1302_Komiteebericht_Bayerischer Wald - Nationalpark Bayerischer ...

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Evaluierung Nationalpark

Bayerischer Wald

Endbericht des Evaluierungskomitees

Komitee-Mitglieder bei der Vor-Ort-Prüfung:

Dr. Volker Scherfose, Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Vera Knoke, LANA Schleswig-Holstein

Prof. Dr. Ludwig Ellenberg, Humboldt Universität Berlin

Prof. Dr. Kai Tobias, Universität Kaiserslautern

Wolfgang Fremuth, Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF)

Manfred Bauer, AG Nationalparke (Nationalpark Kellerwald-Edersee)

Holger Wesemüller, EUROPARC Deutschland e.V. (ED)

Prof. Dr. Stefan Heiland, Technische Universität Berlin (Moderation)

Weitere Komitee-Mitglieder:

Martin Waldhausen, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Josef Seidenschwarz, LANA Bayern

Sylvia Wagner, LANA Nordrhein-Westfalen

Rainer Schrader, LANA Thüringen

Prof. Dr. Peter Schmidt, Technische Universität Dresden

Arnd Winkelbrandt, Bundesverband Beruflicher Naturschutz e. V. (BBN)

Ulrich Meßner, AG Nationalparke (Müritz-Nationalpark)

Projektbegleitung:

Karl Friedrich Sinner, EUROPARC Deutschland e.V. (Projektleitung)

Andrea Hoffmann, EUROPARC Deutschland e.V. (Projektkoordination)

Dem Bericht des Komitees liegt die Auswertung und Interpretation der Eigenevaluierung des

Nationalparks Bayerischer Wald zugrunde, vorgenommen von:

Ingenieurbüro für Planung und Umwelt, Bearbeitung: Dipl.-Ing. Uta Röhl


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

INHALTSVERZEICHNIS

A EINLEITUNG .................................................................................................................................................... 5

A.1 VERFAHREN ZUR EVALUIERUNG DER DEUTSCHEN NATIONALPARKE ...................................................... 5

A.2 HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUM NATIONALPARK BAYERISCHER WALD .............................................. 7

B BEWERTUNG DER HANDLUNGSFELDER .............................................................................................. 10

B.1 „RAHMENBEDINGUNGEN“ .......................................................................................................................... 10

B.2 „SCHUTZ DER NATÜRLICHEN BIOLOGISCHEN VIELFALT UND DYNAMIK“ ................................................... 15

B.3 „ORGANISATION“ ....................................................................................................................................... 20

B.4 „MANAGEMENT“ ........................................................................................................................................ 26

B.5 „KOOPERATION UND PARTNER“ ................................................................................................................. 33

B.6 „KOMMUNIKATION“ .................................................................................................................................. 36

B.7 „BILDUNG“ ................................................................................................................................................. 39

B.8 „NATURERLEBNIS UND ERHOLUNG“ .......................................................................................................... 43

B.9 „MONITORING UND FORSCHUNG“ .............................................................................................................. 45

B.10 „REGIONALENTWICKLUNG“ ...................................................................................................................... 48

C FAZIT................................................................................................................................................................ 52

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

Abkürzungsverzeichnis:

AG Arbeitsgruppe

AK Arbeitskreis

BfN Bundesamt für Naturschutz

BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

BNE Bildung für nachhaltige Entwicklung

BR Biosphärenreservat

CD visuelles Erscheinungsbild (Corporate Design)

CI Corporate Identity

CZ Tschechien

DTV Deutscher Tourismusverband

ED EUROPARC Deutschland

ESRI Environmental Systems Research Institute (ESRI) Inc.

EU Europäische Union

F+E Forschung und Entwicklung

FFH-Gebiet Gebiet nach Flora-Fauna-Habitatrichtlinie

fm Festmeter

FÖJ Freiwilliges ökologisches Jahr

ICP Internationales Kooperativprogramm (International Cooperative

Programme)

LANA Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege

und Erholung

LEADER Europäische Richtlinie zur Förderung der Entwicklung ländlicher

Räume (Liaison entre actions de développement de l'économie rurale)

lfm Laufender Meter

LTER Long Term Ecological Research, Netzwerk zur Biodiversitätsforschung

NGO Non-Governmental Organisation (=Nichtregierungsorganisation)

NLP Nationalpark

NLP-VO Nationalparkverordnung

NLPV Nationalparkverwaltung

NNL Nationale Naturlandschaften

NRP Naturpark

ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr

PR Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations)

StMI Bayerisches Staatsministerium des Innern

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

STMUG Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

TÖB Träger öffentlicher Belange

TU Technische Universität

UN Vereinte Nationen (United Nations)

VO Verordnung

WCPA World Commission on Protected Areas (=Schutzgebiets-

Kommission)

WRRL Wasserrahmenrichtlinie

Die Festlegung der Prioritäten richtet sich nach dem empfohlenen Umsetzungszeitraum

bzw. dem Start der Maßnahme:

hoch = Umsetzung(-sbeginn) in 1 bis 2 Jahren

mittel = Umsetzung(-sbeginn) in 3 bis 4 Jahren

niedrig = Umsetzung(-sbeginn) in 5 Jahren

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

A Einleitung

A.1 Verfahren zur Evaluierung der deutschen Nationalparke

Nach Abschluss des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens (F+E) „Entwicklung von Qualitätskriterien

und -standards für deutsche Nationalparke“ (Oktober 2005 – Mai 2008) wurden die

Ergebnisse sowie der entwickelte Evaluierungsbogen in der gleichnamigen Druckschrift von

EUROPARC Deutschland im Sommer 2008 publiziert.

Bereits im März 2008 hat die LANA die Entwicklung der Kriterien und Standards für Nationalparke

als wichtigen Beitrag Deutschlands zur Umsetzung des Arbeitsprogramms Schutzgebiete

(CBD VII/ 28, 2004) befürwortet und begrüßt, dass das BMU die freiwillige Evaluierung der Nationalparke

ermöglichen und fördern will.

Nach Zusage der finanziellen Unterstützung durch das BMU hat EUROPARC Deutschland am

15.12.2008 einen Antrag auf ein F+E-Vorhaben „Anwendung von Qualitätskriterien und

-standards zur Evaluierung der deutschen Nationalparke“ an das BfN gestellt. Dieser Antrag

wurde am 15.05.2009 durch das BfN bewilligt.

Nach der Projektbewilligung wurde in einem ersten Schritt der detaillierte Zeitplan für den Evaluierungsprozess

aufgestellt und die Berufung der Mitglieder des Evaluierungskomitees auf Vorschlag

des BMU über die LANA umgesetzt. Das Komitee setzt sich aus 2 Vertretern des Bundes,

4 Vertretern der LANA, 4 Vertretern der Wissenschaft, 2 Vertretern der EUROPARC-AG

Nationalparke, 3 Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und 1 Vertreter von

EUROPARC Deutschland zusammen. Dieses Komitee hat sich am 29.09.2009 konstituiert und

seine Arbeit aufgenommen. Die Methodik des Prozesses ist in der o. g. Druckschrift zum F+E

Vorhaben ausführlich dargestellt.

Die Grundlage einer jeden Nationalpark-Evaluierung bildet zunächst eine Selbsteinschätzung

der jeweiligen Parkverwaltung anhand des entwickelten Online-Evaluierungsbogens. Der Fragebogen

wird durch ein unabhängiges Fachbüro ausgewertet. Anhand der Handlungsfelder und

Standards des Fragebogens (gemäß den grundlegenden Elementen eines Managementprozesses

nach dem WCPA-Rahmenplan, siehe Abbildung 1) wird im Bericht des Fachbüros die

Ist-Situation des Parks dargestellt. Sie wird ergänzt um einen ersten Katalog einer Stärken-

Schwächen-Analyse und um Handlungsempfehlungen, die aufzeigen, wie vom gegenwärtigen

Ist-Zustand entsprechend den Standards ein gewünschter Soll-Zustand erreicht werden kann.

Im Zuge der Auswertung und Berichtsredaktion stimmt sich das Fachbüro intensiv mit der jeweiligen

Nationalparkverwaltung ab. EUROPARC Deutschland begleitet die Erstellung des Berichts

und überstellt die finale Fassung der Nationalparkverwaltung und dem gesamten Komitee.

Bei der konstituierenden Sitzung des Evaluierungskomitees (siehe oben) wurde auf der Grundlage

der damals bereits vorliegenden Fragebögen und Interpretationen des Fachbüros über die

Nationalparks Jasmund und Vorpommersche Boddenlandschaft festgestellt, dass beide Ausarbeitungen

als zentrale Arbeitsgrundlagen des Komitees in ihrer jeweiligen Autorenverantwortung

unverändert bleiben sollen.

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

Abbildung 1: Rahmenkonzept zur Bewertung der Managementeffektivität von Schutzgebieten

(aus HOCKINGS et al. 2006)

In Auswertung dieser Arbeitsgrundlagen – der intensiven Lektüre des Fragebogens und des

„Büroberichts“ – bereitet sich das Komitee schließlich zielgerichtet auf die Bereisung des jeweiligen

Nationalparks vor.

EUROPARC Deutschland führt die vom Komitee geäußerten Wünsche zu Gesprächen mit Stakeholdern

und Exkursionspunkten zusammen und übermittelt sie der Nationalparkverwaltung.

Auf dieser Grundlage nimmt die Nationalparkverwaltung in enger Abstimmung mit EUROPARC

Deutschland die Vorbereitung des Komitee-Besuchs vor Ort vor.

An den Bereisungen der Nationalparks nimmt laut Geschäftsordnung des Komitees mindestens

ein Vertreter aus jeder Gruppierung teil, insgesamt jedoch maximal je 2 Vertreter der LANA und

der Wissenschaft, 1 Vertreter des Bundes, 1 Vertreter der AG Nationalparke, 1 Vertreter der

NGO’s sowie 1 Vertreter von EUROPARC Deutschland. Gelingt es nicht, das Vor-Ort-

Prüfkomitee in den Bereichen Wissenschaft und LANA mit je zwei Personen zu besetzen, muss

sich jeweils ein weiterer Vertreter dieser beiden Gruppierungen zumindest in die Bewertung der

„Büroberichte“ einbringen.

Im Rahmen eines zweitägigen Vor-Ort-Besuchs besprechen die Komitee-Mitglieder sowohl mit

der jeweiligen Verwaltung als auch mit wichtigen örtlichen Stakeholdern offene Fragen bzw.

Unklarheiten, die sich aus den Arbeitsgrundlagen ergeben haben. Vertreter der/ des zuständigen

Ministeriums/ Ministerien wohnen dem Vor-Ort-Gespräch mit der Nationalparkverwaltung

üblicherweise bei. Eine Exkursion bietet den Komitee-Mitgliedern Gelegenheit zur Besichtigung

verschiedener Managementstrategien und Problemlagen im Gebiet.

Damit verschafft sich das Evaluierungskomitee in der Kombination Fragebogen, „Bürobericht“

und Bereisung ein eigenes unabhängiges Bild von der gegenwärtigen Ist-Situation des zu evaluierenden

Nationalparks.

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

Anhand der Handlungsfelder mit ihren Standards werden in einem eigenständigen Abschlussbericht

des Komitees der Ist-Zustand des Parks bei jedem einzelnen Standard beschrieben, im

Sinne der Stärken- und Schwächen-Analyse bewertet und Handlungsempfehlungen aus Sicht

des Komitees formuliert.

A.2 Hintergrundinformationen zum Nationalpark Bayerischer Wald

Der seit 1970 bestehende Nationalpark (NLP) Bayerischer Wald umfasst eine Fläche von

24.250 ha (1997 Erweiterung um 11.000 ha im Falkenstein-Rachel-Gebiet) und ist Bestandteil

des größten unzerschnittenen Waldgebietes Mitteleuropas. Der Nationalpark befindet sich im

nördlichen Teil des Landkreises Freyung-Grafenau und im östlichen Teil des Landkreises Regen.

Mit einer durchschnittlichen Breite von 6 km erstreckt sich der Nationalpark an seiner

Nordgrenze rund 45 km entlang der deutsch-tschechischen Landesgrenze und grenzt damit

direkt an den Nationalpark Šumava in Tschechien. Der NLP ist außerdem eingebettet in den

Naturpark „Bayerischer Wald“.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist Teil des Naturraumes „Innerer Bayerischer Wald“. Zu

den Haupt-Ökosystemtypen des Nationalparks zählen Bergfichtenwälder, Bergmischwälder, Au-

Fichtenwälder, Flach-, Übergangs- und Hochmoore sowie Fließgewässer der montanen Stufe,

Borstgrasrasen und Bergmähwiesen. Die Spitzenprädatoren der Nahrungskette in diesem Gebiet

sind Luchs, Fischotter, Wanderfalke, Habichtskauz und Habicht.

Als ökosystemtypische Artengemeinschaften existieren im Nationalpark Insekten, Vogel-Gilden,

Moorpflanzen und im Moor lebende Tiere sowie Lebensgemeinschaften boreo-montaner 1 Wälder,

Moore und Blockhalden.

Schlüsselarten der jeweiligen Haupt-Ökosystemtypen sind im

• Bergfichtenwald: Auerhuhn, Dreizehenspecht, Buchdrucker, Goldfüßiger Schnellkäfer,

Rotrandiger Fichtenporling

• Bergmischwald: Zwergschnäpper, Weißrückenspecht, Buchdrucker, Rothirsch, Luchs, Zunderschwamm,

Rosen-Feuerschwamm

• Au-Fichtenwald: Buchdrucker

• Moor: Hochmoorlaufkäfer, Hochmoorgelbling

• Fließgewässer: Wasseramsel, Groppe, Fischotter, Bachforelle

Teile des Nationalparks sind noch geprägt von historischen Spuren forstlicher Nutzung vor der

Nationalparkgründung. Zunächst nahm die Holznutzung für die über zwei Jahrhunderte währende

Glasproduktion Einfluss auf die Waldzusammensetzung. Ab ca. 1850 begann dann die

planmäßige Forstwirtschaft und Erschließung der Wälder im Inneren Bayerischen Wald. Diese

wurden dann systematisch durch Forststraßen erschlossen. Zum Abtransport gefällter Bäume

wurden Fließgewässer für die Holztrift ausgebaut und die Waldeisenbahn eingerichtet (von der

im Nationalparkgebiet vereinzelt noch die Trassenführung erkennbar ist). Weiterhin wurden in

der Vergangenheit innerhalb des NLP Trinkwasserquellfassungen, Wasserleitungen und Anla-

1 Gebirgsregionen der warm-gemäßigten Zone

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

gen zur Stromerzeugung (mittels Wasserkraft an Fließgewässern) errichtet. Durch die Entwässerung

mittels Gräben konnten Moore urbar gemacht werden.

Auch die Schachten-Beweidung 2 hinterließ im Nationalpark Bayerischer Wald ihre Spuren.

Durch diese Nutzungsform erhalten gebliebene einzeln stehende Bäume konnten sich ungehindert

entfalten; mehrere haben sich zu imposanten Einzelbäumen entwickelt.

Abbildung 2: Übersichtskarte des Nationalparks Bayerischer Wald

2 Als Schachten werden einige Hektar große Waldwiesen mit einzelnen Bäumen bezeichnet, die von den Hirten als

Übernachtungs- sowie als Ruhe- und Weideplätze für die Weidetiere genutzt wurden.

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERI-

SCHER WALD

Zur Entflechtung von Naturschutzzielen und Nutzungsansprüchen wurde mit der Nationalparkverordnung

ein dreistufiges dynamisches Zonierungskonzept entwickelt, das sowohl die unterschiedlichen

Landschaften im Hinblick auf Schutzwürdigkeit und Empfindlichkeit als auch wirtschaftliche

und soziale Ansprüche der Bewohner berücksichtigt. Die zuletzt 2007 novellierte

NLP-VO sieht eine Steigerung des Flächenanteils der Prozessschutzfläche auf 75% durch einen

jährlichen Zuwachs um 1,5 % bis zum Jahr 2027 vor. Den derzeitigen Stand der Zonierung

(Stand Februar 2013) zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1: Flächenanteil, Merkmale und Eigentumsverhältnisse der Schutzzonen im

Nationalpark Bayerischer Wald

Nr. der

Zone

Name der

Zone

Flächenanteil

absolut

Flächenanteil

relativ

Merkmale Eigentumsverhältnisse

1 Naturzone 13.530 ha 56 % - Prozessschutzzone nahezu 100 %

- Kernzone Naturschutz mit

Land Bayern*

besonders wertvollen Lebensräumen

- Schalenwildregulierung auf 60

ha (1 Wintergatter)

- Lediglich Maßnahmen zur

Verkehrssicherheit

2 Entwicklungszone

4.940 ha 20 %

3 Randbereich 5.752 ha 24 %

/ Erholungszone

- Zone mit vorübergehendem nahezu 100 %

Management (bis 2027)

Land Bayern*

- Waldschutzmaßnahmen zur

Borkenkäferbekämpfung

- z. T. Schalenwildregulierung

- Zone mit dauerhaftem Ma- nahezu 100 %

nagement

Land Bayern*

- Waldschutzmaßnahmen zur

Borkenkäferbekämpfung

- Schalenwildregulierung

- Davon 2% Erholungszone

* In allen Zonen gibt es einige Straßen, die im Besitz der Gemeinden bzw. des Landkreises sind

(Flächenanteil kleiner 0,5 %). Im Randbereich kommen auch noch kleinere Privatwälder/wiesen

vor (kleiner 0,1 % an der Gesamtfläche).

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

B Bewertung der Handlungsfelder

B.1 „Rahmenbedingungen“

1.1 Rechtsgrundlagen

Standard (SOLL): Der Nationalpark ist nach Bundes- und Landesrecht gesichert. Gesetze bzw. Verordnungen stehen der Umsetzung der

Standards für Nationalparke nicht entgegen.

Situation (IST): Der NLP ist rechtlich über die Nationalpark-Verordnung (NLP-VO) vom 01.08.1992 (zuletzt geändert am 17.09.2007) gesichert.

In der NLP-VO sind der vorrangige Schutz der natürlichen biologischen Vielfalt und Dynamik und nachgeordnet Monitoring und Forschung,

Naturerlebnis und Erholung, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung sowie Kooperationen und Regionalentwicklung als Aufgabenbereiche

genannt. Der Realisierung der NLP-Ziele stehen zum Teil gesetzliche Vorgaben entgegen, u.a. das Luftverkehrsgesetz, in dem z. B. ein Überfliegen

des NLP mit Privat- und Sportflugzeugen geregelt ist. Negative Auswirkungen auf den Nationalpark entstehen, wenn der NLP in nur geringer

Höhe überflogen wird. Auch durch andere Rechtsgrundlagen, z.B. für Verkehr, Forst-, Land- und Wasserwirtschaft können Konflikte entstehen.

Stärken:

Rechtlicher Status ist gesichert

Schwächen:

Entgegenstehende Rechtsgrundlagen mit Auswirkungen auf den NLP (z.B. Privat- und Sportflugzeugverkehr)

Handlungsempfehlungen 3 :

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Festlegen einer Mindesthöhe für das Überfliegen des NLP, die auch für sensible Arten akzeptabel

ist

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

niedrig

10

Bayerische Staatsregierung, Luftamt

Südbayern

3 Die Festlegung der Prioritäten richtet sich nach dem empfohlenen Umsetzungszeitraum bzw. dem Start der Maßnahme:

hoch = Umsetzung(-sbeginn) in 1 bis 2 Jahren, mittel = Umsetzung(-sbeginn) in 3 bis 4 Jahren, niedrig = Umsetzung(-sbeginn) in 5 Jahren


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1.2 Schutzzweck

Standard (SOLL): Der Schutzzweck des Nationalparks ist vorrangig der ungestörte Ablauf natürlicher Prozesse in allen im Nationalpark vorkommenden

Ökosystemen mit ihrer natürlichen Biodiversität, für die Deutschland die nationale und globale Verantwortung trägt. Soweit es der

Schutzzweck erlaubt, sind weitere Ziele u. a. Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Naturerlebnis, Forschung und Monitoring umzusetzen.

Situation (IST): Der Prozessschutz ist laut NLP-VO ein Hauptzweck des Schutzgebiets. Dem nachgeordnet werden der Erhalt bestimmter

kleinräumiger Lebensräume und kulturhistorisch geprägter Flächen, Monitoring & Forschung, Naturerlebnis, Bildung und Erholung sowie die

Strukturförderung im Umfeld als Ziele genannt. Für die Umsetzung von Prozessschutz auf 75 % des NLP ist eine lange Frist bis zum Jahr 2027

genannt (s. auch Kap. B.2.1 Raum für natürliche Abläufe). Der Durchsetzung der NLP-Ziele stehen die in der NLPV-VO genannten Sonderregelungen

für verschiedene Nutzungen (Trinkwassergewinnung, Land- und Forstwirtschaft) sowie die Vorschrift zum Substanzerhalt des Hochlagenwaldes

einschließlich waldbaulicher Maßnahmen und die vorübergehende Borkenkäferbekämpfung in der Entwicklungszone entgegen.

Stärken:

Prozessschutz hat Vorrang

Andere nationalparkkonforme Ziele sind in der NLP-VO benannt

Schwächen:

NLP-VO enthält Übergangsvorschrift mit langer Frist zum Erhalt des Hochlagenwaldes und zur Borkenkäferbekämpfung in der Entwicklungszone

Bestandsschutz für Trinkwassergewinnung sowie land- und forstwirtschaftliche Nutzung von Privatflächen

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Konsequente und zügige Ausweisung von Naturzonen und damit Vergrößerung der Prozessschutzzone,

so dass die Übergangsfrist entbehrlich wird; in der Umsetzung sollte begleitend

diskutiert und bewertet werden, ob der in der VO festgeschriebene Schutz des

Hochlagenwaldes angesichts der Folgen der Sturmereignisse noch sinnvoll ist

Gemäß NLP-VO bestandsgeschützte Nutzungen, soweit sie derzeit nicht aufgegeben oder

reduziert werden können, fortlaufend NLP-konform gestalten durch intensive Kommunikation

mit Nutzern und zuständigen Behörden sowie durch Auflagen

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

mittel

Landtag, STMUG, NLPV

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NLPV, Naturschutzbehörden,

Forst- und Landwirtschaftsbetriebe,

Wasserwirtschaftsamt etc.


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

1.3 Übergeordnete planerische Grundlagen

Standard (SOLL): Schutzzweck, Planung und Management des Nationalparks sowie ihn umgebende Schutzgebiete sind in die Regionalplanung

und andere übergeordnete planerische Grundlagen übernommen. In den jeweiligen Landes- und regionalen Raumordnungsprogrammen

ist die gesamte Nationalparkfläche als „Vorranggebiet für Naturschutz“ eingestuft. Zudem findet der Nationalpark-Plan entsprechende Verbindlichkeit

in der Landesplanung. Darüber hinaus werden die Belange des Nationalparks bei übergeordneten Planungen berücksichtigt. Bei Planungen

/ Vorhaben im Umfeld des Nationalparks sind dessen Belange berücksichtigt.

Situation (IST): Die gesamte Fläche des NLP ist im Regionalplan als „Vorranggebiet Naturschutz“ ausgewiesen. Die Ziele stehen im Einklang

mit den Zielen des NLP. Es wurde ein Nationalpark-Plan in intensiver Abstimmung und unter hoher Zustimmung der Region erarbeitet, der seit

Dezember 2011 in Kraft ist. Er findet noch keine Verbindlichkeit in der Landesplanung. Die NLPV wird als TÖB bei Planungen im Umfeld beteiligt

und kann Belange des NLP einbringen.

Stärken:

NLP vollständig als „Vorranggebiet Naturschutz“ im Regionalplan verankert

Ziele des Regionalplans stehen im Einklang mit NLP-Zielen

Nationalpark-Plan seit Dezember 2011 in Kraft

Schwächen:

Nationalpark-Plan findet noch keine Verbindlichkeit in der Landesplanung

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Behördenverbindlichkeit des Nationalpark-Plans für den Nationalpark sicherstellen als

Fachplan der Landesplanung

1.4 Zuständigkeiten

mittel STMUG

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltung hat alle behördlichen Zuständigkeiten, die für die Verwirklichung der Schutzzwecke notwendig

sind. Soweit andere Stellen darüber hinausgehend Zuständigkeiten im Nationalpark haben, berücksichtigen diese die Ziele und die Belange

des Nationalparks bei ihren Entscheidungen im Einvernehmen mit der Nationalpark-Verwaltung.

Situation (IST): Der NLPV wurden die für die Umsetzung der NLP-Ziele notwendigen Zuständigkeiten als Untere Forst- und Untere Jagdbehörde

übertragen. Sie hat aber keine Zuständigkeiten als Naturschutzbehörde und ist auch nicht Ordnungsbehörde. So können z.B. die hauptamtlich

tätigen Ranger der NLPV (s. auch Kap. B.3.3 Rangersystem) bei Feststellung von Verstößen nicht ordnungsrechtlich einschreiten. Die

NLPV hat auch keine Zuständigkeiten als Wasser- oder Fischereibehörde oder im Denkmalschutz (relevant für die Driftanlagen an Fließge-

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

wässern). Die Belange des NLP werden in wesentlichen Punkten durch andere, im NLP zuständige, Behörden beachtet. Allerdings achten beide

Landratsämter die Belange des NLP nicht oder nur teilweise, insbesondere hinsichtlich der Ahndung von Verstößen gegen das Betretungsrecht

(d.h. der Missachtung von Betretungsverboten).

Stärken:

Die NLPV ist zuständige Forst- und Jagdbehörde

Die meisten anderen im NLP zuständigen Behörden berücksichtigen im Wesentlichen die Ziele und Belange des NLP bei ihren Entscheidungen.

Schwächen:

Die NLPV hat nicht alle behördlichen Zuständigkeiten, die für die Verwirklichung der Schutzzwecke notwendig wären

Teilweise Missachtung der NLP-Belange durch Landratsämter (insbesondere keine konsequente Ahndung bei Verstößen gegen Betretungsverbote)

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Übertragung der Aufgaben als Untere Naturschutzbehörde und als Ordnungsbehörde für die

Flächen des NLP auf die NLPV

Prüfung, wie die für die Umsetzung der NLP-Ziele sinnvolle Übertragung weiterer Zuständigkeiten

an die NLPV erfolgen kann (z.B. Denkmalschutz)

1.5 Eigentum

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

mittel

STMUG, StMI, NLPV

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STMUG, StMI, u.a. beteiligte Ministerien

Standard (SOLL): Die Gebietsfläche eines Nationalparks ist möglichst vollständig im Eigentum der öffentlichen Hand. Soweit dies nicht der

Fall ist, sind dauerhafte Regelungen getroffen, um das Erreichen der Nationalpark-Zielsetzung sicherzustellen.

Situation (IST): Die NLP-Fläche ist zu rund 99 % in öffentlicher Hand (Landesfläche). Ein sehr geringer Anteil des NLP umfasst kommunale

bzw. private Flächen (ca. 1 %). Die NLPV agiert als Verwalterin der Landesflächen. Bislang gab es keine Probleme bei der Umsetzung der

NLP-Ziele auf den landeseigenen Flächen. Bei der Umsetzung auf Kommunalflächen gab es dagegen bei wichtigen Entscheidungen ab und an

Probleme (z. B. Salzstreuung auf kommunalen Straßen, Schneeablagerung). Zu den Enklaven im NLP und deren Folgen, insbesondere die in

der NLP-VO festgeschriebene Verpflichtung zusätzlicher Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung (s. auch Kap. B.1.6 Abgrenzung und Zuschnitt).

Stärken:

NLP-Gebiet ist fast vollständig im Eigentum der öffentlichen Hand


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Schwächen:

Privatflächen erfordern Zufahrt und bedingen bestimmte Rechte, die die natürliche Dynamik der Waldentwicklung beeinträchtigen

Probleme bei der Umsetzung der NLP-Ziele auf Kommunalflächen (z. B. Salzstreuung, Schneeablagerung)

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Ankauf der restlichen Privatflächen

Kein Einsatz von Streusalz auf kommunalen Straßen innerhalb des NLP, allenfalls von alternativen

Streumitteln

1.6 Abgrenzung und Zuschnitt

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hoch

mittel

NLPV, STMUG

NLPV, Kommunen

Standard (SOLL): Die Außengrenzen des Nationalparks sind an natürlichen Gegebenheiten ausgerichtet. Sie schließen alle Teilbereiche/Bestandteile

der zu schützenden Ökosystemkomplexe auf einer möglichst großen, kompakten und zusammenhängenden Fläche ein.

Die Flächen haben bereits einen hohen Grad der Naturnähe oder sind geeignet, diesen künftig in einem überschaubaren Zeitraum zu erreichen.

Sie sind siedlungs- oder verkehrsmäßig nicht oder kaum erschlossen. Die Nationalpark-Fläche ist flurstücksgenau bzw. in amtlichen

Flurkarten abgegrenzt.

Situation (IST): Eine rechtssichere Abgrenzung des NLP ist gegeben. Beim Festlegen der Außengrenzen wurden keine wesentlichen wichtigen

Lebensräume zerschnitten. Ökologisch bildet der NLP grenzüberschreitend eine räumliche Einheit mit dem nordöstlich direkt benachbarten

NLP Šumava, doch stellt die Staatsgrenze zu Tschechien eine künstliche Trennlinie dar. Die dort zunehmend großflächig durchgeführte Borkenkäferbekämpfung

wirkt sich negativ auf die grenzüberschreitende Schutzgebietseinheit aus und erschwert auch die Durchsetzung der NLP-

Ziele im Bayerischen Wald (s. auch Kap. B 2.5 Artenmanagement). Der NLP hat größtenteils eine kompakte, zusammenhängende Form. Innerhalb

des NLP liegen allerdings mehrere – teilweise auch sehr kleine – Enklaven, vor allem im Rachel-Lusen-Gebiet, die die eigentlich kompakte

Form durchbrechen. Da die NLPV gemäß NLP-VO verpflichtet ist, in den Randbereichen des NLP und damit auch an den Grenzen dieser

Enklaven auf mind. 500 m Breite Waldschutzmaßnahmen einschließlich Maßnahmen der Borkenkäferbekämpfung durchzuführen, führen

selbst kleine Enklaven zu flächenmäßig sehr viel größerer Unterbrechung der natürlichen Dynamik der Waldentwicklung (s. auch Kap. B. 2.2

Großräumigkeit). Wegen der Festschreibung in der NLP-VO darf die NLPV selbst bei Einigung mit den Flächenbesitzern (z.B. mit entsprechender

Entschädigung) derartige, den NLP-Zielen entgegenstehende „Waldschutzmaßnahmen“ nicht unterlassen. Die NLP-Fläche ist flurstückgenau

in der NLP-Verordnung und auf Karten abgegrenzt sowie im Gelände durch Grenzsteine markiert. Die Außengrenzen sind in

schwer zugänglichen Bereichen (Moore) noch nicht optimal gestaltet.

Stärken:

Rechtssichere und flurstückgenaue Abgrenzung der NLP-Fläche

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Überwiegend kompakte zusammenhängende Form

Ökologisch grenzüberschreitende Einheit mit dem benachbarten NLP in Tschechien

Schwächen:

Enklaven durchbrechen die kompakte Form und haben über Randeffekte erhebliche Auswirkungen über ihre eigentliche Ausdehnung hinaus

in den NLP hinein

Differenzen in der Zielsetzung und der Entwicklung im angrenzenden Šumava-NLP gefährden grenzüberschreitende ökologische Einheit der

Schutzgebiete

Außengrenzen des NLP könnten punktuell verbessert werden

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Zur Minimierung negativer Randeffekte rechtliche Möglichkeit schaffen, bei Einigkeit zwischen

Eigentümer und NLPV auf die in der NLP-VO festgeschriebene Vorschrift zu „Waldschutzmaßnahmen“

als Folge des Fremdeigentums innerhalb des NLP/ Enklaven verzichten

zu können

Durch transnationale Zusammenarbeit mit CZ und dem tschechischen NLP Šumava grenzüberschreitende

ökologische Schutzeinheit stärken

Arrondierung des NLP (s. auch Kap. B.1.5 Eigentum)

Sichtbare und dauerhafte Markierung der Außengrenzen, auch in schwerer zugänglichen

Bereichen

B.2 „Schutz der natürlichen biologischen Vielfalt und Dynamik“

2.1 Raum für natürliche Abläufe

Standard (SOLL): Nationalparke schützen im überwiegenden Teil ihres Gebietes den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer

natürlichen Dynamik. Grundsätzlich ist dies nach einer Frist von längstens 30 Jahren nach Erklärung eines Gebietes zum Nationalpark auf

mindestens 75 % der Nationalparkfläche sicher gestellt. Die Flächen zum Schutz der natürlichen dynamischen Abläufe sind zusammenhängend

bzw. unzerschnitten und weisen wenige Außengrenzen auf. Nationalparke, bei denen mehr als 30 % der Fläche nicht im öffentlichen Eigentum

ist oder die in Deutschland einen Lebensraum von globaler Bedeutung komplett umfassen, können längere Fristen im Nationalparkplan

festlegen oder können im überwiegenden Teil großflächig repräsentative Lebensraumtypen in ihren natürlichen Abläufen schützen.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

mittel

niedrig

STMUG

BMU, STMUG, NLPV

NLPV, STMUG

NLPV

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Situation (IST): In der Rechtsverordnung (NLP-VO) sind verbindliche Aussagen zum Prozessschutz auf mindestens 75 % der Nationalpark-

Fläche getroffen. Bis zum Jahr 2027 soll dies erreicht sein. Derzeit unterliegen 56 % des NLP-Gebiets (=13.530 ha) der natürlichen Dynamik.

Bei den ausgewiesenen Prozessschutzflächen handelt es sich um eine kompakte, zusammenhängende Fläche im Rachel-Lusen-Gebiet (Altnationalparkgebiet,

rd. 9.500 ha) sowie mehrere kleinere und mittelgroße Teilflächen im Falkenstein-Rachel-Gebiet. Die Prozessschutzflächen

werden durch Forststraßen, Wanderwege und Steige sowie durch öffentliche Straßen zum Teil stark zerschnitten; die Wegedichte ist mit knapp

29 lfm/ha hoch. 60 ha der Prozessschutzfläche sind aufgrund von Ausnahmeregelungen durch Wildtiermanagement beeinträchtigt. Weiterhin

sind entlang der Straßen und Wege Maßnahmen zur Verkehrssicherung erforderlich.

Stärken:

Natürliche Dynamik ist auf der Teilfläche Rachel-Lusen-Gebiet (Altnationalparkgebiet) erreicht und soll auf 75% des gesamten NLP-Gebiets

bis spätestens 2027 erreicht sein.

Schwächen:

43 Jahre nach NLP-Gründung und 16 Jahre nach NLP-Erweiterung unterliegen erst 56 % der NLP-Fläche dem Prozessschutz

Starke Zerschneidung und hohe Wegedichte in den Prozessschutzflächen

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Zügige Steigerung des Flächenanteils der Prozessschutzfläche auf 75% bis spätestens zum

Jahr 2027 gemäß NLP-VO konsequent umsetzen

Kontinuierliche Aufhebung bzw. Rückbau von Forststraßen und Wegen (auch um Verkehrssicherungsmaßnahmen

zu reduzieren)

2.2 Großräumigkeit

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Ein Nationalpark ist unter Beachtung der ökosystembezogenen Kriterien großräumig ausgewiesen. Er repräsentiert ein oder

mehrere Ökosysteme und stellt den Ablauf der natürlichen Dynamik sicher. Ein Nationalpark umfasst mindestens eine Fläche von 10.000 ha.

Ausnahmsweise kann auch ein kleineres Gebiet von besonderer internationaler Repräsentativität Nationalpark sein. Das Gebiet ist so abgegrenzt,

dass der Schutzzweck darin ermöglicht wird.

Situation (IST): Ein repräsentativer Ausschnitt der in der Region vorkommenden Ökosystemtypen wird durch den NLP vollständig geschützt.

Leittierarten sind Luchs, Fischotter, Auerhuhn, Weißrückenspecht, Dreizehenspecht, Schwarzstorch und Schwarzspecht. Weitere wichtige Vogelarten

sind Wanderfalke und Habichtskauz; aber auch Pilze sind repräsentativ für den NLP Bayerischer Wald. Die wichtigsten Rückzugsbereiche

sind für mehrere der Leittierarten geschützt. Die empfohlene NLP-Mindestgröße von 10.000 ha wird weit übertroffen. Zudem wird die

effektive Schutzfläche durch mehrere unmittelbar an den NLP angrenzende Schutzgebiete erhöht, auf deutscher Seite durch den Naturpark

NLPV

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Bayerischer Wald, auf tschechischer Seite durch den Nationalpark/Biosphärenreservat „Šumava“. Für bestimmte Tierarten (z. B. Rothirsch) liegen

die natürlichen Winterlebensräume in den tieferen Lagen außerhalb des Nationalparks. Durch die aktuelle NLP-Politik im tschechischen

Schutzgebiet „Šumava“ (großflächige Borkenkäferbekämpfung) ist die Erhöhung der effektiven Schutzfläche im nordöstlichen Anschluss an

den NLP Bayerischer Wald jedoch gefährdet. Die durch die NLP-VO gesetzte Verpflichtung der NLPV zur Borkenbekämpfung in einem 500 m

breiten Umkreis der Enklaven beeinträchtigt die effektive großräumige Schutzfläche des Nationalparks zusätzlich (s. auch Kap. B 2.5 Artenmanagement).

Stärken:

NLP ist großräumig ausgewiesen und bietet Rückzugsraum für Leittierarten

Durch die den NLP umschließenden Schutzgebiete – NRP auf deutscher sowie NLP und BR auf tschechischer Seite – ist in einem noch größeren

naturräumlichen Bereich des Bayerischen bzw. Böhmer Waldes das Potential gegeben, den Ablauf natürlicher Dynamik zu gewährleisten

Schwächen:

Erhöhung effektiver Schutzfläche durch Nationalpark Šumava aufgrund von Managementmaßnahmen von tschechischer Seite gefährdet

(Borkenkäferbekämpfung)

Einzelne Enklaven beeinträchtigen effektive großräumige Schutzfläche

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Transnationale Bemühungen für eine Erweiterung der effektiven Schutzfläche zum Nachbarland

Tschechien stärken, z.B. durch Einrichtung einer grenzüberschreitenden Kommission

unter Beteiligung der zuständigen Ministerien

Konsultationen im Rahmen des deutsch-tschechischen Umweltrates zur Entwicklung eines

einheitlichen Vorgehens im Bereich der Borkenkäferbekämpfung

Minimierung negativer Randeffekte der bestehenden privaten Waldenklaven bzw. Arrondierung

(s. Kap. 1.6 Abgrenzung und Zuschnitt)

2.3 Grad der Naturnähe

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

hoch

BMU, STMUG, NLPV

BMU, BFN, STMUG

STMUG

Standard (SOLL): Nationalparke weisen auf dem überwiegenden Teil der Fläche Ökosysteme mit einem hohen Naturnähegrad auf. Diese

Ökosysteme verfügen über eine für den Standort typische natürliche Artenzusammensetzung und Artenvielfalt.

Situation (IST): Über 75 % der NLP-Fläche sind naturnah. Großenteils dominieren die Natura 2000-Wald-Lebensraumtypen. Kleinflächig

kommen naturferne Fichtenmonokulturen vor.

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Stärken:

Für den Lebensraum typische Biotoptypen dominieren

Schwächen:

Kleinflächig naturferne Forsten und Streifen mit Borkenkäferbekämpfung (siehe Kap. B.2.5 Artenmanagement)

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Punktuelle Maßnahmen im Randbereich zur Verbesserung der natürlichen Artenzusammensetzung

und Bestandsstruktur

2.4 Lebensräume von internationaler und nationaler Bedeutung

mittel NLPV

Standard (SOLL): Der Nationalpark enthält Lebensräume von internationaler und/ oder nationaler Bedeutung. Diese sind im Managementplan

dargestellt. Die Maßnahmen, die zu ihrer Sicherung notwendig und im Hinblick auf den notwendigen Raum für natürliche Abläufe zulässig sind,

sind darin definiert.

Situation (IST): Der NLP enthält Lebensräume mit überwiegend europäischer Bedeutung: Hang- und Schluchtwälder, montane Borstgrasrasen,

lebende Hochmoore, Luzulo-Fageten unterschiedlicher und großflächiger Ausprägung. Die Arten und Lebensräume sind im aktuellen Managementplan

(= NLP-Plan) umfassend und konkret dargestellt. Der größte Teil der Arten und Lebensräume ist in einzelnen Grundlagenerhebungen

erfasst. Die NLPV ergreift weitgehend Maßnahmen zur Sicherung der Lebensräume.

Stärken:

NLP enthält Arten und Lebensräume von internationaler und nationaler Bedeutung, die im NLP-Plan dargestellt sind

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

2.5 Artenmanagement

Standard (SOLL): Grundsätzlich ist Artenmanagement eine Ausnahmesituation im Nationalpark. Die erforderlichen Maßnahmen hierzu sind im

Managementplan dargestellt.

Situation (IST): Alle Artenmanagement-Maßnahmen sind im Managementplan dargestellt und begründet. Auf etwa 1/3 der der NLP-Fläche ist

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

derzeit ein Wildtiermanagement erforderlich, welches innerhalb des Nationalparks nur durch die NLPV und unter Beachtung gesonderter Regelungen

(Verkürzung der Jagdzeit, ganzjährige Jagdruhezonen, Abschuss von Rotwild im Wintergatter, Abschuss von Schwarzwild in Saufängen,

Verwendung bleifreier Munition) durchgeführt wird. Das Wildtiermanagement orientiert sich dabei am „Positionspapier Wildtierregulierung

in deutschen Nationalparks“ der AG Nationalparke von EUROPARC Deutschland e.V. Es findet als derzeit unbefristete Naturschutzmaßnahme

zur Erfüllung des Schutzzweckes statt (außerhalb der Kern- bzw. Wildschutzgebiete, der Naturzonen und der Erholungszonen); insbesondere

auch in zwei jeweils 30 ha großen Wintergattern. Das Rotwildmanagement mit Hilfe der Wintergatter ist nicht zeitgemäß. 60 ha der Prozessschutzfläche

sind aufgrund von Ausnahmeregelungen durch Wildtiermanagement beeinträchtigt. Aktuell praktiziert die tschechische Parkleitung

im gesamten Nationalpark Šumava eine großflächige Borkenkäferbekämpfung. Dies erschwert die Durchsetzung der NLP-Ziele im Bayerischen

Wald. Im Umfeld privater Enklaven werden entsprechend den Vorgaben der NLPV-VO auf mind. 500 m Breite Waldschutzmaßnahmen

einschließlich Maßnahmen der Borkenkäferbekämpfung durchgeführt. Dies entwertet in größerem Umgriff die Naturnähe der angrenzenden

Waldgebiete und stellt ein unverhältnismäßiges Störungspotential dar (s. auch Kap. B. 1.6 Abgrenzung und Zuschnitt).

Artenschutzmaßnahmen werden für die Tierarten Auerhuhn, Habichtskauz, Koppe, Große Moosjungfer sowie für Kleinfarne und Bärlappe auf

Sekundärstandorten (Renaturierung, Biotoppflege, Wiederansiedlung) als erforderlich angesehen und daher räumlich und zeitlich befristet

durchgeführt. Nur bei der Biotoppflege zum Erhalt seltener Arten (Bärlappe, Kleinfarne) handelt es sich bis auf Weiteres um Daueraktivitäten.

Bestimmte Neobiota wie Sachalin-Knöterich und Japanischer Staudenknöterich werden mechanisch bekämpft. Douglasien werden entnommen

und Drüsiges Springkraut wird beobachtet.

Stärken:

Artenmanagement-Maßnahmen sind im Managementplan begründet

Die Prozessschutzzone ist zu über 99 % frei von Wildtiermanagement

Schwächen:

Wildtiermanagement findet noch in der Entwicklungszone und auf 60 ha der Prozessschutzfläche des NLP statt

Rotwildmanagement mit Hilfe der Wintergatter ist nicht zeitgemäß

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Flächenanteil für Wildtiermanagement im Zuge der jährlichen Vergrößerung der Prozessschutzfläche

sukzessive reduzieren (s. auch Kap. B. 2.1 Raum für natürliche Abläufe)

Entwicklung eines mit dem Vorfeld abgestimmten Rotwildkonzeptes zur Wiederermöglichung

der Winterwanderungen des Rotwildes

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

mittel

mittel

NLPV

19

Höhere Jagdbehörde, NLPV,

STMUG


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

2.6 Ökosystemare Vernetzung

Standard (SOLL): Der Nationalpark ist durch ökologisch wirksame Korridore mit den für Lebensraum- und Artenschutz wichtigen Flächen seines

Umfelds verbunden.

Situation (IST): Die ökologischen Beziehungsgefüge des NLP mit seinem Umfeld sind nur teilweise bekannt. Es bestehen teilweise Konzepte

zur ökosystemaren Vernetzung zwischen dem NLP und hochwertigen Biotopen im Umfeld, die weitgehend umgesetzt sind. Zur ungehinderten

Wanderung und Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten existieren zwischen dem NLP und seinem Umfeld zahlreiche wirksame Korridore;

allerdings ist die Verbindung zur tieferliegenden Donauaue – gerade für den Rothirsch im Winter von Bedeutung – gestört.

Stärken:

Zahlreiche ökologisch wirksame Korridore zwischen NLP und Umfeld vorhanden

Schwächen:

Fehlende gesamttierökologische Vernetzungsanalyse

Wanderungsmöglichkeiten für den Rothirsch in die Donauaue erheblich gestört und nur sehr schwer zufriedenstellend herstellbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Durchführung einer gesamttierökologischen Vernetzungsanalyse zwecks Erhalt/ Entwicklung

ökologisch wirksamer Korridore zwischen NLP und Umfeld

B.3 „Organisation“

3.1 Organisationsstruktur der Schutzgebietsverwaltung

mittel NLPV, Landkreise, NRP

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltung ist der obersten Naturschutzbehörde direkt unterstellt. Sie ist eine eigenständige, leistungsfähige

Sonderbehörde. Sie hat insbesondere folgende Aufgabenbereiche abzudecken: Schutz der natürlichen Abläufe, Management, Gebietsbetreuung,

Unterhaltung der Erholungsinfrastruktur für Naturerlebnisse, Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, Monitoring und Forschung,

Kommunikation, Kooperation, Mitwirkung bei der Regionalentwicklung im Nationalparkumfeld sowie allgemeine Verwaltung.

Situation (IST): Die Nationalpark-Verwaltung ist der Obersten Naturschutzbehörde, dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

(STMUG), als eigenständige Sonderbehörde direkt unterstellt. Die Organisationsstruktur deckt alle 10 Handlungsfelder ab (Kommunikation/

Öffentlichkeitsarbeit, Unterhaltung der Erholungsinfrastruktur, Management, Kooperationen, Bildung, Gebietsbetreuung, Verwaltung,

Naturschutz, Monitoring & Forschung, Regionalentwicklung). Ein Geschäftsverteilungsplan wurde kürzlich fertig gestellt.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Stärken:

NLPV ist eigenständige Sonderbehörde und untersteht der Obersten Naturschutzbehörde

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

3.2 Personalausstattung

Standard (SOLL): Die Personalausstattung gewährleistet eine kompetente, kontinuierliche Bearbeitung aller unter dem Standard „Organisationsstruktur

der Nationalpark-Verwaltung“ genannten Aufgabenbereiche.

Situation (IST): Von den insgesamt 193 Mitarbeitern der NLPV nach Stellenplan arbeiten 151 in Vollzeit und 42 in Teilzeit. Die Belegschaft der

NLPV besteht aus einem interdisziplinären Team von fachkundigen Spezialisten in den einzelnen Sachgebieten. Deren Ausbildung und Fähigkeiten

sind überwiegend geeignet, um die Managementziele zu erfüllen. Die Personaldecke mit den festen Stellen ist für die Bewältigung der

Aufgaben der NLPV ausreichend. Die NLP-Mitarbeiter werden durch Zeitvertragsnehmer/ Externe in einigen Aufgabenbereichen unterstützt

(Waldmanagement, Besuchereinrichtungen, Umweltbildung/ Waldführer, Forschung, Gebietsschutz). Bei Bildungsmaßnahmen unterstützen

außerdem Praktikanten und FÖJ-TeilnehmerInnen 4 die Tätigkeiten in der Schutzgebietsverwaltung. Die Nationalparkverwaltung hat sechs Stellen

an die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden abgeben müssen, was haushaltsmäßig seit 2013 wirksam ist. Das Personal dieser Infohäuser

hat gute Kenntnisse über den NLP, jedoch fehlt pädagogisch ausgebildetes Fachpersonal. Der Frauenanteil ist sowohl beim Führungspersonal

als auch bei den Rangern gering.

Stärken:

Ausreichende Personaldecke mit festen Stellen, alle Stellen sind besetzt

Schwächen:

Besucherzentren sind personell ausreichend ausgestattet, jedoch fehlt pädagogisches Fachpersonal

Geringer Frauenanteil

Handlungsempfehlungen:

4 FÖJ = Freiwilliges Ökologisches Jahr

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

21


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Bedarf an pädagogischem Fachpersonal prüfen und ggf. Stellen schaffen bzw. Mitarbeiter

entsprechend weiterqualifizieren

Erhöhung des Frauenanteils in der NLPV (s. auch unter Kap. B. 3.3 Rangersystem)

3.3 Rangersystem

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

mittel

mittel

STMUG, NLPV

STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Für die Besucherbetreuung und Überwachung der Einhaltung der Schutzbestimmungen ist hauptamtliches und grundsätzlich

unbefristet eingestelltes Personal von der Nationalpark-Verwaltung bereitzustellen. Bei der Betreuung bindet sie Freiwillige sowie ehrenamtliches

und hauptamtliches Personal der Verbände in einem Netzwerk ein. Die Zahl der für eine gute Besucherbetreuung und Überwachung

der Einhaltung der Schutzbestimmungen erforderlichen Personen ist in Abhängigkeit vom Naturraum, der Größe des Nationalparks, der Besucheranzahl,

den Aufgaben und dem Stör- und Gefahrenpotential festgelegt.

Die Nationalpark-Verwaltung koordiniert ein einheitliches Auftreten und sorgt für einen einheitlichen Informationsstand. Die Betreuer sind gut

geschult und werden regelmäßig fortgebildet. Sie haben eine Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftsführer oder eine gleichwertige

Ausbildung durchlaufen.

Situation (IST): Die NLPV beschäftigt 27 hauptamtliche, unbefristet eingestellte Ranger auf 24 Vollarbeitsplätzen, darunter 5 Frauen. Zu ihren

als „sehr wichtig“ eingestuften Aufgaben gehörten zum Zeitpunkt der Evaluierung (Dez. 2011) mit 49 % die Besucherinformation in Verbindung

mit Gebietskontrolle, mit 14 % der Betrieb gebührenpflichtiger Parkplätze (im Wesentlichen durch Einsatz von Waldarbeitern, die aus gesundheitlichen

Gründen nicht anderweitig einsetzbar sind), mit 10 % die Bildungsarbeit in Schulklassen und mit 5 % Fortbildungen, ferner mit jeweils

unter 5% der Arbeitszeit der Betrieb von Informationseinrichtungen, die Betreuung von Forschungseinrichtungen und Datenerhebungen sowie

die Bildungsarbeit in Form von Führungen/ Exkursionen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben ist die zurzeit verfügbare Anzahl von Rangern meist

ausreichend. Zwischenzeitlich (November 2012) wurde der hohe Arbeitszeitanteil der Ranger für die Betreuung der gebührenpflichtigen Parkplätze

reduziert durch Verlagerung der Zuständigkeit an das Team des Nationalparkzentrums Lusen (Hans-Eisenmann-Haus).

Die NLPV koordiniert und dokumentiert die Rangerarbeit. Alle Ranger erhalten jährlich Schulungen, zu denen auch Exkursionen in andere

Schutzgebiete gehören. Allerdings haben weniger als 50 % der Ranger eine Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftsführer oder eine

gleichwertige Ausbildung durchlaufen. Im NLP sind auch ehrenamtliche Ranger (3-7) tätig, die durch Mitarbeiter der NLPV geschult werden.

Die Zusammenarbeit mit Verbänden ist aufgrund geringen Engagements verbandlich organisierter Ehrenamtlicher nur gering ausgeprägt.

Stärken:

NLPV verfügt über hauptamtliche und unbefristet eingestellte Ranger, die in der Lage sind, alle wesentlichen Aufgaben zu erfüllen

Schwächen:

Ausbildungsstand der Ranger durch teilweises Fehlen einer zertifizierten Ausbildung nicht objektiv feststellbar

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Kein Netzwerk mit Verbänden in der Gebietsbetreuung

Geringer Frauenanteil im Rangerdienst

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Verbesserung und Zertifizierung des Ausbildungsstandes der Ranger durch Ausbildung zum

geprüften Natur- und Landschaftsführer o. ä.

Erhöhung des Frauenanteils im Rangerdienst bei entsprechender Qualifikation (s. auch unter

Kap. B. 3.3 Personalausstattung)

Bemühungen intensivieren, Verbände in das Betreuungsnetzwerk zu integrieren

3.4 Personalmanagement

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

mittel

niedrig

NLPV

STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Das Personalmanagement wird durch die Nationalpark-Verwaltung professionell durchgeführt. Ziel ist eine hohe Motivation

und Zufriedenheit der Beschäftigten sowie eine hohe Arbeitseffizienz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten Eigenverantwortung, werden

bei Entscheidungsprozessen einbezogen, erhalten regelmäßige Fortbildungen und haben Anteil am internen Informationsfluss. Die Nationalpark-Verwaltung

hat ein deutliches Mitspracherecht bei der Auswahl ihres Personals.

Situation (IST): Die Entscheidungsfreiheit der NLPV über Neueinstellungen ist sehr groß. Die NLPV kann auf dem „freien Markt“ in voller Breite

nach geeigneten Mitarbeitern suchen. Bei Beamtenstellen ist das STMUG zu beteiligen. Eine klare Aufgabenbeschreibung für die einzelnen

Mitarbeiter liegt derzeit nicht vor. Ein Personalentwicklungskonzept soll in nächster Zeit erarbeitet werden. Zur Personalführung und Motivation

der Mitarbeiter sind Maßnahmen wie Mitarbeiterbeurteilung und -gespräche sowie Leistungsprämien etabliert, die jedoch noch verbessert werden

könnten. Anonyme Mitarbeiterbefragungen über die Zufriedenheit mit der Personalführung finden in unregelmäßigen Abständen statt. Zu

einigen Entscheidungen des Managements bzw. der Führungsebene können die Mitarbeiter selbst beitragen. Der Kommunikationsfluss in der

NLPV funktioniert durch regelmäßig stattfindende sach- bzw. fachgebietsinterne Besprechungen, wöchentliche bzw. 14-tägige Sachgebietsleiterbesprechungen

und erweiterte Leitungsbesprechungen, die alle 2 Monate stattfinden, sowie den Einsatz des Intranets. Die interne Kommunikation

ist noch verbesserungswürdig, denn zum Teil treten Reibungsverluste durch Fehlinformationen oder Informationsmangel auf. Die

NLPV hat jährlich 15.000 € für Fortbildungsmaßnahmen im Budget zur Verfügung, tatsächlich wird eine höhere Summe aufgewendet. Fortbildungen

finden oftmals durch Externe im NLP Bayerischer Wald statt. Dennoch werden die Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter seitens der

NLPV als weniger angemessen beurteilt, sowohl was die Fortbildungsthemen als auch die Zeitintervalle für Fortbildungen betrifft. Fortbildungstage

pro Mitarbeiter wurden von der NLPV bisher nur in einzelnen Teilbereichen (z. B. Nationalparkwacht) erfasst, daher liegt kein

Durchschnittswert interner und externer Fortbildungstage pro Mitarbeiter und Jahr vor.

NLPV

23


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Stärken:

Große Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit der NLPV bei Neueinstellungen

Schwächen:

Interne Kommunikation innerhalb NLPV noch verbesserungswürdig

Fortbildungsangebote für NLP-Mitarbeiter verbesserungswürdig

Klare Aufgabenbeschreibung für die Mitarbeiter ist derzeit nicht vorhanden

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Quantität und Qualität der Fort- und Weiterbildung sicherstellen und teilweise verbessern

Ursache von Reibungsverlusten und Fehlinformationen innerhalb der NLPV analysieren und

Möglichkeiten zur Verbesserung der internen Kommunikation ausarbeiten

Einführung klarer Aufgabenbeschreibungen für alle Mitarbeiter

3.5 Finanzierung

Standard (SOLL): Die umfassende Finanzierung des Nationalparks stellt das Land zur Verfügung. Die finanzielle Ausstattung umfasst mindestens

die Aufgabenbereiche Schutz der natürlichen Abläufe, Management, Gebietsbetreuung, Unterhalt der Erholungsinfrastruktur für Naturerlebnisse,

Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, Monitoring und Forschung, Kommunikation, Kooperation, Mitwirkung bei der Regionalentwicklung

im Nationalpark-Umfeld sowie allgemeine Verwaltung. Eine Förderung durch Dritte zur Unterstützung der Ziele des Nationalparks

ist wünschenswert.

Situation (IST): Das Finanzierungssystem der NLPV war bisher ausgezeichnet und trägt wesentlich zu einem effektiven Schutzgebietsmanagement

bei. Eine Flexibilität in der Finanzierung ist gegeben durch Budgetierung, interne Mittelverschiebung und eine direkte Verwendung

von (Teil-) Einnahmen aus dem Holzverkauf. Eine Freizügigkeit in der Deckungsfähigkeit der Titel besteht.

Spenden und teilweise auch Mehreinnahmen kommen dem Haushalt der NLPV zu Gute. Das interne Finanzmanagement ist auf strategische

Ziele ausgerichtet. Drittmittel werden eingeworben, ihr Anteil am Gesamtetat beträgt ca. 5 %. Innerhalb der letzten 3 Jahre wurden mehrere

EU-Förderprogramme in Anspruch genommen: Interreg IV, Euregio, Dispofonds, LEADER. Damit konnten verschiedene Projekte umgesetzt

werden, z. B. die Umgestaltung der Ausstellungen im Hans-Eisenmann-Haus und im Waldgeschichtlichen Museum, das Umweltbildungsprogramm

„Natur-Mensch-Technik“ sowie die Neugestaltung von Teilen des Tierfreigeländes, die Verbesserung des Besucherservices und verschiedene

Forschungsprojekte. Investitionsentscheidungen werden nicht auf der Grundlage von Kosten-Nutzen-Prüfungen durchgeführt. Das

jährliche Budget deckt 100 % der benötigten Investitionen ab und ermöglicht, neben den Personalkosten für die 193 NLP-Mitarbeiter, den Betrieb

der im NLP bestehenden Infrastruktureinrichtungen. Insgesamt schätzt die NLPV ein, dass die bereitgestellten Finanzmittel in den letzten

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

hoch

NLPV

NLPV

NLPV

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

5 Jahren angemessen waren, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Mittel für den Zukauf erforderlicher Personalleistungen standen

ebenfalls zur Verfügung. In Folge des Rechnungshofberichtes getroffene Regelungen führen dazu, dass im Falle einer ausbleibenden Borkenkäferentwicklung

der Haushalt des Nationalparks entsprechend gekürzt wird. Dies führt zu Einschnitten in der Finanzausstattung, die eine ordnungsgemäße

Finanzierung der dem Nationalpark gestellten Aufgaben nicht mehr zulassen.

Stärken:

Finanzmanagement ist ausgezeichnet

Gute finanzielle Ausstattung ermöglicht umfassende Erfüllung der Aufgaben der NLPV einschließlich der Tätigung von Investitionen

Schwächen:

Investitionsentscheidungen werden nicht auf der Grundlage von Kosten-Nutzen-Analysen getroffen

Bei ausbleibender Borkenkäfergradation ist die Finanzierung des Nationalparks in seinen Kernaufgaben gefährdet

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Die Finanzierung der gesetzlichen Aufgaben des Nationalparks ist unabhängig von der Borkenkäferentwicklung

zu sichern

Einführung von Kosten-Nutzen-Analysen als Grundlage für Investitionsentscheidungen prüfen

3.6 Beiräte und Kuratorien

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

niedrig

STMUG, Bayer. Landtag

STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Beiräte, Kuratorien und andere beratende Gremien fördern die Nationalpark-Entwicklung und unterstützen die Einbindung

des Nationalparks in die Region.

Situation (IST): Die NLPV wird in ihrer Arbeit durch einen Fachbeirat und einen Forschungsbeirat mit jeweils beratender Funktion sowie durch

einen Kommunalen NLP-Ausschuss unterstützt. Der Informationsfluss zwischen NLPV und Gremien erfolgt vierteljährlich im Zuge der Tagung

des NLP-Ausschusses sowie bei den jährlichen Treffen des Fachbeirates. Wichtige Themen werden auch zwischen den Sitzungen per Mail

oder Schreiben kommuniziert. Die Gremien üben größtenteils einen konstruktiven Einfluss auf die Umsetzung der NLP-Ziele aus. Überwiegend

werden einvernehmliche Lösungen erzielt.

Stärken:

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen NLPV und o.g. Gremien, insbesondere durch guten Informationsfluss

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

B.4 „Management“

4.1 Leitbild des Nationalparks

Standard (SOLL): Jeder Nationalpark besitzt ein eigenes Leitbild. Das für den Nationalpark existierende Leitbild ist grundlegend, gilt langfristig,

ist visionär und kompatibel mit dem übergeordneten Leitbild für deutsche Nationalparke von EUROPARC Deutschland (2005). Das Nationalparkspezifische

Leitbild ist im Managementplan verankert. Das Leitbild ist nach innen (für die Mitarbeiter) und außen gerichtet.

Situation (IST): Es existiert ein eigenes Leitbild für den NLP, das im Managementplan verankert ist. Danach soll im Nationalpark keine wirtschaftsbestimmte

Nutzung von Naturgütern stattfinden. Neben dem Prozessschutz dient der NLP danach auch dem Arten- und Biotopschutz.

Im Randbereich des NLP wird sichergestellt, dass durch die natürliche Waldentwicklung – und daran möglicherweise gekoppelte Borkenkäfergradationen

- keine negativen Auswirkungen auf die benachbarten Gebiete ausgehen. Das Leitbild gilt langfristig und ist mit dem Leitbild für

deutsche Nationalparke von EUROPARC Deutschland kompatibel.

Stärken:

Leitbild des NLP ist im Managementplan verankert.

Leitbild gilt langfristig und ist kompatibel mit dem übergeordneten Leitbild von EUROPARC Deutschland

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

4.2 Managementplan

Standard (SOLL): Für die Arbeit der Nationalpark-Verwaltung ist die Existenz einer Managementplanung unerlässlich. Die Ziele des Nationalparks

sind darin klar erkennbar. Der Plan enthält die wesentlichen Aufgabenbereiche, Strategien und Maßnahmenplanungen, um das Leitbild

und die gesetzten Ziele zu erreichen. Der Plan ist behördenverbindlich. In der Managementplanung sind außerdem Zeithorizonte und Indikatoren

für das Erreichen einzelner Ziele genannt. Ein wichtiger Baustein darin ist das Festlegen von Maßnahmen zur Erfolgskontrolle. Die Ma-

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

26


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

nagementplanung ist spätestens fünf Jahre nach Nationalpark-Ausweisung fertig gestellt und ist regelmäßig, spätestens alle zehn Jahre, fortzuschreiben.

Situation (IST): In der NLP-VO ist das Erstellen und Fortschreiben des NLP-Plans im 10-jährigen Turnus nicht vorgegeben. Der NLP-Plan ist

seit Dezember 2011 in Kraft. Die Erstellung des Managementplans (Nationalparkplan) folgt weitgehend dem Leitfaden von EUROPARC

Deutschland. Inhaltlich enthält der NLP-Plan klare Zielvorgaben für das Schutzgebiet und legt Managementmaßnahmen fest, die eine ausreichende

Grundlage für die Umsetzung der NLP-Ziele liefern. Er ist allerdings nicht generell behördenverbindlich (s. auch Kap. B. 1.3 Übergeordnete

planerische Grundlagen). Die Prioritäten unter den Strategien und Maßnahmen sind nicht klar angegeben, können aber für das Arbeitsprogramm

und die Ressourceneinteilung abgeleitet werden. Die „gewünschte Zukunft“ ist im NLP-Plan beschrieben und liefert klare hilfreiche

Vorgaben, wie mit neu auftretenden Chancen und „Bedrohungen“ umzugehen ist. Die Notwendigkeit für Monitoring, Bewertung und Anpassung

des Managements ist erkannt, aber nur knapp abgehandelt. Eine Integration des NLP-Plans in relevante nationale, regionale und

kommunale Pläne wird nicht angestrebt. Zurzeit noch bestehende Zielkonflikte mit FFH-Managementplänen hinsichtlich der natürlichen Dynamik

und des Erhaltungszustandes von Lebensraumtypen/ Arten sind lösbar. Erforderliche Pflegemaßnahmen (z.B. für prioritäre Arten des FFH-

Gebietes) werden auf weniger als 10 % der NLP-Fläche beschränkt. Regelmäßige Arbeitspläne existieren. Durchgeführte Maßnahmen werden

von der NLPV jedoch noch zu wenig mit den geplanten Ergebnissen und zu erreichenden Zielen verglichen. Es gibt ad hoc Monitoring und Bewertung

der Managementaktivitäten, jedoch fehlt dazu eine gesamtheitliche Strategie und/ oder ein regelmäßiges Sammeln und Aufbereiten

der Ergebnisse.

Stärken:

Der NLP-Plan ist seit Dezember 2011 in Kraft

Der NLP-Plan enthält Zukunftsvisionen und klare Zielvorgaben

Zielkonflikte mit anderen Nutzungen und Planungen wurden erkannt und Lösungswege beschrieben

Schwächen:

Der NLP-Plan ist nicht generell behördenverbindlich (s. auch Kap. B. 1.3 Übergeordnete planerische Grundlagen)

Keine Fristvorgabe zur Fortschreibung des NLP-Plans

Aspekte der Erfolgskontrolle bzw. Evaluation sind im NLP-Plan verbesserungswürdig

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Der NLP-Plan ist für alle Behörden verbindlich zu machen

Regelmäßige Fortschreibung des NLP-Plans (spätestens alle zehn Jahre), insbesondere

hinsichtlich einer Verbesserung des Beobachtungs- und Bewertungssystems sowie einer

Festlegung von Maßnahmen zur Erfolgskontrolle

mittel

niedrig

STMUG

NLPV

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

4.3 Zonierung

Standard (SOLL): Eine Zonierung – soweit notwendig – dient der Gliederung des Nationalparks in Bereiche, in denen Prozessschutz bereits

verwirklicht ist, und in Bereiche, in denen Managementmaßnahmen vorübergehend oder dauerhaft durchgeführt werden. Die Prozessschutzzone

ist möglichst zusammenhängend und großflächig auszuweisen.

Situation (IST): Gemäß gesetzlicher Regelung (NLP-VO) sind mind. 75 % der Fläche als Prozessschutzfläche ohne menschliche Beeinflussung

zu realisieren. Derzeit existieren die aktuelle Prozessschutzzone 5 mit 13.530 ha (56 % der Gesamtfläche), die Zone mit vorübergehendem

Management 6 mit 4.940 ha (ca. 20 % der Gesamtfläche) und die Zone mit dauerhaftem Management 7 von 5.752 ha (ca. 24 % der Gesamtfläche;

inkl. der Erholungszone von 2%). In den beiden letztgenannten Zonen geht es vorrangig um Waldschutzmaßnahmen (Borkenkäferbekämpfung)

zum Schutz von Hochlagenwäldern und benachbarter Privatwälder. Seit der Änderung der NLP-VO (09/2007) ist die Prozessschutzzone

jährlich um mindestens 1,5 % (= 310 ha) der NLP-Fläche zu vergrößern.

Stärken:

Eine Zonierung ist gesetzlich festgeschrieben, 75 % Prozessschutzfläche sind als Ziel festgelegt

Kontinuierliche, jährliche Vergrößerung der Prozessschutzfläche seit 2007

Schwächen:

Flächenanteil der Prozessschutzzone liegt mit aktuell 56 % noch deutlich unterhalb des Zielwertes von 75 %

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Zügige Erweiterung der aktuellen Prozessschutzzone auf die angestrebten 75 % bis spätestens

2027

4.4 Renaturierung

hoch STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Renaturierungsmaßnahmen in Nationalparken beschränken sich auf Rückbau- oder Initialmaßnahmen ausschließlich in

denjenigen Bereichen, die durch anthropogene Veränderung vor Nationalpark-Ausweisung derart verändert sind, dass auch langfristig kaum

mit natürlicher Selbstregulation zu rechnen ist. Renaturierungen sind zeitlich begrenzte, im Nationalpark-Plan festgelegte Maßnahmen. Sie

5 Naturzone des NLP

6 Entwicklungszone des NLP

7 Randbereich/ Erholungszone des NLP

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28


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dienen der Optimierung der ökosystemaren Qualität des Nationalparks.

Situation (IST): Renaturierungsmaßnahmen sind im NLP-Plan festgelegt und sollen insgesamt in 10 bis 20 Jahren abgeschlossen sein. Ziel

ist, die Entwicklung von Flächen, die durch ehemalige Nutzungen anthropogen stark überprägt wurden, hin zu naturnahen Zuständen zu unterstützen.

Dies umfasst v. a. den Rückbau von Verrohrungen (ca. 7,5 km) zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern, das

Verfüllen von Entwässerungsgräben zur Moorrenaturierung (über eine Länge von ca. 5 km) und den Rückbau von Wegen (ca. 60 km). Waldumbau

findet auf einer Fläche von 600 ha statt (2 % der NLP-Fläche). Die einzelnen Renaturierungsmaßnahmen werden innerhalb des NLP

jedoch nur kleinflächig oder punktuell durchgeführt und sind auf einmalige und kurzfristige Maßnahmen beschränkt (z. B. Rückbau von Gewässerverbauungen).

Zur Erfolgskontrolle findet ein Monitoring statt (Fischmonitoring, Fotodokumentation, Dauerbeobachtungsflächen).

Stärken:

Renaturierung ist als Aufgabe im NLP-Plan festgelegt

Der Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen wird durch ein Monitoring kontrolliert

Schwächen:

Verschiedene Renaturierungsmaßnahmen (v.a. Fließgewässer und Moore betreffend) wurden bisher noch nicht umgesetzt

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Zügige Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen im Bereich von Fließgewässern und

Mooren

Kontinuierliche Aufhebung bzw. Rückbau von Forststraßen und Wegen (auch um Verkehrssicherungsmaßnahmen

zu reduzieren)

4.5 Konzepte zu Nutzungen

Standard (SOLL): Nationalparke bezwecken keine wirtschaftsbestimmte Nutzung von natürlichen Ressourcen. Soweit Nutzungen im Nationalpark

stattfinden, stehen sie dem Schutzzweck nicht entgegen und finden nur auf einem untergeordneten Flächenanteil des Nationalparks

statt. Nutzungen, die diesen Anspruch nicht erfüllen, sind zum nächstmöglichen Zeitpunkt einzustellen.

Situation (IST): Der Ausschluss wirtschaftlicher Nutzung ist per NLP-VO geregelt, es existieren jedoch diverse Ausnahmeregelungen. Hierbei

handelt es sich um die Wassernutzung für Trinkwasser (ca. 1,5 Mio. Kubikmeter pro Jahr im gesamten Park) und die Energiegewinnung

(Kraftwerke an Fließgewässern), land- und forstwirtschaftliche Nutzung auf Flächen in Privatbesitz, Wildtiermanagement auf ca. 1/3 der NLP-

Fläche, Imkerei und den Betrieb von Berghütten. Es bestehen entsprechende Nutzungsrechte im NLP, so u.a. auch noch die Verpachtung eines

Gewässers für fischereiliche Nutzung (Kolbergsbach). Konzepte zum Nutzungsabbau sind im NLP-Plan vorhanden. Regelungen zur Re-

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hoch

hoch

NLPV

NLPV

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duzierung der Nutzungsrechte gibt es nur in geringem Ausmaß (z. B. Forstrechte) und ohne Vorgabe einer Frist. Stoffliche Nutzungen wie die

Holznutzung in der Entwicklungszone und im Randbereich betreffen ca. 15 - 50 % der NLP-Fläche und sind mit vielen Störungen für die Tier-

und Pflanzenwelt verbunden. Dabei ist. u.a. die Population des Auerhuhns betroffen. Die Vorgabe der NLP-VO auf mind. 500 m Breite Waldschutzmaßnahmen

einschließlich Maßnahmen der Borkenkäferbekämpfung durchzuführen, führt im Umfeld mehrerer – teilweise auch sehr

kleiner – privater Enklaven, v.a. im Rachel-Lusen-Gebiet, zu einem unverhältnismäßigen Störungspotential (s. u.a. Kap. B. 2.5 Artenmanagement).

Der niedrigste Gesamtholzeinschlag war 2002 (rd. 22.000 fm). Die Tendenz der stofflichen Nutzung/ Entnahmen ist in den letzten 5 Jahren

gleich geblieben, im Falle der Holznutzung bis 2012 deutlich gestiegen. Aufgrund extremer Windwurfereignisse (u. a. Kyrill) und damit verbundener

Borkenkäferbekämpfung, die dem Nationalpark gesetzlich auferlegt ist, betrug der Holzeinschlag zwischen 2006 und 2011 jährlich

über 100.000 fm. Hier gibt es eine Trendwende: der Holzeinschlag betrug in 2012 lediglich noch 30.000 fm für den gesamten Park, da die Borkenkäfermassenvermehrung

im Erweiterungsgebiet zusammengebrochen ist, wie einige Jahre zuvor schon im Alt-Nationalparkgebiet. Weiterhin

finden statt: Streusalzeinsatz auf öffentlichen Straßen im NLP sowie eine in Teilbereichen intensive touristische Nutzung (Wintersport,

Wandern, Radfahren). Es bestehen Bemühungen von Seiten der NLPV, Nutzungsrechte Dritter (z.B. Holznutzungsrechte, Forstrechte etc.) abzubauen;

sie waren jedoch bisher weitgehend erfolglos.

Stärken:

Ausschluss wirtschaftlicher Nutzung innerhalb des NLP per NLP-VO

NLP-Plan enthält Konzepte zum Nutzungsabbau

Schwächen:

Viele Ausnahmeregelungen (in NLP-VO) für wirtschaftliche Nutzungen im NLP

Intensive forstwirtschaftliche Nutzung v.a. im Falkenstein-Rachel-Gebiet (im Rahmen des Borkenkäfermanagements) bis hin zu „Quasi-

Kahlschlägen“ aufgrund gesetzlicher Auflagen

Vorgaben zur Erzielung von Einnahmen durch wirtschaftsbestimmte Nutzungen (Holzeinschlag) widersprechen NLP-Zielsetzung

Streusalzeinsatz auf öffentlichen Straßen im Nationalpark

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Reduzierung der forstwirtschaftlichen Nutzung insbesondere im Erweiterungsgebiet (Falkenstein-Rachel-Gebiet)

und (bei Einigkeit mit Eigentümern) im Umfeld privater Enklaven

Bemühungen zum Abbau von Nutzungsrechten weiter verstärken (um z.B. Fließgewässerrenaturierungen

durchführen zu können)

Reduzierung bzw. Einstellung des Streusalzeinsatzes im Nationalpark

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hoch

mittel

mittel

NLPV, STMUG

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NLPV, Forst- und Landwirtschaftsbehörden,

Bezirksregierung

NLPV, Straßenbauämter der Landkreise


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Erstellung einer Konzeption zur Reduzierung der Nutzung bzw. zum Rückbau von Berghütten,

wo dies umsetzbar ist

Keine Verlängerung des Fischereipachtvertrages für den Kolbergsbach

4.6 Besucherlenkung und Gebietskontrolle

Standard (SOLL): Die Besucherlenkung erfolgt auf der Basis eines raumbezogenen Konzepts, das Teil des Managementplans ist. Anhand

naturschutzfachlicher und naturerlebnisorientierter Erkenntnisse sind Routen und Flächen für die Besucher ausgewählt und entsprechend gekennzeichnet.

Im Nationalpark sind Wegegebote und Betretungsverbote – soweit erforderlich – festgelegt. Der Rangerdienst betreut, informiert

und überwacht.

Situation (IST): Ein umfassendes raumbezogenes Besucherlenkungskonzept liegt vor. Die Routenwahl der Wege und die Einrichtung von Attraktionspunkten

im NLP nimmt auf Naturschutzbelange Rücksicht. Das Orientierungs- und Leitsystem zeichnet sich durch ein gut beschildertes

Wegenetz mit klaren Symbolen, Holztafeln und Übersichtskarten aus. Im Sinne der Besucherlenkung im NLP existieren ganzjährige bzw.

saisonale Betretungsverbote, Wegegebote und eine eindeutige Wegeführung. Es gibt Ausnahmen vom Wegegebot in der Naturzone: Traditionelle

unmarkierte Steige dürfen im Zeitraum vom 15.07. – 15.11. begangen werden; auch Loipen führen durch die Naturzone. Trendsportarten

wie Schneeschuhlaufen und Skitourengehen nehmen zu, leider auch illegal abseits der Wege, und führen dort zu erheblichen Störungen z.B.

des Auerhuhns. Informationstafeln an zentralen Stellen, attraktive Einrichtungen in den Randbereichen und die Gebietskontrolle durch Ranger

sind weitere Maßnahmen zur Besucherlenkung. Die NLP-Flächen sind an mehreren Stellen durch öffentliche Verkehrswege zugänglich. Es

fehlen Untersuchungen zum Verhalten der Besucher im Gelände des NLP, zur Frequentierung der Wege usw. Die Gebietskontrolle durch

Ranger ist verbesserungsfähig, insbesondere die Durchsetzung von Betretungsverboten und die Ahndung durch die Ordnungsbehörden. Aktuell

gibt es Bestrebungen auf tschechischer Seite, im Bereich des Nationalparks verstärkt staatenübergreifende Straßen-/Wegeübergänge einzurichten;

dies betrifft auch Naturzonen.

Stärken:

Besucherlenkung erfolgt auf der Basis eines raumbezogenen Konzepts und nimmt Rücksicht auf Naturschutzbelange

Orientierungs- und Leitsystem für Besucher des NLP ist vorhanden

Schwächen:

Fehlendes Besucher-Monitoring

Ausnahmen vom Wegegebot in der Naturzone und Störungen durch neue Freizeitaktivitäten abseits von Wegen

Bestrebungen von tschechischer Seite, verstärkt staatenübergreifende Straßen-/Wegeübergänge auch in Naturzonen einzurichten

Handlungsempfehlungen:

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

mittel

mittel

NLPV

NLPV

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Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Entwicklung und Umsetzung eines Besucher-Monitoring-Konzeptes

Kontaktaufnahme mit Tschechischer Republik, um die Ruhigstellung der länderübergreifenden

Naturzone zu gewährleisten

Verstärkung der Gebietskontrolle durch Ranger und Verbesserung der Ahndung bei Verstößen

(s. Kap. B. 1.4 Zuständigkeiten)

Naturverträgliche Regelungen für neue Trendsportarten finden, Durchsetzung des Wegegebots

Prüfung, ob das Wegegebot in der Naturzone ganzjährig und für alle Wegetypen gelten sollte

Prüfung einer Reduzierung der Loipen in der Naturzone

4.7 Integration des Nationalparks in die Region

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hoch

hoch

mittel

mittel

niedrig

niedrig

NLPV

NLPV, STMUG, BMU/ BfN

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Region ist definiert. Der Managementplan enthält Empfehlungen zur Nationalpark-Region. Die Nationalpark-Verwaltung

wirkt bei Planungen im Umfeld mit.

Situation (IST): Es gibt eine klar definierte und kartographisch ausgewiesene räumliche Definition der NLP-Region (auf deutschem Territorium).

In der Managementplanung sind teilweise allgemeine Aussagen zum Vorfeld getroffen worden. Die NLPV kann bei Planungen im Vorfeld

mitbestimmen, hat aber kein Veto-Recht. Als Träger öffentlicher Belange (TÖB) gibt sie fachliche Stellungnahmen zur Bauleitplanung und zur

Regionalplanung sowie im Rahmen von Planfeststellungsverfahren ab.

Stärken:

NLP-Region ist räumlich definiert

NLPV wirkt bei Planungen im Umland mit

Schwächen:

Aussagen zur NLP-Region sind in der Managementplanung teilweise noch nicht konkret genug

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Konkretisierung von Aussagen zur NLP-Region im Zuge der Fortschreibung des NLP-Plans

und Abstimmung mit den beteiligten kommunalen Vertretern

NLPV

NLPV

NLPV

NLPV

niedrig NLPV, Kommunen, Kreise

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4.8 Evaluierung der Maßnahmen

Standard (SOLL): Notwendigkeit und Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen in den Bereichen Besucherlenkung und -betreuung, Bildungsarbeit,

Naturschutz, Artenschutz und Renaturierung sowie Freiwilligenmanagement werden durch Erfolgskontrollen regelmäßig überprüft.

Die Ergebnisse werden kommuniziert. Die Erkenntnisse aus diesen Evaluierungen fließen in den Managementprozess ein und führen – wenn

erforderlich – zu veränderten Strategien und deren Umsetzung.

Situation (IST): In Anbetracht der vielfältigen praktischen Aufgaben und der Umsetzung zahlreicher investiver Maßnahmen war in der Vergangenheit

die erforderliche Evaluierung nur teilweise möglich. Im Frühjahr 2012 ist in größerem Umfang eine Evaluierung im Bereich Bildung in

Kooperation mit der Universität Hamburg angelaufen; Ergebnisse dazu werden Anfang 2014 erwartet. Ansatzweise liegen auch für die Bereiche

Erfolg der Kooperationen, Artenschutzmaßnahmen, Renaturierung sowie Monitoring & Forschung Evaluierungsergebnisse vor. Diese vorhandenen

Ergebnisse werden bisher nur in geringem Umfang nach außen kommuniziert.

Stärken:

Umfangreiche Evaluierung im Bereich Bildung ist angelaufen

Schwächen:

In vielen Arbeitsbereichen erfolgt die Evaluierung nur ansatzweise und wird nur in geringem Umfang nach außen kommuniziert

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Bewusstsein für Evaluierung schärfen, Evaluierung in allen erforderlichen Arbeitsbereichen

durchführen und Ergebnisse nach außen kommunizieren

B.5 „Kooperation und Partner“

5.1 Kooperationen

mittel STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltung nutzt Kooperationen und Partnerbeziehungen, um möglichst alle relevanten gesellschaftlichen

Gruppierungen für die Gestaltung des Nationalparks und dessen Umfeld unterstützend zu gewinnen (auch Partnervermittlung). Die Beteiligten

der Kooperationen und die Partner erkennen die Ziele des Nationalparks an und unterstützen ihn. Grundlage für Kooperationen ist das Vorliegen

einer schriftlich fixierten Strategie der Nationalpark-Verwaltung über die generelle Handhabung der Zusammenarbeit.

Situation (IST): Eine schriftlich fixierte Strategie zu Kooperationen und zum Umgang mit Partnern liegt nicht vor. Seit 2005 besteht ein Netzwerk

touristischer NLP-Partner. Die NLP-Partner erfüllen weitestgehend anerkannte Qualitätsnachweise (Sterne des DTV, Teilnahme an Fort-

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bildungen etc.), die regelmäßig kontrolliert werden und sich an den Mindestkriterien von EUROPARC Deutschland ausrichten (Mitwirkung in

der ED-AG „Partner der NNL“). Sie halten NLP-bezogene Angebote bereit, ihre Homepages sind i.d.R. mit der des NLP verlinkt. Insgesamt gibt

es z. Zt. 75 NLP-Partner, die eine Partnerschaft mit der NLPV auf Grundlage schriftlicher Vereinbarungen eingegangen sind, wobei die Qualität

bei einzelnen Partnern noch verbesserungswürdig ist. Die Zusammenarbeit mit den Tourismusbehörden läuft sehr gut und wird intensiv abgestimmt.

Besonders gelungene Beispiele sind eine Postkartenaktion und ein Broschüre, die auf Deutsch und Tschechisch auf 40 Highlights in

der Nationalparkregion hinweist. Der Nationalpark unterhält weitere Kooperationen in den Bereichen Regionalentwicklung, Monitoring & Forschung,

Naturerlebnisangebote sowie Bildungsmaßnahmen. Durch die Vereine „WaldZeit“ und „Pro Nationalpark“ werden Naturerlebnisangebote

(zum Teil auch mit Übernachtung) sowie Führungen u. ä. angeboten. Außerdem ist die NLPV an Kooperationen mit dem ÖPNV, mit Universitäten

und im Rahmen von Agenda-Prozessen beteiligt. Mit verschiedenen Unternehmen gibt es projektbezogene Partnerschaften, z. B.

das Sommercamp im Jugendwaldheim in Kooperation mit ESRI oder die Luchstelemetrie in Kooperation mit T-Mobile. Die NLPV schätzt die

Zusammenarbeit in den Kooperationen mit den meisten touristischen Partnern als „gut“ ein. Die Kooperationsbereitschaft hat in den letzten 3

Jahren leicht zugenommen. Unterstützt wird der NLP durch mehrere Fördervereine (Verein der Freunde des Ersten deutschen Nationalparks,

Pro Nationalparkvereine). Verbände und Fördervereine schätzen die Zusammenarbeit mit der NLPV als gut ein. Forderungen an die NLPV betreffen

insbesondere die Thematik Waldmanagement/ Borkenkäferbekämpfung. Im Kontext der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bzw.

der bestehenden Probleme wünschen sich die Verbände mehr politische Unterstützung aus München und Berlin.

Stärken:

Netz von Nationalpark-Partnern, die anerkannte Qualitätsnachweise erfüllen und die Ziele des Nationalparks auf Grundlage schriftlicher Vereinbarungen

unterstützen

Zahlreiche weitere Kooperationen in den Bereichen Tourismus, Regionalentwicklung, Monitoring & Forschung, Naturerlebnisangebote sowie

Bildungsmaßnahmen

Schwächen:

Eine schriftlich fixierte Strategie zum Umgang mit Kooperationspartnern ist nicht vorhanden

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Erarbeitung einer schriftlich fixierten Strategie zum Umgang mit Kooperationspartnern

Intensivierung der Zusammenarbeit der NLPV mit den Fördervereinen

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mittel

mittel

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NLPV, Tourismusverband, Kommunen,

Leistungsträger

NLPV, Fördervereine


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5.2 Einbindung in Arbeitsgruppen und Netzwerke

Standard (SOLL): Der Nationalpark ist in vielfältiger Weise mit seinem Umfeld verzahnt. Er prägt das Erscheinungsbild und ist Imageträger der

Region. Die Nationalpark-Verwaltung ist in allen relevanten Arbeitsgruppen und Netzwerken kompetent und engagiert vertreten.

Situation (IST): Die NLPV ist bei den Themen Tourismus & Erholung auf kommunaler, regionaler und überregionaler 8 Ebene aktiv mit eingebunden.

Auf Landkreisebene ist die NLPV im Tätigkeitsfeld nachhaltige Regionalentwicklung und Natur & Landschaft aktiv, außerdem im Bereich

Umweltbildung. Die NLPV ist in zahlreichen Arbeitsgruppen vertreten, z. B. als Mitglied in der AG Landnutzung sowie in beratender Funktion

in den Lenkungsausschüssen „Tierisch wild“ und Verkehrskonzept Nationalpark, in der Leader-Aktionsgruppe Regen und der AG Igelbus 9 .

Auf nationaler und internationaler Ebene kooperiert die NLPV mit anderen Nationalen Naturlandschaften und ist in verschiedenen Arbeitsgruppen

von EUROPARC aktiv. Mit dem NLP Sächsische Schweiz arbeitet die NLPV Bayerischer Wald im Bereich der Umweltbildung zusammen.

Mit den angrenzenden Schutzgebieten NRP Bayerischer Wald und NLP Šumava erfolgt eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Außerdem

ist der NLP in Kooperationen mit mehreren ausländischen NLP weltweit eingebunden, mit denen gemeinsame Projekte angegangen werden

(z.B. das Projekt Länderhütten 10 , das im NLP unter dem Dach des BNE-Projektes „Mensch und Wildnis“ durchgeführt wird).

Stärken:

NLPV hat gute Kooperation mit anderen Schutzgebietsverwaltungen auf nationaler/ internationaler Ebene

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

5.3 Freiwilligenmanagement

Standard (SOLL): Nationalparke verstehen die Zusammenarbeit mit Freiwilligen als Bereicherung ihrer Aktivitäten und als Verankerung des

Schutzgebietes in der Region. Sie bieten Einsatzmöglichkeiten für Personen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Qualifikationen,

Fertigkeiten und Interessen an. Das Freiwilligenmanagement umfasst die professionelle Betreuung, die Einbindung von Freiwilligen in das

8 Überregionaler Tourismusverband

9 Erdgasbuslinien der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) im Nationalpark-Gebiet

10 Landesspezifische Hütten (z. B. Indianer Tipi), in denen Umweltbildungsthemen mit globaler Bedeutung behandelt werden

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Team der Hauptamtlichen sowie die Anerkennung freiwillig Engagierter.

Situation (IST): Im NLP werden seit 8 Jahren Freiwillige zur Erfassung phänologischer Daten (Feldmykologe), zur Betreuung der Witterungsmessanlagen

(Feldforscher-Techniker), in der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit eingesetzt sowie für diverse weitere Aufgaben, z. B. Mitwirkung

bei Renaturierungs- und Pflegeeinsätzen, Vogelzählungen oder bei der Gebietsüberwachung herangezogen. Eine Mitwirkung im bundesweiten

EUROPARC-Projekt „Ehrensache Natur – Freiwillige in Parks“ erfolgt seit 2004. Ein Konzept für den Einsatz von Freiwilligen im NLP

liegt nicht vor. In der Praxis erhalten die Freiwilligen aber vor dem Einsatz eine spezifische Fortbildung und werden auch während des Einsatzes

betreut. Die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter ist in den letzten 5 Jahren leicht gesunken.

Stärken:

Freiwillige Helfer im NLP werden professionell betreut und in das Team der Hauptamtlichen eingebunden

Schwächen:

Sinkende Tendenz des Freiwilligen-Engagements

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Prüfung, wie Freiwilligeneinsatz gestärkt werden kann mittel NLPV, Vereine, Verbände

B.6 „Kommunikation“

6.1 Botschaft

Standard (SOLL): Die Botschaften sämtlicher Kommunikationsaktivitäten stellen das Alleinstellungsmerkmal des Nationalparks heraus und

stärken seine Produkt- und Imageposition. Die Botschaften sind konsequent auf die Zielgruppen abgestimmt, von inhaltlicher Tiefe und emotional

ansprechend.

Situation (IST): Ein Konzept für Botschaften-Hierarchien ist vorhanden und im Leitbild des NLP schriftlich festgehalten. Die wichtigste zu vermittelnde

Botschaft, die vom ersten deutschen NLP entwickelt wurde, lautet: Natur Natur sein lassen. Weitere Botschaften sind grenzenlose

Waldwildnis und Natur erleben - Natur verstehen. Diese Botschaften bedienen mehrere Zielgruppen, wie Besucher und Gäste des NLP, Schulklassen,

Familien, Multiplikatoren und Lobbyisten auf lokaler und überregionaler Ebene sowie das Fachpublikum und Einheimische. Untersuchungen,

ob die Zielgruppen die vermittelten Hauptbotschaften wiedergeben können, wurden bisher nicht durchgeführt. Seit Frühjahr 2012

läuft in Kooperation mit der Universität Hamburg eine Evaluierung der Bildungsangebote unter der Fragestellung, mit welchen Programmen die

Vermittlung der Nationalparkphilosophie und des Wildnis-Gedankens am besten erreicht werden kann. Insbesondere im Falkenstein-

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Rachelgebiet, wo umfangreiche Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung durchgeführt werden (großflächiger Holzeinschlag), ist es problematisch,

die Botschaft des NLP (z. B. „grenzenlose Waldwildnis“) an die Gäste zu vermitteln. Gerade aber der natürliche Waldumbau und die im

Altgebiet bereits sichtbare Waldregeneration, die im deutschen Raum seinesgleichen sucht, sind ein wichtiges Lehrstück des NLP Bayerischer

Wald und sollten daher in der Kommunikation einen hohen Stellenwert einnehmen. Strukturell wurde die Kommunikationsstelle als Stabsstelle

beim Leiter des NLP angesiedelt.

Stärken:

Konzept für Botschaften-Hierarchie existiert

Botschaften werden zielgruppenspezifisch aufbereitet

Schwächen:

Botschaften des NLP können den Gästen im Falkenstein-Rachel-Gebiet (Holzeinschlag zur Borkenkäferbekämpfung) nur schwer vermittelt

werden; spezifische Informationen zu den dort durchgeführten Eingriffen fehlen

Bisher keine Untersuchungen zur Erfolgskontrolle bzgl. Vermittlung der Botschaften des NLP durchgeführt

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Evaluierung der Bildungsangebote in Hinblick darauf, ob die Botschaften bei den verschiedenen

Zielgruppen verstanden werden

Intensive Informationsarbeit zu den im Erweiterungsgebiet (Falkenstein-Rachel-Gebiet)

durchgeführten Eingriffen

6.2 Erscheinungsbild (CD)

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

NLPV, Universität Hamburg

Standard (SOLL): Das visuelle Erscheinungsbild (CD) und die Corporate Identity (CI) bilden eine Einheit. Die Schutzgebietsverwaltungen präsentieren

den Nationalpark bei ihrer gesamten Kommunikation im gemeinsamen Erscheinungsbild „Nationale Naturlandschaften“, das sich

nach den Angaben des CD-Manuals richtet.

Situation (IST): Das Erscheinungsbild „Nationale Naturlandschaften“ wird in Veröffentlichungen der NLPV und in anderen Veröffentlichungen

(mit speziellen Zugeständnissengemäß Vorgaben des STMUG bzw. der Bayerischen Staatsregierung) angewendet, nicht jedoch für die Webseite

des NLP. Das alte Logo des NLP wird bisher mit dem CD Nationale Naturlandschaften kombiniert und soll aufgrund o.g. Vorgaben auch

in Zukunft in Kombination verwendet werden. Eine zeitliche Befristung ist nicht vorgesehen.

Stärken:

Das Erscheinungsbild „Nationale Naturlandschaften“ wird grundsätzlich für Veröffentlichungen angewendet

NLPV

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Schwächen:

Ein Verzicht auf das alte Logo des NLP zugunsten des neuen Logos der Nationalen Naturlandschaften ist auch in Zukunft nicht vorgesehen

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Konsequente Anwendung des gemeinsamen Erscheinungsbildes „Nationale Naturlandschaften“

in allen Anwendungsbereichen, ggf. in Kombination mit dem langjährigen alten Logo des

NLP

6.3 Kommunikationsstruktur

niedrig STMUG, Bayerische Staatsregierung,

Kommunen, NLPV

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltungen kommunizieren mit den relevanten Zielgruppen auf regionaler und überregionaler Ebene.

Von besonderer Bedeutung ist neben einer regelmäßigen, aktuellen und aktiven Informationsarbeit auch der unmittelbare Dialog mit den Zielgruppen.

Dabei wird über die Bedeutung von Nationalparken, deren spezifische Aufgaben und besondere Aktivitäten informiert und zugleich zu

gemeinsamen Aktivitäten eingeladen. Zu Partnern wie vorgesetzten Behörden und regionalen Gremien wie Beirat, Kuratorium, Zweckverbände,

Naturschutzvereine und Tourismusverbände ist eine kontinuierliche, institutionelle Kommunikationsstruktur eingerichtet.

Situation (IST): Die PR-Strategie unterliegt einer inhaltlichen Jahresplanung. Der Anteil der seitens der NLPV aktiv belegten Themen überwiegt

bei weitem. Die Zusammenarbeit mit anderen Nationalen Naturlandschaften in der Kommunikation konzentriert sich vor allem auf andere

Wald-Schutzgebiete, z. B. den NRP Bayerischer Wald, den NLP Berchtesgaden und den NLP Sächsische Schweiz. Der Internetauftritt des

NLP Bayerischer Wald wird fortlaufend und regelmäßig aktualisiert. Die Evaluierung der Kommunikationsmaßnahmen erfolgt nur bei besonderem

Anlass auf Anfrage/ Weisung (z. B. im Anschluss an den Besuch von hochrangigen Regierungsvertretern). Die NLPV gibt regelmäßig,

zwei Mal im Jahr ein eigenes Info-Blatt/ Zeitung („Unser wilder Wald“) heraus und betreibt darüber hinaus intensiv Pressearbeit. Im Durchschnitt

veröffentlicht die NLPV ca. zwei Pressemitteilungen pro Woche und es erscheinen ca. 100 Artikel pro Jahr. Die NLPV schätzt auf der

Basis relativ aktueller Befragungsergebnisse unterschiedlicher Zielgruppen aus den Jahren 2007 und 2008 auf regionaler Ebene 11 ein, dass ca.

75 % der Bevölkerung die wesentlichen NLP-Ziele bekannt sind. In Folge der durchgeführten Öffentlichkeitsarbeit hat nach Einschätzung der

NLPV die Akzeptanz und Zustimmung zum NLP in den letzten 5 Jahren im Rachel-Lusen-Gebiet deutlich zugenommen. Im Erweiterungsgebiet

des NLP (Falkenstein-Rachel-Gebiet) sind lediglich sehr geringe Fortschritte in der Akzeptanz der NLP-Ziele (Natur Natur sein lassen) zu verzeichnen,

insb. im kommunalpolitischen Umfeld wie auch bei Schulen. Strukturell wurde die Kommunikationsstelle als Stabsstelle beim Leiter

des NLP angesiedelt.

11 SUDA, Michael et al. (2008): Die Akzeptanz des Nationalparks Bayerischer Wald bei der lokalen Bevölkerung; JOB, Hubert (2008): Die Destination

Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Stärken:

Einheimische Bevölkerung und Gäste werden durch die 2 Mal jährlich erscheinende NLP-Zeitung sowie aktuelle Webseite gut informiert

Intensive und erfolgreiche Pressearbeit der NLPV

Steigende, hohe Akzeptanz des NLP in der Bevölkerung im Rachel-Lusen-Gebiet

Schwächen:

Sehr geringe Fortschritte bei der Akzeptanz des NLP in der Bevölkerung im Falkenstein-Rachel-Gebiet

Keine regelmäßige und umfassende Evaluierung der Kommunikationsmaßnahmen bei den vom NLP angesprochenen Zielgruppen

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Verbesserung der Akzeptanz insb. im Falkenstein-Rachel-Gebiet durch intensive Kommunikationsarbeit

Regelmäßige Evaluierung des Erfolgs der Kommunikationsmaßnahmen

B.7 „Bildung“

7.1 Konzepte für Bildungsarbeit

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

mittel

NLPV

NLPV, Kommunen

Standard (SOLL): Zielgruppenspezifische Konzepte für nationalparkspezifische Bildungsarbeit sind vorhanden und werden umgesetzt. Ein regelmäßiges

Fortschreiben der Konzepte und die Fortbildung der Mitarbeiter sind unerlässlich. Bildungsangebote werden durch die Nationalpark-Verwaltung

koordiniert, abgestimmt und periodisch evaluiert.

Situation (IST): Ein strategisches Gesamtkonzept für die Bildungsarbeit im NLP existiert. In die Konzepterstellung sind alle relevanten Fachbereiche

der NLPV unter Kenntnis und Berücksichtigung der Angebote in der Region mit eingebunden. Im Konzept sind die Belange unterschiedlicher

Zielgruppen berücksichtigt. Aussagen zur erforderlichen Evaluation sind im Konzept nicht vorhanden. Das Konzept nimmt Bezug zur UN-

Bildungsdekade und wird bei Bedarf fortgeschrieben. Konzepte für einzelne Bereiche der Bildungsarbeit werden in der Regel nicht erstellt, da

die NLPV ihren Schwerpunkt auf Umsetzungsprojekte legt wie „Mensch und Wildnis“, „ökologischer Fußabdruck“, Klimawochen oder Bildungsangebote

des Wildniscamps am Falkenstein sowie das internationale Länderhüttenprojekt. Im Jahr 2011 wurden zahlreiche Veranstaltungen

zum „Internationalen Jahr der Wälder“ durchgeführt. Alle diese Projekte entsprechen den Anforderungen, die sich aus der UN-Weltdekade „Bildung

für nachhaltige Entwicklung“ ergeben. Die NLPV ist Mitglied des Runden Tisches der UN-Dekade.

Die Verantwortung für die Umsetzung des Bildungsauftrags liegt ausschließlich bei der NLPV. Die Evaluierung der Bildungsarbeit erfolgt im

39


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

NLP alle 5 – 6 Jahre. Im Frühjahr 2012 ist in Kooperation mit der Universität Hamburg (Prof. Gebhard) eine umfassende Evaluierung aller personenbetreuten

Bildungsangebote angelaufen, die von Waldführern auf dem Baumwipfelpfad oder in den Tierfreigeländen bis hin zu Wildniswochen

im Park reichen. Es soll untersucht werden, mit welchen Programmen das Hauptziel der Bildungsarbeit, die Vermittlung der Nationalparkphilosophie

und des Wildnis-Gedankens am besten erreicht werden kann. Grundlegend fehlt es der NLPV an pädagogisch ausgebildetem

Personal zur Verbesserung der zielgruppenorientierten Bildungsarbeit (s. auch Kap. B. 3.2 Personalausstattung).

Stärken:

Zahlreiche Umsetzungsprojekte mit Bezug zur UN-Bildungsdekade

Bildungsangebote werden durch die Nationalpark-Verwaltung koordiniert und abgestimmt

Umfassende Evaluierung der Bildungsangebote angelaufen

Schwächen:

Bildungskonzept enthält keine konkreten Aussagen zur Evaluation der Bildungsarbeit im NLP

Keine regelmäßige Fortschreibung des Bildungskonzeptes vorgesehen

Personelle Unterbesetzung mit pädagogisch geschultem Personal für den Bildungsbereich

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Fortschreibung des Bildungskonzeptes in regelmäßigen Zeitintervallen anstreben; dabei Ergänzung

konkreter Aussagen zur Evaluation der Bildungsarbeit im NLP

Bedarf an pädagogischem Fachpersonal im Bildungsbereich prüfen und ggf. Stellen schaffen

bzw. Mitarbeiter entsprechend weiterqualifizieren (s. auch Kap. B. 3.2 Personalausstattung)

7.2 Angebote für Bildung

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

mittel

mittel

NLVP

STMUG, NLPV

Standard (SOLL): Die Bildungsangebote informieren über Ziele, Aufgaben und Inhalte des Nationalparks, wobei im Mittelpunkt die Hauptbotschaft

des Nationalparks steht. Der Nationalpark leistet einen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dazu ist in den Bildungsangeboten

die Idee des Nationalparks in Beziehung zur globalen Aufgabe – dem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen für diese und die kommenden

Generationen – gesetzt.

Situation (IST): Die vielfältigen Bildungsangebote sind für alle Zielgruppen konzipiert und werden vor allem von den Mitarbeitern der NLPV in

Kooperation mit Anderen (u. a. „Pro Nationalpark“ Zwiesel und Freyung-Grafenau, „WaldZeit“) durchgeführt. Die Bildungsangebote sind teilweise

kostenlos. Sie reichen von naturkundlicher Wissensvermittlung und sinnlicher Naturerfahrung bzw. sinnlichem Naturerlebnis über künstlerisch-kreative

Angebote, problemorientierte Führungen und partizipative Bildungsangebote bis hin zur Berücksichtigung globaler Wirkungszusammenhänge.

Außerdem schult die NLPV jährlich Multiplikatoren (Waldführer, NLP-Partner, Igelbus-Fahrer, Lehrer, Touristiker u. a.). Der

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Aspekt der Barrierefreiheit wird teilweise und bei bestimmten Angeboten berücksichtigt (Baumwipfelpfad, einige Infozentren).

Bildungsangebote bestehen für verschiedenste Zielgruppen in Form von Exkursionen, Führungen im Gelände und Haus, Naturerlebniserfahrungen,

Multiplikatorschulungen etc. Es existieren zahlreiche NLP-spezifische Bildungseinrichtungen mit zum Teil überregionaler Attraktivität

für Besucher (z. B. Baumwipfelpfad, Waldspielgelände), weiterhin das Waldgeschichtliche Museum, das Tier- und Pflanzenfreigelände, das

Wildniscamp und weitere Einrichtungen (Räume für Ausstellungen, Tagungen und Schulungen, Infohäuser, Pavillons und Themenwege bzw.

Lehrpfade). Die Umgestaltung der Informations- und Schautafeln im Gelände in zweisprachiger Form (i.d.R. deutsch-tschechisch), häufig auch

dreisprachig (englisch) soll sukzessive fortgesetzt werden. Einige mehrsprachige Bildungsangebote sind bereits vorhanden. Die in den Informationszentren

befindlichen Dauerausstellungen sind ca. 5 Jahre alt.

Stärken:

NLPV und ihre Kooperationspartner bieten umfangreiche, zielgruppenorientierte Bildungsangebote; darunter insb. mehrtägige Bildungsveranstaltungen

mit Jugendlichen, auf denen die Nationalparkidee am eigenen intensiven Erleben vermittelt wird

NLPV führt Multiplikatorschulungen durch

Mehrsprachige Bildungsangebote

Zahlreiche barrierearme bzw. -freie Informationseinrichtungen

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Weiterhin (verstärkte) Berücksichtigung von Aspekten der Barrierefreiheit bei der Angebotsund

Infrastrukturplanung

7.3 Besucherbetreuung

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

41

niedrig NLPV, AG Barrierefreiheit bei der

NLPV und den Landkreisen

Standard (SOLL): Für die Besucherbetreuung sind die Konzepte für Rangerarbeit, Bildung und weitere Besucherbetreuung miteinander abgeglichen.

Die beteiligten Personen kennen die jeweils anderen Arbeitskonzepte. Die allgemeine Besucherbetreuung findet im Informationszentrum

sowie in den einzelnen Informationsstellen statt. Die dort Beschäftigten vermitteln die allgemeinen und spezifischen Aufgaben und Ziele

des Nationalparks und strahlen Identifikation mit dem Nationalpark aus.


ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Situation (IST): 2007 12 kamen rd. 750.000 Gäste in den NLP. Mit der Errichtung des Baumwipfelpfades im September 2009, der von rund

300.000 Personen besucht wird, stieg inzwischen die Zahl der Besucher pro Jahr auf knapp eine Million an. 400.000 Besucher wurden in den

beiden Besucherzentren gezählt. Der Nationalpark unterhält als zentrale Informationseinrichtungen die Nationalparkzentren Falkenstein und

Lusen und 6 dezentrale Informationsstellen 13 . Die NLP-Zentren sind 7 Tage in der Woche in den Kernzeiten von 9 bis 16 Uhr geöffnet, ein reibungsloser

Betrieb ist ganzjährig möglich. Die Einrichtungen sind in der Regel 5 bis 6 Tage in der Woche geöffnet. Die Abstimmung der Besucherbetreuung

in Bezug auf die Bereiche Bildung, Besucherbetreuung und Ranger ist intensiv aber unregelmäßig. Die Besucher werden ausschließlich

durch geschultes Personal der NLPV betreut, pädagogisches Fachpersonal fehlt jedoch (s. auch Kap. B. 3.2 Personalausstattung).

Evaluierungen zur Besucherbetreuung wurden bisher lediglich anlassbezogen durchgeführt, daher ist auch der Anteil der Wiederholungsbesucher

nicht bekannt. Das Verhältnis zwischen Betreuer und Gruppengröße liegt überwiegend bei 1:10. Durch die Führungs-, Erlebnis- und Bildungsangebote

des NLP werden ca. 11 bis 19 % der Besucher erreicht. Die NLPV versucht, Kinder und Jugendliche über das „Junior-Ranger-

Projekt“, durch Fortbildungstage im NLP, Unterrichtsexkursionen und angewandten Sachkundeunterricht zu erreichen. In den anliegenden

Gemeinden existieren zahlreiche Partnerschulen, die intensiv mit dem Nationalpark zusammenarbeiten. Die NLPV schätzt ein, dass 50 – 74 %

der Schulkinder der Region um die Besonderheiten des NLP wissen. Das Jugendwaldheim und das Wildnis Camp am Falkenstein sind gut

ausgelastet. Der Kenntnisstand der Gastgeber über den NLP ist gut, die Mehrheit kann den Gästen kompetent über den NLP und dessen Besonderheiten

Auskunft geben.

Stärken:

Besucher des NLP werden durch geschultes Personal betreut

Intensive Betreuung der Besuchergruppen aufgrund geringer Gruppengrößen

Erfolgreiche Wissensvermittlung über den NLP in Schulen

Schwächen:

Evaluierungen zur Besucherbetreuung bisher lediglich anlassbezogen durchgeführt

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Regelmäßige Evaluierung zur Besucherbetreuung durchführen (ggf. in Verbindung mit Evaluierung

der Bildungsangebote in Kooperation mit der Universität Hamburg) und Ergebnisse

als Chancen für Verbesserungen nutzen

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

mittel

NLPV, Universität Hamburg

12 Zahlen aus der im Jahr 2007 durchgeführten regionalökonomischen Studie „Die Destination Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor.“ von Prof. Hubert

Job, Veröffentlichung 2008

13 Infozentrum Grenzbahnhof, Naturparkhaus, Glasmuseum, Infostelle Spiegelau, Waldgeschichtliches Museum, Infostelle Mauth

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

B.8 „Naturerlebnis und Erholung“

8.1 Angebote für Naturerlebnisse

Standard (SOLL): Die Förderung der Naturerfahrung gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Nationalparks. Die Methodik richtet sich nach

dessen Naturausstattung. Sie umfasst betreute, individuelle und saisonale Angebote. Zudem arbeitet die Nationalpark-Verwaltung mit Kultur-

anbietern der Region zusammen und verbindet, wo angemessen und mit dem Schutzzweck vereinbar, Kultur- und Naturerlebnisse.

Situation (IST): Es existieren zahlreiche Naturerlebnisangebote im NLP. Die NLPV legt den Schwerpunkt auf die Realisierung der Angebote in

Kooperation mit anderen Anbietern (u. a. „Pro Nationalpark“ Zwiesel und Freyung-Grafenau, „WaldZeit“). Zu den besonderen Naturerlebnisangeboten

im NLP zählen der Naturerlebnispfad im Waldspielgelände und weitere zertifizierte oder besondere Wege, das Wildniscamp, die Tierfreigelände

in Neuschönau und Ludwigsthal, Geocaching (Natur-Mensch-Technik) sowie Führungsangebote mit Rangern und ausgebildeten

Waldführern. Die Projektkoordination hierzu liegt bei der NLPV. Die Angebote, welche die Spezifika des NLP widerspiegeln, werden für alle Altersstufen

entwickelt. Mehrere zielgruppenorientierte Angebote gibt es monatlich während des ganzen Jahres, auch außerhalb der Saison. Die

Angebote werden häufig gebucht, sodass die Auslastung der Einrichtungen gegeben ist. Die NLPV legt großen Wert darauf, den Gästen die

lokale Natur in Kombination mit „Kultur und Tradition“ nahe zu bringen. Regelmäßig finden zahlreiche Veranstaltungen (Bildhauer-Symposien,

Land-Art, Ausstellungen zum Thema Natur und Kunst, Künstlerplenair, Kultur im Nationalpark, Natur-Film-Festival) statt. Naturerlebnis im Nationalpark

ist damit ein wesentlicher Schwerpunkt des touristischen Angebots der Region, das gemeinsam von NLPV, Verbänden und Touristikern

entwickelt wird und den Naturraum in Wert setzt, ohne seinen Schutz zu gefährden.

Stärken:

Umfangreiche Naturerlebnisangebote für alle Altersstufen, häufig auch in Kombination mit „Kultur und Tradition“

Naturerlebnisangebote sind zielgruppenorientiert, werden während des ganzen Jahres angeboten, gut angenommen und tragen so entscheidend

zur touristischen Attraktivität der Region bei

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

8.2 Infrastruktur für Besucher

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Standard (SOLL): Im Nationalpark existiert eine Infrastruktur für Besucher. Diese ist dem Naturraum und Schutzzweck angemessen angelegt,

gleichzeitig auch attraktiv und besucherorientiert sowie an den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung ausgerichtet. Die Kennzeichnung im

Gelände ist einheitlich und wieder erkennbar.

Situation (IST): Die NLPV betreibt regional bzw. überregional bedeutsame Einrichtungen wie die Tierfreigelände in Neuschönau und Ludwigsthal,

die Besucherzentren Lusen und Falkenstein in Neuschönau bzw. Ludwigsthal sowie das waldgeschichtliche Museum in St. Oswald

und Serviceleistungen. An weiteren überregional bedeutsamen Einrichtungen (Baumwipfelpfad, Glasmuseum Frauenau, Naturparkzentrum

Zwiesel, Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein) ist die NLPV beteiligt, auch wenn sie nicht Träger oder Betreiber ist. Die Besucherzentren, die

Museen, der Baumwipfelpfad und das Tierfreigelände sind weitgehend barrierefrei zugänglich. In Flächen, die für den Lebensraum- und Artenschutz

von großer Bedeutung sind, sind keine Infrastruktureinrichtungen bzw. nur in geringer Dichte vorhanden. Neue Infrastruktureinrichtungen

werden vor ihrer Einrichtung mit Angeboten im Umland abgestimmt. Besuchermagneten sind das Nationalparkzentrum Falkenstein, das

Nationalparkzentrum Lusen mit Baumwipfelpfad und das Waldspielgelände. Diese von Besuchern stärker frequentierten Orte liegen alle in ökologisch

unbedenklichen Bereichen. Die Wege im Gelände sind überwiegend mit parkspezifischen Schildern gekennzeichnet. Der NLP ist gut an

überregionale Wander- und Radwege sowie an das ÖPNV-Netz angeschlossen. Alle wichtigen Einrichtungen und die Hauptwandergebiete

können mit den „Igelbussen“ 14 und der Waldbahn erreicht werden.

Stärken:

Einrichtung neuer Infrastruktur vorher mit Angeboten im Umland abgestimmt; dabei Rücksichtnahme auf empfindliche Arten und Lebensräume

Besuchermagnete innerhalb des NLP außerhalb ökologisch bedenklicher Bereiche

Gute Anknüpfung des NLP an ÖPNV-Knotenpunkte, auch in Richtung NLP „Šumava“ in CZ

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

14 Die Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) betreibt im Nationalpark Bayerischer Wald mit 10 Erdgasbussen die so genannten Igelbus-Linien. Die Busse

verkehren täglich von 15. Mai bis 02. November in der Nationalpark-Region Bayerischer Wald.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

B.9 „Monitoring und Forschung“

9.1 Forschungskoordination

Standard (SOLL): Forschung ist ausgerichtet auf Nationalparkbezogene Fragestellungen. Im Nationalpark existiert ein Forschungskonzept,

das Teil des Managementplans ist. Die Nationalpark-Verwaltung entscheidet über die Vereinbarkeit von Forschungsprojekten Dritter mit dem

Schutzzweck und koordiniert diese.

Situation (IST): Es gibt ein nationalparkspezifisches Forschungskonzept (Teil des Managementplans) sowie eine beachtliche Beobachtungs-

und Forschungsarbeit, die über Nationalparkbezogene Fragestellungen hinaus geht und auf die Bedürfnisse der Managementarbeit des Nationalparks

ausgerichtet ist. Für die Projektforschung werden Arbeitshypothesen aus den NLP-Zielen abgeleitet. Vorrangflächen für Forschung

existieren größtenteils. Die NLPV übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben, die sich von der fachlichen Zuarbeit für Institute etc. und der Betreuung

von Diplomarbeiten/ Doktorarbeiten über die Koordination, Genehmigung, Vergabe, Arbeit in Kooperationen bis hin zur Durchführung eigener

Forschungsprojekte mit eigenen Erhebungen erstrecken. Dabei koordiniert die NLPV Aufgaben bezogen die Forschungstätigkeiten im

NLP. Die Forscher der NLPV sind in alle Projekte des Umwelt- und Kultusministeriums sowie in deutschlandweite Arbeitsgruppen (z. B. AG

Berchtesgaden) einbezogen. Die Forscher wirken auch als Berater und Gutachter in anderen Gremien und Projekten mit. Auch externe Forscher

können im NLP arbeiten und werden von den Mitarbeitern der NLPV unterstützt. Außerdem ist die NLPV Mitglied in einem förmlichen

Forschungsverband (LTER-Deutschland). Die NLPV prüft die Vereinbarkeit der Forschungsprojekte mit dem Schutzzweck des NLP; eine Prüfung

der Forschungsvorhaben durch externe Gutachtergremien erfolgt für Einzelprojekte (z. B. Luchsprojekt). Die Forschungsabteilung des

NLP publiziert regelmäßig oder aus aktuellem Anlass in internationalen Zeitschriften mit Review-System.

Stärken:

Forschung ist ausgerichtet auf Nationalparkbezogene Fragestellungen

Nationalparkspezifisches Forschungskonzept als Teil des Managementplans existiert

Forschungsprojekte werden durch NLPV-Personal koordiniert und auf Vereinbarkeit mit NLP-Zielen abgeprüft

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

9.2 Grundlagenermittlung

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltung erhebt flächendeckende Informationen zur naturräumlichen Ausstattung des Nationalparks im

Kontext der Landschafts- und Nutzungsgeschichte, die als eine Grundlage für den Nationalpark-Plan dienen. Die Grundlagenermittlung ist in

ein Monitoring zu überführen.

Situation (IST): Die wesentlichen Schutzgüter im NLP sind definiert. Zu diesen gehören Bergmischwälder, Bergfichtenwälder, Moore, Bergbäche

und Blockhalden jeweils mit ihren tierischen und pflanzlichen Lebensgemeinschaften. Eine zusammenfassende Fauna- und Floraanalyse

ist in Bearbeitung. Ökologische Schlüsselfragen der Forschung behandeln Biodiversität und Klimawandel, natürliche Steuergrößen der Waldentwicklung,

Beutegreifer-Pflanzenfresser-Vegetation sowie Stoffflüsse und Stofffrachten im Ökosystem. Die Schwerpunkte der Forschung beziehen

sich v. a. auf die Grundlagenforschung, auf Ökosysteme und auf das Schutzgebietsmanagement. Die Ergebnisse aus Forschungsarbeiten

werden im Management größtenteils genutzt und adaptiert. Die Erhebung sozioökonomischer Daten der NLP-Region ist durch JOB und

SUDA 15 erfolgt, die Ergebnisse lagen im Jahr 2008 vor. Flächendeckende Informationen über Ökosysteme und Lebensraumtypen liegen umfassend

vor – das sind: Biotoptypen-Inventar, Inventuren der Vegetation und von Tier- und Pflanzenarten, Geologie, Böden und Hydrologie,

Versickerungsraten und Werte über Stoffausträge sowie Immissionswerte, Klima. Die Verfügbarkeit der erhobenen Daten ist durch Erfassung

in geografischen Informationssystemen innerhalb von 1 bis 3 Jahren nach Datenerhebung gegeben.

Stärken:

Es liegen flächendeckende Informationen zur naturräumlichen Ausstattung des Nationalparks für alle relevanten Themenfelder vor

Schwächen:

Grundbefragung zur Besucherbetreuung, Besucherlenkung sowie Besuchermonitoring fehlen

Einzelgutachten zu Arten und Lebensräumen sind miteinander nicht vernetzt

Datengrundlagen zu sozioökonomischen Komponenten des NLP sind verbesserungsbedürftig

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Aufbau eines Besucher-Monitorings (Verteilung der Besucher auf der Fläche des NLP) zur

Verbesserung der Datenlage bzgl. Artenschutz im NLP

Zusammenführung der Einzelergebnisse der Fauna- und Floraanalyse

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

mittel

NLPV

STMUG, NLPV

15 SUDA, Michael et al., TU München (2008): Die Akzeptanz des Nationalparks Bayerischer Wald bei der lokalen Bevölkerung; JOB, Hubert (2008): Die

Destination Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor.

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Wiederholungsbefragungen zu sozioökonomischen Komponenten durchführen niedrig NLPV, Dritte

9.3 Monitoring

Standard (SOLL): Das Monitoring im Nationalpark erfolgt in ausreichendem Umfang nach festgelegten einheitlichen Standards und ist auf die

Ziele und den Schutzzweck des Nationalparks ausgerichtet. Es dient u. a. der Erfolgskontrolle.

Situation (IST): Der erforderliche ökologische Monitoring-Bedarf ist großenteils definiert und beinhaltet die Schlüsselparameter Entwicklung

der Walddynamik (Befliegung, Inventuren), Wasserhaushalt, Nährstoffhaushalt, Totholz und Klimaparameter. Darüber hinaus ist der NLP in

bestehende national und international relevante Monitoring-Programme eingebunden (Natura 2000, WRRL, ICP unter der Genfer Luftreinhalte-

Konvention, LTER Site, Bundeswaldinventur, Bundes- und Landesmessprogramme). Die o.g. definierten Schlüsselparameter sind komplett erhoben

und in ein Monitoring-Programm überführt worden. Das Monitoring wird größtenteils zur Erfolgskontrolle von Managementmaßnahmen

genutzt. Die Forschungsergebnisse haben zur Änderung des Wildtiermanagements (Verbiss, Vegetationsentwicklung), zur Optimierung des

Wanderwegenetzes und des Waldmanagements (Borkenkäfer) beigetragen. Der NLP wird intensiv als Referenzfläche für „Lernen von der Null-

Nutzung“ genutzt. Dabei können folgende nutzbringende Erkenntnisse für bewirtschaftete Ökosysteme verzeichnet werden: natürliche Wiederbewaldung

statt Pflanzung nach Störungen, Feststellung der Störungsempfindlichkeit verschiedener Arten (z. B. Auerhuhn, Eulenarten), Feststellung

von Mindest-Lebensraumansprüchen verschiedener Arten (z. B. Vögel, Käfer, Fledermäuse, Luchs). Sozio-ökonomische Parameter

werden noch nicht regelmäßig im Rahmen eines Monitorings erfasst.

Stärken:

Ökologische Schlüsselparameter für das Monitoring sind fast vollständig erfasst und komplett in ein Monitoring überführt worden

Ergebnisse aus dem Monitoring fließen ein in die Anpassung von Managementmaßnahmen (adaptives Management)

Von den Referenzflächen für „Lernen von der Null-Nutzung“ im NLP liegen viele nutzbringende Erkenntnisse vor

Schwächen:

Fehlendes Besucher-Monitoring

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Aufbau eines Besucher-Monitorings hoch NLPV

9.4 Dokumentation

Standard (SOLL): Die bei Grundlagenermittlung, Monitoring und Projektforschung gewonnenen Daten sind nach wissenschaftlichen Kriterien

auszuwerten, aufzuarbeiten, zu dokumentieren und in geeigneter Weise zugänglich zu machen.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Situation (IST): Die bei Grundlagenermittlung, Monitoring und Projektforschung gewonnenen Ergebnisse werden auf allgemein populärwissenschaftlicher

Ebene sowie national und international auf wissenschaftlicher Ebene verbreitet. Hierzu dienen das Internet (Website), die Dokumentation

im Jahresbericht, die Herausgabe einer eigenen Schriftenreihe sowie der Wissenstransfer in international/ national besetzten

Fachsymposien/ Workshops sowie in öffentlichen Vortragsreihen in der Region. Weiterhin werden Berichte in deutsch-, englisch- und anderssprachigen

Fachzeitschriften veröffentlicht. Auf den Jahresbericht kann von allen und jederzeit zugegriffen werden (pdf-Datei im Internet).

Stärken:

Forschungsergebnisse werden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet und dokumentiert sowie der Öffentlichkeit über verschiedene

Medien zugänglich gemacht.

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

nicht erforderlich

B.10 „Regionalentwicklung“

10.1 Image

Standard (SOLL): Der Nationalpark ist der bedeutendste Imageträger der Region. Durch Umfragen wird das Image bei den Anwohnern und

Besuchern regelmäßig ermittelt, um die eigene Kommunikationsstrategie zu überprüfen.

Situation (IST): Umfragen bei Anwohnern und Besuchern zur Bewertung des Images wurden im Jahr 2008 durchgeführt 16 sind aber mit Ergebnissen

früherer Befragungen leider nicht vergleichbar, weil diese nicht zwischen Einheimischen und Gästen unterschieden haben. Laut der

Studie von SUDA ist seitens der Anwohner die Akzeptanz des NLP insbesondere im Rachel-Lusen-Gebiet (Alt-NLP) relativ hoch, bis 92 % der

Anwohner sprachen sich für einen Fortbestand des NLP aus. Im Falkenstein-Rachel-Gebiet (Erweiterungsgebiet) sind die Akzeptanzwerte

deutlich niedriger, hier sprachen sich nur bis zu 86 % für einen Fortbestand des NLP aus. Der NLP und seine Schutzgüter sind die einzigen

Hauptattraktionen in der Region. In den Presseartikeln der letzten 2 Jahre finden sich überwiegend positive Berichte zum NLP.

16 SUDA, Michael et al., TU München (2008): Die Akzeptanz des Nationalparks Bayerischer Wald bei der lokalen Bevölkerung

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Stärken:

Der Nationalpark ist der bedeutendste Imageträger der Region. In der Presse wird über den NLP meistens positiv berichtet

Steigende Akzeptanz des NLP bei den Anwohnern, insbesondere im Gebiet des „Alt“-NLP sehr hoch

Schwächen:

Umfragen zum NLP-Image können keinen Trend wiedergeben, da Vergleichbarkeit mit früheren Befragungen nicht gegeben ist

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Wiederholung der Befragung zur Akzeptanz des NLP bei Einheimischen und Besuchern,

Verwendung derselben Methodik wie in Akzeptanzstudie 2008 zwecks Vergleichbarkeit

10.2 Impulse für die Region

mittel NLPV, Externe

Standard (SOLL): Die positiven Effekte des Nationalparks für die Region werden regelmäßig gemessen, dokumentiert, nach außen kommuniziert

und weiterentwickelt.

Situation (IST): Die NLPV setzt Impulse für die Regionalentwicklung durch das Initiieren und die Teilnahme bei verschiedenen AK, Runden

Tischen sowie durch die Mitwirkung in Gesprächsforen von touristischen Gremien (z. B. Lenkungsgremium „Tierisch wild“) und Regionalentwicklungs-Gremien

(z. B. LEADER-AG, AG Landnutzung, AG Igelbus, AG Barrierefreiheit) sowie von regionalen „Drittmittelprojekten“ (z. B.

touristische Umstrukturierung der Naturpark-Region Bayerischer Wald). Pro Jahr werden ca. 15 regionale Gesprächsforen durchgeführt. Impulse

für die Region im Sinne einer ökonomischen Entwicklung wurden im Jahr 2008 anhand der „Job-Methode“ 17 (Prof. Hubert Job) gemessen.

Dem NLP werden ein Arbeitsplatz-Äquivalent von 1.139 Personen und durchschnittliche Geldflüsse von 49,60 € pro Tag und Übernachtungsgast

(Tagesgast 10,10 € pro Tag) im NLP bescheinigt. Diese Ergebnisse wurden und werden in der Fachpresse, in regionalen Zeitungen sowie

in Veranstaltungen und diversen Präsentationen kommuniziert.

Stärken:

Positive Effekte des Nationalparks für die Region wurden gemessen, dokumentiert und nach außen kommuniziert.

Schwächen:

nicht erkennbar

Handlungsempfehlungen:

17 JOB, Hubert (2008): Die Destination Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Wiederholung der Erfassungen zur sozioökonomischen Entwicklung anhand der „Job-

Methode“

10.3 Nachhaltige Regionalentwicklung

niedrig NLPV, Externe

Standard (SOLL): Die Nationalpark-Verwaltung gibt Impulse für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Sie wirkt insbesondere unterstützend

bei der Erstellung eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes für die Region mit. Das Konzept ist Basis für verkehrslenkende und verkehrsberuhigende

Maßnahmen sowie den Einsatz umweltfreundlicher Verkehrsmittel in der Region bzw. dem Park selbst, um den Nationalpark erreichbar

und erlebbar zu machen. Außerdem wirkt die Nationalpark-Verwaltung vor Ort bei der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus mit.

Situation (IST): Die NLPV hat einen Regionalentwicklungsauftrag und beteiligt sich aktiv an der Regionalentwicklung durch die Verwendung

und den Verkauf regionaler Produkte, Materialbeschaffung in der Region, Vergabe von Werkverträgen und sonstigen Aufträgen sowie durch

die Mittelakquise, Förderung und Beteiligung an Projekten, die im Vorfeld des NLP umgesetzt werden. Die NLPV unterstützt ihre NLP-Partner

bei der Herstellung, Produktion und dem Verkauf regionaler Produkte durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Internet), Beratung, geldwerte

Leistungen und Bereitstellung touristischer Angebote. Bei der Umfeldentwicklung besteht für die NLPV Mitsprachemöglichkeit als Ideengeber,

Berater und als TÖB 18 . Die tatsächliche Mitsprache/ Einwirkung auf Planungsprozesse ist mittel bis gering. Bei bestimmten Baumaßnahmen

wird die NLPV als TÖB mitunter außen vor gelassen. In der NLP-Region existiert ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept für verkehrslenkende

und -beruhigende Maßnahmen. Die Region verfügt über ein weitgehend flächendeckendes, mit anderen Verkehrsmitteln vernetztes und an

touristische Bedürfnisse weitgehend angepasstes ÖPNV-System, das überwiegend mit umweltfreundlichen Antriebssystemen ausgestattet ist.

Der NLP bzw. wichtige Attraktionen sind mit dem ÖPNV 7 Tage die Woche ganztägig (9 – 17 Uhr) mit guten Taktfrequenzen erreichbar. Problematisch

ist die fehlende Kostendeckung beim ÖPNV-System. Die regionalen Verkehrsbetriebe sind hier auf Zuschusszahlungen angewiesen.

Durch die Einführung des kostenlosen Gästeservice-Umwelttickets („GUTi“) ist eine relativ gute Verkehrsentlastung durch den ÖPNV im NLP

und dessen Vorfeld erreicht worden, das aber noch besser genutzt werden könnte. Der angrenzende Nationalpark „Šumava“ auf tschechischer

Seite ist vom NLP Bayerischer Wald über verschiedene ÖPNV-Angebote ebenfalls gut erreichbar. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit

mit dem NLP Šumava (Grünes Herz Europas) stagniert aufgrund der zurzeit vorherrschenden schwierigen Verhältnisse (s. auch Kap. B 1.6

Abgrenzung und Zuschnitt und B. 2.2 Großräumigkeit), daher werden die verschiedenen Potentiale der Gesamtregion nicht hinreichend genutzt.

Stärken:

In NLP-Region werden verkehrslenkende und verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt sowie weitgehend umweltfreundliche Verkehrs-

18 TÖB = Träger öffentlicher Belange

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

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ENDBERICHT DES EVALUIERUNGSKOMITEES ZUR EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

mittel eingesetzt.

NLPV gibt Impulse für eine nachhaltige Regionalentwicklung und beteiligt sich an der Entwicklung eines naturverträglichen Tourismus

Schwächen:

Mitsprachemöglichkeit der NLPV bei der Entwicklung im NLP-Umfeld ist noch ausbaufähig

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der tschechischen Seite stagniert, Potentiale der Gesamtregion werden nicht hinreichend genutzt

Handlungsempfehlungen:

Maßnahme Priorität Zuständigkeit

Ausweitung des kostenlosen Gästeservice-Umwelttickets („GUTi“) auf alle Gemeinden der

Nationalparkregion

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist behutsam, aber mit Nachdruck und ggf. Unterstützung

von Bund und Land wieder zu beleben und weiter zu entwickeln

Höhere Mitbestimmung der NLPV bei Projekten im NLP-Vorfeld, die den NLP tangieren bzw.

von denen negative Auswirkungen auf den NLP ausgehen

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

hoch

hoch

niedrig

NLPV, Gemeinden

NLPV, STMUG, BMU

STMUG, Landkreis

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ERGEBNISBERICHT DER EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

C Fazit

Kontext

Der NLP ist rechtlich über die Nationalpark-Verordnung (NLP-VO) vom 01.08.1992 (zuletzt

geändert am 17.09.2007) gesichert. Der vorrangige Schutzzweck des NLP ist der ungestörte

Ablauf der natürlichen Prozesse. Nachgeordnet sind der Erhalt bestimmter kleinräumiger

Lebensräume und kulturhistorisch geprägter Flächen, Monitoring & Forschung, Naturerlebnis,

Bildung und Erholung sowie die Strukturförderung im Umfeld. Allerdings enthält die NLP-

VO eine langfristig wirksame Übergangsvorschrift zur Borkenkäferbekämpfung in der Entwicklungszone.

Im Regionalplan ist der gesamte Nationalpark als „Vorranggebiet Naturschutz“ ausgewiesen.

Einige gesetzliche Vorgaben, z.B. das Luftverkehrsgesetz sowie Sonderregelungen für Nutzungen

in der NLP-VO (Trinkwassergewinnung, Land- und Forstwirtschaft) stehen der umfassenden

Realisierung der NLP-Ziele entgegen. Mit 24.250 ha übertrifft der Nationalpark die

gemäß dem Standard empfohlene Mindestgröße von 10.000 ha bei weitem.

Der Nationalpark befindet sich zu rund 99 % im Eigentum der öffentlichen Hand (Landesfläche),

er ist rechtssicher und flurstücksgenau in der NLP-Verordnung und auf Karten abgegrenzt.

Die Grenzziehung zerschneidet keine wesentlichen wichtigen Lebensraumtypen. Der

Nationalpark enthält aber Siedlungs-Enklaven; diese haben über Randeffekte erhebliche

Auswirkungen über ihre eigentliche Ausdehnung hinaus in den NLP hinein.

56 % der Nationalparkfläche sind aktuell (Februar 2012) als Prozessschutzzone ausgewiesen,

unterteilt in eine kompakte Fläche im Rachel-Lusen-Gebiet sowie mehrere Teilflächen

im Falkenstein-Rachel-Gebiet. Die Prozessschutzflächen sind zum Teil stark zerschnitten,

die Wegedichte ist hoch. Auf rund 1/3 der Nationalparkfläche, und damit auch in der Prozessschutzzone

(auf 60 ha), wird noch ein Wildtiermanagement durchgeführt.

Der Nationalpark bildet grenzüberschreitend eine ökologisch räumliche Einheit mit dem angrenzenden

Nationalpark Šumava und ist eingebettet in den Naturpark Bayerischer Wald. Er

schützt Lebensräume von überwiegend europäischer Bedeutung.

Die Nationalpark-Verwaltung ist der Obersten Naturschutzbehörde, dem Bayerischen

Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (STMUG), als eigenständige Sonderbehörde

direkt unterstellt. Sie besitzt mit Ausnahme der Zuständigkeiten als untere Naturschutzbehörde

und als Ordnungsbehörde die für ihre Aufgabenerfüllung notwendigen Zuständigkeiten.

Die Personaldecke mit den festen Stellen ist für die Bewältigung der Aufgaben der NLPV

ausreichend; ebenso die Zahl der hauptamtlichen Ranger für die Gebiets- und Besucherbetreuung.

Neue Mitarbeiter können auf dem „freien Markt“ rekrutiert werden.

Die Finanzausstattung durch das Land und das sehr flexible Finanzmanagement ermöglichen

bisher eine umfassende Erfüllung der Aufgaben der NLPV einschließlich der notwendigen

Investitionen.

Planung

Der NLP besitzt einen Nationalpark-Plan, der seit Dezember 2011 in Kraft ist, der jedoch

noch Verbindlichkeit in der Landesplanung finden und künftig regelmäßig fortgeschrieben

werden muss. Er formuliert klare Zielvorgaben und legt konkrete Managementmaßnahmen

fest. Aspekte der Erfolgskontrolle bzw. Evaluation sind hingegen verbesserungswürdig.

EUROPARC DEUTSCHLAND Februar 2013

52


ERGEBNISBERICHT DER EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

Die vorhandenen strategischen Konzepte bilden eine gute Arbeitsgrundlage, bedürfen jedoch

einer regelmäßigen Fortschreibung. Es fehlen entsprechende Konzepte für die Personalentwicklung

und das Besucher-Monitoring.

Input

Die 193 Mitarbeiter der NLPV sind gut ausgebildet und bilden ein interdisziplinär aufgestelltes

Team, allerdings fehlt pädagogisch ausgebildetes Fachpersonal. Der Frauenanteil ist

gering. Das Freiwilligen-Engagement sinkt in der Tendenz und sollte wieder gestärkt werden.

Das jährliche Budget deckt 100 % der benötigten Investitionen ab und ermöglicht neben einer

Deckung aller Personalkosten, den Betrieb der im NLP bestehenden Infrastruktureinrichtungen.

Damit konnten bisher die Aufgaben gemäß Nationalpark-Verordnung ordnungsgemäß

und zufriedenstellend erfüllt werden. Neuregelungen des Obersten Rechnungshofes

führen seit 2012 im Falle einer ausbleibenden Borkenkäferentwicklung zu Kürzungen im Nationalpark-Haushalt.

Dies führt zu Einschnitten in der Finanzausstattung, die eine ordnungsgemäße

Finanzierung der dem Nationalpark gestellten Aufgaben künftig nicht mehr zulassen.

Evaluierungen erfolgen in vielen Arbeitsbereichen nur ansatzweise und werden nur in

geringem Umfang nach außen kommuniziert. Eine Evaluierung der Bildungsangebote ist

angelaufen.

Prozess

Die NLPV hat ihren Aufgabenschwerpunkt in der Sicherung und Entwicklung der natürlichen

Prozesse im Nationalpark. Der Flächenanteil der Prozessschutzfläche soll gemäß NLP-VO

durch einen jährlichen Zuwachs um 1,5 % bis 2027 auf 75% der Nationalparkfläche anwachsen.

Von großer Bedeutung ist, dass dieses Ziel und der Zeitplan konsequent verfolgt werden.

Die NLPV ist gut organisiert ein Personalentwicklungskonzept wird derzeit erarbeitet.

Die interne Kommunikation ist aber noch verbesserungswürdig.

Die Nationalparkverwaltung ist an vielfältigen Netzwerken und Kooperationen auf nationaler/

internationaler Ebene beteiligt, wird durch zahlreiche Gremien beraten und unterstützt und

betreibt eine aktive Informationspolitik. Eine schriftlich fixierte Strategie zum Umgang mit

Kooperationspartnern ist jedoch nicht vorhanden. Es gibt eine große Bandbreite von an Zielgruppen

orientierten Bildungsangeboten, jedoch besteht Bedarf an pädagogisch ausgebildetem

Personal, um diese weiter zu optimieren. Auch wäre eine Erhöhung des Frauenanteils in

der NLPV wünschenswert. Die zahlreichen Forschungsarbeiten sind an den Ökosystemen

und dem NLP-Management orientiert, Ergebnisse aus dem Monitoring fließen in die Anpassung

von Managementmaßnahmen ein. Diese überwiegend positiven Entwicklungen sind zu

sichern und punktuell zu stärken. Dazu gehört auch, die Quantität und Qualität der Fort- und

Weiterbildung für die Mitarbeiterschaft der NLPV sicherzustellen und teilweise zu verbessern.

Output

In den 43 Jahren seit Gründung des Nationalparks wurde viel erreicht. Eine attraktive Besucherinfrastruktur

wurde realisiert und ein bemerkenswert großes Bildungs- und Naturerlebnisangebot

durch Führungen, Exkursionen, Fachvorträge und Kultur-Natur-Veranstaltungen

etabliert, das wesentlichen Anteil an der touristischen Attraktivität der Region hat. Die Anbindung

an das ÖPNV-Netz – auch in Richtung des Nationalparks „Šumava“ in Tschechien – ist

gut. Ein über die Jahre entwickeltes Netzwerk mit unterschiedlichen Bildungsträgern und

zahlreichen Kooperationspartnern aus den Bereichen Tourismus, Regionalentwicklung, Mo-

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ERGEBNISBERICHT DER EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

nitoring & Forschung und Naturerlebnisangebote hat zu einer festen Verankerung des Nationalparks

in der Region geführt.

43 Jahre nach NLP-Gründung und 16 Jahre nach NLP-Erweiterung sind 56 % der NLP-

Fläche frei von menschlicher Nutzung und Steuerung (mit Ausnahme von 60 ha der Prozessschutzzone

für Wildtiermanagement), auf der Teilfläche Rachel-Lusen-Gebiet („Alt-

Nationalparkgebiet“) ist die Zielgröße von 75% bereits erreicht. Verschiedene Renaturierungsmaßnahmen

wurden bereits umgesetzt, v.a. für die Fließgewässer und Moore und den

Rückbau von Wegen besteht diesbezüglich aber noch größerer Handlungsbedarf. Auch existieren

noch diverse Ausnahmeregelungen für zahlreiche wirtschaftliche Nutzungen im NLP –

insbesondere eine intensive forstwirtschaftliche Nutzung im Erweiterungsgebiet (Falkenstein-

Rachel-Gebiet) im Rahmen des Borkenkäfermanagements. Der dort stattfindende großflächige

Holzeinschlag beeinträchtigt die Akzeptanz des Nationalparks und bedarf einer intensiven

begleitenden Informationsarbeit seitens der NLPV. Gleich geartete Managementmaßnahmen

von tschechischer Seite gefährden eine Erweiterung der effektiven Schutzfläche

durch den Nationalpark Šumava. Bemühungen um eine Reduzierung der Nutzungsrechte im

NLP-Gebiet waren bisher von wenig Erfolg gekrönt – auch hier sind die Anstrengungen von

Seiten der NLPV und der politische Rückhalt deutlich zu verstärken.

Outcome

Der erste deutsche Nationalpark hat in den 43 Jahren seines Bestehens viel erreicht:

• Erfolgreiche Vermittlung der zentralen Nationalpark-Botschaft „Natur Natur sein lassen“

trotz großflächiger Borkenkäfergradationen

• Natürlicher Waldumbau als beispielgebendes „Lehrstück“ für „Natur Natur sein lassen“

für andere Nationalparks

• 75% Flächen mit natürlicher Dynamik im Rachel-Lusen-Gebiet („Alt-

Nationalparkgebiet“)

• Große Anzahl attraktiver Infrastruktureinrichtungen sowie Bildungs- und Naturerlebnisangebote

• Bedeutendster Imageträger der Region

• Wichtiger Impulsgeber bei der Regionalentwicklung

• Erfolgreiche Wissensvermittlung über den NLP in Schulen

• Steigende Akzeptanz des NLP in der Bevölkerung

• Durchführung umfangreicher angewandter Forschung

Verbesserungsbedarf liegt noch in folgenden Bereichen:

• Übertragung der Zuständigkeiten einer Unteren Naturschutz- und Ordnungsbehörde

• Sicherung der gesetzlichen Aufgaben des Nationalparks unabhängig von der Borkenkäferentwicklung

• Rasche kontinuierliche Erweiterung der Prozessschutzzone auf 75 % des gesamten

Nationalparks bis spätestens 2027

• Erhöhung effektiver Schutzfläche unter Betrachtung des angrenzenden tschechischen

Nationalparks Šumava und Entwicklung eines einheitlichen Vorgehens im Bereich

der Borkenkäferbekämpfung

• Reduktion des Wildtiermanagements im Zuge der jährlichen Vergrößerung der Prozessschutzzone

• Abbau von Nutzungsrechten und der insb. der forstwirtschaftlichen Nutzung im Erweiterungsgebiet

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ERGEBNISBERICHT DER EVALUIERUNG DES NATIONALPARKS BAYERISCHER WALD

• Intensive Kommunikationsarbeit zu den im Erweiterungsgebiet (Falkenstein-Rachel-

Gebiet) durchgeführten Eingriffen forstlicher Nutzung

• Verstärkter Ankauf von Privatflächen zur Reduzierung der Randeffekte (durch Waldschutzmaßnahmen)

der Enklaven

• Renaturierung von Mooren und Fließgewässern

• Aufhebung oder Rückbau von Forststraßen und Wegen

• Erstellung fehlender Konzepte für Personalentwicklung und Besucher-Monitoring

• Aufbau eines Besucher-Monitorings

• Qualifizierung bzw. Einstellung pädagogisch geschulten Fachpersonals

• Optimierung der Arbeits- und Managementeffizienz durch Fort- und Weiterbildung,

Evaluierung und Erfolgskontrolle sowie verbesserte interne Kommunikation

Bei der Fortsetzung der positiven Entwicklung des Nationalparks ist der Umsetzung des

übergeordneten Ziels „Natur Natur sein lassen“ weiterhin oberste Priorität einzuräumen.

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