Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen - Bochum

micus

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen - Bochum

Landesinitiative media NRW

Aktivierung des Geodatenmarktes in

Nordrhein-Westfalen

Marktstudie

---------------------------------------------------------------------------------------- media NRW: Band 24 -----------------------------------------------------------------------------

Der Ministerpräsident

des Landes

Nordrhein-Westfalen


Verteilerhinweis

Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der

Landesregierung Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Sie darf

weder von Parteien noch von Wahlbewerbern oder Wahlhelfern

während eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung

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für die Wahl des Europäischen Parlaments. Missbräuchlich ist

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Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen

Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise

verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung

zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden

könnte.

Herausgegeben im März 2001

Impressum:

Der Ministerpräsident des Landes

NordrheinWestfalen

D-40190 Düsseldorf

Telefon: (0211) - 8 37 01

Telefax: (0211) - 8 37 11 50

Düsseldorf, im März 2001


Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes

in Nordrhein-Westfalen

Autoren:

Dr. Martin Fornefeld, Peter Oefinger

MICUS Management Consulting GmbH

Stadttor 1

40219 Düsseldorf

www.micus.de

März 2001


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary ………………………………………………………………………………………… 1

I. Marktanalyse …………………………………………………………………………………………… 4

1. Einleitung …………….…………………………………………………………………………… 4

2. Angebotsanalyse …………………………....…………………………………………………… 7

2.1 Öffentliche Anbieter von Geodaten ……………….....………………………………… 7

2.1.1 Die Vermessungs- und Katasterämter ………..……………………………… 7

2.1.2 Das Landesvermessungsamt …………………..…………………………… 15

2.1.3 Weitere Datenanbieter des Landes …………………....…………………… 19

2.1.4 Bundesministerien und nachgeordnete Behörden ………………………… 20

2.2 Private Anbieter ………………………………………………………………………… 22

2.2.1 Kategorien von Anbietern …………………………………………………… 23

2.2.2 Anwendungsbereiche für Geodatenprodukte ……………………………… 28

3. Bestehende Plattformen ……………………………………………………………………… 35

4. Kundenanalyse ………………………………………………………………………………… 38

4.1 Branchen ……………………………………………..………………………………… 38

4.2 Kunden öffentlicher Datenanbieter …………………………………………………… 39

4.3 Kunden privater Anbieter ……………………………………………………………… 41

4.4 Kundenanforderungen ………………………………………………………………… 45

II. Marktkonzept ………………………………………………………………………………………… 48

1. Kundenkonzept ………………………………………………………………………………… 48

1.1 Märkte …………………………………………………………………………………… 48

1.2 Kunden …………………..……………………………………………………………… 50

2. Produkte ………………………………………………………………………………………… 55

2.1 GIS-Anwendungen ……………………………..……………………………………… 56

2.2 Navigation ………………………………………………….…………………………… 57

2.3 Geomarketing ………………………………………………………………..………… 59

2.4 Emerging Markets ……………………………………………………………………… 62

2.5 Anforderungen an die Geobasisdaten …………………………….………………… 63

3. Vertriebswege und Marketing ……...………………………………………………………… 67

4. Preise und Nutzungsrechte …………………………………………………………………… 72

4.1 Preismodell-Variante I ………….……………………………………………………… 72

4.2 Preismodell-Variante II ………………………………………………………………… 73

4.3 Regelung zu den Nutzungsrechten ………………..………………………………… 76

5. Umsätze am Markt für Geodaten ……………………………..……………………………… 77

5.1 Regionale Umsätze …………………………………….……………………………… 78

5.2 Produktbezogene Umsätze …………………………………………………………… 80

6. Politische Handlungsempfehlungen ………………………………………………………… 81


Executive Summary

- 1 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Executive Summary

Geodatenprodukte haben ein hohes Marktpotential. Wenn in NRW die geeigneten Rahmenbedingungen

geschaffen werden, kann bis Ende 2003 ein überproportionales Marktwachstum realisiert werden.

Das bedeutet die Entstehung eines stabilen Wirtschaftszweiges mit qualifizierten Arbeitsplätzen.

Der Geodatenmarkt - in NRW wie auch bundesweit – ist derzeit aber nur unzureichend entwickelt: Nur

rund 15% des erzielbaren Marktvolumens in NRW sind erschlossen. Die Angebote sind vorrangig

technikorientiert; konkrete lösungsorientierte Anwendungen sind selten. Auf der Nachfrageseite erkennen

die potentiellen Marktteilnehmer noch nicht die Möglichkeiten, die Geodatenanwendungen

bieten. In der Folge werden in den meisten Anwendungsbereichen nur geringe Umsätze erzielt. Die

Entwicklung des Marktes wird insbesondere durch sechs Eintrittsbarrieren blockiert:

Ein zentrales Problem stellt das uneinheitliche Datenangebot der öffentlichen Anbieter dar, deren

Daten selten flächendeckend und aktuell vorliegen.

Insgesamt herrscht keine ausreichende Transparenz darüber, wo welche Daten zu beziehen sind.

Der Bezug von Geobasisdaten ist oft unkomfortabel und teuer.

Unterschiedliche Austauschformate und hohe Anforderungen an die Hardware führen zu technischen

Problemen.

Die Preise für Geobasisdaten sind zu hoch.

Die Regelungen zu den Nutzungsrechten sind zu kompliziert.

So sind in den unterschiedlichen Anwendungsbereichen viele individuelle Lösungen im Einsatz, die

den Anforderungen an ein modernes geodatengestütztes Management nicht genügen.

Die Grundlage für alle Anwendungen bilden die Geobasisdaten – also die eigentlichen Karten. Der

Markt für die Anwendungen strukturiert sich in die vier Teilmärkte:

GIS-Anwendungen

Navigation

Geomarketing

Emerging Markets

In diesen vier Teilmärkten sind die Unternehmen gefordert, nachfragegerechte Produkte bereitzustellen.

GIS-Anwendungen werden hauptsächlich zur Planung und Dokumentation von Gebäuden, Netzen

und Anlagen sowie zu raumbezogenen Analysezwecken eingesetzt. Dabei werden die „klassischen“

technikorientierten Kunden wie Versorgungsunternehmen, Verkehrs- und Telekommunikationsunternehmen,

Ingenieurbüros, Bauunternehmen erreicht. Dieser Teilmarkt stellt das wichtigste Marktsegment

dar und bildet häufig eine Keimzelle für die Entwicklung neuartiger Anwendungen. Für den Bereich

der GIS-Anwendungen geht es künftig vor allem um die Entwicklung dreidimensionaler Lösungen

sowie die Weiterentwicklung mobiler oder web-basierter Anwendungen.

Die häufigsten Anwendungen im Teilmarkt Navigation sind In-Car-Navigation, Telematik, Routing und

Flottenmanagement und Logistikanwendungen. Insbesondere Fahrzeugnavigationssysteme haben

bereits eine hohe Marktdurchdringung erreicht. Für die Entwicklung neuer Produkte in diesem Segment

hat die dynamische Integration zusätzlicher Informationsquellen, z.B. aktueller Wetter- und Verkehrsdaten,

hohe Bedeutung. Dabei wird eine laufende Aktualisierung der jeweiligen Datengrundlage

künftig entscheidend für den Produkterfolg sein.


- 2 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Executive Summary

Der Teilmarkt Geomarketing umfasst raumbezogene Anwendungen in den Bereichen Marketing, Vertriebssteuerung,

Controlling und Standortanalysen. Dieser Teilmarkt hat ein erhebliches, bisher völlig

unerschlossenes Entwicklungspotential. Hier sind vor allem zwei Aspekte von Bedeutung: Unternehmensanalysen

auf Basis kartografischer Auswertungen für den Business-Bereich sowie gezieltes

Marketing durch georeferenzierte Kundenprofile für den Consumer-Bereich.

Dabei ist insbesondere die Schaffung horizontaler, d.h. branchenübergreifender, sowie vertikaler, also

branchenspezifischer Lösungen erforderlich. Im Zuge des Mikromarketings werden hier zunehmend

detailliertere Kartengrundlagen benötigt, möglichst mit Angabe von Hausnummer und Stockwerk. Dies

stellt insbesondere an die öffentlichen Datenanbieter eine Herausforderung dar.

Darüber hinaus sind mit der Entwicklung neuer Technologien Anwendungsmöglichkeiten in den Emer-

ging Markets erkennbar. Es kommt darauf an, mit Blick auf künftige Massenmärkte mobile Anwendungen

für den Mobilfunk- und insbesondere UMTS-Bereich sowie interaktive Multimedia-Produkte im

Web zu konzipieren.

Da es sich bei den Anbietern am Geodatenmarkt heute meist um kleine und mittlere Unternehmen

handelt, sind für die Entwicklung und Vermarktung neuartiger Produkte Kooperationen geboten, um

die Entwicklungskosten zu verteilen und Synergien bei der Nutzung von Know-how zu realisieren.

Damit sich die neuen Produkte am Markt durchsetzen können, ist eine konsequente Vermarktung,

insbesondere auch über das Internet, erforderlich. Erfolgsfaktoren des Internetvertriebs sind:

(1) schneller Zugriff

(2) klare Quellenangabe

(3) eindeutige Preisangabe

(4) aktuelle Daten

Zentrale Voraussetzung für den Produkterfolg ist die Schaffung von Markttransparenz. Über ein Internetportal

ließe sich vergleichsweise einfach ein erster Schritt in diese Richtung erzielen. Andere Vertriebswege

dürfen dabei aber nicht vernachlässigt werden. Die Zielgruppenansprache sollte dabei

nicht auf die technikorientierten Kunden beschränkt werden, sondern die Lösungen für den Anwender

in den Vordergrund stellen. Darüber hinaus sind für Produktwerbung und Marketing hohe Budgets bereitzustellen,

um das notwendige Interesse in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Der entstehende Geodatenmarkt bietet für die öffentlichen Datenanbieter die Chance, sich in einer

neuen Rolle als Content Provider zu positionieren. Dafür müssen diese jedoch schnellstmöglich ihre

Geodatenbestände flächendeckend, aktuell und überregional zur Verfügung stellen und vorliegende

Datenbestände anderer Behörden integrieren.

Die neue Marktposition kann nur erreicht werden, wenn das bisherige kostenorientierte Entgeltsystem

durch ein nutzenorientiertes Pricing ersetzt wird. Der Kunde ist zwar bereit, für Aktualität zu bezahlen,

nicht aber dafür, dass die Kartenerstellung einmalig mit hohen Kosten verbunden war. Insgesamt

empfiehlt es sich, zur Öffnung des Geodatenmarktes das Preisniveau deutlich zu senken, und so die

Nachfrage nach Geobasisdaten zu stimulieren. Geringere Entgelte sind dabei nicht gleichbedeutend

mit geringeren Einnahmen: Dieser Zusammenhang wurde in der Studie erstmalig aufgezeigt.

Darüber hinaus ist eine erhebliche Vereinfachung der häufig sehr restriktiven Nutzungsrechteregelungen

erforderlich.


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Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Executive Summary

Unter den genannten Voraussetzungen kann eine zukunftsorientierte Entwicklung des Geodatenmarktes

in drei Phasen erfolgen:

1. Phase Optimierung des Angebots für die klassischen Kunden in technischen Bereichen (EVU,

Verkehr, Telekommunikation, Bau, Ingenieurbüros)

2. Phase Entwicklung von Anwendungen in kaufmännischen Bereichen für große Unternehmen in

Branchen mit hoher IT-Investitionsbereitschaft (Industrie, Immobilien, Banken)

3. Phase Erstellung konfektionierter branchenspezifischer Anwendungen durch Dienstleister für

kleine und mittlere Unternehmen

Um dieses Ziel zu erreichen, ist die aktive Mitwirkung des Landes NRW gefordert. Zur Aktivierung des

Geodatenmarktes sollte daher das Land NRW folgende sechs Maßnahmen durchführen:

(1) Die Datenabgabe nach nutzenorientierten statt kostenorientierten Preismodellen gestalten.

(2) Die Lizenzierung vereinfachen und auf Exklusivverträge verzichten.

(3) Den öffentlichen Bereich als Content Provider für Geodaten entwickeln.

(4) Geodatennutzung als Bestandteil in alle Ebenen der Ausbildung integrieren.

(5) Gründungsinitiativen zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen durch Bereitstellung

von Kapital fördern.

(6) Den Handel mit Informationen als eigenständige Berichtsgröße in volkswirtschaftlichen branchenbezogenen

Statistiken abbilden.

Wenn auf diese Weise geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, sind die Unternehmen gefordert,

mit innovativen Produkten die Marktpotentiale zu erschließen und ihre unternehmerische

Chance zu nutzen.


Marktanalyse Einleitung

I. Marktanalyse

1. Einleitung

Das erhebliche Marktpotential, das sich aus der Nutzung von Geodaten

ergibt, ist in Fachkreisen unbestritten. Dessen ungeachtet

hat sich der Geodatenmarkt in den letzten Jahren nur schleppend

entwickelt. Dies liegt hauptsächlich an den hohen Markteintrittsbarrieren,

vor allem an dem insgesamt intransparenten Angebot sowie

der mangelnden Verfügbarkeit von Daten.

Um die vorhandenen Datenbestände in Nordrhein-Westfalen

(NRW) wirksamer als bisher dem Markt zur Verfügung stellen zu

können und die Entwicklung des regionalen Geodatenmarktes zu

fördern, wurde von der Staatskanzlei des Landes NRW im Rahmen

der Landesinitiative „Media NRW“ das Projekt „Aktivierung

des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalenins Leben gerufen.

Ziel ist es, eine Geodateninfrastruktur (GDI) aufzubauen, die allen

Marktteilnehmern den Zugang zu Geodaten erleichtert.

Der neue Ansatz des GDI-Projektes besteht darin, eine integrierte

Bereitstellung der benötigten Geodaten für den Kunden zu ermöglichen,

um zu vermeiden, dass dieser sich wie bisher einzelne Datenquellen

selbst zusammenstellen muss.

Der GDI-Ansatz:

Von der einzelnen Zusammenstellung zur integrierten Bereitstellung

Katasterkarte Grünflächenkarte Verkehrskarte

Künftig

Kunde

Kunde

Bisher

- 4 -

Kunde

Kunde

Bislang ist das Angebot auf dem Geodatenmarkt mehrheitlich technikgetrieben

und spricht daher nur ein spezialisiertes Publikum an.

Um die betriebswirtschaftlichen Aspekte des Geodatenmarktes zu

untersuchen, hat die Staatskanzlei NRW im Rahmen des GDI-

Projektes MICUS Management Consulting GmbH damit beauftragt,

eine Marktstudie zu erstellen.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Integrierte Bereitstellung

von Geodaten

Marktstudie untersucht die

betriebswirtschaftlichen As-

pekte des Geodatenmarktes


Marktanalyse Einleitung

Die Marktstudie gliedert sich in zwei Teile:

Teil 1 Analyse

Teil 2 Konzeption

In der Analyse wird der Ist-Zustand des Geodatenmarktes dargestellt.

Da dieser derzeit stark angebotsgetrieben ist, insbesondere

im Hinblick auf öffentliche Anbieter, liegt auch der Schwerpunkt der

Analyse in der Darstellung der Anbieterseite: Es werden zunächst

öffentliche Datenanbieter betrachtet, danach die privaten Anbieter

von Geodaten und Geodatenprodukten und schließlich wird die

Kundenseite untersucht.

Da die privaten Marktteilnehmer in der Regel nicht regional auf

Nordrhein-Westfalen begrenzt sind, sondern bundesweit oder international

agieren, ist auch die Analyse nicht auf Nordrhein-

Westfalen beschränkt.

In der Konzeption wird der umgekehrte Ansatz verfolgt: Der künftige

Geodatenmarkt wird ausgehend von der Nachfrageseite – also

aus Kundensicht – konzipiert und daraus die Anforderungen an

Geodatenprodukte und Anbieter abgeleitet.

Zum Abschluss wird aufgezeigt, welche Maßnahmen das Land

NRW ergreifen sollte, um den Geodatenmarkt zu stimulieren. Diese

Maßnahmen sind in Form konkreter politischer Handlungsempfehlungen

formuliert.

Da der Geodatenmarkt bisher nicht eindeutig definiert ist, haben

wir einen breiten Methodenmix gewählt, um umfassende und aussagekräftige

Informationen zu erhalten. Im einzelnen wurden die

folgenden Methoden angewandt:

Es wurden 345 Anwendungen, über 100 Anbieter sowie 16 öffentliche

und private Geodatenportale untersucht und systematisch

ausgewertet.

Den Schwerpunkt bildeten Fachliteraturrecherchen sowie die Analyse

des Informationsmaterials verschiedener Hersteller von Geodatenprodukten

und Material aus den Anfragen im Bundestag und

dem Landtag NRW.

Zwei Studien fanden darüber hinaus besondere Berücksichtigung:

Commercial exploitation of Europe’s public sector information,

Pira International Ltd., University of East Anglia and Know-

ledgeView Ltd., European Commission, Sept. 2000

Spatial Data Clearinghouse Saar-Lor-Lux, CLEAR, Universität

des Saarlandes, März 2000

Als Basis für repräsentative Aussagen wurde ein Fragebogen entwickelt

und an alle kommunalen Vermessungs- und Katasterämter

in NRW und andere öffentliche Einrichtungen auf kommunaler und

Landesebene sowie an private Anbieter gesandt und von MICUS

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Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Breiter Methodenmix,

bestehend aus ...

Internetrecherche

Dokumentenanalyse

118 Fragebögen


Marktanalyse Einleitung

Management Consulting GmbH ausgewertet. Bei 118 verschickten

Fragebögen und einem Rücklauf von 67 Fragebögen (57%) konnten

so aussagefähige, repräsentative Ergebnisse erzielt werden.

Sie bilden die Grundlage für unsere eigenen Erhebungen und

Auswertungen.

Es wurden 3 Interviews mit Vertretern des Landesvermessungs-

amtes NRW und des Innenministeriums sowie mit zehn privaten

Anbietern und Forschungseinrichtungen geführt. Auch mit Vertretern

von Unternehmen, die Geodaten nutzen, wurden insgesamt

fünf Interviews durchgeführt.

Um die Kundenwünsche zu ermitteln, wurde ein Kundenworkshop

mit Vertretern der öffentlichen Geodatenanbieter, Herstellern von

Anwendungen sowie (potentiellen) Kunden durchgeführt.

In einem zweiten Workshop wurden Konzepte für die Entwicklung

neuer Dienstleistungen gemeinsam mit Vertretern verschiedener

Anbieter von Geodatenprodukten entwickelt.

Es wurden für alle Branchen bestehende und potentielle Anwendungsbereiche

für Geodatenprodukte ermittelt, um deren Potential

abschätzen zu können. Dabei wurden 76 Anwendungen analysiert.

Die aus dem Methodeneinsatz gewonnenen Erfahrungen zeigen,

dass auf allen Seiten – Kunden und Anbietern – großes Interesse

daran besteht, Transparenz am Geodatenmarkt zu schaffen, da

sich derzeit die meisten Akteure untereinander nicht kennen und

vor allem die Anforderungen der Kunden häufig nicht bekannt sind.

Die vorliegende Marktstudie soll helfen, diese Informationslücke zu

schließen und eine Informationsbasis für alle Marktteilnehmer zu

schaffen. Für weitere Fragen steht MICUS Management Consulting

GmbH unter info@micus.de gerne zur Verfügung.

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Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

18 Interviews

2 Workshops

Nachfragescreening


Marktanalyse Angebotsanalyse

2. Angebotsanalyse

Der Begriff „Geodatenmarkt“ steht für eine Vielzahl von Anbietern

und Nachfragern, die sich in eine umfangreiche Wertschöpfungskette

einordnen lassen:

Anbieter von Geobasisdaten sind in der Regel öffentliche

Einrichtungen, die diese Daten erheben und damit den „Rohstoff“

für den Geodatenmarkt produzieren.

Datenveredler bereiten die Geobasisdaten nutzergerecht auf

oder fügen zusätzliche Informationen/ Inhalte hinzu. Die Datenveredlung

wird zum Grossteil durch private Unternehmen

wahrgenommen.

Dienstleister entwickeln auf Grundlage der Geodaten Anwendungen

oder individuelle Lösungen für ihre Kunden. Hier

handelt es sich hauptsächlich um private Unternehmen.

Endkunden können private Verbraucher sein, in der Regel

jedoch Firmen, die die jeweiligen Produkte in unterschiedlichsten

Bereichen ihres Betriebs einsetzen. In dieser Studie werden

vor allem Firmen als Endkunden betrachtet.

Die Analyse orientiert sich an dieser Wertschöpfungskette und beleuchtet

zunächst die Rolle der öffentlichen, danach die der privaten

Anbieter und schließlich die Kundenseite.

2.1 Öffentliche Anbieter von Geodaten

Öffentliche Anbieter von Geodaten finden sich auf kommunaler

aber auch auf Landes- und Bundesebene:

54 Vermessungs- und Katasterämter in NRW

Kommunalverband Ruhrgebiet

Landesvermessungsamt NRW

Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS)

Landesministerien und Sonderbehörden

Bundesministerien und nachgeordnete Behörden

Die öffentlichen Datenbestände wurden ursprünglich zur Erfüllung

hoheitlicher Aufgaben erstellt. Erst später, als die Bedeutung der

Daten als Wirtschaftsgut erkannt wurde, kam der Gedanke auf,

diese entgeltlich am Markt zur Verfügung zu stellen. Aus diesem

Grund sind auch heute noch die meisten öffentlichen Datenanbieter

wenig kundenorientiert und die Datenbestände weitgehend an

den Bedürfnissen der öffentlichen Verwaltung ausgerichtet.

2.1.1 Die Vermessungs- und Katasterämter

Aufgrund der Kommunalisierung des Liegenschaftskatasters werden

die Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK) und das Automatisierte

Liegenschaftsbuch (ALB) sowie die Deutsche Grundkarte

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Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Anbieter und Nachfrager in

der Wertschöpfungskette

Kommunale Anbieter

Anbieter auf Landesebene

Anbieter auf Bundesebene

Produkte der Vermessungs-

und Katasterämter


Marktanalyse Angebotsanalyse

(DGK 5) in Nordrhein-Westfalen dezentral von den 54 Vermessungs-

und Katasterämtern der Landkreise geführt.

Neben diesen Kernprodukten bieten die Vermessungs- und Katasterämter

teilweise noch weitere Geodatenprodukte an, die aber

hinsichtlich der Maßstäbe und Verfügbarkeit uneinheitlich sind und

meist nur vereinzelt geführt werden:

Stadtgrundkarte (Maßstab 1:500 – 1:1.000)

Stadtplan (Maßstab 1:15.000 – 1:20.000)

Digitale Orthofotos

Digitales Geländemodell (DGM)

Topografische Lagepläne

Stadtkarte (Maßstab 1:50.000)

Topografischer Atlas

Damit sind die Vermessungs- und Katasterämter die Hauptanbieter

von Geodaten auf kommunaler Ebene und die klassischen Ansprechpartner

für einen Großteil der Geodatennutzer. Dabei

kommt es jedoch zu Problemen hinsichtlich der Verfügbarkeit und

Qualität der öffentlichen Geodaten.

Während die ALK als Vektordatenbestand erstellt und vorgehalten

wird, wird die DGK 5 in der Regel nur im Rasterdatenformat geführt:

Nur 6% der DGK 5 liegen als Vektordatenbestand vor. Ein

neues Verfahren ermöglicht es allerdings, die DGK 5 aus der ALK

im Vektordatenformat abzuleiten, so dass die Möglichkeit besteht,

mit überschaubarem Aufwand einen flächendeckenden Vektordatenbestand

der DGK 5 zu schaffen. Erste Vermessungs- und Katasterämter

haben mit gutem Erfolg damit begonnen, aber in den

meisten Ämtern wird diese Technik noch nicht eingesetzt. Daher

ist damit zu rechnen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis

die DGK 5 als flächendeckender Vektordatenbestand vorliegt.

Bei der ALK lagen zum Jahresende 1999 insgesamt 66% der Landesfläche

vor und nur in neun Kreisen war bereits die vollständige

Fläche in der ALK abgebildet. Insgesamt sind die jeweiligen Bearbeitungsstände

der Vermessungs- und Katasterämter bei der ALK

sehr unterschiedlich.

In der Regel weisen vor allem die Ballungsräume einen recht guten

Bearbeitungsstand auf, während in ländlichen Regionen die ALK

teilweise nur unvollständig vorliegt. Die mangelnde Verfügbarkeit

der ALK-Daten in einigen Bereichen bildet aber eine große Marktbarriere,

denn nur wenn die Geobasisdaten flächendeckend zur

Verfügung stehen, können daraus marktfähige Geodatenprodukte

oder Dienstleistungen entwickelt werden.

- 8 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Raster- und Vektor-

datenbestände

Zwei Drittel der Landesfläche

liegen als ALK vor


Marktanalyse Angebotsanalyse

66% der Fläche von NRW liegen als ALK vor

Kleve

Kreis

Aachen Düren

Stadt

Aachen

Borken

Coesfeld

Wesel Recklinghausen

Steinfurt

Rhein-Sieg-Kreis

Münst er

Warendorf

Hamm

Viersen

BottropGelsenkirchen

Unna

Ober- Herne Dortmund

hausenDuis-

Essen Bochum

burg

Mühlheim

a.d.R.

Ennepe-

Hagen

Krefeld

Ruhr-

Kreis

Mettmann

Düsseldorf

Wuppertal

Märkischer

Kreis

Mönchengladbach

Neuss

SoRemscheidlingenRheinisch- Heinsberg

LeverbergischerkusenOber- Kreis bergischer

Kreis

Erftkreis Köln

Euskirchen

Bonn

Olpe

Soest

Gütersloh

Hochsauerlandkreis

Siegenwittgenstein

Minden-Lübbecke

Herford

Bielefeld

- 9 -

Lippe

Paderborn

Ein weiteres Problem stellt die Aktualität der Daten dar, da viele

Vermessungs- und Katasterämter nicht über die notwendigen finanziellen

und personellen Ressourcen verfügen, die aufwendige

Erstellung der ALK zeitnah durchzuführen. In der Folge kommt es

zu deutlichen Qualitätsunterschieden hinsichtlich Aktualität und

Genauigkeit bei den verschiedenen ALK-Beständen.

Das gleiche gilt für die DGK 5, die ebenfalls nicht in einem einheitlichen

Turnus aktualisiert wird. Eine laufende Aktualisierung findet

zwar statt, für den Kunden ist es jedoch schwierig zu identifizieren,

wie aktuell die jeweiligen Datenbestände tatsächlich sind. Viele

Anwender benötigen jedoch sehr aktuelle und genaue Daten –

insbesondere als Planungsgrundlage.

Ein weiteres Problem bei der flächendeckenden Bereitstellung der

ALK sind die verschiedenen eingesetzten Geoinformationssysteme.

So werden in den Vermessungs- und Katasterämtern insgesamt

12 GIS-Anwendungen verwendet, wobei bei der Erstellung

der ALK sowie der Datenhaltung vier Systeme dominieren. ALK-

GIAP ist in NRW das vorherrschende System, was insofern überrascht,

dass außerhalb der Vermessungsverwaltung diese Software

eher wenig verbreitet ist.

Die Datenabgabe erfolgt entsprechend der verschiedenen Systeme

in unterschiedlichen Formaten. Dabei fällt auf, dass die meisten

dieser Austauschformate nicht den Sachdatenbezug der Gra-

Höxter

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

in % der Fläche

90 - 100 %

75 - 89 %

50 - 74 %

25 - 49 %

0 - 24 %

Erfassung

Stand 01.01.2000

Mangelnde Aktualität

Heterogene Systeme

Unterschiedliche

Austauschformate


Marktanalyse Angebotsanalyse

fikdaten bedienen. Für DGK 5-Daten werden hauptsächlich die

Formate TIFF oder DXF verwendet. Lediglich für die Abgabe von

ALK-Daten wird mit EDBS einintelligentes“ Format verwendet,

das zwar die Verknüpfung zu Sachdaten erlaubt, jedoch schwer zu

handhaben ist. Die Wahl der Formate hängt allerdings auch von

den Anforderungen der Kunden ab, die häufig nicht über die Verwendung

und die Möglichkeiten von Vektordaten informiert sind.

Neben den Austauschformaten der Vermessungs- und Katasterämter

wurden die im Landesvermessungsamt sowie dem Landesamt

für Datenverarbeitung und Statistik verwendeten Austauschformate

untersucht. Dabei zeigt sich, dass zwischen den öffentlichen

Datenanbietern in NRW Uneinheitlichkeit im Hinblick auf

die verwendeten Formate herrscht: So wird das häufigste Austauschformat

der Vermessungsämter, DXF, weder vom Landesvermessungsamt

noch dem LDS eingesetzt. Hier dominiert zur

Abgabe der topografischen Kartendaten das Format TIFF. Damit

werden innerhalb der Vermessungs- und Katasterämter, aber auch

zwischen den verschiedenen Behörden unterschiedliche Formate

eingesetzt. Die Transformation in ein anderes Datenformat bedeutet

jedoch für den Kunden einen zusätzlichen Aufwand.

Für die Topografie wird meist TIFF als Austauschformat eingesetzt, bei der ALK

wird häufig EDBS genutzt

Anteil der Austauschformate in %

70

60

50

40

30

20

10

0

DXF

Shape

Quelle: Eigene Erhebung

SICAD

ARF

TIFF

ASCII

EDBS

ALK GIAP

- 10 -

Sonstige

Die Datenbestellung erfolgt heute in der Regel per Post (39%) oder

Fax (24%). Teilweise werden die Daten auch persönlich (17%)

oder telefonisch (12%) bestellt. Dahingegen ist die Bestellung per

E-mail mit einem Anteil von 8% bisher eher die Ausnahme und eine

Bestellung über das Internet ist derzeit nicht möglich und auch

nicht vorgesehen. Damit dominieren konventionelle Bestellwege.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Uneinheitliche Austauschformate

auch zwischen den

öffentlichen Anbietern

Verm.Ämter

LVA NRW

LDS NRW

Konventionelle Bestellwege

dominieren


Marktanalyse Angebotsanalyse

Heute werden digitale Daten in der Regel per Post oder Fax bestellt

Anteil an den Bestellungen in %

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Persönlich

Quelle: Eigene Erhebung

Post

Telefon

Fax

E-Mail

- 11 -

Internet

Ähnlich gestaltet sich die Situation bei der Datenabgabe: Die Lieferung

erfolgt in der Regel auf CD-ROM oder Diskette. Die Möglichkeit

der Datenabgabe über das Netz wird zwar innerhalb der

Stadtverwaltungen über das Behördenintranet bereits genutzt,

aber die Abgabe von Daten an Dritte über das Netz ist bisher die

Ausnahme. Dies hat sicher zum Teil auch technische Gründe, da

die Übertragung großer Datenmengen nach wie vor problematisch

ist. Dennoch ist festzustellen, dass das Internet als effizienter Vertriebsweg

bisher nur von wenigen Vermessungs- und Katasterämtern

erkannt wurde.

Da weder das Angebot an den Anforderungen des Marktes ausgerichtet

noch ein marktgerechtes Vertriebssystem entwickelt wurde,

ist die Einnahmesituation der Vermessungs- und Katasterämter

schlecht: Der Kostendeckungsgrad liegt insgesamt bei nur 20%,

der Anteil des elektronischen Karten-Datenvertriebs an den Gesamteinnahmen

nach Schätzung der Vermessungsämter bei nur

etwa 30%. 1999 erzielten die Vermessungs- und Katasterämter mit

digitalen Daten Einnahmen von 1,296 Mio. DM – das sind weniger

als 40 TDM pro Katasteramt:

Davon stammen 650 TDM aus dem Verkauf der DGK 5

Weitere 646 TDM wurden mit erweiterten Nutzungsrechten

erzielt

Zu den Umsätzen aus dem Verkauf von ALK-Daten gibt es keine

Aufzeichnungen. Hier gibt es viele bilaterale Verträge, z.B. mit

Versorgungsunternehmen, die derzeit nicht gesondert erfasst sind.

Der Anteil, den die digitalen Daten an den Gesamteinnahmen der

Vermessungsämter in NRW ausmachen, ist in letzter Zeit auch

nicht gestiegen – im Jahr 2000 lag er sogar unter dem Vorjahresdurchschnitt.

Dieses Ergebnis zeigt die geringe Rolle, die die Daten

der Vermessungsämter bisher am Markt spielen.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Datenabgabe auf Datenträger

Geringe Einnahmen


Marktanalyse Angebotsanalyse

Weitere Gründe sind in den hohen Preisen und in den restriktiven

Nutzungsrechten zu sehen.

So sind amtliche Geobasisdaten derzeit für private Kunden abschreckend

teuer: Beispielsweise würde der Preis für den gesamten

ALK-Datenbestand bei etwa 40 Mio. DM liegen. Für Kunden,

die die gesamte Landesfläche für ihre Anwendungen benötigen,

würde der Erwerb der ALK-Daten eine erhebliche Investition bedeuten,

und darin sind noch keine Folgekosten – z.B. für die Aktualisierung

– enthalten.

Die Ursache für dieses Missverhältnis liegt im Gebührensystem

der Vermessungs- und Katasterämter, das stark vom Kostendeckungs-

bzw. Äquivalenzprinzip geprägt ist. Es wurde mit dem Ziel

konzipiert, die hohen Kosten der originären Datengenerierung mit

den Verkaufserlösen zu decken. Dabei wurde jedoch nicht berücksichtigt,

dass es sich bei den Geodaten der Vermessungs- und Katasterämter

um Basisdaten handelt, die ohne weitere Bearbeitung

bzw. Veredlung für die meisten Anwender von nur geringem Nutzen

sind. Oder anders ausgedrückt: die Vermessungs- und Katasterämter

stehen am Anfang der Wertschöpfungskette; ihre Daten

bilden zwar einen wichtigen Rohstoff für den Markt, sind aber für

sich genommen nur von geringem Gebrauchswert. Der eigentliche

Mehrwert für die Nutzer entsteht erst mit der Datenveredlung – das

heißt in der Regel Ergänzung von Informationsebenen – durch

entsprechende Dienstleister, obwohl diese mit deutlich geringeren

Kosten verbunden ist als die eigentliche Datengenerierung. Dieser

Zusammenhang wird als Wertschöpfungs-Paradoxon bezeichnet.

Das „Wertschöpfungs-Paradoxon“: Der Wert entsteht erst durch Hinzufügung

weiterer Dienste

Anbieter 1. Dienstleister 2. Dienstleister

Geobasisdaten

Geobasisdaten

InformationsInformationsprodukteprodukte

InformationsInformationsprodukteprodukte

niedrig MARKTWERT hoch

hoch KOSTEN niedrig

Darüber hinaus behindern die teilweise restriktiven Regelungen zu

den Nutzungsrechten die Entwicklung des Geodatenmarktes. Die

Lizenzverhandlungen sind häufig kompliziert, mehrseitige Verträge

haben eine abschreckende Wirkung auf den Kunden. Diese Pro-

blematik wird in den Ausführungen zum Landesvermessungsamt

vertieft dargestellt.

- 12 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Hohe Preise und restriktive

Nutzungsrechte

Kostenorientiertes

Gebührensystem


Marktanalyse Angebotsanalyse

Ein weiteres Problem tritt beim Bezug der ALK auf: Es gibt keine

Stelle, von der alle ALK-Daten des Landes bezogen werden können.

Darüber hinaus sind aufgrund von Qualitätsunterschieden die

Datenbestände an den Verwaltungsgrenzen nicht immer deckungsgleich,

so dass eine Nachbearbeitung erforderlich ist. Dieses

Problem wurde erkannt: Das Landesvermessungsamt will ein

Geodatenzentrum schaffen, in dem die ALK-Daten bezirksübergreifend

bereit gehalten werden sollen. Aufgrund der sehr heterogenen

Systemlandschaft und damit auch vieler Schnittstellen ist

jedoch mit Schwierigkeiten in der Praxis zu rechnen.

Für Kunden, die Daten verschiedener Bundesländer benötigen, erhält

das Problem der Uneinheitlichkeit eine weitere Dimension, da

in diesem Fall einzeln mit Vermessungsämtern verschiedener

Bundesländer verhandelt werden muss. Für gleiche Daten verschiedener

Bundesländer gelten aber häufig unterschiedliche Preise

und Nutzungsrechte-Regelungen, so dass das Gebühren- und

Lizenzsystem für den Kunden noch weniger nachvollziehbar wird.

In der Tat ist es nur schwer zu rechtfertigen, warum gleiche Daten

in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Preise haben.

Insgesamt ist festzustellen, dass die mangelnde Verfügbarkeit und

Aktualität der Daten, die fehlende Transparenz sowie zu hohe

Preise und restriktive Nutzungsrechte für die meisten Kunden eine

abschreckende Wirkung haben.

Die Haupthindernisse am Geodatenmarkt

Unwichtig Wichtig

Daten zu teuer

Daten nicht verfügbar

Mangelnde Markttransparenz

Zu hohe Anforderungen an Hard- und Software

Nutzungsrechte zu einschränkend

Zu hohe Anforderungen an das Personal

Bestellung, Lieferung und Bezahlung zu umständlich

Quelle: Eigene Erhebung, Anbieterfragebögen

Die Vermessungs- und Katasterämter sind sich dieser Problematik

bewusst und bereit, Änderungen herbeizuführen. Im einzelnen

werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

- 13 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Aktualität der Daten

Unterschiedliche Preise

für Daten aus verschiedenen

Bundesländern


Marktanalyse Angebotsanalyse

Maßnahmen zur Aktivierung des Geodatenmarktes aus Sicht der Katasterämter

Anteil an den Nennungen

30%

25%

20%

15%

10%

5%

0%

Preise senken

Marketing/Werbung

Gebührenordnung vereinfachen

Flächendeckende Datenbestände

Nachfragegerechte Datenbestände

Quelle: Eigene Erhebung

Datenaustausch/Handhabung vereinfachen

Abgabe über Internet ermöglichen

Transparenz schaffen

Einheitliche Abgabestelle einrichten

Konfektionierte Angebote schaffen

Aktualität erhöhen

Dienstleistungen entwickeln

Daten als amtlichen Nachweis zulassen

Neben den Vermessungs- und Katasterämtern tritt der Kommunalverband

Ruhrgebiet (KVR) als eigenständiger Datenanbieter

auf. Im einzelnen geht es dabei um folgende Produkte:

Stadtplanwerk

Flächennutzungskarten

Orthofotos

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das Stadtplanwerk,

das aus 126 Einzelblättern im Maßstab 1:10.000 besteht

und flächendeckend für das gesamte Gebiet des KVR als Vektordatenbestand

vorliegt. Auch die Flächennutzungskarten werden

als Vektordaten angeboten.

Die Bestellung erfolgt vergleichsweise kundenfreundlich: Alle Karten

können auf der Internetseite des KVR als frei gewählter Ausschnitt

betrachtet werden, so dass ein Interessent schnell erkennt,

ob und in welcher Qualität der von ihm gewünschte Datenbestand

vorliegt. Die Bestellung der Karten selbst kann ebenfalls komfortabel

online erfolgen. Die Nummer der jeweiligen Einzelblätter wird in

einer Übersichtstabelle abgelesen, so dass seitens der Kunden

keine Kenntnisse bezüglich der Koordinaten erforderlich sind. Damit

hat sich neben den Vermessungs- und Katasterämtern eine

weitere öffentliche Einrichtung als Anbieter von Geodaten etabliert.

Weitere Datenanbieter auf kommunaler Ebene können die

verschiedenen Fachbehörden der Stadtverwaltungen sein, die

selbst teilweise umfangreiche Planungen und thematische Karten

auf Basis der Daten der Vermessungs- und Katasterämter erstellen.

Diese Datenbestände stehen aber nicht für externe Kunden

zur Verfügung, obwohl dafür eine Nachfrage besteht.

- 14 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Daten des Kommunal-

verbandes Ruhrgebiet

Thematische Kartenwerke

der Kommunalverwaltungen


Marktanalyse Angebotsanalyse

Innerhalb einer Kommunalverwaltung gibt es neben dem Vermessungs-

und Katasteramt bis zu zehn Ämter, die über eigene Datenbestände

verfügen:

(1) Amt für Stadtentwicklung

(2) Amt für Statistik und Wahlen

(3) Bauverwaltung

(4) Forstbehörde

(5) Gartenbauamt

(6) Liegenschaftsamt

(7) Stadtplanungsamt

(8) Tiefbauamt

(9) Umweltamt

(10) Verkehrsbehörde

Dabei lassen sich rund 40 verschiedene Pläne – in manchen

Stadtverwaltungen sogar über 60 – unterscheiden. Es fehlt aber

eine Übersicht, welche Pläne bereits digital erstellt und wo digitale

thematische Karten für bestimmte Gebiete geführt werden. Daher

weiß kaum eine Behörde, welche Daten/ Pläne andere Behörden

vorhalten und ob diese schon in digitaler Form vorliegen.

Die Anwendungen der kommunalen Behörden sind eng miteinander

verflochten – für jedes kommunale Datenprodukt gibt es zwischen

fünf und zehn potentielle kommunale Nutzer. Ein Datenaustausch

findet aber kaum statt. Online-Zusammenarbeit ist die Ausnahme.

In der Folge kommt es zu Doppelerfassungen von Informationen

und aufgrund der mangelnden Abstimmung bei der Datenerstellung

zu Systembrüchen oder Verschneidungsproblemen. Eine

Clearingstelle existiert in den meisten Kommunen nicht.

Insgesamt ist damit das Angebot der öffentlichen Datenanbieter

auf kommunaler Ebene äußerst intransparent, und zwar sowohl

hinsichtlich der Inhalte als auch in bezug auf die Aktualität und Verfügbarkeit.

Die Daten werden uneinheitlich und dezentral geführt

und bleiben so vielen Unternehmen unzugänglich.

2.1.2 Das Landesvermessungsamt

Das Landesvermessungsamt bietet folgende digitale Produkte an:

Stadt- und Regionalpläne 1:10.000

Top 10

Top 50

Top 50Sat

Top 200

Digitale Situationsdaten (DLM 25)

Rasterdaten topografischer Landeskarten

RDGK 5

GRTK 25

- 15 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kaum Datenaustausch auf

kommunaler Ebene

CD-ROM-Produkte

Digitale Daten


Marktanalyse Angebotsanalyse

RTK 50

RTK 100

RNRW500S (Straßenkarte)

Digitale Reliefdaten

DGM 5

DGM 25

Digitale Verwaltungsgrenzen

Wohnplatzverzeichnis (Ortsnamen mit Koordinatenangaben)

Digitale Orthobilder

Bei den CD-ROM-Produkten handelt es sich um konfektionierte topografische

Karten, die als Rasterdaten auf CD-Rom abgegeben

werden. Während die Top 50 (Maßstab 1:50.000) flächendeckend

vorliegt, kann die Serie Top 10 (Maßstab 1:10.000) nur für Teile

der Landesfläche bezogen werden und wird auch nicht mehr vervollständigt.

Bei Top50Sat handelt es sich um eine Kombination

aus Satellitenbildern und topografischen Kartendaten. Top200 bildet

ganz Deutschland im Maßstab 1:200.000 ab.

Die digitalen Daten werden individuell als Ausschnitt aus dem jeweiligen

Kartenwerk bzw. für einen beliebigen Teil der Erdoberfläche

bereitgestellt. Als Vektordaten werden das DLM, die Verwaltungsgrenzen

und das DGM angeboten; die anderen digitalen Daten

sind Rasterdaten.

Hinsichtlich Vertrieb, Preisen und Nutzungsrechten herrscht beim

Landesvermessungsamt eine ähnliche Situation wie bei den Vermessungs-

und Katasterämtern. Auffällig sind folgende Aspekte:

Alle Produkte verkauft das Landesvermessungsamt sowohl selbst,

als auch über Vertriebspartner. Endkunden werden in der Regel

über kommerzielle Vertriebssysteme erreicht (90% Umsatz im analogen

Bereich über den Buchhandel; 50% Umsatz im digitalen Bereich

über Vertriebspartner).

Bestellungen beim Landesvermessungsamt müssen schriftlich

oder per Fax anhand eines Vertragsformulares aufgegeben werden

– Online-Bestellungen sind nicht möglich, Bestellungen per

E-mail die Ausnahme. Die Datenabgabe erfolgt auf DAT oder CD –

Datenabgaben über das Netz sind noch nicht möglich. Eine Ausnahme

bildet der E-mail-Versand.

Das Landesvermessungsamt verfügt nur über geringe personelle

und finanzielle Kapazitäten zum Aufbau geeigneter Vertriebsstrukturen.

Das Marketingbudget ist äußerst gering, die Zahl der Mitarbeiter

im Vertrieb für eine aktive Marktbearbeitung zu niedrig. Vor

diesem Hintergrund erscheint die Zusammenarbeit mit privaten

Vertriebspartnern besonders wichtig, da diese freier am Markt

agieren können als das Landesvermessungsamt, insbesondere im

Hinblick auf Marketing und Preisgestaltung.

- 16 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Luftbilderzeugnisse

Konventionelle Bestellung

und Datenabgabe

Geringe Kapazitäten

im Vertrieb


Marktanalyse Angebotsanalyse

Das Landesvermessungsamt verfolgt dementsprechend keine

konsequente Werbestrategie: Die Möglichkeiten im Umgang mit

Geodaten werden bisher zu wenig herausgestellt.

Das häufigste Abgabeformat ist TIFF. Daneben werden ASCII und

ARF eingesetzt. Bei der Darstellung von DLM oder Digitalen Verwaltungsgrenzen

liegt der Anteil von EDBS bei nur 6%. Damit dominieren

„unintelligente“ Formate, die den Sachdatenbezug nicht

abbilden, was angesichts der Tatsache, dass die am meisten

nachgefragten Produkte Rasterdaten sind, nicht überrascht.

Die Einnahmen sind gering: Der Anteil der digitalen Daten an den

Gesamteinnahmen des Landesvermessungsamtes liegt bei nur

25%. Die Preise sind ähnlich wie bei den Vermessungs- und Katasterämtern

recht hoch: So würde zum Beispiel der Bezug der TK

25 als Rasterdaten, getrennt in einzelne Layer, für ganz Nordrhein-

Westfalen einschließlich der Randflächen (insgesamt 317 Einzelblätter)

rund 100.000 DM kosten.

Im Jahr 1999 wurden nur geringe Umsätze in Höhe von rund 1,9

Mio. DM mit digitalen Produkten, einschließlich der Umsätze der

Vertriebspartner, erzielt:

Stückentgelte: 561 TDM

Rasterdaten: 670 TDM

CD-ROM-Produkte: 672 TDM

Die Stückentgelte belaufen sich auf fast 30% des Gesamtumsatzes

und beruhen ausschließlich auf Verträgen mit Ressorts der

Landesverwaltung sowie zwei Firmenkunden. Über ein Drittel der

Umsätze stammt aus dem Verkauf der konfektionierten CD-ROMs,

was den hohen Stellenwert von Standardprodukten verdeutlicht.

Der Umsatz des Landesvermessungsamtes mit digitalen Daten basiert auf drei fast

gleich großen Einnahmequellen

Standardprodukte

35%

672 TDM 670 TDM

561 TDM

Stückentgelte (key accounts)

30%

Rasterdaten

35%

- 17 -

Summe 1999:

1.903 TDM

Quelle: LVermA Bonn

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Verkaufszahlen

bei den Orthofotos interessant: Nachdem zu Beginn des Jahres

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

„Unintelligente“ Austausch-

formate dominieren

Niedrige Einnahmen

Ein Drittel des Umsatzes wird

mit Standardprodukten erzielt


Marktanalyse Angebotsanalyse

2000 die Preise für digitale Orthofotos deutlich gesenkt wurden,

kam es zu einer starken Nachfrageerhöhung, so dass insgesamt

keine Einnahmerückgänge zu verzeichnen waren. Dies verdeutlicht,

dass kundenorientiertes Pricing nicht im Widerspruch zum

Ziel der Kostendeckung stehen muss.

Nach eigenen Angaben hat das Landesvermessungsamt insgesamt

maximal 500 verschiedene Kunden und erhält knapp 800

Aufträge pro Jahr. Das bedeutet, es werden durchschnittlich 3.800

DM pro Kunde im Jahr erzielt, wobei jedoch davon auszugehen ist,

dass die Umsätze im wesentlichen durch einige Großkunden erwirtschaftet

werden.

Eine beträchtliche Marktbarriere stellen – wie bei den Vermessungs-

und Katasterämtern – neben hohen Preisen die zum Teil

restriktiven Bestimmungen hinsichtlich der Nutzungsrechte dar.

Beim Bezug von Datenprodukten werden Rabatte in Abhängigkeit

von der Stückzahl gewährt, wobei Wiederverkäufer bei gleicher

Stückzahl einen höheren Rabatt als Endverbraucher erhalten.

Da die Vermessungsverwaltung für alle Datenprodukte die Urheberrechte

besitzt, ist die Vervielfältigung dieser Produkte – sowohl

zur Weitergabe an Dritte als auch zur internen Verwendung – untersagt.

Wenn die Datenprodukte an mehr als einem Arbeitsplatz

eingesetzt werden sollen, müssen daher Nutzungsrechte erworben

werden, deren Preis sich wiederum nach der Zahl der Nutzerarbeitsplätze

richtet. Zum Erwerb von Nutzungsrechten muss ein

Vertrag abgeschlossen werden, in dem Nutzungsumfang und Verwendungszweck

angegeben sind. Die Nutzungsrechte an Datenprodukten

erhält der Kunde vom Landesvermessungsamt – ausgenommen

Nutzungsrechte an der DGK 5, für die die Vermessungs-

und Katasterämter zuständig sind, sofern sie sich auf ein

Gebiet beziehen, das nicht wesentlich über den Zuständigkeitsbereich

des einzelnen Katasteramtes hinausgeht.

Ist eine kommerzielle Weiterverwendung der Daten vorgesehen,

so muss der Kunde Stückentgelte entrichten. Diese können als

Prozentsatz des Nettoverkaufspreises des Folgeprodukts oder als

einmalige Zahlung vereinbart werden. Die Höhe des Stückentgeltes

richtet sich danach, in welchem Umfang die ursprüngliche Datenbasis

verändert wurde und inwieweit sie den Gebrauchswert

des Folgeproduktes beeinflusst.

In der Konsequenz bedeutet das für die Unternehmen, dass sie für

die Vertragsverhandlung abschätzen müssen, in welcher Auflage

er sein Produkt voraussichtlich verkaufen wird. Abgesehen davon

ist der Anteil der Geobasisdaten am Gebrauchswert eines Produktes

in den meisten Fällen nur grob abschätzbar, so dass die Ermittlung

der Stückentgelte oft nicht nach objektiven und nachvollzieh-

- 18 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Restriktive Bestimmungen

hinsichtlich der Nutzungs-

rechte

Nutzungsrechte in

Abhängigkeit von der Zahl

der Nutzerarbeitsplätze

Stückentgelte bei kommerzieller

Weiterverwendung

Komplizierte Vertrags-

verhandlungen und

umfangreiche Verträge


Marktanalyse Angebotsanalyse

baren Kriterien erfolgt. Daher sind für den Erwerb von Geodaten

häufig umfangreiche Verträge erforderlich.

Ähnlich wie bei den Vermessungs- und Katasterämtern zeigt damit

auch der Marktauftritt des Landesvermessungsamtes Schwächen:

Bestellung und Vertrieb können noch kundengerechter gestaltet

werden. Wesentliche Hemmnisse sind die hohen Preise und restriktiven

Nutzungsrechte-Regelungen.

2.1.3 Weitere Datenanbieter des Landes

Das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) nimmt

die Funktion einer Clearingstelle und eines zentralen Datenbereitstellers

für die Landesministerien und nachgeordneten Behörden

ein. Aufgabe des LDS ist es, Transparenz darüber zu schaffen,

welche Daten in den verschiedenen Landesbehörden verfügbar

sind, und den Datenaustausch zwischen den Ressorts zu vereinfachen.

Zu diesem Zweck wurde ein Geodatenserver im LDS eingerichtet,

auf dem thematische Karten, die in den einzelnen Ressorts

erstellt wurden, vorgehalten werden sollen. Auf diese Weise sollen

Doppelerhebungen vermieden und ungenutzte Informationspotentiale

erschlossen werden.

Die Daten werden aber nur Ministerien und nachgeordneten Behörden

des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt –

eine Öffnung für private Unternehmen ist nicht vorgesehen.

Diese Daten basieren in der Regel auf Material des Landesvermessungsamtes.

Über umfangreiche Datenbestände verfügen vor

allem das Landesumweltamt, die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung

und Forsten sowie das Geologische Landesamt.

Neben dem Vorhalten dieser Daten ist es geplant, eigene statistische

Daten des LDS zu georeferenzieren und über den Geodatenserver

zur Verfügung zu stellen, z.B. Wirtschaftsdaten oder geografische

Daten. Hier zeigt sich, dass es bisher versäumt wurde,

die vielfältigen Statistikdaten des Landes zu georeferenzieren und

einer breiten Öffentlichkeit in dieser Form anzubieten. Folglich sind

die Vorteile von auf diese Weise grafisch aufbereiteten Daten den

meisten Nutzern unbekannt und dieser Vertriebsweg für öffentliche

Daten und Informationen komplett unerschlossen.

Auch beim LDS ist TIFF mit einem Anteil von 65% das vorherrschende

Abgabeformat: Die Datenabgabe erfolgt derzeit auf CD-

ROM oder Band. Künftig soll nur bei großen Datenmengen die Datenabgabe

per CD-ROM stattfinden und ansonsten weitgehend

über das Netz erfolgen. Dabei bietet sich aufgrund der Funktion

des LDS als Behördendienstleister insbesondere die Nutzung des

Behördenintranets an.

- 19 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodatenserver im LDS

Daten werden nur für Landesbehörden

bereitgestellt

Noch keine georeferenzierten

statistischen Daten


Marktanalyse Angebotsanalyse

Insgesamt ist die Einrichtung des Geodatenservers im LDS, mit

dem Ziel einer höheren Transparenz zu begrüßen. Die einseitige

Ausrichtung als reiner Behördenserver ist jedoch bedauerlich, da

ein Teil der Datenbestände sicher auch für private Unternehmen

von Interesse wäre.

2.1.4 Bundesministerien und nachgeordnete Behörden

Da die Erhebung von Geobasisdaten verfassungsgemäß Länderaufgabe

ist, werden auf Bundesebene keine eigenen Geobasisdaten

erhoben, sondern bei Bedarf wird auf die Daten der Länder

für fachliche Planungen und Analysen zugegriffen. Die dabei

entstehenden Fachdaten werden dezentral in den jeweiligen Ministerien

und Bundesbehörden geführt. In der Folge besteht auf Bundesebene

keine ausreichende Transparenz darüber, wo welche

Daten gehalten werden. Dies führt dazu, dass es in verschiedenen

Ressorts oder Verwaltungsebenen zu Doppelerfassungen kommt

oder vorhandene Informationsquellen ungenutzt bleiben, da das

Vorhandensein entsprechender Datenbestände nicht bekannt ist.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1998 ein Interministerieller

Ausschuss für Geoinformationswesen (IMAGI) gebildet. Ziel des

IMAGI ist es, den Datenzugang für die Bundesverwaltung zu vereinfachen,

um eine effizientere Aufgabenerfüllung zu ermöglichen.

Hauptaufgabe des IMAGI ist dabei die Koordination des Geoinformationswesens

auf Bundesebene:

Bestandsaufnahme vorhandener Daten

Aufbau einer Metadatenbank

Förderung einer einheitlichen Entgeltpolitik auf Länderebene

Förderung der Harmonisierung und Standardisierung der Datenbestände

der Länder

Schaffung einer einheitlichen Vertretung nach außen (EU)

Zentraler Datenanbieter auf Bundesebene ist das Bundesamt für

Kartografie und Geodäsie (BKG) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums

des Inneren, das die Geodaten der Länder aufbereitet

und den Bundesministerien und nachgeordneten Behörden

zur Verfügung stellt. Das BKG erfüllt eine ähnliche Funktion als

Clearingstelle wie das LDS auf Landesebene. Zu diesem Zweck

wurde 1996 beim BKG das Geodatenzentrum (GDZ) eingerichtet,

dessen Funktion die Bereitstellung und der Vertrieb von Geobasisdaten

der Länder für öffentliche und private Unternehmen ist.

Die Internetseite des GDZ enthält eine Übersicht über alle verfügbaren

Geobasisdaten der Länder. Diese können als Rasterdaten

online bestellt werden.

- 20 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Mangelnde Transparenz

über Datenbestände auf

Bundesebene

Interministerieller Ausschuss

für Geoinformationswesen

Geodatenzentrum des BKG


Marktanalyse Angebotsanalyse

Im einzelnen werden folgende Daten angeboten:

Basis-DLM

DLM 1.000

DGM 50

DGM 250

DGM 1.000

VG 250

VG 1.000

GN 250

GN 1.000

DTK 25

DTK 200

DTK 500

DTK 1.000

Das GDZ stellt aber nicht nur Geobasisdaten für die Bundesverwaltung

bereit, sondern wurde auch mit dem Aufbau einer Metadatenbank

für die Fachdatenbestände der Bundesministerien und

nachgeordneten Behörden beauftragt. Diese Datenbestände sind

teilweise auch für private Unternehmen von Interesse. Folgende

Ressorts sind dabei von Bedeutung:

(1) Bundesministerium des Inneren

(2) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

(3) Bundesministerium der Finanzen

(4) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

(5) Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und

Landwirtschaft

(6) Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen

(7) Bundesministerium für Verteidigung

Die Fachdaten der verschiedenen Ressorts und nachgeordneten

Behörden sind jedoch in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Der

IMAGI hat sich aber nicht nur die Erhöhung der Transparenz über

die Geodaten innerhalb der Bundesverwaltung zum Ziel gesetzt,

sondern die Verfügbarkeit dieser Geodaten soll auch für private

Unternehmen erhöht werden. Auf diesem Gebiet besteht allerdings

noch erheblicher Handlungsbedarf.

Kunden, die Geobasisdaten der verschiedenen Bundesländer zu

kommerziellen Zwecken benötigen, können diese nicht von einer

zentralen Stelle beziehen, sondern müssen nach wie vor Einzelverhandlungen

mit den Vermessungsverwaltungen der verschiedenen

Bundesländer führen. Eine einheitliche Nutzungsrechte- und

Entgeltpolitik gibt es nicht.

- 21 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Digitale Landschaftsmodelle

Digitale Geländehöhenmodelle

Verwaltungsgrenzen

Geografische Namen

Topografische Karten

Fachdaten der Ressorts nicht

öffentlich zugänglich


Marktanalyse Angebotsanalyse

Über die Fachdatenbestände der Bundesverwaltung herrscht in

der Öffentlichkeit noch keine Transparenz. Für Unternehmen ist

nur schwer feststellbar, wo welche Daten vorliegen und wie bzw.

ob diese bezogen werden können. Insgesamt sind diese potentiellen

Quellen den meisten Nutzern unbekannt. Innerhalb der Ressorts

wurde häufig nicht geprüft, ob eine externe Nutzung der Datenbestände

ermöglicht werden soll.

Derzeit ist festzustellen, dass bundesweite Datensätze nach wie

vor nicht aktuell, preiswert und unkompliziert verfügbar sind.

2.2 Private Anbieter

Während das Angebot der öffentlichen Datenanbieter auf NRW fokussiert

ist, ist eine solche regionale Abgrenzung bei den privaten

Anbietern nicht möglich. Der Handel mit Geodaten findet weltweit

statt und die Anbieter beschränken sich bei ihrem Vertrieb nicht auf

einzelne Regionen. So wird bereits heute in Europa häufig auf

Quellen aus den USA zugegriffen. Damit ist der Markt nicht auf

NRW oder Deutschland begrenzt, sondern EU- bzw. weltweit

ausgerichtet. Daher beschränkt sich die Analyse der privaten

Anbieter nicht auf Firmen mit Sitz in NRW, sondern betrachtet die

Angebotsseite in ganz Deutschland.

Der Markt nach Anbieterkategorien oder Anwendungsbereichen ist

äußerst intransparent. Dies hat verschiedene Gründe:

Da der Geodatenmarkt bisher nicht eindeutig definiert ist, bestehen

erhebliche Zuordnungsprobleme (z.B. bei der Frage,

ob ein Marktforschungsinstitut, das unter anderem georeferenzierte

Sachdaten anbietet, dem Geodatenmarkt zugeordnet

werden soll).

Wie sich zeigte, ist eine Abgrenzung der Anbieter nach Anbieterkategorien

(Datenanbieter, Dienstleister etc.) nicht zielführend,

da viele Unternehmen mehrere Kategorien bedienen.

Inwiefern Architektur- und Ingenieurbüros, die Planungsleistungen

in Geoinformationssystemen erbringen, dem Geodatenmarkt

zugerechnet werden können, lässt sich nicht zweifelsfrei

bestimmen.

Eine Unterscheidung der Unternehmen nach Anwendungsbereichen

ist ebenfalls nicht möglich, da die meisten Anbieter

verschiedene Anwendungsbereiche gleichzeitig bedienen.

Da der Markt für Geodaten nicht eindeutig abgegrenzt ist, fehlt bisher

ein vollständiges Verzeichnis aller Anbieter. Aussagefähige

Branchenstatistiken existieren nicht – so wird beispielsweise auch

beim Statistischen Bundesamt das produzierende Gewerbe recht

detailliert betrachtet, während bei den Dienstleistungen eine Differenzierung

weitgehend fehlt.

- 22 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Keine regionale

Beschränkung auf NRW

Intransparenter

Anbietermarkt


Marktanalyse Angebotsanalyse

2.2.1 Kategorien von Anbietern

Während die öffentlichen Anbieter lediglich Geobasisdaten anbieten,

finden sich unter den privaten Anbietern auch Hersteller konkreter

Produkte und Dienstleistungen. Anbieter am Geodatenmarkt

sind damit alle Hersteller, deren Produkte Geodaten enthalten.

Dabei können grundsätzlich vier Kategorien unterschieden werden:

(1) Datenanbieter

(2) Anbieter von Geodatenprodukten

(3) Geodatendienstleister

(4) Hersteller von GIS-Software

Private Datenanbieter sind:

Hersteller digitaler Karten, z.B.

Vorwahl-Grenzen

Postleitzahlengebiete

Verwaltungsgrenzen

Stadtpläne

Straßenkarten

Orthofotos

Anbieter von – häufig georeferenzierten – Sachdaten, z.B.

Businessdaten

Consumerdaten

Georeferenzierte Adressen

Die Leistung der Anbieter von Karten besteht zum einen darin, die

Basisdaten so aufzubereiten, dass die für einen bestimmten Nutzungszweck

relevanten Informationen hervorgehoben werden.

Häufig geht es in erster Linie darum, originäres Kartenmaterial mit

sehr hoher Informationsdichte - z.B. topografische Karten der Vermessungsämter

- auf die wesentlichen Informationsebenen zu

verschlanken und so eine höhere Übersichtlichkeit herbeizuführen.

Vor allem konnten sich aber private Kartenanbieter deshalb eta-

blieren, weil seitens der öffentlichen Anbieter derzeit kein flächendeckendes

und aktuelles Kartenmaterial zur Verfügung steht. Vor

diesem Problem standen die Hersteller von Navigationssystemen,

als sie eine geeignete Kartengrundlage für ihre Produkte suchten.

Daher entschlossen sich einige Firmen, auf Basis einmalig zugekaufter

öffentlicher Daten ihr eigenes Kartenwerk zu erstellen. Auf

diesem Wege entstanden die bisher einzigen flächendeckend verfügbaren

Vektordatenbestände für ganz Deutschland.

Diese konnten sich schnell am Markt durchsetzen und zwar sowohl

als Grundlage für weitere Geodatenprodukte als auch in Form digitaler

Straßenkarten für den Endkunden, die teilweise unabhängig

von einer Anwendung auf CD-ROM als fertige Produkte verkauft

werden. Auffällig ist, dass diese Karten ebenfalls – ähnlich wie die

Daten der Vermessungsverwaltung – ursprünglich für den Eigenbedarf

entwickelt wurden und nicht als Datenangebot für Dritte.

- 23 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Private Datenanbieter

Anbieter von Kartendaten

Flächendeckende

Vektordatenbestände


Marktanalyse Angebotsanalyse

Derzeit sind nur zwei bis drei originäre Anbieter digitaler flächendeckender

Karten am Markt, die aber eine Vielzahl kleinerer Firmen

als Vertriebspartner haben.

Darüber hinaus haben sich einige Anbieter auf den Verkauf von

Luftbildern, die zum Teil in eigener Befliegung erstellt wurden, sowie

Satellitenbildern spezialisiert. In diesem Bereich gewinnen

neue Technologien an Bedeutung: So kann beispielsweise jetzt

schon eine Laser-Scan-Methode, bei der die Oberflächenstruktur

der Erde abgetastet wird, als Ergänzung zu herkömmlichen Luftbildaufnahmen

eingesetzt werden.

Anbieter von Sachdaten sind beispielsweise Marktforschungsunternehmen,

die über umfangreiche Bestände von Business- oder

Consumerdaten verfügen. Diese Daten sind in der Regel nicht georeferenziert

und müssen mit Koordinaten aus einer geeigneten

Kartengrundlage verknüpft werden, um den geografischen

Informationsgehalt zu erschließen. Dies ist jedoch für die meisten

Kunden zu kompliziert. In Folge dessen werden Geodaten

teilweise in Form fertiger Anwendungen oder in Verbindung mit

Dienstleistungen verkauft, aber nur selten als reine Datensätze.

Die Zahl der Anbieter umfangreicher Sachdatenbestände beschränkt

sich auf wenige Marktforschungsinstitute und Unternehmen

im Logistikumfeld – z.B. Paket- und Briefzusteller, die umfassende

Adressdatenbestände aufgebaut haben.

Insgesamt herrscht, ähnlich wie bei den öffentlichen Datenanbietern,

auch bei den privaten Anbietern keine Transparenz hinsichtlich

des Datenangebots sowie der Anwendungsmöglichkeiten der

jeweiligen Daten. Dies verdeutlicht, dass sich der Markt auch seitens

der privaten Anbieter noch nicht formiert hat.

Die Anbieter von Geodatenprodukten stellen Anwendungen z.B.

für die Navigation oder das Geomarketing her. Dabei bilden nicht

die Geodaten die eigentliche Information für den Kunden, sondern

der spezifische Informationsgehalt entsteht erst durch die lösungsorientierte

Einbindung der Geodaten in ein Produkt. Ein typisches

Beispiel sind Flottenmanagementsysteme, bei denen der aktuelle

Aufenthaltsort eines Fahrzeugs auf einer digitalen Straßenkarte

angezeigt und außerdem die optimale Route zu einem frei wählbaren

Zielort berechnet werden kann.

Der Anteil der Geodaten am Gesamtwert der Anwendungen liegt

dabei oft unter 10%, insbesondere bei neuartigen Produkten, in

denen die Geodaten beispielsweise mit Recherche- und Statistikfunktionen

oder Webcam-Anwendungen gekoppelt werden. Als

Beispiel sei eine Immobilienanwendung genannt, bei der ein Immobiliensuchender

den Ort und die Daten des gesuchten Objekts

angeben kann. Über eine Recherchefunktion erhält der Nutzer die

Suchergebnisse, die er sich georeferenziert in einem Stadtplan mit

- 24 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Anbieter von Sachdaten

Anbieter von

Geodatenprodukten

Geringer Anteil der Geodaten

am Gesamtwert


Marktanalyse Angebotsanalyse

Zoom-Funktion anzeigen lassen kann. Darüber hinaus wird ein Foto

der Immobilie, der Grundriss und die genauen Maße angezeigt

und schließlich kann über eine Webcam-Funktion ein virtueller

Rundgang durch die Immobilie vorgenommen werden.

Diese Produktkategorie ist stark von der technischen Entwicklung

abhängig, sowohl was die Möglichkeiten der Datenverarbeitung

und -übertragung betrifft als auch im Hinblick auf neue Technologien,

insbesondere im Online- und M-Commerce-Bereich. Daher

ist nur schwer zu prognostizieren, welche Lösungen künftig am

Markt dominieren werden. Es lässt sich allerdings ein Trend erkennen,

dass der Anteil der Geodaten am Gesamtwert der Produkte

künftig zu Gunsten anderer Komponenten sinken wird. Auch hier

zeigt sich im Sinne des Wertschöpfungs-Paradoxons, dass der

Nutzwert von reinen Geodaten gering ist und wirklicher Mehrwert

für den Kunden erst durch Koppelprodukte entsteht.

Es sind bereits zahlreiche Anbieter von Geodatenprodukten am

Markt, die aber größtenteils aus dem GIS-Umfeld stammen. Dadurch

besteht die Gefahr, dass die Produkte zu speziell für eine

technikorientierte Kundschaft – z.B. Ingenieure – entwickelt werden

und das Potential von Anwendungen für nicht-technische

Problemstellungen unerschlossen bleibt.

Geodatendienstleister erbringen unterschiedlichste Leistungen

im Auftrag ihrer Kunden:

Digitalisierung von Karten, kartografische Bearbeitung

Grafische georeferenzierte Darstellung von Sachdaten

Entwicklung spezieller Anwendungen im Kundenauftrag – z.B.

zur Berechnung der Netzabdeckung von Mobilfunknetzen

Aufbau und Führen von Geoinformationssystemen für Kunden

als Application Service Provider (ASP)

Bezeichnenderweise haben sich bisher praktisch keine Dienst-

leister im Sinne von Application Service Providern (ASP) etabliert.

Dies ist damit zu begründen, dass aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades

von Geodatenanwendungen der Markt für solche

Dienstleistungen sehr begrenzt ist. Er beschränkt sich im wesentlichen

auf die traditionellen Anwender (Kommunen, EVU).

Aber gerade dort ist häufig bereits ausreichend Know-how vorhanden,

so dass kein externer Dienstleister beauftragt wird. Die wenigen

Firmen, die Geoinformationssysteme für andere führen, sind in

der Regel Ingenieurbüros, die hauptsächlich als Vertriebspartner

von Software-Herstellern agieren.

Digitalisierung und kartografische Bearbeitung werden häufig von

kleineren Firmen, wie z.B. Ingenieurbüros, und freien Berufen angeboten

und zwar meistens in Verbindung mit einer anderen

Dienstleistung, z.B. Datenmigration, Vektorisierung, Verschneidung

von Datensätzen.

- 25 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kundennutzen entsteht

durch die Kombination ver-

schiedener Komponenten

Technikgetriebene Produkte

Geodatendienstleister

Fast keine ASP


Marktanalyse Angebotsanalyse

In diesem Zusammenhang sind insbesondere die öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure (ÖbVI) von Bedeutung, die derzeit die

wichtigsten Produzenten von Geodaten im Auftrag der Vermessungsämter

oder anderer Kunden sind. Da sie für die Erfüllung

dieser Aufgabe über entsprechende Technik verfügen, sind sie in

der Lage, auch Geodatendienstleistungen zu erbringen. Derzeit

werden von vielen ÖbVI bereits Dienstleistungen wie Vektorisierung

und Verschneidung von Datensätzen, aber auch georeferenzierte

Darstellung und grafische Aufbereitung von Sachdaten erbracht.

Dabei zeigt sich als Tendenz, dass die ÖbVI diese Position

künftig noch ausbauen und durch neue Dienstleistungen erweitern

werden – bis hin zur Funktion als ASP durch große ÖbVI-Büros.

Darüber hinaus setzen einige Firmen ihr Know-how dafür ein, Anwendungen

zur Lösung konkreter Problemstellungen für einen

Kunden zu entwickeln. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass der

Markt bisher nur wenig entwickelt ist: Da branchenspezifische Lösungen

noch kaum vorhanden sind, sondern allgemeine unspezialisierte

Anwendungen dominieren, muss ein Anwender solche Lösungen

selbst entwickeln oder einen Dienstleister beauftragen.

Dies setzt jedoch voraus, dass der Anwender über die Nutzungsmöglichkeiten

von Geodaten ausreichend informiert ist und die

entsprechende Bereitschaft hat, die Entwicklungskosten zu tragen.

Daher kommen als Kunden für diese Dienstleistungen derzeit fast

ausschließlich „klassische“ Kunden wie beispielsweise Energieversorger

oder Telekommunikationsunternehmen in Frage, während

vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit solchen Dienst-

leistungen nicht erreicht werden können.

Unter Herstellern von GIS-Software sind die Anbieter von Geoinformationssystemen

zu verstehen. Für den Geodatenmarkt im engeren

Sinne spielen sie nur eine untergeordnete Rolle, da GIS-

Software vor allem zum Erfassen und Dokumentieren der Geobasisdaten

Daten eingesetzt wird. In dieser Marktstudie werden daher

die reinen GIS-Anbieter nicht detailliert betrachtet.

Entsprechend der Vielzahl unterschiedlicher Anbieter existieren

auch verschiedene Geschäftsmodelle. Für die Anbieter von Geodaten

und Geodatenprodukten lassen sich dennoch generelle

Merkmale identifizieren:

Die Bestellung ist heute bei vielen Firmen per E-mail möglich.

Standardisierte Geodatenprodukte können häufig über das Internet

bezogen werden. Allerdings ist vor allem bei beratungsintensiven

Produkten auch künftig der persönliche Kundenkontakt

erwünscht. Die Anbieterbefragung hat ergeben, dass

derzeit praktisch kein Verkauf von Geodaten oder Geodatenprodukten

über das Internet stattfindet, sondern das persönliche

Gespräch die wichtigste Verkaufsvoraussetzung bildet.

- 26 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

ÖbVI als

Geodatendienstleister

Individuell entwickelte

Anwendungen

KMU werden nicht erreicht

Hersteller von GIS-Software

Merkmale der Anbieter von

Geodaten und Geodaten-

produkten

Praktisch kein Verkauf von

Geodaten über das Internet


Marktanalyse Angebotsanalyse

Die Datenabgabe erfolgt derzeit noch hauptsächlich per Datenträger

in der Regel CD-ROM. Fast alle Firmen wollen jedoch

künftig verstärkt Daten per Internet abgeben und nur bei

großen Datenmengen auf Datenträger zurückgreifen.

Es werden sowohl Vektor- als auch Rasterdaten angeboten,

wobei jedoch Rasterdaten dominieren. Vor allem einfachere

Anwendungen basieren in der Regel auf Rasterdaten, da diese

deutlich preiswerter und einfacher in der Anwendung sind.

Die Abgabeformate sind sehr unterschiedlich und orientieren

sich meist an den Standardformaten großer GIS-Hersteller. Es

fällt jedoch auf, dass die privaten Anbieter im Hinblick auf das

gewünschte Datenformat sehr flexibel sind, so dass ein Kunde

in der Regel nicht aufgrund des Formates vom Kauf eines

Produktes abgehalten wird.

Fast alle Produkte haben überregionalen bzw. bundesweiten

Flächenbezug: Zum einen sind viele Anwendungen nur bei

bundesweitem Flächenbezug sinnvoll – z.B. Navigationssysteme;

zum anderen wollen die Anbieter in der Regel ihre Produkte

bundesweit verkaufen und sich nicht auf einen regionalen

Markt beschränken. Das bedeutet im Umkehrschluss,

dass für die meisten Anbieter eine Geodatenoffensive, die

sich auf das Land Nordrhein-Westfalen beschränkt, nur von

begrenztem Nutzen ist, da viele Anwendungen bundes- oder

europaweit vertrieben und daher überregionale Geobasisdaten

eingesetzt werden.

Die meisten Datenveredler oder Hersteller von Anwendungen

wären bereit, zur Entwicklung ihrer Produkte Geobasisdaten

der öffentlichen Anbieter zu kaufen und dafür auch einen angemessenen

Preis zu bezahlen, wenn diese flächendeckend

und aktuell verfügbar wären. Die Nutzung anderer Quellen

stellt für viele Anbieter nur eine Notlösung dar.

Der Großteil der Produkte richtet sich noch nicht an spezifische

Kundengruppen oder Branchen. Statt dessen dominieren

horizontale Angebote. Branchen- oder kundenspezifische

Lösungen werden meist individuell für den Auftraggeber entwickelt

mit der Folge, dass dieser hohe Entwicklungskosten

zu tragen hat.

Insgesamt zeigt sich, dass der Markt im Hinblick auf die Anbieter

sehr intransparent ist: Eine eindeutige Zuordnung der Anbieter zu

den vier Anbieterkategorien ist nur schwer möglich. Zum einen

sind die Übergänge zwischen den Kategorien fließend – so können

Anbieter, die ihren Kunden Businessdaten verkaufen und diese

geokodieren, sowohl als Datenanbieter als auch als Dienstleister

betrachtet werden. Zum anderen sind viele Unternehmen nicht

spezialisiert, sondern treten als „Gemischtwarenladen“ auf. So gibt

- 27 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Rasterdaten dominieren

Die Abgabeformate orien-

tieren sich an Standardfor-

maten großer GIS-Hersteller

Überregionaler Flächenbezug

Hoher Bedarf an flächen-

deckenden aktuellen Daten

Horizontale Angebote

überwiegen

Wenige spezialisierte

Unternehmen


Marktanalyse Angebotsanalyse

es beispielsweise Firmen, die gleichzeitig konfektionierte Kartenprodukte

verkaufen, Anwendungen entwickeln und kartografische

Arbeiten durchführen. Dies hat zwei Gründe:

(1) Mit einem Segment allein kann häufig kein ausreichender

Umsatz erzielt werden.

(2) Es fehlen Standardanwendungen und der Bekanntheitsgrad

von Geodaten ist entsprechend gering. Insgesamt sind Geodaten

stark erklärungsbedürftige Produkte, so dass in der Regel

der Verkauf dieser Produkte nur in Verbindung mit zusätzlichen

Dienstleistungen, z.B. technischem Support/ Schulungen,

möglich ist.

Über alle Anbieterkategorien hinweg zeigen sich zwei Tendenzen:

Die meisten Anbieter haben sich relativ isoliert im GIS-Umfeld

entwickelt. Verbindungen mit anderen Technologien für umfassende

Lösungsansätze sind die Ausnahme.

Ein Großteil der Angebote ist technikgetrieben und für Kunden

mit nicht-technischem Hintergrund schwer erschließbar.

Damit sind die Anbieter derzeit noch stark auf Kunden fixiert, die

im Umgang mit Geodaten geübt sind. Die Zahl der Anbieter, die

sich an Nicht-Spezialisten wendet, ist noch vergleichsweise gering.

Insgesamt ist der Markt noch unstrukturiert und wenig entwickelt.

2.2.2 Anwendungsbereiche für Geodatenprodukte

Da eine Unterscheidung der Anbieter nach Produktkategorien zu

erheblichen Abgrenzungsproblemen führt, ist es sinnvoll, nach

Anwendungsbereichen für Geodatenprodukte zu unterscheiden.

Diese Einteilung wird der Tatsache gerecht, dass eine Firma, die

Geodatenprodukte benötigt, nicht als monolithische Gesamtheit

betrachtet werden kann, sondern verschiedene Einheiten umfasst,

z.B. technische Bereiche und kaufmännische Abteilungen, die verschiedene

Lösungen für ihre Aufgabenstellungen benötigen.

Die Grundlage für alle Geodatenanwendungen bilden die Geobasisdaten,

die zum Großteil aus den Ergebnissen der Vermessung,

die im Auftrag von Vermessungsverwaltungen oder sonstiger Auftraggeber

durchgeführt wird, bestehen. Die Geobasisdaten stellen

damit weniger einen Teil des Geodatenmarktes dar, sondern vielmehr

dessen Input.

Das Angebot an Geobasisdaten wird zwar derzeit noch durch die

Datenbestände der öffentlichen Anbieter bestimmt, aber vor allem

die Hersteller digitaler Straßenkarten gewinnen zunehmend als

Geodatenanbieter an Bedeutung. Dabei handelt es sich zwar nicht

um Geobasisdaten im engeren Sinn, da diese Karten bereits Datenveredlungsprodukte

darstellen, die auf Grundlage der öffentlichen

Geobasisdaten erstellt wurden. Am Markt fungieren sie aber

häufig als Substitut für die Basisdaten öffentlicher Anbieter.

- 28 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Gliederung der Anwendungs-

bereiche nach Aufgaben-

stellungen der Kunden

Geobasisdaten als Grundlage

der Geodatenanwendungen


Marktanalyse Angebotsanalyse

Darüber hinaus haben viele Versorgungsunternehmen und Stadtwerke

ihre Leitungsnetze in Vektordatenbeständen detailliert dokumentiert.

Für diese Daten würden sich zwar Kunden finden, so

dass sie als Grundlage, ähnlich wie die Geobasisdaten, für unterschiedliche

Anwendungen eingesetzt werden könnten. Die Stadtwerke/

Versorgungsunternehmen geben diese Daten aber – außer

vorübergehend zu Planungszwecken – nicht an Dritte weiter. Dies

hat zwei Gründe:

Sicherheits- und Haftungsfragen: Netzbetreiber sind dazu verpflichtet,

Auskunft über die Lage ihrer Netze geben zu

können. Um die Kontrolle über diese Informationen zu wahren,

wollen sie diese nicht an Dritte weitergeben.

Konkurrenzdenken: Externe sollen nicht wissen, welche Netze

ein Unternehmen besitzt.

Im Bereich Geobasisdaten gibt es nur vereinzelt konfektionierte

Lösungen und gebrauchsfertige Anwendungen – z.B. für spezifische

Vermessungsaufgaben. Ein Beispiel sind Anwendungen für

die Landwirtschaft zur Klärung eigentumsrelevanter Fragen, die

auf der amtlichen Katasterkarte basieren.

Aufbauend auf den Geobasisdaten lassen sich am Markt im wesentlichen

vier Anwendungsbereiche identifizieren:

(1) GIS-Anwendungen

(2) Navigation/ Auskunft

(3) Marketing/ Vertrieb

(4) Emerging Markets

GIS-Anwendungen sind in einigen Aufgabenbereichen heute bereits

weit verbreitet:

Planung und Dokumentation von Gebäuden, Leitungen etc.

Architektur

Landschaftsgestaltung

Flächensanierung

Facility Management

Forst- und Landwirtschaft

Umweltplanung

In der Regel geht es dabei darum, auf Basis einer Kartengrundlage

eine raumbezogene Planung zu erstellen. Die zugrunde liegende

GIS-Software ist in der Regel unspezifisch und nicht auf einen bestimmten

Anwendungsbereich begrenzt. Daher handelt es sich in

den meisten Fällen bei den GIS-Anwendungen um Planungsebenen,

die in ein bestehendes GIS integriert werden. Problematisch

ist dabei, dass Planungen – z.B. für Gebäude und Leitungen –

derzeit häufig noch in isolierten Konstruktionssystemen (CAD)

durchgeführt und erst nach Durchführung entsprechender Baumaßnahmen

die Vermessungsdaten in die Geoinformationssyste-

- 29 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Daten der EVU und

Stadtwerke

Vier Anwendungsbereiche

GIS-Anwendungen


Marktanalyse Angebotsanalyse

me übertragen werden. Dies führt dazu, dass Planungen in der

Regel nicht in Basisdatenbeständen verzeichnet sind. So kann der

Nutzer einer DGK 5 oder der ALK beispielsweise nicht erkennen,

in welcher Gegend Baugebiete erschlossen werden sollen. Allerdings

sind in neueren Geoinformationssystemen bereits eigene

Planungsebenen vorgesehen, die eine Abbildung im bestehenden

Kartenwerk ermöglichen.

Konfektionierte Planungsanwendungen für spezielle Aufgabenbereiche

gibt es hingegen noch relativ selten. Beispiele sind Anwendungen

zur Optimierung der Netzabdeckung von Mobilfunkbetreibern

oder Anwendungen zur Unterstützung von Projektentwicklungen

im Baubereich.

Bei den Anwendungen im Bereich Navigation/ Auskunft ist eine

breite Marktdurchdringung zu verzeichnen, insbesondere bei:

In-Car-Satellitennavigationssystemen

Routing

Flottenmanagement

Standortplanung

Streckenoptimierung für Außendienstmitarbeiter

Den Kern der Navigationsanwendungen bilden die Straßenkarten

der privaten Anbieter. Diese werden als Open-Source-Anwendun-

gen an Partnerfirmen weiterverkauft, die daraus neue Navigationsanwendungen

entwickeln.

Dabei handelt es sich um einfache Anwendungen, die i.d.R. zu

niedrigen Preisen angeboten werden (ca. 1.000 DM für eine einfache

Flottenmanagementsoftware). Die Anwendungen können vom

Nutzer nur für den ursprünglichen Zweck eingesetzt werden.

Zum Teil liegen den einfacheren konfektionierten Produkten aber

auch keine Straßenkarten zugrunde, sondern aus Kostengründen

vom jeweiligen Anbieter selbst erhobene Datengrundlagen. Dies

wird damit begründet, dass für diese Anwendungen die geografische

Genauigkeit nicht von zentraler Bedeutung sei. Im Hinblick

auf die Qualitätssicherung ist diese Tendenz jedoch problematisch,

da auf diese Weise unterschiedliche Kartengrundlagen entstehen,

die kaum miteinander kompatibel sein dürften.

Neben den Business-Anwendungen konnten sich im Bereich Navigation

einige Internet-basierte Consumer-Anwendungen etablieren.

Dabei handelt es sich in der Regel um einfache Auskunftssysteme

wie z.B. die Branchenauskunft („Gelbe Seiten“) oder Routing-

Anwendungen. In diesem Bereich ist ein vergleichsweise schnelles

Wachstum zu verzeichnen. Dabei ist aber zu beachten, dass auch

bei diesen Anwendungen die Bedeutung der eigentlichen Geodaten

immer mehr zu Gunsten zusätzlicher Informationen in den Hintergrund

tritt, so dass hier keine starke Erhöhung des Umsatzes

mit Geodaten zu erwarten ist.

- 30 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Wenige konfektionierte

Anwendungen

Navigation/ Auskunft

Consumer-

Navigationsanwendungen


Marktanalyse Angebotsanalyse

Darüber werden Touristik-Navigationsanwendungen – beispielsweise

in Stadtportalen – angeboten, in denen auf Sehenswürdigkeiten

und kulturelle Einrichtungen hingewiesen wird. Dabei ist

aber zu beachten, dass mit diesen Anwendungen derzeit praktisch

keine Umsätze erzielt werden, da deren Nutzung unentgeltlich im

Rahmen eines touristischen Marketing erfolgt.

Im Bereich Marketing/ Vertrieb gibt es nur wenige konfektionierte

Anwendungen. Diese ermöglichen heute eine grafische Marktanalyse

und basieren in der Regel auf sehr einfachem Kartenmaterial

(Postleitzahlengebiete, Verwaltungsgrenzen, Vorwahlbereiche).

Häufig wird dieses Kartenmaterial selbst erstellt. Diese einfachen

Marketinganwendungen sind zwar relativ weit verbreitet, genügen

aber nicht mehr den Anforderungen des modernen Marketings:

Detaillierte Zielgruppenanalyse: Die Marktpotentiale sollen

möglichst kleinräumig identifiziert werden.

Werbeoptimierung: Um Streuverluste – z.B. von Postwurfsendungen

– zu vermeiden, soll nur bei den Kunden geworben

werden, die auch als potentielle Käufer in Frage kommen.

Die Idee eines geodatenbasierten Mikromarketings ist es, Kunden-

und Marktdaten möglichst hausnummerngenau in geeigneten Kartengrundlagen

zu georeferenzieren und auf diese Weise Informationsgrundlagen

für Marktanalyse, Planung, Controlling und aktive

Marktbearbeitung/ Vertriebssteuerung zu schaffen. Da vor allem

größere Firmen nicht lokal in ihren Marketingaktivitäten beschränkt

sind, werden überregionale einheitliche Kartenbestände benötigt.

Eine geeignete Kartengrundlage für solche Anwendungen ist aber

derzeit nicht verfügbar.

Statistische Daten privater Anbieter liegen häufig hausnummerngenau

vor, z.B. Consumer- oder Marktdaten. Diese sind aber in

der Handhabung heute noch recht kompliziert, so dass entsprechende

Anwendungen meist individuell durch einen Dienstleister

erstellt werden müssen, was aber für die meisten Kunden zu teuer

ist. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb sich Geomarketing noch

nicht in der Breite durchgesetzt hat.

Darüber hinaus gibt es nur vereinzelt branchenspezifische Lösungen,

die z.B. Marktdaten für eine bestimmte Branche umfassen.

Dies zeigt, dass der Markt für Geomarketing-Anwendungen bisher

nur rudimentär entwickelt ist. Entsprechend gibt es nur wenige

Firmen, die sich auf dieses Segment spezialisiert haben.

Unter Emerging Markets sind neue Anwendungen zu verstehen,

die sich künftig im Zuge neuer Technologien, insbesondere im Multimedia-

und M-Commerce-Bereich, etablieren und zunehmend an

Bedeutung gewinnen werden. Ansätze sind dabei 3-D-GIS in Verbindung

mit Videoanimationen oder die mobile Nutzung von georeferenzierten

Auskunftssystemen per Handy.

- 31 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Marketing/ Vertrieb

Mangelnde Kartengrundlagen

Statistische Daten sind

derzeit kompliziert in der

Handhabung

Emerging Markets


Marktanalyse Angebotsanalyse

Viele Anwendungen werden hier als Service im Internet zur Verkaufsunterstützung

oder als Download angeboten. Daher liegt der

Markt eher bei Business-Kunden als bei Endkunden.

Insgesamt zeigt sich, dass sich bisher nur Anwendungen im Bereich

der Navigation durchsetzen konnten sowie zum Teil einfache

Branchenauskunftssysteme. Bei allen anderen Anwendungen

handelt es sich um Spezialanwendungen, die nur von Spezialisten

eingesetzt werden oder um Nischenanwendungen mit nur geringer

Nutzungsintensität. Dies verdeutlicht der Vergleich von Geodatenanwendungen

mit etablierten Softwarelösungen wie beispielsweise

E-mail oder Web-Funktionen, die bei den meisten Nutzern bereits

vorhanden sind und auch regelmäßig genutzt werden.

Das Geodatenportfolio: Nur Navigationsdienste haben sich bisher durchgesetzt

Nutzungsintensität in %

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

Spezialanwendungen

Controlling

Marketing

Vermessung

Statistik

Planungssoftware

E-mail

Web

Navigationsdienste

FTP

Nischenanwendungen Sicherheitsanwendungen

0

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

vorhanden bei ... %

Massenanwendungen

Branchen-

Auskunftssysteme

Quelle: Eigene Erhebung

Wie sich gezeigt hat, ist die Zahl konfektionierter Produkte, die sich

am Markt durchgesetzt haben, aber noch recht gering.

Ein Grund ist in der mangelnden Verfügbarkeit und den hohen

Preisen der Geobasisdaten – also dem zentralen Input für Geodatenprodukte

– zu sehen. Vor allem die Preise für öffentliche Geobasisdaten

senken die Bereitschaft, insbesondere kleinerer Unternehmen,

auf Grundlage von Geobasisdaten neue Produkte zu

entwickeln. Der Erfolg eines neuen Produktes ist angesichts des

geringen Bekanntheitsgrades der Geodaten in der Öffentlichkeit

nach wie vor sehr ungewiss und der Marketingaufwand zu hoch.

Gerade um den Bekanntheitsgrad zu steigern, wären gebrauchsfertige

Produkte und Anwendungen erforderlich, denn nur wenige

- 32 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Nur Navigationsdienste

haben sich etabliert

Hohe Preise für Geobasis-

daten verhindern die Ent-

wicklung neuer Produkte


Marktanalyse Angebotsanalyse

Kunden – in der Regel die großen Unternehmen – sind bereit, die

gesamten Entwicklungskosten für eine Anwendung zu tragen.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass vertikale Anwendungen nur

in geringem Umfang vorhanden sind, und sich kaum ein Hersteller

auf einzelne Branchen spezialisiert. Ausnahmen gibt es in den Bereichen

Pharma, Automobile, Tabak sowie Getränke. Viele Firmen

haben aber ein breites Angebotsspektrum, sowohl hinsichtlich der

Anwendungsbereiche – z.B. GIS-Anwendungen und Flottenmanagementsysteme

– als auch nach Branchen. Die Folge: auch kleine

Firmen haben zum Teil einen sehr heterogenen Kundenstamm

(z.B. Forst, Telekommunikation, Handel).

Mit der Entwicklung neuer Anwendungen sinkt der Anteil der Geo-

basisdaten am Gesamtwert zugunsten von zusätzlichem Content

kontinuierlich: Er ist bei den GIS-Anwendungen am höchsten, während

für Planungsanwendungen häufig zusätzliche Informationen

integriert werden. Bei Anwendungen im Bereich Navigation und vor

allem im Bereich Geomarketing beträgt der Geobasisdatenanteil

nur noch einen Bruchteil des Gesamtwertes und diese Entwicklung

wird sich in den Emerging Markets noch verstärken.

Die Entwicklung der Geodatenanwendungen: Zusätzlicher Content gewinnt

zunehmend an Bedeutung

Zeit

2001

2000

Netzdokumentation

GIS-

Anwendungen

Planung

Geobasisdaten

Facilitymanagement

Routing Flotten-

Kfz- manage

Navigation ment Auskunft

Navigation

Marketing

Multimedia-,

Web-Online-Anwendungen,

Mobilfunk

Vertriebs-

Mikro- steuerung

Marketing

- 33 -

Standortanalyse

Controlling

Sinkender Anteil der Geobasisdaten am Gesamtwert

Insgesamt lässt sich auf Anbieterseite folgendes Bild des Marktes

für Geodatenprodukte zeichnen:

In den Bereichen Geobasisdaten sowie GIS-Anwendungen

werden nur wenige spezifische Anwendungen angeboten.

Hier dominieren die Hersteller von GIS-Software.

Der Großteil der Anbieter ist dem Bereich Navigation zuzuordnen.

Hier gibt es zwei bis drei Marktführer, die jeweils eine

Vielzahl von Partnerfirmen haben, welche auf Basis der Straßenkarten

der Marktführer neue Produkte entwickeln.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Wenige branchenspezifische

Anwendungen

Zusätzlicher Content

gewinnt an Bedeutung

Die meisten Hersteller in den

Bereichen GIS und Navigation


Marktanalyse Angebotsanalyse

Anbieter von Navigationsanwendungen entwickeln zunehmend

auch Produkte für den Bereich Marketing. Insgesamt

gibt es aber nur wenige Anbieter von Marketinganwendungen.

Innerhalb des Geodatenmarktes herrscht eine enge Verflechtung.

Fast jeder Anbieter hat mehrere Partnerfirmen im Geodatenbereich.

Allianzen mit Unternehmen aus anderen Bereichen – z.B.

Multimedia – sind aber die Ausnahme; es gibt kaum Cross-Over-

Zusammenarbeit. Dies birgt die Gefahr, dass die Produkte zu einseitig

auf die Geodatenkomponente ausgerichtet sind und umfassende

Lösungsansätze nicht konzipiert werden und die Anbieter an

den Märkten für neue Medien/ Informationsprodukte isoliert sind.

Bei den meisten Geodatenanwendungen handelt es sich aber um

komplexe Anwendungen, bei denen die eigentlichen Geoinformationen

nur einen Bruchteil am Gesamtwert ausmachen, da dieser

erst durch zusätzlichen Content entsteht. Entsprechende Kooperationen

finden derzeit nur auftragsbezogen statt.

Aufgrund der geringen Markttransparenz fehlen exakte Umsatz-

zahlen. Es gibt nur rund fünf Marktführer, z.B. die Hersteller von

Navigationssystemen, mit Umsätzen im achtstelligen Bereich. Der

Großteil der Firmen hat deutlich geringere Einnahmen: Die meisten

Anbieter erzielen mit dem Verkauf von Geodaten weniger als

1 Mio. DM Jahresumsatz und auch mit Geodatendienstleistungen

allenfalls Umsätze im siebenstelligen Bereich. Dabei ist allerdings

zu berücksichtigen, dass es sich bei einem Großteil der Firmen um

Neugründungen der letzten fünf Jahre – häufig sogar um Neugründungen

des Jahres 2000 – handelt.

Der Umsatz der Anbieter raumbezogener Markt- und Consumerdaten

ist nur schwer von sonstigen Statistikdaten abgrenzbar. Häufig

sind beispielsweise Adressdaten mit Koordinaten versehen, werden

aber nicht grafisch dargestellt. Teilweise erfolgt eine grafische

Darstellung der Daten beim Kunden, dieser ist sich aber nicht der

Tatsache bewusst, Geodaten erworben zu haben. Entsprechend

werden die Geodatenumsätze bei den Anbietern rechnerisch nicht

getrennt ausgewiesen. Auch hier gilt, dass es maximal drei Marktführer

gibt, die mit Geodaten einschließlich verorteter Adressdaten

achtstellige Umsätze erzielen, sowie einige kleinere Anbieter mit

deutlich geringeren Umsätzen.

Der internationale Vergleich zeigt, dass die Umsätze am Geodatenmarkt

in Deutschland vergleichsweise gering sind. So ist beispielsweise

in den USA, wo öffentliche Geobasisdaten leichter zugänglich

sind, aber auch insgesamt mehr in den Geodatenmarkt

investiert wird, das Marktvolumen doppelt so hoch wie in der EU –

bei vergleichbarem Bruttoinlandsprodukt.

- 34 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Enge Verflechtung

Kaum Cross-Over-

Zusammenarbeit

Keine Transparenz

hinsichtlich der Umsätze

Umsätze mit Geodaten werden

rechnerisch nicht von

Statistikdaten abgegrenzt

Geringe Umsätze im

internationalen Vergleich


Marktanalyse Bestehende Plattformen

3. Bestehende Plattformen

Vor dem Hintergrund der geringen Markttransparenz und der zum

Teil erheblichen Markteintrittsbarrieren ist es aufschlussreich, bestehende

Informationsplattformen zu betrachten und deren Potential

zu analysieren:

Universitäten

Messen

Internetportale

An den Universitäten werden derzeit die Anwendungsmöglichkeiten

von Geodaten außerhalb der entsprechenden geografischen

und geodätischen Studiengänge nicht vermittelt. Die Möglichkeit,

ein Kommunikationsforum zwischen Anbietern von Geodatenprodukten,

Forschung und Studierenden und Unternehmen aufzubauen,

wird hier nicht genutzt. Dass Geodatenanwendungen weder

Bestandteil der universitären Ausbildung noch anderer Ausbildungswege

sind, stellt einen Hauptgrund dafür dar, dass die Möglichkeiten

der Nutzung von Geodaten weitgehend unbekannt sind.

Andere Kommunikationsforen, auf denen auch potentielle Konkurrenten

in den Dialog treten könnten, existieren nicht. So gibt es

derzeit auch keine Fachmesse für den Geodatenmarkt:

Die Geobit fand 1999 zum letzten Mal statt.

Die Intergeo ist eine Fachmesse mit Schwerpunkt im Bereich

Vermessung. Anbieter von Geomarketingprodukten finden

hier beispielsweise nicht ihre Zielgruppe.

Die meisten Fachmessen für die Bereiche Marketing, Vertrieb,

Logistik haben eine Ausrichtung, die mit dem Angebot vieler

Anbieter von Geodatenprodukten nicht harmoniert: Anbieter

raumbezogener Marktanalyse-Anwendungen wollen sich in

der Regel nicht zwischen Werbeagenturen und Event-

Marketing-Firmen platzieren.

Dies verdeutlicht, dass es keine Marktstruktur gibt, in der sich die

verschiedenen Anbieter von Geodatenprodukten wiederfinden.

Bereits heute wird versucht, Geodatenportale im Markt zu etablieren.

Allerdings gibt es bisher kein Portal, das als geeignete Informations-

und Kommunikationsplattform dienen könnte – weder seitens

der öffentlichen noch seitens der privaten Anbieter.

Das Hauptproblem bei bestehenden Geodatenportalen besteht

darin, dass sie vorrangig technikgetrieben entwickelt wurden – von

Experten für Experten. Die Geodatenangebote sind in der Regel

stark erklärungsbedürftig und für Laien nur schwer zu nutzen. So

ist es in einigen Portalen erforderlich, Koordinaten der gesuchten

Karte einzugeben: Ein Unterfangen, das kaum einem Kunden

gelingen wird.

- 35 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kein Wissenstransfer

an Universitäten

Keine Fachmesse für

den Geodatenmarkt

Erste Geodatenportale


Marktanalyse Bestehende Plattformen

Die Angebote sind wenig komfortabel und es wird nach dem Prinzip

gearbeitet: Jeder, der Geodaten, Software oder Dienstleistungen

anzubieten hat, darf auf einer Plattform dabei sein, ohne dass

sein Angebot einer Qualitätskontrolle unterzogen bzw. auf Verwertbarkeit

geprüft wird.

Dies führt zu dem Effekt, dass 10% der Anbieter 90% der Informationen

anbieten. Mit anderen Worten: Viele Anbieter schreiben sich

nur in Marktplätze ein in der Hoffnung, über irgendein Kriterium im

Auswahlprozess als Anbieter zu erscheinen.

Die Datenrecherche gestaltet sich oft schwierig, es fehlt eine effektive

Geodatensuchmaschine. So muss für die Datensuche teilweise

erst eine mehrseitige Suchmaske ausgefüllt werden, bevor ein

Ergebnis angezeigt wird – häufig mit dem Resultat, dass die angeforderten

Daten nicht verfügbar sind und eine komplett neue Suche

gestartet werden muss. Eine sukzessive Spezifikation der gesuchten

Daten ist nur selten möglich. Dies wirkt abschreckend auf potentielle

Käufer.

Darüber hinaus wird die Suche nach Geodaten dadurch erschwert,

dass kein Standard für Metadaten existiert (z.B. Aktualität, Verfügbarkeit).

Diese sind nicht einheitlich und vor allem nicht

kundenorientiert formuliert. Insgesamt geben die Portale keine

Hilfe bei der Suche nach betrieblichen Problemlösungen – z.B.

Standortplanung, Marketing etc.. Qualitätssicherungssysteme oder

die Zertifizierung von Metadaten haben sich bisher nicht etabliert.

Fast alle Portale beschränken sich auf Geobasisdatenangebote.

Für die Navigation haben sich eigene Portale entwickelt. Geomarketing-Anwendungen

findet man in den großen Portalen überhaupt

nicht – diese gibt es nur in wenigen spezifischen Portalen.

Im einzelnen treten bei bestehenden Portalen häufig folgende

Probleme auf:

(1) Die Portale werden zu früh angekündigt und sind dann nicht

rechtzeitig lauffähig.

(2) Für die Nutzung der Portale ist häufig eine Registrierung erforderlich.

Dies wirkt abschreckend auf potentielle Nutzer.

(3) Es fehlt häufig an substantiellen Inhalten (Content).

(4) Oft handelt es sich um reine Metadatenportale, Demoversionen

der Angebote sind nicht vorgesehen.

(5) In diesem Fall wird teilweise nur die Adresse eines Anbieters

angegeben, es ist aber nicht erkenntlich, was dieser überhaupt

anbietet.

(6) Viele vermeintliche Anbieter haben gar kein Angebot (z.B. bieten

Stadtwerke keine Geodaten an, sind aber dennoch in

manchen Portalen aufgelistet).

- 36 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Unkomfortable Angebote

Oftmals schwierige

Datenrecherche

Kein Standard für Metadaten

Schwächen der Portale


Marktanalyse Bestehende Plattformen

(7) Es wird häufig nicht klar getrennt zwischen Daten, Anwendungen

und Dienstleistungen.

(8) Wenn diese Trennung existiert, ist bei den Anwendungen häufig

nicht erkennbar, ob es sich bei dem Angebot um ein Basisprodukt

oder eine spezielle Branchenlösung handelt.

(9) In öffentlichen Portalen werden in der Regel nur Geobasisdaten

öffentlicher Anbieter angeboten.

(10) Häufig fehlt eine grafische Vorschau auf das ausgewählte Material.

Dies schränkt die Nutzung wiederum auf Experten ein,

die genau wissen, was sie wollen.

(11) Es fehlt häufig die Bedarfsweckung, indem den Kunden die

Anwendungsmöglichkeiten vorgeführt oder kostenlose Downloads

zum „Ausprobieren“ angeboten werden.

(12) Oft fehlt eine Qualitätskontrolle, mit der Folge, dass viel unbrauchbarer

Content angeboten wird.

Auch die mangelnde Gestaltung der Geodatenportale dürfte dazu

führen, dass heute so gut wie kein Geschäft originär über das Internet

zustande kommt. Angesichts der Tatsache, dass generell

zwei Drittel aller Online-Käufe heute abgebrochen werden, ist es

wichtig, kundenfreundliche Portale zu errichten.

Im Ergebnis ist festzustellen, dass derzeit keine Plattform für die

Teilnehmer am Geodatenmarkt existiert. In dieser Hinsicht besteht

dringender Handlungsbedarf.

- 37 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH


Marktanalyse Kundenanalyse

4. Kundenanalyse

4.1 Branchen

In der Kundenanalyse werden vor allem die Business- und Government-Kunden

betrachtet, da der Geodatenmarkt heute im wesentlichen

ein Business-to-Business-Markt ist. Die Consumer spielen

entsprechend nur eine untergeordnete Rolle.

So inhomogen wie der Anbietermarkt ist auch die Kundenseite. Po-

tentielle Kunden für Geodatenprodukte finden sich in allen Branchen:

(1) Produzierendes Gewerbe

(2) Handel

(3) Bau

(4) Dienstleistungen

(5) Verkehr/ Telekommunikation

(6) Ver- und Entsorgung

(7) Banken/ Versicherungen

(8) Öffentliche Verwaltung

Im einzelnen handelt es sich dabei um folgende Bereiche:

(1) Produzierendes Gewerbe:

Industrie

Landwirtschaftliche Betriebe

Forstwirtschaftliche Betriebe

Bergbau

Erdgas-/ Erdölförderung

(2) Handel:

Groß- und Einzelhandel

Versandhandel

(3) Bau:

Hoch- und Tiefbau

Straßenbau

(4) Dienstleistungen:

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure (ÖbVI)

Ingenieure

Landschaftsarchitekten

Architekten

Zeitungs-, Buchverlage, Verlage für Wanderkarten etc.

Fernsehproduktionsfirmen

Marktforschungsinstitute

Immobilienanbieter

(5) Verkehr/ Telekommunikation:

Betreiber von Radio- und Fernsehsendeanlagen

Schienenverkehr

Straßenverkehr

Schifffahrt

- 38 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kunden finden sich in

allen Branchen


Marktanalyse Kundenanalyse

Containerdienste

Autovermietungen

Taxibetriebe

Häfen

Schienennetzbetreiber

Betreiber von Telekommunikationsnetzen

Mobilfunk

(6) Ver- und Entsorgung:

Trinkwasserversorger

Energieversorger (Strom/ Gas/ Fernwärme)

Entsorgung

(7) Banken/ Versicherungen:

Privatbanken, Investmentbanken

Industrieversicherungen, Privatkundenversicherungen

(8) Öffentliche Verwaltung:

Kommunen

Bundes- und Landesbehörden

Zweckverbände

Universitäten/ Forschungseinrichtungen

Von diesen Kunden wird bisher aber nur ein Bruchteil erreicht.

Auch bei der Betrachtung der Kunden ist zu berücksichtigen, dass

viele Unternehmen am Geodatenmarkt nicht als homogene Nachfrager

auftreten, sondern gerade große Unternehmen Geodatenprodukte

aus den unterschiedlichsten Gründen nachfragen: So benötigen

technische Abteilungen von Energieversorgungsunternehmen

Anwendungen zur Dokumentation der Leitungsnetze,

während die Marketingabteilungen verortete Kundenadressen für

Mailingaktionen brauchen.

Daher muss – so wie die Angebotsseite – auch die Nachfrage getrennt

nach den vier Anwendungsbereichen untersucht werden,

damit das jeweilige Nachfragepotential und die Anforderungen an

die Geodatenprodukte ermittelt werden können.

4.2 Kunden öffentlicher Datenanbieter

Kunden der öffentlichen Datenanbieter benötigen für ihre Aufgaben

Geobasisdaten. Dabei geht es im wesentlichen um drei Aufgabenbereiche:

Vermessung und Dokumentation von Gebäuden oder Anlagen

Datenveredlung

Erstellung neuer Geodatenprodukte/ Kartengrundlagen

Für die Vermessung und Dokumentation wird von den Kunden vor

allem topografische Genauigkeit und häufig Gerichtsfestigkeit gefordert.

Datenveredler benötigen insbesondere flächendeckend

- 39 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Unterschiedliche Unternehmensbereiche

benötigen unterschiedliche

Anwendungen

Drei Aufgabenbereiche


Marktanalyse Kundenanalyse

verfügbare Daten. Bei der Nachfrage nach Geobasisdaten handelt

es sich insgesamt um einen reinen Spezialistenmarkt (Vermessungsingenieure

und ähnliche Berufe).

Da es im Bereich GIS-Anwendungen derzeit praktisch keine konfektionierten

Lösungen gibt, fragen die meisten Nutzer von Geoinformationssystemen

öffentliche Geobasisdaten als Kartengrundlage

nach. Sie benötigen diese für folgende Aufgabenbereiche:

Planung und Projektierung von Gebäuden, Anlagen, Netzen,

Verkehrswegen

Landschaftsgestaltung, Sanierung, Umweltplanung

Facility Management

Für viele Planungen sind offizielle amtliche Daten erforderlich –

Topografie oder Liegenschaften – um diese in Genehmigungsverfahren

nutzen zu können. Diese Daten werden in der Regel einmalig

auftragsbezogen erworben oder vom Auftraggeber bereitgestellt.

Auch hier handelt es sich um einen Spezialistenmarkt (Ingenieure,

Architekten), dessen Kunden mit Geoinformationssystemen

und Geodaten weitgehend vertraut sind.

Die Kunden, die heute öffentliche Geodaten nachfragen, konzen-

trieren sich auf folgende Bereiche:

EVU/ Stadtwerke

Verkehrsbetriebe und Telekommunikationsunternehmen

Architekten/ Ingenieurbüros

Datenveredler/ Anbieter von Satellitennavigationssystemen

Kommunen, Landesbehörden

Als wichtigste Kunden für die Zukunft werden seitens der Vermessungsverwaltung

die Kommunen und Energieversorger betrachtet

– also weiterhin Kunden aus den klassischen Branchen.

Bisher werden bei digitalen Daten fast nur die Experten als Kunden erreicht

Seltener Kunde Häufiger Kunde

Quelle: Eigene Erhebung

Zeitungen, Verlage

Privathaushalte

Zweckverbände

Universitäten

Kommunale Behörden

ÖbVI,

Architekten,

Ingenieure

Telekommunikation

Verkehrsbetriebe

Stadtwerke, Energieversorger

Unternehmen der Region

Geringes Nachfragepotential* Hohes Nachfragepotential*

*Aufgrund der Anzahl der Unternehmen sowie der Zahl der Anwendungsmöglichkeiten

- 40 -

Unternehmen außerhalb

der Region

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Einsatz von Geobasisdaten

in GIS

Es werden nur die „klassischen“

Kunden erreicht


Marktanalyse Kundenanalyse

Die Kunden der ersten drei Bereiche beziehen öffentliche Geodaten

hauptsächlich zu Vermessungs- und Dokumentationszwecken.

Sie brauchen exakte und teilweise amtliche Daten, z.B. im Rahmen

von Planungsverfahren. Das heißt, dass diese Kunden häufig

keine andere Wahl haben, als öffentliche Daten zu beziehen.

Die Anbieter von Satellitennavigationssystemen und andere Datenveredler

kaufen Geodaten bei öffentlichen Anbietern, weil sie

detailliertes deutschlandweites Kartenmaterial benötigen. Aufgrund

der hohen Auflage ihrer Veredlungsprodukte sind sie in der Lage,

die hohen Preise für die öffentlichen Geobasisdaten zu bezahlen.

Kunden aus der öffentlichen Verwaltung und zum Teil auch Stadtwerke

beziehen in der Regel die öffentlichen Daten kostenlos oder

es wurden entsprechende bilaterale Rahmenverträge abgeschlossen,

so dass sich hier nicht die Frage nach Alternativen stellt.

Ein Problem stellen in diesem Zusammenhang die Kundenbeziehungen

zwischen den Vermessungs- und Katasterämtern und anderen

kommunalen Behörden dar. Diese sind die Hauptkunden der

Vermessungs- und Katasterämter, die unentgeltlichen Leistungen

werden jedoch nicht erfasst. Interne Verrechnungen existieren

nicht, so dass nicht ermittelt werden kann, welche Werte die Vermessungs-

und Katasterämter innerhalb der Kommunen erbringen.

Insgesamt gilt: Die Kunden öffentlicher Datenanbieter sind entweder

auf den Bezug von öffentlichen Geodaten angewiesen oder es

handelt sich um Spezialisten mit hoher Zahlungsbereitschaft. Alle

anderen Kunden mit einem hohen Entwicklungspotential für die

Zukunft, wie die Unternehmen der Region, aber auch darüber hinaus,

werden im wesentlichen nicht erreicht. Darin zeigt sich, wie

problematisch das Fehlen einer konsequenten Kundengewinnungsstrategie

und entsprechender Marketingbudgets ist.

4.3 Kunden privater Anbieter

Die Kunden privater Anbieter fragen hauptsächlich Produkte aus

den drei Anwendungsbereichen

Navigation

Geomarketing

Emerging Markets

nach und nur in geringem Umfang Geobasisdaten. Die Produkte

der drei Anwendungsbereiche werden für verschiedenartige Aufgaben-

und Problemstellungen benötigt.

Die Nachfrager der Navigationsanwendungen suchen Lösungen

zur Beantwortung der Frage „Wo befindet sich was und wie gelange

ich optimal dorthin?“ bzw. zum „travelling salesman problem“.

Die Grundlage für die meisten Navigationsanwendungen bilden

Straßenkarten privater Hersteller, auf denen neue Anwendungen

- 41 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Unentgeltliche Leistungen

innerhalb der Kommunen

Kunden privater Anbieter

fragen Anwendungen nach

Nachfrager von

Navigationsanwendungen


Marktanalyse Kundenanalyse

aufgebaut werden. Das bedeutet, für diese „Sekundäranwendungen“

wird nur indirekt auf amtliche Daten zurückgegriffen.

Die Kunden legen bei der Navigation weniger Wert auf topogra-

fische Genauigkeit (im Meterbereich), sondern einen hohen Infor-

mationsgehalt und räumlichen Detaillierungsgrad bei übersicht-

licher Gestaltung. Das bedeutet, die Nutzer der Navigationssysteme

interessieren sich nicht für flächentreue Abbildungen, sondern

dafür, dass sie das, was sie suchen, finden und wiedererkennen.

Bei den Navigationsanwendungen handelt es sich entsprechend

um einen potentiellen Massenmarkt, auf dem die meisten Kunden

nicht über geodätische Kenntnisse verfügen, sondern aus unterschiedlichsten

Branchen stammen und – häufig situationsbezogen

– Lösungen für spezielle Problemstellungen suchen. Das Potential

auf diesem Markt ist aber noch längst nicht erschlossen, da viele

potentielle Kunden nicht über das Vorhandensein von Geodatenanwendungen

informiert sind und die Öffentlichkeit bisher nicht für

die Bedeutung von Geodatenprodukten sensibilisiert wurde.

Geomarketing-Anwendungen werden von den Kunden zu vielfältigen

Zwecken benötigt, z.B. für gezielte Mailingaktionen, Marktanalysen/

Controlling, Vertrieb und Standortentscheidungen.

Die Kunden von Marketinganwendungen sind ähnlich wie im Bereich

Navigation in der Regel keine Spezialisten, sondern stammen

größtenteils aus kaufmännischen Bereichen. Entsprechend wissen

sie meist nicht, welche Möglichkeiten Geodaten für ihren Aufgabenbereich

bieten. Daher haben die meisten Kunden in diesem

Bereich nur eine geringe Zahlungsbereitschaft und müssen folglich

erst über preisgünstige Anwendungen an den Markt herangeführt

werden. Diese Kunden wünschen einfache und übersichtliche Lösungen

– auf topografische Genauigkeit legen sie keinen Wert.

Auch der Bereich Marketing/ Vertrieb hat das Potential zu einem

Massenmarkt zu werden. Dabei laufen die öffentlichen Anbieter

Gefahr, ihre Position als Basisdatenanbieter zu verlieren. Im Sinne

der Wertschöpfungskette:

1. Anbieter von Geobasisdaten (öffentliche Datenanbieter)

2. Datenveredler (z.B. Hersteller von Straßenkarten)

3. Dienstleister (Hersteller von Marketing-Anwendungen)

4. Kunde

bedeutet dies, dass die öffentlichen Anbieter am Anfang der Wertschöpfungskette

abgekoppelt werden, und der Markt auf die Datenveredler

direkt zugreift.

Bei den Emerging Markets können sich Produkte für unterschiedlichste

Anwendungsbereiche durchsetzen. Dabei werden vor allem

Anwendungen gewünscht, die durch Integration verschiedener

Technologien möglichst hohen Informationsgehalt bieten.

- 42 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Lösungsorientierte Anwen-

dungen werden nachgefragt

Nutzer von Geomarketing-

Anwendungen

Die Kunden greifen auf

Datenveredler statt auf

öffentliche Anbieter zu

Emerging Markets


Marktanalyse Kundenanalyse

Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Kunden in den Spezialistenmärkten

„Geobasisdaten“ und „GIS-Anwendungen“ auf Daten

öffentlicher Anbieter zugreifen, während sich die Kunden in den

Massenmärkten hauptsächlich an private Anbieter wenden. Diese

Zweiteilung der Nachfrageseite wird auch an den Ansprüchen an

die Datengrundlage deutlich: Die Spezialisten benötigen topografisch

exakte Daten, während die Kunden auf den Massenmärkten

Wert auf Übersichtlichkeit bei dennoch hoher Aussagekraft legen.

Daher muss für die weitere Markteinschätzung geprüft werden,

welchen Branchen die jeweiligen Kundentypen zuzuordnen sind.

Die Kunden privater Anbieter von Geodatenprodukten finden sich

in allen Branchen:

(1) Produzierendes Gewerbe

(2) Handel

(3) Bau

(4) Dienstleistungen

(5) Verkehr/ Telekommunikation

(6) Ver- und Entsorgung

(7) Banken/ Versicherungen

(8) Öffentliche Verwaltung

Die acht Branchen unterscheiden sich dabei zum Teil wesentlich in

ihrem Nachfrageverhalten.

In der Industrie werden Produkte aus allen Anwendungsbereichen

nachgefragt: hier ist der Bereich Marketing bereits in Ansätzen

entwickelt und es etablieren sich erste vertikale Lösungen, z.B.

Pharma, Automobilmarkt und Tabak-/ Getränkehersteller.

Navigationsanwendungen im Sinne von Auskunfts- oder Routingprodukten

werden in der Industrie bereits häufig eingesetzt.

Wichtig ist dabei, dass es in der Industrie im Branchenvergleich die

meisten Großunternehmen gibt: Bei diesen größeren Unternehmen

findet sich am ehesten die Bereitschaft, in umfangreiche Planungssysteme

oder die Entwicklung individueller Anwendungen zu

investieren. Insgesamt wird aber das Kundenpotential, vor allem in

den kaufmännischen Bereichen, noch wenig genutzt.

Im Handel gibt es zwar ähnlich viele Großunternehmen. Hier beschränkt

sich die Nachfrage nach Geodatenprodukten jedoch weitgehend

auf Navigationsanwendungen, wie beispielsweise das Flottenmanagement.

Dabei haben aber lediglich vergleichsweise

preisgünstige Standardprodukte eine hohe Marktdurchdringung erreicht,

so dass in diesem Bereich eher geringe Umsätze erzielt

werden. Für Marketing- und Planungsanwendungen herrscht in

dieser Branche eine vergleichsweise geringe Nachfrage.

Die Branchen Bau, Verkehr, Telekommunikation, Ver- und Entsorgung

zählen zu den klassischen Nachfragern am Geodatenmarkt

und zu den Nutzern öffentlicher Geodaten. Sie beziehen

- 43 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kunden privater Anbieter

finden sich in allen Branchen

Hohes Nachfragepotential

in der Industrie

Nachfrage nach Navigationsprodukten

im Handel


Marktanalyse Kundenanalyse

aber in zunehmendem Maße auch Produkte privater Anbieter: GIS-

und Planungsanwendungen, Marketinganwendungen sowie Navigations-

und Auskunftssysteme.

Vor allem Infrastrukturunternehmen benötigen flächenbezogene

Problemlösungen und sind entsprechend investitionsfreudig. Da

diese Unternehmen i.d.R. Spezialisten mit umfassendem Knowhow

beschäftigen, werden hier nicht nur konfektionierte Lösungen

nachgefragt, sondern auch aufwendige, zum Teil individuell erstellte

Anwendungen – z.B. zur Berechnung der Netzabdeckung für

den Mobilfunk. Zahlenmäßig handelt es sich dabei um vergleichsweise

wenige Unternehmen, diese stellen aber nach Umsätzen

derzeit noch die wichtigste Branche am Geodatenmarkt dar.

Im Segment der Dienstleistungen ist vor allem der Immobilienbereich

interessant. Hier gibt es branchenbezogene Anwendungen,

z.B. zur Online-Vermittlung von Immobilien. Hier werden die Möglichkeiten

erkannt, mit neuartigen Produkten erhebliche Kosteneinsparungen

zu erzielen. Zudem fragen Marktforschungsinstitute und

ähnliche Dienstleister zunehmend Geodatenprodukte zur Aufbereitung

erhobener Informationen nach. Insgesamt überwiegen aber

im Dienstleistungssektor kleine und mittlere Unternehmen, die in

nicht nennenswertem Umfang Geodatenprodukte einsetzen.

Bei den Banken und Versicherungen gibt es zwar relativ wenige

Unternehmen, diese fragen aber bereits vielfältige Produkte nach,

insbesondere zur Marktanalyse und -bearbeitung. Da in diesen

Branchen umfangreiche Analyse- und Researchabteilungen vorhanden

sind, ist die Bereitschaft entsprechend hoch, neue Analyse-

und Marketinganwendungen einzuführen.

Die öffentliche Verwaltung setzt Produkte privater Anbieter nur in

geringem Umfang ein, ein Beispiel sind Einsatzleitsysteme für Polizei,

Feuerwehr und Rettungsdienste.

Insgesamt ist festzustellen, dass auch die privaten Anbieter vor allem

die klassischen Kunden am Geodatenmarkt, die häufig über

eigene Geoinformationssysteme verfügen und entsprechende Erfahrungen

im Vermessungsumfeld haben, erreichen: Bau, Verkehr/

Telekommunikation oder Ver- und Entsorgung.

Umfangreiche Anwendungen oder branchenspezifische Produkte

werden nur punktuell genutzt; die Marktdurchdringung ist noch gering.

Ein Marktscreening der MICUS Management Consulting

GmbH hat ergeben, dass nur etwa die Hälfte der Anwendungen

am Geodatenmarkt branchenspezifisch ist, während 47% eine allgemeine

Ausrichtung aufweisen. Die branchenspezifischen Anwendungen

richten sich an die klassischen Kunden: Kommunen,

Ver- und Entsorgung, Ingenieure. Nur rund 3% der branchenspezifischen

Anwendungen sind an Kunden aus nicht technischen Bereichen

gerichtet, z.B. für Marketing- oder Vertriebsaufgaben.

- 44 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Hohe Investitionsbereitschaft

in Bau- und Infrastruktur-

unternehmen

Branchenbezogene Anwendungen

im Immobilienbereich

Nachfrage nach Geomarke-

tinganwendungen bei Banken

und Versicherungen

Geringe Nachfrage bei

öffentlicher Verwaltung

Auch private Anbieter

erreichen vor allem

„klassische“ Kunden

Wenig branchenspezifische

Anwendungen


Marktanalyse Kundenanalyse

Der Consumer als letztes Glied in der Wertschöpfungskette kommt

für die meisten Geodatenprodukte nur indirekt in Betracht. GIS-

und Geomarketing-Anwendungen kommen für die Consumer nicht

in Betracht. Lediglich einige konfektionierte Anwendungen aus

dem Navigationsbereich werden direkt genutzt, z.B.:

Routenplanung

Adresssuche

Städteführer/ -portale

Branchenauskunftssysteme („Gelbe Seiten“)

Dabei überwiegen Online-Anwendungen, ein Teil wird auf CD-ROM

vertrieben. Daneben beziehen die Consumer zum Teil digitale Karten

auf CD-ROM, z.B. Freizeit-, Wander- oder Straßenkarten und

zwar sowohl von öffentlichen als auch privaten Anbietern.

Mobile Anwendungen werden bisher nur wenig genutzt, da insbesondere

bei dynamischen Anwendungen die Datenübertragung

derzeit noch zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Die Anwendungen und Dienstleistungen für den Consumer stehen

noch am Anfang. Das zeigt, dass die Öffentlichkeit für die Möglichkeiten,

die Geodatenprodukte bieten, sensibilisiert werden muss.

Der geringe Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung spiegelt das fehlende

Wissen im Businessbereich zum Thema Geodaten wieder.

4.4 Kundenanforderungen

Die Situation der Nutzer von Geodaten und deren Ansprüche an

Geodatenprodukte wird durch folgende Aspekte geprägt:

1. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit bzw. der hohen Preise

werden benötigte Kartengrundlagen häufig von potentiellen

Kunden selbst eingescannt, selbst erhoben oder auf andere

Weise beschafft und nicht von den Vermessungs- und Katasterämtern

oder privaten Datenanbietern bezogen. Dies führt

dazu, dass nur ca. 15% der eingesetzten Daten am Handel

teilnehmen - also erworben werden. Umgekehrt bedeutet das,

dass 85% des Nachfragepotentials nicht genutzt werden.

Herkunft der digitalen Geodaten

Anteil an Gesamtzahl der Nennungen

30%

20%

10%

0%

digitalisiert

Quelle: CLEAR / Eigene Erhebung

gescannt

erworben

vermessen

bereitgestellt

- 45 -

erhoben

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Bisher wenig

Consumer-Anwendungen

Geringer Bekanntheitsgrad

in der Öffentlichkeit

Nur 15% der Daten

werden gehandelt


Marktanalyse Kundenanalyse

2. Die meisten Anwendungen erfordern bundesweiten Flächenbezug

(63%), dies trifft insbesondere für fast alle Anwendungen

in den Bereichen Geomarketing und Navigation zu. Dane-

ben haben nur 13% der Anwendungen einen auf das Land

Nordrhein-Westfalen begrenzten Flächenbezug und 24% sind

lokal begrenzt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Anwendungen

in den Bereichen Planung und Dokumentation.

Zwei Drittel aller Anwendungen setzen bundesweites Datenmaterial voraus

Bundesrepublik

Quelle: Eigene Erhebung (Nachfragescreening)

63%

24%

13%

Lokal

- 46 -

NRW

3. Die Kunden benötigen in 80% der Fälle die Daten nur zur eigenen

Verwendung und nicht zum Weiterverkauf. Das heißt,

Geodaten sind für die meisten Kunden bereits heute fester

Bestandteil des Unternehmens. Dies bestätigt nochmals das

hohe Nachfragepotential.

Über 80% der Nutzer benötigen die Geodaten nur für den Eigenbedarf

Anteil an Gesamtzahl der Nennungen

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

Abgabe an Auftraggeber

Quelle: CLEAR / Eigene Erhebung

Weiterverwendung intern

Weiterverkauf

Bereitstellung für Interessierte

Sonstiges

4. Bei über der Hälfte aller Anwendungen herrscht eine hohe Aktualitätsnotwendigkeit

(58%), bei 29% werden Daten lediglich

auftragsbezogen nachgefragt und bei weiteren 13% der Anwendungen

werden Geodaten nur einmalig nachgefragt oder

höchstens jährlich aktualisiert.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Die meisten Anwendungen

setzen bundesweites Daten-

material voraus

Die Daten werden in der Regel

zur eigenen Verwendung

eingesetzt

Hohe Aktualitäts-

notwendigkeit


Marktanalyse Kundenanalyse

58% der Anwendungen haben einen hohen Aktualitätsbedarf

auftragsbezogen**

einmalig/ jährlich***

29%

13%

- 47 -

regelmäßig*

5. Große Unternehmen und Kunden, die GIS-Anwendungen nutzen,

sind eher bereit, reine Geodaten zu erwerben als kleine

und mittlere Unternehmen, die lediglich als potentielle Nutzer

von Marketing- und Navigationsanwendungen in Betracht

kommen. Statt dessen fragen diese Kunden konfektionierte

Anwendungen nach. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass

der Markt für reine Geobasisdaten begrenzt ist.

6. In den Bereichen Marketing und Navigation werden verstärkt

kombinierte Produkte nachgefragt, bei denen die Karte nur eine

Komponente neben Suchfunktionen, Statistikfunktionen

und anderen Elementen darstellt. Diese Tendenz wird sich

noch durch die Entwicklung neuer Technologien in den Emerging

Markets – Multimedia, Web-Online etc. – verstärken.

Durch die Analyse der Anbieter, der Plattformen und der Kunden

wurde deutlich, dass derzeit im Grunde genommen gar kein wirklicher

Geodatenmarkt existiert. Die Anforderungen an Anbieter und

deren Produkte sind aber klar erkennbar. Das große Interesse aller

im Rahmen der Marktstudie befragten – Anbieter wie Kunden – hat

jedoch das erhebliche Potential von Geodatenprodukten bestätigt.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Analyse wird daher in der

Konzeption aufgezeigt, welche Voraussetzungen für die Aktivierung

des Geodatenmarktes erfüllt werden müssen. Dabei ist festzustellen,

dass ein ganzes Maßnahmenbündel erforderlich ist und

somit ein mehrdimensionaler Ansatz gewählt werden muss:

58%

Die notwendigen Maßnahmen zur Aktivierung des Geodatenmarktes

1.

2.

3.

4.

5.

Die Verfügbarkeit von Daten und die Transparenz über das Angebot erhöhen

Neue Anwendungen/Dienste auf Geodatenbasis entwickeln

Die Werbung für Anwendungen/Dienste auf Geodatenbasis deutlich erhöhen

Preise und Nutzungsrechte der Nachfrage anpassen

In der Ausbildung entsprechende Anwendungen vermitteln

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

*** Hoher Aktualitätsbedarf,

*** laufende Aktualisierung

*** Daten werden auftragsbezogen

*** nachgefragt

*** Daten werden selten nachgefragt

Die Nachfrage nach Geo-

daten konzentriert sich auf

große Kunden

Kombinierte Produkte

dominieren in Marketing

und Navigation

Der Markt hat sich noch

nicht formiert

Notwendige Maßnahmen


Marktkonzept Kundenkonzept

II. Marktkonzept

Im Marktkonzept wird erläutert, wie in NRW die Wertschöpfungskette

über Märkte, Kunden, Produkte, Preise und Nutzungsrechte

entwickelt werden kann. Die in den Märkten heute und künftig zu

erzielenden Umsätze nach Regionen und Produkten bilden den

Abschluss des Marktkonzeptes.

Besonderes Augenmerk wird im Marktkonzept auf den Abbau der

Markteintrittsbarrieren gelegt, weil hier der Schlüssel zum Erfolg

der Geodatenanwendungen liegt. Eine Aussage zieht sich wie ein

roter Faden durch die Marktstudie: Der Markt für Geodaten ist derzeit

nicht entwickelt, die Chancen sind aber deutlich erkennbar.

Auch das Land NRW muss sich hier einer wichtigen Herausforderung

stellen: Öffnet sich der Bereich der öffentlichen Geodaten

nicht stärker für neue Anwendungen, entwickelt sich ein Markt vorbei

an den öffentlichen Anbietern: Daten werden selbst erfasst

oder gescannt, Satellitenbilder oder Luftbildaufnahmen werden direkt

von privaten Anbietern bezogen, Daten aus anderen öffentlich

zugänglichen Quellen, wie z.B. öffentlichen Einrichtungen der

USA, verwendet.

Das Internet erhöht den Handlungsdruck: Die Suche nach Informationen

im Internet führt zu einer ständig steigenden Nachfrage

nach Inhalten (Content), der vor allem auf der Karten- und Datenseite

in hervorragender Weise durch öffentliche Quellen bedient

werden könnte.

1. Kundenkonzept

1.1 Märkte

Zunächst werden die Charakteristika der vier Teilmärkte, die auf

dem Geobasisdatenmarkt aufbauen, aufgezeigt. In der Folge wird

auf Kunden und Produkte zu diesen Teilmärkten eingegangen.

Der Geobasisdatenmarkt umfasst alle Produkte und Dienstleistungen

rund um das Grundkarten- und -datenwerk, wie die Katasterkarte,

das Liegenschaftsbuch, das topografische Kartenwerk

sowie Luftbildaufnahmen.

Hier sind die Vermessungsverwaltungen und die öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure auf der Produktionsseite die wesentlichen

Marktteilnehmer. Die Karte als eigenständiges Produkt wird

immer einen Anteil am Markt halten. Die einzelne Karte wird aber

eher ein Einstiegsprodukt sein, über das neue Kunden für weiter

veredelte Geodatenanwendungen oder großflächige Anwendungen

gefunden werden.

- 48 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Abbau der

Markteintrittsbarrieren

Das Land muss aktiv werden,

um am Markt zu partizipieren

Geobasisdatenmarkt


Marktkonzept Kundenkonzept

Die eigentlichen Entwicklungschancen liegen in vier Teilmärkten,

die Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage der Geobasisdaten

entwickeln:

(1) Der Markt für GIS-Anwendungen umfasst Planungsleistungen

zu Fachthemen von Umweltschutz, Land- und Forstwirtschaft

über Bauplanungen bis zu Verkehrsplanungen und Telekommunikation

sowie Netzdokumentationen und Utility/ Facility

Management. Dieser Markt ist das klassische Marktsegment

und ist in vielen Bereichen die Keimzelle weitergehender

und neuer Anwendungen. Dennoch wird sich der Bereich der

GIS-Anwendungen in den nächsten Jahren konsolidieren.

Deutliche Umsatzsteigerungen werden nur durch neuartige

Produkte erzielt werden können.

(2) Der Markt für Navigationsdienste konzentriert sich auf Kfz-

Navigation, Routing, Telematik, Flottenmanagement und Auskunftssysteme.

Er hat als einziger Massenanwendungen für

Geobasisdaten hervorgebracht. Der Kunde nimmt häufig gar

nicht wahr, dass es sich hierbei um eine Geodatenanwendung

handelt. Er erwirbt eine Lösung, die ihn ohne Suchfahrten und

Zeitverluste zum Ziel navigiert, über die verwendeten Datenquellen

muss und wird er sich keine Gedanken machen. Dieser

Markt wird auch künftig eine große Bedeutung haben.

(3) Der Markt für Geomarketing umfasst betriebswirtschaftliche

Auswertungen auf Basis von Karten- und Datenmaterial verschiedener

Quellen. Dieser Markt hat hohe Wachstumspotentiale.

Sein Hauptproblem ist, dass es zu wenig Anwendungen

gibt, die diese Aufgaben unterstützen. Hier ist es erforderlich,

innovative Projekte zu fördern, um die Lücke zwischen Marktpotential

und vorhandenen Lösungen zu schließen.

(4) Für die Emerging Markets sind neue Lösungen auf Basis

neuer PC- und Telekommunikationslösungen wie wireless-

oder Web-Online-Techniken erforderlich.

Anwendungen im Mobilfunk arbeiten mit dem WAP (Wireless

Application Protocol), GPRS (General Packet Radio Service)

und künftig UMTS (Universal Mobile Telecommunications

System). Dieser Markt ist abhängig von der Einführungsgeschwindigkeit

von UMTS und den damit deutlich höheren Datenübertragungsraten,

die insbesondere für alle Lösungen des

individuellen Routings über ein Handy erforderlich sind.

Der Markt für interaktive Web-Mapping-Anwendungen und

Multimedia-Projekte hat hohe Wachstumspotentiale.

Für beide Teilmärkte gilt, dass aufgrund der technischen Entwicklung

in den kommenden Jahren nur geringes Wachstum

zu erwarten ist.

- 49 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Entwicklungschancen

in vier Teilmärkten

Neuartige Produkte im

Bereich GIS-Anwendungen

sind erforderlich

Navigationsdienste

als Massenmarkt

Potential des Geomarketing

muss noch erschlossen

werden


Marktkonzept Kundenkonzept

Mittelfristig – ab 2005 – wird dieser Bereich jedoch eine zen-

trale Position einnehmen, so dass frühzeitig mit der Entwicklung

innovativer Produkte begonnen werden sollte. Der Weg

geht hier z.B. zur individuellen Navigation per Handy mit einem

Display, das Karten anzeigen kann.

Über diese vier Teilmärkte hinaus sind derzeit keine weiteren Bereiche

erkennbar, in denen Geobasisdaten in größerem Umfang

eingesetzt werden können.

1.2 Kunden

In den vier Teilmärkten werden sehr unterschiedliche Kundengruppen

erreicht. So werden heute mit den Produktbereichen GIS-

Anwendungen und Geomarketing überwiegend Business- und Government-Kunden

angesprochen.

Bei den Produktbereichen Navigation und Emerging Markets ist

hingegen ein hoher Anteil Consumer zu verzeichnen, wobei diese

Endkunden den Service auf Basis von Geobasisdaten über

Dienstleister erhalten. Diese sind wiederum Business-Kunden für

Anbieter von Geobasisdaten.

Wie die Analyse gezeigt hat, werden bei den GIS-Anwendungen

vor allem die Kunden der öffentlichen Verwaltung erreicht sowie

die Business-Kunden der Branchen Bau, Energie- und Wasserversorgung,

Verkehr und Telekommunikation, Ingenieurbüros und Architekten

– also die originären Zielgruppen für diesen Anwendungsbereich.

Bei den drei neuen Teilmärkten des Geodatenmarktes: Geomarketing,

Navigation und Emerging Markets sind darüber hinaus die

Kunden in den Zielgruppen der Branchen Industrie, Banken/ Versicherungen,

Handel und Dienstleistungen neu zu gewinnen, die

bisher nur wenige Anwendungen auf Geodatenbasis nutzen.

Um das Ziel zu erreichen, Geodatenprodukte zu Massenanwendungen

im Markt zu entwickeln, muss sich das Angebot entfernen

von erklärungsbedürftigen Produkten, die ausschließlich für Experten

entwickelt wurden, so wie dies heute der Regelfall ist und für

den Bereich der GIS-Anwendungen zutrifft.

Dazu sind neue georeferenzierte Anwendungen für die Bereiche

Controlling, Marketing, Werbung, Vertrieb sowie auf Basis der

neuen Medien zu entwickeln und anzubieten.

Grundlage zur Beurteilung der Kunden nach Branchen ist die Investitionsbereitschaft

für Informations- und Kommunikationstechnik

der verschiedenen Branchen.

- 50 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Emerging Markets gewinnen

mittelfristig an Bedeutung

Wer sind die Kunden

in diesen Teilmärkten?

Welche Kunden sind

noch zu gewinnen?

Die entscheidenden

Branchen


Marktkonzept Kundenkonzept

Maßgeblich ist dabei zum einen der Anteil der Unternehmen innerhalb

der jeweiligen Branche sowie der Anteil an den IT-/ TK-

Investitionen. Ist der Anteil der IT-/ TK-Investitionen im Vergleich

zum Branchenanteil hoch, ist diese Branche besonders interessant

für Geodatenanwendungen.

Zum anderen spielt die Branchenstruktur eine wichtige Rolle. Dabei

ist zu unterscheiden zwischen kleinen und mittleren Unternehmen

bzw. großen Unternehmen:

Große Unternehmen sind häufig bereit, in Geodaten direkt zu

investieren. Sie verfügen teilweise über eigenes Know-how im

Bereich der Geoinformationen und geben auch individuelle

Dienstleistungen oder Datenprodukte in Auftrag.

Kleine und mittlere Unternehmen haben meist nur geringe

Kenntnisse auf dem Gebiet der Geoinformationen und müssen

erst an dieses Thema herangeführt werden. Entsprechend

fragen sie selten individuelle Dienstleistungen nach,

sondern sind über konfektionierte und entsprechend preisgünstige

Dienstleistungen zu erreichen.

Ein Schwerpunkt der Investitionsbereitschaft liegt über die Branchen

hinweg im Bereich Marketing/ Vertrieb, in dem die Zahl der

IT-Arbeitsplätze allein von 1999 bis einschließlich 2001 um fast

20% zunehmen wird. Neue Lösungen im Bereich Geomarketing

können an dieser Entwicklung teilhaben, wenn es gelingt, die Kunden

zu erreichen.

Die Anwendungen im Marketing und Vertrieb werden überproportional wachsen

Anzahl IT-Arbeitsplätze in Tsd.

4000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

+20%

Datenbankmanagementsysteme

Auftragsabwicklung

Dokumenten-Management

Finanzwesen

Marketing/ Vertrieb

Technische Software

ERP-Lösungen

Personalwesen

Warenwirtschaft

Archivierung

Materialwirtschaft/ Lagerwesen

KLR

Entwicklungstools

- 51 -

1999

2001

Quelle: Tech-Consult

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Zunahme der IT-Arbeitsplätze

im Marketing/ Vertrieb


Marktkonzept Kundenkonzept

Auf Basis der Branchenanteile, der IT-/ TK-Investitionen sowie der

Branchenstrukturen gehen wir von einer Marktentwicklung in drei

Phasen aus:

Die klassischen Kunden im technischen Bereich – Versorgung,

Verkehr, Telekommunikation und Bau – bilden den Startmarkt.

Diese Kunden haben aber nur ein geringes Ausbaupotential, denn

der Branchenanteil und der Investitionsanteil ist in etwa ausgeglichen.

Das heißt, diese Branchen werden auch künftig bedient und

bilden einen wichtigen Bestandteil des Marktes, tragen aber eher

zu einer Grundauslastung des Angebots bei.

Die Bedeutung dieser Branchen ist dabei nicht zu unterschätzen,

bilden sie doch ein finanziell wichtiges Standbein für die Geodatenangebote.

Daneben sind die öffentlichen Verwaltungen auch künftig eine

wichtige Branche, die für Dienstleistungen rund um die Geobasisdaten

und für neue Anwendungen zu gewinnen sind. Darüber hinaus

entstehen neue Chancen für Application Service Provider, also

die Übernahme einer Dienstleistung auf Geodatenbasis insbesondere

für kleine Kommunen durch einen privaten Dienstleister.

In der weiteren Entwicklung des Geodatenmarktes werden die vorrangigen

Kunden für Geodatenanwendungen vor allem kaufmännische

Bereiche großer Unternehmen sein, die eine entsprechende

Investitionsbereitschaft in diesem Segment haben und zum Teil in

der Vergangenheit in entsprechende Systeme und Geodaten investiert

haben. Hierzu gehören insbesondere Kunden aus den Bereichen

Telekommunikation, Banken/ Versicherungen, Dienstleistungen/

Immobilien und einige ausgewählte Industrielösungen in

den Branchen Pharma, Getränke, Kraftfahrzeuge und Tabak.

Bundesweit gibt es rund 13.500 Unternehmen mit einem Umsatz

von mehr als 50 Mio. DM. Das für das Jahr 2000 vorgesehene Investitionsvolumen

für Informations- und Kommunikationstechnik

betrug 144 Mrd. DM.

Zur Entwicklung eines Massenmarktes in der 2. Phase sollten verstärkt

Branchen mit hohem Investitionspotential angesprochen

werden: Der Anteil der Unternehmen der Banken- und Versicherungsbranche

ist zwar eher gering, doch sind hier besonders hohe

Investitionen in neue Technologien geplant, und es besteht ein

breites Spektrum möglicher Geodatenanwendungen.

Ähnlich gestaltet sich die Situation im Dienstleistungsbereich, denn

auch hier ist eine hohe Investitionsbereitschaft vorhanden. In diesem

Bereich finden sich besonders die Unternehmen, die konsequent

auf das E-Business setzen und für innovative Lösungen zu

gewinnen sind.

- 52 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Entwicklung des Marktes

in drei Phasen

1. Phase: Startmarkt der

klassischen Kunden

2. Phase: Anwendungen für

kaufmännische Bereiche

großer Unternehmen

In der zweiten Phase sind

Branchen mit hohem Investitionspotential

anzusprechen


Marktkonzept Kundenkonzept

Ein weiterer großer Zukunftsmarkt ist in der Industrie zu sehen,

aufgrund hoher Investitionen in die Informationstechnologie und

breiten Entwicklungsmöglichkeiten für branchenspezifische Anwendungen.

Eine Besonderheit ist der Handel: Die Handelsunternehmen sehen

sich in der Frage der Geodatenanwendungen eher nicht in der

Pflicht und verweisen hier auf die Industrie, die ihre Waren über

den Handel vertreibt. So ist das Potential im Handel vergleichsweise

gering.

Betrachtet man nur die großen Unternehmen, haben Industrie, Dienstleistungen

sowie Banken und Versicherungen die höchsten IT-Investitionen

Branchenanteil

45,0%

40,0%

35,0%

30,0%

25,0%

20,0%

15,0%

10,0%

5,0%

0,0%

Industrie

Handel

Dienstleistungen *

Bau

Energie-/Wasserversorgung

Verkehr/Telekommunikation

Quelle: Tech-Consult/ Stat. Bundesamt Anzahl Unternehmen > 50 Mio. DM bundesweit (1998): 13.526

IT/TK-Investitionen gesamt: 144 Mrd. DM

- 53 -

Banken/Versicherungen

*:einschl. Immobilien Anzahl Unternehmen > 50 Mio. DM IT/TK-Investitionen 2000

Bei Betrachtung der Gesamtzahl der Unternehmen fallen die Branchen

Dienstleistungen, Handel und Bau ins Gewicht: hier finden

sich viele kleine Unternehmen mit entsprechend niedriger Zahlungsbereitschaft

für Geodatenprodukte wie beispielsweise georeferenzierte

Marktinformationen.

Während in großen Unternehmen die Bereitschaft vorhanden ist,

Daten zuzukaufen, selbst weiter zu verarbeiten, und hierzu auch

entsprechende Ressourcen vorgehalten werden, sieht dies bei

kleinen und mittleren Unternehmen anders aus.

Um die kleinen und mittleren Unternehmen der oben genannten

Branchen als Kunden zu gewinnen, sind spezifische Anwendungen

durch Dienstleister/ Anbieter zu entwickeln und anzubieten. Über

neue Medien wie das Internet kann dann die Leistung selektiv bezogen

werden.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

3. Phase: Dienstleistungen

für kleine und mittlere

Unternehmen


Marktkonzept Kundenkonzept

Der Geodatenmarkt für die kleinen und mittleren Unternehmen

entwickelt sich also über Dienstleister und Branchenlösungen. Der

Aufbau entsprechender Dienstleister und die Initiierung von Verbundprojekten

zur Produktentwicklung kann diesen Prozess erheblich

beschleunigen.

Gemessen an der Gesamtzahl der Unternehmen sind die IT-Investitionen in Handel

und Dienstleistungen niedrig

Branchenanteil

45,0%

40,0%

35,0%

30,0%

25,0%

20,0%

15,0%

10,0%

5,0%

0,0%

*:einschl. Immobilien

Industrie

Handel

Dienstleistungen *

Unternehmen gesamt IT/TK-Investitionen 2000

Quelle: Tech-Consult/ Stat. Bundesamt Unternehmen Gesamt (1998): 2.478.739;

IT/TK-Investitionen gesamt: 144 Mrd. DM

Der Markt wird sich phasenweise entwickeln

Branchenanteil

45,0%

40,0%

35,0%

30,0%

25,0%

20,0%

15,0%

10,0%

5,0%

0,0%

Industrie

*:einschl. Immobilien

Handel

Dienstleistungen *

Bau

Energie-/Wasserversorgung

Verkehr/Telekommunikation

- 54 -

Banken/Versicherungen

Phase III:

Dienstleistungen für kleine Unternehmen

Phase II:

Anwendungen für große Unternehmen

Phase I: Startmarkt

Anzahl Unternehmen > 50 Mio. DM Unternehmen gesamt IT/TK-Investitionen 2000

Quelle: Tech-Consult/ Stat. Bundesamt Anzahl Unternehmen > 50 Mio. DM bundesweit (1998): 13.526

Unternehmen gesamt: 2.478.739; IT/TK-Investitionen gesamt: 144 Mrd. DM

Bau

Energie-/Wasserversorgung

Verkehr/Telekommunikation

Banken/Versicherungen

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Entwicklung von

Branchenlösungen


Marktkonzept Produkte

2. Produkte

Damit neue Kunden gewonnen werden können und Märkte sich

entwickeln, ist es erforderlich, gute und nachfragegerechte Produkte

bereit zu stellen. Zur Definition der Produkteigenschaften werden

zunächst Grundsätze aufgestellt und dann Produktbereiche für

die einzelnen Teilmärkte benannt.

Wie die Analyse zeigt, ist für die meisten Anwendungen - insbesondere

bei Navigation und Marketing - mindestens ein bundesweiter

Flächenbezug erforderlich. Nur für einen geringen Teil genügt

Nordrhein-Westfalen als Datenbasis bzw. der lokale Datenbestand

eines einzelnen Bezirkes. Da aber gerade die Märkte für

Geomarketing und Navigation das höchste Potential bei Unternehmen

und Consumern aufweisen, ist eine lokal auf NRW begrenzte

Marktsicht allein nicht zielführend.

Darüber hinaus ist für die Mehrzahl der Anwendungen eine regelmäßige

Aktualisierung erforderlich. Denn die Nutzer dieser Anwendungen

wünschen möglichst tagaktuelle Daten, so dass für Aktualisierungen

eine hohe regelmäßige Nachfrage zu erwarten ist.

Geodaten müssen folgendermaßen konzipiert sein, damit sich die

Anwendungen im gewünschten Umfang entwickeln können:

überregional

flächendeckend

aktuell verfügbar

Darüber hinaus sollten sie ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis

und transparente Nutzungsbedingungen haben. Auf diese beiden

Faktoren wird in Folgekapiteln noch einzeln eingegangen.

Generell gilt für die Produktgestaltung im Geodatenbereich:

Es muss eine Online-Recherche nach Geodaten und Geodatenanwendungen

möglich sein. Die Bestellung über E-mail oder der

Online-Datenaustausch wird Standard. Die Workflow-Einbindung

von Geodaten wird sich künftig im Markt behaupten.

Wesentlich ist die Unterscheidung in horizontale und vertikale Angebote:

Horizontale Produkte sind branchenübergreifende Lösungen

z.B. Navigation, Standortanalysen und Vertriebssteuerung.

Vertikale Angebote für einzelne Branchen arbeiten z.B. mit Marktumsätzen

oder Absatzmengen der jeweiligen Marktsegmente.

Zum Einstieg empfehlen sich häufig horizontale Angebote, um einen

breiten Nutzerkreis zu erschließen. Aus fast jedem horizontalen

Produkt lässt sich dann später ein vertikales Produkt ableiten.

Zur Entwicklung entsprechender horizontaler und vertikaler Anwendungen

müssen sich Dienstleister im Markt entwickeln, die

marktgerechte Lösungen anbieten.

- 55 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Wo liegt nun der Schlüssel,

um den Verkauf von Geo-

daten zu fördern?

Grundsätze für

Geodatenprodukte

Erfolgsfaktoren

Online-Recherche und

Online-Datenaustausch

Horizontale und

vertikale Angebote


Marktkonzept Produkte

Für die Entwicklung der Märkte werden horizontale und vertikale Angebote

benötigt

Horizontale

Angebote

Vertikale

Angebote

Getränkehersteller

Vertriebssteuerung

Verlage

- 56 -

Reifenhersteller

Damit stellt sich die Frage, wie denn nun die Produkte und Dienstleistungen

im einzelnen zu gestalten sind, um den Markt zu öffnen.

Der Geodatenmarkt wird sich in 4 Teilmärkten entwickeln

GIS-

Anwendungen

• Planungen

• Netzdokumentation

• Facility Management

Navigation

• Kfz-Navigation

• Routing/ Telematik

• Flottenmanagement

• Auskunftssysteme

2.1 GIS-Anwendungen

Geobasisdaten

Geomarketing

• Controlling

• Vertriebssteuerung

• Standortanalysen

•Marketing

Emerging

Markets

• Mobilfunk, WAP, UMTS

• Multimedia

• Web-online Anwendungen

Klassische Anwendungen in den Bereichen Planung und Vermessung

werden auch künftig Spezialisten vorbehalten sein. Aber da

GIS-Anwendungen bereits lange auf dem Markt sind, sind hier

auch wesentliche Weiterentwicklungen festzustellen.

Auf Basis der bisherigen Lösungen entstehen völlig neue Anwendungen,

so zum Beispiel in der Landwirtschaft: „Precisious Farming“

zur Optimierung des Düngemittelverbrauchs und des Flächenertrags

oder Systeme zur Steuerung von Maßnahmen zur

Seuchenabwehr. Aber auch in Bereichen der Archäologie setzt

sich die georeferenzierte Dokumentation von Fundstücken durch.

Einen neuen Aufschwung wird der Bereich Planung durch die neue

Generation von 3-D-Geoinformationssystemen erhalten, die es

ermöglichen, geplante und bestehende Gebäude innerhalb bestehender

Straßenzüge räumlich darzustellen, und so noch aussagekräftigere

Informationen für Entscheidungsträger zu liefern.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Der Markt entwickelt sich

in vier Teilmärkten

Weiterentwicklung der

GIS-Anwendungen

3-D-Geoinformationssysteme

und web-basierte Systeme


Marktkonzept Produkte

Die Anwender nutzen zunehmend web-basierte Systeme, die eine

Zusammenarbeit mehrerer beteiligter Stellen und Quellen ermöglichen,

so dass entsprechende Formate an Bedeutung gewinnen.

Insbesondere bei GIS-Anwendungen spielt die Fähigkeit zur Inte-

gration von Daten verschiedener Quellen auf einer Integrationsebene,

in der Regel einem Kartenwerk, eine entscheidende Rolle

bei künftigen Entwicklungen.

EVUs und andere netzorientierte Dienstanbieter (Telekommunikation,

Wasserverbände, Pipelinebetreiber verschiedener Medien)

werden ihrer Auskunftspflicht über die Lage von Netzen künftig

vermehrt über das Internet nachkommen.

Für die Störfallbeseitigung in Versorgungsnetzen werden zunehmend

Laptops zur Orientierung und Ortung eingesetzt. Insgesamt

wird damit auch einhergehen, dass Informationen aus GIS-Anwen-

dungen leichter und an jedem beliebigen Ort auf stationären oder

mobilen Datensystemen zur Verfügung gestellt werden können.

Im Forst- und Umweltbereich sind mobile digitale Erfassungsgeräte

für alle Arten von Katastern auf dem Vormarsch. Auch in der Vermessung

wird die direkte Berechnung und Kontrolle der Ergebnisse

auf Laptops und Grafiktableaus weiter an Bedeutung gewinnen.

Für die Einsatzleitung bei Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz

werden die mobilen Anwendungen auf Laptops immer wichtiger.

In vielen Bereichen bilden GIS-Fachanwendungen die Basis für

Anwendungen im Geomarketing. So wird in einigen Stadtwerken

auf Basis der Daten zur Netzdokumentation mit dem Aufbau von

Kundendatenbanken als Geomarketing-Instrument begonnen.

Am Teilmarkt für GIS-Anwendungen werden neue Impulse durch

die Weiterentwicklung bestehender Systeme zu erwarten sein, vor

allem durch dreidimensionale Anwendungen, die Integration von

Daten aus verschiedenen Quellen sowie die Entwicklung mobiler

und web-basierter Systeme.

2.2 Navigation

Navigationsdienste, insbesondere Routenplanungssoftware und –

in jüngster Zeit – einfache Branchenauskunftssysteme, haben sich

als Massenanwendungen im Markt durchgesetzt. Besonders hervorzuheben

ist auch der Markt für In-Car-Navigation. Bis Ende

2000 sind in Europa etwa 1.750.000 Systeme in Kraftfahrzeugen

installiert. Diese Produkte werden auch künftig eine tragende Säule

des Marktes sein.

Der Markt für Off-Bord-Navigation – dies sind Routing-Programme,

die auf PCs lauffähig sind – ist mittlerweile übersättigt. Routing-

Programme gibt es als give-aways beim Hardwarekauf oder für un-

- 57 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Web-basierte Systeme

Integration verschiedener

Datenquellen

Mobile Datensysteme

GIS-Anwendungen als

Basis für Geomarketing-

Anwendungen

Navigationsdienste haben

sich im Markt durchgesetzt

Der Markt für Off-Board-

Navigation ist übersättigt


Marktkonzept Produkte

ter 10,- DM im Handel. Daher werden steigende Umsätze in diesem

Bereich künftig eher mit weiter entwickelten Produkten erzielt

werden können.

Eine große Rolle spielt die Navigation im Bereich des Flotten- und

Transportmanagements. Die Integration von Logistikfunktionen

und E-Commerce, die sogenannte E-Logistik, bietet Logistikunternehmen

noch hohe Wachstumspotentiale.

Auch Alarmzentralen sowie Call Center und Einsatzzentralen von

Feuerwehren, Krankenwagen und Polizei nutzen die Unterstützung

durch Navigationssysteme.

Das Verkehrsmanagement auf öffentlichen Straßen wird gleichfalls

durch entsprechende Systeme unterstützt. Insbesondere in Verbindung

mit der Verkehrstelematik und der Möglichkeit, Verkehrsströme

übergreifend zu lenken, gewinnt das Verkehrsmanagement

an Bedeutung. Für die weitere Entwicklung des Marktes ist es entscheidend,

wie sich die individuellen Systeme der Verkehrstelematik

einerseits und übergreifende Systeme der öffentlichen Verkehrsbeeinflussung

auf Straßen andererseits entwickeln werden.

Derzeit wird im Markt deutlich, dass sich die individuellen Systeme

über In-Car-Navigation in Verbindung mit einer dynamischen Komponente,

wie dem TMC (Traffic Message Chanel) oder individuelles

Routing über Mobilfunknetze (Projekte Passo, ADAC), gegenüber

einer generellen Verkehrsbeeinflussung durchsetzen werden.

Im Bereich Navigation sind es vor allem die weiteren qualitativen

Verbesserungen der Produkte, die den Markt kennzeichnen:

Navigation bis vor die Haustür und ggf. auch noch mit Stockwerksangabe;

dynamische Navigation, die auf Verkehrsstörungen

reagiert; zusätzliche Informationsebenen mit Restaurants,

Hotels, Sehenswürdigkeiten und Tankstellen.

Multimediale Anbindungen von Objekten; Veränderungen der

Sichtweisen aus verschiedenen dreidimensionalen Positionen.

Zusätzliche Informationen für den Bereich der Logistikunternehmen,

wie z.B. Kurvenradien, Lichtraumprofile, Brückenlasten,

Durchfahrhöhen, Wasser- und Naturschutzgebiete oder

Einschränkungen für die Schwerlastverkehre.

Deutlich wird, dass die Aktualisierung dieser Vielzahl an Informationen

im Zentrum des Interesses liegt. Zugleich ist hiermit der größte

Aufwand verbunden. Jeder Anbieter, der hier aktuelle Informationen

zu Hausnummern, Verkehrsführungsänderungen, Straßenachsen,

Neubauten liefern kann, trifft auf eine stabile Nachfrage.

Das Potential wird durch folgende überschlägige Rechnung deutlich:

Bei 1.750.000 installierten In-Car-Navigationssystemen in Europa

besteht für eine aktualisierte Navigations-CD mit einem Durch-

schnittspreis von 300,- DM ein Marktvolumen von 525 Mio. DM.

- 58 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Hohe Wachstumspotentiale

durch E-Logistik

Telematik und

Verkehrsmanagement

Dynamische

Verkehrssteuerung

Wachstumschancen durch

Verbesserung der Produkte

Die Aktualisierung der Daten

ist von entscheidender

Bedeutung


Marktkonzept Produkte

Für die Lieferung dieser Aktualisierungen ist gerade der öffentliche

Bereich besonders prädestiniert. Nutzt er die Chance nicht, werden

private Unternehmen diese Aufgabe erfüllen.

Die Betrachtung des Teilmarktes für Navigationsanwendungen hat

gezeigt, dass bereits viele Anwendungen etabliert sind. Dennoch

bestehen hier auch künftig erhebliche Potentiale, und zwar zum einen

durch die mehrdimensionale und dynamische Integration zusätzlicher

Informationsquellen. Zum anderen wird es eine wesentliche

Aufgabe der Anbieter dieser Produkte sein, die zugrunde liegenden

Datenbestände fortlaufend und zeitnah zu aktualisieren.

Wer es schafft, laufend aktuelle Updates zu seinen Produkten bereitzustellen,

wird sich mittelfristig am Markt behaupten können.

2.3 Geomarketing

Hier bestehen große Marktchancen für Produkte in den Bereichen:

Standortanalysen

Controlling

Vertriebssteuerung

Marketing

Das E-Business hat die Bedeutung des Geomarketings weiter erhöht.

In Verbindung mit E-Commerce ist es möglich, das Kaufverhalten

der Kunden zu erfassen und Kundenprofile abzubilden. So

gesehen erleben wir die digitale Reinkarnation des Tante-Emma-

Ladens: Customer Relationship Management (CRM) mit One-to-

One-Marketing als Idealform und dem Ziel der persönlichen Kundenbindung.

Amerikanische Studien zeigen, dass Unternehmen,

die CRM einsetzen, nachweisbar schneller wachsen.

Somit wird ein wichtiger Schritt zur Lösung des Paradoxons der individualisierten

Massenproduktion („mass customization“) möglich.

Mit Kundenkarten sind darüber hinaus Bewegungsprofile des Kunden

erstellbar. Bereits heute sind Kundendaten mit verschiedensten

Auswahlkriterien selektiv erhältlich.

Nicht nur die Vorbereitung von Marketingmaßnahmen, auch ihr

Follow-up ist ein ideales Einsatzgebiet für Geodatensoftware.

Mikromarketing, also die Georeferenzierung bis zur einzelnen Adresse,

wird in den nächsten Jahren dominieren. Die „Rasterfahndung

nach dem Kunden“ erfordert die Selektion nach verschiedenen

georeferenzierten Kriterien, wie: Alter, Geschlecht, Familienstruktur,

Kaufkraft, Ausbildung, Konsumschwerpunkte, Wohnumfeld.

Dafür sind jedoch zunehmend höherwertige und detailliertere

Kartengrundlagen erforderlich.

- 59 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Hohe Potentiale durch

E-Business


Marktkonzept Produkte

Der Abbildungskegel für Zielgruppeninformationen:

Der Weg führt zu höherwertigen Karten und der Abbildung der einzelnen

Person - Customer Relationship Management

Postleitzahl/Gemeinde

Wahlbezirk

Straßenabschnitt

Haus

Haushalt

Person

- 60 -

Einfaches

Kartenwerk

Topografisches

Kartenwerk

Katasterkartenwerk

In diesem Zusammenhang ist die Tendenz zu beobachten, anstelle

von topografischem Kartenmaterial Orthofotos zu hinterlegen,

deutlich: Das Material ist für den Nichtfachmann viel besser lesbar,

eine Orientierung ist vergleichsweise einfach.

Für den Business-to-Consumer-Bereich gibt es bereits eine Vielzahl

von entsprechenden Datenlieferanten und Adressdateien. Jeder

Haushalt in Deutschland ist heute bereits in mehreren Datenbanken

erfasst, jedoch nur in wenigen Fällen georeferenziert. Hier

bestehen noch Entwicklungspotentiale, insbesondere durch ein

stärkeres Networking, d.h. Zusammenarbeit zwischen Anbietern

von Sachdaten und Herstellern von Geodatenanwendungen.

Daten zu Kaufkraft und Kundenverhalten sind bereits georeferenziert

bei Anbietern zu beziehen. Jedoch sind nur für wenige Märkte

auch spezifische Marktdaten verfügbar (Pharma, Kfz-Gewerbe). Zu

dieser Marktöffnung fehlen Dienstleister, die sich der spezifischen

Produktentwicklung für einzelne Branchen widmen. Eine Aufgabe

wird es sein, Marktdaten, die an verschiedensten Quellen bereits in

analoger Form gesammelt werden, für den Markt zur Verfügung zu

stellen. Hierbei kann beispielsweise auch die zum Teil umfassende

Marktkenntnis von Verbänden einbezogen werden.

Im Business-to-Business-Bereich ist die Situation vergleichbar: Alle

Unternehmen in Deutschland sind in Datenbanken mit den wesentlichen

Unternehmensdaten erfasst und selektierbar nach verschiedenen

Kriterien und Zielgruppen. Nur wenige Anwendungen sind

georeferenziert.

Eine wichtige Anwendung sind Standortanalysen. Ziel sollte es dabei

sein, einen Standort beurteilen zu können, ohne vor Ort gewesen

zu sein. Dieser Ansatz wurde bisher lediglich bei einigen Immobilienportalen

realisiert. Für Standortanalysen ist ein Standardprodukt

erforderlich, das die wesentlichen Informationen zu einem

Standort konzentriert bereit hält.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Orthofotos als Grundlage

für Mikromarketing

Adress- und Business-

daten werden nur selten

georeferenziert

Marktdaten müssen zur

Verfügung gestellt werden

Für Standortanalysen

bietet sich die Nutzung

öffentlicher Daten an


Marktkonzept Produkte

Wesentliche Daten zur Beurteilung von Standorten liegen bei den

Statistischen Landesämtern und dem Statistischen Bundesamt vor.

Dieses Datenmaterial ist aber bisher in der Regel nur als Tabellenmaterial

und nicht georeferenziert verfügbar. In der Konsequenz

muss der Anwender die Daten selbst georeferenzieren, was wiederum

nur in Ausnahmefällen geschieht.

Über Grundlagendaten für erfolgreiche Geomarketinganwendungen

verfügen aber auch die Kommunen (Bebauungspläne, Stadtpläne).

Die Öffnung dieser Daten für Unternehmen könnte die

Entwicklung geeigneter Anbieter fördern.

In Großbritannien ermöglicht ein Internetdienst dem Kunden, auf

Ebene von Postleitzahlen aktuelle Daten, wie Arbeitslosenquote,

Preisniveau der Immobilien, wirtschaftliche Entwicklung und weitere

Wirtschaftskennzahlen, abzurufen.

Gefragt sind in diesem Teilmarkt konfektionierte Anwendungen, die

aber dennoch offen für die Integration zusätzlicher Daten sind,

welche der Kunde dann entweder selbst oder mit Hilfe eines

Dienstleisters ergänzt. So erhalten Anwendungen für den Kunden

häufig erst ihren Wert durch die Verknüpfung eines Produktes mit

eigenen Daten. Welche individuellen Daten beispielsweise für eine

Standortplanung entscheidend sind, wollen die meisten Firmen aus

strategischen Gründen ohnehin nicht preisgeben.

Diesen Anforderungen werden die meisten Anbieter von Standardprodukten

derzeit noch nicht gerecht: Es dominieren geschlossene

Anwendungen, die eine Verknüpfung zu kundeneigenen Daten

nicht ohne weiteres zulassen.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Anwendungen,

die zeigen, wie groß das Potential im Geomarketing ist:

Die Kaufpreissammlung bzw. die Bodenrichtwertkarte liegt für

einige Kommunen in NRW bereits online vor. Diese Anwendung

wird von Banken, Versicherungen, Sachverständigen,

Maklern und Notaren bereits intensiv genutzt.

Die Möglichkeiten, Controllingergebnisse auch georeferenziert

darzustellen, stehen noch ganz am Anfang. Der Vorteil des

Verfahrens ist, dass Abweichungen gegenüber dem Marktdurchschnitt

sofort farblich auf dem zu Grunde liegenden Kartensegment

dargestellt werden und somit wesentlich schneller

erkannt werden können. Die so aufbereiteten Informationen

sind leichter lesbar als das altbekannte Tabellenmaterial.

Dass sich das Produkt bisher nicht durchsetzt, liegt hauptsächlich

daran, dass diese Möglichkeiten bisher den Businesskunden

nur unzureichend bekannt sind.

- 61 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Kommunale Datenbestände

Anwendungen müssen

die Integration zusätzlicher

Daten ermöglichen

Weitere Anwendungen

im Geomarketing


Marktkonzept Produkte

Eine weitere Anwendung ist die Vertriebssteuerung. Eine Vertriebssteuerung

erfolgt sehr häufig nach regionalen Aspekten.

Daher ist der unterstützende Einsatz einer Software, die auf

Kartenmaterial basiert, besonders vorteilhaft. Auch hierfür

sind einige Produkte auf dem Markt, aber der Markt ist noch

nicht umfassend erschlossen.

Insgesamt fehlen für das Geomarketing spezifische Anwendungen.

Hier werden mehr konfektionierte Produkte benötigt, die Lösungen

und damit den Nutzen auch für Nicht-Experten deutlich aufzeigen.

Um entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen, müssen

zunächst Kartengrundlagen geschaffen werden, die den Anforderungen

des Mikromarketings entsprechen. Darüber hinaus müssen

vorhandene Sachdatenbestände georeferenziert werden, um sie in

den Karten abzubilden.

Die Entwicklung branchenspezifischer Anwendungen sollten entsprechende

Dienstleister übernehmen. Um gezielt eine Branche zu

erschließen, bietet sich eine Cross-Over-Zusammenarbeit verschiedener

Unternehmen an, z.B. Anbieter von Sachdaten und

Entwickler von Geodatenanwendungen. Bei der Bereitstellung von

Sachdaten kommt künftig den kommunalen Behörden eine besondere

Bedeutung zu, da diese in vielen Bereichen bereits über umfassende

Datenbestände verfügen.

2.4 Emerging Markets

Mobile Anwendungen sind derzeit in großem Umfang in der Entwicklung.

Hierbei geht es insbesondere um individuelle Navigations-

und Auskunftssysteme mit dem Handy oder PDA (Personal

Digital Assistent) als Ein- und Ausgabegerät.

Die Erwartungen im WAP-Geschäft haben sich nicht erfüllt. Die

unkomfortable Bedienung, geringe Übertragungsraten und damit

hohe Preise und lange Antwortzeiten haben nach einer Studie von

Forrester dazu geführt, dass im Jahr 2000 nur 5% der Handy-

Besitzer auch mobile Internet-Dienste nutzten.

Neue Impulse sind durch die Einführung der wesentlich leistungsfähigeren

Systeme des GPRS im bestehenden Netz oder dann mit

der Einführung von UMTS als neuem Standard zu erwarten.

Banking, Travelling, Ticketing und Entertainment sind Anwendungen,

die am besten für das mobile Geschäft geeignet sind. Erfahrungen

im japanischen Markt, wo entsprechende Netzvoraussetzungen

geschaffen wurden, zeigen, dass 70% der mobil abrufbaren

Angebote auf den Bereich „Lifestyle“ entfallen. Ein weiterer As-

pekt ist die Entwicklung der „Location-based-Services“ - individuelle

Angebote in Abhängigkeit vom aktuellen Standort des Nutzers.

- 62 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Die Voraussetzung für

Mikromarketing: geeignete

Kartengrundlagen

Mobile Anwendungen

Location-based-Services


Marktkonzept Produkte

Hohe Wachstumspotentiale hat der Markt für interaktive Web-

Mapping-Anwendungen und Multimedia-Projekte. Dabei geht es

um multimediale Anwendungen, die eine Kartenoberfläche als Selektionsinstrument

mit darunter liegender Verbindung von Webcams,

Videos, Audios und Bildern verbinden. Selbstverständlich ist

auch die Verbindung mit Sprachausgaben möglich. So ist der

Übergang von multimedialen Anwendungen fließend, denn jede In-

Car-Navigation-Software hat eine Sprachausgabe. Diese Integration

wird sich auch künftig fortsetzen.

Auch hier stehen wir erst am Anfang der Entwicklung, und es sind

entsprechend Kreativität und Gründungsaktivitäten gefordert, um

die technischen Möglichkeiten auch in Produkten umzusetzen. Dafür

sind sowohl Kooperationen verschiedener Anbieter von Geodatenprodukten

erforderlich als auch die Cross-Over-Zusammen-

arbeit z.B. mit Multimediafirmen oder E-Commerce-Anbietern.

Eine zunehmende Verbreitung finden Web-Mapping-Angebote.

Hierbei können User interaktiv in einer Karte navigieren und individuelle

Objekte einfügen. So lässt sich z.B. die Anfahrtsskizze zu

einer Adresse bereits heute kostenfrei als Link-Dienstleistung im

Internet einrichten.

Die Zukunft der Emerging Markets wird davon abhängen, ob die

Anbieter am Geodatenmarkt bereit sind, frühzeitig in die Entwicklung

neuartiger Anwendungen zu investieren. Hier gilt es, offensiv

die Verknüpfung von Geodatenanwendungen mit Multimedia-

Technologien und mobilen Internetdiensten voranzutreiben.

Die Anforderungen für die Entwicklung der vier Teilmärkte

Verschiedene Datenquellen integrieren

und 3 D-GIS sowie mobile und web-basierte

Systeme entwickeln

GIS-

•Anwendungen Planungen

• Netzdokumentation

• Facility Management

Navigation

Verschiedene

• Kfz-Navigation

Informationsquellen

integrieren • Routing/ Telematik

Datengrundlagen

• Flottenmanagement

laufend aktualisieren

• Auskunftssysteme

Geobasisdaten

2.5 Anforderungen an die Geobasisdaten

Sachdatenbestände georeferenzieren

Branchenspezifische Anwendungen

entwickeln

Geomarketing

• Controlling

• Vertriebssteuerung

• Standortanalysen

• Marketing

Emerging

Markets

Innovative Anwendungen

• Mobilfunk,

im Multi-

WAP, UMTS

mediabereich sowie • Multimedia mobile Anwendungen

konzipieren

• Web-online-

Anwendungen

Die Produktanforderungen und die Ausgangssituation bei der Bereitstellung

von Geobasisdaten, wie sie in der Analyse ausgeführt

worden sind, führen zu einer neuen Ausgangssituation für die weitere

Entwicklung von Geobasisdaten.

- 63 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Multimedia-Anwendungen

Verknüpfung von Geodatenanwendungen

und Multimedia-Technologien


Marktkonzept Produkte

Generell gelten zunächst die oben genannten Grundsätze für

Geodaten auch für die Geobasisdaten. Im einzelnen heißt dies für

das Kartenwerk:

Alle Gebäude sollten aktuell, also mit geringstmöglichem Zeitverzug

gegenüber der Erstellung, im Kartenwerk geführt werden. Eine

Information zu Gebäudeart und Stockwerkszahl ist wünschenswert.

Hausnummern und Straßennamen sollten in jedem Fall im

System verfügbar sein.

Sowohl für Planungsaufgaben und Projektierung als auch für Vertrieb

und Marketing wünschen sich viele Unternehmen die Bereitstellung

von Planungsständen durch die Vermessungs- und Katasterämter,

z.B. für ausgewiesene Baugebiete oder erteilte Baugenehmigungen.

Wenn diese Planungsstände zeitnah zur Verfügung gestellt würden,

könnten sie als aktuelle Datengrundlage eingesetzt werden,

bis komplett aktualisierte Datensätze der jeweiligen Kartengrundlage

vorliegen, in denen neue Gebäude verzeichnet sind.

Eine Planungsebene für geplante Neubauobjekte wäre von hohem

Nutzen für die gesamte Baubranche wie auch für die Versorger

und würde daher die Nachfrage erheblich steigern.

Der Trend zur Verknüpfung verschiedenster Daten auf der Kartenebene

als Integrationsträger bedeutet, dass schnell der Übergang

von Rasterdaten zu Vektordaten zu realisieren ist. Um einen Sach-

datenbezug realisieren zu können, sind Vektordaten erforderlich.

Auch ist zu berücksichtigen, dass mittelfristig eine 3D-Komponente

für Geoinformationssysteme bereitstehen wird. Das heißt, die Karte

wird plastisch und setzt damit auch voraus, dass Informationen

über die Stockwerksangabe von Gebäuden vorliegen.

Die Erschließung neuer Kundengruppen außerhalb der klassischen

Klientel wird auch die Nachfrage nach Orthofotos weiter

steigen lassen: Sie sind als Kartengrundlage gut geeignet, leichter

lesbar und häufig auch aktueller als die topografische Karte.

Insbesondere um der Forderung nach Spitzenaktualität nachzukommen,

werden Orthofotos künftig auch in Verbindung mit Laserscanning-Verfahren

zur Höhenbestimmung an Bedeutung gewinnen.

Sie sind auch Wegbereiter einer neuen Technik zur Fortführung

des topografischen Kartenwerks.

Viele Produkte lassen sich heute bereits mit Hilfe der Geobasisdaten

entwickeln: So wäre es eine große Vereinfachung, wenn Flurkartenauszüge

im Internet verfügbar wären.

Gleiches gilt für die Daten der Grundbuchämter, wobei hier der

Nutzerkreis aus rechtlichen Gründen auf Banken und Notare einzuschränken

ist. Die Entscheidung von Nordrhein-Westfalen zur

- 64 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Aktualität

Planungsstände

Rasterdaten, Vektordaten

Orthofotos gewinnen

an Bedeutung

Neue Geobasis-

datenprodukte


Marktkonzept Produkte

Einführung des elektronischen Grundbuches schafft hier entsprechende

Voraussetzungen.

Auch die Darstellung von Altlastenkatastern im Internet würde die

Transparenz im Baubereich wesentlich erhöhen. Dies gilt in gleicher

Weise für die Darstellung von Bergschadensgebieten durch

die Bergämter.

Die Formatvielfalt sollte durch ein einheitliches Format ersetzt werden.

Auch hier setzen das Internet und die sich darum entwickelnden

Anwendungen den Standard. Ein möglicher Standard könnte

XML (Extensible Markup Language) sein.

Zwei Drittel der Kunden brauchen bundesweites Datenmaterial,

d.h. es wird eine Zusammenarbeit aller Landesvermessungsämter

benötigt. Hier sind neue Wege zu beschreiten. In der Vergangenheit

haben sich bestehende Kooperationen und Gremien als zu

langsam erwiesen, um den Markt zeitnah bedienen zu können.

Letztlich wird sich jener Geobasisdatenanbieter im Markt durchsetzen,

der diese Anforderungen der Kunden am schnellsten erfüllt.

Die Anforderungen an das Kartenwerk zeigen, dass die öffentlichen

Datenanbieter ihre Rolle am Markt völlig neu definieren müssen.

Der sich entwickelnde Geodatenmarkt fordert in zunehmendem

Maße aktuelles und flächendeckendes Datenmaterial.

Darüber hinaus hat die Analyse gezeigt, dass in den kommunalen

Fachbehörden zwar umfangreiche fachliche Planungen und Analysen

georeferenziert erstellt werden, aber keine Transparenz darüber

herrscht, wo welche Fachdaten geführt werden. Im Ergebnis

bleibt ein Großteil dieser Fachdaten ungenutzt, mit der Folge, dass

Daten doppelt erhoben werden und viele wichtige Informationsgrundlagen

für Entscheider in Wirtschaft und Verwaltung nicht zur

Verfügung stehen.

Auch dies macht einmal mehr deutlich, welche Potentiale der Wirtschaft

zur Verfügung gestellt werden könnten.

Bei der Aufgabe der transparenten Zusammenführung und Bereitstellung

dieser Informationsgrundlagen kann den öffentlichen Vermessungs-

und Katasterämtern eine besondere Bedeutung zukommen.

Die Integration auf einer Kartengrundlage kann hier besonders

gut realisiert werden. Denn in der Regel sind dort sowohl

die technischen als auch die personellen Ressourcen vorhanden.

Daher sollten sich die Vermessungs- und Katasterämter als zentrale

kommunale Content Provider positionieren: Sie würden dann als

Clearingstelle innerhalb der Kommunalverwaltung fungieren und

so Transparenz darüber schaffen, welche Datenbestände in welcher

Behörde existieren. Darüber hinaus wären sie zentrale Ansprechpartner

für alle Kunden, die kommunale Daten benötigen.

- 65 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

XML als Standardformat

Zusammenarbeit der Landesvermessungsämter

zur Bereitstellung

bundesweiten

Datenmaterials

Transparenz über kommunale

Fachdaten schaffen

Vermessungs- und Katasterämter

als kommunale

Content Provider


Marktkonzept Produkte

Die Katasterämter werden zu zentralen kommunalen Content Providern

Liegenschaftsamt

Liegenschaftsamt

Amt

Amt

für

für

Stadtentwicklung

Stadtentwicklung

Amt für Statistik

Amt für Statistik

und

und

Wahlen

Wahlen

Bauverwaltung

Bauverwaltung

Verkehrsbehörde

Verkehrsbehörde

Tiefbauamt

Tiefbauamt

Stadtplanungsamt

Stadtplanungsamt

Umweltamt

Umweltamt

Forstbehörde

Forstbehörde

Gartenbauamt

Gartenbauamt

Zusammenarbeit,

Datenaustausch

Vermessungs-/

Vermessungs-/

Katasteramt

Katasteramt

„Content Provider“:

Information,

Online-Datenbereitstellung

Auskunft,

Datenverkauf

- 66 -

Bürger

Bürger

Unternehmen

Unternehmen

Andere Kommunen

Andere Kommunen

Externe Behörden

Externe Behörden

Das Führen von geodatenbasierten Auskunfts- und Steuerungssystemen

ist aufwendig und komplex. Daher muss sich jeder Anwender

der Frage stellen, ob dies zu seinen Kernkompetenzen gehört.

Je nachdem, wie die Antwort im Sinne der Unternehmens-

strategie ausfällt, wird die Leistung entweder den Unternehmenszielen

entsprechend intensiviert oder aber an einen Application

Service Provider (ASP) outgesourct.

ASP werden mittelfristig den Markt durchdringen und den Anwendern

ausschließlich die Dienstleistung zur Verfügung stellen, ohne

dass sich dieser um Softwarefragen oder Aktualisierungen kümmern

muss. Insbesondere die vielen kleinen und mittleren Kommunen

sowie kleinere Energieversorgungsunternehmen und in der

Industrie die KMU sind als Kunden dafür geeignet.

Für künftige Anwendungen stellt sich die Frage, wie die Qualität

der Geobasisdaten gesichert werden kann, d.h. wie man für den

Kunden eine zuvor definierte Produktqualität gleichbleibend erzielt.

Ein Ansatz dazu ist die Zertifizierung von Geodaten, also die Be-

stätigung, dass die Metadaten mit dem darstellenden Teil der Karte

logisch und inhaltlich übereinstimmen. Ob sich dieses Verfahren,

das erst seit wenigen Monaten angeboten wird, durchsetzen wird,

wird sich im Markt entscheiden.

Die Zertifizierung der Prozesse zur Erstellung bzw. Aktualisierung

von Geodaten nach der ISO-Norm zur Qualitätssicherung hat sich

als Standard bereits im Markt durchgesetzt. Dieses Vorgehen ist in

vielen Marktbereichen bereits realisiert und kann über die Zertifizierung

der Prozesse die Transparenz der Erstellungs- bzw. Aktualisierungsbedingungen

gewährleisten.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Chancen für Application

Service Provider

Zertifizierung als Chance


Marktkonzept Vertriebswege und Marketing

3. Vertriebswege und Marketing

Der Markt für Geodaten ist noch nicht entwickelt. Daher gewinnen

insbesondere der Aufbau der Vertriebswege und die Werbung für

Geodatenprodukte an Bedeutung. Voraussetzung für einen erfolgreichen

Vertrieb ist immer ein klares Produktprofil. Wie die Analyse

zeigt, liegt dies heute aber zumindest bei Geodatenangeboten nur

unzureichend vor. Alle Portale haben neben den technischen und

gestalterischen Schwächen das Hauptproblem, dass ein klar umgrenztes

zielgruppenspezifisches Produktangebot nur selten

erkennbar ist.

Grundsätzlich gilt, dass das Internet nur einer von vier Vertriebswegen

sein sollte:

(1) Internet

(2) Brief/ Fax

(3) Telefon

(4) E-mail

Der Anteil der Bestellungen über Internet ist heute nahe Null, ein

realistischer Anfangswert liegt nach Erfahrungen mit anderen Portalen

bei 10-20% des Umsatzes im jeweiligen Marktsegment. Das

bedeutet, die konventionellen Bestellwege werden nicht unmittelbar

verdrängt.

Das gleiche gilt für den Transport von Geodaten, wo es ebenfalls

vier Medien gibt:

(1) Internet (FTP-File Transmission Protocol)

(2) CD-ROM

(3) Diskette

(4) E-mail-Attachment

Aufgrund des großen Umfangs von Geodaten und der damit ver-

bundenen hohen Downloadzeiten wird der Transportweg Internet

heute noch wenig genutzt. Auch die Übermittlung per E-mail wird

aus gleichen Gründen selten verwendet. So sind die „klassischen“

Medien CD-ROM und Diskette nach wie vor stark im Einsatz. Dies

wird sich erst ändern, wenn sich der Differenzdatenabgleich und

neue Kompressionsverfahren im Markt durchsetzen.

Das heißt, bei aller Euphorie für das Internet muss daran gedacht

werden, dass auch die klassischen Vertriebswege weiter ausgebaut

werden.

Mit der zunehmenden Bedeutung des E-Business erhöhen sich

aber auch die Entwicklungspotentiale für web-basierte Geodaten-

Anwendungen und damit auch für das Internet als Vertriebsmedium.

Doch die Ausgangssituation ist ernüchternd, denn im Jahr

2000 waren nur 16% der Unternehmen konsequente Nutzer der

Vorteile des E-Business.

- 67 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Klare Produktprofile

sind notwendig

Vier Vertriebswege

E-Business steht erst

am Anfang


Marktkonzept Vertriebswege und Marketing

Erst 16% der Unternehmen sind konsequent ins E-Business eingestiegen

Anteil

in %

50

40

30

20

10

0

Quelle: IBM

E-Business bei Unternehmen im Jahr 2000

6

32

45

Offline

E-Mail Homepage Online-Verkauf

/-Einkauf

E-Business

7 7

B2B-

Integration

- 68 -

E-BIZ-Modell

Wichtige Erfolgsfaktoren für den Vertrieb über das Internet sind:

(1) Schneller Zugriff auf die Information

(2) Klarheit über die Quelle

(3) Preistransparenz

(4) Aktualität

Der Erfolg bei den Kunden wird nicht durch die Infrastruktur bestimmt,

entscheidend wird vielmehr der Inhalt sein (Content). Alle

Unternehmen oder Behörden, die künftig mit Angeboten im Internet

Erfolg haben wollen, müssen Content bieten, über den sie entweder

selbst verfügen oder der durch Kooperationspartner bereitgestellt

wird.

Ein Geodaten-Portal mit E-Commerce-Modul kann dabei die gemeinsame

Angebotsplattform sein.

Die Gestaltung eines Daten-Portals muss sich anfänglich nach

dem derzeit Machbaren richten. Zum Einstieg bietet sich eine funktionale

Gliederung des Portals nach Rubriken, wie Luftbilder/ Orthofotos,

Karten, Geomarketing, Navigation, Marktplatz, Karriere

und Ausbildung an.

Der Marktplatz hat vor allem die Funktion, Angebot und Nachfrage

für spezifische Anwendungen abzustimmen. Unter Karriere können

Stellen mit Geodatenbezug angeboten werden. Dahingegen dient

die Rubrik Ausbildung in erster Linie als Forum für Aus- und Weiterbildung

im Bereich der Geodatenanwendungen.

Wenn zu einem späteren Zeitpunkt spezifische Lösungen in ausreichendem

Maße am Markt verfügbar sind, sollte auch die Portaloberfläche

anwendungsorientiert gegliedert werden, also Planung,

Geomarketing, Controlling, Vermessung, Navigation etc. Diese

Anwendungsbereiche können weiter branchenorientiert untergliedert

werden, sofern vertikale Anwendungen vorhanden sind.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

2

Erfolgsfaktoren

Funktionale Gliederung

des Datenportals

Anwendungsorientierte

Gliederung des Portals


Marktkonzept Vertriebswege und Marketing

Die Entwicklung eines Geodatenportals für NRW

Funktionaler Einstieg

Luftbilder

Karten

Geomarketing

Navigation

Marktplatz

Karriere

Ausbildung

Kontakt

GDI-NRW

Generell gilt für den Vertriebsweg Internetportal:

- 69 -

Anwendungsorientierte

Weiterentwicklung

GIS-Anwendungen

Geomarketing

Controlling

Vermessung

Navigation

Marktplatz

Karriere

Ausbildung

Kontakt

Die Portaloberfläche sollte interessant gestaltet, dienstleistungsorientiert

und einfach in der Handhabung sein – kein Experten-

oder Technikportal.

Online-Bestellungen sind zeitnah zu beantworten. 42% der

E-mail-Antworten kommen später als 5 Tage zurück. Da die

Kunden die Produkte in der Regel aus aktuellem Anlass

bestellen, ist eine Verkürzung der Reaktionszeit erforderlich.

Eine Call-Back-Funktion im Portal kann sich als nützlich erweisen.

Bei allen Vereinfachungen werden auch künftig Geodatenanwendungen

beratungsintensiv sein.

Geodatensätze werden durch Metadaten beschrieben. Durch

ein Metadatenmanagementsystem können nicht nur Metadaten

verwaltet, sondern die Nutzung der Geodaten auch effizient

unterstützt werden. Dies allein reicht jedoch noch nicht

aus. Hilfreich wäre auch die Information, zu welcher Art der

Anwendung diese Daten geeignet sind bzw. was mit den Daten

nicht möglich ist.

Zugangsberechtigungen sind eindeutig zu klären. Zunächst

einmal sollte der Zugang zum System allgemein offen sein.

Nach einem mehrstufigen System sollte erst dann der weitere

Zugang eingeschränkt werden, sobald es um zahlungspflichtige

Leistungen geht oder Vertrauensschutz für Anbieter oder

Kunden zu gewährleisten ist.

Auch die Möglichkeit des „Exports“ von Geodaten sollte im

Portal berücksichtigt werden. Dazu ist es erforderlich, das

Portal zweisprachig – Deutsch und Englisch – zu gestalten.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Dienstleistungsorientierte

Portaloberfläche

Zeitnahe Bearbeitung von

Online-Bestellungen

Metadatenmanagement-

system zur Nutzung

von Geodaten

Zugangsberechtigungen

festlegen

Zweisprachige Gestaltung


Marktkonzept Vertriebswege und Marketing

Die Geodatenanwendungen müssen durch Werbekampagnen in

verschiedenen Medien begleitet werden, die Angebote von Unternehmen

und Behörden in gleicher Weise zum Gegenstand haben.

So zeigen die Erfahrungen mit Internetdiensten, dass der größte

Aufwand nach der technischen Realisierung die Werbeetats für die

Produkte sind.

Nach einer Studie des Marktforschungsinstitutes Rheingold zusammen

mit der Werbeagentur KNSK ist eine reine Dot-Com-

Werbung, die allein auf die Attraktivität des Internets setzt, nicht erfolgreich.

Sie regt zwar zum Surfen an, aber nicht zum Kaufen.

Das Kaufen im Netz ist nach wie vor nicht der bevorzugte Weg.

Bevor online bestellt wird, sucht auch der professionelle Nutzer in

vertrauten Offline-Medien eine Bestätigung für die Seriosität und

Qualität des E-Commerce-Angebots. So muss es Ziel sein, die

Vorteile des Produktes im Vertrieb übers Internet zu vermitteln und

gleichzeitig Vertrauen aufzubauen.

Da bisher Geodaten „products of low interest“ sind und nur bei Experten

bekannt, sollte in der Werbung zwar vorrangig lösungs- und

nutzenorientiert geworben, aber immer darauf verwiesen werden,

dass hier Geodaten verwendet wurden.

In einem Geodaten-Portal sollten Informationen für den Endverbraucher

bereitgestellt werden, um eine hohe Nutzungsfrequenz

und damit einen hohen Bekanntheitsgrad des Portals zu erreichen

(z.B. Adresssuche, Routing-Funktionen).

Daher sollte auch kostenloser Content bereitgestellt werden, z.B.

ein kostenloser Download von Karten möglich sein. Um eine kostenfreie

Datenabgabe nicht zu umfangreich zu gestalten, können

Karten beispielweise gratis nur kachelweise abgeben werden. Dadurch

werden zwei Ziele erreicht: Für den privaten Anwender ist

dies ausreichend, der professionelle Nutzer kann testen und dann

großflächig kaufen.

Eine Marktöffnung kann am Anfang über kostenfreie Probenutzungen

von Geodatenanwendungen erfolgen, die sich z.B. nach 120

Tagen deinstallieren.

Darüber hinaus wird es wichtig sein, für alle Anwendungsbereiche

einfache Services für kommerzielle Nutzer zu entwickeln und anzubieten:

z.B. die Identifikation von Ansprechpartnern in einem bestimmten

Vertriebsgebiet (Branchenauskunftssysteme inkl. Anfahrt

und Navigation) oder Verfahren der Vertriebssteuerung, Marktdaten,

Controllingberichte bzw. Standortanalysen.

- 70 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Werbekampagnen sind

notwendig

Service für Endverbraucher

und Unternehmen


Marktkonzept Vertriebswege und Marketing

Indem die Einsatzmöglichkeiten von Geodaten auf einfache Weise

aufgezeigt werden, kann eine entsprechende Nachfrage geweckt

werden, z.B. durch georeferenzierte Organigramme oder das Firmentelefonbuch

mit Georeferenz. Dies ist intern und extern verwendbar

und schafft Akzeptanz für neue Lösungen.

Um Nachfrage zu wecken, sind einfache Standardanwendungen, z.B. das

georeferenzierte Organigramm, erforderlich

Werksleiter Dr. Leiter

Sitz in Wesel,

Anfahrt über A57

Leiter

Abt. I Abt. II Abt. III

- 71 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH


Marktkonzept Preise und Nutzungsrechte

4. Preise und Nutzungsrechte

In der Analyse wurde bereits aufgezeigt, dass die hohen Preise

und die restriktiven bzw. nicht transparenten Nutzungsrechte die

Verbreitung von Geobasisdaten erheblich behindern.

Bei den Preismodellen werden zwei Varianten vorgestellt:

I Das nutzenorientierte Preismodell mit mindestens gleichbleibenden

Einnahmen

II Das marktöffnungsorientierte Preismodell mit weitgehendem

Verzicht auf direkte Einnahmen

Für beide Preismodelle gilt, dass eine privatrechtliche Preisbildung

anstelle des bisherigen Gebührensystems in Erwägung gezogen

werden sollte, da diese tendenziell besser für eine nachfrageorientierte

flexible Marktpositionierung geeignet ist.

4.1 Preismodell-Variante I

Die Analyse der Aktualitätsanforderungen hat gezeigt, dass fast

zwei Drittel der Kunden im wesentlichen tagaktuelle Daten verwenden

möchten. Das heißt, der Kunde ist bereit, für

spitzenaktuelle Daten auch zu zahlen, jedoch akzeptiert er nicht

hohe Preise, nur weil der Aufwand der Ersterstellung hoch war.

Somit erhält die schnelle Aufnahme von Veränderungen vor Ort in

das digitale Datensystem mit einem Verzug von nur wenigen Wochen

die absolute Priorität. Dies ist ein Paradigmenwechsel in der

Vermessungsverwaltung. Der Kunde erwartet Zeitstandsklarheit

und eindeutige Aktualisierungsbedingungen.

Insgesamt ist der Weg im neuen Preismodell damit vorgegeben:

Übergang vom kostenorientierten Pricing zum nutzenorientierten

Pricing. Wie die weiteren Überlegungen zeigen, muss dies im Ergebnis

kein Widerspruch zur Frage der Kostendeckung sein.

Die Eckpunkte eines einfachen nutzenorientierten Preismodells

können wie folgt aussehen:

1. Geringes Erstbeschaffungsentgelt und kontinuierliche Pflegekosten.

Im Extremfall 1,- DM für die Daten bei der Erstbeschaffung

und monatliche Pflegekosten im wesentlichen für

die laufenden Aktualisierungen, analog dem „Handy-

Preismodell mit Vertrag“. Voraussetzung dafür ist eine funktionierende

Differenzdatenabgabe (Beziehersekundärnachweis).

Die Höhe des Pflegepreises ist abhängig von der Fläche

bzw. dem Datenumfang.

2. Für Kunden ohne Aktualitätsnotwendigkeit gibt es ein höheres

Erstbeschaffungsentgelt analog den Handy-Preisen ohne

Neuvertrag.

- 72 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Zwei Preismodelle

Preise richten sich nach

der Aktualität der Daten

Übergang vom kostenorientierten

Pricing zum nutzenorientierten

Pricing


Marktkonzept Preise und Nutzungsrechte

3. Für Kunden, die nur ein oder zweimal im Jahr ein Update erhalten,

gilt ein entsprechendes Preismodell mit festgelegten

Update-Preisen analog dem Handy mit Prepaid-Karte oder

den Software-Updates.

Wenig ändert sich für die Kunden, die nur einmalig, z.B. für eine

Planungsaufgabe, einen Datensatz kaufen: In diesem Fall ist ein

einmaliges Entgelt in angemessener Höhe zu bezahlen.

Um kurzfristig auch mit der Gebührenordnung reagieren zu können,

wäre eine Experimentierklausel hilfreich, die der Verwaltung

für den Vertrieb über das Internet oder in verbundenen Produkten

eine flexible Gebühren-Handhabung ermöglicht.

Dieses Modell wäre relativ schnell zu realisieren und würde gleichzeitig

die Verwaltung stärker auf den Markt ausrichten.

4.2 Preismodell-Variante II

Bei der Preismodell-Variante II wird im wesentlichen auf Einnahmen

aus der Geobasisdatenabgabe verzichtet, mit dem Ziel, die

Refinanzierung über das Marktwachstum zu erreichen.

Um die Nachfrage nach öffentlichen Geobasisdaten zu steigern

und so die Entwicklung neuer Anwendungen zu fördern, kann es

zielführend sein, das Preisniveau für Geobasisdaten insgesamt erheblich

zu senken. Da ein derartiges Preissystem zu einer deutlichen

Steigerung der Nachfrage führen würde, muss es damit nicht

im Widerspruch zum Ziel der Kostendeckung stehen.

Aber selbst dann, wenn im Extremfall die Geobasisdaten „verschenkt“

würden, würde dies nicht zwangsläufig zu geringeren

Einnahmen für das Land führen. Denn die Preissenkung würde wie

eine Initialzündung für den Geodatenmarkt wirken. Mit steigenden

Umsätzen bei den Geodatenprodukten würden auch die Steuereinnahmen

wachsen.

Da das Marktvolumen für Geodatenprodukte über die Wertschöpfungskette

ein Vielfaches des Marktvolumens für Geobasisdaten

beträgt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die zusätzlichen Steuereinnahmen

die Umsatzrückgänge bei den Geobasisdaten überkompensieren

würden (vgl. „Zwei Märkte-Modell“).

Allerdings müsste die Finanzierung der originären Dienstleistungen

der Ämter über Schlüsselzuweisungen realisiert werden, wenn in

den Ämtern keine oder wenig Einnahmen über die Gebühren erzielt

würden. Entsprechende haushaltstechnische Regelungen wären

zu treffen.

Im Sinne des Wettbewerbs und der Marktöffnung ist dieses Preismodell

die bessere Variante, jedoch ist die entsprechende rechtliche

Umsetzung als langwierig einzuschätzen.

- 73 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Experimentierklausel zur

Anpassung der Gebühren

Refinanzierung über

Marktwachstum

Verzicht auf Entgelte


Marktkonzept Preise und Nutzungsrechte

Exkurs: Preise senken und Wertschöpfung steigern

Aus volkswirtschaftlicher Sicht führen Preissenkungen bei den

Geobasisdaten seitens der öffentlichen Anbieter nicht zwangsläufig

zu Einnahmeverlusten. Es ist sogar zu erwarten, dass eine

erhebliche Preissenkung oder sogar die unentgeltliche Abgabe

von Geobasisdaten zu einer Steigerung der Nettowertschöpfung

sowie zu einer Erhöhung der Staatseinnahmen führen

würde. Dies lässt sich an folgendem Modell verdeutlichen:

Eine Preissenkung bei den Geobasisdaten führt zu einer erheblichen

Steigerung der Nettowertschöpfung

p

Markt für Geobasisdaten

Preisniveau p: Wie reagiert der Markt für Preisniveau q

p*

Nettowertschöpfung

steigt

x x*

Geodatenprodukte auf

Preissenkungen?

3. Effekt:

Nachfrage nimmt zu

x**

Nachfrage

Menge x

Betrachtet werden zwei Märkte:

q

q*

Markt für Geodatenprodukte

Nettowertschöpfung

steigt

y

1. Effekt:

Angebot steigt

Angebot

y*

Nachfrage

- 74 -

2. Effekt:

Nachfrage steigt

Menge y

(1) Am Markt für Geobasisdaten treten die Vermessungsverwaltungen

als Anbieter auf. Kunden sind private Hersteller

von Geodatenprodukten.

(2) Anbieter am Markt für Geodatenprodukte sind private Unternehmen.

Die Kunden kommen aus den Bereichen Business

und Consumer.

Untersucht wird nun, wie der Markt für Geodatenprodukte auf

Preissenkungen am Markt für Geobasisdaten reagiert.

Eine Senkung des Preisniveaus p für Geobasisdaten führt zu

einer Erhöhung der Nachfragemenge x. Da die Geobasisdaten

einen zentralen Input für die Geodatenprodukte darstellen, führt

die Erhöhung der Nachfrage x nach Geobasisdaten zu einer

Ausweitung des Angebots an Geodatenprodukten. Das heißt, die

Zahl der Anbieter bzw. der angebotenen Geodatenprodukte steigt.

In Folge des gestiegenen Angebots wird neue Nachfrage nach

Geodatenprodukten generiert: Neue Produkte und verstärkte

Konkurrenz auf Anbieterseite, z.B. durch zusätzliche Werbung,

führen dazu, dass zusätzliche Kundengruppen erschlossen und

die Umsätze bei bestehenden Kunden durch die Nachfrage

nach neuartigen Anwendungen gesteigert werden können.

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Preissenkung bei Geobasisdaten

führt zur Erhöhung

der Nachfrage

Ausweitung des Angebots

an Geodatenprodukten

Neue Nachfrage wird

generiert


Marktkonzept Preise und Nutzungsrechte

Im Ergebnis erhöht sich das Marktvolumen der Geodatenanwendungen

y deutlich – bei tendenziell gering gesunkenem

Preisniveau q. Die Steigerung des Marktvolumens bei nur geringfügiger

Senkung des Preisniveaus führt zu einer Erhöhung

der Konsumenten- sowie der Produzentenrente. Dies bedeutet

eine erhebliche Steigerung der Wertschöpfung.

Wie ist diese Entwicklung aus Sicht des Staates zu beurteilen?

Die Preissenkung bei den Geobasisdaten führt zunächst zu einer

Einnahmeverringerung für den Staat, die aber durch die Erhöhung

der nachgefragten Menge x zumindest teilweise kompensiert

wird.

Die Steigerung des Marktvolumens y für Geodatenprodukte

führt zu einer Erhöhung der Steuereinnahmen. Da der Anteil

der Geobasisdaten am Gesamtwert der Geodatenprodukte nur

bei rund 10 – 20% liegt, ist das Marktvolumen für Geodatenanwendungen

y um ein Vielfaches höher als das der Geobasisdaten

x. Bei einer Staatsquote von annähernd 50% hat jede Erhöhung

der Nachfrage nach Geobasisdaten um eine Einheit einen

schätzungsweise 2,5 – 5-fachen positiven Effekt auf die Steuereinnahmen.

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Preissenkungen

am Geobasisdatenmarkt zu Nettoerhöhungen der

Staatseinnahmen führen.

In der dynamischen Betrachtung kommt noch ein weiterer Effekt

hinzu: In Folge der Ausweitung des Marktvolumens für

Geodatenprodukte erhöht sich auch die Nachfrage nach Geobasisdaten

bei gegebenem Preisniveau p. Das bedeutet, es

werden zusätzliche Einnahmen mit dem Verkauf von Geobasisdaten

erzielt.

Durch die Expansion des Geodatenmarktes – neue Produkte

und neue Anbieter – entstehen darüber hinaus zusätzliche Arbeitsplätze.

Damit hat die Preissenkung bei den Geobasisdaten drei unmittelbare

positive Effekte auf die Staatseinnahmen:

(1) Erhöhung der Verkaufsmenge bei den Geobasisdaten

(2) Erhöhung der Steuereinnahmen

(3) Verringerung der Sozialausgaben durch neue Arbeitsplätze

- 75 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Wertschöpfung steigt

Steueraufkommen steigt

Nachfrage nach Geobasis-

daten wächst

Zusätzliche Arbeitsplätze

entstehen


Marktkonzept Preise und Nutzungsrechte

4.3 Regelung zu den Nutzungsrechten

Vereinfachungen bei den Nutzungsrechten sind dringend geboten,

denn die bisherigen Regelungen sind im Internetzeitalter nicht

mehr aufrecht zu erhalten. Dies gilt sowohl für die einfachen Nutzungsrechte,

die die Anzahl von Kopien bzw. Installationen beschränken,

als auch bei Stückentgelten für erweiterte Nutzungsrechte,

die eine Einzelfallregelung vorsehen.

Für die professionellen Anbieter sind folgende Regelungen möglich:

Bei einfachen Nutzungsrechten sollte nur die Beschränkung

aufrecht erhalten werden, dass das erworbene Material ausschließlich

zum internen Gebrauch verwendet wird – unabhängig

von der Anzahl der Anwender.

Bei erweiterten Nutzungsrechten, also Verwendung von

Geodaten mit dem Ziel des Weiterverkaufs, sollten Stückentgelte

entfallen, Risiko und Chance des Vertriebs von Geodaten

allein beim Kunden liegen. Dazu sollte ein pauschaliertes

erhöhtes Entgelt festgelegt werden, einen Zustimmungsvorbehalt

bei Landesvermessungsamt oder Vermessungs- und

Katasteramt sollte es nicht mehr geben. Wenn sich das Produkt

gut verkauft, profitiert das Landesvermessungsamt/ Vermessungs-

und Katasteramt über das Preismodell.

Bei ALK- und ALB-Daten müssen die Fragen des berechtigten Interesses

neu gefasst werden. Die Koordinate des Grundstückes ist

kein schützenswertes Gut, auch nicht die Adresse, wohl aber Eigentumsverhältnisse,

Baulasten und Hypotheken.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, jedem Datensatz die zu Grunde

liegenden Nutzungsbedingungen elektronisch anzuhängen.

- 76 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzungsrechte deutlich

vereinfachen

Fragen des berechtigten

Interesses bei ALK-/ ALB

neu fassen


Marktkonzept Umsätze am Markt für Geodaten

5. Umsätze am Markt für Geodaten

Die Umsätze am Markt für Geodaten zu bestimmen, ist eine umfassende

Aufgabe, denn der Markt für Geodaten ist noch nicht

entwickelt und nur wenig transparent. Darüber hinaus ist bisher der

Markt für Geodaten nicht einheitlich abgegrenzt. Im Ergebnis führt

dies dazu, dass in Veröffentlichungen zwar viele Umsatzschätzungen

zu finden sind, bei näherer Betrachtung aber immer wieder

festzustellen ist, dass diese Zahlen nur das Potential des Marktes

mit Geodaten aufzeigen, aber nicht die realen Umsätze im Markt.

Das Potential des Marktes ist aber nur dann zu realisieren, wenn

die heute noch existierenden Markteintrittsbarrieren abgebaut sind

und der Markt sich weitgehend frei entwickeln kann.

Nur selten wird deutlich, welche Umsätze bei einer Marktabschätzung

zugrunde gelegt wurden. In dieser Studie wurden für die Abschätzung

des Geodatenmarktes folgende Prämissen gesetzt:

(1) Umsätze werden mit Geobasisdaten und Diensten auf Basis

von Geobasisdaten erzielt.

(2) Der Wert bei Diensten wird mit 10% des Gesamtwertes angesetzt.

(3) Nicht berücksichtigt werden Umsätze mit Hard- und Software,

die als Grundlage der Anwendung von Geobasisdaten und

Diensten erforderlich sind.

(4) Ebenfalls nicht berücksichtigt werden die fiktiven Umsätze innerhalb

der öffentlichen Verwaltung, da Datenabgaben i.d.R.

kostenfrei sind und nicht am Marktgeschehen teilnehmen.

(5) Leistungen, die im wesentlichen durch den freien Beruf in

NRW zur Erstellung von Geobasisdaten erbracht werden (z.B.

durch Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure), sind nicht

in die vorliegende Studie eingegangen.

(6) Alle Betrachtungen sind statisch, das zugrundeliegende Jahr

ist das Jahr 2000, alle Angaben erfolgen in DM.

Zunächst werden die regionalen Umsätze betrachtet, dann werden

Geobasisdaten und Dienste betrachtet und zuletzt die Aufteilung

der Umsätze nach Produkten aufgezeigt.

Auf eine Vorhersage von jährlichen Wachstumsraten für die Marktentwicklung

in NRW wird in dieser Studie absichtlich verzichtet. In

den USA, wo der Geodatenzugang weitgehend liberalisiert ist,

wurde in den letzten sechs Jahren ein jährliches Marktwachstum

von 11-37% erreicht.

Eine Vorhersage für den deutschen Markt ist im wesentlichen von

der Beseitigung oder Reduzierung der in dieser Studie genannten

Markteintrittsbarrieren abhängig. Ändert sich nichts, wird es der

Geodatenmarkt nicht schaffen, sich von der Wachstumsrate des

IT-Bereichs zu entkoppeln.

Werden die vorgeschlagenen Aktivierungsmaßnahmen realisiert,

sind Wachstumsraten von 20-30% in den ersten Jahren erreichbar.

- 77 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Bisherige Schätzungen

basieren auf dem Markt-

potential

Prämissen der

Marktabschätzung

Marktentwicklung hängt

von Beseitigung der Markt-

eintrittsbarrieren ab


Marktkonzept Umsätze am Markt für Geodaten

5.1 Regionale Umsätze

Nach einer Untersuchung der EU vom September 2000 hat der

Gesamtmarkt für Public Sector Information EU-weit einen Wert von

136,4 Mrd. DM. Der Wert der Anwendungen auf Basis von Geodaten

wird dabei auf 71,6 Mrd. DM beziffert.

Public Sector Information:

Der EU-Marktwert von Geodatenanwendungen liegt bei 71,6 Mrd. DM

18,8

7,6

23,6

14,8

71,6

Geodaten

Ökonomische und Soziale Statistik

Wirtschaftsauskunftssysteme

Kulturauskunftssysteme

Sonstige

Quelle: European Commission; Com mercial exploitation of Europe`s public sector information

Gesamtwert für die EU:

136,4 Milliarden DM

Das Problem bei dieser Marktabschätzung ist, dass sie von einem

ausgebildeten Markt ausgeht, wie er insbesondere im Bereich der

Geodaten noch gar nicht existiert.

Wird dieser Wert auf Basis des Bruttosozialprodukts auf die Länder

der EU bezogen, ergibt sich daraus ein Geodatenwert für Deutschland

in Höhe von 17,8 Mrd. DM. Auf die Bundesländer heruntergebrochen

bewegt sich der Wert der Anwendungen in NRW in der

Größenordnung von 3,9 Mrd. DM.

Der Geodatenmarkt in NRW hat ein potentielles Volumen von 3,9 Mrd. DM

Davon Deutschland

17,8 Mrd. DM

Davon NRW

3,9 Mrd. DM

EU-Volumen

71,6 Mrd. DM

Dieses Marktvolumen für das Land NRW wird heute de facto nicht

annähernd ausgeschöpft. Nach Berechnungen der MICUS Management

Consulting GmbH betragen die Umsätze mit digitalen Geo-

basisdaten in NRW etwa 10 Mio. DM. Die Dienste auf dieser Basis

weisen ein Marktvolumen von 100 Mio. DM allein in NRW auf.

- 78 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

3,9 Mrd. DM

Marktpotential in NRW

Das Marktvolumen ist bei

weitem nicht ausgeschöpft


Marktkonzept Umsätze am Markt für Geodaten

Die für den Eigenbedarf von Unternehmen erstellten Geodaten und

Geodatenanwendungen, die nicht am Marktgeschehen teilnehmen,

sowie interne Planungsleistungen bewegen sich nach Schätzungen

von MICUS Management Consulting GmbH in einer Größenordnung

von 490 Mio. DM. Wenn dieser Betrag dem Marktvolumen

zugerechnet wird, beträgt dieses mit 600 Mio. DM lediglich 15%

des Geodatenwertes von 3,9 Mrd. DM, der sich aus den Ergebnissen

der EU-Studie bei einem voll ausgebildeten Markt ergibt.

Insgesamt macht die Untersuchung der EU aber drei Aspekte noch

einmal deutlich:

(1) Es bestehen noch erhebliche Marktpotentiale.

(2) Geodaten haben nicht nur eine nationale Bedeutung, sondern

erfahren mindestens eine europaweite und zum Teil auch

weltweite Nachfrage.

(3) Neben den Geodaten, die mehr als die Hälfte des Marktes

ausmachen, bestehen im öffentlichen Bereich noch erhebliche

Potentiale für weitere öffentliche Informationen, die Unternehmen

und Bürgern zur Verfügung gestellt werden könnten.

Das derzeit realisierte Marktvolumen liegt bei 15%

NRW-Marktpotential

3.900 Mio. DM

Davon Geobasisdaten

10 Mio.DM

Davon Dienste

100 Mio. DM

Davon selbst erstellt

490 Mio. DM

Globalisierung gilt auch für Geodaten, d.h. es sind Anwender und

Kunden im Ausland zu gewinnen. Dies sind vor allem Kunden, die

sich mit Standortauswahl und Markterschließung beschäftigen, also

vorrangig aus den Bereichen Strategische Planung/ Marketing.

Das Land NRW hat bereits intensive Gespräche mit den Niederlanden

aufgenommen. Diese Kontakte sollten auch dafür genutzt

werden, Unternehmen und Behörden Daten über die jeweiligen

Länder online zugänglich zu machen. Dieses Vorgehen bietet sich

darüber hinaus auch für die weiteren Nachbarstaaten an sowie für

Länder, die besonders enge Wirtschafts- und Kulturbeziehungen

zu NRW unterhalten.

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass sich in den kommenden Jahren

ein EU-weiter und auch weltweiter Handel mit Geodaten entwickeln

wird. Umsatzanteile im Export von 15-20% sind durchaus re-

- 79 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Derzeit 600 Mio. DM

Marktvolumen in NRW

Erhebliche Marktpotentiale

auch für nicht raumbezogene

öffentliche Daten

Export von Geodaten


Marktkonzept Umsätze am Markt für Geodaten

alistisch, jährliche Steigerungsraten von bis zu 10% möglich. Erste

Erfahrungen konnte man bereits in Schweden sammeln, wo entsprechende

Vertriebsstrukturen aufgebaut wurden.

5.2 Produktbezogene Umsätze

Die Marktpositionierung der vier Produktbereiche wird deutlich,

wenn das derzeitige Umsatzvolumen betrachtet wird. Der Umsatz

am Geodatenmarkt in NRW im Jahr 2000 von rund 100 Mio. DM

verteilt sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf die Bereiche:

Der klassische Markt für GIS-Anwendungen mit Planungsleistun-

gen, Netzdokumentationen und Facility Management macht den

überwiegenden Anteil des Geodatenumsatzes aus. Der Umsatz mit

GIS-Anwendungen liegt in NRW bei 45 Mio. DM im Jahr. Es ist das

stärkste Marktsegment, mit allerdings geringen Wachstumsraten.

Der neue Markt für Navigationsdienste hat sich mit einem

Umsatzvolumen von 30 Mio. DM bereits an die zweite Position des

Marktes gesetzt: Der Marktführer für Navigation erzielte im Jahr

2000 mit diesen Diensten in 14 europäischen Ländern und den

USA einen Gesamtumsatz von 100 Mio. DM. Die Steigerungsrate

gegenüber dem Vorjahr liegt bei über 50%, der Marktanteil in Europa

beträgt nach eigenen Angaben 75%. Auch in den nächsten

Jahren werden in diesem Marktsegment noch zweistellige Zuwachsraten

erwartet.

Der neue Markt für Geomarketing hat trotz vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten

noch ein geringes Marktvolumen. Der Umsatz

wird im Geomarketing auf ca. 20 Mio. DM veranschlagt. Dieser

Teilmarkt hat aber ein hohes Wachstumspotential.

Die Emerging Markets entwickeln sich langsam, da insbesondere

im Mobilfunk der Durchbruch erst mit UMTS und den deutlich erhöhten

Datenübertragungsraten erwartet werden kann. Das Umsatzvolumen

liegt derzeit bei 5 Mio. DM im Jahr. Erst ab 2003 kann

mit deutlichen Steigerungen des Umsatzes gerechnet werden.

Noch überwiegen die GIS-Anwendungen im Geodatenmarkt

Geomarketing

20 Mio. DM

Navigation

30 Mio. DM

Emerging Markets

5 Mio. DM

GIS-Anwendungen

45 Mio. DM

Gesamtvolumen NRW:

100 Mio. DM

(ohne Geobasisdaten)

- 80 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Derzeit werden

die meisten Umsätze mit

GIS-Anwendungen erzielt

Zweistellige Zuwachsraten

im Bereich Navigation

Derzeit noch geringes

Marktvolumen in den Be-

reichen Geomarketing

und Emerging Markets


Marktkonzept Politische Handlungsempfehlungen

6. Politische Handlungsempfehlungen

Die wirtschaftliche Nutzung von öffentlichen Informationen hat zwei

Effekte für die Wirtschaft in NRW:

Direktes Marktwachstum: Durch die Vermarktung der öffentlichen

Informationen entsteht ein Markt mit qualifizierten Arbeitsplätzen

und wachsenden Umsätzen, der über Steuern und

Abgaben geringere Datenentgelte deutlich überkompensiert.

Direkten Qualitätssprung der Unternehmensplanung: Durch

die öffentlichen Informationen stehen Unternehmen in Deutsch-

land, Europa und im außereuropäischen Ausland Entscheidungsgrundlagen

zur Verfügung, die eine verbesserte Erkennung

und Nutzung von Marktmöglichkeiten mit sich bringen.

Somit wachsen Umsatz, Ergebnis und Beschäftigung.

Dies verdeutlicht, dass die Bereitstellung öffentlicher Informationen

in diesem Fall Geodaten – weit mehr ist als eine zusätzliche Einnahmequelle

für Behörden. Die flächendeckende Verfügbarkeit aktueller

Geodaten stellt eine wichtige Infrastrukturleistung seitens

der öffentlichen Hand dar, vergleichbar mit der flächendeckenden

Energie- und Wasserversorgung. Damit werden der Umfang und

die Qualität der für eine Region vorhandenen Geoinformationen zu

bedeutenden Standortfaktoren, und die Bereitstellung dieser Informationen

für Unternehmen stellt eine aktive Maßnahme zur

Wirtschaftsförderung dar.

Dabei sollte aber der Staat, wo immer möglich, die Vermarktung

von Geodaten nicht als eigene Aufgabe übernehmen. Immer dann,

wenn Unternehmen diese Dienstleistung zu zumutbaren Preisen

und in vergleichbarer Qualität erbringen, sollte der Staat sich als

Anbieter zurückhalten. Dies fängt bei der Erstellung von Radfahrkarten

oder Wanderkarten an und trifft insbesondere bei der Entwicklung

lösungsorientierter Geodatenprodukte zu.

Vielmehr ist es die Aufgabe des Staates, geeignete Rahmenbedingungen

für die Entwicklung eines Geodatenmarktes zu schaffen.

Mit dem Projekt „GDI-Geodateninfrastruktur in NRW“ wird die notwendige

technische Infrastruktur errichtet. Dies allein aber reicht

noch nicht aus:

Es muss ausreichend Know-how aufgebaut werden, um neuartige

Produkte zu entwickeln.

Für die Förderung des Geodatenmarktes ist Kapital notwendig.

Der internationale Vergleich zeigt, dass in Ländern wie beispielsweise

den USA, wo der Geodatenmarkt viel weiter entwickelt ist

als in Deutschland, etwa doppelt so viel in öffentliche Informationen

investiert wird wie in Deutschland (gemessen am Bruttosozialprodukt),

aber auf der anderen Seite der Markt auch mindestens

doppelt so groß ist, bei deutlich höheren Wachstumsraten.

- 81 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Zwei positive Effekte für die

Wirtschaft in NRW

Bereitstellung öffentlicher

Geodaten als Infrastrukturleistung

und Maßnahme zur

Wirtschaftsförderung

Der Staat muss geeignete

Rahmenbedingungen für die

Marktentwicklung schaffen


Marktkonzept Politische Handlungsempfehlungen

Zur Aktivierung des Geodatenmarktes sollte das Land NRW daher

folgende sechs Maßnahmen ergreifen:

Nur wenn das Preisniveau für Geodaten wesentlich gegenüber

der heutigen Gebührenordnung gesenkt wird, ist mit einer

deutlichen Steigerung der Nachfrage nach Geodaten und damit

einer Belebung des Geodatenmarktes zu rechnen.

Bei erweiterten Nutzungsrechten - Verwendung von Geodaten

mit dem Ziel des Weiterverkaufs - werden keine Stückentgelte

erhoben, sondern pauschalierte Entgelte festgelegt, die sich

bei einfachen Nutzungsrechten auf das Copyright beschränken.

Zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und zur optimalen

Marktdurchdringung werden alle relevanten Vertriebswege genutzt.

Potentielle Vertriebspartner werden gleich behandelt.

Das Angebot wird nachfragegerecht gestaltet, d.h. insbesondere

aktuell, flächendeckend und überregional standardisiert.

Electronic Publishing wird der Standard, d.h. alle Angaben werden

in elektronischen Systemen erstellt und gehalten. Die

Papierausgabe wird die Ausnahme und ist nicht, wie heute, der

vorherrschende Standard. Fachdaten verschiedener Quellen

werden, wo immer möglich und sinnvoll, auf einer einheitlichen

Kartengrundlage georeferenziert.

Dass Geodatenanwendungen noch so wenig verbreitet sind,

liegt auch wesentlich an unserem Ausbildungssystem. Davon

sind alle Stufen unseres Ausbildungssystems gleichermaßen

betroffen.

In den Schulen fehlen heute nach wie vor die technischen Voraussetzungen,

um Geodaten-Anwendungen einzusetzen. Wie

die Diskussion um die Einführung von Internet an Schulen

zeigt, besteht darüber hinaus das Problem, dass die Lehrer in

diesen Systemen nicht hinreichend fortgebildet wurden.

In der Berufsausbildung setzt sich diese Problematik fort. Insbesondere

auch verwaltungsnahe Ausbildungsberufe (kaufmännische

oder bürokommunikationstechnische Ausbildungsgänge)

sollten im Umgang mit Geodaten-Anwendungen geschult

werden. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob neue

Ausbildungsberufe erforderlich sind. Wesentlich ist, dass Geodatenanwendungen

in bestehenden Ausbildungsgängen verankert

werden. Ein neues Berufsbild würde nur die funktionale

Trennung fördern und somit der angestrebten Integration in

den Arbeitsprozess entgegenstehen.

- 82 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Maßnahmen zur Aktivierung

des Geodatenmarktes

1. Maßnahme:

Die Datenabgabe nach nutzenorientiertenPreismodellen

gestalten

2. Maßnahme:

Die Lizenzierung vereinfachen

und auf Exklusivverträge

verzichten

3. Maßnahme:

Den öffentlichen Bereich als

Content Provider für Geodaten

entwickeln

4. Maßnahme:

Geodatennutzung als

Bestandteil in alle Ebenen

der Ausbildung integrieren


Marktkonzept Politische Handlungsempfehlungen

Diese Entwicklung gilt analog auch für die universitäre Ausbildung.

In den technischen Fächern werden Anwendungen mit

Geobasisdaten durchaus genutzt und vermittelt. Jedoch werden

diese Absolventen eher die Experten für die klassischen

Anwendungsbereiche im öffentlichen Sektor oder bei den Versorgungsunternehmen.

Die für die Massenanwendungen interessanten

Produkte werden dadurch nur wenig gefördert.

In der kaufmännischen Ausbildung sucht man hingegen die

Vermittlung von Geodatenanwendungen häufig vergebens.

Hier sind es besonders die Geomarketing-Anwendungen oder

auch die Emerging Markets-Lösungen, die in keiner betriebswirtschaftlichen

Ausbildung fehlen dürften.

Für alle Ausbildungsgänge gilt gleichermaßen, dass es Ziel

sein muss, Geodatenanwendungen in die Lehrpläne aufzunehmen

und damit zu verdeutlichen, dass sie ein unmittelbarer

Bestandteil eines jeden Unternehmens sind.

Allerdings ist bei diesem Ansatz in Rechnung zu stellen, dass

es zur Realisierung noch erheblicher Zeit bedarf. Bis dahin

empfiehlt sich ein zweigleisiges Vorgehen:

(1) Die Ausbildungsverantwortlichen in Politik und Wirtschaft

von der Notwendigkeit der Integration von Geodaten-

Anwendungen in der Ausbildung überzeugen

(2) In der Zwischenzeit auf allen Ausbildungsebenen zusätzliche

Ausbildungsangebote sowohl für Lehrer/ Professoren

als auch Schüler/ Auszubildende/ Studenten einrichten

Zur Erschließung der Marktpotentiale sind innovative Geodatenanwendungen

erforderlich. Es werden Success Stories und

Best Practice-Beispiele benötigt, um den Markt anzuregen. Dafür

sind entsprechende Förderprojekte vorzusehen, die einhergehen

mit breit angelegten Marketing- und Werbestrategien.

Alle volkswirtschaftlichen Statistiken gehen davon aus, dass

die Wirtschaft vorrangig auf dem produzierenden Gewerbe

aufbaut. Informationsdienstleistungen werden nur unzureichend

abgebildet. Hier kann NRW eine Vorreiterrolle einnehmen.

Daher sollte ein Berichtswesen entwickelt werden, das

den wirklichen Markterfolg von Geodaten erfasst. Kriterien können

sein:

Steueraufkommen auf Basis von Informationsdienstleistungen

mit Informationen des öffentlichen Bereichs

Beschäftigungsentwicklung

Umsatz/ Ergebnis der Unternehmen dieses Marktsegments

- 83 -

Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

5. Maßnahme:

Gründungsinitiativen zur

Entwicklung neuer Produkte

durch Bereitstellung von

Kapital fördern

6. Maßnahme:

Information als eigen-

ständige Berichtsgröße in

volkswirtschaftlichen

Statistiken abbilden


Marktkonzept Politische Handlungsempfehlungen

Bei konsequenter Umsetzung können diese Maßnahmen im wesentlichen

bis Ende 2003 realisiert werden.

Zu diesem Zeitpunkt ist dann mit einem deutlich überproportionalen

Marktwachstum zu rechnen, mit entsprechender Zunahme qualifizierter

Arbeitsplätze in diesem Sektor sowie einer über dem

Marktwachstum liegenden Steigerungsrate des Umsatzes und damit

des Steueraufkommens.

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Marktstudie:

Aktivierung des Geodatenmarktes in Nordrhein-Westfalen

MICUS Management Consulting GmbH

Realisierung bis Ende 2003

möglich

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