TANDEM - Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband

adh.de

TANDEM - Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband

TANDEM

Projektdokumentation

� Ausgangslage

� Etappenplanung

� Durchführung

� Etappenanalyse


Inhalt Vorwort S. 1

Ausgangslage S. 3

Etappenplanung S. 9

Durchführung S. 13

Etappenanalyse S. 26

Ausblick S. 30

Noch vor der Fertigstellung der TANDEM-Projektdokumentation verstarb Melanie Heil,

Mitglied des Projektteams, nach langer, schwerer Krankheit. Wir hoffen, die Broschüre

in ihrem Sinn gestaltet zu haben.

Das Projekt- und Redaktionsteam

Tour

2005/2006


Vorwort

Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband

(adh) hat seit

seiner Gründung 1949 die Parität

und die Mitbestimmung von

Frauen in seinen Statuten verankert.

Damit übernimmt er bezüglich

der Gleichberechtigung

der Geschlechter früh eine Vorreiterrolle

in der deutschen Sportlandschaft. Der adh sieht

die Förderung von Frauen als politischen Auftrag an. Der

frauenpolitische Handlungsrahmen im Verband hat sich im

Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen der vergangenen

Jahre immer wieder verändert und hin zu den Prinzipien

des Gender Mainstreamings entwickelt, einem viel diskutierten

Konzept erfolgversprechender Geschlechterpolitik.

Das TANDEM-Projektteam 2005/2006

Dennoch zeigen regelmäßige Bilanzierungen, dass der Anteil

von Frauen in Führungspositionen des Hochschulsports

immer noch nicht zufriedenstellend ist. Die aktuellen Zahlen

der Geschlechterverteilung in den Führungspositionen

des deutschen Hochschulsports liegen derzeit bei 31,5%

Frauen zu 68,5% Männern. Die Verbesserung dieser Situation

ist ebenfalls Auftrag des Verbandes. Deshalb hat der

adh im Jahr 2003 das Mentoring-Projekt TANDEM ins Le-

ben gerufen, das als eines der ersten Mentoring-Programme

im deutschen Sport initiiert und von der dsj unterstützt

wurde.

Die Idee des Mentorings ist nicht neu. In allen Kulturen,

Berufen und Bereichen gibt es erfahrene und einflussreiche

Personen, die Nachwuchskräfte beraten, fördern und fordern.

Das sogenannte „Old-Boys-Network“ ist beim männlichen

Geschlecht weit verbreitet und etabliert. Mentoring

ist eine Möglichkeit, Frauen gezielt auf Netzwerkarbeit

vorzubereiten und sie in Netzwerke einzubinden. Junge

Frauen haben durch Mentoring zu Beginn ihrer beruflichen

Entwicklung die Möglichkeit, sich für Führungspositionen

in Beruf und Ehrenamt zu qualifizieren, Beratung und

Unterstützung zu erfahren, Kontakte zu knüpfen und ein

Netzwerk aufzubauen. Außerdem erhalten sie umfassende

1


Einblicke in berufliche und ehrenamtliche Perspektiven

und Aktionsfelder im Sport. Mentoring hat sich als wirksames

Instrument der Personalentwicklung und Karriereförderung

in Wirtschaft und Politik und mittlerweile auch in

Non-Profit-Organisationen etabliert. Es bietet für Mentees

und Mentoren vielfältige Chancen der Weiterentwicklung,

der Reflexion und der Erweiterung des eigenen Horizonts

sowie die Möglichkeit zum Blick über den Tellerrand.

Die äußerst positive Bilanz von Seiten der Mentorinnen,

Mentoren und Mentees zum ersten Mentoring-Projekt

TANDEM sowie die überaus positive Wahrnehmung und

Resonanz anderer Verbände und Institutionen gaben den

Anlass, eine weitere TANDEM-Tour durchzuführen. Diese

konnte auf den Erkenntnissen und Evaluationsergebnissen

des Pilotprojektes von 2003/2004 aufbauen.

Im Folgenden wird die Konzeptionierung und Durchführung

des zweiten Projekts in seinen einzelnen Bausteinen

und Schritten dokumentiert.

Das mit der Durchführung

betraute Projektteam

wünscht allen Interessierten

viel Vergnügen beim Lesen.

� Inken Behrens

� Anna Voss

� Melanie Heil

� Elisabeth Marx


Ausgangslage

1. Der Start – Ausgangslage

Der adh setzt sich seit über 50 Jahren für die Belange von

Frauen ein. Er beschäftigt sich vor dem Hintergrund der

Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen des

Sports unter anderem mit Personalentwicklungsstrategien.

Die in der Wirtschaft etablierte und erprobte Methode

des Mentorings wird mit dem im Folgenden beschriebenen

Projekt auf die Förderung junger Frauen im Sport und

Hochschulsport angewandt.

Bereits im TANDEM-Pilotprojekt aus dem Jahre 2003/2004

zeigte sich, dass Mentoring ein wirksames Instrument ist,

um jungen Frauen den Einstieg in ehrenamtliche Führungspositionen

und ins Berufsleben zu erleichtern.

Ziele und Erwartungen des TANDEM-Pilotprojekts

� Einführung junger Frauen in die haupt- und ehrenamtlichen

Strukturen und Aktionsfelder des Hochschulsports

� Erhöhung des Frauenanteils in haupt- und ehrenamtlichen

Führungspositionen des Hochschulsports auf

mindestens 30% innerhalb der nächsten fünf Jahre

� Schaffung von Transparenz in Bezug auf die haupt-

und ehrenamtlichen Strukturen und Aktionsfelder des

Hochschulsports

� Herstellung von persönlichen Kontakten, Einführung

und Positionierung in Gremien und Gremienarbeit

� Weiterqualifizierung durch Seminare, Praktika etc.

� Beratung in Fragen der Berufs- und Lebensplanung

� Verankerung der Prinzipien des Gender Mainstreamings

in der Projektplanung

Das erste TANDEM-Projekt bot vielfältige Möglichkeiten,

Erfahrungen auszutauschen und wertvolle Kontakte

zu anderen Projektbeteiligten, zum adh und zu weiteren

Sportinstitutionen zu knüpfen. Die in der Konzeption des

Pilotprojekts festgelegten Ziele wurden erreicht und die

Erwartungen an das Projekt weitestgehend erfüllt.

1.1 Junge Frauen im Sport

– Frauen in Führungspositionen

„Gleiche Rechte führen nicht automatisch zu gleichen

Chancen. Auf die Bedingungen kommt es an.“ So beschreibt

der DOSB treffend die Situation im Sport.

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes war im Jahr

2005 rund ein Drittel (1,7 Mio.) aller Führungskräfte in

der Industrie, im Dienstleistungsbereich oder in der öffentlichen

Verwaltung weiblich und mehr als zwei Drittel

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4

Ausgangslage

(3,3 Mio.) männlich.

Betrachtet man nur den

Sport, so sind sowohl in

haupt- als auch in ehrenamtlichenFunktionen

Frauen in den

Führungspositionen

deutlich unterrepräsentiert.

Im Vergleich

hierzu waren

jedoch 39% der

23,6 Mio. Mitglieder

der im Deutschen Sportbund zusammengeschlossenen

Spitzenverbände im Jahr 2004 Mädchen und Frauen (9,3

Mio). Gegenüber 1994 hat die Zahl der weiblichen Mitglieder

im Deutschen Sportbund um 13% zugenommen.

Bei einem Anteil von fast 40% bei den Sportvereinsmitgliedern

in Deutschland erscheint eine Beteiligungsquote

von rund 10% in den Führungsgremien der nationalen

Sportverbände als nicht angemessen.

Es gilt weiterhin, die Rolle der Frauen in den Führungsetagen

des deutschen Sports zu stärken. Frauen wie Männer

sollten nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der

Realität die gleichen Chancen haben, sich in allen Ebenen

des Sports zu engagieren, ihre Interessen zu äußern und

durchzusetzen. Frauen sollten dabei selbst für ihre Interessen

und Bedürfnisse eintreten, ohne ihre Beteiligung muss

zumindest befürchtet werden, dass sie inhaltlich nicht angemessen

vertreten sind.

Generell gilt: Je höher Positionen angesiedelt sind, desto

weniger Frauen finden sich wieder. Hinzu kommt, dass

dem Sport die Frauen als engagierte Personen im Laufe

der Zeit verlorengehen. Der Ausstieg aus dem ehrenamtlichen

Engagement ist nach Abschluss einer Ausbildung

beziehungsweise zu Beginn der Familiengründungsphase

besonders deutlich zu erkennen.

Neben der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen

zeigt die gleichzeitige finanzielle Benachteiligung,

dass weiterhin eine vertikale Ungleichheit gegeben ist, die

den Handlungsbedarf für Frauenförderprogramme offensichtlich

macht.

Einerseits kann die Stärkung von Frauen im Sportfeld

– aufbauend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen

zur Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen

– durch die individuelle Förderung und Weiterqualifizierung

von Nachwuchskräften realisiert werden. Andererseits

müssen sich auch die Strukturen verändern, so dass

Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Weg

zu den Führungsebenen real wird. An beiden Punkten setzen

Mentoring-Programme methodisch an.


Ausgangslage

1.2 Mentoring als Strategie

Mentoring ist eine erfolgreiche Methode der Personalentwicklung

und wird als wirkungsvolles Instrument zur

gezielten Förderung von Nachwuchskräften eingesetzt.

Moderne Mentoringprogramme richten sich vor allem an

Frauen, um ihnen einen besseren Zugang zu Führungspositionen

zu ermöglichen, denn Mentoring verbessert Karrierechancen

nachweislich.

Das Prinzip des Mentorings beruht seit der Antike auf einer

wohlwollenden Beziehung zwischen zwei Menschen

verschiedenen Alters und unterschiedlicher Lebenserfah-

rung. Der Kern des Mentorings ist eine persönlich gestaltete

Beziehung zwischen einer Person mit Berufs- und Lebenserfahrung

(Mentorin oder Mentor) und einer weniger

erfahrenen, lernenden Person (Mentee). Der Schwerpunkt

ihrer gemeinsamen Aktivitäten ist die individuelle Beratung,

Unterstützung und Weiterleitung von informellen

Hinweisen sowie die Herstellung von Kontakten in einem

zeitlich befristeten Rahmen. Die konkrete Ausgestaltung

der Beziehung hängt von den Wünschen und Zielen der

Mentee, den Rahmenbedingungen und der Persönlichkeit

der Mentoren ab. Da es sich beim Mentoring um eine rein

freiwillige Beziehung handelt, die in der Privatzeit oder

unternehmensabhängig in der Dienstzeit erfolgt,

ist die Bandbreite von Mentoring-Beziehungen

sehr groß.

Innerhalb des adh-Projekts TANDEM werden

Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Mentoring-Beziehung

gesteckt. Die Paarungen, „Tandems“,

erhalten durch den adh professionelle Anleitung

für ihre gemeinsame Arbeit, die konkrete

Ausgestaltung der Zusammenarbeit und deren

Umsetzung liegt jedoch in der Eigenverantwortung

der Mentees sowie ihrer Mentorinnen und

Mentoren.

Nora Wieneke berät ihre Mentee Michaela Röhrbein.

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Eine Mentoring-Beziehung ist als gegenseitiger Austauschprozess

zu verstehen. Während die Mentees Hilfestellungen

und Unterstützung erhalten und Möglichkeiten der

beruflichen Entwicklung aufgezeigt bekommen, gewinnen

die Mentoren Einblicke in die Situation von Nachwuchskräften.

Beide Partner haben so die Möglichkeit, das eigene

Handeln zu reflektieren und sich weiterzuentwickeln.

Mentoring ist primär Nachwuchsförderung auf der individuellen

Ebene, denn die beteiligten Personen kommen in

den Genuss der persönlichen Betreuung. Gleichzeitig besteht

jedoch auch der Anspruch, strukturelle Veränderungen

zu bewirken. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass

Frauen durch ihre Mentorinnen beziehungsweise Mentoren

ein Zugang zu bislang männlich dominierten Netzwerken

ermöglicht wird, die Potenziale von Frauen verstärkt in das

Blickfeld von Führungspersonen gelangen, sich Erwartungen

an die Erfüllung von Führungsaufgaben verändern

oder Frauen eigene Netzwerke entwickeln.

1.3 Mentoring im Hochschulsport

Mentoring ist nicht neu. Neu ist jedoch die

Anwendung im (Hochschul-)Sport. Der adh

hat in den vergangenen Jahrzehnten politische

Grundlagen geschaffen, auf denen

Mentoring-Programme für junge Frauen im Hochschulsport

aufbauen können und hat sich Mentoring als Tool für

die Förderung junger Frauen im Hochschulsport zu eigen

gemacht.

� Der adh tritt seit Jahren für die Förderung studentischen

Engagements ein und hat hierfür diverse Konzepte

entwickelt. Ein besonderes Augenmerk liegt

darauf, attraktive Qualifizierungsmöglichkeiten und

Perspektiven für eine berufliche Karriere im Sport zu

bieten.

� Der adh sieht sich aufgrund seiner breiten Qualifizierungsmöglichkeiten

und Netzwerke im Sport als

„Kaderschmiede“ von Personen, die sich für ein berufliches

oder ehrenamtliches Engagement im Sport

interessieren.

� Der adh erkennt laut Frauenförderplan die Notwendigkeit

der besonderen Förderung (junger) Frauen an, da

diese sowohl auf der ehrenamtlichen als auch auf der

hauptamtlichen Ebene des Hochschulsports deutlich


Ausgangslage

unterrepräsentiert sind. Ihr Anteil in ehrenamtlichen

Positionen des adh betrug im Jahr 2002 18,7% (mit

sinkender Tendenz in den vergangenen 9 Jahren), ihr

Anteil in hauptamtlichen Leitungspositionen im Hochschulsport

der Mitgliedshochschulen des adh: 22,5%

(mit steigender Tendenz in den vergangenen 9 Jahren).

Gleichzeitig bietet der Hochschulsport auf Bundes- und

Hochschulebene hervorragende strukturelle Voraussetzungen,

Mentoring-Programme erfolgversprechend umzusetzen:

� Der adh hat sowohl über studentische Sportreferentinnen

als auch über Teilnehmerinnen an nationalen und

internationalen Wettkampfsportveranstaltungen direkten

Kontakt zu Studentinnen, die im Feld des Sports

engagiert sind. Sie stehen kurz- oder mittelfristig vor

dem Einstieg in das Erwerbsleben und somit vor der

Herausforderung, sich ein passendes Berufsfeld zu

suchen und sich dafür über die Studienanforderungen

hinaus zu qualifizieren. Ferner befinden sie sich möglicherweise

an einem Punkt, an dem die Übernahme

von Verantwortung in Führungspositionen des Sports

relevant werden könnte. Mentorinnen und Mentoren

können in dieser Situation Orientierungshilfe leisten,

Das Baustellen-Tandem bei der Arbeit:

Dr. Axel Bauer und Nina Reichstein

bei Schwierigkeiten beratend zur Seite zu stehen und

konkrete Einblicke in Arbeitsfelder geben.

� In den Hochschulsporteinrichtungen arbeitet eine Reihe

junger Frauen, allerdings nur zu einem geringen

Anteil in Leitungsfunktionen. Mentoring kann ihnen

eine Zukunftsperspektive bieten, denn sie können von

den Erfahrungen anderer aus dem Bereich des Hochschulsports

lernen, Kontakte auf- beziehungsweise

ausbauen und sich weiterentwickeln.

� Der adh kann durch seine enge Verbindung zu Personen

in den Hochschulsporteinrichtungen, Sportverbänden

und in der Sportwissenschaft vielfältige Einstiegschancen

in haupt- und ehrenamtliche Arbeitsfelder

bieten.


Etappenplanung

� Der adh und der Hochschulsport offerieren für

Studentinnen und Hauptamtliche vielfältige Möglichkeiten

der Qualifizierung und Förderung. Dazu

zählen Funktionen in ehrenamtlichen Positionen,

zeitlich befristete Mitarbeit in Projekten, Praktikumsplätze

und studentische Hilfskraftstellen.

Der adh und die Hochschulsporteinrichtungen haben

die Chance, durch gezielte Mentoring-Prozesse junge

Mitarbeiterinnen für eine weitere berufliche Karriere im

Hochschulsport zu qualifizieren und letztendlich selbst

davon zu profitieren.

2. Die Planung – Etappen des zweiten

Mentoring-Projekts

Die Durchführung des zweiten TANDEM-Projekts basierte

auf dem bewährten Konzept der ersten Projektlaufzeit.

Dieses wurde im Anschluss evaluiert und nachbereitet, um

so eine Optimierung der Projektdurchführung zu erreichen.

Zu den Neuerungen des zweiten Projekts zählen die

folgenden Aspekte:

� Im Vorfeld wurde allen Projektbeteiligten ein Leitfaden

zur Verfügung gestellt, der die Anforderungen an

beide Partner aufzeigt. So sollten die Teilnehmenden

optimal auf die Zusammenarbeit vorbereitet und eventuelle

Bedenken minimiert werden.

� Da sich der direkte Kontakt in Form von persönlichen

Gesprächen zwischen Mentee und Mentorin

beziehungsweise Mentor als effektivster Weg der Zusammenarbeit

erwiesen hatte, sollte dieser erleichtert

werden. Dazu wurden die räumlichen Distanzen zwischen

Mentees und Mentoren auf maximal 200 km begrenzt.

� Es erfolgte eine stärkere persönliche Betreuung der

Tandems durch das Projektteam. Beispielsweise wurden

getrennte Gespräche mit beiden Partnern über den

Projektverlauf etabliert.


� Es wurden zusätzliche Veranstaltungen zur besseren

Vernetzung der Tandems untereinander organisiert,

beispielsweise ein Kaminabend mit Gästen oder ein

Wochenende für Mentees.

� Den Mentees wurden Arbeitsaufträge zugeteilt, die sie

selbstständig oder mit Hilfe ihrer Mentoren bearbeiteten.

Die Ergebnisse wurden allen Tandems zur Verfügung

gestellt.

2.1 Zielsetzungen

An folgenden übergreifenden Zielen und Teilzielen des

ersten Mentoring-Projekts TANDEM wurde erneut festgehalten.

Übergreifende Ziele

� Einführung junger Frauen in die ehrenamtlichen und

hauptamtlichen Strukturen und Aktionsfelder des

(Hochschul-)Sports

� Erhöhung des Frauenanteils in haupt- und ehrenamtlichen

Führungspositionen des Hochschulsports auf

mindestens 30% innerhalb der nächsten drei Jahre

Teilziele

� Schaffung von Transparenz in Bezug auf die ehrenamtlichen

Strukturen und hauptamtlichen Aktionsfelder

des Hochschulsports

� Einführung und Positionierung in Gremien und Gremienarbeit

� Herstellung von persönlichen Kontakten

� Weiterqualifizierung durch Seminare, Praktika, etc.

� Schaffung von Netzwerken für das Berufsleben

� Motivation zur Planung einer eigenen beruflichen Karriere

� Beratung in Fragen der Berufs- und Lebensplanung

9


Etappenplanung

Mit diesen Zielsetzungen hatte der adh den Fokus sowohl

auf die haupt- als auch ehrenamtlichen Aktivitäten von Führungskräften

im Sport gelegt. Dies geschah vor dem Hintergrund,

dass ehrenamtliches und berufliches Engagement

heute in enger Verbindung stehen: Die Motivation junger

Frauen, sich im Sport beziehungsweise im Hochschulsport

ehrenamtlich zu engagieren, ist immer auch von den daraus

resultierenden beruflichen Perspektiven geprägt.

2.2 Projektskizze

Konzipiert, organisiert und durchgeführt wurde TANDEM

von einem vierköpfigen Projektteam, das sich aus einer

hauptamtlichen Mitarbeiterin im Hochschulsport, einer

studentischen Sportreferentin, einer Mitarbeiterin sowie

einer studentischen Hilfskraft der adh-Geschäftsstelle zusammensetzte.

Die Aufgaben des Teams lagen im Wesentlichen

in der Findung, Zusammenführung und der Betreuung

der Tandems während der Projektlaufzeit.

Des Weiteren gehörten die Vorbereitung und Durchführung

der Begleitveranstaltungen, die Öffentlichkeitsarbeit und

die Dokumentation des Projekts zu den Hauptaufgaben des

Teams. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt lag auf der kritischen

Reflexion und der Recherche nach Möglichkeiten

für eine kontinuierliche Implementierung von TANDEM

im adh.

Für die finanzielle Unterstützung des Projekts gilt der Dank

der Deutschen Sportjugend (dsj) und dem Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSJ).


2.3 Die Schirmherrin

Prof. Dr. Dr. h. c. Gudrun Doll-Tepper

Etappenplanung

Prof. Dr. Gudrun Doll-

Tepper, Vizepräsidentin

Bildung und Olympische

Erziehung im DOSB,

Dozentin an der FU Berlin

sowie ehrenamtliche

Präsidentin des Weltrats

für Sportwissenschaft,

Leibes- und Körpererziehung

(ICSSPE), konnte

als Schirmherrin für TAN-

DEM gewonnen werden.

Sie unterstützt seit vielen

Jahren in nationalen und internationalen Bereichen des

Sports und der Sportwissenschaft die Bemühungen, junge

Frauen für Führungsaufgaben zu qualifizieren, ihre Potenziale

zu nutzen und ihnen Zugang zu Führungspositionen

zu ermöglichen.

Ein Rat von Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper an die Mentees:

„Seien Sie neugierig und couragiert, entwickeln

Sie Ehrgeiz, bringen Sie Ideen ein, arbeiten Sie

im Team, fragen Sie um Rat und vor allem: Entwickeln

Sie vielfältige Kompetenzen im Sport, in

ihrem Fachgebiet, lernen Sie Fremdsprachen und

engagieren Sie sich mit Durchhaltevermögen,

Freude, Enthusiasmus und einer großen Portion

Humor!“

2.4 Evaluation

Ende 2007 werden die Ergebnisse des ersten TANDEM-

Projekts im Rahmen einer Promotion veröffentlicht. Auch

für die zweite Projektrunde ist eine Evaluation anhand

einer schriftlichen Befragung vorgesehen. Außerdem

werden die von den Mentees geführten, vorstrukturierten

Tagebücher, die individuelle Eindrücke, die Ansichten,

Probleme und auch Kritik zum Verlauf des Projekts widerspiegeln,

intern ausgewertet. Alle Ergebnisse werden

für die Weiterführung des Projekts berücksichtigt.

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3. Der Verlauf – Etappenplanung und -durchführung


3.1 Gewinnung von Mentees, Mentorinnen und

Mentoren

Im Januar 2005 wurde die zweite TANDEM-Projektrunde

bundesweit an den adh-Mitgliedshochschulen ausgeschrieben.

Die Ausschreibung richtete sich an Studentinnen und

junge hauptamtliche Hochschulsport-Mitarbeiterinnen,

die:

� im Hochschulsport ehrenamtlich engagiert sind (Sportreferentin,

Übungsleiterin, etc.) beziehungsweise in

einer Hochschulsporteinrichtung angestellt

sind (studentische Hilfskraft, Mitarbeiterin

etc.) und

� Interesse am Berufsfeld (Hochschul-)Sport

haben oder sich eine weitere Perspektive

im (Hochschul-)Sport wünschen.

Ergänzend wurde das Projekt auf der adh-

Website vorgestellt und ein Informationsflyer

veröffentlicht, der den potenziellen Mentees

Möglichkeiten des Mentoring-Projekts aufgezeigt

und die bei einer Teilnahme anfallenden

Aufgaben und Anforderungen dargelegt hat.

Interessierte junge Frauen bekamen in einem

zweiten Schritt einen Bewerbungsbogen zugesandt.

Dieser enthielt Fragen zur Person,

Durchführung

zum Studium oder zum beruflichen Hintergrund, zu den

Ambitionen im Berufsfeld des (Hochschul-)Sports sowie

zu den Wünschen und Erwartungen an das TANDEM-Projekt

und an die potenzielle Mentorin oder den Mentor.

An die Leiterinnen und Leiter der Hochschulsporteinrichtungen

der adh-Mitgliedhochschulen sowie an weitere

ausgewählte Personen aus dem Sportfeld wurde im Januar

2005 ein Informations- und Bewerbungsflyer verschickt,

der zur TANDEM-Teilnahme als Mentor oder Mentorin

motivieren sollte. Wie bereits in der ersten Projektphase

Mentorinnen, Mentoren und das TANDEM-Projektteam tauschen sich aus

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wurde sich bewusst dafür entschieden, sowohl Männer als

auch Frauen für die Mentorenschaft zu gewinnen. Den potenziellen

Mentoren wurden im Flyer ebenso wie den Mentees

die Möglichkeiten des Mentorings aufgezeigt und die

damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen dargelegt.

Auf dem Bewerbungsbogen wurden die Mentorinnen

und Mentoren gebeten, Angaben zu ihrer Person und ihrem

beruflichen Werdegang zu machen sowie ihre Wünsche an

eine Mentee anzugeben, um passende Paare für die Zusammenarbeit

bilden zu können.

Durchführung

Nachdem acht Mentees aus rund 25 Bewerbungen ausgewählt

worden waren, wurden entsprechend ihrer Wünsche

über die eingegangenen Bewerbungen Mentorinnen und

Mentoren aus dem Sportfeld angefragt. Ferner bestand für

die Mentees, Mentorinnen und Mentoren die Möglichkeit,

eigene Partner für das Programm vorzuschlagen. Eine unumgängliche

Voraussetzung war jedoch, dass die Personen

in keinem Arbeitsverhältnis stehen, um hemmende Konflikte

eines direkten, hierarchischen Verhältnisses auszuschließen.

Als Mentorinnen und Mentoren konnten

namhafte Personen aus Hochschulsporteinrichtungen,

Sportverbänden sowie aus

sportökonomischen und sportpolitischen

Bereichen gewonnen werden. Alle Mentoren

hatten oder haben einen engen Bezug zum

adh. Sie erklärten sich bereit, die Mentees auf

ehrenamtlicher Basis ein Jahr lang zu begleiten

und an den flankierenden Veranstaltungen

teilzunehmen.

Dr. Karin Fehres und Till Lufft, ehem. Generalsekretäre

im adh, stellten sich als Mentoren zur Verfügung.


3.2 Kennenlernveranstaltung

Ein erstes Treffen der Mentorinnen, Mentoren und Mentees

fand auf der Kennenlernveranstaltung am 21. Juli 2005 in

Frankfurt a.M. statt. Hier wurde den Teilnehmenden eine

Vorbereitungsmappe an die Hand gegeben, die für das Projekt

hilfreiche Informationen enthielt:

TANDEM-Projektdokumentation des Pilotprojektes

aus den Jahren 2003/2004

� Leitfaden für Mentees, Mentorinnen und Mentoren

� Mentoring-Links zur selbstständigen Internetrecherche

� „Auf einen Blick“ – wichtige Daten und Fakten zur

Teilnahme am Mentoring-Projekt

� Kontaktdaten der Ansprechpartner im Projektteam

� „Fahrplan“ zum Projektverlauf

� Informationen zur Kostenübernahme, Bezuschussung

und finanziellen Eigenbeteiligung

� Unterlagen zu Seminaren und Arbeitstagungen

� Ideen zu Möglichkeiten der Zusammenarbeit

� Darstellung der Anforderungen an die Mentees,

wie Anwesenheit bei Veranstaltungen, Führen eines

Tagebuchs, etc.

� adh-Imagebroschüre, Magazin und Jahresbericht

� Kontaktdaten der „Alt-Mentees“ und Zugangsdaten

zur „Tandem-Lounge“, einer Internet-Plattform zum

Austausch zwischen den Mentees

Bei dieser ersten Veranstaltung lernten die Mentees in

„Blitz-Blind-Dates“ die Mentorinnen und Mentoren kennen.

Es ging primär darum, sich auszutauschen und Sympathien

zu testen. Das Projektteam hatte für die Bildung

der Tandems bereits eine Vorauswahl getroffen und bat die

Mentees sowie die Mentorinnen und Mentoren, ihr Augenmerk

darauf zu richten, ob die Konstellation für sie passen

könnte. Am Ende der Veranstaltung wurden alle Anwesenden

gebeten, innerhalb von vier Wochen eine Rückmeldung

zu geben, ob sie mit den „Paarungen“ zufrieden sind

und sich eine Zusammenarbeit vorstellen können. Um die

Entscheidungsfindung zu unterstützen, wurden die Bewerbungsunterlagen

der Mentees sowie die Steckbriefe der

Mentorinnen und Mentoren an die möglichen Tandems

verschickt. Die Rückmeldung von allen Seiten war positiv,

sodass der Prozess der Tandem-Bildung Ende August

abgeschlossen werden konnte. Bei negativen Rückmeldungen

wäre das Projektteam aktiv geworden, um neue Tandem-Partner

zu finden.

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3.3 Im Überblick: Die Tandems und ihr beruflicher Werdegang bis heute

Dr. Karin Fehres

� DOSB-Generaldirektorin

� DTB-Vizepräsidentin

� ehem. Magistratsdirektorin

im Sport- und Bäderamt

Frankfurt a.M.

� ehem. adh-Generalsekretärin

Heiner Henze

� ehem. Geschäftsführer der

Leichtathletik-WM 2009

� ehem. NOK-, DLV-, EAA-

Generalsekretär

� ehem. NOK-Geschäftsführer

Durchführung

Julia Beranek

� adh-Öffentlichkeitsreferentin

� Absolventin der Kulturwis-

senschaften, Uni Lüneburg

� ehem. studentische Mitar-

beiterin im Hochschulsport

Lüneburg

� ehem. Mitglied im adh-

Sportreferateauschuss

Anna Bornhoff

� Mitarbeiterin im OK der

Leichtathletik-WM 2009

� Absolventin der Sportöko-

nomie, Uni Bayreuth

� ehem. adh-Universiade-

Praktikantin

� Mitglied der Studentinnen-

Nationalmannschaft Fußball


Bernd Lange

� Mitarbeiter im Hochschul-

sport der Uni Kiel

� adh-Vorstandsvorsitzender

Till Lufft

� EAA-Geschäftsführer

� ehem. adh-Generalsekretär

Durchführung

Conny Fittke

� Studentin der Sport- und

Erziehungswissenschaften,

Uni Rostock

Stephanie Grosch

� Braun und Grosch GBR

� Absolventin der Sportwis-

senschaften, TU Darmstadt

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Dr. Axel Bauer

� stellv. Leiter des Hochschul-

sports Göttingen

Nora Wieneke

� Leiterin des Hochschul-

sports Lüneburg

Durchführung

Nina Reichstein

� Mitarbeiterin bei Meier

Consult GmbH

� ehem. Mitarbeiterin bei ASP

Planen und Bauen

� Absolventin der Architektur,

TU Braunschweig

� ehem. Sportreferentin der

TU Braunschweig

Michaela Röhrbein

� Sportpädagogische Mitar-

beiterin an der Uni Hanno-

ver

� ehem. wiss. Mitarbeiterin an

der Uni Kiel


Doris Schmidt

� Leiterin des Hochschul -

sports der TU Berlin

Martin Schönwandt

� Geschäftsführer der dsj

Durchführung

Katharina Schöneberger

� Managerin FBO Berlin

� Absolventin der BWL,

FH Frankfurt a.M.

� ehem. Sportreferentin der

FH Frankfurt a.M.

� ehem. Mitglied des adh-

Sportreferateausschusses

Britta Ufer

� Doktorandin der Uni Göttin-

gen und Mitarbeiterin im

Hochschulsport Hannover

� Absolventin des Magister-

studienganges Sport,

Medienwissenschaft,

Wirtschafts- und Sozialpsy-

chologie

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3.4 Matching und Zielvereinbarungsgespräche

Vor der Auftaktveranstaltung im Oktober 2006 hatten die

Tandems die Aufgabe, in Matching-Gesprächen individuelle

Ziele für das Projekt zu vereinbaren. Die Gespräche

wurden zu Wunschterminen der Tandems wohnortnah organisiert

und wie auch im ersten Projekt von der Diplomsoziologin

Martina Graupner-Kreutzmann moderiert. Im

Rahmen der zweistündigen Zielvereinbarungsgespräche

wurde anhand von Leitfragen detailliert auf die Art und die

Inhalte der Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern

eingegangen.

Die Gespräche wurden sowohl von den Mentees als auch

von den Mentorinnen und Mentoren im Nachhinein als

ausgesprochen wichtige und unverzichtbare Grundlage der

Mentoring-Beziehung angesehen.

Durchführung

3.5 Die Tandems: Formen der Zusammenarbeit

und Aktivitäten

Ziele und Aktivitäten

Zu Beginn des Projekts war die berufliche Orientierung

für die meisten Mentees von zentraler Bedeutung. Durch

TANDEM erhofften sie sich, Persönlichkeiten aus dem

(Hochschul-)Sport kennenzulernen, Zugänge zu Netzwerken

und Einblicke in die informellen und formellen Strukturen

des Sports sowie in die Organisation von Großevents

zu erhalten. Die weiteren Interessen der Mentees lagen in

den Bereichen Eventmanagement, Hochschulsport im Allgemeinen,

Gesundheitssport, Sportstättenbau und Marketing.

Aber auch Bewerbungssituationen, das Kennenlernen

von Kommunikationsstrukturen und Kommunikationsformen

oder Vereinbarkeit von Karriere und Familienplanung

wurden von den Mentees als relevante Schwerpunkte bezeichnet.

Die Besetzung einer ehrenamtlichen Position im

(Hochschul-)Sport hatte für die meisten Mentees einen geringeren

Stellenwert.

Diese Tandem-Ziele, die die Mentees mit den Mentoren in

den Matching-Gesprächen definiert hatten, wurden durch

gemeinsame Aktivitäten operationalisiert und sind wie

folgt zusammenzufassen:

Martina Graupner-Kreutzmann unterstützte die Tandems

bei der Zielfindung.


� Austausch zu zentralen Fragen der Studien-, Berufs-

und Lebensplanung (z.B.: Unterstützung bei der Examensarbeit

sowie in der Bewerbungssituation, grundlegender

Erfahrungsaustausch)

� Herstellung von Kontakten im Bereich des Hochschulsports

und zu anderen Entscheidungsträgern im

Sport (z.B.: Teilnahme an der Fusion des DSB mit dem

NOK)

� Einblick in die hauptberuflichen Tätigkeitsfelder der

Mentoren (z.B.: Shadowing sowie mehrtägige Praktika

bei den Mentoren)

� Einblick in die ehrenamtlichen Tätigkeitsfelder der

Mentoren (z.B.: Begleitung zu Sitzungen)

� beratende Begleitung eines konkreten Projekts der

Mentees (z.B.: Planung einer norddeutschen Radtour)

� Mitarbeit in der Umsetzung von Projekten der Mentoren

(z.B. Projektbegleitung beim Sportstättenbau)

Die Abschlusspräsentationen der Tandems zeigten, dass

die zu Beginn des Projekts gesetzten Ziele in den meisten

Fällen erreicht wurden oder dass sich im Projektverlauf

weitere oder andere Ziele ergeben hatten. Einige Tandems

äußerten die Absicht, sich auch nach Projektabschluss weiter

auszutauschen und ihre Ziele weiterhin gemeinsam zu

verfolgen.

In Bezug auf ihre persönliche Weiterentwicklung gaben die

Mentees an, ihre Potenziale besser kennengelernt zu haben

und ihre Ziele künftig besser bestimmen und angehen zu

können. Eine persönliche Weiterentwicklung der Mentees

wurde von den Mentoring-Partnern bestätigt. An Kompetenzen

der Mentoren wurden neben ihren fachlichen Erfahrungen

als Führungskräfte vor allem ihre persönlichen

Fähigkeiten wertgeschätzt.


Kommunikation

Ein Großteil der Kommunikation zwischen den Mentoring-Partnern

fand per E-Mail und Telefon statt. Darüber

hinaus wurde die Bedeutung des direkten Kontakts und

des persönlichen Gesprächs stark betont. Die Mentees

und Mentoren hatten durch die relative Wohnortnähe die

Möglichkeit, sich bis zu einmal pro Monat zu treffen und

Durchführung

vielfältige Aktivitäten gemeinsam anzugehen. Die Treffen

fanden vorwiegend an den Wohnorten der Mentorinnen

und Mentoren oder an neutralen Orten statt. Dieser direkte

Austausch war besonders für die Mentees von Bedeutung.

Er half ihnen, im direkten Gespräch ein Vertrauensverhältnis

zur Mentorin oder dem Mentor aufzubauen, was durch

die Distanz bei Telefonaten oder der E-Mail-Korrespondenz

schwieriger ist. Die Vorgabe, die Tandems maximal

200 km entfernt zu platzieren, hat sich so als wichtig und

erfolgreich erwiesen.

3.6 Begleitveranstaltungen

Zentrale Veranstaltungen und Seminare,

an denen alle Projektmitglieder

teilnahmen, bildeten den Rahmen für

das Mentoring-Projekt. Diese Treffen

ermöglichten einen intensiven Erfahrungsaustausch

unter Mentees und

Mentoren sowie eine Netzwerkbildung,

die über das eigene Tandem hinausging.

Anhand von Impulsreferaten, Vorträgen

und Diskussionen wurde unter anderem

auf die Themen Chancengleichheit und

Gender eingegangen. Außerdem wur-

Britta Ufer und Martin Schönwandt im Gespräch


den übergeordnete Impulse zu Aspekten der beruflichen

und persönlichen Entwicklung mitgegeben. Drüber hinaus

dienten die Veranstaltungen dazu, dem leitenden Projektteam

Rückmeldung und Wünsche direkt mitzuteilen, sich

Ideen und Ratschläge einzuholen und den individuellen

Projektverlauf zu reflektieren.

Zentrale Veranstaltungen

Zu den zentralen Veranstaltungen zählten eine Auftakt-

und Abschlussveranstaltung sowie eine Zwischenbilanz.

Diesen eintägigen Veranstaltungen war jeweils ein gemeinsamer

Abend vorgeschaltet, der dem Austausch und

der Vernetzung der Tandems und der weiteren Projektbeteiligten

diente.

Am Vorabend der Auftaktveranstaltung hatten die Tandems

die Möglichkeit, am traditionellen Frankfurter Sportgespräch

teilzunehmen. Personen aus Wirtschaft, Sport

und Politik diskutierten das Thema „Wo läuft der Sport in

Zukunft hin“. Im Zentrum der Auftaktveranstaltung am 07.

Oktober 2005 in Frankfurt a.M. standen neben einem Impulsvortrag

von Dr. Claudia Combrink zum Thema „Frauen

in haupt- und ehrenamtlichen Führungspositionen im

Sport“ die Präsentationen der einzelnen Tandems. Mentees

und Mentoren stellten dabei gemeinsam ihre Zielverein-

Zwischenbilanz im Wannseeforum Berlin

Durchführung

barungen und Projektplanungen für das folgende Jahr vor.

Workshops zu Themen der Personalentwicklung und Karriereplanung

rundeten das Programm der Auftaktveranstaltung

ab.

Die Zwischenbilanz am 17. März 2006 in Berlin wurde mit

einem Novum eröffnet. Erstmals fand ein Kaminabend im

beeindruckenden Ambiente des Wannseeforums statt. Dieser

Abend diente dem Networking zwischen den Mentees

und Mentoren. Außerdem bot er die Möglichkeit zu informellen

Gesprächen mit Gästen aus Führungspositionen

des Sports, die zu diesem Abend eingeladen wurden. Am

Folgetag stand eine Präsentation mit anschließender Dis-


24

kussion über „Karrieremanagement“ auf der Agenda. Daraufhin

zogen die Tandems sowie das Projektteam Bilanz

über die bisherigen Arbeitsergebnisse und diskutierten geplante

Aktivitäten der anstehenden zweiten Projekthälfte.

Am Nachmittag hatten die Tandems die Möglichkeit, ihre

weitere Zusammenarbeit mit Unterstützung der Moderatorin

Martina Graupner-Kreutzmann zu planen, eventuell

auftretende Probleme zu besprechen und gegebenenfalls

neue Zielvereinbarungen zu treffen.

Die Abschlussveranstaltung am 03. November 2006 in

Frankfurt a.M. bot die Gelegenheit, das Thema Chancengleichheit

zu behandeln und das zweite adh-Mentoring-

Projekt sowohl auf persönlicher als auch auf übergeordneter

Ebene zu resümieren. Zu Beginn stellte Frau Marianne

Weg das Allgemeine Gleichstellungsgesetz AGG mit aktuellen

Bezügen vor. Ihr Vortrag stieß sowohl bei den Mentoren

als auch bei den Mentees auf großes Interesse. Die

Tandems präsentierten im Anschluss auf kreative Art und

Weise ihre Zusammenarbeit der letzten Monate und zeigten

dadurch den Facettenreichtum des Mentoring-Projekts auf.

In zwei getrennten Arbeitsgruppen hatten die Mentees sowie

die Mentorinnen und Mentoren dann die Möglichkeit,

das Projekt auszuwerten und Vorschläge für die künftige

Gestaltung von TANDEM zu entwickeln. Die Ergebnisse

wurden im Plenum vorgestellt und diskutiert.

Durchführung

Das Mentoring-Projekt wurde von den Mentees als Chance

gesehen, wertvolle Einblicke in das Berufsfeld Sport

zu erhalten und mit einer erfahrenen Person zusammenzuarbeiten.

Auch die Mentorinnen und Mentoren erlebten

das Projekt als Bereicherung. Im engen Kontakt mit den

Mentees wurden Fragen aufgeworfen, die zur Reflexion

der eigenen Arbeit und des eigenen Lebensweges genutzt

werden konnten. Darüber hinaus beschrieben die Mentoren

die Möglichkeit, einem jungen Menschen beratend und

unterstützend zur Seite stehen zu können, als eine positive

Erfahrung. In einigen Fällen wird der Kontakt sicherlich

nicht abreißen.

Qualifizierungsseminare

Im Rahmen des Projekts wurden den Mentees kostengünstige

Seminare angeboten, die Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung

und der Karriereplanung thematisierten. Diese

Fortbildungen dienten der fachlichen Qualifizierung, dem

Training von Schlüsselqualifikationen, der Teambildung

und Reflexion des Mentoring-Prozesses. Die Seminare

wurden in das reguläre adh-Bildungsprogramm integriert,

waren aber thematisch auf die Bedürfnisse der Mentees

ausgerichtet.

Mentees und interessierte Studierende erarbeiten Präsentationen

im Seminar „Mit Profil zum Ziel“.


Das erste Seminar „Mit Profil zum Ziel – Self-Marketing“

fand am 28. und 29. Januar 2006 unter der Leitung der Diplom-Pädagogin

Johanna v. Luckwald in Frankfurt statt.

Der Arbeitsschwerpunkt des ersten Tages lag auf einer individuellen

Stärken- und Potenzialanalyse zur Zielfindung

in der Berufswegplanung. Nach einer theoretischen Einführung

zu Präsentationstechniken und dem Ausprobieren

nonverbaler Kommunikationstechniken bereiteten die Teilnehmenden

am zweiten Tag Selbstpräsentationen vor, die

sie dann anhand einer Videoanalyse und durch konstruktives

Feedback der anderen Teilnehmenden reflektierten.

Das Seminar „Wirkungsvoll Präsentieren“, das für den 10.

und 11. Juni 2006 geplant war, konnte aufgrund einer zu

geringen Anmeldezahl nicht stattfinden. In diesem Semi-

Durchführung

nar sollten Methoden des Präsentierens vorgestellt sowie

die Planung, Vorbereitung, Visualisierung und rhetorische

Gestaltung eines Vortrags erlernt werden.

Um den Kontakt zwischen den zentralen Veranstaltungen

aufrecht zu erhalten, wurde den Mentees am 16. und 17.

September 2006 in Braunschweig ein vom Projektteam

moderierter Reflexionsworkshop angeboten. Hier hatten

die Mentees die Möglichkeit, den bisherigen Projektverlauf

Revue passieren zu lassen und im Austausch mit den

anderen Mentees ihre Entwicklung der vergangenen Monate

– auch im Zusammenhang mit dem Mentoring-Projekt

– zu reflektieren. Ein lockerer Gesprächsrahmen und

gemeinsames Sporttreiben bildeten die Grundlage für intensive,

persönliche Gespräche.


4. Resumée – Etappenanalyse

Rückblick

Zusammenfassend kann auch das zweite adh-Mentoring-

Projekt TANDEM als voller Erfolg gewertet werden. Es

ist gelungen, jungen Frauen

mit vielfältigen Potenzialen

detaillierte Einblicke in die

Strukturen des (Hochschul-)

Sports zu geben und für sie

Etappenanalyse

die Aktionsfelder im Sport transparent zu machen.

Jede Mentee hatte im Projekt die Möglichkeit, sich individuelle

Ziele zu setzen und in Zusammenarbeit mit der

Mentorin oder dem Mentor selbst zu bestimmen, in welchen

Bereichen tiefere Einblicke und eine persönliche

Weiterentwicklung gewünscht waren.

Es ist ebenso gelungen, den Mentorinnen und

Mentoren durch TANDEM einen Rahmen anzubieten,

in dem sie über ihre eigenen beruflichen

und politischen Aktivitäten im Sport

hinaus jungen Nachwuchskräften gezielte

Unterstützung anbieten konnten. Sie

mussten sich aktiv mit den Problemen

und Herausforderungen

junger Frauen im Berufsleben

sowie deren individuellen

Entwicklungsmöglichkeiten

auseinandersetzen. Durch

die enge Zusammenarbeit

mit jungen Nachwuchskräften

bot sich den Mentorinnen

und Mentoren ein Reflektionsrahmen

für die eigenen

Aktivitäten und den eigenen

beruflichen Werdegang.

Die Mentees zogen eine sehr

positive Bilanz über TANDEM.


Das Fazit der Teilnehmenden zum Projekt zeigt, dass alle

vom Mentoring profitierten – „Engagement lohnt sich auf

beiden Seiten“. In der Regel entstand während der Zusammenarbeit

tatsächlich eine gegenseitige und freundschaftliche

Austauschbeziehung, wie die Teilnehmenden auf die

Frage nach der abgeschlossenen Mentoringbeziehung bestätigten.

Ein entscheidender Faktor für diese Erfolge war der organisatorische

Rahmen, in dem das Projekt eingebettet war.

Die zentralen Veranstaltungen bewirkten eine hohe Verbindlichkeit

und Bindung an das Projekt sowie ein konstantes

Engagement für das Projekt. Die Projektstruktur bot

darüber hinaus wichtige Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch

sowie Informationen zu relevanten Themenfeldern.

Innerhalb des Projekts kam es durch die Beteiligung

von Mentees, Mentorinnen und Mentoren aus ganz unterschiedlichen

Bereichen des Sports zu einer Vernetzung

mit diversen Sportinstitutionen und Personen. Weiterhin

wurden über die Veranstaltungen Gäste mit spezifischen

Kenntnissen und Erfahrungen in das Projekt eingebunden.

Hier gaben beispielsweise Persönlichkeiten aus der Sportwissenschaft,

aus dem Veranstaltungsmanagement, der

Politik und Wirtschaft oder der Gender-Arbeit an Hochschulen

verschiedene Impulse und legten unterschiedliche

Sichtweisen dar.

Etappenanalyse

Mentoring wird im Sport verstärkt als erfolgreiche Möglichkeit

der Personalentwicklung diskutiert und findet

immer breitere Akzeptanz. Der adh hat mit seinem Pilotprojekt

einen wichtigen Schritt zu dieser Entwicklung

beigetragen. Anhand der ausführlichen Evaluation des

ersten Projekts konnte im diesmaligen, zweiten Projektdurchlauf

auf den Erfahrungen aufgebaut und das Mentoring-Projekt

noch effizienter gestaltet werden.

Besonders der Aspekt der Netzwerkarbeit wurde deutlich

ausgebaut. Des Weiteren wurde den Mentees sowie den

Mentorinnen und Mentoren ein Praxis-Leitfaden an die

Hand gegeben, um Unsicherheiten und Hemmschwellen

schon im Vorfeld abzubauen und Anlaufschwierigkeiten

zu vermeiden. Ergänzend versuchte das Projektteam

in ständigem Kontakt zu den Tandems zu bleiben, um

auch in den Zeiträumen zwischen den Veranstaltungen

bei Schwierigkeiten frühzeitig unterstützen zu können.

Dies erwies sich ebenfalls als sehr positiv und soll in

Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus

zeigte sich, dass es besonders wichtig ist, eigene Treffen

für Mentees zu ermöglichen. Diese wurden im zweiten

Mentoring-Projekt in einem deutlich erweiterten Rahmen

angeboten.

Bezüglich der angebotenen Qualifizierungsseminare

lässt sich sagen, dass die Resonanz auf das erste Seminar

von Seiten der Mentees sehr hoch war und dieses zum

27


28

Kennenlernen und Austausch genutzt wurde. Das zweite

Seminar musste, wie bereits erwähnt, aufgrund mangelnder

Anmeldezahlen ausfallen. Die Mentees kritisierten

teilweise eine zu starke thematische Verwandtschaft beider

Fortbildungsangebote. Der Mentee-Workshop im September

2006 in Braunschweig wurde von den Teilnehmerinnen

als überaus wichtig empfunden, da hier die Möglichkeit

bestand, sich ohne Zeitdruck intensiv mit der Thematik

Berufswegplanung und Mentoring zu beschäftigen.

Abschließend lässt sich feststellen, dass fast alle Mentees

im Zeitraum des Projekts eine deutliche Entwicklung in

Richtung Berufsfeld Sport durchlaufen haben. Eine Mentee

erhielt eine Stelle im Hochschulsport, eine weitere veränderte

sich beruflich innerhalb des Hochschulsports. Erste

Hürden auf dem Weg in die Sportwissenschaft wurden mit

der Entscheidung zur Promotion bei einer Person genommen,

eine weitere machte sich im Bereich Sport selbstständig.

Eine Mentee, die ursprünglich einen wirtschaftlichen

Schwerpunkt im Bereich Sport anstrebte, fasste beruflich in

einem anderen Bereich Fuß. Zwei Mentees konnten durch

ihre Mentoren auf interessante Praktika zugreifen, die zur

Berufsfindung und Qualifikation beitrugen. Für eine Mentee

stand der Abschluss des Studiums im Mittelpunkt, der

erfolgreich gelang.

Etappenanalyse

Diese Beispiele zeigen, dass die beteiligten jungen Frauen,

die sich zu Beginn des Projekts in Orientierungsphasen

befanden, wichtige Schritte hinsichtlich ihrer persönlichen

und beruflichen Zukunft machten. Diese lassen sich

sicherlich nicht ausschließlich auf das Mentoring-Projekt

zurückführen, aber die Mentees bestätigten, dass die Unterstützung

und Ermutigung durch die Mentoren in vielen

Fällen eine wichtige Hilfe bei der Entscheidungsfindung

war. Auch der Kontakt zum adh wurde bei allen Beteiligten

vertieft, wenngleich im Unterschied zum letzten Projekt

kein Einstieg in ein ehrenamtliches Amt im Hochschulsport

oder in adh-Gremien zu verzeichnen ist.

Zukünftige Etappenplanung - Perspektiven

Der grundsätzliche Erfolg des Mentoring-Projekts TAN-

DEM gab dem Projektteam Anlass, sich für ein weiteres

Mentoring-Projekt einzusetzen.

Der adh-Vorstand setzte TANDEM nach der zweiten Projektphase

unter der Prämisse der Finanzierung als ein

Hauptprojekt auf seine Agenda. Die Finanzierung für ein

drittes Projekt konnte erneut gesichert werden, der Projektbeginn

ist im Herbst 2007.


Am TANDEM-Grundkonzept wird auch in der dritten Projektrunde

festgehalten. Des Weiteren werden die folgenden

Erfahrungen der beiden letzten Projekte eingearbeitet

� Beibehaltung der Projektlaufzeit bei 18 Monaten, damit

die geplanten Veranstaltungen nicht zeitlich zu nah

aufeinander folgen.

� Beschränkung der räumlichen Distanz zwischen Mentor

und Mentee wird konsequent beibehalten.

� Vorbereitungsveranstaltungen für Mentees sowie Mentorinnen

und Mentoren sollen weiter stattfinden.

� Eine eventuelle Kopplung mit offiziellen Veranstaltungen

des adh oder kooperierenden Organisationen wird

angestrebt.

� Die Förderung der Netzwerkbildung der Teilnehmenden

wird weiter ausgebaut.

� Die Installierung eines Web-Forums hat nicht den erwarteten

Zuspruch gefunden und wird alternativ umgesetzt.

� Die Initiierung von expliziten Netzwerk-Treffen

war ebenso erfolgreich wie die regelmäßige

Versendung eines Newsletters und wird

beibehalten.

Das Projekt TANDEM geht nun in die

dritte Runde, die Vorbereitungen

laufen!

Etappenanalyse

Mentoring kann ein effektives Modell der Frauenförderung

im Sport sein. Es ist deutlich geworden, dass es ein

geeignetes Mittel von Potenzialidentifizierung und -förderung

im Sinne einer Personalentwicklung ist und somit den

Sport im Rahmen der Organisationsentwicklung qualitativ

verbessern kann. Anzustreben ist weiterhin, dass die Mentees

beziehungsweise die Mentorinnen und Mentoren ihre

Erfahrungen an andere weitergeben und somit ein Multiplikatoreneffekt

entsteht und Breitenwirkung erreicht werden

kann.


30

Ausblick: Perspektiven der Frauen- und Gleichstellungspolitik im Hochschulsport

Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper im Gespräch mit Britt Dahmen

Chancengleichheit von Frauen und Männern im Sport

– was verbinden Sie damit?

Unter Chancengleichheit von Frauen und Männern im

Sport verstehe ich den gleichberechtigten Zugang zu allen

Formen des aktiven Sporttreibens sowie zur Übernahme

aller vorhandenen Funktionen – ehrenamtlich und hauptamtlich

– im Sportsystem. Da die aktuelle Situation zeigt,

dass sowohl die Partizipationsraten als auch die Besetzung

von Ämtern, insbesondere in Führungspositionen,

für Frauen im Vergleich zu den Männern noch deutliche

Diskrepanzen aufweisen, ist es erforderlich, Maßnahmen

zu ergreifen, um Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit

zu realisieren.

Sie tragen inzwischen in vielen verschiedenen Führungspositionen

im Sport Verantwortung – was könnte getan

werden, um diesen Weg vielen Frauen zugänglich zu

machen?

Frauen, insbesondere jüngere Frauen, sollten gezielt für

Führungspositionen gewonnen werden. Das liegt nicht

nur in der Verantwortung von Frauen, sondern ist eine

ganz besondere Herausforderung auch für die Männer.

Natürlich muss bei diesen Frauen ein Interesse, eine

Motivation für die Übernahme eines solchen Amtes

vorhanden sein. Diejenigen, die bereits in Führungspositionen

sind, können hier aber eine aktive Rolle

übernehmen, indem sie deutlich machen, welche fachlichen

und persönlichen Kompetenzen in Führungsämtern

erforderlich sind. Im internationalen Bereich

gehören fremdsprachliche Kompetenzen und Kenntnisse

der unterschiedlichen Geschäftsordnungen sowie

der Sitzungsleitung in internationalen Gremien zu den

Anforderungen. In unseren Befragungen ist festgestellt

worden, dass es vor allem auf die persönliche Ansprache

von potenziellen weiblichen Nachwuchsführungskräften

ankommt. Ich habe vielen Frauen, beispielsweise als

Mentorin, zu vermitteln versucht, was auf sie zukommt,

wenn sie für ein Ehrenamt im Sport kandidieren. Einmal

gewählt, muss man sich aktiv und mit Freude an der Gestaltung

der Vorstandsarbeit beteiligen, Durchsetzungsvermögen

haben und bei Konflikten gemeinsam mit anderen

nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Hier können Frauen

verstärkt ihre soziale Kompetenz einbringen. Neben

solchen persönlichen „Förderungen“ ist auch ein konti-


nuierliches systematisches Vorgehen durch Coaching und

Mentoring, wie beispielsweise beim adh-Mentoringprojekt

TANDEM, wichtig. Wenn man selbst eine Führungsposition

innehat, hat man deutlich höhere Verantwortung und

größere Einflussmöglichkeiten, sich bei diesen Themen zu

engagieren. Darüber hinaus sind sportpolitische Vorgaben

weiterzuentwickeln und zu implementieren, um Frauen

verstärkt den Zugang zu Ämtern zu ermöglichen.

„Frauen- und Gleichstellungspolitik – das ist Frauensache!“

Würden Sie dieser Aussage zustimmen?

Nein, dem stimme ich nicht zu. Männer und Frauen sind

gleichermaßen gefordert, sich für die Gleichstellung zu

engagieren – nicht nur mit Worten, also in sogenannten

„Sonntagsreden“, sondern durch ihr Handeln. Gleichstellungspolitik

ist eine Querschnittsaufgabe und hat

ihre Basis in der Verfassung und international in den

Menschenrechtsbestimmungen der Vereinten Nationen.

Insofern müssen sich alle für sie engagieren, also auch

Männer, da die gesamte „Sportfamilie“ von den Talenten

der Frauen als Ressourcen profitiert. Im Weltrat für Sportwissenschaft

und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE)

findet seit 1998 ein „Gender Equality Plan“ Anwendung.

Auch in der Satzung des DOSB sind Frauenförderung

und Geschlechtergleichstellung explizit enthalten und es

sind frauenpolitische Positionspapiere fortgeschrieben

worden, die es in allen Bereichen des Sports umzusetzen

gilt. Gleichstellungspolitik betrifft meines Erachtens aber

nicht nur die Chancengleichheit von Männern und Frauen,

sie schließt auch ein, Menschen unterschiedlicher sozialer,

kultureller beziehungsweise ethnischer Herkunft und

Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe

in allen gesellschaftlichen Bereichen, also auch im

Sport, zu ermöglichen.

Warum wird Ihrer Meinung nach Frauen- und Gleichstellungspolitik

im Sport immer wieder in Frage

gestellt?

31


32

Die Frauen- und Gleichstellungspolitik ist formal verankert,

Schwierigkeiten ergeben sich meines Erachtens in

der Umsetzung. Die sogenannte „win-win“-Situation, das

heißt, dass alle Beteiligten davon profitieren, wird noch

nicht immer gesehen. Vielleicht hat sie in einer Zeit, in der

kurzfristiger Vorteil mehr zählt als nachhaltiges Denken

und Handeln, auch wenig Chancen. Wie erklären Sie einem

Mann, dass es wichtig ist, Frauen zu unterstützen, sich

neben ihm um Positionen bewerben? Wir müssen verantwortungsbewusster,

nachhaltiger entscheiden. Da muss

sehr viel Überzeugungsarbeit, auch hier von Männern

und Frauen, geleistet werden. Für die Sportentwicklung

ist es in höchstem Maße bedeutsam, alle Beschlüsse der

Frauen- und Gleichstellungspolitik umzusetzen, sie also

mit Leben zu füllen.

Welche Chancen könnte Frauen- und Gleichstellungspolitik

für die Qualitätssicherung im Sport bieten?

Qualität und Qualitätssicherung im Sport sind zentrale

Themen einer zukunftsorientierten Sportentwicklung.

Dabei sind Frauen und Männer mit ihren jeweiligen

Kompetenzen ohne jede Einschränkung zu beteiligen. Und

eine Gesellschaft profitiert davon, wenn an ihrer Entwicklung

möglichst viele Menschen beteiligt sind. Das betrifft

das Engagement für den Sport, für den Sportunterricht

und für den Gesundheitssport, darüber hinaus aber den

gesamten Bildungs- und Ausbildungsbereich, alle Felder

der Integration im und durch Sport und die Entwicklung

von Führungskräftepotenzialen, um nur einige Themen

zu nennen.

Frauen- und Gleichstellungsarbeit im Sport in fünf

Jahren – was sollten Ihrer Meinung nach die Themen

sein und wie sehen die Strukturen aus?

Fragen nach der Zukunft sind immer spannend. Ich

würde mir wünschen, dass wir in fünf Jahren deutliche

Fortschritte in der Frauen- und Gleichstellungspolitik im

Sport gemacht haben; dass wir zum Beispiel nicht immer

noch hören müssen „ …wir hätten ja eine Frau für das Amt

X vorgeschlagen, aber wir haben keine gefunden“. Gleichstellungsfragen

werden hoffentlich in allen unseren Sportstrukturen

verankert sein, sie werden uns aber sicherlich

auch noch in fünf Jahren und darüber hinaus beschäftigen.

Die Weichen für die Entwicklung stellen wir heute! Es

liegt in unserer Verantwortung, für ein gleichberechtigtes

Miteinander im Sport und in der Gesellschaft zu sorgen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Texte und Interviews zum Thema finden Sie in

den Hochschuslport-Magazinen 2006 und 2007.


Etappenüberblick des gesamten Projekts

Termin Ort Art Thema Zielgruppe

Januar 2005 bundesweit Ausschreibung Mentees, MentorInnen

April 2005 bundesweit Bewerbungsschluss Mentees, MentorInnen

21. Juli 2005 Frankfurt a.M. AT Kennenlernen ProjektbewerberInnen

07. Oktober 2005 Frankfurt a.M. AT Sportgespräch 2005

Auftaktveranstaltung

Mentees, MetorInnen,

geladene Gäste

28./29. Januar 2006 Frankfurt a.M. S „Mit Profil zum Ziel“ Mentees

16./17. März 2006 Frankfurt a.M. AT Kaminabend,

Zwischenbilanz

Mentees, MentorInnen,

geladene, Gäste

10./11. Juni 2006 Hannover S Wirkungsvoll präsentieren Mentees

16./17. September 2006 Braunschweig NT Reflektionsworkshop Mentees

03. November 2006 Frankfurt a.M. AT

AT: Arbeitstagung S: Seminar NT: Netzwerktreffen

Auswertungsworkshop,

Abschlussveranstaltung

Mentees, MetorInnen,

geladene Gäste


IMPRESSUM

Herausgeber

Allgemeiner Deutscher

Hochschulsportverband

Max-Planck-Straße 2

64807 Dieburg

Telefon: 06071-208610

E-Mail: adh@adh.de

TANDEM

Redaktion

Inken Behrens

Julia Beranek

Melanie Heil

Elisabeth Marx

Anna Voss

Gestaltung

Julia Beranek

Projektdokumentation

Fotos

adh-Archiv

© Allgemeiner

Deutscher

Hochschulsportverband

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