219 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

kleingartenbund

219 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

219

Gesellschaft und Soziales

Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 1


Impressum

Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin (BDG)

Heft/2012 – 34. Jahrgang

Seminar: Gesellschaft und Soziales

vom 23. bis 25. März 2012 in Goslar

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.,

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon (030) 30 20 71-40/-41, Telefax (030) 30 20 71-39

Präsident: Dr. Norbert Franke

Seminarleiter: Dieter Steffens

Präsidiumsmitglied für Seminare

Redaktion: Uta Hartleb

Zusammenstellung der Texte Uta Hartleb

Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise –

nur mit schriftlicher Genehmigung des

Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG)

ISSN 0936-6083


Seminar Gesellschaft und Soziales

vom 23. bis 25. März 2012 in Goslar

Thema

Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

Seminarleiter

Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied für Seminare des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.)

Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin (BDG)

Heft/2012 – 34. Jahrgang


Seminar Gesellschaft und Soziales

Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied für Seminare, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.) 6

Ein Baustein der Grundversorgung

Joachim Roemer (Vizepräsident des Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde e. V.) 8

Die Öffnung des Kleingartenwesens zur Gesellschaft – am Beispiel sozialer Projekte der

Kleingärtnervereine im Landesbund Hamburg

Dirk Sielmannn (Geschäftsführer des Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg e. V.) 22

Obstlehrgarten und Planung eines Kleingartenprojekts

Dr. Wolfgang Preuß (Vizepräsident des Landesverbandes Thüringen der Gartenfreunde e. V.) 28

Integration von Migranten im Kleingartenwesen aus der Sicht der Lübecker Gartenfreunde

Hans-Dieter Schiller (Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Gartenfreunde e. V.) 34

Kleingartenparks als Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen

Prof. Dr. Gerlinde Krause (Fachhochschule Erfurt) 52

Jenseits des Gartenzauns – Kleingärtner betreuen Projekte außerhalb der Kleingartenanlage

Manfred Weiß (Vorsitzender des Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde e. V.) 74

Naturpädagogik von A–Z

Isabel Hollenbeck (Bildungsreferentin, Deutsche Schreberjugend LV Berlin e. V.) 86

Patenschaft mit der Kita „Arche Noah“

Wolfgang Dittrich (Vorsitzender des Kreisverbandes Kyffhäuserkreis der Gartenfreunde, Sonderhausen) 99

Grünes Klassenzimmer mit Kräutergarten

Volker Meißner (Landesverband Sachsen der Kleingärtner e. V.) 117

Anhang

Impressionen 126

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Vorwort

Das Seminar Gesellschaft

und Soziales fand vom

23.03.–25.0.2012 in Goslar

statt zum Thema „Ausgewählte

Projekte des Kleingartenwesens.

Die Seminareröffnung wurde

durch den Seminarleiter

Dieter Steffens vorgenommen.

Besonders heraus

gestellt wurde, dass mit diesen

und weiteren Seminaren

wichtige Inhalte für die

gesellschaftliche Arbeit unserer ehrenamtlichen Gartenfreunde

vor allem mit Kindern vermittelt werden sollte.

Gartenfreund Manfred Weiß – Landesvorsitzender der

Braunschweiger Gartenfreunde stellte mit einer Power-

Point Präsentation einen geschichtlichen Abriss der Entstehung

und Entwicklung des Braunschweiger Landesverband

seit 1903 sehr eindrucksvoll da.

Joachim Römer – Vizepräsident des Niedersächsischen

Landesverbandes ging in seinem Vortrag darauf ein,

dass die Seminare Gesellschaft und Soziales traditionell

beibehalten werden sollten.

Die Projektarbeit sollte intensiv weiter verfolgt werden,

da die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit diesbezüglich

sehr groß ist. Als wesentliche Aufgaben der Zukunft

sind die Umsetzung der Leitlinien des deutschen

Städtetages zu sehen und die sich daraus ergebenden

städtebaulichen Verpflichtungen in der Bereitstellung

von ausreichenden Gartenland durch die Gemeinden

sowie die finanzielle Unterstützung.

Dirk Sielmann – Geschäftsführer Landesbund Hamburg

der Gartenfreunde ging in seinem Vortrag auf

die vier sozialen Projekte in Hamburg ein und stellte

heraus, dass die Unterstützung des Kleingartenwesens

durch die Kommunen keinen Automatismus darstellt.

Eine umfangreiche Lobby-Arbeit ist notwendig und dabei

sollte auch mehr die Möglichkeiten der Kontakte zu den

Fraktionen in der Bürgerschaft ausgeschöpft werden.

Die einzelnen Projekte sollten bereits in der Entstehung

der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Kindererlebnisgärten mit Betreuung unter Einbeziehung

der Nutzung der Nachbarschaft sollten mehr genutzt

werden.

Umweltpolitik für Kinder, mit praktischen Bezügen

sollten den Unterricht befruchten.

Dr. Wolfgang Preuß – Vizepräsident Landesverband

Thüringen ging in seinen Ausführungen besonders

auf die Planung eines Kleingartenprojektes im Bereich

Altenburg ein. Dr. Preuß betonte, dass die Gesellschaft

sich demographischer Veränderungen stellen muss.

Der Landesverband Thüringen begleitet seit 1994 sehr

intensiv und eindrucksvoll die Entwicklung und Planung

sowie zielgerichtete Durchsetzung von Projekten.

Dabei besteht ein wesentlicher Grundsatz darin, die

Projekte interessant zu gestalten.

Die Nutzung von Netzwerken bilden einen unverzichtbaren

Bestandteil.

Hans-Dieter Schiller – Vorsitzender Landesverband

Schleswig-Holstein ging in seinem Vortrag auf die Integration

von Migranten im Kleingartenwesen im Landesverband

Schleswig-Holstein ein. Als eine sehr schwierige

Situation stellt sich die Umsetzung von Projekten im

Lübecker Raum da.

Der Bürgermeister der Stadt Lübeck bringt wenig Verständnis

und keinerlei finanzielle Unterstützung für die

Entwicklung und Realisierung von Projekten auf.

Den ehrenamtlichen Kleingärtnern ist es zu danken,

dass die fünf vorgestellten Projekten umgesetzt werden.

Dabei handelt es sich um solche Projekte wie

• Migrationsgarten

• Land in Sicht

• Interkultureller „Bielefeld Garten“ (Grüner Kreis Lübeck

e.V.)

• Waldmäuse, läuft seit drei Jahren mit Kindern unterschiedlicher

Nationen und liegt im Naturschutzgebiet

• Junges Gemüse – in Planung 26.03.2012

Seit drei Jahren wird in der Kleingartenanlage „Buntekuh“

eine Ferienpassaktion durchgeführt. In dieser

Kleingartenanlage ist ein hoher Anteil aktiver Migranten

tätig.

Die umfangreichen Aktivitäten werden über eine eigene

Stadtteil Zeitung sowie Radio der Öffentlichkeit zugänglich

gemacht.

Es bestehen Kooperationsverträge mit Trägergemeinschaften

die sich auch finanziell an der Umsetzung der

Projekte beteiligen.

Prof. Dr. Gerlinde Krause von der Fachhochschule Erfurt

ging in ihrem Vortrag auf die Weiterentwicklung

von Kleingartenparks in Kleingartenanlagen ein.

Kleingartenparks als Elemente eines Parks. Die Weiterentwicklung

von Kleingartenparks heißt, weiter entwickeln

oder entwickelt werden. Prof. Krause gab Anregungen

zur weiteren Entwicklung von Kleingarten

Parks.

Dabei sollte besonders beachtet werden, dass die Glie-

6 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


derung in historische Abschnitte erfolgt und dabei muss

dies bei größeren Anlagen als Ganzes erkennbar sein.

Manfred Weiß – Vorsitzender LV Braunschweig befasste

sich mit dem Thema Jenseits des Gartenzaunes – Projekte

außerhalb der Kleingartenanlage.

Der Vortrag befasste sich mit der Neugestaltung eines

Schulgartens an der Hauptschule Heidberg ohne städtische

Unterstützung. Insgesamt 250 Stunden ehrenamtlicher

Arbeit waren erforderlich bis zur Fertigstellung.

Im Ergebnis konnte ein Kooperationsvertrag zwischen

Schule und dem Verein abgeschlossen werden. Dieser

Schulgarten kann auch in den Wintermonaten genutzt

werden, wo dann auch durch die Schüler notwendig gebrauchte

Nistkästen gebaut werden.

Die drei vorgestellten Projekte machen deutlich, dass

eine Vernetzung von Keingartenvereinen, Schule und

Horteinrichtungen unabdingbarer Bestandteil für eine

kontinuierliche Zusammenarbeit darstellen.

Die Einbeziehung und Bereitschaft der Lehrer, Eltern

und Kleingärtner für eine perspektivvolle Erhaltung der

Projekte sind sehr wichtig.

Schwierig gestaltet sich allerdings die Absicherung in

der Ferienzeit.

Die Schreberjugend des Landesverbandes Berlin, vertreten

durch Isabel Hollenbeck stellte das Projekt Naturpädagogik

von A–Z vor.

Den Schwerpunkt ihrer Ausführungen bildete sehr eindrucksvoll

das handlungsorientierte und praxisnahe Naturerleben.

Das Drei- Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

1. Ökologische Nachhaltigkeit

2. Ökonomische Nachhaltigkeit

3. Soziale Nachhaltigkeit

wurden umfassend erläutert. Umfangreiche praktische

Hinweise bildeten den Abschluss mit einer Power Point

Präsentation.

Das Grüne Klassenzimmer mit Kräutergarten, vorgetragen

durch Volker Meißner, Landesverband Sachsen,

bildete einen würdigen Abschluss des Seminars.

Sehr eindrucksvoll wurde die Entwicklung, Entstehung

und Umwandlung einer alten und leerstehenden Parzelle

zu einem Kräuterstützpunkt dargestellt.

Durch den hohen persönlichen Einsatz von Gartenfreund

Meißner konnte ein Kräuterstützpunkt mit pädagogischer

Begleitung geschaffen werden der bundesweite

Anerkennung findet.

Der hohe notwendige Kostenanteil wurde mit Unterstützung

von Sponsoren und ortsansässigen Unternehmen

realisiert. Auf Grund des Umfanges des Vortrages sollte

jeder Leser die Internetmöglichkeit www. grünes-klassenzimmer-Torgau.de

nutzen um weitere interessante

Informationen zu bekommen

Dieter Steffens, Seminarleiter

Präsidiumsmitglied für Seminare

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 7


Ein Baustein der Grundversorgung

Kleingartenanlagen gehören zur

Daseinsvorsorge unserer Kommunen

Thesen – Gedanken – Folgerungen

1. Thesen

Joachim Roemer

Vizepräsident des Landesverbandes

Niedersächsischer

Gartenfreunde e.V.

• Die gesellschaftspolitische Bedeutung des Kleingartenwesens

ist seit langem anerkannt.

• Das Bundeskleingartengesetz als Pacht- und Kündigungsschutzgesetz

ist unumstritten.

• Der Deutsche Städtetag hat den Leitlinien zur nachhaltigen

Entwicklung des Kleingartenwesens zugestimmt.

• Nun ist es an der Zeit, dass Städte und Gemeinden

Kleingärten zum Bestandteil ihrer Daseinsvorsorge

machen.

2. Einleitung

Schon seit geraumer

Zeit beschränken

sich

die kleingärtnerischenOrganisationen

nicht

mehr nur auf

die Verpachtung der Parzellen und die Durchführung

von Gemeinschaftsveranstaltungen für ihre Mitglieder.

In allen Bundesländern, wahrscheinlich in der überwiegenden

Zahl unserer Bezirks-, Kreis- und Stadtverbänden,

führen wir Projekte innerhalb unserer Kleingartenanlagen

und darüber hinaus durch.

Wir berichten darüber – nicht nur in diesem Seminar.

Wir dokumentieren die Ergebnisse in Schriftenreihen,

auf unserer Homepage, gehen damit über die Medien

in die Öffentlichkeit.

Politik und Verwaltung und eine mehr oder weniger

breite Öffentlichkeit nehmen Anteil an unseren Leistungen

und loben sie. Sie unterstreichen die Bedeutung

des Kleingartenwesens.

Je nach wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen

erhalten wir eine Unterstützung für diese Leistungen,

meistens in Form einer Projektförderung.

Wir selber betonen, dass diese Projekte zu den Leistungen

des Kleingartenwesens gehören, die wir aufgrund

seiner gesellschaftspolitischen Bedeutung erbringen.

Wir betonen die drei Säulen des Kleingartenwesens

• Soziale Bedeutung

• Ökologische

Bedeutung

• Städtebauliche

Bedeutung

und in der jüngeren Zeit auch

Bedeutung für die Gesundheit und den Klimaschutz.

Unsere Leistungen erbringen wir also – aus unserer

Sicht – nicht ohne Grund; und manchmal auch mit Hintergrund.

Wir erwarten für uns – oder erhoffen zumindest

– dass damit die Akzeptanz des Kleingartenwesens

in unserem Lande gewahrt wird oder gar zunimmt.

Schon lange sind wir auf dem Weg, die Bedeutung des

Kleingartenwesens auf breitere Schultern zu stellen, als

sie auf das „reine Gärtnern“ zu beschränken.

Wenn wir auch auf diesem Seminar wieder über unsere

Leistungen und unsere Projekte sprechen – und dieses

mit dem gebotenen Stolz – dann sollten wir dabei überlegen:

8 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


– Sprechen auch andere über unsere Projekte?

– Sind unsere Leistungen / unsere Projekte stammtischtauglich?

– Erwartet die Gesellschaft, dass wir diese Leistungen

erbringen?

– Gibt es andere, die diese Projekte auch erbringen?

– Haben wir hier ein Alleinstellungsmerkmal?

– Haben wir besondere Rahmenbedingungen, über die

andere nicht verfügen?

– Erfüllen wir mit diesen Projekten, mit unseren Leistungen,

einen Beitrag für die Grundversorgung unserer

Mitmenschen?

– Gehören diese Leistungen zur Daseinsvorsorge unserer

Kommunen oder zumindest in unserer Kommune?

Wenn wir dann am Ende feststellen, dass unsere Leistungen

– in unserer Gesellschaft – zumindest in heutigen Zeit –

unverzichtbar sind,

– damit zur Grundversorgung in den Kommunen beitragen,

– von anderen öffentlichen oder privaten Trägern nicht

oder nicht in dieser Qualität, in diesem Umfang,

durchgeführt werden (können),

– aus dem Blickwinkel der heutigen Zeit zur Daseinsvorsorge

in den Kommunen gehören, dann müssen wir

uns die Fragen stellen:

– wie erreichen wir, dass Politik, Verwaltung und Gesellschaft

dieses so anerkennen?

– Wie kann das Kleingartenwesen weiter heraustreten

aus einer öffentlichen Darstellung, die häufig genug

die negativen Seiten, oder zumindest das alte Klischee-

Denken, in den Focus der Betrachtung stellt?

– Wie können wir mit unseren Leistungen eine Erwartungshaltung

in der Öffentlichkeit aufbauen? Man

würde uns, unsere Leistungen vermissen, wenn sie

nicht da sind; würde die Kommune auffordern, die

Voraussetzungen hierfür zu schaffen.

– Wie können wir dann erreichen, dass unsere Leistungen

auch die notwendige Förderung – eine institutionelle

Förderung – erhalten?

Oder sind hier die Erwartungen zu hoch geschraubt.

Ist das, was Staat und Gesellschaft für das Kleingartenwesen

leisten,

– durch den Schutz des Bundeskleingartengesetzes,

– durch die Pachtpreisbegrenzung und

– durch den Kündigungsschutz,

– durch Projektförderung und andere Zuwendungen

genug Leistung, um uns in diesen Aktivitäten zu unterstützen?

Oder verbergen sich in zu hohen Erwartungen unsererseits

auch Gefahren?

Noch ist die Verpachtung der Gärten unsere primäre

Aufgabe, die Projekte eher sekundär.

Kann es für unsere Organisation, für das Kleingartenwesen

von Nachteil sein, wenn die Gesellschaft Projekte

als Teil unserer primären Aufgaben erwarten, sie einfordern

würde?

Ich würde mich freuen, wenn an diesem Wochenende

auch darüber diskutiert wird und möchte dazu ein paar

Thesen, Gedanken und Folgerungen beisteuern.

3. Was muss der Staat – die Kommune für die

Bürger leisten?

Öffentliche Aufgaben (Quelle: www.freie-gesellschaft.de)

Öffentliche Aufgaben sind Aufgaben, deren Erledigung

(oder Nicht-Erledigung) einen Großteil der an einem

Ort lebenden Menschen betrifft.

Zu den öffentlichen Aufgaben gehören insbesondere:

• Infrastrukturelle Einrichtungen: Versorgung (Strom,

Wasser, Gas/Heizung), Entsorgung (Müllabfuhr, Abwasser),

Kommunikation (Telefon, Internet), Verkehrswesen

(öffentlicher (Nah-)Verkehr, Straßen & Wege)

etc.

• Gesundheitswesen

• Erziehung & Bildung (Schule, Universitäten)

• Forschung & Wissenschaft

• Schutz vor Zwang und Gewalt,…, (etwa durch Notdienste

wie Polizeinotruf, Feuerwehr etc.),…

Die Kommunen haben öffentliche Aufgaben innerhalb

ihrer Grenzen zu erfüllen. Die kommunalen Aufgaben

entwickeln sich durch wandelnde gesellschaftliche und

politische Erwartungen an die öffentliche Verwaltung.

Sie sind also nicht auf Dauer festgelegt.

Grob aufteilen lassen sich kommunale Aufgaben in freiwillige

Aufgaben, Pflichtaufgaben und Weisungsaufgaben.

Freiwillige Aufgaben

Bei den freiwilligen Aufgaben entscheidet die Gemeinde

selbst, ob sie tätig werden will oder nicht. Wird sie tätig, ist

sie dort den gesetzlichen Vorschriften unterworfen.

Zu den freiwilligen Aufgaben gehören insbesondere:

• Kulturelle Angelegenheiten (z. B. Bücherei, Museum,

Theater, Volkshochschule)

• Betrieb eines Schwimmbades, einer Sportanlage

• Einrichtung und Pflege von Grünanlagen

Pflichtaufgaben

Pflichtaufgaben werden durch Bund oder Land per Gesetz

vorgeschrieben. Sie sind zum Teil unbedingt durch-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 9


zuführen: zum Beispiel Gemeindewahlen, Feuerwehr;

oder nur unter bestimmten Voraussetzungen, zum

Beispiel die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes.

Dabei ist der Ermessensspielraum unterschiedlich. Die

wichtigsten Pflichtaufgaben sind:

• Gemeindewahlen

• Abwasserbeseitigung

• Versorgungseinrichtungen

• Verkehrseinrichtungen

• Soziale Angelegenheiten

• Feuerwehr

• Allgemeinbildende Schulen

• Bauleitplanung

Weisungsaufgaben

Verpflichtet der Gesetzgeber die Gemeinde zur Erfüllung

bestimmter Aufgaben, spricht man von Weisungsaufgaben.

4. Kommunale Aufgabe: Kleingartenwesen

Das Kleingartenwesen ist explizit bei den kommunalen

Aufgaben nicht aufgeführt.

Mainczyk schreibt aber in seinem Praktikerkommentar

zum Bundeskleingartengesetz – BKleingG (10. Auflage):

„Der Bedarf an Kleingartenland ist ein Abwägungselement

bei der Bauleitplanung (§1 Abs.7 BauGB). Die Vorschrift des

§1 Abs.5 BauGB fordert als Ziel der Bauleitplanung u.a. die

Gewährleistung einer sozial gerechten Bodennutzung und

die Sicherung einer menschenwürdigen Umwelt. Bei der

Aufstellung der Bauleitpläne sind die Belange des Kleingartenwesens

zu berücksichtigen.“

§ 1 Aufgabe, Begriff und Grundsätze der Bauleitplanung

5) Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche

Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und

umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung

gegenüber künftigen Generationen miteinander in

Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit

dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten.

Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt

zu sichern, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen

und zu entwickeln sowie den Klimaschutz und die

Klimaanpassung, insbesondere auch in der Stadtentwicklung,

zu fördern, sowie die städtebauliche Gestalt und das

Orts- und Landschaftsbild baukulturell zu erhalten und zu

entwickeln.

Im §1 Abs.6 BauGB werden dazu weitergehende Anforderungen

formuliert:

Bei der Aufstellung der Bauleitpläne sind insbesondere

zu berücksichtigen:

1. die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn-

und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn-

und Arbeitsbevölkerung,

2. die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, die Schaffung

und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen,

die Eigentumsbildung weiter Kreise der Bevölkerung

und die Anforderungen Kosten sparenden Bauens sowie

die Bevölkerungsentwicklung,

3. die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung,

insbesondere die Bedürfnisse der Familien,

der jungen, alten und behinderten Menschen, unterschiedliche

Auswirkungen auf Frauen und Männer

sowie die Belange des Bildungswesens und von Sport,

Freizeit und Erholung,

4. die Erhaltung, Erneuerung, Fortentwicklung, Anpassung

und der Umbau vorhandener Ortsteile sowie

die Erhaltung und Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche,

5. die Belange der Baukultur, des Denkmalschutzes und

der Denkmalpflege, die erhaltenswerten Ortsteile,

Straßen und Plätze von geschichtlicher, künstlerischer

oder städtebaulicher Bedeutung und die Gestaltung

des Orts- und Landschaftsbildes,

6. …,

7. die Belange des Umweltschutzes, einschließlich des

Naturschutzes und der Landschaftspflege, insbesondere

a) die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser,

Luft, Klima …,

b) …,

c) umweltbezogene Auswirkungen auf den Menschen

und seine Gesundheit sowie die Bevölkerung insgesamt,

d) – g) …,

h) die Erhaltung der bestmöglichen Luftqualität …,

Die hier aufgeführten Aspekte berühren das Kleingartenwesen

an vielen Stellen.

Mainczyk führt weiter aus: „§1 Abs.7 BauGB verpflichtet

die Gemeinden, bei der Aufstellung von Bauleitplänen die

öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander

abzuwägen.“

Dass das Kleingartenwesen zu diesen Belangen gehört,

ergibt sich nach Mainczyk aus den sozialen Bedürfnissen

der Bevölkerung und aus den Belangen des Umweltschutzes.

Dass ein öffentliches Interesse daran besteht

wurde vom Bundesverfassungsgericht in seinem

Beschluss vom 12. Juni 1979 ausdrücklich festgestellt.

„Kleingärten haben eine wichtige städtebauliche und sozialpolitische

Bedeutung. Sie stellen ein wichtiges Element

10 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


zur Durchgrünung und Auflockerung der Bebauung dar und

verbessern das ökologische Gleichgewicht in den Städten.

Sie sind in so weit eine notwendige Ergänzung des mehrgeschossigen

Wohnungsbaues. Kleingärten sind aber auch von

großer sozialer Bedeutung…“

Die Gemeinden haben demnach eine städtebauliche

Verpflichtung, ausreichend Kleingartengelände bereitzustellen.

5. Kleingärten ohne Alternative?

Hinterfragt man die Regelung im BauGB nach „Gewährleistung

einer sozial gerechten Bodennutzung“, muss

man sich in Bezug auf Gärten auch über Alternativen

zum Kleingarten Gedanken machen.

Der Zugang zu Privateigentum und somit zu einem eigenen

Grundstück, das als Gartenland genutzt werden

kann (Eigentumsgarten), bleibt vielen Menschen aus finanziellen

und anderen Gründen verschlossen.

Neben den Kleingärten listet die Gartenamtsleiterkonferenz

(GALK) in ihrem Fachbericht „Kleingärten im Städtebau,

2005“ Alternativen zum Eigentumsgarten auf:

Garten am – gemieteten – Eigenheim (Hausgarten);

Wohnungsgarten (Mietergarten), Arbeitnehmergarten,

Grabeland, Freizeitgarten, Wochenendgarten oder Erholungsgarten.

Alle genannten Gartentypen stehen in den Kommunen

nur selten, kaum in ausreichender Anzahl, vielfach nur

in Verbindung mit dem Haus oder der Wohnung und

ohne (eigenen) Kündigungsschutz zur Verfügung.

Mit ihrem – zumindest in den größeren Kommunen

flächendeckenden – Angebot und insbesondere ihrem

Pacht- und Kündigungsschutz sind Kleingärten ohne

Alternative.

Mit der Bedeutung des Kleingartenwesens für die Stadtentwicklung

setzt sich die GALK in ihrem Fachbericht

eingehend auseinander:

Die städtebauliche Bedeutung von Kleingartenanlagen

und ihre Rolle im Grünflächensystem der Stadt

„… Kleingärten haben heute außer dem Erholungswert und

dem Aspekt der Gewinnung von Obst und Gemüse sowie

sonstigen Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf sozialpolitische,

kulturelle, gesundheitliche, ökologische und

stadtplanerische Bedeutung. Sie stellen einen notwendigen

Ausgleich zu den Mängeln im Geschosswohnungsbau und

im Wohnumfeld dar. Die Kleingärten nehmen neben den

großräumigen Grünflächen und den Parkanlagen, Friedhöfen,

Sportanlagen und sonstigen Gärten einen besonderen

Stellenwert ein.“

Weiter heißt es in dem Bericht:

– „Bei der öffentlichen Nutzbarkeit spielen die Kleingartenanlagen

eine wesentliche Rolle für das grünflächenbezogene

Erholungsangebot der Stadt.

– Durch den Bestand an öffentlich nutzbaren Freiflächen

werden die Kleingartenanlagen auch von einer Vielzahl

‚Nichtkleingärtnern‘(…) aufgesucht.

– Eine Vernetzung der unterschiedlichen Grünflächen ist von

Vorteil; mittels Fuß- und Radwegen sind eine Vielzahl von

Kleingartenanlagen mit anderen Grün- und Erholungsflächen

verbunden.

– Stadtökologisch tragen Kleingärten gleichzeitig zur Verbesserung

des Stadtklimas durch eine eintretende Durchlüftung

der Stadt als auch durch kleinklimatische Verbesserungen

wie Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und Absorption

von Staub bei.

– Die Funktion des Wasser- und Bodenhaushaltes wird durch

unversiegelte Flächen verbessert.

– Selbst kleinste Bereiche können wichtige Biotope und

Rückzugsflächen für Fauna und Flora darstellen.

– Der besonders im Sommer wichtige Luftaustausch mit

dem Umland wird unterstützt.

– Jede Kleingartenanlage hat auf Grund der verschiedenen

strukturellen Ausprägung eine unterschiedliche Bedeutung

für den Artenschutz und die Lebensräume der Pflanzen

und Tiere.“

Aus diesen Ausführungen lässt sich ohne Schwierigkeiten

ableiten, dass die Kleingärten den Anforderungen

der Bauleitplanung in vielerlei Hinsicht gerecht werden

und so als Bestandteil der Bauleitplanung zu den

Pflichtaufgaben der Kommunen gehören.

Im Ergebnis lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass sich

das Kleingartenwesen selber genug sein könnte. Es bedarf

eigentlich keiner weiteren Anstrengungen um die Daseinsberechtigung

zu unterstreichen.

Es besteht ein hinreichendes öffentliches Interesse, das

von den Kommunen nicht unberücksichtigt bleiben darf.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 11


6. Projekte – Leistungen on Top?

Obgleich dieses per se öffentliche Interesse in unseren

Verbänden und Vereinen bekannt sein dürfte, nehmen

wir zunehmend Anstrengungen auf uns, um unsere

Belange in der Öffentlichkeit positiv darzustellen und

unsere Daseinsnotwendigkeit zu unterstreichen.

Mit einer Vielzahl von Aktivitäten und insbesondere

Projekten machen wir darauf aufmerksam, dass wir unser

Image weiterentwickeln, dass wir den Herausforderungen

unserer Zeit folgen und mehr tun, als nur interessierten

Gartenfreunden ein Stück Land zur Nutzung

zu verpachten.

Wir engagieren uns, für unsere gesellschaftspolitische

Anerkennung und für den Fortbestand unserer Anlagen.

Mehr als das BVerfG mit der städtebaulichen und sozialpolitischen

Bedeutung dem öffentlichen Interesse an

Kleingärten entsprochen hat

– als Element der Durchgrünung und Auflockerung der

Bebauung,

– für die Volksgesundheit (Ausgleichsfunktion zur einseitigen

Berufstätigkeit),

– zur Verbesserung der Lebensqualität engagieren wir

uns in Fragen der Bildung, der Integration, des demografischen

Wandels und des Klimaschutzes.

Ist das richtig, notwendig und sind wir auf dem richtigen

Weg?

7. Perspektivenwechsel: Europas Ziele

Wir blicken heute zunehmend auf Europa und Europa

schaut auf uns. In der Europäischen Union (EU) werden

Ziele für das gemeinsame Handeln der Staaten für

die Zukunft festgelegt.

Nach der Lissabonstrategie stehen jetzt die Europa-

2020-Ziele auf der Agenda.

Die fünf EU-Kernziele für das Jahr 2020 sind:

– Beschäftigung

– Forschung und Entwicklung sowie Innovation

– Klimawandel und Energie

– Bildung

– Armut und soziale Ausgrenzung

Zwei weitere Themen werden in diesem Kontext immer

wieder angesprochen:

– der demografische Wandel

– die Daseinsvorsorge

Um noch einmal auf die Bauleitplanung zurückzukommen.

Auch die Bundesraumordnung als oberste Planungsebene

im Bundesgebiet geht auf diese Themen

ein.

Als Rahmenvorschrift für die Raumordnung hat der

Bund das Raumordnungsgesetz (ROG) erlassen. Im

ROG sind Aufgabe und Leitvorstellungen für die räumliche

Entwicklung des Bundesgebietes formuliert.

„Wirtschaftliches Wachstum und Innovation, Daseinsvorsorge

sowie die Bewahrung von Ressourcen und die Gestaltung

und der Schutz von Kulturlandschaften sind aktuelle gesellschaftliche

Herausforderungen und deshalb Schwerpunkte

der Raumentwicklungspolitik. Der demografische Wandel,

die Entwicklungen in den Bereichen Wirtschaft und Erwerbstätigkeit

und der Infrastruktur – wirken sich auf die Siedlungsentwicklung

sowie die räumlichen Verflechtungen aus

und führen zu Veränderungen in der Raumstruktur. Aus der

Analyse der Entwicklungstendenzen und der Identifikation

von Problemfeldern wurden die Handlungsfelder für die zukünftige

Raumentwicklung abgeleitet.“

Diese drei Leitbilder:

– „Wachstum und Innovation“

– „Daseinsvorsorge sichern“ und

– „Ressourcen bewahren, Kulturlandschaften gestalten“

bilden das Gerüst für eine nachhaltig positive Entwicklung

in Deutschland.

[Leitbilder der Ministerkonferenz für Raumordnung

(MKRO), 2006]

8. Was ist Daseinsvorsorge?

www.kommunalforum-sachsen.de: „Daseinsvorsorge

heißt allgemein: die Bereitstellung wirtschaftlicher, sozialer

und kultureller Leistungen für die Allgemeinheit (einschließlich

der dazu erforderlichen Einrichtungen) durch die Kommune.

Daseinsvorsorge wird als Rechtsbegriff im Rahmen

der sogenannten Leistungsverwaltung verwendet, ist aber

auch ein soziologischer und politischer Begriff und somit

Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen.“

Ende des 19. Jahrhunderts gehörten dazu insbesondere

die zentrale Wasserversorgung und die Abwasserbeseiti-

12 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


gung, um für alle Einwohner hygienische Minimalstandards

kostengünstig zu gewährleisten. Die Daseinsvorsorge

entstand als Aufgabe der Kommunen im Gefolge

von Industrialisierung, Bevölkerungszunahme und Verstädterung.

Für die Sicherstellung elementarer Lebensbedingungen

der Menschen musste zunehmend eine

entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Ernst

Forsthoff definierte Daseinsvorsorge allgemein als „die

Darbietung von Leistungen, auf welche der in die modernen

massentümlichen Lebensformen verwiesene Mensch lebensnotwendig

angewiesen ist.“

In diese Zeit fiel auch die ständige Verbreitung und Entwicklung

des Kleingartenwesens.

Kleingartengebiete wurden vielerorts in Europa – mit

Beginn der Industrialisierung – nach dem ersten – und

nach dem zweiten Weltkrieg – ausgewiesen, um der Bevölkerung

eine bessere Ernährung zu ermöglichen.

Eine Legaldefinition oder eine feststehende inhaltliche

Ausfüllung gibt es für den Begriff Daseinsvorsorge nicht.

Welche Leistungen dazu gehören, unterliegt der gesellschaftlichen

Entwicklung und dem politischen Diskurs.

Gegenwärtig zählen u.a. folgende Bereiche und Institutionen

zur kommunalen Daseinsvorsorge:

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Abfallbeseitigung,

Straßenbau und Straßenreinigung, Personennahverkehr,

Raumordnung und Bauleitplanung,

Wohnungswirtschaft, Sparkassen, Kulturpflege, Schulträgerschaft

und Kindertagesstätten, Jugendhilfe, Sozialhilfe,

Altenhilfe, Gesundheitswesen und Krankenhäuser,

Rettungsdienst und Katastrophenschutz.

„Daseinsvorsorge zählt zum Kernbereich der kommunalen

Selbstverwaltung. Dennoch sind nicht alle Leistungen der

Daseinsvorsorge auch automatisch Pflichtaufgaben.

Welche Leistungen der Daseinsvorsorge den Pflichtaufgaben

und welche den freiwilligen Aufgaben zugeordnet werden,

richtet sich hauptsächlich nach den kommunalrechtlichen

Bestimmungen der Länder.“

Wesentliche Kriterien für Leistungen der Daseinsvorsorge

sind:

– ein gleichberechtigter und verlässlicher Zugang zu

den Leistungen für alle Einwohnerinnen und Einwohner

zu erschwinglichen Preisen;

– die flächendeckende und kontinuierliche Bereitstellung

der Leistung in einer geforderten Qualität und in ausreichendem

Umfang;

– die Sicherung der Leistungen und die Gewährleistung

der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Lebens auch

für künftige Generationen;

– demokratische Kontrolle über die Leistungen der Daseinsvorsorge

und Sicherung der Transparenz über

Qualität und Umfang der erbrachten Leistungen.

9. Daseinsvorsorge und demografischer

Wandel

Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir werden in

Deutschland nicht nur weniger Menschen, wir werden

auch älter. Politik, Verwaltungen und Organisationen

widmen sich zunehmend einem Thema, dem demografischen

Wandel. In der Folge des demografischen

Wandels verändern sich auch die Anforderungen an die

kommunalen Aufgaben und damit auch an die Daseinsvorsorge.

Der Rückgang der Bevölkerung insbesondere im ländlichen

Raum erschwert die Ver- und Entsorgung. Sie wird

zunehmend unwirtschaftlicher. Öffentlicher Personennahverkehr

muss für eine immer geringer werdende

Bevölkerungszahl vorgehalten werden, die aber immer

stärker auf diese Verkehrsmittel angewiesen ist.

Während die Notwendigkeit von Gesundheitseinrichtungen

und Altenwohnungen zunimmt, wächst der

Leerstand in Wohnungen und Häusern.

Stadtentwicklungs- und Stadtumbauprogramme beschäftigen

sich mit alternativen Nutzungen bis hin zur

Förderung des Abrisses von Gebäuden.

Die Kommunen haben es angesichts rückläufiger Einnahmen

und unwirtschaftlicherer Aufgaben immer

schwerer, die Grundversorgung flächendeckend aufrecht

zu halten.

Dabei muss es nicht ausschließlich in der – finanziellen –

Zuständigkeit der Kommunen liegen, die Daseinsvorsorge

zu gewährleisten.

Der Deutsche Städte- und Gemeindetag schreibt dazu:

„Nach deutschem Verständnis kann die Ausgestaltung der

Daseinsvorsorge wirtschaftlich oder nichtwirtschaftlich sein,

im Wettbewerb oder als Monopol, gewinnbringend, kostendeckend

oder zuschussbedürftig.

Zentrale Idee der Daseinsvorsorge ist die Orientierung am

Gemeinwohl, verstanden als Gesamtinteresse der Bürgerschaft.

Das Gemeinwohl beinhaltet Gedanken wie Ver- und

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 13


Entsorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, Transparenz, Erschwinglichkeit

einer Leistung für breite Bevölkerungsschichten

sowie Erhalt von Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards.

Gemeinwohl steht zwar im Widerspruch zu dem Ziel reiner

Profitmaximierung, nicht aber im Widerspruch zu betriebswirtschaftlichem

Denken oder Gewinnerzielung.

Dazu gehören eben öffentliche Einrichtungen (wie das Verkehrs-

und Beförderungswesen), die Ver- und Entsorgung

(z.B. Gas, Wasser, Elektrizität, Abwasserbeseitigung). Dazu

zählen Bildungs- und Kultureinrichtungen, Krankenhäuser,

Friedhöfe, Bäder usw.“

Zur modernen Daseinsvorsorge gehört auch – so

schreibt die Stadt Leipzig auf ihrer Homepage – die

soziale Infrastruktur, mit zum Beispiel Kindergärten,

Schulen, Spielplätzen,

Jugend- und Senioreneinrichtungen. [– Gehören dazu

nicht auch Kleingärten?]

In heutiger Zeit erlangen soziale Wirkungen eine immer

größere Bedeutung. Die Belastung unserer Gesellschaft

durch Leistungsstress, die Entfremdung von der

Natur, die Überalterung infolge der demografischen

Entwicklung und die Notwendigkeit, Menschen in unsere

Gesellschaft zu integrieren sind Aufgaben, heute

und in der Zukunft, denen sich Staat und Gesellschaft

permanent stellen müssen.

10. Verpflichtung zur Daseinsvorsorge

Rechtliche Grundlage der Daseinsvorsorge ist die Garantie

der kommunalen Selbstverwaltung nach Art. 28,

Abs. 2 Grundgesetz („… alle Angelegenheiten der örtlichen

Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung

zu regeln“) und des Sozialstaatsprinzips.

Soweit keine gesetzliche Pflicht zur Erbringung einer

Leistung der Daseinsvorsorge besteht – beispielsweise

weitgehend im sportlichen und kulturellen Bereich – ist

es die freie Entscheidung der Kommune, ob sie überhaupt

tätig werden will und wenn ja, in welcher Rechtsform.

11. Arten der Daseinsvorsorge

Daseinsvorsorge – privat organisiert

Staatliche Daseinsvorsorge kann durchaus privat organisiert

werden. Wir haben uns heute daran gewöhnt,

nach staatlichen Leistungen zu rufen. Der Gewährleistungsstaat,

der alle Leistungen sichert, ist jedoch nicht

finanzierbar und auch nicht sinnvoll. Staatliche Aufgabe

ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen. In einer sozi-

alen Gesellschaft kann und muss er in die Umsetzung

private Initiativen einbinden.

Die Bertelsmannstiftung schreibt dazu:

„Jede Gesellschaft ist auf das Engagement des Einzelnen

angewiesen. Ob durch Dienstleistungen oder den gemeinsamen

Einsatz: Zivilgesellschaftliches Engagement lässt Menschen

in vielfacher Weise am Zusammenleben teilhaben.

Die Akteure der Zivilgesellschaft tragen weltweit dazu bei,

dass viele Leistungen im sozialen Bereich, in der Bildung,

im Sport, in Kunst und Kultur, im Umweltbereich oder in

der Entwicklungszusammenarbeit erbracht werden können.

Schnell und flexibel ist die Zivilgesellschaft in der Lage, Eigenverantwortung

und Selbsthilfe zu verwirklichen. Wir unterstützen

deshalb zivilgesellschaftliches Engagement und

die Entwicklung des gemeinnützigen Sektors.“

12. Kleingartenwesen und Daseinsvorsorge

Die Geschichte des Kleingartenwesens, die Anfänge als

Armengärten, die Idee Schrebers, die starke Zunahme

der Anlagen in Nachkriegszeiten zur Versorgung der

Bevölkerung und die heutige Anerkennung des Kleingartenwesens

durch Politik und Gesellschaft sind ein

starkes Indiz dafür, dass das Kleingartenwesen zur Daseinsvorsorge

gehört.

Über die Verpflichtung der Kommunen, im Rahmen der

Bauleitplanung Kleingärten zu schaffen und sie bei der

Abwägung ihrer Ziele zu beachten, wurde gesprochen.

Das öffentliche Interesse wurde bis hin zum BVerfG

bejaht.

Die städtebauliche, soziale und ökologische sowie zunehmend

auch die gesundheitliche und klimatische

Bedeutung der Kleingärten und des Kleingartenwesens

werden auf allen Ebenen hervorgehoben.

Umweltschutz, Bodenschutz, Naturschutz und Landschaftspflege,

Klimaschutz sind genau so Aufgaben der

Kommunen wie Gesundheit, Bildung, Beschäftigung,

14 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


ausgewogene soziale Bedingungen, Integration aber

auch Sport, Kultur und Kunst.

Das Kleingartenwesen wirkt hier an vielen Stellen aktiv

mit.

Die Kleingärtner in Deutschland nehmen ihre Aufgabe

wahr, im Rahmen der Zivilgesellschaft hier eigenverantwortlich

zu handeln.

Sie warten nicht auf politische Vorgaben oder den Druck

der Gesellschaft, sondern leisten ihren Beitrag selbstständig

im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Dabei stützen sie ihre Tätigkeit natürlich auf die Regelungen

des Bundeskleingartengesetzes, das ihnen als

Pacht- und Kündigungsschutzgesetz eine hervorragende

Plattform bietet.

Sie stützen sich natürlich auch auf die Festsetzungen

im Rahmen der Bauleitplanung, insbesondere dort, wo

der Schutz durch die Ausweisung als Dauerkleingärten

gewährleistet ist.

Sie nehmen diese Rechte in Anspruch, weil der Gesetzgeber

und die höchstrichterliche Rechtsprechung sie dazu

befugt.

Die Kleingärtner in den über 15.000 Vereinen verstehen

diese Rechte aber zugleich als Verpflichtung gegenüber

ihren Gemeinden, den Bürgern in ihrer Kommune.

Sie tragen ehrenamtlich zu den gesellschaftspolitischen

und sozialen Zielen in ihren Kommunen bei und nehmen

dafür zu Recht das Privileg in Anspruch, dass ihre

Kleingartenanlagen der Sozialbindung des Eigentums

unterliegen.

13. Ein Recht auf Garten

Mit der Verpachtung der Gärten kommen die Vereine

dem Recht und dem Bedürfnis der Bürger nach,

die ohne Eigentum an Grund und Boden dennoch ein

Stück Land pachten und selber gestalten und bewirtschaften

wollen.

Zu den Kleingärten gibt es in den Kommunen kaum

Alternativen.

Die kleingärtnerischen Organisationen erfüllen hier in

hohem Maß ein gesellschaftspolitisches Anliegen, indem

sie nicht nur die Gärten verpachten, sondern zugleich

für einen guten Zustand der Anlage, für Ver- und

Entsorgung, die Verwaltung, das gesellschaftliche Miteinander,

die Integration und den offenen Zugang für die

Bevölkerung sorgen.

Über privat geführte Kleingartenanlagen hinaus sind

die vereinsseitig geführten Anlagen fester Bestandteil

des Freizeitangebotes und des kulturellen Angebotes in

der Kommune.

14. Es gibt uns aus gutem Grund: Unser

Selbstverständnis – Das Leitbild des BDG

Mit Blick in das Leitbild des BDG können wir viele unserer

Aktivitäten daraus ableiten. Wir haben Handlungen

zu unserem Selbstverständnis entwickelt, zugunsten

unserer Gesellschaft und für unsere Umwelt. Wir machen

uns unsere Ziele zu unserer Verpflichtung.

Das Leitbild ist mit den Mitgliedsverbänden abgestimmt

und wird neben der Bundesebene auch auf vielen Landes-

und Ortsebenen, bis hin zu den Vereinen, verwirklicht.

Aus dem Leitbild heraus haben wir zum jüngsten Verbandstag

ein Positionspapier entwickelt und verabschiedet.

Wir stellen in diesem Positionspapier auch Forderungen,

so die Anerkennung:

„Kleingärtnerorganisationen [mit ihren Kleingärten] müssen

fester Bestandteil der Daseinsvorsorge der Kommune sein.“

Wir nehmen für uns in Anspruch, dass unsere Leistungen

für die Gesellschaft, unsere Projekte, von den Kommunen

anerkannt, gewürdigt und unterstützt werden

müssen.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 15


Mit der Forderung nach Anerkennung der Daseinsvorsorge

fordern wir die Kommunen zum Handeln in unserem

Interesse auf.

15. Projekte im Kleingartenwesen – eine

Forderung der Gesellschaft oder Selbstzweck?

In der Broschüre des BDG „Für eine bessere Zukunft“

und in vielen anderen Veröffentlichungen stellen wir

die Leistungen unserer Organisation der Öffentlichkeit

vor.

Diese können wir gliedern nach Leistungen

a) intern für die Mitglieder

b) extern für die Öffentlichkeit

Wenn wir uns die Frage nach der Wirkung dieser Projekte

und ihrer Anerkennung stellen wollen, dann sind

folgende Fragen zu beantworten:

a) Was wollen wir mit den Projekten erreichen?

b) Sind wir dazu verpflichtet?

c) Wie stehen wir mit diesen Projekten in unseren Kommunen

dar?

d) Was erwartet die Politik, die Gesellschaft von uns?

e) Liegen wir mit unseren Leistungen richtig?

f) Wer profitiert davon?

g) Welche Wirkung erzielen wir mit den Projekten?

h) Haben wir ein Alleinstellungsmerkmal?

i) Wer kann es besser?

j) Werden unsere Leistungen anerkannt?

k) Wie lässt sich die Akzeptanz verbessern?

16. Aufgaben der Gesellschaft von morgen –

wie passen unsere Projekte in die Herausforderungen

der Zukunft, in die EU-Ziele

2020?

– Beschäftigung

(Tafelgärten zur Wiedereingliederung in der ersten Arbeitsmarkt)

– Forschung und Entwicklung sowie Innovation (…)

– Klimawandel und Energie

Grüne Lungen der Städte und Gemeinden, Frischluftzufuhr

in die Innenstädte, Verbesserung des

(Klein)klimas, …

– Bildung

Lebenslanges Lernen, Natur-Erleben, Natur begreifen

– Armut und soziale Ausgrenzung

Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen, Integration

von Migranten, …

– Demografischer Wandel

Raum für Alt und Jung, Förderung von Gesundheit

und Beschäftigung im Alter, …

– Daseinsvorsorge

Erfüllung von kommunalen Aufgaben (Grünflächenpflege),

kulturelle Bedeutung, Gesundheitsvorsorge,


16 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


17. Schlussfolgerungen – Kleingärten als

Bestandteil der Daseinsvorsorge

Schauen wir uns die Herausforderungen der Gesellschaft

in der Zukunft an, dann stellen wir fest, dass hier

mittelbar oder unmittelbar sehr viele Berührungspunkte

zu unseren Aktivitäten bestehen.

Wir liegen im Trend der Zeit!

Wie kaum eine andere Organisation können wir auf

ein derart breites Spektrum von Verknüpfungen zu den

Zielen unserer Gesellschaft verweisen.

Wir erfüllen nicht nur unmittelbare Aufgaben der Kommunen,

so in der Unterhaltung öffentlichen Grüns. Wir

sind aktiv an vielen Stellen, an denen ehrenamtliches

Engagement zur Erfüllung von Aufgaben zur Daseinsvorsorge

gefordert ist.

Das sollte uns Selbstbewusstsein genug geben, die Forderung

zu stellen, dass wir Bestandteil der Daseinsvorsorge

in unseren Kommunen sind.

Projekte und Veranstaltungen (als sekundäre Aufgaben)

Während die Verpachtung der Gärten, die (fachliche)

Betreuung der Mitglieder und die Bewirtschaftung der

Gärten und Unterhaltung der Gemeinschaftsanlagen

zu den Verpflichtungen innerhalb einer kleingärtnerischen

Organisation gehören, sind Projekte und Veranstaltungen

vielfach eine zusätzliche (sekundäre) nicht

verpflichtende Leistung.

Wir bieten in unseren Verbänden und Vereinen diese

Leistungen an, um die Bedeutung unserer Organisation

und des Kleingartenwesens innerhalb unserer Gesellschaft

zu unterstreichen.

Vielfach werden diese Leistungen von Politik und Gesellschaft

begrüßt, gefördert und anerkannt. Aber, werden

sie auch von uns gefordert?

• Natürlich wird von uns erwartet, dass wir unsere Anlagen

offen halten. Aber, werden wir auch zur Schaffung

besonderer Ruhezonen oder Biotope für Besucher verpflichtet?

• Integration wird gefordert, Zugangsbeschränkungen

werden nicht toleriert. Aber, erwartet man interkulturelle

Veranstaltungen von uns?

• Den sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen,

mit Flora und Fauna erwartet man. Erwartet

man auch die Einrichtung von Schulgärten, Lehrgärten

und dergleichen?

• Wir schaffen keine Arbeitsplätze. Tafelgärten, von Arbeitslosen

bewirtschaftet, werden gelobt, aber auch –

besonders von der Arbeitsverwaltung -kritisch hinterfragt.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 17


Wo also stehen wir mit dem Kleingartenwesen?

Mit unseren Projekten für eine bessere Zukunft?

Ein Blick in die letzen beiden Veröffentlichungen, die

sich mit dem Kleingartenwesen beschäftigen, verdeutlicht

diese Fragen und geben Antworten.

In dem Forschungsbericht des Bundesministeriums für

Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahr 2008

über die „Städtebauliche, ökologische und soziale Bedeutung

des Kleingartenwesens“ wird nur am Rande von Projekte

gesprochen. Mehrfach werden diese Aktivitäten,

insbesondere die Tafelgärten, unter dem Gesichtspunkt

der Bekämpfung des Leerstands in den Anlagen beschrieben.

Interkulturelle Gärten werden als „neue Formen der

Gartennutzung“ bezeichnet.

Zu den sozialen Aktivitäten in den Vereinen heißt es:

„Eine vergleichsweise neue Qualität im Kleingartenwesen

sind die Aktivitäten der Vereine, die sich eben nicht mehr

nur an die eigenen Mitglieder richten, sondern weit darüber

hinaus gehen. Sie öffnen sich den Nachbarschaften und interessierten

sozialen Einrichtungen …“

„Für alle Projekte gilt“, so heißt es in dem Bericht weiter,

„die Vereine sind dadurch nicht nur eng in das soziale

Leben ihrer Kommunen eingebunden, sondern sie gestalten

sie aktiv mit. Wie bei allen Vereinen hängt davon auch ihre

Perspektive ab, denn nur so können Außenstehende etwas

über deren Arbeit erfahren und kann Interesse für das Kleingartenwesen

insgesamt geweckt werden. Diese besonderen

sozialen Kontakte und Aktivitäten sind es auch, auf die viele

Vereine inzwischen besonders stolz sind. Ihr Engagement für

die Gemeinschaft wird aus ihrer Sicht jedoch nicht immer

ausreichend gewürdigt. Dabei geht es nur zum Teil um stärkere

finanzielle Förderung. Genauso wichtig ist vielen auch

eine deutlichere Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit

in den Kleingärtnervereinen.“

Deutlicher wird der Deutsche Städtetag

In der Leitlinie des Deutschen Städtetags zur nachhaltigen

Entwicklung des Kleingartenwesens in den Städten

vom September 2011 bescheinigt er dem Kleingartenwesen

zunächst per se:

„Kleingärten sind auch unter Bedingungen des demographischen

Wandels, der städtebaulichen Umbauprozesse in unseren

Städten und sich ändernden sozialen, ökonomischen

und ökologischen Erfordernissen unverzichtbarer Bestandteil

kommunalen Lebens.“

Im Weiteren stellt der Städtetag die Bedeutung der

Leistungen der kleingärtnerischen Organisationen und

deren Projekte für die Öffentlichkeit heraus und unterstreicht

deren Wirkung und Notwendigkeit.

Im Handlungsfeld Kleingartenentwicklung empfiehlt

der Städtetag, „Die Städte und Gemeinden müssen auf

die Auswirkungen von ökonomischem, gesellschaftlichem

und sozialem Wandel reagieren und eine angemessene Aus-

stattung mit Kleingärten dauerhaft sicherstellen, damit die

Voraussetzungen für ein zukunftsfähiges Kleingartenwesen

gegeben sind.“ … „Wichtigste Aufgabe ist die Sicherung und

Erhaltung des Bestandes.“

… und er befürwortet im Umgang mit Leerstand: „Ausgleichszahlungen,

die zweckgebunden zur Förderung und

Aufwertung bestehender Anlagen eingesetzt werden. Hierzu

zählen z.B. die Umwandlung in Kleingartenparks mit hoher

Aufenthaltsqualität für die Allgemeinheit oder die Einrichtung

von Schul-, Lehr-, Senioren- und anderen Gemeinschaftsgärten.“

Durch objektkonkrete Ausführungsplanungen und Aufwertungsmaßnahmen

soll eine bessere Einbindung in

das Grünflächen- und Biotopsystem der Stadt und die

Schaffung von öffentlichen Nutzungsmöglichkeiten

erfolgen. „… und die Anlagen um zusätzliche Nutzungsangebote

angereichert werden, wie z.B. mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen,

Sitzgelegenheiten, Themengarten, Lehrpfad.“

Zur Erhöhung der Familienfreundlichkeit in den Anlagen

rät der Städtetag, „…. Um Begegnungen zwischen

den Vereinsmitgliedern und mit der Öffentlichkeit zu ermöglichen,

sollten Aufenthaltsbereiche geschaffen werden, z. B.

kleine Plätze.

Synergien zwischen den Generationen sind durch Projekte

zu fördern, z.B. Kleinkindbetreuungsangebote durch aktive

Senioren innerhalb der Kleingartenanlagen.“

Und zur Schaffung von Kooperationen sagt der Städtetag:

„Lebendige Kooperationen mit Kindergärten, Schulen

und anderen Bildungseinrichtungen für Kinder, Jugendliche

und Erwachsene insbesondere im Bereich Umweltbildung

und Bewegungsförderung sind zu entwickeln. Durch die Anlage

von Schul- und Lehrgärten, Naturerlebnisräumen und

Spielbereichen für Bewegungsspiele können Orte dafür geschaffen

werden. Dabei sollte das Angebot der Kleingärtner

stärker als bisher mit dem Bildungsbedarf und den Zielen

der Bildungsträger vernetzt werden, so dass sich eine Alltagstauglichkeit

ergibt und Nutzung wie Unterhaltung dieser

Gärten kontinuierlich sichergestellt sind.“

„Als eine besondere Form sozialen Engagements soll die Anlage

so genannter ‚Tafelgärten‘ als eine geeignete Möglichkeit

weiter ausgebaut werden.“

Noch an weiteren Stellen geht der Städtetag in der Leitlinie

auf die Bedeutung und auf die Notwendigkeit von

Kooperationen der Gartenfreunde mit anderen Stellen

und auf die Wichtigkeit der Projekte ein.

Es ergibt sich daraus im Prinzip eine Verpflichtung, der

sich die Verbände und Vereine kaum noch entziehen

können. Andererseits wird vom Städtetag eine finanzielle

Unterstützung bejaht.

„Die Erfüllung dieser insbesondere durch die Vereine zu leistenden

Aufgaben ist durch die Kommune zu unterstützen.“

„Zur Erfüllung der Aufgaben im Kleingartenwesen für angemessene

Finanzierung und Förderung zu sorgen.“

18 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


„Die Kommunen sollten entsprechend ihrer finanziellen und

personellen Möglichkeiten und in angemessener Würdigung

der positiven Beiträge des Kleingartenwesens zum Gemeinwohl

einen Grundstock an Kapazitäten bereitstellen.“

„… erweist es sich als sinnvoll, die grundsätzliche Verantwortung

bei der Kommune zu belassen …“

„Zur Förderung und Finanzierung der Leistungen ist neben

der Nutzung bestehender Förderprogramme wie Beschäftigungsprogramme

und die Nutzung der naturschutzfachlichen

Ausgleichs- und Ersatzregeln aber auch die entsprechende

Gestaltung der Pachtverträge möglich. Über die

anteilige Auszahlung von Pachtzinseinnahmen (oder Pachtzinsnachlässe)

für die gezielte Förderung des Kleingartenwesens

können die Kommunen einen wichtigen Beitrag für die

Sicherung und Entwicklung der Kleingartenanlagen leisten.

Über spezielle Landesförderprogramme zur Entwicklung des

Kleingartenwesens können weitere Fördermöglichkeiten geschaffen

werden.“

Und auch die Anerkennung der Leistungen der Kleingärtner

für die Gemeinschaft unterstreicht der Städtetag:

„Das Vereinsleben im Kleingarten erfordert und ist ganz

wesentlich von ehrenamtlichem Engagement geprägt. Die

ehrenamtlich Tätigen arbeiten uneigennützig und widmen

einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitskraft für die Gemeinschaft.

Dies sollte auch mit Blick auf eine weitergehend

dringend erforderliche Erhöhung des bürgerschaftlichen Engagements

durch die Kommunen, Länder und des Bundes

gefördert werden. Die ehrenamtliche Arbeit der Kleingärtner

soll stärker in die Ehrenamtskultur der Kommune eingeordnet

werden, ...“

18. Fazit

Kleingärtner spielen mit ihren über vier Millionen Mitgliedern

und Angehörigen eine maßgebliche Rolle in

unserer Gesellschaft. Bewusst oder unbewusst tragen

sie zur Bewältigung vielfältiger Aufgaben ihrer Kommunen

bei. Ihr Handel ist ausgerichtet auf soziale, gesundheitliche

und umweltrelevante Aspekte.

Nicht nur unsere Funktionäre, sondern zunehmend Politiker,

Führungskräfte der Verwaltungen, Sozial- und

Naturschutzverbände, aber auch Ärzte und Therapeuten

betonen, dass das Kleingartenwesen eine entscheidende

Bedeutung hat für eine soziale Stadt, für Miteinander

und Integration, für Klima- und Umweltschutz,

für Gesundheit und Wohlbefinden.

Der Garten wird als Gesundheitsquell von vielen Medizinern

anerkannt. Aktive Gartenarbeit, die Beschäftigung

mit Pflanzen, der Aufenthalt im Freien, die Farben und

Düfte der Pflanzen sind positive Faktoren, besonders

auch für die zunehmende Gruppe älterer Menschen.

Dabei stellen nahezu ausschließlich die Kleingärten sicher,

dass nicht nur Eigentümer von Grund und Boden

der Zugang zu einem eigenen Garten ermöglicht wird.

Da wäre der nächste Schritt nur konsequent:

„die Anerkennung und Einbeziehung der Kleingärten und

der Gartenfreundinnen und Gartenfreunde in die Daseinsvorsorge

der Städte und Kommunen.“

Preiswert und effizient

Der Schritt zur Anerkennung erfordert von vielen Kommunen

zunächst keine zusätzlichen Leistungen.

• Bestandteil des öffentlichen Grüns sind wir bereits.

Hier bedarf es nicht zwangsläufig neuer Investitionen,

vielfach jedoch der Sicherung des Bestandes.

• Gärten und Gemeinschaftsanlagen, ihre Finanzierung,

Pflege und Unterhaltung stellen wir sicher. Gemeinschaftliche

Aktivitäten werden im Jahresverlauf

angeboten.

• Als kleingärtnerische Organisationen leisten wir seit

weit über Einhundert Jahren unseren Beitrag hierzu.

In den vielen Epochen des Kleingartenwesens haben

wir uns den jeweiligen gesellschaftspolitischen Herausforderungen

angepasst.

• Wir haben zu Beginn Kindern das Spielen im Grünen

ermöglicht, ihren Eltern einen Ausgleich für die

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 19


gesundheitlichen Belastungen der Industrialisierung

geschaffen.

• In Notzeiten haben wir zur Versorgung der Bevölkerung

beigetragen, später zur Integration von Flüchtlingen

und dann der Migranten.

• Wir bieten Raum für Natur erleben und aktive Beschäftigung

im Alter.

Damit ist das Kleingartenwesen mehr als alle anderen

sozialen, kulturellen und sportlichen Angebote ein zeitgemäßes

und vielseitiges Angebot für Jedermann.

Unsere Aktivitäten und unsere Projekte stehen nicht in

Konkurrenz zu anderen Organisationen.

Im Gegenteil. Durch die Bandbreite unserer Angebote

können wir sowohl die Interessen Einzelner, als auch

von Gemeinschaften berücksichtigen. Wir können nicht

Sport oder Kultur, Bildung oder Gesundheit, Integration

oder Tradition bieten, sondern alles an einem Ort; aus

eigenen Kräften oder gemeinsam mit anderen Organisationen.

Anspruch auf Anerkennung

Wir haben das Recht, Politik und Verwaltung hieran immer

wieder zu erinnern und unseren Platz in der Gesellschaft

einzufordern.

Dazu gehört vorrangig die Sicherung des Kleingartenbestandes.

Das Bundeskleingartengesetz sieht hierfür die

Ausweisung als Dauerkleingärten nach dem Baugesetzbuch

vor. Es istunverständlich, warum viele Anlagen

diesen Schutz noch immer nicht erhalten, stattdessen

behandelt werden, wie Baulandreserven.

Akzeptabel ist ebenfalls nicht, warum zum Beispiel in

Berlin Anlagen, nur mit einer Schutzfrist abgesichert,

eine Berechtigung auf Zeit erhalten. Die Inanspruchnahme

der Flächen erfolgt dabei immer wieder, obgleich

diese für eine anderweitige Nutzung gar nicht benötigt

werden, wohl aber für die Erhaltung der Kleingärten.

Hieraus ergibt sich die klare Forderung, dass Kleingartenanlagen

den höchstmöglichen Schutz erfahren

müssen.

Der Bedarf an Kleingärten muss von den Kommunen

über Kleingartenentwicklungspläne gesichert werden.

Dabei darf eine momentane Bestandsaufnahme oder

die Betrachtung einer Entwicklung unter ungünstigen

Gegebenheiten, für die Bedarfsermittlung nicht ausschlaggebend

sein. Insbesondere attraktive, langfristig

gesicherte und zeitgemäß ausgestattete Anlagen, fußläufig

in Wohnungsnähe gelegen, eingebunden in das

Grünordnungskonzept der Kommune, müssen das Ziel

städtebaulicher Entwicklung sein.

Sozialen Beitrag leisten

Für uns Gartenfreunde bedingen diese Forderungen natürlich

Gegenleistungen.

Unser Beitrag für die Gesellschaft darf sich nicht an

dem bemessen, was wir bereit sind zu tun, sondern an

dem, was die Gesellschaft von uns erwartet.

Wenn der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in

seinem Positionspapier zum Verbandstag 2011 die Leistungen

des Kleingartenwesens im städtebaulichen, ökologischen

und sozialen Bereich, zum Klimaschutz und

zur Gesundheitsvorsorge unterstreicht, dann ist es Aufgabe

aller Verbände und Vereine mit ihren Mitgliedern,

dieses in die Tat umzusetzen.

Anlagen müssen als öffentliches Grün gestaltet und uneingeschränkt

offen sein. Gärten müssen für alle Menschen,

ungeachtet ihrer geografischen oder sozialen

Herkunft offen stehen.

Wir müssen Raum bieten für Alt und Jung. Angebote

schaffen, durch Spielplätze, Ruhezonen, Lehr- und

Schaugärten, Seniorengärten, barrierefreie Wege, altersgerechte

sanitäre Einrichtungen. Aber auch durch

gemeinschaftliche Veranstaltungen im Jahresverlauf.

Und wir müssen unsere Gärten und Anlagen nach ökologischen

Kriterien umweltschonend und nachhaltig

bewirtschaften.

Institutionelle Förderung

Wir leisten unseren Beitrag vielfach ohne öffentliche

Zuwendungen. Die Herrichtung und Unterhaltung

unserer Anlagen, die Schaffung von ökologischen Nischen,

Spielflächen und Aufenthaltsräumen erfolgt aus

Beiträgen und Umlagen der Mitglieder, gelegentlich

durch eine Projektförderung unterstützt.

Wenn wir aber im Sinne der Daseinsvorsorge öffentliche

Leistungen erbringen – so durch die Pflege öffentlichen

Grüns, durch Leistungen zum Umwelt- und Klimaschutz,

für eine soziale Stadt, dann müssen wir auch

ein Anrecht auf eine institutionelle Förderung haben.

So wie Sportstätten und kulturelle Einrichtungen seit

Jahrzehnten unbestritten regelmäßig öffentliche Zu-

20 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


wendungen für ihre Leistungen zum Wohle der Gesellschaft

erhalten, dürfen auch wir Kleingärtner hier eine

entsprechende Anerkennung für unsere Leistungen in

der Gesellschaft erwarten.

Unsere Städte und Kommunen wären ohne das Kleingartenwesen

sehr viel ärmer. Die öffentliche Hand

müsste viele Leistungen mit hohem Aufwand – personell

und finanziell – selber erbringen.

Erinnern wir die Vertreter unserer Räte und Verwaltungen

immer wieder daran und zeigen wir ihnen unsere

Leistungen, die wir auch in Zukunft leisten wollen.

Mit den Leitlinien zur nachhaltigen Entwicklung des

Kleingartenwesens in den Städten hat der Deutsche

Städtetag einen richtigen, aber auch notwendigen

Schritt in die richtige Richtung getan.

Jetzt gilt es, die Vertreter unserer Kommunen in die

Pflicht zu nehmen, dieses Leitbild in die Tat umzusetzen.

Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Das stellen

wir allerorts unter Beweis.

Auch die Kommunen müssen nun zeigen, dass das

von ihnen verabschiedete Leitbild kein Lippenbekenntnis

ist sondern die Anerkennung unserer Leistungen,

die es zu unterstützen und zu fördern gilt.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 21


Die Öffnung des Kleingartenwesens

zur Gesellschaft – am Beispiel

sozialer Projekte der Kleingärtner-

vereine im Landesbund Hamburg

Dirk Sielmann,

Geschäftsführer,

Landesbund der

Gartenfreunde in

Hamburg e. V.

Das Kleingartenwesen als Teil der

Gesellschaft.

Das Kleingartenwesen hat eine lange Entwicklung in

Deutschland durchgemacht. Frühere Generationen haben

für die Rechte der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner

gekämpft. Inzwischen konnte u. a. mit der Beschlussfassung

des Bundeskleingartengesetzes durch

den Deutschen Bundestag im Jahre 1983 eine deutliche

rechtliche Absicherung der Interessen des Kleingartenwesens

erreicht werden. Aber ist das selbstverständlich

und für immer so komfortabel?

Letztlich geschah die Absicherung durch das Bundeskleingartengesetz

auch deshalb, weil das Kleingartenwesen

in der Gesellschaft eine hohe Akzeptanz und

Anerkennung errungen hatte. Das Kleingartenwesen

besitzt nach wie vor einen hohen Stellenwert in der

Beurteilung durch Politik und Verwaltungen; die gesellschaftlichen

Rahmenbedingungen sind inzwischen

verändert. Die Gesellschaft hat sich in erheblichem

Maße individualisiert. Erfahrbar wird dies u. a. durch

die bemerkenswerte Ausweitung des unterschiedlichen

Freizeitangebotes und des Freizeitverhaltens der Bürgerinnen

und Bürger in den letzten Jahrzehnten. Das

deutsche Kleingartenwesen steht demzufolge mit einer

starken „Konkurrenz“ im Wettbewerb.

These: Die über Jahrzehnte gewachsene Gewissheit der

Absicherung kann den Blick auf notwendige Neuorien-

tierungen im gesellschaftlichen Umfeld verstellen – mit

der Folge des langsamen Absinkens des gesellschaftlichen

Status.

Neben vielfältigen, unterschiedlichen Freizeitmöglichkeiten

als „neue Konkurrenz“ gibt es weitere alternative

und neue Entwicklungen im Bereich des Gartenwesens.

Das Kleingartenwesen sieht sich neuen Entwicklungen

im urbanen Leben ausgesetzt. In einer Untersuchung

über die „Urbane partizipative Gartenaktivitäten in

München 2009 sind verschiedene neue bzw. vermeintlich

neue Entwicklungen des urbanen Gartenwesens

genannt: dazu zählen neben den Kleingärten, die Krautgärten,

die interkulturellen Gärten, die Bewohner-, Mieter-

und gemeinschaftlich benutzten Gärten sowie die

Hof- und Dachgärten, die pädagogischen Gärten, die

therapeutischen Gärten und sonstige Gemeinschaftsgärten,

die unter dem neudeutschen Begriff „urban

gardening“ zusammengefasst werden können (Quelle:

Urbane partizipative Gartenaktivitäten in München

2009. Eine Bestandsaufnahme von Dipl. Ing. Ella von

der Heide).

Das Kleingartenwesen ist in Deutschland vor allem eine

soziale Einrichtung. In den letzten 100 Jahren haben

viele Generationen, wie bereits erwähnt, für die Rechte

der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner gekämpft. Es

ist nicht selbstverständlich, dass das Kleingartenwesen

eine so gute Stellung in der Gesellschaft hat. Mit dem

Bundeskleingartengesetz haben die Kleingärtnerinnen

und Kleingärtner in Deutschland ein Höchstmaß an

rechtlicher Absicherung ihrer Interessen erhalten. Inzwischen

steht das Kleingartenwesen immer häufiger

in den letzten Jahren in Konkurrenz zu vielen anderen

Interessen in diesem Staat. Es ist nicht einfacher geworden,

sich dagegen zu behaupten. Deshalb ist es umso

wichtiger, dass das Kleingartenwesen sich auf diese

neue Situation in der Gesellschaft einstellt.

Dass das Kleingartenwesen eine wichtige und gute

Einrichtung ist, das wissen die Kleingärtnerinnen und

Kleingärtner, aber weiß das auch die Gesellschaft in ausreichendem

Maße? In den letzten 20 Jahren haben sich

die Verhältnisse in der Gesellschaft erheblich verändert.

Die Gesellschaft hat sich immer mehr individualisiert.

Viele gesellschaftliche Gruppen wie Gewerkschaften,

Sportvereine und auch die Politik müssen erfahren,

dass die Menschen sich mehr auf das eigene Interesse

besinnen.

Es ist außerdem immer häufiger festzustellen, dass

die Politik und die Verwaltungen gerne auf die Flächen

der Kleingartenvereine für andere Zwecke zu greifen.

Beispielsweise steht das Kleingartenwesen, mehr denn

je, unter enormem Druck, wenn es um Wohnungsbau-

22 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


maßnahmen geht. Inzwischen hat sich in vielen Bereichen

der Verwaltung und in der Politik eine neue Sicht

auf das Kleingartenwesen eingestellt. Eine automatische

Unterstützung für das Kleingartenwesen ist nicht

in jedem Fall zu erwarten.

Deshalb ist es neben einer guten Zusammenarbeit mit

Politik und Verwaltung wichtig, dass das Kleingartenwesen

seine Öffentlichkeitsarbeit verbessert und intensiviert.

Es reicht nicht aus, sich in Zukunft ausschließlich

dem Kleingartenwesen zu widmen, sondern sich auch

der Zustimmung und Unterstützung der Gesellschaft

zu vergewissern. Die Kleingartenvereine müssen sich

heute und in Zukunft auch um die Belange ihrer direkten

Umgebung kümmern und bemühen. Sie sollten

Kontakt aufnehmen zu den Vereinen, den Initiativen,

den sozialen Einrichtungen und zu den Nachbarn in

Ihrer direkten Umgebung. Sie sollten bereit sein, mit

den Menschen in ihrer Nachbarschaft in Verbindung zu

treten. Das erfordert mehr Einsatz von den Vorständen

und den Mitgliedern der Kleingartenvereine, aber es

trägt dazu bei, dass die Akzeptanz und die Unterstützung

der Gesellschaft für das Kleingartenwesen wieder

verbessert bzw. ausgeweitet wird.

In welchen Bereichen können Kleingartenvereine

sich in Richtung Gesellschaft mehr

engagieren?

In seinen Leitlinien zur Kleingartensituation in Deutschland

hat sich der Deutsche Städtetag im letzten Jahr die

Hinweise der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zu

eigen gemacht, wie eine Neuausrichtung des Kleingartenwesens

in einer sich im Wandel befindlichen Gesellschaft

gemeistert werden könnte.

„… Handlungsfeld: Soziale Aufgaben – Die sozialen

Funktionen als Stärke des Kleingartenwesens weiter

auszubauen.

Die Gesellschaft befindet sich in einem demografischen

und sozialen Wandel, der Prozesse der städtebaulichen

Schrumpfung, der Überalterung der Gesellschaft und

der finanziellen Umverteilung mit sich bringt.

Kinderreiche Familien, Familien Alleinerziehender,

Rentner und Menschen bestimmter Berufsgruppen

oder Regionen mit wachsender Erwerbslosigkeit leben

zunehmend am Existenzminimum. Diesen Menschen,

mit einem Bedarf an gesunden und preiswerten Lebensmitteln,

sollte der Einstieg in das Kleingartenwesen

durch Vergabeverfahren unter Berücksichtigung sozialer

Kriterien ermöglicht werden.

Vor diesem Hintergrund ist die Bedeutung des Kleingartenwesens

neu zu positionieren. Vorhandene soziale

Potentiale sollen in Zukunft stärker entwickelt und der

Öffentlichkeit besser zugänglich gemacht werden. Die

Erfüllung, dieser insbesondere durch die Vereine zu

leistenden Aufgaben, ist durch die Kommune zu unterstützen

…“

(Quelle: Leitlinien des Deutschen Städtetages zur nachhaltigen

Entwicklung des Kleingartenwesens in den Städten,

September 2011, Seite 8).

Unter dem oben zitierten Punkt werden in den Leitlinien

mehrere Punkte genannt, die in diesem Zusammenhang

wichtig sind: die Familienfreundlichkeit in den

Anlagen müsse gefördert werden, die Integration von

Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund

müsse gefördert werden und die Kooperation als Form

der sozialen und Bildungspartnerschaft geschaffen werden.

Darüber hinaus sollten Kleingärten zur Förderung

der Gesundheit stärker genutzt werden. Dies ist eine

große Bandbreite von Aufgaben, der sich die Kleingartenvereine

jetzt und noch mehr in Zukunft stellen werden

müssen.

Im Folgenden werden Beispiele dieser oben genannten

Herangehensweise dargestellt, die von Hamburger

Kleingartenvereinen initiiert oder in Zusammenarbeit

mit anderen Organisationen und Institutionen auf den

Weg gebracht wurden bzw. werden.

Praxisbeispiele Hamburger

Kleingartenvereine

a) Der „Schul-Kleingarten“ in Wilhelmsburg – eine Zusammenarbeit

der Schule Rahmwerder Straße mit

dem Kleingartenverein „Niedergeorgswerder e. V.“

– 723 –

b) Der Kindererlebnisgarten im KGV Ochsenwerder

e.V. – 625 – ist auch für Kinder aus der Nachbarschaft

nutzbar.

c) Zusammenarbeit des Kleingartenvereins „Düngelau

e. V.“ mit dem Komitee für Igelschutz e. V. Hamburg.

d) Kunst im Kleingarten – ein gemeinsames Projekt

des Goethe-Gymnasiums mit dem Kleingartenverein

„Rispenweg e. V.“

Beispiel

Ein(e) Schulkleingarten(-parzelle) im Kleingartenverein –

723 – im Stadtteil Georgswerder in Hamburg.

Von der ersten Idee auf dem Weg zur Realisierung.

Die Schule Rahmwerder Straße im Stadtteil Hamburg-

Georgswerder als Zweigstelle der Elbinselschule (EIS)

Wilhelmsburg und die EIS selbst bietet zur Entwicklung

als Ganztagsschule Nachmittagskurse an.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 23


Georgswerder ist von viel Grün umgeben: Landschaftsachse

Dove Elbe, viele naturbestimmte Flächen, 6

Kleingartenvereine. Im Kursangebot der Grundschule

war auch ein Kurs Umwelt & Natur – Schwerpunkt hier

die Erkundung der Umwelt, Vermittlung von Kenntnissen

der Flora und Fauna sowie deren Wertschätzung

und das Thema „Müll“. Und das im Umfeld der bekannten

Deponie Georgswerder, die jetzt in einen „Energieberg“

umgewandelt und für Besucher geöffnet werden

soll.

Ein Lehrer des Schulstandortes Rahmwerder hatte mit

den Kindern der Klassen 1 – 3 bereits 3 Hochbeete für

Gemüse und ein Hochbeet für Pflanzen/Blumen angelegt,

und zwar auf dem Schulgelände. Das Thema Natur

wird entsprechend den Lehrplänen auch im Sachunterricht

behandelt.

Ins Bewusstsein rückte der Umstand, dass die Umgebung

aus den verschiedensten Gründen Bodenbelastungen

aufweist – keine geeignete Voraussetzung, um

Kindern Anpflanzungen sowie das Pflegen, Ernten und

Verzehren eigener Produkte zu gestatten.

Aber genau das ist ein wichtiges pädagogisches Ziel im

Sachunterricht wie in Kursen, die noch um weitere wie

„Kochen“ und „Backen“ mit eigenen Produkten ergänzt

werden könnten. Da bekannt war, dass der gegenüber

liegende KGV 723 ebenfalls kontaminiert ist, aber in

großen Bereichen auch durch Bodenabtrag und neuen

unbelasteten Boden saniert werden wird, wuchs aus

diesem Umstand die Idee, an einem solchen „sicheren“

Ort nach der Sanierung ein Kleingartenparzelle anzupachten.

Bedingung: So schulortnah wie möglich.

Intention:

In der „freien natürlichen Natur“ lernen die Kinder

(sehr wichtig) das „Ursprüngliche“ kennen, haben aber

keinerlei Einfluss- oder Mitwirkungsmöglichkeiten,

diese zu gestalten. Die Kinder sollen lernen, das Obst

und Gemüse eben nicht aus dem Supermarkt stammen,

sondern vorher – oft sehr mühevoll – ausgesät oder angebaut,

gepflegt und geerntet werden muss. Das schafft

Sorgfalt, Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein:

– In der Zeit von PCs, Handys usw. ist der Aufenthalt an

der frischen Luft zu einem seltenen Gut geworden –

auch und gerade in der Freizeit.

– Die Kinder können durch eine Gartenparzelle Kreativität

bei der Gestaltung entwickeln und so ganz „nebenbei“

ein wenig Mathematik und Geometrie lernen.

Die Kinder lernen statt „Fertigmahlzeiten“ frisches Obst

und Gemüse und ihre verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten

kennen (Stichwort „gesunde Ernährung“).

Als „Parzellenpächter“ lernen die Schülerinnen und

Schüler Rücksichtnahme gegenüber den Nachbarn ken-

nen (Grenzen im buchstäblichen Sinne, Lärmreduzierung),

aber auch Umgang und Kontaktpflege (Tipps von

den „Nachbarn“?)

Die Einordnung in einem bestehenden „Verein“ bewirkt

nette Annehmlichkeiten wie z. B. Teilnahme an Kinderfesten,

aber auch Verpflichtungen wie „Gemeinschaftsarbeit“,

zu der sie wie alle anderen Parzellenpächter

auch verpflichtet sind.

Kindern kann auch mal gestattet werden, die Kleingartenparzelle

bzw. Laube für kleine Geburtstagsfeiern zu

nutzen. Viele Kinder aus dem sozialen Brennpunkt haben

keine Möglichkeiten zu Hause.

Insgesamt erscheint der Schule und ihren Mitarbeitern

eine „öffentlich sichtbare“ beispielhafte Aktivität sinnvoller

als in einem von der Außenwelt meistens nicht

zugänglichen Schulgelände.

Die ersten Schritte von der Idee auf dem Weg zur Umsetzung

sind bereits gegangen:

Da keine Juristische Person wie etwa die Schule selbst

eine Kleingartenparzelle anpachten kann, ist der junge

Lehrer, der bereits die vier Hochbeete auf dem Schulgelände

angelegt hat bereit, als „Natürliche Person“ eine

Parzelle an zu pachten. Mit dem Vorstand des KGV 723

wurde geklärt, ob ein Schulkleingarten überhaupt erwünscht

ist und akzeptiert wird. Der Vorstand hat das

Projekt sehr begrüßt und einvernehmlich zugestimmt.

Es wurde Kontakt mit dem Landesbund der Gartenfreunde

aufgenommen. Auch aufgrund des Vorstandsbeschlusses

des Vereins wurde auch hier das Projekt

sehr begrüßt und wird auch weiterhin unterstützt.

Da keine Finanzmittel für die Gestaltung, Garteneinrichtung,

Laube und Gartengeräte zur Verfügung stehen,

wurde nach Sponsoren gesucht, und zwar mit Erfolg:

Die IGS GmbH (Internationale Gartenschau in

Wilhelmsburg im Jahre 2013) hat 1.500,00 € für

den Schulkleingarten bzw. die Beschaffung von

Gartengeräten zur Verfügung gestellt. Diese sind inzwischen

angeschafft worden.

Die HASPA (Hamburger Sparkasse) hat einen Scheck

über 2.500,00 € überreicht, mit dessen Geld die Laube

oder das Material dafür mitfinanziert werden könnte.

Nächste Schritte:

Die Schule wartet den Vorgang der Sanierungsarbeiten

und die entsprechende Parzellierung des Kleingartens

ab. Danach bemüht sie sich um den Pachtvertrag sowie

darum, ob die Laube im Rahmen eines Jugendprojektes

kostengünstig erstellt werden kann. Die Schule bemüht

sich um weitere Finanzierungsmittel

– bei Sponsoren,

– bei öffentlichen Trägern: Bezirkssondermittel, Mittel

aus dem Verfügungsfonds des Beirats für Stadtentwicklung

o. ä.

Und wenn das alles geklärt ist, kann es losgehen: 1. Spa-

24 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


tenstich mit Öffentlichkeitsarbeit evtl. mit dem „Fernsehgärtner“

John Langley, der auch für die IGS 2013

tätig ist und begleitet von einer regelmäßigen Berichterstattung

durch eine Tageszeitung in Hamburg (Quelle:

Helga Schors, Mitinitiatorin des Projektes und u. a. aktives

Mitglied im Arbeitskreis Georgswerder).

Beispiel

Der Kindererlebnisgarten im KGV Ochsenwerder e.V. –

625 – ist auch für Kinder aus der Nachbarschaft nutzbar.

Ulrike Malethan ist zur Zeit Koordinatorin eines Projektes,

das immer noch als einmalig gelten kann: auf

einer vereinseigenen Parzelle wurde ein Ort geschaffen,

an dem sich alle Kinder, auch aus der Nachbarschaft,

begegnen können und der dem pädagogischen Lernen

dient. Es gibt in Vereinen oftmals Parzellen, die nur

schlecht zu verpachten sind. Hier kann es sich möglicherweise

anbieten aus solch einer Parzelle eine „Naturnahe

Kinderspielparzelle“ herzurichten. Die von

den Erwachsenen fantasielos hergerichteten „normalen

Spielplätze“ (Sandkiste, Schaukel, Rutsche) sind steril,

langweilig und fördern nicht den Erlebnisdrang der

Kinder. Weiterer schwerwiegender Nachteil ist die Verantwortlichkeit

des Betreibers (hier Verein) hinsichtlich

der Wartung und Kontrolle der aufgestellten Spielgeräte

und der möglichen Haftung bei Unfällen.

Mit einer hergerichteten „Naturnahen Kinderspielparzelle“

mit natürlichen Materialien, wie Sand, Kies, Findlingen,

Baumstämmen, Sträuchern, etc. tritt eine Haftung

wie sie bei konstruierten Spielgeräten gegeben ist,

gar nicht erst auf.

Löcher, wasserlose Gräben, Hügel, verschiedene Substrate

Sand, Kies, Lehm, etc., Baumstubben, Baumstämme,

Knüppel, Äste, robuste wüchsige Sträucher, Stauden

und Obstgehölze bieten ein abwechslungsreiches

Gelände, das sich jahreszeitlich und auch über die Jahre

verändern wird. Es darf auf dem Gelände auch gepflückt,

abgebrochen, gegraben und von den Kindern

verändert werden.

Per Mitgliederbeschluss, mit helfenden Eltern und möglicherweise

gesponserten Materialien lässt sich so eine

„Naturnahe Kinderspielparzelle“ relativ kostengünstig

herrichten. Die Betreuung erfolgt z.B. über die Eltern

(Quelle: Petra Sawadzki, Bericht im „Hamburger Gartenfreund“

Ausgabe Februar 2007).

Mit diesem Projekt gelingt es dem Kleingartenverein

mehrere gesellschaftlich relevante Ziele zu erreichen:

Soziale Aspekte wurden zu einer Aufgabe des Vereins.

Die Gartengemeinschaft organisiert einen aktiven Beitrag

zur sinnvollen Integration von Kindern in das Vereinsleben.

Darüber hinaus erlernen die Kinder spielerisch den respektvollen

Umgang mit der Natur. Die Kinderangebote

reichen von z. B. dem Frühjahrsstockbrot und Apfelpunsch

bis hin zu verschiedenen Formen von Kinderfesten.

Die Kinderparzelle bietet umweltpädagogische Anreize.

In Eigenverantwortung wurde beispielsweise ein Regenwurmschaukasten

entworfen, gebaut, gefüllt und

gepflegt. Der Kasten wurde sogar weiterentwickelt. Zu

den nächsten Projekten zählt die Anlage einer Schmetterlingswiese,

die mit Infotafeln in Kinderhöhe versehen

sein wird.

Beispiel

Igelschutz des „Igelkomitee für Igelschutz e. V., Hamburg

im Kleingartenverein Düngelau – 355 –.

Die Zusammenarbeit begann vor vielen Jahren sehr

streitig. Das Wirken des Igelkomitees wurde nicht als

eine Form der kleingärtnerischen Nutzung im engeren

Sinne gesehen. Es gab viel Ärger. Inzwischen haben

sich die Wogen geglättet. Der Kleingartenverein hat

sich bereit erklärt, eine Parzelle für das Igelkomitee zur

Verfügung zu stellen. Ein „Igelhaus“ wurde im letzten

Jahr neu aufgebaut, nachdem die alte Laube abgebrannt

war. Im Zuge des Neubaus wurde die Parzelle sogar mit

Unterstützung der Behörde vergrößert und neu angelegt.

Im März 2012 wurde das neue Haus unter starker

Beachtung durch Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit

wiedereröffnet.

Zweck des Vereins ist die Förderung des Tier-, Arten-

und Umweltschutzes und hier insbesondere der Schutz

des Igels und die Erhaltung seiner Lebensräume. Der

Verein informiert über die artgerechte Igelpflege, fördert

und betreibt Igelschutzmaßnamen, gibt Hilfestellung

bei der Aufnahme verletzter oder hilfsbedürftiger

Igel und ihrer medizinischen Betreuung und leitet alle

notwendigen Maßnahmen ein, die zur vollständigen Rehabilitation

dieser Tiere führen sollen. Zur Bewältigung

dieser Aufgaben sind dem Komitee Igelkrankenstationen

angeschlossen, die jedoch eigenverantwortlich tätig

sind. Da es sich bei diesem Verein aber kein (staatlich

subventioniertes) Tierheim betreibt, können Igel nur in

begrenzter Zahl aufgenommen werden und er ist auch

nicht zur Aufnahme der Tiere verpflichtet.

Die aktiven Mitglieder des Igelkomitees arbeiten ausschließlich

ehrenamtlich und übernehmen sämtliche

Kosten für Futter, Medikamente, Tierarztbehandlung

und vieles mehr privat. Wenn Igel behandelt werden,

wird im Gegenzug tatkräftige Unterstützung, benötigt,

damit diese Arbeit bewältigt werden kann. Finanzielle

Unterstützung erfolgt in Form von Spenden, die selbst-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 25


verständlich willkommen sind. Vorrangig unterstützt

werden Igelfinder, die selbständig Igel versorgen und

Jungigel aufziehen. Das Komitee für Igelschutz engagiert

sich für die Durchführung des Igelschutzes in

der Bundesrepublik Deutschland. Der Aufgabenbereich

umfasst auch die Unterstützung und Beratung von Natur-und

Tierfreunden sowie die Zusammenarbeit mit

Tierärzten, Institutionen, Tier- und Igelschutzvereinen,

Förderkreisen und Interessengruppen (Quelle: http://

www.igelkomitee-hamburg.de).

Die Unterstützung des Igelkomitees durch den Kleingartenverein

Düngelau findet in der Verwaltung des

Bezirkes Hamburg-Eimsbüttel hohe Anerkennung. Es

konnten nach der Zusammenarbeit zum Wiederaufbau

des „Igelhauses“ weitere Maßnahmen (neuer Wegebau

etc.) zugunsten des Kleingartenvereins vereinbart werden.

Beispiel

Kunst im Kleingarten – ein gemeinsames Projekt des

Goethe-Gymnasiums mit dem Kleingartenverein „Rispenweg

e. V. – 229 –

Bereits zum zweiten Mal öffnet der Luruper Kleingartenverein

„Rispenweg“ e.V. – 229 – sein Vereinshaus für

ein ungewöhnliches Projekt. Am Donnerstag, 12. April

um 16.30 Uhr wird die Ausstellung „Im Schrebergarten

– Einsichten und Ansichten“ eröffnet, die täglich bis

einschließlich Donnerstag, 19. April in der Zeit von 11

bis 13 Uhr für interessierte Besucher offen steht.

Das Goethe-Gymnasium liegt direkt neben dem Vereinshaus

des Kleingartenvereins. Jahrelang beäugte

man sich. Da waren zum einen die „griesgrämigen, alten

Spießer“ (Kleingärtner) und zum anderen die „auf

den Boden rotzenden Plagen“ (Schüler). Dass es einmal

ein gemeinsames Projekt, sogar eine fruchtbare, dauerhafte

Beziehung der beiden Gruppen geben könnte, war

unrealistisch. Dennoch zeigt sich jetzt, dass es scheinbar

immer Wege gibt, sich kennenzulernen, sich zu akzeptieren

und zu tolerieren. Die Schüler der 12. Klasse

des Goethe-Gymnasiums nahmen sich im Rahmen des

Kunstunterrichts zum wiederholten Male des Themas

„Schrebergarten“ an. Heraus kamen Bilder, Fotografien,

Architekturmodelle, Interviews und Filme, die in ihrer

Art so unterschiedlich sind, wie die Schüler, die sie

herstellten. Die letzte Ausstellung, die im Jahre 2009

stattfand, wurde von den zahlreichen Besuchern begeistert

aufgenommen und das Publikum zeigte sich beeindruckt

von der Vielfalt der Ausstellungsstücke (Quelle:

Jessica Laukeninks, Hamburger Gartenfreund, April 2012).

Es gibt im Hamburger Kleingartenwesen erheblich

mehr Aktivitäten, die in die gleiche Richtung gehen wie

in den geschilderten Beispielen. Viele Projekte werden

von den Vereinen wie „selbstverständlich“ veranstaltet

und durchgeführt. Es ist aber wichtig, dass von den

„guten Taten“ mehr gesprochen wird. Die Öffentlichkeitsarbeit

nimmt auch für diesen Zweck eine wichtige

Aufgabe wahr.

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1

3

5 6

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 27

2

4


Obstlehrgarten und Planung eines

Kleingartenprojekts

Planung eines Kleingartenprojekts – Lehrgartens für

einheimische Obst- und Beerengehölze

Übersicht:

Projektmanagement im Kleingartenwesen

1.1 Ziel und Zweckbestimmung

1.2 Kriterien für ein zielorientiertes Projektmanagement

1.3 Elemente des Projektmanagements

1.4 Projektträger

1.5 Projektleiter

Projektplanung (Obstlehrgarten)

2.1 Wegeführung

2.2 Obstlehrpfad

2.3 Ziergehölze

2.4 Info-Treffpunkt

2.5 Trafohausgestaltung

2.6 Technikstützpunkt

2.7 Kompost – Rohstoffverwertung im Garten

2.7.1 Ziel- und Zweckbestimmung

2.7.2 Verwendung der Komposterde

2.8 Obst- und Beerengehölze

2.8.1 Apfelsorten

2.8.2 Birnensorten

2.8.3 Süßkirschen

2.8.4 Sauerkirschen

Dr. Wolfgang Preuß

Vizepräsident des Landesverbandes

Thüringen der

Gartenfreunde e.V.

2.8.5 Pflaumen

2.8.6 Pfirsisch- und Aprikosen

2.8.7 Quitten

2.8.8 Beerengehölze

2.8.9 Ziergehölze

3. Arbeitsschritte im Projektablauf/Terminplanung

und Controlling

4. Kostenrahmen

5. Medienarbeit

6. Nutzungsmöglichkeiten

7. Projektabschluss

Projektmanagement im Kleingartenwesen

1.1 Ziel- und Zweckbestimmung eines Projektes

Der zu errichtende Obstlehrpfad bietet allen Bevölkerungsschichten

sowie den Kleingärtnern des Altenburger

Landes und ihren Besuchern die Möglichkeit, neue

Ideen zur Gestaltung dieses Projektes einfließen zu lassen

und aktiv bei der Umsetzung mitzuwirken. Mit Hilfe

des zu errichtenden Obstlehrgartens sollen alte und

neue Obstsorten kultiviert und präsentiert werden. Ein

Lehrgarten kann und soll hierzu zusätzlich Möglichkeiten

und auch genügend Freiraum für gewollte ökologische

Kleinexperimente bieten.

Dabei wird folgende Zielstellung berücksichtigt:

– Kultivierung längst vergessener Obst- und Beerengehölze

– Allgemeiner Lernort für fachlich interessierte Kleingärtner,

insbesondere bei der Vorgehensweise bei Erziehungs-

und Erhaltungsschnitt der Gehölze

– Treffpunkt der Fachberater, praxisnaher Unterricht

und Demonstration am Objekt (Lehr- und Lernort)

– Interessierte Hobbygärtner finden hier Anregungen

für die naturnahe Gestaltung ihres Hausgartens

– Kindergruppen und Schulklassen können unter Anleitung

von Lehrern und Fachberatern beobachten,

erkennen und lernen

Dabei sollen die Schwerpunkte der Wissensermittlung

auf folgende Gebiete gelenkt werden:

– Pflanzen-, Tier-, Arten- und Bodenschutz

– Gehölzpflege und -schnitt

– Ökologische Kleinexperimente – Schädlingsbekämpfung

– Kompostierung und Verwertung von Grünschnitt

– Düngung und Bewässerung

– Umwelt- und Naturschutz

28 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


– Erntezeit, Verwertungsmöglichkeiten und richtige

Lagerung.

Der Standort des Projektes ist das südöstliche Stadtrandgebiet

von Altenburg, einer Stadt mit 35.000 Einwohnern.

Die zu gestaltende Freifläche in der Größe von ca.

2700 m² liegt zwischen den Kleingartenanlagen:

•„Glück Auf Altenburg“,

• „Morgensonne“,

• „Heinrich Heine“,

• „Bergmannsfreud“ und über einen kurzen Naturlehrpfad

erreichbar,

• „Altenburg-Ost“ auf einer Fläche von insgesamt 22 ha.

Für eine spätere Nutzung durch die Bevölkerung wird

ein öffentlicher Zugang jederzeit ermöglicht.

Das Gesamtareal mit etwa 650 Gärten wird zu einem

„Kleingartenpark Altenburg – Südost“ gestaltet.

In der inhaltlichen Ausrichtung wird einen „Generationenpark“

als Gesamtprojekt geplant, mit der Zielsetzung

– Gesundheit, Bewegung, Erholung, Kommunikation.

So werden innerhalb des Gartens zahlreiche Bänke aufgestellt,

welche zum Entspannen und Erholen einladen.

Ein entsprechend angelegter Hauptweg führt durch den

gesamten Obstlehrgarten.

Spielplätze und Abenteuerinseln für Kinder, ein Gesundheitspfad

mit Edelstahlgeräten für Dehnungs- und

Entspannungsübungen sowie ein Grillplatz als Treff-

und Kommunikationspunkt, z. B. für Jugendliche, werden

das Angebot für die Bandbreite der Bevölkerungsschichten

ergänzen.

1.2 Kriterien für ein zielorientiertes

Projektmanagement

Aktivitäten in der Projektvorbereitungs-, Durchführungs-

und Nachbereitungsphase (s. unten)

Kontakte Politik

und Verwaltung

Presse und Behörden

einbinden

Zusammenarbeit

mit Ministerien,

Ämtern u. Behörden

Öffentliche

Akzeptanz

Öffentlichkeit

mit einbeziehen

Diplomatisch

arbeiten

Öffentlichkeitsarbeit Ziel, Ergebnis,

Fazit

Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit

Zeitung, Fernsehen usw. Projekt

nachhaltig

gestalten

Kontinuität und

Beharrlichkeit

Regelmäßige

Medienkontakte

Finanzieller

Background

Projektnutzen Gewinnung

von Sponsoren

Projektpflege

über Jahre

klare

Zielstellung

nach innen und außen der Weg muss

schon das Ziel

sein

Einbindung von

SGB II Kräften

Erkundung von

Fördermitteln

Erstellung eines

Finanzierungsplanes

Nutzung unbarer

Leistungen der

Kleingärtner

Kriterien im Projektmanagement:

• Aus Vereinssicht (Was, wann, wo, mit welchem finanziellen

und personellen Aufwand?)

• Aus der Sicht der späteren Nutzer (Wer wird dieses

Projekt warum nutzen?)

• Aus der Sicht der betroffenen Kleingärtner (Problematik

der Interessenharmonie beachten)

Die Lösung dieser Problematik erreicht man durch Zielharmonisierung

über eine frühzeitige Einbindung aller

Beteiligten.

1.3 Elemente des Projektmanagement

Für ein erfolgreiches Projektmanagement müssen folgende

Elemente berücksichtigt werden:

• Projektziel (Ausgangsbasis für alle eindeutig formulierten

und von allen akzeptierten Aktivitäten – welche

Ergebnisse werden angestrebt?)

• Aufbauorganisation (Aufbau von Projektstrukturen –

welche personellen und Ressourcen, Kompetenzen,

Befugnisse und Verantwortlichkeiten sind notwendig?)

• Ablauforganisation (Arbeitsweisen, Informationsfluss,

Projektdokumentation – wer macht was wann?)

• Projektplanung (Wo soll was wie mit welchem Ergebnissen,

Mitteln und Zeitplänen entstehen?)

• Projektführung (Wer führt welches Team in welcher

strukturellen Zusammensetzung?)

• Projektcontrolling (Welche Ergebnisse sind zu welchem

Zeitpunkt mit den geplanten Mittel erreicht?)

Im Zusammenspiel dieser Elemente erwächst eine zielführende

Arbeitsatmosphäre, die Projektkultur – eine

für die Realisierung des Projektes notwendige Haltung

und Denkweise, die Motivation, Engagement und Teamgeist

fördert.

Hemmnisse in der Startphase:

• Mangelnde Unterstützung seitens des Verbandes auf

Länder- und Bundesebene

• Unzureichende finanzielle, personelle und sachlichen

Ressourcen

Netzwerke nutzen

und erstellen

Verbindung mit

Sozialverbänden

Partnersuche für

Projektgestaltung

eigene Kräfte

mobilisieren

Kooperation mit

Schulen

Patenschaften mit

Kinder- und Jugendeinrichtungen

Projektablauf Motivation nach

innen und außen

Klare Zeitplanung loben

Verbindliche

Verantwortlichkeiten

Rhythmus und Kontinuität

der Abläufe und Ablaufplan

Konsequente

Umsetzung

Integrieren der

Mitglieder des Vereins

Mitglieder müssen

Projekt wollen, sich

damit identifizieren

Projekt vorstellen,

präsentieren

Projektbetreuung Begeisterung wecken

Bedarfsermittlung

zur Projektnutzung

Verständnis entwickeln

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• Unzureichende Bereitschaft der Beteiligten zur Veränderung

• Keine Projektverantwortlichkeiten und Zuständigkeiten

• Projektstart ohne gründliche Vorbereitung der Beteiligten

• Keine klare Projektorganisation

1.4 Projektträger

Der Aufgabenträger ist in der Regel der Verein oder Verband.

Bei größeren Projekten bedient man sich auch

der Promotoren.

Diese haben eine wichtige Funktion für die Projektwerbung.

Wir unterscheiden:

• Machtpromotoren (Politiker und einflussreiche Personen

des öffentlichen Lebens)

• Fachpromotoren (fachlich kompetente Personen)

• Sozialpromotoren (Vertrauenspersonen, die das Projekt

gegenüber Vorurteilen kommunizieren)

1.5 Projektleiter

Der Projektleiter ist verantwortlich, dass die Ziele erreicht,

die Termine eingehalten und der finanzielle Rahmen

nicht überzogen wird.

Zu seinen Aufgaben gehört die Gestaltung der gesamten

Aufbau- und Ablauforganisation eines Projektes. Er

koordiniert alle Maßnahmen und motiviert alle beteiligten

Projektmitglieder.

Der Projektleiter ist der Generalmanager und sollte

Persönlichkeitsmerkmale wie Überzeugungskraft, Verantwortungsbewusstsein,

Durchsetzungsvermögen,

Teamwork sowie Kommunikationsfähigkeiten, Verhandlungsgeschick

und ein hohes Maß an Kreativität

verinnerlichen.

Der Projektleiter wird durch das Projektteam unterstützt.

Das Team sollte nach den Kriterien:

• Fachkompetenzen

• Soziale Kompetenzen

• Kommunikative Kompetenzen

• Handlungskompetenzen

zusammengesetzt werden, wobei Teamfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit,

hohes Engagement, Ideenreichtum

uns analytisches Denken der Mitglieder vorausgesetzt

wird.

2 Projektplanung (Obstlehrgarten)

2 Einführende Bemerkungen

Folgende Voraussetzungen sind vor Projektbeginn abzuklären:

• Teilziele formulieren

• Terminplanung – Abläufe festlegen

• Ressourcen planen (personell und materiell)

• Kostenplanung

• Risikoanalyse (Wenn, dann – anderenfalls)

2.1 Wegeführung

Der zukünftige „Kleingartenpark Altenburg Süd-Ost –

Generationenpark“, in dem das Projekt errichtet wird,

ist erreichbar über die Zufahrt der Envia/EWA, die

Kleingartenlage „Morgensonne“ sowie über Kleingartenanlage

„Glück Auf“ .Die spezielle Wegführung bzw.

Erreichbarkeit ist als Lageplan dem Projekt beigefügt.

2.2 Obstlehrpfad

Der Obstlehrpfad konzentriert sich auf alte, einheimische

sowie neue Obstsorten.

Zur Einhaltung des Umweltschutzes werden unterschiedlichste

Nistkästen sowie Insektenhotels errichtet.

Das Ziel besteht darin, den Kleingärtnern Anregung für

Neu- bzw. Umgestaltung des Obstanbaus in ihren Gärten

zu geben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit,

sich Anregung für Obstbaumpflege, Obstbaumschnitt

sowie Schädlingsbekämpfung unter fachlicher Anleitung

zu holen.

Für die Kinder beginnend von Kindergartenalter besteht

die Möglichkeit, die Entwicklung von der Pflanzung bis

zum Ernten der Früchte zu verfolgen und aktiv dran teilzuhaben.

2.3 Ziergehölze

Zur Abrundung und Abgrenzung vom Parkplatz und

Informationstreffpunkt sowie des unschönen Trafohauses

werden Ziergehölze gepflanzt.

2.4 Info-Treffpunkt

Der Info-Treffpunkt ist so zu gestalten dass ein Überblick

über das Objekt ersichtlich ist, so dass bei zentral

organisierten Begehungen eine Einführung bzw. eine

Endauswertung durchgeführt werden kann. Dieser

Treffpunkt als Carport gestaltet befindet sich im Bereich

des Trafohaus.

2.5. Trafohausgestaltung

Zusätzlich zum Informationspunkt wird das Trafohaus

mit Efeu, Wilder Wein etc. bepflanzt. Um den Umweltschutz

gerecht zu werden, befinden sich im Bereich des

Trafohauses Nistkästen für einheimische Fledermäuse.

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2.6 Technikstützpunkt

Zur ordnungsgemäßen Aufbewahrung und Pflege der

technischen Geräte wird die auf dem Gelände befindliche

zweckentfremdete Garage umfunktioniert.

2.7 Kompost -Rohstoffverwertung im Garten

2.7.1 Ziel – und Zweckbestimmung

Auf dem Kompost werden organische Abfallstoffe durch

die Arbeit von Bodenlebewesen zu hochwertigem, nährstoffhaltigen

Humus abgebaut.

Kompost ist also kein „Müll-Haufen“, sondern eine

„Rohstoff- Wiederaufbereitungsanlage“.

Wer im Garten wertvolle Rohstoffe kompostiert, leistet

einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Für den

Obstlehrpfad ist Komposterde unersetzbar. Der Boden

wird mit Humus und Nährstoffen versorgt, das Bodenleben

aktiviert und die Bodenstruktur verbessert.

Regelmäßige Bodenverbesserung mit Kompost sorgt im

Garten für eine gesunde Fruchtbarkeit, so dass auf den

problematischen und kostspieligen Einsatz mit mineralischem

Dünger weitgehend verzichtet werden kann.

2.7.2 Verwendung der Komposterde

Zur Bodenlockerung Kompost ca. zwei cm dick auf den

Gartenboden verteilen und leicht einharken; nicht untergraben!

Halbreifer Kompost kann im Herbst als Bodenabdeckung

2–3 cm dick aufgetragen (Flächenkompostierung)

oder über das ganze Jahr hinweg unter Bäumen

und Sträuchern verteilt werden.

Krankhafte, mit Parasiten befallene Früchte, Blätter und

Gehölze gehören nicht in Kompost.

2.8 Obst- und Beerengehölze

2.8.1 Äpfel

• Golden Delicios (Winterapfel)

• Alkmene (Sommer/Herbstapfel)

• Jonathan (Herbstapfel)

• Idared (Herbstapfel)

• Roter Berlepsch (Herbstapfel)

• Carola (Sommer/Herbstapfel)

• Rote Goldparmäne (Herbstapfel)

• Schweizer Orangenapfel(Herbstapfel)

• Klarapfel (Sommerapfel)

• Roter Gravensteiner (Sommer/Herbstapfel)

• Helios (Sommerapfel)

• Jonagold (Herbstapfel)

• Cox Orange (Herbstapfel)

• James Grieve (Herbstapfel)

2.8.2 Birnen

• Petersbirne (Sommerbirne)

• Clapps Liebling (Sommerbirne)

• Gellerts Butterbirne (Herbstbirne)

• Köstliche aus Charneux (Herbstbirne)

• Bunte Julibirne (Sommerbirne)

2.8.3 Süßkirschen

• Große schwarze Knorpelkirsche

• Hedelfinger Riesenkirsche

• Süßkirsche Burlat

• Rivers Frühe

• Frühe rote Meckenheimer

2.8.4 Sauerkirschen

• Morellenfeuer

• Achat

• Jade

• Morina

• Saphir

2.8.5 Pflaumen

• Mirabelle von Nancy

• Große grüne Reneklode

• Graf Althanns Reneklode

• Königin Viktoria

• Katinka

• Elena

2.8.6 Pfirsisch- und Aprikosen

• Red Haven

• Dixired

• Hargrand

2.8.7 Quitten

• Birnenquitte Vranja

• Apfelquitte

2.8.8 Beerengehölze

• Rote JB Rovada

• Rote JB Stanza

• Rote JB Rolan

• Schwarze JB Tenah

• Schwarze JB Ben moore

• Schwarze JB Ben Adler

• Weiße JB Zitavia

• Jostabeere

• STB Hinnonmäki rot

• STB Hinnonmäki gelb

• STB Invicta hellgrün

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2.8.9 Ziergehölze

• Holunder Black Beauty

• Fliederbeere Haschberg

• Aroniabeere Viking

• Aroniabeere Goji

• Sanddorn männlich Pollmix

• Sanddorn weiblich Leikora

• Feuerdorn Red Column

• Blutjohannisbeere King Edward VII

• Spierstrauch

• Gelbbunter Hartriegel

• Ranunkelstrauch Kerrie

• Sommerflieder Cardinal

• Pfeifenstrauch

• Rosa Weigelie

• Rotblättrige Rose glauca

• Forsythie Spectabilis

• Hagebutte.

Alle aufgezählten Gehölze wurden bereits 2011 gekauft

und befinden sich fachmännisch eingeschlagen in einer

Baumschule. Die Verbringung und Pflanzung erfolgt

nach einem bereits erstellten Plan ab 01.04.2012.

3. Arbeitsschritte im Projektablauf/

Terminplanung und Controlling

Folgende Arbeitsschritte wurden 2011 vollzogen:

• Berufung eines Projektteams und des Projektleiters

• Erstellung der Projektstudie

• Verteidigung vor dem Projektrat

• Vorstellung vor Bürgervereinen, der Stadtverwaltung

und des Landratsamtes

• Vorstellung der Studie vor den Mitglieder der

zugehörigen KGA

• Verhandlungen zur Zuwegung zum Parkplatz

• Gewinnung von Sponsoren

• Kauf des benötigten Pflanzmaterials.

Arbeitsschritte in 2012:

• Konzeptpräzisierung (ab 01.04.)

• Berufung einer ständigen Projektgruppe (01.04.)

• Einsatz einer Bürgerarbeitskraft (ab 01.04.)

• Einsatz von drei AGH-MAE (ab 01.04.)

• Pflanzung nach Plan (ab 01.04.)

• Gewinnung von Sponsoren (laufend)

• Wegebau (ab 01.06.)

• Regelmäßige Bodenpflege (laufend)

• Gestaltung eines Kompostplatzes (ab 01.07.)

• Erarbeitung von Info-Materialien (ab 01.07.)

• Gestaltung eines Flyers (ab 01.09.)

• Teileinweihung

(Tag des offenen Denkmals – September)

• Schnitt der Gehölze (ab 01.10. – Lehrveranstaltung)

• Vorstellung des Projektes im Stadtrat

• Vorstellung des Projektes an interessierten Schulen

und Kindereinrichtungen

Vorstellung des Projektes in Seniorenresidenzen

4. Kostenrahmen

Das gesamte Projekt befindet sich noch in der Kostenanalyse.

Bisher wurden für Pflanzmaterial und Arbeitswerkzeuge

knapp 2.000 € verausgabt.

Der Bau des Parkplatzes und der Wegezuführung und –

gestaltung wird in Höhe von 25.000 € veranschlagt und

über Fördermittel abgedeckt.

Büroeinrichtung, PC-Technik (komplett), Büroverbrauchsmaterialien

wurden über ESF-Mittel in Höhe

von ca. 1.000 € finanziert.

Geplante Werbematerialien werden mit 5.000 € veranschlagt

und über Sponsoring finanziert.

Personeller Einsatz wird über AGH-MAE bzw. BA finanziert

Projektarbeit (Projektleiter und beteiligte Gartenmitglieder)

erfolgt ausschließlich ehrenamtlich ohne Entschädigung.

Anschaffung von Gartentechnik, Carport als Ifo-Treff,

Bänke und Blumenbepflanzung sowie Arbeitsschutzkleidung

wird mit ca. 12.000 € veranschlagt und ist über

Sponsoring abzudecken.

Geschätzte Gesamtkosten für den Obstlehrgarten:

45.000 €.

5. Medienarbeit

• Die örtlichen Medien werden in regelmäßigen Pressegesprächen

über den Projektfortgang informiert.

• Sponsoren werden im Sommer zu einer Sponsoren-

Grillparty eingeladen.

• Bürgermeister und Landrat erhalten regelmäßig Projektinformationen.

• Kreistag und Stadtrat werden halbjährig über Tischvorlagen

informiert.

32 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


• Überregionale Medien werden arrhythmisch eingebunden.

6. Nutzungsmöglichkeiten

Ein spezielles Konzept über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten

befindet sich zurzeit in der Bearbeitung

und steht ab Juni 2012 zur Verfügung.

Die Erstellung erfolgt im Zusammenhang mit dem entstehenden

Kleingartenpark Altenburg-Südost – Generationenpark“,

da der Obstlehrgarten immanenter Bestandteil desselbigen

ist.

7. Projektabschluss

Die Einweihung des Obstlehrgartens erfolgt mit der Eröffnung

Gartensaison 2013 (Obstblüte Anfang Mai).

Die Eröffnung der „Kleingartenpark Altenburg Süd-Ost

– Generationenpark“ ist mit der Eröffnung der Gartensaison

am 1.Mai 2014 geplant.

Quellennachweis

Trainplan Bildungsmedien – Projektmanagement 2007

(berechtigte Lizenzversion)

Dr. B. G. Wolfgang Preuß

Vizepräsident des LV Thüringen der Gartenfreunde e.V.;

Vorsitzender des Regionalverband Altenburger Land

der Kleingärtner e.V.

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Integration von

Migranten im

Kleingartenwesen

aus der Sicht der

Lübecker Gartenfreunde

Hans-Dieter Schiller

Vorsitzender des Landesverbandes

Schleswig-Holstein der

Gartenfreunde e.V.

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Kleingartenparks als Weiterentwicklung

von Kleingartenanlagen

Prof. Dr. Gerlinde Krause

Fachhochschule Erfurt

Kleingartenparks als Weiterentwicklung von

Kleingartenanlagen

Eine erste Vorbemerkung

Verändert man die Schreibweise des ersten Wortes im

Titel eröffnen sich unterschiedliche Sichten auf die gestellte

Vortragsthematik

KleinGARTENPARK

KleingartenPARK.

Es ist somit der Kleingartenpark einerseits als ein, wie

Harry Maasz formulierte, aus „kleinen Gärten “1 zusammengefügter

Park zu beleuchten, aber andererseits auch

Kleingärten als Elemente eines Parks zu betrachten.

Eine zweite Vorbemerkung

sei zum zweiten Teil des Vortragsthemas – Weiterentwicklung

von Kleingartenanlagen – gestattet. Dieser

Part beinhaltet zwei Fragestellungen, nämlich wie können

vorhandene Kleingartenparks weiterentwickelt

werden und wie können

Kleingartenanlagen zu Kleingartenparks

entwickelt werden?

Es sind somit in den nachfolgenden Ausführungen

sowohl an die historische Entwicklung

anzuknüpfen, die gegenwärtige

Situation darzustellen sowie mögliche

Ansätze für eine zukünftige Ausgestaltung

aufzuzeigen und dies im Wechselspiel

von KleinGARTENPARK und KleingartenPARK.

Von den Anfängen bis zur Gegenwart und

Aspekte einer Weiterentwicklung

Das Kleingartenwesen war, ist und wird auch zukünftig

maßgeblich von dem Wandel gesellschaftlicher Verhältnisse

beeinflusst, d.h. von politischen, demografischen

und sozioökonomischen Faktoren – Faktoren, die heute

zunehmend globale, bundesweite, regionale sowie lokale

Komponenten aufweisen und somit eine hohe gesellschaftliche

Verantwortung erfordern. Harry Maasz

betonte dies bereits 1926:

„Das Gartenschaffen ist Gewissens Angelegenheit, die

sich der Verantwortung vor sich selbst, der Mitwelt und

der Nachwelt gegenüber bewusst sein soll. Der Gartengestalter

hat die Pflicht, das Wesentliche zu fördern, die

großen Linien und Zusammenhänge.“ 2

Im Sinne von Maasz sollen nun nachfolgend die „großen

Linien und Zusammenhänge“ dargestellt werden,

um „das Wesentliche “3 zu befördern.

Ein Exkurs in die Garten- und Freiraumgeschichte:

Ob vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Generationen,

allen gemein ist die Sehnsucht nach dem schönen

Garten, dem Paradies – eine „eigene, inmitten einer feindlichen

oder bedrohlichen Umgebung gelegene, nach außen

abgeschirmte und abgegrenzte, durchgrünte Welt“. 4 Die

Entwicklung, die Sehnsucht nach paradiesischen Gefilden

zu realisieren, reicht von ersten umgerteten Flächen zum

Anbau von Linsen oder Bohnen im Zweistromland bis

zu blumenreichen antiken persischen Gärten, die ihren

Niederschlag in griechischen Peristylgärten fanden. Nicht

nur Skulpturen und Plastiken, sondern auch philosophische,

Kunst- und Gartenauffassungen wurden von Rom

importiert, erblühten in Villen, Villengärten und Städten

zu neuer Qualität, gingen in den Völkerwanderungen der

ersten Hälfte des ersten Jahrtausends u. Z. fast verloren

und wurden in mittelalterlichen Klostergärten neubelebt.

Renaissance- und Barockzeit brachten prachtvolle formale

Gärten hervor

– formale Gärten,

1

die u. a. von Axialität

und Symmetrie

sowie von durch

Schnitt geformten

Bäumen und

Sträuchern geprägt

wurden und

werden.

52 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


2 5

Diesem formalen Konzept setzte England ab dem

18. Jahrhundert den Landschaftsgarten entgegen.

„Im Landschaftsgarten spiegelt sich der fundamentale

Wandel des abendländischen Naturgefühls, das sich in

Spannung zum fortschreitenden Rationalismus zu einer

auf Anschauung und Einfühlung basierenden individuellen

Naturempfindung hin entwickelte. In der Naturreligion

des Deismus, […], erreichte sie einen ersten

Höhepunkt. Ebenso bedeutsam aber war, daß die Aufklärung

ihren Naturbegriff unlösbar mit dem Freiheitsgedanken

verband. Wo Freiheit aus dem Naturrecht

begründet wurde, konnte umgekehrt Natur selbst zum

Freiheitssymbol werden. “5

Mit der Frühaufklärung im Umkreis der Universität

Leipzig sowie der neugegründeten Universitäten Halle

(1694) und Göttingen (1737) fanden Ideen dieser neuen

Naturauffassung Eingang im mitteldeutschen Raum,

fanden ihren Niederschlag in der geistig-kulturellen,

sozioökonomischen und baulich-gartenkünstlerischen

Ausformung des Dessau-Wörlitzer Garten- und Kulturreiches

unter Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-

Dessau. Er beförderte u. a. die Nutzung von Freiflächen

für Sport und Spiel.

3 4

Die Forderung nach öffentlich nutzbaren Freiräumen

entwickelte sich zunehmend im Kontext wachsender

städtischer Bevölkerung und Verstädterung, insbesondere

am Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Idee der Volks-

gärten wurde geboren. Theoretisch vorbereitet wurden

sie von Christian Cay Lorenz Hirschfeld (Theorie der

Gartenkunst, 5 Bände, 1779–1785) sowie von Friedrich

Ludwig von Sckell (Beiträge zur bildenden Gartenkunst,

1818). Sckell definierte den Volksgarten wie folgt:

„Volksgärten dienen zum Genusse der freien und gesunden

Lebenslust, zum traulichen und geselligen Umgange

und der Annäherung aller Stände, für das Bedürfnis

aller Stände, jedes Alters, für Greise, Wiedergenesende

und die zarte Jugend […] In solchen Volksgärten muß

aber auch dem gesellschaftlichem Vergnügen, dem Tanze

und anderen munteren Spielen stattgegeben werden,

wo zugleich auch Speisen und Erfrischungen eingenommen

werden können.“ 6

Und Hirschfeld erweiterte die Zielstellung:

„Die verschiedenen Stände gewinnen, indem sie sich

hier mehr einander nähern, auf der einen Seite an anständiger

Sittsamkeit und scheuloser Bescheidenheit,

und auf der andern an herablassender Freundlichkeit

und mittheilender Gefälligkeit. Alle gelangen hier ungehindert

zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu erfreuen.“

7

Sckell und Rumford gestalteten zusammen solch einen

ersten Volksgarten – den Englischen Garten zu München

– im Auftrage eines aufgeklärten Landesfürsten

an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, Peter Josef

Lenne’ 1824–1826 den Klosterbergegarten Magdeburg

erstmalig im Auftrage einer Kommune. Ab Mitte des

19. Jahrhunderts entstanden in rascher Folge Volksgärten,

Stadt- oder Bürgerparks in zahlreichen deutschen

Städten. Sie dokumentierten das gewachsene Bürgerbewusstsein,

„die Sorge für die Verschönerung und Hygiene

der Städte dem Staat abzunehmen.“ 8

Im Zuge der weiteren Ausdifferenzierung von Freiflächen

entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten

Armengärten in Kappeln (Schlei), Weimar oder Kiel

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 53


6 poli- 9

tischen,

7

und infolge die ersten Schrebergärten in Leipzig. Sie

entwickelten sich vorherrschend an den Stadträndern

der wachsenden Städte, kompensierten die zunehmenden

Frei- und Wohnraumdefizite. Friedrich Coenen

arbeitete in seiner 1911 erschienenen Schrift Das Berliner

Laubenkoloniewesen, seine Mängel und seine Reform

die Vorteile vom Kleingarten heraus wie Erholung und

körperliche Bewegung an frischer Luft, die „zufriedene,

glückliche und gesunde“ und somit „leistungsfähige“ 9

Arbeiter bewirkte, sowie Erziehung der Kinder zur Natur.

Als Ergebnis kleingärtnerischer Tätigkeit konstatierte

er „eine geistige, moralische und materielle Hebung

der Lage der unteren Klassen “10 und somit eine Entlastung

des Etats der großstädtischen Armenlasten.

Die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Ausbruch

des 1. Weltkrieges war von einem durchgreifenden

8

sozioökonomischen und geistig-kulturellen Wandel gekennzeichnet.

Hohe Einwohnerdichten und unhygienische

Wohnverhältnisse sowie sinkende Grünflächenanteile

in den Städten, Armut und Unterernährung,

hohe TBC-Raten und Kindersterblichkeit, zunehmende

Schulunfähigkeit der Kinder waren nur einige Auswirkungen

dieses Wandels, die zu intensiven Diskussionen

und zur Entwicklung von visionären Konzepten

des Zusammenlebens führte. Unter dem Begriff „Reformbewegung“

wurden all diese Bestrebungen zusammengefasst.

Forderungen nach „Licht, Luft und Sonne“

wurden erhoben und mündeten 1913 u. a. in zwei

programmatische Schriften – Der deutsche Volkspark der

Zukunft. Laubenkolonie und Grünfläche von Harry Maaß

und Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts von Leberecht

Migge. Beide Schriften gaben einerseits Anregungen

zur gestalterischen Aufwertung von Kleingartenanlagen.

Hierzu einige Ausführungen der Autoren:

„Auf die Durchsetzung und Rhythmisierung mit Großvegetation,

auf die Einordnung der Lauben, auf die

pflanzliche Ausbildung besonders hervorzuhebender

Plätze, der Haupt- und Nebenwege wird unser Hauptaugenmerk

gerichtet sein müssen. Nicht unwichtig erscheint

mir ferner die Verteilung von größeren Frucht-

und Zierbäumen in den einzelnen Gärten, eine nach

einheitlichen Gesichtspunkten ausgeführte Gruppierung

von bestimmten Baumformationen in bezug auf

Wuchs, Blüten- und Laubwirkung.“ 11

„[…] der heutige Garten muß deshalb eine gesetzmäßige

tektonische Erscheinung aufweisen, weil seine ihm

eigene neue, soziale und wirtschaftliche Gesinnung nur

in dieser Weise zur vollen Ausnutzung kommen kann.

Infolgedessen ist mir die Übertragung der architektonischen

Gesetze auf den Garten nicht bloß eine formale

und gar nur ästhetische Angelegenheit. Nicht deshalb

sieht mein Garten architektonisch aus, weil andere frühere

Gartenepochen sich derselben Gestaltungsmittel

bedient haben und der Mensch den Wechsel liebt, nicht

deshalb allein, weil die Gesetzmäßigkeit und Zügelung

der geometrischen Linie die stärkere rhythmische Wir-

54 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


kung gegenüber der Willkür der freien verheißt – nein,

die architektonische Gestaltung des Gartens ist für uns

vor allem deshalb notwendig, weil sie so einfach ist. Weil

ihre Elemente am leichtesten zu handhaben und von

Natur aus haushälterisch sind, dass in unserem Zeitalter

der Massenprobleme allein sie irgendeine Wirkung

in die Breite ermöglichen: ich wünsche den architektonischen

Garten aus volkswirtschaftlichen und sozialen,

aus ethischen Gründen.“ 12

Andererseits plädierten

Maaß und Migge für eine

„Sozialisierung des städtischen

Grüns“ als „eine der

wichtigsten Aufgaben“ 13

10

der Zeit, entwickelten konzeptionelle

Vorstellungen

zur Vereinigung bisher

separat eingeordneter Freiräume

zu benutzbaren

Spiel-/Innenparks und Außenparks, verbunden durch

von Gärten begleiteten Promenaden.

11

Theoretisch vor dem 1. Weltkrieg vorbereitet, fanden

diese Ideen nach dem Krieg praktische Umsetzung.

Volksparks, zu denen nun auch Kleingärten neben

sportlichen und volkspädagogischen Einrichtungen wie

Gesellschaftshaus mit Versammlungsräumlichkeiten,

Bibliothek, Turnsaal, Bade- und Schwimmgelegenheiten,

Liegehallen, Schwimmbassins, Licht- und Luftbäder

im Freien, Festplatz mit Vergnügungseinrichtungen

sowie Plätze für das organisierte Spiel14 gehörten,

wurden vielerorts realisiert. Herausragende Beispiele

entstanden z. B. in Berlin mit dem Volkspark Rehberge

(1926–1929, 89 ha). 15

1930 erhob Migge die Forderung nach „Rentablen

Parks“. Er führte eine mit heute vergleichbare Ausgleichslage

an:

„Um die gewaltig

entwickelten Gartenneigungen

der städtischen

Bevölkerung zu

befriedigen, genügt

nicht nur

Gartenland, sondern

es ist noch

ein weiteres erforderlich,

das

Gartengeld. […]

Unsere überspannteStadtwirtschaft

bringt

derzeit nur mit Mühe die Mittel auf die bestehenden

Grünanlagen zu unterhalten und höchstens bescheiden

auszubauen, geschweige denn, in dem erforderlichen

großen Maßstabe an neue Grünentwicklungen heranzugehen.

[…] Es ist nicht so, dass man all dieses neue

Gartengrün nun wachsen lassen kann oder nicht wachsen

lassen kann – diese neuen Gärten sind typische Begleiterscheinungen

des neuen Menschen und von ihm

nicht zu trennen. […] All diese Gartenwünsche sind lebensnotwendige

Korrelate des immer härter werdenden

Stadtdaseins und müssen erfüllt werden.“ 16

13

Als einen möglichen Lösungsweg arbeitete er konzeptionell

einen „neuen Parktyp mit eigenwirtschaftlichem

Charakter“ 17 heraus, modellhaft den Kolonialpark für

die Stadt Düsseldorf in der Golzheimer Heide mit 170

ha Wiesen, Sportplätzen, Kleingärten, Schulgärten,

Kraftfahrzeugparkplätzen und Kirmesfläche. Ausarbeitungen

zu Frankfurt a. M. und Berlin ergänzten die

planerischen Überlegungen und mündeten in einen

kämpferischen Ausruf zur rentablen Parkpolitik:

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 55

12


„Was hier vom Grün der kommenden Weltstadt Berlin

gesagt ist, gilt grundsätzlich für alle Großstädte

Deutschlands, ja für den kommenden Stadttypus in aller

Welt. Sie alle brauchen zur Erhaltung ihres Daseins

mehr Grün. Zu diesem Ziel führen aber nur zwei Wege:

weniger konsumierendes, d. h. wirtschaftlich belastendes

Grün, mehr produzierendes, d. h. wirtschaftlich entlastendes

Grün.“ 18

Ab den 1920er Jahren

wurden diese

neuen benutzbaren

Volksparks

zunehmend in

die im Aufbau

befindlichen

stadtgliedernden

Freiraumsysteme

eingeordnet. An

dieser Stelle sei

auf das bedeutsame

Wirken von Martin Wagner (1885–1957) verwiesen,

der ein „Beziehungssystem von ‚Besiedlungsdichte‘,

‚Wohnqualität‘ und ‚Alter der Bewohner‘ zu verschiedenen

Freiflächentypen“ aufbaute und somit „erste

begründete Bedarfszahlen für die unmittelbare grüne

Wohnumwelt“ ableitete. 19

14

Mit den veränderten politischen Rahmenbedingungen

wandelte sich ab den 1930er Jahren auch der Volkspark.

15

„Formen wurden nicht nur kopiert, man verknüpfte sie

auch zwangloser miteinander, bis schließlich in den

späten dreißiger Jahren der Volkspark als Gesamtkunstwerk

und als einheitliches soziales Programm zerfiel.“ 20

Trotzdem sind bedeutende große und kleine Anlagen in

dieser Zeit entstanden. Hier sei z. B. auf Frankfurt a. M.

oder Saalfeld (Gesamtanlage von Bergfried, Werk, Siedlung

und KGA „Mauxion“) verwiesen. In Frankfurt a. M.

wurde 1914 die Denkschrift über die Regulierung der Nidda

innerhalb des Stadtkreises vom Tiefbauamt veröffentlicht

und 1928 stellte sich der Fluss bereits „als begradigter

Kanal mit gleichmäßig steilen, im unteren Teil durch

Steinpackungen befestigte[n] Uferböschungen, auf beiden

Ufern von schmalen Deichwegen begleitet“, dar. 21

Bromme forderte mit seiner Denkschrift 1928 die Ausnutzung

der Altarme zwischen neuerem und früherem

Verlauf der Nidda für öffentliche und halböffentliche

Erholungseinrichtungen oder für kleinere Naturschutzgebiete

im Kontext des Grüngürtelausbaus. Die Flächen

sollten sich bis an die Höhen der umliegenden Siedlungen

erstrecken und Kleingartenkolonien, Gärtnereisiedlungen

und große Nutzwiesen mit einbeziehen. Neben

planmäßigem Vogelschutz, Bienen- und Fischzucht

sollten Licht-, Luft-, Plansch- und Fluss-/Schwimmbäder,

Spiel- und Sportwiesen entstehen. Heute gewährleistet

die Niddaaue Erholungs- und Naturgenuss sowie

Naturbeobachtung zugleich.

Im 2. Weltkrieg und in den ersten Jahrzehnten danach

galt es in beiden entstandenen deutschen Staaten, ausreichend

Kleingartenland zur existentiellen Absiche-

rung bereitzustellen. 1954 wies Reinhold Lingner in

der Diskussion um den Aufbau von Stalinstadt (heute:

Eisenhüttenstadt) auf die Bedeutung von Kleingärten

hin, „in denen man selbst graben, pflanzen und ernten

kann“, auch wenn die „bestehende Form ein typisches

Produkt der Widersprüche des Kapitalismus“ 22 sei. Er

56 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219

16

17


forderte die Berücksichtigung der unterschiedlichen

Anlagen und Bedürfnisse der Menschen, forderte ein

Zentrum der Gartenkultur und betonte:

„Die Beschränkung auf bloße Betrachtung und Benutzung

von Gärten ohne aktive Einflussnahme auf die

Vorgänge des Wachstums, auf die Bildung des Kulturbodens,

auf die Veränderung der Umweltbedingungen,

auf die Züchtung und die Verwendung der Pflanze als

Gestaltungsmittel würde die Gartenkultur wertvoller

Kräfte berauben. […] Der deutsche Garten ist eine so typische

und populäre Kulturleistung, dass er zu einem

Bestandteil der deutschen Heimat geworden ist.“ 23

1984 arbeitete Christine Weiske in ihrer Dissertation

Heimischfühlen in der Stadt – Zur Wechselwirkung von

Ortsverbundenheit und Migration. Eine soziologische Studie

die konstituierenden Faktoren für Heimatgefühl, das

als Relation von Lebensanspruch (historisch und sozial

determiniert) und Lebenserfüllung (subjektive Fähigkeiten,

den eigenen Lebensanspruch zu realisieren)

charakterisiert wurde, heraus. Diese sind nach Weiske:

– Wohnort in seiner Bild prägenden Bedeutung,

– Wohnung/Wohnungszufriedenheit (Grad der Wohnungsausstattung,

Sozialstruktur der Bewohner, Lebensalter

der Bewohner, Wohndauer),

– intakte Landschaft (Bindung durch Landschaft über

alle sozialen Gruppen, über alle Altersgruppen und

die Geschlechter gleich stark!),

– genaue Ortskenntnis (Teilhaben und Eingebundensein)

und Vertrautheit (Junge: Neues, An- oder Aufregendes,

Informationshunger; Ältere: sprunghafte

Zunahme der Bindungen nach dem 40. Lebensjahr,

Suche nach geruhsamer Regeneration und Erholung),

– Nachbarschaft (abhängig vom Alter),

– Verwandtschaft (von relativ geringer Bedeutung),

– Einkaufsmöglichkeiten (Lebensalter abhängig, stärker

gebunden an gehobenen Bildungsstand),

– Freunde und Bekannte (Kommunikationspartner/Vertrauenspersonen;

Intensität der Bindung vom Lebensalter

abhängig),

– Arbeitsplatz und Beziehungen zu Kollegen (Mensch

auf gesellschaftsgestaltende Aktivität ausgerichtet,

Leistungs-, Kontakt- und Verdienstmotiv), kulturelles

Leben und Familie von geringem Einfluß. 24

Unter diesem Fokus betrachtet, sind somit beste Voraussetzungen

zum Heimischfühlen städtischer Bevölkerung

in den Kleingartenanlagen gegeben. Neben

der baulich-räumlichen und freiraumgestalterischen

Ausprägung sollte es also auch verstärkt um eine Intensivierung

des Gemeinschaftslebens gehen, wie Migge

bereits 1913 formulierte:

„Danach käme es also zuerst darauf an, ein solches intensiveres

Gartenleben zu entwickeln, zu befestigen und

auszubreiten und erst in zweiter Linie darauf, bestimmte

Formvorstellungen und schöngeistige Richtungen zu

fixieren. […] Auf den allgemeinen und gleichen Gartenwillen

kommt es an!“ 25

Im westlichen Teil Deutschlands

erschienen bis in die

1980er Jahren hinein zahlreiche

Schriften, die sich mit

der Freiraumsicherung und

der Bedeutung von Dauerkleingartenanlagen

als Bestandteil

der Stadtstruktur

auseinandersetzten. Verwiesen

sei hier nur auf Günther

Grzimeks Ausführungen

zur Grünplanung Darmstadt

von 1965 oder Michael

Lohmanns Darlegungen

zur Grünplanung von 1974.

Lohmann stellte auf der

Basis einer Seminararbeit

von N. Hofer Richtzahlen

für verschiedene städtische

Grünbereiche zusammen.

Für Kleingärten wurde ein

Mittelwert von 13 qm Kleingartenland

pro Einwohner

errechnet. 26 1980 folgte Dietrich

Garbrechts und Ulrike

Matthes‘ Entscheidungshilfen

für die Freiraumplanung

– Planungshandbuch, in

dem Kriterien zur Sicherung

und Verbesserung der Voraussetzungen

für die Freizeitgestaltung

und Erholung

im Freien erarbeitet wurden.

Mit den 1970er Jahren entwickelte

sich ein neuer Wertansatz gegenüber der Natur.

Gesetzte Ziele konnten nicht allein mit technischen

Umweltschutzmaßnahmen allein erreicht werden, Plädoyers

für einen integrierten raumstrukturellen Ansatz

wurden infolge der Veröffentlichungen des Club of

Rome erhoben, eine ökologisch orientierte Stadt- und

Raumentwicklung etablierte sich. Martin C. Neddens

definierte deren Aufgaben wie folgt:

„Ökologisch orientierte Stadt- und Raumentwicklung

stellt sich die Aufgabe, die stofflichen und energetischen

Austauschvorgänge aus allen Funktionen von

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 57

18

19

20


Siedlungskörpern in übergeordnete Kreisläufe des Naturhaushaltes

derart einzufügen, daß ein ökologisches

Gleichgewicht hergestellt und langfristig gewahrt wird.

Unter der Bedingung, daß die Leistungsfähigkeit des

Naturhaushaltes begrenzt ist, sind von der ökologischen

Grenze her Rahmenbedingungen für die städtischen

Funktionen zu formulieren.“ 27

2010 beleuchtete Jürgen Milchert das niedersächsische

Kleingartenwesens und fasste seine Vision von Kleingärten

im Jahr 2020 in 6 Thesen zusammen:

„These 1:

Die Bedeutung des Gärtnerns wird weiter zunehmend

Die ‚Entkörperlichung‘ des Arbeitslebens fördert körperbetonte

Freizeitaktivitäten […]

These 2:

Der räumliche Nahbereich gewinnt an Bedeutung

Der individuelle und gesellschaftliche Lebensstil der

Menschen ändert sich. […]

These 3:

Der Kleingarten als gesundheitlicher Präventions- und

Aktionsort gewinnt an Bedeutung

[…] Garten eine Verlockung der Stille, überschaubarer

Lebensprozesse und gewohnter Rhythmen […]“ 28

Und gerade der Kleingarten, die Kleingartenanlage ist

ein überschaubarer Bereich mit „überschaubaren Lebensprozessen“,

in dem Selbstbestimmung und Selbstorganisation

bestens geübt und praktiziert werden

kann. Milchert setzte wie folgt fort:

These 4:

Über die neue Schönheit des Nutzgartens

[…] starker Trend zur Wiederbelebung der Nutzgartenkultur

[…] in immer mehr Städten […] ‚Green-Guerillas‘

[…] ‚Interkulturelle‘ Gärten […] Hausgärten nehmen

immer mehr die traditionellen Aufteilungsstrukturen

idealtypischer Kleingartenparzellen an […] Gemüsegartenflächen,

die man für einen Sommer mieten kann.

These 5:

Über den wichtigen gesellschaftlichen Nutzen sich verändernder

Gartenästhetik

Gartengestaltung als Volkskunst […] Veränderungen in

den Ästhetiknormen im Bereich der gartenbezogenen

Alltagsästhetik […]

These 6: Neue Organisationsmodelle für das öffentliche

Grün und für das Kleingartenwesen werden sich entwickeln

[…] Der traditionelle Stadtpark, der von den Stadtgärt-

nern gepflegt wird, ist wahrscheinlich ein Auslaufmodell

für einige historische Parks. Stattdessen werden

sich vielfältigere Garten- und Parkstrukturen entwickeln,

die gartenbaulich-landwirtschaftlicher, eigenverantwortlicher,

bunter und situativer sind. […]“ 29

58 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219

21

22


Die bisherige Entwicklung ab dem 19. Jahrhundert und Ansätze zur Weiterentwicklung:

Ab 19. Jahrhunderts bis zur Wende 19./20. Jahrhundert

Stil/Formensprache Ein-/Zuordnung der Klein-/Gärten Ansatzpunkte für Weiterentwicklung

Organische Gestaltung von Volksgärten, Stadt- und

Bürgerparks

Gärten als Teil der Siedlung, als Teil der Wohnbebauung

und Kleingärten am Stadtrand in formaler

Gestaltung;

im ländlichen Raum zusätzlich Grabelandparzellen;

formale Gestaltung

Teilweise fließende Übergänge zum Landschaftsraum,

aber auch isolierte städtische Lagen;

Aus Einzelgärten zusammengesetzte Laubenkolonien;

nur sächsische Anlagen mit Kinderspielplätzen

Gestalterische Aufwertung der Gesamtanlage; Erhalt

der Kinderspielplätze in diesen Anlagen; Prüfen der

Denkmalwürdigkeit

Bis zum 1. Weltkrieg

Stil/Formensprache Ein-/Zuordnung der Klein-/Gärten Ansatzpunkte für Weiterentwicklung

Übergang von organischer zu formaler Gestaltung;

Diskussion zu Gesamtstadttkonzeptionen;

Formale Kleingärten am Stadtrand; theoretische Zusammenführung

von Volkspark- und Kleingartenidee;

Diskussion zu Kleingärten in Gesamtstadtkonzeptionen,

um gesamtstädtische Grünsysteme;

Im ländlichen Raum zusätzlich Grabelandparzellen;

formale Gestaltung;

Erste Volksparks im Übergangsstil (z. B Hamburg);

Aus Einzelgärten zusammengesetzte Anlagen ohne

Gesamtkonzeption; nur sächsische Anlagen mit

Kinderspielplätzen; erste Entwürfe zur gestalterischen

Aufwertung;

Gestalterische Aufwertung der Gesamtanlage; Erhalt

der Kinderspielplätze in diesen Anlagen; bei Innenstadtlagen

Sicherung der Anlage; bei Vorhandensein

von Gesamtkonzeptionen Denkmalwürdigkeit

prüfen;

Zwischen 1. und 2. Weltkrieg

Stil/Formensprache Ein-/Zuordnung der Klein-/Gärten Ansatzpunkte für Weiterentwicklung

Formale Freiraumgestaltung anfangs vorherrschend;

ab den 1930er Jahren wieder zunehmend organische

Gestaltung;

Kriegs- und Nachkriegskleingärten in der Stadt und am

Stadtrand in formaler Gestaltung;

Formale Kleingartenanlagen im Zuge geplanter

Stadterweiterung;

Praktische Zusammenführung von Volkspark- und

Kleingartenidee;

Aufbau von gesamtstädtischen Grünsystemen im

ländlichen Raum zusätzlich Grabelandparzellen;

Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung

Stil/Formensprache Ein-/Zuordnung der

Klein-/Gärten

Bis in die 1970er Jahre organische Gestaltung in öffentlichen

Grünanlagen vorherrschend; ab Ende der 1970er

Jahre verstärkte ökologische Orientierung;

Kriegs- und Nachkriegskleingärten in der Stadt und

am Stadtrand und im ländlichen Raum zusätzlich Grabelandparzellen;

in der DDR: Einbindung in geplante

formale Kleingartenanlagen;

Formale Kleingartenanlagen als Teil von Bebauungsplänen

im Zuge der Stadterweiterung;

Aufbau und Ausbau gesamtstädtischer Grünsysteme;

Aus Einzelgärten zusammengesetzte Anlagen ohne

Gesamtkonzeption;

Gestalterische Gesamtkonzeption von aneinander

gereihten Einzelgärten mit Gemeinschaftsflächen in

Dauerkleingartenanlagen;

Kleingärten als Teil von neuen Volksparkanlagen

Kleingärten als Teil von Ringen oder Radialen;

Aus Einzelgärten zusammengesetzte Anlagen ohne

Gesamtkonzeption;

Gestalterische Gesamtkonzeption von aneinander

gereihten Einzelgärten mit Gemeinschaftsflächen in

Dauerkleingartenanlagen;

Kleingartenanlagen im Kontext anderer Grün- und

Freianlagen;

Gestalterische Aufwertung der Gesamtanlage; Erhalt

der Kinderspielplätze in diesen Anlagen; bei Innenstadtlagen

Sicherung der Anlage;

Denkmalschutz bzw. Prüfen der Denkmalwürdigkeit,

insbesondere wenn sie im Kontext von reformpädagogischen

Konzepten und Siedlungsreformbestrebungen

entstanden i. d. R. Denkmalschutz;

teilw. Denkmalschutz z. B. Köln (Encke), teilw.

Naturschutz; Sicherung und Ausbau der Anlagen im

gesamtstädtischen/landschaftlichen Kontext;

Ansatzpunkte für

Weiterentwicklung

Gestalterische Aufwertung der Gesamtanlage; Erhalt

der Kinderspielplätze in diesen Anlagen; Schaffung

von Gemeinschaftsflächen; bei Innenstadtlagen

Sicherung der Anlage;

Gestalterische Aufwertung der Gesamtanlage im

Kontext von gewandelten Freiraumansprüchen/

Freizeitbedürfnissen und Naturauffassungen; Prüfen

des Denkmalschutzes, wenn sie im Kontext von

Kulturparkprojekten (NBL) entstanden sind;

Sicherung und verstärkte landschaftliche/ökologische

Ausrichtung;

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 59


Von der Wiedervereinigung bis heute

Stil/Formensprache Ein-/Zuordnung der

Klein-/Gärten

Zunehmend wieder formale Gestaltung, daneben aber

auch verstärkt ökologische Ausrichtung in vielfältiger

Formensprache;

Vereinzelter Neubau von Dauerkleingartenanlagen

im Kontext von Wohnsiedlungen, vorherrschend in

Wachstumsregionen;

Leerstand mit Rück- und Umbau von Kleingartenanlagen

in Schrumpfungsregionen;

Ausbau gesamtstädtischer Grünsysteme;

Zur Vereinfachung diese Aussagen in

schematischer Form:

In Innenstadtlagen eher in geplanter Aneinanderreihung

von Einzelgärten und kleineren Gemeinschaftsflächen;

in städtischen Randlagen dem Landschaftsraum angepasste

Form von Kleingartenanlagen (vg. Steinbüchel,

Leverkusen);

Aus Einzelgärten zusammengesetzte Anlagen mit und

ohne Gesamtkonzeption;

Kleingartenanlagen im Kontext anderer Grün- und

Freianlagen;

Aneinanderreihung

Gewachsene Struktur

Linear aufgewertete Wege

Geplante Struktur

Kleingartenanlage in Volkspark

Geplante Struktur

Kleingartenanlage in Volkspark

Geplante Struktur

Ansatzpunkte für

Weiterentwicklung

Gestalterische Abrundung und Ergänzung; Schwerpunktsetzung

auf Gemeinschaftsflächen;

teil- bzw. vollständiger Rückbau im ländlichen

Raum, Umbau in Stadtlagen unter Einbeziehung der

Brachen im Kontext der demografischen Entwicklung;

Ausbau von Gemeinschaftsflächen unter Berücksichtigung

von gewandelten Freiraumansprüchen/

Freizeitbedürfnissen und Naturauffassungen;

Ausbau bzw. Sicherung der gesamtstädtischen Grünsysteme

bei verstärkter landschaftlicher/ökologischer

Ausrichtung;





Linear aufgewertete Wege

Geplante Struktur

Wegesysteme, erweitert

um Gemeinschaftsflächen

Geplante Struktur

Kleingartenanlage in Volkspark,

eingegliedert in städtisches Grünsytem;

Geplante Struktur

Kleingartenanlage in Volkspark, eingegliedert

in städtisches Grünsytem;

Geplante Struktur

60 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Anregungen zur weiteren Entwicklung von

KleingartenPARKs

Anleihe soll zuerst bei Christian Cay Lorenz Hirschfelds

Theorie der Gartenkunst genommen werden. Er arbeitete

über die Analyse historischer Anlagen die wesentlichen

Elemente einer Parkgestaltung heraus. Sie werden

nachfolgend aufgelistet und für eine zukünftige KleingartenPARK-Entwicklung

diskutiert.

Im Band 1 benannte Hirschfeld:

1. Größe und Mannigfaltigkeit

• Größe: Nach Angaben des Arbeitskreises „Kommunales

Kleingartenwesen“ der Ständigen Konferenz der

Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag 30 wurde

im Hinblick auf eine wirtschaftliche Erschließung

und Unterhaltung von Kleingartenanlagen eine ideale

Größe von 50 bis 150 Gärten ausgewiesen. Kleinere

Anlagen und Kleinstanlagen mit weniger als 10 Parzellen

verfügen meist nicht über die wirtschaftliche

Kraft, Investitionen durchzuführen bzw. Leerstände

zu kompensieren. Zudem fehlen diesen Kleingartenanlagen

häufig Flächen, um Gemeinschaftsanlagen

zu erstellen.

• Mannigfaltigkeit: Größere Anlagen sollten in Teilabschnitte

(evtl. Berücksichtigung von historischen

Bauabschnitten) gegliedert, verschiedenartig gestaltet

und durch Baum- sowie Strauchpflanzungen/Spalieren

strukturiert werden. Bei aller Verschiedenheit

von Teilbereichen oder Variation der Teile sollte auf

eine harmonische Verbindung besonderer Wert gelegt

werden.

2. Schönheit über Proportion, Farbe, Bewegung

• Proportion: Kleingartenanlagen entstanden und entstehen

auf Grundstücken unterschiedlicher Größe und

Zuschnitte. Langgestreckte Anlagen weisen meist höhere

Erschließungsflächen auf und erscheinen für die

Entwicklung von Gemeinschaftsleben ungünstiger als

Anlagen mit harmonischem Grundstücksproportionen.

Entsprechende Untersuchungsergebnisse dazu liegen

der Autorin jedoch nicht vor. Aussagen zu Größe und

Gemeinschaftsflächenanteilen von Kleingartenparks

wurden dagegen von Claudia Dorsch 2008 eruiert.

Sie führte aus, dass der Typus eine „Kombination von

Funktionen im öffentlichen Grün aus öffentlichen

und privaten Nutzungsmöglichkeiten“ aufweist.

„Die Funktionen eines Kleingartenparks können erfahrungsgemäß

erst ab einer Anlagengröße von etwa

2,5 Hektar und durch einen höheren Anteil an öffentlichen

nutzbaren Grünflächen von ca. 30% erfüllt

werden. Durch diese Richtwerte erhält er einen ausgeprägteren

Erholungscharakter für die Allgemeinheit.

Allerdings müssen hierzu die Hauptwege jederzeit […]

öffentlich zugänglich, um zusätzliche Nutzungsangebote

angereichert sein und können auch als Radwege

genutzt werden.“ 31

• Farbe: „Das Farbempfinden eines jeden Menschen ist

sehr verschieden. Jeder Mensch reagiert auf Farben

psychisch, emotional und physisch ganz unterschiedlich.“

Psychologen fanden heraus, „dass die meisten

Menschen positiv auf komplementäre bzw. stark

kontrastierende Farben, die eine gewisse Harmonie

ausstrahlen, reagieren. […] Farben können bei einem

Menschen ein bestimmtes Temperaturempfinden

hervorrufen. So werden die Farben Rot und Orange

als warme Farben, hingegen Blau eher als kalt empfunden.“

Untersuchungen ergaben, dass ältere Menschen

eher wärmere Farben bevorzugen. „Die warme

Farbe erweckt den Anschein, dem Betrachter entgegenzukommen,

[…]. Kühle Farben hingegen lassen

die Entfernung zum Betrachter größer werden.

Bei einer guten Platzierung kann die Farbe Blau das

Raumgefühl durch den Eindruck von Perspektive und

Tiefe intensivieren.“ 32 Werden blaue, gelbe oder wei-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 61


ße Gärten etc. Bestandteil von öffentlich zugänglichen

Bereichen wird aus einem KleingartenPark ein Klein-

GARTENPARK.

• Bewegung: Tiere, Wasser, Kinderspiel, Wolken, Wind,

Regen …

3. Anmutigkeit und Lieblichkeit

• Licht und Schatten: Im Herbst, Winter und Frühling

werden sonnige Plätze von den Gartennutzern gesucht,

im Sommer schattige Standorte. Hier ist darauf

hinzuweisen, dass sich bei Einnahme einiger

Psychopharmaka die Lichtempfindlichkeit erhöht.

Halbschattige Bereiche, also Übergangsbereiche von

Baumhainen zu Wiesenflächen weisen Untersuchungen

zufolge eine sehr hohe Attraktivität auf 33 , sollten

in öffentlich zugänglichen Zonen entwickelt bzw. erhalten

werden.

• Licht und Farbe: Mit dem Klimawandel werden sich

zukünftig auch in Deutschland Farbgebung und

Stimmung einer Farbe unter neuen Lichtverhältnissen

ergeben. Wärmere Klimazonen weisen eher ein

leuchtendes Licht auf (kräftige Farben), gemäßigte

Zonen eher ein gedämpftes (zarte Farben). „Hinzu

kommt die Veränderung des Lichtes in Abhängigkeit

der Tageszeit.“ 34

Sinne ansprechen: „Pflanzen können nicht nur die Freude

eines Menschen wecken, sie können auch unsere

fünf Sinne (Sehen, Schmecken, Hören, Riechen, Fühlen)

ansprechen und zu Reaktionen führen.“ 35 Duftgärten,

Gärten mit Pflanzen zum Tasten, Streicheln und

Greifen, Gärten mit Pflanzen zum Hören stellen eine

reizvolle Bereicherung von Kleingartenparks dar.

Zur Beobachtung verleiten: Tiere (Volieren), Wasserkaskaden

etc.

4. Neuheit und das Unerwartete

• Neuheit: Technische Neuerungen haben über Garten-

und kleinere Haushaltsgeräte, Handys etc. Einzug in

unsere Gärten gehalten. Neues kann aber auch aus

Altem erwachsen, z. B. wenn aus metallenen Abfällen,

Plaste oder Holz Skulpturen entstehen und unsere

Gärten kunstvoll aufwerten. Auch temporäre Installationen,

in Zusammenarbeit von Künstlern, Kleingärtnern

und Schülern entwickelt, können Gemeinschaftsflächen

neuen Reiz verleihen.

62 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


• Das Unerwartete, das Überraschende: Kleingartenparks

sollten eine Vielzahl von Nischen, lauschigen

Winkeln zum Verstecken, Verweilen und Beobachten

aufweisen. Sie können Fernsichten, aber auch Nahsichten

z. z. auf Kinderspielplätze, Gesundbrunnen

etc. eröffnen. Eingeordnete Spielwerke (Wassertrittsteine,

Wasserspielkonstruktionen etc.) überraschen

durch verspritzendes Wasser oder Töne, bereichern

somit das Erleben von Jung und Alt. Zu beachten ist

hierbei, dass keine Gefährdung eintritt.

5. Kontrast

Erschreckendes, Widriges, Widersinniges, dann aber

wieder liebliche, zierliche, wilde, melancholische Szenen

– also ein Gegeneinandersetzen zu schaffen, empfiehlt

Hirschfeld. Es kann dies im Kontext der Gesamtanlage

entwickelt werden, aber auch von Parzelle zu

Parzelle, wie der letzte Wettbewerb „Gärten im Städtebau“

eindrucksvoll offerierte.

Weitere Gestaltelemente leitete Hirschfeld aus den „verschiedenen

Charakteren der Landschaft und ihren Wirkungen“

36 ab. Dies sind u. a.:

• Ebene, Anhöhe, Vertiefungen

Ebene Flächen ermöglichen ein ruhiges, verweilendes

Überschauen von Szenen. Anhöhen bieten mehr

Freiheit, bieten Aussichten, sind offen und luftig.

Vertiefungen vermitteln Ruhe und Einsamkeit, weisen

überraschende steil abstürzende Tiefen oder einladend

dahin sinkende Neigungen auf. Wenn sie in

einer Anlage landschaftlich gegeben sind, können

Pflanzungen die Vertiefung unterstützen oder Aussichtspavillons

die Anhöhe bekrönen. Ebene, Anhöhe

oder Vertiefungen können aber auch künstlich

geschaffen werden. Wie der Karl-Foerster-Garten in

Potsdam-Bornim eindrucksvoll verdeutlicht, kann aus

einem kleinen Gartenraum durch Bodenabsenkung

und unterstreichende Bepflanzung optisch ein großer,

reizvoller Raum werden.

• Felsen

Felsen werden zumeist mit Wildheit, Rauhigkeit

und Härte assoziiert, können in manchen Regionen

Deutschlands landschaftsprägend, in anderen selten

sein. Geologische Pfade können auf Kleingartenwanderwegen

entwickelt werden, geologische Fenster

Kleingartenparks bereichern. Erdgeschichtliche Zusammenhänge

sowie die besondere Flora und Fau-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 63


na werden am Objekt erlebbar, zurückgelegte Wege

norddeutscher Findlinge können dokumentiert werden.

• Gehölze

Laub- und Nadelgehölze: Da die meisten vorhandenen

Kleingartenanlagen oder -parks in Randlagen

der Städte, teilweise in, sich in die Landschaft hinausschiebenden

Grünradialen befinden, sei an dieser

Stelle auf eine veränderte gesetzliche Grundlage hingewiesen.

Im Jahr 2009 erfolgte eine Novellierung

des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG, § 40) zur

Verwendung einheimischer Gehölze aus regionaler

Herkunft. Mit dieser neuen Rechtsgrundlage wird

„sinngemäß vorgeschrieben, dass in der freien Natur

kein Pflanzmaterial verwendet werden soll, das seinen

genetischen Ursprung nicht in der jeweiligen Region

hat.“ Die Novelle muss nun in den Bundesländern

vollzogen werden, setzt eine Übergangszeit bis zum

1. März 2020. Um dies vorzubereiten, wurde eine

„Arbeitsgruppe gebietseigene Gehölze“ beim Bund

deutscher Baumschulen etabliert, „in der die Interessen

der Naturschutz-, Forst- und Gartenbaubehörden

von Bund und Ländern, der Verkehrsplanung, der

Baumschulverbände und Forschung gleichberechtigt

vertreten sind. Sie soll entsprechende Grundlagen

und Empfehlungen für die praktikable Umsetzung

erarbeiten.“ 37 Einen ersten Schritt dazu vermittelt der

Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze.

Obstgehölze: Gegenwärtig läuft die Suche nach dem

Ur-Apfel (Malus sieversii). Genanalysen haben ergeben,

dass er der Vorfahre unseres Malus domestica ist,

aus Kasachstan stammt und ein hohes Potential für

neue und resistente Züchtungen (Feuerbrandresistenz)

aufweist. Er verträgt + 40°C, aber auch – 40°C.

Also prüfen Sie, ob Sie über solch einen, mittlerweile

sehr, sehr wertvollen Baum in Ihrem Obstbaumbestand

verfügen! 38

Im zweiten Band seiner Theorie der Gartenkunst

benannte Hirschfeld folgende Gestaltelemente:

1. Gartenplatz

Zahlreiche Gartenplätze sind in historischen Konzeptionen

existent. Sie weisen markante Einzelbäume, Dreier-

oder Vierer-Baumgruppen und Sommerblumen- oder

Staudenpflanzungen auf. Sitzplätze und Brunnenanlagen

runden diese kleinen Platzsituationen gestalterisch

ab. Die Gartenplätze werden wiederum häufig in historischen

Konzeptionen durch z. B. Kirschbaum-Reihen

oder -Alleen miteinander verbunden (Endpunkte gestalterisch

betonen). Geschnittene Hecken fassen un-

64 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


terschiedlich gestaltete Parzellen zu Einheiten zusammen.

Diese Konzeptionen können auch in zukünftigen

Kleingartenparks wiederbelebt werden. Ein kleines Arboretum

oder ein phänologischen Garten (Widerspiegelung

des Klimawandels) bieten Erleben und Bildung zugleich.

Die Rose könnte auf Gartenplätzen Verwendung

finden. Sie ist nach wie vor das beliebteste Gehölz, ihren

Duft und ihr Aussehen erkennt Alt und Jung, auch ein

an Demenz Erkrankter.

2. Laube

Zur Laube gibt es eine Vielzahl an Schriften von Juristen,

Architekten und Soziologen, so dass weitergehende

umfangreiche Hinzufügungen nicht erforderlich erscheinen.

Dem Schutz und der Erhaltung historischer

Lauben sollte nach wie vor ein hoher Stellenwert zugemessen

werden. Unmittelbar im Zusammenhang mit

der Laube steht jedoch die Parzellengestaltung. Ein

Rückgriff auf Migges Schrift Versuch für rationalisierten

Gartenbau sei hierzu gestattet. In dieser Darlegung leitete

er erste Grundprinzipien her, u. a. für Beete: 1,25

m breites Beet und 0,25 m breiter Weg als Grundeinheit

und für die Einfriedung: u. a. Vielfaches von 1,50 m

Länge, längste Ausdehnung von Ost nach West. 39 Ein

Plädoyer hielt er für die Einordnung von Fruchtschutzmauern

oder ostwestlichen Spalierwänden. Übrigens

wies Migge bereits 1927 für kleinere Gärten: 3/4 Nutzgarten

und 1/4 Ziergarten und für größere Gärten 2/3

Nutzgarten, 1/3 Ziergarten aus. 40

3. Labyrinth

Labyrinthe in Stein, Staude oder Hecke können durchaus

eine Bereicherung eines Kleingartenparks sein. Die

Größe der zur Verfügung stehenden Fläche sollte aber

den Ausschlag geben, denn man sollte das Grundprinzip

nicht bereits mit einem Blick erfasst und mit einem

Schritt bewältigt haben.

4. Orangerie

Separate Orangerien werden in Kleingartenanlagen

auch zukünftig hin keine Berechtigung haben. Glashäuser

an Vereinsheimen, neben kleineren Gewächshäusern

auf den Parzellen, sind jedoch durchaus denkbar,

zumal gegenwärtig bei den Freizeitaktivitäten wieder

eine Indoorphase zu verzeichnen ist. 41 Glashäuser ermöglichen

einerseits eine Klimatisierung des Innenhauses,

andererseits wird der Garten von außen nach

innen geholt. Dies und die Intention, sich vor der mittäglichen

Sommersonne zu schützen, ließ im südlichen

Italien (u. a. Pompeij) reizvolle Peristylgärten und

wunderschöne Wandmalereien entstehen. Vergleichbar

könnten an den Wänden, sich junge Graffiti-Künstler

im „Battles“ entfalten.

5. Blumen

Zuerst – Wahren Sie

die blühende Pracht

in Ihren Gärten, in

Ihrem KleinGAR-

TENPARK! Sie öffnen

damit nicht nur

das Herz eines jeden

Kleingärtners, sondern

auch das Herz eines

jeden Besuchers.

Blumen weisen einen

Symbolgehalt auf, den es wiederzuentdecken gilt. Sie

erzählen Sagen, Märchen und mit ihnen verbinden sich

viele Lebensgeschichten. Ob als flächige Pflanzungen

oder Beete in den öffentlich zugänglichen Bereichen

oder in den Parzellen, oder als lineare Begleitung von

Wegen, ob als Sommerblumen- oder Staudenpflanzung

(Steingarten, Wassergarten etc.) angelegt, sie sorgen für

eine hohe Attraktivität, für eine Wiederkehr der Besucher

und sind von bleibendem Erinnerungswert.

6. Rasen

Rasenflächen sind in

Gemeinschaftsflächen

und in Parzellen zu

Hauf’ vertreten, werden

häufig intensiv

für Aktivitäten genutzt.

Sonnige und

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 65


halbschattige Lagen sind zu bevorzugen. Dort, wo die

Intensität der Nutzung es zulässt, sollte eine Umwandlung

in Wiese vorgenommen werden (nur noch 2–3mal

Mahd pro Jahr, Heu für Kleintierhaltung zuhause oder

den Reiterhof nebenan).

7. Wasser

Wasser ist die einzige

chemische Verbindung

auf der Erde, die als

Flüssigkeit, als Festkörper

und als Gas vorkommt.

Obwohl Wasser

selbst farblos ist, weist

es durch den Lichteinfall

Vielfarbigkeit auf,

kann lautlos, aber dann auch laut tosend weithin zu hören

sein, kann stillstehen und dann wieder mit enormer

Energie ganze Berge versetzen. Keine andere chemische

Verbindung fasziniert den Menschen so stark wie Wasser,

ängstigt ihn aber auch zugleich.

• Bäche und Flüsse: Zahlreiche Kleingartenanlagen liegen

in den Auen von Bächen und Flüssen. So reizvoll

auch diese Wasserlagen sind, so problematisch sind

sie zugleich im Hinblick auf den Hochwasserschutz.

Mit dem Klimawandel werden Starkregenereignisse

und infolge Überschwemmungen der Auen häufiger

zu verzeichnen sein. Weisen Kleingartenanlagen eine

starke Hochwassergefährdung auf, sind in Zusammenarbeit

mit den zuständigen Behörden Maßnahmen

zur Sicherung oder zum Rückbau bzw. zum Umbau

zu Retentionsflächen einzuordnen.

• Teiche und Seen: Ebenfalls eine Vielzahl von Kleingartenanlagen

liegt an Teichen und Seen. Während Auelagen

manchmal öffentliche Durchwegungen (lokale

oder überörtliche Rad- und Wanderwege) aufweisen,

stehen bei Teichen und Seen häufig stärker die Forderungen

nach öffentlicher Zugänglichkeit der Ufer

und Durchwegung. Solche Partien sollten deshalb in

Abstimmung mit den zuständigen Behörden in ganzheitliche

Konzeptionen zum Aufbau eines Kleingartenparks

bzw. zur Weiterentwicklung eingebunden

werden.

• Brunnen und Wasserspiele: Sprudelndes Wasser erzielt

im Sommer Verdunstungs- und somit Abkühlungseffekte.

Deshalb können Brunnen und Wasserspiele

(bevorzugt Regenwassernutzung, notwendige Beschilderung)

eingeordnet werden. Wird Trinkwasser verwendet,

sind Genehmigungen der zuständigen Behörden

einzuholen.

• Kalt-/Warmwassergüsse stärken das Herz-/Kreislauf-

und das Immunsystem jedes Kleingärtners. Historisch

gesehen, wurde das Heilmittel Wasser (Kaltwasseranstalten,

Kleingartenanlagen – Licht, Luft,

Sonne und gesunde Ernährung) in räumlicher Nähe

zu Luftbädern, Sonnenliegewiesen und Liegehallen

eingeordnet (z. B. Ilmenau). Bestehen noch solche

Wechselbeziehungen/-wirkungen sind diese Intentionen

fortzuschreiben. Relikte sind zu erhalten.

8. Wege und Gänge

• Wege: Wege sind ein Mittel zum Zweck und sollten,

soweit möglich, als unbefestigte Wege erhalten oder

entwickelt werden. Barrierefreiheit ist trotzdem zu

66 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


gewährleisten. Dies erscheint umso dringlicher, je

höher das Durchschnittsalter der Kleingärtner in der

Anlage ist oder wenn Nutzungsvereinbarungen, Kooperationsbeziehungen

etc. zu angrenzenden Pflegeeinrichtungen

bestehen und weiterentwickelt werden

sollen.

• Laubengänge waren in der Renaissance-Zeit hoch geschätzt.

Sie können als grüne raumfassende Elemente

wieder in öffentlich zugänglichen Bereichen Einzug

halten. Werden mit ihnen Raumfolgen geschaffen,

können sie unterschiedliche Aktivitäten und Nutzer

aufnehmen und somit gemeinschaftsfördernd wirken.

Laubengänge gewähren halbschattige, kühle

Sitzbereiche zum Verweilen.

Im dritten Band ging Hirschfeld auf folgende

Punkte ein 42 :

1. Lage

Die Ausführungen zur Gesundheit erfolgten insbesondere

unter mikroklimatischen Gesichtspunkten. Reinlichkeit

und Ordnung am Vereinsheim, aber auch in

der Anlage werden von älteren Bürgern/Kleingärtnern

hochgeschätzt. Sie heben die Attraktivität.

2. Anordnung

„Die Schönheit eines Gartens liegt nicht in einer möglichst

reichen Gestaltung oder in der Mannigfaltigkeit

seiner Motive, sondern in seiner Haltung. Diese Haltung

ist überzeugend, wenn das jeweils gestellte Programm

aus den Voraussetzungen heraus zu einem lebendigen

Organismus gestaltet wurde. Die Vorstellung

vom Garten soll aus der Eigenart der Landschaft, der

Lage und Form des Grundstückes, der Gliederung und

Architektur des Hauses und den praktischen, aus den

Lebensaufgaben entwickelten Forderungen heraus, […],

entstehen und eine Form gewinnen, die völlig selbstverständlich

wirkt. Persönliche und von außen hereingetragenen

Motive und Ideen müssen diesen Forderungen

gegenüber zurücktreten.“ 43 – ein Plädoyer für die eigentypische

Entwicklung des Standortes entsprechend den

Bedürfnissen seiner Nutzer.

3. Verzierung

Verzierungen, Dekor, Beschilderungen etc. weisen einige

historische Anlagen in Gänze oder in Relikten auf.

Sie sind u. a. im Kontext

des Denkmalschutzes zu sichern,

zu erhalten oder ggf.

zu erneuern. Beim An-/Einbringen

neuer Verzierungen,

Dekors, Beschilderungen

etc. gilt Mies van der Rohes

allgemein bekannter Aus-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 67


spruch – „weniger ist mehr“. Sie sollten zurückhaltend

eingeordnet und eher die Gesamtkonzeptionen unterstützend

gestaltet werden.

4. Tempel, Grotten, Einsiedeleien, Kapellen, Ruinen

Die oben aufgeführten Baulichkeiten werden kaum in

einem Kleingartenpark eine Baugenehmigung erhalten.

Es soll aber an dieser Stelle auf, im Kontext von historischen

Gesamtkonzeptionen realisierte Aussichtspavillons

verwiesen werden. Sie sind manchmal Teil von

Kleingartenanlagen, manchmal befinden sie sich in unmittelbarer

Nachbarschaft. Sie wurden auf Bergspornen

(z. B. Saalfeld) oder auf Anhöhen in Stadtrandlage eingeordnet.

Sie sind beliebte Anlaufpunkte bei Tages- und

Wochenendwanderungen. Allerdings weisen sie häufig

einen erheblichen Sanierungsstau auf. Bürgerschaftliche

Mitwirkung ist zusammen mit der kommunalen

Verwaltung gefragt, um diese besonderen, teilweise

unter Denkmalschutz stehenden Baulichkeiten für die

nachfolgenden Generationen zu erhalten.

5. Ruhesitze, Brücken, Tore

• Ruhesitze in sonnigen und halbschattigen Lagen sollten

in ausreichender Anzahl in Kleingartenparks eingeordnet

werden, in lauschigen Nischen oder Winkeln

mit Fern- und Nahsichten. Müllbehälter sind zur Gewährleistung

der Sauberkeit ergänzend vorzusehen.

Daneben können aber auch Wettersäulen oder Trinkbrunnen

ihren Standort erhalten.

• Brücken, Holzstege und Holzplateaus können Wasserflächen

„benutzbar“ machen, besinnliches Verweilen

ermöglichen oder schnelles funktionales Queren von

Gewässern gewährleisten. Sie weisen wie Wasser eine

hohe Attraktivität auf.

• Tore und Türen: Für Ruth Amman markieren Tore und

Türen Übergänge von einem Raum zu einem anderen,

markieren den Übergang von der Strasse zum Garten,

vom Garten zum Haus, vom öffentlichen Raum zur

Privatheit, von der Umwelt zum „individuellen, see-

lischen Bilderreichtum jedes Einzelnen“. 44 Doch Tore

und Türen stehen offen oder öffnen sich, sind also keine

scharfen, abrupten Übergänge, sondern es erfolgt

ein Hin- und Her- und ein Ineinanderfließen von Außen-

und Innenwelt, vorausgesetzt die Hecken sind

nicht zu hoch. Nach Amman existiert die äußere Welt

nicht getrennt „von der inneren, sondern dass es eine

Welt dazwischen gibt, wo sich beide sozusagen übereinander

schieben und verbinden.“ 45 Tore und Türen

sollten Markenzeichen des Kleingartenparks oder einer

Parzelle sein. Sie können mit pflanzlichen (Baum-/

Strauchtore, besondere Pflanzflächen) oder baulichen

Elementen (Rahmen, Torbauten etc.) kennzeichnend

gestaltet werden, was sich auch in den Web-Auftritten

der Vereine widerspiegeln sollte. Sie sind ein-/prägende

Eingänge in die Kleingartenwelt.

6. Statuen, Monumente und Inschriften

Sie können Bezug nehmen auf bedeutende Persönlichkeiten

oder historische Ereignisse, die im Kontext der

Kleingarten- oder Ortsentwicklung stehen. Gültige Gestaltungsvorschriften

(z. B. Weimar) sind zu berücksichtigen.

68 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Im vierten Band der Theorie der Gartenkunst

präsentierte Hirschfeld:

„Gärten nach dem Unterschied des Klimas“ 46 :

1. Berggarten

2. Talgarten

3. Waldgarten

„Gärten nach dem Charakter der Gegend“ 47 :

1. angenehmer, munterer, heiterer Garten

2. romantischer Garten

3. sanftmelancholischer Garten

4. feierlicher Garten

„Gärten nach dem Unterschied der Jahreszeiten“ 48 :

1. Frühlingsgarten

2. Sommergarten

3. Herbstgarten

4. Wintergarten

„Gärten oder Szenen nach den Tageszeiten“ 49 :

1. Morgengarten oder Morgenszene

2. Mittagsgarten oder Mittagsszene

„Eine Pflanzung mit warmen harmonischen Farben

kommt eher am Morgen oder in der Abendsonne zur

Geltung. Anders der blaugestaltete Garten, dieser entfaltet

seine Pracht erst zur Mittagszeit.“ 50

„Gärten nach dem verschiedenen Charakter ihrer

Besitzer“ 51 :

In Kleingartenanlagen sind tätig 52 :

• Erstens Kleingärtner, die dem Hochkulturschema

zu zuordnen sind, die an Buchlesungen teilnehmen

oder selbst ein ‚gutes Buch’ im Garten lesen, die Theater-

und Konzertveranstaltungen besuchen, die regelmäßig

sportliche Aktivitäten ausüben und ihren

Genussmittelkonsum und ihre Ernährungsweise kontrollieren,

die gesundheitsfördernde Verhaltensweisen

praktizieren und deshalb den Kleingarten wählten. .53

• Zweitens Kleingärtner, die dem Trivialschema zu zuordnen

sind, die eine Vorliebe für Heimatfilme, für

Volksmusik und deutsche Schlager entwickeln, die

sich den Genüssen des Lebens hingeben, ‚gut’ essen

und trinken sowie systematische sportliche Betätigung

nicht als unbedingt notwendig ansehen, aber unter gesundheitlichen

Beeinträchtigungen leiden, die durch

die Gartenarbeit im Kleingarten gemildert werden.

Diese Verhaltensweisen steigen mit dem Alter und

sinken mit dem sozialen Status 54 und

• drittens Kleingärtner, die dem Spannungsschema zu

zuordnen sind, die eine Vorliebe für Rock- und Popmusik

haben, Kinos und Diskotheken besuchen, die

dem Ausgehen und einem hohen Grad an Abwechslung

– also Action – bedürfen, die eine hohe Erlebnisqualität

einfordern. Das Alter spielt hierbei eine große

Rolle, wobei es eher darauf ankommt, wie alt man

sich fühlt als wie alt man ist. Der Körper erlangt eine

besondere Bedeutung. Aussehen und Fitness werden

gepflegt, aber Rauchen und Alkoholgenuss in gleicher

Weise. Die körperliche Gesundheit wird beeinflusst. 55

Die Übergänge vom Hochkultur- zum Trivial- und/oder

Spannungsschema dürften im Kleingartenwesen nicht

so stark ausgeprägt sein wie in den anderen Lebenswelten

der deutschen Gesellschaft.

Aus den beschriebenen drei alltagsästhetischen Schemata

lassen sich folgende soziale Milieus im Kleingartenwesen

herleiten:

• Das Niveaumilieu, welches sich am Hochkulturschema

ausrichtet, in dem ältere Personen mit hoher Bildung,

in gehobenen beruflichen Positionen und mit

einem überdurchschnittlich hohen Einkommen vereint

sind. Mitglieder dieses Milieus grenzen sich deutlich

von den anderen Milieus innerhalb der Kleingartenanlage

ab. Ihre Gärten und Lauben sehen aus, als

wären sie den Hochglanzzeitschriften entsprungen,

und tendieren zum Erholungsgarten. Über kurz oder

lang werden sich aber diese Mitglieder, insbesondere

in den neuen Bundesländern Deutschlands, aus dem

Kleingartenwesen verabschieden. 56

• Das Integrationsmilieu, dass sich durch eine gemäßigte

Nähe zum Hochkultur- und zum Trivialschema auszeichnet,

aber Distanz zum Spannungsschema wahrt.

Es ist ein Milieu des ‚Durchschnitts’, der gediegenen

Mittellage, das ältere Personen mit mittleren Positionen

in der Angestellten- und Beamtenschaft vereint.

Dieses Milieu bleibt dem Kleingartenwesen erhalten,

wird aber unter Berücksichtigung der sich gegenwärtig

abzeichnenden Tendenz an Quantität verlieren. 57

• Das Harmoniemilieu, das dem Trivialschema nahe

steht, Distanz zu den anderen Schemata wahrt und

sich durch „Gemütlichkeit als Genussform, Harmonie

als Lebensphilosophie“ auszeichnet. Es wird die Traditionen

des Kleingartenwesens fortsetzen. Nutz- und

Ziergarten halten sich die Waage, Erholungszwecke

werden gewährleistet. Getragen wird dieses Milieu von

älteren Personen in den unteren Berufsgruppen mit

geringer Bildung und Einkommen. 58

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 69


• Das Selbstverwirklichungsmilieu,

weist eine Nähe zum Hochkulturschema und eine Distanz

zum Trivialschema auf, unterscheidet sich aber

durch die gleichzeitige Nähe zum Spannungsschema.

Dieses Milieu vereint jüngere Mitglieder sehr hoher Bildung.

Sie stehen am Anfang ihrer beruflichen Karriere,

die auf gehobene Positionen ausgerichtet ist. Sie experimentieren

im Kleingarten, sind stark ökologisch orientiert,

beteiligen sich an der Diskussion um das Aussehen

zukünftiger Lauben und Gärten. Sie sind die Träger

einer sich neu entwickelnden Eventkultur im Kleingartenwesen

59 und last but not least

• das Unterhaltungsmilieu,

Ihm gehören eher jüngere, weniger gut gebildete und

häufiger manuellen Berufen nachgehende Personen

an. Es bedient sich solcher Erlebnisangebote, die reines

Aktiviert-Werden ohne ästhetische Dekodierungsarbeit

verheißen und sie verwenden oft Unterhaltungsmaschinen.

Sie nutzen häufig den auf sie überkommenen

Kleingarten, ohne ihn zu verändern und pflegen ihn mit

mäßigem Aufwand. Er ist für sie Aktionsrahmen ohne

Aktionsfeld zu sein. 60

„Gärten, deren Charakter von besonderen Bestimmungen

abhängig ist“ 61 :

1. Volksgärten

2. Gärten bei Akademien: Denkbar wären kleine „botanische

Gärten“, die Standortansprüche und Pflanzenvielfalt

der Heimatländer von Migranten verdeutlichen

oder Präsentationen von Liebhabereien (z. B.

Kakteen, fleischfressende Pflanzen). Daneben könnten

aber auch Garten- und Kulturauffassungen materialisiert

werden (z. B. Bau eines persischen oder

chinesischen Gartens und dazu Kunstausstellungen,

Buchlesungen und Konzerte, Speis‘, Trank und Tanz).

3. Gärten bei Klöstern, Klostergärten, Kräutergärten: hier

könnte auch ein Bezug zur klösterlichen Temperamentelehre

hergestellt werden. 62

4. Gärten bei Hospitälern

5. Gärten bei Gesundheitsbrunnen (z. B. Nordhausen,

Ilmenau, Weimar)

6. Gärten bei Begräbnisstätten

„Gartenmäßige Verschönerung einzelner Teile eines

Landsitzes“ 63 :

1. Vorplatz vor dem Vereinsheim

2. Feldspazierwege: Sie eignen sich bestens zum Aufbau

von Kleingartenwanderwegekonzeptionen (z.B. Erfurt)

und werden häufig von Obst- und Feldgehölzen

in Reihe oder als Allee begleitet. Als Reminiszenz sei

auch an den „Alten Fritz“ erinnert, der im Brandenburgischen

insbesondere Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht

setzen ließ. Bitte beachten Sie also

regionale Besonderheiten!

3. Tiergarten

4. Dörfer

5. Meiereien

6. Landstraße: Generell sollten an den Erschließungsstraßen/

-wegen Flächen des ruhenden Verkehrs eingeordnet

werden, auch wenn öffentliche Verkehrsmittel

zu bevorzugen sind.

Die Darlegungen waren als Anregung gedacht, sollten

Ihren Blick schärfen für besondere schlummernde Gesamtkonzeptionen,

sollten Ihnen aber auch Ansätze

bieten, für Entwicklung aus dem noch so kleinen vorhandenen

Detail heraus etwas Großes werden zu lassen.

Ein Zitat von Leberecht Migge zum Abschluss:

„Gartenform entsteht und wächst (wie jede Form)zu jeder

Zeit. Wir selbst können nur wenig dazu tun,außer,

70 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


daß wir schaffen. Den Dingen Bewegung verschaffen

heißt, sie befreien und damit zu neuen Form reif machen.

Keine alte Form wollen bedeutet also vielleicht

schon: neue Form hervorbringen.“ 64

Textquellen

1 MAASZ, HARRY (1926): Kleine und große Gärten,

Trowitzsch & Sohn, Frankfurt/Oder

2 Ebenda, S. 20

3 Ebenda, S. 20

4 SCHUMACHER, H.; GLABAU, L.; RIMBACH, D.

(2006): Expose zum Forschungsprojekt „Gärten im

Film“, unveröffentlicht

5 BUTTLAR, ADRIAN von (1989): Der Landschaftsgarten.

Gartenkunst des Klassizismus und der Romantik,

DuMont, Köln, S. 9

6 GASSNER, EDMUND; GÖTTLICHER, MANFRED

(1981): Gärten im Städtebau. Dokumentation zum 1.-

14. Bundeswettbewerb, C. F. Müller, Karlsruhe, S. 15

7 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst, Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 5. Band, S. 68/69

8 MAAS, INGE (1981): Vom Volksgarten zum Volkspark

– Aus der Geschichte des demokratischen Stadtgrüns,

in: Andritzky, Michael; Spitzer, Klaus (1981): Grün in

der Stadt, Rowohlt, Reinbek, S. 22

9 COENEN, FRIEDRICH (1911): Das Berliner Laubenkoloniewesen

seine Mängel und seine Reform, Vandenhoek

& Ruprecht, Göttingen, S. 8

10 Ebenda, S. 9

11 MAASZ, HARRY (1913): Der deutsche Volkspark der

Zukunft. Laubenkolonie und Grünfläche, Trowitzsch

& Sohn, Frankfurt a. d. Oder, S. 18

12 MIGGE, LEBERECHT (1913): Die Gartenkultur des

20. Jahrhunderts, Diederichs, Jena, S. 66

13 Ebenda, S. 28

14 vgl. WIEGAND, HEINZ (1982): Entwicklung des

Stadtgrüns in Deutschland zwischen 1890-1925 am

Beispiel der Arbeiten von Fritz Enckes, in: Geschichte

des Stadtgrüns, Patzer Verlag, Berlin/Hamburg, Bd.

II, S. 90

15 vgl. MAAS, INGE (1981): Vom Volksgarten zum

Volkspark – Aus der Geschichte des demokratischen

Stadtgrüns, in: Andritzky, Michael; Spitzer, Klaus

(1981): Grün in der Stadt, Rowohlt, Reinbek, S. 27

16 MIGGE, LEBERECHT (1930): Rentable Parks, in:

Zentralblatt der Bauverwaltung 4, S. 93

17 Ebenda, S. 94

18 MIGGE, LEBERECHT (1930): Weltstadt-Grün. Ein

Aufruf zur rentablen Parkpolitik, in: Wasmuths Monatshefte,

Baukunst & Städtebau, Wasmuth A-G., Ber-

lin/Wien/Zürich, S. 248

19 SCHINDLER, NORBERT (1986): Zwei große „Baumeister“

– Martin Wagner und Walter Grpius. Zu

zwei Gedächtnisausstellungen in Berlin 1985/1986,

in: Neue Landschaft 31, S. 100

20 MAAS, INGE (1981): Vom Volksgarten zum

Volkspark – Aus der Geschichte des demokratischen

Stadtgrüns, in: Andritzky, Michael; Spitzer, Klaus

(1981): Grün in der Stadt, Rowohlt, Reinbek, S. 34

21 BROMME, MAX (1928): Die Erhaltung der alten

Nidda. Denkschrift über die landschaftliche Ausgestaltung

der Ufer an der alten und neuen Nidda, die

Sicherung der Altarme und den Ausbau der Niddabäder

bei Rödelheim, Hausen, Praunheim und Eschersheim,

Frankfurt a. M., S. 7

22 LINGNER, REINHOLD (1954): Gärten in Stalinstadt,

in: Probleme der Gartenarchitektur, Hrsg. Deutsche

Bauakademie, Sonderheft Deutsche Architektur,

Henschelverlag, Berlin, S. 45

23 Ebenda, S. 23

24 WEISKE, CHRISTINE (1984): Heimischfühlen in

der Stadt – Zur Wechselwirkung von Ortsverbundenheit

und Migration. Eine soziologische Studie, Dissertation

FSU Jena, S. 68-104

25 MIGGE, LEBERECHT (1913): Die Gartenkultur des

20. Jahrhunderts, Diederichs, Jena, S. 150

26 LOHMANN, MICHAEL (1974): Grünplanung, in:

PEHNT, WOLFGANG (Hrsg.): Die Stadt in der Bundesrepublik

Deutschland. Lebensbedingungen. Aufgaben.

Planung, Reclam, Stuttgart, S. 207

27 NEDDENS, MARTIN C. (1986): Ökologisch orientierte

Stadt- und Raumentwicklung, Bauverlag, Wiesbaden,

Berlin, S. 11

28 MILCHERT, JÜRGEN (2010): Kleingärten im Jahre

2020 – eine Vision, über: http://www.gartenfreundeniedersachsen.de/Handout.pdf,

S. 13/14

29 Ebenda, S. 14/15

30 Ständige Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen

Städtetag (2005): Kleingärten im Städtebau –

Das Kleingartenwesen als Teil der Stadtentwicklung,

Arbeitskreis Kommunales Kleingartenwesen, Hamburg,

über: http://www.galk.de/arbeitskreise/ak_klgwesen/down/klg_staedtebau_050823_061216.pdf,

S.

22

31 DORSCH, CLAUDIA (2008): Weiterentwicklung der

Kleingartenanlagen an der Hansastraße Dresden zu

einem Kleingartenpark, Diplomarbeit TU Dresden, S.

3/4

32 SCHOOR, LILLIAN (2009): Freiraumplanerischer

Entwurf zu den Außenanlagen der Einrichtung „Lebenshilfe

Werk Weimar/Apolda“ in Egendorf bei

Blankenhain, Diplomarbeit FH Erfurt, 66/67

33 DAVID, FRANZISKA (2005): Naturerleben von Sehgeschädigten

und daraus abgeleitete Planungsansät-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 71


ze im Raum Ohrdruf, Diplomarbeit FH Erfurt, S. 70

34 SCHOOR, LILLIAN (2009): Freiraumplanerischer

Entwurf zu den Außenanlagen der Einrichtung „Lebenshilfe

Werk Weimar/Apolda“ in Egendorf bei

Blankenhain, Diplomarbeit FH Erfurt, S. 67

35 Ebenda, S. 62

36 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst. Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 1. Band, S. 186

37 BMUNR (2011): Leitfaden zur Verwendung gebietseigener

Gehölze, über: http://www.bund-deutscherbaumschulen.de/fileadmin/Download/Extern/leitfaden_gebietseigen_bmu.pdf,

S. 1

38 SF VIDEOPORTAL (13.10.2011): Malus Sieversii: Der

Ur-Apfel aus dem Garten Eden Kasachstan, über:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=3861896c-eeec-4a4e-8b7c-b24b974ca811

39 MIGGE, LEBERECHT (1927): Versuch für rationalisierten

Gartenbau, in: Siedlungs-Wirtschaft 2, S. 11

40 Ebenda, S. 12

41 vgl. STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN (2010):

Alltag in Krisenzeiten: Mehr „Freizeit dahein“, in:

Stadt und Raum 4, S. 204

42 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst, Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 3. Band, ab S. 8

43 VALENTIN, OTTO (1938): Gärten, in: Gärten und

Gemälde von Otto Valentien, Garten + Landschaft

10/1982, S. 760

44 AMMANN, RUTH (2006): Von Gärten und Zwischenwelten.

Zur Psychologie des Gartens, Wolfbach

Verlag, Zürich, S.18

45 Ebenda, S. 20

46 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst, Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 4. Band, ab S. 27

47 Ebenda, S. 38

48 Ebenda, S. 39

49 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst. Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 5. Band, S. 3

50 SCHOOR, LILLIAN (2009): Freiraumplanerischer

Entwurf zu den Außenanlagen der Einrichtung „Lebenshilfe

Werk Weimar/Apolda“ in Egendorf bei

Blankenhain, Diplomarbeit FH Erfurt, S. 67

51 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985):

Theorie der Gartenkunst. Georg Olms, Hildesheim/

Zürich/New York, 5. Band, S. 26

52 Nachfolgende Ausführungen wurden entnommen

aus: KRAUSE, GERLINDE (2008): Anpassung der

Kleingartenfunktion an die sich wandelnden gesellschaftlichen

Bedürfnisse, mit besonderer Berücksichtigung

der Gesundheit, Vortrag auf dem 35. Internationalen

Kongreß des Office International du Coin

de Terre et des Jardins Familiaux in Krakow/Polen,

unveröffentlicht

53 WOLF, C. (2003): Soziale Ungleichheit, Krankheit

und Gesundheit, über: www.uni-koeln.de/wiso-fak/

fisoz/Forschung/SUKUG/SUKUG%20Endbericht.

pdf, Köln. S. 11/12

54 Ebenda, S. 12

55 Ebenda, S. 12

56 Ebenda, S. 14

57 Ebenda, S. 14

58 Ebenda, S. 14

59 Ebenda, S. 14

60 Ebenda, S. 14/15

61 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985): Theorie

der Gartenkunst, Georg Olms, Hildesheim/Zürich/New

York, 5. Band, ab S. 68

62 vgl. KRAUSE, ANGELIKA (2012): Die Heilkräuter des Fastens,

in: LandIDEE 2, S. 48-57

63 HIRSCHFELD, CHRISTIAN CAY LORENZ (1985): Theorie

der Gartenkunst, Georg Olms, Hildesheim/Zürich/New

York, 5. Band, ab S. 120

64 MIGGE, LEBERECHT (1928): Form der Kleingärten, in:

Die Form. Stimme des Deutschen Werkbundes 3, S. 134

Abbildungsquellen:

1 Das Paradiesgärtlein eines oberrheinischen Meisters des

frühen 15. Jahrhunderts gibt einen Hinweis auf Pflanzen,

die in den spätmittelalterlichen Gärten Europas anzutreffen

waren, in: JOYCE, DAVID (1986): Grosse Gärten der Welt,

Stedtfeld, Münster, S. 17

2 Der Botanische Garten in Leiden wurde 1587 als Heilpflanzen-Garten

gegründet und von Clusius seit 1594 in einen

Botanischen Garten umgewandelt, ebenda, S. 36

3 Leopold III. Friedrich Franz Fürst und Herzog von Anhalt-

Dessau (1740-1817), über: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/68/LeopoldIIILisiemsky.jpg

4 Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (17-36-1800), über:

http://de.wikipedia.org/W/index.php?title=Datei:Friedrich_

Wilhelm_vonErdmannsdorff.jpg&filetim

5 Im Handwerksunterricht des Philanthropins gefertigte Modelle

von Turngeräten, in: HIRSCH, ERHARD (1985): Dessau-Wörlitz.

Aufklärung und Frühklassik, Koehler & Amelang,

Leipzig, S. 93

6 Englischer Garten/ München, Monopteros (1836), in: BUTT-

LAR, ADRIAN von (1989): Der Landschaftsgarten. Gartenkunst

des Klassizismus und der Romantik, DuMont, Köln,

S. 103

7 Magdeburg, Volksgarten Kloster Berge; 1824, in: GÜN-

THER, HARRI (1985): Peter Josef Lenne’. Verlag für Bauwesen,

Berlin, S. 129

8 Spielplatz und Vereinshaus des 1884 gegründeten heutigen

Leipziger Kleingärtnervereins „Schreber-Hauschild“ e. V.,

in: Katsch, Günter; Walz, Johann B. (1996): Kleingärten und

72 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Kleingärtner im 19. und 20. Jahrhundert, Jütte, Leipzig, S.

102

9 Kleingärtner zimmerten aus allen nur denkbaren Materialien

Behausungen, wenn sie ihre Wohnungen nicht mehr

bezahlen konnten und auf’s Grundstück ziehen mussten,

in: Warnecke, Peter (2001): Laube Liebe Hoffnung, Wächter,

Berlin, S. 57

10 Muster=Kleingarten, in: MIGGE, LEBERECHT (1927): Der

technische Gartentypus unserer Zeit, in: Gartenschönheit 2,

S. 36

11 Kleingarten (III), ebenda, S. 37

12 Volkspark Rehberge, Gesamtplan, E. Barth, Mai 1927, M.

1:2000 (i.O.), in: LANG, DIETMAR; WENZEL, JÜRGEN

(2005): Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des

Gartenarchitekten Erwin Barth, Koehler& Amelang, Leipzig,

S. 355

13 Kleingartentypen für die Kleingartendauerkolonie am

Volkspark Rehberge, E. Barth, März 1928, M. 1:200 (i.O.),

ebenda, S. 354

14 Freiflächenschema für Berlin und Umgebung, Amt für

Stadtplanung, ebenda, S. 328

15 Golzheimer Heide, in: MIGGE, LEBERECHT (1930): Weltstadt-Grün.

Ein Aufruf zur rentablen Parkpolitik, in: Wasmuths

Monatshefte, Baukunst & Städtebau, Wasmuth A-G.,

Berlin/Wien/Zürich, S. 241

16 Lauben während der Bauphase, ohne Aufnahmedatum, in:

RÖSNER, LISA (2010): Mauxion – Kleingartensiedlung.

Denkmalpflegerische Bestandsaufnahme und Bewertung

der Anlage, Konkretisierung der denkmalpflegerischen

Zielstellung sowie Erhaltungs- und Gestaltungsempfehlungen,

BA-Abschlussarbeit FH Erfurt, S. 19

17 Laube im Garten Rübezahl, ohne Aufnahmedatum, ebenda,

S. 20

18 Bohnenpflanzung auf dem Wilhelmplatz in Potsdam, in:

Warnecke, Peter (2001): Laube Liebe Hoffnung, Wächter,

Berlin, S. 172

19 Plan eines Wohngebietes- und Kleingartenparks, Bebauungs-

und Freiflächenkonzeption für die Stadt Magdeburg

(1977), in: Katsch, Günter; Walz, Johann B. (1996): Kleingärten

und Kleingärtner im 19 und 20. Jahrhundert, Jütte,

Leipzig, S. 265

20 Grzimek, Günther (1965): Grünplanung Darmstadt, Roether,

Darmstadt, S. 86

21 Lageplan der Kleingartenanlage Steinbüchel“ in Leverkusen,

Foto der Autorin, 2010

22 Blick von der Kleingartenanlage „Steinbüchel“ auf mehrgeschossige

Wohnbebauung von Leverkusen, Foto der Autorin,

2010

Nachfolgende Abbildungen Fotos der Autorin, 2010

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 73


Jenseits des Gartenzauns

Manfred Weiß

Landesverband

Braunschweig der

Gartenfreunde e. V.

Kleingarten ist mehr als Obst und Gemüse

Das Kleingartenwesen ist im Laufe von fast 200 Jahren

stets dem gesellschaftlichen Trend gefolgt. Es hat sich

ständig weiter entwickelt und sich dabei den jeweiligen

Lebensbedingungen der Menschen angepasst.

Vor 100 Jahren wollten viele Menschen ein Stück Land

pachten, um Gemüse und Obst zur Versorgung der Familien

anzubauen. Es gab mehr Bewerber, als Gartenfläche

zur Verfügung stand. Für die Menschen in den

Städten, die ihren Lebensunterhalt in Fabriken bestritten

und in kleinen, dunklen, überbelegten Wohnungen

oder sogar in der Gartenlaube hausten, war der kleine

Garten ein Stück Freiheit.

Über die Reichspachtlandverordnung im Jahr 1921 und

das Bundeskleigartengesetz 1983 haben sich die Kleingärtner

eine Sicherheit in Bezug auf Pachtpreisobergrenze,

Kündigungsschutz und Entschädigungsgarantie

erkämpft. Probleme, die unsere Vorfahren vor 100

Jahren hatten, kennen wir heute so nicht mehr.

Der Kleingarten ist heute ein Freizeitangebot unter vielen

anderen. Die Vereine kämpfen zurzeit nicht darum

neue Pachtflächen zu bekommen, sie kämpfen in vielen

Teilen unseres Landes darum, die durch Generationswechsel

oder Wohnungswechsel entstehenden freien

Gärten an Nachpächter zu vergeben. In den großen

Städten, besonders in Berlin dagegen wird versucht,

Kleingartenanlagen in zentralen Wohngebieten, wo große

Nachfrage nach Gärten besteht, einer anderen Nutzung

zuzuführen, das Gelände für Wohn- oder Industriebebauung

zu nutzen.

In beiden Fällen können wir Kleingärtner die Probleme

nicht aus eigener Kraft lösen. Wir sind auf die Unterstützung

von Politik und Verwaltung angewiesen. Um

die Unterstützung der Gesellschaft zu erhalten, müssen

wir aber deutlich machen, wie wichtig Kleingärten

und Kleingärtnervereine für die Gesellschaft sind. Nur

so können wir Verständnis und Unterstützung bei der

Lösung unserer Probleme erwarten.

Die gartenfachliche Kompetenz unserer Organisation

und die ökologische Bedeutung der Kleingartenanlagen

in den Städten werden inzwischen weitgehend anerkannt.

Das weite Feld der sozialen Leistungen die fast

unbemerkt in den Vereinen erbracht werden, nimmt

dagegen kaum jemand zur Kenntnis.

Es gibt viele Projekte, bei denen in den Anlagen freie

Gärten für Schulen oder Kindergärten zur Verfügung

gestellt werden und die Kinder wenn sie in die Anlagen

kommen, von den Kleingärtnern betreut werden.

Es gibt aber auch Projekte, bei denen unsere Gartenfreundinnen

und Gartenfreunde außerhalb der Kleingartenanlagen

tätig sind und dort ihre gartenfachliche

und soziale Kompetenz zum Wohle der Allgemeinheit

einbringen. Dadurch wird unser Engagement für die

Menschen vor Ort auf einer weiteren Ebene bekannt gemacht

und von den Bürgern anerkannt.

Beispiel 1:

Neuanlage und Betreuung eines Schulgartens auf dem

Gelände der Hauptschule des Schulzentrums Heidberg.

Im Gegensatz zum Freistaat Sachsen sind die Themen

Garten, Umwelt und Naturerziehung Niedersachsen

nicht im Lehrplan der Schulen enthalten. In einigen

Schulen wurden aber in den 60 er Jahren Schulgärten

angelegt, die in den letzten 15–20 Jahren, weil die

Schulleitung bzw. der Lehrkörper kein Interesse daran

hatten, nicht mehr genutzt wurden und verwilderten.

So eine Fläche war auch an der Hauptschule Heidberg

vorhanden. Der stellv. Schulleiterin war diese Fläche

aufgefallen und sie wollte diesen ehemaligen Schulgarten

wieder gärtnerisch im Rahmen von Schüler AG‘s

nutzen. Voraussetzung dafür war, dass die Fläche wieder

urbar gemacht wurde. Ihre Versuche diese Arbeiten

durch den Fachbereich Stadtgrün oder mit Mitteln der

Schulbehörde ausführen zu lassen sind jedoch gescheitert.

Ihr letzter Gedanke war dann, die Kleingärtner um

Hilfe zu bitten.

Die Anfrage beim Landesverband wurde positiv aufgenommen.

Der örtliche Bezirksvorstand stand der Anfrage

ebenfalls positiv gegenüber. Um festzustellen, was

denn überhaupt zu tun ist, haben sich die beiden Bezirksfachberater

die Örtlichkeit erst einmal angesehen.

74 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Nichts deutete darauf hin, dass hier einmal Obst, Gemüse

oder sonstige Kulturpflanzen angebaut wurden,

Wildwuchs, Wühlmäuse und die lieben, kleinen, possierlichen

Karnickel, hatten den „Garten“ in Beschlag

genommen. Es war ihr Revier. Die Neuanlage eines

Gartens wäre einfacher gewesen, als diesen ehemaligen

Garten zu rekultivieren. Es war sehr viel Arbeit zu leisten.

Ein Aufruf bei den umliegenden Kleingärtnervereinen

hatte Erfolg. Es meldeten sich 17 Gartenfreundinnen

und Gartenfreunde, die im Juni 2008 begannen,

die Brachfläche zu bearbeiten. Nach 150 Arbeitsstunden

war wieder ein Garten zu erkennen, der dann von den

Schülern der ersten Garten AG bewirtschaftet wurde.

Dabei wurden sie wiederum von Gartenfreunden des

Bezirks betreut. Am Jahresende wurden schließlich

insgesamt 250 ehrenamtlich geleitete Arbeitsstunden

gezählt.

Am 8. September 2008 wurde im Rahmen einer Festveranstaltung

der Schule ein Kooperationsvertrag zwischen

Landesverband und Schule geschlossen, der die

weitere Zusammenarbeit regelt.

Die Zusammenarbeit geht inzwischen in die 5. Gartensaison

und es sind immer noch Gartenfreunde der ersten

Stunde bereit, den Garten mit immer wieder neuen

Schülern in den Garten AGs zu betreuen. Die in den

Wintermonaten angefertigten Nisthilfen wurden 2011

im und um den Garten aufgehängt und Ende September

auf Belegung überprüft.

Beispiel 2:

Im Bereich des LV Braunschweig gibt es mehrere Vereine,

die für KITAS in der Nachbarschaft Parzellen als

KinderGärten zur Verfügung stellen, pflegen und die

KITA Gruppen betreuen. Über die Kinder erfahren

dann auch deren Eltern von den Erlebnissen und dem

Spaß im Kleingarten.

In einem zum Teil sozial kritischen Stadtteil Braunschweigs,

dem westlichen Ringgebiet, das dem Sanierungsprogramm

Soziale Stadt angehört, suchen

Quartiersmanagement und Landesverband seit mehreren

Jahren einen Garten in einer Kleingartenanlage,

der gemeinsam mit Gruppen von zwei KITAS genutzt

werden kann. Leider konnte in der Vergangenheit kein

geeigneter Kleingarten gefunden werden. Durch Änderung

des Bebauungsplans sind in diesem Jahr Flächen,

angrenzend an eine Dauerkleingartenanlage, die bisher

von Kirche und Stadt als Grabeland verpachtet waren,

in Grundstücke zur Wohnbebauung umgewidmet worden.

Die „Gärten“ wurden inzwischen größtenteils von

den Grabländern verlassen und liegen brach. Die Erschließung

und Bebauung des Geländes beginnt jedoch

frühestens Mitte 2013.

Auf Initiative der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin

wird hier eine Zwischennutzung erfolgen. Es wird

eine geeignete Gartenfläche ausgewählt und gemeinsam

von Mitgliedern der angrenzenden Kleingärtnervereine

für die Nutzung als „KinderGarten“ hergerichtet.

Die Stadt stellt das Gelände für ein Jahr pachtfrei

zur Verfügung. Die regelmäßige Pflege des Gartens wird

durch eine über Honorar entlohnte Kraft erfolgen. Zusätzlich

werden Gartenfreundinnen und Gartenfreunde

der angrenzenden Kleingärtnervereine bei der Pflege

unterstützen und die Betreuung der KITA Gruppen

übernehmen. Die Finanzierung erfolgt über das Förderprogramm

der „Aktion Mensch“, die für solche Projekte

Beträge in Höhe von 4000 € zur Verfügung stellt. Antragsteller

für die Fördermittel ist der Landesverband.

Das Projekt Hortulus

Das Westliche Ringgebiet in Braunschweig ist seit dem

Jahr 2001 im Programm „Stadtteile mit besonderem

Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“. Auch nach 10 Jahren

Programmlaufzeit gehört der Stadtteil zu den am

stärksten verdichteten Quartieren der Stadt mit dem

höchsten Anteil an Kinderarmut sowie deren gesundheitlichen

Folgen.

Das Projekt Hortulus soll Kindertageseinrichtungen ermöglichen,

mit dem Arbeitskreis Umwelt im westlichen

Ringgebiet und dem Landesverband Braunschweig der

Gartenfreunde e. V., gemeinsam einen eigenen Kräuter-

und Gemüsegarten anzulegen und zu pflegen, um so

spielerisch ein Gefühl für unsere Natur und Umwelt zu

entwickeln.

Ziel

• Durch Anbau Pflege, Ernte und Zubereitung von

Obst und Gemüse in einem ehemaligen Schrebergarten

sollen das Verantwortungsgefühl für Natur

und Umwelt sowie soziale Kompetenzen gefördert

werden.

• Angestrebt wird eine Vernetzung mit Akteuren aus

Kleingärtnervereinen und Kindertagesstätten zur

Einrichtung ähnlicher Projekte.

Projektträger

• Arbeitskreis Umwelt im westlichen Ringgebiet

• Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde

e. V.

In Kooperation mit

• Stadt Braunschweig

• Quartiersmanagement im Sanierungsgebiet Soziale

Stadt: Plankontor Stadt und Gesellschaft GmbH

• Kindertagesstätte Schwedenheim Braunschweig

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 75


• Kindertagesstätte Christian- Friederich Krull

Zielgruppen

• Hort- und Kindergartenkinder

• Anliegende Kleingartenvereine

Umsetzung

Projektbeginn März 2012 – Projekt Ende November 2012

Beispiel 3:

Lehrerinnen der Grundschule Auf der Bult, in Hannover,

haben beim Vorstand des in der Nähe liegenden

Kleingärtnervereins Waldesruh nachgefragt, ob die

Schüler der 4. Klasse im Rahmen des Sachunterrichts

eine Gartenparzelle bewirtschaften können. Es handelt

sich um Schüler mit Entwicklungsproblemen im sozialen

Bereich die an der Schule eine spezielle sozial, emotionale

Förderung erhalten. Die Schüler der 4. Klasse

sind in der Regel 10 bis 12 Jahre alt. Sie werden durch

ein Förderkonzept zu Leistungen gebracht, die sie befähigen,

sich später im Alltag zurecht zu finden. Die

Schule ist eine Ganztagsschule, d.h. die Schüler sind

in der 4. Klasse und bis 14.00 Uhr in der Schule. Ältere

Schüler bleiben länger. Zum besonderen Angebot

des Pflichtunterrichts der Schule für die 4. Klassen gehört

der Sachunterricht im Kleingarten. Hier sollen die

Schüler soziale Fähigkeiten erlernen und das Wachstum

von z.B. Gemüsepflanzen für das tägliche Leben erleben.

Die Kinder sollen sehen, wie Pflanzen, Gemüse,

Obst und Blumen wachsen. In dem Gemeinschaftsgarten

wird jede Gruppe einen eigenen Bereich zur Bewirtschaftung

erhalten. Sie werden die Produkte, die sie

ernten, in ihrer Schulküche verarbeiten und essen. Sie

sollen lernen, alleine und im Team zu arbeiten.

Seit Sommer 2011 wird daran gearbeitet, den Garten

zweckgerecht herzurichten.

Die Eltern der Kinder, Lehrkräfte, Gartenfreundinnen

und Gartenfreunde sind in das Projekt eingebunden.

Die Finanzierung des Projektes (Entrümpeln, Abräumen

und Entsorgen) erfolgte bisher über Firmenspenden.

Der Bezirksverband Hannover hat für den Garten

das auf dem ABF-Stand 2012 aufgebaute Gartenhaus

unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Es wurde inzwischen

im Garten aufgebaut. Es sollen auch noch Studenten

der Universität Hannover – Studiengang Landschaftsgärten

– zu Fragen der Gestaltung des Gartens

mit Kindern engagiert werden.

Aus Sicht des Vereins ist positiv zu bewerten, dass die

fortlaufende Pflege des Gartens durch die Eltern der

Schüler erfolgen wird und Schüler, Eltern und Lehrkörper

sich aktiv am Vereinsleben beteiligen werden.

Der Vereinsvorstand insbesondere die Vorsitzenden

Sylvia Fuß haben mit ihren Engagement dafür gesorgt,

dass dieses Projekt in die Tat umgesetzt wurde.

Fazit:

Die vorgestellten drei Beispiele zeigen die unterschiedlichen

Möglichkeiten solche Projekte zum Erfolg zu führen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es oft leicht ist, Gartenfreundinnen

und Gartenfreunde zur Mitarbeit an

einem Projekt zu begeistern. Problematisch wird es

meist, wenn Projekte über mehrere Jahre oder sogar auf

unbestimmte Zeit angelegt sind.

Bei Gartenprojekten muss z.B. die kontinuierliche Betreuung

und Pflege des Gartens vor allem in der Ferienzeit

sicher gestellt werden. Wenn etwas über mehrere

Jahre organisiert werden soll, gibt es nur wenige Gartenfreundinnen

und Gartenfreunde die sich langfristig

an ein solches Projekt binden. Es sind dann ältere

Menschen, die ein ausgeprägtes Verantwortungs- und

Pflichtbewusstsein haben. – Siehe Beispiel 1, Schulgarten

Heidberg, oder Beispiel 3, KGV Waldesruh, wo sich

Vorstandsmitglieder die schon lange im Amt sind engagieren.

Es ist abzuwarten, ob bei personellen Änderungen

in Schulleitung und Elternschaft so engagiert

weitergemacht wird oder ob letztendlich die gesamte

Verantwortung auf den Vorstand übergeht.

Das 2. Beispiel ist typisch für die Bereitschaft jüngerer

Mitglieder, die sich für ein zeitlich überschaubares Projekt

engagieren, bei dem sie wissen, nach einem knappen

Jahr ist es vorbei, dann habe ich wieder Ruhe oder

kann mich an anderer Stelle engagieren. Das wird die

Projektarbeit der Zukunft sein.

Alle drei Beispiele sind für uns Kleingärtner auf jeden

Fall positiv zu bewerten.

Wenn wir nach außen gehen und dabei mit anderen Organisationen

etwas gemeinsam auf den Weg bringen,

zeigen wir, dass wir Kleingärtner den Bürgern etwas geben.

Das bleibt bei den Mitgliedern anderer Organisation,

die bisher eine vorgefasste, eher negative Meinung

über die Kleingärtner hatten, positiv in Erinnerung und

wir erfahren, dass andere Organisationen ebenfalls etwas

für die Gemeinschaft leisten. Auf diesem Weg bilden

sich Netzwerke, die sich gegenseitig unterstützen.

Außerdem sind Projekte, bei denen die Kleingärtner

nicht im eigenen Saft schwimmen für die Öffentlichkeit

interessant und werden von den Medien gern aufgenommen.

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Naturpädagogik von A – Z

Isabel Hollenbeck,

Bildungsreferentin,

Deutsche Schreberjugend

Landesverband Berlin e.V.

Allgemeines, Einführung in das

Thema Naturpädagogik:

1. Allgemeines, Einführung in das Thema

Naturpädagogik:

Naturpädagogik als ein Bereich der Umweltbildung stellt

die unmittelbare Begegnung mit der Natur und ihren

pflegerischen Umgang in den Mittelpunkt. Naturbeobachtung,

Lernen mit allen Sinnen und Naturerfahrung

sind Schwerpunkte in der Naturpädagogik. Durch einen

emotionalen Zugang zur Natur wird ein Bewusstsein

von ökologischen Zusammenhängen angestrebt. Praktische

Erfahrungen und hautnahe Erlebnisse bilden die

Grundlagen dieses ganzheitlichen Lernens. Ganzheitliche

Begegnung mit der Natur bedeutet sinnlich, meditativ,

ästhetisch, spielerisch erfahren, entdecken und

verstehen, Natur als Handlungsraum wahrnehmen.

Durch handlungsorientierte Methoden und direkte,

sinnliche Erfahrung eines Naturraumes, will die Naturpädagogik

die Beziehung, den intensiven Kontakt

zwischen Mensch und Natur wiederherstellen bzw. vertiefen.

Entfremdung wird tiefgehendes Naturerleben

entgegengesetzt. Die Beteiligten lernen in der Interaktion,

Verantwortung für ihre Umwelt und deren Bewohner

– Tiere, Menschen, Pflanzen – zu übernehmen.

Umwelt soll in ihrem ökologischen Zusammenhang

begriffen werden.

Grundlage sind positive Erfahrungen, eine positive Beziehung

zur Natur, aus der die Kraft für den Einsatz für

das Leben geschöpft werden kann. Mittelpunkt ist, die

Liebe für alles Lebendige zu wecken. Lernen mit Kopf,

Herz und Hand (Pestalozzi).

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

„Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem

Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.“

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit beinhaltet:

• Ökologische Nachhaltigkeit: Ziel, Natur und Umwelt

für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Erhalt der Artenvielfalt, Klimaschutz, die Pflege von

Kultur- und Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen

Gestalt sowie generell einen schonenden Umgang

mit der natürlichen Umgebung.

• Ökonomische Nachhaltigkeit: Wirtschaftsweise ist so

angelegt, dass sie dauerhaft eine tragfähige Grundlage

für Erwerb und Wohlstand bietet. Schutz wirtschaftlicher

Ressourcen vor Ausbeutung.

• Soziale Nachhaltigkeit: Entwicklung der Gesellschaft

als einen Weg, der Partizipation für alle Mitglieder

einer Gemeinschaft ermöglicht mit dem Ziel, eine

auf Dauer zukunftsfähige, lebenswerte Gesellschaft

zu erreichen.

3. Erlebnispädagogik

Kurt Hahn, der als Gründer der Erlebnispädagogik gesehen

wird, machte sich um die Jahrhundertwende auf die

Suche nach neuen Formen in der Erziehung, besonders

im schulischen Bereich. Hahns Ziel war es, den Kindern

und Jugendlichen besondere Erlebnisse zu ermöglichen,

durch die sie ihrer verborgenen Kräfte gewahr

werden und setzte somit also an den Stärken und Fähigkeiten

der Kinder und Jugendlichen an. Leitgedanken

Hahns Erlebnispädagogik waren die konkrete Auseinandersetzung

mit sich selbst und der Umwelt. Lernziele

sollen praxis- und lebensnah vermittelt werden. Im

Mittelpunkt stehen die eigene Person und deren soziale

Handlungsmöglichkeiten innerhalb einer Gruppe – der

Einzelne erfährt in der Gruppe intensive Erlebnisse, die

den Kern seiner Persönlichkeit treffen und mit denen er

sich handelnd auseinandersetzt.

Im Bereich der Umweltbildung bildet die Erlebnispädagogik

einen wichtigen Bestandteil, da in vielen der

Maßnahmen Natur aus nächster Nähe erlebt wird. ( z. B.

Kanutouren, Wanderungen, Überlebenstrainings in der

Natur) Dieser Kontext kann das Bewusstsein dafür wecken,

dass die Natur schützenswert ist: nicht nur wegen

ihrer Schönheit, sondern auch aufgrund der Abhängigkeit

des Menschen von ihr.

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4. Fühlen

Spiel zum Fühlen: „Erfühle den Gegenstand“

Die Spielleitung sammelt Naturmaterialien. Dabei werden

so viele verschiedene Materialien ausgewählt, wie

Gruppen entstehen sollen. Die Anzahl der jeweiligen

Materialien richtet sich nach Anzahl der Kleingruppenmitglieder.

Jeder Teilnehmer bekommt hinter dem

Rücken ein Material und erfühlt es. Dann werden die

Materialien der anderen (einer nach dem anderen) befühlt

und gleiche Naturmaterialien gesucht. Die Personen

mit dem gleichen Material bilden eine Kleingruppe.

5. Garten/ Kleingarten und Naturpädagogik

Gärten sind Orte, in denen naturpädagogische Konzepte

zum Tragen kommen können und in der Natur mit

allen Sinnen erlebt werden kann. Naturnahe Gärten

leisten als ökologische Nischen einen wichtigen Beitrag

zur Artenvielfalt.

Bedeutung naturnaher Gärten:

• Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen

• Überwiegende Verwendung heimischer, standortgerechter

Pflanzen

• Pflege des Gartens mit der Natur und den ihr eigenen

Gesetzen: Natur Raum geben sich zu entwickeln,

Pflegemaßnahmen an der natürlichen Umgebung

orientieren

• Biotope schaffen: Hecke, Teich, Wiese, Steinhaufen,

ungemähte Randstreifen, Laubhaufen

• Jahreszeiten im Garten erleben

• Artenvielfalt Artenschutz

• Umweltschutz, Ökologie

Kindgerechter Garten

Dazu gehören v. a. :

• Kontakt mit dem Lebendigen: Auseinandersetzung

mit Naturmaterialien, Natur erleben und erfahren

• Primäre Spielerfahrungen: Spielen, entdecken, experimentieren,

Kinder erfahren die Natur durch das

Spiel, freies Spielen ermöglichen

• Gestaltung von Spielräumen mit vielfältigen Strukturen:

Kletterbäume, Geländemodellierung, Baumstämme,

Äste, Steine, Wasser, Erde, Sträucher,

Baumhäuser, Tiere zum: Spielen, Balancieren, Klettern,

beobachten, verstecken, entdecken

• Angebote für verschiedene Altersgruppen: Die

Grundlage, um eine positive Beziehung zur Natur

aufzubauen, wird bereits im Kleinkindalter gelegt.

Bei Kleinkindern liegt der Schwerpunkt bei spielerischen

Aktivitäten und dem Einbeziehen der Sinne,

je älter die Kinder werden, kommen Tierbeobach-

tungen, Kompost, Eigenes Beet, Pflanzen, ernten

und Verarbeiten der Ernte, Zusammenhänge in der

Natur beobachten, Insektenhotel, Vogelhäuschen,

ökologische Zusammenhänge, Forschen und experimentieren…hinzu.

Ab etwa 12 Jahren treten andere

Interessen in den Vordergrund. Herausfordernde,

erlebnisorientierte Spiele und Problemlöseaufgaben,

Forschungsaufträge bleiben interessant.

6. Hören

Spiel: „Hör mal, was das ist“

Ab 4 SpielerInnen, Art: Spiel zum Hören, Material: Augenbinden,

Naturmaterialien

Es werden zwei Kleingruppen gebildet. Jede Gruppe entwickelt

geheim für sich ein Geräusch, Ton oder Klang,

was mit Naturmaterialien erzeugt wird. Nach etwa 1 Minute

treffen sich die beiden Teams. Die Spieler einer

Gruppe schließen die Augen und hören den Klang der

anderen Gruppe. Die verwendeten Materialien werden

versteckt, bevor die Rategruppe die Augen wieder öffnet.

Diese Gruppe soll nun den eben gehörten Klang möglichst

exakt nachspielen. Dazu dürfen sich die Spieler

entsprechende Gegenstände in der Umgebung suchen.

Tipp: Die Geräusche sollten nicht zu kompliziert erzeugt

werden!

Beispiele: Herbstlaub in den Händen rascheln lassen,

Steine aufeinanderlegen, Tannenzapfen aneinander

reiben, Stöckchen gegeneinander klopfen, mit einem

Stöckchen durch eine Pfütze streifen, Einen Steinen fallen

lassen.

7. Inhalte

Themen und Inhalte der Naturerlebnispädagogik sind

vielfältig wie die Natur. Es gehören dazu:

Pflanzen, Tiere, Lebensräume

• Erkunden, beobachten, anwenden, spielerisch begreifen

Ökosysteme

• Erforschen, Zusammenhänge erkennen, Ökologische

Nischen schaffen

Jahreszeiten

• Jahreszeiten erleben, Die Natur in den verschiedenen

Jahreszeiten

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Wetter

• Warum ist das Wetter so? Sonne, Regen, Hagel,

Schnee, Blitz und Donner

Vier Elemente

• Experimente, Erkundungen und Kreativität zu Feuer,

Wasser, Luft und Erde

Gesundheit und Ernährung

• Gesunde Küche aus der Natur, Pflanzen- und Kräuterheilkunde

Sozialkompetenz

• Lernen in der Gruppe: Spiele und Übungen zu Kooperation

und Vertrauen

Erholung

• Entspannungsmethoden, Phantasiereisen in der/

zur Natur

8. Lernen

Aktuelle Forschung /Hirnforschung zum Thema macht

deutlich:

• Größte Erfolge beim Lernen sind, wenn Lehrer von

dem begeistert sind, was sie tun.

• Das Gehirn lernt immer, tut nichts lieber. Kinder lernen

permanent.

• Kinder lernen rasend schnell alles Mögliche im Kindergartenalter,

brauchen richtige Lernumgebung.

• Lernorte müssen spannende Orte sein. Sie müssen

neugierig auf die Welt machen und den Interessen

Futter bieten

• Möglichst viele Wahrnehmungskanäle sollten beteiligt

sein (Lernen mit allen Sinnen)

• Unter Stress reagiert unser Körper chaotisch, unsere

Gehirntätigkeit ist gehemmt, wir können keine klaren

Gedanken mehr fassen

• Wechsel von Anspannung und Entspannung ist das

Richtige.

• Resultat: Liebe fürs Lernen ist wichtig.

9. Meditation und Entspannung

Phantasiereise

10. Natur- und Umweltbildung

Mit dem Hintergrund der in den 70er Jahren erstmals

wahrgenommenen Umweltzerstörung entstand aus

der ökologischen Bewegung das Bewusstsein für die

Notwendigkeit einer Umwelterziehung, um das Um-

weltbewusstsein zu stärken. Verschiedene Ansätze zur

Förderung des Umweltbewusstseins, bspw. die Umwelterziehung,

Ökopädagogik, das ökologische Lernen

oder Waldpädagogik und ebenso die Naturpädagogik

gehören in den weiten Bereich der Umweltbildung. Im

Kontext der von der Agenda 21 ausgearbeiteten Zielsetzung

einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

hat dieser Bereich eine wichtige Schlüsselrolle erhalten:

für eine Wissensbildung im Bereich Umwelt und

als Voraussetzung für einen gesamtgesellschaftlichen

Bewusstseinswandel. Konzepte der Umweltbildung

gewinnen in der pädagogischen Praxis zunehmend an

Bedeutung.

• Naturpädagogik will die Beziehung Mensch-Natur

vertiefen. Positive ganzheitliche Naturerfahrungen

sind die Basis für eine zugewandte und verantwortliche

Beziehung zur Natur.

• Umwelt-Pädagogik vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten

eines umweltgerechten Verhaltens, im Alltag,

im Beruf oder als Mitglied der Gesellschaft

• Umwelterziehung beinhaltet Themen wie Abfallvermeidung,

Receycling, Energie, Wasser, Abwasser,

Umwelttechnologien, Einkauf, Verkehr. Die Vermittlung

von Wissen und Können steht im Mittelpunkt,

die Zugangsweise ist technisch-naturwissenschaftlich.

• Ökologische Lernen überträgt Prinzipien der Ökologie

auf alle komplexen Vorgänge des Lebens und basiert

auf selbstbestimmtem Lernen, Mitbestimmung

und Selbstbestimmung. Gewaltlosigkeit, Soziales

Miteinander, Basisdemokratie und Ökologie gehören

zu den vier Grundpfeilern. (Vermittelt z. B. in

freien Schulen oder Ökozentren, Reformpädagogik).

Lernen soll handlungsorientiert stattfinden und das

Bildungsinteresse des Einzelnen in den Mittelpunkt

rücken.

• Ökopädagogik (Wolfgang Beer, Gerhard de Haan)

versteht sich als Bezugswissenschaft für die Praxis

der Natur- und Umweltpädagogik und stellt sich die

Aufgabe, Erkenntnisse der Pädagogik, Psychologie,

Soziologie und Anthropologie für die Natur- und

Umweltpädagogik aufzubereiten.

11. Praxisorientierung

Praktische Aktivitäten stehen in der Naturpädagogik im

Vordergrund. Zu den Angebote und Aktivitäten gehören:

• Sinnliche Naturerfahrungen

• Forschen und experimentieren

• Spiele: Spaß und Bewegung

• Kreative Methoden

• Handwerk

• Kochen- Wildkräuterküche

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• Naturkosmetik

• Meditation und Entspannung

12. Riechen

Spiel: „Was riecht denn da?“

Ab 4 Spieler, Art: Spiel zum Riechen, Material: Augenbinden

Es werden Paare gebildet. Ein/e Spieler/in mit verbundenen

Augen wird vom Partner/in zu einem ausgesuchten

Objekt geführt. Dort soll er oder sie anhand des

Geruchs erraten, was es ist. Das kann eine Blüte oder

ein Stück Holz, eine Frucht oder eine handvoll Erde

sein. Sobald das Objekt erraten wurde, werden Rollen

getauscht.

13. Sinne

Sinne stellen für alle Kinder den Zugang zur Welt

dar, durch die sie die Welt für sich immer wieder neu

aufbauen und verstehen können. Besonders in den

ersten Lebensjahren brauchen Kinder vielseitige Sinneserfahrungen,

damit die Verarbeitungsprozesse im

Gehirn trainiert werden und sie die durch die Sinneswahrnehmung

aufgenommenen Informationen besser

auswerten können. Die moderne Lernforschung hat

herausgefunden, dass der Gewinn dauerhafter Erkenntnisse

vor allem von der Art der Darbietung abhängt: je

mehr Wahrnehmungsfelder im Gehirn beteiligt sind,

desto mehr Assoziationsmöglichkeiten für das tiefere

Verständnis werden vorgefunden, desto größer werden

Aufmerksamkeit und Lernmotivation. (Renate Zimmer:

„Handbuch der Sinneswahrnehmung“)

• Sehsinn: Naturbeobachtungen, Spiele und Übungen

zum Sehen

• Hörsinn: Geräuschememory, Naturgeräuschen lauschen,

Geräuschekarte zeichnen

• Tastsinn: Fühlpark, Spiele mit verbundenen Augen,

Barfußparcours

• Bewegungs- Kraft- Stellungssinn: Geschicklichkeits-

und Kraftspiele

• Gleichgewichtssinn: Balancieren, mit verbundenen

Augen sich blind führen

• Geruchssinn: Riechmemory, Kräuter riechen

• Geschmackssinn: Geschmacksproben (mit verbundenen

Augen), Kräuterküche

Übungen mit den Sinnen können überall und mit allen

Zielgruppen durchgeführt werden. Für die Naturpädagogik

stellen sinnliche Erfahrungen in der Natur eine

wichtige Grundlage der Angebote dar.

14. Umweltschutz

15. Ziele, Nutzen und Effekte der Naturpädagogik

Werte vermitteln

In der naturpädagogischen Arbeit geht es auch um die

Vermittlung von Werten: um den Respekt gegenüber

der Umwelt: Mensch und Natur. Darunter fallen dann

all die weiteren, unten folgenden Ziele:

Umweltbildung: Beziehung zur Umwelt fördern– was

man liebt, das schützt man, Naturwissen vermitteln,

Ökologische Zusammenhänge verdeutlichen, Umweltbewusstsein

stärken

Soziale Kompetenzen: Gruppenfähigkeit, Kooperation

und Teamwork, Umgang mit Konflikten, Toleranz und

Respekt, Kompromissbereitschaft

Individuelle Kompetenzen:

1. Physische Fähigkeiten: Psychomotorik, Wahrnehmungsschulung,

Geschicklichkeit

2. Psychische Fähigkeiten: Sensibilität für die Umwelt

entwickeln, Persönliche Ressourcen entdecken, Entspannung,

Wohlbefinden

3. Intellektuelle und kognitive Fähigkeiten: Gedanken

anregen, zum individuellen Lernen anregen, Durch

eigene Beobachtungen Experimentieren und Forschen

Wissen erwerben, Zusammenhänge herstellen,

Rückschlüsse aus dem Gelernten ziehen

4. Gesundheit: Konzentration schulen, Gesunde Ernährung,

Bewegung, Naturheilkunde/Heilpflanzen

16. Zielgruppen

Zur Hauptzielgruppe gehören Kinder ab dem Kleinkindalter

bis zur Pubertät. Ab dem Jugendalter ist es

sinnvoll, erlebnisorientierte Elemente der Naturpädagogik

zu betonen, oder anspruchsvollere Themen mit der

Gruppe auszuwählen und zu bearbeiten. Erwachsene

gehören als Multiplikator/innen zur Zielgruppe.

17. Zum Schluss

Fragen, Gesprächsbedarf

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Patenschaft mit der

Kita „Arche Noah“

Wolfgang Dittrich

Vorsitzender des Kreisverbandes

Kyffhäuserkreis der Gartenfreunde

e.V.,Sondershausen

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Grünes Klassenzimmer mit

Kräutergarten

Volker Meißner,

Fachberater und

Projektleiter

Grünes Klassenzimmer,

Landesverband Sachsen

der Kleingärtner e.V.

Sehr geehrte Anwesende, liebe Gartenfreunde,

nach anstrengender Arbeit habe ich heute die Freude

Ihnen einige Erfahrungen aus unserer praktischen Arbeit

mit Kindern im kleingärtnerischen Bereich vermitteln

zu dürfen.

Mein Name ist Volker Meißner und ich bin in meinem

Kleingartenverein Fachberater und zugleich Projektleiter

eines Kräutergartens mit dem grünen Klassenzimmer.

Um anderen Gartenfreunden besser helfen zu

können, habe ich dank des Landesverbandes die Ausbildung

als Pflanzendoktor absolviert. Die gesamte Arbeit

bereitet mir viel Freude.

Doch nun zu unserer Arbeit im grünen Klassenzimmer.

Im Frühjahr 2009 entwickelte der Kreisfachberater

Krafft Spirling ein Konzept zu Themengärten im Kreisverband

Torgau-Oschatz.

Sein Vorschlag für uns lautete: Baut eine grünes Klassenzimmer

als Kräutergarten auf. Wir waren sofort einverstanden,

denn ein solches Projekt reizte uns sehr. Ich

übernahm die Aufgabe einen freien Kleingarten zu suchen

und die Umsetzung vorzubereiten. Mit mehreren

Fachleuten beriet ich mich und so konnten wir im März

2009 das Projekt vorstellen. So erläuterten wir unsere

Gedanken in der Grundschule „Am Rodelberg“ in Torgau,

natürlich im Kreisvorstand der Kleingärtner, in unserem

Kleingartenverein und im regionalen Schulamt

in Leipzig.

Wir begannen Sponsoren zu suchen und fanden bei 13

Unternehmen der Region offene Ohren. Das größte war

aber der langfristige Patenschafts-Vertrag über 10 Jahre

mit der genannten Grundschule. Der dortige Förderverein

verpflichtete sich zugleich uns jährlich 1000 € zur

Verfügung zu stellen.

Bild 2–5

Am 1. April 2009 erfolgte der erste „Spatenstich“ im

Garten. Zuerst entfernten wir die vielen Koniferen und

überalterten Obstbäume. Nach entsprechenden Bodenproben

mussten wir den verseuchten Boden und das

waren 30 t Erdmassen austauschen. Mehrere Schredder

kamen zum Einsatz, um das Astmaterial als Mulch

und zum Auffüllen der späteren Hochbeete verwenden

zu können.

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Bild 6–9

Wir begannen mit der Gestaltung von Kräutersternen

und dem Aufbau von Hochbeeten. Zwei Hilfen, die uns

die Agentur für Arbeit zur Verfügung stellte, erledigten

die gesamten Holzarbeiten.

Aus dem Chaos wurde Stück für Stück ein Kräutergarten.

Nach der Eröffnung hatten wir dann eine Bepflanzung

von etwa 400 verschiedenen Kräutern erreicht.

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Bild 10–12

Die Eröffnung war ein in der Öffentlichkeit sehr beachtetes

Ereignis. Am 16. Juni war es so weit. Wir hatten

in nur 9 Wochen ein gärtnerisches Wunder geschaffen.

Gäste aus allen Bereichen des regionalen öffentlichen

Lebens waren unserer Einladung gefolgt. Die Schüler

wollten mit einem kleinen Kulturprogramm ihre Freude

zum Ausdruck bringen. Sie wussten ja, dass sie in

diesem Kleinod viele Stunden verbringen können.

Bild 13–14

Was uns besonders freute, war die Anwesenheit von

Fachberatern und Vertretern anderer Kreis- bzw. Regionalverbände.

Seit der Eröffnung sind nun wöchentlich im Rahmen

von Schulgarten- und Sachkundeunterricht 60 Schüler

mit jeweils 5 Stunden pro Woche im Kräutergarten. Darüber

hinaus kommen im Rahmen des Ganztagsangebotes

zweimal in der Woche je 10 Kinder zu uns.

Es sprach sich herum und so bin ich jetzt in weiteren 3

Grundschulen der Stadt Torgau in unserem Sinne tätig.

Seit einem Jahr sind zwei Mal im Monat Gruppen der

Volkssolidarität in unserem Kräutergarten, vermitteln

ihre Kenntnisse von den Kräutern an die Kinder.

Alle Grundschulen des Landkreises Nordsachsen nutzen

unser grünes Klassenzimmer für Wandertage,

Projekttage und fächerübergreifenden Unterricht. Die

Heimerer-Schulen sind zwei Mal im Jahr zur Weiterbildung

von Erziehern und Sozialassistenten, zuletzt über

160 Personen, unsere Gäste.

Ich will erwähnen, dass die gesamte Arbeit im und um

den Kräutergarten ehrenamtlich geleistet wird. Es ist

für mich und meine Mitstreiter einfach die innere Einstellung

und das erworbene Wissen, die es ermöglichen

den notwendigen Aufwand zu meistern.

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Bild 15–19

Gäste aus Politik und den Medien konnten wir begrüßen.

So ist der Minister für Umwelt, Landwirtschaft

und Geologie des Freistaates Sachsen, Herr Frank

Kupfer, ein gern gesehener Gast. Die am weitest angereisten

Gäste waren Mitglieder eines südkoreanischen

Fernsehteams, dem wir und unsere Schüler Rede und

Antwort standen.

Bis zum Dezember 2011 konnten wir ca. 3.500 Gäste

begrüßen. Unsere Aktivitäten wurden mehrfach gewürdigt,

so mit einem 3. Platz beim Bundesausscheid und

mehreren 2. Plätzen in Landes- und Kreiswettbewerben

sowie einem Sonderpreis beim Schulgartenwettbewerb

des Landes Sachsen.

Bild 20–25

Während des Unterrichtes nutze ich verschiedene Powerpoint-Vorträge,

die unser Kreisfachberater Spirling

fachlich und gestalterisch sehr gut erstellt hat, übrigens

genauso ehrenamtlich. So kann ich z. B. Küchenkräuter,

asiatische Kräuter und was mir besonders gefällt,

Wildkräuter mit Bild, den Bodenansprüchen, der Verwendung

und dem Nutzen vorstellen. Die Vorträge nutze

ich natürlich auch bei unseren Rentnern und den

Besuchern aus den Gartenvereinen.

120 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Bild 26–31

Ich will nun auf unsere Kräuterpflanzungen kommen.

Auf Hochbeeten und Kräutersternen haben wir in Sorten

und Arten der verschiedenen Kräuter unterschieden.

So lernen unsere Kinder z. B. die verschiedensten

Arten von Minzen, Rosmarin, Salbei, Basilikum kennen.

Mit ein paar Bildern will ich gern einen Eindruck

vermitteln.

Die Kinder gestalten selbstständig Gemüsebeete, wobei

sie lernen nach der Ernte das Gemüse mit den Kräutern

zusammen zu verarbeiten.

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Bild 32–37

Der Unterricht im Herbst und vor allem die Tätigkeit

im Rahmen des Gesamttags-Angebotes ist eine besondere

Herausforderung und zugleich große Freude für

unsere Kinder. Es werden die Kräuter geerntet, danach

getrocknet und mit großer Begeisterung, nach Rezept

natürlich, Kräuteröle und -essige selbst hergestellt (so

ca. 300 Flaschen) und durch mich verkauft. Der Erlös

kommt unserem grünen Klassenzimmer für Neukauf

von Pflanzen, denn Nachschub gilt es zu sichern, und

Erneuerungen zu Gute.

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Bild 38–41

Der praktische Unterricht unter freiem Himmel mit

dem Schärfen der Sinne ist ein gern angenommenes

Unterrichtsmittel.

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Bild 42–44

Natürlich bereiten wir gemeinsam den Winter vor.

Bild 45

Wichtig war auch für uns mit dem Bau eines Insektenhotels

die Natur in seiner komplexen Art verdeutlichen

zu können.

Bild 46–47

Durch Spenden von Sponsoren und durch Gelder unseres

Fördervereins in Höhe von 6.500 € konnten wir

einen Carport an der Laube anbauen, um darin Unterricht

durchzuführen. Was uns am meisten freut, ist die

Tatsache, dass sogar ein Anbau möglich wurde und so

der Unterricht in der kalten Jahreszeit im geschlossenen

Raum stattfinden kann. Dabei unterstützten uns

der Landesverband der Kleingärtner und das Umweltministerium

Sachsen. So haben wir z. B. eine neue wetterfeste

Beschilderung 2011 vornehmen können.

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Bild 48

Selbst einen Ort der Erholung und Ruhe haben wir eingerichtet,

den besonders unsere behinderten Schüler

nutzen.

Bild 49

Das stille Örtchen als Bio-Toilette darf auch nicht fehlen.

Bild 50

In einem kleinen Wettbewerb unterbreiteten unsere

Schüler Vorschläge für die Gestaltung und den Namen

eines Maskottchens. Es ist ein schöner Erfolg, dass die

Kinder sich mit dem Garten identifizieren und ihren Eltern

schon mehrfach zu einem Kleingarten „verholfen“

haben.

Bild 51

Zum Abschluss eines Schuljahres erhalten die Schüler

von mir persönlich ein T-Shirt.

Übrigens, wer uns elektronisch besuchen will, der

braucht nur die Internetadresse www.grünes-klassenzimmer-torgau.de

anwählen. (Siehe Bild 52 und 53).

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IMPRESSIONEN

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Leitthemen der Schriftenreihe seit 1997

Heft Jahr Ort Seminar

122 1997 Schwerin Haftungsrecht und Versicherungen im Kleingartenwesen

123 1997 St. Martin Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im

Kleingarten

124 1997 Berlin Lernort Kleingarten

125 1997 Gelsenkirchen Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im Kleingarten

126 1997 Freising Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und umweltgerechte

Gestaltung der Kleingärten als eine Freizeiteinrichtung der Zukunft

127 1997 Lübeck-Travemünde Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128 1997 Karlsruhe Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129 1998 Chemnitz Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130 1998 Potsdam Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung der lokalen Agenden

zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Kleingartenbereich

131 1998 Dresden Gesundes Obst im Kleingarten

132 1998 Regensburg Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im Kleingarten

Gesetz und Maßnahmen

133 1998 Fulda Der Kleingarten – ein Erfahrungsraum für Kinder und

Jugendliche

134 1998 Wiesbaden Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135 1998 Stuttgart Kleingärten in der/einer künftigen Freizeitgesellschaft

136 1998 Hameln Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von 1992 im

Bundesnaturschutzgesetz und die Möglichkeiten ihrer Umsetzung im

Kleingartenbereich

137 1999 Dresden (Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138 1999 Rostock Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139 1999 Würzburg Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140 1999 Braunschweig Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer

Bewirtschaftung

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Heft Jahr Ort Seminar

141 1999 Hildesheim Biotope im Kleingartenbereich – ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142 1999 Freiburg Zukunft Kleingarten

143 2000 Mönchengladbach Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144 2000 Oldenburg Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten

von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145 2000 Dresden Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146 2000 Erfurt Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147 2000 Halle Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148 2000 Kaiserslautern Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149 2000 Erfurt Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150 2001 Rüsselsheim Vereinsrecht

151 2001 Berlin Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152 2001 Mönchengladbach Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153 2001 St. Martin Das Element Wasser im Kleingarten

154 2001 Gelsenkirchen Frauen im Ehrenamt – Spagat zwischen Familie, Beruf und

Freizeit

155 2001 Erfurt Verbandsmanagement

156 2001 Leipzig Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen –

Gesetzliche Privilegien und Verpflichtungen

157 2002 Bad Mergentheim Kleingartenpachtverhältnisse

158 2002 Oldenburg Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die

Umwelt

159 2002 Wismar Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit –

was ich wie sagen kann

160 2002 Halle Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161 2002 Wismar Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162 2002 Berlin Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 129


Heft Jahr Ort Seminar

163 2003 Dessau Finanzen

164 2003 Rostock Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des

Kleingartenwesens

165 2003 Hamburg Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

166 2003 Rostock Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

167 2003 Limburgerhof Die Wertermittlung

168 2003 Bad Mergentheim Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche

Auswirkungen auf das Kleingartenwesen

169 2004 Braunschweig Kleingärtnerische Nutzung (Rechtsseminar)

170 2004 Kassel Öffentlichkeitsarbeit

171 2004 Fulda Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

172 2004 Braunschweig Mein grünes Haus

173 2004 Dresden Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

174 2004 Magdeburg Recht aktuell

175 2004 Würzburg Der Kleingarten als Gesundbrunnen für Jung und Alt

176 2004 Münster Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im

Schrebergarten (I)

177 2005 Kassel Haftungsrecht

178 2005 München Ehrenamt – Gender-Mainstreaming im Kleingarten

179 2005 Mannheim Mit Erfolg Gemüseanbau im Kleingarten praktizieren

180 2005 München Naturgerechter Anbau von Obst

181 2005 Erfurt Naturschutzgesetzgebung und Kleingartenanlagen

182 2005 Dresden Kommunalabgaben

183 2005 Bonn Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im

Schrebergarten (II)

184 2006 Dessau Düngung, Pflanzenschutz und Ökologie im Kleingarten –

unvereinbar mit der Notwendigkeit der Fruchtziehung?

130 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


Heft Jahr Ort Seminar

185 2006 Jena Finanzmanagement im Verein

186 2006 Braunschweig Stauden und Kräuter

187 2006 Stuttgart Grundseminar Boden und Düngung

188 2006 Hamburg Fragen aus der Vereinstätigkeit

189 2007 Potsdam Deutschland altert – was nun?

190 2007 Jena Grundseminar Pflanzenschutz

191 2007 Jena Insekten

192 2007 Celle Grundseminar Gestaltung und Laube

193 2007 Bielefeld Rechtsprobleme im Kleingarten mit Verbänden lösen

(Netzwerkarbeit) Streit vermeiden – Probleme lösen

194 2008 Potsdam Pachtrecht I

195 2008 Neu-Ulm Pflanzenverwendung I – vom Solitärgehölz bis zur Staude

196 2008 Magdeburg Soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – nach innen und nach

außen

197 2008 Grünberg Pflanzenverwendung II – vom Solitärgehölz bis zur Staude

198 2008 Gotha Finanzen

199 2008 Leipzig Kleingärtner sind Klimabewahrer – durch den Schutz der Naturressourcen

Wasser, Luft und Boden

200 2009 Potsdam Wie ticken die Medien?

201 2009 Erfurt Vereinsrecht

202 2009 Bremen Vielfalt durch gärtnerische Nutzung

203 2009 Schwerin Gesundheitsquell – Kleingarten

204 2009 Heilbronn Biotope im Kleingarten

205 2009 Potsdam Wie manage ich einen Verein?

206 2010 Lüneburg Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung auch

von außen (1)

207 2010 Magdeburg Zwischenpachtvertrag – Privileg und Verpflichtung

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219 131


Heft Jahr Ort Seminar

208 2010 Bremen Umwelt plus Bildung gleich Umweltbildung

209 2010 Kassel Der Fachberater – Aufgabe und Position im Verband

210 2010 Mönchengladbach Biologischer Pflanzenschutz

211 2010 Dresden Umweltorganisationen ziehen an einem Strang (grüne Oasen als

Schutzwälle gegen das Artensterben)

212 2010 Hannover Der Kleingärtnerverein

213 2011 Lüneburg Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung

auch von außen (2)

214 2011 Naumburg Steuerliche Gemeinnützigkeit und ihre Folgen

215 2011 Hamburg Blick in das Kaleidoskop – soziale Projekte des Kleingartenwesens

216 2011 Halle Pflanzenvermehrung selbst gemacht

217 2011 Rostock Ressource Wasser im Kleingarten – „ohne Wasser, merkt euch das …“

218 2011 Berlin Satzungsgemäße Aufgaben des Vereins

219 2012 Goslar Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

132 bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 219


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