bereichen)

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Was sollte man unterlassen?

- Umgraben tiefer als 30cm

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- Erde, die bei Baumaßnahmen anfällt (z. B. bei Fundamentsaushub oder Materialien der Trinkwasserleitungsverlegung),

auf der Parzelle verteilen

- Düngung mit Kohlenasche oder Komposten auf Müllkompost- oder Klärschlammbasis

- Anpflanzen von Blatt- und Wurzelgemüse sowie von Küchenkräutern bei Schwermetallbelastung

- Einbringung von größeren Mengen anorganischer Dünger, um das Verhältnis von mobilem

und fest gebundenen Schadstoffanteil nicht ungünstig zu beeinflussen

- Anbau von Kopfsalat, Wirsing- und Grünkohl, Porree

- Anbau von Wurzelgemüse und Möhren

- Anbau von Spinat, Pilzen, Tabak

- Verzehren von ungewaschenem Obst und Gemüse

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Berlin-Reinickendorf – Kolonie „Flora / Neues Leben“

Bezirksamt Reinickendorf von Berlin

Abteilung Bürgerdienste, Gesundheit,

Wirtschaftsförderung und Personal

Gesundheitsamt

Bezirksamt Reinickendorf, Teichstraße 65,13407 Berlin

An die

Pächter und Nutzer

der Kleingartenkolonie Flora

Geschäftszeichen (bitte immer angeben) Datum

Ges 10.104 05.11.2001

Betr.: Kolonie Flora

Sehr geehrte Pächter und Nutzer,

bei den durchgeführten Bodenuntersuchungen wurde eine Reihe

von Schadstoffbelastungen festgestellt, die unter Umständen

gesundheitliche Schädigungen verursachen können.

Im Einzelnen wurden in den ersten 30 cm des Oberbodens sowie

in den tieferen Schichten Rückstände besonders von Blei (Pb),

Benz(a)pyren (BaP) sowie polychlorierte Biphenyle (POB) festgestellt,

deren Konzentrationen die Prüfwerte der Bundesbodenschutzverordnung

übersteigen.

Die festgestellten Schadstoffe haben die Eigenschaft, die menschliche

Gesundheit durch direkten Kontakt mit der verunreinigten

Erde sowie über Pflanzen, Kräuter, Obst und Gemüse durch den

Verzehr zu schädigen. Deshalb empfehlen wir folgende Nutzungsbeschränkungen:

- Sämtliche Bodenumgrabungen oder Abtragungen sind zu

unterlassen.

- Pflanzungen aller Art sind nur noch in so genannten Hochbeeten

mit neuem unbelasteten Mutterboden durchzuführen.

- Vor Errichtung von Hochbeeten ist auf der geplanten Fläche

eine Grabesperre (wie z.B. Maschendrahtzaun oder Rasengittersteine)

auszulegen. Die Hochbeete sind durch Begrenzungen

(Kantensteine/Holzbalken usw.) zu umwehren.

- Auf dem Grundstück erzeugte Komposterde gilt ebenfalls

als belastet, sie ist nicht mehr zu verwenden und ist als Abfall

zu entsorgen.

- Alle noch vorhandenen, offenen Bodenflächen sind als

Rasenfläche zu gestalten.

- Eventuell vorhandene Eigenwasserbrunnen sind zu sperren

und nicht mehr zur Bewässerung von Gartenflächen zu nutzen.

- Die aus den Vorjahren geernteten Obstsorten, auch Marmelade,

sind zu vernichten.

- Neuer Rasenabschnitt und Pflanzenabschnitt ist nicht mehr

zu kompostieren, sondern als Abfall zu entsorgen.

- Kinderspielflächen müssen so gestaltet werden, dass der

direkte Kontakt zum vorhandenen Boden vermieden wird.

Kleinkinder dürfen im vorhandenen Erdboden nicht buddeln.

Buddelsandkisten sind nur als auf dem vorhandenen

Boden aufgesetzte Sandkisten mit einer Grabesperre als

Abgrenzung zum Unterboden zu errichten und mit neutralem,

neuen Buddelsand zu befüllen.

Wir bedauern, dass diese Empfehlungen notwendig sind, aber

aufgrund der Untersuchungsergebnisse halten wir sie für unbedingt

erforderlich.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Amtsärztin

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Maßnahmenkatalog

zur Umsetzung der Anordnung vom _________des Bezirksamtes

Reinickendorf für die

Parzellen ________und_______ der Kolonie ,,Neues Leben“ im

Bezirksverband der Kleingärtner Reinickendorf e.V.

Zur weiteren Nutzung der oben genannten Kleingartenparzellen

werden auf der Grundlage des geltenden Zwischenpachtvertrages

sowie der damit zusammenhängenden Unterpachtverträge den

derzeitigen Unterpächtern durch den Zwischenpächter folgende

Auflagen erteilt:

Auf den Kleingartenparzellen sind

vier bis sechs Obstbäume zu pflanzen (vor allem Spalierobst,

aber auch Viertel- oder Halbstämme)

Derzeitig bereits bestehende Obstbäume werden der geforderten

Bepflanzung zugerechnet

mindestens sechs Beerensträucher zu setzen. Dabei sollte auf

Artenvielfalt (z.B. verschiedene Johannesbeersorten, Stachelbeeren,

Jochelbeeren) orientiert werden.

Es ist anzustreben, dass ein Teil der neu zu setzenden Sträucher

Hochstammpflanzen sind.

Bereits bestehende Sträucher können bleiben, sollten aber

schrittweise durch Verjüngungsschnitte zu neuem Durchtreiben

gebracht werden.

Hochbeete (für den Gemüseanbau) anzulegen. Dabei können

sowohl mehrere kleine als auch ein großes Hochbeet (ca. 4 m x

ca. 1,5 m) errichtet werden.

Die Hochbeete müssen eine Höhe von 60 cm (gerechnet von der

gewachsenen Erdoberfläche) haben und sind mit unbelastetem

Boden (von außerhalb der Kleingartenfläche) zu füllen.

offene Bodenflächen durch Rasen nach oben zu verschließen, so

dass ein ständiger direkter Kontakt mit dem Boden vermieden

wird.

Baumscheiben, Fußbereiche von Hecken sowie Flächen mit

Stauden und Zierblumen durch Rindenmulch / Schreddermaterial

abzudecken.

für den Grasschnitt gesonderte Lagerbehälter zu errichten, in

denen das Material gesammelt wird.

Dieses Behältnis kann sowohl ein handelsüblicher als auch ein

selbst gebaute Behälter sein. Gewährleistet werden muss aber,

dass der Lagerplatz nach unten gegenüber dem Erdboden abgeschlossen

ist.

Der gesammelte Grasschnitt darf nicht kompostiert werden, dass

heißt das Zuführen von Rottungsbeschleunigern ist nicht statthaft.

Zur Kontrolle der Belastung des biologischen Materials (Grasschnitt)

auf der Kleingartenparzelle wird durch den Zwischenpächter

, den Bezirksverband der Kleingärtner Reinickendorf e.V.

im September eine Beprobung des Materials durch ein ausgewiesenes

Labor in Auftrag gegeben

- 50 -

Anlage

zum Unterpachtvertrag der Kleingartenanlage ,,Flora“

Parzelle:__________________________

Pächter:_____________________________

Die in der folgenden Übersicht ausgewiesenen Festlegungen

sind Teil des Unterpachtvertrages für die Parzelle __________ in

der Kleingartenanlage ,,Flora“ und werden nicht durch die

Beendigung des laufenden Unterpachtverhältnisses außer Kraft

gesetzt.

Stümpfe und Wurzelwerk von auf der Parzelle verbliebenen

Bäumen sind im Falle der Fällung dieser Bäume nur nach vorheriger

Absprache mit dem Umweltamt auszugraben und zu entsorgen.

Das Wurzelwerk der auf der Parzelle belassenen Großsträucher darf

entfernt werden, wenn die Genehmigung des Umweltamtes vorliegt.

Die im Rahmen der Sanierung belassenen Hochbeete können nur

nach entsprechender Entscheidung des Umweltamtes entfernt bzw.

räumlich verändert werden.

Terrassen und versiegelte Flächen (Wege) dürfen nur erneuert,

reduziert oder zurück gebaut werden, wenn ein entsprechendes

Einverständnis des Umweltamtes vorliegt.

Lauben dürfen nur mit Genehmigung des Umweltamtes abgerissen

oder zurück gebaut werden.

Bei Reparaturarbeiten, die das Eindringen in die Bodenschicht

erforderlich machen, ist vorher die Genehmigung des Umweltamtes

einzuholen.

Grabungen auf der Parzelle unterhalb einer Tiefe von 0,40 m sind

nicht statthaft.

Veränderungen entsprechend der o. g. Punkte sind zuerst beim

Bezirksverband der Kleingärtner Reinickendorf e. V. zu beantragen

und werden nach entsprechender Prüfung vom Zwischenpächter an

das Umweltamt weiter geleitet.

________________________ __________________________

Vorstand des Bezirksverbandes der Unterpächter

Kleingärtner Reinickendorf e. V.

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- 51 -

Altablagerungen in Bremer Kleingartengebieten am Beispiel des KGV „Fuchsberg e.V.“ in Bremen –

Schönebeck auf der Altablagerung Ziegeleiweg (Bremen im Mai 2005)

Historie der Altablagerung Ziegeleiweg

- Bis Anfang der 30er Jahre Tongrube

- Bis 1965 ungeordnete Müllablagerung

- Ab 1965 Nutzung Kleingartenanlage (Fuchsberg e.v.)

Chronologie der Sicherungen

1964/65 Abdeckung der Altablagerungen mit Tonschicht

und Mutterboden

1984 Stauwasserbrunnen

1987 Sanierung Regenwasserkanal (Kunststoffinliner)

1994 Spielplatzsicherung und Sommerwasserversorgung

1992/94 Deponiegasabsaugung

1996 Neurer Stauwasserbrunnen

1998 Sicherung Grundwasseranstrom (KDB)

1999 Sicherung Grundwasserabstrom (Spundwand,

Drainrigole)

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Sanierungsergebnisse

- Reduktion des Oberflächenwassereintrages

- Verhinderung von Schadstoffaustritten ins Grundwasser

- Sickerwassersaustritte an den Böschungen wurden unterbunden

- Verbesserte Sickerwasserfassung im Freigefälle

- Deponiegaspotential erfordert weiterhin kontinuierliche

Überwachung

- Die Aufrechterhaltung der Nutzung als Kleingartengebiet

erfordert die enge Kooperation mit den Nutzern um Informationen

weiter zutragen und vermeidbare Gefährdungen

auszuschließen

- 52 -

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- 53 -

Das Pflanzenschutzgesetz – Knebel oder Chance?

Ulrike H o l z

Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und

Flurneuordnung

Frankfurt/Oder

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- 54 -

Das Pflanzenschutzgesetz – Knebel oder Chance ?

Betrachten wir unsere Gärten, so haben wir es mit einem Stück Kulturgut, durch die formenden

Hände der Menschen geschaffen, zu tun. Diese künstlichen Systeme variieren entsprechend der

Intensität der Eingriffe der Nutzer bei Anlage und Pflege der Pflanzengesellschaften beträchtlich.

Naturbedingt entwickeln sich zeitweise Störungen biologischer Gleichgewichte, welche sich unter

anderem in der Form von Massenvermehrungen von Schadorganismen ausdrücken.

Historie der Gesetzgebung

Während sich die Menschheit spätestens seit Beginn der Sesshaftwerdung und des bewussten

Anbaus von Kulturpflanzen auch mit dem Thema Pflanzenschutz auseinandersetzt, folgte eine

konkrete gesetzliche Regelung dazu geschichtlich betrachtet erst recht spät. Zur historischen Entwicklung

der Gesetzgebung in Deutschland wurden in der Einleitung der Broschüre „Das Pflanzenschutzgesetz“,

anlässlich der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes im Jahr 1998, herausgegeben

vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten folgende Ausführungen

gemacht: „ Die ersten Bestimmungen des Pflanzenschutzrechts in Deutschland stammen aus dem

letzten Jahrhundert. Die erste grundsätzliche Ordnung erfolgte 1937. Nach dem zweiten Weltkrieg

erging 1949 zunächst das „Kulturpflanzenschutzgesetz“, 1968 das „Pflanzenschutzgesetz“ und

1986 das „Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen (Pflanzenschutzgesetz - PflSchG)“ (1).

Geschichtlich betrachtet vollzog sich eine Wandlung und Ergänzung der Gesetzgebung von den

anfänglichen Bereichen des prioritären Schutzes von Kulturpflanzen und der Regulierung von

Schadorganismen hin zu Fragen der Zulassung und des Umgangs mit Pflanzenschutzmitteln sowie

ab 1986, den wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftspolitischen Erfordernissen

angepasst, zu Fragen des Schutzes des Naturhaushaltes. Unter zunehmendem Einfluss der Gesetzgebung

der Europäischen Union erfolgte mit der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes

1998 eine Angleichung an die EU-Regelungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sowie

eine Neuregelung bzw. Ergänzung zahlreicher Begriffsdefinitionen, wobei das Gesetz von 1986 in

seiner Grundstruktur aber erhalten blieb.

Im Februar 2005 wurde eine Neufassung des Pflanzenschutzgesetzes im Deutschen Bundestag

diskutiert, wobei u. a. Regelungen zum innergemeinschaftlichen Warenverkehr bei Pflanzenschutzmitteln

und zur Aufzeichnungspflicht von Pflanzenschutzmaßnahmen zur Debatte standen

(2). Aufgrund der vorgezogenen Bundestagswahlen wurde das Gesetz bisher jedoch nicht, wie vorgesehen,

im Herbst 2005 verabschiedet. Mit welchen Inhalten dies nach den Neuwahlen erfolgen

wird, ist derzeit offen.

Aktuelle gesetzliche Regelungen mit Auswirkungen auf den Haus- und Kleingarten

Mit dem ersten Gesetz zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes vom 14. Mai 1998, welches die

gegenwärtig wichtigste Rechtsgrundlage auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes in Deutschland darstellt,

haben sich neben der Anpassung an EU-Rechtsvorschriften, insbesondere an die RL

91/414/EWG vom 15.07.91, einige, auch für den Bereich Haus- und Kleingarten relevante Änderungen

ergeben.

Generell neu geregelt wurden die aus der Zulassung resultierenden Vorgaben zur Anwendung von

Pflanzenschutzmitteln. Die vormals bestehende Gebots- bzw. Vertriebszulassung wurde ersetzt

durch die Indikationszulassung. Diese Regelung ist in § 6a PflSchG gefasst und besagt, dass Pflanzenschutzmittel

einzeln oder gemischt mit anderen nur noch angewandt werden dürfen, wenn sie

zugelassen sind „und 1. nur zu den in der Zulassung festgesetzten und in der Gebrauchsanleitung

angegebenen... Anwendungsgebieten und 2. entsprechend den in der Zulassung festgesetzten und

in der Gebrauchsanleitung angegebenen ... Anwendungsbestimmungen“.

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- 55 -

Mit Inkrafttreten des Gesetzes am 01.07.1998 wurden für diese Neuregelung Übergangsfristen

festgesetzt, nach welchen ab 01.07.2001 die Indikationszulassung generelle Verbindlichkeit erhielt.

Zudem wurde in § 6a PflSchG eine weitergehende Regelung für Pflanzenschutzmittel für Haus- und

Kleingärten erlassen: „Sie dürfen im Haus- und Kleingartenbereich nur angewandt werden, wenn

sie mit der Angabe “Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig“ gekennzeichnet sind.“

(3), woraus sich gegenüber der bisherigen Regelung der Vertriebszulassung wesentlich Beschränkungen

ergaben. Aus dieser Rechtsnorm resultierte eine deutliche Reduktion der im Haus- und

Kleingarten anwendbaren Pflanzenschutzmittel.

Unter Berücksichtigung von Übergangsfristen hatte diese Regelung ab 01.07.1999 für neu zugelassene

Pflanzenschutzmittel Gültigkeit, für alle bereits im Haus- und Kleingarten vorab zugelassenen

Präparate wurde die Kennzeichnungspflicht „Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig“

ab 01.07.2001 bindend.

Zu diesem Termin setzte in Anpassung an die RL 91/414/EWG vom 15.07.91 zudem ein Anwendungsverbot

für zahlreiche, auch im Haus- und Kleingarten bislang anwendbare sogenannte „Alt-

“Präparate (z.B. Saprol NEU, Lebaycid, Unden flüssig) ein.

Gründe für die speziellen Regelungen im Haus- und Kleingartenbereich sind darin zu sehen, dass

in diesem Bereich die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln meist durch nicht explizit im Pflanzenschutz

sachkundige Personen erfolgt. Millionen Bürger, welche nicht in der Erwerbslandwirtschaft

tätig sind und/oder über eine entsprechende fachliche Qualifikation verfügen, haben ebenso

einen Anspruch auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zum Schutz ihrer Kulturpflanzen im

Bedarfsfall sowie einen Anspruch auf eine risikofreie Anwendung dieser Produkte. Im Gegensatz

dazu kristallisiert sich, gesamtgesellschaftlich betrachtet, ein immer größer werdender Anspruch

hinsichtlich der Minimierung von Umweltbelastungen durch den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln

heraus.

Um dem Bedarf des angesprochenen Bevölkerungsteils entgegen zu kommen, werden entsprechend

§ 15 PflSchG spezielle Anforderungen an die Eignung des Pflanzenschutzmittels für die

Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich, unter Berücksichtigung der Wirkstoffeigenschaften,

der Dosierfähigkeit, der Anwendungsform und der Packungsgröße im Rahmen des Zulassungsverfahrens

gestellt. Damit wird als Bestandteil der Zulassungsanforderungen ein wichtiger Beitrag

sowohl zum Verbraucher-, Anwender- als auch Umweltschutz geleistet.

Weiterführende Regelungen der aktuell gültigen Fassung des Pflanzenschutzgesetzes beziehen sich

u.a. auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nach guter fachlicher Praxis (§ 2a und 6), welche

in erster Linie für den Profibereich maßgebend ist, davon ausgehend, dass der Einsatz von für

den Anwendungsbereich Haus- und Kleingarten zugelassenen Pflanzenschutzmitteln von jedermann,

ungeachtet der entsprechenden Sachkunde, möglich sein muss. Diese entbindet nicht davon,

entsprechende Regeln der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln unter Berücksichtung der

Gebrauchsanleitung einzuhalten. Zudem erfolgten auch für den Haus- und Kleingartenbereich gültige,

klare Festsetzungen für eine Aufbrauchfrist nach Zulassungsende. Weiterhin gesetzlich geregelt

wurde die Pflicht zur Unterrichtung des Erwerbers bei Abgabe von Pflanzenschutzmitteln im

Einzel- und Versandhandel. Neu geregelt wurden die Vorschriften für den Handel mit Pflanzenstärkungsmitteln,

diese müssen jetzt in eine Liste der Zulassungsbehörde aufgenommen sein und

unterliegen zudem dem Selbstbedienungsverbot im Handel. Darüber hinaus gehende, hier nicht

aufgeführte Neuregelungen beziehen sich in erster Linie auf den gewerblichen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln

sowie auf das Zulassungs- und Genehmigungsverfahren in diesem Bereich. Ausgehend

von den angeführten Neuregelungen ergeben sich infolge unterschiedlicher Sichtweisen

und Prioritätensetzungen für den Haus- und Kleingartenbereich folgende wichtige Effekte:

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Vorteile:

• erhöhte Anwendersicherheit durch

- 56 -

- eingeschränkte Wirkstoffpalette, Verzicht auf T+ (sehr giftig) und T (giftig) –

Präparate

- spezielle Formulierungen, Dosierhilfen und Abpackungen, die einen direkten Kontakt

mit den Pflanzenschutzmitteln bei ordnungsgemäßer Anwendung minimieren

bzw. ganz ausschließen

- vorgeschriebene Beratungspflicht bei der Abgabe von Pflanzenschutzmitteln im

Handel

• erhöhter Verbraucherschutz durch

- konkret festgesetzte Anwendungsgebiete mit maximalen Anwendungshäufigkeiten

und festgesetzten Wartezeiten

• erhöhter Umweltschutz durch

Nachteile:

- Eingrenzung der Anwendungsgebiete und damit verbundene reduzierte Umweltkontamination

durch Pflanzenschutzmittel

- Reduzierung der Wirkstoffpalette, Ausschluss von z. T. ökotoxikologisch kritisch zu

betrachtenden Präparaten

- durch die Indikationszulassung festgeschriebene, ausschließliche Anwendung entsprechend

der Zulassung zu den angeführten Aufwandmengen und Anwendungshäufigkeiten

in Abhängigkeit von der Kulturhöhe und damit Vermeidungen von Überdosierungen

und Wirkstoffkumulation

• Entstehung von Bekämpfungslücken durch die eingeschränkte Palette von Pflanzenschutzmitteln

(z.B. Kräuselkrankheit des Pfirsichs, Kirschfruchtfliege, Pflaumenwickler, Brombeergallmilbe)

• eine Möglichkeit der Lückenschließung für den nicht erwerbsmäßigen Anbau ist außerhalb

eines regulären Zulassungsverfahrens nicht gegeben

• Notwendigkeit der Entsorgung von „Alt“-Präparaten nach Zulassungsende und Ablauf der Aufbrauchfrist

• Abgrenzung zwischen Hausgarten und Nebenerwerbsgartenbau bietet eine Grauzone

Betrachtungen zum praktischen Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten

Die Ausrichtung der Aktivitäten des BDG und vieler anderer Garten-Vereine sowie nicht organisierter

Freizeitgärtner orientiert sich auf die Gestaltung naturnaher Gärten, in welchen sich natürliche

Wechselwirkungen vielfältigster Art einstellen können und sollen.

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- 57 -

Vergegenwärtigt man sich verschiedene Merkmale der Nutzung von Flächen mit Pflanzenbewuchs,

so sind, wenn auch subjektiv bedingt, verschiedene Intensitätsstufen ausmachen. Der Flächennutzung

als Haus- und Kleingarten kommt eine Mittelstellung zwischen völlig naturbelassenen Flächen

und der in der Regel für den Erwerbsanbau von landwirtschaftlichen Kulturen mehr oder weniger

intensiv ausgeprägten Monokultur zu, welche abstrahiert in Abb. 1 dargestellt ist.

Charakteristik verschiedener Intensitätsstufen der Flächennutzung

Nutzungsintensität/

Ertragserwartung

Wirtschaftlichkeit

der Produktion

natürlicher

Stoffkreislauf

biologisches

Gleichgewicht

Artenvielfalt

unberührte

Natur

Klein- und

Hausgarten

Abb.1: Charakteristik verschiedener Intensitätsstufen der Flächennutzung

Monokultur/

Erwerbsanbau

Für den Erwerbsanbau ist die ausgeprägte Flächennutzung verbunden mit einer hohen Ertragserwartung

im wirtschaftlichen Sinne überlebenswichtig. Dem gegenüber stehen an völlig naturbelassenen

Standorten bezüglich der Nutzungsintensität lediglich Mitnahmeeffekte, die Erwartung eines

„Ertrages“ ist generell nicht einkalkuliert. Im Mittelfeld zwischen diesen beiden Extremen stehen

Haus- und Kleingärten, welche aufgrund des breit gefächerten Nutzungsanspruches auch in ihrer

Bewirtschaftungsintensität durch eine erhebliche Diversität charakterisiert sind. In unmittelbarem

Zusammenhang mit der beabsichtigten Nutzungsintensität, individuell durch jeden Gartennutzer

selbst bestimmt, steht dabei auch die Intensität von Pflanzenschutzmaßnahmen jeglicher Art.

Wie viel Pflanzenschutz braucht ein Garten?

Die Beantwortung dieser Frage ist in starkem Maße vom individuellen Charakter der Gartennutzer

abhängig. Jeder Freizeitgärtner entwickelt für seinen Garten einen persönlichen Nutzungsanspruch,

welcher sich auch in der Toleranzschwelle gegenüber dem Auftreten von Schadorganismen widerspiegelt.

Während die eine Gruppe nach dem Motto ‚Was wächst, dass wächst und was nicht

wächst, wird nicht weiter kultiviert’ den Garten nutzt, ist am entgegengesetzten Pol der Gartennutzer

auf den Werterhalt seiner Kulturen mit allen Mitteln bedacht; makellose Kulturen, gepflegter

unkrautfreier Rasen etc. gelten mitunter als besonders erstrebenswert und prestigeträchtig. In

wenn auch zunehmend weniger Fällen werden Haus- und Kleingärten zudem zur über den eigenen

Bedarf hinausgehenden Produktion von gärtnerischen Produkten genutzt, welche auf Wochenmärkten

u. ä. Orten angeboten werden. In diesen Fällen dürften die Ertrags- und Qualitätserwartungen

häufig höher als bei den übrigen Nutzergruppen einzustufen sein und damit auch Pflanzenschutzmaßnahmen

eine gesteigerte Bedeutung zukommen. Die weitaus größte Gruppe der Gartennutzer

agiert zwischen diesen Positionen und pflegt den Garten unter dem Gesichtspunkt des

Erholungs- und Erlebniswertes in Verbindung mit der Nutzung von Ernteprodukten aus der eige-

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- 58 -

nen, selbst verantworteten Bewirtschaftung. Nichts desto trotz hat sich ein Bedarf bezüglich der

Werterhaltung der Kulturpflanzen manifestiert. Kaum ein Freizeit- und Hobbygärtner wird teuer

erstandene, liebevoll gepflegte und vielleicht sogar mit besonderem ideellen Wert verbundene

Pflanzen einer ungehemmten Vernichtung durch Schadorganismen überlassen. Um diese Kulturen

zu erhalten, ist von den Freizeitgärtnern ein vielseitiges Know-how bezüglich der Kultivierung von

Pflanzen einschließlich der gesamten Vielfalt von vorbeugenden und direkten Pflanzenschutzmaßnahmen

gefordert.

Ausgehend davon, dass der heutige Haus- und Kleingarten in den meisten Fällen nicht unbedingt

für die Bereitstellung von Lebensmitteln benötigt wird, sondern vielmehr zu vorderst als Erholungs-

und Freizeitstätte fungiert, kommt dem Pflanzenschutz in den meisten Fällen eine eher geringere

Bedeutung zu. Wir benötigen in der Regel nicht mehr zwingend selbst produziertes Obst und Gemüse,

da uns die anderweitige Versorgung über den Lebensmitteleinzelhandel oder direkt vermarktende

Landwirtschaftsbetriebe ausreichende Angebote offeriert. Schon gar nicht besteht der Bedarf

hinsichtlich makelloser Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenprodukte, welche sich mit der Handelsklasseneinstufung

messen lassen. Somit sind gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen in vielen Fällen

nicht dringend erforderlich. Der Minimierungsgedanke beim Pflanzenschutzmitteleinsatz sollte

daher auch im Haus- und Kleingarten an oberster Stelle stehen. In zunehmendem Maße auf gesunde,

unbelastete Ernteprodukte bedacht, wird von zahlreichen Haus- und Kleingärtnern auch ein

völliges Verzichtsprinzip praktiziert. Schlägt dieses Prinzip allerdings in einen Dauerzustand mangelnder

Erträge und ungewollter Kulturentwicklungen um und führen vorbeugende oder alternative

Pflanzenschutzmaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, werden häufig Abwägungen getroffen

zwischen Pflanzenschutzmitteleinsatz bzw. Beseitigung der Kulturpflanze generell. Ein profundes

Beispiel für letztere Maßnahme ist das zum Teil großräumig erfolgte Abholzen von Birnenbäumen,

welche seit ca. einem Jahrzehnt alljährlich unter dem massiven Befall des Birnengitterrostes leiden.

Massiver Befall durch Birnengitterrost zog in den

letzten Jahren in Ermangelung ausreichender Bekämpfungsmöglichkeiten

unzählige Rodungen von

Birnenbäumen nach sich. Ursachen für die Befallsausweitung

sind vor allem in der deutlichen

Zunahme der Pflanzung der Dauerwirte (verschiedene

Wacholder-Arten) dieses Rostpilzes aber auch

in den günstigen Witterungsbedingungen für die

Pilzinfektionen an den Birnen zu sehen. Zudem

sind für den Haus- und Kleingartenbereich keine

Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Birnengitterrostes

ausgewiesen. Widerstandsfähige Birnensorten

sind bisher nicht bekannt.

Abb. 2: Birnengitterrost –Blattbefall

Pflanzenschutzmaßnahmen sind also in den meisten Gärten spätestens dann angezeigt, wenn ein

nicht vertretbares Schadausmaß wahrgenommen wird.

Im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes werden dabei von der Mehrzahl der Freizeitgärtner,

sofern nicht bereits vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahmen (s. Abb. 3) zum Erfolg geführt haben,

Möglichkeiten des mechanisch-physikalischen, biologischen oder biotechnischen Pflanzenschutzes

genutzt, bevor an letzter Stelle Maßnahmen des chemischen Pflanzenschutzes erwogen werden.

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esistente/ tolerante Sorten

Mischkultur

Düngung

Bewässerung

biologischer Pflanzenschutz

Standortwahl

Nützlingsförderung /

Nützlingsseinsatz

- 59 -

Wieviel

Pflanzenschutz

braucht ein

Garten?

Abb 3: Möglichkeiten des Integrierten Pflanzenschutzes

Anbautermine

Feldhygiene

mechanisch-physikalischer

Pflanzenschutz

chemischer Pflanzenschutz

Fruchtfolge

biotechnischer Pflanzenschutz

Für zielgerichtet vorgenommene Pflanzenschutzmaßnahmen ist zudem das richtige Erkennen von

Schadbildern von prioritärer Bedeutung. Hier können Gartenfachberater eine wichtige Mittlerfunktion

einnehmen, da sie in der Regel für viele organisierte Kleingärtner die erste Anlaufsstelle sind.

Eine wichtige Aufklärungsfunktion zu Fragen des Pflanzenschutzes haben die Pflanzenschutzdienste

des Bundesländer und ähnliche staatliche Informationsstellen. Kontakte zu landwirtschaftlichen

und gärtnerischen Erwerbsbetrieben können ebenfalls für die Informationsbeschaffung genutzt

werden. Über Print- und Telemedien werden Schwerpunkte im Pflanzenschutz einer breiten Öffentlichkeit

näher gebracht. Mit der zunehmenden Vernetzung von privaten Haushalten erschließen

sich auch dem Freizeitgärtner neue Informationsquellen über das Internet. Sachkundige Beratung

bieten des weiteren viele Hersteller von Pflanzenschutzmitteln sowie Nützlingsproduzenten an. Mit

der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes wurde zwar die Beratungspflicht bei Abgabe von

Pflanzenschutzmitteln im Einzelhandel explizit festgeschrieben, hier scheint es jedoch vielfach

einen Verbesserungsbedarf zu geben.

Nach der Absicherung vorbeugender, kulturtechnischer Maßnahmen kommt in den Haus- und

Kleingärten dem mechanisch –physikalischen Pflanzenschutz häufig als „Erste Hilfe-“ Maßnahme

Bedeutung zu. Schnell sind Raupen und Kartoffelkäfer abgesammelt oder ist ein Kulturschutznetz

aufgelegt. Schwieriger wird bereits die Bekämpfung von pilzlichen Schadorganismen, da sich der

Befall infolge der Inkubationszeit bei Sichtbarwerden von Befallssymptomen häufig bereits stärker

etabliert hat.

Hinsichtlich der Bereitschaft zum Einsatz von Nützlingen und biologischen Präparaten ergibt sich

die Problematik der Verfügbarkeit von Spezialkenntnissen. Biologisch wirksame Präparate oder der

Einsatz von Nützlingen sind häufig in ihrer Effektivität nur zufriedenstellend, wenn spezifische Anwendungstermine

und -bedingungen eingehalten werden. So erfordern z.B. Granulose-Virus-

Präparate zur Apfelwickler-Bekämpfung spezielle Anwendungsfenster, bezogen auf die Entwicklungsstadien

des zu bekämpfenden Schadinsekts. Andere Produkte wie z.B. insektenpathogene

Nematoden können nur erfolgreich wirken, wenn entsprechende Lebensbedingungen für die Nutzorganismen

geboten werden. Diese Spezifika des biologischen Pflanzenschutzes müssen den interessierten

Freizeitgärtnern vorab bekannt sein. Nicht immer sind hier die Nützlingsvertreiber ent-

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- 60 -

sprechend auskunftsfähig, so dass Informationsquellen vielfältigster Art, besonders bei den Nützlingsproduzenten

direkt, den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer oder speziell geschulten

Gartenfachberatern zu nutzen sind. Als einschränkende Faktoren sind neben den erforderlichen

Spezialkenntnissen zudem der Sachverhalt möglicher Misserfolge und unzureichender Wirkungen

sowie die intensiven Beschaffungskosten anzusehen. Im Bereich der Freilandkulturen sind dem

Nützlingseinsatz, bedingt durch die Lebensweise der meisten Nützlinge deutliche Grenzen gesetzt,

während eine Nützlingsausbringung im Kleingewächshaus oder im Wintergarten weitaus erfolgreicher

ist.

Die zukünftige Entwicklung lässt jedoch weitere Fortschritte bei der Etablierung praktikabler Möglichkeiten

des Biologischen Pflanzenschutzes erwarten. So wurden in den letzten Jahren vielfältigste

Extrakte aus verschiedensten Pflanzen bezüglich ihrer Effekte auf Schadorganismen untersucht.

Extrakte aus Lebermoosen zeigen beispielsweise einen natürlichen Abwehreffekt gegen Schneckenfraß

und insektenpathogene Nematoden werden mittlerweile nicht nur gegen Dickmaulrüssler,

Engerlingslarven und Trauermücken kommerziell vertrieben, sondern auch zur biologischen

Schneckenbekämpfung eingesetzt. Bei der gegenwärtig noch vorhandenen Artenvielfalt der Erde ist

zu erwarten, dass das Potenzial von Nutzorganismen noch lange nicht ausgeschöpft ist, es aber

intensiver Forschungsarbeit bedarf, um diese Mechanismen aufzudecken.

An letzter Stelle der zielgerichteten Pflanzenschutzmaßnahmen steht im Sinne des Integrierten

Pflanzenschutzes die Anwendung chemischer Präparate.

Im Hinblick auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel sollte der Minimierungsgedanke

zum eigenen Schutz der Gesundheit, der Umwelt und nicht zuletzt auch zur Schonung des finanziellen

Budgets eine wichtige Rolle spielen. Ohne synthetische Hilfsmittel erzeugte Gartenprodukte

sind von den meisten Freizeitgärtnern gewünscht und stehen für gesunde Lebensmittel.

Die Mehrzahl der Freizeitgärtner ist sich bewusst, eine Abwägung zwischen einem Schaden durch

bestimmte Organismen an den Kulturpflanzen, dem Bekämpfungseffekt von Pflanzenschutzmitteln

und nicht zuletzt den nicht unerheblichen finanziellen Aufwendungen für Pflanzenschutzmittel

treffen zu müssen.

Ein Sachverhalt, welcher bei den meisten nicht erwerbsmäßigen Anwendern von Pflanzenschutzmitteln

häufig verdrängt wird bzw. nicht ins Bewusstsein rückt, ist der Sachverhalt der möglichen

Umweltschädigung. Fragen zu Abdrift, Effekten auf Nichtzielorganismen, Beeinflussung von Boden

und Bodenlebewesen, Oberflächengewässern und darin lebenden Organismen sowie Einfluss auf

das Grundwasser werden von vielen Freizeitgärtnern aufgrund der nicht vorhandenen Fachkenntnisse

nachvollziehbarerweise nicht wahrgenommen. Somit ist in den meisten Fällen die Abwägung

von Schaden und Nutzen eines Pflanzenschutzmitteleinsatzes durch den Freizeitgärtner nur unvollständig

gegeben. Mit der Konkretisierung der Vorgaben der Pflanzenschutzmittelzulassung in

Form der Indikationszulassung und bei Einhaltung dieser Vorgaben kann diesem Mangel an Fachkenntnissen

begegnet werden.

Analysiert man die Palette der gegenwärtig zugelassenen Pflanzenschutzmittel, so ergibt sich eine

relativ hohe Anzahl verschiedener Präparate, hinter denen sich nur eine geringe Zahl von Wirkstoffen

verbirgt (s. Abb 4).

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- 61 -

Vergleich Wirkstoffe* - zugelassene PSM für HuK

*incl. Wirkstoffkombinationen (Quelle: PSM-Verzeichnis 2005, Teil 7 HuK)

120

100

80

60

40

20

0

10

113

15

113

Herbizide Insektizide/Akarizide Fungizide

incl. Herbizide mit

Rasendünger und

Moosvernichter

14

Wirkstoffe*

PSM

Abb. 4: Im Haus- und Kleingarten zugelassenen Pflanzenschutzmittel 2005 (4)

Viele dieser Präparate basieren auf Wirkstoffen natürlichen Ursprungs wie Fettsäuren oder Ölen.

Diese Produkte sind, in richtiger Aufwandmenge eingesetzt, in der Regel umweltverträglicher, bergen

aber auch das Risiko eines geringeren Bekämpfungseffektes und sind gegen zahlreiche Problemschadorganismen

(z.B. Kirschfruchtfliege, Pflaumenwickler, Birnengitterrost) nicht wirksam.

Damit sind den Abwehrmaßnahmen gegenüber bedeutsamen Schadorganismen im Haus- und

Kleingarten enge Grenzen gesetzt. Zahlreiche Bekämpfungslücken existieren vor allem im Baumobst.

Da hier für wichtige Schaderreger keine Bekämpfungsmöglichkeiten aufgezeigt und Alternativmaßnahmen

nicht verfügbar sind, besteht eine steigende Gefahr der illegalen Beschaffung und

unsachgemäßen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Als eine wichtige Forderung des Kleingartenwesens

muss die Bereitstellung umweltverträglicher Pflanzenschutzmittel auch für diesen Bereich

artikuliert werden. Mit der Zulassung neuer Fungizide auf der Basis z.B. von Cyprodinil, Fludioxonil

und Azoxystrobin kann auch der Bereich des Haus- und Kleingartens an der Entwicklung

und Zulassung moderner Pflanzenschutzmittel partizipieren. Kritikwürdig ist allerdings die teilweise

verwirrende Produktbezeichnung, alte Namen von Präparaten, z.B. Saprol, Baymat, Wofatox,

erscheinen mit neuen Wirkstoffen im Handel, so dass hier genaueste Information erforderlich ist,

um Fehlanwendungen auszuschließen. Zudem muss auch für den Bereich des Haus- und Kleingartens

geprüft werden, ob sich die Gefahr von Resistenzentwicklungen bei Schadorganismen aufgrund

der eingeschränkten Wirkstoffpalette potenziert.

Verantwortung der Gartenfachberatung

Im gesamtgesellschaftlichen Interesse kommt dem Agieren der in zahlreichen Vereinen des deutschen

Kleingartenwesens ehrenamtlich tätigen Gartenfachberater besondere Bedeutung zu. Sie

sind in der Regel die erste Anlaufstelle für Gartenfreude bei auftretenden Kulturproblemen. In ihrer

Hand liegt es, die Gedanken des Integrierten Pflanzenschutzes, die Maxime des naturnahen Gartens

und nicht zuletzt auch die Entwicklungen auf dem Gebiet des Pflanzenschutzrechts an jeden

einzelnen Gartenfreund heranzutragen und aufklärend tätig zu sein. Auch wenn sich durch die veränderte

Gesetzgebung auf den ersten Blick die Situation im Pflanzenschutz in Haus- und Kleingärten

durch die verringerte Produktpalette eingeschränkt hat, bietet sich doch die Chance, weitere

Aktivitäten in Richtung naturnahe Bewirtschaftung der Gärten unternehmen.

55

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- 62 -

In besonderer Weise kommt hierbei den Gartenfachberatern eine wichtige Vorbildfunktion zu. Öffentliches

Handeln ist für Nachbarn häufig der Motor, es dem Vorbild nach zu tun. So können z.B.

effektiv neue Pflanzenschutzverfahren durch die Gartenfachberater getestet und nach Bewährung

weiter empfohlen werden.

Eine Begleitung verschiedenster Projekte zum naturnahen Garten ist durch ihre qualifizierten Vorkenntnisse

möglich, so z.B. bei der Anlage von Mustergärten, Anschauungsobjekten wie Nützlingsquartieren,

Kooperationen mit Schulen sowie bei der Unterstützung von Garten-

Neueinsteigern mit wertvollen Tipps.

Regional- und ortsspezifische Regelungen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln betreffend, können

durch sie als geeignete Mittler verständlich weitergegeben werden. Des weiteren können Gartenfachberater

auch eine Mittlerfunktion in die Richtung der Kreis- und Regionalverbandsebene

übernehmen, da sie durch den unmittelbarem Kontakt zur Basis Bedürfnisse und Probleme objektiv

einschätzen wissen.

Zudem haben die Gartenfachberater eine besondere Aufgabe im Bereich der Umweltprävention

über eine Kontrollfunktion. Auch wenn der Begriff Kontrollfunktion mitunter negativ besetzt ist,

kann im Rahmen der Vorbeugung von Pflanzenschutzmittel-Fehlanwendungen, z.B. bei unsachgemäßer

Ausbringung von Dimethoat-Präparaten als Gießapplikation, informiert und somit ein

nachhaltiger positiver Effekt für die gesamte Gesellschaft erzielt werden. Ein weiterer Schwerpunkt

kann zudem in der Aufklärung hinsichtlich illegaler Beschaffung von Pflanzenschutzmitteln liegen.

Aus der Vielzahl der Aufgaben der Gartenfachberater ergibt sich ein zwingender Bedarf für Unterstützung

der Aktivitäten dieser Personengruppe in allen übergeordneten Ebenen sowie hinsichtlich

der Absicherung der Weiterbildungsmöglichkeiten.

Schlussbetrachtung

Dem gesamtgesellschaftlichen Interesse entsprechend, wurde mit der Neuregelung des Pflanzenschutzrechts

eine Einschränkung der Pflanzenschutzmittelanwendung im Haus- und Kleingartenbereich

vorgenommen. Damit soll u.a. den Bedürfnissen nach einem verbesserten Verbraucher-,

Anwender- und Umweltschutz entsprochen werden. Bezüglich der Einschränkung der Pflanzenschutzmittelausweisung

in ökotoxikologisch kritischen Bereichen ergeben sich durch die restriktive

Zulassung Vorteile im Interesse des Schutzes des Naturhaushaltes. Unsachgemäßen Anwendungen

von Pflanzenschutzmitteln im häufig besonders umweltsensiblen Bereich der Haus- und Kleingärten

kann so vorgebeugt werden.

Im Pflanzenschutz sachkundige Freizeitgärtner mögen sich in ihren Handlungsmöglichkeiten im

Bezug auf Schutzmaßnahmen und Werterhaltung ihrer Kulturpflanzen unter Umständen eingeschränkt

fühlen, der Mehrheit der nicht im Pflanzenschutz sachkundigen Hobbygärtner stehen

durch die speziell auf die Anwendungsbedingungen im Haus- und Kleingarten abgestimmten Zulassungen

jedoch im Sinne des Verbraucher-, Anwender- und Umweltschutzes auch von dieser

Personengruppe gefahrlos einsetzbare Präparate zur Verfügung. Wichtige Indikationslücken im

Bezug auf die Pflanzenschutzmittelausweisung gilt es auch vor dem Hintergrund des Erhalts der

Kulturenvielfalt, vor allem bei den Obstkulturen, in den Haus- und Kleingärten in naher Zukunft zu

schließen.

Wiederholt nicht realisierte Ernteerwartungen und die Unzufriedenheit über verdorbene Produkte,

z.B. madige Kirsche und Pflaumen, bergen sehr wohl die Gefahr einer illegalen Anwendung von

Pflanzenschutzmitteln oder aber ein Bereinigen der Kulturbestände um die problematischen Pflanzenarten

in sich. Diese Entwicklungstendenzen sind nicht gewollt, daher besteht zwingender Bedarf

aller am Zulassungsverfahren Beteiligten, sich auch wichtigen Indikationslücken im Haus- und

Kleingartenbereich zuzuwenden.

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- 63 -

Die gegenwärtig bestehenden Pflanzenschutzprobleme in Haus- und Kleingärten sowie integrierte

Ansätze zur Problemlösung betrachtend wird deutlich, dass in naher Zukunft weitere Aktivitäten

von der Pflanzenzüchtung bis hin zur Entwicklung praktikabler, umweltverträglicher Pflanzenschutzmaßnahmen

vielfältiger Art eröffnet werden müssen, um diese Bekämpfungslücken auch im

Haus- und Kleingartenbereich zu schließen.

Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz, insbesondere die Mechanismen natürlicher Antagonisten

vielfältigster Art müssen dabei vorrangig erforscht und in ihrer Entwicklung bis zur Praxisreife

abgesichert werden.

Literatur:

(1) „Das Pflanzenschutzgesetz“, (1999), Reihe BMELF informiert, BMELF

(2) Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung der Pflanzenschutzgesetzes, Drs 15/4737

vom 26.01.05, unter http://dip.bundestag.de/btd/15/047/1504737.pdf

(3) Erstes Gesetz zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes vom 14.Mai1998 (BGBl. I. S.971),

(4) Pflanzenschutzmittelverzeichnis Teil 7 Haus- und Kleingarten (2005)

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- 65 -

Düngeverordnung und fachgerechte Düngung im

Kleingarten

Dr. Ilona S c h o n h o f

Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau

Großbeeren/Erfurt e.V.

Großbeeren

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- 66 -

Düngeverordnung und fachgerechte Düngung im Kleingarten

1. Zielstellung einer fachgerechten Düngung

Wasser Luft und Boden sind als Bestandteile des Ökosystems in der Bundesrepublik Deutschland

umfassend geschützt. Daraus resultieren Gesetze und Verordnungen wie z. B. die Verordnung über

die Grundsätze der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung) vom 26. Januar 1996

(BGB I S.2134) mit Änderungen vom 14. Februar 2003 (BGB I S.235). Die Landwirtschaft mit ca.

17 Mio. ha Nutzfläche wird als ein Verursacher gesehen, der durch Einträge in den Boden zur Gefährdung

der Böden und Gewässer beiträgt. Ziel der Verordnung, die momentan wieder novelliert

wird, ist es deshalb, Düngemittel effizienter mit höherem Wirkungsgrad einzusetzen. Gleichzeitig

soll durch geringere Nährstoffverluste ein besserer Schutz von Oberflächen- und Grundwasser,

Atmosphäre und Biosphäre durchgesetzt werden.

2. Geltungsbereich und Grundsätze der Düngeverordnung

Die Verordnung gilt für die Anwendung von Düngemitteln auf landwirtschaftlich einschließlich

gartenbaulich genutzten Flächen. Ausgenommen sind in dieser Verordnung Flächen die in geschlossenen,

bodenunabhängigen Kulturverfahren genutzt werden sowie Haus- und Nutzgärten

und damit auch Kleingärten.

Schwerpunkt der Verordnung ist die Festlegung, dass die Düngemittel im Rahmen guter fachlicher

Praxis zeitlich und mengenmäßig so auszubringen sind, dass

• die Nährstoffe von den Pflanzen weitestgehend ausgenutzt werden können und damit

Nährstoffverluste bei der Bewirtschaftung sowie damit verbundene Einträge in die Gewässer

weitestgehend vermieden werden.

Das erfordert spezielle Kenntnisse, eine Düngebedarfsermittlung an Hand des Nährstoffbedarfes

der Pflanzen, der Nährstoffnachlieferung aus eingearbeiteten Pflanzenresten und dem Boden, der

Bodenreaktion (pH-Wert, Humusgehalt) sowie der Anbaubedingungen durchzuführen.

Landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe werden im Rahmen der Düngeverordnung zu folgenden

Maßnahmen verpflichtet:

• Bodenuntersuchungen auf Grundnährstoffe und Kalkgehalt mindestens alle 6 Jahre

• Jährliche Ermittlung des Stickstoffbedarfes

• Ermittlung des Nährstoffgehaltes der Wirtschaftsdünger (z. B Stallmist) und Sekundärrohstoffdünger

(z. B Klärschlamm)

• Erstellen von Nährstoffvergleichen und Bilanzen

• Einhalten von Obergrenzen für die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Sekundärrohstoffdüngern

(170 kg N/ha Ackerland)

• Einhalten der Sperrfrist für die Ausbringung von Gülle, Jauche, Geflügelkot, momentan

vom 15. November bis 15. Januar

• Sofortige Einarbeitung von flüssigen Düngern auf unbestellten Flächen

• N-haltige Düngemittel dürfen nur ausgebracht werden, wenn der Boden nicht wassergesättigt,

tief gefroren oder stark schneebedeckt ist

• Einträge von Düngemitteln in Oberflächengewässer sind zu vermeiden

3. Sachstand der Versorgung der kleingärtnerisch genutzten Böden mit Nährstoffen

Statistische Untersuchungen zeigen, dass 2,6% der Gesamtfläche Deutschlands durch Haus- und

Siedlergärten genutzt werden. Das ist fast die vierfache Menge an Fläche des Erwerbsgartenbaues.

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Von dieser Fläche werden ca. 46.600 ha in kleingärtnerischer Nutzung geschätzt. Die Interessen

der Freizeitgärtner müssen deshalb ebenso wie die der Erwerbslandwirtschaft mit dem Umweltschutz

in Einklang gebracht werden. Auch wenn die Düngeverordnung für Haus- und Kleingärten

keine Geltung hat, ist es unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes die Praxis der Düngung zu

betrachten und daraus notwendige Schlussfolgerungen abzuleiten.

In Österreich durchgeführte Nährstoffbilanzen von Gemüsegärten und Rasenflächen sowie zeigen

erhebliche Probleme. Generell kann eingeschätzt werden, dass die Versorgung der Flächen mit

Hauptnährstoffen in den untersuchten Gebieten hoch ist. So liegt die durchschnittlich jährliche P-

Düngung in den Gärten bis zum 4-fachen des pflanzlichen Entzuges. Die Stickstoffdüngung ist

ebenfalls mehr als doppelt so hoch wie der Bedarf.

Tab. 1 Nährstoffbilanz der Gemüsegärten in Niederösterreich (Jezik und Bauer, 2001)

Nährstoff Durchschnittliche jährliche

Düngung (g/10m²

Gemüsefläche)

Mittlerer jährlicher

Bedarf (g/10m²)

Differenz in g/10m²

und (%)des Bedarfes

N 303 125 +178 (+142,4%)

P 2 O 5 228 60 +168 (+280%)

K 2 O 290 140 +150 (+107%)

Untersuchungen der FH Weihenstephan zeigen für süddeutsche Gartenböden ebenfalls eine Überversorgung

mit P (80% der Flächen zu hoch versorgt) und K (65% der Flächen zu hoch versorgt).

Ein weiteres Problem ist die Stickstoffversorgung. Die Untersuchungen zeigten, dass die N-Gehalte

bei einen Großteil der Böden zwischen 600 und 3.900 g/m² (oberste Bodenschicht, 20 cm) lagen.

Bei einer jährlichen Freisetzungsrate von 2% würden 120-780 g N/10m² zur Verfügung stehen

(Jauch und Nätscher, 2005). Jauch et al. (2005) fanden bei 26% der untersuchten Böden bayrischer

Haus- und Kleingärten extrem hohe Gesamt-N-Gehalte, die mehr als 240g N/10m² jährlich freisetzen.

Das ist für viele Pflanzen weit über dem Bedarf und bedeutet Versickerung des N in das

Grundwasser. So benötigt Blumenkohl als eine stark stickstoffzehrende Gemüseart 250 bis 300g

N/10m². Dazu kommt, dass die N-Menge nicht immer zum optimalen Zeitpunkt, wenn die Pflanze

sie zum Wachsen braucht, ausgebracht wird. Die hohen Mengen an in den Böden analysierten

Nährstoffen bergen ökologische Risiken und erfordern den Erwerb von Wissen und Kenntnissen

über eine sachgerechte Düngung in Kleingärten.

4. Fachgerechte Düngung im Kleingarten

Um Umweltschäden zu vermeiden, sollten auch in den Kleingärten ausgehend vom Schwerpunkt

der Düngeverordnung Düngemittel zeitlich und mengenmäßig so ausgebracht werden, dass die

Nährstoffe von den Pflanzen weitestgehend ausgenutzt werden können und damit Nährstoffverluste

sowie damit verbundene Einträge in das Grundwasser vermieden werden.

Die Ermittlung des Düngerbedarfes ist sehr komplex (Abb.1).

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•Verfügbarkeit der

Nährstoffe im Boden

•Konkurrenz mit

Pflanzen und

Mikroorganismen

•Auswaschung

- 68 -

Abb. 1 Zusammenhang zwischen Nährstoffbedarf und zu ermittelnder Nährstoffmenge

Ausgangspunkt für die Ermittlung der zu düngenden Nährstoffmenge ist die Pflanzenart mit dem

gewünschten Ertrag oder bei Zierpflanzen dem Pflanzenwuchs sowie die Bodenart. Bodenzustand

(z. B. Humusgehalt, pH-Wert) und Bodenart bestimmen die Verfügbarkeit der Nährstoffe für die

Pflanze.

4.1. Grundsätze zur Realisierung des Phosphor- und Kalibedarfes der Pflanzen

Eine fachgerechte P- und K-Düngung erfordert eine Eingangsbodenuntersuchungen auf P- und K-

Gehalt und pH-Wert, um die Nährstoffgehaltsklasse einschätzen zu können. Daran sollten sich die

Düngungsempfehlungen für die Folgejahre orientieren. Eine Reduktion von P und K kann nur über

den Pflanzenentzug erfolgen. Sinnvoll wäre es, etwa alle vier bis sechs Jahre eine Standardbodenprobe

zu nehmen, die P und K, den pH-Wert und wenn nötig Mg umfassen sollte.

Durchführung einer Bodenprobe

•Bodenart

•Pflanzenzustand

und gewünschter

Ertrag

Ermittlung der Düngermenge

•Nährstoffmobilisierung

durch Mikroorganismen

•Organische /

mineralische Düngung

Nährstoffgehalt

Nährstoffform

•Festlegung der

Höhe der Einzelgaben

•Düngetermin

Der Termin für die Bodenprobennahme liegt im Spätherbst. Der Garten sollte entsprechend der

Nutzung in verschiedene Flächen eingeteilt werden z. B. Gemüse und Obst, Rasen, Heidelbeeren

und Rhododendron. Auf der jeweiligen Fläche sind 10 bis 15 Einstiche über die gesamte Fläche

verteilt bis in eine Tiefe von 30 cm durchzuführen.

Abb. 2 Begehungsmuster und Verteilung der Einzelproben (zufällig, N-förmig, diagonal).

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- 69 -

Dabei ist darauf zu achten, dass die Probe aus der gesamten Bodentiefe genommen wird. Dazu

wird mit dem Spaten in die Erde gestochen und ein Löffel über die Fläche gezogen. Die Erde wird

gut gemischt und bis zur Analyse kühl gelagert. Die Analyse der Bodenproben kann mit Hilfe von

Schnelltesten auch selbst durchgeführt werden.

Düngungsempfehlung für P und K

Je nach Analysenergebnis werden Versorgungsstufen des Bodens ermittelt und daraus Düngungsempfehlungen

abgeleitet.

Tabelle 2 Einschätzung der Versorgungsstufe des Bodens und Ableitung der Düngungshöhe für

eine Phosphordüngung

Versorgungsstufe Einschätzung Gehalt im Boden Düngungshöhe

(mg P O /100 g Boden)

2 5

A sehr niedrig < 7 2 mal Pflanzenentzug

B niedrig 7 – 13 1,5 mal Pflanzenentzug

C ausreichend 13 – 18 wie Pflanzenentzug

D sehr hoch 18 – 28 Hälfte des Pflanzenentzuges

E extrem >28 keine Düngung

Der Phosphorentzug der Gartenpflanzen bewegt sich im Mittel zwischen 30 und 80g /10m². Die

meisten Gartenböden können nach einer Phosphoranalyse in die Versorgungsstufen D und E eingestuft

werden, so dass nur eine geringe bis vorrübergehend gar keine Düngung erfolgen sollte.

Beispielrechnung:

Versorgungsstufe D, Einschätzung des Gehaltes: sehr hoch

Pflanzenentzug Mischanbau Gemüse ca. 50g/ 10m² P 2 O 5

Zu düngende Menge: Hälfte des Pflanzenentzuges 25 g/ 10m² P 2 O 5

Das entspricht ca. 135 g Superphosphat /10m² oder ca. 25 l Kompost/10 m² (z. B. 2,5 Wassereimer

auf ein Beet von 2 m Breite und 5 m Länge)

Für die Kalidüngung gilt die gleiche Vorgehensweise, wobei zusätzlich die Einschätzung der Versorgungsstufe

auch vom Boden abhängig ist. Leichte Böden können in Gegensatz zu mittleren und

schweren Böden nur sehr wenig Kali speichern, weil sowohl Humus als auch Tonmineralien nur in

geringen Mengen vorhanden sind.

Tabelle 3 Einschätzung der Versorgungsstufe des Bodens und Ableitung der Düngungshöhe für

eine Kalidüngung

Versorgungsstufe

Einschätzung

Gehalt im Boden (mg K 2 0/100 g Boden)

Düngungshöhe

Leichter Mittlerer Schwerer

Boden Boden Boden

A sehr niedrig < 3,5 < 6 < 12 2 mal Pflanzenentzug

B niedrig 3,5 - 7 6 -11 12 –19 1,5 mal Pflanzenentzug

C ausreichend 7 - 12 11 – 17 19 – 28 wie Pflanzenentzug

D sehr hoch 12-22 17 – 26 28 – 47 Hälfte des Pflanzenentzuges

E extrem >22 >26 < 47 keine Düngung

Der Kalibedarf der Pflanzen ist ca. vier bis fünf mal höher als der Phosphorbedarf. So benötigen die

meisten Gemüsepflanzen etwa 200 g K 2 O /10m². Gemüse mit sehr hohen Erträgen wie Stabtomaten

oder Kürbisse haben einen Bedarf bis zu 400 g K 2 O /10m². Der Bedarf von Obstgehölzen ist mit

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- 70 -

160 g (Steinobst) bis 120 g (Kernobst) je 10 m² etwas geringer. Bei Mischanbau von Gemüse und

Obst auf einer Fläche muss der Bedarf beider Kulturen berücksichtigt werden.

Bei der Festlegung der Düngermenge ist zu beachten, dass nicht nur eine mineralische Düngung

sondern auch organische Düngung dem Boden P und K zuführt. So enthält 1kg Pferdemist 3g P 2 O 5

(Bedarf z. B. von 3 Gurkenpflanzen)und 6g K 2 O (Bedarf z. B. von 2 Gurkenpflanzen). Auch der Einsatz

von Kompost führt häufig zu einer Anreicherung des Bodens mit P. So bedeutet bereits die

durchschnittliche Kompostgabe von 6,4 l/m² eine Überdüngung mit P um bis zum Dreifachen (Jezik

und Bauer, 2001).

Mittlerer Nährstoffgehalt von Kompost je 10 l (ein Wassereimer):

10 bis 20 g Stickstoff

10 g Phosphor (P 2 O 5 )

30 g Kali (K 2 O)

6 g Magnesium (MgO)

Spurenelemente

Mit einer Ausbringung von ca. 30 l Kompost/10m² kann der Bedarf der Pflanzen an Phosphor vollständig

und an Kali teilweise gedeckt werden.

Deshalb darf bei Einsatz von ausreichender organischer Düngung nicht noch zusätzlich mit mineralischen

Mehrnährstoffdüngern wie z. B. Blaukorn gedüngt werden, da sie ebenfalls Phosphor

enthalten.

4.2. Einfluss der Bodenreaktion auf eine fachgerechte Düngung

Im Gegensatz zu einer Überversorgung der Böden mit P und K liegt der pH-Wert des Bodens häufig

im sauren Bereich , die Böden sind mit Kalk unterversorgt.

Der pH-Wert ist die Maßzahl für die Bodenreaktion. Er bewegt sich je nach Bodenart von ca. 4 bis

etwa 9. Ein Boden mit dem

• pH-Wert 4 enthält in der Bodenlösung 0,0001g H + Ionen und ist sauer

• pH-Wert 7 enthält in der Bodenlösung 0,00000001g H + Ionen und ist neutral

• pH-Wert 9 enthält in der Bodenlösung 0,0000000001g H +

Ionen und ist basisch

Der optimale pH-Wert muss aus zwei Gesichtpunkten betrachtet werden. Er hängt sowohl von der

Bodenart als auch dem geplanten Pflanzenanbau ab. Je nach Bodenart ist folgender pH-Wert anzustreben:

• Leichte Sandböden pH-Wert von 5 - 5,5

• Sandige Lehmböden pH-Wert von 5,5 - 6,5

• Lehm, Ton pH-Wert von 6 - 7

• Anmooriger humusreicher Boden pH-Wert von 4,5 - 5

Auch die Pflanzen stellen unterschiedliche Anforderungen an den pH-Wert, die meisten Arten sind

aber anpassungsfähig und wachsen gut im pH-Wert-Bereich von 5,5 bis 7.

Tabelle 4 Bevorzugte Bodenreaktion ausgewählter Pflanzenarten

Pflanze pH-Bereich Pflanze pH-Bereich

Kartoffel 5,0-6,5 Eriken 3,5-4,5

Rhabarber 5,5-7,0 Azaleen 4,0-5,0

Spargel 5,5-7,0 Rhododendren 4,0-5,0

Tomate 5,5-7,0 Hortensien 4,8-6,2

Kopfsalat 5,5-7,0 Farne 5,0-6,5

Kopfkohl 6,0-7,0 Cyclamen 5,5-6,5

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- 71 -

Gurke 6,0-7,3 Fuchsien 5,5-6,5

Sellerie 6,0-7,5 Pelargonium hybridum 5,5-6,5

Spinat 6,0-7,5 Chrysanthemen 5,5-7,0

Kürbis 6,0-7,5 Primeln 6,0-6,5

Rettich, Radies 6,0-7,5 Pelargonium zonale,

peltatum

6,5-7,5

Blumenkohl und

Brokkoli

6,5-7,5 Goldlack 6,5-7,5

Erbsen 6,5-7,5 Nelken 6,5-7,5

Möhren 6,5-7,5 Ringelblumen 6,5-7,5

Zwiebeln und 6,5-7,5 Koniferen 5,0-5,5

Porree

Feldsalat 6,5-8,0 Rasen 5,5-6,0

Bohnen 6,5-8,0 Obstgehölze 5,5-7,0

Auf einem anmoorigen humusreichen Boden kann man also noch sehr gut Kartoffeln und einige,

den sauren Boden tolerierende Gemüsearten, sowie säureliebende Zierpflanzen anbauen. Kalkliebende

bzw. säureempfindliche Arten wie z. B. Bohnen wachsen nicht optimal.

Bei Über- bzw. Unterschreitung des pH-Wertes kommt es aber auch zu weitern Schädigungen.

Nicht nur das Pflanzenwachstum, auch die Bodenqualität und die Nährstoffaufnahme sowie die

Ausbreitung bodenbürtiger Krankheiten werden beeinflusst. Im Bereich des pH-Wertes zwischen 6

und 7 werden die meisten Nährstoffe gut aufgenommen und toxische Stoffe wie Aluminium, Blei

und Cadmium sind kaum verfügbar (Abb. 3).

Abb.3 Verfügbarkeit von Nährstoffen und toxischen Stoffen im Boden in Abhängigkeit vom pH-

Wert

pH 4 5 6 7 8 9

Al, Pb

Cd

N, K, Ca, Mg, S

P

Fe, Mn, Cu, Zn

B

Optimaler Bereich

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Sinkt der pH-Wert unter den optimalen Bereich, wird

• das Wachstum bodenbürtiger Pilze gefördert,

• die biologische Aktivität des Bodens gehemmt,

• die Krümelstruktur des Bodens verschlechtert

• unerwünschte, toxische Stoffe wie Blei können durch die Pflanzen gut aufgenommen

werden

• bei starker Versauerung werden die Tonmineralien zerstört.

- 72 -

Aber auch ein zu hoher pH-Wert hat negative Folgen

• Verstärktes Auftreten von Mangelerscheinungen an der Pflanze durch Herabsetzen der

Verfügbarkeit von Spurenelementen

• Auftreten von pflanzenverfügbaren toxischen Stoffen im Boden

• Humusabbau durch starke Mikroorganismusentwicklung

• Verdrängung von Nährstoffen am Ton-Humus-Komplex durch Anlagerung von Ca und damit

langfristig eine Verarmung des Bodens mit Nährstoffen.

Kalkdüngung

Durch Kalkdüngung können die negativen Folgen eines zu niedrigen pH-Wertes reduziert werden.

Kalkdünger sind basisch wirksam und beseitigen die Bodensäure.

Es dürfen aber nicht alle Böden mit den gleichen Kalkdüngern versorgt werden. Für leichte Böden

sind nur kohlensaure Kalke geeignet (CaCO 3 ). Sie wirken langsam, dadurch kann es nicht zu Überdüngungen

und Bodenschäden kommen. Von Vorteil ist, dass sie meistens auch noch Magnesium

und weitere Spurenelemente sowie Tonanteile enthalten. Diese Kalkdünger sind auch für schwere

Böden geeignet. Auf diesen Böden ist aber auch der Einsatz von Brannt-, oder Löschkalk (CaO)

möglich. Das sind schnell wirkende Dünger, die sofort den pH-Wert in der Bodenlösung verändern.

Schwere Böden mit einen hohen Tonanteil können diese Änderung abpuffern.

Ist der gemessene pH-Wert optimal für Boden und Anbaukulturen, ist eine Erhaltungskalkung alle

zwei bis vier Jahre notwendig. Ansonsten versauert der Boden z. B. durch sauren Regen, sauer wirkende

Dünger oder Umsetzungsprozesse.

• Leichte Böden Düngung alle 2 Jahre 0,8 kg CaCO 3 je 10 m²

• Mittlere und schwere Böden Düngung alle 3 bis 4 Jahre 1,6 kg CaCO 3 je 10 m²

Gesundkalkung

Wenn der pH-Wert nicht mehr im angestrebten, für Pflanze und Boden optimalen Bereich liegt,

muss aufgekalkt werden. Dann wird anhand von Düngetabellen eine höhere Kalkmenge über mehrere

Jahre verteilt ausgebracht.

Tabelle 5 Kalkmengen zur Gesundkalkung der Böden (angestrebter pH-Wert bei leichtem Boden

5,5, bei mittlerem und schwerem Boden 6,5)

Ermittelter pH-Wert Leichter Boden Mittlerer Boden Schwerer Boden

CaCO kg/10m²

3 CaO kg/10m² CaO kg/10m²

4 1 – 2 2 – 4 4 – 8

4,5 1 2 – 3 4 – 7

5 0,6 1,5 – 2 3 – 5

5,5 1 – 1,5 2,5 – 3

6 0,5 1

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- 73 -

Achtung es gibt Kulturen, die keine frische Kalkung vertragen z. B. Bohne, Erbse, Gurke, Kürbis,

Möhre, Tomate, Petersilie.

4.3. Grundsätze zur Versorgung der Pflanzen mit Stickstoff

Eine fachgerechte Stickstoffdüngung ist ein schwieriges Problem. Vor allem schwere, humusreiche

Böden sind außergewöhnlich hoch mit N versorgt und durch das Düngen mit stickstoffreichen

Mehrnährstoffdüngern oder reichlicher Kompostgabe erhöht sich der Stickstoffgehalt der Böden

noch weiter. Das ist einer bedarfsgerechten und umweltschonenden Ernährung der Pflanzen abträglich.

So wird die Qualität der Pflanzen reduziert (weiche, mastige Pflanzen) - ernährungsphysiologisch

wichtige Inhaltsstoffe wie z. B. Glucosinolate in Kohlgemüsen sind reduziert, der unerwünschte

Nitratgehalt erhöht. Stickstoff wird im Boden aber nicht nur durch die Pflanzenwurzeln

entzogen, sondern ist teilweise wasserlöslich und versickert mit der Beregnung oder dem Niederschlag

ins Grundwasser. Mikroorganismen können den Stickstoff bis in gasförmige Stickstoffformen

bei ungünstigen Bedingungen umsetzen. Deshalb beschreiben N-Bodenuntersuchungen nur

den momentanen Zustand.

Einschätzung des N – Gehaltes der Böden

Eine N-Bodenuntersuchung (Schnelltest) wird im zeitigen Frühjahr durchgeführt und gibt einen

Anhaltspunkt, wie viel pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden ist. Als Anhaltspunkt kann ebenfalls

die Kenntnis des Humusgehaltes dienen. Je höher dieser ist, um so mehr Stickstoff wird im

Laufe des Jahres durch die Mikroorganismen freigesetzt und steht den Pflanzen zur Verfügung.

• bis 1,5% Humus Freisetzung von ca. 40g N/10 m²

• 2 – 4% Humus Freisetzung von ca. 100g N/10m²

• 4 – 8% Humus Freisetzung von ca. 120 bis 360g N/10m²

Höhe der Stickstoffdüngung

Die Höhe der Stickstoffdüngung muss sich an dem Bedarf der jeweiligen Pflanzen und der Nachlieferung

des Stickstoff aus dem Boden orientieren. Dabei ist auch der Stickstoff aus allen zugeführten

nährstoffhaltigen Substanzen (z. B. Erntereste, Mulch, Kompost) mit zu berücksichtigen.

Der Stickstoffbedarf der einzelnen Arten variiert sehr stark und reicht bei Gemüse z. B. von 40g

N/10m² bei Feldsalat (Schwachzehrer) über 120g N/10m² bei Spinat (Mittelzehrer) bis zu 250g

N/10m² bei Blumenkohl oder Kürbis (Starkzehrer). Die Einteilung in Stark- bzw. Schwachzehrer ist

hierbei sehr hilfreich.

Tabelle 6 Einordnung ausgewählter Gemüsearten nach ihrem Stickstoffbedarf

Starkzehrer Mittelzehrer Schwachzehrer

Blumenkohl

Brokkoli

Chicoree

Chinakohl

Grünkohl

Neuseeländer Spinat

Rhabarber

Rosenkohl

Rotkohl

Sellerie

Weißkohl

Wirsingkohl

Zuckermais

Gurke

Kohlrabi

Kohlrübe

Kürbis

Mangold

Möhre

Porree

Rettich

Schnittlauch

Spargel

Spinat

Stangenbohne

Tomate

Zucchini

Buschbohne

Erbse

Feldsalat

Knollenfenchel

Kopfsalat

Petersilie

Radies

Winterendivie

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- 74 -

Beispiel zur Berechnung der Stickstoffdüngermenge bei Gemüse

Ausgangswerte sind:

• Der Bedarf der Pflanze

• Der Stickstoffvorrat des Bodens (entsprechend einer Bodenanalyse)

• Eingearbeitete Ernterückstände oder Gründüngung

Beispiel:

N-Bedarf von Blumenkohl 250 g/10m²

- gemessener N min Vorrat im Boden - 50 g/10m²

- eingearbeitete Ernterückstände von Grünkohl - 45 g/10m²

durch N-Düngung abzudeckender Bedarf 155 g/10m²

Erdbeeren, Obst und Zierpflanzen haben einen geringeren N-Bedarf als starkzehrende Gemüse. Ihr

Bedarf variiert um 50g N/10m². Auf gut mit Humus versorgten Böden, die N speichern und nachliefern

können (hohe Mineralisierungsrate), ist der Bedarf noch geringer. Wünschenswert sind

Obstbäume- und Sträucher, die sich im Gleichgewicht zwischen vegetativem und generativem

Wachstum befinden. Mit ca. zwanzig Liter Kompost pro 10m² Baumscheibe und einer ergänzenden

Stickstoffdüngung mit 30 bis 40g N/10m² sind sie ausreichend versorgt. Bei Mischanbau von Obst

mit z. B. Gemüse muss aber der Bedarf beider Kulturen berücksichtigt werden.

Aufteilung der Düngermengen

Wenn mineralisch gedüngt wird, ist eine Aufteilung der Düngergabe in mehrere Teilgaben notwendig.

Die Düngermenge wird in zwei Gaben zur Saat bzw. Pflanzung und drei Wochen später aufgeteilt.

Bei leichten Böden sind bei Kulturen die länger stehen, drei Gaben wichtig, die dann entsprechend

der Pflanzenentwicklung ausgebracht werden (Start- und Kopfdüngungen). Der späteste

Termin für eine Stickstoffdüngung ist aber der August, damit die Pflanzen den Dünger noch verwenden

können.

Stickstoffdüngerformen

Wenn die Böden reichlich mit P und K versorgt sind, kann die N-Düngung nur mit reinen Stickstoffdüngern

erfolgen. Durch Mehrnährstoffdünger wie z. B. Blaukorn würden wiederum P und K in

den Boden gelangen. Mineralische N-Dünger werden in unterschiedlichen Formen angeboten, die

sich in ihrer Schnelligkeit der Wirkung und ihrer Wirkung auf den pH-Wert des Bodens unterscheiden.

Die Pflanzen nehmen vorrangig Nitrat-N auf . Die anderen Formen werden im Boden durch

Mikroorganismen über verschiedene Stufen in Nitrat umgewandelt.

Mineralische Stickstoffdünger sind:

• Nitrathaltige Dünger wie z. B. Kalksalpeter (100 g enthalten 16 g Nitrat-N (NO 3 -N)), sie

sind wasserlöslich, sofort pflanzenverfügbar (Kopfdünger) und wirken neutral auf den Boden.

• Ammoniumhaltige Dünger wie Ammonsulfat (100 g enthalten 21 g Ammonium-N (NH 4 -

N)), muss von Mikroorganismen umgesetzt werden und wirkt deshalb langsam (Startdünger)

und versauernd auf den Boden.

• Nitrat- und Ammoniumhaltige Dünger wie Kalkammonsalpeter ( 100 g enthalten 27 g N,

davon 13,5 g Nitrat-N (NO 3 -N) und 13,5 g Ammonium-N (NH 4 -N)), sie wirken schnell und

nachhaltig und nur leicht den Boden versauernd.

• Amiddünger wie Harnstoff (100 g enthalten 46 g N) und Kalkstickstoff (100 g enthalten 20

g N). Sie müssen beide im Boden von Mikroorganismen zu Nitrat umgebaut werden und

wirken deshalb bei kühlen Temperaturen und Trockenheit recht langsam. Harnstoff ist sehr

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- 75 -

hoch konzentriert, wasserlöslich und kann verdünnt auch als Blattdünger verwendet werden.

Kalkstickstoff ist gleichzeitig ein Bodendünger, denn er wirkt basisch und tötet in der

Umsetzungsphase keimende Unkrautsamen sowie Pilzsporen ab. Deshalb sollte er ca. 14

Tage vor der Pflanzung ausgebracht werden.

Die Aufteilung der Düngergaben kann reduziert werden, wenn stickstoffstabilisierte N-Dünger verwendet

werden. Diese Dünger enthalten Stabilisatoren, die die Umwandlung von Ammoniumstickstoff

in Nitratstickstoff durch die Bodenmikroorganismen bis zu 10 Wochen verzögern

können und damit langsamer pflanzenverfügbares N freisetzen.

Organische N-Dünger

Organische Handelsdünger und organische Abfälle enthalten ebenfalls Stickstoff und sind eine

gute Stickstoffquelle. Die Stickstoffgehalte schwanken aber in weiten Grenzen. So enthalten organische

Handelsdünger wie Hornmehl, Hornspäne ca. 14% N, Rizinusschrot ca. 5% N. Die Umsetzung

dieser Dünger muss ebenfalls durch Mikroorganismen erfolgen. Sie sind deshalb langsam

fließende Stickstoffquellen. Auf stickstoffarmen Sandböden kann es deshalb im Frühjahr zu Stickstoffmangel

kommen.

Eine weitere Stickstoffquelle sind Ernterückstände, Gründüngung und Kompost. Damit ihre Wirkung

optimal für Pflanze und Umwelt genutzt wird, ist der Einarbeitungstermin entscheidend.

Einarbeiten von organischem Material

Um zu verhindern, dass zum Herbst und Winter N in das Grundwasser ausgewaschen wird, sollte

jede freie Fläche mit Gründüngern bestellt werden. So können die N-Reste im Boden in die Pflanzen

eingebaut und damit konserviert werden.

Das Einarbeiten von Ernterückständen oder Gründüngung bzw. das Ausbringen von Stallmist und

Kompost ist immer günstig im Frühjahr. Es darf niemals im Herbst ohne nachfolgenden Anbau

von Pflanzen bei Bodentemperaturen >8°C erfolgen. Auch im November/Dezember sind die Mikroorganismen

bei Temperaturen >8°C noch aktiv und setzen das Pflanzenmaterial um. Der Stickstoff

gelangt dann mit den Winterniederschlägen ins Grundwasser. Das zeigt sehr deutlich die Abbildung

4. Anfang Oktober in den Boden eingearbeitete Ernterückstände wurden bis Mitte November

noch aufgeschlossen und der Stickstoff wurde freigesetzt, so dass er ausgewaschen werden

kann.

Abb. 4 Zeitlicher Verlauf der Stickstoffmobilisierung durch Mikroorganismen im Boden nach dem

Eingraben von Blumenkohlblättern mit ca. 180g N/10m 2

bzw. Stroh (25g N/10m²) im Vergleich zu

einer Kontrolle (Großbeeren, unveröffentlicht)

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g Stickstoff /10m²

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

Schlussfolgerungen

- 76 -

7. 10. 15. 10. 27. 10. 10. 11. 24. 11.

Kontrolle Einarbeiten von Blumenkohlblättern 180 g N/10m² Einarbeiten von Stroh 25 gN/10m²

Sowohl aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchungen als auch aus der komplexen

Problematik Düngung im Zusammenhang mit dem Umweltschutz lässt sich ableiten, dass auch

für Kleingärten schneller Handlungsbedarf besteht. Ziel müsste es sein, Bewirtschaftungsstrategien

für die Düngung zu erarbeiten. Sie sollten sich an der Düngeverordnung orientieren und über z. B.

Schulungen die Kleingärtner zu einem umweltgerechten Düngemitteleinsatz befähigen. Damit

kann ein erheblicher Beitrag zum Natur- und Umweltschutz geleistet werden.

Die Kleingärtner sollten sich folgende Kenntnisse vertiefend aneignen:

• Befähigung zur Abschätzung des Düngerbedarfes der Pflanzen und Einschätzung der vorhandenen

Düngermenge im Boden (Anwendung einfacher Testmethoden)

• Festlegung der optimalen Zeitpunkte für eine Düngung (letzte Termine im Herbst auch für

organische Dünger zur Verhinderung der Auswaschung ins Grundwasser, Winterhärte)

• Einhalten von Obergrenzen für die Ausbringung von mineralischen und organischen N-

Düngern (siehe Grundsätze der Düngeverordnung, 170g N/10m²)

• Aufteilung der Düngergaben nach dem Entwicklungszustand der Pflanzen

• Sachgerechte Ausbringung der Dünger (z. B. Einarbeiten von Mineraldüngern, Eingrubbern

und nicht tiefes Eingraben von Kompost) zur Verminderung der Luftbelastung und düngungsbedingten

Grundwasserbelastung

• Anstreben einer ganzjährigen Pflanzendecke zur Speicherung der Nährstoffe in den Pflanzen

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Verwendete und weiterführende Literatur:

- 77 -

Verordnung über die Grundsätze der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung)

vom 26. Januar 1996 (BGB I S.2134) mit Änderungen vom 14. Februar 2003 (BGB I S.235).

M. Jauch, L. Nätscher, 2005. Gartenböden auch mit Stickstoff überversorgt? Infodienst Weihenstephan-Archiv,

Forschung aktuell. Januar 2005.

K. Jetzik und W. Bauer, 2001. Düngung und Nährstoffversorgung von Hausgärten. Gartenbauwissenschaft

66, 207-210.

M. Jauch, L. Nätscher, H. Konnemann, E. Meinken, 2005. Humus- und Stickstoffgehalte in Gartenböden.

Lufa-Tagung September 2005.

C. Dornbusch,U. Lindner, 2002. Bodenpflege, Düngung, Kompostierung. aid infodienst Verbraucherschutz,

Ernährung, Landwirtschaft, Bonn.

A. Finck, 1991. Düngung ertragssteigernd, qualitätsverbessernd, umweltgerecht. Ulmerverlag,

Stuttgart.

Integrierter Gemüsebau im Land Brandenburg, Hinweise und Empfehlungen zur Einführung und

Kontrolle , 1996. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

A. Finck, 1988. Mineraldüngung gezielt. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft,

Bonn.

Fritz D., Stolz, W., Venter, F., Weichmann, J., Wonneberger, Ch. 1989. Handbuch des Erwerbsgärtners

Gemüsebau. Ulmerverlag Stuttgart.

Düngung im Obstbau. Compo Haus und Garten, www.compo-profi.de/kulturen/obstbau.

Bertschinger, L., Gysi Ch., Häseli, A. Neuweiler, R., Pfammatter, W., Ryser, J.-P., Schmid, A., Weibel,

F. Grundlagen für die Düngung der Obstkulturen. Eidgenössische Forschungsanstalt für Obst-,

Wein- und Gartenbau, Flugschrift 15.

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- 79 -

Berichte aus den Arbeitsgruppen zu den Themen:

AG I „Vereinsaktivitäten zur praktischen Umsetzung

neuer Regelungen“

AG II „Alternative Düngevarianten (-methoden)“

AG III „Bodenbelastungen vermeiden – eine

Maßnahmenliste“

AG IV „Chemieersatz im Kleingarten – aber wie?“

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Arbeitsgruppe I

- 80 -

Leiter der Arbeitsgruppe: Helmut Vetter

Landesverband Braunschweig der Kleingärtner e.V.

Vereinsaktivitäten zur praktischen Umsetzung neuer Regelungen

Die Verantwortlichen der Bezirks-, Stadt- oder Kreisverbände bzw. der Vereine müssen bemüht

sein, Neuerungen in geeigneter Form bis hin zum letzten Gartenfreund zu transferieren. Bei den

Themen, die die Gartenbewirtschaftung betreffen, ist in der Regel der Fachberater, der dem Vorstand

angehören sollte, verantwortlich.

Aktuelle Informationen werden auch in den Seminaren des BDG vermittelt.

1. Was gibt es Neues?

Novellierung von Gesetzen, neue oder geänderte Verordnungen und Satzungen.

Im Bereich Naturschutz, Umweltschutz, Bodenschutz, Pflanzenschutz, Bienenschutz, Baumschutz,

bei der Düngung usw.

2. Wer vermittelt Wissen?

• Kompetente Gartenfreunde, Vorstandsmitglieder z.B. der Fachberater

• Fremdreferenten aus der Industrie oder von Lehranstalten

• Die Auswahl der Referenten sollte dem Niveau der zu erwartenden Besuchergruppe angepasst

sein

3. Welche Möglichkeiten zur Weitervermittlung gibt es?

Bekanntmachungen über:

• Presse/Tageszeitung

• Internet

• Aushänge (Aushänge allein reichen oftmals nicht aus, das direkte Ansprechen des Gartenfreundes

ist wirksamer)

• Verbandsorgane

• Umlaufexemplar z.B. Info-Blätter, Handzettel, Faltblätter, Zeitschriften wie „DER FACHBE-

RATER“, „Gartenfreund“ oder andere Gartenzeitschriften

4. Örtlichkeiten für Informationsveranstaltungen

• In geeigneten Schulungsräumen der Bezirks-, Stadt- oder Kreisverbände bzw. der Vereine

• Nutzung der Schulungsräume von Landesämtern oder Lehranstalten der Länder

5. Form der Wissensvermittlung: Wie kann ich Informationen verständlich anbieten?

• Die Überschrift zum Thema sollte die angesprochenen Gartenfreunde neugierig machen

• Bei den Veranstaltungen für alle Gartenfreunde sollte der Begriff Schulung durch Informationsveranstaltung

ersetzt werden (Schule steht für pauken und büffeln)

• Neue Techniken einsetzen (Beamer)

5.1. Vereinsfachberaterausbildung modern gestalten

• Grundlehrgang

• Aufbaulehrgang

• Wertermittlungslehrgang

• Wochen- oder Wochenendseminare

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- 81 -

5.2. Informationsveranstaltungen

• Regelmäßige Vorstandsschulungen durchführen

• Abendvorträge (auch für Berufstätige geeignet)

• Kurzvorträge z.B. während einer Mitgliederversammlung

• Gartenbegehungen in abwechslungsreicher Form zur praktischen Wissensvermittlung anbieten

• Persönliches Fachgespräch über den Gartenzaun

• Bei Informationsveranstaltungen sich nach Außen öffnen (Interessante Themen auch für

die Öffentlichkeit anbieten)

6. Lehrgärten zur Wissensvermittlung

Einrichtung von Lehrgärten nicht nur im Landesverband, sondern auch auf Bezirksebene, im Stadt-

oder Kreisverband bzw. im Verein einrichten. Aus leer stehenden Gärten Lehrgärten machen.

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Arbeitsgruppe II

- 82 -

Leiter der Arbeitsgruppe: Detlef Murken

Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V.

Alternative Düngevarianten (-methoden)

Neben der den Gartenfreunden bekannten mineralischen und organischen Düngung

wurden zu Beginn der Gruppenarbeit Ziele für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung diskutiert.

Für die Kleingärtner hat demnach nicht die Maximierung des Ertrags, also die „Ausbeutung des

Gartenbodens“ Priorität, sondern ein der Natur und Umwelt gerecht werdender Umgang mit der

Ressource „Boden“.

Auch dem -weil so billig- vielfach so bequemen und sorglosen Umgang mit saisonal angebotenen

Universaldüngern bekannter Supermarktketten muss begegnet werden.

Das Motto „Viel ist gut“ sollte demnach möglichst bald der Vergangenheit angehören.

Wenn auch einige „alte Gartenfreunde“ nach dem Motto, das haben wir immer so gemacht, weiter

wirtschaften werden wie bisher. Es muss möglich sein, dem neuen Gartenfreund von Beginn seiner

Tätigkeit an mit der Fachberatung bei der Bewirtschaftung zu helfen, um nachteilige Einwirkungen

auf den Boden und das Grundwasser zu vermeiden.

Ziel ist es nicht nur, dem Vorwurf der Öffentlichkeit, Kleingärtner seien „Brunnenvergifter“ und

haben grundsätzlich überversorgte Böden, die Grundlage zu entziehen, sondern auch durch Vermeidung

unnützer Käufe den Geldbeutel zu schonen.

Was wollen wir erreichen?

Um einen Blindflug -von Beginn einer kleingärtnerischen Tätigkeit an- zu vermeiden, ist deshalb die

zentrale Frage zu beantworten, „Was ist vorhanden!“ und was benötigen meine Pflanzen. Diesem

voraus schauenden Handeln liegt die Kenntnis zugrunde, wo der Gartenfreund was anbauen

möchte (Stark- bis Schwachzehrer).

Das Prinzip unseres Handelns soll sein:

• Gebe der Pflanze nur was sie benötigt, mehr nicht!

Auch hiermit erreichen wir unsere Ziele wie:

• optimaler Ertrag

• optimales Wachstum

Nebenbei handeln wir umweltbewusst, schädigen die Artenvielfalt nicht und sind uns der positiven

Anerkennung von außen gewiss.

Empfehlenswert wäre bei Neuverpachtung eine Bodenanalyse durchzuführen, um den Zustand des

Bodens bestimmen zu können.

Unbeschadet dessen wird eine turnusgemäße Bodenanalyse (mit Spurenelementen und Düngeempfehlung)

für alle Gartenfreunde empfohlen.

Erst hiernach kann eine qualifizierte Beratung/Empfehlung nach dem Grundsatz,

• weniger ist mehr!

erfolgen.

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- 83 -

Durch die Fachberatung sollte erreicht werden, dass eine bedarfsgerechte Düngung durch Verwendung

von Ein-Nährstoffdüngern und Kompost gesichert wird.

Insbesondere sollten folgende Punkte Berücksichtigung finden:

• Bodenanalyse im Frühjahr (nur deren Ergebnis soll unser Handeln bestimmen)

• Anlage von Mistkompost

• Erosions- bzw. Auswaschungsverhinderung (Gründüngung und Mulchung)

• Selektive Nach- und Erhaltungsdüngung mit Einzeldüngern zum richtigen Zeitpunkt!

• Verwendung von Bodenhilfsstoffen/Spurenelementen

• Verwendung von Jauchen (Schachtelhalm, Brennnessel,…)

• Beratung zum Bau einer Mehrkammerkompostanlage

• Bodenbearbeitung zur besseren Durchlüftung und Lockerung bei Beibehaltung der Bodenschichtung

(Hacken, Sauzahn, Kralle, Kultivierer …) und Verzicht auf Umgraben

• Gerätevorhaltung z.B. Schredder, Motorhacke, Vertikutierer…

Diese Aufzählung zeigt deutlich, dass ein verantwortungsbewusstes Handeln am Anfang aller Tätigkeiten

die Bodenanalyse zur Pflicht macht, denn kein Gartenfreund kann die Bestandteile des

Bodens mit bloßem Auge sehen.

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Arbeitsgruppe III

- 84 -

Leiter der Arbeitsgruppe: Heinrich Striegl

Landesverband Rheinland der Kleingärtner e.V.

Bodenbelastungen vermeiden – eine Maßnahmenliste

Um zu Beginn bereits Missverständnisse auszuschließen, bleibt anzumerken, dass es sich hierbei

um die Vermeidung von Bodenbelastungen handelt. Die bereits durch Abraum oder Ablagerungen

belasteten Böden sind hier nicht angesprochen.

Bei den Teilnehmern der Arbeitsgruppe bestand uneingeschränkte Einigkeit, dass unabdingbare

Voraussetzung für die Vermeidung von Bodenbelastungen die Durchführung einer Bodenuntersuchung

ist. Bei objektiver Betrachtungsweise ist aber eine einmalige Bodenuntersuchung nicht ausreichend,

weil sich auch durch unterschiedliche Einwirkungsmöglichkeiten Veränderungen in der

Qualität des Bodens ergeben können und in der Regel auch ergeben. Aus diesem Grunde sollte die

Bodenuntersuchung mit einer entsprechenden Bodenprobe im Abstand von drei Jahren wiederholt

werden.

Die Vermeidung von Bodenbelastungen oder auch die Behebung von durch nicht korrektes Bewirtschaften

des Bodens bedingt eingetretenen Belastungen kann nur dann erfolgen, wenn eine genaue

Kenntnis der physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften vorhanden ist.

Die Vermeidung einer Bodenbelastung erreicht man dadurch, dass eine gezielte Düngung, die allerdings

auf den jeweiligen Bedarf der Pflanzen und auch auf den passenden Zeitpunkt abgestellt

ist, erfolgt. Bei der Nährstoffversorgung der Pflanzen ist im verstärkten Maße organischer Dünger,

wie z.B. Kompost oder auch Dungmist anzuwenden. Dadurch erhält der Boden mehr Nahrung und

entwickelt eine dem Boden förderliche biologische Eigenaktivität. Eine Verbesserung der Humusstruktur

kann hierdurch erreicht werden, die wiederum eine höhere Bodenfruchtbarkeit zur Folge

hat.

Die Beachtung der Fruchtfolge ist in ihrer Wichtigkeit nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund

wird der Anbau von Mischkulturen empfohlen. Eine Bodenabdeckung aus Stroh schützt den Boden

vor starken Temperaturschwankungen und Verschlämmungen.

Eine chemische Unkrautbekämpfung sollte das absolute Tabu sein. In besonders begründeten

Ausnahmefällen, kann der Einsatz von Chemikalien zur Unkrautbekämpfung unerlässlich sein. In

diesen, wohlgemerkt, absoluten Ausnahmefällen dürfen nur aktuelle für den Kleingarten zugelassene

Mittel und Materialien verwendet werden. Die Angaben und Anweisungen der Hersteller sind

unabdingbar zu beachten.

Eine weitere Voraussetzung, Bodenbelastungen zu vermeiden, liegt in der kontrollierten Zuführung

von Erden, Kompost oder sonstigen Substraten. Hierzu zählen zweifelsfrei auch eine kontrollierte

Kompostierung und die damit verbundene Anwendung im Kleingarten. Nicht kontrollierte Zuführungen

zum Boden oder wahllose Kompostierung sind Voraussetzungen dafür, dass der Boden

Belastungen unterliegt.

Nach eingehender Diskussion kam die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, die nachstehend aufgeführten

Maßnahmen als direkten Bodenschutz zu klassifizieren:

- Die Schaffung einer günstigen Bodenstruktur, indem man den idealen pH-Wert des Bodens

anstrebt und auch versucht ihn zu halten

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 181


- Die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Bewässerung, (Nutzung des Regenwassers)

- 85 -

- Das rechtzeitige Ausbringen einer gezielten Düngung

- Die Beschränkung beim Einsatz von Mineraldüngern

- Die Zuführung ausreichender organischer Substanzen für das Bodenleben

Um weitestgehend sicherzustellen, dass eine Austrocknung des Bodens verhindert wird, sollten

Brachzeiten, d.h. nicht durch Pflanzen genutzte Bodenflächen, vermieden werden. Hier empfiehlt

sich eine Gründüngung.

Bei zu nassem Boden soll eine Bodenbearbeitung nach Möglichkeit unterbleiben.

Zur Vermeidung der Störung der Bodenstruktur sollte das jährliche Umgraben möglichst vermieden

werden, denn hierdurch wird das Bodenleben vielfach zerstört. Statt des Umgrabens hat sich

das Lockern und Krümeln des Bodens als strukturschonend erwiesen.

Falls sich der eine oder andere Kleingärtner mit der Umsetzung der vorstehend beschriebenen Verhaltensweisen

zur Schonung des Bodens und damit zur Vermeidung einer auftretenden Bodenbelastung

überfordert fühlt, besteht die Möglichkeit, sich jederzeit an den Fachberater eines Vereins

zu wenden, um dort situationsbezogene, aktuelle Hilfe und Unterstützung zu erhalten.

„Fragen kostet nichts“, so lautet ein bekannter Spruch. Und sich zu schade zu sein, um etwas dazu

zu lernen, dürfte ebenfalls der Weg in die verkehrte Richtung sein.

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Arbeitsgruppe IV

- 86 -

Leiter der Arbeitsgruppe: Friedhelm Groell

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

Chemieersatz im Kleingarten – aber wie?

Als erstes stellte sich die Frage, warum diese Forderung so stark ist, die Chemie zu ersetzen. (Mit

„Chemie“ ist hier immer die synthetische Chemie gemeint.) Der Einsatz von Chemie ist negativ

besetzt, obwohl die Entwicklungen für die Landwirtschaft erforderlich waren, um den Nahrungsbedarf

der wachsenden Bevölkerung zu decken. Erinnert sei hier nur an Justus Liebig mit seinen Erkenntnissen,

Analysen und Entwicklungen. Eher ist es der überzogene Einsatz nach dem Motto

„Viel hilft viel“ und der Fortschrittsglaube „Alles ist machbar“, der die Nutzung chemischer Mittel

in Verruf gebracht hat. Auch die Langzeitwirkungen wurden wenig überdacht und diese nicht vorab

geprüft.

Negativ bewertet wird auch die ungeprüfte Übernahme des Chemieeinsatzes in den Kleingartenbereich,

der bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung richtig sein kann. Dies ist aber für den

Kleingarten mit seinen kleinen und verschieden genutzten Flächen nicht angebracht, zumal im

Kleingarten ganz andere Ziele im Vordergrund stehen als im Erwerbsanbau.

Es bleibt uneingeschränkt im Kleingarten nur sinnvoll, die vielen Möglichkeiten beim integrierten

Anbau und Pflanzenschutz zusammen mit der guten gärtnerischen Praxis zu verwirklichen. Über

diese beiden Themen sind genügend Vorträge gehalten worden. Erinnert sei an den gestern gehaltenen

Vortrag von Frau Holz. Und genügend Literatur zu diesem Themenkomplex ist auch vorhanden.

Deshalb gibt es hier keine weiteren Erläuterungen dazu.

Dabei sollte nicht vergessen werden:

Im Kleingarten ist es nicht sinnvoll und möglich, jede Art Pflanzen an jedem Ort zu jeder Zeit anzubauen.

Nur ausnahmsweise bleibt es, chemische Mittel einzusetzen. Das ist aber nicht überall

durchführbar und nur bei bestimmten Kulturen angebracht. Außerdem werden die zugelassenen

Mittel für den Haus- und Kleingartenbereich immer weniger.

Welche Möglichkeiten bleiben, den integrierten Anbau und die gute gärtnerische Praxis umzusetzen

und zu verbreiten? Einmal gilt es, die Vorbildfunktion einzelner Gärten auszunutzen, die nach

diesen Punkten gepflegt werden. Dies ist jedoch nur langfristig wirksam. Ein guter Einstieg ist es,

eine Partnerschaft durch den Fachberater oder gut geschulte KleingärtnerInnen zu übernehmen.

Besonders guten Erfolg verspricht, wenn diese Partnerschaft gleich mit der Neupacht einer Parzelle

beginnt. Dabei kann am ehesten noch Einfluss auf die richtige Auswahl und Standorte der Pflanzen

genommen werden. Aber auch andere aufgeschlossene KleingärtnerInnen lassen sich bestimmt

gerne durch einen Berater begleiten, um ihren Garten nach diesen Vorgaben zu pflegen oder sogar

umzugestalten. Warum den integrierten Anbau und Pflanzenschutz nicht auch festschreiben und

ein Bestandteil der Vereinssatzung werden lassen?

Ebenfalls sind – sofern vorhanden – die Mustergärten der Bezirks- und Landesverbände eindeutig

nach diesem System einzurichten und zu führen.

Wünschenswert ist auch eine Reihe von Versuchen im größeren Rahmen. Wichtig wäre deshalb

eine umfassende Unterstützung durch die Landesverbände und den Bundesverband, um deutlichere

Ergebnisse zu erhalten und größere Gebiete einbeziehen zu können. Versuche in einzelnen

Kleingärten sind teilweise sehr erfolgversprechend gewesen, die Ergebnisse sind jedoch oft subjektiv.

Es sollte unbedingt mit den entsprechenden Instituten der Bundesländer zusammengearbeitet

werden. Dabei sollten deren eventuell schon durchgeführte Prüfungen von Anbaumethoden, natürlicher

Schädlingsbekämpfung, Boden- und Pflanzenhilfsstoffen berücksichtigt werden. Vielleicht

lassen sich damit auch neue Versuchsreihen der Institute anregen. Somit bleibt noch diese überwiegend

natürliche Kleingartennutzung den KleingärtnerInnen zu vermitteln und schmackhaft zu

machen. Dafür sind durchaus noch weitere Ideen gefragt.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 181


Leitthemen der Schriftenreihe

137 1999 Dresden (Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138 1999 Rostock Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139 1999 Würzburg Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140 1999 Braunschweig Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer Bewirtschaftung

141 1999 Hildesheim Biotope im Kleingartenbereich

- ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142 1999 Freiburg Zukunft Kleingarten

143 2000 Mönchengladbach Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144 2000 Oldenburg Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten

von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145 2000 Dresden Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146 2000 Erfurt Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147 2000 Halle Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148 2000 Kaiserslautern Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149 2000 Erfurt Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150 2001 Rüsselsheim Vereinsrecht

151 2001 Berlin Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152 2001 Mönchengladbach Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153 2001 St. Martin Das Element Wasser im Kleingarten

154 2001 Gelsenkirchen Frauen im Ehrenamt - Spagat zwischen Familie, Beruf und Freizeit

155 2001 Erfurt Verbandsmanagement

156 2001 Leipzig Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen - Gesetzliche

Privilegien und Verpflichtungen

157 2002 Bad Mergentheim Kleingartenpachtverhältnisse

158 2002 Oldenburg Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die Umwelt

159 2002 Wismar „Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit – was ich wie sagen

kann“

160 2002 Halle Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161 2002 Wismar Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162 2002 Berlin Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages

163 2003 Dessau Finanzen

164 2003 Rostock Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des

Kleingartenwesens

165 2003 Hamburg Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

166 2003 Rostock Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

167 2003 Limburgerhof Die Wertermittlung

168 2003 Bad Mergentheim Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche Auswirkungen

auf das Kleingartenwesen

169 2004 Braunschweig Kleingärtnerische Nutzung (Rechtsseminar)

170 2004 Kassel Öffentlichkeitsarbeit

171 2004 Fulda Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

172 2004 Braunschweig Mein grünes Haus

173 2004 Dresden Kleingärtnerische Nutzung durch Obstbau

174 2004 Magdeburg Recht aktuell

175 2004 Würzburg Der Kleingarten als Gesundbrunnen für Jung und Alt

176 2004 Münster Vom Aussielder zum Fachberater – Integration im Schrebergarten

177 2005 Kassel Haftungsrecht

178 2005 München Ehrenamt – Gender Mainstreaming im Kleingarten

179 2005 Mannheim Mit Erfolg Gemüseanbau im Kleingarten praktizieren

180 2005 München Naturgerechter Anbau von Obst

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