Nutzen von Geodateninfrastrukturen - GEOportal.NRW

micus

Nutzen von Geodateninfrastrukturen - GEOportal.NRW

MICUS Management Consulting GmbH

Autoren:

Dr. Martin Fornefeld

Peter Oefinger

Kathrin Jaenicke

Nutzen von

Geodateninfrastrukturen

Stadttor 1 • 40219 Düsseldorf

www.micus.de • info@micus.de

Oktober 2004


Inhalt

Inhalt

Management Summary . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

2 Komponenten einer Geodateninfrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

3 Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

3.1 Internationale Initiativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

3.1.1 Global Spatial Data Infrastructure . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

3.1.2 Europäische Geodateninfrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

3.2 Ausgewählte nationale Geodateninfrastrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

3.2.1 Kriterien für die Untersuchung der nationalen Initiativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

3.2.2 GDI Deutschland: GDI-DE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

3.2.3 GDI Niederlande: NGDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

3.2.4 GDI Norwegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

3.2.5 GDI Schweiz: NGDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

3.2.6 GDI Australien: ASDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

3.2.7 GDI USA: NSDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

3.3 Branchenspezifische GDI in ausgewählten Ländern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

3.3.1 Auskunftssystem des Wupperverbandes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

3.3.2 BayernViewer-agrar in Bayern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

3.3.3 Property Information Project in Victoria, Australien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

3.4 Erfahrungen mit GDI im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

3.4.1 Nationale GDI-Initiativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

3.4.2 Branchenspezifische GDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

3.4.3 Erfolgsfaktoren einer GDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53

4 Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54

5 Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

5.1 Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

5.2 Nutzen von Geodateninfrastrukturen für Endkunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

5.3 Anreize einer Teilnahme an einer GDI für die Akteure . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69

6 Barrieren und Handlungsempfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72

6.1 Barrieren von Aufbau, Betrieb und Nutzung einer GDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72

6.2 Handlungsempfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75

Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80


Management Summary

„Geodateninfrastruktur“ ist in der Geoinformationsbranche derzeit das

Schlagwort schlechthin: So haben sich zahlreiche Organisationen,

Verwaltungen und Unternehmen den Aufbau einer Geodateninfrastruktur

(GDI) auf die Fahne geschrieben. Technische Architekturmodelle,

Standards und notwendige Basiskomponenten werden in Fachkreisen

intensiv diskutiert und entwickelt. Sowohl auf Bundesebene

(GDI-DE) als auch in nahezu jedem Bundesland wurden entsprechende

Projekte aufgelegt oder befinden sich in der Vorbereitung. Die

vorliegende Studie, geht der Frage auf den Grund, welcher Nutzen

und damit welche Wertschöpfung mit Geodateninfrastrukturen tatsächlich

erzielbar ist.

Ausgangspunkt bildet dabei die Erkenntnis, dass eine Geodateninfrastruktur

für sich gesehen keinen primären Nutzen bietet sondern

vielmehr eine Voraussetzung für den sich entwickelnden Geoinformationsmarkt

ist.

Ziel einer GDI ist es, den Anwendern einen direkten Zugriff auf und

die Nutzung von Geoinformationen und Geodiensten verschiedener

Anbieter zu ermöglichen. Die Grundidee besteht darin, Anwendern

über ein GDI-Portal komfortablen Zugang zu Geodaten und Geodiensten

zu verschaffen, ohne dass diese selbst über ein Geoinformationssystem

und diesbezügliches Fachwissen verfügen müssen. So

wird auch oftmals der hohe Nutzen einer solchen GDI für die Anwender

begründet – jedoch ohne diesen zu konkretisieren.

Angesichts des unbestimmten Nutzens einer Geodateninfrastruktur

ist die Bereitschaft der meisten privatwirtschaftlichen Unternehmen,

sich an den überwiegend staatlichen GDI-Initiativen zu beteiligen,

eher gering. Der Aufbau von Geodateninfrastrukturen erfolgt daher

oftmals angebots- bzw. verwaltungsorientiert, ohne Einbeziehung der

Wirtschaft.

Die Studie zeigt auf, dass eine GDI langfristig nur dann erfolgreich

sein kann, wenn sie einen konkreten Nutzen für die Anwender aufzeigt

und folglich eine entsprechende Zahlungsbereitschaft entsteht. Dies

setzt jedoch voraus, dass durch die Geodaten- und Geodienstanbieter

sowie durch die Betreiber von GDI-Portalen Mehrwerte generiert

werden. Wie dies erreicht werden kann, wird in der Studie dargestellt.

Internationale Erfahrungen mit dem Aufbau von Geodateninfrastrukturen

Der internationale Vergleich wirkt ernüchternd: So zeigt die Betrachtung

der Niederlande, Norwegens, der Schweiz, Australiens und der

- 1 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Management Summary


USA, dass in keinem dieser Länder dem Anwender heute eine nationale

Geodateninfrastruktur zur Verfügung steht, die Nutzern den

Zugang zu den Geodaten ermöglicht. Lediglich sogenannte „Metainformationssysteme“,

die eine Recherche nach vorhandenen Geodatenquellen

unterstützen, jedoch keinen direkten Zugang zu den Geodaten

ermöglichen, sind häufig bereits realisiert. Vorreiter sind die

USA, die mit dem „Geospatial One Stop“ zumindest den Zugang zu

Geodaten der Bundesbehörden ermöglichen.

Angaben zum tatsächlichen Nutzen und zu Wertschöpfungen durch

nationale GDI sind in keinem der Vergleichsländer zu finden. Ein

Grund dafür ist, dass die meist staatlich finanzierten Initiativen als

öffentliche Infrastrukturmaßnahme verstanden werden und daher die

Frage nach dem wirtschaftlichen Pay-Back oftmals erst spät gestellt

wird. Wie entscheidend es ist, die Nutzenfrage frühzeitig zu stellen,

zeigen Erfahrungen aus den USA, wo der Aufbau der nationalen Geodateninfrastruktur

zunächst zu verhaltenen Reaktionen seitens der

Wirtschaft führte. Erst durch eine massive Kurskorrektur gelang es

dort, doch noch Unternehmen ins Boot zu holen und das Vorhaben

zum Erfolg zu führen.

Eine Geodateninfrastruktur für Immobilienbewerter?

Neben den nationalen GDI-Initiativen werden in der Studie auch branchenspezifische

GDI untersucht. Dabei wird deutlich, dass der Aufbau

einer GDI in Reaktion auf einen Bedarf potenzieller Anwender messbaren

Nutzen bringt und Wertschöpfungen für Betreiber sowie Geodaten-

bzw. Geodienstanbietern ermöglicht.

Beispiele werden dazu in der Studie aufgezeigt: Eine GDI zur Immobilienbewertung

wurde im Rahmen eines Projektes des Vereins Runder

Tisch GIS e. V. bereits realisiert. Die Befragung der potenziellen

Anwender hat dabei eindeutig gezeigt, dass der Aufbau einer lösungsorientierten

GDI, die die Anforderungen der Immobilienbewerter erfüllt,

auch zum Erfolg des Geschäftsmodelles führt.

Nutzen und Wertschöpfung durch GDI

Welchen Nutzen und welche Wertschöpfung können die Akteure

durch eine GDI tatsächlich erwarten? Für die Endkunden liegt die

Antwort auf der Hand: Sie können ihren Zeit- und Kostenaufwand für

Datenbeschaffung und -nutzung reduzieren. Die Verringerung dieser

Transaktionskosten lässt für viele Anwender die Nutzung von Geoinformationen

überhaupt erst attraktiv erscheinen. Im Ergebnis stehen

den Anwendern mit den raumbezogenen Informationen verbesserte

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Management Summary


Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung, was eine Qualitätssprung

in Analysen und Planungen ermöglicht. Wenn dieser Nutzen realisiert

wird, besteht seitens der Anwender eine entsprechende Bereitschaft,

für Dienste und Daten ein Entgelt zu entrichten.

Auf diese Weise können die Betreiber ein GDI-Portal über Nutzungsgebühren

refinanzieren. Je besser ein Betreiber mit seinem Angebot

die Anforderungen der Zielgruppe erfüllt, d. h. je anwendungsspezifischer

die GDI ausgerichtet ist, desto höher ist die Zahlungsbereitschaft

der Anwender.

Geodaten- und Geodienstanbieter sind an den Umsätzen beteiligt, die

über die GDI mit ihren Produkten generiert werden. Auch für diese

Akteure besteht somit ein Anreiz, an der GDI mitzuwirken. Darüber

hinaus können über die GDI zusätzliche Kunden gewonnen und

bestehende Kunden kostengünstiger als bisher erreicht werden. Die

Folge sind Umsatzsteigerungen und Einsparungen im Datenvertrieb.

Erfolgsfaktoren für Geodateninfrastrukturen

Es kann durch eine GDI eine win-win Situation für alle Beteiligten entstehen,

aber nur wenn die folgenden Erfolgsfaktoren berücksichtigt

werden:

• Entwicklung anwenderorientierter Lösungen mit konkretem Nutzen

für die Kunden

• Erfüllung der Anforderungen der Geodaten- und Geodienstanbieter

und damit Schaffung der notwendigen Akzeptanz

• Einbindung aller Akteure – Anbieter wie Anwender – beim Aufbau

einer GDI

• Bei öffentlichen GDI: Berücksichtigung der Anforderungen von

öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft

• Die Berücksichtigung der GDI-Komponenten (vor allem Standards

wie z. B. des OGC)

In der Studie wird damit erstmalig aufgezeigt, welcher Mehrwert mit

Geodateninfrastrukturen erzielt werden kann, und wie sich dieser realisieren

lässt. Sie stellt damit einen wesentlichen Impuls für die aktuelle

Diskussion um den Aufbau Geodateninfrastrukturen dar indem sie

die betriebswirtschaftliche und marktwirtschaftliche Dimension dieser

Vorhaben beleuchtet.

Sie verdeutlicht, dass analog den eGovernment-Erfahrungen, ohne

Businessplan und Kundeneinbindung keine Infrastukturleistung erfolgreich

zu erbringen ist.

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Management Summary


1 Einleitung

„Geodateninfrastruktur“ gilt in der Geoinformationsbranche derzeit als

das Schlagwort schlechthin. Viele Organisationen, Verwaltungen und

Unternehmen weltweit schreiben sich auf die Fahne, über eine Geodateninfrastruktur

zu verfügen oder deren Aufbau zu voranzutreiben.

Die Beteiligten lassen dabei gerne verlauten, welch großer Nutzen

durch einen vereinfachten Zugang zu Geodaten über Geodateninfrastrukturen

(GDI) für Anwender entstehe: Insbesondere Initiatoren

öffentlicher GDI betonen in der Regel, dass ein dadurch breiterer

Einsatz von Geoinformationen letztlich der gesamten Volkswirtschaft

zugute käme. So sehen öffentliche Stellen den Aufbau und Betrieb

einer GDI vielfach als staatliche Infrastrukturmaßnahme. Auch einige

private Unternehmen möchten von dem darin vermuteten Potenzial

profitieren und drängen mit Bausteinen einer GDI oder gar gesamten

GDI an den Markt.

Allerdings werden Geodateninfrastrukturen bislang vor allem prototypisch

umgesetzt und sind nicht daher für einen dauerhaften Betrieb

angelegt; praktische Anwendungen sind schwer zu finden. Der

Nutzen von Geodateninfrastrukturen wird zwar allgemein anerkannt,

aber wie dieser Nutzen konkret aussieht und welche Wertschöpfungen

erzielt werden können, ist vielfach noch unklar. Die Motivation der

meisten Akteure des Geoinformationsmarktes zu einer Teilnahme an

einer GDI ist daher bisher gering.

Der Ausgangspunkt der Studie beruht auf der Erkenntnis, dass eine

Geodateninfrastruktur für sich gesehen keinen primären Nutzen bietet,

sondern vielmehr eine Voraussetzung für den sich entwickelnden

Geoinformationsmarkt ist.

Besonderes Augenmerk wird daher auf drei Aspekte gelegt:

• An welchen Stellen der Wertschöpfungskette der Geoinformation

können Nutzen und Wertschöpfungen erwartet werden?

• Welche Arten von Nutzen und Wertschöpfung können erwartet

werden?

• Was muss getan werden, um den Nutzen und die Wertschöpfung

zu realisieren?

Der Geoinformationsmarkt

In welchem Umfeld sind Geodateninfrastrukturen angesiedelt? – Dazu

wird zunächst der Geoinformationsmarkt mit seinen wesentlichen

Akteuren entlang der Wertschöpfungskette kurz umrissen.

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Volkswirtschaftlicher

Nutzen von GDI?

Einleitung

GDI als Voraussetzung

für die Entwicklung des

Geoinformationsmarktes


Die Bedeutung von Geoinformationen in allen Bereichen einer modernen

Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist unbestritten

und wurde bereits in mehreren Studien beschrieben. Der GI-Markt

umfasst dabei Datenproduzenten, Anbieter und Veredler dieser Geodaten,

Dienstleister, die zu anwendungsspezifischen Geoinformationsprodukten

veredelte Geodaten an Nutzer vertreiben, sowie schließlich

den Endkunden selbst. Bestandteil des GI-Marktes sind außerdem

die Hersteller von Hard- und Software für den GIS-Bereich (z. B. GIS,

Datenbanken, Web Server), ohne die Geodaten nicht zu erfassen, zu

archivieren, fortzuführen, zu veredeln und zu nutzen wären.

Der Geoinformationsmarkt deckt somit die gesamte Wertschöpfungskette

der Geoinformation ab: Am Anfang der Wertschöpfungskette

stehen dabei die Produzenten der Geodaten. Mit der Veredelung der

Geodaten ist die nächste Produktstufe erreicht. Dies kann durch die

Erstellung von Geoinformationsanwendungen, über die Veredelung

eines Datensatzes oder durch die Verschneidung mehrerer Datensätze

geschehen. Datenveredler fügen also zusätzliche Informationen

zu den Rohdaten hinzu und erzeugen so eigenständige Geodatenprodukte.

Insbesondere die Kombination von Geobasis- und Geofachdaten

aus verschiedenen Quellen und deren anwendungsspezifische

Aufbereitung, Auswertung und Visualisierung ermöglichen dabei die

Erwirtschaftung eines Mehrwertes auf dieser Produktstufe. Dienstleister,

die sich um Kundenberatung und Vertrieb der Geodatenprodukte

kümmern, schließen die Lücke des Angebotes zum Anwender. Diese

Aufgabe wird oft auch von den Datenveredlern oder den Produzenten

der Geodaten übernommen. Beim Kunden endet die Wertschöpfungskette

der Geoinformation.

Anwender der Geodaten bzw. der veredelten Geodatenprodukte

kommen aus den verschiedensten Bereichen (Verwaltung, Wirtschaft,

Wissenschaft, Organisationen, Privatpersonen) und nutzen je nach

Bedarf Produkte auf unterschiedlichen Stufen des Wertschöpfungsprozesses.

Für die Nutzung der Geoinformationsprodukte benötigen

Anwender in Abhängigkeit der zu lösenden Aufgabe mehr oder weniger

komplexe Werkzeuge, wie z. B. Geoinformationssysteme. Dabei gibt

es keine universellen Geoinformationsprodukte und somit auch keinen

universellen GI-Markt. Es existieren jedoch branchen- und anwenderspezifische

Teilmärkte des GI-Marktes, die durch spezifische Kunden

und Produkte gekennzeichnet sind. Die Wertschöpfungskette spaltet

sich demnach vor allem bei der Veredelung und Kombination von Geoinformationen

in Richtung Kunden in zahlreiche Teilmärkte auf.

Der GI-Markt besitzt ein enormes Marktpotenzial, dass derzeit jedoch

bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Während der klassische GIS-

und GI-Markt – mit Nutzern, die über GIS, Geodaten und Know-how

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Akteure am GI-Markt

Einleitung

Die Wertschöpfungskette

am Geoinformationsmarkt

Die Rolle der Anwender

Das Marktpotenzial ist

bei weitem noch nicht

ausgeschöpft


verfügen – weitgehend gesättigt ist, sind vor allem in anderen Bereichen

Kunden zu bedienen, die aus der Verwendung von GI und GI-

Technologie großen Nutzen schöpfen könnten, diese aber noch nicht

einsetzen. Zu den Markthindernissen gehören insbesondere die mangelnde

Transparenz der vorhandenen Daten sowie deren Heterogenität,

komplizierte Gebührenordnungen, restriktive Nutzungsbedingungen

und der Mangel an nutzergerechten Produkten. Mit dem Aufbau

von Geodateninfrastrukturen soll die Erschließung dieses Potenzials

ermöglicht werden.

Während die Bedienung der ersten hochkomplexen und teuren High-

End GIS nur wenigen ausgewiesenen Experten möglich war, so

stehen jetzt immer mehr Anwender im Fokus der Anbieter am Geoinformationsmarkt,

die zwar über geringes GI-Know-how und geringere

finanzielle Ressourcen verfügen, zugleich jedoch eine große Kundengruppe

darstellen.

Mittels neuester GIS-Technologie sollen solche Anwender angesprochen

werden, die kaum gewillt sind, ein eigenes GIS anzuschaffen –

Technische Ansätze hierfür bieten Internet-GIS-Anwendungen und

insbesondere Geodateninfrastrukturen (GDI).

Der GI-Markt hat erkannt, dass diese potenziell sehr große, neue

Anwendergruppe der „GIS-Laien“ einen Nutzen aus dem Einsatz von

Geoinformation ziehen könnte, und so als potenzielle Kunden in Frage

käme – z. B. ein Vertreter eines KMU, das Geoinformationen für die

Planung eines neuen Standortes einsetzt. Das Ziel der Initiatoren von

Geodateninfrastrukturen ist es daher, den Aufwand der Nutzung von

Geoinformation und GIS-Technologie für den Anwender so gering wie

möglich zu halten, um so dieses Kundenpotenzial zu erschließen.

Die Akteure am Geoinformationsmarkt

Hersteller von

Hardware und Software

Endkunde

Dienstleister

Datenveredler

Anbieter von Geodaten

Datenproduzenten

Einflussfaktoren (sozial, politisch, ökonomisch, rechtlich, technologisch)

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Dienstleister

Einleitung

Vom GIS-Experten zum

GIS-Laien

Erschließung zusätzlicher

Kundengruppen durch

neue Technologien

Ziel einer GDI: minimaler

Aufwand für die Nutzer

beim Bezug von Daten


2 Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Hauptziel des Aufbaus und des Betriebs von Geodateninfrastrukturen

ist die Optimierung von Datenaustausch und Datenzugang, um vorhandene

Geoinformationen in allen Bereichen effektiver einsetzen

zu können. Auch die Schaffung von Transparenz am Geoinformationsmarkt

wird in diesem Zusammenhang häufig als Ziel angeführt.

Letztlich ist dabei die Hoffnung auf eine Stimulation des Geoinformationsmarktes

und die Erschließung dessen Potenzials wesentlicher

Motivationsfaktor.

Barrieren im Hinblick auf den Datenaustausch bzw. Zugang zu verteilten

Datenbanken liegen in der Tatsache begründet, dass Geoinformationssysteme

zu Beginn als isolierte monolithische Systeme angelegt

waren und man sich nur schwer von diesen Konzepten verabschiedet.

Die Daten selbst sind aufgrund der dezentralen und auf einen jeweils

spezifischen Zweck ausgerichteten Erhebung durch große Heterogenität

gekennzeichnet, z. B. hinsichtlich der dabei verwendeten Datenmodelle,

Koordinatensysteme oder Formate.

Welche Vorteile bieten nun neuartige GDI-Strukturen? Dazu werden

im folgenden die wesentlichen Komponenten einer GDI skizziert.

Bis heute existiert keine einheitliche Definition des Begriffes Geodateninfrastruktur,

zahlreiche Definitionen verwirren Experten wie Laien.

Der Mangel an konkreten Definitionen deutet dabei darauf hin, dass

die dahinter stehenden Konzepte den Akteuren des Geoinformationsmarktes

vielfach unklar sind. Ein klares Verständnis von GDI ist aber

von großer Bedeutung, um diesen Entwicklungen zu mehr Öffentlichkeit

zu verhelfen und mehr Beteiligte ins Boot zu holen. Eine pragmatische

Definition kann dabei über die Beschreibung der Eigenschaften

und Komponenten einer GDI erfolgen.

Grundsätzlich sind Geodateninfrastrukturen durch folgende Eigenschaften

– im Hinblick auf die Sicht des Anwenders auf die GDI sowie

auf den Aufbau der Anwendung (Systemsicht) – gekennzeichnet:

• Online-Zugang direkt zu Daten mittels Browser über eine Stelle

(meist ein GDI-Portal)

• Interaktiver Umgang mit Daten möglich (z. B. Festlegung des Kartenausschnittes)

• Überlagerung bzw. Kombination von Daten aus verschiedenen

Quellen möglich

• Zugriff auf aktuelle, für die Zielgruppe der GDI flächendeckend vorhandene

Daten

• Beauskunftung und/oder Herunterladen von Datenausschnitten

möglich

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Barrieren beim Daten-

austausch und -zugang

Keine einheitliche

Definition

Merkmale aus

Anwendersicht


• Nutzung des Systems jederzeit möglich

• transparente Bepreisung und einfache Nutzungsbedingungen

(sofern Daten nicht kostenfrei zugänglich und ohne Einschränkungen

nutzbar sind)

• Komponentenbasiertheit des Systems

• Einsatz von Standards bei Daten, bei Diensten und bei Netzwerk-

Technologie

• verteilte Datenhaltung, Daten verbleiben beim originären Anbieter

Eine Geodateninfrastruktur (GDI) zeichnet sich grundsätzlich durch

verschiedene Komponenten aus, die in enger Beziehung miteinander

stehen, z. B.:

• Geodaten und dazugehörige Metainformationen als Basis der GDI

• Eine technische Infrastruktur aus Benutzerschnittstellen (Clients),

Geodiensten, GDI-Portalen, Sicherheits- und Zugriffskontrollmechanismen,

Abrechnungskomponenten sowie einem Netzwerk, die dem

Anwender den Einstieg in die GDI und den Anbietern die Veröffentlichung

ihrer Geodaten und Geodienste in einer GDI ermöglicht

• Normen und Standards, die das Zusammenspiel der unabhängigen,

heterogenen Komponenten und die dynamische Weiterentwicklung

der auf Dauer angelegten GDI erlauben

• rechtliche Regelungen (u. a. Urheberrechtsgesetz, Nutzungsregelungen,

Informationsfreiheitsgesetz), die die Basis für den Datenaustausch

zwischen den Akteuren darstellen

• Wirtschaftliche Komponenten, wie ein Finanzierungs- und ein Tarifierungsmodell

zur Sicherung der für Aufbau und Betrieb der GDI

zu leistenden Investitionen

• Die Akteure, insbesondere Anbieter von Geodaten und Geodiensten,

Betreiber der GDI-Portale und Nutzer

Erst durch das Zusammenspiel dieser Komponenten und die Partnerschaft

zwischen den Akteuren kann das übergeordnete Ziel einer

GDI erreicht werden: Einen Zugang zu verteilten, heterogenen Geodaten

und Geodiensten für möglichst viele Anwender zu schaffen, um

diesen eine einfache und direkte Nutzung von Geodaten und GIS-

Technologie zu ermöglichen.

Eine Geodateninfrastruktur kann dabei innerhalb verschiedener

Grenzen aufgebaut werden, zum einen administrativ (global, international,

national, regional, lokal), zum anderen auch unternehmensbezogen

(innerhalb eines oder zwischen mehreren Unternehmen). Die

Festlegung eines Rahmens hat großen Stellenwert, um innerhalb

dieser Grenzen gemeinsame Rahmenbedingungen wie einheitliche

Standards, Nutzungsbedingungen oder Gesetze zu definieren.

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Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Merkmale aus

Systemsicht

Wesentliche Kompo-

nenten einer GDI

Eine GDI erfordert das

erfolgreiche Zusammen-

spiel aller Komponenten


Zusammenspiel der Komponenten einer GDI

Anwender

Dienstleister

Datenanbieter

Geodienst Geodienst Geodienst

Geodatenbank

A

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Client

GDI-Portal

Abrechnungskomponenten

Sicherheitsmechanismen

Geodatenbank

B

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Geodatenbank

C

Um das Bild einer GDI weiter zu schärfen, werden im folgenden die

Komponenten einer Geodateninfrastruktur näher erläutert.

In einer GDI werden Geodaten über Geodienste angeboten. Geodienste

stellen dabei über bestimmte Schnittstellen die Funktionalität

für eine Suche nach und die Nutzung von Geodaten bereit. Die

Nutzung umfasst den Zugriff, die Bearbeitung, Transformation,

Analyse und die Visualisierung der Geodaten. Jede dieser Funktionalitäten

wird von Geodiensten mit spezifischen Schnittstellen ausgeführt.

Der Anwender benötigt zur Nutzung der Geodaten über Geodienste

keine besonderen Werkzeuge, wie ein Geoinformationssystem oder

andere Software. Vielmehr ermöglichen ihm die Geodienste einen

direkten Zugang zu Geodaten und die Nutzung der Geodaten mittels

der jeweiligen Funktionalitäten.

Reichen die Geodaten oder die Funktionalität einzelner Geodienste

nicht aus, um die Anforderungen des Anwenders zu erfüllen, können

mehrere Geodienste in einem Dienstebündel anwendungsspezifisch

aggregiert werden: Ein bereits breit etablierter Geodienst zur Visualisierung

von Geoinformationen ist beispielsweise der Web Map

Service.

In Zusammenhang mit GDI haben zudem Katalog- und Registerdienste

besondere Bedeutung, da sie eine Suche nach verteilt vorliegenden

Geodaten unterstützen und so die Funktion einer Art Geodaten-

bzw. Geodienste-Suchmaschine übernehmen. Über diese

Geodienste, die meist unter dem Begriff Metainformationssystem

zusammengefasst werden, sind die Metadaten zu den in der GDI vorhandenen

Geodaten und Geodiensten zugänglich.

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Geodaten, Geodienste

und Metadaten

Katalog- und Register-

dienste


Metainformationssysteme sind somit eine der Komponenten von GDI,

die in einigen Ländern de bereits zur Verfügung steht. Das Vorhandensein

geeigneter Metadaten („Daten über Daten“) ist dabei eine

Grundvoraussetzung, dass verteilte Daten und Dienste über eine

Stelle überhaupt gefunden und genutzt werden können. So beschreiben

Metadaten Geodatensätze unter anderem durch Angaben zu

Datenhaltern, Umfang, Herkunft, Referenzsystem, Aktualität und Qualität

der Daten bzw. die Funktionalität und den Inhalt von Geodiensten.

Zur technischen Infrastruktur zählen Benutzerschnittstellen (Clients),

GDI-Portale, Sicherheits- und Abrechnungskomponenten sowie ein

Netzwerk, das die Komponenten verknüpft. Geodienste sind damit im

eigentlichen Sinne Bestandteil der technischen Infrastruktur.

Benutzerschnittstellen (Clients) ermöglichen dem Anwender eine

Interaktion mit dem GDI-Portal, den Geodaten und Geodiensten und

damit einen Zugang zur Geodateninfrastruktur. Über einen Client

kann der Nutzer seine Anfragen nach Geodaten und Geodiensten an

die dahinter stehende technische Infrastruktur richten. Clients reichen

von einfachen Browser-Lösungen (HTML-Clients) über Clients mit

Browsererweiterungen (Java-Applets, Plug-Ins) bis hin zu komplexen

Desktop-Applikationen.

GDI-Portale stellen das Herzstück einer GDI dar. Sie ermöglichen

dem Nutzer einen komfortablen Zugang zur GDI, da sie die Rolle

des Vermittlers zwischen Anbietern von Geodaten und Geodiensten

und deren Nutzer übernehmen. Im GDI-Portal selbst sind dabei

keine Daten gespeichert. Statt dessen ermöglicht ein GDI-Portal den

Zugang zu Geodaten, Geodiensten sowie anwendungspezifischen

Dienstebündeln und ist dabei mit Sicherheits- und Abrechnungskomponenten

verbunden. Über die Clients können die Nutze Anfragen an

das GDI-Portal und somit an die Geodateninfrastruktur richten. Ein

Beispiel eines realisierten GDI-Portals ist der Geospatial One Stop

Shop in den USA (siehe internationaler Vergleich). Als Benutzerschnittstelle

dient in diesem Fall der Browser des Anwenders.

Die wesentlichen Funktionen eines GDI-Portal lassen sich dabei wie

folgt zusammenfassen:

• Registration von Geodaten und Geodiensten durch autorisierte

Anbieter zum Angebot im GDI-Portal

• Zugangsmöglichkeiten zu den registrierten Geodaten und Geodiensten,

üblicherweise über Eingabe einer Adresse oder von

Koordinaten, über Angabe bestimmter Metadaten oder die graphische

Markierung einer Region auf einer Karte

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Metainformations-

systeme

Technische Infrastruktur

Benutzerschnittstellen

GDI-Portale als Herz-

stück der GDI

Wesentliche Funktionen

eines GDI-Portals


• Nutzung von Daten verschiedener Anbieter direkt über das GDI-

Portal (Beauskunftung)

• Integration der Geodaten aus dem GDI-Portal in ein eigenes

System und deren Kombination mit lokal vorhandenen Daten

(sofern der Anwender über ein GIS verfügt)

• Verwaltung der Nutzer, auch über eine Authentisierung (Feststellen

der Identität des Nutzers) und Autorisierung (Feststellen der

Rechte des Nutzers, d. h. welche Daten einer GDI ein Nutzer beispielsweise

einsehen darf)

Der erheblich Vorteil für den Anwender liegt dabei darin, dass er

weder über ein GIS, noch über eigene Geodaten oder besonderes

Fachwissen verfügen muss, um über ein GDI-Portal von Geoinformation

und GIS-Technologie zu profitieren.

Sicherheits- und Zugriffskontrollen spielen bei verteilten und über das

Internet zugänglichen Systemen eine große Rolle und sind Grundvoraussetzung

einer Akzeptanz derartiger Anwendungen. Denn die

Datenanbieter erwarten, dass ihre Karten als wertvolles Informationsgut

vor unerwünschtem Zugriff, Veränderung oder Kopie geschützt sind.

Soll eine GDI kommerziell betrieben werden, so muss es möglich sein,

Anwendern von Geodaten und Geodiensten erbrachte Leistungen in

Rechnung zu stellen. Eine Möglichkeit zur Integration standardbasierter

Bepreisungs- und Bestellmechanismen in eine Infrastruktur stellt

hierbei z. B. der Web Pricing and Ordering Service (WPOS) dar.

Das Netzwerk verknüpft die einzelnen verteilten Komponenten der

technischen Infrastruktur. Als Kommunikationsnetz dient meist das

Internet, bei unternehmensinternen GDI wäre auch eine Kommunikation

über das Intranet denkbar. Das Netzwerk muss dabei in jedem

Fall folgende Voraussetzungen erfüllen, um ein Zusammenspiel der

Komponenten zu ermöglichen:

• Eine gewisse Leistungsfähigkeit muss gegeben sein, d. h. der Austausch

großer Datenmengen und der Umgang mit vielen Anfragen

muss in bestimmter Zeit möglich sein

• Das Netzwerk muss zuverlässig operieren, so dass sich der Benutzer

darauf verlassen kann

• Das Netzwerk muss eine sichere Datenübertragung gewährleisten

Erst Normen bzw. Standards ermöglichen das reibungslose Zusammenspiel

der unabhängigen, heterogenen Komponenten einer GDI.

Durch den Einsatz standardisierter Komponenten beim Aufbau von

GDI können diese mehrfach, d. h. in verschiedenen GDI-Lösungen,

- 11 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Nutzer benötigen kein

eigenes GIS und geringes

Fachwissen

Sicherheits- und Zugriffskontrollen

Abrechnungs-

komponenten

Netzwerk

Normen und Standards


verwendet werden. Auch eine Weiterentwicklung der GDI durch das

Hinzufügen weiterer Geodienste ist bei Verwendung standardisierter

Schnittstellen einfach und rasch realisierbar. Ein Standardisierungsgremium,

das im Geoinformationsbereich eine zentrale Stellung einnimmt,

ist dabei das OpenGIS Consortium (OGC). Andere Standardisierungsgremien,

die in Zusammenhang mit GDI eine Rolle spielen

sind das Technical Committee 211 der ISO (International Standards

Organisation) und das W3C (WWW-Consortium), ein Standardisierungsgremium,

das die Weiterentwicklung des WWW koordiniert.

Als Hauptakteure einer GDI sind übernehmen die Anbieter von Geodaten

und Geodiensten, Betreiber von GDI-Portalen und Anwender

die zentralen Rollen in einer Geodateninfrastruktur. Randrollen

nehmen Hersteller von GIS-Software, Standardisierungsgremien und

andere Vertreter des Geoinformationsmarktes ein, die einen Einfluss

auf die drei zuvor genannten Gruppen haben, aber nicht als direkte

Akteure anzusehen sind.

Die technische Infrastruktur

Standards Standards Standards

Geodienst Geodienst Geodienst

Geodatenbank

A

Anwender

Client

GDI-Portal

Standards

Abrechnungskomponenten

Sicherheitsmechanismen

Geodatenbank

B

- 12 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodatenbank

C

Die Anbieter von Geodaten und Geodiensten können sowohl öffentliche

Stellen (wie Landesvermessungsbehörden, andere Ämter oder

Kommunen) als auch privatwirtschaftliche Unternehmen sein. Ihre

Aufgabe innerhalb einer GDI ist es, Geodaten über Geodienste für

deren Angebot über GDI-Portale bereit zu stellen. Falls ein Anbieter

nicht über die nötigen Ressourcen verfügt, Geodienste aufzusetzen,

kann er dazu mit einem Dienstleister kooperieren.

Betreiber der GDI-Portale kümmern sich um den Aufbau eines GDI-

Portals, die Einbindung der Geodienste und anderer technischer

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Akteure

Wesentliche

Datenanbieter

Betreiber der

GDI-Portale


sowie wirtschaftlicher Komponenten der GDI, die für eine praxisreife

Anwendung benötigt werden. Sie sind in der Regel für die Aufstellung

und das Funktionieren des Geschäftsmodells verantwortlich, in dem

sie mit Anbietern von Geodaten und Geodiensten und anderen Partnern

kooperieren. Auch diese Rolle können Vertreter aus dem öffentlichen

oder privaten Sektor bzw. beide zusammen (z. B. in Public-

Private-Partnership) übernehmen.

Da ein Betreiber in den seltensten Fällen über technisches Know-how

(zum Aufbau der technischen Infrastruktur) und zugleich über kommerzielles

und vertriebliches Know-how (um eine anwendungsorientierte,

praxisreife Lösung zu realisieren) verfügt, ist es für ihn ratsam,

Partnerschaften mit anderen Organisationen, die entsprechendes

Expertenwissen besitzen, zu schließen. Vorstellbar ist beispielsweise

eine Kooperation zwischen einem auf GDI-Technologie spezialisierten

Unternehmen und einem dienstleister aus dem Beriech Energieversorgung,

um eine branchenspezifische GDI bzw. ein GDI-Portal

zu entwickeln. Insgesamt wird deutlich, dass GDI nur durch Partnerschaften

zum Erfolg geführt werden können – ein Alleingang stünde

hier dem Markterfolg entgegen.

Bei öffentlichen Geodateninfrastrukturen sind die Betreiber der GDI-

Portale in der Regel Behörden oder andere öffentliche Institutionen.

So ist für den Aufbau der GDI-DE beispielsweise der Interministerielle

Ausschuss für Geoinformation IMAGI bzw. dessen Geschäftsstelle

beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zuständig. Dabei ist

bereits heute erkennbar, dass auch diese öffentlichen Initiativen nur

durch Partnerschaften mit der privaten Wirtschaft zum Erfolg gebracht

werden können.

Besonderes Augenmerk sollte dabei auf den Anwendern von Geodateninfrastrukturen

und deren Anforderungen liegen, denn ohne nutzenorientierte

Konzepte wird auch eine ansonsten technisch einwandfreie

GDI keinen Mehrwert erzielen. Als Anwender einer GDI sind

dabei zu berücksichtigen Kunden aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft

oder Privatpersonen.

Nutzungsmöglichkeiten einer GDI sind in diesem Zusammenhang das

Herunterladen der Geodaten für eine Integration in beim Anwender

vorhandene GIS (für Fachanwender interessant) sowie auf eine mögliche

Beauskunftung von Geoinformationen, die bei den jeweiligen

Anbietern vorgehalten werden, über Geodienste bzw. Dienstebündel.

GDI richten sich damit sowohl an Fachanwender als auch an GIS-

Laien: Zum einen können klassische GIS-Anwender, sowie Dienstleister

(insbesondere kleine und mittlere Unternehmen), die für GIS-

- 13 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

GDI werden nur durch

Partnerschaften zum

Erfolg geführt

GDI erfordern Zusammenarbeit

von Wirtschaft und

Verwaltung

Berücksichtigung der

Nutzeranforderungen

Nutzungsmöglichkeiten:

vom Datenbezug zur be-

darfsbezogenen Auskunft

Kunden: Fachanwender

und GIS-Laien


Laien neue Produkte entwickeln, von der GDI profitieren, da für sie

ein effektiverer Zugang zu Daten offen steht.

Zum anderen besteht die Chance, mittels GDI eine potenziell große

Gruppe neuer Kunden, die GIS-Laien, zu erschließen, und so das

Volumen des Geoinformationsmarktes zu vergrößern. Für GIS-Laien ist

insbesondere die Nutzung der GDI zu Auskunftszwecken interessant.

Rechtliche Regelungen stellen eine Grundvoraussetzung eines erfolgreichen

Betriebs einer Geodateninfrastruktur dar, da sie unabhängig

von technischen oder ökonomischen Gesichtspunkten den Zugang zu

digitalen Geodaten und die Möglichkeiten deren Weiterverwendung

bestimmen.

Von Bedeutung sind dabei unter anderem Informationsfreiheitsgesetze,

Verordnungen zum Schutz des Urheberrechts bei Daten sowie

Regelungen zum Schutz der Daten vor Missbrauch, die besonders

bei personenbezogenen Informationen zur Wahrung der Privatsphäre

von Bedeutung sind. Problematisch ist dabei, dass die einen Zugang

zu und eine Nutzung von Geodaten betreffenden Gesetze in vielen

Ländern nicht mit der technischen Entwicklung in diesem Bereich

Schritt gehalten haben. So besteht dringender Handlungsbedarf

durch die Gesetzgeber zur Anpassung dieser Regelungen an digitale

Geodaten, um einen lohnenswerten Betrieb von GDI-Portale überhaupt

erst zu ermöglichen. Die Frage der Nutzungsrechte wird in Verbindung

mit der Tarifierung der Geodaten vertieft betrachtet.

Um den Aufbau und nachhaltigen Betrieb einer GDI zu ermöglichen,

müssen die wirtschaftlicher Aspekte eines solchen Vorhabens

adäquat berücksichtigt werden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang

insbesondere Überlegungen zu einer langfristigen Finanzierung

der GDI sowie die Aufstellung von Tarifierungsmodellen für ein Online-

Angebot von Geodaten.

Soll der Zugang zu Geodaten und Geodiensten den Anwendern bei

einem kommerziellen Betrieb der GDI in Rechnung gestellt werden,

so müssen die Betreiber der GDI-Portale dafür entsprechende Tarifierungs-

oder Preismodelle festlegen. Neben Tarifierungsmodellen,

die die Art der Abrechnung des Zugangs zu Geoinformationen über

ein GDI-Portal bestimmen, spielt die Tarifierungspolitik, die dafür

das Preisniveau festlegt, eine Rolle. Bei beiden müssen sich Betreiber

an den diesbezüglichen Vorstellungen der beteiligten Daten- und

Dienstanbieter orientieren, da diese über eine Umsatzbeteiligung vom

Datenvertrieb über das GDI-Portal profitieren möchten. Nutzungsmodelle

schließlich haben Einfluss auf die Möglichkeiten der Veredelung

und der Nutzung der Geodaten durch den Kunden. Die marktgerechte

Bepreisung nimmt eine Schlüsselfunktion ein, wenn es darum geht,

- 14 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Rechtliche Rahmen-

bedingungen

Regelungen zum Daten-

zugang als Voraussetzung

für GDI

Wirtschaftliche

Komponenten

Geeignete Tarifierungs-

und Preismodelle


potenzielle Kunden zu gewinnen. Daher wird der Bepreisung von

Geodaten an dieser Stelle besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Grundsätzlich gilt es bei Aufstellung der Tarifierungsmodelle darauf

zu achten, dass die Bepreisung für den Anwender transparent und

nachvollziehbar ist. Zudem sollten die Modelle so einfach gestaltet

sein, dass sie im Internet abgebildet werden können und somit über

das GDI-Portal an die Kunden weiter gegeben werden können. In

einer früheren Studie wurde bereits ein dreistufiges, nutzerorientiertes

Modell vorgeschlagen, das einen Online-Zugang zu Geoinformationen

über GeoPortale nach der Häufigkeit der Nutzung abrechnet: 1)

• Seltene Kunden bezahlen dabei einen Einzelpreis pro Nutzung des

GDI-Portals,

• Kunden mit regelmäßigem Zugriff entrichten eine Grundgebühr

für die Bereitstellung der Dienstleistung „GDI“ und Entgelte pro

Nutzung, die sich nach der Menge der bezogenen Information

bemessen, und

• Kunden mit permanentem Zugriff werden über eine Pauschale

abgerechnet.

Zur Gewinnung neuer Kundengruppen für Geoinformationen empfiehlt

es sich zudem, das Angebot nutzenorientiert zu gestalten. Dazu

können folgende Möglichkeiten in das Tarifierungsmodell eingebaut

werden:

• Leasing: Der Kunde zahlt erst dann, wenn er einen Nutzen aus

den Daten zieht, oder er beendet die Nutzung, wenn die Daten aus

seiner Sicht zu teuer werden bzw. er diese nicht mehr benötigt.

• Pakete schnüren: Preisliche Abstufung des Angebots nach jeweils

erzielbarem Nutzen.

• „Lose-Blatt-Sammlung“: Der Kunde kann die ersten Daten als Initialzündung

kostenfrei beziehen/beauskunften und muss für die

nächsten Datensätze zahlen, z. B. für aktualisierte Daten.

Der Preis für den Kunden berechnet sich letztlich aus dem Betrag,

den der Portalbetreiber erhebt zuzüglich der Umsatzbeteiligung des

Datenanbieters. Die Abrechnung zwischen Datenanbieter und Portalbetreiber

kann entweder erst beim erfolgreichen Verkauf der Daten

über die Plattform an Kunden erfolgen, oder aber der Datenanbieter

erhält einen Pauschalbetrag dafür, dass er mit dem Portalbetreiber in

der Unternehmung kooperiert. Die Art und Weise der Umsatzbeteiligung

des Betreibers des GDI-Portals der Daten- und Dienstanbieter

gilt es im Geschäftsmodell der GDI zu verankern. Insgesamt wird

1) FORNEFELD und OEFINGER, 2002, 52

- 15 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Transparente, nachvoll-

ziehbare Bepreisung

Abrechnungsmodelle für

den Online-Bezug

Nutzenorientierte

Preisgestaltung


deutlich, dass ein nutzen- bzw. nutzerorientiertes Tarifierungsmodell

einen wesentlichen Erfolgsfaktor einer GDI bildet.

Neben einem Tarifierungsmodell ist die Entscheidung einer Tarifierungspolitik

zur Festlegung der konkreten Preise bzw. Einzelentgelte

eines Zugangs zu Geoinformationen und einer Nutzung von Geodiensten

von Bedeutung. Einige öffentliche wie auch private Datenanbieter

vertreiben ihre Geodatenprodukte bereits via Internet und

haben dafür Preisniveaus und Tarifierungsmodelle festgelegt. Diese

Modelle beschränken sich jedoch überwiegend auf einen Versand der

Daten per eMail in Folge einer Online-Bestellung und orientieren sich

zudem stark an den Modellen einer konventionellen Abgabe der Geodaten.

Eine Bepreisung des Zugangs zu Geoinformationen über Geodienste,

wie Web Map Services, ist kaum verbreitet.

Insbesondere die Frage der Abrechnung von Geodiensten, die eine

Verarbeitung von Geodaten in GDI-Portalen ermöglichen, ist vielfach

noch ungeklärt. Der Aufbau von GDI erfordert daher eine Abkehr von

konventionellen Preismodellen und Gebührenordnung hin zu Internetgerechten,

flexiblen Bepreisungs-Mechanismen.

Die Festlegung der konkreten Preise bzw. der Einzelentgelte für einen

Zugang zu Daten über GDI-Portale ist nicht trivial, da die „Ware“ Geoinformation

einige Eigenschaften aufweist, die deren Bepreisung

erschweren: Die Erhebung und die Fortführung der Geodaten (insbesondere

der amtlichen Geobasisdaten) sind sehr kostenintensiv. Somit

treten bereits zu Beginn der Wertschöpfungskette hohe Kosten auf,

die bei jeder Veredelungsstufe abnehmen, wobei zugleich der Nutzen

zunimmt (Wertschöpfungsparadoxon). Neben diesen hohen Fixkosten

der Produktion der Daten verursacht der Vertrieb Kosten, die sich mit

zunehmender Numerisierung weiter verringern (economies of scale).

Das Wertschöpfungsparadoxon

Verteilte

Datenbanken

niedrig

hoch

Online-Zugriff

auf integrierte

Geodaten

Öffentliche Verwaltung

Dienstleister

MARKTWERT

KOSTEN

Integration in

lösungsorientierte

Anwendungen

Integration in

Unternehmensprozesse

Kunde

hoch

Voraussetzung für erfolgreiches GeoBusiness: Berücksichtigung des Wertschöpfungsparadoxons

- 16 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

niedrig

Internetgerechte

Tarifierungsmodelle

Zu klären: Abrechnung

zwischen verschiedenen

Geodiensten einer GDI

Berücksichtigung des Wertschöpfungsparadoxon


Kunden verhalten sich sehr sensibel gegenüber Preisveränderungen,

d. h. es besteht eine hohe Nachfrageelastizität: Sind die Preise zu

hoch, verzichtet der Kunde auf die Information. Da Geoinformationen

außerdem zu verschiedenen Verwendungszwecken benützt werden

können, weisen sie je nach Gebrauch nicht denselben Wert für den

Kunden auf.

Damit wird die optimale Bepreisung letztlich durch die Opportunitätskosten

der Nutzer bestimmt. Hinzu kommt, dass Kunden keine Daten

direkt kaufen, sondern lediglich Lizenzen zu deren Nutzung erwerben.

Dies bedarf geeigneter Nutzungs- bzw. Lizensierungsregelungen.

Sind diese zu komplex, wirkt sich dies negativ auf die Nachfrage aus.

Insgesamt nehmen nur wenige Kunden hohe Transaktionskosten für

den Datenbezug in Kauf. Auch vor diesem Hintergrund sind Preismodelle

so einfach wie möglich zu gestalten.

Datenanbieter können ihre Preise nach verschiedenen Grundsätzen

gestalten. In den meisten Fällen wird lediglich zwischen einer Bepreisung

der Daten nach reinen Vertriebskosten (Marginal Costs) und

einer Bepreisung nach den Kosten der Datenproduktion (Cost Recovery,

Kostenpreis) unterschieden. Andere Abrechnungsarten sind

beispielsweise eine Bepreisung in Höhe eines Teils der Produktionskosten

(Partial Return on Investment) oder in Höhe des Marktpreises,

der sich aus Angebot und Nachfrage bestimmt (Da oftmals noch kein

Markt vorhanden ist, ist dieser Ansatz ggf. schwer realisierbar).

Insbesondere die Anwendung einer Marginal Costs Strategie seitens

öffentlicher Datenanbieter wird intensiv diskutiert: Bei einer Tarifierung

der Daten zu reinen Vertriebskosten kommt der Nutzer nicht für die

Kosten der Datenproduktion auf, sondern lediglich für die des Versandes.

Bei einem Online-Zugang zu Geodaten wie im Falle einer GDI

müsste der Kunde so lediglich für seine Internetgebühren aufkommen.

Nach dieser Strategie wird beim Zugang zu behördlichen Daten in

den USA verfahren. Die Nutzung von Geodaten über das GDI-Portal

Geospatial One Stop ist demnach abgesehen von den Internetgebühren

kostenfrei.

Befürworter einer Bepreisung zu Vertriebskosten versprechen sich

davon eine kostengünstigere Schaffung von Mehrwertprodukten, infolgedessen

sich das Volumen des Geoinformationsmarktes vergrößern

könnte, wie dies in den USA der Fall ist. Für die Datenanbieter entfällt

dabei die Rechnungsstellung. Als Argument in der Diskussion wird

unter anderem genannt, dass die öffentlichen Daten ja bereits durch

den Steuerzahler bezahlt seien.

Oftmals wird angemerkt, dass der Ansatz des einfachen und preisgünstigen

Zugangs zu Geodaten in den USA zu einem starken Markt-

- 17 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Hohe Nachfrageelastizität

Die Bepreisung wird durch

die Opportunitätskosten der

Kunden bestimmt

Bepreisung nach Vertriebs-

oder Produktionskosten?


wachstum geführt hat, und dies in den Ländern der Europäischen

Union ebenso geschehen könnte. Kritiker verweisen jedoch darauf,

dass die Bedingungen dieser Märkte grundverschieden sind und keineswegs

ohne weiteres verglichen werden könnten, zumal qualitativ

hochwertige Daten auch in den USA ihren Preis hätten. Märkte der

EU-Länder seien hingegen kleiner, durch andere Anwender gekennzeichnet

und stünden vor dem Hintergrund einer anderen Tradition.

Gegner der Vertriebskostenstrategie betonen außerdem die Einnahmeausfälle,

die Datenanbietern dadurch entstehen.

Fast im Gegensatz zu einer Bepreisung nach Vertriebskosten steht

der Ansatz einer Tarifierung zum Kostenpreis. Aufgrund der desolaten

finanziellen Lage sehen sich vor allem viele öffentliche Datenanbieter

gezwungen, ihre Daten nach diesem Prinzip zu bepreisen (wenn auch

die genauen Kosten der Datenerstellung in den meisten öffentlichen

Verwaltungen nicht ermittelbar sind). Auch vorhandene Online-Angebote

werden meist nach diesem Ansatz tarifiert.

Verfechter dieser Art der Bepreisung betonen unter anderem, dass

so die Kosten und Investitionen vollständig gedeckt werden könnten.

Außerdem sei diese Tarifierung gerechter als die der Bezahlung der

Daten durch Steuergelder, da die Zahl der Datenanwender geringer

als die der Steuerzahler sei. Nutzer würden zudem höheren Druck auf

die Anbieter ausüben, qualitativ hochwertige und anwenderorientierte

Produkte herzustellen, wenn sie dafür bezahlen müssten.

Gegner dieser Tarifierungspolitik weisen darauf hin, dass diese Strategie

häufig lediglich zu einer aufwändigen Umverteilung von Kosten in

der Verwaltung führt. Zudem belegen zahlreiche gescheiterte Experimente

mit der Einführung kostendeckender Gebühren in Großbritannien

und den USA die Nachteile dieses Prinzips: Bei Erhöhung der Preise

sank dabei die Nachfrage jeweils so stark ab, dass im Ergebnis Umsatzeinbußen

verzeichnet und daher die Preise wieder gesenkt wurden.

Wie soll nun eine sinnvolle Bepreisung aussehen? Eine Gratisabgabe

mag zwar volkswirtschaftlich sinnvoll sein, erscheint aber zumindest

in Deutschland derzeit nicht praxistauglich. Einen Marktpreis festzulegen,

ist kaum möglich, da in Deutschland kein „freier“ Markt vorhanden

ist, der als Bezugsrahmen des Preises gelten könnte. Als Lösung

könnte eine Senkung der Preise vor allem bei Geobasisdaten dienen.

Die Preissenkung hätte eine Erhöhung der Nachfrage zu Folge, die

bei weitem die verringerten Einnahmen bei niedrigeren Preisen überkompensieren

könnte. Das Volumen des Geoinformationsmarktes

könnte sich damit insgesamt erhöhen, so dass sich gesamtwirtschaftlich

positive Effekte ergeben würden. 2)

2) Vgl. FORNEFELD und OEFINGER, 2001, 74 f

- 18 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Der Mittelweg eines Pricing

zwischen Vertriebs- und

Produktionskosten


Eng verknüpft mit der Tarifierung ist die Bestimmung von Regelungen

hinsichtlich der Nutzungsrechte. Diese werden umso bedeutender,

je mehr Stellen zwischen originärem Datenanbieter und Endkunden

liegen. In einer Geodateninfrastruktur gibt es keine Möglichkeit,

dazu ausführlich zwischen Kunden und Anbieter zu verhandeln, wie

dies bisher beim konventionellen Datenvertrieb überwiegend der Fall

ist. Um den Datenvertrieb über das Internet und über ein GDI-Portal

zu ermöglichen, müssen daher einfache Nutzungsrechte festgelegt

werden, die zudem zusammen mit den Preismodellen im Internet

abgebildet werden können. Hierzu bietet es sich an, eine simple

Unterscheidung von einfachen Nutzungsrechten für den internen

Gebrauch und erweiterten Nutzungsrechten bei Verwendung der

Geodaten mit dem Ziel des Weiterverkaufs zu treffen. 3) Eine Unterscheidung

zwischen privaten und öffentlichen sowie zwischen kommerziellen

und nicht-kommerziellen Nachfragern für eine jeweils

unterschiedliche Behandlung bei Preisen und Nutzungsrechten

erscheint hingegen weniger zweckgemäß.

Finanzierungsmodelle müssen den Aufbau und auch den Betrieb

einer Geodateninfrastruktur berücksichtigen. Insbesondere der

Betrieb muss auf diese Weise langfristig gesichert werden. Ein Blick

auf bestehende privatwirtschaftliche Geo-Portale in Deutschland zeigt,

dass erfolgreiche Geschäftsmodelle eher Mangelware sind und Überlegungen

der Finanzierung derartiger Anwendungen bisher zu keinen

passenden Lösungen geführt haben. In den meisten Fällen stand die

technische Realisierung im Vordergrund, während betriebswirtschaftliche

Aspekte vernachlässigt wurden.

Eine zentrale Stellung in einem Finanzierungsmodell nehmen die

für Aufbau und Betrieb anfallenden Kosten ein. Welche Posten bei

Berechnung der Kosten zu beachten sind und welcher Aufwand letztendlich

durch einen Betreiber zu leisten ist, hängt stark von der Ausrichtung

der GDI ab und ist kaum zu generalisieren. Die Gesamtkosten

lassen sich zudem nur schwer quantifizieren, da eine GDI sich

aus bestehenden und neu zu erstellenden Komponenten zusammensetzt

und auch ständig dynamisch auf den Bedarf der Nutzer hin und

hinsichtlich der jeweiligen technologischen Entwicklungen angepasst

werden sollte.

Bei den Finanzierungsmodellen kann unterschieden werden zwischen

GDI einer ersten Generation, die in der Aufbauphase von staatlicher

Seite monetär unterstützt werden, aber deren Finanzierung im laufenden

Betrieb oftmals nicht gesichert ist, sowie GDI einer Zweiten

Generation, die auf andere, weitaus komplexere Finanzierungsmo-

3) FORNEFELD und OEFINGER, 2001, 76

- 19 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Klärung von Nutzungs-

rechten

Finanzierungsmodelle für

Aufbau und dauerhaften

Betrieb der GDI

Kosten der GDI

Öffentlich geförderte GDI

der ersten Generation


delle bauen müssen, da staatliche Gelder knapp sind und mehr auf

einen Beitrag des privaten Sektors gebaut werden muss.

Die Finanzierungsmöglichkeiten für die GDI der Zweiten Generation

sind weitaus komplexer als bei GDI der ersten Generation:

• Einrichtung von Sondersteuern: Positive (Steuernachlässe) und/

oder negative (z. B. Steuern auf GI-Aktivitäten) Besteuerung (Beispiel

Neuseeland)

• Etablierung besonderer Banken oder Finanzinstitutionen zur Unterstützung

niedriger Zinssätze bei Investitionen in GDI (ähnlich wie

die Landwirtschafts-Banken der EU)

• Ausschreibung steuerfreier Anleihen für Geodatennutzer und Softwareentwickler

der GI-Branche

• Strukturen mit begrenztem Rückanspruch: Ein oder mehrere privatwirtschaftliche

Unternehmen übernehmen Teile der GDI für eine

bestimmte Zeit (z. B. Aufbau, Finanzierung, Betrieb einiger oder

mehrere Komponenten), und können sich über Nutzergebühren

refinanzieren (ähnlich wie im Straßenbau, z. B. beim Eurotunnel)

• Finanzierung der GDI über den Verkauf von Geodaten durch die

Regierung und Partner der Privatwirtschaft (Beispiel Ordnance

Survey in Großbritannien)

• Beteiligung des Privaten Sektors nicht über Bargeld, sondern

über Güter und Dienstleistungen wie den Aufbau oder Betrieb

eines Geo-Portals oder Forschung bzgl. GDI (z. B. der Beitrag des

OpenGIS Consortiums)

• Finanzierung von GDI-Projekten als Reaktion auf Katastrophen

(z. B. Homeland Security Programm in den USA)

• Finanzierung der GDI über Partnerschaften in verschiedenen Kombinationen

zwischen Regierung, Privatwirtschaft und/oder Organisationen

(z. B. GDI.NRW)

• Aufbau der GDI durch ein von der Regierung initiiertes Konsortium,

das über Aktien oder Teilnahmegebühren finanziert werden könnte

(COLEMAN u. GIFF, 219ff; vgl. URBAN LOGIC 2000 für eine ausführliche

Darstellung zu Konsortien)

Entscheidend für die Wahl eines Modells ist letztlich, inwieweit der

Staat die GDI als seine Aufgabe betrachtet und in welcher Form und

welchem Umfang der private Sektor in Aufbau und Betrieb involviert

wird. Letztlich wird aber deutlich, dass eine nachhaltige Finanzierung

geeignete PPP-Modelle erfordert, da eine rein staatliche Förderung

keine dauerhafte Existenzsicherung bietet. Diese Erkenntnis wird

durch den internationalen Vergleich bekräftigt.

- 20 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Komponenten einer Geodateninfrastruktur

Wirtschaftlich tragfähige

GDI der zweiten Generation

Finanzierungs-

möglichkeiten

Eine nachhaltige

Finanzierung erfordert

PPP-Modelle


3 Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Geodateninfrastrukturen werden weltweit auf verschiedenen Ebenen

aufgebaut. So bestehen globale Bemühungen, internationale Initiativen

wie die der EU, nationale Initiativen, Bestrebungen auf Ebene der Bundesländer,

aber auch viele lokale, kommunale oder sogar unternehmensinterne

Initiativen. Zur Evaluierung des internationalen Rahmens

wurden eine globale und eine europäische Initiative, sechs nationale

(Deutschland, Niederlande, Norwegen, Schweiz, Australien und USA)

untersucht. Zudem wurden einige branchenspezifische Geodateninfrastrukturen

aus verschiedenen Ländern betrachtet. Im Mittelpunkt stand

dabei die Untersuchung der Initiativen und branchenspezifischen GDI

im Hinblick auf ihren Nutzen sowie erzielte Wertschöpfungen.

3.1 Internationale Initiativen

Die Bestrebungen auf internationaler Ebene werden an den Beispielen

der Global Spatial Data Infrastructure sowie der Europäischen

Geodateninfrastruktur dargestellt.

3.1.1 Global Spatial Data Infrastructure

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992

führte die Erkenntnis, dass Geoinformationen unverzichtbar für die

Entscheidungsfindung im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung sind,

zur Gründung der Initiative zum Aufbau einer globalen Geodateninfrastruktur

(GSDI). GSDI versteht sich als dezentral organisiertes Konstrukt,

das aus nationalen, regionalen bis lokalen Elementen besteht,

die auf globaler Ebene koordiniert und integriert werden sollen. Dazu

wurde z. B. im Jahre 2001 das so genannte GSDI Cookbook veröffentlicht,

das Ratschläge für die Implementierung einer GDI enthält. 4)

Die Initiative selbst trug bis heute zwar nicht viel Konkretes zur Entwicklung

einer globalen GDI bei, leistet jedoch als Diskussionsforum

einen Beitrag im globalen Austausch von Konzepten zum Aufbau von

Geodateninfrastrukturen.

3.1.2 Europäische Geodateninfrastruktur

Beim Aufbau einer Europäischen Geodateninfrastruktur (ESDI) versuchen

die Programme INSPIRE und GINIE, europäische Initiativen zu

4) NEBERT

- 21 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

GDI-Initiativen auf inter-

nationaler, nationaler und

lokaler Ebene

Global Spatial Data

Infrastructure als dezentral

organisiertes Konstrukt

Programme für eine

Europäische GDI:

INSPIRE und GINIE


integrieren und zu koordinieren. INSPIRE (INfrastructure for SPatial

InfoRmation in Europe) wurde vom Bedarf an Geoinformation im

Umweltbereich angetrieben und 2001 von der Europäischen Kommission

ins Leben gerufen. Diese Initiative soll über die Definition eines

gesetzlichen Rahmens als Grundgerüst den Weg einer ESDI ebnen,

die einen direkten Zugang zu Geoinformationen Europas ermöglicht.

Einstieg in das Modul zur Kartenerstellung beim INSPIRE Geo-Portal

Dazu wird unter anderem eine europäische Rechtsnorm vorbereitet,

die voraussichtlich 2005 in Kraft tritt und dann den Aufbau einer

ESDI über die Nutzung der nationalen GDI der Mitglieder der Europäischen

Union (EU) regeln soll. Die viel zitierten Prinzipien von

INSPIRE beziehen sich insbesondere darauf, Redundanzen bei

Datenerfassung und -fortführung zu vermeiden, den Datenaustausch

zwischen allen Akteuren und Ebenen zu erleichtern sowie auf die Tatsache,

Information leicht zugänglich und anwendbar zu machen. 5) An

der von INSPIRE festgelegten Strategie zum Aufbau der ESDI über

einen Zugang zu Metadaten, einer Standardisierung der Geodaten

und schließlich einen Zugang zu Daten selbst, orientiert sich auch die

deutsche Initiative GDI-DE.

In Anlehnung an die Empfehlungen aus dem GINIE Projekt wurde ein

Prototyp eines GDI-Portals aufgebaut, welches als Zugang zu den

5) INSPIRE, 2004b

- 22 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Quelle: http://eu-geoportal.jrc.it/gos

Stand: 02.06.2004

Europäische Rechts-

norm zum Aufbau einer

ESDI ab 2005

Prototyp eines euro-

päischen GDI-Portals


im Rahmen von INSPIRE erschlossenen Geodatenquellen aus dem

Umweltbereich sowie als Einstieg in die entstehende ESDI dienen soll.

Die über das Portal zugänglichen Daten werden bei den originären

Datenproduzenten gehalten. Geplant ist es, dieses GDI-Portal sowohl

mit nationalen Portalen als auch mit branchenspezifischen Geodaten

und Geodiensten zu verbinden.

Das im Januar 2004 nach etwas mehr als zwei Jahren abgeschlossene

Projekt GINIE (Geographic Information Network in Europe) hatte

die Etablierung und die Förderung einer europäischen Strategie für

Geoinformation zum Ziel. Die University of Sheffield koordinierte dazu

Vertreter nationaler und pan-europäischer GI-Vereinigungen (präsentiert

durch EUROGI, den europäischen Dachverband für Geoinformation),

der Europäischen Kommission (präsentiert durch das Joint

Research Centre in Ispra, Italien) sowie der Industrie (in Form des

OGC). Zu den Aktivitäten im Rahmen von GINIE zählten ein Ländervergleich

zu Zugang, Nutzen und Abgabe von Geodaten sowie eine

Serie von Workshops zum Thema Geodateninfrastruktur. 6)

Ein Ergebnis dieser Aktivitäten war die Aufstellung von Handlungsempfehlungen

für einen Aufbau von GDI. Darin wird unter anderem

vorgeschlagen, den Nutzen von Geodateninfrastrukturen zu verdeutlichen,

um Entscheidungsträger zu einer Unterstützung der Initiativen

bzw. zu einer Teilnahme zu bewegen. Als ein Mittel der Demonstration

des Nutzens von GDI wird der Aufbau von GeoPortalen empfohlen. 7)

Das so genannte GINIE Book stellt die Ergebnisse des gesamten Projektes

umfassend dar. 8)

Da der Aufbau einer Europäischen Geodateninfrastruktur, wie bei

GSDI, auf den nationalen Bestrebungen basiert, wird wohl noch einige

Zeit vergehen, bis eine ESDI etabliert ist. Zudem soll an dieser Stelle

angemerkt sein, dass aus Sicht einiger Kritiker zum Thema Europäische

GDI derzeit mehr publiziert als diskutiert und entschieden wird.

Tatsächlich werden wohl zuerst GDI auf nationaler Ebene zu realisieren

sein, bevor ein gesamteuropäisches oder gar globales GDI-Netzwerk

aufgebaut werden kann. Vor diesem Hintergrund wird im folgenden der

Stand der Entwicklungen in einigen Vergleichsstaaten skizziert.

6) CRAGLIA et al, 2002, 1

7) GINIE, 2002, 8

8) Vgl. GINIE, 2003

- 23 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

GINIE: Europäische Stra-

tegie für Geoinformation

Ein Ergebnis von GINIE:

Handlungsempfehlungen

für den Aufbau von GDI

Bisher noch keine konkreten

Aktivitäten zum Aufbau einer

Europäischen GDI


3.2 Ausgewählte nationale Geodateninfrastrukturen

3.2.1 Kriterien für die Untersuchung der nationalen

Initiativen

Die nationalen Initiativen wurden anhand der folgenden Kriterien untersucht

und vor allem auf Nutzen und Wertschöpfungen hin geprüft:

• Definition der GDI: Grundverständnis hinsichtlich der Komponenten

und Ziele der GDI

• Akteure: Angehörige des Geoinformationsmarktes, die am Aufbau

der GDI beteiligt sind

• Rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen: Regelung des

Datenzugangs, Preis- und Finanzierungsmodelle

• Komponenten: Realisierte Komponenten der GDI, die den Anwendern

zur Nutzung bereit stehen sowie Pläne für die Weiterentwicklung

der GDI

• Erfahrungen: Probleme und erzielte Erfolge sowie Nutzen und

Wertschöpfung durch die GDI

3.2.2 GDI Deutschland: GDI-DE

IMAGI definiert eine Geodateninfrastruktur folgendermaßen und legt

damit zugleich Komponenten und Ziele der GDI für Deutschland GDI-

DE fest: 9)

„Eine Geodateninfrastruktur besteht aus einer Geodatenbasis, einem

Geodatennetzwerk, Diensten und Standards. Damit werden Voraussetzungen

geschaffen für die Gewinnung, Auswertung und Anwendung

von Geoinformationen in den öffentlichen Verwaltungen, im

kommerziellen und nicht-kommerziellen Sektor, in der Wissenschaft

und für den Bürger.“

Akteure

Mit der Koordinierung des Aufbaus der GDI-DE ist der 1998 ins

Leben gerufene IMAGI (Interministerieller Ausschuss für Geoinformation)

betraut. In diesem ressortübergreifenden Gremium, das der

Federführung des Bundesinnenministeriums unterliegt, werden Konzepte

und Strategien in Bezug auf Geoinformation sowohl technischer

als auch organisatorischer Art diskutiert und verabschiedet. Die

Geschäfts- und Koordinierungsstelle, die den operativen Part leistet,

ist im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) in Frankfurt

angesiedelt. Zu den Aufgaben des IMAGI gehören unter anderem die

9) IMAGI, 2003, 34

- 24 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Kriterien für den Vergleich

der nationalen Initiativen

Die Rolle des IMAGI


Koordination des Geoinformationswesens innerhalb der Bundesverwaltung

und der Aufbau einer GDI für Deutschland.

Im Oktober 2001 wurde ein dreistufiges Konzept zur Implementierung

einer GDI-DE entwickelt und verabschiedet, welches den Aufbau

eines Metainformationssystems (GeoMIS.bund), eine Harmonisierung

der Geodatenbestände des Bundes sowie den Aufbau eines

GeoPortal.bund vorsieht. 10) Laut Grundgesetz sind in Deutschland

die Länder – und somit die jeweiligen Landesvermessungseinrichtungen

– für Erhebung, Fortführung und Bereitstellung von Geobasisdaten

zuständig . Die Länder bauen daher parallel zur Bundesinitiative

eigene Geodateninfrastrukturen auf. Der Bund ist lediglich für Bereiche

gesamtstaatlicher Bedeutung verantwortlich und bietet dafür über

das Geodatenzentrum des BKG privatwirtschaftlichen und öffentlichen

Unternehmen Geobasisdaten an, eigene sowie auch aus Länderdaten

aggregierte Datensätze. Die Vermessungseinrichtungen der Länder

sind daher in der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen

der Länder (AdV) organisiert, die Richtlinien zur Dokumentation

der Referenzdaten und Preismodelle sowie Regeln für die Datenerfassung

aufstellt. Die AdV formuliert zudem Ideen zum Aufbau einer

Geodateninfrastruktur.

Einstiegsseite in das GeoMIS-Bund

10) LENK, 2004, 4

- 25 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Aufbau des GeoMIS-Bund

Quelle: www.geomis.bund.de

Stand: 02.06.2004


Nachdem die Pläne der Länder und des Bundes zum Aufbau einer

Geodateninfrastruktur zunächst parallel und unabhängig voneinander

liefen, wurde am 27.11.2003 vom Chef des Bundeskanzleramtes

und den Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Länder (CdK und

CdS) ein gemeinsamer Aufbau der Geodateninfrastruktur Deutschland

GDI-DE beschlossen. 11) Bestandteil dieses Beschlusses war

unter anderem die Einrichtung eines Lenkungsgremiums, das den

Aufbau der GDI-DE auf allen Ebenen steuern soll. Teilnehmen sollen

daran je ein Vertreter des Bundesinnenministeriums und des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Arbeit sowie der Länder und der

kommunalen Spitzenverbände. Mit Ausnahme der Pläne zur Einrichtung

dieses Gremiums und von Koordinierungsstellen in Bund und

Ländern, die zum Teil bereits umgesetzt wurden, sind jedoch bislang

noch kaum Folgen dieser Entscheidung zu erkennen.

Neben Bund und Ländern spielen bei der Erhebung von Geodaten die

Kommunen eine entscheidende Rolle in Deutschland, insbesondere,

da die Wirtschaft großes Interesse an kommunalen Daten hat. Obwohl

Vertreter der Kommunen in den Gremien des IMAGI teilnehmen und

über deren Einbezug in Pilotprojekte des IMAGI das Bewusstsein für

eine GDI-DE gefördert werden soll, ist deren Beteiligung noch ein

Problem, da viele Kommunen bisher weder über vollständige digitale

Datenbestände noch über die finanziellen und wissenstechnischen

Ressourcen eines Aufbaus dergleichen verfügen.

Interessen der privatwirtschaftlichen Unternehmen sind bisher nicht

direkt beim Aufbau einer GDI-DE berücksichtigt. Einige Unternehmen

sind jedoch in der Initiative D21 organisiert, die sich eine Beschleunigung

des Wandels von der Industrie- zur Informationsgesellschaft

zum Ziel gesetzt hat und dabei auch den Erfahrungsaustausch im

Einsatz von Geodaten in Unternehmen fördert.

Der Deutsche Dachverband für Geoinformation (DDGI) schließlich

sieht seine Aufgabe in der Bündelung der interdisziplinären deutschen

Interessen im Bereich Geoinformation und leistet einen Beitrag

zur Optimierung der Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Geodaten. 12)

Dieser Verband versucht auch das Bewusstsein der Politiker hinsichtlich

der Bedeutung von Geoinformation zu steigern.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die vor allem durch den Föderalismus bedingte Heterogenität des

deutschen Vermessungswesens spiegelt sich auch in den unter-

11) IMAGI, 2004a

12) BEUSEN und FRITZ, 2003, 8

- 26 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Beschluss zum Aufbau

der GDI-DE

Einbeziehung der

Kommunen

Einbeziehung von

Unternehmen

Heterogene Tarifierungs-

modelle


schiedlichen Tarifierungsmodellen für Daten der öffentlichen Anbieter

wider. Die Landesvermessungseinrichtungen beispielsweise

bestimmen die Preise ihrer Daten meist nach den bei Erhebung und

Bereitstellung entstandenen Kosten (Kostendeckungsprinzip) und

unterscheiden dabei zwischen Nutzern der öffentlichen Verwaltung,

kommerziellen und privaten Nutzern. Die konkrete Tarifierung erfolgt

jedoch von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Um

wenigstens die Bezugs- und Abgabebedingungen für Geodaten des

Bundes (überwiegend Daten der Fachbehörden) zu vereinheitlichen,

veröffentlichte der IMAGI eine Richtlinie, auf deren Basis seit Januar

2003 die Entgelte einer Abgabe von Daten bei Bundesbehörden

bestimmt werden. Die Höhe der Gebühren reicht von kostenfrei bis

hin zu einer Erstattung der Kosten der Daten. Die Bepreisung richtet

sich nach folgenden Kriterien:

• Versorgungsstufe (Grund-, Standard-, auftraggeberspezifische

Versorgung)

• Nutzungsgruppe (Eigennutzung, Weiterverwertung, Informationsverwertung)

• Bemessungsgröße (u. a. Zahl der Arbeitsplätze an denen Daten

genutzt werden, Anzahl der Datenträger bzw. der Zugriffe bei Online-

Angeboten, Umsatz der aus abgeleiteter Information erzielt wird)

Diese Richtlinie soll in das GeoMIS.bund (Metainformationssystem

des Bundes) eingebunden werden, so dass Nutzer erfahren können,

was welche Geodaten kosten. Im Rahmen der Diskussion um die

Bepreisung öffentlicher Geodaten wird mit Blick auf die USA, wo die

Daten der Bundesbehörden nach dem marginal costs Prinzip zugänglich

sind, auch in Deutschland vielfach ein kostenfreier Zugang zu

Geodaten gefordert, um den Markt auf diese Weise zu fördern. So

plant der Bund, seine Geodaten als Anreiz einer Nutzung zunächst

kostenfrei abzugeben, um sie dann später zu bepreisen.

Auch bei den Nutzungsrechten wird die Heterogenität des deutschen

Geoinformationsmarktes sichtbar. Insbesondere die Lizensierungsregelungen

der öffentlichen Datenanbieter sind durch hohe Komplexität

gekennzeichnet. Zusammen mit den undurchsichtigen Preismodellen

kann bisher nur im Dialog mit dem Anbieter geklärt werden, zu

welchen Bedingungen und Preisen eine Nutzung der Geodaten für

den jeweiligen Kunden möglich ist.

Hinzu kommt, dass die komplexen Regelungen der Lizenzen und

Gebühren bei einer Geodateninfrastruktur im Internet abgebildet

werden müssten, um einen Online-Zugang zu Geodaten zu ermöglichen,

in der derzeitigen Situation organisatorisch wie technisch ein

schier unmöglich zu realisierendes Unterfangen. Der Aufbau der GDI-

DE wird vor allem durch Steuergelder finanziert. Die GDI-DE wird als

- 27 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Komplexe Regelungen

zu Nutzungsrechten


öffentliche Infrastrukturmaßnahme verstanden und ist somit untentgeltlich

zu nutzen. Ob sich ein langfristiger Betrieb der GDI-DE lediglich

mit Steuergeldern finanzieren lässt, ist noch unklar. Dem IMAGI

stehen bisher zum Aufbau der GDI-DE nur geringfügige Mittel zur

Verfügung und es ist zu befürchten, dass die Ausgestaltung und somit

spätere Nutzung der GDI-DE darunter leidet.

In Bezug auf gesetzliche Aspekte soll hier erwähnt sein, dass das

Fehlen einer gesetzlichen Grundlage, die Unternehmen den Zugang

zu öffentlichen Geodaten erleichtert, immer wieder bemängelt wird.

Die gesetzlichen Regelungen bzgl. des Zugangs zu und der Nutzung

von Geodaten oder auch des Datenschutzes (z. B. bei personenbezogener

Information in Katasterdaten) unterscheiden sich zwischen den

einzelnen Bundesländern stark und verfügen zudem meist über einen

Interpretationsspielraum. Dies macht langwierige Verhandlungen

zwischen Datenanbieter und Anwender nötig, die die Transaktionskosten

des Kunden, bis dieser die Daten letztendlich einsetzen kann,

in die Höhe schnellen lassen.

Komponenten

Seit September 2003 steht Anwendern die erste Komponente der GDI-

DE zur Verfügung, das GeoMIS.bund. Diese auf Standards des OGC

und der ISO basierende Metainformationssystem ermöglicht eine

Recherche nach Geobasis- und Geofachdaten der Bundesbehörden

und soll so Transparenz über vorhandene Datenbestände schaffen.

Während ein Anschluss der Länderdaten geplant ist, ist dies hinsichtlich

einer Kooperation mit privaten Datenanbietern bislang nicht der

Fall, da das GeoMIS.bund ein Netzwerk von Behörden sein soll. Das

GeoMIS.bund soll Bestandteil des geplanten GeoPortal.bund werden.

Bis 2005 soll das GeoPortal.bund eine Darstellung und Überlagerung

von Daten über Geodienste im Internet ermöglichen. Dieses

auf Standards basierende GDI-Portal soll dabei schrittweise von der

Implementierung verschiedener Geodienste bis hin zur Integration

von Abrechnungskomponenten erweitert werden. Dabei wird bei der

GDI-DE generell eine dezentrale Datenhaltung angestrebt. Die Daten

verbleiben somit bei den originären Produzenten (den Fachbehörden)

und werden auch dort gepflegt, da nur diese durch entsprechendes

Fachwissen die Aktualität der Daten garantieren können. Eine

Ausnahme stellen hier die zentral beim Geodatenzentrum des BKG

zusammengeführten Geobasisdaten der Länder dar, da diese bundeseinheitlichen

Datensätze wichtig für Maßnahmen der Bundesverwaltung

sind. Außerdem sind als Anwender des GeoPortals öffentliche

Einrichtungen, weitere GIS Nutzer sowie andere Portale angedacht.

- 28 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Keine gesetzliche Grund-

lage zur Regelung des

Datenzugangs

Aufbau des GeoPortal.

Bund bis 2005


Erfahrungen

Der Föderalismus wird oft als Haupthindernis des Aufbaus einer GDI-

DE und als Hauptbarriere eines effektiveren Zugangs zu Geodaten

genannt. Damit in Zusammenhang steht auch der parallele Aufbau

verschiedener GDI in Deutschland. So existiert unter anderem eine

Initiative des Bundes (IMAGI), eine der Ländervertretung (AdV),

einige der Länder selbst, oder auch eine des DDGI (Plan des Aufbaus

eines weiteren Metainformationssystems). Der IMAGI sieht seine

Aktivitäten stark durch geringe finanzielle Ressourcen eingeschränkt

und hat nicht nur mit einer mangelnden Bereitschaft zur Kooperation

auf föderaler Ebene zu kämpfen, sondern ist auch durch Uneinigkeiten

zwischen den einzelnen Ministerien behindert. Viele Behörden

befürchten zudem, dass durch die Initiativen zum Aufbau eines GDI-

Portals des IMAGI eigene ähnliche Portale überflüssig werden.

Generell fehlen in Deutschland klare Aussagen zur Strategie der GDI.

Insbesondere hinsichtlich der Zukunft der GDI-DE finden sich widersprüchliche

Angaben, ob diese GDI nun für alle Vertreter des Geoinformationsmarktes

– also auch andere Verwaltungsebenen und

private Unternehmen – als Anbieter offen steht oder nur als Anwender.

Die von IMAGI genannte Definition lässt dies offen. Private Unternehmen

nehmen bisher nicht am IMAGI teil und können ihre Interessen

hinsichtlich des Aufbaus der GDI-DE nicht geltend machen.

Im Vordergrund der GDI-DE steht bislang die technische Machbarkeit,

ein Anwenderbezug, der weiter geht als lediglich den „allgemeinen

Anwender“ anzusprechen, fehlt überwiegend. Der Zugang

zu Geodaten ist durch das Fehlen der gesetzlichen Grundlagen wie

auch durch komplexe Nutzungsbedingungen bereits heute behindert.

Neben diesen rechtlichen Unsicherheiten hinsichtlich der Nutzung

der Geodaten behindern auch technische Probleme deren effektiven

Einsatz, da sich die komplizierten Regelungen zu Lizenzierungen und

Bepreisung heute in GDI-Portalen nicht abbilden lassen. Ein effektiver

Zugang zu Geodaten über das Internet, wie er mit Hilfe der GDI

möglich sein soll, ist so nicht zu realisieren.

Untersuchungen zu Nutzen und Wertschöpfungen der Geodateninfr

astruktur(en) standen bisher in Deutschland weniger im Vordergrund.

Am generellen Nutzen von GDI wird nicht gezweifelt, konkrete Analysen

der Vorteile aus der Nutzung der bisher entwickelten Strukturen

wie das GeoMIS.bund oder von Pilotprojekten in den Ländern

fehlen oder sind nicht bekannt. Da die GDI-DE eine politische Initiative

ist, spielen daher Ausgaben und Nutzen derzeit eine untergeordnete

Rolle. Tatsächlich scheint die Tatsache, dass die Initiativen des

- 29 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Verschiedene Ansätze

zum Aufbau einer GDI

Keine klare Ausrichtung

auf die Wirtschaft

Fokus auf technische

Machbarkeit


Bundes und der meisten Länder auf Steuergeldern basieren, davon

abzuhalten, Überlegungen der Wirtschaftlichkeit vor allem in Bezug

auf einen langfristigen Betrieb einer GDI anzustellen. Andererseits

erschwert der Mangel an realisierten und geschäftsreifen GDI, Aussagen

zum konkreten Nutzen und zu Wertschöpfungen zu treffen.

3.2.3 GDI Niederlande: NGDI

Die Geodateninfrastruktur der Niederlande wird vom niederländischen

Rat für Geoinformation (RAVI Netwerk voor Geo-Informatie) folgendermaßen

definiert: Die Geodateninfrastruktur ist eine Sammlung von

rechtlichen Regelungen, Daten, Standards, Technologie (Hardware,

Software und elektronische Kommunikation) und Wissen, die einem

Nutzer die Geoinformation zur Verfügung stellt, die er zur Erfüllung

einer Aufgabe benötigt. 13)

Auch in dieser Definition stehen die Komponenten der GDI im Mittelpunkt,

durch die das Ziel der GDI erreicht werden soll, den Zugang zu

und die Nutzung von Geodaten und Geodiensten allen Verwaltungsebenen

und der Öffentlichkeit zu ermöglichen.

Akteure

Die politische Führung des Aufbaus einer niederländischen GDI

unterliegt dem Ministerium für Wohnungsbau, Planung und Umwelt

(MinVROM). Die Koordinierung der GDI geschieht in Kooperation

einer GDI-Stiftung, die eine PPP mit der Firma Geodan eingegangen

ist, und dem am MinVROM angesiedelten RAVI.

Aufgabe des RAVI ist dabei die Bereitstellung von Geoinformation, die

für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben für die Gesellschaft benötigt

wird, zu organisieren und fördern. Privatwirtschaftliche Unternehmen

entschieden sich 2001 nicht mehr im RAVI teilzunehmen, sondern

ihre Interessen über eine eigene Organisation zu vertreten, die Bedrijvenplatform

Geo-Informatie (BGI), die eng mit dem RAVI zusammenarbeitet.

Ein weiterer bedeutender Akteur der niederländischen GDI ist die Firma

Geodan, die Geodaten, Geodienste und Portale anbietet, da diese

Firma seit Juli 2001 als Betreiber des niederländischen Metainformationssystems

(Nationaal Clearinghouse Geoinformatie NCGI) auftritt.

13) MASSER, 1998, 48

- 30 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Koordinierung der GDI

in einer PPP

Privatwirtschaftlicher

Betreiber


Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Preismodelle der niederländischen Behörden orientieren sich

überwiegend am Kostendeckungsprinzip. Die Ämter versuchen so,

ihre Arbeit der Datenerfassung und -fortführung zu finanzieren. National

konsistente Rahmenbedingungen zur Bepreisung und zu Nutzungsrechten

fehlen auch in den Niederlanden, was zahlreiche heterogene

Modelle zur Folge hat.

Der Aufbau des NCGI wurde bis zum Jahr 2000 durch dessen Initiatoren

RAVI und MinVROM finanziert. Die geplante Entwicklung des

GeoPortals und der weitere Betrieb des NCGI soll seit Übernahme

dieser Aufgabe durch Geodan und durch die Urheber der geplanten

Projekt- bzw. Themenportale bezahlt werden.

Das niederländische Informationsfreiheitsgesetz bezieht sich nicht auf

elektronische Geodaten der Behörden. Für diese besteht ein Copyright

der Regierung, so dass eine kommerzielle Verwendung dieser

Daten nur mit Genehmigung der Behörde möglich ist. Ein Datenschutzgesetz

beschränkt die Weitergabe personenbezogener Geoinformationen.

Komponenten

Seit 1997 existiert das Metainformationssystem NCGI, dessen Aufbau

vom RAVI initiiert wurde. Über das NCGI ist ein Zugriff auf Metadaten

möglich, die in einer zentralen Datenbank abgelegt sind. Beim Betrieb

des NCGI stieß RAVI jedoch auf technische und organisatorische

Probleme: Die zentralisierte Datenhaltung erforderte eine aufwändige

Aktualisierung und die Ministerien waren nicht bereit, ihre Metadaten

zu liefern, da sie untereinander bereits den Datenaustausch geregelt

hatten. Auch Unternehmen sahen keinen Sinn in einer Beteiligung am

NCGI. Im Juli 2001 wurde aus Mangel an Geldgebern für eine weitere

Finanzierung des Unterfangens der Betrieb des NCGI an die Firma

Geodan abgegeben.

Eigentümer des NCGI bleibt die Stiftung, die auch nichts an Geodan

für den Betrieb des NCGI zahlt. Das Unternehmen soll die kommerzielle

Nutzung des NCGI vorantreiben und versucht über Projekte in

Verbindung mit dem NCGI nun Gewinn zu erwirtschaften. Da dies

momentan nur schwer gelingt, liegt der Fokus auf Forschung und

Erweiterung des NCGI zu einem NGDI Portal. Dieses soll einen

direkten Zugang zu verteilt vorliegenden Geodaten und Geodiensten

ermöglichen, allerdings zunächst nur für Verwaltung und Wissenschaft,

später dann auch für Privatpersonen und Wirtschaft.

- 31 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Preismodelle nach

Kostendeckungsprinzip

Finanzierung des Portals

Metainformations-

system NCGI


Einstiegsseite in das NCGI der Niederlande

Der Aufbau des Portals wird als eine Verknüpfung von Teilinfrastrukturen

in Form von regionalen, thematischen und projektbezogenen

GDI-Portalen gesehen, um so die GDI auf den Kunden und Anwender

zu fokussieren. Da man damit auf einen Bedarf reagiert, hofft Geodan,

Gewinn erwirtschaften zu können. Gelder aus dem Regierungsprogramm

BSIK Space for Geoinformation sollen den Ausbau des GDI-

Portals beschleunigen. Momentan ist der Ausbau des NCGI zur nationalen

GDI jedoch weitgehend stagniert.

Erfahrungen

Zu den negativen Erfahrungen im Rahmen der niederländischen Initiative

zum Aufbau einer GDI zählen unter anderem die komplexe Regelung

der Zuständigkeiten bei GDI-Aktivitäten und das Fehlen einer formalen

Koordinierungsstelle. Wie auch in Deutschland existieren wenig

transparente Preis- und Nutzungsmodelle, die im Internet abgebildet

werden könnten und dem Nutzer klare Zugangsbedingungen verdeutlichen.

Man hat erkannt, dass Metainformationssysteme wie das NCGI

allein keine Wertschöpfung ermöglichen und plant daher, das System

zu einem GDI-Portal zu erweitern. Der bisher starke Fokus der GDI

Niederlande auf die Technologie und das bloße Angebot von Geodaten

wurde zudem als Hindernis wahrgenommen, da so der Nutzen der

GDI nicht erkennbar ist. Geplant sind infolgedessen mehrere anwendungsorientierte

GDI, die Anbieter und Anwender von einer Teilnahme

an bzw. Nutzung der GDI überzeugen. Studien zu Nutzen und Wertschöpfungen

des NCGI oder etwaiger bestehender branchenspezifischer

GDI sind nicht bekannt.

3.2.4 GDI Norwegen

Die GDI Norwegen versteht sich als Sammlung und Koordination von

Schlüsselelementen, die sich um einen Kern aus Geographischen

- 32 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Quelle: www.ncgi.nl

Stand: 02.06.2004

Fokussierung auf Kunden

und Anwender

Komplexe Regelungen

der Zuständigkeiten,

intransparente Preis-

und Nutzungsmodelle


Informationen und Diensten bilden. Diese Elemente sind: Standards,

rechtliche Rahmenbedingungen, Fachwissen und Ausbildung, Partnerschaften

und Kooperation sowie Kerndaten. Wie bei allen GDI

steht das Ziel im Mittelpunkt, einen effektiveren Datenzugang zu

schaffen, um einen effizienteren Einsatz von Geoinformationen im

öffentlichen und privaten Sektor zu ermöglichen.

Akteure

Mit Statens Kartverk wurde Norwegens nationaler Geobasisdatenanbieter,

der unter dem Umweltministerium steht, mit der Koordination

der GDI betraut. Als Akteure des Aufbaus einer GDI treten außerdem

die norwegische Dachorganisation für Geoinformation GeoForum

sowie die Vereinigung der Geomatik-Unternehmen (GBL) auf, die sich

als Organ zur Kommunikation mit dem öffentlichen Sektor, der Regierung

und den Ministerien und anderen Akteuren versteht.

Die Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen im

Rahmen des Aufbaus einer GDI beschränkt sich darauf, dass einige

Unternehmen Lösungen und Dienstleistungen auf Basis der GDI-

Portale anbieten. Der Privatsektor tritt aber vor allem als Anwender

auf. Geplant ist aber, dass private Unternehmen die eigentliche

Datenproduktion im öffentlichen Auftrag übernehmen. Außerdem

sollen sie auf Basis eines lizenzierten Zugangs zur Infrastruktur Mehrwertdienste

erwirtschaften und Beratungsdienste leisten. Norwegens

Geoinformationsbranche ist bedingt durch die kleine Bevölkerungszahl

des Landes durch eine stark informelle Kooperation zwischen

Schlüsselindividuen und Behörden gekennzeichnet.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Für öffentliche Daten existiert kein generell gültiges Tarifierungsmodell.

So werden die Daten je nach Behörde von kostenfrei bis hin zu

kostendeckenden Preisen und zu unterschiedlichen Nutzungsbedingungen

abgegeben. Statens Kartverk beispielsweise unterscheidet

bei externen Kunden lediglich zwischen Nutzungsrechten (für Privatzwecke

oder internen Gebrauch) und Vermarktungsrechten (für die

Veröffentlichung des Produktes oder einer veredelten Version). Für

die Finanzierung der GDI sind keine expliziten Modelle vorgesehen.

Momentan werden die GDI-Portale in Teilen von Regierung, Behörden,

Anwendern und öffentliche Organisationen finanziert. Ein Informationsfreiheitsgesetz

gibt jedem Norweger im Rahmen gewisser

Nutzungsbeschränkungen das Recht öffentliche Dateien, auch in digitalem

Format, einzusehen, aber nicht unbedingt kostenfrei. Es besteht

außerdem eine Regelung zu Urheberrechten.

- 33 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Koordination durch

Statens Kartverk

Kaum Zusammenarbeit

mit Unternehmen

Kein generell gültiges

Tarifierungsmodell


Komponenten

Die norwegische GDI hat kein Hauptportal wie andere Initiativen,

sondern baut auf verschiedene Portale auf. Teil der GDI sind unter

anderem folgende:

• Geodatenkatalogen for Norge: ein ISO-konformes Metainformationssystem,

welches über eine Verbindung zu Web Services einen

direkten Zugang zu Daten ermöglicht

• AREALIS: ein Land- und Umweltinformationssystem

• GEOVEKST: ein Kooperationsprogramm zur standardisierten

Erfassung von Geodaten auf allen Verwaltungsebenen, durch das

eine homogene Datenbasis Norwegens entsteht

Der Datenaustausch ist in Norwegen erleichtert durch die Etablierung

eines nationalen Standards für Inhalt, Struktur und Austausch von

Daten (SOSI). SOSI wird sowohl in der Verwaltung als auch in der Privatwirtschaft

eingesetzt, wodurch in Norwegen so gut wie kein proprietärer

Datenaustausch stattfindet. Dieser norwegische Standard soll in

Zukunft auch in Richtung ISO weiterentwickelt werden. Positive Erfahrungen

mit SOSI führten in Norwegen zu einer generell sehr hohen

Wertschätzung der Standards im Bereich Geoinformation. So basieren

die oben genannten Portale auf Standards wie SOSI, der ISO und des

OGC, was den Aufbau der Portale erheblich beschleunigte.

Erfahrungen

Das mangelnde Bewusstsein für das Thema GDI besonders auf niedrigeren

Verwaltungsebenen ist eine der Barrieren der GDI Norwegens.

Das Fehlen einheitlicher Preismodelle zum Zugriff auf die Geodaten

und deren Nutzung über die GDI wird als weiteres Hindernis genannt.

Die Etablierung eines nationalen Standards zum Datenaustausch

sowie der internationalen Standards von ISO und OGC kann als

Erfolg der GDI Norwegen gezählt werden. Die Erhebung national

einheitlicher Datensätze in den Kommunen im Rahmen des Projektes

GEOVEKST stellt eine gute Basis einer nationalen GDI dar. Auch

die gute Kooperation zwischen den Akteuren, besonders gefördert

durch einen entsprechenden Ansatz in Projekten wie AREALIS und

GEOVEKST, wirkt sich positiv auf die Weiterentwicklung der GDI aus.

Datenquellen aus allen Verwaltungsebenen sind auch durch diese

Projekte miteinander vernetzt. Die Tatsache, dass die Ausbildung zu

den Elementen der GDI Norwegens zählt, weist zudem darauf hin,

dass man den Aufbau der GDI als langfristigen Prozess ansieht. Der

Nutzen der bestehenden GDI-Portale und etwaige Wertschöpfungen

sind jedoch auch hier nicht bekannt, obwohl die Projekte schon seit

einiger Zeit laufen und somit Anwendung finden müssten.

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Verschiedene Portale

Nationaler Datenaus-

tauschstandard SOSI

Mangelndes Bewusstsein

auf niedrigeren Verwaltungsebenen


3.2.5 GDI Schweiz: NGDI

KOGIS, die Koordinierungsstelle für Geoinformation, definiert die GDI

der Schweiz und deren Ziele als „benutzerfreundliches, vernetztes

und dezentrales System aus politischen, organisatorischen, finanziellen,

rechtlichen und technischen Komponenten, das jederzeit und

überall einen raschen und kostengünstigen Zugang zu verlässlichen

Geoinformationen gewährleistet – für Verwaltung, für die Wirtschaft,

für die Bürger“.

Akteure

KOGIS steuert die GDI und koordiniert außerdem die Daten der Bundesbehörden,

um diese der Verwaltung zur Verfügung zu stellen.

Entscheidend beim Aufbau der GDI ist zudem die Initiative e-geo.ch

der KOGIS. Dieses im September 2003 ins Leben gerufene Kontaktnetz

aus Vertretern der Verwaltung aller Ebenen, von Wirtschaftsunternehmen

und der Wissenschaft soll den Rahmen der GDI schaffen

und diesbezügliche Aktivitäten koordinieren. Ein weiterer Akteur des

Aufbaus der GDI ist die interministerielle Koordinationsgruppe zu GIS

(GKG), die als Entscheidungsträger bezüglich GI und GIS auf nationaler

Ebene gilt und dabei KOGIS überwacht, die das operative Geschäft

der GKG erledigen. swisstopo nimmt als Geobasisdatenanbieter des

Bundes Einfluss auf die Gestaltung der GDI. Die Schweizerische

Organisation für Geoinformation (SOSI) spielt als nationale Dachorganisation

für öffentlicher und private Einrichtungen, die mit Geoinformationen

umgehen, ebenfalls eine Rolle beim Aufbau der GDI.

In Bezug auf Standards, die, ähnlich wie in Norwegen, auch in der

Schweiz großen Stellenwert im Geoinformationswesen einnehmen,

ist die Nationale Plattform Geo-Normen (NGN) zu nennen, die sich

unter anderem die Förderung eines vermehrten Einsatzes von Standards

zum Ziel gesetzt hat. Obwohl laut Definition die GDI nicht nur

den öffentlichen, sondern auch den privaten Sektor betrifft, ist dessen

Einbezug bisher eher gering. Im Zuge des Aufbaus der GDI soll also

auch die Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft verbessert

werden. Die Etablierung des Impulsprogramms e-geo.ch war bereits

ein Schritt in Richtung einer vermehrten Zusammenarbeit.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Situation bezüglich der Bepreisung von Geodaten ist durch die

dezentrale Organisation des Vermessungswesens von großer Heterogenität

gekennzeichnet. Insbesondere die Modelle der einzelnen

Kantone unterscheiden sich stark voneinander. Es werden verschiedene

Varianten einer Tarifierungs- und Vertriebsstrategie für eine GDI

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Steuerung durch KOGIS

Nationale Plattform

Geonormen

Heterogene Preismodelle


der Schweiz vorgeschlagen. 14) Die von KOGIS bevorzugte Variante

sieht eine Bepreisung der Geobasisdaten nach dem Modell Public

Domain/Marginal Cost vor, d. h. die Abgabe ist kostenfrei oder erfolgt

zu Bereitstellungskosten. Hinsichtlich der Nutzungsrechte soll weder

zwischen privater und öffentlicher, noch zwischen kommerzieller und

nicht-kommerzieller Nutzung unterschieden werden. Datenschutz und

Urheberrechte sollen dabei aber gewahrt bleiben. Die Umsetzung

dieser Strategie ist inzwischen beschlossen, erfolgt jedoch aus haushaltsrechtlichen

Gründen in vollständigem Umfang erst bis 2011. Die

Entwicklung geeigneter Preismodelle für einen Online-Vertrieb von

Geobasisdaten und Geodiensten erfolgt derzeit. Die Finanzierung

der GDI geschieht aus Geldern des Bundes, die zum einen für die

Pflichtaufgaben der Vermessung, für KOGIS sowie für Standards und

bestimmte Projekte vorgesehen sind.

Derzeit existiert kein Verfassungsartikel, auf den bundesrechtliche

Gesetzesgrundlagen für die Erstellung einer GDI gestützt werden

könnten. Seit April 2003 gibt es ein Bundesgesetz über die Öffentlichkeit

der Verwaltung (Informationsfreiheitsgesetz), das jedoch noch

nicht in den Kantonen umgesetzt wurde. Demnächst verabschiedet

wird eine Neuauflage des § 75a der Schweizer Verfassung, aus dem

hervorgeht, dass Landesvermessung Sache des Bundes ist und der

Bund bezüglich der amtlichen Vermessung Vorschriften zu Daten, die

Grund und Boden betreffen, erlassen kann, die die Kantone ausführen

müssen. Auf Basis dieses Gesetzes wird momentan außerdem

ein Geoinformationsgesetz (GeoIG) vorbereitet, welches die rechtlichen

Grundlagen für den Umgang mit Geoinformation in der Verwaltung

schaffen soll.

Komponenten

Mit dem GeoCat.ch steht seit April 2004 auch in der Schweiz ein

Metainformationssystem als eine erste Komponente der GDI den

Nutzern zur Verfügung. Es handelt sich dabei bisher jedoch noch

um einen Prototypen. Der derzeit stattfindende Datenaustausch wird

durch den Schweizer Nationalstandard INTERLIS erleichtert. Im Zuge

des Aufbaus einer NGDI wird zudem auf Standards der ISO und des

OGC gesetzt.

Ein von KOGIS vorgeschlagener Aktionsplan e-geo.ch, an dem auch

andere Akteure des Schweizer Geoinformationsmarktes beteiligt

sind, sieht einen schrittweisen Aufbau der NGDI vor, wobei e-geo.ch

die Organisation übernehmen soll. Begonnen wird mit der Erstellung

eines Katalogs der Geobasisdaten des Bundes. Nach und nach soll

14) FRICK et al, 2002b

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Geoinformationsgesetz

in Vorbereitung

Metainformationssystem

GeoCat.ch


die Implementierung verschiedener Geodienste erfolgen, die einen

direkten Zugang zu den Daten ermöglichen. Zusätzlich werden

weitere Rahmenbedingungen einer Schweizer GDI geschaffen, wie

beispielsweise die zuvor dargestellten Gesetzesvorwürfe.

Einstiegsseite in den GeoCat.ch

Politisch ist der Weg der Etablierung einer GDI bereits geebnet: 2003

wurde das Umsetzungskonzept zur Strategie für Geoinformation beim

Bund, die den Aufbau einer NGDI vorsieht, von der Schweizer Landesregierung

genehmigt. Die GDI soll demnach bis zum Jahr 2011

geschaffen werden. Der Förderung der Aus- und Weiterbildung sowie

der Forschung wird hier zusätzlich zu den in der Definition der Schweizer

NGDI festgelegten Komponenten der GDI Bedeutung gegeben.

Erfahrungen

Auch wenn der künftige Aufbau der GDI recht genau umrissen ist,

stehen dem einige Hindernisse im Weg. Der föderalistische Staatsaufbau

führt ähnlich wie in Deutschland zu einer technischen und auch

organisatorischen Heterogenität bei amtlichen Geobasisdatenanbietern,

die jedoch teilweise durch einen Datenaustausch über den Standard

INTERLIS überwunden werden kann. Der Markt ist somit unter

anderem durch undurchsichtige Preise und Nutzungsbeschränkungen

gekennzeichnet. Dazu wurden einige Studien durchgeführt, die

Vorschläge zu einer Vereinfachung dieser Regelungen liefern, und

langsam umgesetzt werden. 15)

15) Z. B. FRICK et al, 2002b

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Quelle: http://geotask02.d-mg.net/

iso19115_s/index.jsp

Stand: 14.06.2004

Umsetzungskonzept zur

Strategie für Geoinformation

beim Bund

Datenaustauschstandard

INTERLIS


Eine Stärke des Schweizer Geoinformationsmarktes ist der verbreitete

Einsatz von Standards bei Dokumentation, Modellierung und Austausch

von Daten. Die ausgeprägte politische Unterstützung, die sich in der

Arbeit an neuen GI-bezogenen Gesetzen niederschlägt, wie auch die

starke institutionelle Organisation der Akteure, besonders im Rahmen

von e-geo.ch, zählen ebenfalls zu den Erfolgen der Schweizer.

Zum möglichen Nutzen der GDI gibt es detaillierte Aufstellungen. 16)

Darin werden für die Verwaltung unter anderem verbesserte Entscheidungsgrundlagen

und Effizienzsteigerungen im Umgang mit Daten

erwartet. Die Privatwirtschaft könnte ebenfalls von besseren Planungsgrundlagen

profitieren und Produktivitätsgewinne erzielen. Auch

Bildung und Wissenschaft sowie Bürger könnten einen Nutzen aus

der besseren Verfügbarkeit von Geoinformation schöpfen. Zu Erfahrungen

mit möglicherweise existierenden branchenspezifischen GDI

der Schweiz hinsichtlich eines tatsächlich eingetretenen Nutzens bzw.

erzielter Wertschöpfung sind keine Informationen bekannt.

3.2.6 GDI Australien: ASDI

Die Australische Geodateninfrastruktur ASDI umfasst Personen,

rechtliche Regelungen sowie Technologien, die notwendig sind, um

die Generierung und die Nutzung von Geodaten in allen Verwaltungsebenen,

dem privaten und gemeinnützigen Sektor und der Wissenschaft

zu ermöglichen.

Akteure

Für die Koordination der ASDI ist das Australia New Zealand Land

Information Council (ANZLIC) zuständig, in dem Vertreter der australischen

und neuseeländischen Regierung sowie der Staaten bzw.

Territorien Australiens sitzen. ANZLIC versucht dabei, die GDI-Initiativen

der australischen Staaten und Territorien aufeinander abzustimmen

und eine nationale GDI aufzubauen, um den Datenaustausch

zwischen und die Datennutzung in den einzelnen Verwaltungsebenen

zu verbessern.

Der australische Geoinformationsmarkt ist außerdem durch einige

Datenanbieter sowie privatwirtschaftliche und öffentliche Interessensgemeinschaften

und Forschungseinrichtungen geprägt. Zwei Akteure,

die enger mit der ASDI befasst sind, sind die Australian Surveying

and Land Information Group (AUSLIG), die verantwortlich für die

Erstellung nationaler Karten ist und das Sekretariat für ANZLIC stellt,

16) KOGIS, 2003a, 17 f

- 38 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Aufstellungen zum

Nutzen von GDI

Koordination durch

Australia New Zealand Land

Information Council


sowie Geoscience Australia, die grundlegende nationale Datensätze

zur Verfügung stellen und das australische Metainformationssystem

ASDD verwalten.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Abgabe der Daten erfolgt momentan bei den Behörden und auch

in den einzelnen Staaten bzw. Territorien zu sehr unterschiedlichen

Bedingungen. Die Einführung einheitlicherer Preismodelle ist jedoch

in Diskussion. Durch einen dezentralisierten Aufbau der ASDI finanziert

jeder Staat und jedes Territorium sein eigenes GDI-Programm.

Auf Bundes- und auf Staaten- bzw. Territorienebene existieren Datenschutzgesetze,

die aussagen, dass personenbezogene Daten nicht

veröffentlicht werden dürfen. Weitere gesetzliche Bestimmungen, die

digitale Geodaten betreffen, sind nicht bekannt.

Komponenten

Die ASDI basiert auf einem verteilten Modell der acht GDI der Staaten

bzw. Territorien und einer bundesstaatlichen GDI, die mittels gemeinsamer

technischer Standards verbunden werden sollen. Bisher existiert

lediglich ein auf Standards des ISO, OGC und W3C basierendes

Metainformationssystem, das eine Suche nach überwiegend behördlichen

Daten unterstützt: Das Australian Spatial Data Directory (ASDD).

Eine Evaluierung des ASDD durch ANZLIC im Jahre 2001 ergab, dass

die Erwartungen nicht erfüllt werden konnten. Das ASDD ist bei der

Zielgruppe größtenteils unbekannt, die Qualität der Metadaten ist sehr

unterschiedlich, die für eine Fortführung vorgesehenen Mittel sind zu

knapp bemessen und der private Sektor ist nur geringfügig beteiligt.

In Folge der negativen Erfahrungen mit dem ASDD gibt es derzeit

Überlegungen, dieses zu einem GDI-Portal auszubauen, unter

anderem mit Katalog-Funktionalitäten und einem Online Zugang zu

Daten. Die Strategie des ANZLIC zum Aufbau der ASDI sieht zudem

vor, die institutionellen Barrieren des Zugangs zu und der Nutzung

von Geoinformation zu beseitigen, national konsistente Datenzugänge

zu schaffen und offene Systeme und Standards einzusetzen.

Erfahrungen

Wie bei vielen GDI ist ein Problem der ASDI die Fokussierung auf

Technologie anstatt auf Anwendungen und Anwender. Dies spiegelt

sich auch in der geringen Akzeptanz des ASDD wieder. Zu den Barrieren

einer ASDI gehört auch die Schwäche des ANZLIC, lediglich

Modelle und Standards entwickeln zu können, ohne deren Anwendung

durch die Schaffung national gültiger rechtlicher Regelungen

erzwingen zu können. Die Tatsache, dass die ASDI über ANZLIC

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Dezentrale GDI-Programme

Verteilte GDI der Staaten

und Territorien

Geringe Akzeptanz des

Metainformationssystems

ASDD


durch einen Konsensprozess entsteht, ist in diesem Fall ein Nachteil,

wirkt sich aber zugleich als Vorteil aus, da alle Interessen der Mitglieder

berücksichtig werden müssen. Zu den Erfolgen der ASDI zählt

die, durch eine geringe Zahl an Akteuren bedingte, gute informelle

Zusammenarbeit. Welcher Nutzen und welche Wertschöpfung bisher

mit der ASDI bzw. deren verfügbarer Komponenten ASDD erzielt

wurden, ist nicht bekannt.

3.2.7 GDI USA: NSDI

Das FGDC definiert die GDI der USA als Technologie, rechtliche

Bestimmungen, Kriterien, Standards und Personen zur Förderung des

Austauschs von Geodaten über alle Ebenen der Verwaltung, den privaten

und gemeinnützigen Sektor und die Wissenschaft hinweg. Die

NSDI stellt dabei eine Basis oder Struktur an Praktiken und Beziehungen

zwischen Datenproduzenten und Anwendern dar, die den Datenaustausch

und die Datennutzung erleichtert.

Akteure

Das Federal Geographic Data Committee (FGDC) wurde von der

Regierung 1990 mit dem Aufbau der NSDI betraut. Diese interministerielle

Behörde untersteht dem Innenministerium und ist in der US Geological

Survey angesiedelt. Neben der Leitung der Schaffung einer

NSDI koordiniert das FGDC die GI-Aktivitäten der Bundesbehörden,

mit besonderem Augenmerk auf die Beteiligung der Bundesbehörden

an der NSDI, zu der diese gesetzlich verpflichtet sind. Bundesbehörden

sind in diesem Zusammenhang unter anderem für die Erfassung

der Framework Daten und für eine Veröffentlichung ihrer Metadaten in

dem Metainformationssystem des FGDC zuständig.

Das FGDC hat die Geodaten- und Metadatennormung in den USA

stark vorangetrieben, und auch massiv auf die internationale Standardisierung

in diesem Bereich Einfluss genommen. Privatwirtschaftliche

Unternehmen der GI-Branche sind nicht im FGDC vertreten, aber zum

Teil in der Spatial Technologies Industry Association (STIA) organisiert,

die das Engagement des privaten Sektors bei der NSDI fördern

möchte. STIA verfasste zudem eine viel zitierte Studie zur Rolle der

privaten Unternehmen bei der NSDI, in der sie unter anderem die

bislang mangelnde Berücksichtigung der Privatwirtschaft an der GDI

kritisiert. 17) Softwarehersteller der Geoinformationsbranche sind in

den USA auch über das OpenGIS Consortium (OGC) an der NSDI

beteiligt, mit einem Fokus auf technischen Aspekten der Nutzung

17) Vgl. STIA, 2001a

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Aufbau der NSDI durch

das Federal Geographic

Data Committee

Rolle des FGDC bei

Normung/Standardisierung


verteilter Geodaten. Der GIS-Hersteller ESRI beteiligt sich direkt am

Aufbau einer GDI, indem er zum einen ein GDI-Portal in Eigeninitiative

betreibt (Geography Network) und zum anderen im Auftrag des

FGDC das GDI-Portal Geospatial One Stop für die NSDI entwickelte.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Von Bundesbehörden erhobene Daten werden grundsätzlich zu

Bereitstellungskosten abgegeben. Hintergrund dieser Regelung ist

die Annahme, dass Geoinformation eine wertvolle Ressource darstellt

und der Nutzen für die Gesellschaft dann am größten ist, wenn

diese Information allen zur Verfügung steht. Dieser einfache Zugang

zu Geodaten hatte ein rasches Wachstum der Märkte zur Folge, die

auf diese Informationen angewiesen sind. Da Staaten und Kommunen

unabhängig von Regelungen des Bundes sind, herrschen auf

diesen Verwaltungsebenen große Unterschiede bei der Vermarktung

von Geoinformation. Das FGDC ist rein von Steuergeldern finanziert.

Der private Sektor, das OGC sowie Datenanwender (über Datenkauf)

tragen geringfügig zur Finanzierung der NSDI bei. URBAN LOGIC

gab im Jahre 2000 eine Studie mit zahlreichen komplexen Vorschlägen

zu einer Finanzierung der NSDI heraus, die jedoch bisher nicht

umgesetzt wurden.

Das Informationsfreiheitsgesetz der USA ermöglicht bis auf wenige

Ausnahmen allen Personen einen freien Zugang zu Aufzeichnungen

und Statistiken, d. h. auch kommerzielle Nutzer können Geoinformation

über das Internet beziehen, weiter verarbeiten und vertreiben.

Des Weiteren untersagt der Copyright Act, Regierungsdaten mit

einem Urheberrecht zu versehen, da diese als öffentliches Gut für

jedermann zugänglich sein sollen.

Komponenten

Anwendern stehen von der NSDI der USA das Metainformationssystems

des Bundes (National Geospatial Data Clearinghouse NGDC)

sowie der Geospatial One Stop (GOS) als GDI-Portal, das einen

direkten Zugang zu Geodaten des Bundes ermöglicht, zur Verfügung.

Über das NGDC ist eine Suche nach Geodaten der USA sowie auch

internationaler Daten möglich.

Das Geospatial One Stop Portal (GOS) erlaubt seit Juli 2003 einen

direkten Zugang zu Geodaten der US-amerikanischen Bundesbehörden.

Dieses GDI-Portal baut auf Investitionen auf, die bereits für die

Entwicklung der nationalen GDI der USA getätigt wurden, wie das

Metainformationssystem, das mit dem GOS verknüpft wurde. Ziel war

es, mit dem GOS einen Zugang zu Geodaten zu ermöglichen, um die

Implementierung einer NSDI zu beschleunigen.

- 41 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Einfacher Zugang zu

Geodaten

Informationsfreiheits-

gesetz

Geospatial One Stop


Dabei wurde auf eine zweisträngige Strategie gesetzt: Zum einen

wurde vom OGC unter Verwendung kommerziell erhältlicher Produkte

von Softwareherstellern ein GOS-Prototyp entwickelt. Der Fokus

dieses Prototyps lag auf der Verbesserung der Standards und auf der

Dokumentation einer offenen Architektur zum Aufbau von GDI Portalen.

Diese Architektur sollte dabei herstellerunabhängig sein und aus

mehrfach verwendbaren Komponenten bestehen.

Zugang zu Daten über das Geospatial One Stop Portal

Neben dem OGC Prototyp wurde von der Firma ESRI ein operationelles

Portal aus vorhandenen kommerziellen und auf Standards basierenden

Produkten entwickelt, welches jetzt auch unter der URL www.

geodata.gov/gos zur Nutzung bereit steht. Der Fokus lag hier auf der

Erstellung einer raschen Lösung. Mittels zweier Klicks soll der Anwender

hier zum gewünschten Produkt kommen (Motto: Two clicks to

content). Das GOS erlaubt die Suche nach und den Zugriff auf Geodaten

und Geodienste, sowie für Anbieter das Publizieren dergleichen.

Die Anbieter von Daten im GOS sind momentan fast ausschließlich

Bundesbehörden, auch die Nutzer des GDI-Portals kommen überwiegend

aus Reihen der Verwaltung. Problematisch ist, dass das GOS

lediglich über einen Katalog (Metainformationssystem) verfügt. Die

daran angebundenen unterschiedlichen Datenserver setzen aber verschiedene

Metadatenstandards ein, so dass deren Zusammenspiel

nicht reibungslos funktioniert (LADSTÄTTER).

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Quelle: www.geodata.gov/gos

Stand: 21.06.2004

Fokus auf Erstellung

einer raschen Lösung


Erfahrungen

Die Probleme des Aufbaus einer NSDI sind in der Studie der Spatial

Technology Industry Association detailliert untersucht. 18) Kritisiert wird

darin unter anderem die unklare Rolle des FGDC, das laut STIA, eher

die GI-Aktivitäten der Bundesbehörden koordinieren sollte, anstatt den

Aufbau einer NSDI selbst voranzutreiben. Denn auch die US-amerikanischen

Staaten sehen eine Einmischung in ihre Vermessungsverantwortung

durch eine Einrichtung des Bundes wie das FGDC nicht

gerne. Die diesbezüglich uneindeutige Rolle des FGDC trifft daher auf

Unverständnis.

Generell wird die unklare Strategie und das Fehlen eines Plans zur

Umsetzung der Ziele des FGDC hinsichtlich des Aufbaus einer NSDI

bemängelt. Die Privatwirtschaft beteiligt sich bisher nicht in dem

gewollten Maße am Aufbau der NSDI, da deren Rolle darin nicht

klar definiert ist. Unternehmen verstehen vielfach den Aufwand einer

Nutzung der NSDI sowie deren Nutzen nicht und sind von der Komplexität

des Themas GDI abgeschreckt.

Untersuchungen zu den Vorteilen der NSDI, insbesondere für privatwirtschaftliche

Firmen, fehlen. Der Fokus der Bemühungen des

FGDC liegt zudem auf der technischen Bereitstellung der Daten und

der Zusammensetzung der anzubietenden grundlegenden Geodaten.

Die Anforderungen der Anwender spielen bisher, wenn überhaupt,

nur eine nebensächliche Rolle. Die aktiven Teilnehmer an der NSDI

stammen derzeit überwiegend aus der Verwaltung, die auch eine

Rolle der Koordination der Geodaten haben, wie die Bundesbehörden.

Zu den Erfolgen der NSDI zählt die einfache und preiswerte Verfügbarkeit

von Geoinformationen des Bundes, die auch den Aufbau einer

operationellen GDI erleichtert. Nachdem die Basis der NSDI durch

die Ausführungsanordnung des damaligen Präsidenten Clinton 1994

gelegt wurde, erfährt die Initiative auch heute durch ihre Benennung

als eine der 24 eGovernment Initiativen von Präsident Bush wichtige

politische Unterstützung. Dies trägt auch zu einer Stärkung der

Bekanntheit der NSDI bei. Die Entwicklung des GDI-Portals Geospatial

One Stop kann zudem als Erfolg gewertet werden, da damit

ein nationales Portal den Zugang zu Daten der Bundesbehörden

ermöglicht. Untersuchungen zum konkreten Nutzen und zu Nutzern

des NGDC oder des Geospatial One Stop Portals (GOS) sind nicht

bekannt. Ebenfalls unklar ist, ob trotz des kostenfreien Zugriffes auf

die Daten die Betreiber des GOS Mehrwerte daraus erzielen können.

18) STIA, 2001a

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Unklare Rolle des FGDC

Kaum Betrachtung der

Nutzeranforderungen

GDI als zentrale

eGovernment-Initiative


3.3 Branchenspezifische GDI in ausgewählten Ländern

Nach Untersuchung einiger nationaler Initiativen zur Etablierung von

GDI auf Nutzen und Wertschöpfung hin, werden im Folgenden einige

branchenspezifische GDI vorgestellt. Es handelt sich dabei um ein

Auskunftssystem des Wupperverbandes, den BayernViewer-agrar

sowie das Property Information Project in Victoria, Australien.

Die beschriebenen GDI sind alle bereits realisiert und werden genutzt,

so dass Aussagen zu Nutzen bzw. Wertschöpfungen erwartet werden

können. Sie werden dabei kurz unter Berücksichtigung folgender

Aspekte dargestellt:

• Ziel der branchenspezifischen GDI

• Inhalt

• Akteure

• Erfahrungen und Nutzen

3.3.1 Auskunftssystem des Wupperverbandes

Der Wupperverband hat das Flussmanagement im Einzugsgebiet der

Wupper zur Aufgabe. Dazu ist die Zusammenführung unterschiedlichster

Geodaten aus verschiedenen Quellen nötig, unter anderem

topographischer und hydrologischer Daten oder Informationen zu

Liegenschaften. Konventionelle Wege des Austauschs analoger aber

auch digitaler Geodaten zwischen der Stadt Wuppertal und dem

Wupperverband waren bisher mit großen Hindernissen verbunden.

Die Kommunikation bis die benötigten Daten geliefert war häufig ein

langwieriger Prozess. Die bei einer Integration digitaler Geodaten aufwändige

Konvertierung ging oft mit Informationsverlusten einher und

musste zudem bei Aktualisierungen wiederholt werden. Daher entschloss

man sich, die verteilten Datensätze zu vernetzen und eine

wechselseitige Nutzbarmachung zu erleichtern.

Der Aufbau dieses Auskunftssystems wurde bereits 2000 in Angriff

genommen und gilt somit als eines der ersten Praxistests der OGC

Schnittstellen zum Web Map Service (WMS). Via Internet und über

OGC konforme Geodienste (Web Map Services) ist jetzt ein gemeinsamer

Zugriff auf Daten möglich, die bei der Stadt Wuppertal und

im Rheinisch-Bergischen Kreis mittels dem Internet Map Server der

Firma SICAD (SICAD IMS) sowie beim Wupperverband über den

ArcIMS von ESRI publiziert werden.

Als Nutzer sind sowohl Fachanwender aus Wupperverband oder

der Stadt Wuppertal wie auch Bürger angesprochen. Die Kunden

kommen in diesem Fall zum Teil auch aus Reihen des Betreibers des

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Flussmanagement durch

den Wupperverband

Erster Praxistest der

OGD-Schnittstellen


GDI-Portals. Geplant ist, den Kreis der Akteure unter anderem um

Ingenieurbüros, Vermessungsämter und umliegende Kommunen zu

erweitern.

Ausskunftssystem des Wupperverbandes

Beim Aufbau des Systems galt es zunächst, vor allem technische

Hürden einer interoperablen Datennutzung zu meistern. Inzwischen

herrschen eher organisatorische Hindernisse vor, wie Diskussionen

um eine Abrechnung der Datennutzung oder darum, welche Daten für

welche Anwender bereitgestellt werden sollen. Zu den Problemen des

Systems zählen jetzt auch fehlende Standards für die Symbologie der

Daten, da oft Symbole für gleiche Information unterschiedlich verwendet

werden, oder die uneinheitliche Umsetzung der OGC-Spezifikationen

durch die Softwarehersteller.

Auch wenig ausführliche Metadaten stehen einem interoperablen Zugriff

auf die Geodaten im Wege. Je mehr Stellen an dem vernetzten System

beteiligt sind, sei es als Anbieter oder Anwender, desto größeren Stellenwert

bekommen Lösungen zur Gewährleistung der Datensicherheit

wie auch die Klärung von Fragen der Zuständigkeit. Andererseits ist die

Beteiligung möglichst vieler Institutionen nötig und gewünscht, damit

möglichst großer Nutzen aus der Anwendung entsteht. Aus diesem

Grund will man auch die Vorteile der Anwendung nach außen kommunizieren,

um weitere Beteiligte zum Mitmachen anzuregen.

Nach Angaben der Betreiber liegt der Nutzen des Auskunftssystems

für den Wupperverband vor allem darin, dass Daten nicht mehr

doppelt vorgehalten werden müssen und sich Redundanzen somit

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Quelle: http://ims.wupperverband.de/

wv/Fluggs_wupper/viewer

Stand: 21.06.2004

Technische und orga-

nisatorische Hürden

Vermeidung von

Redundanzen


vermeiden lassen. Der Nutzer enthält zudem innerhalb kürzester

Zeit Antwort auf seine Anfrage nach Geoinformationen. Durch diese

Zeitersparnis kann sich der Bearbeiter mehr mit seiner eigentlichen

Aufgabe der Auswertung der Daten beschäftigen, anstatt die Daten

lange zu suchen. Weitere qualitative Verbesserungen der Arbeit

ergeben sich dadurch, dass alle relevanten Informationen in einer

Karte darstellbar sind. Die Kosten des Aufbaus des Systems seien um

ein vielfaches niedriger als die Anschaffung eines GIS für diese Aufgaben.

Dabei können 80 - 90 % der Anwendungsfälle beim Austausch

von GI in diesem Fall durch ein Auskunftssystem abgedeckt werden,

so dass das System häufig eingesetzt werden kann.

3.3.2 BayernViewer-agrar in Bayern

Der BayernViewer-agrar ist ein GDI-Portal des Freistaates Bayern,

welches Landwirten die Flächenermittlung für das Ausfüllen des

Antrags auf Fördermittel bei der Europäischen Union (EU) erleichtern

soll. Pro Jahr gehen etwa 130.000 solche Anträge bei der bayerischen

Landwirtschaftverwaltung (LV) ein. Die LV prüft im Integrierten Verwaltungs-

und Kontrollsystem (InVeKos), ob die vom Landwirt angegebenen

Fördermittel, von Bund oder Land zu Recht beantragt werden.

Dabei gilt es zu untersuchen, ob die Kulturen, die zu Ausgleichszahlungen

berechtigen, tatsächlich angebaut werden und ob dies in der angegebenen

Flächengröße geschieht. Der vom Landwirt auszufüllende

Antrag enthält daher einen Flächen- und Nutzungsnachweis (FNN), in

dem alle Feldstücke und deren Nutzungen aufzuführen sind. Feldstücke

sind in dem Fall Bewirtschaftungseinheiten und somit Teile eines

Flurstückes, da selten gesamte Flurstücke gleich genutzt werden.

Durch die Verbindung des FNN der LV mit dem BayernViewer-agrar

kann der Landwirt Online die Größe seiner Feldstücke bestimmen und

in den FNN eintragen. Der BayernViewer-agrar ermöglicht dazu einen

Zugriff auf Orthofotos in Verbindung mit der Digitalen Flurkarte direkt

aus dem FNN heraus. An den Zugriffszahlen ist die starke Nutzung

des BayernViewer-agrar besonders zu Zeiten der Antragsstellung im

Frühjahr zu erkennen.

Der Nutzen für den Landwirt liegt vor allem darin, dass er den Antrag

und die Festlegung der Feldstücke via Internet von zuhause durchführen

kann. Der Antrag kann durch die Online-Abwicklung in folgenden

Jahren leichter aktualisiert werden. Eine genaue Dokumentation der

Antragsflächen mit Hilfe des BayernViewer-agrar ist wichtig, da sonst

viele Fördermittel verloren gehen können. Für die Vermessungsver-

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Flächenermittlung für

Landwirte im Rahmen

von Förderanträgen

Antragstellung via

Internet


waltung erleichtert das System die ohnehin beabsichtigte Erfassung

der Feldstücke. Außerdem können Vertriebskosten eingespart werden,

da das Schreiben von Rechnungen sowie die Bearbeitung von Kundenanfragen

größtenteils wegfällt. Die Landwirtschaftsverwaltung

zahlt eine jährliche Pauschale für die Bereitstellung dieses Dienstes

und profitiert schließlich durch eine vermehrte Online-Abwicklung der

Antragsstellung. Weitere Vorteile ergeben sich durch die Tatsache,

dass die EU ohnehin bald zusätzlich zu numerischen Flächenangaben

grafische Nachweise der Flächennutzung verlangt, was durch

die Verbindung des FNN mit dem BayernViewer-agrar bereits heute

gegeben ist.

3.3.3 Property Information Project in Victoria, Australien

Ziel des Property Information Project (PIP, Projekt zur Liegenschaften-Information)

war die Etablierung einer gemeinsamen Geodateninfrastruktur

zwischen den Kommunen und der Regierung von

Victoria, einem der sechs australischen Staaten. Diese thematische

GDI basiert auf der digitalen Katasterkarte und kann Informationen

zu Landparzellen und Eigentumsverhältnissen sowie -entwicklungen

liefern. Der Staat Victoria etablierte dafür die grundlegende GDI und

aktualisiert die darin zur Verfügung stehenden Geodaten für die Kommunen.

Die 78 Kommunen stellen dem Staat ihre Daten zu Landparzellen

und Eigentumsverhältnissen zur Verfügung. Die Kosten zum

Abgleich der Daten in der GDI trägt allein der Staat, wobei die Kommunen

Lizenzgebühren für die Nutzung der digitalen Katasterkarte

zahlen, die Bestandteil dieser GDI ist. Obwohl die Kommunen dazu

nicht gesetzlich verpflichtet sind, nehmen momentan alle am PIP teil.

Die Kommunen sparen sich durch eine Beteiligung an dieser GDI

Ressourcen bei Datenerfassung und Fortführung und vermeiden

dabei Redundanzen. Außerdem ziehen sie Vorteile aus der besseren

Informationsbasis für kommunale Aufgaben. Dem Staat dienen diese

Daten als Grundlage für die staatliche GDI. Der Zugang zu genauen

und aktuellen Liegenschaftsinformationen ist auch für staatliche Aufgaben

wie Notfallmanagement oder Planung essentiell.

Victoria profitiert außerdem von einer stärkeren Verbreitung der digitalen

Katasterkarte und einer standardisierten Datenqualität bei gleichzeitiger

Reduzierung der doppelten Datenhaltung in den Kommunen.

Da bei diesem Projekt die kommunalen Daten beim Staat integriert

werden, ist das PIP keine branchenspezifische GDI im Sinne der oben

aufgestellten Merkmale. Das PIP wird jedoch häufig als Beispiel einer

erfolgreichen GDI genannt und ist daher hier trotzdem beschrieben.

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Liegenschaften-

Informationssystem

Standardisierte Daten-

qualität und Vermeidung

von Redundanzen


3.4 Erfahrungen mit GDI im Überblick

Die Erfahrungen im Zuge des Aufbaus der hier untersuchten nationalen

GDI sowie der Etablierung und des Betriebs der branchenspezifischen

GDI sind im Folgenden zusammengefasst.

3.4.1 Nationale GDI-Initiativen

Die Ziele der Nationen zum Aufbau einer GDI gleichen sich. Alle

planen, den Zugang zu Geodaten für eine möglichst große Zahl von

Nutzern zu ermöglichen, um die Geoinformationswirtschaft anzukurbeln

und Barrieren des Datenaustausches zu beseitigen. Der

nationale Rahmen dient dabei immer hinsichtlich der institutionellen,

politischen und technischen Bedingungen als Basis eines national

konsistenten Datenzugangs und -austausches. Bislang ist noch

in keinem der Länder die GDI vollständig realisiert. Trotzdem liegen

zahlreiche Erfahrungen aus den bisherigen Bemühungen vor, von

denen andere lernen können. Aus diesem Grund sind im Folgenden

die Stärken und Schwächen der nationalen Initiativen anhand der

folgenden Kriterien gegenübergestellt und – entsprechend dem Fokus

der Studie – vor allem auf Nutzen und Wertschöpfungen hin geprüft:

• Akteure: Angehörige des Geoinformationsmarktes, die am Aufbau

der GDI beteiligt sind

• Rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen: Regelung des

Datenzugangs, Preis- und Finanzierungsmodelle

• Komponenten: Realisierte Komponenten der GDI, die den Anwendern

zur Nutzung bereit stehen sowie Pläne für die Weiterentwicklung

der GDI

Akteure

Bei den meisten Initiativen bestimmen öffentliche Vertreter des Geoinformationsmarktes

die Ausgestaltung der GDI und gründen eine

Koordinationsstelle. Diese wird zum Teil von interministeriellen Ausschüssen

gestellt (Deutschland, USA), von öffentlichen Datenanbietern

(Norwegen), einer Vereinigung von Akteuren der Geoinformationsbranche

(Niederlande, Schweiz) oder sonstigen Behörden des

GI-Marktes (Australien).

Die Koordinierungsstelle verfügt meist nur über begrenzte Mittel und

Wege, Einfluss auf alle Akteure des Geoinformationsmarktes auszuüben.

FGDC und IMAGI beispielsweise können lediglich die Bundesbehörden

koordinieren, wenn auch mit unterschiedlichen Machtmitteln.

Die zahlreichen Aktivitäten des FGDC zeigen, dass sich bei einer

Bestückung der Koordinierungsstelle mit ausreichenden finanziellen

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Ähnliche Ziele beim

Aufbau nationaler Geo-

dateninfrastrukturen

Begrenzte Mittel und Einflussnahmemöglichkeiten

der Koordinierungsstellen


Mitteln, Erfolge im Aufbau einer GDI erzielen lassen. In Zusammenhang

mit der Finanzierung steht auch die generelle politische Unterstützung

der Initiative.

Das Beispiel der USA verdeutlicht, wie positiv sich ein starker politischer

Einfluss auf die Entwicklung der GDI auswirken kann. Mehrere

Initiativen sind dazu in politische Programme wie z. B. eGovernment

eingebunden (Deutschland, Norwegen, Schweiz, USA). Gerade weil

die meisten Koordinationsstellen nur auf Teile des Geoinformationsmarktes

Einfluss ausüben können, sollte das Ziel sein, alle Akteure

beim Aufbau der GDI zu berücksichtigen und an der Koordination der

GDI teilhaben zu lassen, um die GDI zum Erfolg zu führen.

Lediglich in der Schweiz wird dieser Ansatz jetzt mit dem Impulsprogramm

e-geo.ch verfolgt und erste Erfolge, wie die Verabschiedung

eines Gesetzes oder die Aufstellung eines Aktionsplanes zeichnen

sich bereits ab. Ein Einbezug aller Akteure scheint dann erfolgreich

zu sein, wenn alle Verwaltungsebenen eines Landes sowie der private

Sektor der Geoinformationsbranche berücksichtigt sind, aber auch

alle Akteure einer GDI entlang der Wertschöpfungskette, d. h. vom

Geodatenanbieter bis zum Anwender.

Eine Koordination aller Verwaltungsebenen bezüglich des Aufbaus

einer GDI stößt jedoch in den meisten Ländern auf Probleme. Als

Ausnahme ist hier Norwegen zu nennen, wo über die Realisierung

von Projekten im Rahmen des Aufbaus einer GDI wie AREALIS, eine

Kooperation erfolgreich erreicht wird. Der Föderalismus wird vielfach

als eine der Hauptbarrieren genannt, die Akteure zu einer Kooperation

zu bewegen und somit Synergien zu nutzen. Stattdessen werden

parallel mehrere, oft auch redundante GDI entwickelt, wie beispielsweise

in Deutschland. Auch in den USA werden die Aktivitäten des

FGDC von den Staaten zum Teil als Einmischung in staatliche Angelegenheiten

betrachtet und daher nicht unterstützt.

Der mangelnde Wille zur Kooperation liegt auch in der unklaren

Regelung der Zuständigkeiten im Bereich des öffentlichen Vermessungswesens

begründet, die sich negativ auf die GDI auswirkt. So

sind einige der Akteure hinsichtlich ihrer Rolle in einer nationalen GDI

verunsichert und scheinen statt miteinander eher gegeneinander zu

arbeiten. In der Schweiz wird diesem Aspekt der unklaren Zuständigkeiten

durch eine Gesetzesänderung Rechnung getragen.

Dem privaten Sektor hingegen wird in den meisten Fällen erst bei

Existenz einer nationalen GDI die Rolle zugewiesen, möglicherweise

Geodaten und Geodienste darin anzubieten sowie ein Anwender der

GDI zu sein. Einfluss auf die Gestaltung der GDI haben Vertreter

der Wirtschaft aber mit Ausnahme der Schweiz nur geringfügig. Die

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Koordination verschiedener

Verwaltungsebenen

Geringer Einfluss der

Wirtschaft


deutsche GDI geht daher bislang an der privatwirtschaftlichen Praxis

vorbei. Auch in den USA stammen die Nutzer des Geospatial One

Stop bisher vor allem aus den Reihen der Behörden, die darin auch

ihre Geodaten anbieten (müssen). Einen Sonderfall bilden hier die

Niederlande, wo ein Unternehmen für Betrieb des Metainformationssystems

und dessen Weiterentwicklung zur GDI zuständig ist und sich

dabei um dessen Wirtschaftlichkeit bemühen muss.

In den USA wurde zwar – ähnlich wie in Deutschland für das GeoMIS.

bund und das GeoPortal.bund (geplant) – ein Unternehmen mit der

Realisierung des GDI-Portals GOS beauftragt, inwieweit dieses dabei

die Gestalt der GDI beeinflussen konnte, ist fraglich. So wurde zwar

in den meisten Fällen erkannt und auch in der jeweiligen Definition

der GDI festgehalten, dass die Wirtschaft in die GDI integriert werden

soll, aber dabei haben die Initiatoren bisher weder deren Rolle(n) festgelegt,

noch ein Weg dazu gefunden, das Interesse der Unternehmen

an der GDI zu wecken. Das Beispiel der GDI.NRW zeigt jedoch auch,

wie eine Beteiligung der Wirtschaft an einer GDI nicht alleine bzw.

nicht in der dort vertretenen Form zum Erfolg führen kann.

Die künftigen Anwender werden ebenfalls selten in den Aufbau der

GDI einbezogen. Stattdessen liegt der Fokus der Bereitstellung einer

Lösung, die den Online-Zugang zu Daten zwar technisch ermöglicht,

aber dabei keine konkrete Anwendung der Daten durch potenzielle

Kunden berücksichtigt. Die Zielgruppe der GDI ist meist lediglich grob

abgesteckt als der „allgemeine Anwender aus einer Behörde“ der

schon irgendwie das Portal nutzen wird. Ergebnis ist, dass zumindest

die Nutzung der bestehenden Metainformationssysteme bisher hinter

den Erwartungen zurückliegt. Wird der Anwender ebenso wenig beim

Aufbau der GDI-Portale berücksichtigt, so werden da die Nutzerzahlen

ebenso gering bleiben.

Ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen

Das Problem der Tarifierung eines Zugangs zu Geodaten und Geodiensten

über eine GDI ist in keinem der Länder komplett gelöst. Heterogene,

intransparente und komplexe Modelle der Bepreisung herrschen

vor. Während die Metainformationssysteme kostenfrei nutzbar

sind, soll der Zugang zu und die Nutzung von Geodaten über GDI-

Portale meist abgerechnet werden. Dies ist bei den derzeitigen komplexen

Tarifierungsmodellen in den meisten Nationen ein schwieriges

Unterfangen. Ausnahme sind hier die USA, die einen kostenfreien

Zugriff zumindest auf Geodaten der Bundesbehörden ermöglichen, so

auch über das GDI-Portal GOS. Der Zugang zu und die Nutzung von

Geoinformationen ist in europäischen Staaten durch komplizierte Nutzungsregelungen

und fehlende Gesetzesgrundlagen erschwert, die

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

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Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Kaum Berücksichtigung

der Nutzeranforderungen

Probleme bei Tarifierung

und Datenzugang


zusätzlich zu den komplexen Tarifierungsmodellen den Aufbau einer

kommerziell zu betreibenden GDI erschweren.

In den USA hingegen erlaubt das Informationsfreiheitsgesetz einen

einfachen Zugriff auf Daten des Bundes. An der schnellen Realisierung

des Geospatial One Stop wird deutlich, wie auch einfache Nutzungsrechte

sowie ein kostenfreier Zugang zu Daten die Entwicklung

von GDI-Portalen beschleunigen können. Dort mussten weder Sicherheits-

noch Abrechnungskomponenten integriert werden um komplexe

Nutzungs- und Tarifierungsmodelle abzubilden.

Da alle hier beschriebenen Initiativen zum Aufbau der GDI auf politischen

Entscheidungen basieren und somit von öffentlichen Geldern

finanziert werden, stehen die Verantwortlichen bisher nicht unter dem

Zwang, dabei wirtschaftlich zu agieren. Wie lange die Staaten jeweils

den Aufbau und vor allem dann auch den Betrieb der GDI monetär

unterstützen, ist fraglich. Eine langfristige Finanzierung der GDI ist in

keiner der Initiativen vorrangiges Thema. Eine kommerzielle Nutzung

der GDI wird jedoch diskutiert, da man sich Einnahmen aus dem Vertrieb

der Daten über eine GDI erhofft. Einzig in den Niederlanden

besteht für die Firma Geodan, die die GDI betreibt, der Wunsch nach

der Erwirtschaftung eines Gewinns. Bisher konnten jedoch diesbezüglich

keine Erfolge erzielt werden. Wie andere hat Geodan in diesem

Zusammenhang erkannt, dass Anwender bisher in den Aufbau der

GDI zu wenig bis überhaupt nicht einbezogen wurden, dies aber die

Grundvoraussetzung der Wirtschaftlichkeit der GDI ist.

Komponenten

Metainformationssysteme wurden in allen untersuchten Ländern als

erste Komponente der GDI entwickelt, um eine Transparenz der am

Geoinformationsmarkt verfügbaren Geodaten zu schaffen. Diese

Kataloge beinhalten überwiegend Metadaten öffentlicher Datenanbieter,

oft auch nur des Bundes, und können somit nur einen Ausschnitt

des Angebotes am Geoinformationsmarkt abbilden. Für Laien sind

diese oft nur schwer zu bedienen, da man genau wissen muss, nach

welchen Geodaten man sucht. Und hat man passende Datensätze

gefunden, muss man sich trotzdem noch an den oder die Anbieter

direkt wenden, um Lizenzen zur Nutzung der Geodaten zu erwerben.

Die bereits erwähnte geringe Akzeptanz der Metainformationssysteme,

liegt daher vor allem im mangelnden Einbezug der Anforderungen

der Anwender begründet.

Geplant ist in allen Ländern der Aufbau eines GDI-Portals, das einen

direkten Zugang zu und eine direkte Nutzung von verteilt vorliegenden

Geodaten ermöglicht, meist zunächst oder ausschließlich auf behörd-

- 51 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Bisher keine Wirtschaft-

lichkeitsanforderungen

Metainformationssysteme

als erste Komponente


liche Daten. In den USA ist mit dem GOS (Geospatial One Stop) ein

derartiges GDI-Portal realisiert. In Norwegen ist über themenspezifische

Portale der Zugang zu landesweiten Geodaten möglich.

Durchweg positive Erfahrungen wurden bei der Entwicklung der Komponenten

mit der Verwendung von Standards der GI-Branche und

auch der allgemeinen IT gemacht, da diese die Verknüpfung einzelner

Bausteine einer GDI oder auch einer GDI-Komponente erleichtern

und beschleunigen, wie an den GDI-Portalen in Norwegen oder am

GOS zu erkennen ist.

Die Erfahrungen der Initiativen zeigen, dass nicht so sehr technologische,

sondern vielmehr organisatorische und institutionelle Barrieren

den Aufbau einer GDI bisher behindern oder verlangsamen. Die

Betrachtung der Länderinitiativen zeigt zudem, dass ein Nutzen und

eine Wertschöpfung durch GDI oder bereits realisierte GDI-Komponenten

bisher noch nicht eingetreten ist, mit Ausnahme der von allen

erwarteten generellen Vorteile durch einen effektiveren Datenzugang.

3.4.2 Branchenspezifische GDI

Die angeführten branchenspezifischen GDI basieren überwiegend auf

politischen Entscheidungen anstatt auf Vermutungen möglicher Wertschöpfungen

in der Deckung eines Anwenderbedarfs.

Aufgrund einer daraus resultierenden staatlichen Finanzierung spielen

weder Gedanken eines wirtschaftlichen Betriebs eine Rolle, noch

entsteht der Zwang, sich nach dem Bedarf der Anwender zu richten.

Infolgedessen haben auch Untersuchungen des Nutzens derartiger

Lösungen geringe Bedeutung. Ausnahmen bilden hier der Bayern-

Viewer-agrar und das Auskunftssystem des Wupperverbandes, die

beide auf einen konkreten Bedarf reagieren und für die Anwender

somit Nutzen bringen. Die Betreiber profitieren außerdem in beiden

Fällen durch eine größere Effizienz ihrer Geschäftsprozesse.

Die untersuchten Anwendungen zeigen, dass eine GDI bisher wohl

nur dann funktioniert, wenn der Staat einen erheblichen Einfluss als

Initiator und Geldgeber ausübt. Die Wirtschaft ist bisher noch zu vorsichtig

und erfolgreiche Geschäftsmodelle für GDI-Lösungen sind

eine Seltenheit. Deutlich wird an diesen Beispielen außerdem, dass

bislang nur anwendungsorientierte GDI-Portale einen Nutzen bringen.

- 52 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Positive Erfahrungen

bei der Verwendung von

Standards

Organisatorische und

institutionelle Barrieren

Bisher wenig nutzen-

orientierte Portale


3.4.3 Erfolgsfaktoren einer GDI

Aus der Untersuchung der GDI-Initiativen lassen sich folgende

Erfolgsfaktoren ableiten:

• Die Geodateninfrastruktur zeichnet sich durch eine Anwenderorientierung

aus.

• Alle potenziellen Akteure einer GDI, insbesondere Anwender

sowie Vertreter des privaten Sektors, sind in die Planung und die

Realisierung der GDI einbezogen.

• Die Zuständigkeiten in der Vermessung und hinsichtlich des Aufbaus

einer nationalen GDI sind klar geregelt (bei öffentlichen GDI).

• Die Initiative zum Aufbau der GDI erhält angemessene politische

Unterstützung auf höchster Ebene.

• Der Betreiber des GDI-Portals ist mit ausreichend finanziellen

Mitteln bestückt. Bei öffentlichen GDI bezieht sich dies auf die

finanzielle Ausstattung der Koordinationsstelle. Eine langfristige

Finanzierung des Aufbaus und vor allem des Betriebs der GDI ist

so sichergestellt.

• Es existieren einfache Nutzungsrechte und einfache Tarifierungsmodelle

(sofern ein kommerzieller Betrieb angestrebt wird), die in

einem GDI-Portal abgebildet werden können und einen effektiven

Zugang zu bzw. eine effektive Nutzung von Geodaten und Geodiensten

über dieses Portal ermöglichen.

• Beim Aufbau der technischen Infrastruktur einer GDI wird auf standardisierte

Schnittstellen gesetzt.

Es wird deutlicht, dass bislang nur branchen- oder anwenderorientierte

GDI einen Nutzen erkennen lassen. Der Aufbau einer GDI als

Reaktion auf einen Bedarf einer bestimmten Kundengruppe ist somit

einer der wichtigsten Faktoren des Erfolgs einer GDI. Bislang stehen

bei der Etablierung von Geodateninfrastrukturen jedoch die Technologie

im Vordergrund sowie der Beweis der technischen Machbarkeit

von GDI-Lösungen.

Anknüpfend an die Betrachtung der internationalen Entwicklungen

im Bereich GDI steht daher im folgenden Kapitel eine anwenderorientierte

GDI am Beispiel einer Lösung zur Immobilienbewertung im

Mittelpunkt.

- 53 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Geodateninfrastrukturen im internationalen Vergleich

Erfolgsfaktoren für

öffentliche und privat-

wirtschaftliche GDI


4 Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Nutzen und Wertschöpfung von GDI können erst mit einer praxisreifen

Anwendung eintreten. Da entsprechende GDI bisher nicht realisiert

sind, wurde das Thema Geschäftsmodelle für Geodateninfrastrukturen

im Rahmen dieser Studie anhand eines Fallbeispiels eines

GDI-Portals für Immobilienbewerter näher untersucht.

Das untersuchte Portal wurde im Auftrag des Runder Tisch GIS e. V.

entwickelt. Dieser an der Technischen Universität München ansässige

und über 110 Mitglieder (Stand: März 2004) umfassende Verein

versteht sich als Netzwerk des Geoinformationsmarktes zwischen

Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Zahlreiche

Mitglieder waren auch beim Aufbau des Portals beteiligt. Alle großen

GIS-Hersteller des deutschen Geoinformationsmarktes und zahlreiche

Anbieter von öffentlichen und privaten Daten verschiedener

Bundesländer unterstützen das vor zwei Jahren begonnene Projekt

des Vereins.

Ziel des Projektes war es anhand eines Anwendungsfalls aus dem

Immobilienbereich die technische Machbarkeit von GDI-Technologie

zu demonstrieren. Im Fokus standen dabei die offenen Standards des

OpenGIS Consortiums (OGC) und der IT-Branche. Insbesondere die

Übertragbarkeit der internationalen Standards auf die spezifische Situation

in Deutschland sollte an einer konkreten Anwendung getestet

werden, nachdem die Spezifikationen bisher lediglich in so genannten

Testbeds (technischen Machbarkeitstests) erprobt worden waren. Das

Portal sollte damit einen Beitrag zur Verbesserung der Nutzung von

vorhandenen, verteilten und heterogene Geodaten liefern und einen

Zugriff auf Daten über Herstellersystem-, Organisations- und Bundesländergrenzen

hinweg ermöglichen. Das Portal wurde als Prototyp

realisiert, wohingegen das Geschäftsmodell bisher noch nicht praktisch

umgesetzt wurde.

Warum wurde speziell der Immobilienmarkt für den Prototyp der GDI

herangezogen? Gerade in dieser Branche lässt sich der Mehrwert

der Nutzung (verteilter) Geodatenbanken besonders plakativ verdeutlichen.

So wird derzeit der Verkehrswert einer Immobilie von

Gutachtern in Deutschland meist über ein Vergleichswert-, Ertragswert,

oder Sachwertverfahren bestimmt. Die damit verbundenen

komplexen mathematischen Berechnungen sollten dabei keineswegs

mittels des untersuchten GDI-Portals automatisiert werden.

Vielmehr unterstützt die Anwendung den Arbeitsablauf einer Bewertung,

indem sie das Einholen von Informationen zur Immobilie selbst

sowie zu deren Umgebung als Eingangswerte für diese Berechnungen

ermöglicht.

- 54 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Das Fallbeispiel: Entwicklung

im Auftrag des Runder

Tisch GIS e. V.

Ziel: technische Machbar-

keit von GDI-Technologie

demonstrieren

Immobilienbereich als

Beispielfall für nutzen-

orientierte GDI


Einstieg in das Portal über Adresseingabe

Überlagerung von Geodaten aus drei verschiedenen Quellen:

Orthophotos, Stadtgrundkarte, Bodenrichtwerte

Dabei gehören zu den Anwendern einer Immobilienbewertung Dienstleister,

die Gutachten oder Stellungnahmen zu Immobilienobjekten

erstellen, z. B. Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater oder Architekten,

sowie institutionelle Immobilienverwalter von Banken, Versiche-

- 55 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Anwender aus der privaten

Wirtschaft


ungen, Fonds, Pensionskassen, Projektentwicklungsgesellschaften,

Bestandsverwaltungen oder Bauunternehmen.

Welche Informationen jeweils für die Bewertung benötigt werden,

hängt stark von der Art des Immobilienobjektes ab (Einzelhandelsfläche,

Bürogebäude, Wohngebäude etc.), ob es erworben oder

gebaut werden soll oder wie groß sein Wert in etwa ist. Im Folgenden

ist daher lediglich eine Auswahl von Daten angeführt, die bei einer

Bewertung eines Objektes eine Rolle spielen:

• Standort- und Umfelddaten: Amtlicher Lageplan (Flurkarte), Stadtplan,

Orthofotos, Verkehrslage

• Marktdaten: Nutzer und Nutzungen im Umfeld, Grundbuchdaten,

Leitungsdokumentation, Bauplanungs- und bauordnungsrechtliche

Informationen (Bebauungsplan, Flächennutzungsplan), Altlastenkataster,

Denkmalschutzinformationen, Kaufpreissammlung/Bodenrichtwertkarte,

Daten zur soziodemographischen Entwicklung

• Objektdaten: Kaufpreis, Objektfotos, technische Unterlagen (z. B.

Bau- und Ausstattungsbeschreibung), kaufmännische Unterlagen

(z. B. Bewirtschaftungskosten, Leerstand)

Viele dieser Informationen werden vom Verkäufer mitgeliefert oder sind

im Exposé dargestellt. Der Zugriff auf ungefilterte, objektive Information

durch den Bewerter selbst wird jedoch von den Anwendern vorgezogen.

Auf das Einholen zusätzlicher Daten, die die mitgelieferten Angaben

ergänzen oder überprüfen, wird allerdings oft verzichtet, da der Zeit-

und Kostenaufwand zu hoch ist. Zuweilen fließt daher mangels objektiver

Information das „Bauchgefühl“ des Bearbeiters in die Bewertung

ein. Eine Lösung, die direkten Zugriff auf die ungefilterten Informationen

ermöglicht, wäre daher mit erheblichem Mehrwert verbunden.

Möchte ein Bewerter derzeit selbst auf Geoinformationen zugreifen,

so steht er einigen Problemen gegenüber, die sich aus der Art des

Datenbedarfs ergeben: Er benötigt zahlreiche aktuelle und flächendeckende

Geoinformationen sowie oft Daten mit mehr oder weniger

restriktiven Sicherheitsbeschränkungen.

Die Automatisierte Liegenschaftskarte ist beispielsweise in einigen

Bundesländern nur Anwendern mit „berechtigtem Interesse“ zugänglich.

Zusätzlich möchte er amtliche, behördliche oder privat erhobene

Daten kombinieren, um daraus bestimmte Schlüsse hinsichtlich des

Wertes des Objektes zu ziehen. Eine derartige Datenbasis ist mit einem

enormen Pflegeaufwand verbunden, insbesondere bei länderübergreifendem

oder internationalem Datenbedarf. Abgesehen von großen

Unternehmen lohnt es für die wenigsten Nutzer, eigens für die Immobilienbewertung

ein Geoinformationssystem (GIS) zu halten. Insgesamt ist

der Datenbezug mit erheblichen Transaktionskosten verbunden.

- 56 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Hoher Bedarf an

Geodaten

Geoinformationen bei

der Immobilienbewertung:

Derzeit schwieriger

Datenbezug


Hinzu kommt, dass aufgrund der mangelnden Transparenz des Angebots

an Geoinformation geeignete Datenquellen oft nur mit großem

Aufwand auszumachen und zusätzlich mit unklaren Gebühren und

Nutzungsbedingungen verbunden sind. Ein effektiver Einsatz von Geoinformationen

ist aus diesen Gründen im Immobilienbereich bislang

nur schwer möglich. Eine Anwendung, die Immobilienbewertern einen

einfachen und kostengünstigen Zugang zu Geoinformationen aus verschiedenen

Quellen ermöglicht, ohne dass sie ein eigenes GIS oder

Daten vorhalten müssen, könnte einige dieser Barrieren beseitigen.

Um den Zugang zu Geoinformation für Immobilienbewerter zu verbessern,

wurden bereits Softwarelösungen entwickelt. Die Anwendungen

zeichnen sich insbesondere durch das Vorhandensein von GIS-Funktionalitäten

und einem Online-Datenzugang aus. GIS-Funktionalitäten

bedeuten in diesem Fall, Datenquellen wählen, den Kartenausschnitt

selbst bestimmen sowie insbesondere Daten aus verschiedenen

Quellen für Analysen miteinander kombinieren zu können. Die Bandbreite

der Lösungn reicht dabei von Lösungen ohne GIS-Funktionalität

und mit Online-Datenzugang über Lösungen mit GIS-Funktionalität

und ohne Online-Datenzugang bis hin zu Lösungen mit GIS-Funktionalität

und mit Online-Datenzugang.

Diese bestehenden Lösungen weisen jeweils spezifische Nachteile

auf. Mit Lösungen ohne GIS-Funktionalität kann der Bewerter nicht

interaktiv mit den Karten umgehen, sondern muss sich sowohl räumlich

als auch thematisch mit dem vom Systemanbieter bestimmten

Kartenausschnitt zufrieden geben. Auch eine Überlagerung von Daten

verschiedener Quellen ist so nicht möglich. Gerade für eine Analyse

der Umgebung eines Objektes wären diese beiden Funktionen aber

wünschenswert. Ist kein Online-Zugang zu Daten vorhanden, kann

der Bewerter nicht auf tagesaktuelle Daten zugreifen.

Lösungen mit GIS-Funktionalität und mit Online-Datenzugang schließlich

sind komplexe und firmenspezifische Anwendungen, die den Kauf

der Software und die Haltung einer eigenen Datenbasis erfordern,

und daher mit einen hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden sind,

der sich nur für wenige Unternehmen zur Immobilienbewertung lohnt.

Grundidee des Geschäftsmodells war die Erkenntnis, dass praktische

Anwendungen eine notwendige Voraussetzung sind, um den Nutzen

und die Wertschöpfung durch GDI überhaupt zu realisieren. Vor

diesem Hintergrund wurde ein Geschäftsmodell für die Umsetzung

einer anwenderorientierten GDI für Immobilienbewerter entwickelt.

Mit der Beschreibung des Geschäftsmodells soll einerseits verdeutlicht

werden, welche Anforderungen und Bedingungen erfüllt sein

müssen, um eine geschäftsfähige GDI aufzubauen. Andererseits soll

- 57 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Mangelnde Transparenz

des Angebots

Softwarelösungen für

einen Zugang zu Geo-

informationen


dargestellt werden, welche Punkte zum Erfolg eines GDI-Geschäftsmodells

führen können. Grundsätzlich sollten Überlegungen zum

Aufbau eines Geschäftsmodells bei jeder Geodateninfrastruktur

hohen Stellenwert einnehmen, statt wie bisher den Fokus in erster

Linie auf die Realisierung der technischen Komponenten zu legen.

Geschäftsmodell der GDI für Immobilienbewerter

Umsatzbeteiligung

Daten- und

Dienstanbieter

Datenproduktion

%

Veredelung von

Geoinformation,

Angebot im

GDI-Portal

Umsatz

Betreiber des

GDI-Portals

- 58 -

Beratung

und Vertrieb

durch das

GDI-Portal

Zahlungsbereitschaft

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Nutzen

durch GDI

Immobilienbewerter

Im Zentrum dieses Geschäftsmodells steht die Dienstleistung des

GDI-Portals, die verteilten heterogenen Geoinformationen zu einer

Adresse in Deutschland über eine Stelle dem Kunden zur Verfügung

zu stellen. Der Bedarf für das Produkt ergibt sich aus oben genannten

Problemen eines effektiven Einsatzes von Geoinformationen im

Bereich der Immobilienbewertung und aus dem im folgenden dargestellten

Nutzen, den das GDI-Portal für Anwender bringen kann.

Ziel ist es, mit diesem anwenderorientierten GDI-Portal eine gezielt

auf die Anforderungen der Immobilienbewerter ausgerichtete Lösung

bereitzustellen, die aber auch für andere Nutzer offen ist (z. B. Vertreter

der Immobilienmarktforschung), um das mögliche Kundenspektrum

breit anzulegen. Das Erreichen einer großen Menge an

Anwendern ist von Bedeutung, da von dem einzelnen in einer Internet-

Anwendung keine große Zahlungsbereitschaft zu erwarten ist.

Basis des Geschäftsmodells ist der Nutzen des GDI-Portals für die

Anwender, da sich daraus deren Zahlungsbereitschaft ergibt. Das

GDI-Portal richtet sich in erster Linie an Immobilienbewerter sowie

an den Immobilienbereich im allgemeinen. Der erwartete Nutzen des

GDI-Portals lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen, die eng miteinander

verzahnt sind:

• Einsparungen an Kosten und Zeit

• qualitativ hochwertigere Arbeitsergebnisse

Produkt: integrierte

Bereitstellung verteilter

Geoinformation

Nutzen für Anwender


Der Zeit- und Kostenaufwand für die Informationsbeschaffung über

die GDI ist weitaus niedriger als bei konventionellen Bezugswegen,

da das System eine einzige Anlaufstelle für Daten darstellt. Konkret

stellen sich die Zeit- und Kostenvorteile wie folgt dar:

• Die Anwendung ermöglicht einen schnellen ersten Überblick und

die rasche Einholung ergänzender Daten für die Objektdarstellung.

• Die Transaktionskosten der Datenbeschaffung sind gering, da kein

persönlicher Kontakt zwischen Anbieter und Kunde nötig ist, um

Datentarife und Nutzungsbedingungen auszuhandeln.

• Der Zugang zu Daten über das Internet ist heute bei Immobilienbewertern

bereits Gang und Gebe. Oftmals werden kostenlose Kartendienste

verwendet, um die Lage eines Objektes zumindest auf

Stadtplänen zu begutachten. Ein Online-Zugriff auf qualitativ hochwertigere

Geoinformationen wird allgemein begrüßt.

• Die Datennutzung selbst ist ebenfalls günstiger, da mehrere Nutzer

auf dieselben Daten zugreifen und nicht ein kompletter Datensatz

beschaftt werden muss, sondern lediglich der benötigte Ausschnitt

der Daten beauskunftet werden kann.

• Bei dem GDI-Portal entfällt im Vergleich zu einem GIS-System der

erhebliche Aufwand für die Pflege der Daten, da die Daten beim

Anbieter verbleiben.

• Weitere Einsparungen sind möglich, da Vorortbegehungen zum Teil

überflüssig werden. Objekte kommen oft aufgrund einiger weniger

Zusatzinformationen, die nicht aus den Unterlagen des Verkäufers

hervorgehen, für den Interessenten nicht mehr in Frage. Gerade in

Unternehmen, die Immobilien in größerem Umfang bewerten, sind

die entsprechenden Arbeitsabläufe oft komplex, da viele Personen

an einer Bewertung beteiligt sind. Durch mangelndes Controlling

entstehen dabei vielfach Redundanzen, z. B. werden häufig gleiche

Daten mit großem Aufwand mehrfach beschafft. Einsparungen

von Zeit und Kosten durch einen Datenzugang via GDI würden den

diesbezüglichen Aufwand verringern.

Grundsätzlich lässt sich somit durch die Nutzung des GDI-Portals der

Prozess der Immobilienbewertung optimieren.

Die Optimierung des Bewertungsprozesses kann außerdem durch

schnellere und qualitativ hochwertigere Arbeitsergebnisse mittels der

Verwendung des GDI-Portals erreicht werden.

• Durch den effektiven Datenzugang können fundierte Entscheidungen

getroffen werden, da häufig eine Information zur Umgebung

ausreicht, um ein Objekt von einer weiteren Begutachtung auszuschließen.

Die Phase der Vorentscheidung einer Immobilienbewertung

kann so erheblich verkürzt werden.

- 59 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Zeit- und Kostenaufwand der

Informationsbeschaffung

Optimierung der Bewertungsprozesse,hochwertigere

Ergebnisse


• Sind mehrere Personen mit einzelnen Bewertungsschritten befasst,

können durch den Einsatz der Anwendung Qualitätsschwankungen

in den Ergebnissen vermieden werden.

• Entscheidungen lassen sich durch die Visualisierung komplexer

Information mit Hilfe von GIS-Technologie unterstützen. Dabei sind

Karten viel anschaulicher als tabellarische Daten, vor allem bei

einem Vergleich verschiedener Regionen.

• Der Bezug geeigneter Karten über das Internet ist im Gegensatz

zu Sachinformationen bisher schwierig. Die bereits über das GDI-

Portal zur Verfügung stehenden Geodaten können daher zur Verbesserung

ihrer Arbeitsergebnisse beitragen.

• Die Möglichkeit eines Zugriffes auf flächendeckende und vor allem

aktuelle Daten durch deren verteilte Haltung beim originären

Anbieter ist dabei von besonderem Interesse.

• Grundsätzlich sind Daten zum Umfeld eines Objektes sehr nützlich,

auch um Werterhöhungspotenziale einer Immobilie zu erkennen.

• Die Möglichkeit der Überlagerung von Daten ist außerdem positiv

zu beurteilen, vor allem die Kombination von Stadtgrundkarte, Orthofoto

und Bodenrichtwerten.

Das GDI-Portal ermöglicht durch den Zugang zu objektiven

Informationen transparentere und nachvollziehbarere Entscheidungen,

was zusätzlich die Bewertungsergebnisse verbessern kann. Statt

auf das Einholen von Informationen zu verzichten, können durch den

effektiveren Datenzugang auf objektive Informationen die vom Verkäufer

mitgelieferten Daten ergänzt und überprüft werden. Das Risiko

einer Fehlentscheidung lässt sich so minimieren, da sich der Bewerter

anstatt auf die Datenbeschaffung, auf seine eigentliche Aufgabe

der Bewertung konzentrieren kann. Ein solcher nachfrageorientierter

Ansatz einer GDI könnte auch am Markt erfolgreich realisiert werden.

Neben dem eben dargestellten Nutzen des GDI-Portals existieren

jedoch auch einige Barrieren:

• Das System ist zwar „nice-to-have“, um sich über ein Objekt zu

informieren, konkurriert jedoch mit dem herkömmlichen Datenbezug

von Gutachtern – die Zahlungsbereitschaft des einzelnen

Nutzers ist begrenzt.

• Anforderungen an Qualität und Verfügbarkeit der Daten zu einer

Region durch das System müssen technisch erfüllt werden.

• Ein Problem stellt derzeit die mangelnde Standardisierung gerade

bei immobilienspezifischen Daten dar. So werden beispielsweise

die Mietflächenumsätze für die Stadt Frankfurt oft von den führenden

Maklerhäusern sehr unterschiedlich (Abweichungen bis

zu 50 %) eingeschätzt. Insbesondere bei Immobilien-Kennzahlen,

die auf bestimmten Annahmen der Erheber beruhen, besteht eine

Gefahr von Missinterpretationen durch den Kunden, da im Inter-

- 60 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Probleme der Anwendung


net nur schwierig ausführliche Erklärungen zum Zustandekommen

der Werte angeboten werden. Da einige Unternehmen von ihrem

eigenen Marktwissen profitieren, kann es zudem schwierig sein,

sie als Datenanbieter für eine GDI zu gewinnen.

Durch die Möglichkeit der flexiblen Nutzung des GDI-Portals kann die

Anwendung flexibel auf den unterschiedlichen Bedarf der Anwender

reagieren, je nachdem, welche Datenquellen in welcher Kombination

benötigt werden. Die Beschaffung der Daten für die Auswahl eines

Objektes vor der eigentlichen Bewertung weist erhebliches Effizienzsteigerungspotenzial

auf, das durch eine geeignete GDI-Lösung

erschlossen werden kann.

Damit ein GDI-Portal für Immobilienbewerter wirtschaftlich erfolgreich

sein kann, müssen deren spezifische Anforderungen erfüllt sein, da nur

so die notwendige Zahlungsbereitschaft seitens der Nutzer geschaffen

wird. Die Anforderungen bestimmen wesentlich den Aufbau der GDI.

Sie lassen sich einteilen in Eigenschaften der Daten, die Nutzung des

Systems, die Bedienbarkeit und die Leistungsfähigkeit der Anwendung.

Eigenschaften der Daten:

• aktuell, qualitativ hochwertig, vollständig und korrekt

• flächendeckend verfügbar

Nutzung des Systems:

• unkomplizierte Beauskunftung der Geodaten

• Kombination der Geodaten aus dem System mit eigenen Daten

(z. B. eigene Immobilienbestände)

• Verwendung der Karten für eigene Berichte oder Exposés

• Kennzeichnung des gesuchten Objektes im Kartenfenster

• Einstieg in das Portal über Adresse, graphisch über eine Karte

sowie eine Suche nach Daten über Selektionskriterien (z. B. Regionen

mit Bodenrichtwerten in bestimmter Höhe)

• zuverlässige Datenquellen

Bedienbarkeit der Anwendung:

• keine Installation zusätzlicher Software am eigenen Rechner nötig

• intuitive Bedienbarkeit bei kurzer Einarbeitungszeit

• wenige Klicks sollten zum gewünschten Ergebnis führen

• 24-stündige Verfügbarkeit der Anwendung

Leistungsfähigkeit des Datenzugangs:

• schneller Zugang zu Informationen

- 61 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Anforderungen der

Anwender


Die Zahlungsbereitschaft der Kunden ermöglicht einem Dienstleister,

ein GDI-Portal für Immobilienbewerter aufzubauen, zu betreiben und

dadurch Umsätze zu erzielen. Im Kern des Geschäftsmodells steht

die Funktion des Betreibers: Er generiert mit Hilfe der Datenanbieter,

die ihre Daten über Geodienste im GDI-Portal zur Verfügung stellen,

den Nutzen für die Kunden und muss versuchen, seine Unternehmung

über die Einnahmen von Kunden zu refinanzieren.

Die Aufgaben der Betreiber lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

• Der Betreiber kann ein Dienstleister sein, der entweder alleine oder

in Partnerschaft mit (einem) anderen Unternehmen, technisches

und auf die Immobilienbranche spezialisiertes, vertriebliches Knowhow

aufweist. Technisches Fachwissen ist erforderlich für den

Aufbau und die Bereitstellung des GDI-Portals, das die Immobilienbewertung

unterstützen soll. Dazu müssen anwendungsspezifische

Aggregate Services entwickelt und die erforderlichen technischen

Komponenten miteinander verknüpft werden. Vertriebliches

Wissen im Hinblick auf den Immobilienbereich ist erforderlich, um

die Generierung eines auf Immobilienbewerter als Zielgruppe

abgestimmten GDI-Portals zu gewährleisten, denn nur so kann der

Bedarf der potenziellen Anwender getroffen werden.

• Für diese anwenderorientierte Geodateninfrastruktur leistet der

Betreiber also den Aufbau und den Betrieb der technischen Infrastruktur,

ist verantwortlich für das Geschäftsmodell – vor allem die

Tarifierung der Dienstleistung und seine eigene Finanzierung – und

koordiniert die Teilnahme der anderen Akteure, insbesondere der

Geodatenanbieter.

• Die Betreiber stellen die Anforderung an die Geodaten- und Geodienstanbieter,

ihre Produkte anwendergerecht zur Verfügung

zu stellen, um damit den Bedürfnisse der Nutzer entgegen zu

kommen. Die Daten sollten über standardisierte Geodienste angeboten

werden, um diese einfach in ein GDI-Portal integrieren zu

können. Die Mitlieferung ausführlicher Metadaten ist von essentieller

Bedeutung, um Anwendern Hintergrundinformationen zu liefern

und eine metadatenspezifische Suche nach Daten zu ermöglichen.

• Bei der Zusammensetzung des Angebots an Geodaten und beim

Aufbau der technischen Infrastruktur der GDI gilt es für den Betreiber,

die Anforderungen der Kunden bestmöglich zu erfüllen.

• Erfahrungen mit Online-Portalen zum Geodatenvertrieb zeigen,

dass die individuelle Zahlungsbereitschaft für einen derartigen

Zugang zu Daten nicht sehr hoch ist. Daher muss mit einem GDI-

Portal eine möglichst große, aber dennoch spezifische Zielgruppe

angesprochen werden, um die Verdienstmöglichkeiten zu erhöhen

und das Geschäftsmodell zum Erfolg zu führen. Durch die Zusammensetzung

einer GDI-Lösung aus überwiegend mehrfach ver-

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Betreiber des GDI-Portals


wendbaren Komponenten mit standardisierten Schnittstellen, ist

die Anpassung an einen veränderten Kundenbedarf, z. B. durch

die Änderung oder Erweiterung der Zielgruppe, kein Problem für

einen Betreiber.

• Um zu vermeiden, potenzielle Kunden mit einem nicht nachfragegrechten

Preismodell abzuschrecken, sollte der Betreiber einer

angemessenen Bepreisung und Abrechnung der Nutzung des GDI-

Portals besondere Aufmerksamkeit schenken. Das Tarifierungsmodell

muss dabei die unterschiedlichen Preisniveaus der beteiligten

Anbieter von Daten und Diensten sowie die Anforderungen der

Nutzer hinsichtlich deren Zahlungsbereitschaft berücksichtigen.

Neben der Entscheidung über das Preisniveau gilt es, ein Modell festzulegen,

nach dem die Nutzung der Anwendung mit dem Kunden abgerechnet

werden kann (Tarifierungsmodell). Die Untersuchung ergab,

dass ein Modell, das sich an der Häufigkeit der Zugriffe orientiert auch

von möglichen Nutzern für dieses GDI-Portal gewünscht wird:

• Kunden mit unregelmäßigem Zugriff entrichten eine Grundgebühr

und Nutzungsentgelte (eine monatliche Grundgebühr bei etwa

500 Euro, Nutzungsentgelte pro Objekt bei 30 Euro)

• Kunden mit häufigem und eingespieltem Zugriff oder Unternehmen

mit mehreren Nutzern sind, werden über eine Pauschale abgerechnet

(zwischen 500 und 4.000 Euro pro Monat, je nach Anzahl

der Lizenzen)

Die erste Variante ermöglicht es, eine schwankende Nachfrage optimal

abzurechnen. Auch bei neuen Angeboten ist dies eine sinnvolle

Methode, um die Kosten und den Nutzen der Anwendung abzuschätzen.

Eine Pauschalabrechnung hingegen ist, wenn sich die Nutzung

etabliert hat und das Nutzen-Kosten-Verhältnis abzuschätzen ist.

Die jeweiligen Nutzungsentgelte spiegeln die tatsächliche Inanspruchnahme

des Dienstes wider und können grundsätzlich nach Pixeln

oder nach Produkt abgerechnet werden. Eine Abrechnung per Pixel,

auf die der Nutzer zugreift, kann für Rasterdaten (Karten) implementiert

werden, da hier die Interaktionen des Nutzers mit der Karte (Verschieben,

Vergrößern etc.) berücksichtigt werden können. Betrachtete

Sachdaten (eine Tabelle zum Wohnumfeld einer Adresse beispielsweise)

werden hingegen pro Produkt (oder pro Klick) abgerechnet.

Die Höhe der Nutzungsentgelte für die abgerufenen Geoinformationen

muss der Betreiber unter Berücksichtigung des Preisniveaus

der jeweiligen Datenanbieter festlegen, ohne aber die Zahlungsbereitschaft

der Anwender insgesamt zu übertreffen.

Um den Kunden den Nutzen der Anwendung erproben zu lassen,

kann sich ein Probebetrieb anbieten, der pro forma Nutzungsgebüh-

- 63 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Tarifierungsmodell

Nutzungsentgelte


en abrechnet. In diesem Fall kann der Kunde Kosten und Nutzen

miteinander vergleichen, um zu entscheiden, ob sich der Einsatz des

Systems für ihn lohnt.

Bei einem privat betriebenen GDI-Portal müssen die Betreiber den

Aufbau der technischen Infrastruktur finanzieren. Diese Investitionen

können durch Gewinnerträge bei Betrieb des GDI-Portals refinanziert

werden. Durch den komponentenbasierten und standardbasierten

Aufbau können die Bestandteile der technischen Infrastruktur zudem

mehrfach eingesetzt werden, wodurch sich hohe Anfangsinvestitionen

relativieren (Re-Use). So kann beispielsweise ein WMS (Web Map

Service), der relativ anwendungsunabhängige Basisdaten anbietet,

auch in andere branchenspezifische GDI-Portale integriert werden.

Denkbar wäre zudem die finanzielle oder materielle (z. B. in Form von

Software oder Daten) Unterstützung von Aufbau und Betrieb des GDI-

Portals durch einen Sponsor. Der Betreiber begibt sich damit jedoch

auf eine Gratwanderung zwischen eigener Neutralität und Abhängigkeit

vom Geldgeber.

Die Zahlungsbereitschaft der Kunden definiert den erzielbaren Umsatz

des Betreibers des GDI-Portals. Für die Bereitstellung der Infrastruktur

sowie die Koordinationsleistung zur Ermöglichung des Zugangs zu

Daten und Diensten bezieht der Betreiber vom Kunden Entgelte. Von

diesem Umsatz muss der Betreiber seine Betriebskosten finanzieren

und eine Umsatzbeteiligung an die Anbieter der Daten und Dienste

abführen. Die Abrechnung zwischen Datenanbieter und Portalbetreiber

sollte erst bei Bezahlung des Kunden für einen erfolgten Zugriff

auf Geodaten bzw. Geodienste über das GDI-Portal geschehen, so

dass auch der Datenanbieter einen Teil des Risikos der Unternehmung

trägt. Das bedeutet, der Betreiber ist nicht verpflichtet, zunächst

den gesamten Datenbestand der Datenanbieter zu kaufen, sondern

führt statt eine Umsatzbeteiligung an die Datenanbieter ab.

Der Anreiz für Anbieter von Geodaten und Geodiensten besteht darin,

dass diese über GDI-Portale neue Kunden erreichen können, die zuvor

keine Geoinformationen einsetzten. Dabei bezieht sich der Datenbedarf

eines Immobilienbewerters sowohl auf öffentliche als auch auf private

Quellen. Für die erforderlichen amtlichen Geobasisdaten müssen beispielsweise

die Landesvermessungsbehörden der Länder zur Teilnahme

an der GDI bewegt werden, Kommunen wiederum halten die

Bebauungspläne vor. Ökonomische und soziodemographische Daten

hingegen sind überwiegend von privaten Anbietern zu beziehen.

Um an der GDI über die Bereitstellung ihrer Produkte teilzunehmen,

fordern die Geodaten- bzw. Geodienstanbieter die Gewährleistung

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Finanzierung

Zahlungsbereitschaft

der Nutzer

Anreize für Anbieter von

Daten und Diensten

Sicherheit


der Sicherheit ihrer Daten bei deren Angebot über GDI-Portale. Daher

kann sich eine Zugriffskontrolle anbieten, die zudem eine Kundenanalyse

ermöglicht.

Die Abrechnung muss aus ihrer Sicht auch für Datenanbieter transparent

sein. Darüber hinaus bestehen oftmals spezifische Anforderungen

hinsichtlich der Struktur der anderen Geodatenanbieter in einem

GDI-Portal sowie die der angesprochenen Kunden, der Etabliertheit

des Portals und der Präsentation der Daten.

Mit dem Angebot an Daten und Diensten muss ein marktgerechtes und

im GDI-Portal abbildbares Nutzungsmodell verbunden sein. Im Fall

des Immobilien-Portals sind einfache Rechte, bei denen der Kunde

die Daten nur intern verwendet, zu unterscheiden von erweiterten Nutzungsrechten,

die dem Anwender eine Weiterverwendung der Daten

für interne und externe Exposés oder Broschüren erlauben. Diese

Möglichkeit wird von den meisten Anwendern ausdrücklich gefordert.

Auch die Anbieter von Daten müssen für eine Teilnahme an einer GDI

investieren. Der Aufbau von Geodiensten sowie die Sicherstellung einer

konstanten Betriebsbereitschaft dieser Dienste sind dabei zu finanzieren.

Die Refinanzierung kann über eine Umsatzbeteiligung erfolgen.

Aus dem Modell einer GDI für Immobilienbewerter lassen sich die

folgenden Erfolgsfaktoren ableiten:

• Aufbau einer GDI, die auf einen spezifischen Bedarf der Nutzer

nach einer Nutzung von Geoinformationen reagiert und deren

Anforderungen erfüllt, da die Anwender nur dann bereit sind, für

diese Dienstleistung zu zahlen.

• Erfüllung der Anforderungen der Anbieter der Daten und Dienste –

sowohl öffentlicher als auch privater Anbieter –, so dass diese ihre

Produkte zur Anbindung an die GDI zur Verfügung stellen.

• Gesicherte Finanzierung von Aufbau und vor allem vom Betrieb

des GDI-Portals, um den Kunden eine zuverlässige Betriebsbereitschaft

garantieren zu können.

• Berücksichtigung der GDI-Komponenten beim Aufbau der technischen

Infrastruktur, um durch eine Erweiterung oder Anpassung

der Lösung flexibel und rasch auf neue technische Möglichkeiten

oder einen geänderten Kundenbedarf, wie z. B. bei Erweiterung

der Zielgruppe auf Immobilienmarktforscher, reagieren zu können.

Die Erfolgsfaktoren verdeutlichen, dass eine marktgerechte GDI die

konsequente Zusammenarbeit von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung

erfordert.

- 65 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Fallbeispiel für eine Geodateninfrastruktur

Abrechnung

Einfaches Nutzungsmodell

Erfolgskriterien des

Geschäftsmodells


5 Nutzen und Wertschöpfung durch

Geodateninfrastrukturen

5.1 Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette

Im Folgenden werden zunächst die Wertschöpfungsmöglichkeiten

durch GDI entlang der Wertschöpfungskette für Geodaten- und Geodienstanbieter

generell am Geoinformationsmarkt sowie für Betreiber

von GDI-Portalen explizit erläutert.

Mehrwerte entlang der Wertschöpfungskette für Akteure einer GDI

Daten- und

Dienstanbieter

Datenproduktion

Veredelung

und Kombination

von Geoinformation

Betreiber des

GDI-Portals

- 66 -

Beratung

und Vertrieb

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen

Anwender

Die Wertschöpfung der Anbieter von Geodaten und Geodiensten am

Geoinformationsmarkt besteht im Wesentlichen in der Bereitstellung

dieser Daten und Dienste als Rohstoff für den Geoinformationsmarkt.

Dies ermöglicht öffentlichen und privaten Anbietern, Mehrwerte

zu erzielen und ist wesentliche Voraussetzung für den Aufbau und

Betrieb von Geodateninfrastrukturen.

Um ihre Geodaten in GDI-Portalen anbieten zu können, müssen geeignete

Geodienste entwickelt werden. Diese Investitionen lassen sich

jedoch durch Skalierungseffekte minimieren, da einmal aufgebaute

Geodienste mit verschiedenen GDI-Portalen verknüpft werden können.

Die Betreiber von GDI-Portalen schaffen die eigentliche Wertschöpfung

einer GDI: Sie stellen die Geodaten und -dienste der

Anbieter in einem Portal so bereit, dass Kunden aus deren Einsatz

einen Nutzen ziehen können. Für Dienstleister eröffnet sich durch

GDI-Technologie ein neues Geschäftsfeld, in dem das Erzielen von

Umsätzen möglich ist. Erst durch die Existenz der GDI-Technologie

wie Geodienste oder Geo-Portale und der entsprechenden Standards

können Betreiber GDI-Portale zu einem marktgerechten Preis

realisieren und anbieten.

Wertschöpfungs-

möglichkeit für Anbieter

von Daten und Diensten

Wertschöpfungs-

möglichkeit für Betreiber

von GDI-Portalen


Finden sich geeignete Geodatenanbieter, die ihre Produkte Online

über Geodienste zur Verfügung stellen, so lassen sich zudem neue

Kundengruppen erreichen, die zuvor keine Geoinformationen einsetzen

konnten oder wollten. Die hinter GDI stehenden Technologien,

wie Clients, GeoPortale und Geodienste, verbergen dabei die Komplexität

des Systems vor dem Nutzer, d. h. es können eine Vielzahl

von Kunden angesprochen werden, die weder mit GIS noch mit Geoinformation

umgehen können. Eine Nutzung von Geodaten wird auf

diesem Wege für neue Anwender einfacher, effektiver, preisgünstiger

und somit attraktiver.

Der Mehrwert eines GDI-Portals liegt dabei nicht in der bloßen Weitergabe

der Geodaten, sondern in der Optimierung bzw. Automatisierung

der Kundenprozesse. Generell werden die Mehrwerte, die durch

einen Betrieb anwenderspezifischer GDI-Portale erreicht werden

können, von den Experten höher eingeschätzt als bei generischen

GDI-Portalen, die grundlegende Daten für den „allgemeinen“ Anwender

anbieten.

Existierende Portale zum Online-Vertrieb von Geodaten werden von

den Betreibern oftmals als sehr erfolgreich beschrieben. Außenstehende

Vertreter der Geoinformationsbranche hingegen berichten,

dass die Wertschöpfungen meist keineswegs so positiv ausfallen,

wie von den Betreibern dargestellt. Häufig wird betont, dass bisher

noch keine erfolgreichen Geschäftsmodelle zum Online-Vertrieb von

Geodaten existieren und nirgendwo Kunden in ausreichender Zahl

erreicht werden können, vor allem da das Angebot dieser generischen

Geo-Portale an – letztlich nicht existierende – „allgemeine“ Anwender

richtet. Oftmals sind bestehende Portale (noch) nicht darauf angewiesen,

kostendeckend zu arbeiten, da sie von öffentlichen Geldgebern

oder Geldern der GI-Branche unterstützt werden.

5.2 Nutzen von Geodateninfrastrukturen für Endkunden

Welcher Nutzen ist jedoch tatsächlich mit einer GDI erzielbar? Hier

steht zunächst der Kundennutzen im Mittelpunkt, da sich daraus die

Zahlungsbereitschaft ergibt, die wiederum die Grundlage für die Refinanzierung

der GDI bildet.

Wie bei der beschriebenen GDI für Immobilienbewerter veranschaulicht,

ermöglichen GDI generell, Zeit und Kosten bei Datenbeschaffung und

Dateneinsatz einzusparen. Der Anwender kann so Geoinformationen

effektiv in seinen Arbeitsabläufen einsetzen und in Folge davon Entscheidungsgrundlagen

verbessern und Geschäftsprozesse optimieren.

- 67 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen


Durch Zugriff auf Geoinformationen über eine GDI lassen sich beim

Kunden finanzielle und zeitliche Ressourcen der Datenbeschaffung

einsparen. Da die Daten beim originären Anbieter vorgehalten werden,

erübrigen sich teure Datenkäufe und die zeit- und kostenaufwändige

Integration der Daten in ein lokales System, bei der Konvertierungen

von Daten häufig mit Informationsverlusten verbunden sind und bei

jeder Aktualisierung der Daten erneut vorgenommen werden müssen.

Die Transaktionskosten, die von der Anfrage nach Daten bei einem

Anbieter bis zum Erwerb der Nutzungslizenzen anfallen, lassen sich

durch einen direkten und vor allem bedarfsnahen Zugang zu den

Daten über GDI-Portale minimieren. Außerdem muss nicht mehr ein

kompletter Datensatz erworben werden, sondern der Zugriff kann nur

auf den für die zu lösende Aufgabe benötigten thematischen wie geographischen

Datenausschnitt erfolgen.

Der Anwender kann sich so auf eine Nutzung der Geodaten konzentrieren,

anstatt seine Zeit mit Datensuche oder langwieriger Integration

zu verbringen. Insbesondere für GIS-Laien wird durch den im Vergleich

zum konventionellen Weg geringeren Aufwand für die Datenbeschaffung

eine Nutzung von Geoinformationen erst interessant.

Eine Anschaffung teurer Software für den Umgang mit Geoinformationen

(u. a. Geoinformationssysteme, Datenbanken) ist nicht notwendig.

Da die GDI-Technologie die Komplexität einer GDI vor dem

Anwender verbirgt und die Anwendungen dem Anspruch einer intuitiven

Bedienbarkeit genügen (sollten), erübrigen sich aufwändige Ausbildungen

zur Nutzung.

Bei Fachanwendern, die aus Geodaten veredelte Geoinformationsprodukte

erstellen, können sich diese Einsparungen beim Zugriff auf

Geodaten in höheren Gewinnen auswirken. Die Produktpreise für

Kunden könnten dadurch gesenkt werden, was eine vermehrte Nachfrage

nach derartigen GI-Produkten und wiederum eine größere Wertschöpfung

bei den Fachanwendern zur Folge haben könnte.

Vor diesem Hintergrund eröffnet sich auch für öffentliche Anwender,

beispielsweise für Kommunen, denen keine Ressourcen zur

Anschaffung teuerer Software, Daten und Know-how zur Verfügung

stehen, durch GDI eine günstigere Möglichkeit der Nutzung von Geoinformation,

um ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. Für 90 % der

Anwendungsfälle von GIS bzw. Geoinformation in Kommunen sind

Auskunftslösungen, wie sie GDI-Portale ermöglichen, ausreichend. 19)

19) BABL und HUBER, 2004, 4

- 68 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen

Einsparungen an Zeit

und Kosten


Eine Evaluierung einer GDI-Lösung für kommunale Baugenehmigungsverfahren

im Rahmen eines Forschungsprojektes der Technischen

Universität München bestätigt den Nutzen derartiger Auskunftslösungen

für Gemeinden. 20) Ein Schweizer Unternehmen betreibt

zudem erfolgreich GDI-ähnliche Lösungen zur Baukoordination für

Kommunen, die der Gemeinde über eine Beauskunftung von Geodaten

Einsparungen bei den Prozesskosten ermöglichen. Auch das Auskunftssystem

des Wupperverbandes demonstriert den Nutzen einer

derartigen GDI-Lösung für die Verwaltung als Anwender.

Neben Einsparungen bei Zeit und Kosten liefert der effektivere

Zugang zu Geoinformationen über GDI-Portale die Möglichkeit, Entscheidungsgrundlagen

in Geschäftsprozessen zu verbessern. Der

Nutzen liegt insbesondere darin, dass sich zum einen aufgrund verbesserter

Informationsgrundalgen Fehlinvestitionen vermeiden lassen

und zum anderen durch optimierte Prozesse Produktivitätssteigerungen

erreicht werden können.

Eine Geodateninfrastruktur ermöglicht den Kunden durch eine

Haltung der Daten beim Anbieter einen effektiven Zugriff auf verteilt

vorliegende, aktuelle und – je nach Ausrichtung der GDI – flächendeckend

verfügbare Geoinformationen. Dabei hat gerade die Aktualität

und die flächendeckende Verfügbarkeit der Geodaten aus einer GDI

für Anwender besondere Bedeutung. Der Anwender kann diese dann

je nach zu lösender Fragestellung im Client frei kombinieren, um neue

Informationen abzuleiten und Entscheidungen zu treffen.

Dieser flexible Einsatz einer GDI ermöglicht Anwendern problemorientiert

und ihrer spezifischen Aufgabe entsprechend auf Geodaten

zuzugreifen und ohne dabei vom Angebot bestimmter Datenanbieter

abhängig zu sein.

5.3 Anreize einer Teilnahme an einer GDI für die Akteure

Welche Anreize für die weiteren Akteure bestehen, sich an Aufbau und

Betrieb einer GDI zu beteiligen, wird im Folgenden zusammengefasst:

Diese Zahlungsbereitschaft der Endkunden kann sich in einem

Anstieg der Nachfrage nach einem Zugriff auf Geoinformationen bzw.

Geodienste über GDI-Portale niederschlagen, da zum einen bestehende

Kunden diese Dienstleistung häufiger in Anspruch nehmen

möchten und zum anderen damit neue Kunden gewonnen werden

20) Vgl. AUMANN et al, 2004, 51 ff

- 69 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen

Verbesserung der Ent-

scheidungsgrundlagen

Anreize für Betreiber

von GDI-Portalen


können. Für Betreiber von GDI-Portalen kann es sich daher lohnen,

solche Anwendungen aufzubauen, um Nachfrage zu generieren und

dadurch Umsätze zu erzielen.

Geodaten über das GDI-Portal, die die Anforderungen der potenziellen

Anwender erfüllt. Vor allem im Erreichen neuer Nutzer, die bisher

keine Geoinformationen einsetzen, liegt für Betreiber von GDI-Portalen

der monetäre Anreiz.

Die Bereitschaft der Kunden für die Dienstleistung GDI-Portal zu

zahlen, macht für Anbieter von Geodaten und Geodiensten ein

Angebot ihrer Produkte in einem derartigen Portal attraktiv. Ein Anreiz

der Teilnahme an einer GDI liegt in der Senkung der Vertriebskosten,

da bestehende Kunden über GDI-Portale preisgünstiger zu bedienen

sind, als über einen konventionellen Vertrieb von Geodaten. Einsparungen

ergeben sich hierbei insbesondere dadurch, dass bei einem

Online-Angebot keine persönliche Bearbeitung der Kundenanfragen

notwendig ist. Dies trifft vor allem auf öffentliche Datenanbieter zu, die

oft mit zahlreichen ähnlichen Anfragen zu tun haben.

So verdeutlichen erste positive Erfahrungen mit dem Lösungen wie

dem BayernViewer-agrar die Möglichkeit, Kosten im Vertrieb zu minimieren.

Auch bei Datenerhebung und -fortführung wären Einsparungen

durch GDI denkbar. Diese sind allerdings nur dann realisierbar,

wenn Geodaten flächendeckend, also auch von anderen Anbietern,

über GDI zur Verfügung stehen. Insbesondere bei öffentlichen Anbietern

ließe sich in diesem Fall eine redundante Erfassung der Geodaten

vermeiden. Zudem könnten Geodaten so einfacher mehrfach verwendet

und damit die Datenproduktionskosten verringert werden.

Durch die Möglichkeit, über GDI-Portale neue Kunden zu erreichen,

können Daten- und Dienstanbieter ihre Umsätze erhöhen. Sie profitieren

dabei durch eine Beteiligung am Umsatz ihrer Geodatenprodukte

über das GDI-Portal, die sie mit dessen Betreiber vereinbart haben.

Neben dem Gewinn neuer Kunden kann auch eine gesteigerte Nachfrage

bestehender Kunden nach einem derartigen Zugang zu Geoinformation

zu einer Steigerung der Umsätze beitragen. Dabei können

über GDI-Portale sowohl neue Produkte für neue Kundengruppen auf

den Markt gebracht, als auch etablierte Produkte für neue Kunden

vermarktet werden.

- 70 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen

Anreize für Daten- und

Dienstanbieter


Durch einen effektiveren Vertrieb von Geodaten über GDI besteht für

Datenanbieter somit die Chance, zusätzlich einen Massenmarkt mit

Geoinformationen zu bedienen, statt sich wie bisher ausschließlich auf

die projektbezogene Bereitstellung von Geodaten zu konzentrieren.

Insgesamt wird damit deutlich, dass eine marktgerechte GDI zu einer

win-win Situation für alle Beteiligten führen kann.

Anreize, Nutzen und Wertschöpfung durch eine Teilnahme an einer GDI

Anreiz

für Anwender

Bessere

Arbeitsergebnisse

Einsparungen bei

Datenbeschaffung

und -nutzung

Nutzen

für Anwender

Nutzung von

Geoinformation

über GDI-Portale

Anwender nutzen

GDI

Anreiz für Betreiber

von GDI-Portalen

Erzielen von

Umsätzen

Wertschöpfung

der Betreiber

Bereitstellung

von GDI-Portalen

Teilnahme an einer Geodateninfrastruktur

Betreiber entwickeln

GDI-Portale

- 71 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Nutzen und Wertschöpfung durch Geodateninfrastrukturen

Anreiz für Datenund

Dienstanbieter

Kostensenkungen

beim Datenvertrieb an

bestehende Kunden

Umsatzsteigerungen

durch neue Kunden

Wertschöpfung

der Betreiber

Bereitstellung

geeigneter Geodaten

und Geodienste

Anbieter stellen

Geodaten über

Geodienste bereit


6 Barrieren und Handlungsempfehlungen

6.1 Barrieren von Aufbau, Betrieb und Nutzung einer GDI

Die Studie zeigt, dass durch die Einrichtung von GDI erheblicher

Nutzen und hohe Wertschöpfung erzielt werden können. Derzeit

behindern jedoch einige Barrieren auf Seiten der Akteure den Aufbau

und Betrieb einer langfristig tragfähigen Geodateninfrastruktur. Daher

wird im folgenden aufgezeigt, welche Barrieren es seitens der Akteure

zu überwinden gilt, um die Potenziale von GDI zu erschließen, und

darauf aufbauend werden Handlungsempfehlungen für Entscheider in

Politik, Wirtschaft und Verwaltung abgeleitet.

Daten- und Dienstanbieter

Die öffentlichen und privaten Anbieter von Daten und Diensten

stehen zum einen Barrieren einer Bereitstellung der Geodaten über

Geodienste in GDI-Portalen gegenüber; zum anderen behindert die

mangelnde Berücksichtigung der Kundenanforderungen oftmals eine

breite Nutzung der Geodaten.

Vielfach sind Daten noch nicht in digitaler Form vorhanden, um diese

über Geodienste in Online-Portalen anbieten zu können. Insbesondere

kleinere Kommunen verfügen nicht über die Ressourcen, digitale

Daten bereit zu stellen. Bei digital vorliegenden Geodaten fehlen

oft die dazugehörigen Metadaten, die für ein Angebot über Portale

essenziell sind, da sie dem Kunden eine Suche nach geeigneten

Daten ermöglichen.

Eine mangelnde Implementierung von Standards beim Aufbau von

Geodiensten erschwert dem Betreiber die Integration der Datenquellen

in GDI-Portale. Neben diesen datentechnischen Hindernissen, wollen

öffentliche, aber auch private Anbieter ihre Daten oftmals nicht über

Internet-Portale bereitstellen. Zum einen aus Angst, die Daten könnten

bei einer Publikation im Internet trotz Sicherheitsvorkehrungen missbraucht

werden, zum anderen bremsen besonders bei öffentlichen

Anbietern Datenschutzauflagen die Initiativen einzelner Behörden.

Private Datenanbieter bevorzugen vielfach einen direkten Kontakt zum

Kunden, um ihm auf diesem Wege eine Dienstleistung zu verkaufen.

Denn der eigentliche Datenvertrieb leistet meist nur einen geringen

Beitrag zum Geschäft privater Datenanbieter. Vor diesem Hintergrund

besteht oftmals wenig Interesse, die Daten online bereitzustellen.

Neben den eben genannten Barrieren im Hinblick auf die Bereitstellung

der Daten, behindert ein nicht marktgerechtes Angebot die

- 72 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Barrieren der Bereit-

stellung von Geodaten

und Geodiensten

Barrieren der Nutzung der

Geodaten und Geodienste


Datennutzung. Bestehende Angebote entsprechen vielfach nicht den

Anforderungen der Nutzer, unter anderem hinsichtlich des Inhalts, der

flächendeckenden Verfügbarkeit, der Genauigkeit, der Qualität oder

Aktualität.

Inhomogene Datenbestände erschweren die Kombination verschiedener

Datenquellen schließlich in Portalen. Vor allem bei öffentlichen

Geodaten bereitet die unterschiedliche Semantik von gleichen

Datensätzen aus verschiedenen Quellen und das Fehlen verbindlicher

Abbildungsvorschriften dem Anwender bei einer Interpretation

der Daten Probleme. Verschiedene Datenmodelle, Inhaltsgenauigkeiten,

Symbologien etc. beeinträchtigen eine effektive Nutzung von

Geobasisdaten aus verschiedenen Quellen über eine GDI. Dies ist

im wesentlichen eine Folge der dezentralen Aufgabenwahrnehmung

innerhalb der föderalen Strukturen in Deutschland. Davon betroffen

sind öffentliche ebenso wie private Portalbetreiber, die Kunden

mit länderübergreifendem Datenbedarf gewinnen möchten. Das

Problem ist dabei weniger der Föderalismus an sich, sondern eher

die mangelnde Bereitschaft der öffentlichen Datenanbieter, untereinander

zu kooperieren.

Darüber hinaus behindern nicht nur in Deutschland zudem komplexe

Nutzungsregelungen und Preismodelle die Verwendung von

Geodaten in bzw. aus GDI-Portalen. Sie wirken sich zum einen restriktiv

im Hinblick auf die Kundengewinnung aus. Zum anderen sind

komplexe Gebührenmodelle oftmals kaum abbildbar und führen zu

erheblichem Abrechnungsaufwand, insbesondere dann, wenn Daten

und Dienste verschiedener Anbieter kombiniert werden. Aufgrund

der föderalen Strukturen muss ein überregionales Portal nicht nur

die komplexen Gebührenstrukturen eines sondern gleich mehrerer

Anbieter abbilden.

Neben dem Föderalismus ist das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage,

die den Zugang zu digitalen Daten vereinfacht, eine weitere politische

Barriere: Die Schaffung geeigneter gesetzlicher Rahmenbedingungen

könnte hier Abhilfe schaffen.

Betreiber der GDI-Portale

Die Hindernisse auf Seiten der Betreiber der GDI-Portale, die sich

auf die Kunden auswirken, lassen sich in technische und nachfragebezogene

Aspekte unterteilen, die beide eine Bereitstellung der GDI-

Portale und eine Nutzung der GDI erschweren.

21) KOGIS, 2003d, 9

- 73 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen


Erfahrungen in der Schweiz 21) und auch in Deutschland zeigen, dass

in verteilten Systemen Leistungsfähigkeit und permanente Verfügbarkeit

aller technischen Komponenten schwer zu garantieren sind. In

der Praxis kommt es zu Ausfällen bei Servern oder Netzwerken, die

eine Nutzung des Portals einschränken oder sogar ganz unmöglich

machen. Der Online-Datenzugriff selbst ist aus Sicht eines Anwenders

heute noch zu langsam, besonders wenn die grafische Auflösung

der übertragenen Daten so hoch sein soll, dass qualitativ hochwertige

Ausdrucke möglich sind. Der Online-Bezug umfangreicher Datensätze

ist heute nur mit Breitbandtechnologie möglich.

Auch das Problem der Datensicherheit, d. h. der Schutz der Daten vor

Missbrauch, Diebstahl oder Manipulation, ist bei Geodateninfrastrukturen

oftmals noch nicht gelöst. Die Gewährleistung der Sicherheit der

Daten ist aber Grundvoraussetzung für die Bereitschaft der Anbieter,

ihre Geodaten über Online-Portale bereitzustellen.

Zudem werden Standards bei der Einbindung der Geodienste und

dem Aufbau der übrigen technischen Infrastruktur häufig zu wenig

berücksichtigt. Die Ausbaufähigkeit der Infrastruktur und somit die

Reaktion auf neue technische Anforderungen sowie einen geänderten

Bedarf sind dadurch behindert.

Das Angebot in den Portalen erfüllt bisher nicht genügend die Anforderungen

der Nutzer. Dies liegt zum einen an den Datenanbietern, die

nur über wenig nachfragegerechte Produkte verfügen, zum anderen

daran, dass Portalbetreiber selbst bei der Zusammenstellung des

Angebots in ihrem Portal den Anwender zu wenig berücksichtigen.

Vielfach steht die Bereitstellung der Daten im Vordergrund und nicht

die Anforderungen der Anwender, die die Daten dann nutzen sollen.

Insgesamt sind die bisherigen Ansätze stark angebotsgetrieben.

So werden in Portalen oft erklärungsbedürftige Daten angeboten, mit

denen Laien mangels Fachwissen nicht umgehen könnten. Hinzu

kommt eine oftmals kryptsche oder unvollständige Beschreibung der

Produkte. In der Folge ist für Laien bei Internet-Portalen oftmals nicht

erkennbar, welche Daten sie für sie geeignet sind, wie sie diese finden

und was diese kosten. Derzeit kann oftmals nur ein direkter Dialog mit

dem originären Anbieter zu einer Klärung beitragen.

Die Bedienung der bestehenden Portale gestaltet sich häufig komplex,

bei den angebotenen Daten wird außerdem selten der jeweilige

Bedarf von Kunden spezifischer Branchen berücksichtigt. Wie jedoch

die Studie gezeigt hat, ist ein konkreter Branchenbezug wesentlicher

Erfolgsfaktor einer GDI.

- 74 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Technische Barrieren

Barrieren eines markt-

gerechten Angebotes


Hinderlich auf einen internetbasierten Zugriff auf öffentliche Daten

wirken auch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Vermessungsverwaltungen,

die ihre Daten meist über eigene Geo-Portale

anbieten. Die Bereitschaft, diese Daten auch über externe Internet-

Portale wächst zwar zunehmend, da der Bedarf für einen derartigen

Datenbezug bei Kunden erkannt ist, die vielfältigen bestehenden

Ansätze sind jedoch sehr heterogen und führen zu Intransparenz.

Anwender

Auch bei den Anwendern lassen sich Barrieren im Hinblick auf einer

Nutzung von GDI feststellen. Diesen Hindernissen entgegenzuwirken

ist essentiell, denn nur, wenn die Anwender Bedarf nach solchen

Lösungen bekunden, werden die anderen Akteure in den Aufbau und

Betrieb einer derartigen Infrastruktur investieren.

Potenzielle Kunden sind sich häufig kaum über die Möglichkeiten der

Nutzung von internetbasierten Portalen bewusst. In der Folge werden

die Anforderungen der Nachfrage nicht formuliert. Darüber hinaus

ziehen viele Nutzer noch den persönlichen Kontakt dem Online-Bezug

vor, um genau das Geodatenprodukt zu erhalten, das sie benötigen.

Bestehende Geodatennutzer handeln oftmals nach der „Psychologie

der lokalen Daten“. Vielfach misstraut man Standards und akzeptiert

nicht die Vorteile einer verteilten Geodatenhaltung. Die Integration der

Daten im eigenen System wird somit noch von vielen bevorzugt. Dies

steht einer Akzeptanz von GDI entgegen.

6.2 Handlungsempfehlungen

Aufbauend auf den identifizierten Barrieren werden im folgenden

Handlungsempfehlungen an die Akteure des Geoinformationsmarktes

formuliert. Diese Empfehlungen richten sich in erster Linie an Anbieter

von Geodaten und Geodiensten, Betreiber der GDI-Portale sowie an

die Politik, die einen Einfluss auf den GI-Markt ausübt. Ziel der Handlungsempfehlungen

ist die Realisierung des Nutzens und der Wertschöpfungen

durch den Aufbau einer tragfähigen GDI.

Daten- und Dienstanbieter

Die Empfehlungen an die Anbieter von Daten beziehen sich auf technische

Aspekte der Bereitstellung ihrer Daten über Geodienste, auf

die Berücksichtigung der Nachfrager in ihrem Datenangebot sowie auf

die Festlegung ihrer Rolle in einer GDI.

- 75 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Möglichkeiten der Nutzung

nicht bekannt

Misstrauen gegenüber

verteilter Datenhaltung


1. Datenanbieter sollten ihre Daten und Metadaten über standardisierte

Geodienste bereitstellen, um deren reibungslose Anbindung

an GDI-Portale zu erlauben (z. B. OGC WMS). Auch Metadaten

müssen nach Standards erhoben werden, z. B. gemäß der verbreiteten

ISO 19115 Norm, so dass Betreiber diese in einem Metadatenkatalog

für das GDI-Portal ablegen können, um Nutzern eine

Suche nach Daten über Metainformationen zu ermöglichen.

2. Die Datenanbieter sollten garantieren können, ihre Produkte zuverlässig,

dauerhaft und leistungsfähig zur Verfügung zu stellen.

3. Beim Aufbau einer GDI sollten konsequent die Anforderungen

der (potentiellen) Nutzer berücksichtigt werden. Die angebotenen

Daten sollten den Bedürfnissen der jeweiligen Kunden genügen,

vor allem in Bezug auf Qualität, Genauigkeit, Flächendeckung,

Aktualität, Verfügbarkeit sowie generell auf den thematischen

Inhalt der Daten.

4. Um die Anforderung der Nutzer an semantisch einheitliche Geobasisdaten

zu erfüllen, sollten sich öffentliche Anbieter hinsichtlich

der Gestaltung der Objektkataloge und der Symbolisierung der

Geodaten abstimmen. Dieser Aspekt ist besonders für den Aufbau

großflächiger GDI wie die nationale GDI-DE von Bedeutung.

5. Nutzungsrechte und Tarifierungsmodelle sollten besonders von

öffentlichen Datenanbietern vereinfacht werden, um diese in

Online-Portalen abbilden zu können.

6. Preise für öffentliche Daten sollten gesenkt werden, um über ein

GDI-Portal neue Nutzergruppen (GIS-Laien) wie auch neue

Dienstleister, die mit Hilfe der Daten und Geodienste aus der GDI

neue Produkte entwickeln, als Kunden zu gewinnen.

7. Öffentliche und private Anbieter, die nicht ausreichend Fachwissen

zum Aufbau von Geodiensten und nicht die Infrastruktur für einen

permanenten Betrieb (d. h. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die

Woche) aufweisen, sollten diese Aufgabe an einen öffentlichen

oder privaten Partner abgeben.

8. Das bedeutet, öffentliche Datenanbieter sollten sich auf das

Angebot der Rohdaten sowie grundlegender Geodienste konzentrieren.

Für eine weitergehende Veredelung der Rohdaten und

für den Datenvertrieb sollten diese sich Partner suchen, die über

branchenspezifisches vertriebliches Fachwissen verfügen.

- 76 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Daten und Metadaten über

standardisierte Geodienste

bereitstellen

Produkte zuverlässig, dauerhaft

und leistungsfähig zur

Verfügung stellen

Anforderungen der Nutzer

berücksichtigen

Abstimmung der öffentlichen

Anbieter hinsichtlich der Ge-

staltung der Objektkataloge

und der Symbolisierung der

Geodaten

Nutzungsrechte und Tarifierungsmodelle

vereinfachen

Preise für öffentliche Daten

senken

Öffentliche oder private

Partner einbeziehen

Seitens öffentlicher Datenanbieter

auf das Angebot

der Rohdaten sowie grund-

legender Geodienste kon-

zentrieren


Betreiber der GDI-Portale

Die Empfehlungen für Betreiber von GDI-Portalen geben Hinweise

darauf, welche Aspekte es beim Aufbau der Infrastruktur zu beachten

gilt, um einen möglichst großen Nutzen für die Anwender und infolgedessen

möglichst hohe Wertschöpfungen zu ermöglichen.

1. Betreiber sollten anwenderorientierte GDI-Portale aufbauen,

in denen das Geodaten- und das Geodienstangebot auf eine

bestimmte Zielgruppe abgestimmt ist. Wichtig ist es dabei, sich

auf die Optimierung eines Geschäftsprozesses der potenziellen

Kunden durch den Einsatz von Geoinformation zu konzentrieren

und nicht auf die bloße Bereitstellung von Daten. Der kurzfristige

Nutzen kann den Kunden anhand einer direkt auf ihre Anforderungen

zugeschnittenen Lösung besser demonstriert werden, um sie

von einem Einsatz der Anwendung zu überzeugen. Entsprechende

Lösungen sollten außerdem hinsichtlich der Bedienbarkeit und der

Nutzungsmöglichkeiten einfach gestaltet sein. Die Anforderungen

der Anwender sollten dazu von Beginn an, d. h. bereits bei der

Planung eines GDI-Portals, berücksichtigt werden.

2. Neben den Anforderungen der Kunden sollten Betreiber auch die

Anforderungen der Anbieter der Geodaten und Geodienste berücksichtigen,

so dass diese ihre Produkte zur Anbindung an die GDI

zur Verfügung stellen.

3. Beim Aufbau der technischen Infrastruktur einer GDI sollten die

GDI-Komponenten (vor allem Standards) berücksichtigt werden,

um durch Erweiterung oder Anpassung der Lösung flexibel und

rasch auf neue technische Möglichkeiten oder geänderten Kundenbedarf

(z. B. bei Erweiterung der Zielgruppe) reagieren zu können.

4. Die Finanzierung einer privatwirtschaftlichen und auch einer

öffentlichen GDI sollte langfristig gesichert sein, um eine konstante

Betriebsbereitschaft des GDI-Portals gewährleisten zu können.

Die Wirtschaftlichkeit des Systems rechtfertigt sich entweder

selbst oder der Betreiber kooperiert dazu mit einem öffentlichen

oder privaten Sponsor. Das heißt: keine GDI ohne geeignetes

Geschäftsmodell.

5. Wie für Datenanbieter empfiehlt es sich für Portalbetreiber, Partnerschaften

einzugehen. Eine Kooperation mit einem technischen

Partner erleichtert die Bereitstellung der passenden GDI-Technologie

in Ergänzung zum eigenen Branchenwissen. Bei fehlendem

Branchenwissen hingegen kann die Abstimmung des Angebotes

des GDI-Portals in Zusammenarbeit mit einem Kenner der Zielgruppen

besser erfolgen.

- 77 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Anwenderorientierte GDI-

Portale aufbauen

Anforderungen der Anbieter

der Geodaten und Geodienste

berücksichtigen

GDI-Komponenten (vor allem

Standards) berücksichtigen

Finanzierung einer privatwirtschaftlichen

und auch

einer öffentlichen GDI sollte

langfristig sicherstellen

Partnerschaften eingehen


Für die Betreiber öffentlicher GDI-Portale, d. h. in Deutschland auf

Ebene des Bundes und der Länder, lassen sich zusätzliche Empfehlungen

aussprechen. Die Besonderheit dieser öffentlichen Geodateninfrastrukturen

liegt darin, dass diese meist den gesamten Geoinformationsmarkt

der jeweiligen Region (also auf Bundesgebiet bzw.

Landesebene) ansprechen, als Datenanbieter, Kooperationspartner

oder Anwender an der GDI teilzunehmen.

6. Die langfristige Strategie der GDI sollte fokussiert und publiziert

werden, so dass alle Akteure auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Aufwand und Nutzen gilt es dabei allen Beteiligten mitzuteilen.

7. Bestehende öffentliche Initiativen zum Aufbau einer GDI sollten

miteinander kooperieren und koordiniert werden, um Synergien zu

nutzen und Erfahrungen auszutauschen (unter Wahrung des Subsidiaritätsprinzips).

8. Alle Akteure sollten bereits beim Aufbau der GDI berücksichtigt

werden, unabhängig davon, ob deren Teilnahme erst in einem späteren

Implementierungsschritt der GDI erfolgen soll. Insbesondere

der private Sektor sollte von Anfang an, in die Planung der GDI

einbezogen werden, so dass die GDI nicht an deren Praxis vorbeigeht.

Die Kooperation der Akteure untereinander sollte diesbezüglich

gefördert werden. Wichtig ist zum einen, auf horizontaler

Ebene alle Verwaltungsebenen an der GDI zu beteiligen, sei es auf

Ebene des Bundes oder der Länder. Zum anderen ist auch eine

horizontale Kooperation aller Fachbehörden sowie zwischen Verwaltung

und Privatwirtschaft erforderlich.

Politik

Abschließend sind einige Handlungsempfehlungen an die Politik des

Bundes und der Länder gerichtet, die den Aufbau einer GDI durch die

Schaffung der notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie

generell durch finanzielle und ideelle Unterstützung ermöglichen.

1. Die Idee des Aufbaus einer GDI sollte grundsätzlich durch die Politik

unterstützt werden. Insbesondere für die Aufbauphase ist eine finanzielle

Förderung sinnvoll, die dem jeweiligen Betreiber die notwendige

Freiheit gibt, unabhängig zu agieren. Vor diesem Hintergrund

sollte der Aufbau einer Geodateninfrastruktur fester Bestandteil der

eGovernment-Strategie von Bund und Ländern sein.

2. Ausbildung und Forschung im Bereich Geoinformation und Geodateninfrastrukturen

sollten gefördert werden, um eine langfristige

Unterstützung der Konzepte zum Aufbau und zur Nutzung von

GDI zu stützen. Bislang wird nur in wenigen Instituten weltweit

- 78 -

Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Langfristige Strategie

der GDI fokussieren und

publizieren

Kooperationen mit bestehenden

öffentlichen Initiativen

zum Aufbau einer GDI bilden

Alle Akteure bereits beim

Aufbau der GDI berücksich-

tigen

Aufbau einer GDI grundsätzlich

politisch unterstützen

Ausbildung und Forschung

im Bereich Geoinformation

und Geodateninfrastrukturen

fördern


unabhängige Forschung zur Thematik GDI betrieben, die zudem

fast ausschließlich auf die Technologie fokussiert ist und zahlreiche

andere Bereiche, insbesondere wirtschaftliche oder rechtliche

Aspekte, bisher vernachlässigt.

3. Bei den öffentlichen Datenanbietern und speziell im Vermessungswesen

sollten klare Zuständigkeiten geschaffen werden. Die jeweiligen

Betreiber der öffentlichen GDI-Portale sollten mit klaren Verantwortlichkeiten

und Kompetenzen versehen werden.

4. Es empfiehlt sich außerdem, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen,

die insbesondere privatwirtschaftlichen Unternehmen den

Zugang zu und die Nutzung von öffentlichen Geodaten erleichtert.

Fazit

Wenn die dargestellten Handlungsempfehlungen für die verschiedenen

Akteure konsequent umgesetzt werden, können durch dem

Aufbau marktgerechter GDI erhebliche Mehrwerte erzielt werden.

Eine GDI an sich generiert zwar noch keinen Nutzen, sie schafft aber

die notwendigen Rahmenbedingungen, um geodatenbezogene Wertschöpfung

in allen Wirtschaftsbereichen zu ermöglichen.

Damit dies gelingt, ist eine Kooperation von Wirtschaft und Verwaltung

sowie die Berücksichtigung der Anforderungen der verschiedenen

Akteure erforderlich. Auf diese Weise kann der Geoinformationsmarkt

seine dritte Phase erreichen:

Nach dem anfänglichen Spezialistengeschäft für Kunden mit starker

Geodäsie-Affinität steht der Geodatenmarkt in seiner zweiten Phase,

die geprägt ist durch einen fragmentierten Nachfragemarkt, dezentrale

Insellösungen, intransparentes Datenangebot und Datendienstleistern,

deren Geschäft zum Teil auf dieser Marktintransparenz beruht.

In der dritten Phase wird aufgrund funktionierender GDI die reine Verfügbarkeit

der Daten nicht mehr marktbestimmender Faktor sein. Statt

dessen wird die ausreichende Versorgung mit dem Rohstoff „Geodaten“

zu Wachstumsimpulsen in allen Wirtschaftsbereichen führen und

einen Aufschwung für die gesamte Branche ermöglichen.

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Studie: Nutzen von Geodateninfrastrukturen

MICUS Management Consulting GmbH

Barrieren und Handlungsempfehlungen

Bei öffentlichen Daten-

anbietern klare Zuständig-

keiten schaffen

Gesetzliche Grundlage zur

Erleichterung des Zugangs

und der Nutzung von öffentlichen

Geodaten schaffen


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