QUILT - Ausgabe 2007 - Münchner Aids-Hilfe eV

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QUILT - Ausgabe 2007 - Münchner Aids-Hilfe eV

Titel: Isabella Jantz, P.O.A. PicOneAgency

Ausgabe 17/2007

Das Magazin der Münchner Aids-Hilfe e.V.

Schauspielerin Isabella Jantz ist aktiv beim Welt-Aids-Tag


Erinnerungsservice per SMS

Mal wieder die Pillen vergessen?

Betroffene helfen Betroffenen,

damit die HIV-Therapie auch klappt!

Infos bei Münchner Aids-Hilfe, Engelbert Zankl, HIV-Therapie-Hotline

Tel. 089-54 333-123 oder therapie.hotline@muenchner-aidshilfe.de

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HIV-THERAPIE HOTLINE

089-54 333-123

Gruppenangebote für Menschen mit HIV

bei der Münchner Aids-Hilfe

Freizeitgruppe

Gemeinsame Ausflüge, Wanderungen, Theaterbesuche, gesellige

Abende und mehr. Aktuelles Monatsprogramm bitte telefonisch

erfragen bei Andrea Brunner

Stammtisch Freizeitgruppe

Jeden dritten Mittwoch eines Monats im Café Regenbogen der

Münchner Aids-Hilfe um 19 Uhr.

Information und Anmeldung: Andrea Brunner, Tel. 089- 54 333-0,

E-Mail: andrea.brunner@muenchner-aidshilfe.de

Heterotreff

Für positive Männer und Frauen jeden 4. Mittwoch um 19.30 Uhr

im Café Regenbogen der Münchner Aids-Hilfe. Information: Antje

Sanogo, Münchner Aids-Hilfe, Tel. 089- 54 333-0,

E-Mail: antje.sanogo@muenchner-aidshilfe.de

Positiver Stammtisch

Jeden Dienstag ab 19.30 Uhr im Café Regenbogen der Münchner

Aids-Hilfe. Information: Engelbert Zankl, Tel. 089-54 333-123,

E-Mail: therapie.hotline@muenchner-aidshilfe.de

Tabakentwöhnung für Menschen mit HIV

Die Münchner Aids-Hilfe bietet mehrmals im Jahr Tabakentwöhnungskurse

für Menschen mit HIV an.

Termine und Infos bei Daphne Cisneros, Tel. 089-54 333-0,

E-Mail: daphne.cisneros@muenchner-aidshilfe.de

Regelmäßige Sportangebote

Yoga (Sivananda)

Jeden Dienstag von 19.00 bis 20.30 Uhr

im 2. Stock der Münchner Aids-Hilfe.

Yoga (Iyengar)

Jeden Mittwoch von 19.00 bis 20.30 Uhr

im 2. Stock der Münchner Aids-Hilfe.

Sport - AnfängerInnen, sanfte Gymnastik

Jeden Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr im Max-Planck-

Institut, Kraepelinstraße 10. Anschließendes Schwimmen bei 27°C

Wassertemperatur möglich.

Sport - Gymnastik, Kondition

Jeden Donnerstag von 20.00 bis 21.00 Uhr im Max-Planck-Institut,

Kraepelinstraße 10. Anschließendes Schwimmen bei 27°C

Wassertemperatur möglich.

Informationen zu allen Sportangeboten: Engelbert Zankl,

Tel. 089-54 333-0, E-Mail: therapie-hotline@muenchner-aidshilfe.de


Gemeinsam gegen Aids:

Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde,

auch wenn Aids keine Sensation mehr ist: Der Kampf gegen Aids ist noch

lange nicht gewonnen. Aids ist immer noch eine weltweite Katastrophe,

vor allem in Afrika, Asien und Osteuropa. Über 40 Millionen Menschen

leben mit HIV, nur ein Bruchteil erhält die lebensverlängernden Therapien.

Jährlich sterben 3 Millionen Menschen an Aids. In jeder Minute infizieren

sich acht Menschen neu. Hinter diesen abstrakten Zahlen steht das Leid

einzelner Frauen und Männer, das Familien, ja, ganze Gesellschaften zerstört.

Hier sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Pflicht, Initiative

zu zeigen und gemeinsam zu handeln. Dabei ist aber nicht nur die Politik,

sondern jeder Einzelne gefragt. Deshalb steht der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

auch unter dem Motto „Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen

Verantwortung. Für uns und für andere.“ Doch bei einem globalen Blick

darf München kein blinder Fleck werden.

Auch wenn es uns mit den niedrigen Infektionszahlen und den HIV-Therapien

relativ gut geht, müssen wir lokal handeln. Da übernehmen wir, die

130 ehrenamtlichen und 60 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Münchner Aids-Hilfe, Verantwortung und fordern diese auch von

anderen ein. Denn es besteht Grund zur Sorge: Aids wird bagatellisiert,

das Sterben verdrängt. HIV scheint für viele zu einer leicht behandelbaren,

nur sexuell übertragbaren Krankheit zu werden. Die Realität sieht oft

anders aus. Gerade in den letzten Monaten hat unser Case Management

wieder verstärkt Klienten mit lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen

versorgt. Und wir wurden wieder häufiger mit dem Tod von Klientinnen

und Klienten konfrontiert. Aids kann immer noch tödlich sein.

Trotzdem gibt es eine gewisse Präventionsmüdigkeit. Zu viele denken,

Aids könne ihnen nicht passieren. Es werden weniger Kondome gekauft,

weniger benutzt. Die Neuinfektionen steigen. Deshalb haben wir unsere

Präventionsbemühungen verstärkt. Mit der Aktion „Danke für Safer Sex“

sagten wir auf Postkarten, mit Anzeigen und kleinen Geschenken all

denen Danke, die sich und andere immer noch schützen. Und wir werben

intensiv für den HIV-Test, vor allem bei schwulen Männern. Denn getestete

schwule Männer, ob negativ oder positiv, sind eher bereit, sich und

andere zu schützen. Mit unserem neuen Projekt „Checkpoint München“

bieten wir eine ausführliche Risikoberatung und zum ersten Mal auch

die Möglichkeit zu einem HIV-Test, dessen Ergebnis bereits nach 30 Minuten

vorliegt. Außerdem werden wir die Test-Abende im Sub-Zentrum für

schwule Männer vierteljährlich fortführen, wenn uns das städtische Gesundheitsreferat

unterstützt. Dass heute 80 Prozent derer, die mit Aids

ins Krankenhaus kommen, bis dahin nicht wussten, dass sie HIV-positiv

sind, ist erschreckend. Erschreckend ist aber auch das Ergebnis zweier

Umfragen, die wir in Haftanstalten und Pflegeeinrichtungen gemacht haben:

Gefangene haben in Bayern praktisch keinen Zugang zu Kondomen,

Pflegeeinrichtungen sind auf Menschen mit HIV kaum eingestellt. Das

sollte anders sein. Deshalb ist unsere Arbeit, Aufklärung und Information

immer noch so wichtig.

Wichtig sind aber auch unsere vielfältigen Beratungs- und Hilfsangebote

für Betroffene, mit denen wir immer auch innovativ auf deren Bedürfnisse

reagieren. Aktuell durch Tabakentwöhnungskurse für Positive oder

durch die neue ehrenamtliche Internet-Beratung bei Gayromeo. Die

größte Veränderung im Aids-Geschehen brachten jedoch die Therapieerfolge:

Betroffene konnten und wollten wieder arbeiten. Deshalb schufen

wir mit den Projekten Metha-Job, Tagungszentrum und Café Regenbogen

eine neue Angebotssäule „Arbeit, Beschäftigung und Qualifizierung“.

Durch geförderte Arbeitsplätze finden dort Menschen mit HIV und Aids,

die langzeitarbeitslos sind oder Arbeitslosengeld II beziehen, nicht nur

Beschäftigung. Dank der Deutschen Aids-Stiftung können wir als einziger

Träger in München unseren Hartz-IV-MitarbeiterInnen auch kostenlose

Mittagessen anbieten. Außerdem werden sie parallel zu ihrer Tätigkeit

intensiv betreut und angeleitet. In ihrer spezifischen psychosozialen

Situation genauso wie im Beruf. Dabei ist es unser Ziel, mittelfristig den

Wiedereinstieg in das Arbeitsleben zu ermöglichen. Wenn Sie dieses

Ziel unterstützen wollen, dann kommen Sie doch als Gast in unser neu

renoviertes und öko-zertifiziertes Café Regenbogen. Wir bieten: ein

frisches, farbenfrohes, modernes Ambiente; viel Licht, das durch die

großen Scheiben in den Gastraum fällt; ein reichhaltiges Speisenangebot;

freundlichen, zuvorkommenden Service. Eine Atmosphäre, in der Sie

sich wohlfühlen werden. Und gleichzeitig unterstützen Sie die Arbeit der

Aids-Hilfe. Charity auf kulinarischer Ebene sozusagen. Oder mieten Sie

in unserem Tagungszentrum Seminar- und Tagungsräume. Auch damit

unterstützen Sie uns.

Mit diesem Quilt geben wir Ihnen wieder einen Einblick in die Themen

und Schwerpunkte, die uns gerade beschäftigen. Aktuelle Informationen

finden Sie jederzeit auf www.muenchner-aidshilfe.de. Dort können Sie

unseren Newsletter abonnieren. Aber auch Spenden ist dort bequem

und sicher online möglich. Denn wir brauchen Ihre Unterstützung. Seit

23 Jahren übernehmen wir Verantwortung. Aus der Selbsthilfe ist ein erfolgreiches,

professionelles Sozialunternehmen mit einem umfassenden

Netz an notwendigen Hilfsangeboten entstanden. Während unsere Arbeit

immer mehr wurde, wir neue bezuschusste Projekte anfingen, wurde

aber auch unsere Verpflichtung, einen 20-Prozent-Anteil über Spenden

aufzubringen, immer größer. Gleichzeitig nahm jedoch das öffentliche

Interesse und mit ihm Zuschüsse und Spenden immer mehr ab. Deshalb

brauchen wir Ihre Hilfe - nicht nur zum Welt-Aids-Tag. Kaufen Sie den

kuscheligen Aids-Teddy. Gehen Sie mit uns zum Candle-Light-Walk. Besuchen

Sie uns beim Pink-Christmas-Weihnachtsmarkt am Stephansplatz.

Kommen Sie zur Aids-TanzGala ins Gärtnerplatztheater oder zum Aids-

Konzert des Münchener Kammerorchesters ins Prinzregententheater.

Trainieren Sie jetzt schon, am besten im Team, für den nächsten Run for

Life im Englischen Garten. Organisieren Sie Ihre eigene Benefizveranstaltung.

Lassen Sie sich zum Geburtstag, zur Verpartnerung oder zur Firmenfeier

Geld für uns spenden. Für uns zählt jeder Euro. Unterstützen Sie

uns auch in der Politik, in den Medien oder durch ehrenamtliche Mitarbeit.

Übernehmen Sie mit uns Verantwortung. Für uns und für andere. Allein

schaffen wir das nicht. Nur so können wir auch in Zukunft die zentrale

Stelle für Selbsthilfe, Prävention, Gesundheitsförderung, Beratung, Rehabilitation

und Versorgung im HIV-Bereich sein. Nur so können wir zu einem

besseren Leben beitragen: für Menschen mit HIV und für schwule Männer,

Drogen gebrauchende Menschen und MigrantInnen, die am stärksten

von HIV bedroht sind. Dafür sagen wir ganz herzlich: Danke!

Thomas Niederbühl

Geschäftsführer der Münchner Aids-Hilfe e.V.

thomas.niederbuehl@muenchner-aidshilfe.de

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„Wie das halt so läuft“ − Mario H. (35) hat eine extreme Drogenvergangenheit.

Jetzt ist er Auszubildender der Münchner Aids-Hilfe und schmiedet Pläne.

135 Kilometer liegen zwischen München und Bad Reichenhall, dem

beliebten oberbayerischen Urlaubsort am Fuße des Predigtstuhls.

Auf der Homepage lockt die Gemeinde ihre Gäste mit den Worten: „Inmitten

herrlicher Natur, umgeben von den Bergen der Alpen, erleben

Sie eine Mischung aus Natur, Gesundheit und Kultur. Bekannt durch

das Salz, gehört Bad Reichenhall heute zu den beliebtesten Kur- und

Urlaubszielen in Bayern. Das noble Ambiente und die mondäne Weltoffenheit

in alpiner Landschaft bilden den eigentlichen Wesenszug

Bad Reichenhalls.“ Vor 35 Jahren ist in dieser Idylle Mario H. zur Welt

gekommen und aufgewachsen. Jetzt erzählt er an einem sonnigen

Septembertag mit weiß-blauem Himmel in den Räumen der Münchner

Aids-Hilfe unweit des Goetheplatzes in anderthalb Stunden seine

Lebensgeschichte. Draußen ist München im Wiesnfieber, noch zwei

Tage bis zum legendären „Ozapft is“. Am Ende werden 6,7 Millionen

Liter Bier durch durstige Kehlen gespült worden sein. Mario, den die

leitenden MitarbeiterInnen der Münchner Aids-Hilfe auch liebevoll

ihren „Vorzeige-Azubi“ nennen, gießt sich Tee ein. Von eher kleiner,

muskulöser Statur ist er. Ein sportlicher Typ, gekleidet in Jeans und

T-Shirt mit sympathischen, strahlend blauen Augen. Das einzig Auffällige

an ihm sind die bunten Turnschuhe und mehrere Tätowierungen.

Auf seinem Oberarm ist in Großbuchstaben der Name seines Sohnes

zu lesen. Der ist heute fast neun Jahre alt und stolz auf seinen Papa.

Doch der Reihe nach erzählt.

Marios Lebensgeschichte beginnt mit einer recht beschaulichen

Kindheit in Bad Reichenhall in den siebziger Jahren. Die Mutter, die

in der Gastronomie tätig ist und oft 14 Stunden am Tag arbeitet, ist

fürsorglich und versucht, es ihrem Buben an nichts fehlen zu lassen.

Soweit das eben bei diesem Arbeitspensum geht. Vor allem die Oma

kümmert sich um das Kind, das zwischen Schulzimmer und Fußballplatz

groß wird. Er zeigt spielerisches Talent und Ehrgeiz, und in

der Schule läuft es ganz gut. „Ich hatte eine harmonische Kindheit“,

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meint Mario rückblickend und fügt lachend hinzu: „Ich war ein verwöhntes

Einzelkind.“ Auch ein Scheidungskind. Der Vater hat sich früh

von der Familie verabschiedet. Es gibt keinen Kontakt zwischen Vater

und Sohn. Mario wird ihn im Laufe des Gesprächs nicht mehr erwähnen.

Der Junge wechselt in die Realschule, wo weitere vier Jahre ohne

größere Aufregung vergehen. Als Mario 14 Jahre ist, kommt der erste

große Einschnitt. Oder wie man auch sagen könnte: Sein Leben gerät

langsam und schleichend aus den Fugen. Warum das so ist, kann er

sich auch heute nicht so recht erklären. „Eigentlich hat es weder an

Nestwärme noch an Geld gefehlt. Aber wie es sich später rausstellte,

war es doch nicht das Optimale.“

Langsam beginnt er sich für Mädchen zu interessieren. Für einen

Jungen in diesem Alter nicht gerade untypisch. Aber zunehmend

auch für Alkohol. „Da habe ich mein erstes Bier getrunken.“ Seine Clique

aus gleichaltrigen Schulfreunden organisiert regelmäßig Partys.

Durchfeiern ist angesagt und einen über den Durst trinken. Der Einstieg

in die erste Droge Alkohol klingt so banal wie lapidar. „Wir haben

Feste gefeiert. Und natürlich ist da auch was getrunken worden. So

hat das seinen Gang genommen.“ Mario sieht sich nicht als Einzelfall.

Er habe auch nicht mehr getrunken als die anderen. „Das war damals

bei jedem so.“ Die Jugendlichen in den achtziger Jahren wissen in

Bad Reichenhall nicht so recht, wohin mit sich. Die Gemeinschaft ist

ihnen jedenfalls wichtig, der Zusammenhalt, Spaß haben und feiern.

„Wir haben sogar eine Partyhütte gebaut.“ Und zu allen Gelegenheiten

fließt reichlich der Alkohol. Wer von den Jugendlichen denkt da schon

ans Ausscheren oder vernünftig sein? Noch ist die Grenze zu härteren

Drogen nicht überschritten. Doch zwangsläufig lassen die schulischen

Leistungen bei Mario nach. Innerhalb eines halben Jahres geht

es rapide mit den Noten abwärts. Trotzdem reicht es am Ende für die

Mittlere Reife. „Es wäre aber viel besser gegangen.“ Bis hier ist alles

irgendwie im Lot. Seine Familie ist am Ort angesehen und verfügt

über gute Verbindungen.

Er beginnt gleich nach der Schule 1989 in einer ortsansässigen Autofirma

seine Lehre zum Bürokaufmann. „Wie man es halt so macht.“

Ab hier beginnt der Abwärtsstrudel in der Lebensgeschichte von

Mario sich immer schneller zu drehen. In der Autofirma sind ältere

Lehrlinge und Gesellen, die ihm Drogen anbieten. Und er probiert

davon. Wieder klingt es wie eine Zwangsläufigkeit. Nicht, dass er sein

Verhalten entschuldigen möchte. Er bereut seinen damaligen Drogenkonsum.

Aber für ein Nein hat er zu der Zeit offensichtlich nicht den

Willen. „Als ich das erste Mal Hasch genommen habe, war bei mir die

Hemmschwelle weg. Ich habe dann einfach alles mal ausprobiert. Wie

das halt so abläuft.“ Eine Mischung aus Abenteuer, Neugier, Trotz und

Aufbegehren treibt ihn an. „Als Jugendlicher war ich ein richtiger Revoluzzer.

Ich habe gemeint, dass ich viele Sachen besser weiß.“ Und er

weiß ganz genau, dass er noch längst nicht aufhören will. Der Damm

ist gebrochen, die Hemmschelle überschritten. Eine Drogenkarrriere

nimmt ihren Lauf. Erst Haschisch als Einstieg, dann die Partydroge

Amphetamin, schließlich „die ganzen Palette“. Tagsüber Lehre,

abends Technopartys. „Ich wollte das einfach alles ausprobieren.“

Mit 17 Jahren lernt er „einen Typen aus Nordrhein-Westfalen“ kennen.

Der ist auch auf Drogen und wird sein bester Kumpel. Die Lehre wirft

er nach 14 Monaten hin. Auch intervenierende Gespräche zwischen

Berufsschullehrer und Chef können das nicht verhindern. Mario ist es


leid, immer nur im Ersatzteilelager zu arbeiten. „Der Chef hat einen

Deppen gesucht, der die Arbeit macht.“ Die Situation zwischen Mutter

und Sohn verschlechtert sich daraufhin. Die Streitigkeiten häufen

sich, die Mutter macht ihm Vorwürfe. „Es war ein einziges Geschrei.“

Mario beschließt, die Fachoberschule zu besuchen. Und lebt parallel

sein Leben aus Technoszene und Partydrogen. Quer durch Deutschland

und übers Wochenende auch mal eben schnell ins Ausland. Es

hagelt Verweise, und er macht häufig blau. Die Mutter ahnt, dass ihr

Sohn Drogen nimmt, spricht ihn aber nicht darauf an. Sie will das Offensichtliche

nicht sehen. „Ich habe es immer geschafft, die Fassade

aufrechtzuerhalten.“ Immer mehr wird sein Drogenkonsum auch

ein finanzielles Problem. „Wenn man Drogen nimmt, geht es immer

nur ums Geld.“ Mario beginnt zu dealen, ist in der Szene einschlägig

bekannt. Er schläft nicht mehr daheim und lässt sich bei der Mutter

auch mal einen ganzen Monat nicht blicken. „Sie war ja eh den ganzen

Tag nicht da.“ Das ging lange so − es ging auch gut, aus Marios Perspektive.

Zum Dealen ist er nach Holland gefahren. „Da konnte man

viel Geld verdienen. Für mich war es auch Selbstbestätigung. Ich hab

das Zeug, und alle laufen mir hinterher.“ Mit der Polizei hat er bis dato

nie „Stress gehabt“. Er hat Spaß an diesem Leben. Gleichwohl ist ihm

ein Erlebnis in Erinnerung geblieben. Ein guter Freund hat mal zu ihm

gesagt: „Du bist zum Arschloch mutiert.“ Aber es gelingt ihm, „Drogen

und Schule unter einen Hut zu bringen“. Er schafft 1993 sein Fachabitur.

„Es ist nie daran gescheitert, dass ich nicht intelligent genug

wäre.“ Er ist stolz auf sich, glücklich, etwas gut geschafft zu haben.

„Es war ein befreiendes Gefühl.“ Vor dem Zivildienst jobbt er einige

Wochen in einer Brauerei. In dieser Zeit lernt er dann „die Mutter meines

Sohnes“ kennen, mit der er zwölf Jahre zusammenbleibt. Seinen

Zivildienst absolviert er zunächst als Aushilfshausmeister im katholischen

Pfarramt von Bad Reichenhall. Die Müdigkeit nach durchgefeierten

Drogennächten wird mit einer Nase Speed hinweggefegt.

Er bleibt − trotz Drogen und Partys − so gerade noch in der Spur.

Einen Plan zu haben, ist ihm immer wichtig. „Nie den Anschluss zu

verpassen und die Dinge anzugehen.“ Das kann auch mal die nächste

Stufe der Drogenkarriere bedeuten. Als er mit seinem Vorgesetzen im

Pfarramt aneckt, wechselt er ins Städtische Altersheim. Dort bringt

ihn ein Freund zum Heroin. „Das war der Anfang vom Ende. Das hat

eingeschlagen wie eine Bombe.“ Da ist er 21. „Ich war schlagartig auf

das Zeug fixiert.“

Seine Freundin bedrängt ihn mit ihren Plänen vom Familienglück mit

schöner Wohnung und einem Kind. „Ich bin dann den einfacheren

Weg gegangen und habe das geplante Studium sein lassen.“ Er jobbt

zunächst zwei Jahre an einer Autobahntankstelle und verdient sich

zusätzlich als Drogendealer. Die Freundin, die selber keine Drogen

nimmt, weiß um seine Abhängigkeit. Heroin braucht er mittlerweile

mehrmals am Tag. Die Tagesdosis liegt bei zwei Gramm; der Kostenpunkt

für ein Gramm bei 200 bis 250 Mark. „Ich habe das damals aber

noch nicht intravenös genommen.“ Schließlich macht die Freundin

Druck und stellt ihn vor die Wahl: Kind und Entzug oder Trennung.

Er willigt ein. „Ich wollte das auch. Unser Kind war ein Wunschkind.“

Mit 24 Jahren macht er zu Hause mithilfe der Freundin seinen ersten

Entzug. „Das war nicht angenehm. Aber die meisten Leute wissen gar

nicht, was sie aushalten können, wenn es wirklich sein muss.“

Noch kein Geschenk?

Wie wäre es mit einem

Gutschein

für einen schönen Abend

im Café Regenbogen!

Gutscheine für 10 Euro und 25 Euro

sind ab sofort erhältlich im

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Café Regenbogen

Lindwurmstr. 71

80337 München


Als ihm eine Lehre als Vermessungstechniker in einem Ingenieurbüro

angeboten wird, kommt es wieder anders. Marios Mutter übernimmt

eine gutgehende Gaststätte in Bad Reichenhall und der Sohn wird ihr

Angestellter. „Die Mutter hat erwartet, dass ich da mitarbeite.“ Der

Arbeitstag ist lang, von morgens um 10 Uhr bis weit nach Mitternacht.

Und das sechs Tage die Woche. Der siebte Tage wird zum Putzen und

Einkaufen genutzt. Die Freundin wird schwanger, und Mario ist fast

nur in der Arbeit. Da ist sie 26, er 25. „Ich habe wieder verstärkt zu

trinken angefangen. So 10 bis 15 Bier am Tag. Das hat mir über den Tag

geholfen.“ Die Beziehung wird schwieriger, die Freundin ist unzufrieden,

das Paar streitet sich oft. „Mir ist das alles zu viel geworden.“ Und

eines Tages kam einer, der Heroin dabei hatte. Mario nimmt wieder

Heroin und fängt wieder mit dem Dealen an. „Und dann ist es richtig

rund gegangen. Ich konnte am Tag zwischen 30 und 50 Gramm Heroin

verkaufen. Und das in der Kleinstadt Bad Reichenhall!“

Am 7. November 1998 kommt der Sohn zur Welt. Der Vater ist bei seinem

ersten Besuch im Krankenhaus voll auf Drogen. Daran erinnert

ihn heute noch der Ausdruck seiner Augen auf dem Foto. Marios Mutter

bekommt gesundheitliche Probleme und löst nach vier Jahren den

Gaststättenvertrag auf. Er jobbt wieder an einer Tankstelle. Nachdem

der Sohn ungefähr ein halbes Jahr alt ist, fängt die Freundin auch mit

Heroin an. Ihm kommt das nicht ungelegen. „Wir saßen dann zusammen

in einem Boot.“ Die bürgerliche Fassade wird aufrechterhalten,

tagsüber gehen beide zur Arbeit. Als Außenseiter kommt er sich nicht

vor, sondern eher mittendrin. „In Bad Reichenhall ist an jeder Ecke

gedealt worden.“ Er sagt von sich, dass er damals ein guter Vater

war. „Ich war immer derjenige, der in der Nacht aufgestanden ist. Klar

hat es an allen Ecken und Enden gefehlt. Aber das merkt man ja erst,

wenn man wieder nüchtern ist.“

Zum ersten Mal vor Gericht steht er ebenfalls 1998. Ironischerweise

in dem Jahr, in dem Mario clean ist. „Ich wollte damit nichts mehr zu

tun haben.“ Eine Sache von früher holt ihn ein. Es folgen die erste Bewährungsstrafe

und eine Geldbuße. Und er ist wieder arbeitslos. Um

die Jahreswende 2000/2001 steht die Polizei mit einem Haftbefehl

vor der Tür. Ehemalige Kunden haben gegen Mario ausgesagt. Seine

Dealer werden alle inhaftiert. Er kommt nach dem Verhör vorläufig auf

freien Fuß. Und stürzt sich voll in die Drogen. „In der Zeit war ich dann

nur noch Käufer und Konsument. Das ging brutal ins Geld. Da kämpfst

du nur noch ums nackte Überleben. Und wir waren zu zweit.“ Schließlich

geht er mit seiner Freundin zur Drogenberatung. Beide werden

substituiert. Sie planen eine Paartherapie. Doch soweit kommt es

nicht mehr. Mario wird kurz davor verhaftet. „Da bin ich dann zum

ersten Mal eingesperrt worden.“ Ihm droht eine längere Haftstrafe,

die auf 14 Monate verkürzt wird. Er sitzt in Traunstein und Landsberg

am Lech ein.

Anschließend ist er zu einer Therapie verpflichtet. Zehn Monate „Therapie

statt Strafe“ in Frankfurt. Ein durchstrukturierter Rahmen, eine

Welt bestehend aus Ärzten, Therapeuten, Sozialpädagogen. Einzel-

und Gruppengesprächen, Sportprogramm. „Eben das, was jedem Giftler

fehlt: Struktur.“ Auch seine Freundin beginnt eine Therapie. „Aber

dann habe ich den Fehler gemacht, dass ich wieder zurückgegangen

bin.“ Eigentlich hätte er ein befristetes Jobangebot für 12 Monate in

einer Behinderteneinrichtung in Frankfurt gehabt. Eine Schwangerschaftsvertretung,

aus der dann nichts wird, weil die Frau ihr Kind

verliert. Also wieder nach Bad Reichenhall. Er hat an eine gemeinsame

Zukunft für seine Familie geglaubt. Wollte eine Ausbildung machen.

Das Paar schafft es nicht und wird wieder rückfällig. „Schlimmer als

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je zuvor.“ Der Sohn sei dennoch gut versorgt gewesen, sagt Mario. Er

ist in einem Ganztageskindergarten untergebracht. Die Freundin hat

wieder ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. „Aber das Geld war knapp

wie immer. Nur noch kaufen und konsumieren.“

Während der Bewährungsstrafe fängt er wieder an zu klauen und

wird dreimal wegen Diebstahls verurteilt. Keine Beschaffungskriminalität,

sondern Klamotten und Zigaretten. „Ich war da überhaupt

nicht lebensfähig.“ Er regt sich heute noch über sich auf, wenn er an

diese Zeiten zurückdenkt. Die Bewährung wird widerrufen. Er wird

zu 14 Monaten verurteilt und kommt nach Bernau. Ein halbes Jahr

verbringt er in Haft. Jetzt will er endlich sein Leben radikal ändern.

Seine Freundin will diesen Weg nicht gehen. Sie kommt von den Drogen

nicht los. Sie trennen sich. Anschließend kommt er zur zweiten

Drogentherapie nach Gräfelfing in die Würmtalklinik. Es ist der 13. Juli

2005. „Da hat mein neues Leben angefangen.“ Vier Monate verbringt

er dort. Macht eine Kerntherapie und ist inzwischen 33 Jahre alt.

Dann ist er weitere vier Monate im Adaptionshaus Kieferngarten, wo

suchtkranke Menschen arbeitsbezogene medizinische Rehabilitation

erfahren. Er bemüht sich intensiv, einen Job zu finden. Sein ARGE-

Arbeitsberater gibt ihm den Tipp mit der Münchner Aids-Hilfe. Nach

einem Vorstellungsgespräch mit dem Sozialpädagogen Christian

Kranich beginnt er im Februar 2006 im Tagungszentrum. Von der

Arbeit der Münchner Aids-Hilfe wusste er bis dahin nichts. Auch nicht,

dass dort substituierte Leute arbeiten. Dass er sich als langjähriger

Junkie nicht selber infiziert hat, weder mit HIV, noch mit Hepatitis,

bezeichnet er als „wahnsinniges Glück“.

Mit einem sogenannten 1-Euro-Job, auch MAW-Stelle genannt (MAW

meint Mehraufwandsentschädigung), fängt er an, 20 Stunden die

Woche im Tagungszentrum der Münchner Aids-Hilfe zu arbeiten.

Ziemlich schnell fühlt er sich unterfordert und wechselt nach drei

Monaten in die Verwaltung. Er ist wissbegierig , motiviert und lernt

schnell. „Alles, was ich über PCs weiß, habe ich hier in der Münchner

Aids-Hilfe gelernt.“ Der Bereich Rechnungswesen interessiert ihn.

Er will wissen, ob er eine Ausbildung machen kann. Wie soll das

finanziert werden? So einen Fall gab es bislang in der Münchner

Aids-Hilfe nicht. Mario macht einen Termin bei dem zuständigen

ARGE-Arbeitsberater, den er mit Christian Kranich wahrnimmt. Und

er hat die Chance und das Glück, eine Ausbildung zum Kaufmann

für Bürokommunikation zu bekommen. Er kann sein Glück auch

jetzt noch nicht so richtig fassen. Und er ist dankbar. „So wie das bei

mir gelaufen ist, ist das absolut unüblich.“ Seit 1. September 2006

ist er ganz offiziell Auszubildender in der Münchner Aids-Hilfe. Mario

bekommt Arbeitslosengeld II (Hartz IV) in Höhe von 347 Euro, eine

Fahrkarte über 46 Euro, einen Lehrmittelzuschuss. Seine Miete wird

teilfinanziert. Er jobbt nebenbei. Die Ausbildung geht bis 31. August

2008. Im Bürokratendeutsch heißt die Stelle „Umschulung im Dualen

System“, das bedeutet, Mario arbeitet in der Münchner Aids-Hilfe und

geht zur Berufsschule. Seine MitschülerInnen sind 16 bis 18Jährige,

und manche beneiden ihn um seinen Ausbildungsplatz. „Für mich ist

die Münchner Aids-Hilfe ein Geschenk“. Er schätzt die Kompetenz

seiner Vorgesetzen und das gute Betriebsklima unter den MitarbeiterInnen.

„Ich genieße hier eine gute Ausbildung.“ Die Zwischenprüfung

hat er inzwischen geschafft. Und nach Bad Reichenhall fährt er auch

wieder regelmäßig, um seinen mittlerweile fast neunjährigen Sohn

zu besuchen. Und er hat weitere Pläne. Finanzbuchhalter möchte er

einmal werden − und den Führerschein machen.

Text: Marion Hölczl Foto: Michael Tappe


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Das Beschäftigungsprojekt Tagungszentrum

In diesem Projekt soll Menschen der (Wieder-)Einstieg in den ersten

Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Zielgruppen sind langzeitarbeitslose

Menschen, insbesondere - aber nicht ausschließlich - mit HIV und

Aids sowie Menschen, die traditionell das Angebot der Aids-Hilfe in

Anspruch nehmen wie homo- und bisexuelle Männer, DrogengebraucherInnen

und MigrantInnen. Im Tagungszentrum werden Räume an

externe Nutzer vermietet, denen eine ganze Etage mit vier Räumen

zur Verfügung steht. Der dazugehörige Veranstaltungsservice bietet

den MAW-MitarbeiterInnen des Projekts die Möglichkeit, Erfahrungen

in der Betreuung und Begleitung von Veranstaltungen zu sammeln.

Die zu erledigenden Aufgaben reichen von der Vorbereitung und

Planung von Veranstaltungen über die Übernahme verwaltungstechnischer

Aufgaben wie das Erstellung von Serienbriefen bis hin zum

direkten Kundenkontakt in der Begleitung und Durchführung von Veranstaltungen.

Die Übernahme von leichten Putztätigkeiten ist ebenso

gefordert wie die Vorbereitung der Seminarräume. Die Anforderungen

werden individuell auf die MAW-MitarbeiterInnen und ihre persönlichen

beruflichen Vorkenntnisse zugeschnitten. Die TeilnehmerInnen

des Modellprojekts werden im Wesentlichen durch „learning by

doing“ qualifiziert. Dazu ist eine kontinuierliche Anleitung erforderlich,

die durch die SozialpädagogInnen des Projektes gewährleistet

wird. Für alle TeilnehmerInnen werden Schulungen durchgeführt, die

grundlegende Fähigkeiten vermitteln, um im Projekt mitzuarbeiten.

Die Schulungen werden durch Fachkräfte der Münchner Aids-Hilfe

durchgeführt. Dieses Arbeitsfeld wurde 2006 erfolgreich ausgebaut

und erweitert.

Tagungszentrum

Münchner-Aids-Hilfe e.V.

Lindwurmstr. 71

80337 München

Telefon: 089-54 333-201

tagungszentrum@muenchner-aidshilfe.de

www.muenchner-aidshilfe.de

Folgende Themen und Methoden stehen im Mittelpunkt:

- Qualifizierung im Bereich Veranstaltungsorganisation

und Verwaltung

- Qualifizierung im Umgang mit EDV

- Qualifizierung im Bereich Kommunikation

(Telefondienst, direkter Kundenkontakt)

- Bewerbungstraining

- Workshops zu HIV/Aids und Hepatitis

- Workshops zu persönlichen Fragestellungen

- regelmäßige Gruppengespräche

- Coaching auf Wunsch

Im Tagungszentrum arbeiten derzeit 14 MAW-MitarbeiterInnen, im

gesamten Haus der Münchner Aids-Hilfe über 50 Personen.

Haben Sie Interesse?

Dann rufen Sie an, wir freuen uns!

Christian Kranich, Münchner Aids-Hilfe

Tel. 089-54 333-201, Fax 089-54 333-111

tagungszentrum@muenchner-aidshilfe.de

Preiswerte Seminarräume im Haus

der Münchner Aids-Hilfe zu vermieten

Wir bieten Ihnen professionell ausgestattete Räume für Ihre Bedürfnisse.

Ob Sie nun Konferenzen, Tagungen, Trainings, Gruppentreffen, Supervisionen

oder Kurse (z.B. Yoga, Entspannung etc.) durchführen wollen. Unser individuelles

und preisgünstiges Angebot lässt keine Wünsche offen, denn wir schaffen für

Ihre Veranstaltung das ideale, maßgeschneiderte Ambiente.

Besuchen Sie uns oder rufen Sie uns an.

Wir freuen uns über Ihr Interesse.


Schnell wie nie − Checkpoint München bietet HIV-Schnelltest an

* „Ich war am Wochenende in der Sauna und habe einem Mann den

Schwanz geblasen – ohne Gummi. Und irgendwie hab ich jetzt das

Gefühl, dass das riskant gewesen sein könnte.“

* „Ich hab mit meinem HIV-positiven Freund Sex gemacht. Dabei

ist das Gummi gerissen, er hat aber nicht abgespritzt. Wie gefährlich

ist das denn?“

* „Ich hatte schon ein paar Mal ungeschützten Sex mit anderen

Kerlen, von denen ich aber jeweils denke, dass die nicht positiv

sind. Aber sicher weiß ich es halt leider nicht. Was soll ich jetzt

machen?“

* „Ich hatte ungeschützten Sex mit ´nem positiven Mann, dessen

Viruslast allerdings unter der Nachweisgrenze ist – war das ok?

Oder ist das doch riskant?“

Diese Liste von Situationen, bei denen schwule Männer das Risiko im

Einzelfall nicht recht einschätzen können, ließe sich beliebig fortsetzen.

Denn wenn auch die meisten schwulen Männer recht gut über

Safer Sex informiert sind, so tauchen doch immer wieder Fragen oder

Unsicherheiten auf, wie risikoreich denn die eine oder andere Situation

war. Genau dafür gibt es jetzt ein eigenes spezielles Angebot bei

der Münchner Aids-Hilfe: Checkpoint München – Beratung zu sexuellen

Risiken und HIV-Test. Anders als beim Arzt oder in herkömmlichen

Beratungen wird bei Checkpoint München zuerst eine genaue Risikoanalyse

mittels eines spezifischen Fragebogens vorgenommen, den

wir dann mit den Ratsuchenden genau durchgehen. Dabei können

wir die in Frage kommenden Verhaltensweisen und Strategien genau

besprechen, und ob da ein Risiko vorlag – oder ob nicht.

Wenn ein Risiko vorhanden war, dann können wir das natürlich nicht

rückgängig machen. Es stellt sich dann aber die Frage, ob durch einen

HIV-Test abgeklärt werden soll, ob es zu einer Infektion kam. Diese

Frage wird in der Beratung ausführlich besprochen. Wenn der Ratsuchende

einen Test zur Abklärung machen möchte, können wir diesen

an Ort und Stelle durchführen. In den meisten Fällen werden wir – und

da sind wir in Bayern die erste Teststelle, die dies anbietet – den HIV-

Schnelltest anwenden, denn wir erhalten das Ergebnis bereits nach

30 Minuten. Der Schnelltest ist genauso sicher wie der ansonsten

angewendete „Langtest“ – und bietet den Vorteil, dass die von vielen

als quälend erlebte tagelange Wartezeit entfällt. Auch für andere

sexuelle Risiken bietet Checkpoint München spezielle Testverfahren

an, etwa einen Syphilis-Schnelltest. Oder Behandlungsmethoden wie

8

!

die Postexpositionsprophylaxe, das heißt, die medikamentöse Behandlung

innerhalb von 72 Stunden nach einem eindeutigen Risiko

(Checkpoint München wird natürlich von einem Arzt mitbetreut). Die

Testverfahren werden zum Selbstkostenpreis durchgeführt – und sie

sind selbstverständlich alle anonym!

Wir richten uns mit unserem Angebot gezielt an schwule Männer,

denn gerade bei diesen ist das Wissen um HIV zwar oft erfreulich

hoch – aber genauso oft auch die Unsicherheit. Für viele Schwule

spielt das Thema „Risikomanagement“ – also auf das Kondom zu

verzichten und das Risiko trotzdem niedrig zu halten – eine große

Rolle. Das führt aber auch dazu, dass man oft nicht mehr genau einschätzen

kann, wie hoch das Restrisiko ist. Die letztendliche Klärung

durch eine genaue Risikoanalyse und gegebenenfalls einen HIV-Test

ist für viele schwule Männer hilfreich. Und genau an die Personen

richtet sich Checkpoint München: an schwule Männer, die es genau

wissen wollen.

Checkpoint München existiert seit drei Monaten. Die erste Bilanz:

In dieser Zeit hatten wir cirka 150 Ratsuchende, davon ungefähr 60

Prozent schwule Männer. Aber auch viele heterosexuelle Männer und

Frauen finden das Konzept und die Angebote so gut, dass Checkpoint

München für alle offen ist. Die meisten Ratsuchenden kommen wegen

konkreter Risikosituationen oder sie wollen eine Bilanz ziehen,

da sie am Anfang einer neuen Beziehung stehen. Und 15 Prozent

aller Testbereiten machen dann doch keinen Test, weil die Risikoanalyse

ergeben hat, dass gar kein Risiko vorhanden war. Und wegen

mangelnder Risiken keinen Test machen zu müssen – das ist auch

Checkpoint München am liebsten.

Christopher Knoll, Diplom-Psychologe

Checkpoint München

Öffnungszeiten:

Montags und donnerstags 17 bis 20 Uhr.

Lindwurmstraße 71, 1. Stock

U-Bahn Goetheplatz

Tel. 089 - 54 333-666

www.checkpoint-muenchen.de


„Es muss einfach weitergehen“ − Rene Henschel (52) erfuhr von

seiner HIV-Infektion nach einem Schlaganfall. Nach Krankenhaus

und Altersheim erobert er sich langsam wieder sein Leben zurück.

Geboren bin ich in Frankreich, am Atlantik. Als ich zwei Jahre alt

war, sind meine Eltern, beide Deutsche, mit mir in den Schwarzwald

gezogen. Bis zu meinem Schlaganfall vor fünf Jahren war ich als

Betriebstechniker beschäftigt. Ich hatte bis dahin mein Leben lang

gearbeitet. Vier Monate lag ich dann zunächst im Krankenhaus. Dort

habe ich auch erfahren, dass ich HIV-positiv bin. Vielleicht habe ich es

schon vorher geahnt und wollte es nicht wahrhaben. Es gab Anzeichen

dafür. Ich war damals mit meiner zweiten Ehefrau zusammen,

wir hatten in Togo geheiratet. Sie wusste bis dahin - so wie ich auch

- nichts von meiner Krankheit. Sie selber ist negativ. Wegen Aids hat

sie dann die Scheidung eingereicht. Sie hat mir damals gesagt: “Wenn

du nur einen Schlaganfall gehabt hättest, wäre ich bei dir geblieben.”

Das war natürlich schwer für mich. Wir sind aber bis heute Freunde

geblieben. Im Krankenhaus wurde mir eine gesetzliche Betreuerin

zugeteilt, die mich regelrecht entmündigt hat. Während ich dort lag,

waren plötzlich meine Wohnung und all meine persönlichen Sachen

weg. Die Betreuerin hatte einfach die Auflösung veranlasst. Damals

konnte ich mich nicht dagegen wehren, denn ich konnte nicht sprechen

und saß im Rollstuhl. Aber es hat mich schon sehr gewurmt.

Vom Krankenhaus aus bin ich dann direkt in ein Altersheim auf die

Demenzstation gekommen. Ohne Mitspracherecht, obwohl ich geistig

voll da war. Dort habe ich mit Gehübungen angefangen und konnte

allmählich wieder die ersten Schritte gehen.

Meine Tochter Selma aus meiner ersten Ehe, heute ist sie 26 Jahre alt,

hat sich in dieser schwierigen Situation hilfesuchend an die Münchner

Aids-Hilfe gewandt. Sie wollte mich aus dem Heim rausholen. Eines

Tages ist also Gerd Hartmann vom Case Management der Münchner

Aids-Hilfe zu mir gekommen und hat mir von da an weitergeholfen.

Nach genau einem Jahr im Altersheim bin ich schließlich am 15. März

2003 in die Betreute Krankenwohnung der Münchner Aids-Hilfe eingezogen.

Ich kann mich noch wie heute an diesen Tag erinnern. Dort

habe ich ein neues „Zuhause“ gefunden. Den MitarbeiterInnen, die mir

von Anfang an sehr geholfen haben und es immer noch tun, vertraue

ich voll und ganz. Die gesetzliche Betreuerin wollte übrigens nicht,

dass ich in die Münchner Aids-Hilfe ziehe. Sie meinte, ich solle im

Altersheim bleiben. Als ich in die Wohngemeinschaft kam, brauchte

ich immer noch den Rollstuhl und konnte nur schlecht sprechen. Wir

haben dort zu siebt gewohnt. Ich bin kontinuierlich zur Krankengymnastik

und Logopädie gegangen und habe allmählich Fortschritte gemacht.

Ja, ich war in all den Jahren auch ab und zu verzweifelt, habe

aber immer gedacht: Es muss einfach weitergehen.

Im Frühjahr diesen Jahres wurde meine gesetzliche Betreuung

aufgelöst. Das bedeutet, dass ich wieder alleine für mich verantwortlich

bin. Und seit August wohne ich in meiner eigenen Wohnung

in Sendling. Die Münchner Aids-Hilfe hatte lange nach einer barrierefreien

Wohnung für mich gesucht. In München ist es nicht leicht, das

Passende zu finden. Mir gefällt es dort sehr gut. Jetzt, wo ich alleine

wohne, muss ich auch wieder viel mehr Arbeiten übernehmen. In der

Wohngruppe der Münchner Aids-Hilfe war einfach immer jemand da.

Mir ist es aber lieber, meine Sachen alleine zu machen. Ich will nicht

immer um Hilfe bitten müssen. Das mag vielleicht blöd klingen. Und

viele Dinge schaffe ich gar nicht alleine, wie beispielsweise die Wohnung

einzurichten. Es ist aber nicht immer leicht, die Hilfe anderer

anzunehmen. Trotzdem bin ich natürlich sehr froh um die Unterstützung.

Jetzt werde ich im Rahmen des Betreuten Einzelwohnens

begleitet. Hier bekomme ich Hilfe bei vielen Dingen, die ich alleine gar

nicht schaffen würde. Die Uli, meine begleitende Sozialpädagogin,

sehe ich mindestens zweimal die Woche. Sie hilft mir, wo sie kann.

Ich wüsste ganz genau, was ich für meine Wohnung bräuchte, um

unabhängiger zu werden. Im Internet habe ich diverse Hilfsmittel

recherchiert. Natürlich zahlt die Krankenkasse nicht alles.

Den HIV-Virus habe ich soweit unter Kontrolle. Ich nehme regelmäßig

mehrmals täglich meine Tabletten. Und ich mache weiter körperliche

Fortschritte. Inzwischen kann ich mit kleinen Pausen schon längere

Strecken am Stock zurücklegen. Aber so richtig wird das mit dem

Arm und dem Bein nicht mehr. Mittlerweile habe ich mir beigebracht,

mit der linken Hand zu schreiben. Mir ist gar nichts anderes übrig

geblieben. Langeweile kommt bei mir nicht auf, ich habe viel zu tun.

Montags und mittwochs gehe ich zur Krankengymnastik, dienstags

besucht mich immer Inge, meine ehrenamtliche Patin von der Münchner

Aids-Hilfe. Ich kenne sie jetzt über drei Jahre. Freitags gehe ich zur

Logopädie, dazwischen sind Termine mit Uli. Ich schaue regelmäßig

bei meiner alten Wohngruppe im 5. Stock in der Lindwurmstraße

vorbei und esse auch oft dort zu Mittag. Meine Tochter Selma besucht

mich regelmäßig, sie gibt mir sehr viel Halt. Wir haben ein sehr gutes

Verhältnis zueinander. Ohne die Unterstützung der MitarbeiterInnen

der Aids-Hilfe hätte ich das alles nie geschafft.

Protokoll: Marion Hölczl Foto: Diana Zambelli

!

BKW:

Stationäre Wohngemeinschaft in der Münchner

Aids-Hilfe mit sieben Plätzen für Menschen mit

HIV/Aids und einer 24-Stunden-Betreuung durch

ein multidisziplinäres Team.

BEW/TWG:

Betreutes Einzelwohnen im eigenen Wohnraum,

Einzelappartements der Münchner Aids-Hilfe

oder einer Wohngemeinschaft im Glockenbachviertel.

Verschiedene Betreuungsintensitäten sind je

nach Hilfebedarf möglich.

Kontakt:

Diana Zambelli, Münchner Aids-Hilfe

Leitung Betreutes Wohnen, Tel. 089-54 333-309

9


Projekt rosa Alter – Alternative Lebensformen

für homosexuelle und Transgender-SeniorInnen

Mit „rosa Alter“ sind zwei Projekte der Münchner Aids-Hilfe gemeint:

Die „rosa Alternative“, eine Wohngemeinschaft für homosexuelle

Männer im Alter mit und ohne HIV, sowie die Angebote von „Altrosa“

für ältere Lesben, Schwule und Transgender (Beratung, Vernetzung,

Freizeitangebote und Schulungen im Bereich der Altenhilfe).

Die Münchner Aids-Hilfe beschäftigt sich seit Juni 2006 intensiv mit

der Planung einer alternativen Wohnform, der rosa Alternative, einer

Wohngemeinschaft für homosexuelle Männer im Alter (50 plus) mit

und ohne HIV. Der Verein bringt hier seine jahrelange Erfahrung in

der Betreuung von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen

in verschiedenen Wohnsituationen mit ein. Neben einer internen

Arbeitsgruppe von hauptamtlichen MitarbeiterInnen wurde die Projektentwicklung

von Anfang an von dem monatlich stattfindenden

rosa Alternative-Stammtisch begleitet. Jeden zweiten Mittwoch treffen

sich potenzielle Bewohner, Pflegedienste, Pflegewissenschaftler,

Sozialdienste, andere Szeneeinrichtungen und ehrenamtliche MitarbeiterInnen,

um die Entstehung der Wohngemeinschaft zu begleiten.

Erklärtes Ziel ist es, eine Alternative zur gängigen Betreuung im Heim

zu gewährleisten: Hilfe soll individuell gestaltet werden und schwules

Leben selbstverständlich sein. Die Philosophie der Wohngemeinschaft

gründet sich auf den Maximen: selbstverständlich schwul

leben, gemeinsam und szenenah wohnen, auf Erfahrung vertrauen,

gemeinsam planen. Die Wohngemeinschaft wird von der Landeshauptstadt

München bezuschusst und gehört zu einem Modellprojekt,

die Alternativen zum Heimaufenthalt anbietet.

10

Die Veranstaltung der Münchner Aids-Hilfe „Schattige Pinien“ im August

diesen Jahres hat gezeigt, dass dieses Thema, bisher auch in

der Community nur wenig sichtbar, auf vielseitiges Interesse trifft.

Die Zusammenarbeit mit dem schwulen Patenprojekt und der Gruppe

Gay & Grey sind für uns selbstverständlich. Dabei wurde deutlich,

dass es trotz einer Alternative zu den bestehenden Alten- und Pflegeheimen

für homosexuelle SeniorInnen noch weitere Lücken gibt.

Neben der verbesserten Zusammenarbeit der bereits bestehenden

Projekte müssen neue zielgruppenspezifische Angebote geschaffen

werden. Denn homosexuell lebende Senioren und Seniorinnen sind

in München nur bedingt sichtbar. Sicherlich hängt dies einerseits mit

der grundsätzlichen Thematik des Alter(n)s zusammen – oftmals

geprägt von Rückzug, Isolation, Einsamkeit. Andererseits hat gerade

diese Zielgruppe aufgrund von Diskriminierung und Verfolgungserfahrung

große Ängste, in die Öffentlichkeit zu treten und Hilfe in

Anspruch zu nehmen.

Vergangenen März hat die Münchner Aids-Hilfe ein Programm an

Angeboten entwickelt, um die Gruppe der schwulen, lesbischen und

Transgender-SeniorInnen zu erreichen sowie ein Sichtbarwerden

dieser Personengruppe zu ermöglichen. Leider kann derzeit ein sehr

wichtiger Hauptaspekt, die Entwicklung eines Kooperationsnetzes,

mit der traditionellen Altenhilfe nur bedingt verwirklicht werden.

Neben einem wöchentlich stattfindenden Beratungsangebot (dienstags

13 bis 14 Uhr und nach Absprache), bei dem Fragen rund um das

Alter(n) beantwortet werden, hat die Münchner Aids-Hilfe ihr Freizeitprogramm

für HIV-positive Menschen punktuell auch für schwule,

nicht HIV-positive Senioren geöffnet. Ein weiteres Angebot ist das

erweiterte Schulungsangebot für pflegende Berufe, das das Case-Management

im Haus seit März diesen Jahres anbietet: Biografiearbeit

in Pflegeberufen unter Berücksichtigung von schwul-lesbischen und

Transgender-Lebensweisen.

Durch die aktive Beteiligung an dem im Januar nächsten Jahres

stattfindenden Fachtag der Landeshaupstadt München „Ambulant

betreute Wohngemeinschaften – Konzepte, Qualität, Praxisbeispiele“

sowie dem Austausch mit Alten- und Service-Zentren in verschiedenen

Stadtteilen wurde deutlich, dass sich bisher die wenigsten

Anbieter der Altenhilfe in München über diese Zielgruppe tatsächlich

Gedanken machen. Für die Szene war dies ein weiterer Anstoß, in

der Altenhilfeszene präsent zu werden. Etwa durch einen gemeinsamen

Auftritt bei der im April nächsten Jahres stattfindenden

Messe 66 in München, vertreten durch die Münchner Aids-Hilfe, der

Koordinierungsstelle der Landeshauptstadt München, Sub (Schwules

Zentrum), Letra (Lesbenberatung) und der Gruppe Gay & Grey.

Zudem ist es dringend notwendig, vermehrt spezielle Angebote für

homosexuelle SeniorInnen anzubieten und mit bereits bestehenden

Angeboten der Altenhilfe zusammenzuarbeiten.

Deutlich wird hier auf jeden Fall eines: es ist schon einiges zum

Thema rosa Alter geschehen und es ist noch viel mehr zu tun! Ein

spannendes und wichtiges Thema, dem sich die Münchner Aids-Hilfe

auch 2008 verstärkt annehmen will.

Text: Diana Zambelli

diana.zambelli@muenchner-aidshilfe.de


Foto: P.O.A., Marion Hölczl

Welt-Aids-Tag 1. Dezember 2007:

Wir übernehmen Verantwortung.

Für uns und für andere.

Der Aids-Teddy 2007

Der Aids-Teddy ist zu haben ab dem 29. November u.a. im Gasteig

(Cafeteria Conviva), in der Stadtinformation am Marienplatz und

an vielen anderen Stellen in der Stadt für nur 6 Euro, gepowert von

95,5 Charivari.

Außerdem am Stand beim Sendlinger Tor (Do 29.11. bis Sa 1.12.,

Do 6.12. bis Sa 8.12., Do 13.12. bis Sa 15.12.) und beim rosa

Weihnachtsmarkt Pink Christmas, Fr 7.12. bis So 16.12. auf dem

Stephansplatz.

Helfen Sie uns an den Ständen: Ob alleine oder in einer Gruppe, ob

eine Stunde oder zwei, jede Hilfe zählt! Als kleines Dankeschön

erhalten Sie einen unserer Aids-Teddys geschenkt. Weitere Infos

bei der Münchner Aids-Hilfe, Judith Herbst, unter 089-54 333-307

oder judith.herbst@muenchner-aidshilfe.de

Veranstaltungen und Aktionen

zum Welt-Aids-Tag 2007

Freitag, 30. November

Achtung: neuer Termin, neuer Start!

19 Uhr: Candle-Light-Walk der Münchner Aids-Hilfe

Lichterzug durch die Münchner Innenstadt zum Gedenken an die

Opfer von Aids. Treffpunkt ab 18.30 Uhr am Max-Joseph-Platz, um

19 Uhr startet der Zug zum Marienplatz, weiter zum Isartor und

endet vor der St. Lukas-Kirche am Mariannenplatz. Dort findet um

20 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt.

20 Uhr: Gedenkveranstaltung in St. Lukas

20 Uhr: mathäser Filmpalast präsentiert

ein Filmscreening zum Welt-Aids-Tag auf großer Kinoleinwand;

Eintritt 5 Euro zugunsten der Münchner Aids-Hilfe; Popcorn und

Prosecco gegen "kleine Spende". Vorverkauf läuft. Mehr Infos

unter www.mathaeser.de

Samstag, 1. Dezember

20 Uhr: 1. Münchner Aids-TanzGala

Im Staatstheater am Gärtnerplatz findet auf Initiative von Hans

Henning Paar, neuer künstlerischer Leiter und Chefchoreograf des

TanzTheaterMünchen, erstmals eine Benefiz-TanzGala zugunsten

der Münchner Aids-Hilfe statt. Tanzstars der europäischen Tanzszene

und SolistInnen großer europäischer Ballett-Ensembles

bringen gemeinsam mit der Tanzkompanie des Staatstheater

am Gärtnerplatz ein einmaliges Galaprogramm auf die Bühne.

Moderation: Marianne Larsen und Dirk Lohr. Schirmherr: Christian

Ude. Der Vorverkauf läuft; rechtzeitig Karten sichern. Mehr Infos

zu finden unter www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de

ab 23 Uhr (open end) „Die Nacht der Roten Schleifen“ im NY.Club

In der Sonnenstraße 25. Benefiz-Party zugunsten der Münchner

Aids-Hilfe und 20+pos. Infos unter www.nyclub.de

Ab 26. November

Schaufenster-Flohmarkt der Regenbogen-Apotheke

In der Sonnenstraße 33 gibt es Kurioses und Grandioses zu

besichtigen – und zugunsten der Münchner Aids-Hilfe zu kaufen.

Sachspenden werden von Besitzer Werner Schelken gerne

entgegengenommen.

Aktuelle Infos unter www.muenchner-aidshilfe.de

Münchner Aids-Hilfe e.V.

Lindwurmstr. 71

80337 München

Telefon 089 - 54 333 - 0

Fax 089 - 54 333 - 111

Spendenkonto

Stadtsparkasse München

BLZ 701 500 00

Konto 47 47 42

11

!


Aids-Hilfe aktiv

Gerhard und Michael, zwei von 16 ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen der Benefiz-

und Öffentlichkeitsgruppe, geben beim

Streetlife-Festival München an einem

strahlenden Spätsommertag Auskunft. Bei

den rund 30 Infoständen und 40 Benefizaktionen

im Jahr ist allerdings nicht immer

mit Sonnenschein zu rechnen. Vor allem im

November und Dezember − rund um den

Welt-Aids-Tag − braucht es viel heißen Tee,

um gegen die Kälte anzukommen.

Antje und Herbert, zwei von fünf ehrenamtlichen

MitarbeiterInnenn der „Tafelrunde“,

warten auf ihre Gäste. Seit Jahren versorgt

die Münchner Aids-Hilfe jeden Montag 24

DrogenkonsumentInnen, und seit fast einem

Jahr weitere 15 HIV-positive Menschen

mit Lebensmitteln der Münchner Tafel.

Armut ist bei vielen unserer KlientInnen ein

Problem. Umso wichtiger ist eine gut gefüllte

Tüte mit Lebensmitteln.

12

Die Kampagne „Für immer. Dein Aids

erregte große Aufmerksamkeit beim Christopher

Street Day in München: Überall in

der Stadt gab es Großplakate zu sehen,

wurden Postkarten verteilt und Anzeigen

in Szenemagazinen geschaltet. Die Website

www.make-love-not-aids.de informierte

virtuell. Ein Highlight war die Projektion auf

eine Häuserwand in der Müllerstraße während

der Nächte um den Christopher Street

Day im August. Die Kampagne wurde von

der Agentur Wächter & Wächter kostenlos

entwickelt und komplett über Sponsoren

finanziert.

Fast 80 Schulklassen besuchen jedes Jahr

die Münchner Aids-Hilfe, um sich über HIV

und Aids zu informieren. Sie verbringen

einen Vormittag in der Münchner Aids-Hilfe,

bekommen viel Informationen und lernen

HIV „hautnah“ kennen: Bei den Präventionsveranstaltungen

berichten meist Betroffene

aus ihrem Leben und stellen sich den Fragen

der SchülerInnen. Die meisten Veranstaltungen

finden in Kooperation mit der AOK München

und ihrem Schulservice statt.

Ein Dankeschön an alle SpenderInnen, die

es 17 Klienten aus dem Projekt Betreutes

Wohnen ermöglicht haben, dem Alltag mit

all seinen Sorgen zu entfliehen und eine

Woche im italienischen Jesolo mit Sonne,

Strand und Meer zu verbringen.

Trotz anfangs widriger Wetterlage fanden

sich am 9. September über 500 LäuferInnen

zum Run for Life 2007 hinter dem

Haus der Kunst ein. Der Schirmherr, ein gut

gelaunter Oberbürgermeister Christian Ude,

gab das Startsignal. Der jüngste Läufer war

8 Jahre, der älteste 71 Jahre. Durch Teilnehmerbeiträge,

Sponsorengelder und Spenden

kamen dabei über 13.000 Euro zusammen,

die direkt der Arbeit der Münchner Aids-Hilfe

zugute kommen.


So wie hier die SchauspielerInnen Sissy

Höfferer, Joachim Król sowie an weiteren

Tagen Isabella Jantz, Katrin Ritt, Giovanni

Arvaneh, Diana Körner, Katrin Filzen,

Eva-Katrin Hermann, Julia Thurnau und

das Team von 95,5 Charivari waren am

1. Dezember wieder viele Prominente und

ehrenamtliche MitarbeiterInnen rund um

den Welt-Aids-Tag für die Münchner Aids-

Hilfe am Sendlinger Tor aktiv. Und Tausende

von Aids-Teddys fanden ein neues Zuhause.

Auch in diesem Jahr wird am Stand der

Münchner Aids-Hilfe wieder prominente

Unterstützung zu finden sein.

Philipp Lahm, Nationalspieler des FC Bayern

München, besuchte am 11. Oktober das

Café Regenbogen der Münchner Aids-Hilfe,

um sich bei Betroffenen über ihr Leben mit

HIV zu informieren. Nach einem ausführlichen

Gespräch mit fünf positiven haupt-

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zeigte

sich der Fußballer, auch nationaler Botschafter

des Welt-Aids-Tages 2007, sehr bewegt

von ihren vielschichtigen Problemen.

Foto: Thomas Niederbühl, Geschäftsführer

der Münchner Aids-Hilfe, heftete dem sympathischen

24-jährigen Sportler die rote

Schleife ans Revers, Philipp Lahm bedankte

sich mit einem T-Shirt.

Petition erfolgreich

MitarbeiterInnen der AG Aids & Haft in Bayern hatten im Bayerischen

Landtag eine Petition eingereicht, die das Verbot für Menschen mit

HIV und Hepatitis aufheben sollte, den Fitnessraum in der JVA Stadelheim

zu nutzen. Bis dahin war es den betroffenen Gefangenen

wegen einer Entscheidung des Anstaltsarztes verwehrt, Fitness zu

betreiben. Der Eingabe wurde in der öffentlichen Sitzung des zuständigen

Landtagsausschusses am 15. November letzten Jahres

stattgegeben. Bundesweit war dies die erste erfolgreiche Petition

aus dem Haftbereich seit Jahren. Für Gefangene in den bayerischen

Haftanstalten wird damit ein Zustand beendet, der zu Recht als diskriminierend

galt. Gerade in Haft können irrationale Infektionsängste

leicht in die Diskriminierung der Betroffenen umschlagen. Sie werden

nur noch als wegzusperrende Virenträger wahrgenommen. Um eine

vernünftige Prävention auch in Haft durchsetzen zu können, hilft nur

Aufklärung und Information − ein Ziel, das die Münchner Aids-Hilfe

mit ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der JVA-Gruppe verfolgt. Die

Pressemitteilung zur erfolgreichen Petition ist nachzulesen unter

www.muenchner-aidshilfe.de

Betreutes Wohnen

Die Münchner Aids-Hilfe bietet in ihrem Projekt Betreutes Wohnen folgende

Angebote: Intensiv betreute Wohngemeinschaft (24 Stunden)

für sieben BewohnerInnen; drei Wohn- und Betreuungsplätze in unserer

3-er Wohngemeinschaft im Glockenbachviertel; zwei Wohn- und

Betreuungsplätze in zwei Appartements in der Müllerstraße sowie 33

Plätze mit unterschiedlichen Betreuungsintensitäten (Schlüssel 1:6

und 1:8). Wir bieten individuelle Hilfe für Betroffene in unterschiedlichen

Lebenssituationen.

13


Neulich montags im Café Regenbogen

7.45 Die ersten Mitarbeiter stehen schon vor der Tür.

7.48 Der Personalkaffee ist aus.

Gott sei Dank öffnet der Nahkauf um 8 Uhr.

8.00 Die erste telefonische Krankmeldung.

Wie viele werden noch folgen?

Der Brotteig wird angesetzt.

Die Personalumkleide muss gelüftet werden.

8.15 Der Kaffee ist fertig. Pause. Die Aschenbecher füllen sich.

Es muss noch geputzt werden. Wo bleibt die Putzcrew?

Es fehlen schon wieder zwei Kochjacken.

8.30 Die mittlerweile um drei weitere Krankmeldungen (sogenannte

Montagskrankheit) reduzierte Küchenmannschaft

bewegt sich in die Lagerräume. Das erste Drama bahnt

sich an: Es wurden keine Tomaten geliefert, noch mal Nahkauf.

Heute gibt es Gemüsecremesuppe, gefüllte Tomaten

mit Frischkäse, Schweinebraten mit Semmelknödel, Apfelkücherl

mit Sahne, Tomaten, Mozzarella. Basilikum wird

gestrichen, der Rest für die Standardkarte ist vorhanden.

9.00 Die erste Schnittwunde muss in der Küche verbunden

werden. Die Kellner trudeln langsam ein.

9.05 Wir vermissen immer noch den Mitarbeiter vom Putzdienst.

Jetzt müssen die Kellner mithelfen. Erster Unmut regt sich.

9.15 Der erste Unmut entlädt sich im Streit zwischen Kellner

und Küchenhelfer. Wer hat wem was anzuschaffen? Krisenintervention

ist fällig.

9.30 Der Personalkaffee ist schon wieder aus.

Es stehen noch an: eine Getränkebestellung, zwei

Einstellungsgespräche, zwei Cateringanfragen müssen

beantwortet, ein Arbeitszeugnis geschrieben werden. Die

Abendkarte ist noch nicht fertig. Der Einkauf Großmarkt

muss vorgezogen werden.

10.00

Der Dampfkonvektomat fällt aus. Es war aber nur die

Thermosicherung. Gut, dass das Brot schon fertig ist. Es

riecht gut.

14

10.05

Jetzt ist Stau vor dem Konvektomaten.

Was zuerst: Schweinebraten oder Tomaten?

10.30

Vom Nachbarn des Putzmannes erreicht uns die Nachricht,

dieser habe am Vortag ein schlechtes Weißbier getrunken.

Er falle für heute aus.

10.35

Es kracht in der Spülküche: Fünf Teller gehen zu Bruch.

Die Stimmung ist gut.

10.45

Die Anzahl der Mitarbeiter liegt jetzt bei 20 Personen (statt

30 in der Tagschicht). Der Putzmann für die zweite Schicht

ist auch da.

11.00

Die Suppe ist versalzen. Wer ist verantwortlich? Suppe neu

aufsetzen. Der Öko-Lieferant kommt verspätet und hat nur

die Hälfte der Bestellung dabei.

11.30

Die ersten Gäste besetzen ihre Stammplätze. Die Espressomaschine

ist noch nicht an, die Kasse ist noch nicht programmiert.

Die Kartoffeln sind fertig, aber keiner kann den

Topf tragen. Ein Bewerber ist zum Vorstellungsgespräch da.

11.45

Die Kasse ist programmiert. Über die Einteilung des Servicebereichs

geraten zwei Kellner in Streit. Das Schlichtungsgespräch

wird auf Nachmittag verschoben (nicht vor den

Gästen!).

12.00

Es ist mal wieder geschafft:

Das Essen ist fertig, die Frisur sitzt.

Guten Appetit!

Protokoll: Michèle Lutzenberger und Horst Schreck

Café Regenbogen


Helfen Sie uns helfen!

!

Seit über 20 Jahren setzt die Münchner Aids-Hilfe Hilfe und

Solidarität gegen die Ausgrenzung von Menschen mit HIV,

MigrantInnen, schwulen Männern und Drogen gebrauchenden

Menschen. Damit Menschen mit HIV und Aids auch in Zukunft

umfassende Hilfsangebote erhalten, braucht die Münchner

Aids-Hilfe Ihre Unterstützung.

Spendenkonto

Stadtsparkasse München

BLZ 701 500 00

Konto 47 47 42

Die Münchner Aids-Hilfe e.V. ist als gemeinnütziger und

mildtätiger Verein vom Finanzamt anerkannt. Ihre Spende

können Sie also steuerlich geltend machen. Damit wir Ihnen

eine Spendenquittung zuschicken können, vergessen Sie

bitte nicht, uns Ihre Anschrift (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort)

bei der Überweisung mitzuteilen. Ihren Namen müssen Sie

nicht eintragen, er wird automatisch von Ihrer Bank an uns

übermittelt. Falls Sie weitere Fragen haben sollten oder uns

auf eine noch nicht erhaltene Spendenquittung aufmerksam

machen möchten, steht Ihnen unser Mitarbeiter Peter

Becker gerne telefonisch (089-54 333-10) oder per E-Mail

(peter.becker@muenchner-aidshilfe.de) zur Verfügung.

Foto: P.O.A.

Impressum

das Magazin der Münchner Aids-Hilfe e.V. wird

herausgegeben und verlegt von Münchner Aids-Hilfe e.V., Geschäfts-

und Beratungsstelle, Lindwurmstr. 71, 80337 München, Telefon

089-54 333 - 0, Fax 089-54 333 - 111, info@muenchner-aidshilfe.de,

www.muenchner-aidshilfe.de

Redaktion: Marion Hölczl, Thomas Niederbühl, Michael Tappe. MitarbeiterInnen

dieser Ausgabe: Christopher Knoll, Christian Kranich, Diana

Zambelli. Verantwortlich für den Inhalt: Thomas Niederbühl. Titelfoto:

Isabella Jantz © P.O.A. PicOneAgency. Grafikdesign: Rosemarie Rosen.

Lektorat: Marina Burwitz. Druck: Lipp Grafische Betriebe, München.

Auflage: 5000.

Die Münchner Aids-Hilfe dankt Lipp Graphische Betriebe für die

freundliche Unterstützung.

Ihr direkter Draht zur Münchner Aids-Hilfe

Geschäftsführung

Thomas Niederbühl, E-Mail: thomas.niederbuehl@muenchner-aidshilfe.de

Spenden

Peter Becker, E-Mail: peter.becker@muenchner-aidshilfe.de

Ehrenamt

Peter Wiessner, E-Mail: peter.wiessner@muenchner-aidshilfe.de

Beratungsstelle

Montag bis Donnerstag 9 - 17 Uhr

Freitag 9 - 14 Uhr

Telefon 089-54 333-0

E-Mail: beratungsstelle@muenchner-aidshilfe.de

Anonyme Telefonberatung

Montag bis Freitag 19 - 21 Uhr

Telefon 19 411

HIV-Therapie-Hotline

Montag bis Donnerstag 16 - 19 Uhr

Telefon: 089-54 333-123

E-Mail: therapie.hotline@muenchner-aidshilfe.de

Betreutes Wohnen

E-Mail: betreutes.wohnen@muenchner-aidshilfe.de

Café Regenbogen

E-Mail: regenbogen@muenchner-aidshilfe.de

Checkpoint München

Anonymer HIV-Schnelltest

Montag und Donnerstag 17 - 20 Uhr

E-Mail: checkpoint@muenchner-aidshilfe.de

Rosa Alter

Beratungsangebote und Wohngemeinschaft für ältere schwule Männer

mit und ohne HIV, E-Mail: diana.zambelli@muenchner-aidshilfe.de

Telefon: 089-54 333-314

Newsletter

Bitte abonnieren unter www.muenchner-aidshilfe.de

Wohnung gesucht

!

HIV-Infizierte haben es besonders schwer, eine bezahlbare

Wohnung zu finden. Häufig machen sie die Erfahrung, dass

HIV-positive MieterInnen nicht willkommen sind. Man könnte

sich ja doch an der Türklinke anstecken. Deshalb suchen

wir ständig preisgünstige Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen.

Wenn Sie eine Wohnung anbieten können oder einen Tipp

haben, freue ich mich über Ihren Anruf: Johanna Schneider,

Münchner Aids-Hilfe,

Tel. 089-54 333-116

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