172 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

kleingartenbund

172 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

172

Mein grünes Haus


Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin

( BDG )

Heft / 2004

26. Jahrgang

Tagung: vom 27. bis 29. August 2004 in Braunschweig

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon 030/ 30 207 140/141

Telefax 030/ 30 207 139

Präsident: Ingo Kleist

Seminarleiter: Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung: Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch

auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde erfolgen.

Auflage: 1.000

ISSN 0936-6083


Bundesministerium

für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit

Dieses Projekt wurde finanziell vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt

gefördert.

Der Förderer übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie

für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht

mit denen des Förderers übereinstimmen.

INHALTSVERZEICHNIS SEITE

Vorwort 5

Dr. sc. Achim F r i e d r i c h

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Gender Mainstreaming – was ist das? 7

Gabriele Z a s p e l

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Referat Z II 1 - Gesellschaftspolitische Grundsatzfragen

Berlin

Biologische Anbaumethoden im Kleingarten 21

Wolfram F r a n k e

Chefredakteur „kraut&rüben“

München

Wasser im Garten 37

Dipl.-Ing. Herenia W e s c h e

Landschaftsarchitektin

Fulda

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


Ganzjährig grün ohne Koniferen 55

Peter D i e t z e

Diplomgärtner

Braunschweig

(Für die Grüne Schriftenreihe bearbeitet und ergänzt durch Thomas Wagner,

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.)

Grüne Dächer 77

Dipl.-Gartenbauingenieur Klaus S c h i e f l e r

Mittelhausen

Frauenarbeit im Landesverband Baden-Württemberg 89

Sieglinde S c h ä f e r

Landesfrauenleiterin

Tamm

Berichte aus den Arbeitsgruppen zu den Themen: 99

AG I a/b „Wie können wir den Anteil der Frauen in der Verbandsarbeit

erhöhen?“

Leiterin der Arbeitsgruppe I a: Sieglinde S c h ä f e r

Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg e.V.

Leiterin der Arbeitsgruppe I b: Karin H e g e l

Landesverband Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V.

AG II „Möglichkeiten/Notwendigkeiten zur qualifizierten Fachberatung“

Leiterin der Arbeitsgruppe II: Reingard K i r k h o u s e

Landesverband Rheinland der Kleingärtner e.V.

AG III „Umwelterziehung/Naturpädagogik – Sache der Kleingärtnerinnen?“

Leiterin der Arbeitsgruppe III: Franziska S t e l l m a c h

Landesverband Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


Vorwort

- 5 -

Frauen sind in der Verbandsarbeit unterrepräsentiert, obwohl sie mindestens 50% der Menschen

ausmachen, welche dem Kleingartenhobby nachgehen. Damit bleibt ein ungeheures Potenzial für

die Arbeit der Vereine und Verbände ungenutzt.

In Anbetracht dieses Sachverhaltes führte der Bundesverband ein spezielles Frauenseminar durch,

um diesen unbefriedigten Zustand entgegen zu wirken. Dieses fand vom 27.-29. August unter der

Thematik „Mein grünes Haus“ in Braunschweig statt. Zu den im Programm ausgewiesenen Themen

diskutierten insgesamt 45 Kleingärtnerinnen aus den Kleingärtnerorganisationen der Bundesrepublik.

Gesellschaftliches Anliegen und Fachberatung wurden, dem Thema des Seminars entsprechend,

inhaltlich miteinander verbunden. Der Grundgedanke: „Mein Grünes Haus“ ist nicht

allein die eigene Gartenlaube, sondern im übertragenem Sinne auch der Verein, der Verband.

Einleitend erläuterte Gabriele Zaspel, (Bundesumweltministerium), Inhalt, Aufgaben und Zielstellung

der für die Teilnehmerinnen neuen Begrifflichkeit “Gender Mainstreaming“, die letztlich als

weltweite Zielstellung die Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Gebieten des gesellschaftlichen

Lebens beinhaltet. Ausgehend von Weltfrauenkonferenzen der UNO haben EU und

letztlich auch die Bundesrepublik entsprechende Programme entwickelt. Beratungsstellen in den

Ländern würden entsprechende Unterstützung gewähren.

Zu den Möglichkeiten biologischen Gärtnerns referierte Wolfram Franke, München. Es komme

dabei darauf an, so die Ausgangsthese, die Bodenlebewesen zu ernähren und nicht die Pflanzen.

Als unabdingbare Notwendigkeit dafür sei die Humusversorgung des Bodens zu sichern. Die Darstellung

der vielfältigen Möglichkeiten der Mischkultur und deren Vorzüge ergänzten die Ausführungen.

Aber auch alte Sorten seien mit ihren spezifischen Eigenschaften eine Bereicherung eines

jeden Gartens. Permakultur, Feng Shui, Berücksichtigung von Mondphasen beim Anbau von Gemüse

als Bestandteile verschiedener biologischer Anbaumethoden ergänzten Spektrum und Empfehlungen

zum Thema.

Der Gartenteich mit seinen manigfaltigen Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten stand im Mittelpunkt

der Ausführungen von Herenia Wesche, Fulda. Wasser sei ein universelles Gestaltungselement

und nahezu unverzichtbar. Hinweise zur Anlage, Form und Bepflanzung von Gartenteichen

rundeten das Bild ab.

Sofern Koniferen im Garten dominieren würden sie Monotonie verbreiten, meinte Peter Dietze,

Braunschweig. Viel lebendiger über alle Jahreszeiten sei ein Garten, wenn auf diese verzichtet und

die Vielfalt der immergrünen Laubgehölze und auch Stauden genutzt wird. Nur diese seien geeignet

– belegt mit exzellenten Fotos - durch die unendliche Palette von Wuchsform, Blühzeiten, Farbe

des Holzes, der Blüten, der Blätter, der Früchte sowie deren unterschiedlichen Formen die erwünschte

Lebendigkeit in einen Garten bringen.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Dachbegrünung als Ausgleichmaßnahme für den beängstigenden

Flächenschwund durch Versiegelungsmaßnahmen aller Art stellte Klaus Schiefler, Mittelhausen,

dar. In Abhängigkeit von der statischen Substanz der jeweiligen Baulichkeit könne zwischen

extensiven bis zu intensiven Formen der Dachbegrünung gewählt werden. Die Kenntnis der statischen

Belastbarkeit der Baulichkeit sei Grundvoraussetzung bei allen derartigen Maßnahmen. Für

Gartenlauben allerdings könnten in der Regel lediglich extensive Formen gewählt werden.

Über die Frauenarbeit im Landesverband Baden-Württemberg berichtete Sieglinde Schäfer, Tamm.

Ihre Ausführungen zu Organisation, Inhalten und Ergebnissen vermittelten den Seminarteilnehmerinnen

wertvolle Anregungen. Kernpunkt der Aussage: Frauenarbeit sei nicht allein das “gemeinsame

Kaffeetrinken“, sondern das Mitwirken in allen Vereins- und Verbandsangelegenheiten und

auch die Übernahme von Funktionen durch Frauen auf allen Ebenen.

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- 6 -

In Workshops erarbeitete Situationsbeschreibungen und Problemanalysen zu Kernthemen des Seminars

sowie geeignete Lösungsvorschläge rundeten die Veranstaltung ab.

Die mitunter recht widersprüchlich geführte Diskussion lässt sich wie folgt zusammenfassen:

1. Ein reines Frauenseminar ist kaum geeignet, zu geeigneten Lösungen zu finden. Das Problem

bedarf unumgänglich der Diskussion unter Mitwirkung der Männer.

2. Derartige Veranstaltungen sind auch auf der Ebene der Landes-, Bezirks-, Kreis- und Regionalverbände

erforderlich, um die Basis in den Vereinen zu erreichen.

3. Um den Frauen umfangreichere Möglichkeiten einer aktiven Verbandsarbeit zu erschließen,

sind dem gerecht werdende vereinsrechtliche Voraussetzungen bezüglich der Vereinsmitgliedschaft

zu schaffen.

Der Besuch der Landesgartenausstellung Niedersachsens in Wolfsburg vermittelte viele praktische

Anregungen zur Gestaltung des “Grünen Hauses“, dem Leitthema des Seminars.

Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

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- 7 -

Gender Mainstreaming – was ist das?

Gabriele Z a s p e l

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Referat Z II 1 - Gesellschaftspolitische Grundsatzfragen

Berlin

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


Gender Mainstreaming - was ist das?

- 8 -

Zunächst möchte ich Ihnen sehr herzlich dafür danken, dass Sie mir die Gelegenheit geben, Ihnen

den Prozess von Gender Mainstreaming vorstellen zu dürfen.

Ihr Interesse freut mich persönlich, denn es hilft mir vor allem ganz konkret in meiner täglichen

Arbeit. Ich kann so reflektieren, wie Gender Mainstreaming gesehen und angenommen wird und

welche Schritte bis zur vollständigen Implementierung dieses Prozesses in alle Bereiche unseres

gesellschaftlichen Lebens noch zu gehen sind.

Gender Mainstreaming ist - zumindest im deutschsprachigen Raum - ein relativ neues Instrument

zur Realisierung von Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen.

Gender Mainstreaming –

was ist das ?

27.08.2004 Gabriele Zaspel 1

Gender Mainstreaming ist :

eine Strategie,

um durchgängige

Gleichstellungsorientierung

im Verwaltungshandeln zu erzielen

27.08.2004 Gabriele Zaspel 2

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


Was ist Gender ?

Gender

- 9 -

bezeichnet die gesellschaftlich, sozial

und kulturell geprägten

Geschlechtsrollen von Frauen und

Männern.

27.08.2004 Gabriele Zaspel 3

Mainsteaming bedeutet :

eine inhaltliche Vorgabe, die bisher

nicht das Handeln bestimmt hat, nun

zum zentralen Bestandteil bei allen

Entscheidungen und Prozessen zu

machen

27.08.2004 Gabriele Zaspel 4

Gender Mainstreaming ist daher ein Auftrag an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation,

eines Unternehmens sowie gleichzeitig an die dort Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen

und Lebenssituationen von Frauen und Männern

• in der Struktur der Institution

• in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen

• in den Produkten bzw. Ergebnissen

• in der Steuerung oder auch Controlling

• sowie in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

von vornherein und umfassend zu berücksichtigen, um damit das Ziel der Gleichstellung von Frauen

und Männern effektiv verwirklichen zu können.

Die Einbindung von Gender Mainstreaming in die politische Grundsatzarbeit sowie in Entscheidungsprozesse

in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens konnte in den vergangenen 10

Jahren sowohl international als auch national wesentlich entwickelt werden. Dazu folgende Beispiele:

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Internationale Prozesse

- 10 -

1985 3. Weltfrauenkonferenz in Nairobi

1995 4. Weltfrauenkonferenz in Peking

Verankerung von GM in der

verabschiedeten Arbeitsplattform

27.08.2004 Gabriele Zaspel 5

Schritte auf EU-Ebene

1996 EU verpflichtet sich zur umfassenden Einbindung

der Chancengleichheit

1997 Europ. Parlament empfiehlt die Beachtung von

Gender Mainstreaming und Frauenpolitik als

Doppelstrategie

1999 Amsterdamer Vertrag (EG- Vertrag)

rechtlich verbindliche Form für Implementierung

von Gender Mainstreaming

27.08.2004 Gabriele Zaspel 6

Nationale Rechtsgrundlagen

1994 Änderung Artikel 3 Grundgesetz

1999 Beschlussfassung des

Bundeskabinetts über die

Gleichstellung von Frauen und

Männern

2000 Novellierung der Gemeinsamen

Geschäftsordnung der

Bundesregierung (GGO)

27.08.2004 Gabriele Zaspel 7

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


- 11 -

Mit diesen Maßnahmen wurden wichtige Grundlagen geschaffen, die als Ausgangsgrößen für erforderliche

Schritte und Regelungen in den konkreten Bereichen gut und richtig sind. Wie aber im

einzelnen die Umsetzung erfolgt, hängt im wesentlichen von den beteiligten Akteuren ab.

Worin unterscheidet sich nun die gängige Frauenpolitik von Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming und Frauenpolitik

Gemeinsame Zielstellung:

Herstellung der Gleichstellung der

Geschlechter

– aber unterschiedliche Methoden

27.08.2004 Gabriele Zaspel 8

Beide, sowohl Gender Mainstreaming als auch die Frauenpolitik haben zum Ziel, die Gleichstellung

der Geschlechter zu erreichen, aber mit unterschiedlichen Methoden.

Der Unterschied zwischen den beiden Programmen liegt vor allem darin, dass Gender Mainstreaming

an den Ursachen von Diskriminierung und Ungleichbehandlung ansetzt und Strategien entwickelt,

die in der Lage sind, geschlechtsspezifische Ausgangspositionen und Folgen einer Maßnahme

zu bestimmen und hieraus Änderungshinweise zu ermitteln.

Die traditionelle Frauen- oder auch Männerpolitik wird jeweils dann wirksam, wenn eine aktuelle

Form von Benachteiligung oder Diskriminierung auftritt und bemüht sich, ihr entgegenzuwirken.

Was haben sie gemeinsam ?

• Beide dienen der Herstellung der

Gleichstellung der Geschlechter

• Beide streben eine umfassende

Geschlechtergerechtigkeit an

27.08.2004 Gabriele Zaspel 9

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Was unterscheidet sie ?

Frauenpolitik

- Spezielle Organisationseinheiten

z.B. Frauenbeauftragte

und

Personalrat

- Konkrete Maßnahmen

zur Beseitigung

bestehender

Benachteiligungen

- 12 -

Gender Mainstreaming

- Srategie, um

geschlechtsspezifische

Ausgangspositionen und

Folgen von Maßnahmen

zu bestimmen

- Einbindung aller

Beteiligten

- Spezielle Instrumente

zur Vermeidung von

Benachteiligungen

27.08.2004 Gabriele Zaspel 10

Wirkung von Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming

Frauen und Männer können gleichermaßen

durch gleichzeitige, aber unterschiedlich

angelegte Maßnahmen profitieren

Beispiele: -Gesundheitsbereich

-Freizeitbereich wie

Sport oder Mobilität

27.08.2004 Gabriele Zaspel 11

Gender Mainstreaming im BMU

Um Ihnen die bisher vorgestellte Verfahrensweise anschaulicher zu vermitteln, möchte ich Ihnen

anhand eines konkreten Beispieles aus dem Bundesumweltministerium verdeutlichen, wie Gender

Mainstreaming in der Praxis gestaltet werden kann.

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Die Arbeit in der Verwaltung beginnt

- 13 -

24.05.2000 Konstituierung der

Interministeriellen

Arbeitsgruppe

„Gender Mainstreaming“ (IMA)

27.08.2004 Gabriele Zaspel 12

Ein Beispiel aus dem BMU

Der Wunsch :

Federführung hat das BMFSFJ

Methode entwickeln, um die Gender- Relevanz von

Umweltpolitik deutlich zu machen

- das Gender Impact Assessment (GIA)

Anforderungen:

- keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich

- auf alle Themenbereiche anwendbar

27.08.2004 Gabriele Zaspel 13

Die Akteure :

das Projektteam „Gender Mainstreaming“

Mitglieder :

• Alle Abteilungen des BMU

• Personal- und Organisationsreferat

• Umweltbundesamt , Bundesamt für

Naturschutz, Bundesamt für Strahlenschutz

• Gleichstellungsbeauftragte

27.08.2004 Gabriele Zaspel 14

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Die Aufgaben des Projektteams

„Gender Mainstreaming“

• Begleitung des Implementationsprozesses

- 14 -

• Entwicklung eines Gender Impact Assessment (GIA)

• Aufbau von Kommunikationsstrukturen

• Entwicklung eines Fortbildungskonzeptes

• Organisatorische Verankerung

27.08.2004 Gabriele Zaspel 15

Die positiven Effekte des Gender

Mainstreaming für die Umweltpolitik

• Berücksichtigung der unterschiedlichen

Lebenswirklichkeiten von Frauen und

Männern

und dadurch:

• Qualitative Verbesserung der

Arbeitsergebnisse

27.08.2004 Gabriele Zaspel 16

Anwendung des Gender Impact Assessment

(GIA) im BMU:

Anwendungsbeispiele :

• Novellierung des Strahlenschutzgesetzes

• Novellierung des Umweltinformationsgesetzes (UIG)

• Novellierung des Umweltstatistikgesetzes (UStatG)

27.08.2004 Gabriele Zaspel 17

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Strukturelle Massnahmen

Organisatorische Verankerung

wichtig:

Klare Regelung der Zuständigkeiten

- 15 -

Aufbau flexibler Unterstützungsinstrumente

wesentlich:

Gender-Service für MitarbeiterInnen

27.08.2004 Gabriele Zaspel 18

Regelung der Zuständigkeiten

Um die Verantwortung aller für den

GM-Prozess zu fördern :

• Keine Etablierung von Sondereinheiten:

Ghettoisierungsgefahr

• Statt dessen: Mainstream manifestieren

Etablierte Strukturen nutzen

Verantwortung strukturieren

27.08.2004 Gabriele Zaspel 19

Gender Service – was ist das ?

• Informationsangebot im Intranet

• Sensibilisierungsmaßnahmen

• Informations- und Beratungsangebote zur

Anwendung von Arbeitshilfen

• Mailings zu aktuellen Informationen

• Identifizierung von Personen mit Gender

Kenntnissen

27.08.2004 Gabriele Zaspel 20

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Genderkompetenz und Gendertrainig

- 16 -

Der Bedarf an geschlechtersensibler Politikberatung

und Gender-Expertisen steigt

daher

Entwicklung von „Genderkompetenz“ erforderlich,

hierfür z.B.:

- GenderKompetenzZentrum www.GenderKompetenz.info

- genanet www.genanet.de

27.08.2004 Gabriele Zaspel 21

Was haben wir damit im Bundesumweltministerium erreicht?

Wir haben mit der Entwicklung des GIA und den Überprüfungen anhand von zu novellierenden

Gesetzen wichtige Grundlagen geschaffen, um nachzuweisen, dass Gender Mainstreaming in der

Praxis funktioniert und nicht nur eine schöne Theorie darstellt. Wir konnten auch Skeptikern aufzeigen,

dass dieses Instrument in der Lage ist, Ungleichbehandlungen oder sogar Diskriminierungen

aufzuzeigen. Dies ist die erste Voraussetzung dafür, dass Maßnahmen zum Abbau dieser ungesunden

Strukturen entwickelt und durchgeführt werden können - das ist Gender Mainstreaming.

Gender Mainstreaming im Alltag

Was haben meine Ausführungen mit Ihrer Lebenswirklichkeit zu tun?

Bei all dem, was ich Ihnen hier dargelegt habe, geht es letztendlich darum, dass sowohl Frauen als

auch Männer, wenn sie sich ungleich behandelt oder sogar diskriminiert fühlen, selbst dafür Sorge

tragen müssen und können, die so genannte „Geschlechtergerechtigkeit“ soweit als möglich herzustellen.

Aufgrund der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung und Prägung der vergangenen

Epochen ist bis heute die Chancengleichheit für beide Geschlechter nur sehr unzureichend

gegeben.

Sei es die berufliche Entwicklung, das familiäre Umfeld, die gesellschaftliche Betätigung:

Frauen stehen in vielen Fällen heute immer noch hinter den Interessen der Männer zurück

bzw. sie nutzen ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichend.

Dabei sind die Ausgangsbedingungen für die individuelle Entwicklung heute durchaus für beide

Geschlechter annähernd gleichgut.

Mädchen und Jungen haben im Kindergarten oder auch zu Hause die gleichen Förderungen, die

Schulbildung erlaubt ein breites Spektrum an Berufswünschen.

Doch bereits bei der Berufswahl teilen sich die Welten:

obwohl es in Deutschland ca. 400 Ausbildungsberufe gibt, entscheiden sich die meisten Mädchen

gerade einmal zwischen 10 Berufen.

Das sind so traditionelle Berufe wie Arzthelferin, Friseuse, Bürokauffrau, Krankenschwester, Verkäuferin,

Kindergärtnerin usw.: kaum eine Kranführerin, eine Computerspezialistin oder eine Tischlerin

ist dabei.

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- 17 -

Jungen dagegen wählen viel selbstverständlicher unter einer breiten Berufspalette aus.

Auch an den Universitäten erfolgt die Auswahl der Studienfächer geschlechtsspezifisch.

Wenn auch in den vergangene Jahren in vielen Fächern doch zumindest zu Studienbeginn ein einigermaßen

ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu verzeichnen ist, verändert sich spätestens

nach Beendigung des Studiums im Berufsleben dieses Bild wieder zuungunsten der Frauen.

Frauen streben viel weniger verantwortliche Positionen an, übernehmen viel seltener anspruchsvolle

Tätigkeiten, haben viel weniger Ambitionen, Leitungsfunktionen auszuüben.

Warum ist das so?

Mit der Berufswahl sowie der Ausübung eines den Fähigkeiten angemessenen und entsprechenden

Berufes werden die Grundlagen für ein selbstständiges, eigenverantwortliches und unabhängiges

Leben gelegt.

Frauen können mit einem aus beruflichem Erfolg begründeten Selbstbewusstsein und einem dementsprechenden

Einkommen selbst bestimmen, mit welchem Partner sie zusammenleben wollen

oder auch nicht, wie sie ihr Leben gestalten, ob und wie viele Kinder sie haben wollen und ob sie

Erniedrigungen, unwürdige Lebensumstände oder sonstige Probleme ertragen wollen oder nicht.

Bei wirtschaftlicher Selbständigkeit können Frauen selbstbestimmt handeln.

Aber immer noch begreifen Mädchen und Frauen ihre Berufstätigkeit als „Zuverdienst“ und sind

eher bereit, ihren Beruf zugunsten der Familienarbeit einzuschränken, zu unterbrechen oder gar

ganz aufzugeben.

Das hat neben den oben genannten persönlichen Einschränkungen u.a. auch die Folge, dass z.B.

ihre Altersvorsorge oft unzureichend gesichert ist und ihre Einkommensmöglichkeiten beim Scheitern

einer Ehe oder Partnerschaft sehr beschränkt sein können.

Darüber hinaus erhalten diese Frauen auch oft die „Alleinkompetenz“ für den Haushalt, die Kindererziehung,

die Beziehungspflege - ohne dass hierdurch ihr gesellschaftliches Ansehen gesteigert

würde.

Dazu sind sie durch die vielfältige berufliche und familiäre Situation häufig auch so stark belastet,

dass ihnen kaum individuelle Freiräume bleiben.

Für junge Männer stellt sich hingegen häufig erst gar nicht die Frage, ob sie ihre berufliche Entwicklung

zugunsten der privaten bzw. familiären Situation einschränken möchten.

Sicher gibt es heute auch schon junge Männer mit durchaus anderen Lebensmodellen, aber sie

sind bisher noch nicht die Regel und haben bei der Umsetzung ihrer Lebensvorstellungen oft mit

Vorurteilen und auch Diskriminierungen zu kämpfen.

Die Form der Lebensgestaltung führt unweigerlich zu unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungswelten

bei Männern und Frauen, die natürlich Auswirkungen auf alle Bereiche des privaten und

gesellschaftlichen Lebens haben.

Als Beispiel möchte ich die unterschiedliche Mobilität von Frauen und Männern im Alltag anführen:

Öffentliche Verkehrsmittel werden in erster Linie von Frauen genutzt. Frauen gehen auch häufiger

zu Fuß als Männer und sind auch häufiger mit kleinen Kindern unterwegs.

Aufgrund der immer noch vorherrschenden geschlechtsspezifischen Rollenverteilung sind Frauen

vorrangig für die Koordinierung der familiären Aktivitäten - Kind zum Reitunterricht oder Sport,

Arztbesuch, Einkaufen u.a. - zuständig, verfügen aber wesentlich seltener über ein eigenes Auto als

Männer. Der öffentliche Nahverkehr ist also für viele eine wichtige Grundlage für die Organisation

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des Tagesablaufs, gleichzeitig ergaben Untersuchungen, dass Frauen sich häufiger als Männer bei

der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in ihrer Sicherheit gefährdet sehen.

Ein weiteres Beispiel für Wirkungen durch tradierte Rollenstrukturen ist die Bewertung gesundheitlicher

Probleme:

Frauen und Männer haben unterschiedliche gesundheitliche Probleme, zeigen ein unterschiedliches

Körper- und Krankheitsbewusstsein und haben deshalb auch unterschiedliche Anforderungen

an das Gesundheitssystem.

Frauen gehen z.B. eher zum Arzt und nehmen ihre Gesundheit ernster als Männer, die einen Arztbesuch

häufig soweit wie möglich hinausschieben.

Schon bei Mädchen und Jungen fallen Unterschiede im Gesundheitverhalten ins Auge: Jungen äußern

sich kaum über Krankheitssymptome und verdrängen diesbezügliche Ängste gern, sie tendieren

eher zu Extremsportarten und konsumieren unkritisch leistungssteigernde Mittel.

Mädchen sind mehr körperbezogen, haben aber häufig aufgrund der Vorbilder aus den Medien ein

gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und neigen zu gesundheitsschädlichen Diäten.

Wichtige Unterschiede zeigen sich auch im Suchtverhalten: Frauen trinken und rauchen weniger,

sind aber häufiger medikamentenabhängig und zeigen Essstörungen.

In letzter Zeit scheint es aber auf dem Gebiet der gesundheitlichen Wahrnehmung gewisse Annäherungen

zu geben:

Es ist immer häufiger zu beobachten, dass immer mehr junge Frauen rauchen und immer mehr

junge Männer Essstörungen aufweisen. In den Fachkliniken verabschiedet man sich deshalb von

dem Klischee, dass Magersucht eine typische „Mädchenkrankheit“ sei.

Ähnlich verhält es sich mit den typischen „Männerkrankheiten“ wie Herzinfarkt. Bisher haben sich

die Ursachenforschung und die Erprobung von Therapieformen vorwiegend an Männern orientiert.

Der spezifische Krankheitsverlauf bei Frauen mit seinen zum Teil andersartigen Symptomen blieb

lange Zeit unerkannt und hatte zur Folge, dass Herzinfarkte bei Frauen lange Zeit nicht rechtzeitig

erkannt und daher auch nicht richtig behandelt wurden mit der Folge, dass Frauen häufiger an

Herzinfarkten starben als Männer, obwohl diese häufiger daran erkranken.

Ich weiß nicht, ob diese sogenannten „Annäherungen“ als ein Symptom für eine langsame Annäherung

der Geschlechter auch auf anderen Gebieten gedeutet werden kann.

Es lassen sich noch viele Beispiele für geschlechtsspezifische bzw. rollenbezogene Unterschiede im

Alltag von Frauen und Männern aufzählen, wie z.B. im Sport, im kulturellen Bereich usw..

Es finden sich aber auch zunehmend Gemeinsamkeiten, die wohl zum großen Teil auf ein, wenn

auch langsam wachsendes, gegenseitiges Verständnis und auf die damit verbundene schrittweise

Aufhebung festgelegter Rollenstrukturen zurückgeführt werden können.

Ich denke, wenn Sie sich in Ihrem Alltag umsehen, gibt es in vielen Bereichen immer noch eine

Reihe von teilweise nicht einmal bewusst registrierten Ungleichheiten, die für uns Frauen aber unter

Umständen auch für Männer Einschränkungen, zusätzliche Belastungen – einfach Ungerechtigkeit

bedeuten.

Solange es in Stammtischkreisen - natürlich von Männern - heißt:

„Mein Garten ist so groß, wie meine Frau es schafft, ihn zu bewirtschaften“

kann etwas nicht in Ordnung sein.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


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So lange der Bundesvorstand Deutscher Gartenfreunde e.V. ausschließlich aus Männern besteht,

ist ebenfalls noch viel Arbeit zu leisten.

Um zu unserer Ausgangsfrage zurückzukehren:

Gender Mainstreaming – was ist das?

Gender Mainstreaming ist ein Instrumentarium, um bewusst zu machen, wo Ungerechtigkeiten

vorliegen, ein Mittel, um sein Umfeld kritischer und bewusster wahrzunehmen und auf Veränderungen

hinzuwirken.

Nicht immer wird ein Gender Impact Assessment erforderlich sein und zur Verfügung stehen, das

ist auch nicht in jedem Fall erforderlich. Für die individuelle Alltagssituation reicht häufig ein kritischer

Blick.

Wichtig ist es, für sich selbst Kriterien und Werte zu entwickeln, nach denen man sein Umfeld beleuchten

kann. Und dann gehört natürlich auch ein bisschen Mut und Selbstvertrauen dazu, um

Probleme anzusprechen und gegebenenfalls die Dinge selbst mit zu gestalten.

Eine größere Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern bei der Aufteilung von materiellen Ressourcen

- wie Freizeit und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten - und finanziellen Mitteln im

Alltag ist erforderlich und es ist möglich, sie zu gestalten. Aber man muss auch selbst mitwirken.

Es kann nicht das Ziel sein, eine Gleichheit der Geschlechter zu fordern bzw. entstehen zu lassen;

Frauen sollen Frauen bleiben können und Männer ebenso Männer. Auf dieser Gesellschaftsstruktur

basiert schließlich die Menscheitsgeschichte - und die Gemeinsamkeiten und Differenzierungen

der Geschlechter haben ihre Berechtigung und sollen erhalten bleiben.

Es geht aber darum, dass die Lasten und auch die Freuden unseres Alltags gleichmäßig und gerecht

verteilt werden und damit das Zusammenleben zwischen Frauen und Männern für alle gleichermaßen

lebenswert ist.

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Biologische Anbaumethoden im Kleingarten

Wolfram F r a n k e

Chefredakteur „kraut&rüben

München

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Biologische Anbaumethoden im Kleingarten

1. Was heißt biologisch gärtnern?

- 22 -

Das Leben der Pflanze, ihre Beziehungen zum Boden, zum Klima und zur Pflanzen- und Tierwelt

zur Umgebung – all das beschreibt die Biologie, die Lehre vom Leben. Ist es dann überhaupt möglich,

zu gärtnern und die Biologie außer Acht zu lassen? Worin bestehen die Unterschiede zwischen

konventionellem und biologischem Gärtnern? – Biogärtner handeln nach dem Vorbild der Natur.

Darin gedeihen die Pflanzen nicht in Monokultur, sondern in Gesellschaft mit ganz bestimmten

anderen Pflanzen und Tieren. Diese Pflanzengesellschaften entwickeln sich unter den Bedingungen

des Bodens und des Klimas, sie sind nicht statisch, sie wechseln einander ab und entwickeln sich

weiter. An diesem Vorbild orientieren sich alle Richtungen des biologischen Gärtnerns. Die Methoden

und Varianten des biologischen Gärtnerns sind vielfältig, doch einige Grundregeln gelten gleichermaßen

für alle.

Bunte Vielfalt nach dem Vorbild der Natur ist die Grundlage für einen gesunden Garten.

2. Der lebendige Boden

Der Boden ist ein lebendiger Organismus. Aus dem Urgestein bildeten sich durch Verwitterung

und Erosion über Jahrtausende Ton, Lehm oder Sand, auf denen sich eine erste zarte Vegetation

aus Moosen und Flechten entwickeln konnte. Diese Pflanzen starben ab, bildeten eine erste hauchdünne

Humusschicht die den ersten Bodenlebewesen Nahrung bot. So entwickelten sich der Boden

und die Vegetation miteinander zu immer höherwertigen Vegetationen und Bodenarten. Mikroorganismen

verarbeiten herabfallendes Laub und abgestorbenen Pflanze zu Humus. Eine wichtige

Aufgabe erfüllen die Regenwürmer. Sie verbinden mineralische mit organischen Partikeln zu

wertvollen Bodenkrümeln, den Ton-Humus-Komplexen. Diese Bodenkrümel haben eine stabile

Struktur aus Mineralien und organischem Material, sie sind gut durchlüftet und in der Lage Wasser

und Nährstoffe zu speichern. Sie halten die Nahrung in der Weise bereit, dass sich die Pflanzenwurzeln

nach dem Bedarf der Pflanze, abhängig von der Temperatur mit Nährstoffen versorgen

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


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können. Mutterboden besteht aus Mineralien, Humus und Ton-Humus-Komplexen. Erstrebenswert

ist ein möglichst hoher Anteil von Ton-Humus-Komplexen.

Biogärtner ernähren das Bodenleben und gewinnen damit eine gute Krümelstruktur

Voraussetzung ist ein immer reiches Bodenleben. Aus diesem Grund ernähren Biogärtner in erster

Linie die Bodenlebewesen: durch Gründüngung, Mulch, Kompost und organische Düngemittel, die

erst durch die Mikroorganismen erschlossen und den Pflanzen zugänglich gemacht werden müssen.

Während bei konventionellen Gärtnern der Grundsatz im Vordergrund steht, dass dem Boden

wiedergegeben werden muss, was man ihm entnommen hat, kommt es Biogärtnern in erster Linie

darauf an, den Pflanzen die im Boden enthaltenen Nährstoffreserven zugänglich zu machen. Außer

Stickstoff liefern die Bodenmineralien meist alle anderen Nährstoffe in ausreichendem Maß oder

diese Haupt- und Spurenelemente lassen sich durch Kompost wieder an den Boden zurückgeben.

Überdüngungen durch mineralische Phospor- oder Kalidünger, wie sie in vielen Kleingärten vorkommen,

sowie übermäßige Kalkgaben führen zur Festlegung von wichtigen Spurenelementen.

Dies macht sich zum Beispiel bei Rhododendren und Rosen in Form von Chlorose bemerkbar.

Rhododendren gedeihen vorzugsweise auf saurem Boden (von heimischen Wildformen wie Rhododendron

hirsutum sowie den kalktoleranten Inkarho-Sorten einmal abgesehen). Nur aus dem

sauren Boden können sie sich ausreichend mit Spurenelementen die zur Blattbildung erforderlich

sind versorgen, allen voran Eisen. Auch Rosen können aus einem kalkhaltigen Boden nicht genügend

Eisen aufnehmen. Die Folge: die Blätter färben sich zunächst gelb, während die Blattnerven

noch einige Zeit grün hervortreten. Anschließend färben sich die Blätter auf der ganzen Fläche

braun, die Pflanzen kümmern vor sich hin.

Kalk sollte nur auf Böden, die zur Versauerung neigen bei pH-Werten unter 7 eingesetzt werden. Er

dient zum Anheben des pH-Wertes. Man kann den pH-Wert des Bodens leicht mit einem Test-Set

aus dem Gartenfachhandel feststellen. Er dient als Schlüsselwert für die Verfügbarkeit der Nährstoffe

im Boden. In der Scala von 1 bis 10 gilt ein pH-Wert um 7 als neutral. Gemeinhin sagt man,

bei diesem neutralen Wert können sich die Pflanzen am besten mit Nährstoffen versorgen. Bei

einem von Natur aus sauren und damit meist leichten Boden ist es jedoch nicht immer sinnvoll,

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den pH-Wert gewaltsam auf pH7 anzuheben, da dann durch die hohen Kalkgaben ebenfalls Spurenelemente

nicht mehr verfügbar sind. Umgekehrt ist ein Wert im alkalischen Bereich nicht unbedingt

nachteilig, weil der hohe Kalkanteil auch zu einer guten Bodenstruktur beiträgt. Außerdem

besteht auf kalkhaltigem Boden nicht die Gefahr der Kohlhernie, einer gefürchteten Wurzelkrankheit

bei Kohl und allen mit ihm verwandten Kreuzblütlern. Algenkalk wirkt im Gegensatz zu Branntkalk

oder Kalkstickstoff milde auf das Bodenleben und enthält zudem Spurenelemente. Um genauen

Aufschluss über die Gehalte an Nährstoffen und Humus des Bodens zu bekommen, sollte man

eine Bodenprobe zur Analyse an ein Bodenlabor senden. Die Analysen bei privaten Instituten sind

zwar etwas teurer, jedoch auch gründlicher. So werden auch die Nährstoffreserven des Bodens

ermittelt und die Empfehlungen für den Gartenbesitzer sind ausführlicher und verständlicher. Auf

biologischer Basis arbeitetende Institute wie Dr. Balzer in Wetter-Amönau geben Empfehlungen,

wie sich Nährstoffmängel durch Kompost, Mist oder organische Handelsdünger ausgleichen lassen.

Mineralische Hilfsmittel für eine verbesserte Bodenstruktur sind Tonmineralpulver (Bentonit) sowie

Gesteinsmehle (Urgesteinsmehl) und Algenkalk. Bentonit ist vor allem auf durchlässigen, sandigen

Böden empfehlenswert, er verbessert die Wasserspeicherung. Gesteinsmehl lagert Nährstoffionen

an und gibt sie leicht wieder an die Pflanzenwurzeln ab (Ionenaustauscher). Alle drei mineralischen

Hilfsstoffe dienen als mineralische Komponente bei der Bildung von Ton-Humus-

Komplexen.

Regenwürmer bzw. Kompost-oder Mistwürmer sind die auffälligsten Bodenlebewesen. Man kann

Kompostwürmer, darunter die aus Amerika eingeführte Spielart „Tennessie-Whiggler“ für den

Kompost auch von Regenwurmfarmen beziehen. Außerdem enthält der Boden zahllose Mikroorganismen,

von denen einige auch in käuflichen organischen Düngern enthalten oder als Präparate zu

bekommen sind:

Azotobakter sind stickstoffsammelnde Bodenbakterien (ähnlich den Knöllchenbakterien an den

Wurzeln der Leguminosen), sind in manchen organischen Düngemitteln enthalten. In Verbindung

mit den Nährstoffen trägt diese Kombination dazu bei, dass sich das Bodenleben auf der gedüngten

Fläche weiterentwickeln und Nährstoffreserven aus dem Boden erschließen kann. So entwickeln

sich auch die Azotobakter weiter, sammeln Stickstoff, der den Pflanzen zugute kommt und so

organische Masse liefert.

Mycorrhiza: auch Pilzwurzel genannt, ist ein Pilzgeflecht, das die Wurzeln umspannt, die Nährstoffe

des Bodens erschließt und der Pflanzenwurzel zugänglich macht. Ohne diese Pilze gäbe es keinen

Wald und könnten die meisten anderen Pflanzen nicht leben. Durch die Mycorrhiza wird die

Oberfläche der Haarwurzeln wesentlich vergrößert. Mycorrhiza gibt es als käufliches Mittel, das

man in den Boden einarbeitet, um die Erschließung der Nährstoffe durch die Pflanzen zu verbessern.

Multi-Mikroben-Präparate: Eine von dem japanischen Professor Teruo Higa entdeckte Mischung

von Mikroben (Effektive Mikroorganismen). Higa geht davon aus, dass durch schädliche Umwelteinflüsse

ein verstärkter Abbau der Bodenstrukturen durch Oxydation stattfindet. Seine Mikrobenmischung

soll dieser Oxydation entgegenwirken, zur Vermehrung des Mikrobenlebens im Boden

beitragen und die Nährstoffe in für die Pflanzen verfügbarer Form im Boden binden. Die Wirkung

entsteht durch Fermentation organischer Substanz. Gartenabfälle sollen weder verrotten noch faulen,

sie werden fermentiert. Dies wird erreicht, wenn man die Mikroben in flüssiger Form auf dem

Boden in Verbindung mit Mulch oder beim Aufsetzen eines Komposthaufens ausbringt oder so

genanntes Bokashi ansetzt. Dabei werden Garten und Küchenabfälle in einem Behälter gesammelt

und mit den Effektiven Mikroorganismen geimpft. Vergleichbar ist dieses Verfahren etwa mit dem

Einsäuern von Gemüse (Sauerkraut, saure Gurken etc). Das fertige Bokashi wird dann in die Oberfläche

des Bodens eingegraben oder in den Kompost eingemischt. Anhänger dieser Methode berichten

von einer humusreichen, lockeren Bodenstruktur. Im übrigen werden die Multimikroben-

Präparate in unterschiedlichen Varianten für alle erdenklichen Lebensbereiche angeboten: als

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Putzmittel für den Haushalt, als Zusatz für Silage in der Landwirtschaft und sogar als Getränk zur

Verbesserung der Darmflora.

Homöopathische Pflanzenpflegemittel: Nach dem Vorbild der Homöopathie in der Medizin werden

Spurenelemente wie zum Beispiel Germanium und Kieselsäure zusammengestellt und dem Boden

im Wurzelbereich der Pflanzen in kleinsten Dosen verabreicht mit dem Ziel, die Tätigkeit der Bodenlebewesen

anzuregen, Pflanzen zu entgiften und zu stärken. Auf diese Weise wurden schon

kranke Bäume saniert. Neben der direkten Zufuhr von Spurenelementen an die Wurzeln und damit

der Kräftigung der Bäume werden auch im Boden chemische und biologische Prozesse in Gang

gesetzt, die zu einer besseren Nährstoffversorgung der Pflanzen führen.

3. Pflanzengemeinschaften – Fruchtfolgen und Mischkulturen

Die Erkenntnis, dass Pflanzen auch an natürlichen Standorten immer in Gemeinschaft mit ganz

bestimmten anderen Pflanzen gedeihen und außerdem die Pflanzengesellschaften einander abwechseln,

haben sich Biogärtner bei der Zusammenstellung von Mischkulturen zu Nutze gemacht.

Allerdings stellen wir im Gemüsegarten Arten zusammen, die aus verschiedenen Ländern und Erdteilen

kommen, z. B. Kartoffeln, Tomaten, Bohnen aus Südamerika, viele Kohlarten aus Asien etc.

Es handelt sich also genau genommen um unnatürliche Abfolgen und Kombinationen. Man kann

sie aber unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten:

Fruchtfolge: Die Gemüsearten stellen unterschiedliche Ansprüche an die Nährstoffe. Grob unterscheidet

man Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer. Um die Nährstoffreserven sinnvoll zu

nutzen und Überdüngungen des Bodens zu vermeiden, düngt man nur die Starkzehrerbeete vor

dem Anbau. Ihnen folgen im nächsten Jahr die Mittelzehrer, die allenfalls mit Kompost versorgt

werden, im dritten Jahr folgen Schwachzehrer, zum Beispiel Erbsen oder Bohnen, die sich als Leguminosen

durch ihre Symbiose mit den Knöllchenbakterien selbst mit Stickstoff versorgen. Danach

folgen auf demselben Beet wieder Starkzehrer, aber möglichst andere als diejenigen, die anfangs

dort standen. Durch diese Vielfalt in der Fruchtfolge vermeidet man einen einseitigen Entzug

von Nährstoffen und belebt den Boden durch unterschiedliches Wurzelwerk und die verschiedenen

Wurzelausscheidungen. Ausnahme: Tomaten gedeihen erfahrungsgemäß am besten, wenn man

sie immer wieder am selben Platz anbaut. Nur wenn sie von der Braun- und Krautfäule befallen

wurden, sollte man das Tomatenbeet an andere Stelle verlegen. Manche Gärtner bauen auch Kartoffeln

(als Nachtschattengewächs mit der Tomate verwandt) immer am selben Platz an.

Tomaten sind nur ein Beispiel für die Vielfalt alter Gemüsesorten

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Mischkulturen: Vielfalt: da die meisten Krankheiten und Schädlinge auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien

spezialisiert sind, macht sich eine möglichst große Vielfalt auf dem kleinen Raum der Gartenfläche

immer positiv bemerkbar.

In Mischkulturen fördern sich die Gemüse im Wachstum und halten Schädlinge fern

Vermeiden ungünstiger Nachbarschaften: Pflanzenarten, die zur gleichen Familie gehören, z. B.

Kohl, Senf und Goldlack zu Kreuzblütlern, Kartoffeln, Paprika, Tomaten zu Nachtschattengewächsen,

können auch von den gleichen Krankheiten und Schädlingen befallen werden (Kohlhernie,

Krautfäule).

Erfahrungsgemäß sind auch folgende Nachbarschaften ungünstig:

Unverträgliche Nachbarn

Gemüseart unverträglich mit

Bohnen: Erbsen, Fenchel, Möhren, Knoblauch, Porree, Zwiebeln

Erbsen: Bohnen, Kartoffeln, Knoblauch, Porree, Tomaten,

Zwiebeln

Gurken: Radieschen, Rettich, Tomaten

Grünspargel: Kartoffeln, Zwiebeln

Kartoffeln: Erbsen, Gurken, Kürbis, Sellerie, Tomaten

Knollenfenchel: Bohnen, Tomaten

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Kohlarten: Erdbeeren, Knoblauch, Senf Zwiebeln

Kopfsalat: Persilie, Sellerie

Porree: Bohnen, Erbsen, Rote Bete

Radieschen, Rettich: Gurken

Rote Bete: Kartoffeln, Porree, Tomaten, Zuckermais

Sellerie: Kartoffeln, Salat, Zuckermais

Tomaten: Erbsen, Gurken, Kartoffeln, Rote Bete, Zuckermais

Zucchini: Tomaten

Zuckermais: Rote Bete, Sellerie

Zwiebel: Bohnen, Erbsen, Kohl, Kohlrabi, Radieschen, Rettich,

Spargel

Gegenseitige Abwehr von Krankheiten und Schädlingen: Benachbarte Arten können bestimmte

Schädlinge durch ihre ätherischen Öle vertreiben: Zwiebeln und Möhren, Tagetes und Ringelblumen

vertreiben Nematoden usw.

Gegenseitige Förderung: Die stickstoffsammelnden Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Leguminosen

(Erbsen, Bohnen, Lupinen, Wicken) sind auch den benachbarten Pflanzen von Nutzen.

Man kann diese Schmetterlingsblütler bewusst als Gründünger einsetzen. Spinat scheidet Saponine

aus, die sich sowohl auf die nachfolgenden als auch auf die benachbarten Kulturen wohltuend

auswirken. Die Biogärtnerin Gertrud Franck entwickelte die Reihenmischkultur, bei der Spinat eine

entscheidende Rolle spielt. Die Gemüsearten werden in Reihen angebaut, wobei Gertrud Franck

zwischen Starkwachsenden, langlebigen und viel Platz einnehmenden (A), weniger stark wachsenden

und langlebigen und kurzlebigen (B), wenig Platz einnehmenden, schnellwachsenden Gemüsen

(C) unterscheidet. Durch die Abfolge A-C-B-C-A usw. erreicht wird der Platz optimal genutzt.

Zwischen jede dieser Gemüsereihen wird außerdem eine Reihe Spinat gesät. Der Spinat fördert die

benachbarten Arten und verbessert den Boden für das nachfolgende Gemüse, denn im nächsten

Jahr rutscht das ganze System um eine Reihe weiter, also immer auf den Platz, aufdem vorher Spinat

gewachsen ist. So werden Fehler bei der Fruchtfolge wie in der Mischkultur von vornherein

vermieden. Voraussetzung ist eine zentimeter genaue Einteilung der Beete und eine sorgfältige

Planung. Dillsamen fördert das Auflaufen benachbarter Möhren- und Gurkensamen. Die von dem

russischen Mikrobiologen B. P. Tokin entdeckten Phytonzide können auf Nachbarpflanzen sowohl

hemmend als auch fördernd wirken. So keimten in den Versuchen von Tokin Veilchen in der Nachbarschaft

von Roggen hervorragend, in Nachbarschaft von Weizen überhaupt nicht.

Aromaverbesserung: Kümmel und Minzen sollen das Aroma benachbarter Kartoffeln verbessern.

Einige Mischkulturen zum Ausprobieren:

Tomaten – Kohl – Sellerie: halten sich gegenseitig Braun- und Krautfäule, Kohlweißling und Sellerierost

fern.

Zwiebeln und Möhren: schützen sich gegenseitig vor Zwiebel- und Möhrenfliege.

Erdbeeren und Knoblauch: Knoblauch (und Verwandte) schützt vor Grauschimmel.

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Kapuzinerkresse unter Obstbäumen: lenkt Blutläuse von den Bäumen ab.

Möhren, Salat und Schnittlauch fördern sich gegenseitig

Buschbohnen und Bohnenkraut: das Kraut vertreibt die schwarze Bohnenlaus.

Salat, Radieschen und Kohlrabi: gegenseitige Förderung.

Kerbel und Salat: Kerbel vertreibt Ameisen und Blattläuse und beugt Mehltau vor.

Lavendel und Rosen: Lavendel vertreibt Ameisen und schüz die Rosen vor Blattläusen

Tagetes wehren Nematoden bei Kartoffeln und Erdbeeren ab.

Nicht immer tritt die Wirkung der Mischkulturen spürbar ein. Manchmal zeigt sich gute, manchmal

gar keine Wirkung. Alle anderen Wachstumsfaktoren und Umweltbedingungen spielen dabei eine

entscheidende Rolle.

Die richtige Arten- und Sortenwahl: Standort, Boden, Widerstandskraft, Resistenz sowie Geschmack,

Aroma und Schönheit der Arten und Sorten sind ein entscheidender Gesichtspunkt im

biologischen Anbau. F1-Hybriden sind sinnvoll, wenn in ihnen Resistenz mit gutem Geschmack,

Aroma und anderen positiven Pflanzeneigenschaften vereinigt ist. Eine Vielzahl alter, zum Teil vergessener

aber sehr wertvoller Obst- und Gemüsesorten ist heute wieder im Kommen und zieht

bereits in die Sortimente großer Saatgutfirmen und Pflanzenversender ein. Oft haben diese Sorten

lokale Bedeutung, weil sie sich nur an bestimmten Standorten als besonders vorteilhaft erweisen.

In diesen regional begrenzten Gebieten sollte man sie wieder vermehrt anbauen und so diese erhaltenswerten

Sorten vor dem Aussterben bewahren. Ein Beispiel für die Vielfalt alter Gemüsesorten

liefern die Tomaten. Wie viele andere alte Gemüsesorten lässt sich aus Tomaten leicht Samen

gewinnen. Wenn Sie dieses Saatgut immer von den gesündesten und am reichsten tragenden Sorten

gewinnen, können Sie durch diese Selektion die guten Eigenschaften der Sorten verstärken.

Neben zahlreichen regionalen Initiativen setzt sich in Deutschland vor allem der Verein zur Erhaltung

der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) für die Erhaltung alter Gemüsesorten ein.

4. Biologisch-dynamische Methode

Diese Methode geht auf RUDOLF STEINER zurück, deren Grundzüge er in seinem Landwirtschaftlichen

Kurs, gehalten 1924 im oberschlesischen Koberwitz, darlegte. Vieles bereits Gesagte gilt

auch hier, jedoch gibt es zwei wesentliche Merkmale, die über die herkömmlichen biologischen

Gartenregeln hinausgehen:

Das Gärtnern nach dem Mond: Rudolf Steiner mahnte in seinem Landwirtschaftlichen Kurs, den

Einfluss des Kosmos auf das Leben der Pflanzen und Tiere wieder stärker zu berücksichtigen und

in die Wirtschaftsweise einzubeziehen. Während man früher die Wurzelgemüse bei absteigenden

und die Blatt- und Fruchtgemüse bei aufsteigenden Mond säte, pflanzte, pflegte und erntete, ist es

MARIA THUN erstmals gelungen, einen detaillierten, verbindlichen, nunmehr seit Jahrzehnten

jährlich erscheinenden Mondkalender mit dem Titel "Aussaattage" herauszugeben. Das Prinzip:

aus unserem irdischen Blickwinkel betrachtet, zieht der Mond an den Sternbildern des Fixsternhimmels

vorüber. Aufgrund ihrer Beobachtungen und wiederholter Versuche fand Maria Thun heraus,

dass bei jeweils drei Sternbildern (Trigonen) immer ein bestimmtes Pflanzenorgan in seiner

Entwicklung begünstigt wird: Frucht, Wurzel, Blüte und Blatt. Die jeweils günstigen Zeiten wechseln

tageweise, manchmal auch stündlich ab. Herrscht an einem für das jeweilige Gemüse günstigen

Tag also mal Regenwetter, so lässt sich die Aussaat oder Pflanzung an einem nachfolgenden

günstigen Tag mit gutem Wetter nachholen. Außerdem beziehen sich die Daten nicht allein auf die

Aussaat, sondern auch auf das Pflanzen, Pflegen und Ernten. So kann man eine Aussaat an einem

für dieses Gemüse ungünstigen Tag durch späteres Hacken und Düngen an günstigen Tagen wie-

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der wettmachen. Zudem spielt auch der auf- und absteigende Mond eine Rolle. Bei absteigendem

Mond gehen die Kräfte abwärts in die Erde, bei aufsteigendem Mond aufwärts. Maria Thun sagt

bildlich: die Erde atmet ein und aus. Bei absteigendem Mond ist die günstigste Pflanzzeit, während

die Phase des aufsteigenden Mondes günstig für die Ernte von Blättern und Früchten ist. An günstigen

Tagen geerntetes Obst und Gemüse ist länger haltbar.

Die Unterschiede der Angaben in verschiedenen Mondkalendern beruhen vor allem darauf, dass

Maria Thun und einige Kalenderautoren ihre Daten auf astronomischer Basis, andere Autoren ihre

Daten auf astrologischer Basis erstellen. Die astronomische Betrachtung geht von den tatsächlichen

Verhältnissen unserer Zeit im Kosmos aus, während in Kalendern auf astrologischer Grundlage

die Verschiebung der Erdachse in den letzten rund 2000 Jahren ignoriert wird. Zudem stellte

Maria Thun im Verlauf ihrer mehr als 50jährigen Konstellationsforschung fest, dass nicht allein der

Stand des Mondes, sondern auch so genannte Oppositionsstellungen von Mond, Sonne und Erde

sowie die Konstellation anderer Planeten eine gewisse Rolle spielen. Diese Beobachtungen und

Erfahrungen lässt sie in die Daten ihres Kalenders einfließen. Maria Thun sagt: „Der Kosmos verändert

sich ständig. Der Kalender kann also nur immer eine Annäherung an die wahren Verhältnisse

sein.“

Der Mond zeigt günstige Konstellationen zum Anbauen und Ernten an

Die biologisch-dynamischen Präparate: das Hornmist-Präparat und Hornkiesel-Präparat und die

Kompostpräparate aus Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde und Löwenzahn sowie ein

Baldrianextrakt. Diese Mittel werden von antroposophischen landwirtschaftlichen Fachleuten selber

hergestellt, sie werden z. T. in Kuhhörner gefüllt und im Boden eingegraben fermentiert. Hobbygärtner

können sie nur über diese Fachleute oder biologisch-dynamische Arbeitsgemeinschaften

erhalten. Hornkiesel- und das Hornmistpräparate werden in Regenwasser angesetzt und eine

Stunde lang mit einem Reisigbesen in wechselnden Drehrichtungen gerührt, damit sich das Präparat

und das Wasser innig verbinden. Die Kompostpräparate werden in Löcher, die man mit dem

Schaufelstiel gleichmäßig verteilt in den Komposthaufen stanzt, in kleinen Dosen gegeben. Alle

Präparate dienen dazu, zum einen die kosmischen Energien besser zu nutzen (Hornkiesel) sowie

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durch ihre Strahlung (chemisch: Weitergabe von Molekülen) das Bodenleben zur besseren Erschließung

von Nährstoffreserven anzuregen. Auf diese Weise wird die Qualität des Gemüses verbessert.

Es enthält z. B. mehr Spurenelemente.

Biologisch-dynamisch arbeitende Fachleute sagen, es habe keinen Zweck, nur Teilbereiche dieser

Methode umzusetzen, es komme vielmehr darauf an, alles aufeinander abzustimmen. Dazu gehöre

auch eine positive innere Einstellung zu dieser Art des Wirtschaftens.

5. Permakultur

Permakultur (aus engl. permanent agriculture) könnte man auch als "kultivierte Ökologie" bezeichnen.

Sie ist eine alle Umweltbedingungen umfassende Methode, mit der auch auf kleinen

Flächen und an ungünstigen Standorten befriedigende Erträge erzielt werden können. Sie wurde

von BILL MOLLISON auf Tasmanien entwickelt. Permakultur wird inzwischen überall auf der Welt

praktiziert, wo sie den jeweiligen Klima- und Bodenbedingungen angepasst wurde. Eine gute Bodenpflege,

wie sie eingangs erwähnt wurde, gehört ebenso dazu wie das Schaffen eines günstigen

Kleinklimas. Der Garten wird in einen nach Norden geschützten und nach Süden geöffneten Raum

eingebettet. Eine besonders günstige Platzierung der Beete trägt zur gründlichen Lichtausbeute bei,

ein Teich reflektiert das Licht, speichert Sonnenwärme und reichert die Luft mit Feuchtigkeit an. Oft

ist er mit einem Gewächshaus kombiniert.

Alle Elemente und Pflanzen im Garten haben Mehrfachfunktionen. So kann ein Baum für Windschutz

sorgen, Schatten für Pilzkulturen spenden und zugleich Früchte tragen. Eine Trockenmauer

ist nicht nur Stütze für einen Hang, sondern auch Wärmespeicher, Lebensraum für Amphibien und

Reptilien sowie für Pflanzen, darunter auch verwertbare Kräuter. Die beliebte Kräuterspirale ist eine

Erfindung von Bill Mollison.

Die beliebte Kräuterspirale vereinigt verschiedene Standorte auf kleinstem Raum

In der Landwirtschaft werden auch Tiere in den Kulturkreislauf einbezogen. Recycling von Gartenabfällen

(Mulch, Kompost) spielt auch bei dieser Methode eine zentrale Rolle. Bemerkenswert in

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allen Permakultur-Einrichtungen ist, dass man mit einfachsten Mitteln und einem geringen technischen

Aufwand arbeitet. Als Beispiele seien hier die Naturschule Groenebaeggen auf Bornholm

sowie der Bergbauernhof von Sepp Holzer im österreichischen Lungau genannt.

Auf Bornholm experimentiert man u. a. mit so genannten Domgewächshäusern, bei denen Tiere

mit in den Kreislauf einbezogen werden. So wird das durch die Ausscheidungen von Fischen mit

Nährstoffen angereicherte Wasser in senkrecht aufgehängte Rohre gepumpt, in denen auf Blähton

Tomaten wachsen. Die aus Dachlatten und Plastikfolie errichteten kuppelförmigen Domgewächshäuser

speichern Sonnenwärme.

Sepp Holzer baut auf seinem Krameterhof im österreichischen Lungau in Höhenlagen von 1100 bis

1500 Meter über dem Meeresspiegel biologisch Obst und Gemüse an. Durch die geschickte Ausnutzung

nach Süden ausgerichteter Felsnischen sowie vorgelagerter Fischteiche, die zugleich als

Sonnenreflektoren dienen, und eine gut aufeinander abgestimmte Sortenwahl gelingt es ihm, von

Mai bis Oktober Kirschen zu ernten. Apfelbäume wachsen zwischen Hügelbeeten, die die Erde im

Wurzelbereich feucht und locker halten und auf denen zugleich reichlich Gemüse wächst. Das

Wasser wird auf dem weitläufigen Hanggelände an mehreren Stellen gestaut und bildet sowohl

Lebensräume für Amphibien als auch große Fischteiche.

In kleinen Dimensionen lässt sich die Permakultur auch im Haus- und Kleingarten umsetzen, zum

Beispiel durch die Nutzung von nach Süden ausgerichteten Gebäudewänden für Obstspaliere, einem

Teich als Reflektorfläche für ein Gewächshaus oder Wintergarten, einem Erdwall als Schutz

nach Norden und Sonnenfalle nach Süden, Wildgehölzen, die Windschutz und zugleich Nahrung

bieten (Hasel, Kornelkirsche etc.) und vieles andere. Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt.

Ein bewachsener Erdwall schützt den Garten nach Norden und Westen

6. Energien anzapfen

Geomantie bezieht sich auf bestimmte Kraftorte in der Landschaft und in Haus und Garten. Diese

Orte werden, je nach Einfluss, genutzt oder auch gemieden. Oft werden sie von Wünschelrutengängern

ausfindig gemacht oder von dem Gartengestalter erspürt.

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Gezielt machen sich die Menschen im Garten von FINDHORN (Schottland) sowie der Amerikaner

DERALD G. LANGHAM die Erdenergie zu Nutzen. Wachstum setze sich in spiralförmigen Energiewirbeln

aus der Erde fort, so die These, und dieses Wachstum wird durch runde Beetformen

gefördert. Der Lehrer ULRICH KOWALEWSKI aus Siegen ließ sich davon inspirieren und erinnerte

sich zugleich daran, dass auf der Insel Lanzarote Wein in Kratern angebaut wird. Da im Siegerland

ein sehr unbeständiges, rauhes Klima herrscht, sah er in diesen Kratern eine Möglichkeit ein günstiges

Kleinklima für Wärme liebende Gemüsearten zu schaffen. So entwickelte er die von ihm so

genannten Kraterbeete, die inzwischen viele Nachahmer gefunden haben. Seine Beete haben einen

Durchmesser von etwa zwei Metern, andere Kraterbeete inzwischen auch mehr. Bei der Anlage

zieht man zunächst einen Kreis und planiert dann die Erde aus der Mitte an den äußeren Rand. So

entsteht in der Mitte ein Krater und am Rand ein kleiner Wall. Ein paar Trittsteine in der Mitte des

Beets speichern außerdem Sonnenwärme. In die Mitte des Beets werden die empfindlichen, Wärme

liebenden, auf dem Wall am Rand die robusten Gemüsearten gepflanzt. Das Kraterbeet lässt

sich rund ums Jahr nutzen. Im Winter kann man es leicht mit einem Zelt aus Folie oder Vlies abdecken.

Im Kraterbeet herrscht ein günstiges Kleinklima auf kleinster Fläche

Feng shui ist eine aus Asien zu uns gekommene Philosophie, die von vielen in Haus und Garten

eingesetzt wird. Die Ziele in der Gartengestaltung nach Feng shui sind Harmonie und Ausgleich

der Elemente Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz, die nicht nur durch die im Garten verwendeten

Materialien, sondern auch durch Pflanzen ihren Ausdruck finden. Im Feng-Shui-Garten werden die

Sinne angesprochen und die alles umfassende Lebenskraft, das Chi in harmonische Bahnen gelegt,

zum Beispiel indem man geschwungene Wege anlegt, scharfe Kanten vermeidet etc. Mit Hilfe eines

fiktiven über den Garten gelegten neunteiligen Rasters, dem Bagua, werden bestimmte Gartenbereiche

mit den Lebenslagen der Bewohner gleichgesetzt: Reichtum, Ruhm, Partnerschaft,

Familie, Kinder, Wissen Karriere und Hilfreiche Freunde. In der Mitte des Rasters und somit auch

des Gartens befindet sich das Tai Chi, die lebensspendende Kraft.

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Die Spirale ist ein wichtiges Element vieler Feng-shui-Gärten

7. Biogarten-Pioniere

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Zahlreiche Frauen und Männer haben in der Vergangenheit und tun es heute auf dem Gebiet des

biologischen Land- und Gartenbaus wegweisende Leistungen hervorgebracht. Neben dem bereits

erwähnten RUDOLF STEINER zählt zu ihnen RAOUL H. FRANCÉ (Das Leben im Boden), SIR AL-

BERT HOWARD, HANS PETER RUSCH, einem der Väter des biologisch-organischen Gartenbaus,

ALWIN SEIFERT (Gärtnern, Ackern ohne Gift), der Japaner MASUNOBU FUKUOKA, die Amerikanerin

RUTH STOUT mit ihrer Mulchmethode sowie GERTRUD FRANCK mit ihrer Reihenmischkultur.

Viele Bewunderer hatte der Biolandwirt HEINZ ERVEN. Der 1900 geborene, studierte Diplomlandwirt

(heute würde man sagen: Diplom-Agraringenieur) war als Berufsschullehrer, Pflanzenschutzfachmann

und als Schriftleiter der damals größten deutschen Landwirtschaftszeitschrift in Berlin

tätig, wandelte sich nach eigenen Worten in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg vom Saulus zum

Paulus, als er die Erfolge eines kleinen Gemüsegärtners sah, der aus finanziellen Gründen auf alle

käuflichen Düngemittel und Pestizide verzichtete und allein mit Kompost große Erfolge, also reichliche

Mengen Gemüse in hervorragender Qualität erzielte. Nachdem Erven im Krieg ausgebombt

wurde, kehrte er in seine rheinländische Heimat zurück, erlitt dort einen schweren Motorradunfall

und beschloss auf dem Krankenbett sein Leben zu ändern. 1949 erwarb er ein Waldgrundstück auf

einer Anhöhe bei Remagen am Rhein und baute dort mit einfachsten Mitteln sein „Paradies“. Bis

zu seinem Tod 1993 infolge eines Autounfalls lebte er spartanisch einfach, konnte aber ein ideenreich

gestaltetes Paradies mit besten Erfolgen an biologisch erzeugtem Obst und Gemüse vorweisen.

In Bussen kamen interessierte Besucher von weither zu ihm, die er bis zu seinem Tod drei

Stunden lang mit engagierten Schilderungen und Lebensweisheiten durch das Gelände führte. Er

überzeugte im hohen Alter vor allem durch seine noch immer geistig rege, hellwache und temperamentvolle

Persönlichkeit. Sein Paradies wird heute zum Teil von seiner damaligen Partnerin Ursula

Venator und von Pächtern bewirtschaftet.

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Ein anderer Pionier und Altmeister des biologischen Gärtnerns ist der heute 90-jährige KURT

KRETSCHMANN aus Bad Freienwalde mit seinem Mulch-Total-Garten. Nach dem Krieg siedelte er

sich mit seiner Frau Erna in Bad Freienwalde in einem selbst errichteten Blockhaus an. Er engagierte

sich zusammen mit seiner Frau für den Naturschutz in der DDR. Ohne das Ehepaar Kretschmann

hätte es im SED-Regime keinen Naturschutz gegeben. Das heute noch in ostdeutschen Naturschutzgebieten

verwendete Symbol der Eule wurde einst von Kretschmann entworfen. Ferner

entwickelte er seine eigene Methode des biologischen Gärtnerns. Als er mit seiner Frau, bereits

über 70 Jahre alt, ein Haus in der Nachbarschaft seines ursprünglichen Blockhauses (aus dem ein

Naturschutzzentrum wurde) zog, grub er aus tieferen Schichten Mergel aus dem Boden aus, arbeitete

dieses Material in die Beete seines am Hang gelegenen Gartens ein und bedeckte fortan seinen

gesamten Garten mit Mulchmaterialien, sogar die Wege. Den Erfolg misst er in der Anzahl von

Regenwürmern pro Quadratmeter, die er von einem mit ihm befreundeten Bodenkundler von Zeit

zu Zeit feststellen lässt. Erna Kretschmann starb vor einigen Jahren. Als Vegetarier ernährte sich

das Ehepaar fast ausschließlich aus dem eigenen Garten. Kurt Kretschmann ist inzwischen erblindet

und lebt in einem Seniorenheim in der Nähe seiner bisherigen Wohnung.

Ein breit gefächertes und fundiertes, jedoch für jeden Laien leicht verständliches Basiswissen publizierte

als erste Buchautorin MARIE-LUISE KREUTER, Herausgeberin von kraut&rüben. Ihr 1982

erschienenes Standardwerk „Der Biogarten“ ist zum 23. Mal aufgelegt worden und hat die Millionenauflage

längst überschritten. „Der Biogarten“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Marie-

Luise Kreuter, die einst Geschichte studierte und als Journalistin tätig war, erwarb autotidaktisch

ein umfangreiches Wissen und in mehreren Gärten einen reichen Schatz an praktischer Erfahrung,

womit sie manchen professionellen Gärtner in den Schatten stellt. Ihr ist es wie keiner anderen

Autorin und keinem anderen Autor gelungen, fundiertes Praxiswissen mit einer Philosophie der

Ehrfurcht vor dem Leben zu verbinden und beides zusammen auf eine verbindliche aber unideologische

und unterhaltsame Weise einem großen Publikum nahe zu bringen. Ihr Standardwerk „Der

Biogarten“ ist trotz vieler Versuche anderer Autoren und Verlage bis heute konkurrenzlos geblieben.

Weitere Bücher schrieb sie über Kräuter und Biologischen Pflanzenschutz, die ebenfalls in

ihrer Art einmalig sind.

Nach BILL MOLLISON dessen Bücher auch ins Deutsche übersetzt wurden, macht in Sachen Permakultur

im deutschsprachigen Raum der „Agrarrebell“ SEPP HOLZER von sich reden. Bemerkenswert:

ohne das Studium von Fachbüchern und ohne die Kenntnis der Permakultur von Bill

Mollison begann er, sein über 40 Hektar großes Gelände aufgrund eigener Beobachtungen zu gestalten

und zu bewirtschaften. Bis ihn ein Besucher darauf aufmerksam machte, dass seine Wirtschaftsweise

genau der Permakultur entspricht. Nach schweren juristischen Auseinandersetzungen

mit benachbarten Waldbauern – sie warfen ihm Waldfrevel vor – wurde der Erfolg und ökologische

Wert seines Lebenswerks von Wissenschaftlern der Universität Wien bestätigt. Sepp Holzer kann

sich heute vor interessierten Besuchern kaum noch retten. Seine Erfahrungen legte er in zwei Büchern

nieder. Doch er sagt in seiner herzlich rauhen Bergbauernart auch: „Ich mach das hier in

Österreichisch Sibirien. Ob und wie das jemand nachmacht oder nicht, das ist seine Sache!“

8. Der eigene Weg

In einem meiner Editorials bekannte ich einmal, dass auch in meinem Garten die Mischkulturen

nicht immer den erwünschten Erfolg bringen. Darauf schrieb mir ein Leser: „Ich glaube, Sie sind

ein schlechter Gärtner, Herr Franke. Sie brauchen nur die Aussaattage von Maria Thun zu berücksichtigen

und schon werden Ihre Mischkulturen den gewünschten Erfolg bringen.“ Dieser Leser

wusste allerdings nicht, dass Maria Thun von Mischkulturen nicht allzu viel hält. Ihre Begründung:

hackt man zum Beispiel die Möhren am Wurzeltag und daneben wachsen Bohnen, also ein Fruchtgemüse,

dann würde dieses ungewollt am falschen Tag gehackt werden. Zudem gibt es zahlreiche

Gärtner und Landwirte, die ebenfalls biologisch aber dennoch nicht nach den Mondrhythmen gärtnern

und dabei erfolgreich sind. Andererseits haben auch die „Mondgärtner“ mitunter Misserfolge

zu verzeichnen. Viele spürbare Gegebenheiten zwischen Himmel und Erde lassen sich nicht immer

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mit den Mitteln der Naturwissenschaft nachweisen. Und wenn ich jahrelang nur mäßig erfolgreich

in meinem Garten war und nun, nachdem ich einmal meinen Gartenboden mit Effektiven Mikroorganismen

versorgt habe, mich plötzlich über reiche Ernten freuen kann – ist dies wirklich der Beweis

dafür, dass diese Mikrobenmischung das Nonplusultra für meinen Gartenboden war? Oder

war es nur der günstige Witterungsverlauf, das Ausbleiben der Nacktschnecken oder das Ergebnis

jahrelanger sorgfältiger Bodenpflege, dass sich nun endlich bemerkbar gemacht hat? – Letztendlich

wird man diesen Nachweis kaum erbringen können. Einige wichtige gärtnerische Grundregeln

müssen immer beachtet werden. Darüber hinaus muss jede Gärtnerin und jeder Gärtner angepasst

an die Boden- und Klimaverhältnisse im eigenen Garten seinen eigenen Weg finden. Das Ziel ist

ein in seiner Vielfalt und Qualität sich selbst erhaltender Garten, ein Paradies, dem wir uns immer

nur behutsam annähern können, das wir aber nie ganz erreichen werden. Der Weg ist das Ziel, und

es ist legitim, Nebenwege, Umwege und vielleicht auch mal Abwege einzuschlagen und damit zu

experimentieren. Und wenn man das Gefühl hat, auf dem eingeschlagenen Weg zum Erfolg zu

gelangen, so ist es legitim auf diesem Weg zu bleiben und die Erfahrungen an andere weiter zu

geben, für die sie sehr wertvoll sein können.

Die besonderen gärtnerischen Mittel und Methoden wie sie hier erläutert wurden, können immer

nur ein Abschnitt auf dem Weg zum Ziel sein. Wer diese Abschnitte zum einzig richtigen Weg oder

sogar zum Ziel erklärt, begibt sich auf den Irrweg des Sektierertums, wenn nicht sogar des Aberglaubens.

Das Wissen um die Wechselbeziehungen und die Vielfalt, das Einfühlungsvermögen in die Pflanzen

und andere Lebewesen des Gartens und das Bewusstsein, selber ein Teil der Natur zu sein, in

der wir lebensfördernd wirken, das ist der Weg zum Gartenparadies.

Jede Methode des biologischen Gärtnerns lässt sich auch im kleinen Garten verwirklichen

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 172


Literatur:

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kraut&rüben, das Magazin für biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben, erscheint monatlich

im Deutschen Landwirtschaftsverlag München. Einzelpreis 4,20 €, Jahresabonnenment 47,50 €

kraut&rüben-Gartenjahrbuch 2005 von Wolfram Franke, 2005, Taschenkalender, 250 Seiten, 8,00 €,

Deutscher Landwirtschaftsverlag

Gartenpraxis Schritt für Schritt, von Wolfram Franke 140 Seiten, 9,95 €, blv Verlag München

Der Biogarten, von Marie-Luise Kreuter, 360 Seiten, 25,50 €, blv Verlag München

Pflanzenschutz im Biogarten, von Marie-Luise Kreuter, 250 Seiten, 19,95 €, blv Verlag

München

Magic, von Katja Holler und Elisabeth Klimt, 160 Seiten, 14,95 €, blv Verlag München

EM (Effektive Mikroorganismen), von Franz-Peter Mau, 285 Seiten, 13,00 €, Goldmann Verlag

Mulch-Total, von Kurt Kretschmann, 16,90 €, OLV Verlag Xanten

Mein Paradies, 115 Seiten, von Heinz Erven, Selbstverlag, erhältlich bei Ursula Venator, Am Paradies

4, Remagen

Der Agrarrebell, von Sepp Holzer, 240 Seiten 19,90 €, Leopold Stocker Verlag, Stuttgart

Sepp Holzers Permakultur, von Sepp Holzer, Claudia Holzer, Josef Andreas Holzer, 19,90 € Leopold

Stocker Verlag Stuttgart

Permakultur von Bill Mollison, Dave Holmgren, Sachbuch rororo

Permakultur II, praktische Anwendung, von Bill Mollison, Pala-Verlag

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