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Trigonale 2010

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DAS PROGRAMM


Trigonale 2010

Das Programm

Unserem Publikum,

unseren Künstlerinnen und Künstlern

Hören

Dieter Dorner

Unser Leben war und ist geprägt vom

Hören.

Ich habe berufsbedingt immer besonders

für das Ohr gedacht, geschrieben, geredet.

Der Gehörsinn ist mit viel Geheimnisvollem und Erstaunlichem

verwoben:

Das Ohr ist das einzige Organ, das bereits vor der Geburt

seine endgültige Größe erreicht hat.

Als jeder von uns noch keinen Zentimeter groß war – schon

acht Tage nach der Befruchtung der weiblichen Eizelle –

gibt es bereits mikroskopisch kleine Ansätze zur Bildung

von Ohren.

Viereinhalb Monate später, in der Mitte der Schwangerschaft,

ist unser Hörorgan bereits fertig ausgebildet. In seiner endgültigen

Größe!

Die moderne Sterbeforschung wiederum hat erkannt, dass

der Sinn, der bei der Mehrzahl der Menschen als letzter verlischt,

der Hörsinn ist. Der Mensch »hört« auf zu sein. Das

lässt den Schluss zu: Wenn ich höre, bin ich. Das Ohr ist auch

Trigonale 2010 – Das Programm - 3 -


dem heute so überbewerteten Auge haushoch überlegen.

Es ist genauer, sensibler, schneller, leistungsfähiger und we-

niger täuschungsanfällig als das Auge. Das Ohr misst mit

mathematischer Genauigkeit, das Auge schätzt.

Um zwei aufeinander folgende Reize zu unterscheiden,

braucht das Ohr 3/1000 Sekunden. Das Auge benötigt dazu

siebenmal so lang.

Eine weitere Besonderheit: Dieses höchst komplizierte »Emp-

fangsgerät« wird vom Felsenbein geschützt, es ist das mit Abstand

härteste Knochengewebe des menschlichen Körpers!

Doch was will unser Ohr hören und wie gehen wir mit ihm

um? Alfred Tomatis, der bedeutendste französische Hörforscher

sagt, der Embryo könne das »Rauschen der Zellen«

hören. Den Klang des Seins, Klang des Lebens.

Untersuchungen der Universität Baltimore und unabhängig

davon der Züricher Universität belegen, dass junge Menschen

der westlichen Welt zwischen 20 und 25 Jahren das durchschnittliche

Hörvermögen 70-jähriger Afrikaner haben. Eine

immer lauter werdende Welt zerstört zunehmend unsere

Fähigkeit zu hören.

Deshalb ist es wesentlich darauf zu achten, was und wie wir

hören.

Hafiz, der große Poet des alten Persien, hat uns eine Legende

überliefert:

»Gott machte eine Statue aus Ton. Er formte den Ton nach seinem

Bilde. Er wollte, dass die Seele in diese Statue eingehe.

Aber die Seele wollte nicht gefangen sein. Denn es liegt in ihrer

Natur, dass sie fliegend ist und frei. Sie will nicht begrenzt und

gebunden sein. Der Körper ist ein Gefängnis und die Seele woll-

te dieses Gefängnis nicht betreten. Da bat Gott seine Engel,

Musik zu spielen. Und als die Engel spielten, wurde die Seele

ekstatisch bewegt. Sie wollte die Musik noch klarer und unmittelbarer

erfahren und deshalb betrat sie den Körper.«

Und in einem anderen Kulturkreis wird von Gott Brahma

erzählt: Er meditierte hunderttausend Jahre, das Ergebnis

war die Erschaffung von Klang und Musik.

Es gibt keine Kultur, die nicht erfahren hat: Musik ist Lobgesang!

Musik ist wie die Rose des Angelus Silesius. »Sie blühet, weil

sie blüht.«

Dieter Dorner

- 4 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 5 -


Vorworte Artistic Advisors

Bjarte Eike

In den letzten Jahren habe ich mich ausgiebig

mit einer bestimmten Epoche des

Londoner Musiklebens beschäftigt. Einer

Zeit, in der professionelle Musiker durch

die Straßen zogen, ohne einen Spielort

für ihre Musik zu finden, weil sämtliche

Theater geschlossen waren und das Geldverdienen mit Musik

verboten war. Ich sehe diese Gestalten mit ihren grauen

Umhängen vor mir, wie sie ihre Instrumente versteckten,

um sie vor Regen und Wind zu schützen – aber auch, um

Auseinandersetzungen mit der Polizei zu vermeiden – und

wie sie dann in die städtischen Tavernen und Alehäuser

weiterzogen, um Freunde zu treffen, zu trinken und vor

allem zu musizieren und zu singen. Die Treffen professioneller

Musiker wurden so beliebt, dass manche dieser Orte

zu so genannten »musick-houses« und damit zu den ersten

öffentlichen Konzertsälen in der Geschichte der westlichen

Musik wurden.

An diesen Orten muss eine unglaubliche Atmosphäre geherrscht

haben – eine Mischung aus Musik, Alkohol, Eros,

Klatsch, Streit, Rauch, Geschrei, Singen, Lachen und Tanzen…

Wie aber kann es gelingen, dies in unserer saubergewaschenen,

durchgeplanten, digitalisierten, gesundheitsbesessenen

und gewerkschaftlich organisierten Gesellschaft

auch nur ansatzweise wiederzugeben?

Nun, hierzu bedarf es zunächst einer Gruppe erfahrener Mu-

siker und Sänger, die man ein vollständiges seriöses Konzert-

programm spielen lässt. Im Anschluss daran serviere man den

Künstlern alkoholische Getränke in ausreichender Menge

und bitte sie dann, ein zweites Konzert zu geben, bestehend

aus hochgradig unterhaltsamen, berührenden, schönen, rauhen

und virtuosen Stücken im Stil der Folk Music.

Wenn nun auch noch dem Publikum Bier und Wein kredenzt

werden und ihm erlaubt wird, sich am Konzert zu be-

teiligen, befinden wir uns inmitten einer Szenerie, die wohl

eher an ein Alehouse des 17. Jahrhunderts als an die heutigen

Konzertsäle mit ihrer sterilen und formalen Atmosphäre

erinnert.

Jedenfalls freue ich mich sehr darauf, mein Projekt »An Ale-

house Session« erstmals in Österreich präsentieren zu können.

Bjarte Eike

- 6 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 7 -


Vorworte Artistic Advisors

Robert Hollingworth

Was hilft einem Musiker, morgens aus

dem Bett zu kommen?

1. der »Ruf der Entrüstung«. Dieser ereilt

Sie möglicherweise am Morgen nach

einem Konzert im Ausland. Vielleicht haben

Sie anschließend noch ein paar Drinks

zu sich genommen und sind schließlich um 1 Uhr nachts ins

Bett gegangen (nachdem Sie am Tag zuvor schon um 4.30

Uhr aufstehen mussten, um Ihren Flug nicht zu verpassen).

Kein Wunder, dass Sie am nächsten Morgen Ihren Wecker

überhören. Der »Ruf der Entrüstung« ist der prompt folgende

Anruf von der Hotelrezeption, um Ihnen mitzuteilen,

dass alle anderen schon im Bus zum Flughafen sitzen und nur

noch auf Sie warten ...

2. die Befürchtung, eine Mahlzeit zu verpassen.

3. Musik.

Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik. Diejenigen unter

uns, die das Glück haben, damit ihren Lebensunterhalt zu ver-

dienen, möchten deshalb nur vollkommene Musik spielen.

»Dafür würde ich morgens aufstehen« ist in gewissen Kreisen

eine Umschreibung für ein gutes Musikstück, ein Stück mit

dem »Ooh«-Faktor, das ein Kribbeln auslöst und den Wunsch

weckt, es bis in alle Ewigkeit zu proben. Ob es stimmt, dass

Ihnen dies bei Musik aus Ihrem Heimatland eher widerfährt,

mag ein lohnendes Thema für eine Doktorarbeit sein ...

Die Musik, die ich für das diesjährige Festival ausgewählt

habe, ist jedenfalls ausnahmslos englisch und entspricht unserem

Lebensgefühl perfekt.

Das erste Programm von I Fagiolini zeigt das Zusammenspiel

zwischen der englischen Melancholie im frühen 17. Jh.

und dem deskriptiven, klangvollen Stil Italiens. Es ist eine

Musik, deren Einfluss auf Purcell zwei Generationen später

offenkundig ist. Obwohl seine unmittelbaren Vorbilder zeit-

genössische italienische und französische Werke waren, ent-

fernte Purcell sich nie weit von der Kirche. Das kirchliche

Repertoire des 16. und frühen 17. Jhs. (vor dem Bürgerkrieg)

war ihm geistige Heimat, insbesondere die Musik von Byrd

und Gibbons, was auch in den Streichersinfonien und Interludien,

die seine Odes und Anthems zu einem wahren Hörgenuss

machen, deutlich wird.

Wir freuen uns, in diesem Jahr mit unseren skandinavischen

Partnern von Barokksolistene zusammenarbeiten zu können.

Bislang haben wir bereits Monteverdi und Bach mit ihnen

gesungen. Ihre Leidenschaft fürs Detail und ihr besonderes

Gespür werden sich auch bei Purcell bewähren. Dies

gilt vor allem für das Programm »Welcome to all the pleasures«.

Was hingegen die »Alehouse-Session« betrifft: Hierfür

übernehme ich keinerlei Garantie und verweise Sie vorsorglich

an meine Anwälte. Robert Hollingworth

- 8 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 9 -


Vorworte Artistic Advisors

Enrico Onofri

Die Einladung nach St. Veit als Dirigent

von Harmony of Nations freut mich wirklich

sehr. Die trigonale bietet immer wieder

eine Gelegenheit, Musik anders zu

erleben als auf sonstigen Festivals ...

Daher wird sich auch das Programm, das ich dirigieren werde

und das speziell für die trigonale gestaltet wurde, von unseren

üblichen Programmen unterscheiden.

Unser Konzert bringt Musiker zusammen, mit denen ich

gerne spiele (zwei sehr spezielle Sänger und ein junges Orchester,

das ich in den letzten Jahren während meiner Arbeit

mit dem Barockorchester der Europäischen Union kennengelernt

habe). Musikalischer Erfahrungsaustausch und die gemeinsame

Liebe zur Barockmusik gehen dabei eine gelungene

Verbindung ein.

Viel Vergnügen!

Enrico Onofri

Vorworte Artistic Advisors

Konrad Junghänel

Vom Wort zur Stimme, von der Stimme

zum Klang, vom Klang zum Ausdruck –

hier schließt sich ein magischer Kreis, der

die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert

und berührt. Eine besondere Anziehungs-

kraft strahlen jene aus, denen es gelingt,

als versierte Techniker und charismatische Persönlichkeiten

den vielleicht beglückendsten Fall in der Musik als Kunst

eintreten zu lassen: dann nämlich, wenn die Virtuosität der

Komposition zum Geist spricht und die dahinter stehenden

menschlichen Leidenschaften – sei es Lieb' oder Leid – ins

Herz treffen.

In diesem Sinne habe ich mit Vergnügen die Bitte der trigonale

aufgenommen, dem Festival als »künstlerischer Berater«

zur Verfügung zu stehen. Die eigene musikalische

Erfahrung, speziell auf dem Gebiet vokaler Musik, hat hierbei

sicher meinen Beitrag geprägt. Ich sehe ihn als eine

Kommentierung mit dem Ziel, den Besuchern der trigonale

mögen viele der gehörten Konzerte in beglückender Erinnerung

bleiben: als musikalische Freuden und bewegende

Erlebnisse.

Konrad Junghänel

- 10 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 11 -


Trigonale Festival der Alten Musik

Dank!

Susanne Ansorg. Ulrike Baumgartner. Claudia

Caffagni. Horst Danner. Kristin Deeken.

Harald Dobernig. Bjarte Eike. Marianne

Fischer. Jutta Frank. Heidi Freithofnig.

Familie Goëss. Albrecht Haller. Gerda Heger.

Edith Heilig. Erwin Hirtenfelder. Robert

Hollingworth. Anne Hooss. Winfried Horn.

Manfred Huditz. Konrad Junghänel. Aurelia

und Cäcilia Kegley. Christina Kogler. Anita

und Stephan Koranyi. Bernhard Kreuter.

Joachim Kronawetter. Felix Kucher. Christian

Lehner. Almut Lenz-Konrad. Andrea Lexer.

Irina Lino. Uschi Loigge. Josef Martinz.

Eva-Maria Maurer. Gerhard Mock.

Michaela Monschein. Karl-Heinz Müller.

Josef Nadrag. Ernst Nickles. Seppi Ofner.

Gernot Ogris. Enrico Onofri. Sebastian Pank.

Franco Pavan. Libby Percival. Werner Pietsch.

Esther Planton. Christoph Prendl. Martin

Pühringer. Rudi Rattenberger. Peter

Rauchenwald. Linde Rainer. Nicole Richter.

Marion Rothschopf. Rebeka Rusó. Christine

Sadjina. Edgar Sallager. Konrad Seunig. Maja

Schlatte. Elisabeth Schleicher. Claudia

Schmied. Anton Schmidt. Verena Schneider.

Dietmar Schüle. Josef und Elfriede Schweiger.

Ursula Simek. Hans Slamanig. Hopkinson

Smith. Karin Sonnleitner. Rebecca Sparkes.

Iris Staudacher. Marcus Stäbler. Gotho

Stromberger. Franz Sturm. Helga Suppan.

Guenther M. Trauhsnig. Walter Vonbank.

Fani Vovoni. Armin Wagner. Ernst Wallisch.

Martin Wiedenbauer. Clare Wilkinson.

Peter Wollny. Maria Zlanabitnig.

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Stefan Schweiger, Leiter der trigonale

- 12 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 13 -


- 14 - Trigonale 2010 – Das Programm

Seite | Konzerte

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Harmony of Nations Baroque Orchestra

Mikado & Quadriga Consort

Bella Discordia

Trio Mediæval

Austrian Baroque Company & Chris Pichler

Rebeka Rusó

the royal wind music

I Fagiolini

I Fagiolini & Barokksolistene

Barocksolisten München

Kristin & Hans von der Goltz

Hopkinson Smith

Cantus Cölln

Präsentationskonzert 2011

Trigonale 2010 – Das Programm - 15 -

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Freitag, 10.09., 19.00 Uhr

Rathaus St. Veit

1 1

Eröffnungskonzert –

An Italian »Accademia« in London

Harmony Of Nations Baroque Orchestra

Hinojosa Montenegro, Onofri, Oro

Enrico Onofri: Leitung, Solo-Violine

Maria Hinojosa Montenegro: Sopran

Martín Oro: Countertenor

Erste Violine:

Bárbara Barros

Johannes Heim

Katarina Bengtson

Huw Daniel

Zweite Violine:

Fani Vovoni

Kristin Deeken

Clara Mühlethaler

Sara Mosetti

Gregor Reinberg

Magdalena Malecka, Lothar Haass: Viola

Lucy Scotchmer, Gyöngy Erödi: Cello

Josep Domènech Lafont, Andreas Helm: Oboe

Riccardo Coelati: Kontrabass

Raphael Collignon: Cembalo

Franco Pavan: Theorbe

Katrin Lazar: Fagott

- 16 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 17 -


Einleitung

Die Accademia im Barock

Einzelne Sätze aus Händels Concerti Grossi Op.6 dienen als

1 Introduktionen zu vokalen Arien aus geistlichen und weltli- 1

Im 18. Jahrhundert erfreuten sich Aufführungen unter der

chen Werken, insbesondere aus Händels Oper Giulio Cesare,

Bezeichnung »Accademia« in den meisten europäischen

sowie auch aus Oratorien wie Il Trionfo del tempo e del dis-

Ländern großer Beliebtheit. Die Accademias wurden von

inganno (ein Werk, das Händel in Rom für die Musiker und

musikbegeisterten reichen Bürgern oder Adligen gefördert,

Sänger um Corelli komponierte) und aus dem wunderbaren

wobei es sich zumeist um private Aufführungen für ein zah-

Caldara-Oratorium Maddalena ai piedi di Cristo. So soll eine

lendes Publikum handelte.

Die Programme der Accademias unterschieden sich grund-

Art vokaler bzw. instrumentaler Pastiche entstehen, in dem

die unterschiedlichsten »affetti« vertreten sind.

legend von den Konzerten, an die wir heute gewöhnt sind:

Den Abschluss bilden in jedem Teil virtuose Instrumental-

Sie beinhalteten eine Mischung einzelner Sätze aus verschie-

stücke wie das Violinkonzert Il Grosso Mogul von Vival-

denen Werken eines oder mehrerer Komponisten, die stidi

oder Geminianis Follia: Vivaldis Grosso Mogul war urlistisch

miteinander nicht in Bezug standen. In den meisten

sprünglich wahrscheinlich anlässlich der Jahresfeier der

Fällen nutzten Komponisten solche Aufführungen, um dem

Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 komponiert worden,

Publikum ihre neuen Stücke vorzustellen oder die Kunstfer-

in der die Venezianer die Flotte des türkischen Imperiums

tigkeit der Interpreten hervorzuheben.

besiegten und so das Ende der türkischen Vorherrschaft im

Mittelmeer einleiteten. Aus diesem Grund knüpft der Stil

Mich haben die alten Accademias beim Zusammenstellen

dieses Concerto – insbesondere im zweiten Satz – unmit-

des Programmes für das diesjährige trigonale-Eröffnungstelbar

an die Musiktradition Osteuropas und des Balkans

konzert inspiriert. Das Thema der italienischen Musik dien-

an. Der Titel 'Grosso Mogul' wurde vermutlich erst später

te mir dabei als roter Faden, selbst wenn einer der Kom-

hinzugefügt, da sich das Werk nicht direkt auf das Osmaniponisten

in diesem Programm (Händel) kein Italiener war.

sche Reich bezieht, sondern im allgemeineren Sinn auf den

Dennoch zählen viele seiner Werke zu den besten Stücken

gesamten asiatischen und islamischen Kulturraum (die Mo-

im italienischen Stil, die je komponiert wurden!

gule waren zu Vivaldis Lebzeiten muslimische Kaiser, die

den größten Teil Indiens beherrschten).

- 18 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 19 -


Geminianis Follia (die den Abschluss der Accademia bildet)

kann als Hommage des toskanischen Violinisten an seinen

Programm

Lehrmeister Arcangelo Corelli betrachtet werden: Bei diesem

G. F. Händel

1 Stück handelt es sich um eine Bearbeitung der berühmten

(1685 – 1759)

1

Follia für Violine solo und Continuo, die Corelli 1700 als letz-

1. Sinfonia – aus Concerto op. 6 n.1

tes Stück seines revolutionären Opus V schrieb. Wahrlich

A tempo giusto – Allegro – Adagio,

ein musikalischer Genuss!

2. Se pietà – aus Giulio Cesare

Enrico Onofri

Übersetzung: Almut Lenz-Konrad

soprano aria

3. Sinfonia – aus Concerto op.6 n.8

Adagio

4. Empio dirò tu sei – aus Giulio Cesare

alto aria

5. Sinfonia – aus Concerto op.6 n.3

Larghetto

6. Da tempeste – aus Giulio Cesare

soprano aria

A. Caldara

(1670 – 1736)

7. Da quel strale che stilla veleno

Aus: Maddalena ai piedi di Cristo

alto aria

8a. Padre del cielo

Aus: Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

Recitativo

8b. Tu del ciel ministro eletto

soprano aria

- 20 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 21 -


1

A. Vivaldi

(1678 – 1741)

9. Concerto für solo violine,

Streicher und Basso Continuo

Grosso Mogul

Allegro – Grave recitativo – Allegro

1

Pause

G. F. Händel

10. Sinfonia aus Concerto Op.6 n.2

Andante Larghetto – Allegro

11. Al lampo dell'armi aus Giulio Cesare

alto aria

12. Entr'acte aus Concerto Op.6 n.10

Allegro moderato

13a. Orsù, giacché ostinato

Aus: Il Duello Amoroso

Recitativo a 2

13b. Si si, lasciami

soprano, alto duo

F. S. Geminiani

(ca. 1680 – 1762)

14. Concerto grosso – La Follia

Aus: Corelli's Op. V n.12

- 22 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 23 -


Texte

2. Se pietà – aus Giulio Cesare

2. Se pietà – aus Giulio Cesare

1 1

Soprano Aria

Sopran

Se pietà di me non senti,

giusto ciel, io morirò.

Tu da' pace a' miei tormenti,

o quest'alma spirerò.

4. Empio dirò tu sei – aus Giulio Cesare

Alto Aria

Empio, dirò, tu sei;

togliti agli occhi miei,

sei tutto crudeltà.

Non è di re quel cor,

che donasi al rigor,

che in sen non ha pietà.

Wenn du dich meiner nicht erbarmst,

gerechter Himmel, werde ich sterben.

Gib Frieden meinen Qualen,

oder ich werde diese Seele aushauchen!

4. Empio dirò tu sei – aus Giulio Cesare

Alt, Arie

Ruchlos, werde ich sagen, bist du,

geh mir aus den Augen,

du bist Grausamkeit ganz und gar!

Nicht eines Königs ist ein Herz,

das sich der Härte hingibt,

das im Busen kein Erbarmen hat.

- 24 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 25 -


6. Da tempeste – aus Giulio Cesare

Soprano Aria

Sopran, Arie

1 1

Da tempeste il legno infranto,

Wenn von Unwettern zertrümmert das Schiff

se poi salvo giunge in porto,

sich in den Hafen gerettet hat,

non sa più che desiar.

ist es wunschlos.

Così il cor tra pene e pianto,

So macht das Herz in Leid und Tränen,

or che trova il suo conforto,

wenn es seinen Trost findet,

torna l'anima a bear.

das Gemüt glückselig.

7. Da quel strale che stilla veleno –

aus Maddalena ai piedi di Cristo

Alto Aria

Da quel strale che stilla veleno

Beve l'alma un sol cieco furor.

Ma se il cielo con bella pietade

Di quel strale scopre il male

Sol rimane nell'alma il dolor.

6. Da tempeste – aus Giulio Cesare

7. Da quel strale che stilla veleno –

aus: Caldara, Magdalena zu Füßen Christi

Alt, Arie

Von jenem Pfeil, der Gift einflößt,

trinkt die Seele nur blinde Wut.

Doch wenn der Himmel aus lauterem Erbarmen

das Unheilvolle jenes Pfeils enthüllt,

bleibt in der Seele nur der Schmerz zurück.

- 26 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 27 -


8a. Pure del cielo

aus Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

1 Recitativo

Recitativ

1

Pure del Cielo intelligenze eterne,

che vera scuola a ben amare aprite,

udite, angeli, udite il pianto mio.

E se la Verità dal Sole eterno

tragge luce immortale, e a me lo scopre,

fate che al gran desio rispondan l'opre.

8b. Tu del ciel ministro eletto

Soprano Aria

Tu del Ciel ministro eletto

non vedrai più mio petto,

voglia infida, o vano ardor.

E se vissi ingrata a Dio

tu custode del cor mio

a lui porta il nuovo cor!

8a. Pure del cielo

aus Händel, Der Triumph der Zeit und der Enttäuschung

Des Himmels Geister, ewig reine,

die Ihr rechter Liebe wahre Schule öffnet,

hört, Engel, hört mein Klagen!

Und wenn die WAHRHEIT aus der ewigen SONNE

unsterbliches Licht schöpft und mir enthüllt,

dann lasst dem heftigen Begehren die Taten entsprechen!

8b. Tu del ciel ministro eletto

Sopran, Arie

Du, des Himmels auserwählter Minister,

wirst meinen Busen nicht mehr sehen,

treuloses Verlangen, oder eitle Leidenschaft.

Und habe ich Gott gegenüber undankbar gelebt,

dann bring du, Hüter meines Herzens,

ihm das neue Herz!

- 28 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 29 -


11. Al lampo dell'armi aus Giulio Cesare

Alto Aria

Alt, Arie

1 1

Al lampo dell'armi

Im Blitzen der Waffen

quell'alma guerriera

wird diese streitbare Seele

vendetta farà.

Rache üben.

Non fia che disarmi

Nichts mag die kampfbereite

la destra guerriera

Rechte entwaffnen,

che forza le da.

die ihr Kraft verleiht!

13a. Orsù, giacché ostinato

aus Il Duello Amoroso

Recitativo

Amarilli

Or su, già che ostinato

Oscurar d'onore il pregio,

il core trapassami col ferro;

e poi, crudele, di questo sen fedele,

di cui non curi il tormentoso affanno,

renditi pure a tuo piacer tiranno!

11. Al lampo dell'armi aus Giulio Cesare

13a. Orsù, giacché ostinato

aus Händel, Das Liebesduell

Recitativ

Amarilli

Los, jetzt, da du schon darauf bestehst,

mit der Frage der Ehre mein Ansehen zu schmälern,

durchbohr' mir das Herz mit dem Eisen!

Und dann, Grausamer, wende dich ruhig

deinem Vergnügen an diesem treuen Busen zu,

dessen quälenden Schmerz du missachtest, Tyrann!

- 30 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 31 -


Daliso

Daliso

Come? Amarilli? Oh Dio, dunque…

Wie? Amarilli? O Gott, du willst also…

Amarilli

Amarilli

1 Non più; desio

Nicht mehr; ich wünsche

1

l'empia voglia saziar

das schändliche Begehren, das dich quält,

che ti tormenta;

zu stillen.

Barbaro! Su, che fai?

Unmensch! Los! Was machst du?

Prendi lo strale e in questo sen l'avventa.

Nimm doch den Pfeil und schleudere ihn in diesen Busen!

Daliso

Daliso

Vincesti, ah sì, vincesti, ora ti chiedo

Du hast gesiegt, ach ja, du hast gesiegt; ich bitte dich jetzt

pietade all'error grave;

um Erbarmen mit der schweren Verfehlung:

alma che di penar tu sempre accesa

ein Gemüt, das ständig du entflammst zu leiden,

già sitibonda aspetta

dürstet schon

giusto risentimento all'alta offesa.

nach dem gerechten Groll für die tiefe Kränkung.

Amarilli

Amarilli

Ecco giunge opportuno

Sieh, da kommt gerade zurecht

Silvano il mio buon Padre; or sappi,

Silvano, mein gütiger VATER: So wisse denn,

amico semplicetto Pastore,

einfältiger Freund HIRTE,

che tu credendo a lusinghieri detti

dass du, falls du Schmeichelworten glauben solltest,

dal mio timore usato

zermürbt von meiner Furchtsamkeit,

perder Esti il tempo ed il piacer bramato.

Zeit und das ersehnte Vergnügen verlieren würdest.

- 32 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 33 -


13b. Si si, lasciami

13b. Si si, lasciami

duo

Duett

1 1

Daliso

Daliso

Sì, sì, lasciami ingrata,

Ja, ja, laß mich, Undankbare,

ma pria rendimi il cor.

zuvor aber gib mir das Herz zurück!

Sei tu selce spietata,

Du bist erbarmungsloser Stein,

priva di senso e ardor.

gefühllos und kaltherzig.

Amarilli

Amarilli

Su, su, restati in pace

Auf, auf, gib Frieden,

Né più chiedermi Amor;

und bitte mich nicht mehr um LIEBE!

No, non hai tu la face

Nein, du hast nicht die Fackel,

Per accender ardor

um Glut zu entfachen.

Amarilli e Daliso a due

Amarilli und Daliso zu zweit

Daliso

Daliso

Sì, sì, etc.

Ja, ja, etc.

Amarilli

Amarilli

Su, su, etc.

Auf, auf, etc.

Übersetzung: Edgar Sallager

- 34 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 35 -


Harmony of Nations Baroque Orchestra

Der Barockgeiger Enrico Onofri

wurde 1967 in Ravenna geboren. Beheißt

das junge, multinationale Ensemble aus gutem Grund.

reits während des Studiums verpflichte-

1 In aller Welt zuhause haben sich die Musiker in diesem Or-

te ihn J. Savall als Konzertmeister von 1

chester eine musikalische Heimat geschaffen, die sich auf

La Capella Reial. Seit 1987 ist er auch

harmonische Zusammenarbeit, Offenheit und Spielfreude

Konzertmeister und Solist von Il Giardi-

gründet.

no Armonico, außerdem arbeitet er regelmäßig mit Ensembles

wie Concentus Musicus Wien, Ensemble Mosaiques und

Seit seinem Debut 2005 etablierte sich das Ensemble bei

Concerto Italiano sowie mit Cecilia Bartoli.

internationalen Musikfestivals in Frankreich, Großbritan-

Enrico ist Gründer und Leiter des 2000 ins Leben gerufenen

nien, Schweden, Belgien, Kroatien, Deutschland und Ös-

Ensembles Imaginarium, ab 2002 erfolgten auch immer wieterreich

und kehrt dieses Jahr zum dritten Mal zur trigonale

der Einladungen als Dirigent zu internationalen Festspielen

zurück.

in Europa und Japan.

Seine Laufbahn als Dirigent begann 2002 und fand bald den

Seine erste CD »Les caractères de la danse« (erschienen

Beifall der Kritik; so erhielt er Einladungen von Orchestern

bei Raumklang) nahm das Orchester gemeinsam mit dem

und Festivals in ganz Europa sowie in Japan. Seit 2005 ist er

italienischen Oboenvirtuosen Alfredo Bernardini auf. Eine

Chefdirigent von Divino Sospiro (residierendes Barockor-

zweite CD mit Werken von Bach unter der musikalischen

chester am Centro Cultural de Belém in Lissabon).

Direktion von Laurence Cummings (Cembalo) wird voraus-

Viele seiner Aufnahmen wurden mit internationalen Preisen

sichtlich 2011 erscheinen.

ausgezeichnet. Er unterrichtet Barockvioline und Historische

Aufführungspraxis am Conservatorio Bellini in Palermo,

darüber hinaus gibt er regelmäßig Meisterkurse im In- und

Ausland. Enrico Onofri ist auch Tutor des EUBO (European

Union Baroque Orchestra). www.enricoonofri.com

- 36 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 37 -


Die Sopranistin Maria Hinojosa wur-

Martín Oro, Kontratenor Alt, wurde

de in Sabadell, Spanien, geboren und gra-

in Buenos Aires geboren und stammt aus

duierte mit Auszeichnung an der School

einer italienischen Musikerfamilie.

1 of Music of Catalonia (ESMUC). Ihre ers-

Hochgeschätzt für seine warme, natürli- 1

ten Bühnenerfahrungen sammelte sie im

che und kraftvolle Altstimme ist der ar-

Alter von 16 Jahren als Hauptdarstellerin

gentinisch-schweizerische Countertenor

in mehr als 20 Zarzuelas. »Zarzuela« ist die Bezeichnung für

eine typisch spanische Gattung des Musiktheaters, die einige

in bedeutenden Musikzentren aufgetreten.

Ähnlichkeit mit der französischen »Opéra comique« oder

Er sang unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt, Marc

der Operette hat. Neben ihrer Zusammenarbeit mit Ensemb-

Minkowski, Rinaldo Alessandrini, Alessandro de Marchi,

les wie Le Parlement de Musique, Al Ayre Español, Des Honnes-

Jean-Christophe Spinosi, Philippe Herreweghe, Christophe

tes Curieux, Elyma, Concerto Italiano, Accademia Bizantina,

Rousset, René Jacobs, Jordi Savall, und anderen; mit illus-

Le Tendre Amour und La Capella Mediterránea nahm sie auch

tren Kollegen wie Cecilia Bartoli, Philippe Jaroussky, Emma

zahlreiche Opern und Zarzuelas für die Labels Harmonia

Mundi und K 617 auf; eine Aufnahme mit einer Auswahl

Kirkby, Sara Mingardo u. a.

von Werken des katalanischen Komponisten Joan Guinjoan

Zu den zahlreichen Opernpartien, die er interpretiert hat,

ist in Planung.

zählen Ottone, Arnalta, Nutrice, Anfinomo und Pastore in

In folgenden Produktionen wird sie zukünftig zu hören sein:

Monteverdis »Orfeo«, »Ulisse« und »Poppea« (Scala di Mi-

El dúo de la Africana (Buenos Aires), die von L. Cunillés Oper

lano, Opernhaus Zürich, Opéra de Bordeaux, Teatro Mas-

La Pajarera Catalana (Teatre Lliure, Barcelona), A. Vivalsimo,

Palermo, Teatro Avenida, Buenos Aires); Artemis in

dis Oratorium Juditha triumphans (Venedig, unter Ottavio

Henzes »Fedra« und Tiresia in Fedeles »Antigone« (Teatro

Dantone), W. A. Mozarts Don Giovanni (Oviedo), S. Pro-

Comunale e Teatro Goldoni, Maggio Musicale Fiorentino),

kofievs The Gambler (Gran Teatre del Liceu, Barcelona), H.

Orlando in Händels »Orlando« (Theater Biel), Tolomeo, Ni-

Purcells Dido and Aeneas (Lausanne Opera) sowie V. Martín

reno. Giulio Cesare und Joad in Händel's »G. Cesare« und

y Soler Una cosa rara (Palau de les Arts, Valencia).

»Athalia« (Opernhaus Zürich, Stadttheater Bern, Teatro Colón,

Buenos Aires), Tisaferno, Grifone und Aristea in Vivaldis

»Orlando Finto Pazzo«, »L'Olimpiade« und »Armida«

(Théâtre des Champs-Elysées, Teatro Regio, Torino, Theater

an der Wien), Alcandro in Pergolesis »L’olimpiade« (Innsbruck

Landestheater).

- 38 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 39 -


Er hat zahlreiche CDs aufgenommen und ist als international

bedeutender Kontratenor mit dem »Premio Velluti«

in Italien, sowie in der Schweiz mit dem »Network Kulturpreis«

ausgezeichnet worden. www.martinoro.ch

Der italienische Lautenist und Theorbist

Franco Pavan schloss sein Studium

der Laute und Musikwissenschaft in Mailand

mit summa cum laude ab und ist seither

mit den wichtigsten italienischen Ensembles

im Bereich der Alten Musik, wie

Concerto Italiano, Accordone, La Cappella della Pietà dei

Turchini, La Risonanza, La Venexiana sowie mit dem Londoner

Ensemble Trinity Baroque aufgetreten. Er arbeitet mit

namhaften Dirigenten wie Rinaldo Alessandrini, Enrico Gatti,

Alan Curtis, Julian Podger, Roberto Gini, Antonio Florio,

Alessandro Ciccolini und Claudio Cavina zusammen und hat

in den bedeutendsten Konzerthäusern weltweit gastiert (u. a.

Konzert haus und Musikverein Wien, Konzerthaus Berlin, Cité de

la Musique, Paris, Auditorio Nacional, Madrid, Teatro Colon,

Buenos Aires, Toppan Hall, Tokyo). Weiters ist er in Uruguay,

Chile, Mexi ko, Kolumbien, Brasilien, China, Ägypten und

Marokko aufgetreten.

Franco Pavan hat über 40 CDs aufgenommen (u.a. mit den

Platten firmen Opus 111, Emi und Virgin, Glossa, Cyprès,

Cantus, Alpha) und Preise, wie den Gramophon Award, Diapason

d'Or oder Premio Vivaldi della Fondazione Cini (Venedig)

gewonnen. Weiters hat er Aufnahmen für zahlreiche

europäische und internationale Radio- und Fernsehsender

eingespielt. Seine Soloaufnahme »Le Mouton Fabuleux« gewann

den Premio del Disco Amadeus 2009.

Er unterrichtet die Fächer Laute und Kammermusik für hi-

1 storische Musikinstrumente am Konservatorium E. F. Dall' 1

Abaco in Verona und schrieb musikwissenschaftliche Artikel

über die Geschichte der Laute und die Musik des frühen 17.

Jahrhunderts sowie eine Abhand lung über neue Dokumente

zu Monteverdi und Carlo Gesualdo. Er hat an der neuen Ausgabe

des »New Grove Dictionary of Music and Musicians«

und an der Enzyklopädie »Die Musik in Geschichte und

Gegenwart« mitgearbeitet. Er ist Mitglied des Re daktionskomitees

des »Journal of the Lute Society of America«.

Übersetzung: Elisabeth Schleicher

- 40 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 41 -


Autogramme

1 1

- 42 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 43 -


Samstag, 11.09., 19.00 Uhr

Rathaus St. Veit

The High Art

of English Popular Music

Ensemble Mikado

2 2

Theresa Dlouhy: Sopran

Thomas List: Blockflöte

Katharina Lugmayr: Blockflöte

Maja Osojnik: Blockflöte

Eva Reiter: Blockflöte & Viola da Gamba

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

Quadriga Consort

Elisabeth Kaplan: Gesang

Angelika Huemer: Blockflöte, Viola da Gamba

Karin Silldorff: Blockflöte

Dominika Teufel: Viola da Gamba

Peter Trefflinger: Barockcello

Laurenz Schiffermüller: historische Trommeln

Nikolaus Newerkla: Leitung, Cembalo

Einleitung

England im 16. und 17. Jahrhundert: hier die »hohe« Kunst,

die in Kirchen und bei Hofe gepflegt wurde: dort die ein-

gängigen Gesänge und Tanzlieder des Volkes. Ein Span-

nungsfeld mit ungeahnten Berührungspunkten.

Wenn die international erfolgreichen Ensembles Mikado

und Quadriga Consort exklusiv für die trigonale aufeinandertreffen,

ist ein Konzert voll Emotion, Spannung und Pop-

Appeal garantiert.

- 44 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 45 -


The High Art of English Popular Music

dass jenseits der fundamentalen Kritik einiger Hohepriester

der Alten Musik die Musik selbst im Zentrum steht und ste-

Wohl selten hat eine CD-Neuerscheinung im Bereich der

hen sollte – und damit offen ist: nicht für alle, aber für sehr

Alten Musik soviel Staub aufgewirbelt wie jene 2006 er-

viele Lesarten aus unterschiedlichen Richtungen, Perspekschienene

Dowland-Interpretation »Songs from the Labytiven

und Zeiten.

2 rinth« des bis dahin ausschließlich aus dem Popmusikbe-

2

reich bekannten Sängers Sting. Was auch immer man von

Genau aus dieser Haltung heraus sieht Mikado ganz beson-

dieser Aufnahme in Hinblick auf Kategorien wie »Historiders

diesem Konzertprojekt mit dem Quadriga Consort mit

sche Aufführungspraxis« oder »Stilistik« denken mag, man

großer Freude entgegen, da es viele Fragen und Themen

wird dennoch zugeben müssen, dass – selbst nachdem die-

aufwirft und hörbar macht – Fragen, die auch innerhalb der

se vier Jahrhunderte alten Lautenlieder und Consortsongs

Arbeit bei allen anderen Projekten unseres Ensembles eine

bereits vielfach von den best geschulten Interpreten eingespielt

wurden – Dowland jetzt erst durch die Sting'sche Auf-

wichtige Rolle spielen.

führungsweise einen bisher unerreichten Bekanntheits- und

Das Repertoire und die »klassische Herkunft« des Ensemble

Beliebtheitsgrad erfuhr. Dass Sting den englischen Renais-

Mikado sind vorderhand nicht zuletzt durch die Besetzung

sance-Komponisten als eine Art »Urvater der europäischen

Stimme und Instrumental-Consort klar definiert: Im Fokus

Singer-Songwriter« ansieht, erscheint gar nicht einmal so

steht eine ausgewählte Musik der bedeutenden Blütezeit der

vermessen: John Dowland, ein klassischer Vertreter der ho-

englischen Renaissance im Zeitalter Elisabeths I. Das englihen

Kunst der polyphon komponierten, notierten Musik,

sche Madrigal befindet sich in dieser Periode auf dem Gipfel-

schreibt in seinen Liedern über zeitlos populäre Themen

punkt seiner Entwicklung. Zu den weiteren typischen Gatwie

Liebe, Melancholie, Lebenslust und Todessehnsucht.

tungen zählen Kanzonetten, die beliebten englischen Sololieder

mit Lautenbegleitung, Stücke für Lyra Viol (solo oder

Sicherlich war die höfische Kunstmusik eine ganz andere als

auch als Liedbegleitung), Ayres in textgebundener, schlichdie

des »einfachen« Volkes, dennoch waren die Grenzen in

ter Melodik und ihrem natürlichen rhythmischen Fluss sovielen

Genrebereichen der Musik eher fließend und dadurch

wie zahlreiche Fantasien, Consortsongs und schließlich unundeutlich.

Wer ausschließlich in den Kategorien »high art«

zählige mehr oder weniger schlicht-homophone Tanzsätze.

versus »pop(ular)« denkt und hört, hat vermutlich schon

Zu den ausgewählten Komponisten zählen unter anderen

verloren, selbst wenn das Wissen darum, in welchem Me-

William Byrd, John Dowland, John Tomkins, Thomas Camtier

welche jeweils anderen ästhetischen Regeln gelten, ein

durchaus bewahrenswertes Gut ist. Das Beispiel Sting zeigt,

pian, Thomas Ford und Tobias Hume.

- 46 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 47 -


Das Repertoire also ist klar umrissen, die Aufführungsform

das möglicherweise sogar bis ins Mittelalter zurückgehende

selbst allerdings stets Gegenstand vieler interner Diskus-

Lied über den großen Markt von Scarborough, wieder in

sionen: Wir Musiker suchen immer wieder nach sowohl

mein Leben getreten. Das Lied wurde das erste (von mitt-

historischen als auch gegenwärtig zeitgemäßen Ausdruckslerweile

über zweihundert) Stück meiner Arrangierarbeit

möglichkeiten der Interpretation und nach erfrischend ge-

für das Ensemble und eine Initialzündung für alle weiteren

2 wagten Instrumentierungen und Arrangements, die über

Bearbeitungen. Es stellte sich mir die große Herausforde- 2

den historischen Kontext der Musik hinausweisen. Diese

rung, der alten kraftvollen und doch melancholischen Me-

»alte« Musik erfordert nach unserem Verständnis zeitgelodie

gerecht zu werden, sich unbedingt gänzlich von der

mäße Lesarten, die aber die Musik immer zu ihrem Recht

romantischen Pop-Version zu lösen und doch Originalität

kommen lässt und auf übermäßige interpretatorische Deh-

zu beweisen. Die Verarbeitung zu einem mehrstimmigen

nungen verzichtet. Hier kreuzen sich wohl die Wege von

Satz schien mir naheliegend, ganz im Sinne der englischen

Quadriga Consort, der »Early Music Band«, und dem immer

noch klassisch verankerten Ensemble Mikado – und beide

Consort-Tradition.

sehen einer viel versprechenden, interessanten Begegnung

Mit Quadriga, der Early Music Band, beschreiten wir neue

und Kooperation entgegen, ob wir dieses Projekt nun als

Pfade in der Alte-Musik-Bewegung. Nicht authentische und

»high art of English popular music« bezeichnen oder eben –

möglichst originalgetreue Wiedergabe von mittelalterlicher

Sting sei Dank – umgekehrt…

Musik, von Renaissance- oder Barockwerken beschäftigt uns,

Eva Reiter, Ensemble Mikado

sondern die Idee, Melodien, Texte, Lieder, die bereits Generationen

von Menschen lang vergangener Tage berührt

haben, wieder zu beleben, deren Emotion, deren Persönlichkeit

wach zu halten und mit der uns eigenen Emotion

und unseren persönlichen Zugängen neu zu beleben. Wir

wollen ein Jungbrunnen für populäre Alte Musik sein, in

welchem die betagten Stücke regelmäßig einem ausgiebigen

Bad unterzogen werden.

In meiner Kindheit habe ich Simon and Garfunkel für die

größten Komponisten aller Zeiten gehalten – wegen Scarborough

Fair. Dass dieser Ruhm eigentlich einem unbekannten

Schöpfer (oder mehreren?) des 16. (?) Jahrhunderts gebührt,

war mir damals nicht bewusst, hielt ich das Lied doch

für einen Popsong der Gegenwart. Das Phänomen, dass

gute Musik nie verstaubt und also immer frisch und modern

klingt, kommt wohl auch in diesem Fall zu tragen. Erst

später, nämlich im Zuge der Arbeit für Quadriga Consort ist

Das Ensemble Mikado mit seinen unkonventionellen und

zeitgemäßen, aber stets fundierten Interpretationen mehrstimmiger

Renaissancemusik ist uns für das Projekt »The

High Art of English Popular Music« ein willkommener

- 48 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 49 -


Partner für eine gegenseitig befruchtende und aufregende

Aus den zahllosen Quellen traditioneller Melodien und po-

Zusammenarbeit. Gerade das englische Repertoire bietet

pulärer Tänze der Renaissance- und Barockzeit lässt sich

eine große Bandbreite an unterschiedlicher (und vielleicht

ein großteils noch »unbeackertes«, aufregendes Konzertre-

doch nicht so unterschiedlicher) Musik für ein spannendes

pertoire schöpfen. Dazu bedarf es allerdings Eigeninitiative.

Wandeln zwischen komplexer mehrstimmiger Tonsetzer-

Schließlich müssen die meist einstimmig überlieferten Me-

2 kunst und bodenständiger Tanzmusik. In England verlief

lodien erst einer Bearbeitung unterzogen werden, um sie in 2

die musikalische Entwicklung schließlich immer etwas anders

als auf dem europäischen Kontinent. So finden sich in

spannender Weise aufführbar zu machen.

der Kompositionskunst etwa Terz und Sext als anerkannte

Viele der tradierten Melodien und Tänze lassen sich dabei

konsonante Intervalle weitaus früher als im Rest von Eu-

weder in die Schublade reiner Kunstmusik stecken, noch

ropa. Das liegt wohl daran, dass sich gerade auf den Inseln

in das Genre traditioneller Folkmusik einordnen. Mit dem

die Grenzen zwischen Kunst- und Folkmusik nie so deutlich

Quadriga Consort wollen wir zeigen, wie es gelingen kann,

abgezeichnet haben wie auf dem Festland. Ein Phänomen,

den alten Tunes mit historischem Instrumentarium wie

das in diesem gemeinsamen Projekt Mikado-Quadriga ganz

Gamben und Blockflöten stilistisch gerecht zu werden und

besonders anschaulich gemacht werden soll.

dabei eine geschmackvoll dosierte Mischung aus Zutaten

zwischen zugleich irisch-keltischer Pub-Romantik und eng-

Mit unserer »Early Music Band« begeben wir uns immer

lisch-höfischer Hochkultur zu finden.

wieder auf spannende Expeditionen zu den Wurzeln der

Popmusik, zu archaischen Balladen und Melodien der britischen

Inseln zwischen ausgelassener Tanzmusik, keltischgälischen

Gesängen und englisch-höfischer Liedkultur. Aus

den zeitlosen Melodien entsteht nicht alte Musik in originalgetreuer

Wiedergabe, sondern authentische Musik von heute

und morgen – auf alten Instrumenten frisch interpretiert.

Die Frage nach dem Alter der nachhaltig ergreifenden, die

Zeiten überdauernden Songs von Liebe, Sehnsucht, Freud

und Leid verschwindet hinter der viel wichtigeren Komponente

immer neu gelebter musikalischer Emotionen.

Nikolaus Newerkla, Quadriga Consort

- 50 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 51 -


Programm

I.

1. John Barleycorn (Traditional Song*)

Thomas Ford

2 Quadriga Consort

(ca. 1580 – 1648)

8. Goe passions

Ensemble Mikado

2

John Dowland

(1563 – 1626)

2. Come again

Ensemble Mikado

3. Captain James (Traditional Tune)

Quadriga Consort

4. Pulling the Sea Dulse (Traditional Song)

Quadriga Consort

5. Boyne Water/Morrison Jig (Traditional Ayre & Jig)

Quadriga Consort

Anonymous (16. Jh.)

6. Pavan

Ensemble Mikado

John Tomkins

(1589 – 1638)

7. O thrice blessed earthbed

Ensemble Mikado

Thomas Campian

(1567 – 1620)

9. Never weather-beaten saile

Ensemble Mikado

Thomas Morley

(ca. 1557 – 1602)

10. Now is the month of maying

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

11. The Old Grey Cat (Trad. Tune)

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

Pause

*Alle Traditional-Arrangements © Nikolaus Newerkla

- 52 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 53 -


II.

12. Scarborough Fair (Traditional Song)

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

2 John Coperario

Alfonso Ferrabosco

2

(ca. 1570 – 1626)

(ca. 1575 – 1628)

13. Fantasia

19. Allemande

Ensemble Mikado

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

John Dowland

14. Clear or cloudy

Ensemble Mikado

Thomas Ford

15. There is a Ladie

Ensemble Mikado

Giles Farnaby

(ca. 1565 – 1640)

16. His humour

Ensemble Mikado

Richard Nicholson

(? – 1639)

17. Joan, quoth John

Ensemble Mikado

Thomas Vautor

(ca. 1580 – ?)

18. Mother, I will have a husband

Ensemble Mikado

Thomas Morley

20. Phillis, I fain would die now

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

21. The Maid who sold her Barley (Traditional Song)

Quadriga Consort

22. Neil Gow's Lament for the Death of His Second

Wife (Traditional Tune) Quadriga Consort

23. The Saucy Sailor (Traditional Song)

Quadriga Consort

William Byrd

(ca. 1540 – 1623)

25. Pavan und Gaillard

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

26. The Wraggle-Taggle Gypsies, O! (Traditional Song)

Quadriga Consort & Ensemble Mikado

- 54 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 55 -


Texte

1. John Barleycorn

There was three farmers in the North,

Drei Bauern gab's im Norden wohl,

2 as they were passing by,

die zogen einst vorbei,

2

They swore an oath,

sie schworen,

a mighty oath that Barleycorn should die,

dass John Gerstenkorn sollt sterben, in 'nem Eid.

One of them said drown him

»Ertränkt ihn!« schrie der eine, und der andere:

and the other said hang him high,

»Hängt ihn auf!«

For whoever shall stick to barley grain a-begging

Und wehe dem, der zu ihm hält,

he will die.

ist auch dem Tod geweiht!

They put poor barley into a sack of a cold and rainy day

And brought him down to culm fields

and burned him in the clay,

Frost and snow began to melt and the dew began to fall,

When barley grain put up his head

and soon surprised them all.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

and soon surprised them all.

Being in the summer season the harvest coming on,

It's the time he stands up in the field

with a beard like any man.

The reaper then came with his hook

and used me barbarously,

He caught me by the middle so small

and cut me above the knee.

John Gerstenkorn

Der arme John, bei Kält' und Regen sackten sie ihn ein.

Sie hab'n ihn tief ins Moor gesetzt,

auf Tonerd' ihn verbrannt,

Frost und Schnee schmolzen dahin,

und der Tau fiel auf die Erd.

Da hob das Gerstenkorn den Kopf, hat alle überrascht.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

hat alle überrascht.

Es kam der Sommer, und es kam mit ihm die Erntezeit.

S'ist nun Zeit im Felde aufzustehn

mit gar männlich bärt'ger Mähn.

Die Sichel nahm der Schnitter da

und hat mich wild gequält.

Er fasst' mich um die Taille so eng,

schnitt ab mich überm Knie.

- 56 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 57 -


The next came was the binder

Als nächstes kam der Binder

and looked on me with a frown,

und schaut' mich abfällig an,

But in the middle there was a thistle

doch zwischen Halmen da wuchsen Disteln,

that pulled his courage down.

da schwand seine Courage.

The farmer came with his pitchfork

Der Bauer kam mit der Gabel,

2 and pierced me to the heart,

stach jäh ins Herz mir rein.

2

Like a thief, a rogue or a highwayman,

Wie nur Diebe, Gauner, Lumpen sonst,

they tied me to the cart.

zerrt man mich auf den Karr'n.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

they tied me to the cart.

zerrt man mich auf den Karr'n.

The thrasher came with his big flail

and soon he broke my bones,

'Twould grieve the heart of any man

to hear my sighs and groans,

The next thing that they done to me:

They steeped me in a well,

They left me there for a day and a night

until I began to swell.

The next thing that they done to me:

They dried me in a kiln,

They used me ten times worse than that:

They ground me in a mill.

They used me in the kitchen, they used me in the hall,

They used me in the parlour, among the ladies all.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay, among the ladies all.

Ein Drescher kam, mit großem Flegel

brach er mir die Bein'.

Mein Wehgeschrei brach jedem wohl,

der es gehört, das Herz.

Doch damit nicht genug:

Sie tränkten mich in einer Quell'.

Dort musst ich darben bei Tag und bei Nacht,

bis vollgesogen ich war.

Und damit nicht genug:

Zum Trocknen in den Ofen rein.

Doch zehnmal schlimmer:

in der Mühle schroteten sie mich.

Benutzten mich in Küche und Speisesaal gleichwohl,

sowie in feinen Stuben bei Damenrunden auch.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay, bei Damenrunden auch.

- 58 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 59 -


The barley grain is a comical grain,

Das Gerstenkorn ist ein närrisches Korn,

it makes men sigh and moan,

verursacht Gram und Pein.

For when they take a glass or two,

Oft reicht ein Glas nur oder zwei,

they forget their wives and home

gleich vergisst man Frau und Heim.

The drunkard is a dirty man –

Der Trinker ist ein Dreckskerl,

2 he used me worse than all,

der zum Schändlichsten mich braucht'.

2

He drank me up in his dirty maw and tumbled against the wall.

Kippt' mich in seinen üblen Schlund und torkelt an die Wand.

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

With me fa-la-la-the-dee, toor-a-lay,

and tumbled against the wall.

und torkelt an die Wand.

2. Come again

Come again, sweet love doth now invite

Thy graces that refrain

To do me due delight,

To see, to hear, to touch, to kiss, to die

With thee again in sweetest sympathy.

Come again, that I may cease to mourn

Through thy unkind disdain;

For now left and forlorn

I sit, I sigh, I weep, I faint, I die

In deadly pain and endless misery.

All the night my sleeps are full of dreams,

My eyes are full of streams.

My heart takes no delight

To see the fruits and joys that some do find

And mark the raging storms are me assign'd.

2. Come again

Komm zurück, denn süße Liebe jetzt

den Charme erbittet, den zurück du hieltest,

zu schenken angemess'ne Freude mir,

zu sehen, hören, tasten, küssen, sterben

erneut mit dir in schönster Harmonie.

Komm zurück, damit ich aufhör'n kann

zu jammern über dein lieblos Verschmäh'n;

denn jetzt verlassen und verloren

sitz', seufz' und wein' ich, wank' und sterb'

in Todesqual und Pein ohn' End'.

Die ganze Nacht mein Schlaf ist voller Träume,

sind meine Augen voller Tränen,

fehlt meinem Herz die Freude

an all dem Glück, das andre finden,

sieht sich statt dessen Stürmen ausgesetzt.

- 60 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 61 -


All the day the sun that lends me shine

By frowns doth cause me pine

And feeds me with delay;

Your smiles, my springs that make my joy to grow,

Your frowns the winter of my woe.

Gentle Love, draw forth thy wounding dart,

Thou canst not pierce her heart;

For I, that to approve

By sighs and tears more hot than are my shafts

Did tempt, while she for scanty triumph laughs.

4. Pulling the Sea Dulse

Adó, Adé

Clings dulse to the sea rock

Clings heart to the loved one

Be't high tide or low tide

Adó, Adé.

Pulling the dulse by the sea rocks at low tide,

Ne'er pull I thy love, lad, be't high tide or low.

Adó, Adé…

Shoreward the sea mew comes flying at low tide,

But seaward my heart flies out seaward to thee.

Adó, Adé…

Den ganzen Tag, da mir die Sonne scheint,

weckt Gram sie mir aus Zweifeln,

verlängert sie mein Sehnen;

dein Lächeln wär' mir Quelle neuer Freude,

dein finst'rer Blick ist Winter meines Wehs.

2 2

Du Liebesgott, nimm weg den harschen Pfeil,

nicht kannst durchdringen du ihr Herz;

versucht ich's doch mit tränenreichen Seufzern,

die schärfer noch als alle meine Pfeile,

doch sie macht sich nur ihren Spaß darauf.

4. Abreißen der Rotalge

Adó, Adé

Wie Tang am Felsen haftet

So haftet das Herz am Liebsten

Gleichwohl bei Flut und Ebbe

Adó, Adé.

Reiß ich auch den Seetang vom Felsen bei Ebbe,

nie lass ich deine Liebe reißen, nicht bei Ebbe und Flut.

Adó, Adé…

Die Möwe bei Ebbe fliegt zur Küste stets her,

mein Herz aber seewärts hinaus fliegt's zu dir.

Adó, Adé…

- 62 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 63 -


7. O thrice blessed earthbed

7. O dreifach gesegnetes Erdbett

O, o, thrice-blessed earthbed,

O dreifach gesegnetes Erdbett,

Under whose happy pressure

unter dessen glücklichem Druck

All in a sheet more blessed,

im überdies gesegneten Tuch

2 Lies fast my sleeping treasure.

liegt mein schlafender Schatz.

2

Palilia, Palilia, Palilia awaken!

Palilia, Palilia, Palilia – erwache!

Leave death's cold, too cold pleasure.

Verlaß' des Todes Kälte, die allzu kalte Freude.

No love in death is taken.

Der Tod nimmt keine Liebe weg.

But thou with death, aye me,

Doch mit dem Tod, glaub mir,

Aye me, art ever living.

glaub mir, wirst leben immerdar.

And I in death still live, in love am dying.

Und im Tode leb' ich weiter, in Liebe sterb' ich.

But death's hand is but vain, souls to dissever:

Denn Todes Hand streckt sich vergeblich, die Seelen zu trennen:

We'll live in heav'n again, we'll live for ever.

Im Himmel werden wir leben erneut, und leben für immer.

No chance shall there pursue souls here distressed.

Kein Schicksal wird dort hetzen Seelen, die hier gequält.

Till then adieu,

Bis dann adieu,

Adieu, most blessed.

Adieu, du höchst Gesegnete.

- 64 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 65 -


8. Goe passions

Importune pity at the last,

(Pity in those eyes should hover);

Recount my sighs and torments past

As annals of a constant lover

Spending, ending, many days

Of blasted hopes and slack delays.

8. Geht, ihr Leiden

Goe, Passions, to the cruel fair,

Geht, ihr Leiden, zur grausamen Schönen,

Plead my sorrows never ceasing;

verlangt, mein Kummer möge enden nie;

Tell her those smiles are empty air,

wagt ihr, dies Lächeln sei bloß Schein,

2 Growing hopes but not increasing,

gewachsene Hoffnung, die nicht weitertreibt,

2

Hasting, wasting, with swift pace,

hastend, verschwendend, in flüchtiger Eil',

Date of joy in dull disgrace.

statt Tag des Glücks gleichgültige Ungunst.

Urge her but gently, I request,

Drängt sie, aber höflich, so bitte ich,

With breach of faith and wrack of vows;

mit Vertrauensbruch und gebrochenem Eid;

Say that my grief and mind's unrest

sagt ihr, mein Gram und meines Herzens Unrast

Lives in the shadow of her brows,

lebten im Schatten ihrer Brauen,

Plying, flying, there to die

sich mühend, flatternd, um zu sterben

In sad woe and misery.

in traurigem Elend und Weh.

Erfleht Erbarmen nun zum Schluß

(Erbarmen sollte in diesen Augen stehn);

zählt meine Seufzer auf und Qualen

als des beständig Liebenden Annalen,

der durchlitt und beendete viele Tage

zerplatzter Hoffnung und lustlosen Aufschubs.

- 66 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 67 -


9. Never weather-beaten saile

Ever-blooming are the ioyes of Heav'ns high paradice,

Cold age deafes not there our eares,

nor vapour dims our eyes;

Glory there the Sun outshines,

whose beames the blessed onely see:

O come quickly glorious Lord,

and raise my spright to thee.

10. Now is the month of maying

Now is the month of maying,

When merry lads are playing, fa la...

Each with his bonny lass

Upon the greeny grass. Fa la...

The Spring, clad all in gladness,

Doth laugh at Winter's sadness, fa la...

And to the bagpipe's sound

The nymphs tread out their ground. Fa la...

9. Never weather-beaten saile

Never weather-beaten saile more willing bent to shore,

Nie war das wettergebeutelte Segel fürs Ufer mehr bereit,

Never tyred pilgrims limbs

nie waren des ermatteten Pilgers Glieder

affected slumber more;

vom Schlummer mehr erquickt;

2 Then my weary spright now longs

jetzt sehnt mein müder Geist sich,

2

to flye out of my troubled brest.

zu entfliehen der geplagten Brust.

O come quickly sweetest Lord,

O komme rasch, süßester Herr,

and take my soule to rest.

und leg' meine Seele zur Ruh'.

Ewiglich blühen die Freuden in des Himmels hohem Paradies,

wo nicht frostige Zeit unsere Ohren betäubt

und kein Nebel die Augen trübt;

wo die Sonne überstrahlt von Glorie ist,

deren Schein nur die Seligen schaun:

O komme rasch, glorreicher Herr,

und heb' meinen Geist zu dir.

10. Now is the month of maying

Nun ist der Monat Mai,

wenn fröhliche Burschen spielen, fa la...

jeder mit seinem lieben Schatz

auf dem grünen Gras. Fa la...

Der Frühling, ganz in Freude gewandet,

lacht über des Winters Traurigkeit, fa la...

Und zum Klang des Dudelsacks

schreiten die Nymphen ihre Runde. Fa la...

- 68 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 69 -


Fie then! Why sit we musing,

Youth's sweet delight refusing? Fa la...

Say, dainty nymphs, and speak,

Shall we play barley-break? Fa la...

2 2

12. Scarborough Fair

12. Scarborough Fair

Are you going to Scarborough Fair?

Parsley, sage, rosemary and thyme

Remember me to one who lives there

For she once was a true love of mine.

14. Clear or cloudy

Clear or cloudy, sweet as April show'ring,

Smooth or frowning, so is her face to me;

Pleas'd or smiling, like mild May all flow'ring,

When skies blue silk

and meadows carpets be;

Her speeches notes of that night bird that singeth,

Who thought all sweet, yet jarring notes outringeth.

Her grace like June, when earth and trees be trimmed

In best attire of complete beauty's height.

Her love again like summer's days be-dimmed

With little clouds of doubtful constant faith.

Her trust, her doubt, like rain and heat in skies

Gently thund'ring, she lightning to mine eyes.

Wohlan! Was sitzen wir und sinnen,

verschmähen der Jugend süße Lust? Fa la...

Ihr zierlichen Nymphen, sagt, wann findet ihr euch ein

zu heiterem Liebesspiel? Fa la...

Gehst du zum Markt in Scarborough?

Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian

erinnere eine an mich, die dort wohnt

war sie doch einst eine wahre Liebe mir.

14. Heiter oder bewölkt

Heiter oder bewölkt, süß wie Schauer im April,

glatt die Stirn oder gerunzelt, so ist ihr Gesicht für mich.

Vergnügt oder lächelnd, wie der sanfte Mai ganz blühend,

wenn der Himmel blauer Seide gleicht

und wie Teppiche die Wiesen sind;

ihr Sprechen Töne vom Gesang des Vogels in der Nacht,

der süß zu singen dachte, doch seine Noten: schrill.

Ihre Anmut wie der Juni, da Erde und Bäume getrimmt

zu bester Gewandung für das vollkommen Schöne.

Ihre Liebe kann wie Sommertage sein, getrübt

von kleinen Wolken zweifelhaft beständigen Vertrauens.

Ihr Glaube, ihr Zweifel, wie Regen und Hitze im Himmel

sanft donnernd, so blitzt sie in meine Augen.

- 70 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 71 -


Sweet summer-spring, that breatheth life and growing

In weeds as into herbs and flowers,

And sees of service divers sorts in sowing,

Some haply seeming, and some being, yours:

Rain on your herbs and flowers that truly serve,

And let your weeds lack dew, and duly starve.

15. There is a Ladie

There is a ladie sweet and kind,

Was never face so pleas'd my mind;

I did but see her passing by,

And yet I love her till I die.

Her gesture, motion, and her smiles,

Her wit, her voice, my heart beguiles,

Beguiles my heart, I know not why,

And yet I love her till I die.

Her free behaviour, winning looks,

Will make a lawyer burn his books;

I touch'd her not, alas! not I,

And yet I love her till I die.

Had I her fast betwixt mine arms,

Judge you that think such sports were harms,

Were't any harm? no, no, fie, fie,

For I will love her till I die.

Der süße Sommer-Lenz, der Leben haucht und Wachstum

in Unkraut wie in Kräuter und in Blumen,

und sieht, daß dienlich ist verschied'ner Arten Saat,

von denen manche nur vielleicht und manche sicher dein:

Er soll beregnen deine Kräuter und die Blumen, die gebraucht,

jedoch dein Unkraut lassen unbenetzt, so daß zu Recht es dürstet.

2 2

15. Da ist eine Lady

Da ist eine Lady, süß und fein,

kein Antlitz je mir so gefiel;

zwar sah ich sie nur kurz vorübergehn,

und doch lieb' ich sie bis in den Tod.

Ihre Haltung, ihr Gang und ihr Lächeln,

ihr Geist, ihre Stimme ergreifen mein Herz,

ergreifen mein Herz, ich weiß nicht warum,

und doch lieb' ich sie bis in den Tod.

Ihr freies Benehmen, gewinnendes Ausseh'n

ließen gar einen Anwalt seine Bücher verbrennen;

ich berührte sie nicht, ach, nicht ich,

und doch lieb' ich sie bis in den Tod.

Hätt' ich sie rasch in meine Arme genommen,

dann richtet mich, die ihr denkt, daß solch Verhalten schadet.

wär's irgendein Schaden? Nein, nein, pfui, pfui,

denn ich liebe sie bis in den Tod.

- 72 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 73 -


Should I remain confined there

So long as Phœbus in his sphere,

I to request, she to deny,

Yet would I love her till I die.

2 Cupid is winged and doth range,

Cupido hat Flügel und streift umher,

2

Her country so my love doth change:

und meine Liebste verändert so ihr Land.

But change she earth, or change she sky,

Aber ob sie die Erde verändert oder den Himmel,

Yet will I love her till I die.

ich liebe sie doch bis in den Tod.

17. Joan, quoth John

»Joan«, quoth John, »when will this be?

Tell me when wilt thou marry me?

My cow and eke my calf and rent,

my land and all my tenement.

Say, Joan, what wilt thou do?

I cannot come every, every, every day to woo.

To woo, to woo, to woo

I cannot come every day to woo.«

»John«, quoth Joan, »is there such haste?

Look ere you leap, lest you make waste.

If haste you have with me to wed,

more belongs to a bride's bed.

Wherefore thus must you do:

Day and night come every, every, every hour to woo.

To woo, to woo, to woo

Come every hour to woo.

Bliebe ich nun eingesperrt

so lang wie Phoebus auf seiner Bahn,

dieweil ich sie bitte – und sie sich verweigert,

würd' ich doch sie lieben bis in den Tod.

17. Joan, sprach John

»Joan«, sprach John, »wann wird es sein?

Sag an, wann heiratest du mich?

Die Kuh, das Kalb dazu, die Pacht,

mein Land, all den Besitz?

Sag, Joan, was wirst du tun?

Ich kann nicht kommen jeden, jeden, jeden Tag zu freien dich.

Zu freien, freien, freien,

Ich kann nicht kommen jeden Tag, um dich zu frei'n.«

»John«, sprach Joan, »ist solche Eil'? Bevor du springst,

die Augen auf, dann fällst du nicht.

Willst hastig mich zur Ehe treiben?

'S braucht mehr, ein Brautbett zu besteigen.

Drum mußt du dieses tun:

Tag und Nacht jede, jede, jede Stund' kommen zu freien mich.

Zu freien, freien, freien,

mußt kommen jede Stunde mich zu frei'n.

- 74 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 75 -


John if you will needs me have, this is that which I do crave:

John, wenn du mich haben willst, so verlang' ich:

To let me have my will in all,

daß du dich fügst in allem meinem Willen,

and then with thee I'll never brawl.

dann zank' ich nie mit dir.

Say, John, shall this be so?

Sag, John, soll es so sein?

Then you need not come every,

Dann brauchst nicht kommen jede,

2 every, every hour to woo.

jede, jede Stund' zu freien mich.

2

To woo, to woo, to woo

Zu freien, freien, freien,

Then you need not come every hour to woo.«

dann brauchst nicht kommen jede Stunde mich zu frei'n.«

18. Mother, I will have a husband

Mother, I will have a husband,

and I will have him out of hand.

Mother, I will sure have one,

in spite of her that will have none.

John a Dun should have had me long ere this,

He said I had good lips to kiss, to kiss, to kiss.

Mother, I will sure have one,

in spite of her that will have none.

For I have heard 'tis trim when folks do love

By good Sir John I swear now I will prove.

For Mother, I will sure have one,

in spite of her who will have none.

To the town therefore will I gad,

to get me a husband good or bad.

Mother, I will have a husband,

and I will have him out of hand.

Mother, I will sure have one,

in spite of her that will have none.

18. Mutter, ich werde einen Gatten haben

Mutter, ich werde einen Gatten haben,

und ich krieg' ihn gleich.

Mutter, sicher werd' ich einen haben,

ihr zum Trotz, sie kriegt ja kein'.

John a Dun sollt' mich längst schon haben müssen,

er sagte, ich hätt' gute Lippen zum Küssen, Küssen, Küssen.

Mutter, sicher werd' ich einen haben,

ihr zum Trotz, sie kriegt ja kein'.

Da ich doch hörte, ganz in Ordnung sei es, wenn die Leute lieben,

genau, Sir John, drum schwör' ich, jetzt es zu beweisen.

Denn, Mutter, sicher werd' ich einen haben,

ihr zum Trotz, sie kriegt ja kein'.

So schlendere ich zur Stadt und fang' mir,

ob gut oder böse, einen Gatten ein.

Mutter, ich werde einen Gatten haben,

und ich krieg' ihn gleich.

Mutter, sicher werd' ich einen haben,

ihr zum Trotz, sie kriegt ja kein'.

- 76 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 77 -


20. Phillis, I fain would die now

Phillis, I fain would die now,

O to die what should move thee,

for that you do not love me,

I love thee, but plain to make it,

ask what thou wilt and take it.

O sweet then this I crave thee,

since you to love will have me,

give me in my tormenting,

One kiss for my contenting.

This unawares doth daunt me,

else what thou wilt I grant thee.

Ah Philis, well I see then,

My death thy Joy will be then,

O no, no, no, I request thee,

to tarry but some fitter time and leisure.

Alas, death will arrest me,

you know before I shall possess this treasure,

No no no no, dear, do not languish,

Temper this sadness,

for time and love with gladness,

Once ere long will provide for this our anguish.

20. Phillis, am liebsten wollt' ich sterben

Phillis, am liebsten wollt' ich sterben,

ach, sterben, denn wie könnte ich dich rühren,

da du mich doch nicht liebst.

2 2

Ich liebe dich, doch um es dir zu zeigen sage ich:

erbitte eine Gunst und nehme sie entgegen.

Dann flehe ich dich sehnlichst an,

da du einst mein sein wirst:

schenk' mir in meiner Seelenqual

zu meinem Glück nur einen Kuss.

Du ängstigst unversehens mich,

erbitte eine andere Gunst und sie ist dein.

Ah Phillis, ich erkenne:

mein Tod wird deine Freude sein.

Oh nein, oh nein, ich bitte dich, verweile,

bis Zeit und Anlass uns gewogen sind.

Ach, der Tod wird mich ereilen,

bevor ich diesen Schatz in meinen Händen halte.

Nein, nein, Liebster, ermatte nicht,

und mäßige dich in deiner Trauer,

denn Zeit und Liebe werden früher oder später

uns aus dieser Qual befreien.

- 78 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 79 -


21. The Maid who sold her Barley

I bowed my bonnet very low

To let her know my meaning.

She answered with a courteous smile

Her looks they were engaging.

"Where are you bound my pretty maid,

It's now in the morning early?"

The answer that she made to me,

"Kind sir, to sell my barley."

"Now twenty guineas I've in my purse

And twenty more that's yearly.

You need not go to the market town

For I'll buy all your barley.

If twenty guineas would gain the heart

Of the maid I love so dearly,

All for to tarry with me one night

And go home in the morning early."

21. Von der Maid, die ihre Gerste verkauft hat

It's cold and raw the north winds blow

Kalt bläst der raue Nordwind her

Black in the morning early,

am dunklen frühen Morgen.

When all the hills were covered with snow

Und alle Hügel unter Schnee

2 Oh then it was winter fairly.

der Winter hat verborgen.

2

As I was riding o'er the moor

Ein Landmädchen mit schwarzem Haar

I met a farmer's daughter

wie Schleedorn, ros'gen Wangen,

Her cherry cheeks and sloe-black hair

traf ich bei meinem Ritt durchs Moor.

They caused my heart to falter.

Sie nahm mein Herz gefangen.

Ich zog die Kappe tief vor ihr,

zu zeigen ihr mein Sinnen.

Sie lächelte gar nett, um mich

mit Blicken zu gewinnen.

»Wo gehst du hin, mein Kind, wohin

musst du so früh schon laufen?

Zur Antwort gab sie: »Lieber Herr,

hab Gerste zu verkaufen.«

»Hab zwanzig Guineas im Portmonnaie,

und zwanzig hab ich im Jahr.

Zum Markt brauchst nicht mehr gehn,

ich kauf die ganze Gerste da.

Und zwanzig Guineas gebe ich gern,

bekomm ich dein Herz dafür.

Verbring mit mir doch diese Nacht

und Geh erst früh morgens von mir.«

- 80 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 81 -


As I was riding o'er the moor

Und wieder ritt ich durch das Moor

The very evening after,

am Tag danach zur Abendzeit.

It was my fortune for to meet

Es war mein Glück, ich traf des Bauern

The farmer's only daughter.

einz'ge Tochter da erneut.

Although the weather being cold and raw

Zwar war das Wetter kalt und rau,

2 With her I thought to parley.

doch bat ich sie: »Sag jetzt nicht nein!«

2

The answer that she made to me,

Zur Antwort gab sie: »Lieber Herr,

"Kind sir, I've sold my barley."

verkauft hab ich die Gerste mein.«

23. The Saucy Sailor

Come, my dearest, come, my fairest,

Come and tell unto me,

Will you pity a poor sailor boy,

Who has just come from sea?

I can fancy no poor sailor:

No poor sailor for me!

For to cross the wide ocean

Is a terror to me.

You are ragged, love, you are dirty, love,

And your clothes they smell of tar.

So begone, you saucy sailor boy,

So begone, you Jack Tar!

23. Der freche Seemann

Komm, o Liebste, komm, o Schönste,

komm und sag mir, ob du

dich Erbarmst des armen Seemanns wohl,

grad vom Meer heimgekehrt.

Ich will keinen armen Seemann,

bloß kein armer Matros'!

Salzgewässer zu befahren

ist ein Albtraum für mich.

Du bist schäbig, Schatz, du bist dreckig, Schatz,

deine Kleidung stinkt nach Teer.

Los, hau ab, du frecher Seefahrer,

fort, du teeriger Kerl!

- 82 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 83 -


If I'm ragged, love, if I'm dirty, love,

If my clothes they smell of tar,

I have silver in my pocket, love,

And of gold a bright store.

2 When she heard those words come from him,

Als sie seine Worte hörte,

2

On her bended knees she fell.

fiel sogleich sie auf die Knie.

To be sure, I'll wed my sailor,

Sicher frei'n will ich mein'n Seemann.

For I love him so well.

Lieb ich ihn doch so sehr.

Do you think that I am foolish?

Do you think that I am mad?

That I'd wed with a poor country girl

Where no fortune's to be had?

I will cross the briny ocean

Where the meadows they are green;

Since you have had the offer, love,

Another shall have the ring.

For I'm young, love, and I'm frolicksome,

I'm good-temper'd, kind and free.

And I don't care a straw, love,

What the world says of me.

Bin ich schäbig, Schatz, bin ich dreckig, Schatz,

stinkt die Kleidung auch nach Teer,

Hab doch Silber in der Tasche, Schatz,

und ein Lager voll Gold.

Hältst du mich denn gar für töricht?

Hältst du mich für so verrückt,

dass ich nehm' ein armes Landmädchen,

wo kein Glück zu machen ist?

So befahr' ich salz'ge Meere,

dorthin wo die Wiesen grün;

den Antrag, Liebchen, macht' ich dir,

'ne andre kriegt meinen Ring.

Bin noch jung und voller Übermut,

ich bin munter, froh und frei.

Keinen Deut drum mich kümm're,

was die Welt von mir spricht.

- 84 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 85 -


26. The Wraggle-Taggle Gypsies, O!

There were three gypsies a-come to my door,

And downstairs ran this lady, O!

One sang high and another sang low,

And the other sang bonny, bonny Biscay, O!

Then she pulled off her silk finished gown

And put on hose of leather, O!

The ragged, ragged rags about our door,

She's gone with the wraggle-taggle gypsies, O!

It was late last night when my lord came home,

Enquiring for his a-lady, O!

The servants said on ev'ry hand:

She's gone with the wraggle-taggle gypsies, O!

O, saddle to me my milk-white steed,

Go and fetch me my pony, O!

That I may ride and seek my bride,

Who's gone with the wraggle-taggle gypsies, O!

O, he rode high and he rode low,

He rode through woods and copses too,

Until he came to an open field,

And there he espied his a-lady, O!

26. Die lottrigen Zigeuner, O!

Ja drei Zigeuner, die kamen ans Tor,

hinab gleich lief die Lady, O!

Hoch sang einer, der andre sang tief,

und der dritte sang »Schön, o schön Biscaya, O!«

2 2

Schon zog sie aus ihr seidenes Kleid

legt' an die Hos' aus Leder, O!

Die lump-zerlumpten Lumpen dort beim Tor.

Ab ging's mit den lottrigen Zigeunern, O!

Letzte Nacht gar spät kam mein Herr nach Haus

verlangte nach seiner Lady, O!

Die Diener sagten nur so viel:

Sie ging mit den lottrigen Zigeunern, O!

O, sattelt die weiße Stute mir,

geht und holt mir mein Pony, O!

Sodass ich reit' und such' die Braut,

die ging mit den lottrigen Zigeunern, O!

O, über Berg und Tal er ritt,

er ritt durch Wälder und Gehölz,

bis dass er kam an ein off'nes Feld,

und dort er erspäht' seine Lady O!

- 86 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 87 -


What makes you leave your house and land?

What makes you leave your money, O!

What makes you leave your new wedded lord?

To go with the wraggle-taggle gypsies, O!

2 What care I for my house and land?

Was kümmert mich mein Haus und Land,

2

What care I for my money, O!

was kümmert mich mein Geld schon, O!

What care I for my new wedded lord?

Und was mein neu getrauter Gemahl?

I'm off with the wraggle-taggle gypsies, O!

Bin weg mit den lottrigen Zigeunern, O!

Last night you slept on a goose-feather bed

With the sheet turned down so bravely, O!

And tonight you'll sleep in a cold open field,

Along with the wraggle-taggle gypsies, O!

What care I for a goose-feather bed?

With the sheet turned down so bravely, O!

For tonight I shall sleep in a cold open field -

Along with the wraggle-taggle gypsies, O!

Was treibt dich fort von Haus und Land?

Dein Geld zurückzulassen, O!

Vom neu vermählten Lord wegzugehn?

Zu ziehn mit den lottrigen Zigeunern, O!

Noch letzte Nacht schliefst im Daunenbett du

wohl auf Laken, fein zurechtgemacht.

Und heut Nacht willst du schlafen auf offenem Feld,

umgeben von lottrigen Zigeunern, O!

Was brauche ich ein Gäns-Daunenbett

mit den Laken, fein zurechtgemacht?

Schlaf heut Nacht auf dem kalten und offenen Feld -

umgeben von lottrigen Zigeunern, O!

- 88 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 89 -


Quadriga Consort

Das österreichische Ensemble Quadriga Consort hat sich seit

seiner Gründung durch den Cembalisten Nikolaus Newerkla

im Jahr 2000 mit alter Musik jenseits der heute üblichen

2 Kategorisierung in E- und U-Musik auch über die Gren-

Das Ensemble ist Preisträger der Gotthard-Schierse-Stiftung 2

zen Österreichs hinaus einen Namen gemacht. Bereits mit

ihrem ersten Programm Ground (CD 2003, Label Harp,

Berlin) überraschten die MusikerInnen mit kompromiss-

losen Interpretationen und ungekannter Frische, fernab aller

Konventionen.

Besonders seit der Zusammenarbeit mit der aus Südafrika

stammenden Jazz- und Popsängerin Elisabeth Kaplan kann

das Quadriga Consort auf zahlreiche Auftritte bei renommierten

Festivals in ganz Europa und den USA verweisen.

Mit innovativen Programmen zwischen alter populärer traditioneller

Musik und Renaissance- und Barockmusik aus

England, Irland und Schottland ist Quadriga Consort nicht

nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa und Amerika

aufgetreten. In Amerika wurde dem Quadriga Consort der

wohl treffendste Titel verliehen: »The Austrian Renaissance

Band«. Unverwechselbares Markenzeichen des Ensembles:

Einstimmig überlieferte Melodien und Lieder, meist traditioneller

Natur oder ohne bekannte Komponisten, werden neu

und ohne Scheu davor, musikalische Kategorisierungen zu

durchbrechen, für historisches Instrumentarium (Gamben,

Blockflöten, Barock-Cello, Cembalo, Rahmentrommeln und

andere Perkussionsinstrumente) arrangiert. Die vielgelobte

Bühnenpräsenz und Live-Stärke des Ensembles, allen voran

die der Frontfrau Elisabeth Kaplan, hat sich mittlerweile

sowohl bei Alte-Musik-Freunden wie auch bei Pop- und

Folk-Fans herumgesprochen.

in Berlin sowie der European Recorder Teachers Association,

den einzelnen MusikerInnen wurden Stipendien und Aus-

zeichnungen zuerkannt, so sind etwa die beiden Blockflötis-

tinnen Trägerinnen des Würdigungspreises der Gesellschaft

der Freunde der Musikuniversität Graz.

CD-Einspielungen bei der ORF-Edition Alte Musik und

Gramola dokumentieren in jüngster Zeit das Schaffen des

Quadriga Consort (CD As I Walked Forth, 2005, CD By Yon

Bonnie Banks, 2007 – ausgezeichnet mit 5 Sternen des internationalen

Goldberg Magazine, CD Songs from the British

Isles, 2010).

Das Quadriga Consort ist nunmehr beim renommierten französischen

Label Alpha unter Vertrag. Die CD »Ships Ahoy!«

erscheint 2011.

www.quadriga-consort.at

- 90 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 91 -


Das Ensemble Mikado hat sich auf die Musik des

Mittelalters und der Renaissance spezialisiert.

2

Auf der Suche nach neuen Wegen, Alte Musik zu interpretieren,

entstehen aufregende Besetzungen und unkonventionelle

Arrangements. In ihren Programmen legen die Musiker

darüber hinaus besonderen Wert auf die Verbindung

von virtuosen Stücken mit sinnlicher, feinst komponierter

Musik, die sie voller Leidenschaft auf historischen Instrumenten

interpretieren.

2

Zahlreiche Konzertauftritte führten das Ensemble unter anderem

in die Schweiz, nach Liechtenstein, Polen, Italien und

Belgien, zu den Wiener Blockflötentagen, zu den »Hörgängen«

im Wiener Konzerthaus, den ISCM Welt-Musiktagen,

zum Festival für Alte Musik in Brežice/Slowenien, zum Festival

für Alte Musik in Bozen/Italien, zum Festival Wratislavia

Cantans in Polen, Festival Aqua Musica und Oude-Muziek-Network

in den Niederlanden, zum MDR-Musiksommer

und zu den Tagen Alter Musik in Regensburg. Auch bei der

trigonale war das Ensemble schon zu Gast.

Das Ensemble Mikado ist der Gewinner des Wettbewerbs

IYAP-EM (International Young Artists' Presentation –

Early Music).

www.ensemblemikado.com

mail@ensemblemikado.com

Autogr a mme

- 92 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 93 -


Samstag, 11.09., 22.00 Uhr

Bürgerspitalskirche St. Veit

Eternità e Amore

Einleitung

Geistliche Motetten und weltliche Kantaten –

Der erste Teil dieses Programms besteht aus einer Auswahl

3 ein musikalischer Vergleich

Bella Discordia

Barbara Strozzis weltlicher Kantaten für Sopran und Continuo.

Diese Stücke wurden sicherlich mit dem Hintergedanken

komponiert, die Virtuosität der Sängerin zur Schau

zu stellen. In den meisten Fällen wurden sie höchstwahrscheinlich

von der Komponistin selbst aufgeführt, und zwar

bei den Treffen der Accademia degli Unisoni, die eigens zu

diesem Zweck von Barbaras Vater Giulio Strozzi gegründet

worden war.

Der zweite Teil zeigt geistliche Werke der selben Komponistin.

Unzweifelhaft haben diese Motetten die gleiche hohe

musikalische Qualität wie ihre weltlichen Schwestern, aller-

3

Konzert mit

von Angélica Castelló

dings ist der Zweck ein gänzlich anderer: Diese Musik soll

die Andacht wecken und die Aufmerksamkeit des Zuhörers

auf den Schöpfer beziehungsweise die Heilige Maria lenken.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts begannen die Komponisten,

dramatische musikalische Elemente, wie z.B. Rezitative und

Arien, die bis dahin der weltlichen Musik, besonders der

Oper, vorbehalten waren, auch in die Kirchenmusik einzuführen.

An den geistlichen Werken von Barbara Strozzi kann

man das deutlich erkennen, auch wenn ihre Kirchenmusik

wesentlich weniger exzentrisch ist als viele ihrer weltlichen

- 94 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 95 -


Stücke – immerhin geht es hier ja nicht darum, die Fähig-

auch genügend Ausdauer für lange Legato-Abschnitte.

keiten der Sängerin unter Beweis zu stellen, sondern darum,

Wie die meisten Sänger ihrer Zeit begleitete sie sich ver-

die Gedanken des Zuhörers zu sammeln und ihn nicht etwa

mutlich selbst, vielleicht mit einer Laute oder Theorbe.

durch allzu waghalsige Harmonien oder Koloraturen abzu-

Für welches Publikum waren Barbara Strozzis Lieder gelenken.dacht?

Wem wurden sie vorgetragen? Man kann davon ausgehen,

dass ihre Kantaten, ebenso wie die ihrer Zeitgenos-

Barbara Strozzi – eine Schülerin Franceso Cavallis – war eine

sen, in kleinem Rahmen aufgeführt wurden, etwa in Künst-

3 der erfolgreichsten Komponistinnen des 17. Jahrhunderts.

lerateliers oder als Unterhaltung in den Akademien. Leider 3

Zwischen 1644 und 1664 wurden in Venedig nicht weniger als

haben wir keine konkreten Hinweise mehr für Strozzis ei-

acht Bücher mit Vokalmusik von Barbara Strozzi gedruckt.

gene Aufführungen nach ihren Auftritten bei den Unisoni-

Bis auf eine Ausnahme sind alle ihre Publikationen weltliche

Treffen in den späten 1630er Jahren. Es ist aber anzuneh-

Werke; die darin enthaltenen Madrigale, Arien und Kantaten

men, dass sie auch weiterhin unter ähnlichen Umständen

sind im typischen Stil des mittleren siebzehnten Jahrhun-

aufgetreten ist. Ihre Kompositionen bleiben eng mit ihren

derts geschrieben, in dem auch berühmte Kollegen wie Luigi

Rossi, Giacomo Carissimi und Antonio Cesti ihre Kantaten

Aktivitäten als Sängerin verbunden.

komponierten. Die Widmungsträger ihrer frühen Sammlun-

Mit ihrer letzten Publikation im Jahr 1664 verschwindet

gen waren allesamt wichtige Persönlichkeiten, die erstaun-

Barbara Strozzis Spur für die Nachwelt. Sie hinterlässt kein

licherweise zum Großteil außerhalb Venedigs, oft sogar im

anderes Testament oder Zeugnis als ihre Werke. Ihre Kon-

Ausland, ansässig und tätig waren. So auch im Falle der

zerte in der Akademie und ihre acht Publikationen sind al-

beiden Bücher, aus denen die Musik des heutigen Abends

les, was wir mit Sicherheit von dieser außergewöhnlichen,

stammt:

talentierten, schönen, intelligenten und geschäftstüchtigen

Strozzis opus 5 (Sacri musicali affetti, 1655) sind der Inns-

Frau kennen.

brucker Erzherzogin Anna de'Medici gewidmet, opus 2

(Cantate, ariette e duetti, 1651) dem Kaiser Ferdinand III.

von Österreich.

Reinhild Waldek

Barbara Strozzis Werke sind eindeutig die Musik einer Sängerin,

geschrieben für die Komponistin selbst. Barbaras eigene

Stimme muss demzufolge ein leichter Sopran gewesen

sein, mit genügend Flexibilität für schnelle Passagen, aber

- 96 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 97 -


Programm

Geistliche Motetten und weltliche Kantaten von

Barbara Strozzi (1619 – 1677)

1. Donna di maestá

5. Ardo in tacito foco

Cantate (per le nozze della Imperial Maestá di Ferdinando

Cuore che reprime alla lingua di manifestare il nome della

3 Terzo di Austria con la serenissima Leonora Seconda di

Mantova) [Opus 2; Cantate, ariette e duetti, Venice 1651]

sua cara [Opus 3]

Das Herz verbietet der Zunge, den Namen seiner Angebeteten

zu verraten [Opus 3]

3

Kantate (für die Hochzeit Seiner kaiserlichen Majestät Ferdinand

des Dritten von Österreich mit der durchlauchtigsten

Leonore der Zweiten von Mantua) [Opus 2, Kantaten, Arien

und Duette, Venedig 1651]

2. Begli occhi, Voi pur, begl' occhi

[Opus 2]

3. L'amante bugiardo

[Opus 2]

4. Lilla crudele ad onta d'Amore

[Opus 2]

6. Salve sancta caro

[Opus 5]

7. Mater Anna

[Opus 5]

8. O Maria

[Opus 5]

- 98 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 99 -


Texte

1. Donna di Maestá

Dalle sfere più belle

scenda Imeneo, deh scenda!

Al foco delle stelle

allumi la sua face e i cori accenda.

Se mai lieto venisti,

vola Imeneo, deh vola,

e con sì grati acquisti

de' gravi affanni suoi l'Austria consola.

Su presti, su presti,

Amori celesti!

Fugate le noie,

portate le gioie!

Vezzosi, scherzosi,

1. Donna di Maestá

Donna di maestà, di valor tanto,

Erhabene und hochgeschätzte Dame,

lascia al tuo regio merto i regni angusti

überlass deinem königlichen Gemahl die Sorge um das Reich

e l'Austria vieni a fecondar di Augusti.

und komm und beschenke Österreich mit erlauchten Erben.

3 Eroina bellissima di Manto,

Schönste Heldin Mantuas

3

se dal nume terren del gran Fernando

erwählt bist du durch göttliche Fügung

al trono eletta imperial tu sei,

auf den irdischen Thron des großen Kaisers Ferdinand.

ascolta, o dea benigna, i prieghi miei

Höre, oh geneigte Gottheit, meine Gebete,

ch'a un ciel di cortesia devoti io mando.

die ich gläubig flehend an den Himmel richte.

Aus den höchsten Himmelssphären

Steige Hymen herab, er steige herab!

Am Feuer der Sterne

entzünde er seine Fackel und entflamme die Herzen.

Wenn du je freudig gekommen bist,

flieg, Hüter der Ehe, ja flieg,

und tröste Österreich mit solch angenehmem Gewinn

in seiner großen Not.

Auf, auf, flink, ihr

himmlischen Liebesgötter!

Verjagt die Sorgen

bringet Freuden!

Ihr Anmutigen, Verspielten,

- 100 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 101 -


di veri diletti

empiteci i petti.

Si eterni l'ardore,

lieto quaggiù s'imparadisi il core.

Di quattr'aquile gonzaghe

Von den vier Adlern Gonzagas

la primiera quella fu

war der erste derjenige

che portar sull'ali vaghe

der auf schönen Schwingen

seppe in Vienna la virtù.

die Tugend nach Wien zu bringen wusste. 1)

3 3

La seconda il caro nido

col suo Cesare farà

e di prole augusta il lido

del Danubio arrichirà.

Voi nasceste, o Leonore,

per due Cesari bear:

gran figliuol, gran genitore

voi veniste a ravvivar.

Questo è il grido comun del mondo in guerra,

sazio di fiere strepitose trombe;

son di estinti guerrier carche le tombe,

di viventi miglior vota è la terra.

A sì bella concordia

di due sposi beati

fuggite, voi mal nati

mostri dell'eresia della discordia.

mit wahren Freuden

erfüllt uns die Brust.

Ewiglich währe die Glut,

hier unten schaffe sich das Paradies ein fröhliches Herz.

Der zweite wird ein trautes Nest

mit dem Kaiser bauen

und mit erlauchter Nachkommenschaft

die Gestade der Donau bereichern. 2)

Ihr, Leonore, seid geboren

gleich zwei Kaiser zu beglücken:

einen großen Sohn 3) und einen großen Vater 4)

neu zu beleben seid ihr gekommen.

Die gesamte Welt schreit auf im Krieg,

übersatt von stolz schmetternden Trompeten.

Von getöteten Kriegern sind die Gräber voll,

der besten Lebenden beraubt ist die Erde.

Vor solch schöner Eintracht

zweier glücklicher Brautleute

flieht, ihr unseligen

Monster Häresie und Spaltung.

- 102 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 103 -


Inesorabili,

inevitabili

e spaventevoli,

abbominevoli,

entro i vostri dirupi

intanatevi, o lupi!

3 Ogni discordia spengasi

Alle Zwietracht verlösche

3

ad union sì piena,

vor einem so vollkommenen Bund.

di amor in sulla scena

Auf dieser Bühne der Liebe

di tamburo infernal rumor non sentasi.

höre man keinen Lärm einer höllischen Trommel.

Inescusabili,

Ihr nicht zu entschuldigenden,

imperdonabili,

nicht zu verschonenden,

serpenti orribili,

schrecklichen Schlangen,

d'urli e di sibili

unter Brüllen und Zischen,

entro i tartarei laghi profondatevi, o draghi!

stürzt euch in die Seen der Unterwelt, ihr Drachen!

Su presti, su presti,

Amori celesti!

Fugate le noie,

portate le gioie!

Vezzosi, scherzosi,

di veri diletti

empiteci i petti.

Si eterni l'ardore,

lieto quaggiù s'imparadisi il core.

Ihr unerbittlichen,

unüberwindbaren,

fürchterlichen

und abscheulichen Wölfe,

in eure Abgründe

verkriecht euch, ihr Wölfe!

Auf, auf, flink, ihr

himmlischen Liebesgötter!

Verjagt die Sorgen

Bringet Freuden!

Ihr Anmutigen, Verspielten,

mit wahren Freuden

erfüllt uns die Brust.

Ewiglich währe die Glut,

hier unten schaffe sich das Paradies ein fröhliches Herz.

- 104 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 105 -


Gl'augusti sposi

tra dolcezze tenere

d'un ' aurea pace ogni tranquillo godino,

mentre un santo Imeneo fa che s'annodino

l'austriaco Marte e la gonzaga Venere.

Mögen sich die erlauchten Brautleute

unter zärtlichen Liebkosungen

der Ruhe eines goldenen Friedens erfreuen,

während ein heiliger Hymen bewirkt,

dass Mars und Venus, Österreich und Gonzaga, eins werden.

3

1)

Adler ist auf Italienisch weiblich, wodurch im Bild die Adler aus

dem Wappen der Gonzaga als Frauen auftreten können.

2)

Gemeint ist hier Eleonore I von Gonzaga (1598-1655),

3

die Ferdinand II von Österreich (1578-1637) als tugendsame

Jungfrau geheiratet hatte und deren Ehe kinderlos blieb.

Eleonore II, 1630-1686, die Widmungsträgerin der Kantate.

Sie heiratete 1651 Ferdinand III (1608-1657), der bereits zweifach

verwitwet war.

3) Ferdinand IV(1633-1654), der Sohn Ferdinands III aus erster Ehe,

»gran figlio«, also Leonores Stiefsohn.

4) Ferdinand III, Vater des obigen, »gran padre«.

Übersetzung: Brita Käßmayer

- 106 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 107 -


2. Begli occhi, Voi pur, begl' occhi

Voi pur, begli'occhi, sete

porte d'un paradiso,

voi tra lo scherzo e 'l riso

in ciel m'introducete

Ma tanto il cor m'ardete

che dal mio foco eterno

per le porte del ciel corro all'inferno.

Sì, bei seno, che tu sei

una neve animata,

sì che tua giogia grata

consola gl'ardor miei.

Ma tanto alfin godei

che grande a poco a poco

fra le falde di gel provo il mio foco.

Voi pur, bei crini, adoro,

cari dolci legami,

voi, preziosi stami

del mio ricco tesoro.

Ma della selva d'oro

se non mi fate un dono,

fra le miniere d'or povero io sono.

2. Begli occhi, Voi pur, begl' occhi

Ihr, schöne Augen, seid wirklich

die Pforten eines Paradieses,

ihr führt mich unter Scherzen und Lachen

in den Himmel hinein, ihr seid wirklich schöne Augen!

Doch dermassen entzündet ihr mein Herz,

dass ich durch mein ewiges Feuer

durch die Pforten des Paradieses zur Hölle eile.

3 3

Ja, schöner Busen,

welch ein beseelter Schnee bist du;

ja, wie tröstet deine willkommene Wonne meine Gluten,

ja, welch schöner Busen bist du!

Aber schließlich hab ich's so genossen,

dass unter den Eisflocken mein Feuer

größer und größer wurde.

Auch euch, schöne Haare, bete ich an,

teure, sanfte Fesseln,

euch kostbare Fäden

meines reichen Schatzes, auch euch, schöne Haare, bete ich an!

Aber wenn ihr mit von diesem Wald aus Gold

kein Geschenk macht, dann bin ich arm

inmitten der Goldmine.

- 108 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 109 -


No, no, pomi e rubini,

che voi non pareggiate

di quelle labbra amate

i coralli divini.

Ma non mai ne' giardini

di quella bella bocca

coglier quanti vorrei baci mi tocca.

3. L'amante bugiardo

I miei giorni sereni

infetti col tuo sguardo

e col sospir bugiardo

l'aria tu m'avveleni.

Ah, scherza e non schernire,

ah, mira e non mentire!

Ma falso e menzogner se parli o taci,

i vezzi hai finti e traditori i baci.

Provo dalle bugie

un'aria tormentata

da tue frodi abitata

e dalle furie mie.

Ah, giura e non mentire,

ah, taci e non tradire!

Ma falso e menzogner se parli o taci,

i vezzi hai finti e traditori i baci.

Nein, es gibt keine Früchte und Edelsteine,

denen ihr nicht gleichkommt,

ihr göttlichen Korallen

jener geliebten Lippen,

nein, keine Früchte noch Edelsteine!

Aber nie darf ich in den Gärten jenes schönen Mundes

soviele Küsse ernten wie ich möchte.

3 3

Übersetzung: Andreas Wernli

3. Der verlogene Liebste

Meine heiteren Tage:

vergiftet mit deinem Blick! -

und deine falschen Seufzer:

die Luft hast Du mir verpestet!

Ach, scherze du nur - doch spotte nicht,

ach, schau mich an und lüge nicht!

Doch falsch und verlogen, ob du schweigst oder sprichst,

sind deine angeblichen Zärtlichkeiten und verräterischen Küsse.

Ich fühle von all den Lügen

den Frieden um mich ganz zerquält,

alles ist angefüllt von deinem Trug

und meiner Wut.

Ach, schwör du nur - doch belüg mich nicht,

ach, schweige still und betrüg mich nicht!

Doch falsch und verlogen...

Übersetzung: Maria Jonas

- 110 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 111 -


4. Lilla crudele ad onta d'Amore

4. Die grausame Lilla verhöhnt Amor

Lascia sì la benda e l'ali,

Laß doch die Binde und Flügel,

cieco fanciul di Venere!

du blindes Kind der Venus!

Dell'arco e degli strali

Den Bogen und die Pfeile

fa' pur, fanne pur cenere,

mach, mach sie nur gleich zu Asche!

spegni, spegni la face

Lösche, lösch die Fackel -

3 mentre accender, Amore,

kannst ja, Amor,

3

non puoi di Lilla il core:

nicht einmal Lillas Herz entzünden:

troppo l'esser crudel, troppo le piace!

Gar zu sehr gefällt's ihr, gar zu sehr, das Grausamsein!

Taci si, bamboccio dio!

Sei still, du dickes Kind von einem Gott!

Non trattar più d'uccidere,

Leg's nicht mehr auf's Zielen an,

che dei tuoi strali anch'io

ich will an deinen Pfeilen nämlich bloß

vo' pur burlarmi e ridere,

meinen Spaß haben und drüber lachen.

frena, frena l'ardire.

Zügle, zügel deinen Eifer!

Tu ti vanti, insolente,

Du rühmst dich, Frechdachs,

di stral onnipotente

deines allmächtigen Pfeils

e una femmina vil, non puoi ferire!

und kannst nicht einmal eine gewöhnliche Frau verwunden!

Übersetzung: Maria Jonas

- 112 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 113 -


5. Ardo in tacito foco

Cuore che reprime alla Lingua di manifestare il

Nome della sua Cara

Se pur per mio ristoro

con tributi di pianto

mostrar boglio con fede

a quella ch'amo tanto

che son d'amor le lagrime mercede,

ecco 'l cor ch'essalando

di più sospiri il vento,

assorbe il pianto e quell'umor n'ha spento

e con mio duol m'addita

che gl'occhi lagrimanti

sono mutole lingue negli amanti.

Qual sia l'aspro inio stato

5. Ich brenne in schweigendem Feuer

Das Herz verbietet der Zunge, den Namen

seiner Angebeteten zu verraten

Ardo in tacito foco,

Ich brenne in schweigendem Feuer,

neppure m'è concesso

und mein eifersüchtiges Herz

dal geloso cor mio

erlaubt mir nicht,

3 far palese a me stesso

den Namen meiner Begehrten

3

il nome di colei ch'è 'l mio desio,

bekannt zu machen.

ma nel carcer del seno

Aber im Kerker meiner Brust

racchiuso tien l'ardore,

hält mein Herz als sein eigener Wärter

carcerier di se stesso, il proprio core

die Glut verschlossen.

e appena sia contento

Und es begnügt sich allein damit,

con aliti e sospiri

durch Hauchen und Seufzen

far palese alla lingua i suoi martiri.

der Zunge seine Leiden zu offenbaren.

Wenn ich zu meiner Labung

mit tränenreichen Bekundungen

ihr, die ich so sehr liebe,

treu zeigen will,

dass diese Tränen der Lohn der Liebe sind,

sieh, dann haucht das Herz

mehr Seufzer aus als der Wind, saugt es die Tränen auf und

hat diese Stimmung ausgelöscht.

Und zu meinem Schmerz zeigt es mir,

dass die weinenden Augen

stumme Zungen der Liebenden sind.

Die Winde können nicht ausdrücken,

- 114 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 115 -


idir nol ponno i venti,

neppur le selve o l'onde

udiro i miei lamenti,

ma solo il duol entro al mio cor s'asconde

e quale in chiuso specchio

disfassi pietra al foco,

tal io m'incenerisco a poco a poco

6. Salve sancta caro

Per il Santissimo

Salve sancta caro Dei,

per quam salvi sumus rei, salve.

Tu nos Christe redemisti, salve.

Dum in Cruce pependisti, salve.

O magna vis amoris, o immense benefitium largitatis

Ut homines Deo faciat Homo factus est Deus.

Salve sancta caro (…)

Mensa hec nos alit virtutis cibo salutis epulo deliciis gloriae

Dum in panem vitae sededit Dominus et sanguinem suum

effundit in poculum

Sancta caro tu me munda.

Sancte sanguis sancta unda

wie bitter meine Lage ist,

und weder Wälder noch Meere

haben meine Klagen gehört.

3 e s'ad altri la lingua

Denn nur mein Schmerz ist in meinem Herz verborgen,

und wie in einem verschlossenen Raum Stein durch Feuer zerfällt,

so werde ich nach und nach zu Asche.

Und wie für andere die Zunge

3

è scorta alla lor sorte,

das Geleit zu ihrem Schicksal ist,

a me la lingua è sol cagion di morte.

ist für mich die Zunge allein Ursache des Todes.

Übersetzung: Mona Spägele

6. Sei gegrüsst, Heiliger leib

Für den Allerheiligsten

Sei gegrüßt, Heiliger Leib Gottes,

durch den uns Armen Heil zukommt. Sei gegrüßt.

Als du am Kreuz hingst, hast Du,

Christ, uns erlöst. Sei gegrüßt.

O große Kraft der Liebe, o großzügiges Geschenk:

um die Menschen ins Göttliche zu erhöhen, hat zum Menschen

Gott sich erniedrigt. Sei gegrüßt, Heiliger Leib...

Dieser Tisch nährt uns mit der Speise der Tugend,

dem Festmahl des Heils und der Köstlichkeit des Ruhms.

So gab sich der Herr selbst als Brot des Lebens dar

und vergoss sein Blut in den Kelch.

Heiliger Leib reinige mich, heiliges Blut wasche mich als heilige

- 116 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 117 -


Lava me ab omni sorde ut te puro queram corde.

Quid hac mensa pretiosius

Quid hoc Sacramento mirabilius

Quo purgantur peccata virtutes augentur

Animus impinguatur dulcedo gustatur spiritualis.

Sancta caro (...)

7. Mater Anna

Per S. Anna

Mater Anna

quisquae personat promissionis foetum peperit,

dulcis Anna quae piissima tantum

vobis fructum edidit

ex quo dulcis Iesus prodiit.

Mater Anna, dulcis Anna, quam beata Domus David

ex quam prodiisti et venter

in quo Deus sanctificationis Aram fabricavit.

Audite gentes inopinatum miraculum.

Audite, Annam congaudete mecum,

quia per divinum germem ex sterili ventre peperi.

Matrem Annam

quisque personat promissionis foetum peperit.

Audite gentes miraculum, audite Filium Mariae,

Flut von allem Unflat, auf dass ich dich mit reinem Herzen begehre.

Was ist kostbarer als dieser Tisch,

was mehr Wunder als dieses Sakrament,

durch welches Sünden weggewaschen, Tugenden gemehrt,

der Geist gesalbt und geistige Ruhe geschmeckt werden können.

Sei gegrüßt, Heiliger Leib....

3 Übersetzung: Sven Schwannberger

3

7. Mutter Anna

Für S. Anna

Mutter Anna,

die die Frucht der Verheißung hervorgebracht hat;

Süße Anna, die, so fromm,

eine solch herrliche Frucht getragen hat,

aus der der süße Jesus entsprang.

Mutter Anna, süße Anna, wie gesegnet ist das Haus Davids,

aus dem du hervorgingst, und dein Leib,

in dem Gott den Altar der Heiligung errichtet hat.

Hört, ihr Völker, dieses unerhörte Wunder.

»Freut euch mit mir, dass ich durch eine göttliche Saat

aus meinem unfruchtbaren Leib geboren habe.«

Mutter Anna,

die die Frucht der Verheißung hervorgebracht hat;

Hört, ihr Völker, dieses Wunder, hört vom Sohn Marias.

- 118 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 119 -


congaudete mecum quia pratum Divino opificium

formatum supra naturam edidi.

Dulcis Anna quae piissima tantum vobis fructum edidit

ex quo dulcis Iesus prodiit.

Mater Anna, dulcis Anna, tu benedictionis fructum

uberibus tuis nutriisti non eius partum

Iesum precatis cruci configimus.

Tu dulcis Anna, tu miserere, tu salva nos, adiuva nos.

8. O Maria

Per La Madonna

O maria quam pulchra es, quam suavis, quam decora.

Tegit terram sicut nebula lumen ortum indeficiens

Flamma ignis Arca federis inter spinas ortum lilium.

Tronum sion in Altissimis in columna nubis positum.

O Maria (...)

Ante saecula creata girum coeli circuivit

sola profundum abissi penetravit

Et in fluctibus maris ambulavit

omnium corda virtute calcavit

Et in hereditate Domini morata est.

Tegit terram (...) O Maria (...)

Alleluia.

»Jubelt mir mir, dass ich einen Nachkommen hervorgebracht habe,

von göttlicher Hand geformt.«

Süße Anna, die, so fromm, eine so herrliche Frucht getragen hat,

aus der der süße Jesus entsprang.

Mutter Anna, süße Anna, du hast die segensreiche Frucht

mit deinen Brüsten genährt; lass uns, die wir zu dir beten,

Jesus nicht mit unseren Sünden ans Kreuz nageln.

Du, süße Anna, sei uns gnädig, errette uns, komm uns zu Hilfe.

3 3

8. O Maria

Für Die Madonna

O Maria, wie schön bist du, wie süß, wie zierlich.

Nebelgleich überzog die Welt ein ohne Unterlass

scheinendes Licht, Feuerflamme, Bundeslade,

zwischen den Dornen erblühende Lilie,Thron von Zion in

höchster Höhe in der Wolkensäule aufgestellt. O Maria....

Vor der Zeit geschaffen umkreiste sie das Rund des Himmels,

durchbrach allein den Abgrund der Hölle,

wandelte in den Fluten des Meeres,

betrat aller Herzen mit ihrer Tugend

und verblieb so im Erbe des Herrn.

Nebelgleich überzog... O Maria,...

Alleluia.

Übersetzung: Sven Schwannberger

- 120 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 121 -


Bella Discordia

Das Ensemble Bella Discordia entstand 2005, als Maria Skiba

und die Harfenistin Reinhild Waldek begannen, eine Auswahl

aus Barbara Strozzis Stücken zu erarbeiten. Der Gesangspart

dieser Stücke erfordert einen beweglichen und

schlanken Sopran und schien vom ersten Moment an wie

3 geschaffen für Maria Skibas Stimme. Bald entstand der

3

Wunsch nach einer größeren Continuo-Formation. Gerd

Amelung und Frank Pschichholz ergänzten mit Cembalo und

Theorbe folgerichtig das Ensemble, später kam noch der

Violonespieler Thomas de Pierrefeu dazu. Diese Continuogruppe

nützt die Farbenvielfalt der verschiedenen Zupfinstrumente,

Theorbe, Gitarre, Harfe und Cembalo wie auch

der Violone, um der Ausdrucksvielfalt von Barbara Strozzis

Musik gerecht zu werden.

Die Musiker hatten bereits in verschiedensten Produktionen

miteinander gearbeitet. Mit Bella Discordia haben sie

nun endlich ihr eigenes Ensemble, in dem sie sich mit ihren

jahrelangen Erfahrungen wunderbar ergänzen. Die Tatsache,

dass alle Ensemblemitglieder, obwohl in verschiedenen

Ländern geboren und aufgewachsen, doch mit erstaunlich

ähnlichen musikalischen Vorstellungen und Erfahrungen

zusammentreffen, macht das gemeinsame Musizieren spannend

und lebendig. Ihr Ziel ist es, einen einzigartigen und

interessanten Klang zu finden, alle erdenklichen Mittel der

Musik des 17. Jahrhunderts, Ornamente, Stimmungssysteme,

Affekte, Klangfarben auszuschöpfen.

Nicht nur die hohe Qualität von Barbara Strozzis Musik hat

das Ensemble zu diesem Programm inspiriert, sondern auch

die Person der Komponistin selbst, die eine herausragende

Persönlichkeit und Musikerin war. Barbaras Geschichte ist

es ebenso wie ihre Musik wert, einer größeren Öffentlichkeit

zugänglich gemacht zu werden.

Maria Skiba studierte historische Gesangstechniken und

mittelalterliche Musik bei Marius van Altena, Rina Cornelissens

und Eric Mentzel am Königlichen Konservatorium in

Den Haag. Ihr an der Jagellonischen Universität Krakau erworbener

Magister in kultureller Anthropologie gibt ihr eine

ausgezeichnete theoretische Basis für ihre musikalischen

Aktivitäten.

Maria Skiba ist spezialisiert auf historische Aufführungspraxis

und singt als Solistin in ganz Europa. Sie arbeitet regelmäßig

mit Ensembles wie Weser Renaissance, Cantus Coelln,

Le Concert Brise, Musica Fiata Köln, Capella Sagittariana Dres-

den und Instrumenta Musica Dresden zusammen. Auch bei

etlichen CD-Aufnahmen und Rundfunkproduktionen hat

sie mitgewirkt.

Reinhild Waldek ist als Spezialistin auf dem Gebiet der

historischen Harfen international gefragt. Sowohl mit ihren

eigenen Ensembles Vivante und Bella Discordia als auch

als festes Mitglied der Ensembles Tasto Solo, Unicorn und

Accentus Austria spielt sie Konzerte in ganz Europa. Als

Continuospielerin wird sie regelmäßig von Ensembles wie

- 122 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 123 -


L'Arpeggiata, Akademie für Alte Musik Berlin, Les Cornets

Thomas de Pierrefeu studierte Kontrabass an den Kon-

Noirs und L'Orfeo Barockorchester eingeladen.

servatorien Aix de Provence und Saint Maur und anschlie-

Reinhild Waldek absolvierte ihre Studien am Brucknerkonßend

Violone bei Richard Myron am Conservatoire Nationale

servatorium Linz sowie bei Walter van Hauwe, Sebastien Marq

Superieur de Musique (CNSM) in Paris.

und Christina Pluhar in Holland.

Thomas spielt regelmäßig mit Il Seminario Musicale (Gérard

Lesnes), Concerto Vocale (René Jacobs), Les Paladins (Jérôme

Gerd Amelung studierte Cembalo, Clavichord und Ge-

Correas), L'Ensemble Baroque de Limoges (Christophe Coin),

3 neralbasspraxis in Weimar und Basel. Seit 2004 ist er als frei-

Le Concert d'Astrée (Emmanuelle Haim), Les Arts Florissants 3

schaffender Cembalist tätig, als Continuospieler arbeitet

(William Christie) und Les Grandes Chapelles in Madrid.

er mit Ensembles wie Kammerorchester Basel barock, Akade-

Er ist außerdem Mitbegründer der Ensembles Le Cercle de

mie für Alte Musik Berlin und RIAS Kammerchor zusammen

und war mit diesen Ensembles an diversen CD- und Rundfunkaufnahmen

beteiligt. Er unterrichtet an der Weimarer

Musikhochschule Sänger in barocker Stilistik und Generalbasspraxis

für Dirigenten.

l'Harmonie und Sit Fast Consort.

Frank Pschichholz studierte klassische Gitarre bei

Klaus Hempel und Laute bei Nigel North und Stephen Stubbs.

Seine Konzerttätigkeit führte ihn nach Russland, Polen,

Skandinavien und in die USA. Er wirkte bei Rundfunkaufnahmen

und bei CD Produktionen für Capriccio (Tölzer

Knabenchor, Musikalische Compageney) und Marc Aurel

Edition (Ensemble Anima Mea) mit.

Frank Pschichholz ist Gründungsmitglied der Renaissancegruppe

Gargantuas Nachfahren und Gründer von The Foscarini

Experience. Schwerpunkte seiner Arbeit sind zur Zeit

die Kompositionen von Giovanni Paolo Foscarini und John

Dowland.

- 124 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 125 -


Angélica Castelló Blockflötistin, (+

Rosenfeld, Veryan Weston, John Butcher, dieb13, Kazu Uchi-

electronic devices, toys, distortions und

hashi u. v. a. trat sie in Europa und Amerika auf.

3 feedbacks und electronics), Komponistin,

Als Komponistin schreibt sie für ihr eigenes Instrumentari- 3

Improvisatorin, Klangkünstlerin, Kuratoum

(vornehmlich Paetzold-Subgroßbassblockflöte, mit und

rin, Lehrerin.

ohne Elektronik), für Ensembles (u.a. Danubia Saxophon-

*1972 México City. Sie studierte Musik in

quartett, subshrubs) sowie für Theater und Tanz; sie kom-

ihrer Geburtsstadt (Conservatorio Nacional de México), in

ponierte auch mehrere elektronische und elektroakustische

Montreal (Université de Montréal), Amsterdam (Conserva-

Werke. Ihre Musik ist u.a. auf den Labels Einklang records,

torium van Amsterdam) und Wien (Konservatorium der Stadt

Mandorla label, chmafu nocords erschienen und wurde in

Wien, Institut für Elektroakustische und Computer Musik).

Seit 1999 lebt sie in Wien, wo sie unterrichtet, im Jahr 2004

zahlreichen Radiosendungen präsentiert.

die Konzertreihe »Neue Musik in St. Ruprecht« gründete

Zahlreiche KomponistInnen wie Hilda Paredes, Daniel de la

und diese seither organisiert. Sie arbeitet spartenübergrei-

Cuesta, Katharina Klement, Burkhard Stangl, JSX, Mario

fend mit TänzerInnen, SchriftstellerInnen, MusikerInnen,

Lavista u.a. arbeiteten mit Angélica Castelló oder widmeten

VideokünstlerInnen und SchauspielerInnen zusammen.

ihr neue Werke.

Wiewohl sie der Alten Musik treu geblieben ist (Ensemble fiori

musicali), steht im Zentrum ihrer Arbeit die neue und elektroakustische

Musik: Mitgründung der Ensembles low frequency

orchestra, subshrubs, los autodisparadores (mit Thomas Grill

und Katharina Klement), frufru (mit Maja Osojnik), cilantro

(mit Billy Roisz), subshrubs (mit Katharina Klemen, Billy Roisz

und Maja Osojnik) und Chesterfield (mit Burkhard Stangl).

Mit diesen Ensembles und anderen MusikerInnen wie Olga

Neuwirth, Wolfgang Mitterer, Martin Siewert, Eva Reiter, Marina

Sie spielte bei renommierten Festivals wie den Klangspuren,

Salzburger Osterfestspiele, Musikprotokoll, Music Unlimited

in Wels, Ulrichsberger Kaleidophon, Kontraste Krems,

Osterfestival in Tirol, lmc festival (London), Taktlos Bern,

Grabenfesttage Wien, Numusic (Norwegen), Interpenetration

(Graz), Radar (Mexiko) und wirkte als artist in residence in

Schrattenberg (A) und in Topolo (I).

- 126 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 127 -


Angélica Castelló

Lamento (2010)

Gewidmet dem Ensemble Bella Discordia

Io ti aspetto, ti aspetto, figlia mia,

Ich warte auf dich, ich warte auf dich, meine Tochter

io ti aspetto fino all'una:

ich warte auf dich bis ein Uhr nachts

quando vedrò che non vieni

und wenn ich sehe, dass du nicht kommst

3 ti cercherò nel vicinato.

suche ich dich in der Nachbarschaft.

3

Io ti aspetto, ti aspetto, figlia mia,

io ti aspetto fino alle cinque:

quando vedrò che non vieni

ti cercherò da tutti i parenti.

Io ti aspetto, ti aspetto, figlia mia,

io ti aspetto per quaranta giorni:

quando vedrò che non vieni

perderò ogni speranza.

(Trad. Canto di pianto aus Salento)

Ich warte auf dich, ich warte auf dich, meine Tochter

ich warte auf dich bis fünf Uhr früh

und wenn ich sehe, dass du nicht kommst

suche ich dich bei der Verwandtschaft.

Ich warte auf dich, ich warte auf dich, meine Tochter

ich warte auf dich vierzig Tage

und wenn ich sehe, dass du nicht kommst

verliere ich die Hoffnung.

- 128 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 129 -


Angélica Castelló

über ihre Arbeit als Komponistin:

komponieren

componer hat auf spanisch 2 bedeutungen:

3

1. klänge ordnen, komponieren

2. etwas reparieren

3

ich mag diese 2 pole.

der weg zur komposition führte im meinem fall über unerschöpfliche

auseinandersetzungen, kampf und forschung mit meinem

eigenen instrument, dessen möglichkeiten, erweiterungen und

grenzen. um die klangoptionen der flöte zu erweitern, bin ich in

die wundersame welt der elektronik eingetaucht und langsam

auch in andere klangliche kosmen, wo ich nicht hinein gehöre...

forschen, komponieren, reparieren, kreieren, um diese welten zu

verstehen... bis ich es schaffe, selbst neue kosmen zu kreieren, die

die klänge, meine träume und albträume reflektieren und so die

schleife schließen zwischen dort und hier.

Autogramme

- 130 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 131 -


Samstag, 11.09., 24.00 Uhr

Seminarkirche Tanzenberg

Folk Songs &

Mittelalterliche Polyphonie

Trio Mediæval & Birger Mistereggen

Einleitung

Seit der Gründung unseres Ensembles im Jahr 1997 haben

norwegische Folk Songs und mittelalterliche Balladen unser

geistliches und zeitgenössisches Musikrepertoire bereichert.

Obwohl keine von uns ursprünglich aus der Volksmusik

kam, waren wir dennoch von Volksmusik umgeben.

Diese Lieder sind uns seit unserer Kindheit vertraut. Sie in

unserer Muttersprache zu singen und für unsere Stimmen

und unseren eigenen Klang zu bearbeiten, war ein spannendes

Erlebnis.

Begeistert von der Schönheit der Melodien, Harmonien

und rhythmischen Strukturen hat Linn Andrea einige dieser

Lieder für das Ensemble bearbeitet. Als Inspiration dienten

ihr unter anderem Interpretationen von Kirsten Bråten

Berg, Sondre Bratland, Agnes Buen Garnås, Berit Opheim,

4 Unni Løvlid, dem weiblichen Vokaltrio Tiriltunga und Tone 4

Krohn. Tone sammelte eine Vielzahl an Melodien aus ihrer

Heimatregion Vestfold in Südnorwegen (einer Gegend, die

nicht gerade für ihre Volksmusik bekannt ist), wo auch Linn

Andrea aufwuchs. Wir schätzen uns glücklich, dass wir so

eng mit Tone zusammenarbeiten konnten, die viele der Folk

Songs in unserem Repertoire arrangierte.

Eine klangliche Besonderheit der norwegischen vokalen

Volksmusik ist die Tradition, ohne Worte zu singen. Dieser

Stil ist auch als »tulling«, »sulling« oder »tralling« bekannt:

hier wird eine Folge von Konsonanten von dem Sänger erfunden

oder improvisiert. In der Tanzmusik, die sich durch

rhythmische, oftmals schnelle Passagen im Instrumentalklang

sowie durch unregelmäßige Taktschläge auszeichnet,

erzeugen die Sänger ihren eigenen Klang durch die Verwendung

von Plosivlauten und nasalen Konsonanten mit

relativ hellen Vokalen. Eine typische »Tralling«-Sequenz

(wie in Springdans, Bruremarsj, Eg aktar inkje) wäre z. B. die

Lautfolge »tra di da di dadi damm di dadndidå«. Hier zeigt

sich eine auffallende Ähnlichkeit mit der als »mouth music«

- 132 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 133 -


ekannten schottischen oder irischen Tradition. Weiter gibt

Stil des »tralling« aus. Später hat Andrew Smith einige Be-

es einen traditionellen Gesang, der als »lokk« oder »laling«

arbeitungen von Tiriltunga für uns transkribiert. Auf dieser

bekannt ist: kurze Motive, die gesungen werden, um nachts

Tournee dachten wir vermutlich erstmals ernsthaft über die

auf entfernten Berghöfen das Vieh zum Stall zu rufen, oder

Zusammenstellung eines rein norwegischen Programms

die als wirksames Kommunikationsmittel über weite Entfer-

nach. Außerdem nahmen wir uns vor, den Percussionisten

nungen dienen (wie in Till, till Tove). Abgesehen von den

Birger Mistereggen, der sich auf die traditionelle norwegi-

eben beschriebenen Gesangformen ist der Text ein wichtische

Trommeltradition spezialisiert hat, für dieses Projekt

ges Element in der Tradition der vokalen Volksmusik.

zu gewinnen. Wir hatten in der Vergangenheit bereits mehrmals

mit Birger zusammengearbeitet und dabei verblüfft

4 Ebenso wie Kulturen, Sprachen und Mundarten von Ort

festgestellt, wie Trommel, Maultrommel und andere Schlag- 4

zu Ort variieren, sind die musikalischen Ausdrucksformen

instrumente unseren Gesang durch weitere Klangstruktu-

nicht homogen. Es ist charakteristisch für die norwegische

ren und rhythmische Grooves bereicherten. Vielleicht eine

Volksmusik, dass ein bestimmtes Lied oder eine Ballade mit

ungewöhnliche Konstellation – aber uns begeistert der Klang

einem besonderen Ort, einem Ereignis oder sogar einer

spezifischen Person verbunden wird. In der Volksmusik

dieser Instrumente als Gegengewicht zu unseren Stimmen.

sprechen wir nicht von Komponisten, sondern führen ein

Die Verwendung seilbespannter Trommeln geht in Nor-

besonderes Lied eher auf einen Interpreten zurück, indem

wegen wahrscheinlich auf mittelalterliche Zeiten zurück.

wir das Wort »nach« im Sinne von »in der Interpretation

Um 1628, als Norwegen seine eigene unabhängige Armee

von« verwenden. Wir erwähnen dabei nur die Quelle, von

gründete, wollte jedes Regiment eigene Trommler haben.

der wir selbst die Melodie gehört und gelernt haben, ob-

Der militärische Bezug führte dazu, dass die Trommel als

wohl sie möglicherweise auf eine mündliche Überlieferung

Instrument hohen Respekt genoss. Trommler waren auf

über viele Generationen zurückgeht.

Hochzeiten, Tänzen und anderen feierlichen Anlässen begehrte

Musiker. Damit wurde die militärische Trommeltra-

Trio Mediæval ist besonders der Gruppe Tiriltunga verdition

auch zur Volksmusiktradition. Bei Trauungen spielte

pflichtet, die uns über die Jahre eine unerschöpfliche Quelle

der Trommler den Hochzeitsmarsch beim Einzug in die und

der Inspiration war. Erstmals hörten wir Tiriltunga zusam-

Auszug aus der Kirche; er kündigte die Gäste an und hieß

men im Jahr 2000 auf einer Schul-Konzerttour im Autora-

sie willkommen, und am zweiten und dritten Tag der übdio,

als wir Kilometer um Kilometer durch die triste Landlicherweise

dreitägigen Hochzeitsfeierlichkeiten weckte er

schaft Nordnorwegens fuhren. Wir sangen mit und malten

die Gäste am Morgen, um eine neue Runde der Festlich-

uns die unterschiedlichen Stimmen, Verzierungen und den

keiten einzuleiten. Diese Traditionen blieben bis ins 20. Jh.

- 134 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 135 -


lebendig (in einigen Teilen des Landes hielten sie sich bis

1940), verschwanden dann jedoch gemeinsam mit dem alten

Englische Polyphonie des Mittelalters

Militärsystem. Wären die zwischen 1915 und 1935 niederge-

Die heutige Aufführung mittelalterlicher Musik unterscheischriebenen

Transkriptionen der norwegischen Trommel-

det sich grundlegend von ihrem ursprünglichen Kontext.

musik von Johannes Sundvor nicht erhalten geblieben, wüss-

Wir setzen diese Musik in einen neuen Zusammenhang: Keiten

wir heute nur noch sehr wenig von dieser Tradition.

nes der Stücke entstand als Teil eines Konzertprogramms

oder für die Art von Publikum, vor dem wir heute spielen.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Volksmusik kaum

Eines unserer Hauptprobleme als zeitgenössische weibliche

gesammelt und transkribiert. Ludvig Mathias Lindeman be-

Interpreten mittelalterlicher Musik liegt darin, dass wir nie

4 gann 1848 mit der Sammlung von Musik aus den ländlichen

historische Authentizität erzielen können (sosehr wir uns 4

Gebieten Norwegens, etwa zur selben Zeit, als auch verschie-

darum bemühen mögen), schon allein aufgrund der damali-

dene berühmte Fiddler mit der Zusammenstellung und Trans-

gen Marginalisierung der Frau durch die Kirche. Die Musik

kription musikalischen Materials begannen. Es war eine Zeit

des vorliegenden Programms wäre im Mittelalter höchst-

intensiven Bemühens um nationale Identität nach der Erwahrscheinlich

von Männerstimmen interpretiert worden.

langung der norwegischen Unabhängigkeit von Dänemark

Wir erzeugen also eine Klangwelt, für die es historisch

im Jahr 1814; Komponisten wie Lindeman, Johan Halvorsen

kaum Nachweise gibt. Wir wissen allerdings, dass sich der

und Edvard Grieg schlugen damals Brücken zwischen Volks-

liturgische Tagesablauf der Nonnen in nichts von dem ihmusik

und Kunstmusik, indem sie traditionelle Elemente in

rer männlichen Kollegen unterschied, und dass sie in ihren

ihre Kompositionen einbanden und die Volksmusik so ins

Klöstern monophone Stücke sangen. Wir werden vielleicht

Bewusstsein der gebildeten städtischen Mittelklasse rück-

nie erfahren, inwieweit Frauen polyphone Musik sangen

ten. Die Ursprünge der Volksmusik sind zweifelsohne in-

oder zur Verfügung hatten. Es sind jedoch Handschriften

ternationaler, als es die Begründer des norwegischen Na-

aus sechzehn Klöstern in Europa erhalten, die zweistimmitionalbewusstseins

im 19. Jahrhundert wahrhaben wollten.

ge und/oder dreistimmige Stücke beinhalten, was darauf

hindeutet, dass Frauen vermutlich polyphone Werke san-

Wir betrachten diese Aufführung als unseren Beitrag zu einer

lebendigen mündlichen Überlieferung – obwohl diese

gen, wenn sie Zugang zu ihnen hatten.

Lieder unsere musikalische Handschrift tragen, erhielten

Heute gehen wir davon aus, dass die Frauen und Männer,

sie ihre besondere Färbung durch alle, die vor uns diese

die damals geistliche Vokalmusik sangen oder hörten, im

Musik gespielt und weitergegeben haben.

Zusammenhang mit religiösen Einrichtungen standen und

Trio Mediæval und Birger Mistereggen

überzeugt von ihrem christlichen Lebensstil waren. Anders

- 136 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 137 -


als ihre mittelalterlichen Vorfahren sind die modernen Interpreten

mittelalterlicher Musik und ihr Publikum nicht

zwangsläufig religiös. Jeder kann heute diese Musik singen,

sei er religiös oder nicht, und die spirituellen Deutungen

sind vermutlich ebenso zahlreich wie die Interpreten. Ebenso

steht es den heutigen Hörern frei, selbst zu entscheiden,

wie sie zu spirituellen Fragen stehen.

Bei Aufführungen mittelalterlicher Musik bleiben viele Fragen

offen. Die Mitglieder des Trio Mediæval haben deshalb

beschlossen, gerade diesen Mangel an Information zu einem

Element ihrer Interpretation zu machen. Wir haben das Gefühl,

dass gerade die Aufführung mittelalterlicher Musik in

unserer heutigen Zeit uns die Freiheit gibt, unsere Phantasie

und unsere Ideen so fließen zu lassen, als hätten wir es mit

zeitgenössischer Musik zu tun.

Wie diese Musik tatsächlich im Mittelalter geklungen hat,

Heute Abend bringt jeder Einzelne im Publikum seine ganz

persönlichen Erfahrungen mit und wird deshalb die Musik

und ihren Kontext auf eigene Weise empfinden. Gemeinsam

ist uns, dass wir norwegische Volkslieder und englische Polyphonien

des Mittelalters erleben werden.

4 lässt sich heute nicht mehr feststellen. Es ist daher unmög-

4

lich, einen mittelalterlichen Vokalklang originalgetreu zu

Noch mehr als dies aber eint uns die Tatsache, dass wir le-

rekonstruieren. Wir verfügen weder über Tonaufnahmen

bendig sind – hier und jetzt in diesem Augenblick.

noch über präzise Beschreibungen im Hinblick auf die ver-

Anna Maria Friman

wendeten Klang- oder Gesangstechniken, sondern können

lediglich auf knappe schriftliche Anweisungen für die Sänger

zurückgreifen. Am problematischsten bei der Interpretation

einer mittelalterlichen Quelle (abgesehen davon,

dass die meisten von uns sich das mittelalterliche Latein erst

einmal übersetzen lassen müssen) ist die Tatsache, dass die

Norm (die damals allen klar war) für uns unbekannt ist. Natürlich

gibt es eine umfangreiche mittelalterliche Ikonographie,

aber es ist unter Umständen noch schwieriger, einen

Klang aus einem Bild abzuleiten als von einem Text. Und

selbst wenn es uns gelänge, hätten wir nie Gewissheit…

Übersetzung: Almut Lenz-Konrad

- 138 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 139 -


Programm

1. Springdans fra Vestfold

Traditional Vestfold, Arrangement Tone Krohn

2. Det lisle bånet

Traditional Telemark, Arrangement Tone Krohn

3. So ro, godt barn

12. Lova Line

4 Traditional Vestfold, Arrangement Tone Krohn

Traditional Vest-Agder, Arrangement Linn Andrea Fuglseth 4

4. Den signede dag

Traditional Vestfold, Solo: Torunn Østrem Ossum

5. Chorum

Traditional, Arrangement Birger Mistereggen

6. I mine kåte ungdomsdagar

Traditional Hallingdal, Arrangement Andrew Smith

7. Salve mater misericordie

Anonym, England, 14. Jh.

8. Salve virgo virginum

Anonym, England, 14. Jh.

9. Dou way, Robyn / Sancta mater

Anonym, England, 13. Jh.

10. Rolandskvadet

Mittelalterl. Ballade, Arrangement Linn Andrea Fuglseth

11. Solbønn

Traditional Telemark, Solo: Linn Andrea Fuglseth

13. Trumbeslaat

Traditional, Arrangement Birger Mistereggen

14. Lokk

Traditional Vestfold, Arrangement Tone Krohn

15. Till, till Tove

Traditional Vestfold, Arrangement Tone Krohn

16. Sordølen

Traditional Setesdal, Arrangement Birger Mistereggen

17. Sven Svane

Traditional Telemark, Solo: Berit Opheim Versto

18. Brureslått

Traditional Sogn, Arrangement Berit Opheim Versto

- 140 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 141 -


19. Flos regalis

Anonym, England, 13. Jh.

20. Beata viscera

Anonym, England, 13. Jh.

21. Quem trina polluit

Anonym, England, 13. Jh.

4 22. Villemann og Magnhild

Mittelalterl. Ballade, Arrangement Linn Andrea Fuglseth

4

23. Bruremarsj

Traditional Gudbrandsdalen, Arrangement Tone Krohn

24. Eg aktar inkje

Traditional Telemark, Arrangement Tiriltunga

- 142 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 143 -


Texte

2. Det lisle bånet

Å, Gullmund han ville te gjestebod fara,

Sådomereven, kå gjorde han der?

Å, reven sku taka gjæsann i vari.

Bånet dotte, blomekinna.

Han lokka reven av bosjen inn.

Å, Gullmund han kom seg av gjestebodi heim,

Sådomereven, kå gjorde han der?

Å fyri satt reven, den valboren svein.

Bånet dotte, blomekinna.

Han lokka reven av bosjen inn.

Å, kjære Gullmund, du biar meg ei stund,

Sådomereven, kå gjorde han der?

Ti eg fær skifte mine sjælegaver um

Bånet dotte, blomekinna.

Han lokka reven av bosjen inn.

Det lisle bånet gjev eg min skalle,

Sådomereven, kå gjorde han der?

Han må så titt i golvet falle.

Bånet dotte, blomekinna.

Han lokka reven av bosjen inn.

2. The Little Child

Gullmund was off, he'd been asked to a feast

Foolish fox, what was he up to?

and the fox was left to guard the hens.

The baby fell down, cheeks all rosy,

and lured the fox inside.

4 4

Gullmund returned from the banquet and found

Foolish fox, what was he up to?

a satisfied creature, the fox by the door.

The baby fell down, cheeks all rosy,

and lured the fox inside.

Dear Gullmund, stay with me a while,

Foolish fox, what was he up to?

until I've changed my ways.

The baby fell down, cheeks all rosy,

and lured the fox inside.

To the little child I'll give my skull,

Foolish fox, what was he up to?

for he seems prone to fall.

The baby fell down, cheeks all rosy,

and lured the fox inside.

- 144 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 145 -


Klokkaren gjeve eg min tunge,

Sådomereven, kå gjorde han der?

Han må så ofte baa les og sjunge.

Bånet dotte, blomekinna.

Han lokka reven av bosjen inn.

3. So ro, godt barn

To the sexton I'll give my tongue,

Foolish fox, what was he up to?

for he often has to read and sing.

The baby fell down, cheeks all rosy,

and lured the fox inside.

3. Rest now, sweet child

4 So ro, godt barn

Rest now, sweet child

4

mor spinner blått garn,

mother's spinning blue thread,

by, by liten ting.

bye, bye, my little one.

Snart kommer pappa'n din,

Your daddy will be coming soon,

han kjører plogen,

he's out ploughing the field,

søster går i skogen.

sister's walking in the woods.

Søster gjeter sauene

Sister's herding the sheep

langt nord i hauene,

in the hills to the north,

bror står i uren

brother's up at the scree

og blåser i luren.

blowing his horn.

Bukken går i lunden

The goat's in the meadow,

med løv og gress i munnen.

with its mouth full of leaves and grass.

- 146 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 147 -


4. Den signede dag

Den signede dag, den salige tid

Hver morgen vi burde betenke.

Da nådens sol så vennlig og blid

Rant opp for all verden å blinke.

Og hyrdene hørte Guds engler i sky.

Som sang om at dagen er kommet.

4 Rett så som en fugl mot himmelens høyd

Like a bird rising to the heights of heaven,

4

Seg svinger på ledige vinger.

gliding on effortless wings,

Den priser sin Gud, er glad og fornøyd.

praising God, joyful and content,

Når den over jorden seg svinger;

soaring above the earth,

Så løfter seg sjelen i åndelig fryd

my soul lifts itself in spiritual joy

Til himlen med lovsang og bønner.

to heaven in prayer and praise.

6. I mine kåte ungdomsdagar

I mine kåte ungdomsdagar, eg minnest dei so vel.

Eg va' så fri fe' plagur, og ha' så glad ei sjel.

Så tok eg te å tenkje på hoss detta kom te gå,

om eg kunne få ein gut som eg kunne lite på.

Dei pratar om å gifte seg, men hu det e'kje godt

å leite ut eit mannfolk iblant så stor ein flokk.

Ein flink og fin og snål den er vanskeleg å få,

og skull'n vera doven, då blei det inga råd.

4. The day of joy

Every morning we should bear in mind

the day of joy, the blessed time

when the sun of mercies so graciously

arose and shone for the world,

and the shepherds heard the angels of God in the sky

singing that the day had come.

6. In my reckless, youthful days

In my reckless, youthful days – I recall them well –

I was free of worries and was such a happy soul.

Then I began to think about just how it all would end,

if I could find a decent boy on whom I could depend.

They often talk of marrying, but it's no easy job

to pick a real gentleman from such a motley mob.

A clever, fine and fancy one's not easy to procure,

and should he turn out lazy, it's a fate you must endure.

- 148 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 149 -


Når eg ska' sei mi meining så trur eg no visst det

at det va' mykje bære å aldri gifte seg.

Men fara fint og leike seg med guten litt iblant,

og einkvar henta gongen sova i hans fang.

7. Salve mater misericordie

Salve mater misericordie

Hail, mother of mercy

4 Stella maris decus ecclesie

Star of the Ocean and highest glory of the church

4

Porta via celestis curie

You are the gateway of the court of heaven

Mundi salus et datrix venie.

The salvation of the world and the giver of pardon.

Que portasti regem justitie

Miro modo non nostra serie

Miserere huius familie

Et a malis serva nos hodie.

I'll tell you what I think of this, and I believe it true,

that marrying is something which it's better not to do.

Go about your life and see your boy from time to time,

And cherish every chance you have to linger in his arms.

7. Hail, mother of mercy

You who bore the King of Righteousness

In miraculous manner, not from lineage

Have mercy on this family

And keep us safe from evil this day.

- 150 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 151 -


8. Salve virgo virginum

Salve virgo virginum

Parens genitoris,

Salve lumen luminum,

Radius splendoris.

Salve flos convallium,

Stilla veri roris,

4 Nostra spes in te.

Our hope is in you.

4

Salve virgo regia

Hail, royal maiden,

Porta salutaris,

Gate of salvation,

Veri viri nescia,

Who never knew a man,

Quia decum paris.

Because you gave birth to God.

Ave quia deica

Hail to you, because you were fruitful

Prole fecundatis,

With a divine offspring;

Nostra spes in te.

Our hope is in you.

Ave nostre spei

Finis et salutis,

Ave per quam rei

Letantur cum tutis.

Ave speciei

Decus et salutis,

Nostra spes in te.

8. Hail, maid of maidens

Hail, maid of maidens,

Mother of the creator;

Hail, light of lights,

Beam of shining brightness;

Hail, flower of the valleys,

Drop of pure dew,

Hail, final point of our hope

And our salvation;

Hail to you, the one through whom

The accused rejoice with the saved;

Hail, model of

beauty and salvation;

Our hope is in you.

- 152 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 153 -


9. Dou way, Robyn / Sancta mater

Sancta mater gratiae, stella claritatis

visita nos hodie plena pietatis.

Veni, vena veniae mox incarceratis,

solamen angustiae, fons suavitatis.

Recordare, mater Christi, quam amare tu flevisti;

Remember, mother of Christ, how bitterly thou didst weep;

4 juxta crucem tu stetisti, suspirando viso tristi.

thou didst stand beside the cross sighing at the sad sight. 4

O, Maria, flos regalis, inter omnes nulla talis;

Tuo nato specialis nostrae carnis parce malis.

O, quam corde supplici locuta fuisti,

Gabrielis nunci i cum verba cepisti.

'En ancilla Domini', propere dixisti;

vernum vivi gaudii post hoc perperisti.

Gaude, digna, tam benigna caeli solio;

tuos natos, morbo stratos, redde filio.

Dou way, Robyn, the child wile weepe;

dou way Robyn.

9. Hush, Robin / Holy mother of grace

Holy mother of grace, star of brightness,

visit us today, full of compassion.

Come soon, channel of pardon, to those in prison,

as a solace of misery, a source of sweetness.

O Mary, royal flower, among all women nonesuch,

in thy son unequalled, forgive the sins of our flesh.

O, with how humble a heart thou didst speak

when thou didst receive the words of Gabriel the messenger.

'Behold the handmaid of the Lord', thou didst quickly say;

thereafter thou didst bear the springtime of living joy.

Rejoice, worthy lady, so gracious, in the throne of heaven;

restore thy children, brought low by vice, to the Son.

Stop it, Robin, the child will weep;

stop it, Robin.

- 154 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 155 -


10. Rolandskvadet

Seks mine sveinar heime vera

og gjøyme det gullet balde

Dei andre seks på heidningslando

gjøyme dei jarni kalde.

Ria dei ut or Franklandet

med dyre dros i sadel.

Blæs i luren, Olifant,

på Ronsarvollen.

Slogest dei ut på Ronsarvollen

i dagane två og trio,

då fekk'kje soli skine bjart

for røykjen av manneblodet.

Ria dei ut or Franklandet

med dyre dros i sadel.

Blæs i luren, Olifant,

på Ronsarvollen.

Roland sette luren for blodiga mundi

blæs han i med vreide.

Då rivna jord og jardarstein i trio døger av leide.

Ria dei ut or Franklandet

med dyre dros i sadel.

Blæs i luren, Olifant,

på Ronsarvollen.

10. The Song of Roland

Six men stayed behind

to guard their gold;

the other six, in heathen lands,

brandished cold steel.

They rode out of Frankish lands

with spoils in their saddles.

Blow your horn, Olifant,

at Roncevaux.

4 4

They fought at Roncevaux

for two days, if not three;

and the sun could not shine clear

through the stench of the soldiers' blood.

They rode out of Frankish lands

with spoils in their saddles.

Blow your horn, Olifant,

at Roncevaux.

Roland placed the horn to his bloodied mouth

and blew with all his might.

The earth shook and the mountains

resounded for three days and nights.

They rode out of Frankish lands

with spoils in their saddles.

Blow your horn, Olifant,

at Roncevaux.

- 156 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 157 -


11. Solbønn

Tru soli måtte skine

yvi småbodni mine,

yvi topp, yvi tre

yvi folk, yvi fe,

yvi åker og eng,

yvi hus og hjem

og yvi jomfru Marias silkjeseng.

12. Lova Line

Lova, lova Line,

lat no soli skine

for småbodni mine.

Skur liten spikkje,

lån meg dine vengji,

Kor langt vil du fjuke?

Langt nord i heiann', der site møyann'

og sauma på gulltrøyann',

der site drengjinn',

spilarr på gullstrengjinn'.

Der e godt å liva og døy

for adde dei tolv småbodni.

Lova, lova Line,

lat no soli skine

for småbodni mine.

11. Sun-prayer

May the sun shine

upon my little children,

upon the peak, upon the tree,

upon my kin, upon my herd,

upon the meadow and the field,

upon my house and home

and upon the Virgin Mary's silken bed.

4 4

12. Lova Line

Lova, lova Line,

let the sun shine

upon my little children.

Little bird,

lend me your wing,

how far will you fly?

On the moor to the north sit the maidens

sewing their shirts of gold;

there sits the boy,

playing on strings of gold.

It is a good place to live and die

for all the twelve small children.

Lova, lova Line,

let the sun shine

upon my little children.

- 158 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 159 -


15. Till, till Tove

17. Sven Svane

Sven Svane han ganger seg et stykke ut på veg,

der møtte det hannem en vandringsmann.

Å hør nå min vandring hva jeg spørger deg

og om du på de spørsmåla vil svara meg.

Hva er det som er rundare enn rundaste hjul,

og hvem synger høyest utav all kreatur?

Hva er det som er hvitere enn svanen,

og hvem roper høyere enn tranen?

15. Till, till Tove

Till, till Tove

Till, till Tove

tolv mand i skoge.

Twelve men in the forest,

Tolv mand vare di,

twelve men were they.

tolv mand svare di.

They stabbed the bull,

Store stuten stinga di,

tied up the bell cow,

Bjøllekua binda di,

beat the herdsman,

Gjeslehølingen dengde di,

and slashed the farm dog.

4 Fehunden flengde di

They led the rest of the cattle

4

Alt det andre lause fe dro di

far into the hills.

langt oppover åsane.

Franse and Skaute

Franse og Skaute

were high up on Dåre mountain, calling.

sto høgt oppå Dårefjell og raute.

There I heard my dear Litago,

Der hørte jeg mi Litago,

mooing and moaning.

ho rauta, ho sauta.

Men jeg torde inte svara ho.

But I dared not answer her.

17. Sven Svane

Svend Svane went out on the road one day

and met a wanderer upon his way.

Listen, wanderer, to these questions I ask,

and consider if you might answer them.

What is it that's rounder than the roundest wheel

and who sings the brightest of all creatures?

What is it that's whiter than the swan,

and who cries louder than the crane?

- 160 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 161 -


Jo himmelen er rundare enn rundaste hjul

og englen synger høyest utav all kreatur.

Månen den er hvitere enn svanen

og torden roper høyere enn tranen.

Og vet du nå dette, så vet du fulla mer,

Sven Svane tok gullringen utav fingeren ned,

og gav så den vandringsmann for svara.

Og dermed skiltest båe desse kara.

19. Flos regalis

Flos regalis

virginalis

chori dux egregia

quam Iesse

natam esse

stripe constat regia.

Rosa fragrans, primula vernalis,

servos tuos libera de malis.

Rex te salem

ad regalem

introduxit thalamum

flos decoris

et honoris

precellentis balsamum.

Tu glorie speculum,

solis umbraculum,

da famulis gaudium.

The heavens are rounder than the roundest wheel

and the angel sings brightest of all creatures.

The moon is whiter than the swan

and the thunder cries louder than the crane.

And now you know this, you know much more;

Sven Svane took the gold ring off his finger

and gave it to the wanderer for his answers.

And so they parted company.

4 4

19. The royal flower

The royal flower

virginalis the glorious leader

of the virginal chorus,

whom, they say,

was born

from Jesse's royal stem.

O fragrant rose, first bud of spring,

free thy servants from evils.

The King

has led you pure

into his royal chamber,

O flower of elegance

and honour,

surpassing all fragrance.

You are a mirror of glory,

shade for the sun:

grant joy to your servants.

- 162 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 163 -


20. Beata viscera

Beata viscera

Marie virginis,

Que fructo gravida

Eterni germinis;

In vite poculo

Propinat seculo

[Pro mala hominis

Potum] dulcedinis.

21. Quem trina polluit

Quem trina polluit

prius negatio,

peccatum diluit

trina confessio:

qui purum abliut,

Petrum admonuit

veri iudicio.

A petra diceri,

O Petre, rectius,

eo quod ceteris,

in fide firmius;

mille sustinuit

penas martyrio.

Mille sustinuit

Palmas in premio.

20. The blessed flesh

Hail the blessed flesh

Of the virgin Mary,

Which was laden with fruit

Of the eternal seed

In the cup of life.

She offers to the world,

On behalf of man's evils,

The draught of sweetness.

4 4

21. Whom earlier the threefold denial defiled

Whom earlier the threefold

denial defiled,

his sin was softened

by a threefold confession:

he who washed him pure,

chided Peter

by a judgment of truth.

Thou wast said to come from a rock,

O Peter, more righteously

than the others,

and in faith more firm;

he who sustained a thousand

punishments in martyrdom,

now holds a thousand

palms in reward.

- 164 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 165 -


Post lapsum steteris,

et dimicaveris

cruce nobilius;

qui sic promeruit

nobis ut meruit

perfrui gaudio.

22. Villemann og Magnhild

22. Villemann and Magnhild

4 4

Villemann gjekk seg te storan å,

Villemann went down to the wide river,

Hei fagraste lindelauvi alle

O beautiful leaves of the linden tree

Der han ville gullharpa slå,

to play upon his harp of gold.

For de runerne de lyster han å vinne.

For he wanted victory over the runes.

Villemann gjenge for straumen å stå,

Hei fagraste lindelauvi alle

Mesterleg kunne han gullharpa slå

For de runerne de lyster han å vinne.

Han leika med lente, han leika med list,

Hei fagraste lindelauvi alle

Og fugelen tagna på grønande kvist

For de runerne de lyster han å vinne.

Han leika med lente, han leika med gny,

Hei fagraste lindelauvi alle

Han leika Magnhild på nykkens arm

For de runerne de lyster han å vinne.

After they lapse thou didst hold firm,

and did fight

by the Cross most gloriously;

thus as he gained merit

for us, so did he deserve

to enjoy eternal joy.

Villemann stood beside the torrent,

O beautiful leaves of the linden tree

playing masterfully upon his golden harp.

For he wanted victory over the runes.

He played softly, he played skilfully,

O beautiful leaves of the linden tree

and the birds fell silent on their green perch.

For he wanted victory over the runes.

He played softly, he played loudly,

O beautiful leaves of the linden tree

he freed Magnhild of the water nymph's lure.

For he wanted victory over the runes.

- 166 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 167 -


Men då steig trolli upp or djupaste sjø,

Hei fagraste lindelauvi alle

Det gjalla i berg og det runga i sky

For de runerne de lyster han å vinne.

Då slo han si harpe til bonns i sin harm

Hei fagraste lindelauvi alle

Og utvinner krafti av trollenes arm.

For de runerne de lyster han å vinne.

24. Eg aktar inkje

Eg aktar inkje mykje hine gutan eg,

si dulla å dei,

inkje meir hell skit innunder skoa mine

so vyr'eg no dei.

Then the troll rose from the watery depths,

O beautiful leaves of the linden tree

the mountains clamoured and the skies thundered.

For he wanted victory over the runes.

In his rage he struck his harp with full force

O beautiful leaves of the linden tree

and drained the troll of all its strength.

For he wanted victory over the runes.

4 4

24. I don't think much of those boys

I don't think much of those boys

si dulla å dei,

I don't think any more of them

than the dirt under my shoes.

Englische Übersetzung von Andrew Smith (Folk Songs)

& Selene Webb (Englische Polyphonie)

- 168 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 169 -


Trio Me di æ val

Es ist eine so faszinierende wie einzigartige Klangwelt, in der

sich die virtuosen Sopranistinnen des Trio Mediæval bewegen.

Das 1997 in Oslo gegründete Vokalensemble hat sich auf drei

klar umrissene Repertoirebereiche spezialisiert: zum einen

Eigenbearbeitungen mittelalterlicher Balladen und Lieder aus

Norwegen, zum anderen polyphone, für das Ensemble arrangierte

mittelalterliche Musik aus England, Frankreich und

Italien und schließlich zeitgenössische Werke, von denen viele

eigens für das Ensemble komponiert wurden.

Bereits mit seiner ersten CD bei ECM Records gelang dem

Trio Mediæval der Durchbruch. Words of the Angel erreichte

sofort die »Billboard Top 10« Bestseller List und war im

April 2002 »Recording of the Month« bei Stereophile. Weitere

Veröffentlichungen (ebenfalls bei ECM) folgten in 2004

mit Soir, dit-elle und bereits ein Jahr darauf mit Stella Maris.

Im Oktober 2007 erschien die langerwartete CD »Folk Songs«

mit norwegischen Balladen und Volksliedern. Nachdem die

CD schon unmittelbar nach ihrem Erscheinen begeisterte

Kritiken erhalten hatte, wurde sie im darauffolgenden Jahr

für einen Grammy Award in der Kategorie »Best Chamber

Music Performance« nominiert.

Das Trio Mediæval arbeitet mit einer Vielzahl von Komponisten

zusammen, darunter Gavin Bryars, Ivan Moody, Paul

Robinson, Oleh Harkavyy, Bjørn Kruse und Andrew Smith.

Aus der Zusammenarbeit mit den amerikanischen Komponisten

Michael Gordon, Julia Wolfe und David Lang und

der musikFabrik Köln ging das bisher größte intermediale

Projekt des Trios mit zeitgenössischer Musik hervor: Shelter

wurde im März 2005 in Köln uraufgeführt und im darauf

folgenden November an der Brooklyn Academy of Music

erstmals szenisch umgesetzt. Für die Saison 2009/10 plant

Bang on a Can mit dem Trio ein neues gemeinsames Projekt

mit Kompositionen von Julia Wolfe.

4

Konzerte und Radiosendungen des Trios waren bereits

in ganz Europa zu hören, so unter anderem im Oslo Konserthus,

dem Concertgebouw in Brügge oder in der Londoner

Wigmore Hall. Im Februar 2004 fand eine erste, sehr erfolgreiche

USA-Tournee statt; seither tourt das Trio zweimal

jährlich in den Vereinigten Staaten.

4

Sein zehnjähriges Bestehen feierte das Trio Mediæval im

Frühsommer 2007 als Artist in Residence beim renommierten

Bergen International Festival. Die Saison 2008/09 begann mit

einer Residenz bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker,

auf die Einladungen zu verschiedenen Festivals wie zum

MDR Musiksommer, St. Magnus Festival (Orkney Islands),

West Cork Festival, Festival Alpenklassik oder Rheingau Musikfestival

folgten.

In der laufenden Saison wird das Trio erneut u. a. in Großbritannien,

Belgien, Portugal, Italien, Österreich und Deutsch-

land zu hören sein. Neben ihren Auftritten in so renommierten

und großen Häusern wie der Wigmore Hall in London

oder am Bozar in Brüssel nehmen sie an hochkarätigen Festivals

für Alte Musik teil und brechen im Dezember zu einer

Tournee nach Japan und Korea auf.

- 170 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 171 -


Berit Opheim Versto aus Voss zählt

Birger Mistereggen, geboren 1967 in Rendalen, Nor-

zu den bekanntesten norwegischen In-

wegen, ist zur Zeit als Percussionist und Paukist beim

terpretinnen des Folk-Repertoires. Sie ist

Norwegian Radio Orchestra tätig. Weiters unterrichtet er

eine sehr vielseitige Sängerin – bei ihren

am Tromsø University College, er ist aber auch regelmäßig

Auftritten überwindet sie Genregrenzen

Gastdozent an der Ole Bull Academy in Voss sowie an der

und bezieht ihre Inspiration aus den un-

Norwegian Academy of Music in Oslo. Sein besonderes Inte-

terschiedlichsten Bereichen, darunter Traditional Music, Alte

resse gilt der traditionellen norwegischen Musik. Mit dem

Musik, Improvisation und zeitgenössische Musik. Ihre Fä-

Trio Mediæval verbindet ihn nicht nur eine siebenjährige

higkeit, diese breitgefächerte stilistische Palette zu meistern,

Zusammenarbeit – er ist auch als Gastmusiker auf der CD

4 ließ sie zur gefragten Interpretin werden. Neben ihren eigenen

Soloprojekten war sie an zahlreichen CD-Einspielungen

beteiligt.

Berit ist regelmäßig innerhalb und außerhalb Norwegens zu

Folk Songs zu hören.

4

hören und gab Gastspiele in den USA, Japan und Europa.

Sie trat als Solistin mit dem Norwegischen Kammerorchester,

dem Osloer Kammerchor, dem BIT 20 Ensemble und dem Norwegischen

Rundfunkorchester auf und brachte mehrere speziell

für sie komponierte Werke zur Uraufführung. 2005 und

2006 sang sie die Königin der Nacht und die Papagena in der

Produktion der Tryllefløyta (Die Zauberflöte) und tourte

mit dieser Volksoper durch Norwegen und Schweden.

Autogramme

- 172 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 173 -


Sonntag, 12.09., 11.00 Uhr

Rathaus St. Veit

Venezianische Märchen

Donna Leon, die in Venedig lebende Meisterin des Krimi-

Genres, schätzt an den Märchen, dass sie ein wunderbares

Zeugnis vom Witz und der Respektlosigkeit der Venezianer

ablegen. Treffsicherer Humor, gepaart mit Weltklugheit,

zeichnet die Erzählungen aus. Daher sind sie – wie die Märchenklassiker

der Gebrüder Grimm – für Kinder und Erwachsene

gleichermaßen faszinierend.

5 5

Austrian Baroque Company & Chris Pichler

Als musikalischer »spiritus rector« dieser Matinee fungiert

der österreichische Ausnahmeblockflötist Michael Oman, der

mit seiner Austrian Baroque Company venezianische Barockmusik

von Monteverdi bis Vivaldi zum Besten geben wird.

Einleitung

Märchen aus dem alten Venedig

Venedig, früher die »Königin der Meere«, ist nicht nur reich

an architektonischen Wundern, sie besitzt auch eine vielfältige,

eigenständige Märchen- und Legendentradition: In

den Geschichten – sie sind bald rührend, bald spannend,

bald witzig und erotisch, dann wieder derb und lakonisch,

tummeln sich u. a. Fischer, Kaufleute, Bettler, Priester, Hexen,

Feen, Heilige, Dienstboten oder Bauern.

Gemeinsam mit der österreichischen Schauspielerin Chris

Pichler geben die Musiker in Wort und Musik Einblick in

dieses wunderbare südliche Spiegelbild menschlicher Befindlichkeiten,

Sehnsüchte und Begehrlichkeiten.

- 174 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 175 -


Austrian Baroque Company

stürmisch, teilweise schon folkloristisch« sowie als »hinreißendes

Zelebrieren mit pulsierendem Donaublut in den

Adern« umschrieben wird.

»Explosives Musizieren, prachtvolles

Flötenspiel, barocker Swing« –

so könnte man die Grundbefind-

In Zusammenarbeit mit dem Label »ORF Edition Alte Mu-

lichkeiten jener international agie-

sik« des österreichischen Rundfunks konnten bereits vier

renden Kammermusikgruppe nen-

CD-Projekte vorgestellt werden, zuletzt »Greetings from

nen, die sich zur Austrian Baroque

London« (2007). Im Jänner 2009 startete das Ensemble eine

Company formiert hat und seit dessen Gründung 2001 mit

Kooperation mit Sony Music (deutsche harmonia mundi) mit

Lobeshymnen und internationalen CD-Auszeichnungen

2 CD-Aufnahmen: »Exit Baroque« und Händel's »Neun

gefeiert wird. Spiritus rector des Ensembles ist der österrei-

deutsche Arien« mit der spanischen Sopranistin Nuria Rial.

5 chische Blockflötenvirtuose Michael Oman.

Zusammen mit ihr wurde der Austrian Baroque Company unter

der Leitung von Michael Oman 2010 der begehrte »Or-

5

Die Austrian Baroque Company (ABC) musiziert europäische

phée d'Or« von der Académie du Disque Lyrique verliehen,

Musik des 16. – 18. Jhs. in verschiedenster Formation (vom

eine der höchsten Auszeichnungen, welche die internatio-

Trio bis Kammerorchester), wobei der Versuch unternommen

wird, Musik aus ihrer rhetorischen Tradition heraus zu

nale Fachpresse vergibt.

begreifen und dem emotionalen Spannungsfeld Künstler –

Seit dem Gründungsjahr 2001 folgte die Austrian Baroque

Publikum nachzuspüren. Seit jeher gilt das besondere Inte-

Company zahlreichen Einladungen im In- und Ausland und

resse der Arbeit eines reichhaltigen Continuoconsorts, wel-

gastiert regelmäßig bei internationalen Festivals.

ches die klanglichen und stilistischen Merkmale barocker

Blockflötenmusik vielfältig zum Ausdruck bringt. Vom intimen

Blockflötenrecital bis zu barocken Blockflötenkonzerten

(Vivaldi) wurden bereits zahlreiche künstlerische

Projekte mit spezieller Programmthematik der Öffentlichkeit

präsentiert und auf CD aufgenommen.

www.austrianbaroquecompany.com

Das Lob der Fachpresse und internationale Auszeichnungen

bestätigen den rasanten Aufschwung eines jener Topen-

sembles barocker Kammermusik, das als »unglaublich agil,

Michael Oman zählt zu den profiliertesten

und vielseitigsten Blockflötisten

unserer Zeit. Als Absolvent des Musikgymnasiums

und der Bruckneruniversität

Linz bekam er entscheidende Impulse

von seinem Lehrer Balduin Sulzer. Als

- 176 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 177 -


Blockflötist wurde er u.a. von Johannes Mastnak, Walter van

Hauwe und Kees Boeke an der Bruckneruniversität Linz sowie

am Conservatorium van Amsterdam ausgebildet. Michael

Oman konzertiert seit über 15 Jahren als Solist und Kammermusiker

in ganz Europa, Asien und Südamerika. Sein Repertoire

deckt die stilistische Bandbreite einstimmig mittelalterlicher

Balladen und Estampien, die reichhaltige Consortliteratur

der Renaissance sowie früh- und hochbarocke Sonaten

und Concertoliteratur bis hin zu Uraufführungen ab.

Mit heimischen Barockensembles und modernen Kammerorchestern

sowie mit seiner 2001 gegründeten Austrian

einander. In diesem Zusammenhang spielte er Uraufführungen

oberösterreichischer Komponisten und präsentierte

Komponistenportraits von Isang Yun (»Chinesische Bilder«),

Luciano Berio (»Gesti«) und Karlheinz Stockhausen

(»In Freundschaft«).

Als künstlerischer Kurator betreut er seit 2007 die Konzertreihe

»Abendmusik in der Ursulinenkirche« Linz und gründete

2009 die »Eferdinger Schlosskonzerte«.

5 Baroque Company präsentiert er regelmäßig vom intimen

Alessandro Tampieri studierte zunächst in seiner Heimatstadt

Ravenna Gitarre und historische Aufführungspraxis.

An der Musikhochschule Zürich studierte er Violine 5

Blockflötenrezital über barocke Ensemblemusik bis hin zu

und Viola bei Carlo Chiarappa (Diplom mit Auszeichnung).

Blockflötensolokonzerten seine künstlerischen Projekte.

Er spezialisierte sich sowohl in Alter als auch zeitgenössi-

Seine CD-Aufnahmen wurden mehrfach mit internationascher

Musik.

len Preisen ausgezeichnet. Innovative Programmkonzep-

1987 wirkte er bei der Welturaufführung von Luciano Berio's

tionen sowie sein impulsives und hochvirtuoses Blockflö-

»Study« beim Festival für zeitgenössische Musik in Salzburg

tenspiel werden von Publikum und Presse gleichsam mit

mit. Ebenso führte er 1989 Berio's »Sequenza VI per viola

höchstem Lob bedacht.

sola« beim Salzburg Festival auf.

Im Jänner 2009 startete er zusammen mit seiner Austrian

Alessandro Tampieri konzertierte mit Anner Bijlsma, Reinhard

Baroque Company eine Kooperation mit Sony Music (deut-

Goebel, Gustav Leonhardt, Bob van Asperen, Giuliano Carmische

harmonia mundi) mit zwei CD-Aufnahmen: »Exit ba-

gnola und trat bei namhaften Festivals wie S. Cecilia Academy

roque« und Händel's »Neun deutsche Arien« mit der spa-

in Rom, Unione Musicale in Turin, Gulbelkian Foundation in

nischen Sopranistin Nuria Rial.

Lissabon, New York University and Frick Collection in New

Seit 1989 ist Michael Oman Professor für Blockflöte, Kam-

York City, Ravenna Festival, Guanajuato Festival und Centro

mermusik und historische Aufführungspraxis an der Anton

Historico in Mexico auf. Er ist Gründungsmitglied des En-

Bruckner Privatuniversität Linz. Neben seiner pädagogisembles

Accademia Bizantina, bestritt seit 1994 als Mitglied

schen Tätigkeit als Dozent in Seminaren, Workshops und

von Il Giardino Armonico mehrere Konzerttourneen in Eu-

Masterclasses für Blockflöte und Alte Musik setzt er sich

ropa, Japan und Amerika und ist seit 2003 Konzertmeister

auch intensiv mit zeitgenössischer Blockflötenmusik aus-

des Barockorchesters Accademia Montis Regalis.

- 178 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 179 -


CD-Einspielungen bei den Labels R.C.A., Denon, Opus

Als Dozent für Barockcello gibt er regelmäßig Kurse in Ös-

111, Teldec, Arts und Decca.

terreich, Ungarn sowie beim European Union Baroque Orches-

Alessandro Tampieri unterrichtet als Assistent in Azio Cortra.

Seit 2010 ist er Professor für Barockvioloncello an der

ghi's Klassen an der Accademia Chigiana und als Professor

Hochschule für Musik F. Mendelssohn Bartholdy Leipzig.

für Viola am Konservatorium von Messina.

Als Jordi Savalls erster Solocellist zählt Balázs Máté weltweit

zu den führenden Barockcellisten seiner Generation.

Balázs Máté, geboren in Budapest, begann seine Violon-

Als Solocellist und Kammermusiker pflegt er seit vielen

cellostudien mit 8 Jahren und setzte diese am Béla Bartók

Jahren eine weltweite Konzerttätigkeit, die ihn mit Dirigen-

Musikgymnasium und an der Franz Liszt Musikakademie Buten

wie Marc Minkowski, Jordi Savall, Martin Haselböck,

dapest fort. Das Diplom legte er mit Auszeichnung ab.

Nicholas McGegan, Joos van Immerseel, Christopher Hog-

1985 bis 1992 war er Mitglied des Ungarischen Nationalphilwood,

Ton Koopman u. a. zusammenführte.

5 harmonischen Orchesters und später als Kammermusiklehrer

5

im Leo Weiner Musikgymnasium Budapest tätig.

Wolfgang Heiler ist in Linz geboren. Erster Blockflö-

1990 bis 1992 studierte er Barockcello am Königlich Holläntenunterricht

bei Winfried Hackl in Schwertberg. Seit 2001

dischen Konservatorium Den Haag bei Jaap ter Linden und er-

Blockflötenstudium an der Anton Bruckner Privatuniversität

warb hier sein Künstlerdiplom im Fach Barockcello.

Linz bei Prof. Michael Oman. 2002 Beginn des Fagottstudi-

Balázs Máté ist Gründungsmitglied des ungarischen Baums

an der ABPU bei Prof. Alexander Varga.

rockorchesters Concerto armonico, des Trio Cristofori und

Seither zahlreiche Auftritte als Kammermusiker und Orchesdes

Ensembles The Rare Fruits Council. 1996 gründete er das

termusiker u. a. mit dem Orchester der ABU, dem Johann-

Barockensemble Aura musicale, dessen Leiter er ist. 2002

Strauß-Ensemble Linz und dem Innviertler Sinfonieorchester.

gründet er gemeinsam mit László Paulik, Erzsébet Rácz und

Seit 2004 Mitglied des Wiener Jeunesse Orchester, hiermit

Éva Posvanecz das Streichquartett Quartetto Luigi Tomasini,

Auftritt bei internationalen Jugendorchesterfestivals und

seit 2005 ist er Mitglied der Austrian Baroque Company.

Orchestertourneen durch Deutschland und Österreich.

Seit den 1990er Jahren ist er international tätig und wurde

Orchestertätigkeit unter Dirigenten wie Ton Koopman, Den-

Solocellist in renommierten Barockorchestern wie Le Connis

Russell Davies, Karen Kamensek. 2009/2010 Substitut im

cert des Nations, Wiener Akademie, Les Musiciens du Louvre,

Brucknerorchester Linz, Frühjahr 2010 Abschluss des Bache-

Akademie für Alte Musik Berlin u. a. Außerdem wirkte er bei

lorstudiums »Konzertfach Fagott« an der ABPU Linz.

mehreren Konzerten des Amsterdam Baroque Orchestra, der

Seit 2006 intensive Beschäftigung mit historischem Fagott.

Nederlandse Bachvereeniging, Lyriarte und Café Zimmer-

Seither Konzerttätigkeit als Barockfagottist in der Austrian

mann mit.

Baroque Company.

- 180 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 181 -


Daniel Oman, geboren in Linz, Österreich. Nach der Ma-

Martina Schobersberger erhielt ihren ersten Orgeltura

Studium am Brucknerkonservatorium Linz für Klassische

unterricht bei Ernst Raab an der Landesmusikschule Efer-

Gitarre, Jazz und Musikpädagogik.

ding. Danach studierte sie am Brucknerkonservatorium Linz

1998: 1. Preis bei dem jährlich von der deutschen Fachzeit-

(Orgel bei August Humer), absolvierte mit Auszeichnung

schrift Akustik Gitarre ausgeschriebenen internationalen Fin-

und unterrichtete am Oberösterreichischen Landesmusikgerstyle-Gitarrewettbewerb.

1999: viel beachteter Auftritt

schulwerk. Anschließend unternahm sie Studien für Alte

beim Internationalen Open Strings Guitar Festival in Osna-

Musik an der Musikhochschule Trossingen (Orgel bei Andrea

brück (D), dem größten europäischen Podium für Finger-

Marcon) und an der Schola Cantorum Basiliensis (Orgel bei

style-Gitarre, mit Rezensionen u. a. in der Frankfurter All-

Jean-Claude Zehnder, Cembalo bei Andrea Marcon), die sie

gemeinen Zeitung. Gitarren Solo-Konzerte in Österreich,

jeweils mit einem Diplom abschloss, und war in dieser Zeit

Deutschland und der Schweiz. 2000: 1. Preis beim Gitarre-

Organistin an der Marienkirche in Olten (CH).

5 wettbewerb des Saarlandes (D).

Martina Schobersberger ist Gründungsmitglied der Austrian 5

Im Vertrieb der MICA-Austria erscheint die erste Solo-CD

Baroque Company, übt eine internationale Konzerttätigkeit

mit Eigenkompositionen für Gitarre Solo unter dem Titel

als Solistin und Ensemblemusikerin aus und wird regelmä-

»constant changin«.

ßig zu Internationalen Kursen für Alte Musik eingeladen.

Schon während des Studiums intensive Beschäftigung mit

Sie konzertierte als Cembalistin und Organistin u. a. mit So-

Alter Musik und historischen Instrumenten. Mitglied der

listen der Wiener und Berliner Philharmoniker, Barockensem-

auf Barockmusik spezialisierten Ensembles Austrian Bable

der Wiener Symphoniker, Philharmonische Camerata Berroque

Company, Ars Antiqua Austria, Naoki Kitaya Consort

lin, l'Orfeo Barockorchester, Capriccio Basel, The Monteverdi

Zürich, Lauten-Duos mit Thomas Boysen.

Choir unter Sir John Elliot Gardiner, Luzerner Sinfonieorches-

Zusammenarbeit und Konzerte auch mit dem österreichiter

unter Diego Fasolis, Armonico Tributo Austria, Festival Sinschen

Ensemble MTW, welches avantgardistische Elemente,

fonietta Linz, Opera stravagante Venedig, Aura musicale Buda-

Jazz und Klassik verbindet.

pest, Cappella Istropolitana und widmet sich projektweise

Zahlreiche CD-Auszeichnungen mit dem Ensemble Austrian

der zeitgenössischen Musik u. a. als Mitglied des Orchesters

Baroque Company, CD-Produktionen bei Sony Music, ORF

Basel Sinfonietta. Auftritte in ganz Europa bei namhaften

Edition Alte Musik, Raumklang, Acoustic Music Records,

Konzerthäusern und Festivals wie Salzburger Festspiele, Mon-

Symphonia, Olive Music und Edition Marc Aurel.

treux, Carinthischer Sommer, Internationale Barocktage Stift

Regelmäßige Auftritte bei bedeutenden Festivals Alter Mu-

Melk, Tage Alter Musik Regensburg, styriarte, Musikverein Wien,

sik und im Bereich Jazz in ganz Europa.

Wiener Konzerthaus, Herkulessaal Residenz München, Meister-

Seit 2000 Lehrtätigkeit an der Musikschule der Stadt Linz.

singerhalle Nürnberg, KKL Luzern, Brucknerhaus Linz u. a.

- 182 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 183 -


Außerdem beschäftigt sie sich mit mittelalterlicher Musik

für Organetto (Portativorgel), ist als Organistin an der Herz-

Jesu-Kirche in Linz tätig und übt eine private Unterrichtstätigkeit

aus.

Diverse Rundfunkaufnahmen (ORF, DRS, Bayerischer Rundfunk,

NDR u. a.) und CD-Einspielungen bei den Labels

Sony Music, ORF Edition Alte Musik, Claves u. a. 2004 nahm

Martina Schobersberger ihre erste Orgelsolo-CD an zwei historischen

Orgeln aus der Renaissance- und Barockzeit in

Oberösterreich auf. 2009 gründete sie zusammen mit Michael

Oman die Eferdinger Schlosskonzerte und ist weiters als

Projektmanagerin für die Austrian Baroque Company tätig.

Chris Pichler: »Ich spiele an renommierten

deutschsprachigen Bühnen in Berlin,

Wien, Frankfurt, Köln, Weimar…

Mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, verfüge

ich über ein großes Rollenrepertoire,

dessen Bandbreite von der Klassik bis zur

Moderne reicht.

Die Zuseher kennen mich aus verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen,

die Zuhörer aus vielen Produktionen der

Sender in Deutschland, Österreich, Schweiz aus Hörbüchern

und Hörspielen.

5 Von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert sind auch 5

meine zahlreichen ausdrucksstarken Soloprogramme, in deren

Mittelpunkt Frauen der Zeitgeschichte stehen: Jackie Kennedy,

Molly Bloom, Marie Antoinette. Allen voran: Romy Schneider

– zwei Gesichter einer Frau, ein Soloabend, mit dem ich u. a.

am Hamburger Schauspielhaus, Berliner Ensemble, in Wien,

Stuttgart, Köln, gastiere und damit 2009 zur Schauspielerin

des Jahres des ORF ausgezeichnet wurde.«

Preise

Prix Italia, Prix Europa, Prix Suisse 2009, Carl Skraup Preis,

Theaterpreis der Europäischen Kulturhauptstadt 09, Deutscher

Kritikerpreis 2009, Schauspielerin des Jahres des ORF 2009.

Rollenrepertoire

Goethe Gretchen, Stella, Iphigenie, Prinzessin

Leonore

Schiller Luise Miller, Königin Elisabeth, Agnes

Sorel

- 184 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 185 -


Lessing Franziska, Recha

Hauptmann Käthe Vockerat, Pipercarcka

Shakespeare Jessica

Cechov Warja

Grillparzer Königin Kunigunde

Büchner Lena

Horvath Marianne, Karoline, Frl. Pollinger

Brecht Polly, Lucie

Schnitzler Lina Loos, Süßes Mädl, Adele Sandrock,

Josefine Weninger

Wichtige Stationen

2010/11 Schlossparktheater Berlin (Gast)

2009/10 Hans Otto Theater (Gast)

2008/10 Schauspiel Dortmund (Gast)

2007/09 Berliner Ensemble (Gast)

2008/09 Ruhrfestspiele Recklinghausen

2006/09 Schauspiel Frankfurt (Gast)

2004-05 Theater in der Josefstadt

2003/04 Festspiele Reichenau

1999-2004 Volkstheater Wien

1994-1998 Deutsches Nationaltheater Weimar

Kino

Rattenkinder – Andreas Kurz | Gebürtig – Robert Schindel,

Lukas Stepanek | Blindflug – Ben von Grafenstein | Twinni –

Ulrike Schweiger | Der Nachbar – Götz Spielmann

5 Sternheim Luise Maske

5

Ionesco Fräulein Daisy

TV

Shaffer Konstanze Mozart

Schnell ermittelt – Andreas Kopriva

Franzobel, Jelinek, Turrini, Nis Momme Stockkmann

Herzdamen – Karola Hattop

Winzerkönig – Claudia Jüptner Jonsdorf

Solo

Da wo es noch Treue gibt – Heidi Kranz

Chris Pichler Romy Schneider – zwei Gesichter einer Frau

Der Elefant – Andreas Prohaska

Elfriede Jelinek Jackie

Kommissar Rex – Holger Barthel

James Joyce Molly Bloom

Sokokitz – Klaus Gendries

Jean Cocteau Geliebte Stimme

Julia eine ungewöhnliche Frau – Holger Barthel

Janis Ritsos Crysothemis

Dr. Schwarz und Dr. Martin – Bernd Fischerauer

Theresia Walser Kleine Zweifel

Schlosshotel Orth – Stefan Klisch

Bombenfrau, Marie Antoinette

Der Salzbaron – Bernd Fischerauer

Regisseure Theater

Manfred Karge, Frank Hoffmann, Katja Paryla, Niels Peter

Rudolph, Leander Haussmann, Amelie Niermeyer, Michael

Gruner, Anselm Weber, Eric Uwe Laufenberg, Harald Clemen,

Thirza Bruncken, Horst Schönemann, Georg Schmiedleitner,

- 186 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 187 -


Emm Werner, Brigitte Landes, Hans Gratzer, Ernst Josef

Köpplinger, Otto Schenk, Janusz Kiza, Marc Günther.

5

Arbeiten mit Musik

Marcel Prawy Matinee: Rosenkavalier – Octavian

Frau ohne Schatten – Färberin

Tannhäuser – Elisabeth

Dreigroschenoper – Polly

Kammeroper: Haus aus Stimmen – Frau

Melodrame: Schöne Magelone

Ennoch Arden, Leonore, Heideknabe

Auftragsarbeit Musikverein 2010: Gestiefelter Kater

5

Hörbücher

Romy Schneider zwei Gesichter einer Frau, Radiotatort, Ma-

dame Bovary, Medea Stimmen, Hercule Poirot, Dr. Faustus,

Steppenwolf, Rot und Schwarz, An der Arche um Acht, Jane

Goodal, Agatha Christie, Gräfin von Carliostro, Strudel-

hofstiege, Romy Schneider – fragen sie mich nicht wie ein-

sam ich bin, Geboren in Bagdad, Die Jagd nach dem Schnatz,

Assoult/Anschlag. www.chrispichler.com

Autogramme

- 188 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 189 -


Sonntag, 12.09., 15.00 Uhr

Pfarrkirche St. Peter bei Taggenbrunn

Les Amusements

Musikalische Amusements für den Sonnenkönig

Einleitung

Les Amusements ... Hinter diesem Titel verbergen sich die

verschiedensten musikalischen Vergnügungen, die durch

ihre Nähe zum französischen Hof geeint werden.

Vergnügungen für den König und seine Gäste

6

Stellen wir uns vor, der heutige französische Präsident würde

sich Sting, begleitet von Lang Lang am Klavier, in seine 6

Rebeka Rusó

privaten Gemächer bestellen, um sich von den beiden ein

Schlaflied aufführen zu lassen. Ganz ähnlich hatten es die

französischen Staatschefs im Barock nämlich gemacht: die

besten Musiker des Landes waren am Hofe angestellt, die

Rebeka Rusó: Viola da Gamba

außergewöhnlichsten von ihnen für die »Chambre du Roy«,

Juan Sebastian Lima: Theorbe

wo sie zum Vergnügen des Königs und seiner Gäste u. a. zum

Michael Hell: Cembalo

»Souper« (Abendessen) und »Coucher du Roy« (Zubettgehen

des Königs) erlesenste Kammermusik spielten. Allen

voran der vielleicht größte Virtuose, den die Viola da Gamba

je gesehen hat: Marin Marais (1656-1728) durchlief in seinem

Leben eine beispiellose Karriere. Als Sohn eines Schuhmachers

geboren, kam er über die Tradition der katholischen

Singschulen zur Musik. In St. Germain-l'Auxerrois gehörte

u. a. Michel Richard de Lalande (1657 – 1726) zu seinen

Klassenkameraden. Gambenunterricht erhielt er vom genialen,

aber ziemlich verschrobenen Sieur de Sainte-Colombe

- 190 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 191 -


(† um 1701), welcher der Viola da gamba die siebte Saite

hinzufügte. Es ist überliefert, dass der junge Marais ihn oft

heimlich beim Üben in seinem Gartenhäuschen belauschte.

Schon mit zwanzig Jahren wird Marais Hofmusiker und erhält

vom »Surintendant de la Musique« Jean-Baptiste Lully

(1632 – 1687) unterstützt den Titel »joueur de la viole de la

musique de la Chambre«. Er wird von Lully sehr gefördert,

spielt in allen seinen Opern im Continuo und vertritt ihn

gelegentlich auch als Leiter des Orchesters. Nach Lullys Tod

übernimmt er die Leitung desselben.

Bearbeitungen der »Folies d'Espagnes«, einer aus Spanien

importierten Sarabande, finden wir aus der Feder fast jedes

Komponisten (so auch von Lully und d'Anglebert). Marais

reizt in seinen Variationen die Möglichkeiten der Gambe

voll aus und zeigt sie von ihrer virtuosesten Seite. Nachahmungen

eines anderen Instrumentes waren sehr beliebt. La

Guitarre aus Marais' drittem Buch von 1711 ist wohl eine

Verbeugung vor dem König selbst, der auch Gitarre spielte.

Amusements für die Musiker

Am Hofe spielte Marais mit den berühmtesten Musikern sei-

Ein besonderes Amusement war es sicher für die Musiker

am Hofe, die Stücke der anderen Mitspieler für das eigene

6 ner Zeit zusammen: Neben dem schon genannten Hofkom-

Instrument zu bearbeiten. Die Lautenbearbeitungen de Visées 6

ponisten Jean-Baptiste Lully und dem Cembalisten François

von Cembalostücken Couperins sind hier besonders hervor-

Couperin (1668 – 1733), gehören dazu auch der Gitarrist und

zuheben, da diese Stücke von Couperin im »style luthé« kom-

Théorbist Robert de Visée (ca. 1655 – 1732) und der Cembaponiert

worden sind, der die Laute auf dem Cembalo nachlist

Jean-Henry d'Anglebert (1629 – 1691), deren Werke auch

ahmte. Les Bergeries, ein intimes Rondeau, hat übrigens nicht

heute unser Programm bereichern. Die gemeinsamen Auf-

nur de Visée und dem französischen König sehr gefallen, auch

tritte dieser Musiker waren sicherlich nicht nur unterhaltend,

sondern wahrscheinlich atemberaubend.

Bachs Frau Anna Magdalena notierte es in ihr Notenbüchlein.

Die Cembalobearbeitung von Lullys Orchesterpassacaille

Die Zusammenstellung der Kompositionen ist typisch für

aus seiner Oper Armide (1686) von Jean-Henry d'Anglebert

den Kreis der musikalischen Elite in Paris um 1700. Neben

ist wiederum ein mehrfaches Amusement. In ihrem origi-

Tanzsätzen wie der prächtigen, unser Programm abschliesnalen

Kontext bildet die Passacaille den Rahmen für ein

senden Chaconne (Ludwig XIV. war selbst ein hervor-

großartiges Divertissement, welches Armida für den Helden

ragender Tänzer) finden sich vor allen Dingen Charakter-

der Oper, Rinaldo, veranstaltet. Nach der getanzten Passastücke

(wie z. B. »Le Badin« = der Scherz). Chinoiserien

caille besingt eine Schar glücklicher Liebender die ange-

waren in Mode und finden sich nicht nur in Gärten und

nehmen Vergnügungen junger Liebe, ein Da Capo der Pas-

auf Möbeln sondern auch in der Musik (Gigue La Pagode).

sacaille folgt. In der Cembalofassung ist das Stück nicht nur

- 192 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 193 -


ein virtuoses Paradestück, sondern bietet auch die Möglichkeit,

den Höhepunkt der Oper zu Hause in der Kammer

wiederzuerleben. Sein Buch mit Cembalokompositionen

widmete d'Anglebert übrigens der Princesse de Conti, Tochter

des Sonnenkönigs.

All diese königlichen Divertissements durchziehen Délicatesse

und Élégance, die quasi Synonym für die französische

Hofkultur des 17. und 18. Jahrhunderts sind und gleichzeitig

so perfekt die Eigenschaften der Viola da gamba verkörpern.

Rebeka Rusó & Michael Hell

Ein erst kürzlich wiederentdecktes Stück von Marais' einzigem

ernstzunehmenden Rivalen Antoine Forqueray (1672 –

1745) haben wir in unser Programm mit aufgenommen:

La Girouette (= Windfahne, oder vielleicht eine Person, die

ihre Meinung nach dem Wind der Zeit wechselt?). Marais

und Forqueray wurden in ihrer Zeit als Engel und Teufel auf

der Viola da gamba bezeichnet.

6 6

Ein Wort zu den Praeludien: Ursprünglich zum Einstimmen

und Einspielen der Musiker gedacht, weiteten sie sich

mit der Zeit immer mehr aus, um den Charakter der jeweiligen

Tonart auszuloten. In unserem Programm finden sich

verschiedene Typen solcher Vorspiele: Préludes non mesurés

(d'Anglebert), die keine Taktangabe und -striche haben,

hauptsächlich in ganzen Noten notiert sind und dem Interpreten

sehr viel Freiheit lassen; Marais' Préludes en Harpègement

(Arpeggiopraeludien), die keine Melodie haben,

sondern sich aus oft sehr ungewöhnlichen harmonischen

Progressionen in klangvollen Arpeggien zusammensetzen,

und extrem ausdrucksstarke mensurierte Praeludien, wie das

mit Gravement überschriebene Prélude zu Beginn des Konzerts,

die zwar Takt- und Tempoangabe haben, aber dennoch

wesentlich freier als die folgenden Tanzsätze sind.

- 194 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 195 -


Programm

Marin Marais

(1656 – 1728)

Suite en sol

de Pièces de Viole du Cinquième livre – Paris, 1725:

1. Prélude (Nr. 63)

2. Allemande La Marianne (Nr. 70)

3. Gigue La Pagode (Nr. 67)

4. Rondeau Le Badin (Nr. 72)

5. La Georgienne dite la Maupertuy (Nr. 73)

6. La Guitarre (Nr. 107, Troisième livre – Paris, 1711)

Marin Marais

10. Couplets de Folies d'Espagne

(2 ème livre – Paris, 1701)

Pause

Marin Marais

11. Prélude en Harpègement (Nr. 16, 5 ème livre)

12. La Paraza (Nr. 113, 5 ème livre)

Antoine Forqueray

(1672 – 1745)

13. La girouette

(Recueil de pieces de violle, Bibl. Nat. Paris)

6 Robert de Visée

Jean-Henry d'Anglebert

(ca. 1629 – 1691)

14. Prelude & Passacaille d'Armide

6

(ca. 1650 – 1720)

(nach Jean-Baptiste Lully,

7. Prélude

8. Les Sylvains de Mr Couperin

aus: Pieces de Clavecin – Paris, 1689)

(Piéces de claveçin, 1 ère livre, 1713, Manuscript Saizenay)

Marin Marais

9. Les Bergeries (Man. Anon., Paris R 1575)

15. Les Amusements (Nr. 105, 5 ème livre)

16. Rondeau Le Troilleur (Nr. 82, 5 ème livre)

17. Chaconne (Nr. 83, 5 ème livre)

- 196 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 197 -


Rebeka Rusó – Viola da Gamba

Die international renommierte slowakische

Gambistin und Cellistin Rebeka Rusó

stammt aus einer Musikerfamilie und erhielt

ihre erste musikalische Ausbildung

in ihrer Geburtsstadt Bratislava. Während

ihres Cello-Studiums besuchte sie zahlreiche Kurse für Alte

Musik, wobei sie ihre Faszination für die Viola da Gamba

entdeckte.

Auf ihr abgeschlossenes Cello-Studium in Bratislava folgte

das Studium der Gambe bei Wieland Kuijken am Königlichen

Konservatorium in Brüssel, wo sie 1996 ihr Diplom

mit Auszeichnung erlangte. Weitere Studien führten sie nach

Eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet

sie mit Paolo Pandolfo. Als Lehrerin an der Schola Cantorum

Basiliensis, dem Conservatoire de Strasbourg sowie an der Universität

für Musik und Darstellende Kunst in Graz, wo sie von

Oktober 2005 bis Juli 2008 eine Professur innehatte, gibt

sie die Liebe und Leidenschaft für das Gambenspiel an ihre

Schüler und Studenten weiter.

Auf ihrer ersten Solo-CD »Touch me Lightly« (PanClassics

2008), ließ sie sich durch die Affinität der Gambe zur Laute

inspirieren.

www.rebekaruso.com

6 Basel an die Schola Cantorum zu Paolo Pandolfo und Christo-

»Nicht nur berührt Rebeka Rusó die Viola da Gamba leicht und

zaubert dabei pastellfarbige Klangfarben aus dem Instrument... 6

phe Coin (Barockcello). Außerdem besuchte sie Meisterkur-

sie berührt des Hörers Gemüt auch mit einer wohltuenden

se bei Jordi Savall.

Leichtigkeit. Das macht die Schönheit dieser CD aus, das Ex-

Sie ist Preisträgerin des ersten internationalen Bach-Abel-

travagante, Einzigartige...«

Gambenwettbewerbs in Köthen 1997.

Als Mitglied und als Solistin namhafter Barockensembles wie

La Petite Bande, Hespèrion XXI, Le Parlement de Musique, La

R. Strobl, Toccata 39/2009

Chapelle Rhénane, Musica Fiorita, Marais Consort und Laby-

Juan Sebastian Lima - Theorbe

rinto spielt sie regelmäßig Konzerte bei zahlreichen Alte-

1973 in Buenos Aires, Argentinien gebo-

Musik-Festivals in Europa, Südamerika, China und Japan

ren, beginnt Juan Sebastian Lima seine

und hat in zahlreichen Aufnahmen mitgewirkt.

musikalische Laufbahn mit dem Studium

Sie ist Mitglied des Basler Gambenconsorts Concerto di Viole,

der klassischen Gitarre an der nationadas

mit Andreas Scholl für Harmonia Mundi im Herbst 2007

len Juan Pedro Esnaola-Musikschule und

Stücke von Dowland und seinen Zeitgenossen eingespielt hat.

schließt dort im Alter von 17 Jahren mit einem Diplom ab.

Mit dem Ensemble La Chapelle Rhénane nahm sie drei mit dem

Er setzt sein Studium am Nationalen Konservatorium von

Diapason d'or ausgezeichnete CDs mit Werken von Capricor-

Buenos Aires fort und gewinnt 1989 den ersten Preis im

nus und Schütz auf.

'Wettbewerb Junger Gitarristen' der Jrimian Stiftung.

- 198 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 199 -


Unterstützt durch ein Stipendium kann er an einigen Meis-

Michael Hell – Cembalo

terkursen zur Interpretation Alter Musik für Gitarristen und

Als Preisträger zahlreicher nationaler und

Lautenisten teilnehmen, die 1993 und 1994 von Hopkinson

internationaler Wettbewerbe studierte

Smith in Argentinien organisiert und geleitet werden. Die-

Michael Hell zunächst in Hannover Blockser

ist es auch, der Azul Juan Sebastian Lima an die Schola

flöte und Cembalo, dann Cembalo und

Cantorum Basiliensis einlädt, wo dieser 1999 sein Studium

Generalbass bei Jesper Christensen an der

mit einem Diplom abschliesst. 1997 gewinnt er den ersten

Schola Cantorum Basiliensis (CH).

Preis bei »The 7th International Young Artists Competi-

Eine rege Konzerttätigkeit als Solist, Kammermusiker und

tion« in York, England. Parallel zu seinem Studium wirkt

Continuospieler führte ihn mittlerweile in fast alle Länder

er an unzähligen Konzerten an den wichtigsten Theatern

Europas, nach Japan, Israel, Kolumbien und in die USA.

in Argentinien mit (Teatro Cervantes, Teatro San Martin,

Seit 2005 unterrichtet Michael Hell sowohl Blockflöte als

Centro Cultural Recoleta, Teatro Colon). Es folgen verschie-

auch Cembalo am Institut für Alte Musik der Kunstuniverdene

Projekte in Europa, den USA, Kanada und Südamesität

Graz. www.michaelhell.com

6 rika mit renommierten Ensembles der Alten Musik-Szene

wie dem Concerto Vocale (dir. René Jacobs), dem Huelgas

Ensemble (P. van Nevel ), Le Concert Spirituel (H. Niquet),

6

der Wiener Akademie, der Accademia Bizantina (O. Dantone),

Zefiro (A. Bernardini), dem Complesso Barocco (Alain

Curtis), La Fenice (Jean Tubéry) und Musica Fiorita (Daniela

Dolci). 2004 erwirbt er sein Solistendiplom am Konservatorium

von Genf (Schweiz).

Autogramme

- 200 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 201 -


Sonntag, 12.09., 19.00 Uhr

Stiftskirche St. Georgen

Angeli, Zingare e Pastori

Symbole und Sinnbilder

in der italienischen Renaissancemusik

Die stilistischen Entwicklungen in diesen Städten hatten großen

Einfluss auf das musikalische Leben in kleineren Orten

wie Genua (wo Simone Molinaro eine Sammlung Madrigale

des neapolitanischen Komponisten Gesualdo bearbeitete),

Cremona (wo Tarquinio Merula als Komponist, Organist

und Violinist aktiv war) oder Lucca (wo Gioseffo Guami für

20 Jahre an der Kathedrale angestellt war, nachdem er Posten

in Bayern und Venedig inne hatte).

7 The Royal Wind Music

1501 begann Ottaviano Petrucci mit dem ersten Musikdruck

in Venedig, dem Ort, der das Zentrum für Musikdruck im

Italien des 16. Jahrhunderts bleiben sollte. Girolamo Scotto

und Antonio Gardane, die seit den 1530er Jahren im Musikdruckgeschäft

aktiv waren, druckten Musik vieler national

und international bekannter Musiker wie z.B. De Rore,

Clement Janequin, Palestrina, Arcadelt und anderer Komponisten

Italiens, Deutschlands, Hollands, Frankreichs und

Spaniens. Die zahlreichen Drucke, die in dieser Zeit produziert

wurden, sind sicherlich auch auf die große Ver-

7

Einleitung

breitung des frühen venezianischen Stils in Italien und im

europäischen Ausland zurückzuführen. Adriaen Willaert,

Angeli, Zingare e Pastori stellt die instrumentale und voka-

Kapellmeister an San Marco zwischen 1527 und 1562, wird

le Musik Italiens vor, die während der Spätrenaissance und

als einer der frühen Meister des Ricercars gesehen, dem

des Frühbarock in den musikalischen Zentren wie Venedig,

musikalischen Vorgänger der Fuge. Andrea Gabrieli (Orga-

Rom und Neapel gepflegt wurde.

nist an San Marco) und im besonderen Girlolamo Frescobaldi,

der in Ferrara, Mantua, Florenz und Rom tätig war, haben

diese Form zur Perfektion gebracht.

Rom genoss durch den Stuhl Petri eine besondere Stellung.

Der päpstliche Chor war aller Wahrscheinlichkeit nach die

- 202 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 203 -


prestigeträchtigste musikalische Institution der Stadt, ob-

wohl verschiedene andere Kirchen und Basiliken auch Sän-

ger, Organisten und Instrumentalisten beschäftigten: Giovanni

Pierluigi da Palestrina beispielsweise verbrachte sein

ganzes Leben in Rom und hatte an einigen dieser Kirchen

Anstellungen inne. Ebenso verhielt es sich mit Paolo Agostini

und Girolamo Frescobaldi.

Neapel wurde 1503 zum Vizekönigreich Spaniens und entwickelte

sich von diesem Zeitpunkt an zu einem »Königreich

der Musik«: Die königliche Kapelle war die größte

Italiens und junge Aristokraten wurden unter der Anleitung

der besten und vielversprechendsten Komponisten des

Kontinentes umfassend musikalisch ausgebildet. Auch Mailand

geriet 1535 unter spanische Regentschaft. Vincenzo

7 Ruffo, der zum größten Teil Vokalmusik komponierte, war

7

zwischen 1563 und 1572 Kapellmeister an der Kathedrale

in Mailand. Selbst Orazio Vecchi publizierte seine Canzonettas

und Villanellas hier.

Das vokale Repertoire dieser Zeit wurde oft auch auf Instrumenten,

wie z.B. Blockflöten, Zinken und Gamben gespielt.

Zuweilen arrangierte man die Werke sogar für die

Laute und für Tasteninstrumente. Die meisten Kirchen

beschäftigten Instrumentalisten, die während der Gottesdienste

die Stimmen der Sänger doppelten. Nur der päpstliche

Chor sang ausschließlich 'a capella'.

- 204 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 205 -


Programm

Alessandro Orologio

(ca. 1550 – 1633)

Intrada x [A6]

Aus: Intradae Alexandi Orologii ..., Liber primus,

Helmstädt, 1597

Innocenzio Alberti

(ca. 1535 – 1615)

Pavin Of Alberti & Gallyard [A5]

Aus: British Library, London,

MS R. App. 74, f.40 rev & f.41 rev [Lumley Books]

Tarquinio Merula

(ca. 1595 – 1665)

Canzon La Chremasca [A4]

Aus: Il Primo Libro delle Canzoni ...,

Venedig, 1612

Gioseffo Guami

(1542 – 1611)

Canzon La Poggina [A4]

Aus: Partidura per sonare delle canzonette alla francese,

Venedig, 1612

Jacopo Corfini

(ca. 1529 – 1591)

O Quam Suavis est Domine Spiritus Tuus

Aus: Concerti... continenti musica di chiesa..., Venedig, 1591

7

Simone Molinaro

(ca. 1565 – 1615)

Ballo Detto Il Conde Orlando [A5]

Aus: Intavolatura di liuto, Libro primo, Venedig, 1599

7

Vincenzo Ruffo

(ca. 1510 – 1587)

El Travagliato [A3]

Aus: Capricci in Musica a tre Voci,

Mailand, 1564

Girolamo Cavazzoni

(ca. 1525 – 1577)

Canzon Sopra 'Falt d'Argens' [A4]

Aus: Intavolatura, cioè ricercari, canzoni, himni, ...,

Libro Primo, Venedig, 1543

Paolo Agostini

(ca. 1583 – 1629)

Adoramus Te, Christe [A4]

Aus: Basilica di San Giovanni in Laterano,

MS 8925 Rari, st. mus. 29 (ca. 1625 – 26)

Ascanio Trombetti

(1544 – 1590)

Diligam Te Domine [A6]

Aus: Il Primo Libro di Motetti accomodati

per cantare e far concerti,

Venedig, 1589

- 206 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 207 -


Giovanni Pierluigi Da Palestrina

(1525 – 1594)

Viri Galilaei / Ascendit Deus [A6]

Aus: Liber Primus Motettorum,

Venedig, 1569

Pause

Orazio Vecchi

(1550 – 1605)

•Gitene Ninfe Pass'e Mezo.

Per Sonare e Cantare Insieme [A5]

•Salterello Detto Triuella [A5]

Aus: Selva di Varia Ricreatione,

Venedig, 1590

Salomone Rossi

(1570 – ca. 1630)

•Odekha Ki'Anitani [A6]

Aus: Hashirim asher lish'lomo [The Songs of Solomon],

Venedig, 1623

Girolamo Frescobaldi

(1583 – 1643)

•Praeambulum Legatura [A5]

Aus: Toccate e Partite,

Rome, 1637

•Sinfonia [A5] & Gagliarda detta Narciso [A5]

7 •Ricercar Ottavo [A4]

Aus: Il secondo libro delle sinfonie et gagliarde,

7

Aus: Ricercari et Canzoni Francese fatte

sopra diversi obblighi in partitura,

Rom, 1615

Venedig, 1608

Andrea Gabrieli

(1510 – 1586)

Ricercar Del Primo Tono [A4]

Aus: Ricercari di Andrea Gabrieli Organista di Venetia ...,

Venedig, 1595

Giovanni Maria Trabaci

(ca. 1575 – 1647)

•Gagliarda Seconda Detta La Scabrosetta [A5]

•Gagliarda Prima Detta La Galante [A5]

•Gagliarda Terza Detta La Talianella [A5]

Aus: Il Secondo Libro de Ricercate & altri varij Capricci,

Neapel, 1615

Alle Arrangements & Diminutionen von Paul Leenhouts

- 208 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 209 -


Petri Arvo, geboren 1982 in Eura,

Australian Recorder Quartet gab sie Konzerte in Queensland

Finnland, nahm das Blockflötenstudium

und Neuseeland, die von Radio NZ (Radio Neuseeland) und

1997 als Jungstudent an der Sibeliusaka-

2GB Sydney aufgezeichnet wurden. In den vergangenen

demie in Helsinki bei Rabbe Forsman und

Jahren war sie unter anderem im Sydney Opera House (Aus-

Jari S. Puhakka auf. Von 2003 bis 2009

tralien), der Wigmore Hall (England) und dem Concertge-

studierte er dort in der Alten Musik Abbouw

Amsterdam (Holland) zu hören.

teilung als Vollzeitstudent und graduierte mit einem Master

Nach dem Abschluss des Bachelorstudiums 2004 mit Aus-

of Music. Ergänzend dazu studiert er seit 2007 am Conserzeichnung

am Conservatorium of Music in Sydney setzte sie

vatorium van Amsterdam bei Paul Leenhouts und Jorge Isaac.

ihr Studium dort mit dem Masterstudium fort und spezia-

Neben The Royal Wind Music spielt Petri regelmäßig mit

lisierte sich auf zeitgenössische japanische Kompositionen

Ensembles wie Musica Curiosa Helsinki, Un'altra ondata und

für Blockflöte bei Hans-Dieter Michatz. Seit 2008 studiert

Harmoniset Oikut. Das Ensemble Harmoniset Oikut beschäf-

Alana mit der Unterstützung eines Stipendiums des Ian Potter

tigt sich nicht nur mit barockem Repertoire, sondern spe-

Cultural Trust und des PPCA Performers Trust in der Block-

zialisiert sich verstärkt darauf, mit der neuen Generation

flötenklasse von Paul Leenhouts am Conservatorium van Ams-

finnischer Komponisten zusammenzuarbeiten und zeitge-

terdam. Seit 2008 ist sie Mitglied bei The Royal Wind Music.

7 nössische theatrale Musik für Stimme und historische Instrumente

aufzuführen. Darüber hinaus ist Petri an der Kom-

7

bination von zeitgenössischer elektronischer Musik, mo-

Stephanie Brandt wurde 1978 in

dernem Tanz und Theater interessiert.

Aachen geboren und liebt die Blockflöte

seit ihrer ersten Unterrichtsstunde.

Nachdem sie mehrere erste Preise bei na-

Alana Blackburn, wurde 1983 in Ar-

tionalen und internationalen Jugendwettmidale,

Australien, geboren.

bewerben gewonnen hatte, studierte sie

Sie konzertierte als Solistin und Kammer-

Blockflöte in Frankfurt und Amsterdam.

musikerin mit Ensemles wie z.B. The

Ihr Engagement in Ensembles wie The Royal Wind Music und

Royal Wind Music, The New Dutch Aca-

ÆroDynamic (einem auf zeitgenössische, multidisziplinäre

demy, Salut! Baroque, The Bell Shakespeare

Musikprojekte sowie mittelalterliche Musik spezialisierten

Company, The Sydney Consort, ThoroughBass, The Tall Pop-

Trio) trug ihr mehrere Preise ein, unter anderem bei der

peas, The Sydneian Bach Choir und Manly-Warringah Sym-

»9th Contemporary Chamber Music Competition Krakow«

phony Orchestra. Mit dem Blockflötenquartett Bellatrix: The

2005 und beim »Vriendenkrans-Concours« Amsterdam 2006.

- 210 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 211 -


Darauf folgten zahlreiche Konzerte in Europa und den USA.

Mit einem mittelalterlich bis zeitgenössisch-experimentellen

Programm gewann sie den dritten Preis bei der »Moeck/

SRP Solo Recorder Competition« 2005.

Da Stephanie großen Wert auf die Ausbildung des musikalischen

Nachwuchses legt, tritt sie regelmäßig für die in Ams-

terdam ansässige Stiftung »Memorable Moments« auf und

bringt auf diese Weise Musik in Kindergärten und Grund-

schulen. Darüber hinaus unterrichtet sie an der interdiszi-

plinären Kunst- und Musikschule De Kunstlinie in Almere

(Niederlande). Stephanie verbringt ihre Freizeit entweder

mit Shotokan-Karate-Training oder widmet sich ihrem Pädagogikstudium.

sie an der selben Institution ihr Studium im Masterstudiengang

bei Paul Leenhouts fort und tritt mit einem breitgefächertem

Repertoire nicht nur als Solistin sondern auch als

Kammermusikpartnerin auf.

Mit The Royal Wind Music spielte Ruth im letzten Jahr eine

CD ein und trat bei namhaften Festivals auf.

7 Ruth Dyson wurde 1986 in Leeds, Eng-

Belén Nieto Galán wurde 1985 in

Madrid, Spanien, geboren, wo sie Blockflöte

bei Fernando Paz, Querflöte bei

María Ángeles Grau und Kammermusik

bei Leonardo Luckert und Jesús Sánchez

am Konservatorium für Musik »Padre

Antonio Soler« in San Lorenzo de El Escorial studierte. Sie besuchte

Kurse sowohl im Bereich Musik als auch Instrumen- 7

land, geboren. 1996 begann sie ihre mutenbau

bei Paul Leenhouts, Aurele Nicolet, Kees Boeke, Sara

sikalische Ausbildung an der Chetham's

Parés, Jacqueline Sorel, Monika Musch, Kate Clark, Pierre

School of Music in Manchester, wo sie

Hamon und Wilbert Hazelzet.

Blockflöte bei Alan Davis studierte. Zwi-

Seit 2004 lebt Belén in Amsterdam, wo sie 2008 ihr Blockflöschen

2002 und 2004 nahm sie Unterricht

tenstudium bei Paul Leenhouts am Conservatorium van Ams-

bei Daniel Brueggen an der Royal Academy in London.

terdam mit dem Bachelor of Music abschloss. 2010 schloss

Schon während ihres Studiums in Manchester trat sie mehr-

sie ihr Traversflötenstudium bei Jed Wentz mit einem weitefach

in renommierten Konzertsälen auf. So spielte sie beiren

Bachelor ab. Im Studienjahr 2010/11 wird sie ein Masspielsweise

das Blockflötenkonzert von David Bedford geterstudium

im Fach historische Blasinstrumente bei Benny

meinsam mit dem Halle Orchestra in der Bridgewater Hall.

Aghassi (Barockfagott) und Jed Wentz (Traversflöte) am

Sie erhielt den zweiten Preis bei der »Moeck/SRP Recor-

Conservatorium van Amsterdam beginnen.

der Competition« 2003 und begann 2004 ihr Studium am

Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr konzertiert Belén regel-

Conservatorium van Amsterdam bei Walter van Hauwe, wo

mäßig und war u. a. mit Dirigenten wie Gary Cooper und

sie 2008 ihren Bachelorabschluss erhielt. Im Moment setzt

Masaaki Suzuki zu hören. Konzerte mit The Royal Wind

- 212 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 213 -


Music, Jed Wentz und Manfred Kraemer wurden in holländischen,

amerikanischen und spanischen Radioprogrammen

ausgestrahlt. Ihre Engagements führten sie zum Boston Early

Music Festival, Festival de Música Antigua de Sevilla, Festival

de Música Antigua de Barcelona, Festival Oude Muziek

Utrecht, Aldeburgh Festival und dem Greenwich International

Early Music Festival and Exhibition. Außerdem tritt sie regelmäßig

in Zusammenarbeit mit der Stiftung »Memorable

Moments« für junge Kinder in Kindergärten auf.

den Niederlanden, Großbritannien, Portugal und Spanien

zu hören. Neben der Alten Musik gilt ihr Interesse vor

allem zeitgenössischen Solo- und Ensemblewerken.

Eva Gemeinhardt wurde 1986 in Neu-

Arwieke Glas wurde 1981 in den Niederlanden

geboren und studierte Blockflöte

bei Paul Leenhouts in Amsterdam

und Antonio Politano in Luzern, wo sie

ihr Konzertdiplom 2006 erhielt. Neben

der Ausbildung am Konservatorium besuchte

sie Meisterkurse bei Ernst Reijseger, Stefano Gervasoni

haus am Inn geboren und erlernte Kla-

und Rebbeca Stewart. 2005 erhielt sie einen Bachelor im Fach

vier, Blockflöte und Violine an verschie-

Musikwissenschaften und 2008 einen Master cum laude in

denen Musikschulen in Deutschland und

»Cultural Analysis« an der University of Amsterdam. Arwie-

7 Österreich. Sie nahm an Meisterkursen,

kes Hauptinteresse gilt der zeitgenössischen Kammermusik 7

u.a. mit dem Amsterdam Loeki Stardust

und der Musik der Renaissance. Sie ist als Musikerin und In-

Quartet, dem Flanders Recorder Quartet und Paolo Pandolfo

strumentallehrerin tätig und wurde mit Stipendien von der

teil. Seit 2006 studiert sie bei Paul Leenhouts und Jorge Isaac

»Kasbank« und der »VSB-foundation« ausgezeichnet.

am Conservatorium van Amsterdam.

Arwieke spielt seit 2001 bei The Royal Wind Music, wo sie

Eva wurde mit mehreren ersten Preisen bei nationalen und

sich auf Bassinstrumente spezialisiert hat, wie z. B. Basset, C-

internationalen Blockflötenwettbewerben ausgezeichnet, so-

und F-Bass und das tiefste Instrument des Ensembles, den

wohl als Solistin als auch als Mitglied des Blockflötenquin-

Subkontrabass in B. Außerdem ist sie Mitglied des Duos

tetts Seldom Sene und des Blockflötenquartetts Quadriga

Quatsch! und arbeitet als Editorin bei Viertakt, einem Pro-

della Musica, das den SONBU Blockflötenwettbewerb 2004

gramm für klassische Musik beim holländischen Sender

gewann. Im Jahre 2009 erhielt sie das Gerd Bucerius-Stipendium

der Deutschen Stiftung Musikleben.

Eva wirkte an mehreren CD-Aufnahmen mit, u. a. als Mitglied

von The Royal Wind Music. Sie war bei Musikfestivals

in Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland,

Radio 4.

- 214 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 215 -


Hester Groenleer wurde 1980 in

Karin Hageneder wurde 1987 im ober-

den Niederlanden geboren und studierte

österreichischen Pettenbach geboren. Sie

Blockflöte am Conservatorium van Ams-

begann ihre musikalische Ausbildung an

terdam bei Paul Leenhouts. Sie erhielt so-

den lokalen Musikschulen: Blockflöte bei

wohl ihr Bachelor- als auch ihr Master-

Petra Holl (Musikschule Pettenbach) und

diplom »cum laude« und beschäftigt sich

Jacqueline Clemens (LMS Wels), Querflöte

vor allem mit moderner Improvisationskunst, zeitgenössi-

bei Christa Anleitner-Obergruber (LMS Kirchdorf/Krems),

scher Kammermusik und Consortmusik der Renaissance.

Klavier bei Prof. Wolfgang Mitterschiffthaler (LMS Kirch-

Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Stipendium »Ruim baan

dorf ).

voor talent« des Niederländischen Kulturministeriums aus-

Nach Abschluss der Matura am Stiftsgymnasium Schlierbach

gezeichnet.

studierte Karin an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz

Als Solistin als auch mit den Ensembles The Royal Wind

bei Prof. Michael Oman (Blockflöte) und Prof. Helmut Tra-

Music, Trio Tritone und gemeinsam mit ihrem Duopartwöger

(Querflöte). Im Juni 2009 schloss sie das Bachelorner,

dem Tastenspieler Matthias Havinga, konzertierte sie

studium für beide Instrumente mit Auszeichnung ab.

auf Festivals und Bühnen im In- und Ausland, darunter im

Von 2006 bis 2007 studierte sie Traversflöte bei Prof. Claire

7 Concertgebouw Amsterdam, beim Amsterdamse Grachtenfesti-

Genewein (Anton Bruckner Privatuniversität). Seit 2009 stu- 7

val, bei den Festivals für Alte Musik in Utrecht, Barcelona,

diert sie am Conservatorium van Amsterdam Querflöte bei

Valencia und Boston sowie im Rahmen des First European

Harrie Starreveld und Blockflöte bei Paul Leenhouts.

Recorder Performance Society Festival.

Als Solistin und Kammermusikerin gewann sie erste Prei-

Ein Höhepunkt war ihr Auftritt als Solistin für das Niederse

bei den Wettbewerben »Prima la Musica« und »Musik in

ländische Königshaus während des Taufgottesdienstes für

kleinen Gruppen«. 2005 führte sie beim Preisträgerkonzert

H.K.H. Prinzessin Ariane der Niederlande, der im nationalen

des Bundeswettbewerbes »Prima la Musica«, mit der Block-

Fernsehen übertragen wurde.

flöte ein Solostück im Brucknerhaus Linz auf. Als Solistin

2009 erhielt Hester einen wichtigen Förderbeitrag des »Prins

trat sie in Braunau (unter der Leitung von Andreas Pennin-

Bernhard Cultuurfonds« für die Anschaffung von Instru-

ger) und mit dem Städtischen Symphonieorchester Wels (un-

menten. Sie unterrichtet an der Musikschule Amsterdam, gibt

ter der Leitung von Walter Rescheneder) auf.

darüber hinaus Workshops und hält Vorträge für die ERTA

Karin trat mit dem Atlas-Ensemble auf, war 2005 im Herbst-

(European Recorder Teachers Society) und bei verschiedeprojekt

des OÖ. Jugendsinfonieorchester mit dabei, hatte

nen Symposien zum Thema Improvisation.

Auftritte mit der türkischen Band Rostiyam und spielte

2008 mit Harfenistin Angela Stummer eine CD ein.

- 216 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 217 -


Am Landestheater Linz spielte Karin 2008/09 mit dem

Brucknerorchester in der Barockoper Calisto. Seit Oktober

2009 ist sie Mitglied des Ensembles The Royal Wind Music.

Marco Paulo Alves Magalhães

wurde 1980 in Porto geboren. Er erwarb

Diplome am Conservatório de Música do

Porto, an der Escola Superior de Música de

Lisboa und am Conservatorium van Amsterdam.

An diesen Institutionen studierte

er Blockflöte mit Lehrern wie Pedro Sousa Silva, Pedro Couto

Soares, Paul Leenhouts, Walter van Hauwe und Jorge Isaac.

Er besuchte Workshops u.a. bei Jill Feldman, Kees Boeke,

Paolo Pandolfo, Heiko ter Schegget, Peter Holtslag, Peter van

Festival und dem Festival de Musica Antigua (Barcelona) zu

Gast. Marco Magalhães nahm eine CD mit dem Ensemble

Sete Lágrimas beim Murecords Label auf (Lachrimæ #1). Mit

dem Ensemble A Imagem da Melancolia spielte er die CDs

»A Arte da Usurpacao« und »The bad tempered Consort«

ein, die beim Label Phonedition erhältlich sind.

7 Heyghen, Ku Ebbinge und Enrico Onofri. Während seines

María Martínez Ayerza wurde 1982

in Cuenca, Spanien, geboren. Sie studierte

Musik in Cuenca, Sevilla und Amsterdam

und ist eine vielseitige, an allen Facetten

ihres Instrumentes interessierte

Blockflötistin.

2005 gewann sie den ersten Preis bei der »Moeck/SRP Solo

Recorder Competition« und ist Mitglied von The Royal Wind 7

Studiums in Holland wurde er durch ein Stipendium des

Music sowie von ÆroDynamic, einem Trio, das die Möglich-

»Centro Nacional de Cultura/Instituto Português da Juven-

keiten von Musik, Bewegung, Theater, Kostümen und Multi-

tude« unterstützt.

media kombiniert. Aufgrund ihres Wunsches, Musik neuen

In seinem Beruf als Musiker hat Marco immer wieder Ge-

Publikumskreisen zugänglich zu machen, tritt sie regelmälegenheit

mit Ensembles und Orchestern wie z. B. Capela

ßig in Zusammenarbeit mit der Stiftung »Memorable Mo-

Real de Lisboa, A Imagem de Melancolia, Il Dolcimelo, Con-

ments« für junge Kinder in Kindergärten, Gemeindezen-

certus Antiquus, Sete Lágrimas, The Garnier Ensemble, Les

tren und Grundschulen in Amsterdam auf. Seit 2009 ist

Cinq Élèments, The Royal Wind Music, Orquestra Sinfónica

María Redaktionsmitglied bei »Blokfluitist«, dem einzigen

Portuguesa und dem CvA Baroque Orchestra zu konzertie-

niederländischsprachigen Magazin für Blockflöte.

ren und tritt u. a. in Portugal, Spanien, Frankreich, Holland,

Ebenfalls 2009 erhielt sie ihren Abschluss als Master of Arts

Deutschland und den USA auf. Mit diesen Ensembles war er

in Musikwissenschaft an der Universität von Amsterdam.

in wichtigen Konzertsälen wie dem Casa da Música (Porto),

Ihr akademisches Interesse konzentriert sich auf spanische

dem Concertgebouw (Amsterdam), Muziekgebouw (Amster-

Musik des 16. Jahrhunderts sowie auf die Rolle der klassidam),

Jordan Hall (Boston) sowie beim Utrecht Early Music

schen Musik in der Popkultur.

- 218 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 219 -


Filipa Margarida Pereira wurde

Music gastiert sie unter anderem bei den Tagen für Alte

1981 in Tomar, Portugal, geboren. Im Al-

Musik in Berlin, bei summerwinds in Münster sowie im Con-

ter von vier Jahren begann sie mit dem

certgebouw Amsterdam. In den letzten zwei Jahren spielte sie

Musikunterricht an der Musikschule Can-

Konzerte unter anderem im Muziekgebouw aan't Ij in Amsterto

Firme, wo sie bis 2000 ergänzend auch

dam, beim Greenwich Early Music Festival in London, bei

Blockflötenunterricht nahm. Danach war

Música Antiga de Loulé in Portugal und in der Tanna Schu-

sie bis 2005 Studentin von Pedro Couto Soares an der Escola

lich Hall in Montreal.

Superior de Música in Lissabon und schloss ihr Studium mit dem

Neben der intensiven Beschäftigung mit alter Musik ist

Bachelor of Music ab. 2009 graduierte sie mit einem wei-

Anna in mehreren Neue-Musik-Ensembles, wie z. B. dem

teren Bachelor am Conservatorium van Amsterdam bei Paul

Blockflötentrio aXolot, aktiv und arbeitet eng mit Kompo-

Leenhouts. Zudem studiert sie seit 2008 Barockfagott bei

nistinnen und Komponisten in Holland und Deutschland

Benny Aghassi am selben Institut. Neben ihrem Studium be-

zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit sind in den letzten

suchte sie zahlreiche Meisterkurse, u. a. bei Peter Holtslag,

Jahren neue Werke für Blockflötentrio entstanden, die von

Richard Gwilt, Jill Feldman, Rainer Zipperling, Ketil Haug-

aXolot uraufgeführt wurden.

sand, Peter van Heyghen, Kees Boeke und Enrico Onofri.

Anna erhielt bei verschiedenen nationalen und internatio-

7 Zwischen 1998 und 2005 sang sie außerdem im Canto Firme-

nalen Wettbewerben Preise und Auszeichnungen. So wurde 7

Chor und konzertierte mit diesem in ganz Portugal. Mit dem

sie z. B. Preisträgerin bei der 11th Competition of Contemporary

Blockflötenconsort A Imagem de Melancolica spielte sie u. a.

Music in Krakau 2007 und der Montreal Recorder Competition

im Fringe-Programme des Utrecht Early Music Festival. Seit

2009. Sie ist Stipendiatin der GWK, Gesellschaft für West-

2006 ist Filipa Mitglied von The Royal Wind Music.

fälische Kulturarbeit und der Deutschen Stiftung Musikleben.

1983 in Münster geboren, studierte sie zunächst an der dortigen

Musikhochschule sowie an der Musikakademie Kassel

Anna Stegmann ist eine Blockflötis-

Instrumentalpädagogik und erlangte die künstlerische Reife

tin, die sich in vielen Stilen zu Hause fühlt.

bei Winfried Michel, wobei sie beide Studiengänge mit Aus-

Ihr Repertoire reicht von der Musik des

zeichnung abschloss. Anna lebt in Amsterdam, wo sie 2011

Mittelalters über barocke Kammermusik bis

das Blockfötenstudium bei Paul Leenhouts mit dem »Master

hin zur zeitgenössischen Sololiteratur.

In der kommenden Konzertsaison 2010/11

wird sie europaweit auf verschiedenen Festivals als Kammermusikerin

und Solistin zu hören sein. Mit The Royal Wind

of Music« beenden wird.

- 220 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 221 -


Autogramme

7 7

- 222 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 223 -


Donnerstag, 16.09., 19.00 Uhr

Rathaus St. Veit

The English Muse

In church and chamber

I Fagiolini

Einleitung

In den Jahren um 1600 war die englische Musik von einer ku-

riosen Mischung aus tiefster Melancholie und lebensfroher

Frivolität geprägt. In dieser Hinsicht erinnerte das englische

Musikgeschehen an Italien mit dessen Vorliebe für das grave

und das piacevole. Während jedoch zeitgenössische Musiktheoretiker

in Italien die Ansicht vertraten, gerade im Zusammenführen

der beiden zeige sich wahre Meisterschaft (wie

z. B. in Vecchis Madrigalkomödie L'Amfiparnaso, die I Fagiolini

letztes Jahr hier gegeben haben), existierten in England beide

Varianten nebeneinander, ohne sich zu begegnen.

8 Auf der einen Seite gab es eine Vielzahl leichter Madrigale, 8

Konzert mit

die vorwiegend zum Vergnügen derjenigen komponiert wurden,

die sie sangen. Der pastorale bzw. arkadische Charakter

dieser Stücke orientierte sich unverkennbar an italienischen

von Julia Purgina

Modellen, und ihre Beliebtheit bei englischen Sängern reicht

bis in die Gegenwart. Zwar wurden sie im 18. Jahrhundert

teilweise von Glees (Rundgesängen) und mehrstimmigen Lie-

Robert Hollingworth: Leitung, Countertenor

dern verdrängt (ganz zu schweigen von den Catches, die Sie

Anna Crookes: Sopran

morgen Abend in der Alehouse-Session hören werden), aber

William Purefoy: Countertenor

immer – bis zum heutigen Tag – wurden in England mit Freu-

Nicholas Hurndall Smith: Tenor

de auch Madrigale gesungen, sei es von kleinen Chören,

Charles Gibbs: Bass

privaten Ensembles oder so majestätischen Institutionen wie

Eligio Quinteiro: Laute

der London Madrigal Society.

- 224 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 225 -


Auf der anderen Seite finden wir die melancholische Variante,

Etwa siebzig Jahre später hatte sich das religiöse Umfeld in

vor allem in den Lautenliedern von Dowland, aber auch in bit-

England fast bis zur Unkenntlichkeit gewandelt. Die römitersüßen

Madrigalen und Motetten von Weelkes, Tomkins und

sche Kirche war zugunsten Heinrichs neuer Church of Eng-

anderen. Der Erfolg dieser letzteren erklärt sich zum einen da-

land aufgegeben worden, die sich anschließend – während der

raus, dass sie dem ernsten Charakter und der sehr polyphonen

sechsjährigen Regentschaft seines Sohnes Edward VI. – im-

Schreibart ihrer unmittelbaren Vorfahren, insbesondere Tallis

mer offener zum Protestantismus wandte. Eine ca. fünfjährige

und Byrd, verpflichtet bleiben, und zum anderen aus den leicht

Rückkehr zum Katholizismus in der Regierungszeit Marys I.

herben Färbungen dieser Musik, insbesondere der Vorliebe

gab Anlass zu weiteren Verfolgungen. Als Königin Elizabeth

für eine sorgsam strukturierte Dissonanz, die das Ohr erfreut.

1558 den Thron bestieg, versuchte sie, das Land mit ihrem ent-

Aber erst das Zusammenspiel dieser Merkmale mit dem ele-

spannteren Ansatz zu befrieden. »I have no desire to make winganten

italienischen Stil der Stimmkombination (z. B. zwei

dows into men's souls« (Ich will mir nicht gewaltsam Einblick

Sopranstimmen in Terzen), verlieh dem englischen Stil des

in die Seele der Menschen verschaffen) ist ein berühmter Aus-

frühen 17. Jahrhunderts seinen unverwechselbaren Charakter.

spruch, den man der englischen Monarchin in diesem Zusammenhang

zuordnet. Aber nach der Ridolfi-Verschwörung im

Unser Programm beginnt am anderen Ende des 16. Jahrhun-

Jahr 1571, einem Komplott der Katholiken, das darauf abderts

und allem Anschein nach in der Kirche, mit einem sakzielte,

die englische Königin durch Maria Stuart zu ersetzen

ral geprägten Text, obwohl John Skeltons lebhaft ausgemalte

(gefolgt von einer päpstlichen Erklärung, nach der englische

8 fiktive Worte Christi am Kreuz im »Woefully array'd« von

Katholiken für den Mord an ihrer Monarchin Vergebung fin- 8

William Cornysh niemals im Rahmen der Liturgie aufgeführt

den sollten), nahm ihre Toleranz angesichts der erkannten

worden wären, sondern eher in einer privaten Form der Andacht.

Es handelt sich um Musik aus den frühesten Tagen

Bedrohung ab.

Heinrichs VIII., in einem Stil langer individueller Stimm-

Katholische Priester kamen in geheimer Mission nach Englinien,

welcher der Sakralmusik der damals noch katholischen

land, bis sie entdeckt wurden. Ein solches Beispiel war Ed-

englischen Kirche verhaftet ist. Die Pracht der Gebäude, für

mund Campion, der 1581 auf besonders brutale Weise, durch

die diese Werke komponiert wurden, spiegelt sich in der Ar-

Erhängen und Vierteilen, hingerichtet wurde. Der Komponist

chitektur der Musik wider. Aber anstelle der Messsprache

William Byrd, ein Günstling der Königin, selbst aber Ka-

oder langer lateinischer Antiphone ist die Stimme Christi

tholik, hatte die Erlaubnis erhalten, weiterhin lateinische Ge-

hier persönlich und volkssprachlich und erzeugt so eine Un-

sänge in Musik zu setzen, vermutlich für die Colleges von Oxmittelbarkeit,

die in der damaligen englischen Sakralmusik

ford und Cambridge sowie die Hofkapelle. Er vertonte Psal-

nur selten zu hören war.

men, deren alttestamentarische Texte, in denen die Leiden

- 226 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 227 -


des von Gott erwählten Volkes beklagt wurden, für Katholiken

doppeldeutig gewesen wären, da diese sich selbst in der

Rolle der Israeliten sahen. »Deus venerunt gentes« ist das

berühmteste Beispiel, wurde aber nur selten gesungen (teilweise

wegen des enormen Stimmumfangs der Vokalpartien).

Um das Leiden so anschaulich wie möglich zu schildern,

verwandte er eine besonders bildhafte und farbenfrohe Kompositionstechnik,

sowohl im Bezug auf das Sterben Campions

[»They have laid out the dead bodies of thy servants as food

for the birds of the air« (Sie haben den Leichnam deiner Knechte

den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben)], als auch

im Hinblick auf das Gefühl englischer Katholiken, von der

Mutterkirche isoliert zu sein [»We are become a disgrace in

the eyes of our neighbours« (Wir sind unseren Nachbarn eine

Schmach geworden)].

heard« ist eine Vertonung der Klage Davids über den Tod

seines Sohnes Absalom. In Analogie wird damit der Tod des

englischen Erben, des Prinzen Heinrich, im Jahr 1616 beklagt.

Die Wirkung der Stimmführung und die eindringliche Harmonie

waren für die damalige Zeit unvergleichlich.

Bei einer solchen Melancholie, die sich wie ein roter Faden

Am Schluss meiner Ausführungen angelangt, stelle ich fest,

dass ich mich eher auf die düstere Seite der Englischen Muse

konzentriert habe... Bei einem rein zahlenmäßigen Vergleich

der fröhlichen und der traurigen Texte aus der damaligen

Zeit würden die fröhlichen Stücke wahrscheinlich den Sieg

davontragen. Aber wenn Sie einen beliebigen Musiker nach

seinen Lieblingsstücken englischer Renaissancemusik fragen,

gewinnen stets die klagenden Stücke mit ihren bitteren Harmonien

und ihrem traurigen Widerhall. (Viel leichter, Stücke

für eine Beerdigung als für einen Geburtstag zusammenzustellen…).

Erfrischend wirkt hingegen Byrds köstlicher Con-

8 durch die englische Geschichte des 16. Jahrhunderts zieht,

sort Song (ein Genre, das ursprünglich für eine Singstimme 8

ist es kein Wunder, dass auch die englischen Komponisten

und Gamben, eher als für das vokal geprägte Madrigal be-

der nächsten Generation betroffen waren. Dowland, bekannt

stimmt war): »Though Amaryllis dance in green« weckt mit

auch unter dem lateinischen Beinamen »Semper Dowland,

seinen extrovertierten Synkopen schiere Sangeslust.

semper dolens« (Dowland, immer leidend) ist hierfür das be-

Robert Hollingworth

rühmteste Beispiel, mit einer Subtilität und Finesse, die ihn als

besten seiner Generation ausweisen. Thomas Tomkins würdigt

ihn in »O let me live«, indem er ihm das Stück widmet

und den Beginn des berühmten Lieds »Flow my tears«

von Dowland in der ersten Phrase des Tenors zitiert. Tomkins

kam um 1610 nach London und veröffentlichte dieses

Stück zusammen mit weiteren Madrigalen und Motetten in

einem Band von bemerkenswerter Vielfalt. Sein »When David

Übersetzung: Almut Lenz-Konrad

- 228 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 229 -


Programm

In Kirche

William Cornyshe

(† 1523)

1. Woefully array'd

Francesco da Milano

(1497 – 1543)

2. Fantasia

William Byrd

(1540 – 1623)

3. Deus venerunt gentes

Thomas Tomkins

(ca. 1575 – 1656)

5. When David heard

Pause

... und Kammer

William Byrd

6. Though Amaryllis dance in green

Julia Purgina

(*1980)

7. Sonnet for 5 singers and lute

William Ballet

(ca. 1600)

8. Quadro Paven

John Danyel

Anonym

9. Canarie ('Swan' Ms., 1614)

8 (1564 – ca. 1626)

8

4. Rosa

Thomas Tomkins

10. O let me live

John Dowland

(1563 – 1626)

11. Praeludium

12. Come ye heavy states of night

Thomas Weelkes

(1576 – 1623)

13. O care, thou wilt despatch me

- 230 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 231 -


Texte

1. Woefully arrayed

1. In Schmerzen dargeboten

Woefully arrayed,

In Schmerzen dargeboten -

My blood, man,

mein Blut, Mensch,

For thee ran,

floss für dich,

It may not be nayed;

das darf nicht geleugnet werden;

My body blo and wan,

mein bleicher Leib

Woefully arrayed.

in Schmerzen dargeboten.

Behold me, I pray thee

Betrachte mich, ich bitte dich

with all thy whole reason

mit wachem Sinn.

And be not hard-hearted and for this encheason,

Verschließe nicht dein Herz,

Sith I for thy soul sake was slain in good season

da ich um deiner Seele willen im besten Mannesalter starb,

Beguiled and betrayed by Judas's false treason.

getäuscht und verkauft durch des Judas falschen Verrat.

Unkindly entreated, with sharp cord sore fretted

Grob behandelt, mit scharfen Schnüren wund gerieben,

the Jews me threatened.

von den Juden bedroht.

8 They mowed, they grinned, they scorned me,

Sie zogen Grimassen, spotteten, verhöhnten mich,

8

Condemned to death, as thou mayest see,

Zum Tode verurteilt, wie du siehst,

Woefully arrayed.

in Schmerzen dargeboten.

Thus naked am I nailed;

Nackt wurde ich ans Kreuz genagelt;

O man, for thy sake I love thee, then love me,

Oh Mensch, um deinetwillen liebe ich dich, dann liebe mich

Why sleep'st thou?

auch:

Awake, awake,

Warum schläfst du?

Remember my tender heart-root

Erwache, erwache,

With pains my veins constrained to crake,

gedenke meines gütigen Herzens,

Thus tugged to and fro,

voller Schmerzen wollten meine Adern bersten,

Thus wrapped all in woe,

hin und her gezerrt,

Wheareas never man was so entreated,

ganz in Schmerz gehüllt,

wie nie ein Mensch behandelt wurde,

- 232 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 233 -


Thus in most cruel wise

auf grausamste Weise

Was like a lamb

ward ich wie ein Lamm

offered in sacrifice.

als Opfer dargebracht.

Of sharp thorn I have worn

Aus spitzen Dornen trug ich

a crown on my head.

eine Krone auf dem Haupt.

So pained, so strained,

So qualvoll, so bedrängt,

so rueful, so red.

so kläglich, voller Blut.

Thus bobbed, thus robbed,

Betrogen, beraubt

thus for thy love dead;

und aus Liebe zu dir tot;

Unfeigned, not deigned,

wahrhaftig, aufrichtig

my blood for to shed.

mein Blut vergießend.

My feet and handes sore,

Füße und Hände wund,

Thy sturdy nailes tore,

von deinen starken Nägeln zerrissen,

What might I suffer more

was könnte ich noch mehr erleiden

Than I have done,

als ich es tat,

O man, for thee?

oh Mensch, für dich?

Come when thou list,

Komm, wenn du hörst,

8 welcome to me,

sei mir willkommen:

8

Woefully arrayed.

In Schmerzen dargeboten.

- 234 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 235 -


3. Deus, venerunt gentes

(Psalm 78:1-4)

Deus, venerunt gentes in hereditatem tuam;

polluerunt templum sanctum tuum;

posuerunt Hierusalem in pomorum custodiam.

Posuerunt morticinia servorum tuorum

escas volatilibus coeli,

carnes sanctorum tuorum bestiis terrae.

Effuderunt sanguinem ipsorum tanquam aquam

in circuiti Hierusalem, et non erat qui sepeliret.

Facti sumus opprobrium vicinis nostris,

subsannatio et illusio his qui in circuiti nostro sunt.

3. Deus, venerunt gentes

(Psalm 78:1-4)

Gott, es sind Heiden in dein Erbe gefallen;

die haben deinen heiligen Tempel verunreinigt

und aus Jerusalem Steinhaufen gemacht.

Sie haben die Leichname deiner Knechte

den Vögeln zu fressen gegeben,

und das Fleisch deiner Heiligen den Tieren im Lande.

Sie haben Blut vergossen um Jerusalem her wie Wasser;

und niemand war da, der sie begrub.

Wir sind unsern Nachbarn eine Schmach geworden,

ein Spott und Hohn denen, die um uns sind.

8 8

- 236 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 237 -


5. When David heard

When David heard that Absalom was slain,

he went up to his chamber over the gate and wept,

and thus he said:

O, my son, Absalom my son,

would God I had died for thee.

6. Though Amaryllis dance in green

5. Als David hörte

Als David hörte, dass Absalom erschlagen ward,

ging er hinauf in seine Kammer über dem Tore und weinte

und sprach:

Oh mein Sohn, Absalom! Mein Sohn, mein Sohn!

Wollte Gott, ich wäre statt deiner gestorben,

Oh Absalom, mein Sohn, mein Sohn!

6. Wie Amaryllis in grünem Reigen

Though Amaryllis dance in green

Wie Amaryllis in grünem Reigen,

Like fairy queen;

einer Feenkönigin gleich,

And sing full clear

tanzen und mit klarer Stimme singen -

Corinna can, with smiling cheer.

das kann Corinna, mit Schalk im Blick.

Yet since their eyes make heart so sore,

Doch da ihre Augen mein Herz betrüben,

8 Heigh ho, 'chill love no more.

Heigh ho, will ich nie wieder lieben.

8

My sheep are lost for want of food,

And I so wood,

That all the day

I sit and watch a herdmaid gay,

Who laughs to see me sigh so sore,

Heigh ho, 'chill love no more.

Meine Schafe verlangt es nach Futter,

und mir ist es so ums Herz,

dass ich den ganzen Tag

verweile und die frohe Schäferin betrachte,

die ob meiner Seufzer lacht,

Heigh ho, ich will nie wieder lieben.

- 238 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 239 -


Her loving looks, her beauty bright

Is such delight,

That all in vain

I love to like and lose my gain,

For her that thanks me not therefor,

Heigh ho, 'chill love no more.

10. O let me live

O let me live for true love, fa, la la

O let me live, yet let me live no longer,

Than that my life may make my love the stronger.

12. Come ye heavy states of night

Come ye heavy states of night,

do my father's spirit right,

soundings baleful let me borrow,

come Sorrow come her eyes that sings,

by thee are turned into springs.

Ihre liebliche Gestalt, ihre strahlende Schönheit

entzücken mich so,

Dass ganz vergeblich

ich mich sehne und verliere

an sie, die mir es doch nicht dankt,

Heigh ho, ich will nie wieder lieben.

10. Oh lass mich für wahre Liebe leben

Oh lass mich für wahre Liebe leben, fa, la la

Oh lass mich leben, doch nicht länger,

als mein Leben meine Liebe stärken mag.

O let me die for true love, fa, la la

Oh lass mich für wahre Liebe sterben, fa, la la

Let not hope or old time come to end my woe.

Lass weder Hoffnung noch Alter

meinem Kummer ein Ende bereiten.

8 8

12. Kommt, ihr schwermütigen Nachtzustände

Kommt, ihr schwermütigen Nachtzustände,

erweist dem Geist meines Vaters die Ehre,

düstre Klänge lasst mich borgen,

komm, Trauer, komm, ihre singenden Augen

werden durch dich in Quellen verwandelt.

- 240 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 241 -


Come you virgins of the night,

that in dirges sad delight

choir my anthems, I do borrow

gold nor pearl, but sounds of sorrow;

come sorrow come her eyes that sings,

by thee are turned into springs.

13. O care, thou wilt despatch me

O Care, thou wilt despatch me,

if music do not match thee.

So deadly thou dost sting me,

mirth only help can bring me.

Kommt, ihr Jungfrauen der Nacht,

Die ihr euch an traurigen Grabgesängen erfreut,

seid der Chor zu meinen Hymnen, weder

Gold noch Perlen will ich borgen, lediglich

den Klang von Sorgen:

Komm, Trauer, komm, ihre singenden Augen

Werden durch dich in Quellen verwandelt.

13. Oh, Zärtlichkeit, du wirst mich töten

Oh, Zärtlichkeit, du wirst mich töten,

Wenn nicht Musik dich in die Schranken weist.

So tödlich schmerzt du mich,

Dass mir nur heitere Weisen helfen können.

Hence Care, thou art too cruel,

Oh, Zärtlichkeit, du bist zu grausam,

8 come, music, sick man's jewel.

Komm, Musik, des Sehnenden Juwel,

8

His force had well nigh slain me,

Unter ihrer Herrschaft bin ich fast gefallen,

but thou must now sustain me.

Doch du verschaffst mir Trost und Linderung.

- 242 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 243 -


I Fagiolini

Nachdem sich I Fagiolini jahrelang

durch innovative Präsentationen

alter und zeitgenössischer

Musik ausgezeichnet hatten, ge-

wann die Gruppe 2006 mit dem

Royal Philharmonic Society En-

semble Award den im UK anerkanntesten Preis für Ensembles.

und stellte sein Programm dem Fachpublikum ebenso wie einer

völlig neuen Zuhörerschaft vor. 1997 arbeitete I Fagiolini

zwei Wochen lang mit einem Chor aus Soweto an einem teilweise

improvisierten Album mit dem Titel Simunye. Dieses

bewegende Crossover-Projekt erschien bei Warner. Die 13

anderen CDs von I Fagiolini entstanden rund um das italienische

Renaissance-Repertoire, wobei Monteverdi in den letzten

Jahren einen besonderen Arbeitsschwerpunkt bildete.

www.ifagiolini.com

In »The Full Monteverdi« wird das Vierte Madrigalbuch als

Auseinanderbrechen von sechs Liebesbeziehungen während

Robert Hollingworth gründete

eines Abendessens inszeniert. Das Stück wurde 88 Mal auf-

I Fagiolini im Jahr 1986. Weiters war er

geführt; krönender Höhepunkt war die Aufführung im New

Leiter der BBC Singers, des Norddeutschen

Yorker Lincoln Center. Das Werk wurde verfilmt und welt-

Rundfunk Chors, der Academy of Ancient

weit ausgestrahlt.

Music und der St.James' Baroque Players.

»Ein düsterer, aber brillanter Abend« (The Times)

2004 dirigierte Robert Hollingworth den

8 »Ein unvergessliches Erlebnis« (The Guardian)

Nederlands Kamerkoor in einem wegweisenden neuen Musiktheater-Projekt

(Faust), mit verblüffenden Schauplätzen wie

8

»Die Vögel« ist eine neue Oper nach dem Bühnenstück von

dem weitläufigen Hof einer Werft in Amsterdam oder dem

Aristophanes für Sprecher, 10 Sänger, 2 Instrumente und ohne

Bremer Dom. Er leitete das BBC Concert Orchestra in einem

Dirigenten, während Purcells »Indian Queen« mit Marionet-

Projekt mit der »Full Monty«-Komponistin Anne Dudley

ten und viele Renaissance-Komödien mit Masken inszeniert

und die BBC Singers in einer Auswahl verschiedener Pro-

wurden.

gramme. Robert Hollingworth schreibt und präsentiert Pro-

»Ein Aufführungsstil, welcher der damaligen Zeit treu bleibt

gramme für die BBC, insbesondere für Discovering Music und

und es dennoch vermag, das anspruchsvolle Publikum der heu-

The Early Music Show. Er leitet Chorseminare im In- und

tigen Zeit zu berühren«, urteilt der Daily Telegraph.

Ausland und war 2010 Dirigent der 40- bzw. 60-stimmigen

Messe von Striggio in Dartington. 2006 wurde Robert zu ei-

Das Ensemble trat auf der ganzen Welt auf, unter anderem bei

nem der künstlerischen Leiter des York Early Music Festival

den BBC Proms, im Fernen Osten, in Nord- und Südafrika,

ernannt; seit 2009 ist er artistic advisor der trigonale.

- 244 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 245 -


Julia Purgina wurde 1980 in Strau-

Dan) und Mitbegründerin des Ensemble LUX. Als Solistin

bing/Deutschland geboren. Sie studierte

führte sie bereits das Violakonzert von Roland Freisitzer,

Viola bei Prof. Klos an der Univeristät für

sowie Konzerte von Bruno Strobl und sich selbst mit dem

Musik und darstellende Kunst Wien und

Studio New Music in Moskau auf. Derzeit schreiben mehrere

bei Prof. Knörzer an der Universität der

Komponisten Solokonzerte für Julia Purgina.

Künste Berlin. Weiters studierte sie an der

Als Komponistin erhielt Julia Purgina bereits mehrere Auf-

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Kompoträge

und ihre Stücke wurden in mehreren Ländern Eurosition

bei Prof. Urbanner und Prof. Czernowin. Alle Studien

pas aufgeführt. Derzeit arbeitet sie an einem Doppelkonzert

schloss sie mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Derzeit widmet

für zwei Flöten, einem Gitarrenkonzert und einem Stück für

sie sich ihrer Dissertation über aleatorische Kompositions-

Sänger, Klarinette und Klavier. Auch Solostücke für Klavier,

techniken, betreut von Prof. Eybl an der Universität für

Violine und Kammermusik für zwei Klarinetten und Streich-

Musik Wien.

trio sind in Arbeit.

8 Julia Purgina erhielt mehrere Preise und Stipendien (u. a.

Startstipendium 2009, Theodor-Körner-Preis, Viktor-Fohn-Sti-

8

pendium, Gustav-Mahler-Jugendorchester Stipendium, Antonio-

Salieri-Kompositionspreis).

Julia Purgina über Ihre Komposition:

In den Jahren 1999 – 2004 war sie Mitglied beim Europäi-

Bei meiner Komposition für das Ensemble I Fagiolini spielt

schen Jugendorchester und beim Gustav Mahler Jugendorches-

nicht nur die Bedeutung des Gedichts (ein von Liebeskumter.

Von 2004 – 2007 war sie als Orchesterakademistin beim

mer geplagter Mann, der hoffnungslos in seinem Kummer

Radiosymphonieorchester Wien tätig, wo sie auch heute noch

verharrt) eine Rolle, sondern vor allem die Struktur und

regelmäßig spielt. Derzeit ist Julia Purgina als freischaffende

der Aufbau des Textes. Auffällig sind die Verschränkungen

Musikerin in Wien tätig und legt ihren eigenen Schwerpunkt

der Verse, welche ich durch kontrapunktische Komposition

auf die Aufführung von neuer und neuester Musik. Sie ist

auch als Element in der Musik verwendet habe. Durch Eng-

Mitglied in mehreren Ensembles (Ensemble Reconsil, Wieführungen

in den Stimmen entstehen auch immer wieder

ner Kammerphilharmonie, Ensemble XX. Jahrhundert, Studio

Knotenpunkte, wo sich das Geflecht der Linien zu einem

- 246 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 247 -


estimmten Wort überschneidend trifft. Die Laute ist an

diesen Knotenpunkten angesiedelt und ihre Funktion ist vor

allem in der Textdeutung zu spüren. Die barocke Klangwelt

spielt nur in der Verwendung einiger versteckter Klischees

in das Stück hinein; die Klangwelt, die für das Publikum

hörbar wird, ist doch in der Gegenwart angesiedelt.

Der Titel des Stückes lautet »Sonnet for 5 singers and lute«.

Sonnet XIX

Cecco Angolieri (1260 – 1312)

Sonnet XIX

Cecco Angolieri (1260 – 1312)

Eo ho sì tristo il cor di cose cento,

Mein Herz ist mir so schwer aus hundert Gründen,

che cento – volte el dì penso morire,

dass hundert Mal am Tag ich sterben will,

avvegna che'l morir – mi fora abento,

und Sterben wär' mir Trost,

ch´eo non ho abento – se non di dormire;

da Trost ich sonst im Schlaf nur finde.

e nel dormir – ho tanto di tormento,

Und selbst im Schlaf erleide ich solche Qualen,

8 che di tormento – non posso guarire;

dass es von diesen Qualen keine Heilung gibt.

8

ma ben guarir – porìa en un momento,

Doch Heilung wäre möglich in nur einem Augenblick,

se un momento – avesse quella che ire

wenn sie den Augenblick gewähren würde – sie,

mi fa tanto dolente, en fede mia,

die mich - bei meiner Seele - so betrübt,

che mia – non par che sia alcuna cosa,

dass mir nichts bleibt

altro che cosa – corrucciosa e ria.

als Grausamkeit und Quälerei.

Ed è si ria – la mia vita dogliosa,

Da Quälerei mein Leben ganz mit Schmerz erfüllt,

ch'eo so doglios'a – chi mi scontra en via;

bereite ich allen Schmerz, die mir auf meinem Weg begegnen.

e via – non veggio che mai aggia posa.

Der Weg jedoch, auf dem ich Frieden finde -

er scheint mir unerreichbar fern.

Übersetzung: Almut Lenz-Konrad

- 248 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 249 -


Autogramme

- 250 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 251 -


Freitag, 17.09., 19.00 Uhr

Rathaus St. Veit

Freitag, 17.09., 21.00 Uhr

Rathaus St. Veit

I Fagiolini und Barokksolistene

Welcome to all the Pleasures

An evening of Purcell's odes and anthems

for 8 voices and 5 strings

An Alehouse-Session

Doppelkonzert

der Klang der Londoner Tavernen und Alehouses

im 17. Jahrhundert, versetzt mit guter Laune,

Humor und Bier.

Besetzung Welcome to all the Pleasures:

Leitung: Bjarte Eike, Robert Hollingworth

I Fagiolini

Anna Crookes, Helen Neeves: Sopran

William Purefoy, Robert Hollingworth:

Countertenor

Nicholas Hurndall Smith: Tenor

Robert Rice: Bariton

Thomas Guthrie, Charles Gibbs: Bass

Eligio Quinteiro: Laute

Catherine Pierron: Cembalo, Orgel

9 9

Barokksolistene

Bjarte Eike, Peter Spissky: Violine

Torbjörn Köhl: Viola

Thomas Pitt: Cello

Hans Knut Sveen: Cembalo

Mattias Frostenson: Violone

Fredrik Bock: Laute, Barockgitarre

- 252 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 253 -


Besetzung An Alehouse-Session:

Leitung: Bjarte Eike

Einleitung

Henry Purcell (1659 – 1695)

Barokksolistene

Musik ist die »Stimme der Natur«. So sang der Counter-

Tenor Henry Purcell in seiner eigenen Komposition von

Bjarte Eike, Peter Spissky: Violine

1692, in der Ode Hail Bright Cecilia – und dem Gentleman's

Torbjörn Köhl: Viola

Journal zufolge tat er dies »mit unglaublicher Anmut«. Pur-

Thomas Pitt: Cello

cell wurde gefeiert und gilt selbst heute noch als Orpheus

Hans Knut Sveen: Cembalo

Britannicus, als der Komponist, der die englische Sprache

Mattias Frostenson: Violone

durch Musik zum Leben erweckte. In seinem Musikstil er-

Fredrik Bock: Laute, Barockgitarre

fasst er wesentliche Merkmale der Bühnenkunst seiner Zeit –

William Shakespeares edle Stücke, den scharfsinnigen Humor

der Komödien und den feierlichen Charakter der Tragödien

I Fagiolini

Thomas Guthrie, Robert Hollingworth,

von John Dryden. Religiöse Texte gewinnen durch Purcells

genialen Sinn für das Theater bühnenwirksame Präsenz.

Nicholas Hurndall Smith: Sänger

In der Musiktradition Englands werden Soli mit verse bezeichnet

und von Mitgliedern des Chores vorgetragen. Manch-

9 mal werden Textpassagen im selben Rhythmus von einem

verse-ensemble oder dem gesamten kollektiven Chor deklamiert.

In anderen Fällen übernimmt das Ensemble den Rhythmus

moderner Tänze der Epoche, wie courant, sarabande und

jig. In den letzteren symbolisiert die streng geordnete Choreographie

des Tanzes religiös motivierte Regeltreue und

Akzeptanz der sozialen Hierarchie. In den solo verses

hingegen verwendet er häufig einen Stil in der Art der

neuen Opernrezitative, der für Individualität und emotionalen

Ausdruck steht.

9

- 254 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 255 -


Die Psalms of David boten Purcell reichlich Gelegenheit

zum Einsatz dieser persönlichen Variante – in den Texten,

die immer wieder auf die »Stimme« des Psalmisten hinweisen,

auf seine »Rufe« und »sein neues Lied«. Aber auch ein

langes und scheinbar wortloses »Halleluja« ist für Purcell

Quelle der Inspiration.

Purcell gibt den Instrumenten erkennbare individuelle Stimmen,

verleiht ihnen so in seiner Kirchenmusik dramatische

Präsenz und befreit sie von ihrer herkömmlichen Rolle als

bloße Begleitung der Sänger. Erhabene Preludes bilden die

Introduktion zu seinen königlichen Hymnen, und die leb-

Im Gegensatz zu Italien, Frankreich und Deutschland im

haften Symphonies verkörpern die tänzerische Freude in

17. und 18. Jahrhundert gehörten in England die Orchester

den religiösen Texten.

weder zum Hof noch waren sie Bestandteil der aristokratischen

Kultur. Der Englische Hof und seine Kultur wurden

durch die puritanische Revolution und den Beginn des

Wandernde Musikanten –

Commonwealth zeitweilig abgeschafft. König Charles II. wur-

im London des 17. Jahrhunderts und heute

de 1660 zusammen mit seinem Hofstaat wieder eingesetzt,

hatte aber mit den ständigen Querelen zwischen Katholiken

9 Das Londoner Musikgeschehen in der Barockzeit war von

und Protestanten, Whigs und Tories, Stadt und Hof und 9

Dynamik, Energie und pulsierender Lebensfreude gekenn-

mit dem Parlament zu kämpfen, das dem englischen Hauszeichnet.

Zahlreiche Komponisten und Musiker strömten aus

ganz Europa in diese Stadt, in der Hoffnung, ihren Lebenshalt

sehr straffe Zügel anlegte.

unterhalt in einem der vielen Musikhäuser oder in den neu

Ebenso wie sein Mentor und finanzieller Förderer Ludwig

erbauten Theatern und Opernhäusern verdienen zu kön-

XIV. hatte Charles II. eine Gruppe von 24 Streichern eingenen.

Musik erfreute sich in England großer Beliebtheit, und

stellt. Ludwig konnte es sich leisten, seine Musiker in Vollzeit

London war voller Musiker, die von einem Aufführungsort

zu beschäftigen, die Musiker von Charles hingegen mussten

zum nächsten eilten – ein Phänomen, das freischaffenden

zusätzlich in den Theatern und öffentlichen Konzerthäusern

Musikern der heutigen Zeit nicht unbekannt sein dürfte...

der Stadt arbeiten, um ein ausreichendes Einkommen zu erzielen.

- 256 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 257 -


Die englischen Aristokraten engagierten Musiker zu bestimmten

Anlässen; außerdem kauften sie Abonnements für

die Opern- und Konzertsaison. Auch der König war Abonnent,

da ihm weder die Theater, noch die Konzertsäle, noch

die in ihnen spielenden Orchester gehörten. Im 18. Jahrhundert

wurde es üblich, dass die Veranstalter und Förderer

von Konzerten Anzeigen in den Zeitungen veröffentlichten

und Karten über Abonnements, in Läden oder an der Haustür

verkauften. Die Kartenverkäufe waren offen für alle –

man musste nicht Mitglied der Aristokratie sein, um Musik

hören zu können.

und nur sehr wenig Rechte, und oft genug waren sie gezwungen,

ohne Gage zu spielen, in der Hoffnung, dass ein

reicher Gentleman im Publikum ihnen aus Mitleid ein paar

Schilling geben würde.

Wie ist es dem freischaffenden Musiker

in den letzten 350 Jahren ergangen?

Musik sorgte in London im 17. und 18. Jahrhundert für

Wir Mitglieder von Barokksolistene und I Fagiolini spielen

und singen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ensembles in

Kirchen und Konzertsälen, in Theatern, Opernhäusern, Pubs,

sowie – wenn ihnen danach ist – auf der Straße (oftmals

Begeisterungsstürme, zugleich aber gab es keine Orches-

in Verbindung mit einem Besuch im Pub). Manchmal sind

ter, die Musikern eine Vollzeitanstellung boten. Dies führ-

wir so in Zeitnot, dass vor dem Konzertsaal bereits ein Taxi

te dazu, dass London vor freischaffenden Musikern schier

wartet, um uns von einem Gig zum nächsten zu bringen.

überquoll. Musiker, die in einem Moment zwischen Bier-

Dann wieder ist der Terminkalender so leer, dass wir uns

gläsern und schreienden Menschen auf einem der vielen

fragen, ob die Welt uns vergessen hat.

informellen volkstümlichen Konzerte in den Tavernen und

Es fällt auf, dass sich im Leben freischaffender Musiker in

9 Alehäusern der Stadt spielten, und im nächsten Augenblick

den letzten 350 Jahren verblüffend wenig geändert hat – 9

auf den großen Wohltätigkeitsveranstaltungen, bevor sie zu

vielleicht mit der Ausnahme, dass ein Musiker mit den heu-

einer Opernaufführung in Bühnenhäusern wie dem King's

tigen Gagen ein relativ anständiges Einkommensniveau er-

Theatre im Haymarket eilten. Zwischen Mai und Septem-

reichen kann. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass

ber, außerhalb der Theaterspielzeiten, waren die Musiker in

die deutlichsten Parallelen zwischen den Musikern der Ba-

den so genannten Pleasure Gardens anzutreffen – riesigen

rockzeit und den heutigen Interpreten des Repertoires aus

Freiluftveranstaltungen mit Musik.

Musiker im London des 18. Jahrhundert zu sein, erforder-

dieser Zeit bestehen.

te große Flexibilität und Ausdauervermögen, um das gan-

Purcell komponierte Musik für die Kirche, den Königshof

ze Jahr über zu spielen. Trotzdem war die Bezahlung für

und das Theater, zu offiziellen Feierlichkeiten, privaten An-

die meisten äußerst gering. Sie hatten keinerlei Sicherheit

lässen und zur vergnüglichen Unterhaltung. Musik, die sich

- 258 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 259 -


für die offiziellen Zeremonien in der Westminster Abbey

und die Pracht der Königlichen Kapelle eignete – genauso

schrieb er jedoch fröhliche Melodien, die dem deftigen Humor

der Alehäuser und Songclubs entsprachen. Von allen

berühmten Komponisten aus England ist er vielleicht am

unverkennbarsten »englisch«: In seiner Vokalmusik beweist

er sein einzigartiges Gespür für die englische Sprache, und

in all seinen Werken verbindet er sein angeborenes musikalisches

Erbe mit italienischen und französischen Einflüssen zu

einem Stil, der typisch englisch und persönlich zugleich ist.

Wir wandernden Musikanten im Jahr 2010 freuen uns, dieses

Porträt eines genialen, spontanen, eigenwilligen, unpräten-

tiösen und einzigartigen Komponisten präsentieren zu kön-

nen. Denn Henry Purcell ist zweifellos einer der besten

Komponisten, die je den Fuß auf diese Erde setzten.

Welcome to all the pleasures that delight!

Bjarte Eike

Übersetzung: Almut Lenz-Konrad

Programm

Welcome to all the pleasures

Ode zum Fest der Hl. Cäcilie (1683)

1. Symphony

2. Welcome to all the pleasures

3. Here the deities approve – while joys celestial

4. Then lift up your voices

5. Beauty, thou scene of love

6. In a consort of voices

7. The Blessed Virgin's expostulation

Harmonia sacra (London, 1693)

Chacconne, Sonate Nr. 6

8. Zehn Sonaten zu vier Stimmen

(London, 1697)

9 9. My heart is inditing of a good matter

Mein Herz dichtet ein feines Lied, Psalm 45

(anlässlich der Krönung von James II.

in Westminster Abbey, 1685)

9

- 260 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 261 -


Programm

An Alehouse session –

Pub-Musik wie in alten Zeiten

Traditionelle Folk Music neben Kompositionen von Purcell

und seinesgleichen – und all dies in den Londoner Tavernen

und Alehäusern des 17. Jahrhunderts. Lieder, Musik, Humor,

Bier, Bier und Humor unter der Leitung von Bjarte Eike.

»Ein Haus der Sünde könnte man sagen, nicht aber ein Haus der

Dunkelheit, da die Kerzen nie verlöschen… Es ist wie in einem

jener Länder weit im Norden, wo es um Mitternacht ebenso hell

ist wie am Mittag.«

John Earle, Microcosmographie:

Or a Peece of the World Discovered (1628)

9

Es ist nicht nur die Musik der Alehouses, die wir nach St. Veit

bringen. Auch für die Verpflegung der Gäste wird nach englischem

Vorbild gesorgt.

9

- 262 - Trigonale 2010 – Das Programm - 263 - Trigonale 2010 – Das Programm


Texte

1. – 6. Welcome to all the pleasures

(Christopher Fishburn)

Welcome to all the pleasures that delight

of ev'ry sense the grateful appetite.

Hail, great assembly of Apollo's race.

Hail to this happy place, this musical assembly

that seems to be the arc of universal harmony.

Here the Deities approve

the God of Music and of Love;

all the talents they have lent you,

all the blessings they have sent you,

pleas'd to see what they bestow,

live and thrive so well below.

1. – 6. Willkommen im Kreise aller Freuden

(Christopher Fishburn)

Willkommen im Kreise aller Freuden, die beglücken,

die unserer Sinne Appetit entzücken.

Sei gegrüßt, du edle Runde von Apollos Stamm.

Heil diesem heiteren Ort, und dieser Runde,

dem Mittelpunkt der Weltenharmonie.

Hier huldigen die höchsten Wesen

dem Gott der Liebe und Musik;

alle Talente, die sie euch geliehen,

alle Gnaden, die sie euch gesandt -

wie froh sind sie, zu sehen, dass die gewährte Gunst

hienieden so gut leben und gedeihen kann.

While joys celestial their bright souls invade

In himmlischer Freude erkennen ihre lichten Seelen

9 to find what great improvement you have made.

den großen Fortschritt eurer Kunst.

9

Then lift up your voices, those organs of nature,

Erhebet eure Stimmen, Organe der Natur,

those charms to the troubled and amorous creature.

Verzauberung der bedrängten und der liebenden Kreatur.

The power shall divert us a pleasanter way,

Ihre Kraft ist Kurzweil und Vergnügen,

for sorrow and grief find from music relief,

denn Sorge und Kummer finden in Musik Erleichterung,

and love its soft charms must obey.

selbst Liebe muss sich ihren sanften Reizen beugen.

Then lift up your voices, those organs of nature,

Erhebet eure Stimmen, Organe der Natur,

those charms to the troubled and amorous creature.

Verzauberung der bedrängten und der liebenden Kreatur.

- 264 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 265 -


Beauty, thou scene of love,

and virtue thou innocent fire,

made by the powers above

to temper the heat of desire,

music that fancy employs

in rapture of innocent flame,

we offer with lute and with voice

to Cecilia, Cecilia's bright name.

In a consort of voices while instruments play

With music we celebrate this holy day;

Iô Cecilia.

7. The Blessed Virgin's expostulation

(Nahum Tate)

when our Saviour (at twelve years of age)

had withdrawn himself.

Schönheit, du Schauplatz der Liebe,

Tugend, du unschuldiges Feuer,

von himmlischen Mächten geschaffen

die Glut des Begehrens zu lindern.

Musik beflügelt die Sinne,

entfacht die reine Flamme.

Wir huldigen mit Laute und Stimme

Cäcilia und ihrem strahlenden Namen.

Im Konzert der Stimmen, zur Instrumente Klang

begehen wir mit Musik den heiligen Tag;

Cäcilia sei gepriesen!

7. Die Klage der Jungfrau Maria

(Nahum Tate)

als unser Erlöser (im Alter von zwölf Jahren)

sich im Tempel zurückzog.

9 Tell me, some pitying angel, quickly say,

Sage mir doch ein mitleidsvoller Engel,

9

where does my soul's sweet darling stay,

wo mein Seelenliebling umherschweift,

in tiger's, or more cruel Herod's way?

auf dem Pfad des Tigers oder des grausameren Herodes?

O! rather let his tender footsteps press

Ah, lieber lass seine kleinen Fußstapfen sich

unregarded through the wilderness,

unbeachtet durch die Wildnis abdrücken,

where milder savages resort:

wohin sanftere Barbaren sich begeben:

the desert's safer than a tyrant's court.

die Wüste ist sicherer als des Tyrannen Hof.

Why, fairest object of my love,

Warum, edelstes Objekt meiner Liebe,

why dost thou from my longing eyes remove?

entfernst du dich von meinen verlangenden Augen?

Was it a waking dream that did foretell

War es ein Wachtraum, der deine

thy wond'rous birth? no vision from above?

wundersame Geburt ankündigte?

- 266 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 267 -


Where's Gabriel now that visited my cell?

I call; he comes not; flatt'ring hopes, farewell.

Me Judah's daughters once caress'd,

call'd me of mothers the most bless'd;

now (fatal change) of mothers most distress'd.

How shall my soul its motions guide,

how shall I stem the various tide,

whilst faith and doubt my lab'ring thoughts divide?

For whilst of thy dear sight I am beguil'd,

I trust the God, but oh! I fear the child.

9. My heart is inditing

From psalm 45 and Isiah 49

Wo ist Gabriel nun, der meine Zelle aufsuchte?

Ich rufe: Gabriel! Gabriel! Er kommt nicht.

Trügerische Hoffnung, leb wohl.

Mich liebkoste Judahs Tochter einst,

nannte mich die gesegnetste der Mütter.

Welch tödlicher Wandel, der Mutter zur Pein.

Wie soll meine Seele ihre Regung lenken?

Wie soll ich mich gegen den Wechsel stemmen,

während Treue und Zweifel meine Seele teilen?

Denn von deinem teuren Anblick getäuscht,

traue ich Gott, doch ach! Ich fürchte das Kind.

9. Mein Herz dichtet ein feines Lied

Aus Psalm 45 und Jesaja 49

My heart is inditing of a good matter,

Mein Herz dichtet ein feines Lied,

I speak of the things which I have made unto the King.

Ich will singen von meinem König.

At his right hand shall stand the Queen all glorious within,

Zu seiner Rechten steht die Königin ganz herrlich inwendig,

9 her clothing is of wrought gold.

sie ist mit güldenen Stücken gekleidet.

9

She shall be brought unto the King

Man führet sie in gestickten Kleidern zum König,

in raiment of needle-work,

und ihre Gespielen, die Jungfrauen,

the virgins that follow her shall bear her company.

die ihr nachgehen, führet man zu dir.

With joy and gladness shall they be brought,

Man führet sie mit Freuden und Wonne,

and shall enter into the King's palace.

und (sie) gehen in des Königs Palast.

Hearken, O daughter, consider, incline thine ear;

Höre, Tochter, sieh und neige dein Ohr;

forget also thine own people, and thy father's house.

Vergiss deines Volkes und Vaterhauses.

- 268 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 269 -


Instead of thy fathers thou shalt have children,

whom thou mayest make princes in all lands.

Praise the Lord, O Jerusalem, praise thy God, O Sion,

for Kings shall be thy nursing fathers,

and their Queens thy nursing mothers.

Alleluja. Amen.

An deiner Väter statt werden deine Söhne sein,

die wirst du zu Fürsten setzen in aller Welt.

Preiset den Herrn, Oh Jerusalem, preise deinen Gott, oh Zion,

denn die Könige sollen deine Pfleger,

und ihre Fürstinnen deine Säugammen sein.

Halleluja. Amen.

9 9

- 270 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 271 -


Barokksolistene

unter der künstlerischen Leitung des führenden norwegi-

schen Barockviolinisten Bjarte Eike, tritt in flexibler Zusammensetzung

auf.

2005 gegründet, bietet das Ensemble seinen Instrumentalisten

mit solistischem Format – sie alle zählen auf ihrem Ins-

trument zu den herausragendsten Interpreten in Europa –

die Gelegenheit, sich als Künstler und Kammermusiker

weiterzuentwickeln. Durch Eikes engagierte, bewusst persönliche

und innovative Programmgestaltung und die mitreißende

virtuose Spielweise der Musiker vermittelt das En-

semble einem breiten Publikum Barockmusik auf verblüffend

natürliche Art. Seine Konzerte werden oftmals als spielerisch

und wegweisend beschrieben.

In den Jahren 2006 bis 2008 war Barokksolistene 'ensemble in

residence' bei Larvik Barokk im Rahmen des norwegischen

Die Biografien von I Fagiolini und Robert Hollingworth finden

9 Vestfold Festivals.

Sie auf den Seiten 244/245

9

2008 gab Barokksolistene zahlreiche Konzerte, unter anderem

auf dem Bergen International Festival, beim Rikskonsertene,

auf dem Maijazz in Stavanger und den BBC Proms.

2009 tourte das Ensemble durch Dänemark, Schweden, Nor-

wegen und Deutschland und schloss das Jahr gemeinsam

mit dem Vokalensemble I Fagiolini mit Konzerten in London

und Oslo ab.

www.barokksolistene.no

Bjarte Eike

Der norwegische Violinist Bjarte Eike

zählt zu den führenden Musikern im Be-

reich der Alten Musik. Er studierte Vio-

line an der Grieg-Akademie in Bergen und

Barockvioline bei Richard Gwilt in London,

wo er mit Bestnote (»Distinction«) abschloss.

Bjarte arbeitet als freischaffender Violinist und Konzertmeister

in ganz Europa in Ensembles wie Concerto Copenhagen,

Concerto Palatino, I Fagiolini, Dunedin Consort, Caecilia-

Concert, Arte dei Suonatori, Altapunta sowie Bergen Barokk.

Er lehrt Barockvioline an der Grieg-Akademie in Bergen und

ist Gastdozent am Königlich Dänischen Musikkonservatorium.

Bjarte war »artist in residence« beim Bergen international

Festival (2008) sowie beim Nordwind Festival in Berlin (2009).

Außerdem ist er einer der artistic advisors der trigonale 2010.

- 272 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 273 -


Samstag, 18.09., 19.00 Uhr

Rathaus St. Veit

Die Musikerinnen der Serenissima

Barocksolisten München

Dorothea Seel: Traversflöte

Andreas Helm: Barockoboe

Katrin Lazar: Barockfagott

Dmitry Sinkovsky: Barockvioline

Elisabeth Wiesbauer: Barockvioline

Einleitung

»Ich schwöre Ihnen, es gibt keinen ergötzlicheren Anblick, als so

eine junge, hübsche Nonne, die im weißen Kleid und ein Granat-

blütensträußchen über dem Ohr ihr Orchester anführt und mit

unübertrefflicher Anmut und richtigem Gefühl den Takt schlägt.

Wie leicht ihre Stimmen einsetzen, und wie rein sie die Töne

treffen, ist einfach himmlisch.«.

Fast schon ekstatisch schwärmte der französische Baron

Charles de Brosses nach einer Venedig-Reise im Jahr 1739

über die Konzerte in den dortigen »Ospedali«: So hießen die

vier berühmten venezianischen Waisenhäuser, deren Aufführungen

zur damaligen Zeit als Höhepunkte des europäischen

Musiklebens galten.

10 Lothar Haass: Barockviola

In diesen Internaten lebten junge Mädchen von teilweise sehr

nobler Abstammung und wohlhabenden Vätern: Viele von 10

Balázs Máté: Barockcello

ihnen waren nämlich die (natürlich inoffiziellen) Töchter an-

Christine Sticher: Violone

gesehener Adliger und ihrer diversen Mätressen. Sie genos-

Christopher Dickie: Theorbe

sen eine exquisite künstlerische Ausbildung bei renommier-

Anne Marie Dragosits: Cembalo

ten Lehrern – und zu denen gehörte unter anderem auch

Antonio Vivaldi, der bereits 1703, kurz nach seiner Priesterweihe,

als Geigenlehrer des Ospedale della pietà angestellt

wurde. Der 25-jährige Musiker, wegen seiner auffälligen Haarpracht

oft »Il prete rosso« (»der rote Priester«) genannt, las

- 274 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 275 -


in der zugehörigen Kirche außerdem ein paar Monate lang

die Messe und unterrichtete die Mädchen bald auch noch auf

dem Cello und der Viola d'amore.

Später stieg er zum Hauskomponisten und stellvertretenden

Orchesterleiter des Ospedale della pietà auf, das vor allem

auch durch seine Arbeit als das beste unter den sehr guten

Waisenhäusern galt.

Vivaldi schrieb eine ganze Reihe seiner Werke für die jungen

Musikerinnen des Konservatoriums – darunter nicht

weniger als 30 Violinkonzerte, die seine Schülerin und spätere

Kollegin Anna Maria da Violin aufführte, aber auch

Oratorien für Frauenstimmen und Sonaten, die alle in den

regelmäßigen Gottesdiensten gespielt und gesungen wurden.

Das musikalische Niveau dieser Gottesdienste muss

außergewöhnlich hoch gewesen sein, denn es bescherte dem

Ospedale einen legendären Ruf (und begründete nicht zuletzt

auch den internationalen Ruhm von Vivaldi selbst).

Vielleicht trugen ja die leicht geheimnisumwobenen Umstände

der Aufführungen ihren Teil zum Interesse des Pub-

10 likums bei – denn die Mädchen spielten hinter schmiedeei-

10

sernen Gittern und waren von Tüchern verdeckt. Hier viel-

leicht doch irgendwie einen Blick auf die jungen Damen

werfen zu können, dürfte der Traum vieler Besucher gewe-

sen sein. Auch der französische Baron Charles de Brosses

hätte wahrscheinlich einiges dafür gegeben – er war ja

schon von der dirigierenden Nonne ganz hingerissen.

Marcus Stäbler

- 276 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 277 -


Programm

Vivaldi und das Ospedale

A. Vivaldi

(1678 – 1741)

1. Concerto F-Dur, RV 597

Flöte, Oboe, Violine, Fagott, basso continuo

Allegro – Largo – Allegro

2. Concerto g-moll, RV 417

für Violoncello solo

Allegro – Largo – Allegro

3. Concerto B-Dur, RV 504

für Fagott solo

Allegro ma poco – Larghetto – Allegro

4. Concerto g-moll, La Notte, RV 104

für Flöte solo

Largo – Fantasi – Presto – Il Sonno – Allegro

10 10

Pause

5. Concerto g-moll, RV 106

für Flöte, Violine, Fagott und basso continuo

Allegro – Largo – Allegro

6. Concerto C-Dur, RV 450

für Oboe solo

Allegro molto – Larghetto – Allegro

7. Concerto g-moll, RV 107

Flöte, Oboe, Violine, Fagott, basso continuo

Allegro – Largo – Allegro

- 278 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 279 -


Dorothea Seel, Flöte, schloss ihr Kon-

2010 erscheinen in der ORF-Edition 'Alte Musik' Aufnahzertfachstudium

mit Auszeichnung am

men mit den Flötensonaten von G. F. Händel (mit Luca

Mozarteum Salzburg bei Irena Grafenauer

Guglielmi) sowie mit hochromantischem Repertoire für

ab. Darauf folgte das Aufbaustudium

Flöte und Klavier (mit Christoph Hammer). Eine CD-Auf-

Alte Musik an der Staatl. Hochschule für

nahme mit Vivaldi Solokonzerten ist noch für 2010 geplant.

Musik in Trossingen bei Linde Brunmayr.

Mit ihrem in diesem Jahr gegründeten Ensemble Barockso-

1995 war sie Piccolistin bei einem Projekt im Rahmen der

listen München debütierte sie bei den Europäischen Festwo-

Salzburger Festspiele (Mozarteumorchester Salzburg, Wiener Philchen

Passau, es folgte ein Konzert in der Kartause Mauerbach

harmoniker, Leitung: Riccardo Muti). Ab 1997 war sie regelmäßig

Soloflötistin bei The English Concert, The Orchestra of the

Age of Enlightenment, The New London Consort, Hanover Band,

bei Wien (ORF-Live-Mitschnitt).

London Baroque und London Classical Players unter Dirigenten

Andreas Helm erhielt seine Ausbil-

wie Simon Rattle, Roger Norrington, Trevor Pinnock, Charles

dung in Blockflöte, Oboe und Instrumen-

Mackerras u. a.

talpädagogik am Linzer Brucknerkonser-

Sie spielt regelmäßig mit Orchestern wie Neue Münchner Hofvatorium

bei Carin van Heerden. Nach seikapelle,

Das Neue Orchester Köln, Concerto Köln, Ludwigsbur-

nem Abschluss 1999 ging er nach Amsterger

Festspielorchester, Münchner Kammerorchester, Salzburger

dam, wo er sein dreijähriges Studium bei

Hofmusik und dem Ensemble Cordia.

Alfredo Bernardini mit dem Konzertdiplom beendete.

Tourneen führten sie als Solistin durch viele Länder Europas,

Als Oboist und Blockflötist arbeitet er mit dem L'Orfeo Ba-

in das New Yorker Lincoln Center, nach Japan, Neuseeland und

rockorchester, der Wiener Akademie, dem Freiburger Barock-

Mexico. Von 2001 bis zur seiner Auflösung 2006 spielte sie bei

orchester, dem Concentus Musicus Wien, Concerto Köln, dem

10 Musica Antiqua Köln unter der Leitung von Reinhard Goebel.

Irish Baroque Orchestra und Les talens lyrique, außerdem ist 10

Als Dozentin gab sie Meisterkurse für Barock- und Klas-

er Mitglied des Blockflötentrios tricorders, des Rossi Piceno

sische Flöte an der Southampton University in England und

Baroque Ensembles und des Ensembles Schikaneders Jugend.

leitete Vorträge und Kurse zum Thema Klangsynthese der

Für die Saisonen 2001/02/03 wurde er vom European Union

Flöte in der Romantik an der Staatl. Hochschule für Musik

Baroque Orchestra als erster Oboist und Blockflötensolist ein-

Trossingen, dem Institut für Musikwissenschaft Innsbruck,

geladen. Im Jahr 2004 gründete er zusammen mit dem Diri-

sowie der Universität Wien und dem Landeskonservatorium

genten Heinz Ferlesch das Orchester Barucco.

Innsbruck.

Als Kammermusiker und auch solistisch konnte er schon

bei zahlreichen Wettbewerben Preise gewinnen (u. a. Gradus

- 280 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 281 -


ad Parnassum, Premio Bonporti). Konzertreisen führten ihn

durch viele Länder Europas und nach China, Japan, Mexiko,

Singapur und Südafrika.

Aufnahmen von Andreas Helm sind erschienen bei bei CPO,

harmonia mundi, Capriccio, Cavalli, ORF, Carus u. a.

Andreas Helm unterrichtet Barockoboe und Kammermusik

bei der Aestas Musica Summer School of Baroque Music in

Varaždin, Kroatien und bei den Tagen der Alten Musik Burghausen,

Deutschland. Seit 2007 ist er Lehrbeauftragter für

Barockoboe an der Musikuniversität Graz.

Sie spielte unter der Leitung von Ton Koopman, René Jacobs,

Konrad Junghänel, Thomas Hengelbrock, Lars Ulrik Morten-

sen, Trevor Pinnock, Michael Schneider, Alfredo Bernardini,

Marcus Creed, Ivor Bolton u. v. a.

Dmitry Sinkovsky, ist Preisträger diverser

internationaler Wettbewerbe für

Barockvioline, wie des Wettbewerbs Musica

Antiqua Brügge 2008 (1. Preis, Publikums-

und Pressepreis), des Premio Bonporti

Rovereto 2005 (2. Preis), des Bachwettbewerbs

Leipzig (3. Preis) und des Romanus Weichlein

Preises des Heinrich Franz Biber Wettbewerbs (2009).

Er trat auf zahlreichen bedeutenden Festivals auf, wie Nantes

Printemps des Arts, Haut Jura Festival, Nordmaling Baroque

Festival in Schweden, Tage Alter Musik in Regensburg,

December Evenings in Moskau, Sankt-Petersbourg Early

Music Festival, MAFestival Brügge, Potsdam Sans-Soucci,

Festival Oude Muziek Utrecht, etc. und arbeitet als Konzertmeister

und Solist mit Ensembles, wie Il Giardino armonico,

10

Katrin Lazar, Barockfagott, studierte

an der Hochschule für Musik und Darstellende

Kunst Frankfurt am Main Blockflöte

bei Prof. Michael Schneider und Barockfagott

bei Christian Beuse. Danach studierte

sie als Stipendiatin des Deutschen Akademischen

Austauschdienstes (DAAD) am Koninklijk Conservatorium

in Den Haag bei Peter van Heyghen und Dorothea

Winter (Blockflöte) und bei Donna Agrell (Barockfagott).

Für das Jahr 2004 wurde sie als Fagottistin für das Europäi-

Pratum Integrum, Musica Antiqua Roma, Il Complesso Barocco, 10

sche Barockorchester (EUBO) ausgewählt.

La Claudiana, The Pocket Symphony, Catherine The Great Or-

Als Barockfagottistin und Blockflötistin konzertiert Katrin

chestra, Bergen Barokk und The Soloists of Moscow zusam-

Lazar mit verschiedenen Ensembles im In- und Ausland

men. Daneben trat er unter anderem mit Musikern wie

und wirkt bei zahlreichen CD- und Radioaufnahmen mit,

Trevor Pinnock, Alexej Lubimov, Marcel Ponseele, Michael

u. a. mit der Akademie für Alte Musik Berlin, Balthasar-Neu-

Chance, Emma Kirkby, Alfredo Bernardini, Rolf Lislevand

mann-Ensemble, Cantus Cölln, La Stagione Frankfurt, Düssel-

und Riccardo Minasi auf.

dorfer Hofkapelle, Capella Augustina und mit dem Ensemble

Dmitry Sinkovsky wurde 1980 in Moskau geboren. 1999 schloss

Harmony of Nations, wo sie selbst Gründungsmitglied ist.

er sein Studium am College des Moskauer Konservatoriums ab,

- 282 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 283 -


2005 erlangte er sein Solistendiplom in der Klasse von A. Kirov

Elisabeth Wiesbauer wurde 1977 in

am Moskauer Tschaikovsky Konservatorium. Seit 2005 besucht er

Oberösterreich geboren. Sie studierte an

dort die Meisterklasse von Alexej Lubimov (Barockensemble).

der Universität für Musik und darstellende

Er studierte Barockvioline bei Marie Leonhardt und nahm an

Kunst in Wien Violine bei Jussuf Karajev,

Meisterkursen mit Sigiswald Kuijken, Rio Terrakado, Roger

weiters Musikerziehung und Instrumen-

Norrington und Andreas Staier teil. Von 1995 bis 2000 war er

talpädagogik. 2002 schloss sie ihr Studium

der Solist des »New Names« Programms für junge Musiker.

mit Auszeichnung und Überreichung des Würdigungsprei-

Ab 2001 übernahm er den Violinpart im Klavier-Trio A La

ses des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und

Russe, ab 2003 spielte er auch im Ensemble Musica Petropoli-

Kultur ab. In der folgenden Zeit Spezialisierung auf dem Getana.

Seit 2005 lehrt er Barockvioline im Staatlichen Konserbiet

der historischen Aufführungspraxis, Konzertfachstudivatorium

Moskau. Daneben entriss Dmitry zahlreiche Meisum

Barockgeige an der Privatuniversität Konservatorium der

terwerke des Barock und der Klassik dem Vergessen, führte

Stadt Wien bei Ulli Engel. Künstlerisches Masterdiplom mit

sie auf und spielte sie teilweise auch auf CD ein. Darun-

Auszeichnung 2008. Meisterkurse bei Gottfried von der Goltz,

ter finden sich etwa Violinkonzerte von Georg Philipp Tele-

John Holloway, Michi Gaigg, Gunar Letzbor und Erich Höbarth.

mann, Anton Tietz, Antonio Rosetti, die 'Sinfonia Concertan-

Als Konzertmeisterin, Kammermusikerin und Orchestermitte'

von J. C. Bach oder drei Quartette von Joseph Wolfl.

glied konzertiert sie mit zahlreichen Ensembles im In- und

Seine ersten CD-Einspielungen erschienen bei dem russi-

Ausland (u. a. Capella Leopoldina Graz, L'Orfeo Barockorschen

Label 'Caro Mitis'. Im September 2009 wurde Dmitry

chester, Triphonis, Wiener Akademie, barucco, Accentus Austria,

Sinkovsky eine Violine von Francesco Ruggeri (1680) durch

Il Concerto Viennese) und arbeitet mit Dirigenten wie Mar-

die »Jumpstart jr. Foundation» im Concertgebouw, Amstertin

Haselböck, Andreas Spering und Trevor Pinnock. Mit dem

dam, verliehen.

Kammermusikensemble saitsiing wurde sie für die CD »Ap-

10 passionata« 2005 mit dem Ö1-Pasticcio-Preis ausgezeichnet. 10

- 284 - Trigonale 2010 – Das Programm - 285 - Trigonale 2010 – Das Programm


Lothar Haass wurde 1962 in Darm-

Der Cellist Balázs Máté (geb. 1965 in

stadt geboren, wuchs in einem musiklie-

Budapest) war 1979 – 83 Schüler des Béla

benden Elternhaus auf und fand früh zur

Bartók Musikgymnasiums und 1983 – 88

klassischen Musik. Nach Abbruch eines

der Franz Liszt Musikakademie seiner

Psychologiestudiums in München wid-

Heimatstadt. Das Diplom legte er mit

mete er sich voll und ganz seinem Brat-

Auszeichnung ab. 1985 wurde er Mitglied

schenstudium am Mozarteum in Salzburg bei Jürgen Geise.

des Ungarischen Nationalphilharmonischen Orchesters, danach

Durch verschiedene Begegnungen wandte er sich zur sinn-

für einige Jahre Kammermusikprofessor des Leo Weiner

vollen Aufführungspraxis so genannter Alter Musik, studier-

Musikgymnasiums Budapest. Er interessierte sich schon früh für

te mit Nikolaus Harnoncourt und besuchte Kurse u. a. bei

die historische Aufführungspraxis alter Musik und studierte

Ingrid Seifert, Reinhold Goebel, Monica Huggett und Jaap

1990 – 92 Barockcello am Königlich Holländischen Konserva-

Schröder. Um die Musik auch durch Bewegung zu begreitorium

Den Haag bei Jaap ter Linden. 1992 erwarb er hier sein

fen, studierte er Historischen Tanz mit Margaride Basto da

Künstlerdiplom im Fach Barockcello. Er nahm auch Kam-

Silva Amaral und Sibylle Dahms am Musikwissenschaftlichen

mermusikstunden am Mozarteum Salzburg bei Nikolaus

Institut der Universität Salzburg.

Harnoncourt. Balázs ist Gründungsmitglied des ungarischen

Als Gründungsmitglied des Ensembles La Follia Salzburg

Barockorchesters Concerto armonico und des Trio Cristofori.

errang er beim Wettbewerb für Alte Musik in Brügge einen

Seit den 90-er Jahren ist er auch international tätig, spielt als

zweiten Preis. Rasch begann eine rege Konzerttätigkeit mit

Solocellist in folgenden weltberühmten Barockorchestern:

bedeutenden mitteleuropäischen Ensembles (Freiburger Ba-

Le Concert des Nations ( J. Savall ), Wiener Akademie (M.

rockorchester, Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln,

Haselböck), Les Musiciens du Louvre (M. Minkowski), Neue

Les Amis de Philippe, Musica Antiqua Köln, Barockorches-

Hofkapelle München (Chr. Hammer), The Rare Fruits Council

10 ter Stuttgart, Neue Hofkapelle München, Cambini Quartett,

(M. Kraemer) und wirkte bei mehreren Konzerten des Ams- 10

u.v.m.), die ihn in die wichtigsten Musikzentren der Welt

terdam Baroque Orchestra (Ltg.: T. Koopman), der Neder-

führte.

landse Bachvereeniging (Ltg.: J. van Veldhoven), des Concerto

Köln, der Akademie für Alte Musik Berlin und Harmonie

Universelle (F. Deuter) mit. 1996 gründete er das Barockensemble

Aura musicale, dessen Leiter er ist. Mit diesem gab

er viele Konzerte bei bedeutenden Festivals Alter Musik und

machte wichtige CD-Ersteinspielungen für das Label Hungaroton,

die von der internationalen Kritik enthusiastisch

Trigonale 2010 – Das Programm - 286 - - 287 - Trigonale 2010 – Das Programm


aufgenommen wurden. Im Bachjahr 2000 erschienen sämtliche

Christine Sticher, Kontrabass, wur-

Werke für solistisches Violoncello von J. S. Bach in seiner

de im Saarland geboren, wo sie in einem

Einspielung auf Originalinstrumenten bei Hungaroton. Er

kleinen Ort mit großem Interesse für Mu-

debütierte als Solist im Oktober 2000 mit grossem Erfolg

sik aufwuchs.

im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins mit dem Cello-

Ihre ersten musikalischen Gehversuche

konzert in C-Dur und der Sinfonia concertante in B-Dur

machte sie als Gitarristin und Posaunis-

von J. Haydn unter der Leitung von Christopher Hogwood.

tin und entwickelte sehr jung den Wunsch, einmal Musi-

Im gleichen Monat gab er ein Konzert mit Bachschen Solokerin

zu werden. Als Siebzehnjährige hatte sie endlich das

werken im Wiener Palais Eschenbach. Mit diesen und an-

richtige Instrument für sich gefunden: den Kontrabass.

deren Programmen trat er schon in fast allen europäischen

Nach drei Jahren Studium in Mannheim bekam sie ein Enga-

Ländern, Brasilien, Argentinien, Kolumbien und Japan auf.

gement an der Staatsoper in Wiesbaden, wo sie sich ein sehr

Das Repertoire von Balázs Máté reicht von ca. 1600 (Fresco-

umfangreiches Opernrepertoire erarbeitete. Doch nach kurbaldi,

da Selma) bis weit in die Romantik (Schumann, Men-

zer Zeit kehrte sie der Orchesterwelt den Rücken und ging

delssohn, Brahms, C. Franck) hinein. Er spielt auf folgenden

nach Salzburg, um bei Frank Reineke und Georg Kekeisen zu

Instrumenten: barockes und modernes Violoncello, Violon-

studieren – inspirierende Lehrer, die sie ermutigten, ihrem

cello piccolo (4- und 5-saitig), Bass de violon (B- oder C-

großen Interesse an Aufführungspraxis nachzugehen. Sie

Stimmung). Auch ist er sehr gefragt als Continuocellist in

graduierte in Salzburg mit Auszeichnung und ging in die

Oratorien- und Opernproduktionen. 2002 gründet er ge-

Niederlande, um bei Maggie Urquhart Violone zu studieren.

meinsam mit László Paulik, Erzsébet Rácz und Éva Posvanecz

Zeitgleich hatte sie das Glück, im European Union Baroque

das Streichquartett Quartetto Luigi Tomasini, das ebenfalls

Orchestra als Bassistin spielen zu dürfen – zwei Jahre Ba-

auf Originalinstrumenten musiziert. Er ist auch als Lehrer

rockorchester unter der Leitung so berühmter Musiker wie

10 tätig. Neben Privatstunden gibt er regelmäßig Kurse in Ös-

Lars Ulrik Mortensen, Roy Goodman, Fabio Biondi und Rein- 10

terreich (Austria Baroque Academy) und Ungarn (Tage Alter

hard Goebel.

Musik Sopron) und ist seit 2004 der Violoncelloprofessor des

Anschließend folgten Engagements bei Orchestern wie

European Union Baroque Orchestra. Seine umfassende Dis-

Sonnerie, The Sixteen, The King's Consort, L'Orfeo Linz, Orkographie

enthält neben berühmten Werken auch zahlreichestra

of the Age of Enlightenment, Gabrieli Consort, Amsche

bedeutende Neuentdeckungen der Celloliteratur.

terdam Baroque, Collegium Vocale Gent und Orchestre des

Champs Elysees.

Trigonale 2010 – Das Programm - 288 - - 289 - Trigonale 2010 – Das Programm


Christopher Dickie (Theorbe, Erz-

MDR-Musiksommer in Deutschland. 2009 CD-Aufnahme

laute). Gitarrenstudium am Konservato-

mit Musik von J. Dowland, T. Hume, etc.

rium Innsbruck bei Erika Santek-Pircher

Mitglied des Ensembles Prisma unter der Leitung von Tho-

und am Konservatorium Wien bei Inge

mas Fheodoroff mit Auftritten u. a. im Rahmen der Jeunes-

Scholl-Kremmel. 1999 Lehr- und Konse

und dem Carinthischen Sommer. 2008 CD-Aufnahme mit

zertdiplom mit Auszeichnung.

Blockflötenkonzerten von A. Vivaldi.

Ab 2001 Lauten- und Generalbassstudium bei Luciano Contini

Zusammenarbeit und Konzerte mit dem Ensemble Dolce Ri-

an der Privatuniversität Konservatorium Wien mit Schwersonanza

vor allem im Bereich der geistlichen Musik des 17.

punkt Generalbasspraxis des 16. – 18. Jhs. und der italieni-

Jahrhunderts. 2010 CD-Aufnahme im Stift Heiligenkreuz

schen und französischen Theorbensololiteratur. Ab 2004 zu-

mit Musik von A. Mazak.

sätzlich Beschäftigung mit der Barockgitarre als Solo- und

Weiters Auftritte im Duo mit der Sängerin Anna Clare Hauf

Continuoinstrument. 2007 Abschluss mit Auszeichnung.

mit Arien aus dem englischen und italienischen Frühbarock

Meisterkurse und Workshops u. a. mit Hopkinson Smith, Nigel

sowie Mitwirkung an zahlreichen Opern- und Orchester-

North, Jürgen Hübscher und Pierre Pitzl.

Seit 2003 Mitglied des Ensembles Vivante, das sich auf italienische

Musik des 17. Jhs. spezialisiert hat (1. Preis beim

projekten als Continuospieler.

Johann Heinrich Schmelzer-Wettbewerb im Rahmen der In-

Anne Marie Dragosits, Cembalo.

ternationalen Barocktage Stift Melk 2005). Auftritte u. a. bei

Cembalostudium bei Wolfgang Glüxam

den Resonanzen 2007 im Wiener Konzerthaus, beim Festival

an der Universität für Musik und Dar-

Italia mia im Radiokulturhaus, bei den Donaufestwochen, bei

stellende Kunst Wien und bei Ton Koop-

den Paul Hofheimer-Tagen, beim Brunnentaler Konzertsomman

und Tini Mathot am Koninklijk Con-

10 mer, beim Festival Itineraire Baroque in Frankreich, beim

servatorium Den Haag. Generalbasskurse 10

Flandern Festival in Belgien, in der Münchner Residenz …

bei Lars Ulrik Mortensen und Jesper Christensen.

CD-Aufnahmen für den ORF mit der Ersteinspielung von

Auftritte und Aufnahmen als Solistin und als Cembalistin

Vokal- und Instrumentalmusik von G. G. Kapsperger (»Li

verschiedener Ensembles wie vivante, Barucco, les sentimens,

Fiori« 2005) sowie Musik von C. Monteverdi, B. Strozzi, G.

Neue Münchner Hofkapelle, progetto semiserio, Capella Leo-

Frescobaldi und G. Rovetta (»Alla Luce« 2008).

poldina, L'Orfeo Barockorchester, Marini Consort Innsbruck,

Mitglied des Ensembles Unidas (im Trio mit Theresa Dlouhy,

Sopran, Eva Reiter, Gambe) mit Schwerpunkt auf englischer

Renaissancemusik. Auftritte u. a. in Frankreich und beim

Camerata Salzburg…

- 290 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 291 -


Sie begleitete namhafte Solisten wie Andreas Scholl, Nuria

Rial oder Mirko Guadagnini und tritt regelmässig im Duo

mit der spanischen Barockgeigerin Lina Tur-Bonet auf.

Ihr Ensemble vivante gewann im Mai 2005 den ersten Preis

beim J. H. Schmelzer Wettbewerb der Internationalen Barocktage

Stift Melk und debütierte im Januar 2007 bei den Resonanzen

im Wiener Konzerthaus, im August 2009 folgt das

Debut beim Festival van Vlaanderen Brugge.

Sie unterrichtet auf Meisterkursen wie den Internationalen

Tagen für Alte Musik in Schloss Weinberg oder der Akademie

für Alte Musik Bruneck und hat einen Lehrauftrag an der

Kunstuniversität Graz.

Zahlreiche Radioauftritte und Aufnahmen für den ORF.

Anne Marie Dragosits arbeitet an einem praktischen Doktorat

über Giovanni Girolamo Kapsperger im Rahmen des Programms

docARTES in Holland/Belgien mit dem Arbeitstitel

»G.G.Kapsperger – life and vocal works with special

attention paid to basso continuo«.

Autogramme

10 10

Trigonale 2010 – Das Programm - 292 - Trigonale 2010 – Das Programm - 293 -


Samstag, 18.09., 22.00 Uhr

Bürgerspitalskirche St. Veit

Ai Limiti Della Notte

Einleitung

Am Anfang war die Nacht. Sie gilt in den Mythen und Sagen

verschiedener Völker als der Ursprung, als die Mutter des

Tages. Nach Hesiod etwa ist sie die Tochter des Chaos und

gebiert aus sich selbst den Tod, den Schlaf, die Träume, den

Trug und das Alter.

Kristin & Hans Von Der Goltz

Immer wieder begegnen wir der Vorstellung von einem

Kampf zweier Gewalten, von denen die eine sich als dunkles,

böses Wesen darstellt, das dem lichten, freundlichen und

guten Wesen gegenübertritt. Dieser Dualismus von Licht und

Konzert mit

Finsternis symbolisiert auch die Gegensätze von Gut und

Böse, Leben und Tod, Aufklärung und Mystik, Ratio und

Glaube, Wachheit und Traum. Aber erst die Wechselwirvon

Katharina Klement

kung beider scheint ihre jeweilige Bedeutung auszumachen.

Bevor ein Kind zur Welt kommt, kennt er nur das Dunkel

und fühlt sich darin geborgen. Erst mit der Entdeckung des

Lichts lernt der Mensch auch den Schrecken des Dunkels

11 kennen.

11

Die dunkle, kalte Nacht, in der alles Leben verstummt, wur-

de vor allem zum Sinnbild des Todes (s. Rückert-Gedicht).

Sie erweckt im Menschen bis heute nicht nur Unlustge-

fühle, sondern auch Angst und Furcht. Im Zeitalter des Barock

etwa war, nicht zuletzt bedingt durch die Erfahrung

- 294 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 295 -


der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, der Tod all-

gegenwärtig, in den Sonetten von Gryphius und anderen

literarischen Darstellungen erscheinen häufig die Motive

Abend und Nacht als Metaphern für das Unentrinnbare,

Schreckliche, verbunden mit der Bitte um göttliche Erlö-

sung und der Lobpreisung Gottes (Grimmelshausen).

In der Romantik hingegen finden wir die Sehnsucht nach

geheimnisvollen mondhellen und sternenklaren Nächten,

die die Phantasie des Einzelnen beflügelt, wie etwa

in der Lyrik Eichendorffs, aber ebenso die Vorstellung von

der Nacht als Widerspiegelung irrationaler Triebe und dä-

monischer Kräfte in uns selbst, unter denen beispielsweise

viele Helden E.T.A. Hoffmanns leiden. Hoffmann selbst

war einer der ersten Schriftsteller, der sich auch für die

dunklen Nachtseiten unserer Psyche interessierte und aus

diesem Grunde seine privaten Studien zum Wahnsinn be-

trieb. Auch der Maler C. D. Friedrich verstand es meisterhaft,

die verschiedenen Vorstellungen und Stimmungen zum

Thema »Nacht« in der Malerei der Romantik zum Ausdruck

zu bringen.

Einsamkeit und der Ängste (Kafka), aber auch eine Quelle

der erotischen Phantasien und Triebe (Goethe, Novalis,

Hamsun). Andererseits schenkt uns die Nacht Ruhe und Erholung

und nicht wenige Menschen schätzen diese nächt-

liche Stimmung als Inspirationsquelle und fruchtbare Schaffensphase.

Mit unserem Programm wollen wir einen Einblick geben in

die verschiedenartigen literarischen Auseinandersetzungen

des Menschen mit der Nacht, wobei die Auswahl der Texte

nur rein willkürlich sein kann.

»Musik als Sprache « – oder »Sprache als Musik«, das ist

zudem das Thema, das uns durch dieses Nachtkonzert be-

gleitet. Die »Melancholie« wird sich immer wieder mit Moll-

Harmonien verknüpfen. Das Cello durchwandert so – mit

einer frühen italienischen Scordatur-Stimmung auf dem Ba-

rockcello bis hin zu Flageolett flimmernden Tremoli auf dem

modernen Cello – über 300 Jahre Musik. Musik, die es ohne

unsere Sprache als Ausdrucksmittel nicht geben würde.

Hans Von Der Goltz

11

Bis zum Anbruch des industriellen Zeitalters (und teilweise

bis heute) verband man mit dem Beginn der Dämmerung und

der Nacht die völlige Arbeitsruhe, die dem Menschen Zeit

ließ für Gespräche und Erzählungen (z. B. Märchen und Sagen).

Diese beflügelten die Phantasie und lösten Reflexionen

und Grübeleien aus, die ihre (oft unheimliche) Fortsetzung

in den nächtlichen Träumen fanden. Für viele Menschen

ist die Nacht daher eine Zeit der Verunsicherung, der

11

- 296 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 297 -


Programm

Katharina Klement

(*1963)

noise: s onie (2010)

Cello solo

Joseph von Eichendorff

Mondnacht

Domenico Gabrielli

(1651 – 1690)

Ricercar 1 – g-moll

Franz Kafka

Brief an Max Brod

Domenico Gabrielli

Ricercar 7 – d-moll

Christian Morgenstern

Es ist Nacht

Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Prelude

Friedrich Rückert

Kindertotenlieder (188)

Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Allemande

Novalis

Aus: »Hymnen an die Nacht«

(2. Hymne, aus der 4. Hymne)

Knut Hamsun

Johann Sebastian Bach

Aus: »Hunger«

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Courante

11 Salvatore Sciarrino

11

(*Palermo 1947)

Franz Kafka

Ai Limiti Della Notte

Hans Jakob Christoffel

v. Grimmelshausen

Trost der Nacht

Aus dem Tagebuch

vom 21. und 23. Januar 1922

- 298 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 299 -


Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Sarabande

Selma Meerbaum-Eisinger

Träume

Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Gavotte 1+2

Richard Dehmel

Verklärte Nacht

Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Suite No.5 in C-moll BWV 1011 – Gigue

Johann Wolfgang v. Goethe

Willkommen und Abschied

Kristin von der Goltz spielte während ihres Privatstudiums

bei William Pleeth in London u. a. bei New Philharmonia

London (unter Sinopoli), London Philharmonic Orchestra

und der Hanover Band. Von 1991 bis 2004 war sie Mitglied

des Freiburger Barockorchesters. Sie konzertiert heute sowohl

auf modernem als auch auf dem Barockcello, ist als

Solocellistin international gefragt und spielt unter Nikolaus

Harnoncourt, Michael Hofstetter, Ton Koopman und Marc

Minkowski. Seit 2006 ist sie Mitglied der Berliner Barock-

Solisten, einem Ensemble der Berliner Philharmoniker, sowie

seit 2009 Solocellistin im Münchner Kammerorchester.

Kristin von der Goltz war als Dozentin beim Internationalen

Bohemia Festival Prag und an der Orchesterakademie in Mannheim

tätig. Bis zum Sommer 2009 unterrichtete sie Barock-

cello in München und war mit einer Dozentur für modernes

Cello in Regensburg betraut. Seit Oktober 2009 hat sie nun

eine Professur für Barockcello an der Hochschule für Musik

und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Beim Label Raumklang sind mit Kristin von der Goltz bereits

die CDs »Jakob Klein: 6 Sonaten für Violoncello und B. c.«

sowie »11 Capricen für Violoncello von J.-M.-Clément

dall' Abaco« erschienen. Auch die 2007 veröffentlichte Erst-

11

einspielung mit Sonaten des unbekannten Komponisten Antoine

Dard wurde von der Fachpresse gelobt.

11

- 300 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 301 -


Hans von der Goltz wurde 1957 als drittes Kind des

Geigers Conrad von der Goltz und der Pianistin Kirsti Hjort

in Oslo geboren. Schon als kleines Kind faszinierten ihn die

verschiedenen mythologischen Sagen sowie die Märchen

der norwegischen Nationalromantiker Asbjörnson und Moe

und der Gebrüder Grimm, die seine Geschwister und er allabendlich

vorgelesen bekamen. Damit wurde ihm die Liebe

zur Literatur schon in die Wiege gelegt. Eine zweite starke

Prägung erfuhr er durch die Musik, die im Elternhause intensiv

gelebt wurde. Für eine musikalische Laufbahn reichten

sein Cellospiel und seine Fähigkeiten auf der Querflöte

nicht, auch wenn er ein paar Jahre in diversen Kleinensembles

und Jazzgruppen spielte. Daneben spielte er eine zeitlang

in freien Theatergruppen und entdeckte vor allem während

seines Studiums der Germanistik und der Skandinavistik

seine Leidenschaft für die literarische Lesung. Heute arbeitet

Hans als Lehrer für Deutsch und Geschichte in Nürnberg

und betreut nebenher diverse Schultheatergruppen.

Seit einigen Jahren tritt er mit verschiedenen Programmen

zu den Werken Eichendorffs, Heines, zur Literatur der »Goldenen

Zwanziger« und anderen literarischen Schwerpunkten

auf, meist mit musikalischer Begleitung.

Autogramme

11 11

- 302 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 303 -


KATHARINA KLEMENT, geb. 1963 in

Graz, Österreich. Studien: Klavier (Manfred

Wagner-Artzt, Ursula Kneihs), Komposition

(Dieter Kaufmann), Lehrgang

für elektroakustische und experimentelle

Musik an der Universität für Musik und

darstellende Kunst in Wien, Gastkurs »music technology« an

der University of York, U.K., private Studien in Tanzimprovisation

(Graz) und Plastik/Skulptur (Wien).

Als »composer-performer« im Feld von notierter und improvisierter,

instrumentaler und elektronischer Musik tätig:

Instrumentalkompositionen, querverbindende Projekte in

den Bereichen Musiktheater, Performance, Text & Musik,

elektronische Kompositionen, speziell Mehrkanal-Stücke,

wechselweise in Kombination mit Instrument(en) und/oder

Stimme(n), mehrere Arbeiten für mechanisch und elektronisch

präpariertes Klavier, Klanginstallationen, Gründerin

und Mitglied mehrerer Improvisationsensembles (u. a. monocle,

soundog, USE).

Festival Midi-Alternativa Moskau, roulette New York, wien

modern, O'artoteca Milano, Sammlung Essl Klosterneuburg,

Festival unlimited Wels, festivalet Barcelona 08, Kulturhauptstadt

Linz 09, Festival »Konfrontationen« Nickelsdorf.

1990 – 2005 Unterrichtstätigkeit Klavier in Musikschulen in

Niederösterreich, seit 2006 an der privaten Musikschule Hietzing,

Wien.

1995 – 2001 Mitarbeit am österreichischen Schulprojekt

»Klangnetze«, seit 1998 Workshops im Bereich elementarer

Komposition und Improvisation.

2001/02 Gastlektorat gemeinsam mit der Autorin Karin Spielhofer

zum Thema »Sprache & Musik« am Institut für Musikwissenschaften,

Universität Wien.

Seit 2006 Lehrauftrag für elektroakustische Musik und Komposition

innerhalb des Lehrgangs Computermusik und elektronische

Medien an der Universität für Musik und darstellende

Kunst Wien.

1996 Gründung des eigenen CD-labels KalK, zahlreiche

CD-Einspielungen.

11 11

Konzerte im In- und Ausland, u. a. Festival Kaleidophon

Ulrichsberg, Tage für Neue Musik Zürich, Festival Hörgänge

Wien, Porgy & Bess Wien, Donau-Festival Krems, Radiokulturhaus

Wien, Inventionen Berlin, Hotel Pupik Schrattenberg,

Diverse Preise, Förderungen, Stipendien, u. a. »Max Brand-

Preis« 1994, Staatsstipendium für Komposition 2002, publicity-Preis

SKE 2001, Förderungspreis der Stadt Wien 2002,

Elektronikpreis Viktring 2004, »composer in residence« beim

- 304 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 305 -


Komponistenforum Mittersill 2004, »honorary mention« beim

Prix ars electronica Linz 2006, Arbeitsstipendium des Bundes

Österreich 2009.

Kompositionsaufträge u. a. für den ORF, »Jeunesse«, Stadt

Wien, Land Steiermark, echoraum Wien, Mozartjahr 2006,

Poesietage Linz, Grabenfesttage Wien, Galerie St. Barbara Tirol,

Linz 09, Wiener Nobelpreisträgerseminar mehrere Ensembles

(u. a. Low Frequency Orchestra, Binar, Monopol, Phacecontemporary)

und SolistInnen (u. a. Annelie Gahl, Robert

Buschek, Pia Palme).

Zusammenarbeit u. a. mit Oskar Aichinger, Cordula Boesze,

Lynn Book, Angélica Castelló, Susanna Gartmayer, Thomas

Grill, Franz Hautzinger, Peter Herbert, Christoph Herndler,

Josef Klammer, Hans W. Koch, Dieter Kovacic, Klaus Lang,

Heinz Peter Linshalm, Josef Novotny, Maja Osojnik, Pia Palme,

Wolfgang Reisinger, Billy Roisz, Hannes Schweiger, Hermann

Stangassinger, Burkhard Stangl, Daniel Studer, Petra

Stump, Manon Liu Winter, Christian Wolfarth.

Katharina Klement lebt in Wien.

CD »concert trouvé«, KalK CD 04, 2000

CD »Filmscript/fahrspuren«, KalK CD 05, 2001

CD »Beton«, Edition O.K. Linz, 38530703

CD »music for loudspeakers«, KalK CD 06, 2002

CD »zwischen einem Sessel«, 2003

CD »monde«, KalK CD 07, 2003

CD »L.E.O.«, Grazer Etikett, 2003

CD »monocle«, Extraplatte, 2003

CD »soundog«, Extraplatte, 2005

DVD »8«, Extraplatte, 2005

CD »los autodisparadores«, ein_klang records, 2007

CD »USE«, KalK CD, 2008

CD «Portrait Katharina Klement«; ORF Edition Zeitton, 2008

DVD »granular«, KalK, 2009

Einzelstücke auf den CDs

«innaron«, Extraplatte, 2004

»Passagen«, ein-klang records, 2008

»DAMN!«, freistil-samplerin #1, chmafu records, 2008

Werkauswahl

noeud für Cello, Posaune, Vibraphon & Perkussion

UA 2010 Kosmostheater Wien.

11 Diskographie

11

LP »dot«, Extraplatte, 1989

Jalousie für Saxophonquartett

CD »13 Miniaturen«, KalK CD 01, 1996

CD & Katalog »Brandung I/II«, Werkstadt Graz, KalK

UA 2009 Ruprechtskirche Wien.

CD 02, 1996

cows caused chaos für 15 Instrumente

CD »Textur«, KalK CD 03, 1998

UA 2009 Linz.

- 306 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 307 -


Summer Klanginstallation 8-Kanal

Realisation: 2008/09 Schrattenberg, Österreich.

mihrab für Stimme, 2 Blockflöten, Elektronik, Video

UA 2008 Radstadt, Österreich.

granular für Elektronik, Perkussion/Schlagzeug und Klavier in

Zusammenarbeit mit Thomas Grill und Wolfgang Reisinger

UA 2007 HMH-Maschinenhalle Südpark Linz.

RE:NEXT für Stimme, Klavier, Violine, Elektronik,

szenische Darstellung in Zusammenarbeit mit Lynn Book

UA 2007 SECCA, Winston-Salem, North Carolina.

Chronologie für Elektronik, Klavier, Video

in Zusammenarbeit mit Dieter Kovacic

UA 2006 Sammlung Essl, Klosterneuburg.

www.katharinaklement.com

Katharina Kelment über ihre Komposition:

noise: s onie

Cello solo

Katharina Klement, 2010

»Es gibt keine reine Musik wie es keine reine Information gibt.

Der Empfänger/die Empfängerin produziert die Information.«

Das Stück gliedert sich in mehrere aufeinanderfolgende Zustände,

die immer wieder »weiter gesagt« werden – ähnlich

wie beim Spiel »stille Post« verändern sich dabei diese Zustände,

mutieren zu neuen Zusammenhängen.

Dazwischen durchbrechen Geräusch-/Rausch-Texturen den

Verlauf, die schließlich das Stück dominieren. Sie sind Kontrapunkt,

Gegenstück zur »Information« und bilden gleichzeitig

den Grund, die Basis zu möglicher Klanginformation

überhaupt.

11

»Jede Botschaft wird durch Rauschen gestört, sei es während

der Übertragung, sei es beim Empfänger. Nach dem Empfang

eines Signals bleibt immer eine unerwünschte »uncertainty« (Ungewißheit,

noise) darüber, was die gesendete Botschaft wirklich

war.«

11

Zitate aus dem Aufsatz »Geräusche, Rauschen, Schall und

Klang« von Peter Weibel, 1995

- 308 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 309 -


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Sonntag, 19.09., 11.00 Uhr und 15.00 Uhr

Schloss Ebenthal bei Klagenfurt

Die Goëss-Tabulaturen

Ein Stück Paris auf Schloß Ebenthal

Hopkinson Smith, Otto Brusatti

Einleitung

Im 17. Jahrhundert blickte ganz (West-)Europa nach Paris –

denn Frankreich war in dieser Zeit schwer in Mode, oder auch

'en vogue', wie man damals wahrscheinlich eher gesagt hätte.

Das Französische hatte Latein nicht nur als Diplomaten-

und Wissenschafts-, sondern auch als Umgangssprache abgelöst;

wer etwas auf sich hielt, las, schrieb und parlierte

fließend. Vor allem die Mitglieder aristokratischer Familien

vertieften ihre Kenntnisse bei Reisen nach Frankreich – dadurch

entstand ein reger internationaler Austausch, und

neben der Sprache erfuhr die gesamte französische Kultur

nach und nach eine große Verbreitung in den europäischen

Nachbarländern, von der Literatur über Haarmode und

Wohnungsdesign bis zur Musik.

Die Spuren dieser weiten Streuung kultureller Schätze aus

Frankreich finden sich auch in Kärnten. Im Archiv des Ebenthaler

Schlosses machte der Wissenschaftler Douglas Alton

Smith (nicht verwandt mit dem Solisten des heutigen Konzerts,

Hopkinson Smith) im Jahr 1979 eine sensationelle Entdeckung

– als er in der umfangreichen Musiksammlung der

alteingesessenen Adelsfamilie Goëss nicht weniger als 13

Tabulatur-Manuskripte mit insgesamt 1000 Seiten herrlicher

Lautenkompositionen aufspürte.

Ein Großteil dieser Sammlung, die sich seit der Anfangszeit

in Familienbesitz befindet, ist der französischen Lauten-

musik des 17. Jahrhunderts gewidmet: Sie enthält vor allem

- 310 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 311 -

12


12

Werke von Ennemond Gaultier, von dessen Neffen Denis

Gaultier und François Dufaut, letztere beide Schüler des älteren

Gaultier. Sie alle wurden in den Pariser Salons fast schon

göttergleich verehrt – denn die Laute war in dieser Zeit das

erklärte Lieblingsinstrument des wohlhabenden Adels, und

die drei Musiker hatten einen neuen Stil kreiert, der die

Hörerinnen und Hörer verzückte: Während die Werke der

Renaissance vor allem von einer dichten Polyphonie mit

strengen Kontrapunkt-Regeln geprägt waren, trat nun die

Sinnlichkeit des Klangs viel stärker in den Vordergrund. In

ihrem »style brisé«, dem »gebrochenen Stil« – der übrigens

bald auch auf das Cembalo und die Gambe abfärbte – becircten

sie ihr Publikum vor allem mit reizvollen Melodien,

griffigen Rhythmen und raffinierten Farben: Mit genau den

Mitteln also, die auch in späteren Epochen, etwa bei Debussy,

oft als besonders »französische« Elemente bezeichnet werden.

Es ist eine ganz zarte und stellenweise sehr freie Musik,

direkt aus dem Instrument selber geboren und deshalb für

seine Möglichkeiten maßgeschneidert. In ihrer sparsamen

Intimität wendet sich die leise Laute an einen eher familiären

Zuhörerkreis. Und welcher Raum würde besser zu diesen

Klängen passen als der Musik-Salon in der Beletage des

Schloss' Ebenthal, in dessen Archiven die Noten seit Jahrhunderten

verwahrt sind? Wenn Hopkinson Smith dort ausgewählte

Suiten von Dufaut und den beiden Gaultiers spielt,

entführt er die Besucher der trigonale in einen imaginären

Pariser Salon, dorthin, wo im 17. Jahrhundert ganz (West-)

Europa blickte.

Marcus Stäbler

Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Familie

Goëss, die durch das Öffnen der Türen ihres Schlosses nicht

nur einen Herzenswunsch des Lautenisten Hopkinson Smith

in Erfüllung gehen läßt, sondern dadurch auch unserem Publikum

die Möglichkeit gibt, einzigartige Lautenwerke an

einem Originalschauplatz erleben zu können.

Stefan Schweiger

- 312 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 313 -

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12

Programm

Musik aus der Welt

der Goëss Lautenhandschriften

Vieux Gaultier

(ca. 1575 – 1651)

Stücke in A-dur:

Stücke in d-moll:

François Dufaut

(ca. 1604 – ca. 1671)

Stücke in C-Moll:

Prélude (Anonym)

La Pleureuse

Chaconne L'Espagnolette

Canaries

Prélude (Anonym)

Tombeau de Mézangeau

Gigue La Poste

Prélude (Anonym)

Allemande

Courante

Sarabande

Gigue

Stücke in A-moll:

François Dufaut Prélude

Vieux Gaultier La Belle Homicide

Anonym Courante

François Dufaut Sarabande

Vieux Gaultier

Chaconne La Cascade

- 314 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 315 -

12


12

Hopkinson Smith, 1946 in

New York geboren, schloss sein

Studium der Musikwissenschaft

in Harvard 1972 mit Auszeich-

nung ab. Im nächsten Jahr

kam er nach Europa, wo er bei

Emilio Pujol in Katalonien und Eugen Dombois in der

Schweiz studierte. Er wirkte bei zahlreichen Kammer-

musikprojekten mit und war unter anderem Mitbegrün-

der des Ensembles Hespèrion XX. Seit Mitte der 80er Jahre

beschäftigt sich Hopkinson Smith fast ausschließlich mit

dem Solorepertoire für alte Zupfinstrumente. Zeugnis davon

gibt eine Reihe preisgekrönter Einspielungen für Astrée.

Diese enthalten spanische Musik für Vihuela und Barockgitarre,

französische Lautenmusik der Renaissance und

des Barock, italienische Musik des frühen 17. Jahrhunderts

sowie Musik des deutschen Hochbarock.

Die Einspielung seiner Bearbeitungen der Violinsonaten

und Partiten von Bach für Laute im Jahr 2000 fand in der

Presse einhelliges Lob. Das Gramophone Magazine nannte

die Aufnahme »von allen Instrumenten die beste Einspie-

lung dieser Werke«. Später wurde seine Einspielung mit

Werken für die Renaissance-Laute von Pierre Attaignant

mit einem Diapason d'Or geehrt und von Le Monde als

»superbe« bezeichnet. Eine Aufnahme mit Musik von John

Dowland, die Anfang 2005 erschien, erhielt ebenfalls einen

Diapason d'Or und wurde in einer Kritik in der New York

Times als »wonderfully personal« bezeichnet.

Eine Einspielung mit Werken aus der Welt des Francesco

da Milano gewann im November 2009 den Diapason d'Or

de l'Année (das französische Äquivalent zum Grammy Award)

– der Kritik zufolge die erste Aufnahme, die dem Ansehen

Francescos tatsächlich gerecht wurde.

Hopkinson Smith gibt Konzerte und Meisterklassen in Osteuropa

und Westeuropa, Nord- und Südamerika, Australien

und Japan. Dabei kombiniert er mitunter den Lebensstil

eines Eremiten mit dem eines Zigeuners. Im März 2007 gab

er unter der Schirmherrschaft der Barenboim-Said-Stiftung

und dem Swiss Arts Council Konzerte und Workshops in Palestina.

Er lehrt an der Schola Cantorum Basiliensis.

»Hopkinson Smith ist zweifellos der zurzeit

beste Lautenist der Welt…«

San Francisco Chronicle

»Der Lautenist Hopkinson Smith zählt zu den

spektakulärsten Instrumentalisten der Gegenwart.«

Der Standard, Wien

»Hopkinson Smith ist ein einzigartiger 'Poet' der Laute.«

Gramophone, London

»…ein herausragender Künstler unserer Zeit.«

Répertoire, Paris

www.hopkinsonsmith.com

- 316 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 317 -

12


12

Mein Engagement in Palästina

Als ich 19 Jahre alt war und bevor ich wusste, was eine Laute

ist, begann ich im Libanon Arabisch zu studieren. In dieser

Zeit reiste ich – zumeist per Autostop – von Beirut bis Kuwait

und war fasziniert von der Sprache, der Schrift, der Lebensart,

dem Brot, den Songs und vor allem von den Menschen.

Später habe ich mich auch für Fragen des Menschenrechts

interessiert. Als ich immer mehr vom Schicksal der Palästinenser

und ihrer Hilflosigkeit im Spannungsfeld zwischen

den Mächten gelernt hatte, stellte ich mir die Frage, was ich

als Musiker konkret dazu beitragen könnte, um ihnen ihr Leben

zu erleichtern. In einem Interview mit dem israelischen

Dirigenten Daniel Barenboim, dessen Engagement für eine

Lösung des Nahost-Konfliktes weltweit Anerkennung findet,

sagte dieser: »Wir können nicht warten bis die Politiker sich

einigen. Jeder muss seinen Beitrag zum Frieden leisten«.

So fasste ich schließlich den Entschluss, mit meinem Instrument

nach Palästina zu reisen, um in Konzerten und Workshops

mit den Menschen in diesem benachteiligten Gebiet der

Erde die Klangwelt der Laute teilen zu können.

Die Laute, ursprünglich aus den arabischen Ländern stammend,

wo sie noch heute eine besondere Stellung genießt,

kam im Mittelalter nach Europa. In der Renaissance wurde

sie besonders wegen ihres sensiblen, intimen Klanges und

ihres großen Repertoires bald zur Königin der Musikinstrumente.

- 318 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 319 -

12


12

Im März 2007 war ich zum ersten Mal in Ramallah, Nablus,

Ost-Jerusalem und Bethlehem, und zwar unter den Auspizien

der Barenboim-Said-Stiftung und der Schweizer Kulturstiftung

Pro Helvetia. Die Konzerte waren sehr gut besucht, und

das teilweise hoch gebildete Publikum zeigte nicht nur Interesse

an der Musik und dem Instrument, sondern äußerte auch

große Dankbarkeit.

Schon 2007, aber auch im Rahmen meines zweiten Palästina-

Aufenthaltes im April dieses Jahres gab ich auch Konzerte

in Schulen. Für mich persönlich stellten diese wohl den Höhepunkt

der jeweiligen Reise dar, denn dabei begegnete ich

Scharen von Kindern, die wie selbstverständlich mit großem

Interesse und Begeisterung zuhörten. Selbst ihre Lehrer waren

meinten, sie hätten ihre Schüler nie zuvor so still erlebt.

Die Gelegenheit, Konzerte in Palästina zu spielen, bedeutete

für mich als Interpret auch, in einer Welt aufzutreten, in der

das Leiden im täglichen Leben leider nur allzu gegenwärtig

ist. In diesem emotionalen Umfeld steigert sich die Intensität

des »Musik-Erlebens« in einem solchen Maße, dass alleine da-

durch jedes Konzert zu einem ganz besonderen Erlebnis wird.

Hopkinson Smith, Juli 2010

Es spricht, moderiert,

trägt zeitgenössische Poesie vor:

Otto Brusatti

Autor, Moderator, Regisseur

(*1948 – Dr. phil.)

Theaterproduktionen, Filme (für ORF, ARD, 3sat, arte, z.B.

über Schubert, Freud, Eros ...).

Internationaler Ausstellungsmacher (vor allem Musikthemen).

Leitete Jahre hindurch die Musiksammlung der Stadt Wien.

Live-Moderator, insbesondere für den ORF (etwa Pasticcio

oder Klassik Treffpunkt).

Unterrichtete an der Wiener Universität (vergleichende Ästhetik)

und an der Wiener Musikuniversität (Schauspiel).

Vorleseprogramme und Performances (auch außerhalb Ös-

terreichs).

Hörspiele, Kompositionen, Drehbücher, Artikel.

36 eigenständige Bücher, Romane, Lyrik, Musikbezogenes

zuletzt:

Von tollkühner Musik – Märchenbilder für Erwachsene und

mutige Kinder – VAbENE 2009,

MEDEA – auch als Hörbuch – paladino,

Mahler x 100, von Alma bis Zemlinsky – echomedia 2010.

- 320 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 321 -

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Autogramme

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Sonntag, 19.09., 18.00 Uhr

Dom zu Maria Saal

Johannespassion BWV 245

J. S. Bach (1685 – 1750)

Cantus Cölln

Konrad Junghänel: Leitung

Gerlinde Sämann: Sopran

Mechthild Bach: Sopran

Elisabeth Popien: Alt

Alexander Schneider: Alt

Hans Jörg Mammel: Tenor

Georg Poplutz: Tenor

Wolf Matthias Friedrich: Bass

Markus Flaig: Bass

Erste Violine:

Margarete Adorf

Gabriele Steinfeld

Ulrike Scobel

Zweite Violine:

Henriette Scheytt

Matthias Hummel

Rahel Mai

Annette Geiger, Ulrike Paetz: Viola

Mieneke van der Velden: Viola da Gamba

Albert Brüggen: Violoncello

Tobias Lampelzammer: Kontrabass

Kate Clark, Amanda Markwick: Traversflöte

Luise Baumgartl, Thomas Meraner: Oboe

Monika Fischaleck: Fagott

Carsten Lohff: Orgel

13 13

- 324 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 325 -


Einleitung

Die Johannes-Passion zählt neben der doppelchörigen Matthäus-Passion,

dem Weihnachts-Oratorium, dem Magnificat

und der H-Moll-Messe zu den großen Vokalwerken der Leipziger

Jahre Johann Sebastian Bachs. Im Gegensatz zu den übrigen

oratorischen Werken hat Bach dieser Komposition jedoch

nie eine endgültige Gestalt verliehen, sondern immer wieder

konzeptionelle Änderungen wie auch Eingriffe im Detail vor-

genommen. Die so entstandenen verschiedenen Fassungen

bergen auch heute noch eine Vielzahl von offenen Fragen an

die Forschung und lassen die Johannes-Passion als eine der

rätselhaftesten und faszinierendsten von Bachs Schöpfungen

erscheinen.

entstandenen Fassungen sowie einer weiteren, Fragment

gebliebenen Überarbeitung vorzunehmen. Gleichwohl hat

sich im heutigen Konzertleben lediglich eine bereits im 19.

Jahrhundert etablierte Mischfassung durchsetzen können,

die das von Bach angestrebte, de facto aber nur in Ansätzen

realisierte Ziel einer »Fassung letzter Hand« zu verwirk-

lichen sucht. Diese Suche nach einer »künstlerisch opti-

malen« Werkgestalt mag zwar die unvermeidlichen Konzes-

sionen des Komponisten an vergängliche äußere Umstän-

de weitgehend eliminieren, zugleich darf man aber nicht vergessen,

dass wir heute die Johannes-Passion gewöhnlich in

einer Fassung zu Gehör bekommen, die zu Bachs Zeit selbst

nie klangliche Realität geworden ist.

Die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte der Johannes-

Bach schuf die Johannes-Passion als seine erste Leipziger

Passionsmusik für eine Aufführung am Karfreitag des Jahres

Passion bildete für lange Zeit den wohl komplexesten Problem-

1724. Die für dieses Unterfangen benötigte Zeit gewann der

kreis der neueren Bach-Forschung. Das Werk ist in einer nur

gerade einmal zehn Monate im Amt stehende Thomaskantor

zum Teil von Bach selbst geschriebenen Partitur und einem

durch den Umstand, dass mit der nach dem Sonntag Esto-

umfangreichen Konvolut von Originalstimmen überliefert.

mihi in Leipzig beginnenden Fastenzeit die sonntäglichen

Aufgrund der in den 1950er Jahren entwickelten Methoden

Kantatenaufführungen in den Kirchen eingestellt wurden;

der Quellenkritik ist es Arthur Mendel, dem Herausgeber des

1724 bedeutete dies immerhin eine fast fünfwöchige Unter-

Werks im Rahmen der Neuen Bach-Ausgabe, gelungen, die

brechung des hektischen Arbeitsalltags (sie wurde lediglich

unterschiedlichen Stadien der Werkgenese und damit die

für den traditionell auch in der Fastenzeit begangenen Fei-

außergewöhnliche Stellung der Komposition in Bachs Leip-

ertag Mariä Verkündigung aufgehoben) – Zeit genug also

ziger Schaffen weitgehend zu rekonstruieren.

für die Konzeption und Niederschrift sowie das Einstudieren

eines großangelegten oratorischen Werks, mit dem Bach

13 Anhand minutiöser Untersuchungen des Quellenmaterials

die Tradition der »musicirten Passion« fortzusetzen ge- 13

war es schließlich möglich, eine klare Unterscheidung von

dachte. Diese Tradition war in Leipzig noch jung; erst 1721,

nicht weniger als vier im Blick auf konkrete Aufführungen

gegen Ende seines Lebens, hatte Bachs Vorgänger Johann

- 326 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 327 -


Kuhnau mit seiner Markus-Passion eine oratorische Vertonung

der Passionsgeschichte geschaffen, die in den Karfreitagsvespern

der Jahre 1721 und 1722 (vielleicht auch

1723) zu Gehör gebracht wurde, und wenige Jahre zuvor,

am Karfreitag 1717, war in der Leipziger Neukirche Georg

Philipp Telemanns Vertonung eines groß angelegten Passions-Oratoriums

aus der Feder des Hamburger Dichters

Barthold Hinrich Brockes erklungen.

erhalten, die nur unvollkommen über die ursprüngliche Be-

setzung des Werks Auskunft zu geben vermögen. Ein Jahr

später, für eine Wiederaufführung in der Thomaskirche am

30. März 1725, verlieh Bach dem Werk mit einigen hinzugefügten

beziehungsweise ausgetauschten Arien und Chor-

sätzen eine in wesentlichen Teilen veränderte Gestalt.

Im Vorfeld der Uraufführung von 1724 stand eine erste Aus-

Mit einer vermutlich am 11. April 1732 anzusetzenden weiteren

Aufführung machte er, soweit es das für diese dritte

Fassung wiederum nur unvollständig erhaltene Quellenma-

einandersetzung mit den Kirchenbehörden. Bach hatte beterial

erkennen lässt, einen Teil der 1725 vorgenommenen

schlossen, seine Komposition in der Thomaskirche erklingen

Eingriffe rückgängig, tauschte aber auch erneut mehrere

zu lassen und im gedruckten Textheft eine entsprechende

Sätze gegen heute nicht mehr eruierbares Material aus. Die

Ankündigung veröffentlicht, doch laut Ratsbeschluss hatten

vierte Aufführung der Johannes-Passion unter Bachs eigener

die Passionsaufführungen jährlich zwischen den beiden

Leitung fand offenbar am 5. April 1749 statt; diese Fassung

Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai zu wechseln. So

zeichnet sich – abgesehen von einigen signifikanten Textmusste

Bach eine zweite Bekanntmachung drucken lassen

änderungen und einer Erweiterung der Besetzung – durch

und zudem eine Rüge des Superintendenten einstecken. Fünf-

die weitgehende Rückkehr zu der mutmaßlichen Gestalt

zehn Jahre später löste die Komposition offenbar erneut

der Erstfassung von 1724 aus. Außerhalb der vier Auffüh-

einen Konflikt aus – denn es erscheint durchaus plausibel,

rungsfassungen steht das 1739 in Angriff genommene, jezwischen

einem am 17. März 1739 durch den Rat der Stadt

doch bereits nach 20 Seiten abgebrochene Vorhaben Bachs,

an Bach ergangenen Verbot einer Passionsaufführung und

für die Johannes-Passion eine definitive Gestalt zu erarbei-

dem Abbruch der revidierten Reinschrift der Johannes-Pasten

und diese in einer neuen reinschriftlichen Partitur festsion

einen Zusammenhang zu sehen.

zuhalten – ähnlich wie er es drei Jahre zuvor für die Matthäus-Passion

verwirklicht hatte. Somit hat das Ringen um

Die unterschiedlichen Fassungen belegen, dass Bach die Jo-

eine optimale Gestalt der Johannes-Passion Bach während

hannes-Passion in seiner Leipziger Zeit insgesamt mindestens

seiner gesamten Leipziger Zeit beschäftigt.

13 viermal in jeweils veränderter Gestalt zu Gehör gebracht hat.

Von der ersten Aufführung (1724) sind lediglich die vokalen

Ripienstimmen sowie die Streicher- und Continuodubletten

13

- 328 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 329 -


Textgrundlage des Werks ist die Schilderung der Passion

Christi nach dem 18. und 19. Kapitel des Johannes-Evangeliums;

an zwei Stellen (Satz 12c und Satz 33) werden jedoch

Passagen aus dem Evangelium nach Matthäus (in Fassung I

auch nach Markus) interpoliert. Die madrigalischen Teile des

Texts wurden von einem unbekannten Verfasser zum Teil

aus älteren Passionsdichtungen direkt entlehnt beziehungsweise

umformuliert; die Johannes-Passion ist daher in textlicher

Hinsicht ein Konglomerat, dem ein einheitlicher Cha-

rakter fehlt. An Quellen für die madrigalischen Texte sind

bislang identifiziert: das im frühen 18. Jahrhundert vielfach

vertonte Libretto »Der für die Sünde der Welt gemarterte und

sterbende Jesus« von Barthold Hinrich Brockes (1713), das Gedicht

»Der weinende Petrus« von Christian Weise (1675) sowie

die Johannes-Passion von Christian Heinrich Postel (um1695).

Zu diesen gesellt sich eine große Zahl von Choralstrophen, die

der Librettist möglicherweise in Abstimmung mit dem Kom-

ponisten auswählte oder die Bach eigenmächtig einfügte.

Mit ihrer expressiven musikalischen Umsetzung des Texts

fügt sich die Johannes-Passion in den Kontext des ersten

Leipziger Kantaten-Jahrgangs ein. In gewissem Sinne zieht

Bach in dem Werk aber auch die Bilanz seiner stilistischen

Entwicklung während der Weimarer und Köthener Zeit. An

die Stilwelt der frühen Kantaten lehnt sich die symmetrische

Anlage der Turba-Chöre im Zentrum des Werks an, die den

Choralsatz »Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn« umrah-

13 men, während die allenthalben zu beobachtende große Vir-

13

tuosität sowie Reichtum und Vielfalt der musikalischen Ges-

taltung ohne das Köthener Schaffen nicht denkbar wären.

Die komplizierte Quellenlage der Johannes-Passion und die

schon früh erkannte Heterogenität ihres Texts waren maßgeblich

verantwortlich dafür, dass das Werk lange Zeit im

Schatten der Matthäus-Passion stand. Erst in neuerer Zeit

werden auch ihre besonderen Vorzüge – darunter die Dramatik

der Turba-Chöre, die Farbigkeit und der musikalische

Reichtum der Arien, die bildhafte Umsetzung des Textes –

angemessen gewürdigt. Auch wenn sie letztlich keine abschließend

definitive Gestalt erhielt, gehört die Johannes-

Passion zu den beeindruckendsten Schöpfungen Johann Sebastian

Bachs; in der Kühnheit und Neuheit ihrer musikalischen

Sprache sowie der überragenden Qualität ihrer Ausarbeitung

stellt sie zugleich eine der größten Leistungen der

abendländischen Musikgeschichte dar. Sätze wie der düstere

Eingangschor »Herr, unser Herrscher« oder auch der

elegische Chorsatz »Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine«

zum Ende des Passionsberichts stehen ohne Parallele da.

Von besonderer Bedeutung für den Charakter der Johannes-

Passion sind auch die in symmetrischer Folge geordneten

dramatischen Turba-Chöre im Zentrum des Werks. Die

Rahmenabschnitte sind geprägt von außergewöhnlich expressiven

Arien; einen besonderen Effekt hat zum Beispiel

die dichte Abfolge von drei Arien in ungewöhnlich langsamem

Zeitmaß, mit denen der Tod Jesu kommentiert wird.

In solchen musikalischen Momenten wird sich die einzigartige

Qualität der Johannes-Passion dem Hörer stets aufs

Neue mitteilen.

Peter Wollny

- 330 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 331 -


Werktexte

Erster Teil

1. Coro

Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm

In allen Landen herrlich ist!

Zeig uns durch deine Passion,

Dass du, der wahre Gottessohn,

Zu aller Zeit,

Auch in der größten Niedrigkeit,

Verherrlicht worden bist!

2a. Recitativo T B

Jesus ging mit seinen Jüngern über den Bach Kidron,

da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger.

Judas aber, der ihn verriet, wusste den Ort auch,

denn Jesus versammlete sich oft daselbst mit seinen Jüngern.

Da nun Judas zu sich hatte genommen die Schar

und der Hohenpriester und Pharisäer Diener,

kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen.

Als nun Jesus wusste alles, was ihm begegnen sollte,

ging er hinaus und sprach zu ihnen:

Jesus

Wen suchet ihr?

Evangelist

Sie antworteten ihm:

2b. Coro

Jesum von Nazareth.

2c. Recitativo T B

Jesus spricht zu ihnen:

Jesus

Ich bin's.

Evangelist

Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen.

Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's,

wichen sie zurücke und fielen zu Boden.

Da fragete er sie abermal:

Jesus

Wen suchet ihr?

Evangelist

Sie aber sprachen:

2d. Coro

Jesum von Nazareth.

2e. Recitativo T B

Jesus antwortete:

Jesus

Ich hab's euch gesagt, dass ich's sei, suchet ihr denn mich,

so lasset diese gehen!

3. Choral

O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße,

Die dich gebracht auf diese Marterstraße.

Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,

Und du musst leiden.

13 13

- 332 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 333 -


4. Recitativo T B

Auf dass das Wort erfüllet würde, welches er sagte:

Ich habe der keine verloren, die du mir gegeben hast.

Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus

und schlug nach des Hohenpriesters Knecht

und hieb ihm sein recht Ohr ab;

und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petro:

Jesus

Stecke dein Schwert in die Scheide!

Soll ich den Kelch nicht trinken,

den mir mein Vater gegeben hat?

5. Choral

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich

Auf Erden wie im Himmelreich.

Gib uns Geduld in Leidenszeit,

Gehorsam sein in Lieb und Leid;

Wehr und steur allem Fleisch und Blut,

Das wider deinen Willen tut!

6. Recitativo T

Die Schar aber und der Oberhauptmann

und die Diener der Jüden nahmen Jesum

und bunden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas,

der war Kaiphas Schwäher,

welcher des Jahres Hoherpriester war.

Es war aber Kaiphas, der den Jüden riet,

es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk.

7. Aria A

Von den Stricken meiner Sünden

Mich zu entbinden,

Wird mein Heil gebunden.

Mich von allen Lasterbeulen

Völlig zu heilen,

Läßt er sich verwunden.

8. Recitativo T

Simon Petrus aber folgete Jesu nach und ein ander Jünger.

9. Aria S

Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten

Und lasse dich nicht,

Mein Leben, mein Licht.

Befördre den Lauf

Und höre nicht auf,

Selbst an mir zu ziehen, zu schieben, zu bitten.

10. Recitativo T.I S B.I B.II T.II

Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt

und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast.

Petrus aber stund draußen für der Tür.

Da ging der andere Jünger,

der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus

und redete mit der Türhüterin und führete Petrum hinein.

Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petro:

13 13

- 334 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 335 -


Sopran

Bist du nicht dieses Menschen Jünger einer?

Evangelist

Er sprach:

Petrus

Ich bin's nicht.

Evangelist

Es stunden aber die Knechte und Diener

und hatten ein Kohlfeu'r gemacht (denn es war kalt)

und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen

und wärmete sich. Aber der Hohepriester fragte Jesum um

seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm:

Jesus

Ich habe frei, öffentlich geredet für der Welt.

Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel,

da alle Jüden zusammenkommen,

und habe nichts im Verborgnen geredt.

Was fragest du mich darum? Frage die darum,

die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe!

Siehe, dieselbigen wissen, was ich gesaget habe.

Evangelist

Als er aber solches redete, gab der Diener einer,

die dabeistunden, Jesu einen Backenstreich und sprach:

Diener

Solltest du dem Hohenpriester also antworten?

Evangelist

Jesus aber antwortete:

11. Choral

Wer hat dich so geschlagen,

Mein Heil, und dich mit Plagen

So übel zugericht'?

Du bist ja nicht ein Sünder

Wie wir und unsre Kinder,

Von Missetaten weißt du nicht.

Ich, ich und meine Sünden,

Die sich wie Körnlein finden

Des Sandes an dem Meer,

Die haben dir erreget

Das Elend, das dich schläget,

Und das betrübte Marterheer.

12a. Recitativo T

Und Hannas sandte ihn gebunden

zu dem Hohenpriester Kaiphas.

Simon Petrus stund und wärmete sich, da sprachen sie zu ihm:

12b. Coro

Bist du nicht seiner Jünger einer?

12c. Recitativo T.I B T.II

Evangelist

Er leugnete aber und sprach:

Petrus

Ich bin's nicht.

Evangelist

Spricht des Hohenpriesters Knecht' einer,

ein Gefreundter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte:

13 Jesus

13

Hab ich übel geredt, so beweise es, dass es böse sei,

hab ich aber recht geredt, was schlägest du mich?

- 336 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 337 -


Diener

Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm?

Evangelist

Da verleugnete Petrus abermal,

und alsobald krähete der Hahn.

Da gedachte Petrus an die Worte Jesu

und ging hinaus und weinete bitterlich.

13. Aria T

Ach, mein Sinn,

Wo willt du endlich hin,

Wo soll ich mich erquicken?

Bleib ich hier,

Oder wünsch ich mir

Berg und Hügel auf den Rücken?

Bei der Welt ist gar kein Rat,

Und im Herzen

Stehn die Schmerzen

Meiner Missetat,

Weil der Knecht den Herrn verleugnet hat.

Zweiter Teil

15. Choral

Christus, der uns selig macht,

Kein Bös' hat begangen,

Der ward für uns in der Nacht

Als ein Dieb gefangen,

Geführt für gottlose Leut

Und fälschlich verklaget,

Verlacht, verhöhnt und verspeit,

Wie denn die Schrift saget.

14. Choral

16a. Recitativo T B

Evangelist

Da führeten sie Jesum von Kaiphas vor das Richthaus,

und es war frühe. Und sie gingen nicht in das Richthaus,

auf dass sie nicht unrein würden,

sondern Ostern essen möchten.

Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach:

Pilatus

Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen?

Evangelist

Petrus, der nicht denkt zurück,

Sie antworteten und sprachen zu ihm:

Seinen Gott verneinet,

16b. Coro

Der doch auf ein' ernsten Blick

Wäre dieser nicht ein Übeltäter,

Bitterlichen weinet.

wir hätten dir ihn nicht überantwortet.

Jesu, blicke mich auch an,

16c. Recitativo T B

13 Wenn ich nicht will büßen;

Evangelist

13

Wenn ich Böses hab getan,

Rühre mein Gewissen!

Da sprach Pilatus zu ihnen:

- 338 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 339 -


Pilatus

So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetze!

Evangelist

Da sprachen die Jüden zu ihm:

16d. Coro

Wir dürfen niemand töten.

16e. Recitativo T B.I B.II

Evangelist

Auf dass erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte,

da er deutete, welches Todes er sterben würde.

Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus

und rief Jesu und sprach zu ihm:

Pilatus

Bist du der Jüden König?

Evangelist

Jesus antwortete:

Jesus

Redest du das von dir selbst,

oder haben's dir andere von mir gesagt.

Evangelist

Pilatus antwortete:

Pilatus

Bin ich ein Jüde?

Dein Volk und die Hohenpriester

haben dich mir überantwortet; was hast du getan?

Evangelist

Jesus antwortete:

Jesus

Mein Reich ist nicht von dieser Welt;

wäre mein Reich von dieser Welt,

meine Diener würden darob kämpfen,

dass ich den Jüden nicht überantwortet würde;

aber nun ist mein Reich nicht von dannen.

17. Choral

Ach großer König, groß zu allen Zeiten,

Wie kann ich gnugsam diese Treu ausbreiten?

Keins Menschen Herze mag indes ausdenken,

Was dir zu schenken.

Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen,

Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen.

Wie kann ich dir denn deine Liebestaten

Im Werk erstatten?

18a. Recitativo T B.I B.II

Evangelist

Da sprach Pilatus zu ihm:

Pilatus

So bist du dennoch ein König?

Evangelist

Jesus antwortete:

Jesus

Du sagst's, ich bin ein König.

13 Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen,

13

dass ich die Wahrheit zeugen soll.

Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.

- 340 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 341 -


Evangelist

Spricht Pilatus zu ihm:

Pilatus

Was ist Wahrheit?

Evangelist

Und da er das gesaget,

ging er wieder hinaus zu den Jüden und spricht zu ihnen:

Pilatus

Ich finde keine Schuld an ihm.

Ihr habt aber eine Gewohnheit,

dass ich euch einen losgebe;

wollt ihr nun, dass ich euch der Jüden König losgebe?

Evangelist

Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen:

18b. Coro

Nicht diesen, sondern Barrabam!

18c. Recitativo T

Evangelist

Barrabas aber war ein Mörder.

Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn.

19. Arioso B

Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen,

Mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen

Dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen,

Wie dir auf Dornen, so ihn stechen,

Die Himmelsschlüsselblumen blühn!

Du kannst viel süße Frucht von seiner Wermut brechen,

Drum sieh ohn Unterlass auf ihn!

20. Aria T

Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken

In allen Stücken

Dem Himmel gleiche geht,

Daran, nachdem die Wasserwogen

Von unsrer Sündflut sich verzogen,

Der allerschönste Regenbogen

Als Gottes Gnadenzeichen steht!

21a. Recitativo T

Evangelist

Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen

und satzten sie auf sein Haupt

und legten ihm ein Purpurkleid an und sprachen:

21b. Coro

Sei gegrüßet, lieber Jüdenkönig!

21c. Recitativo T B

Evangelist

Und gaben ihm Backenstreiche.

Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen:

Pilatus

Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, dass ihr erkennet,

dass ich keine Schuld an ihm finde.

Evangelist

Also ging Jesus heraus

und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid.

13

Und er sprach zu ihnen:

Pilatus

Sehet, welch ein Mensch!

13

- 342 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 343 -


Evangelist

Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen,

schrieen sie und sprachen:

21d. Coro

Kreuzige, kreuzige!

21e. Recitativo T B

Evangelist

Pilatus sprach zu ihnen:

Pilatus

Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn;

denn ich finde keine Schuld an ihm!

Evangelist

Die Jüden antworteten ihm:

21f. Coro

Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben;

denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.

21g. Recitativo T B.I B.II

Evangelist

Da Pilatus das Wort hörete, fürchtet' er sich noch mehr

und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu:

Pilatus

Von wannen bist du?

Evangelist

Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm:

Pilatus

Redest du nicht mit mir?

Weißest du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen,

Jesus

Du hättest keine Macht über mich,

wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben;

darum, der mich dir überantwortet hat,

der hat's größ're Sünde.

Evangelist

Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe.

22. Choral

Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn,

Muss uns die Freiheit kommen;

Dein Kerker ist der Gnadenthron,

Die Freistatt aller Frommen;

Denn gingst du nicht die Knechtschaft ein,

Müßt unsre Knechtschaft ewig sein.

13 und Macht habe, dich loszugehen?

23a. Recitativo T

Evangelist

Die Jüden aber schrieen und sprachen:

23b. Coro

Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht;

denn wer sich zum Könige machet, der ist wider den Kaiser.

23c. Recitativo T B

Evangelist

Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus

und satzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte,

die da heißet: Hochpflaster, auf Ebräisch aber: Gabbatha.

Es war aber der Rüsttag in Ostern um die sechste Stunde, 13

Evangelist

Jesus antwortete:

und er spricht zu den Jüden:

- 344 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 345 -


Pilatus

Sehet, das ist euer König!

Evangelist

Sie schrieen aber:

23d. Coro

Weg, weg mit dem, kreuzige ihn!

23e. Recitativo T B

Spricht Pilatus zu ihnen:

Pilatus

Soll ich euren König kreuzigen?

Evangelist

Die Hohenpriester antworteten:

23f. Coro

Wir haben keinen König denn den Kaiser.

23g. Recitativo T

Evangelist

Da überantwortete er ihn, dass er gekreuziget würde.

Sie nahmen aber Jesum und führeten ihn hin.

Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte,

die da heißet Schädelstätt, welche heißet auf Ebräisch:

Golgatha.

24. Aria B e Coro

Eilt, ihr angefochtnen Seelen,

Geht aus euren Marterhöhlen,

Eilt – Wohin? – nach Golgatha!

Nehmet an des Glaubens Flügel,

Flieht - Wohin? - zum Kreuzeshügel,

Eure Wohlfahrt blüht allda!

25a. Recitativo T

Evangelist

Allda kreuzigten sie ihn,

und mit ihm zween andere zu beiden Seiten,

Jesum aber mitten inne.

Pilatus aber schrieb eine Überschrift

und satzte sie auf das Kreuz, und war geschrieben:

»Jesus von Nazareth, der Jüden König«.

Diese Überschrift lasen viel Jüden,

denn die Stätte war nahe bei der Stadt,

da Jesus gekreuziget ist.

Und es war geschrieben auf ebräische,

griechische und lateinische Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Jüden zu Pilato:

25b. Coro

Schreibe nicht: der Jüden König,

sondern dass er gesaget habe: Ich bin der Jüden König.

25c. Recitativo T B

Evangelist

Pilatus antwortet:

Pilatus

Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

13 13

- 346 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 347 -


26. Choral

In meines Herzens Grunde

Dein Nam und Kreuz allein

Funkelt all Zeit und Stunde,

Drauf kann ich fröhlich sein.

Erschein mir in dem Bilde

Zu Trost in meiner Not,

Wie du, Herr Christ, so milde

Dich hast geblut' zu Tod!

27a. Recitativo T

Evangelist

Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten,

nahmen seine Kleider und machten vier Teile,

einem jeglichen Kriegesknechte sein Teil, dazu auch den Rock.

Der Rock aber war ungenähet,

von oben an gewürket durch und durch.

Da sprachen sie untereinander:

27b. Coro

Lasset uns den nicht zerteilen,

sondern darum losen, wes er sein soll.

27c. Recitativo T B

Evangelist

Auf dass erfüllet würde die Schrift, die da saget:

Sie haben meine Kleider unter sich geteilet

und haben über meinen Rock das Los geworfen,

Solches taten die Kriegesknechte.

13 Es stund aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter

13

und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib,

und Maria Magdalena.

Da nun Jesus seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen,

den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter:

Jesus

Weib, siehe, das ist dein Sohn!

Evangelist

Darnach spricht er zu dem Jünger:

Jesus

Siehe, das ist deine Mutter!

28. Choral

Er nahm alles wohl in acht

In der letzten Stunde,

Seine Mutter noch bedacht,

Setzt ihr ein' Vormunde.

O Mensch, mache Richtigkeit,

Gott und Menschen liebe,

Stirb darauf ohn alles Leid,

Und dich nicht betrübe!

29. Recitativo T B

Evangelist

Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich.

Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war,

dass die Schrift erfüllet würde, spricht er:

Jesus

Mich dürstet!

- 348 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 349 -


Evangelist

Da stund ein Gefäße voll Essigs.

Sie fülleten aber einen Schwamm mit Essig

und legten ihn um einen Isopen,

und hielten es ihm dar zum Munde.

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er:

Jesus

Es ist vollbracht!

30. Aria A

O Trost vor die gekränkten Seelen!

Die Trauernacht

Läßt nun die letzte Stunde zählen.

Der Held aus Juda siegt mit Macht

Und schließt den Kampf.

Es ist vollbracht!

31. Recitativo T

Evangelist

Und neigte das Haupt und verschied.

32. Aria B e Coro

Mein teurer Heiland, lass dich fragen,

Jesu, der du warest tot,

Da du nunmehr ans Kreuz geschlagen

Und selbst gesagt: Es ist vollbracht,

Lebest nun ohn Ende,

13 Bin ich vom Sterben frei gemacht?

13

In der letzten Todesnot

Nirgend mich hinwende

Kann ich durch deine Pein und Sterben

Das Himmelreich ererben?

Ist aller Welt Erlösung da?

Als zu dir, der mich versühnt,

O du lieber Herre!

Du kannst vor Schmerzen zwar nichts sagen;

Gib mir nur, was du verdient,

Doch neigest du das Haupt

Und sprichst stillschweigend: ja.

Mehr ich nicht begehre!

33. Recitativo T

Evangelist

Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück

von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebete, und

die Felsen zerrissen, und die Gräber täten sich auf, und

stunden auf viel Leiber der Heiligen.

34. Arioso T

Mein Herz, in dem die ganze Welt

Bei Jesu Leiden gleichfalls leidet,

Die Sonne sich in Trauer kleidet,

Der Vorhang reißt, der Fels zerfällt,

Die Erde bebt, die Gräber spalten,

Weil sie den Schöpfer sehn erkalten,

Was willst du deines Ortes tun?

- 350 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 351 -


35. Aria S

Zerfließe, mein Herze, in Fluten der Zähren

Dem Höchsten zu Ehren!

Erzähle der Welt und dem Himmel die Not:

Dein Jesus ist tot!

37. Choral

O hilf, Christe, Gottes Sohn,

Durch dein bitter Leiden,

Dass wir dir stets untertan

All Untugend meiden,

Deinen Tod und sein Ursach

Fruchtbarlich bedenken,

Dafür, wiewohl arm und schwach,

Dir Dankopfer schenken!

36. Recitativo T

Evangelist

Die Jüden aber, dieweil es der Rüsttag war,

dass nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbat

über (denn desselbigen Sabbats Tag war sehr groß),

38. Recitativo T

baten sie Pilatum, dass ihre Beine gebrochen

Evangelist

und sie abgenommen würden.

Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein Jünger

Da kamen die Kriegsknechte

Jesu war (doch heimlich aus Furcht vor den Jüden),

und brachen dem ersten die Beine und dem andern,

dass er möchte abnehmen den Leichnam Jesu.

der mit ihm gekreuziget war.

Und Pilatus erlaubete es. Derowegen kam er

Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen,

und nahm den Leichnam Jesu herab.

dass er schon gestorben war,

Es kam aber auch Nikodemus,

brachen sie ihm die Beine nicht;

der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war,

sondern der Kriegsknechte einer

und brachte Myrrhen und Aloen untereinander,

eröffnete seine Seite mit einem Speer,

bei hundert Pfunden.

und alsobald ging Blut und Wasser heraus.

Da nahmen sie den Leichnam Jesu

Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget,

und bunden ihn in leinen Tücher mit Spezereien,

und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiß,

wie die Jüden pflegen zu begraben.

dass er die Wahrheit saget, auf dass ihr gläubet.

Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward,

Denn solches ist geschehen,

ein Garten, und im Garten ein neu Grab,

auf dass die Schrift erfüllet würde:

in welches niemand je geleget war.

13 »Ihr sollet ihm kein Bein zerbrechen«.

Daselbst hin legten sie Jesum,

13

Und abermal spricht eine andere Schrift:

um des Rüsttags willen der Jüden,

»Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben«.

dieweil das Grab nahe war.

- 352 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 353 -


39. Coro

Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine,

Die ich nun weiter nicht beweine,

Ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh!

Das Grab, so euch bestimmet ist

Und ferner keine Not umschließt,

Macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu.

40. Choral

Ach Herr, lass dein lieb Engelein

Am letzten End die Seele mein

In Abrahams Schoß tragen,

Den Leib in seim Schlafkämmerlein

Gar sanft ohn eigne Qual und Pein

Ruhn bis am jüngsten Tage!

Alsdenn vom Tod erwecke mich,

Dass meine Augen sehen dich

In aller Freud, o Gottes Sohn,

Mein Heiland und Genadenthron!

Herr Jesu Christ, erhöre mich,

Ich will dich preisen ewiglich!

C antus Cölln

Das 1987 von Konrad Junghänel gegründete solistische Vokalensemble

Cantus Cölln hat sich in kürzester Zeit als eines

der angesehensten Ensembles dieser Art im internationalen

Musikleben etabliert. Es widmet sich in erster Linie dem

deutschen und italienischen Vokalrepertoire aus Renaissance

und Barock: mit der Wiederbelebung eines weitgehend

vergessenen Repertoires hat es in den letzten Jahren beim

Publikum großen Anklang gefunden.

Die meisten der inzwischen über 30 CD-Produktionen, die

ein Repertoire von Monteverdis Madrigalen, der Marienvesper,

Schütz' Psalmen Davids bis hin zu Bachs Kantaten und

Motetten umfassen, wurden mit internationalen Preisen gewürdigt.

Neben zahlreichen Auszeichnungen wie z.B. dem

Edison Awards Classical, dem Diapason d'Or, ffff du Télérama,

10 du Répertoire, dem Choc du Monde de la Musique, dem

Grand Prix du Disque (Académie Charles Cros) und Nominierungen

für u.a. den Grammy und den Grammophone Award

hat Cantus Cölln in 2002 für seine einzigartige Einspielung

der Selva morale e spirituale von Claudio Monteverdi sowohl

den Grammophone Award, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik

als auch den Caecilia Price verliehen bekommen.

Für seine Gesamtaufnahme des Altbachischen Archivs erhielt

Cantus Cölln im Jahr 2004 den ECHO Klassik in der

Kategorie Choreinspielung.

13 13

Die Mitglieder von Cantus Cölln haben alle als Solisten eine

erfolgreiche Karriere aufzuweisen, die sie auch weiterhin

- 354 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 355 -


verfolgen. Von der Kritik wird aber immer wieder einhellig

der außerordentlich homogene Ensembleklang hervorgehoben,

der dennoch nicht auf Kosten der Individualität der

einzelnen Stimmen geht. Cantus Cölln hatte es sich von Anfang

zum Ziel gesetzt, mit möglichst gleichbleibender Besetzung

im Laufe der Jahre zu immer größerer Homogenität

zu finden, zu einem »blinden« musikalischen Verstehen.

Etwas, das beispielsweise bei einem Streichquartett internationaler

Ausprägung als selbstverständlich vorausgesetzt

werden darf, im allgemeinen schnelllebigen Musikmarkt

aber häufig vermißt wird. So sind auch heute noch die meisten

Mitglieder von Cantus Cölln Gründungsmitglieder. Für

Produktionen in größerer Besetzung wird das Ensemble nach

Bedarf durch zusätzliche Kräfte verstärkt, wobei auch da

möglichst immer auf dieselben Sänger und Instrumentalisten

zurückgegriffen wird.

Das Repertoire hat sich im Laufe der Jahre vom Programmschwerpunkt

»Madrigal und Motette« des frühen 17. Jahrhunderts

ausgeweitet auf die gesamte Entwicklung des geistlichen

Konzertes und der Kantate bis zum Hochbarock.

Wichtiges Kriterium bei der Auswahl bleibt dabei immer,

ob sich das betreffende Musikstück für eine solistische Aufführungsweise

anbietet, ob es mehr dadurch gewinnt, als es

vielleicht auf der anderen Seite verliert. So geht es nicht um

die »einzig richtige« Aufführungsweise, sondern darum, einem

Klangideal zu folgen, welches größtmögliche Transparenz

mit individueller Emotionalität und sinnlicher Klanglichkeit

verbindet.

Einige herausragende Punkte in der Entwicklung der letzten

Jahre waren zum einen die Produktionen der Marienvesper

von Monteverdi und die von Johann Rosenmüller, welche

den Beginn einer kleinen internationalen Renaissance dieses

bedeutenden »deutsch-italienischen« Komponisten ein-

läutete. Desweiteren stießen die Produktionen der Motetten,

Frühen Kantaten und der H-Moll Messe von Johann Sebastian

Bach auf ein enthusiastisches internationales Echo.

Die Frühen Kantaten – ausgezeichnet mit mehreren prestigeträchtigen

Preisen – gehören schon jetzt zu einer der

erfolgreichsten Bach-Kantaten-Einspielungen überhaupt.

Die erste szenische Produktion von Cantus Cölln – »Combattimenti«

mit Madrigalen von Monteverdi – war eine 1998

begonnene Koproduktion der Nationalen Reisopera in Holland

und dem Tourneetheater Transparant in Belgien, die auf

Grund ihres Erfolges bis zum Jahr 2000 auf den Spielplänen

stand. Eine neue szenische Produktion ist in Vorbereitung.

Nach Ansicht der Zeitschrift Diapason gehört Cantus Cölln

zu den größten Entdeckungen der letzten Jahre im Bereich

der Alten Musik.

Im Jahre 2000 wurde das Ensemble mit dem begehrten Buxtehudepreis

der Hansestadt Lübeck für hervorragende Leistungen

auf dem Gebiet der Kirchemusik ausgezeichnet. Der

letzte Preisträger war 1994 John Elliot Gardiner.

13 13

Auftritte in ganz Europa (Festivals in Utrecht, Herne, Stutt-

gart, Barcelona, Innsbruck, Schleswig-Holstein, Flandern-

- 356 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 357 -


festival, Salzburg, Breslau etc.) sowie Einladungen nach Über-

Produktionen auf. Drei Jahre lang lief die Produktion Comsee

(Nord- und Südamerika, Asien, Afrika, Australien) trabattimenti

mit Madrigalen von Claudio Monteverdi (Regie

gen ebenso zu seinem Ruf bei wie die exklusive Zusammen-

Geoffrey Layton) an der Nationalen Reisopera von Holland

arbeit mit Harmonia Mundi France.

und Belgien. Es folgte Francesco Cavallis La Calisto (Regie

Igor Folwill) in Köln und Domenico Mazzocchis La Catena

d'Adone (Regie Jakob Peters-Messer) in Innsbruck und

Antwerpen. Am Theater Basel dirigierte er »Wie liegt die

Konrad Junghänel zählt heute inter-

Stadt so wüste« mit Musik von Heinrich Schütz, sowie das

national zu den bekanntesten Lautenisten.

Händel-Oratorium »Israel in Egypt«, beides unter der Re-

Sein Ruhm beruht auf der ganz außerorgie

von Herbert Wernicke, an der Staatsoper Hamburg »Ein

dentlichen Virtuosität seines Spiels und

geistliches Bankett«, eine szenische Produktion von Bachseiner

vollendeten Sicherheit. Er gilt als

Kantaten (Regie Ingrid von Wantoch Rekowski ). Am Theater

einer der führenden Interpreten der Lau-

Basel folgte Händels »Semele« (Regie Karin Beier) und Mon-

tenwerke Johann Sebastian Bachs und Silvius Leopold Weiss;

teverdis »L'Incoronazione di Poppea« (Regie Nigel Lowery).

für seine Aufnahme mit Solowerken von Silvius Leopold Weiss

Bei den Göttinger Händelfestspielen 2006 debütierte er mit

ist er mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausge-

Händels Oper »Poro« (Regie Igor Folwill) und leitete im Herbst

zeichnet worden.

desselben Jahres in Potsdam Mozarts »Così fan tutte« (Re-

Konrad Junghänel ist als Solist und als Kammermusiker über-

gie Uwe Eric Laufenberg). Im April 2007 dirigierte Konrad

all in Europa, in den USA, in Japan, Australien, Südamerika

Junghänel am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken die

und Afrika aufgetreten. Neben dieser Konzerttätigkeit ar-

Premiere der »Florentiner Intermedien« (Regie: Nigel Lowebeitete

er regelmäßig mit René Jacobs zusammen, aber auch

ry) sowie im November desselben Jahres Mozarts »Lucio

mit Ensembles wie Les Arts Florissants, La Petite Bande, Mu-

Silla« (Regie: Olga Motta) an der Staatsoper Stuttgart. Im

sica Antiqua Köln.

Februar 2008 stand die Premiere von Händels »Agrippina«

Seit 1994 ist er Professor an der Staatlichen Hochschule für

(Regie: Peter Lund ) am Saarländischen Staatstheater Saar-

Musik in Köln.

brücken auf dem Programm. Nach einer weiteren Mozart-

1987 gründete Konrad Junghänel das von ihm geleitete Vokal-

Premiere mit »Die Entführung aus dem Serail« (Regie Uwe

ensemble Cantus Cölln, das sich innerhalb kürzester Zeit

Eric Laufenberg) im September 2008 in Potsdam feierte Kon-

13 als eines der angesehensten Ensembles dieser Art im interrad

Junghänel im April 2009 einen außerordentlichen Erfolg 13

nationalen Musikleben etablieren konnte. In jüngster Zeit tritt

als Musikalischer Leiter der Neuproduktion von Glucks »Ar-

Konrad Junghänel auch vermehrt als Dirigent szenischer

mida« an der Komischen Oper Berlin (Regie: Calixto Bieito).

- 358 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 359 -


Im selben Jahr folgten Händels »Teseo« an der Staatsoper

Stuttgart (Regie: Igor Bauersima) sowie mit »Orfeo ed Euridice«

(Regie: Johannes Erath), ebenfalls von Gluck, Junghänels

Debüt an der Oper Köln. Hier werden in den kommenden

Spielzeiten zudem u.a. ein vollständiger Monteverdi-

Zyklus und ein mehrteiliger Mozart-Zyklus entstehen. Im

Januar 2010 machen Rameaus »Les Paladins« (Regie: Arila

Siegert) an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg

den Auftakt, gefolgt von Purcells »Dido und Aeneas«

am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken. Weitere Produktionen

u. a. in Berlin sind in Vorbereitung.

immer wieder zu wichtigen europäischen Festivals, so nach

Dresden, Halle, Stuttgart, Barcelona, Zaragoza, Glasgow,

u. a. Sie arbeitete mit den Dirigenten Ton Koopman, Hellmuth

Rilling, Michael Schneider, Frieder Bernius, Reinhard

Göbel und Sigiswald Kujken.

Zahlreiche Rundfunkaufnahmen sowie Platteneinspielungen

der Sängerin liegen vor.

Mechthild Bach, geboren in Limburg

Markus Flaig, in Horb am Neckar geboren,

studierte zunächst Schul- und Kirchenmusik

an der Musikhochschule Freiburg

im Breisgau. Nach erfolgreichen Examina

nahm er ein Gesangsstudium bei

/Lahn, studierte Gesang an der Musik-

Beata Heuer-Christen auf und war Mit-

hochschule in Frankfurt/Main bei Prof.

glied der Opernklasse von Gerd Heinz. Im Anschluß daran

E. Cavelti. Bereits während dieser Zeit

absolvierte er ein Aufbaustudium bei Berthold Possemeyer in

arbeitete sie mit Prof. Michael Schneider

Frankfurt am Main, welches er im Februar 2004 mit Aus-

im Studio für Alte Musik und in der Liedzeichnung

abschloss. Seit Herbst 2006 arbeitet er mit Carol

klasse von Prof. Hartmut Höll. Meisterkurse bei Prof. Vera

Meyer-Bruetting in Frankfurt.

Rosza in Nizza und bei Prof. Laura Sarti in London folgten.

Bereits während seines Schulmusikstudiums erhielt er ei-

Noch während des Studiums kam es zu einem Gastvertrag

nen ersten Gastvertrag an den Städtischen Bühnen Freiburg

am Staatstheater Darmstadt, dem sich ein Engagement an

für die Partie des Azarias in Benjamin Brittens Kirchenpa-

das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/

rabel »The burning fiery furnace«. Es folgten weitere En-

Duisburg anschloss.

gagements für die Uraufführung von Cornelius Schwehrs

Von 1991 bis 1996 war Mechthild Bach als Lyrischer Sopran

Revolutionsoper »Heimat« und für »Salome« von Richard

am Theater der Stadt Heidelberg engagiert und erarbeitete

Strauss. Auf der Bühne der Schwetzinger Festspiele spielte

13 sich ein breites Repertoire in diesem Fach. Seit 1986 ist sie

er in einer viel beachteten und live im Radio übertragenen 13

auch als Konzertsängerin tätig und besonders im Bereich der

Inszenierung mit Madrigalen von Claudio Monteverdi und

Alten Musik international gefragt. Engagements führten sie

Carlo Gesualdo. 2006 war er in Freiburg als Noah in Benjamin

- 360 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 361 -


Brittens »Noye's fludde«, 2007 bei den Herrenhauser Festwochen

in Hannover in Henry Purcells »Fairy Queen« zu

sehen, im September 2008 schließlich als Alcée und Tirtée in

Jean-Philippe Rameaus »Les Fêtes d'Hébé« im Markgräflichen

Opernhaus Bayreuth.

Sein Repertoire im Oratorienfach reicht von der Renaissance

über die Oratorien aus Barock, Klassik und Romantik

bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Er wirkte bei

mehreren Uraufführungen mit; Franz F. Kaern komponierte

eigens für ihn einen Orchesterliederzyklus nach Gedichten

von Thomas Bernhard. Rundfunk- und Fernsehproduktionen

sowie zahlreiche CD-Aufnahmen entstanden unter

Dirigenten wie Winfried Toll, Hans Christoph Rademann,

Thomas Hengelbrock und Konrad Junghänel.

Soeben hat er sein erstes Solo-Album eingespielt mit Kantaten

von Bach (BWV 82), Telemann und Graupner.

2004 wurde Markus Preisträger des Internationalen Johann-

Sebastian-Bach-Wettbewerbes Leipzig. Konzertreisen führten

den Bassbariton nach Spanien, Italien, Frankreich, Belgien,

Holland, Österreich, Dänemark, Slowenien, Polen, Russland,

Korea und Kolumbien, im Jahr 2008 schließlich nach Mexiko

und nach Japan für eine Tournee unter Masaaki Suzuki.

Seit 1997 erarbeitet er sich mit dem Pianisten Jörg Schweinbenz

ein umfangreiches Liedrepertoire und ist regelmäßig

in Liederabenden in Deutschland und dem benachbarten

Ausland zu hören. www.markus-flaig.de

Wolf Matthias Friedrich studierte

an der Hochschule für Musik Felix Mendelssohn

Bartholdy in Leipzig bei Prof.

Eva Schubert Gesang. 1980 war er Preisträger

beim Internationalen Dvorak-Wettbewerb

in Karlovy Vary. Von 1982 bis 1986

war Wolf Matthias Friedrich Mitglied des Opernstudios der

Staatsoper Dresden. Verpflichtungen unter Dirigenten wie Kurt

Masur, Rafael Frühbeck de Burgos, Fabio Luisi, Howard

Arman, Daniel Reuss, Michel Corboz, Konrad Junghänel,

Allessandro de Marchi, Thomas Hengelbrock, Peter Neumann,

Paul Dyer u. a. führten ihn in die Konzerthäuser zahlreicher

europäischer Festivals (Salzburg, Schwetzingen, Innsbruck,

Wien, Utrecht, Halle, Dresden), nach Israel, Asien und Aus-

tralien und wurden zahlreich in Rundfunk- und CD-Produktionen

dokumentiert. Als Liedsänger widmet er sich ins-

besondere dem Werk Franz Schuberts. 2002 war er Mitbegründer

des »Kerll-Rosenmüller-Festes«, das seither jährlich

unter seiner Leitung zur Förderung des musikalischen

Erbes der in seiner vogtländischen Heimat geborenen Komponisten

Johann Caspar Kerll, Johann Rosenmüller und Sebastian

Knüpfer veranstaltet wird: www.wolfmatthiasfriedrich.de

Hans Jörg Mammel wurde in Stuttgart

geboren. Seine erste musikalische Ausbildung

erhielt er bei den Stuttgarter Hym-

13 nus-Chorknaben, wo er auch ersten Ge- 13

sangsunterricht erhielt. Er studierte an

der Musikhochschule Freiburg Gesang bei

- 362 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 363 -


Prof. Werner Hollweg und Prof. Ingeborg Most. Meisterkurse

absolvierte er bei Barbara Schlick, Elisabeth Schwarzkopf,

James Wagner für Gesang, sowie bei Reinhard Goebel für

historische Aufführungspraxis.

In den letzten Jahren machte er sich vor allem als Konzertsänger

in Deutschland und dem benachbarten Ausland einen

Namen. Er sang bei vielen bedeutenden Festivals wie

Utrecht, Schwetzingen, Jerusalem, Breslau, Brügge, Brüssel

und Wien. Dabei arbeitete er mit Dirigenten wie Hans

Zender, Thomas Hengelbrock, Ivan Fischer, Ivor Bolton und

Philippe Herreweghe zusammen. Opernengagements führten

ihn an die Staatsoper Unter den Linden Berlin, an die

Städt. Bühnen Freiburg sowie an die Münchner Staatsoper.

Neben Konzert und Oper widmet er sich dem Lied. Außer

den großen Liederzyklen der Romantik gilt hier sein Interesse

besonders den Komponisten der 2. Berliner Liederschule.

Viele dieser Werke sind auf CD eingespielt.

www.hansjoergmammel.de

Ihr künstlerisches Schaffen wird durch Rundfunk- und Fernseh-Aufnahmen,

sowie durch zahlreiche CD-Aufnahmen

dokumentiert. Viele der CDs sind preisgekrönt.

Neben ihrer Ensembletätigkeit tritt Elisabeth Popien auch

als klassische Oratoriensängerin auf, mit einem Repertoire,

das von der Barockzeit bis zur Moderne reicht.

Elisabeth Popien studierte zunächst

Georg POPLUTZ

Der in Arnsberg geborene Tenor schloss

nach dem Staatsexamen für Musik und

Englisch in Münster und Dortmund ein

Gesangsstudium an den Musikhochschulen

in Frankfurt am Main und Köln bei

Berthold Possemeyer und Christoph Prégardien an, das er 2007

mit dem Konzertexamen erfolgreich beendet hat. 2009 wurde

er mit dem Frankfurter Mendelssohn-Preis ausgezeichnet.

Konzertengagements im Oratorienfach führten Poplutz in zahlreiche

Städte Deutschlands, nach Dänemark, Frankreich,

Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal und

in die Schweiz sowie auf Konzertreisen nach China, Mexiko

Kirchenmusik an der Musikhochschule

und durch das südliche Afrika. Dabei arbeitete er u. a. mit Ph.

in Köln und schloß das Studium 1992 mit

Couvert, M. Creed, W. Ehrhardt, G. Grün, M. Janz, M. Jung,

dem A-Examen ab. Während der Studien-

T. Kaljuste, H. Müller-Brühl, P. Neumann, R. Otto, R. Popzeit

sang sie bereits als Chorsängerin un-

ken,W. Schäfer, W. Toll und R. Wilson zusammen. Lieder-

ter Dirigenten, die sich der historischen

abende gibt er u. a. mit seinem Klavierpartner Hilko Dumno.

Aufführungspraxis verschrieben hatten, wie Jordi Savall,

Im Johann Rosenmüller Ensemble unter der Leitung von Arno

13 Sigiswald Kuijken, Peter Neumann und Hermann Max.

Paduch sowie mit Konrad Junghänels Cantus Cölln widmet er 13

Parallel dazu studierte sie bei Hans-Dieter Saretzki, Düssel-

sich in Konzert und Rundfunk der Musik des 16. bis 18. Jhs.

dorf, Gesang.

Poplutz ist regelmäßig in großen Konzerthäusern und bei

- 364 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 365 -


deutschen Festivals zu Gast und macht sich vor allem als

Evangelist einen Namen. 2010 ist Poplutz u. a. in der Dresdner

Frauenkirche, in der Frankfurter Alten Oper, im Hamburger

Michel und in der Laeiszhalle, in der Kölner Philharmonie, bei

den Ludwigsburger Schlossfestspielen, beim Rheingau-Musik-

Festival und in verschiedenen Rundfunk- und CD-Produktionen

sowie u. a. am Theater Bern in Purcells »Dido und

Aeneas« als Aeneas zu hören. www.georgpoplutz.de

Was Gerlinde Sämann auszeichnet ist

ihre flexible und feinsinnige Musikalität

und Interpretation, die durch ihr fehlendes

Augenlicht zu einem speziellen und

ungewöhnlichen Erleben von Klangnuancen

wird.

Die blinde Sopranistin wurde 1969 in Nürnberg geboren.

Sie studierte am Richard-Strauss-Konservatorium in München

Klavier und Gesang und arbeitete mit Lehrern wie Karl-

Heinz Jarius, Henriette Meyer-Ravenstein und Selma Aykan.

Ausserdem absolvierte sie eine Ausbildung zur Atemtherapeutin

nach Ilse Middendorf.

Ihr Repertoire reicht von historischen Werken über Lied

und Oratorium bis hin zu Avantgarde und zeitgenössischem

Musiktheater. Seit 1991 arbeitet Gerlinde Sämann solistisch

mit verschiedensten Chören und Gruppen, vorrangig der

alten Musik, auf renommierten Festivals zusammen: Mit dem

für Alte Musik Berlin, la petite bande, u. a. bei der styriarte, La

folle journée de Nantes, Festa da Musica Lissabon, Festival de

Vezelay Bourgogne, Festival Oude Muziek Utrecht, Festival

van Vlaanderen, Gent, etc.

Auch auf den Bühnen von Oper und zeitgenössischem Musiktheater

ist Gerlinde Sämann präsent, mit Regisseurinnen

und Regisseuren wie Arila Siegert, Gil Mehmert, Sabine Hasz,

Thomas Höft, Chrescencia Dünser und Otto Kukla. 2007 war

sie in Peter Steins »Wallenstein« (Berliner Ensemble) zu hören.

Zahlreiche Radioaufnahmen und CD's sind im In- und

Ausland entstanden.

Mit großer Intensität gestaltet Gerlinde Sämann ausgefallene

Lied- und Duoprogramme, beispielsweise mit dem renom-

mierten Hammerflügelspieler Ronald Brautigam, sowie anderen

Liedbegleitern wie Hans Adolfsen.

www.gerlinde-saemann.de

13 Dresdner Kreuzchor, dem Choeur de Chambre Accentus, Arsyis

Alexander Schneider wurde in Frankenberg/Sachsen

geboren. Von 1987 bis

1996 war er Mitglied im Dresdner Kreuzchor.

Ab 1997 studierte er an der Hochschule für

Musik Hanns Eisler Berlin bei Peter Herrmann.

2004 erhielt er sein Gesangs- und

Pädagogendiplom. Zudem besuchte er Meisterkurse von

David Cordier, Jeffrey Gall und Peter Kooij. Derzeit arbeitet

der junge Sänger mit der Sopranistin Elisabeth Scholl.

Der Altist sang mit vielen namhaften Ensembles, darunter 13

Bourgogne, dem Mittelalter-Ensemble Estampie, Armonico

Cantus Cölln, Concerto Palatino, Collegium Vocale Gent, Aka-

Tributo Austria, der himmlischen cantorey, sette voci, Akademie

demie für Alte Musik Berlin, Absolut Ensemble New York,

- 366 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 367 -


Rheinische Kantorei, Ricercar Consort, Sächsisches Vocal-

ensemble, Sette Voci, Dresdner Kammerchor, Ensemble Amarcord,

Musica Fiata Köln und die Lauttencompagney Berlin.

In seiner jungen Karriere arbeitete er mit Dirigenten wie

Philipp Herreweghe, René Jacobs, Kristian Järvi, Stephen Stubbs,

Herrmann Max, Joshua Rifkin, Philippe Pierlot, Wolfgang

Katschner, Martin Haselböck, Marcus Creed, Attilio Cremonesi,

Hans Chr. Rademann und Konrad Junghänel zusammen.

Zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen dokumentieren

diese Arbeit.

Die Erarbeitung von Soloprogrammen ist dem Sänger ein

besonderes Anliegen. Renommierte Künstler, wie die Cembalisten

Ludger Rémy und Mark Nordstrand oder die Lautenistin

Ophira Zakai sind seine musikalischen Partner.

Sein viel beachtetes Operndebüt hatte er 1999 an der Neuköllner

Oper Berlin in Johann Adolf Hasses Commedia per

Musica »La Sorella amante«. Er gastierte am Theater Heidelberg,

der Oper Leipzig, dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt

und dem Schlosstheater Potsdam im Neuen Palais.

Zur Welturaufführung der Jazz-Oper »Casanova« von Daniel

Schnyder stand er in Gstaad/Schweiz und New York

City/USA als »Mozart« auf der Bühne.

Er ist Preisträger des Wettbewerbes »Musica Antiqua« in

Brügge 2002. www.altist.de

Autogramme

13 13

- 368 - Trigonale 2010 – Das Programm Trigonale 2010 – Das Programm - 369 -


Verkaufsstellen

Buchhandlung Heyn

Kramergasse 2–4, 9020 Klagenfurt

Buchhandlung Hermagoras

Viktringerring 26, 9020 Klagenfurt

Kärntner Buchhandlung

Neuer Platz 14, 9020 Klagenfurt

Kärntner Buchhandlung

8. Mai Platz 3, 9500 Villach

Buchhandlung Besold

Hauptplatz 14, 9300 St. Veit/Glan

Buchhandlung Nest

Hauptplatz 2, 9800 Spittal/Drau

Buch-Papier Huber,

Obervellach 169, 9821 Obervellach

Kleintierpraxis Dr. Ladstätter

Gailtalstraße 33, 9620 Hermagor

Buch-Papier Breschan

Kirchgasse 6, 9560 Feldkirchen

Buchhandlung-Galerie Magnet

Hauptplatz 6, 9100 Völkermarkt

Kärntner Buchhandlung

Am Weiher 7, 9400 Wolfsberg

Trafik Kohlweg

Hauptstraße 3, 9063 Maria Saal

Alpen-Adria Universität

Abteilung Musikwissenschaft, Carmen Strutz, Raum I.1.36

(Nordtrakt), Universitätsstr. 65 – 67, 9020 Klagenfurt

Musikhaus Doblinger

Dorotheergasse 10, 1010 Wien

Buchhandlung Leykam/Pock

Stempfergasse 3, 8010 Graz

Für Kelag-Pluskunden gelten die üblichen Ermäßigungen

(siehe Kelag-PlusClub-News). Online ist die Bezahlung aus-

nahmslos nur mit Kreditkarte möglich. Bei Online-Buchung

erhalten Sie eine Bestätigung per Email, die Karten liegen

dann an der Konzertkasse für Sie bereit.

- 412 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 413 -


Canto Novello: Maria!

Laude aus dem spätmittelalterlichen Italien

Ars Choralis Coeln & Oni Wytars

Best.-Nr.: RK 2809

Die beiden Ensembles malen mit fantasievoll-lebendigen Interpretationen in-

klusive umwerfend schönem Chorgesang ein farbenfrohes, opulentes Gegenbild

zu den melancholisch-zurückhaltenden Klängen, die wir von historisch-authentischer

Mittelalterinterpretation gewohnt sind.

CD des Monats, www. Minnesang.com

Vocation

Impressionen zu Liedern der Hildegard von Bingen

Marie-Luise Hinrichs – Klavier

Best.-Nr.: RK 2902

Als sie die weit geschwungenen Melodien der Hymne »Oh virga ac diadema«

zum Klingen brachte, begann sich der ganze Saal in den Innenraum einer Kathedrale

zu verwandeln. Piano-News 6/2009 über die Aufnahme im WDR

Johann Sebastian Bach:

Goldberg-Variationen

Silke Strauf & Claas Harders – Viola da gamba

Best.-Nr.: RK 2807

Ein völlig neues Hörerlebnis eines altvertrauten Werkes!

CD-Tipp, MDR Figaro

Fanny & Felix

F. Hensel: Klaviertrio op. 11 &

F. Mendelssohn: Klaviertrio op. 66

Trio Vivente (mit Kristin von der Goltz)

Best.-Nr.: RK 2808

Vollendete Transparenz des Zusammenspiels. Klassik Heute

11 Capricen für Violoncello

von Joseph-Marie-Clément dall'Abaco

Kristin von der Goltz

World premiere recording

Best.-Nr.: RK 2503

Mit den 11 Capricen für Violoncello ist ihr auf dem für seine hochwertige

Ausstattung bekannten Label 'Raumklang' ein echter Coup gelungen … Wer

Bachs Cello-Suiten und Marin Marais liebt, muss diese auch äußerlich wie

gewohnt schön ausgestattete CD haben. Klassik.com

Antoine Dard :

6 sonates pour le violoncelle avec

la basse continue (1759)

Kristin von der Goltz

Hille Perl, Christine Schornsheim

Best.-Nr.: RK 2701

- 414 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 415 -


Die Birckholtz-Trompete von 1650

Musik von Praetorius, Thomsen, Speer, Pezel,

Buxtehude u. a.

Jean-François Madeuf & Ensemble,

Nicola Cittadin, Philip Tarr

Best.-Nr.: RK 2805

Modest Mussorgsky

Bilder einer Ausstellung

Nicola Cittadin – Orgel

Philip Tarr – Percussion

Best.-Nr.: RK 2903

Neu

Les Caractères de la Danse

Purcell, Corelli, Rebel, Albinoni, Telemann

Harmony of Nations Baroque Orchestra

Alfredo Bernardini – Oboe

Best.-Nr.: RK 2704

Johann Sebastian Bach: Motetten

Meines Herzens Weide

Trinity Baroque, Julian Podger

Best.-Nr.: RK 2601

Derart lebendig in Tempo und Phrasierung, homogen im Ensembleklang, aber

auch derart innig und berührend, hat man Bachs Motetten lange Zeit nicht

gehört. Bayern 4 Klassik

souvenir

Georg Philipp Telemann: Motetten

Magdeburger Kammerchor,

Magdeburger Barockorchester

Best.-Nr.: RKs 59803

Das Vokalensemble wartet mit einem homogenen und geschliffenen Chorklang

sowie mit einer sensiblen Phrasierung in der melodischen Ausformulierung auf.

Amadeo I/2000

Viola da gamba concertata

Telemann, Abel und Händel

Juliane Banse, Siegfried Pank,

Robert Ehrlich, Mitteldeutsche Barocksolisten

Best.-Nr.: RKs 59806

Siegfried Pank und die Mitteldeutschen Barocksolisten überraschen mit virtuosen

Stücken aus der Spätzeit der Viola da gamba, in denen dieses Instrument

noch einmal solistisch glänzen durfte … Eine lohnende Rarität!

Applaus 4/2000

Raumklang Musikproduktion und Verlag

Schloss Goseck | D-06667 Goseck

Fon: +49 - 3443 - 348008-0 | Fax: +49 - 3443 - 348008-9

brief@raumklang.de

Den vollständigen Bestellkatalog finden Sie unter: www.raumklang.de

im Vertrieb von

harmonia mundi

- 416 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 417 -


Wer liest:

Hört mehr!

Johann Sebastian Bachs Musik wird von vielen als zeitlos

empfunden, als habe er mit seiner Tonsprache grundlegende,

fundamentale Aussagen formuliert, die den Hörer immer

wieder berühren und ergreifen. Welche Gattung Bach auch

bearbeitet hat, überall gelang es ihm, den barocken Musikstil

zur Vollendung zu führen. Michael Wersins neues Buch

erschließt diese geniale Musik dem Hörer, um sie besser zu

verstehen und immer wieder aufs Neue entdecken zu können.

Michael Wersin, geb. 1966, ist Dozent für kirchenmusikalische

Fächer in St. Gallen und Luzern, tritt als Sänger und

Continuo-Organist mit verschiedenen Profi-Ensembles auf

und schreibt als Musikjournalist u. a. für das Klassikmagazin

RONDO.

Michael Wersin: Bach hören

Eine Anleitung

180 S.

Mit Notenbeispielen und Abbildungen

Hardcover mit Schutzumschlag

Format: 12,2 x 19,5 cm

ISBN 978-3-15-010779-9

- 418 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 419 -


Verein Burgkultur

St. Veit

Liebe Kulturfreunde,

der Verein Burgkultur St.Veit freut sich, Ihnen facettenreiche Veranstaltungen

2010/2011 vorstellen zu dürfen. Wir hoffen, Sie für unser Programm

begeistern zu können und Sie als Gäste willkommen zu heißen.

9. September, 19 Uhr, Herzogburg St. Veit/Glan

Stars der Zukunft

Open Air 2010 Modern-Music-College – Freddy Zitter

Schüler und Lehrer des MMC

Freddy Zitter – drums | Ales Berisa – keyboards, piano | Gernot Pansi – bass |

Kurt Seppele – guitars | Mike Ferrari-Brunnenfeld – vocals, keyboards | Norbert

Eipeltauer – guitars | Marco Matschnig – piano, keyboards | Wolfgang

Mauchler – guitars | Lisa-Marie Zitter – vocals

10. September, 19 Uhr, Herzogburg St. Veit/Glan

Miller Anderson Band

Als Gitarrist und Leadvokalist der Keef Hartley Band stand Miller Anderson

schon '69 auf der legendären Woodstock-Bühne. Jetzt hat Miller Anderson

den Blues wieder entdeckt. Auf seinem brandneuen Album »Chameleon«

führt er mit fingerfertiger Leichtigkeit durch die Geschichte des Blues.

10. September, 21 Uhr, Herzogburg St. Veit/Glan

Albert Lee & Hogan's Heroes

Bekannt für sein außergewöhnlich schnelles und präzises Spiel, gehört

Albert Lee ohne Zweifel zur crème de la crème englischer Gitarristen. In

fünf aufeinander folgenden Jahren, wurde Albert Lee vom renommierten

Magazin »Guitar Player« zum besten Country-Gitarristen gewählt. Mit

Albert Lee steht 2010 ein weiterer Grammy Award Winner auf der Bühne

der Herzogburg St. Veit.

11. September, 19 Uhr, Herzogburg St. Veit/Glan

Hamburg Blues Band

... featuring Arthur Brown, Chris Farlowe, Clem Clempson

Tourgast »The Voice« Chris Farlowe hatte '67 mit dem Rolling Stones Titel

»Out Of Time« einen weltweiten Hit. Der Hammond B3 Organist Adrian

Askew machte sich bei Bands wie Joe Cocker, Atlantis und den Foundations

verdient; Drummer Hans Wallbaum spielte jahrelang bei Ruhrpott – Rocker

Stoppok hinterm Schlagzeug. Gert Lange's Stimme und Michael Becker's

Basskünste wurden mit dem Deutschen Filmpreis geehrt (»Burning Life«).

Als Special guest dieses Jahr in St. Veit mit dabei: »The Good Of Hellfire«

Arthur Brown hatte mit dem von Pete Townsend produzierten Titel »Fire«

einen weltweiten Hit und ist bis heute für seine mehrere Oktaven umfassende

Stimme und seine exzentrischen Bühneshows bekannt.

11. September, 21 Uhr, Herzogburg St. Veit/Glan

Peter Green

1967 gründete Peter Green mit John McVie und Fleetwood seine erste eigene

Band. Diverse Hit Singles sowie 4 Alben folgten und eine weitreichende Fan-

gemeinde baute sich auf. Auch Eric Clapton zögerte nicht, Green als »einer der

Besten« anzuerkennen. Im September 2006 begegnete Peter Green dem Gitarristen

Mike Dodd. Ihre einfühlsame Freundschaft bereitete die Grundlage für

ihre jetzige Arbeitsbeziehung und ließ Peter Green erneut vor Publikum treten!

- 420 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 421 -


Verein Burgkultur

St. Veit

10. Oktober 2010, 18 Uhr, Blumenhalle St.Veit/Glan

10.10.10

Rockkonzert als Signal eines geistigen und kulturellen Aufbruchs ins 21.

Jahrhundert – mit Bališ und den Gastmusikern Helmut Bibl, Andy Bartosh,

Vlado Kreslin, Willi Resetarits und The Rounder Girls.

Bališ lebt mit seinen in den slowenisch gehaltenen Dialekt-Songs eine tiefe

slawische, vom starken Rhythmus getragene Emotionalität, die an melancholischer

Euphorie nicht zu überbieten ist. Zu erwarten ist eine feurige

Rock-Show, gespickt mit vielen prominenten Weggefährten der Band, wie

Andy Bartosh (Alice in the fields), Helmut Bibl (Gitarist von Falco), Willi

Resetarits, The rounder girls und Vlado Kreslin.

13. November, 20 Uhr, Blumenhalle St. Veit

Joe Jackson

Der studierte Musiker Joe Jackson, bekannt für seine Musik ohne Schnörkel

und Spielerei, spannte im Verlauf seiner 30-jährigen Karriere einen weiten

musikalischen Bogen. In den Anfangsjahren war intellektueller New Wave

angesagt, gefolgt von pompösen – fast klassischen – Kompositionen, untermalt

mit Swing und Jazz-Elementen. Joe Jackson unternahm Ausflüge

in die Blue Note Welt der 50er und 60er Jahre, kreierte dabei seine eigene

Weltmusik. Es gibt wohl kaum einen Künstler, der sich derart vielschichtig

seinen Kritikern stellte und im Geheimen längst als musikalisches Genie

gehandelt wird. Stehen blieb er nie.

12. Dezember, 18 Uhr, Blumenhalle St. Veit/Glan

Top Dog Brass Band »Weihnachten im Sitzen«

Christmas und New Orleans, Stollen und Mambo, Schwippbögen und Louis

Armstrong, Nordmann-Tanne und Südstaaten-Brass, Gospel in stiller Nacht,

Zwerchfellstechen und Gänsehautentzündung streiten um Erstbehandlung.

All dies schaffen die 5 Herren in 2 x 50 Minuten ihrem Publikum auf

musikalisch unerhörte Weise zu vermitteln.

19. Dezember, 18 Uhr, Blumenhalle St. Veit/Glan

Christmas meets Pop 2010 - Modern-Music-College

Freddy Zitter – drums | Ales Berisa – keyboards, piano | Gernot Pansi – bass |

Kurt Seppele – guitars | Mike Ferrari-Brunnenfeld – vocals, keyboards | Norbert

Eipeltauer – guitars | Marco Matschnig – piano, keyboards | Wolfgang

Mauchler – guitars | Lisa-Marie Zitter – vocals

25. März 2011, Blumehalle St.Veit/Glan

Rebekka Bakken

Die Kritik überhäuft sie mit Superlativen: »Bis unter die Haarspitzen erotisch«

(FAZ), »Die Gesangssensation des Jahres« (AZ), »Unerhört gut«

(Die Welt), u.a. Die intime und offene Art, mit der sie ihre selbstbewussten

und eleganten Zeilen und Melodien schreibt und singt sowie ihre poetischen

Geschichten über das Leben und die Liebe, Geben und Aufgeben,

bauen eine einfühlsame Verbindung zwischen ihr und dem Zuhörer auf.

Verein Burgkultur St.Veit

Burggasse 9 | 9300 St.Veit/Glan

www.burgkultur.at

- 422 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 423 -


anne art + ideas

graphic – design

Bücher, Magazine, Künstlerportraits, CD's, Flyer, Plakate,

Geschäftsausstattung etc. contact: anne.hooss@gmx.com

- 424 - Trigonale 2010 – Anhang Trigonale 2010 – Anhang - 425 -


Trigonale – Das Programm 2010

Impressum

Trigonale FestivalbetriebsgmbH

Geschäftsführer Ing. Stefan Schweiger

Winklern 17

A - 9063 Maria Saal

Telefon: +43 - (0)4223 - 29079

E-Mail contact@trigonale.com

Internet www.trigonale.com

Herausgeber Trigonale

Redaktion Stefan Schweiger

Fotografie Elva photographies, Constanze Freisitzer,

Miriam Lewin, Åsa Maria, Wolf Nolting,

Photo Preim, Giancarlo Rado, Eric Richmond,

Stefan Schweiger, Francis von Stechow

Gestaltung Anne Hooss, Stefan Schmid

Übersetzungen Almut Lenz-Konrad, Edgar Sallager,

Elisabeth Schleicher

Herstellung Philipp Reclam jun.

Graphischer Betrieb GmbH,

Ditzingen

Stand August 2010, Änderungen vorbehalten

- 448 - Trigonale 2010 – Anhang