Traum aus Holz und Stahl - bei der Firma Alfred Schilling

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Traum aus Holz und Stahl - bei der Firma Alfred Schilling

Ausrüstung

Norbert Klups

Die Büchse wurde von Alfred

Schilling, Zella Mehlis, gebaut

und hat ein Hagn-

System. Der in Kanada lebende

Martin Hagn bietet sein System in

vier Baugrößen, Mag num, Standard,

Klein und Mini an. So ist je

nach Patrone eine maßgeschneiderte

Größe möglich. Für die Testwaffe

im Kaliber .270 Winchester

wurde das kleine System verwendet.

Zwischen Martin Hagn und

Traum aus Holz und S

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Alfred Schilling besteht eine enge

Verbindung, denn Schilling fertigt

die Innenteile des Systems

und Martin Hagn den eigentlichen

Verschluss. Das hier verwendete

Hagn-System wurde jedoch

komplett von Schilling gefertigt,

dessen Firma für exzellente

Bunthärtung bekannt ist.

Simple Technik

Die Funktionsweise des Verschlusses

ist ganz einfach. Es wer-

den nur wenige Teile benötigt.

Hinter dem Patronenlager ist ein

massiver Verriegelungsblock angeordnet,

der durch den verlängerten

Abzugsbügel bewegt wird.

Der Block enthält den von

vorn eingeschraubten Schlagbolzen

und den Schlaghammer. Beim

Herunterziehen des Blockes wird

das Schlagstück rückwärts geschwenkt

und beim Schließen des

Verschlusses die gekapselte

Schraubenfeder gespannt. Die

Waffe ist jetzt schussbereit.

Die auf dem Kolbenhals liegende

Schiebesicherung blockiert in vorderster

Position den Abzug. Der

Abzug arbeitet direkt und war bei

der Testwaffe trocken und ohne

fühlbaren Weg justiert. Der Widerstand

betrug 1,4 Kilogramm.

Der Patronenauszieher liegt unten

am Patronenlager und wird durch

den Verschlussblock zwangsgesteuert.

Dieses Blocksystem ist ein

äußerst massives Gebilde und verdaut

auch stärkste Magnumkaliber.

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Verschraubt

Der schlanke Achtkantlauf

stammt von Fuhrmann, Jena, und

ist samt Laufschiene und Kornsockel

aus einem Stück gefertigt.

Solch ein Integrallauf ist sehr aufwendig.

Um die Büchse in zwei

Teile zu zerlegen, lässt sich der

Lauf von Hand aus dem System

schrauben. Schilling verwendet

ein Spitzgewinde von 22 Millimetern

Länge. Vorderschaft und Verschlussvorderseite

sind mit Trenn-

Stahl

platten aus Stahl bestückt, die hier

sogar graviert sind. Um den Lauf

in Position zu halten, hat der Vorderschaft

einen Schnäpper, der

automatisch den Lauf in der Endstellung

verriegelt. Um die Büchse

zu zerlegen, muss nur der

Schnäpperhebel gezogen werden.

Der Lauf lässt sich dann mit einigen

Umdrehungen aus dem Verschluss

schrauben. Eine simple

Technik, die aber hervorragend

funktioniert. Treffpunktlageabweichungen

traten nach dem Zer-

legen und Zusammenbauen nicht

auf.

Die Büchse ist 103 Zentimeter

kurz, und wenn der 60 Zentimeter

lange Lauf abgenommen ist, lässt

sie sich bequem verstauen und

unauffällig transportieren. Der

Achtkantlauf ist mit einer Zweiklappenvisierung

mit U-Kimme

und einem roten Leuchtkorn ausgestattet.

Der vordere Riemenbügel

ist angelötet und sitzt mit 24,5

Zentimetern hinter der Laufmündung

im optimalen Abstand, um

Büchsen mit Blockverschluss sind stabil und deutlich kürzer als

ein Repetierer. Wird so ein Gewehr noch als Take-Down gefertigt,

ist es ein feines Ding für den Bergjäger oder Jagdreisenden.

Die Blockbüchse: für die Reise zerlegt

und verpackt. Büchsenmacherkunst

vom Feinsten. :

die 3180 Gramm schwere Büchse

bequem über der Schulter tragen

zu können.

Schäftung

Der Schaft besteht aus hervorragend

gemasertem kaukasischem

Nussbaumholz und ist sehr aufwendig

auf Hochglanz poliert. Die

Oberfläche ist geölt und Pistolengriff

und Vorderschaft mit feiner

– was heute selten ist – absolut

fehlerfreier Fischhaut versehen.

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Ausrüstung

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1 Der Kornsattel ist integral mit

dem Achtkantlauf gefertigt

2 In zwei Teile zerlegt. Auch die

Trennplatten sind graviert

3 Montiert wurde das neue Leica a

Magnus 1,5–10 x 42 mit

Leuchtabsehen. Auch die Montageteile

sind buntgehärtet

4 Oberseite des Verschlusskastens

mit der Lademulde und d

in Gold eingelegtem Herstellernamen

5 Die Schilling-Blockbüchse ist

trotz 60 Zentimeter langem

Lauf eine kompakte Waffe

Der Hinterschaft hat einen geraden

Schaftrücken und eine kleine

deutsche Backe. Der Pistolengriff

verläuft flach und wird mit einem

Stahlkäppchen abgeschlossen. Als

Schaftabschluss dient eine mit

Leder überzogene Gummikappe.

Gravuren

Alfred Schilling ist Experte für

Bunthärtungen und arbeitet für

viele große Waffenhersteller. Ein

Großteil der Stahlteile und sogar

die Zielfernrohrmontage der

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Blockbüchse wurden

buntgehärtet. Die Gravuren sind

im keltischen Stil gehalten. Das

Hauptmotiv besteht aus s ddem kel

tischen Knoten mit einem stilisierten

Hirsch. Auch der Abzug

beziehungsweise Spannbügel und

die Oberseite des Verschlussblockes

sind so verschönert. Eine

vom Graveur Mike Bauer meisterlich

ausgeführte Gravur, die zu

dieser Büchse bestens passt.

Die Verarbeitung kann mit

einem einzigen Wort beschrieben

werden: fantastisch. Hier wurde

nicht nur extrem sauber, sondern

geradezu penibel gearbeitet. Es

5

scheint, als würde Zeit beim Bau

dieser Waffe keine große Rolle gespielt

haben. Zwischen Holz und

Metall ist nicht der kleinste Spalt

zu entdecken, alle Schrauben stehen

auf Strich, und das System

läuft wie ei eine Safetü Safetür.

Den besten Streukreis von 2,7

Zentimetern auf 100 Meter mit

fünf Schuss erzielte die Testwaffe

mit dem130 Grains schweren Federal

Ballistic Tip-Geschoss.

Leica Magnus

Als Leica auf der IWA die neue

Magnus-Zielfernrohrserie vorstellte,

sorgte das bei Fachpublikum

und Konkurrenz gleichermaßen

für Aufregung. Ein bis zu 6,7-fach-

er Zoomfaktor, Leuchtabsehen

und äußerst kompakte Bauweise

zeichnet die Leica-Zielfernrohre

aus. Neben dem hier vorgestellten

1,5–10 x 42 bietet Leica noch ein

Drückjagdglas 1–6,3 x 24 und ein

lichtstarkes Ansitzglas 2,4–16 x 56

an. Für eine leichte Pirsch- und

Bergjagdwaffe, wie die Schilling

Blockbüchse, Blockbüchs ist das d 42er 42e natür- tü

lich optimal und erhöht das Waffengewicht

lediglich um 620

Gramm.

Der Vergrößerungsverstellring

ist gummiarmiert. Eine halbe Umdrehung

reicht, um den gesamten

Vergrößerungsbereich abzudecken.

Das Sehfeld misst je nach

Vergrößerung 4,1 bis 26 Meter.

Das ist komfortabel und sogar

„drückjagdtauglich“.

Die Höhen- und Seitenverstellung

ist klar beschriftet und mit

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einer Rastung ausgestattet, die pro

Klick die Treffpunktlage auf 100

Meter um 1 Zentimeter verändert.

Auffälliges Merkmal des Magnus

ist die hinten auf dem Okular

platzierte Beleuchtungseinheit.

Das Absehen liegt in der zweiten

Bildebene, vergrößert sich also

nicht mit, und dieser Ort ist für

die Leuchteinheit somit optimal.

Die Beleuchtungseinheit ist

sehr flach gehalten und arbeitet

über eine Wippe. Eingeschaltet

wird über einen kurzen Dreh nach

links oder rechts, je nachdem, ob

Tages- oder Nachtmodus gewünscht

wird. Anschließend lässt

sich die Helligkeit des roten Zielpunktes

einstellen, indem der

flache flache Aufsatz wie wie eine Wippe

links oder rechts gedrückt wird.

Es stehen 60 Stufen zur Verfügung,gung,

und und der Leuchtpunkt ist

sehr fein dimmbar. Die gewählte

Einstellung bleibt gespeichert.

Ein Neigungs- und Beschleunigungssensor

registriert, wenn

um die Optik ohne große Kunstgriffe

bei der Montage, die meist

extrem hässlich ausfallen, positionieren

zu können.

Problematischer ist da schon

der Durchmesser des Okulars, der

satte 46 Millimeter beträgt. Damit

liegt Leica gleich auf mit der Swarovski

Z6i-Serie. Das bringt Büch-

Neu: Leica Magnus Fotos: Norbert Klups:

senmacher zur Verzweiflung,

wenn das Glas fflach

auf einer Repetierbüchse

petierbüchse mi mit etwas größerem

Öffnungswinkel der Kammer

montiert werden

soll.

Wirklich flach

montieren ist

fast unmöglich, de denn dann geht

der Kammerstängel Kammerstän nicht mehr

am Okular vorbei. Moderne Repe-

tierer mit geringem

Öffnungswinkel,

Öffnun

Selbstladebüchsen,

Selbst

Blockbüchsen, Bloc wie

sich das Zielglas in nicht schuss die Testwaffe,

und

alle Kipplaufgerechter

Lage befindet und schal- waffen haben haben diese dieses Problem natet

das Leuchtabsehen dann ab. türlich nicht.

Wird die Waffe mit dem Glas be- Mit der Magnus-Serie reiht

wegt, wird es sofort wieder einge- sich der Fernglas-Spezialist Leica

schaltet. Auch bei schnellem An- eindrucksvoll bei den Top-Zielschlag

ist der Leuchtpunkt längst fernrohr-Herstellern ein. Das gilt

an, wenn der Schütze durch die natürlich auch für den Preis: Das

Zieloptik schaut.

hier vorgestellte Zielfernrohr kos-

Schon der erste Blick zeigt, tet 2.200 Euro.

dass Leica es geschafft hat, die

Top-Qualität der Leica-Ferngläser

auf die Zielfernrohrserie zu über- Plus

tragen: klares Bild bis zum Rand + kurze Bauweise

und kein Tunneleffekt. Die Abbil- + Patronenlänge spielt keine

dungsleistung ist brillant und sehr Rolle

kontrastreich. Der rote Zielpunkt

+ sehr gute Schussleistung

leuchtet, wenn gewünscht, sehr

hell, und bei höchster Stufe ist er + hervorragende Verarbeitung

auch bei strahlendem Sonnen- + ohne Werkzeug zerlegbar

licht gut sichtbar. Ganz heruntergedimmt

scheint er angenehm Minus

dunkel und überstrahlt nicht. - nur ein Schuss

Die Baulänge von 315 Milli- - stolzer Preis

metern ist gerade ausreichend,

Resümee

Die Schilling-Blockbüchse mit

Hagn-System ist eine robuste und

präzise Waffe in meisterlicher Verarbeitung.

Eine perfekte Pirschbüchse

für Jäger, die auf einen

schnellen zweiten Schuss keinen

Wert legen. Wer mit solch einer

Büchse allerdings geübt ist und

eine zweite Patrone zwischen die

Finger der linken Hand geklemmt

bereithält, kann die Hagn auch

blitzschnell nachladen. Mit

Übung fällt der zweite Schuss nur

etwas langsamer als mit dem Repetierer.

Dafür sind Waffenstörungen

so gut wie ausgeschlossen.

Das Leica Magnus-Zielfernrohr

Technik auf einen Blick

Hersteller Alfred Schilling, Zella Mehlis

System Vertikalblocksystem

Schloss Schlagstück im Verschlussblock gelagert, gekapselte

Schraubenfeder

Kaliber Testwa e .270 Win., andere nach Wunsch

Sicherung Abzugssicherung mit Schieber auf dem Kolbenhals

Abzug Direktabzug

Abzugsgewicht 1.400 g

Visier Standvisier mit zusätzlicher Klappe und Leuchtkorn

Schaft Hinterschaft mit achem Pistolengri , geradem Rücken

und deutscher Backe, lederüberzogene Schaftkappe,

Jagdvorderschaft mit Ebenholzabschluss

Gravur Keltische Ornamente mit stilisiertem Hirsch,

Kasten bunt eingesetzt

Zielfernrohr Leica Magnus 1,5–10 x 42 mit Leuchtabsehen

Montage Recknagel-Schwenkmontage

Lau änge 60 cm

Gesamtlänge 103 cm

Gewicht 3,18 kg

Schussleistung 2,7 cm (5 Schuss auf 100 m)

bietet eine hervorragende Optik.

Ob es zu dieser klassischen Waffe

passt, muss der Käufer entscheiden.

Schilling liefert die Blockbüchse

in einem lederbezogenen

Eichenkoffer, der mit zahlreichem

Zubehör, wie Pufferpatrone, Ölfläschchen,

Putzzeug, Schrauben-

dreher und sogar einem Jagdmesser,

alles natürlich in Handarbeit

gefertigt, ausgestattet ist. Die vielen

Büchsenmacherstunden, die

notwendig sind, um so eine

Traumwaffe zu bauen, wollen bezahlt

sein. Das hier vorgestellte

Modell kostet 48.000 Euro. Die

gute Nachricht: Das Zielfernrohr

ist im Preis enthalten. t

Preis 48.000 Euro mit Ko er und Zieloptik

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