cd end - matthis nägele architekt berlin barcelona

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cd end - matthis nägele architekt berlin barcelona

El Rompeolas de Barcelona

Start

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Das Ziel dieses Projektes ist es,

die Wiederentdeckung des Rompeolas

als Naherholungsgebiet für Barcelona einzuleiten

und ihn wieder zu dem werden zu lassen,

was er in seinen Anfängen einmal gewesen ist:

der Balkon der Stadt aufs Meer hinaus.

Diplomarbeit von Matthis Nägele

Betreuung Prof. Dr. -Ing. Peter Herrle

Architektur und Stadtentwicklung im globalen Zusammenhang

Fachbereich Architektur

Technische Universität Berlin 2001/2002

© 2002 Matthis Nägele

Kontakt

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Der Ort

Der Entwurf

Das Gebäude

Das Konzept

Die Geschichte

Modellfotos

Textversion

Hilfe für die Animationen

Animation 1 1.39 s

Animation 2 0.35 s

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Luftaufnahme des Hafens aus dem Jahr 1999

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click for zoom

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Blick vom Montjuic auf den Rompeolas

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Blick von der Zugbrücke Porta d’ Europa Richtung Porta Coeli

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Blick über den Rompeolas und das neue Wegesystem, das die Achse der Promenade überlagert

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Hochsteg mit anschließender Aussichtsplattform auf der Hafenseite des Rompeolas

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Der Entwurf - Übersichtsplan mit Wegesystem, Kulturterrasse und neuem Restaurantgebäude

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Blick entlang der Promenade des Rompeolas in Richtung Zugbrücke mit kreuzenden Hochstegen

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uerschnitt durch den Rompeolas mit Blickrichtung Nordost

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Querschnitt durch den Rompeolas mit Blickrichtung Südwest

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Das neue Restaurantgebäude und die Kulturterrasse vom Meer aus gesehen -+

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Open-Air-Kino auf der Kulturterrasse des Rompeolas

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Die zur Promenade hin ausgerichtete Eingangsfront des neuen Restaurantgebäudes

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Blick zurück von der Molenmauer auf das Restaurantdeck und die Promenade

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Animation 2 0.35 s

Ansichten

Längsschnitt

Querschnitt

Grundrisse

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Ansichten von Südost (oben), Nordost und Nordwest

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Längsschnitt

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Querschnitt

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Grundrisse

Service - und Empfangsebene

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Deck 1 : Restaurante

-+ Deck 2 : Terazza - Bar -+

Deck 3 : Mirador

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Service - und Empfangsebene

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Deck 1 : Restaurante

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Deck 2 : Terazza - Bar

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Deck 3 : Mirador

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Die Hafenseite und die Meerseite des Rompeolas

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Das städtebauliche Konzept - die Hafenpromenade um den Port Vell und die Strandpromenade vereinigen sich auf dem Rompeolas

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Besucher des Rompeolas an einem Sonntagnachmittag im Sommer 2001

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Die Barcelonesen beim Sonntagsspaziergang auf dem Rompeolas im Jahr 1929

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Das von 1926 bis 1968 bestehende Leuchtturmrestaurant Porta Coeli am damaligen Endpunkt des Rompeolas

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Die Terrasse des Porta Coeli an einem Sonntagnachmittag im Jahr 1930

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Historische Bilder vom Bau des Rompeolas zwischen 1905 und 1920

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Der Verlauf der Küstenlinie in den Jahren 1822, 1900, 1926, 1969, 1992 und 2002

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Modell 1 : 500

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Inhalt der Textversion

Prolog

Historische Entwicklung des Rompeolas

Annäherung an den Charakter des Ortes

Das städtebauliche Konzept

Verkehrs- und Wegebeziehungen

Freiraum– und Entwurfskonzept

Ausblick

Zur Geschichte der Stadt Barcelona

Städtebau im Barcelona nach 1979

Quellen

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Ein Vorposten im Meer

Ein Feuilletonschreiber der Tageszeitung La Vanguardia hat vor zwei Jahren

eine überaus treffende Beschreibung für den Rompeolas gefunden, als er ihn

als den Balkon von Barcelona aufs Meer hinaus bezeichnet hat....

Nirgendwo sonst kann man besser die intensive Beziehung der Stadt

zu den endlosen Weiten des Mittelmeeres vor ihrer Haustür erfahren als auf

dieser langgezogenen Halbinsel am äußersten Ende der Barceloneta, und

nirgendwo sonst ist man gleichzeitig so weit weg von der Hektik und dem Lärm

der metropolitanen Großstadt.

Der Rompeolas ist das erste, was mit dem Schiff ankommende Reisende

vom städtischen Leben Barcelonas aus unmittelbarer Nähe wahrnehmen können,

und ebenso der Teil der Stadt, der die abfahrenden Schiffe am weitesten

aufs Meer hinaus begleitet.

Seit einiger Zeit ist der “Balkon“ jedoch mehr und mehr zum “schönsten Parkplatz“

von Barcelona geworden. Das Ziel dieses Projektes ist es, das enorme Potential

des Rompeolas besser nutzbar zu machen und ihn wieder zu einem Vorposten

des vielfältigen Lebens von Barcelona im Meer werden zu lassen.

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Historische Entwicklung des Rompeolas

Der Leuchtturm kurz nach seiner Fertigstellung im Jahre 1929

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Der Rompeolas (spanisch für Wellenbrecher) ist eine dem Hafen vorgelagerte

langgestreckte Halbinsel, die zum Schutz der am Fuße des Montjuic

vorgenommenen Erweiterungen des Hafens künstlich angelegt wurde.

Sein Bau begann um das Jahr 1900 herum, als der Handelshafen sich noch

weitgehend auf das Gebiet des heutigen Freizeithafens Port Vell beschränkte.

Die Moll de Levant als gebogener Wurmfortsatz der Halbinsel Barceloneta wurde

zunächst um etwas mehr als eineinhalb Kilometer verlängert, wobei hauptsächlich

Material aus Steinbrüchen am Montjuic verwendet wurde.

Am damaligen Endpunkt befand sich ein Leuchtturm mit einem in das Gebäude

integrierten Restaurant, das wegen einer charakteristischen Öffnung in der Decke

Porta Coeli getauft wurde. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet

“Tor zum Himmel“. Das Restaurant war einer der Hauptanziehungspunkte für

die Bevölkerung Barcelonas und benutzte sämtliche um das Gebäude herum

vorhandenen Freiflächen einschließlich der Uferbefestigung als Terrassen zur

Bewirtung seiner enormen Anzahl von Gästen.

Der Rompeolas bestand zu dieser Zeit noch ausschließlich aus einem zwischen

3 und 5 m breiten Damm und einem meerseitig vorgelagerten Befestigungsstreifen

etwa von der Breite des heute existierenden.

Der ca. 100 m breite tieferliegende Teil auf der Hafenseite entstand erst in den

sechziger Jahren. Ursprünglich lag in diesem geschützten Bereich des Hafenbeckens

eine endlos lange Reihe von kleinen Schiffen zur Miesmuschelzucht

vor Anker, deren Erträge dann zumindest zum Teil direkt im benachbarten Porta

Coeli verspeist wurden. Diese gaben dem unteren Bereich auch seinen Namen

Moll Adossat, was so viel heißt wie Mole, die am Rompeolas angelegt hat.

Die Terrassen des Porta Coeli an einem Sonntagnachmittag im Jahr 1930

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Ab 1961 wurde der Damm zu einer 11 m breiten Straße ausgebaut, mit der sich

die Fortbewegung der Besucher zunehmend von den eigenen Beinen auf das Auto

verlagerte. In den Jahren darauf wurde der Rompeolas im Zuge der Erweiterung

des Hafens im Bereich der heutigen Zona Franca um weitere zwei Kilometer

ins Meer hinaus verlängert.

Der Leuchtturm war damit überflüssig geworden und man hatte keine bessere

Idee, als ihn 1968 abzureißen. An derselben Stelle entstand das heute noch

bestehende Restaurantgebäude mit Tiefgarage und reichlich Parkplätzen vor der

Tür, das nicht viel vom alten Flair des Ortes übrig gelassen hat und in dem die

Bewirtschaftung weitgehend in den Innenraum verbannt wurde.

Wohl nicht zuletzt deshalb büßte das neue Porta Coeli im Lauf der Zeit immer

mehr von seiner ehemaligen Popularität ein. Vor zwei Jahren wurde es schließlich

aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Betreiberfamilie geschlossen.

Der Leuchtturm kurz vor seinem Abriss während der Verlängerung der Mole im Jahr 1968 Das heutige Restaurantgebäude, das 1969 errichtet wurde und seit Mitte 2000 leersteht

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Einen positiven Effekt auf die Anziehungskraft des Gebiets hat dagegen die Mitte

der neunziger Jahre begonnene Nutzung der Moll Adossat als Anlegeplatz für

Kreuzfahrtschiffe. Die Ozeanriesen locken eine große Zahl von Barcelonesen

zum Dampfer–Sightseeing auf den Rompeolas und könnten so dem Gebiet bei

entsprechender Steuerung wichtige Impulse geben.

Im Moment gibt es drei Abfertigungshallen, die aufgrund von Kapazitätsproblemen

im eigentlichen Passagierhafen am World Trade Center hier geschaffen

wurden. Da die Attraktivität von Barcelona als Anlaufplatz zu einer rasant steigenden

Nachfrage führt, werden in nächster Zeit noch weitere Abfertigungsmöglichkeiten

hinzukommen. Die Nutzung der Moll Adossat als Teil des Frachthafens wird sich

dann auf den Bereich südwestlich des Porta Coeli beschränken.

Einen entscheidenden Einschnitt im wahrsten Sinne des Wortes stellt der für

dieses Jahr geplante Durchbruch einer neuen Hafenöffnung auf Höhe der Moll de

Levant zwischen Rompeolas und Barceloneta dar. Dieser wird aus der bisherigen

Halbinsel eine Insel machen. Die Anbindung an die Stadt soll dann nur noch über

die im Sommer 2000 eingeweihte Porta d’ Europa erfolgen. Diese neue Zugbrücke,

die den Rekord als größtes bewegliches Brückenbauwerk Europas hält, verbindet

den Rompeolas mit der Moll de Ponent unterhalb des Montjuic. Damit verkürzt sich

die Distanz zum Port Vell auf ungefähr die Hälfte.

Die Barceloneta wird jedoch sehr zum Ärger vieler ihrer Bewohner die direkte

Verbindung mit dem Rompeolas verlieren. An ihrem zukünftigen Endpunkt soll

der neue Fischereihafen entstehen und direkt dahinter baut Bofill auf einer über

40.000 qm großen ins Meer hinein aufgeschütteten Fläche ein 100 m hohes

Hotelhochhaus, sozusagen als “Fahnenmast“ für die neue Hafeneinfahrt. Um

dieses herum soll ein Gebäudekomplex mit einer Bruttogeschossfläche von 82.000

qm entstehen, der sich in der Höhe am gegenüberliegenden World Trade Center

auf der Moll Barcelona orientiert. Das gesamte Projekt soll bis 2006 fertiggestellt

werden.

Die im Juni 2000 eingeweihte Zugbrücke Porta d’ Europa und

ein Modell des auf der Barceloneta im Bau befindlichen Projektes von Bofill

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Annäherung an den Charakter des Ortes

Grundlage der weiteren Überlegungen ist, dass es in Barcelona gegenwärtig

zwei sehr unterschiedliche direkt ans Meer angrenzende Gebiete mit vielfältigen

Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung gibt, die beide großen Zuspruch sowohl durch

die einheimische Bevölkerung als auch durch Touristen erfahren.

Zum einen gibt es den alten Hafen, den Port Vell mit dem Einkaufs- und

Vergnügungszentrum Maremagnum als Hauptanziehungspunkt. Dieser ist umgeben

von einer von der Barceloneta bis zur Moll Barcelona mit dem World Trade Center

reichenden breiten Flanierzone, die in vielen Abschnitten den Charakter eines

großzügig angelegten Platzes hat.

Zum anderen beginnt an der dem offenen Meer zugewandten Seite der

Barceloneta eine breite Strandpromenade, die sich bis zur drei Kilometer

nordöstlich des Port Olímpic gelegenen Platja Mar Bella fortsetzt. Diese wird in den

nächsten Jahren bis zum Gebiet des Forums 2004 und über den die Stadtgrenze

bildenden Rio Besós hinweg in den Nachbarort Sant Adria de Besós verlängert

werden, womit eine durchgehende Verbindung für Fußgänger und Radfahrer

entlang der Küste in die Nachbarstadt Badalona entsteht.

Mein Untersuchungsgebiet - der Rompeolas - bildet eine Verlängerung dieser

beiden sehr unterschiedlichen Stadträume in das südwestlich der Stadt gelegene

Hafengebiet hinein und ist dabei gleichzeitig ihr absoluter Endpunkt. Auf seinem

höhergelegenen Teil vereinigt er den Charakter einer Strandpromenade, der von

der Weite des offenen Meeres geprägt ist, mit der spezifischen Faszination einer

Hafenpromenade und besitzt dadurch eine einzigartige räumliche Qualität.

Der zentrale Aspekt des Entwurfs ist es, diese bereits vorhandenen “zwei Seiten“

des Rompeolas in ihrer Intensität zu stärken und für seine Besucher erfahrbar zu

machen.

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Blick vom Rompeolas auf den Containerhafen in der Zona Franca

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass neben dem Rompeolas und den

Aussichtspunkten auf dem Montjuic kein weiterer öffentlicher Ort existiert, von dem

aus man einen Einblick in das riesige Gebiet des Frachthafens, die Zona Franca,

bekommen kann. Diese ist aufgrund ihres Status als Freihandelszone für Besucher

nicht zugänglich und liegt wie ein Fremdkörper in der Stadt, obwohl sie direkt an

die Altstadt angrenzt. Hier am Kontrollpunkt der Zona Franca - keine 500 m von

der Säule des Cristobal Colon am Ende der Ramblas entfernt - ist Barcelona

gewissermaßen zu Ende, während am anderen Ende der Stadt in ungleich größerer

Entfernung zum Zentrum enorme Anstrengungen unternommen werden, den

Küstenbereich als Naherholungsraum zu erschließen.

Das langfristige Ziel muss es sein, für die Stadt möglichst viel von diesem

abgeschotteten Gebiet zurückzuerobern und den Freihafen stadtverträglicher an

die Stadt anzubinden.

Im Moment besteht jedoch die Gefahr, dass das Gegenteil passiert. Mit dem

Niedergang des Rompeolas in den letzten Jahren und mehr noch mit seiner

Abnabelung von der Barceloneta durch den Durchbruch der neuen Hafeneinfahrt

könnte die Notwendigkeit seiner öffentlichen Zugänglichkeit von der Hafenverwaltung

grundsätzlich in Frage gestellt werden. Für sie stellt die Freigabe

der Zugbrücke für die Öffentlichkeit ein Problem dar, weil dadurch umfangreiche

Änderungen in der Infrastruktur und Organisation des Freihafengebiets erforderlich

werden.

Zur Vermeidung einer solchen Entwicklung ist die Verbesserung der Nutzbarkeit

des Gebiets als Freizeit- und Naherholungsbereich von entscheidender Bedeutung.

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Städtebauliches Konzept

Meine Planung beinhaltet als erste Maßnahme eine Verlängerung der

obengenannten Hafenpromenade um den Port Vell über die Moll de Barcelona

hinaus bis zur Moll de Ponent, auf der sich die Zugbrücke befindet. Dabei könnte

ein ähnlich attraktiver Stadtraum entstehen wie am anderen Ende der

Hafenpromenade auf der Barceloneta. Dieser würde durch die Porta d’ Europa

getaufte Brücke eindrucksvoll abgeschlossen und diese wiederum wirkungsvoll

in das Ensemble des für Barcelona emblematischen Stadtraumes des Port Vell

eingebunden.

Ein weiteres Problem, das dadurch gelöst werden könnte, ist der in diesem

Bereich sehr ungenügende Anschluss der Stadt an die vor einigen Jahren mit

großem Aufwand geschaffenen Grünanlagen auf dem Montjuic. Dieses Gebiet gilt

vor allem nachts als eines der gefährlichsten von ganz Barcelona, weil es durch

den davor liegenden Freihafen völlig vom öffentlichen Stadtleben abgeschnitten ist.

Dies würde sich durch die Ausweitung des bis spät in die Nacht belebten Bereichs

des Port Vell bis unmittelbar unter den Montjuic ändern.

Die Porta d’ Europa selbst wird als größte Zugbrücke von Europa nach ihrer

Freigabe für die Öffentlichkeit eine nicht unbedeutende Touristenattraktion werden,

da der Ausblick auf das Stadtpanorama und den Hafen bei ihrer Überquerung

aufgrund ihrer Höhe äußerst eindrucksvoll ist.

An die Verlängerung der Hafenpromenade schließt sich - über die

Porta d’ Europa verbunden - die langgestreckte Insel des Rompeolas an.

Hier basiert meine Planung auf einer Stärkung seiner zuvor beschriebenen zwei

charakteristischen Seiten, der Hafen- und der Meerseite.

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Auf der Hafenseite sollen die Eingriffe die Erfahrbarkeit des Kreuzfahrthafens

verstärken und das Gebiet zu einer Fortsetzung des Bereichs um den Port Vell

machen, wo die dort befindlichen Anlegeplätze für die Linienschiffe zu den Balearen

zu einem der eindrucksvollsten Bestandteile der Hafenpromenade gehören.

Auf der anderen, dem offenen Meer zugewandten Seite soll eine Strandpromenade

entstehen, die den für Freizeitaktivitäten bestens erschlossenen

östlichen Küstenbereich mit seinen Badestränden bis weit in den Handelshafen

hinein verlängert und gleichzeitig dessen ringsum vom Meer begrenztenEndpunkt

darstellt. Hier können besondere Bedürfnisse wie beispielsweise nach Angelsportmöglichkeiten

oder einfach nur nach Ruhe besser befriedigt werden als an den

überfüllten Sandstränden von der Barceloneta bis Mar Bella. Ganz nebenbei verfügt

dieser Bereich über das sauberste Wasser von ganz Barcelona.

Blick von der Porta d’ Europa Richtung Port Vell

Der Rompeolas war bis zum Bau der neuen Hafeneinfahrt Teil der Halbinsel

Barceloneta. In der Bevölkerung gibt es ein bedeutendes Interesse, diese historische

Bindung auch nach der Abtrennung vom Festland aufrechtzuerhalten. Daher ist die

Schaffung einer Verbindung mit der Barceloneta in Form einer Brücke ein wichtiger

Bestandteil meiner Planung. Diese erhält dem Rompeolas sein altes Einzugsgebiet

und gliedert ihn in den Freizeitbereich des anschließenden Küstenabschnitts ein.

Zudem profitieren von einer direkten Anbindung an den oben beschriebenen im

Bau befindlichen Gebäudekomplex auf der Barceloneta beide Seiten gleichermaßen.

Der Rompeolas bietet einen wichtigen Ausgleich zu der dort vorgesehenen extrem

hohen Bebauungsdichte. Andererseits führt die Anziehungskraft des mit dem Port

Olímpic vergleichbaren neu entstehenden Zentrums des öffentlichen Lebens zu

einer erheblich größeren Anzahl von Besuchern auf dem Rompeolas.

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Verkehrs- und Wegebeziehungen

Die Besucher des Rompeolas kommen im Moment zum größten Teil mit dem

Auto oder Motorrad. Wesentlich geringer ist die Anzahl derer, die auf sportliche

Art als Jogger oder mit dem Fahrrad kommen und noch wenigere nutzen die

kleinen Ausflugsdampfer (Golondrinas), die das Porta Coeli seit seinen Anfängen

mit dem Port Vell verbinden. Dies liegt vor allem daran, dass sie im Moment

fast ausschließlich von Touristen für Hafenrundfahrten benutzt werden und die

derzeitige Anlegestelle am Ende der Moll Adossat diese kaum zum Aussteigen

animiert.

Da an attraktiven Parkplätzen mit Meerblick auf dem Rompeolas kein Mangel ist,

funktioniert das Gebiet zur Zeit ein bisschen wie ein Picknick–Drive In, also parken,

Klappstühle ausladen und sich neben dem Auto niederlassen.

Auf die Idee, die Straße entlangzuflanieren, kommen nur wenige, da ja der

attraktivste Bereich von parkenden Autos besetzt ist und nur auf der Hafenseite ein

schmaler Gehweg existiert. Auf der Meerseite sind Fußgänger nicht vorgesehen

und wer das ignoriert, läuft Gefahr, überfahren zu werden.

Manche Besucher machen sich nicht einmal die Mühe, aus dem Auto auszusteigen,

sie parken, genießen die Aussicht und fahren wieder weg.

In Anbetracht des Zustands des Gebiets vor allem im Bereich des heruntergekommenen

Restaurants am Endpunkt der Straße und auch aufgrund der

generellen Ermangelung jeglicher Infrastruktur ist dies allerdings auch nicht allzu

verwunderlich.

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Ein Ziel des Projektes ist es, aus dem Rompeolas einen Boulevard zu machen,

der zum Flanieren einlädt. Dazu müssen als eine der wichtigsten Maßnahmen die

Autos soweit wie möglich verdrängt werden.

Die großen ungenutzten Freiflächen im tieferliegenden Bereich des Kreuzfahrthafens

bieten die Möglichkeit, die Autos vollständig von der oberen Ebene des

Damms zu verbannen. Von der Brücke aus werden diese geradewegs über die

Rampe hinunter zu den Parkplätzen im unteren Teil geleitet. Diese verteilen sich

über die gesamte Länge des Rompeolas im Schatten der 7 m hohen Wand des

höhergelegenen Damms. Sie sind durch Treppen mit der oberen Ebene verbunden

und liegen somit nur in geringfügig größerer Entfernung zum Geschehen als bisher.

Um eine Verminderung des Anteils der motorisierten Besucher zu erreichen,

soll die Verbindung per Golondrina zum Port Vell durch die Schaffung weiterer

Anlegepunkte in der Mitte und am vorderen Ende des Rompeolas aufgewertet

werden. Dies hat gleichzeitig den Vorteil, dass den Besuchern bei der Durchwegung

Variationsmöglichkeiten zur bisher einzigen Möglichkeit des “Hin und Zurück“

geboten werden.

Zudem bietet sich die Chance, diese von ihrem Potential und ihrer Attraktivität

her optimale Anbindung des Rompeolas in das Nahverkehrssystem der Stadt

zu integrieren. Dies würde die Golondrinas von ihrem Image einer blossen

Touristenattraktion für Hafenrundfahrten befreien und auch für einheimische Nutzer

interessant machen. Dafür wäre neben einer anderen Art der Vermarktung eine

flexiblere Tarifgestaltung von entscheidender Bedeutung. Außerdem könnte das

Angebot auf Ziele entlang der Strandpromenade wie beispielsweise den Port

Olímpic oder auch das Forum 2004 ausgeweitet werden.

Der Anteil der Besucher, die zu Fuß ankommen, wird durch die oben

beschriebene Attraktivität der Porta d’ Europa als Aussichtspunkt und die

Synergieeffekte des auf der anderen Seite der neuen Hafeneinfahrt entstehenden

Großprojektes von Bofill ganz automatisch beträchtlich steigen. Zudem wird

die von mir vorgesehene Brückenverbindung mit der Barceloneta nur noch für

Fußgänger und Fahrradfahrer passierbar sein, da eine andere Lösung aufgrund

der zu wahrenden Duchfahrtshöhe von mindestens 40 m technisch zu aufwendig

wäre. Somit werden insbesondere die Nutzer aus diesem traditionell wichtigen

Einzugsgebiet des Rompeolas einen Anreiz haben, das Auto stehenzulassen, da

sie sonst nur über einen erheblichen Umweg dorthin gelangen.

Denkbar wäre außerdem der Einsatz einer Shuttlebuslinie im Rahmen des

öffentlichen Nahverkehrs. Diese könnte je nach Bedarf auch nur zu Stoßzeiten

wie am Wochenende oder bei Veranstaltungen eingesetzt werden und als weitere

Alternative zum Auto Punkte im Stadtzentrum wie die Placa Catalunya oder die

Estació Sants bedienen.

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Freiraum– und Entwurfskonzept

Wie bereits zuvor beschrieben ist das Ziel meiner Planung die Stärkung der

Attraktivität des Rompeolas als Naherholungsbereich und die Verbesserung der

Nutzbarkeit der zum Teil brachliegenden Qualitäten des Gebiets.

Der wichtigste Grund dafür, dass sich die Besucher des Rompeolas auf der

Promenade im Moment größtenteils mit dem Auto fortbewegen, ist wohl seine

auf den ersten Blick fast unbezwingbar erscheinende Länge. Dabei würden die

eineinhalb Kilometer nur einen Spaziergang von einer Viertelstunde bedeuten.

Bei einem Hafenrundgang durch den Port Vell oder die Barceloneta wird problemlos

eine wesentlich größere Strecke zurückgelegt, allerdings geht es dabei nicht immer

nur geradeaus.

Ein Ziel des Projektes muss es also sein, diese lange Gerade zu strukturieren

und in angenehme und überschaubare Abschnitte zu gliedern. Dabei wäre es

hilfreich, in ihrem Verlauf neben Variationen der Bewegungsrichtung auch

Rast- und Ruhepunkte oder andere Möglichkeiten zur Nutzung der Qualitäten des

Gebiets zu schaffen.

Zudem soll an ihrem Endpunkt ein Ort entstehen, der den Anreiz zur

Überwindung der Strecke erhöht und der gleichzeitig dem besonderen Charakter

dieses am weitesten aufs Meer hinaus vorstoßenden Teils von Barcelona gerecht

wird.

Die dem Entwurfskonzept zugrundeliegende Idee ist eine gedankliche

Durchwegung des Rompeolas auf der Basis der Wünsche und Bedürfnisse

potentieller Besucher des Gebiets. Diese Wünsche mögen komplexer und

vielfältiger Natur sein, es lassen sich aber mehrere wesentliche Aspekte benennen,

die wohl für die meisten Nutzer eine zentrale Bedeutung haben dürften.

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Der wichtigste Punkt ist das enorme Interesse vieler Besucher an den

imposanten Kreuzfahrtdampfern, die in ca. 100 m Entfernung zum öffentlich

zugänglichen Bereich auf der Hafenseite des Rompeolas vor Anker liegen, aber

durch die nicht öffenliche und tieferliegende Hafenzone unerreichbar erscheinen.

Auf der dem offenen Meer zugewandten Seite ist das Bedürfnis naheliegend,

die Weite des Meeres so unmittelbar wie möglich zu erfahren. Dabei ist zum

Einen die beträchtliche Höhe interessant, auf der man sich befindet, da sie die

Wahrnehmung des Horizonts verändert und das Meer noch endloser erscheinen

lässt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auf dieser Seite auch die Zugänglichkeit

der Wasserkante. Diese ist zur Zeit stark eingeschränkt, da man zum dort

befindlichen Steinstrand nur über von Anglern provisorisch in die 3 bis 4 m

senkrecht abfallende Wand eingebaute Stufen gelangt und der Abstieg nicht

ungefährlich ist. Die Fortbewegung auf den großen Gesteinsbrocken der

Uferbefestigung erfordert ebenfalls sportliche Fähigkeiten und das Baden ist

aufgrund fehlender Einstiegsmöglichkeiten so gut wie unmöglich.

Auf diese noch unbefriedigend erschlossenen Potentiale des Ortes reagiert

mein Entwurf mit einem Geflecht aus alternativen Durchwegungen, die ein

Abweichen vom einfachen “Geradeaus“ der höhergelegenen Promenade

erlauben. Gleichzeitig wird diese durch die kreuzenden Wege in Abschnitte

überschaubarer Dimension gegliedert, die dem Spaziergänger den Entschluss zu

deren “Bezwingung“ erleichtern.

Das entworfene Wegesystem ist die architektonische Übersetzung der

differenzierten räumlichen Qualitäten von Meerseite und Hafenseite.

Es reagiert dabei auf die oben beschriebenen jeweiligen Gegebeheiten und

Anforderungen beider Seiten.

Bedingt durch die große Höhe der Promenade spielen auf der Hafenseite

neben den Kreuzfahrtdampfern auch die Sichtbeziehungen zu weiter entfernt

gelegenen emblematischen Punkten der Stadt eine wichtige Rolle. Der Entwurf

reagiert auf diese in der Führung und Ausrichtung der Durchwegung.

Wesentliche Bestandteile des Wegesystems sind 3 m breite Hochstege

mit Holzbeplankung, die zu 6 bis 12 m hoch über dem Boden schwebenden

Aussichtsplattformen hinführen. Diese lassen die Flaneure möglichst nah an die

riesigen Kreuzfahrtdampfer herankommen und ermöglichen durch ihre Höhe

Einblicke in das Geschehen an Bord. Außerdem verbinden sie die Anlegestellen

für die Golondrinas mit der zentralen Promenade.

Die Anlegestellen befinden sich auf drei kleinen Inseln, die von der

bestehenden unteren Fläche der Moll Adossat durch neu zu schaffende Kanäle

abgetrennt werden. Diese Inseln bieten optimale Ankunftspunkte, da sie erstens

die Möglichkeit der Schaffung mehrerer Anlegestellen bieten und sie sich

außerdem auf einer Linie mit den Liegeplätzen der Kreuzfahrtdampfer befinden.

Diese unmittelbare Nachbarschaft zu den Ozeanriesen und ihre symbolische

Gleichstellung mit den Golondrinas erhöht die Spannung bei der Ankunft und

trägt so zusätzlich zur Steigerung der Attraktivität dieses Verkehrsmittels bei.

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Die direkt an der neuen Hafeneinfahrt liegende erste der drei Inseln hat hierbei

eine besondere Stellung, da sie räumlich in die Hafenpromenade um den Port Vell

eingegliedert ist und sozusagen den Brückenkopf des Rompeolas zur Stadt bildet.

Gleichzeitig ist sie der Anfangspunkt der Hochstege und somit eine Art Gegenpol zu

dem im nachfolgenden beschriebenen Abschluss des Wegesystems am anderen

Ende des Rompeolas.

Auf einem Teil der Aussichtsplattformen in unmittelbarer Nähe der

Kreuzfahrtdampfer sowie auf den drei Anlegeinseln befinden sich Pavillons mit

kleineren gastronomischen Einrichtungen, deren Anzahl an die Entwicklung des

Besucheraufkommens angepasst werden kann. Auf der ersten Insel besteht die

Möglichkeit, einen größeren Gastronomiebetrieb oder auch mehrere kleinere

Einrichtungen anzusiedeln, beispielsweise nach dem Vorbild der im Zuge der

Umgestaltung der Barceloneta abgerissenen “Chiringuitos“ (einfache und sehr

günstige Fischrestaurants), deren Verschwinden von den Stränden von einem

Großteil der Bevölkerung sehr bedauert wird.

Weitere Serviceeinrichtungen, darunter auch die sanitären Einrichtungen,

sind in einheitlich gestalteten Modulen entlang der Hauptachse untergebracht.

Dabei werden auf der 11 m breiten Straße an ausgewählten Stellen Bereiche

ausgewiesen, die durch Module besetzt werden können. Diese können neben

Toilettenanlagen auch andere Einrichtungen wie Kioske, Mini-Bars oder

Verleihstellen für Strandutensilien enthalten. Ihre Anzahl ist im Rahmen der

festgelegten Flächen ebenfalls flexibel und wird durch ihre Rentabilität gesteuert.

Auf der Meerseite führen die Hochstege von der Promenade aus leicht ansteigend

über die Wasserkante hinaus zu kleineren, über dem Meer schwebenden

Plattformen. Zusammen mit den Stegen auf der Hafenseite ergeben sie eine

durchgängige Alternativdurchwegung des Gebiets von der ersten Ankunftsinsel,

dem “Brückenkopf“, bis zum Endpunkt der zentralen Achse.

Außerdem gibt es auf dieser Seite ein zweites von den Hochstegen

unabhängiges System von Wegen in Form von 2 m breiten Stegen aus Stahlplatten.

Diese führen über Rampen hinunter auf den Steinstrand und dort auf Höhe des

Untergrunds weiter zu Plattformen, die sich angeschwemmten Eisschollen gleich

an der Wasserkante aufreihen und ihren Besuchern eine Basis zum Baden, Angeln

und Sonne tanken bieten.

Das Wegesystem

des neuen Boulevards

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Am Ende des Steinstrandes an einem Geländevorsprung vor dem ehemaligen

Leuchtturm Porta Coeli schichten sich diese Plattformen zu einer von der

Wasserkante bis auf das Niveau der Straße hinaufreichenden Terrassenlandschaft

auf, die sich zum Meer hin öffnet.

Dieses steinerne Ensemble der Kulturterrasse bildet zusammen mit dem

nachfolgend beschriebenen neuen Restaurantgebäude den Abschluss des

geplanten Wegesystems. An diesem Punkt enden sowohl die zentrale Achse

der Promenade als auch das System der Hochstege und die Stege auf dem

Steinstrand.

Die Kulturterrasse kann für Veranstaltungen aller Art wie beispielsweise

Konzerte, Tanz- und Theateraufführungen oder auch als Freiluftkino genutzt

werden. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Treffpunkt, der außerhalb der

Veranstaltungen zum Baden oder zum Familienpicknick einlädt und zusätzlich

zu den bereits bestehenden Attraktionen des Gebiets einen weiteren

Anziehungspunkt schafft.

Das neue Gebäude als Endpunkt der Promenade enthält eine größere

gastronomische Einrichtung, die in ihrer Funktion ein Hybrid aus Restaurant,

Musikbar und Diskothek ist. Die Gebäudeform entwickelt sich aus mehreren

übereinanderliegenden Ebenen, den sogenannten “Decks“, auf denen die

räumliche Weite der Umgebung jederzeit wahrnehmbar bleibt. Das “Deck 1“

beherbergt ein Restaurant mit einer ausgedehnten Terrasse, “Deck 2“ eine etwas

kleinere Café - Bar und “Deck 3“ ist eine reine Aussichtsterrasse, von der aus man

einen 360°- Panoramablick hat.

Der Haupteingang mit dem Foyer liegt in der Verlängerung der Achse der

Promenade. Zusätzlich gibt es noch einen zweiten Zugang, der von der Rampe zur

Erschließung der Molenmauer über eine kleine Brücke direkt auf die Terrasse des

Restaurantdecks führt und so das Gebäude unabhängig von seinen Öffnungszeiten

als Aussichtspunkt zugänglich macht.

Nachts besteht die Möglichkeit, das gesamte Gebäude als Discothek zu nutzen,

da der Ort sich für eine der in Spanien sehr beliebten Tanzmöglichkeiten unter

freiem Himmel wie wohl kein zweiter in Barcelona eignet. Dabei kann für größere

Veranstaltungen oder Festivals wie beispielweise das Sonar BCN, ein jährlich

stattfindendes mehrtägiges Musikfestival, auch die Kulturterrasse miteinbezogen

werden.

Das Restaurantgebäude

und die Kulturterrasse

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Der auf der Meerseite am bestehenden Gebäude vorbeiführende Fußweg, der

entlang der in den sechziger Jahren gebauten über 13 m hohen und 2 km langen

Molenmauer bis zu dem an ihrem Ende befindlichen heutigen Leuchtfeuer führt,

bleibt in meiner Planung ohne Veränderungen erhalten. In seinem Verlauf führen

kleine charakteristische Stege für Angler aufs Wasser hinaus und die Stadt ist

durch die gigantische Mauer im Rücken so gut wie nicht mehr wahrnehmbar.

Dieser Teil erfüllt im Gegensatz zum vorderen Abschnitt bereits in seinem

jetzigen Zustand vollständig die Anforderungen, die seine Nutzer an ihn haben

und jeder Eingriff würde seine beeindruckende Atmosphäre der Abgeschiedenheit

schmälern. Er bleibt sozusagen eine Herausforderung für die entdeckungslustigsten

Besucher des Rompeolas.

Als einzige Veränderung in diesem hinteren Abschnitt wird die Oberseite der

Molenmauer durch eine in Bereich des jetzigen Gebäudes befindliche Rampe

erschlossen, die an diesem bisher völlig unzugänglichen Ort Spaziergänge mit

eindrucksvollem Blick über den Hafen und das offene Meer ermöglicht.

Hinter dem Porta Coeli beginnender Fußweg entlang der Verlängerung der Mole

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Spaziergänger auf de

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Ausblick

Ein wichtiger Aspekt des gesamten Konzeptes ist seine zeitliche und räumliche

Flexibilität. Es sind unterschiedliche Szenarien für die Umsetzung vorstellbar,

in denen abhängig vom Besucheraufkommen oder der Verfügbarkeit der Mittel

nur Teile der Planung verwirklicht werden. Ebenso ist die zeitliche Staffelung

der Realisierung einzelner Bestandteile vorstellbar.

Die Nutzungsmöglichkeiten des Gebiets würden auch schon eine erhebliche

Steigerung erfahren, wenn beispielsweise nur der mittlere Abschnitt der Hochstege

auf der Hafenseite und ein oder zwei Teilabschnitte der Zugänge zur Wasserkante

auf der Meerseite realisiert würden. Auch könnte zunächst einmal nur das Gebäude

am Ende der Promenade errichtet werden, das für sich allein eine funktionsfähige

Einheit darstellt. Die Kulturterrasse könnte dann optional zu einem späteren

Zeitpunkt verwirklicht werden. Sie stellt allerdings einen wichtigen Faktor für die

Publikumswirksamkeit der geplanten Maßnahmen dar, da durch die hier möglichen

Veranstaltungen Besucher angelockt werden, die sonst vielleicht nicht auf die Idee

kämen, den Rompeolas zu erkunden.

Welches Szenario letzlich auch immer zum Tragen kommt, das Ergebnis wird

längerfristig eine erhebliche Popularitätssteigerung des Gebiets sein. Damit könnte

der Rompeolas endlich wieder zu dem werden, was er einmal war, nämlich der

“Balkon“ von Barcelona auf das Mittelmeer hinaus.

9 34


Zur Geschichte der Stadt Barcelona

Die Ursprünge von Barcelona liegen im Jahr 133 v. Chr., als von den Römern

die Kolonie “Barcino“ gegründet wurde. Nach mehr als acht Jahrhunderten unter

römischer Herrschaft wurde sie im Jahre 988 Hauptstadt der freien Grafschaft

Catalunya und erhielt dabei den Namen Barcelona.

Während des Mittelalters entwickelte sich die katalanische Flotte zu einer

der führenden Seemächte des Mittelmeerraumes neben Genua und Venedig.

Ein Zeugnis dieser Zeit ist der Gebäudekomplex der Drassanes am Fußpunkt der

Ramblas, der im 15.Jahrhundert erbaut wurde.

Im ausgehenden Mittelalter folgte eine Phase des wirtschaftlichen Niedergangs

bedingt durch den Ausschluss Kataloniens vom Handel mit der “Neuen Welt“.

Mit der Niederlage in spanischen Erbfolgekrieg 1714 verlor es zudem seine

politische Unabhängigkeit, die erst ab 1931 teilweise wieder zurückerlangt werden

konnte.

Als Zeichen der Okkupation erhielt Barcelona eine Festungsanlage, für die

im Stadtviertel Ribera über tausend Wohnhäuser abgerissen wurden. Für die

vertriebenen Bewohner dieser Häuser wurde erst ab 1753 auf einer natürlichen

Halbinsel vor den Stadtmauern ein neues Viertel errichtet, die Barceloneta.

Wie man unschwer am Grundriss erkennen kann, erfolgte die Planung

nach rationalen Kriterien und es wurde in standardisierter Formen gebaut.

Dabei wurde das für die spanischen Städte in der “Neuen Welt“ entwickelte

Planungsprinzip einer schachbrettartigen Bebauung verwendet.

9 34


Die Anfänge von Barcelona - Stich aus dem 16. Jahrhundert

34


Mitte des 18. Jahrhunderts erlangte Katalonien mit der Zulassung seiner Flotte zum

Handel mit den amerikanischen Kolonien trotz aller Repressionen zumindest seine

wirtschaftliche Unabhängigkeit wieder. Besonders die traditionelle Textilindustrie

florierte duch den nun möglichen direkten Import von Baumwolle. In dieser Zeit

entwickelte sich Barcelona und sein Umland zum Zentrum der Industrialisierung

Spaniens.

Dies manifestierte sich auch in einer regen Bautätigkeit, im Zuge derer eine von

repräsentativen Bauten gesäumte Flaniermeile für das reiche Bürgertum entstand,

die heutigen Ramblas. Gleichzeitig bewirkte die in dieser Zeit verstärkt einsetzende

Landflucht einen starken Bevölkerungszuwachs. Dieser führte bedingt durch das

mittelalterliche Korsett der Stadt zu Wohnungsknappheit und der Verbreitung von

Seuchen. Außerhalb der Stadtmauern wuchs ein Ring von ländlichen Siedlungen

wie Gracia, Sant Gervasi oder Sant Andreu.

Erst nach dem Ausbruch einer Choleraepedimie gaben die Behörden in

Madrid 1854 ihr Einverständnis zu einer flächenhaften Ausdehnung über die

Stadtmauern hinaus. Die Ergebnisse eines daraufhin durchgeführten Wettbewerbs

zur Stadterweiterung wurden von der Zentralregierung jedoch ignoriert und

mit der Planung direkt der regierungstreue Ildefons Cerda betraut. Dieser

entwickelte ab 1859 seine Planung für das neue “Eixample“ (katalanisch für

Stadterweiterung, spanisch “Ensanche“). Er sah ein orthogonales Straßenraster bis

an die topographischen Grenzen Barcelonas vor, das die Stadt um das zehnfache

vergrößern und durch die Einheitlichkeit der Quartiere und Straßen gleiche

Lebensbedingungen für alle schaffen sollte.

Doch von Cerdas Idee der “Stadt der Gleichheit“ blieb nicht viel mehr

als der schachbrettartige Grundriss als äußere Hülle. Durch den enormen

Luftaufnahme von Altstadt und Eixample aus dem Jahr 1993

34


Bevölkerungsanstieg von 14.000 Einwohnern auf 620.000 im Zeitraum von 1865

bis 1915 und mangels staatlicher Kontrollinstanzen bestimmten bald Spekulation

und Gewinnsucht die Ausnutzung der Parzellen. Anstatt wie ursprünglich

vorgesehen zwei Seiten wurden alle vier Seiten der Blöcke bebaut und geplante

Park- und Grünanlagen sowie Sozialeinrichtungen nur eingeschränkt realisiert.

Begünstigt durch die wiedererlangte wirtschaftliche Stärke und auch durch den

kurzen politischen Frühling der 1. spanischen Republik 1870/71 entwickelte sich

in der Folgezeit der “Modernisme“, eine Art katalanischer Jugendstil. Zu seinem

bekanntesten und bedeutendsten Vertreter wurde später der Architekt Antoni Gaudi,

der den neuen Stil auf eine sehr persönliche Art weiterentwickelte und dessen

Bauten das Stadtbild von Barcelona bis heute entscheidend prägen.

In seinen Anfängen war der Modernisme nur eine künstlerische Bewegung

innerhalb der Architektur, wurde aber bald vom Großbürgertum vereinnahmt und

als Mittel zur gesellschaftlichen Inszenierung genutzt. Gleichzeitig diente er zur

baulichen Manifestierung des katalanischen Autonomiestrebens gegenüber der

verhassten Regierung in Madrid.

Ähnliche Bedeutung hatte die Ausrichtung der ersten Weltausstellung auf der

Iberischen Halbinsel in Jahr 1888, die Barcelona auf dem Gelände der im Zuge der

Cerda-Stadterweiterung abgetragenen Ciutadella ausrichtete. Der Stadt brachte sie

neben internationalem Renommee und der Möglichkeit der Zurschaustellung einer

eigenen kulturellen Identität einen großzügigen Park mit Cafes und Restaurants

ein. Dieser verbesserte entscheidend die Lebensqualität an der Grenze zwischen

der dicht bebauten Altstadt und dem Eixample und funktioniert bis heute bestens.

Antoni Gaudi - Säulengang im Parque Guell und der Weiterbau der von ihm nicht mehr

vollendeten Sagrada Familia

34


Durch seine Neutralität im 1. Weltkrieg war Spanien in einer guten wirtschaftlichen

Situation, was jedoch keine politische Stabilität mit sich brachte.

Nach mehreren Staatskrisen gab es 1914 erstmals wieder einen katalanischen

Selbstverwaltungsversuch in Form der Gründung der “Mancomunitat de Catalunya“

unter Enric Prat de la Riba. Dieser dauerte aber nur bis 1923, als General de Rivera

mit einem Staatsstreich an die Macht kam und Spanien seine erste Diktatur bescherte.

In dieser politisch wechselhaften Zeit fand 1929 die zweite Weltausstellung

statt, die diesmal auf dem Hausberg von Barcelona, dem Montjuic, ausgerichtet

wurde. Das Ausstellungsgelände lag auf der stadteinwärts gelegenen Seite des

Berges und mündete an der Plaza Espana in die Gran Via. Für die Weltausstellung

wurde nicht nur der Berg mit seinen für die Stadt ungemein wichtigen Grünflächen

verkehrstechnisch und landschaftsarchitektonisch überplant, es wurden auch schon

lange geplante städtebauliche Verbesserungen vorgenommen. Die bedeutendste

Maßnahme war sicher der Durchbruch der Via Laietana als eine schon von Cerda

geplante Achse durch die Altstadt, die das Eixample direkt mit dem Hafen verbindet.

Im Rückblick zeigt sich, dass Barcelona von beiden Weltausstellungen nachhaltig

profitiert hat, weil im Zuge ihrer Planung und Ausführung strukturelle Probleme der

Stadt gelöst werden konnten.

Die politische Instabilität hielt währenddessen an. Die erste Diktatur Spaniens war

ebensowenig von langer Dauer wie die ihr vorangegangene Mancomunitat, und mit

ihrem Sturz wurde 1931 die 2. Republik ausgerufen, welche der Generalitat als neuer

Regierung Kataloniens unter Präsident Francesc Macià umfassende Autonomierechte

zugestand.

Das Portal der Weltausstellung von 1929 an der Plaza d’Espana mit dem Palau

Nacional im Hintergrund. Heute befindet sich hier das Messegelände und das

Museum für katalanische Kunst.

34


Noch im Jahr des Wiedererlangens der Autonomie wurde die katalanische

Architektenvereinigung GATCPAC (Grup d’ Arquitects i Tècnics Catalan per al

Progrès de l’Arquitectura Contemporania) gegründet. Ihr Programm hat sehr viel

gemein mit den in der “Charta von Athen“ aufgestellten Forderungen und sollte

durch den “Plan Macia“ umgesetzt werden, einem neuen Stadtentwicklungsplan,

der 1932 in Zusammenarbeit mit Le Corbusier entstanden war. Er löste den

mittlerweile in vielen Dingen nicht mehr zeitgemäßen “Plan Cerda“ ab und hatte als

Hauptziele zum einen die Sanierung der Altstadt inklusive des Abrisses besonders

heruntergekommener Viertel und zum anderen die Einteilung der Stadt in möglichst

monofunkionale Zonen. Letzteres sollte die Industrialisierung vorantreiben, die

sich durch fehlende Flächenausweisung im “Plan Cerda“ schwierig gestaltete.

Desweiteren wurde ein neues verkehrsgerechteres Raster festgelegt, das neun

Eixampleblöcke zu einem neuen Superblock zusammenfasst und damit eine

bessere Steuerung des stark erhöhten Verkehrsaufkommen ermöglichen sollte.

Schließlich wurde erstmals die Forderung nach einer besseren Anbindung der

Stadt an die Küste durch Verlängerung einer der Hauptachsen zu einem neu zu

schaffenden Erholungsgebiet aufgestellt.

Der “Plan Macia“ ist wie auch schon der “Plan Cerda“ ein radikaler Entwurf für

eine ideale Stadt in einer sozial gerechteren Gesellschaft, dessen Verwirklichung

vom Willen der Gemeinschaft abhängt, sich seinen Statuten zu unterwerfen.

Bei beiden wurde eine konsequente Umsetzung letztlich durch den Druck von

Wirtschaft und Politik verhindert.

Im Juli 1936 sollte in Barcelona die antifaschistische “Volksolympiade“ stattfinden,

als Gegenstück zu den olympischen Spielen im Berlin der Nazis. Sie wurde jedoch

durch den Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs 1936 verhindert, der schließlich

auch die Planungen der Moderne zur Bedeutungslosigkeit verdammte.

Es folgte eine politisch sehr bewegte Zeit, zu deren Beginn einige Monate

lang die anarchistische Gewerkschaft CNT die Macht übernahm. Diese Zeit

ging als Sommer der Anarchie in die Geschichte ein und hat die liberale geistige

Grundhaltung der Mehrheit der Barcelonesen nachhaltig geprägt. Das in der

Geschichte einmalige politische Experiment ging jedoch bald in den Wirren des

Bürgerkriegs unter.

Nach dessen Ende verlor Katalonien 1939 mit dem Einmarsch Francos erneut

seine Autonomie und seine kulturelle Identität. In ganz Spanien begann mit

der langen Diktatur des Franquismus eine Zeit der kulturellen und politischen

Unterdrückung.

Nach einer Phase des Wiederaufbaus in den 40er Jahren brachte die politische

Anerkennung Francos eine Stärkung der Kapitalwirtschaft, die jedoch nur den

wohlhabenden Schichten der Gesellschaft zugute kam. Die Arbeiterschicht erfuhr

eine erhebliche Verschlechterung ihres Lebensstandards, was viele als Gastarbeiter

ins westeuropäische Ausland emigrieren ließ. Weil jedoch der industrielle

Aufschwung gleichzeitig trotzdem zu einer weiteren Landflucht führte und für viele

Menschen Wohnungen im Stadtzentrum nicht erschwinglich waren, entstanden

zahlreiche illegale Ansiedlungen in der Peripherie ohne jegliche Infrastruktur, den

Slums heutiger südamerikanischer Städte nicht unähnlich.

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Diesen Fehlentwicklungen versuchte man 1953 mit der Verabschiedung eines

neuen Stadtentwicklungsplanes namens “Plan Comercal“ zu begegnen, der

Zonierungen des Stadtgebiets in Industriestandorte, Wohngebiete und Grünflächen

vorsah. Leider war die Kontrolle der Umsetzung mehr als mangelhaft, und so

wurde bei einer Revision des Plans 1970 festgestellt, dass fast die Hälfte der zu

Erholungszwecken vorgesehenen Flächen anderweitig bebaut waren.

Die Unfähigkeit des Verwaltungsapparates zur Durchsetzung und Wahrung der

Interessen der Bürger führte in den 70er Jahren zur Gründung zahlreicher Straßen-

und Quartiersvereinigungen (AAVV/ Associacions de veins). Diese gewannen

schon vor dem Ende der Diktatur durch den Tod Francos im Jahr 1975 erheblich an

Einfluss und erarbeiteten beispielhafte Projekte zur Beseitigung des Gründefizits.

Die Versuche der ersten nachfranquistischen Zentralregierung, die überfälligen

politischen Reformen zu verzögern, scheiterten am Widerstand einer breiten

Volksbewegung. Im Jahr 1977 wurden erstmals seit 1936 wieder demokratische

Parlamentswahlen durchgeführt und die Generalitat wurde als autonome

Landesregierung wiedereingesetzt.

9 34


Städtebau im Barcelona nach 1979

Die erste demokratisch gewählte Stadtregierung Barcelonas machte ab 1979 die

Neuordnung des urbanen Raumes zu einem ihrer zentralen Anliegen. Mit dem

Projekt “Espais Urbans“ (Plätze und Skulpturen, 1982-86) wurde eine Umgestaltung

des öffentlichen Raumes hin zu einem Aufenthaltsraum für alle angestrebt. Damit

wurde auch zu kompensieren versucht, dass die Mittel zu einer grundlegenden

und umfangreichen Sanierung von Wohngebieten fehlten. Gleichzeitig konnte man

so eine Entschärfung des Grünflächenproblems erreichen und außerdem eine

Neuinterpretation des während der Diktatur stark ideologisch besetzten öffentlichen

Raumes vornehmen.

Anfang der 80er Jahre wurde Oriol Bohigas zum Städtebaubeauftragten

Barcelonas gewählt. Er knüpfte mit seiner Arbeit an die traditionellen Planungen

von Cerda bis Modernisme und an die Ansätze der GATCPAC an. Bohigas sah

die Stadt dabei nicht als ein homogenes System, sondern “als komplexes Geflecht

eigenständiger und widersprüchlicher Nachbarschaften“ (Amide, 1994, S.101).

Sein Konzept einer “Strategie der Metastasen“ sah vor, durch auf die Umgebung

abgestimmte Einzelmaßnahmen die Initialzündung für die Regeneration einzelner

Teilbereiche zu schaffen und damit der Verwirklichung des übergeordneten

Gesamtkonzept zu dienen.

Im Bereich der Altstadt ging es dabei um eine Verbesserung der Licht-

und Luftverhältnisse sowie um die Schaffung von Identifikations- und

Kommunikationsmöglichkeiten für die Bewohner. Das Eixample sollte bis zur

Küstenlinie ausgedehnt werden und seine hohe Dichte durch die vereinzelte

Verlagerung von öffentlichen Freiräumen in das Innere der Blöcke gemildert

werden.

9 34


Bei der Verkehrsplanung ging es einerseits um die Gewährleistung einer flüssigen

Verkehrsführung und andererseits um die Wiederherstellung des traditionellen

Straßenraums, der “Rambla“.

Nicht zuletzt sollte auch hier wieder das Grünflächenproblem angegangen werden,

dieses Mal jedoch auf sehr effektive Art in Form von konkreten Entwürfen für Plätze

oder Parks auf bestehenden Brachflächen.

Einen enormen Schritt nach vorn machte die städtebauliche Erneuerung ab

1986 mit der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 92 an Barcelona. Wie

schon bei den beiden Weltausstellungen wurden die Vorbereitungen für das

Großereignis zum Anlass für Verbesserungen der urbanen Struktur. Entscheidend

für die nachhaltigen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Stadt war, dass

sich diesmal die Planungen nicht auf ein eingegrenztes Gebiet beschränkten,

sondern die ganze Stadt in das Olympiakonzept einbezogen wurde. Dieses sah

als Hauptentwicklungszentrum den Port Olímpic vor, einen für diesen Anlass

neugeschaffenen Freizeithafen, an den das olympische Dorf im Bereich Nova Icària

angrenzte. Daneben gab es noch drei weitere olympische Zentren in Vall d’Hebron,

an der Diagonal und auf dem Montjuic.

Auch der Küstenbereich von der Barceloneta bis ungefähr drei Kilometer über

den Port Olímpic hinaus wurde in die Planungen einbezogen und mit Grünflächen

und einer großzügigen Strandpromenade ausgestattet. Dabei wurde auch der

Sandstrand an der Barceloneta mit Hilfe von zermahlenem Bauschutt künstlich

verbreitert.

Als eine weitere wichtige Maßnahme wurde der gesamte Bereich des alten

Hafens Port Vell zu einem attraktiven öffentlichen Raum mit einer ausgedehnten

Flanierzone und zahlreichen Freizeiteinrichtungen umgestaltet.

Dazu kamen umfangreiche Infastrukturmaßnahmen wie der Ausbau des

Schnellstraßennetzes und die Vollendung des innerstädtischen Autobahnrings,

außerdem die Erneuerung und Erweiterung von Bahnanlagen und

Kanalisationsnetzen und der Bau einer neuen Kläranlage, der eine erhebliche

Verbesserung der Wasserqualität zur Folge hatte.

Insgesamt hat Barcelona durch die wohl nur im Rahmen der Olympiabewerbung

finanzierbaren Maßnahmen seine Öffnung zum Meer hin vollzogen und so die

einzigartige Verbindung einer großstädtischen Metropole mit den durch das Meer

gebotenen Freizeitmöglichkeiten für seine Bewohner und Besucher erschlossen.

Der Port Vell im Bereich der Moll de la fusta und das Olympiagelände auf dem Montjuic

34


Ermutigt durch die guten Erfahrungen mit der Verbindung von Stadtplanung

mit Großveranstaltungen sowohl bei den Olympischen Spielen, als auch bei

den beiden Weltausstellungen, hob die Stadtverwaltung 1997 mit dem “Forum

Universal de les Cultures 2004“ ein weiteres ambitioniertes Projekt aus der Taufe.

In Zusammenarbeit mit der UNESCO sollen im Sommer 2004 sechs Monate lang

Veranstaltungen verschiedenster Art zu den Themen Frieden, Umwelt und Kultur

stattfinden. Unter den Teilnehmern werden sich Länder, Regionen, Kulturen,

Religionen, NGOs und diverse andere Organisationen präsentieren. Die Planungen

gehen von bis zu 150 000 Teilnehmern und mehr als 20 Millionen Besuchern aus.

Außerdem sollen durch eine Übertragung im Fernsehen und im Internet Menschen

in der ganzen Welt erreicht werden.

Eine besondere Bedeutung hat bei allen Themen der Aspekt der nachhaltigen

Entwicklung, der auch bei der Planung des Ereignisses eine entscheidende

Rolle spielt. Zentrum des Forums 2004 und Austragungsort eines Großteils der

Veranstaltungen soll nämlich der östlichste Küstenabschnitt von Barcelona nahe

der Mündung des Rio Besos sein. Dieser Stadtteil ist im Moment das Gebiet mit

den grössten infrastrukturellen Defiziten der gesamten Stadt. Im Stadtteil Besos

bestehen zudem erhebliche soziale Probleme in der Bevölkerung, die zu einem

großen Teil aus unterhalb der Armutsgrenze lebenden Gitanos besteht.

Die Planungen für das Forum 2004 sehen eine Neugestaltung des gesamten

Küstenbereichs zu einem auch nach dem Ereignis weiter bestehenden Freizeit-

und Erholungsbereich vor, was für die umliegenden Stadtteile eine erhebliche

Verbesserung des Wohnumfeldes bedeutet. Teil der Maßnahmen ist eine

Verlegung des Zoos in das Gebiet, da dieser im Parc Ciutadella seit längerer

Zeit mit gravierenden Platzproblemen zu kämpfen hat. Außerdem entstehen

Das Forum Universal de las Culturas 2004 - Stand der Planungen Anfang 2002

ein Kongresszentrum, ein Yachthafen und mehrere Hotelhochhäuser. Nach den

neuesten Planungen ist auch eine weitgehende Überbauung der Kläranlage

vorgesehen, die bisher auf dem schmalen Streifen zwischen Meer und

Stadtautobahn ein unüberwindliches Hindernis bildet und damit eines der größten

strukturellen Handikaps des Gebiets ist.

Eingebunden ist das Ganze in ein schon länger bestehendes städtebauliches

Konzept zur Aufwertung dieses Küstenbereichs, das den Bau von hochwertigen

Wohnvierteln entlang der Küste bis zum Gebiet des Forums vorsieht, womit

wohlhabene Schichten durch den Strand vor der Haustür angezogen werden

sollen. So werden zur Zeit in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsgeländes

unter dem Namen “Diagonal Mar“ mehrere in einen Park mit einem künstlichen

See eingebettete Wohnhochhäuser gebaut und direkt daneben soll das größte

Einkaufszentrum Spaniens entstehen.

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Ein symbolträchtiger Teil der Maßnahmen ist auch die Verlängerung der Avenida

Diagonal, deren Achse nun die gesamte Stadt durchschneidet und die beim Forum

2004 das Meer erreichen soll. Auf ihr wird die Straßenbahn als Nahverkehrsmittel

wiedereingeführt, um den erwarteten Besucheransturm zu bewältigen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Barcelona aus seiner

städtebaulichen Tradition heraus und insbesondere durch die ambitionierte

Stadterneuerung der achtziger Jahre weltweit Anerkennung verschafft hat.

Das Entwicklungskonzept der Stadtplanung unter strategischer Einbeziehung von

Großereignissen bietet der Stadtverwaltung eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung,

die von der Auseinandersetzung mit der Zentralregierung in Madrid um

Autonomierechte weitgehend unabhängig ist. Außerdem werden dadurch Gelder

freigesetzt, mit denen sich auch größere Aufgaben angehen lassen.

Auch wenn man dabei über die qualitative Umsetzung mancher Projekte geteilter

Meinung sein kann, so steht doch fest, dass in Barcelona eine Vielzahl von

überzeugenden städtebaulichen Planungen und Projekten verwirklicht wurden.

Das Centro de Cultura Contemporania

von Albert Viaplana und Helio Pinon

ist ein Beispiel für ein gelungenes Projekt

der Stadterneuerung im Zuge der

Planungen für die Olympischen Spiele 92.

9 34


Literaturverzeichnis

AJUNTAMENT DE BARCELONA: Spaces and Sculptures, Barcelona 1986

AJUNTAMENT DE BARCELONA: Estudi de l’Eixample, Barcelona 1988

AJUNTAMENT DE BARCELONA: Barcelona - Espai public, Barcelona 1992

AJUNTAMENT DE BARCELONA: Barcelona - La segona renovación,

Barcelona 1996

AJUNTAMENT DE BARCELONA: Barcelona Informació #43 abril 2001

und #44 maig 2001

ALEMANY I LLOVERA, JOAN: El Port de Barcelona, Lunwerg Editores,

Barcelona 1998

AMIDE, HANS JOACHIM (HRSG.): Plätze in der Stadt, Stuttgart 1994

AUTORITAT PORTUARIA DE BARCELONA: Actualització del pla director

1997 - 2011, Barcelona 1998

AUTORITAT PORTUARIA DE BARCELONA: Memòria anual 1997, Barcelona 1998

BOHIGAS, ORIOL: Reconstruir Barcelona, Barcelona 1985

CONSEJO DIRECTIVO BARCELONA 2004: Forum Universal de las Culturas 2004

Documento principal - version revisada, Barcelona 1998

DE CARLO, JULIO: Barcelona, Moewig, Rastatt 1992

EDITORIALES AJUNTAMENT: Barcelona 1979/2004 - del desarollo

a la ciudad de calidad, Barcelona 1999

FORUM BARCELONA 2004: Forum Universal de las Culturas - Barcelona 2004,

Barcelona 2000

FORUM BARCELONA 2004: Agenda de principis i valors - Forum Universal

de las Culturas, Barcelona 2000

LA VANGUARDIA, Barcelona: Artikel vom 16.01.99, 03.06.00, 05.06.00, 11.07.00,

09.08.00, 12.12.00, 27.02.01, 12.04.01,

20.05.01, 23.05.01

9 34


Abbildungsverzeichnis

Luftaufnahme Seite 4: AUTORITAT PORTUARIA DE BARCELONA,

GABINETE TECNICO DE INFRASTRUCTURA,

mit freundlicher Unterstützung von Sr. Luciano Damea und Sr. Enric Rodellas

Open-Air-Kino S. 15: Arthaus Verlag, www.alles-ueber-meine-mutter.de

Historische Aufnahmen S. 30-35 und 46-48:

CENTRO DE DOCUMENTACION MARITIMA, BARCELONA,

mit freundlicher Unterstützung von Sr. Javier Aznar

Projekt Bofill S. 49: AJUNTAMENT DE BARCELONA: Barcelona Informació #44,

Ausgabe vom Mai 2001

Historischer Stich S. 64: ALEMANY I LLOVERA, JOAN: El Port de Barcelona,

Lunwerg Editores, Barcelona 1998

Luftaufnahme S. 65: TRETZEVENTS, Les Escaules, L’ Empordà 1993

Abb. FORUM 2004 S. 72: FORUM BARCELONA 2004, www.barcelona2004.org

Alle anderen Abbildungen, Animationen und Fotografien:

Copyright © 2002 Matthis Nägele

Alle Rechte vorbehalten

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Hilfe für die Animationen:

Wenn es Probleme beim Abspielen der Animationen gibt, muss

eventuell die aktuelle Version des QuickTime Player installiert

werden.

Das Installationsprogramm befindet sich im Ordner “Extras” auf

dieser CD. Die im Laufe des Installationsvorgangs geforderte

Eingabe der Daten zur Registrierung ist nicht erforderlich

und wird einfach mit “weiter” übersprungen. Dadurch wird die

kostenlose Version des QuickTime Players installiert, die zum

Abspielen der Animationen auf der CD völlig ausreicht.

Ausserdem besteht die Möglichkeit, sich die Dateien

“rompeolas.mov” und “restaurante.mov” aus demselben Ordner

auf die Festplatte zu kopieren und so die unkomprimierte

Version der Animationen zu geniessen.

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