Hinein ins Abenteuer – gemeinsam aus dem Alltag ausbrechen - NTB

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Hinein ins Abenteuer – gemeinsam aus dem Alltag ausbrechen - NTB

Jugendbildungsstätte Baltrum

Hinein ins Abenteuer gemeinsam aus dem Alltag ausbrechen

Sie ist Begegnungsstätte, Lehrgangsort, Erholungszentrum und Kreativtempel. Sie bietet Alt und Jung, Turnern und Übungsleitern sowie

Gruppen und Familien ein Heim auf Zeit, in dem es die unterschiedlichsten Abenteuer zu erleben gibt. Die Jugendbildungsstätte auf der Nordseeinsel

Baltrum ist eine Einrichtung des Niedersächsischen Turner-Bundes (NTB), in der sich bereits seit etwa fünf Jahrzehnten Menschen

treffen, die nicht nur die Natur sondern auch die Begegnung in außergewöhnlicher Atmosphäre lieben.

Die ersten Zelte standen direkt in den Dünen. Die 40 Tonnen schwere Fahrwassertonne wurde

1962 an Land gespült.

Nachdem die Geschichte der Jugendbildungsstätte

1960 mit dem erstmaligen Besuch

von Paul Eymers begann, konnte 1965 nach

langen Verhandlungen mit der Gemeinde Baltrum

endlich ein Pachtvertrag ausgearbeitet

und unterschrieben werden. Fortan stand die

Jugendbildungsstätte unter dem wachenden

Auge des Niedersächsischen Turner-Bundes.

Ein Zeltlager wurde zunächst eingerichtet, zwei

Jahre später dann am 22. Juli die Fertigstellung

des Wirtschaftsgebäudes mit zahlreichen

Gästen aus Schweden gefeiert. Doch erst

1970 wurde mit dem Ausbau des Dachgeschosses

die Möglichkeit geschaffen, im Gebäude

in vier Schlafräumen unterzukommen.

„Es ist schon eine spezielle Klientel, die nach

Baltrum kommt“, sagt Tina Weßling, die vor einem

Jahr die Leitung der Jugendbildungsstätte

von Tom Bohmfalk übernommen hat. Allein die

Unterbringung in Zelten oder Mehrbettzimmern

sei nicht für jeden geeignet. „Man mag es oder

man mag es nicht“, betont die Leiterin. Ein bisschen

Abenteuersinn gehört eben dazu, wenn

man Zeit in der Jugendbildungsstätte verbringen

möchte. Und das hat einen Grund.

Es war die Idee nach Lernen in der Gemein-

Paul Eymers gilt als Initiator für die Aufenthalte

der Turner auf Baltrum.

schaft, die Paul Eymers Anfang der 1960er

Jahre immer wieder ins Zeltlager nach Baltrum

führte. „Action statt gammeln“ dieser

Ausspruch entwickelte sich schnell zu einem

Motto, unter dem die alljährlichen Baltrum-

Aufenthalte noch heute stehen. Was dahinter

steckt? Egal ob Familienfreizeit, Übungsleiterlehrgang

oder Arbeitskreis-Treffen ihren Aufenthalt

in der Jugendbildungsstätte müssen

die jeweiligen Gruppen in Eigenregie organisieren

und bewältigen. Kochen, putzen, Freizeitgestaltung

ein vorgegebenes Programm

gibt es nicht. Jede Gruppe hält sich eigenverantwortlich

in der Jugendbildungsstätte auf.

Das Prinzip funktioniert und ist bislang einzigartig

in Deutschland.

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Ebenso einzigartig ist sicherlich die Rolle, die

Haupt- und Ehrenamt in der Einrichtung spielen.

„Ohne einander könnten Haupt- und Ehrenamt

nicht existieren“, sagt Weßling. Dabei

zählt Margret Tobiassen, die sich hauptamtlich

um die Verwaltung von Anmeldungen und

Unterbringung kümmert, zu den wichtigsten

Personen. Ihre Tätigkeit ist insbesondere

aus dem Grund wichtig, weil sich innerhalb

der vergangenen Jahrzehnte der Verwaltungsaufwand

vervielfacht hat. Ein Zeichen für das

Funktionieren des Baltrum-Konzepts mit seinem

hohen Anspruch. Entscheidend dabei ist

jedoch nicht das Hauptamt. Ohne die zahllosen

ehrenamtlich Engagierten aus allen Altersgruppen

könnte der Betrieb in der Einrichtung

nicht aufrecht erhalten werden. „Schließlich

gehen wir alle auch einem Beruf nach, wodurch

die freie Zeit sehr eingeschränkt ist. Da

müssen wir die Arbeit auf viele ehrenamtliche

Schultern verteilen“, sagt Weßling. Und diese

Ehrenamtlichen haben in den vergangenen

Jahren viel Neues auf die Beine gestellt. Inzwischen

ist die Jugendbildungsstätte an 365

Tagen im Jahr ausgebucht, es gibt gut durch-

Die Jugendbildungsstätte

mit Zeltplatz und Lagerfeuer.

Titelfoto: minkusimages


dachte und organisierte Freizeiten für viele Altersgruppen,

tolle Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten

und die Öffentlichkeitsarbeit hat

sich verbessert. Darüber hinaus dürfen sich

die Verantwortlichen der Jugendbildungsstätte

nicht auf ihrem Erfolg ausruhen, denn die

Konkurrenz wächst.

Dank der 100prozentigen Auslastung kann

sich die Jugendbildungsstätte zum großen

Teil selbst finanzieren. Dabei kommen die

Einnahmen aus drei verschiedenen Quellen:

aus dem NTB selbst, der Lehrgänge für seine

Zielgruppen sowie Veranstaltungen der

Turnerjugend anbietet, aus den Vereinen und

Schulen, die die Jugendbildungsstätte für ihre

Tina, wie lange bist Du schon mit der Jugendbildungsstätte

Baltrum verbunden?

Im Jahr 1989 war ich mit meinem damaligen

Verein, dem TSV Gronau, das erste Mal im

so genannten Sommerlager 1 auf der Insel.

Damals wurden wir abends am Lagerfeuer

noch mit einem Lied ins Bett geschickt. Seitdem

bin ich immer wieder dorthin gefahren

und habe mich während der vergangenen 15

Jahre in den unterschiedlichen Bereichen

engagiert, sei es als Betreuerin, Köchin oder

auch als Bademeisterin.

Mit welcher Idee hast Du Dich bereit erklärt,

die Leitung zu übernehmen?

Ich habe von Tom Bohmfalk letztes Jahr

ein tolles System übernommen. Da war zunächst

nichts, was ich dringend erneuern

oder verbessern wollte. Meine Idee bestand

einfach darin, die Angebote weiter zu bewegen.

Zum Beispiel möchte ich neue Freizeiten

für verschiedenen Altersgruppen etablieren.

Besonders die Altersgruppe 40plus wurde

bisher etwas vernachlässigt. Als ihre Kinder

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Fahrten nutzen und aus den so genannten

Fremdbelegern, wie zum Beispiel die Universität

Münster. Einmal im Jahr mietet die Hochschule

die Einrichtung, um in einer Blockveranstaltung

zum Thema Sportpädagogik unter

anderem das Element Sand aufzunehmen. Im

Mittelpunkt steht dabei die Aufgabe, Gruppen

zu formen und zu leiten und die erlernte Methodik

in andere Bereiche zu übertragen.

Trotz des soliden finanziellen Konzepts bleibt

es jedoch nicht aus, dass der NTB einen eigenen

Haushalt für die Instandhaltung der

Jugendbildungsstätte eingerichtet hat und

von einem Betriebskostenzuschuss des LandesSportBundes

(LSB) profitiert. Außerdem

noch klein waren, haben sie an den Familienfreizeiten

teilgenommen. Jetzt sind die

Kinder groß und die Eltern noch zu jung für

die Altersgruppe 60plus. Außerdem wollte

ich mehr Farbe in die Jugendbildungsstätte

bringen und neue Angebote aus dem Abenteuersport

hinzuholen. Das alles lag mir am

Herzen und wächst jetzt. Zukünftig wollen wir

versuchen, das Ehrenamt zu stärken und auf

die veränderten Berufs- und Studienbedingungen

einzugehen, um weiterhin ehrenamtliche

Kräfte zu gewinnen und zu halten.

Was qualifiziert Dich für die Leitung?

Meine Baltrumkarriere. Ich war bisher in fast

jedem Bereich schon einmal tätig und bin

dadurch gewissermaßen in die Leitung hineingewachsen.

Außerdem bin ich ein kommunikativer

Mensch, was für diese Tätigkeit

ein Muss ist.

Was sind Deine Aufgaben?

Hauptsächlich muss ich den Überblick behalten

und koordiniere die Aufgaben, die erledigt

werden müssen. Dazu gehört die Leitung des

Arbeitskreises Baltrum, die Erstellung der Belegungspläne

in Zusammenarbeit mit Margret

Tobiassen und viel Kommunikation auch mit

den Institutionen auf Baltrum. Ich arbeite

in den verschiedenen Gremien des NTB und

der Zielgruppen mit; übernehme die pädagogische

Beratung der Sommermaßnahmen

im Arbeitskreis Sommer, das heißt, ich kümmere

mich mit um die Inhalte. Dabei erhalte

ich aber auch viel Unterstützung von meinem

Stellvertreter Clemens Reinhold, der sich um

die finanziellen Belange, und Margret Tobiassen,

die sich um die Verwaltung kümmert. Wir

sind ein gutes Team.

Was bedeutet Dir Deine Tätigkeit dort?

Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Bei

all der Arbeit ist alles gut, was wir gemeinsam

schaffen. Wir müssen für die nächste

Generation weitermachen und brauchen

viele Menschen, die sich dafür engagieren.

TITELTHEMA

kümmert sich der Förderverein um unterschiedliche

Projekte. So soll der Aussichtsturm

auf der Düne, der seit 2008 gesperrt ist,

schnellstmöglich renoviert und wieder begehbar

gemacht werden. Auch Spenden, wie Holz

für die Lagerfeuer oder neue Zelte, spielen

eine wichtige Rolle, wenn es um die Erhaltung

der Jugendbildungsstätte geht.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen sich

(freiwillig) für die Jugendbildungsstätte Baltrum

engagieren, desto besser funktioniert das Konzept.

Und je besser das Konzept funktioniert,

umso mehr Freiwillige engagieren sich. In diesem

Sinne: Auf nach Baltrum!

„Ich habe ein gut funktionierendes System übernommen“

Tina Weßling übernahm im Sommer 2010 die Leitung der Jugendbildungsstätte Baltrum von Tom Bohmfalk, der dieses Amt zuvor 16

Jahre lang ausübte. Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt blickt Tina Weßling auf eine ereignisreiche Zeit und viele Neuerungen zurück.

Tina Weßling ist seit einem Jahr Leiterin der

Jugendbildungsstätte Baltrum.

He i k e Werner

Ich versuche, aus meinen Erfahrungen mit

der Turnerjugend heraus, immer über den

Tellerrand zu blicken. Es ist wichtig, Synergien

zu bilden.

Wie oft und wie lange bist Du im Jahr auf

Baltrum?

In den Ferien bin ich auf jeden Fall immer

wieder für ein paar Tage auf Baltrum. Meist

verknüpfe ich diese Aufenthalte mit den

Treffen der Arbeitskreise der Tuju. So haben

wir beispielsweise kürzlich das Projekt

„NTJ Generations“ ins Leben gerufen. Bei

der Anstoßveranstaltung Anfang Juni war

ich dabei.

Welche Pläne und Wünsche hast Du für die

Weiterentwicklung der Jugendbildungsstätte?

Im nächsten Jahr soll das Untergeschoss

des Wirtschaftsgebäudes neue Fenster

bekommen. Darüber hinaus ist der Aussichtsturm

auf der Düne uns allen eine Herzensangelegenheit.

Er ist marode und nicht

mehr sicher und muss dringend saniert werden.

Ich wäre außerdem froh und glücklich,

wenn wir neue Vereine auf die Insel bekämen.

Das ist aber nicht einfach, weil wir die

Vorsitzenden persönlich ansprechen und

dann darauf hoffen müssen, dass sie die

Informationen in ihrem Verein streuen. Am

besten funktioniert so etwas über Mundpropaganda.

Kinder, die schon einmal auf

Klassenfahrt oder einer Freizeit auf Baltrum

waren, transportieren das in ihre Sportvereine

und kommen dann wieder. Im besten

Fall, so wie beim TuS Heidkrug, kommen die

Vereine dann jedes Jahr wieder und wir gewinnen

aus ihnen neue Mitarbeiter.

das ge s P r ä c H f ü H r t e He i k e Werner

Kontakt:

TIna Weßling

Tel.: (05462) 96 28 38

E-Mail: tina.wessling@NTB-infoline.de

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