Personalauswahl in Veränderungsprojekten - Königswieser & Network
Personalauswahl in Veränderungsprojekten - Königswieser & Network
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fachbeiträge<br />
<strong>Personalauswahl</strong> <strong>in</strong><br />
<strong>Veränderungsprojekten</strong><br />
WISSENSCHAFT. E<strong>in</strong>e Organisationsentwicklung kann nur gel<strong>in</strong>gen, wenn die Mitarbeiter<br />
auch die richtigen Kompetenzen besitzen. Vor allem die Fähigkeit, mit Veränderungen<br />
umzugehen, ist dabei gefragt. Um wichtige Schlüsselpersonen zu identifizieren hilft es,<br />
die passenden personaldiagnostischen Verfahren zu kennen.<br />
Konkurrenzfähig zu se<strong>in</strong> bedeutet für<br />
Unternehmen und Mitarbeiter <strong>in</strong> der heutigen<br />
Zeit, mit Veränderungen umgehen<br />
zu können. Externe E<strong>in</strong>flussfaktoren –<br />
wie die Globalisierung, der Wandel von<br />
e<strong>in</strong>er produktions- zu e<strong>in</strong>er service- und<br />
wissensorientierten Wirtschaft, neue Entwicklungen<br />
<strong>in</strong> der Informationstechnologie,<br />
Ereignisse wie die F<strong>in</strong>anzkrise oder<br />
neue politische Rahmenbed<strong>in</strong>gungen,<br />
aber auch <strong>in</strong>terne E<strong>in</strong>flussfaktoren wie<br />
e<strong>in</strong>e neue Unternehmensvision oder die<br />
E<strong>in</strong>führung e<strong>in</strong>es anderen Betriebssystems,<br />
führen zur Notwendigkeit, die Unternehmensstrategie,<br />
-struktur und -kultur<br />
stetig anzupassen. Da jede organisationale<br />
Veränderung letztlich nur über Menschen<br />
geschehen kann, die die entsprechenden<br />
Verhaltensweisen zeigen, stellt sich die<br />
Frage, wie personaldiagnostische Maßnahmen<br />
dabei unterstützen können. Pr<strong>in</strong>zipiell<br />
bieten sich dafür zwei Wege an:<br />
Top-down, also ausgehend von der organisationalen<br />
h<strong>in</strong> zur <strong>in</strong>dividuellen Ebene,<br />
können veränderte Verhaltensnormen im<br />
Umgang mit Wandel durch angepasste<br />
und neu geschaffene personalpolitische<br />
Kriterien, beispielsweise für Selektion,<br />
Platzierung und Bezahlung, durchgesetzt<br />
werden. Bottom-up kann h<strong>in</strong>gegen die<br />
Auswahl und Platzierung von Personen<br />
mit e<strong>in</strong>er hohen allgeme<strong>in</strong>en Veränderungskompetenz<br />
gleichfalls zu e<strong>in</strong>er höheren<br />
Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit<br />
der Organisation führen, worum es<br />
im Folgenden gehen wird. Dabei stehen<br />
drei Fragen im Vordergrund: Welche Personen<br />
können gut mit Wandel und Veränderungen<br />
umgehen? Mit welchen personaldiagnostischen<br />
Instrumenten können<br />
diese Personen identifiziert werden? Wie<br />
30 wirtschaft + weiterbildung 10_2011<br />
können <strong>in</strong> der Praxis letztendlich Instrumente<br />
der Personaldiagnostik <strong>in</strong> den Kontext<br />
e<strong>in</strong>es Veränderungsprojekts e<strong>in</strong>gebunden<br />
werden?<br />
Veränderungskompetenz<br />
präzise def<strong>in</strong>ieren<br />
Personen, die besonders gut mit Veränderungen<br />
umgehen können und diese selbst<br />
gestalten, besitzen e<strong>in</strong>e hohe allgeme<strong>in</strong>e<br />
Veränderungskompetenz. Ployhart und<br />
Bliese def<strong>in</strong>ieren dies als Fähigkeiten,<br />
Fertigkeiten, Dispositionen, Bereitschaft<br />
und/oder Motivation, sich an bestehende<br />
Gegebenheiten anzupassen oder diese zu<br />
verändern. Damit ist noch relativ wenig<br />
darüber gesagt, welche spezifischen Eigenschaften<br />
und Fertigkeiten denn nun<br />
relevant s<strong>in</strong>d. Dlugosch wird da wesentlich<br />
konkreter. Veränderungskompetenz<br />
umfasst ihr zufolge vier Komponenten.<br />
1. Reaktion auf und Anpassung an Veränderungen,<br />
um Verhalten, Ziele, Pläne<br />
oder Prioritäten <strong>in</strong> Bezug auf Veränderungen<br />
anzupassen, auf die die Person<br />
selbst ke<strong>in</strong>en E<strong>in</strong>fluss hat.<br />
2. Agieren bei Veränderungsbedarf, was<br />
sowohl das Erkennen e<strong>in</strong>es Veränderungsbedarfs<br />
als auch die Ableitung und<br />
Umsetzung geeigneter Maßnahmen be<strong>in</strong>haltet,<br />
um mit den Veränderungen umzugehen.<br />
3. Andere begeistern, um die anstehenden<br />
Veränderungen mitzutragen (<strong>in</strong>sbesondere<br />
als Führungskraft, aber auch als<br />
Kollege).<br />
4. Weiterentwicklung der eigenen Person,<br />
um auf Basis von Selbstreflexion<br />
und Feedback die eigenen Kompetenzen<br />
eigen<strong>in</strong>itiativ weiterzuentwickeln.
<strong>Personalauswahl</strong>. Personen mit<br />
hoher Veränderungskompetenz<br />
zu identifizieren, kann e<strong>in</strong> großer<br />
Gew<strong>in</strong>n für das Unternehmen se<strong>in</strong>.<br />
Dabei handelt es sich – wie bei anderen<br />
Kompetenzen auch – letztlich weniger um<br />
e<strong>in</strong>e klar abgegrenzte, homogene Eigenschaft,<br />
als vielmehr um e<strong>in</strong> Bündel an Eigenschaften,<br />
Fertigkeiten und motivationalen<br />
Dispositionen, die im H<strong>in</strong>blick auf<br />
e<strong>in</strong> bestimmtes Ziel (<strong>in</strong> diesem Fall die<br />
Veränderung) zusammenwirken.<br />
Veränderungskompetenz<br />
zuverlässig erfassen<br />
Es lässt sich darüber spekulieren, welche<br />
Eigenschaften bei dem Konstrukt Veränderungskompetenz<br />
von besonderer Bedeutung<br />
s<strong>in</strong>d. Zunächst kann aber davon<br />
ausgegangen werden, dass kognitive Fähigkeiten<br />
förderlich s<strong>in</strong>d, beispielsweise<br />
im Zuge des Erkennens e<strong>in</strong>es Veränderungsbedarfs<br />
oder der Ableitung spezifischer<br />
Maßnahmen. Unter den Persönlichkeitsfaktoren<br />
wird laut Griff<strong>in</strong>, Neal<br />
und Parker am häufigsten Offenheit für<br />
Erfahrungen als wichtige Eigenschaft genannt.<br />
Denn Personen mit hohen Werten<br />
h<strong>in</strong>sichtlich dieser Eigenschaft sollen Veränderungen<br />
aufgeschlossen gegenüberstehen,<br />
abweichende Me<strong>in</strong>ungen anderer<br />
eher akzeptieren können, Freude daran<br />
haben, neue Verhaltensweisen auszuprobieren,<br />
und sich schneller an kulturelle<br />
Veränderungen anpassen können. H<strong>in</strong>gegen<br />
s<strong>in</strong>d Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen,<br />
Beharrlichkeit und Antrieb<br />
förderlich, wenn es um die Umsetzung<br />
und Zielerreichung der e<strong>in</strong>geleiteten<br />
Veränderung oder die Überzeugung anderer<br />
geht. Für die kont<strong>in</strong>uierliche Entwicklung<br />
der eigenen Kompetenz s<strong>in</strong>d <strong>in</strong>sbesondere<br />
Lernbereitschaft und Neugier<br />
von großer Bedeutung. Darüber h<strong>in</strong>aus<br />
werden <strong>in</strong> der Literatur weitere förderliche<br />
Aspekte genannt, wie die Fähigkeit,<br />
mit Ungewissheit umzugehen, die sogenannte<br />
Ambiguitätstoleranz, Stressresistenz<br />
und emotionale Stabilität, Kreativität<br />
<strong>in</strong> der Problemlösung, Teamfähigkeit, soziale<br />
Kompetenz oder die Fähigkeit zur<br />
Selbststeuerung und Selbstentwicklung.<br />
All diese Aspekte s<strong>in</strong>d dabei ke<strong>in</strong>e neuen<br />
Konstrukte – sie tauchen <strong>in</strong> der Literatur<br />
<strong>in</strong> ganz unterschiedlichem Zusammenhang<br />
auf. Ihr Zusammenwirken <strong>in</strong> Situationen<br />
des Wandels ist es jedoch, was<br />
Veränderungskompetenz ausmacht.<br />
Für die Erfassung der zuvor genannten<br />
Merkmale stehen verschiedene Methoden<br />
zur Verfügung. Kognitive Fähigkeiten<br />
lassen sich dabei am zuverlässigsten über<br />
Testverfahren erfassen, wie zum Beispiel<br />
den Intelligenzstrukturtest oder den Berl<strong>in</strong>er<br />
Intelligenzstrukturtest. Für die Erfassung<br />
von Persönlichkeitsmerkmalen<br />
steht e<strong>in</strong>e große Palette von Selbste<strong>in</strong>schätzungsverfahren<br />
zur Verfügung, wie<br />
beispielsweise der NEO-FFI zur Erfassung<br />
der Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale.<br />
Dabei haben sich <strong>in</strong>sbesondere solche<br />
Verfahren bewährt, die berufsbezogen<br />
formuliert s<strong>in</strong>d, wie zum Beispiel der berufsbezogene<br />
Neugiertest, den Mussel,<br />
Spengler, Litman und Schuler entwickelt<br />
haben. Will man aber spezifisch die Veränderungskompetenz<br />
erfassen, bietet sich<br />
vor allem die Kurzskala von Ployhart und<br />
Bliese an.<br />
E<strong>in</strong>e weiterer Zugang zum Konstrukt der<br />
Veränderungskompetenz s<strong>in</strong>d Interviews.<br />
Dabei erlauben Fragen über die Vergangenheit<br />
e<strong>in</strong>er Person Auskunft über bisherige<br />
Erfahrungen und den Umgang mit<br />
spezifischen Situationen. E<strong>in</strong> Beispiel<br />
wäre die Frage: „Ist es schon e<strong>in</strong>mal vorgekommen,<br />
dass Sie <strong>in</strong> Ihrem Bereich Verbesserungsbedarf<br />
für e<strong>in</strong>en Prozess oder<br />
e<strong>in</strong> Produkt erkannt haben? Was war das<br />
für e<strong>in</strong>e Situation? Wie s<strong>in</strong>d Sie damit umgegangen?“<br />
Neben solchen sogenannten<br />
biografieorientierten Fragen können auch<br />
situative Fragen e<strong>in</strong>gesetzt werden, die<br />
sich nicht auf die Vergangenheit, sondern<br />
auf die Zukunft beziehen. Der Interviewte<br />
hat dabei die Aufgabe, sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e Situation<br />
h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>zuversetzen und anzugeben,<br />
wie er sich am ehesten verhalten würde.<br />
E<strong>in</strong> Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten<br />
als Teamleiter <strong>in</strong> der Controll<strong>in</strong>g-<br />
Abteilung. Aufgrund e<strong>in</strong>es kürzlich abgeschlossenen<br />
Mergers werden Ihnen drei<br />
zusätzliche Mitarbeiter zugewiesen, die<br />
bisher <strong>in</strong> der übernommenen Firma gearbeitet<br />
haben. Wie verhalten Sie sich?“ Die<br />
Antwort des Kandidaten gibt Aufschluss<br />
darüber, wie er <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er solchen Situation<br />
angemessen reagieren würde.<br />
Identifikation und Auswahl<br />
von Schlüsselpersonen<br />
E<strong>in</strong>e besondere Rolle <strong>in</strong> Veränderungsprozessen<br />
nehmen Schlüsselpersonen e<strong>in</strong>.<br />
Häufig s<strong>in</strong>d das die Führungskräfte e<strong>in</strong>es R<br />
10_2011 wirtschaft + weiterbildung 31
fachbeiträge<br />
R Unternehmens mit besonderen E<strong>in</strong>flussmöglichkeiten<br />
und exponierter Stellung,<br />
die <strong>in</strong> ihrer Vorbildfunktion dafür sorgen<br />
können, dass neue Werte und geänderte<br />
Vorgehensweisen auch gelebt werden.<br />
Durch ihr aktives Engagement gew<strong>in</strong>nt<br />
der Change-Prozess nicht nur an Glaubwürdigkeit,<br />
die Mitarbeiter werden auch<br />
aktiviert. Entscheidend ist jedoch, dass<br />
man die richtigen Schlüsselpersonen im<br />
Vorfeld identifiziert hat. Wie personaldiagnostische<br />
Verfahren – <strong>in</strong> diesem Fall e<strong>in</strong><br />
Interview – genutzt werden können, um<br />
den Change-Prozess e<strong>in</strong>es Unternehmens<br />
durch die Auswahl solcher Schlüsselpersonen<br />
zu unterstützen, soll folgender<br />
Fall illustrieren, der sich auf e<strong>in</strong> produzierendes<br />
und forschendes Unternehmen<br />
mit zirka 10.000 Mitarbeitern bezieht. Um<br />
sich an verändernde Marktbed<strong>in</strong>gungen<br />
und politische Rahmenbed<strong>in</strong>gungen anzupassen,<br />
wurde <strong>in</strong> dem Betrieb e<strong>in</strong>e Restrukturierung<br />
beschlossen, die das Unternehmen<br />
<strong>in</strong> mehrere prozessorientierte<br />
E<strong>in</strong>heiten unterteilt. Dabei wurde e<strong>in</strong> Vorgehen<br />
<strong>in</strong> fünf Schritten gewählt.<br />
1. Schritt: Systemdiagnose.<br />
Um die Fragen zu klären, was wann wie<br />
verändert werden soll, bietet sich im ersten<br />
Schritt e<strong>in</strong>e Systemdiagnose im Unternehmen<br />
an. Diese dient dazu, das Charakterbild<br />
e<strong>in</strong>er Organisation mit ihren<br />
Potenzialen und Defiziten auf manifester<br />
und latenter Ebene zu erfassen und bietet<br />
somit e<strong>in</strong>e Basis zur Ableitung der notwendigen<br />
Veränderungsmaßnahmen. Im<br />
vorliegenden Fall wurden zunächst 130<br />
Mitarbeiter quer durch alle Bereiche und<br />
alle Hierarchieebenen des Unternehmens<br />
<strong>in</strong> E<strong>in</strong>zel- und Gruppen<strong>in</strong>terviews befragt.<br />
Um neben Informationen zur Kultur des<br />
Unternehmens auch Relevantes über Strategie<br />
und Struktur zu erfahren, wurden<br />
diese Interviews durch e<strong>in</strong>e betriebswirtschaftliche<br />
Analyse zu e<strong>in</strong>er komplementären<br />
Systemdiagnose nach dem Muster<br />
von <strong>Königswieser</strong> ergänzt. Die Ergebnisse<br />
der Diagnose wurden nach der Rückspiegelung<br />
an die Interviewten <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en Veränderungsprozess<br />
mit mehreren Teilprojekten<br />
überführt.<br />
2. Schritt: Anforderungsanalyse.<br />
Da die durch den Change-Prozess angestrebte<br />
Organisationsstruktur weitrei-<br />
32 wirtschaft + weiterbildung 10_2011<br />
AUTOREN<br />
Adrienne Birgit<br />
Schmidtborn<br />
hat Psychologie<br />
<strong>in</strong> Hamburg und<br />
Mannheim studiert<br />
und ist nun als Organisationsberater<strong>in</strong><br />
bei Königwieser & <strong>Network</strong> tätig. Ihre<br />
Schwerpunkte s<strong>in</strong>d die Begleitung komplexer<br />
Veränderungsprojekte, Systemdiagnose<br />
und Teamentwicklung.<br />
adrienne.schmidtborn@koenigswieser.net<br />
chende Veränderungen vorsah, konnten<br />
bestehende Arbeitsplatzbeschreibungen<br />
nur erste H<strong>in</strong>weise auf die Anforderungen<br />
der Zielposition liefern. Daher wurde für<br />
die Anforderungsanalyse unter anderem<br />
auf die Ergebnisse der Systemdiagnose<br />
und dem daraus entwickelten Zukunftsbild<br />
zurückgegriffen. Neben e<strong>in</strong>er Dokumentenanalyse<br />
sowie der Analyse des<br />
bestehenden Kompetenzmodells wurden<br />
weiterh<strong>in</strong> anhand e<strong>in</strong>es teilstrukturierten<br />
Leitfadens Experten<strong>in</strong>terviews e<strong>in</strong>gesetzt<br />
und e<strong>in</strong> Critical Incident Workshop durchgeführt.<br />
Für die Def<strong>in</strong>ition der Anforderungsdimensionen<br />
wurden die erhobenen<br />
Informationen <strong>in</strong>tegriert und <strong>in</strong>sgesamt<br />
fünf Dimensionen abgeleitet, die jeweils<br />
durch spezifischere Eigenschaften und<br />
Verhaltensweisen illustriert wurden. Im<br />
S<strong>in</strong>ne der oben diskutierten allgeme<strong>in</strong>en<br />
Veränderungskompetenz fanden sich darunter<br />
auch Aspekte wie das Streben nach<br />
kont<strong>in</strong>uierlicher Verbesserung, das Zeigen<br />
von Veränderungsbereitschaft sowie Offenheit<br />
gegenüber Ansätzen, Me<strong>in</strong>ungen<br />
und Theorien. Zudem wurden auch die<br />
Aspekte Strategie und Kultur berücksichtigt<br />
und über diesen Weg jene Kandidaten<br />
für die Zielposition empfohlen, die die<br />
Werte der zukünftigen Organisation am<br />
besten verkörpern und demzufolge als<br />
Schlüsselpersonen, Vorbilder und Multiplikatoren<br />
dienen können.<br />
3. Schritt: Entscheidung für und<br />
Entwicklung der diagnostischen<br />
Instrumente.<br />
Als Diagnose<strong>in</strong>strument wurde das multimodale<br />
Interview (MMI) gewählt, e<strong>in</strong><br />
Dr. Patrick Mussel<br />
ist wissenschaftlicher<br />
Mitarbeiter <strong>in</strong><br />
der Abteilung für differentiellePsychologie,<br />
Persönlichkeitspsychologie und<br />
psychologische Diagnostik der Julius-<br />
Maximilians-Universität Würzburg. Er<br />
beschäftigt sich vor allem mit der Rolle<br />
von Persönlichkeit und Entscheidungsverhalten<br />
im organisationalen Kontext.<br />
patrick.mussel@uni-wuerzburg.de<br />
von Schuler vorgeschlagenes teilstrukturiertes<br />
Interviewsystem. Interviews zählen<br />
zu den am weitesten verbreiteten Instrumenten<br />
der <strong>in</strong>ternen <strong>Personalauswahl</strong><br />
und werden dabei sowohl von Bewerbern<br />
als auch von Anwendern am meisten<br />
geschätzt. Für die Entwicklung der e<strong>in</strong>zelnen<br />
Fragen wurde dabei unmittelbar<br />
auf die Ergebnisse des Critical Incident<br />
Workshops zurückgegriffen, <strong>in</strong>dem die<br />
dort generierten Situationen als Basis für<br />
die situativen Fragen des MMI verwendet<br />
wurden.<br />
4. Schritt: Auswahl der Führungskräfte<br />
und Schlüsselpersonen.<br />
Vor der Durchführung der Interviews wurden<br />
Interviewer und Beobachter im Rahmen<br />
e<strong>in</strong>er halbtägigen Schulung <strong>in</strong>tensiv<br />
geschult, um sie mit dem theoretischen<br />
H<strong>in</strong>tergrund des Verfahrens sowie der<br />
Handhabung des Interviewleitfadens vertraut<br />
zu machen. Im Mittelpunkt standen<br />
dabei das Stellen von freien und strukturierten<br />
Fragen sowie die Bewertung der<br />
Antworten. Für die Gespräche wurden<br />
ausschließlich <strong>in</strong>terne Kandidaten nom<strong>in</strong>iert.<br />
Das Interview wurde dabei stets<br />
von erfahrenen, externen Interviewern<br />
geführt sowie zusätzlich von e<strong>in</strong> bis zwei<br />
Mitgliedern der Steuergruppe beobachtet,<br />
um auch hier e<strong>in</strong>e Verknüpfung zum aktuell<br />
laufenden Veränderungsprozess sicherzustellen.<br />
5. Schritt: Validierung der<br />
Diagnose<strong>in</strong>strumente.<br />
Die Interviews wurden sowohl von Interviewern<br />
und Beobachtern als auch von
den Kandidaten positiv bewertet. Die Anwender<br />
hoben dabei die hohe Vergleichbarkeit,<br />
die Belastbarkeit und Tiefe der<br />
gewonnenen Information sowie die Objektivierung<br />
vorliegender Ergebnisse und<br />
Erfahrungen durch externe Berater hervor.<br />
Für das MMI zeigte sich e<strong>in</strong>e hohe<br />
Reliabilität <strong>in</strong> Form von Cronbachs Alpha<br />
(.91) sowie Interrater-Reliabilität (.88 bis<br />
.93). Alle Kandidaten erhielten e<strong>in</strong>e ausführliche<br />
Rückmeldung zu ihren Ergebnissen.<br />
In den Gesprächen wurden dabei<br />
die Stärken und Schwächen der Kandidaten<br />
thematisiert und Ansatzpunkte für<br />
Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet.<br />
Fazit<br />
Personalpsychologische Methoden der<br />
<strong>Personalauswahl</strong> können durch die Identifikation<br />
von Personen mit hoher allgeme<strong>in</strong>er<br />
Veränderungskompetenz die<br />
Weiterführende Literatur<br />
Ausgewählte Literatur. Für e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>tensivere Beschäftigung<br />
mit dem Thema bieten sich folgende Bücher an.<br />
· Baumgartner, I., Häfele, W., Schwarz, M. & Sohm, K.<br />
(2000). OE-Prozesse: Die Pr<strong>in</strong>zipien systemischer Organisationsentwicklung<br />
(6. Aufl.). Bern: Haupt.<br />
· Dlugosch, S. (2009). Nichts ist so beständig wie der<br />
Wandel – Bedeutung und Diagnostik von Veränderungskompetenz.<br />
In S. Dlugosch & A. Terörde (Hrsg.), Eignungsdiagnostik<br />
im Wandel. Gött<strong>in</strong>gen: Vandenhoeck &<br />
Ruprecht.<br />
· <strong>Königswieser</strong>, U. (2009). Zentrale Begriffe aus der Komplementärberatung:<br />
Komplementäre Systemdiagnose.<br />
journal, 4, 22.<br />
· Mussel, P., Spengler, M., Litman, J. A., & Schuler, H. (<strong>in</strong><br />
press). Development and validation of the German workrelated<br />
curiosity scale. European Journal of Psychological<br />
Assessment.<br />
· Ployhart, R. E., & Bliese, P. D. (2006). Individual adaptability<br />
(I-ADAPT) theory: Conceptualiz<strong>in</strong>g the antecedents,<br />
consequences, and measurement of <strong>in</strong>dividual differences<br />
<strong>in</strong> adaptability. In C. S. Burke, L. G. Pierce, & E.<br />
Salas (eds.) Understand<strong>in</strong>g adaptability: A prerequisite<br />
for effective performance with<strong>in</strong> complex environments<br />
(S. 3-39). Emerald Group Publish<strong>in</strong>g Limited.<br />
· Schuler, H. (2002). Das E<strong>in</strong>stellungs<strong>in</strong>terview. Gött<strong>in</strong>gen:<br />
Hogrefe.<br />
Wandlungsfähigkeit von Organisationen<br />
durchaus unterstützen, sofern sie s<strong>in</strong>nvoll<br />
<strong>in</strong> den Change-Prozess e<strong>in</strong>es Unternehmens<br />
<strong>in</strong>tegriert werden. Besonders die<br />
Führungskräfte können <strong>in</strong> diesem Kontext<br />
e<strong>in</strong>e Schlüsselrolle e<strong>in</strong>nehmen und als<br />
Vorbild fungieren, vorausgesetzt, sie weisen<br />
die gewünschten Fähigkeiten auf. Als<br />
geeignete personaldiagnostische Methoden<br />
bieten sich neben Intelligenztests und<br />
e<strong>in</strong>er breiten Palette an Selbste<strong>in</strong>schätzungsverfahren<br />
vor allem auch strukturierte<br />
Interviews an, um das Konstrukt<br />
Veränderungskompetenz zuverlässig zu<br />
messen. Das vorgestellte Praxisbeispiel<br />
zeigte <strong>in</strong> fünf Schritten, wie Methoden<br />
der System- und Anforderungsanalyse<br />
darüber h<strong>in</strong>aus helfen können, die <strong>Personalauswahl</strong><br />
und -platzierung im Rahmen<br />
e<strong>in</strong>es Change-Prozesses e<strong>in</strong>zubetten.<br />
Patrick Mussel und<br />
Adrienne Birgit Schmidtborn<br />
10_2011 wirtschaft + weiterbildung 33