und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

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und Leseprobe (PDF) - Vandenhoeck & Ruprecht

Macht des

Glaubens

450 Jahre

Heidelberger Katechismus

Herausgegeben von

Karla Apperloo-Boersma

und Herman J. Selderhuis

Vandenhoeck & Ruprecht


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525550489


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525550489


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Macht

des Glaubens –

450 Jahre Heidelberger Katechismus

herausgegeben im Auftrag von Refo500

von Karla Apperloo-Boersma und Herman J. Selderhuis,

in Zusammenarbeit mit Frieder Hepp und Karin Tebbe (Kurpfälzisches Museum der Stadt

Heidelberg), Wolfgang Wiese und Petra PechaČek (Staatliche Schlösser und Gärten Baden-

Württemberg), Johan ter Molen und Paul Rem (Paleis Het Loo Nationaal Museum)

Vandenhoeck & Ruprecht

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525550489


Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Ausstellungsbegleitbuchs bei:

Wir bedanken uns für die Unterstützung der Ausstellung Macht des Glaubens. 450 Jahre Heidelberger Katechismus bei:

Umschlagabbildung:

Die Familie Friedrich Heinrichs von Nassau-Oranien.

Unbekannter Künstler, nach 1630.

Öl auf Kupfer, H. 23,2 cm, B. 32,1 cm.

Heidelberg, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, Inv. Nr. G 858.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte

bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978–3–525–55048–9

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen/

Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.

www.v-r.de

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Stichting

Pro Religione

et Libertate

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den

gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Printed in the Netherlands.

Satz und Layout: Cees Deelen – Drukkerij Verloop.

Übersetzungen: André Bierlink und Andreas Klein.

Druck und Bindung: Drukkerij Verloop, Alblasserdam und Callenbach Boekbinders, Nijkerk, Niederlande.

Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525550489

M


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

ist das Begleitbuch zu den Ausstellungen Macht des Glaubens.

450 Jahre Heidelberger Katechismus in Heidelberg und Oranien

und Religion. Ausstellung im Rahmen des 450. Jubiläums

des Heidelberger Katechismus, 1563–2013 in Apeldoorn. Es erscheint

auf Deutsch, Niederländisch und Englisch und ist der

Beitrag von Refo500 am internationalen Ausstellungsprojekt

450 Jahre Heidelberger Katechismus, an dem sich das Paleis Het

Loo Nationaal Museum, die Staatlichen Schlösser und Gärten

Baden-Württemberg, das Kurpfälzische Museum der Stadt Heidelberg,

die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden sowie die

internationale Plattform Refo500 beteiligten.

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, Palais Morass.

© Bildhauer Foto GmbH, Heidelberg.

Johannes a Lasco Bibliothek, Emden.

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

5

Paleis Het Loo Nationaal Museum, Apeldoorn.

Schloss Heidelberg.

Foto: Staatliche Schloösser und Gärten Baden-Württemberg, A. Mende.

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

ISBN Print: 9783525550489


Inhalt

Karla Apperloo-Boersma/Herman J. Selderhuis

Vorwort der Herausgeber 8

J. Marius J. Lange van Ravenswaay

Vorwort 10

Nils Schmid

Grußwort 11

Bernd Neumann

Grußwort 12

Eckard Würzner

Vorwort Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus 13

John Berends

Vorwort Oranien und Religion

Ausstellung im Rahmen des 450. Jubiläums

des Heidelberger Katechismus, 1563–2013 14

I Wissenschaftliche Beiträge

Einführung

Herman J. Selderhuis

Ein Büchlein geht über die Welt:

Von Heidelberg über Emden 19

Geschichte und Theologie

des Heidelberger Katechismus

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Lyle D. Bierma

Die Ursprünge der Dreiteilung des Heidelberger

Katechismus: Eine andere Sichtweise 31

Irene Dingel

Der Heidelberger Katechismus in den

konfessionellen Debatten des 16. Jahrhunderts 41

August den Hollander

Die Verbreitung des Heidelberger

Katechismus in gedruckter Form 53

Peter Opitz

Der Heidelberger Katechismus,

Schweizer Wurzeln, Schweizer Verbreitung 63

Michael Haykin/Steve Weaver

„[To] concenter with the most orthodox divines“:

Hercules Collins und sein An orthodox Catechism 73

© 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

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6

Die Pfalz, Heidelberg

und der Heidelberger Katechismus

Frank Engehausen

Strategien des Konfessionswechsels im 16.

Jahrhundert – Das Beispiel der Kurpfalz 85

Christoph Strohm

Der Heidelberger Katechismus im Kontext des

Calvinismus des 16. und 17. Jahrhunderts 97

Johannes Ehmann

Der Heidelberger Katechismus in

seinem Territorium (Kurpfalz) 107

Klaus Winkler

„...wolgestimbte singer, Cantores und Musici“:

Die Heidelberger Hofkapelle zwischen

Gotteslob und fürstlicher Repräsentation 117

Frieder Hepp

Kurfürst Friedrich IV.:

Politik und Lebenslust in der Kurpfalz um 1600 127

Eike Wolgast

Kurpfalz und Universität zur Zeit

des Heidelberger Katechismus 137

Barbara Mahlmann-Bauer

Astrologiekritik und reformierte

Theologie in Heidelberg 147

Der Heidelberger Katechismus

in den Niederlanden

Arie Baars

„Der einfache Heidelberger...“ Eine kurze Geschichte

der Katechismuspredigt in den Niederlanden 165

Wim Verboom

Katechismus-Unterricht in den Niederlanden 175

Johan ter Molen

Das Haus Oranien-Nassau; Kunst und Religion 187

Paul Rem

Ehrengestühl für des Haus Oranien-Nassau

in den Kirchen der Niederlande 199


II Macht des Glaubens.

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Karin Tebbe mit Anja-Maria Roth und Annette Frese

Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Im Kurpfälzischen Museum der Stadt

Heidelberg ausgestellte Werke

Frieder Hepp

Vorwort 211

Einleitung 213

1 Die Bedeutung des Heidelberger Katechismus

für die Pfalz 214

2 Kosmologie, Astronomie und Topographie 228

3 Die Suche nach der reinen Lehre 242

4 Die Kurpfalz als ein Zentrum des

europäischen Calvinismus 252

5 Die Wirkungsgeschichte des

Heidelberger Katechismus 266

Frank Engehausen, Wolfgang Wiese, Klaus Winkler,

Matthias Ohm, Petra PechaČek, Paul Mironneau,

Stefanie Gebler, Carolin Baronesse von Harsdorf

Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Im Schloss Heidelberg ausgestellte Werke

Einleitung 275

1 Grundlagen: Ottheinrich und die

lutherische Reformation in der Kurpfalz 272

2 Aufbruch und Stabilisierung: Friedrich III.

und die Einführung des Reformiertentums 282

3 Intermezzo: Ludwig VI. und die Rückkehr

zum Luthertum 289

4 Wagnisse: Johann Casimir als reformierter

Heerführer und Kuradministrator 295

5 Kriegswesen 302

6 Kraftproben: Friedrich IV. als protestantischer

Parteiführer 305

7 Symbolische Politik: Die Anfänge Friedrichs V.

und die englische Hochzeit 313

8 Die Hofjagd: ein repräsentatives Vergnügen 321

9 Turniere am kurfürstlichen Hofe zu Heidelberg 329

10 Capell und Musica bey der Churfürstlichen Pfaltz:

Die Heidelberger Hofmusik 332

11 Schloss Heidelberg im Zeitalter der Reformation –

Architekturgeschichtliche Anmerkungen 357

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

7

III Oranien und Religion. Ausstellung

im Rahmen des 450. Jubiläums des

Heidelberger Katechismus, 1563–2013

Paul Rem

Oranien und Religion

Ausstellung im Rahmen des 450. Jubiläums des

Heidelberger Katechismus, 1563–2013

Im Paleis Het Loo National Museum ausgestellte Werke

Paul Rem

Vorwort 374

1 Der Heidelberger Katechismus

kommt in die Niederlande 377

2 Oranien – Liebe und Leid in der Kirche 381

3 Eigene Bänke in der Kirche 393

4 Die Palastkapelle 399

5 Der Hofprediger 406

6 Persönliche Frömmigkeit 407

7 Bibeln der Oranier 413

8 Kirchlicher Unterricht für junge Fürsten 319

9 Gott – Niederlande – Oranien? 423

10 Geschenke 428

IV Anhang

Ausstellung Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Dank 438

Wissenschaftlicher Beirat 438

Katalogautoren 438

Impressum 438

Dank 439

Ausstellung Oranien und Religion

Ausstellung im Rahmen des 450.

Jubiläums des Heidelberger Katechismus

Dank 440

Bildnachweis 441

Leihgeber 442

Autoren 443

Autorenkürzel 443

Literatur 443

Personen- und Ortsnamenregister 454

Sachregister 459

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Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

VDieses Buch nimmt Sie mit auf eine Reise in die Heidelberg

faszinierende Welt des 16. Jh. Mitten in einer Zeit

der Erneuerung und Veränderung auf dem Gebiet

der Religion, Kultur, Wissenschaft und Politik, aber

auch in einer Zeit des Krieges, der Pest und der

Verfolgung, erschien in Heidelberg 1563 ein Dokument,

das sich bald über die ganze Welt verbreiten

sollte, und dass seither bei vielen Reformierten in

hohem Ansehen steht: Der Heidelberger Katechismus,

ein Lehrbuch für Jugendliche, das die reformierte

Glaubenslehre in Frage- und Antwortform

beschreibt und schon bald als Bekenntnisschrift

fungieren sollte. Der Vorschlag der internationalen

Plattform Refo500 an das Kurpfälzische Museum

der Stadt Heidelberg und später an das Paleis Het

Loo Nationaal Museum in Apeldoorn, 2013 eine

Ausstellung anlässlich des 450jährigen Jubiläums

dieses Katechismus zu organisieren, wurde sofort

mit Begeisterung angenommen und entwickelte

sich zu einem Ereignis, das Menschen aus aller

Welt nach Apeldoorn und Heidelberg bringt.

Refo500 hat sich zur Aufgabe gemacht, die Zeit der

Reformation und unsere Zeit miteinander zu verbinden

sowie gemeinsame Projekte verschiedener

Partner anzuregen. Dies ist hinsichtlich des internationalen

Ausstellungsprojektes 450 Jahre Heidelberger

Katechismus hervorragend gelungen.

Dieses Buch ist nun auch ein Symbol für eine einzigartige

Zusammenarbeit zwischen einem Palais,

einer Bibliothek, einem Museum, einer Schlösserverwaltung

und einer internationalen Plattform.

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger

Katechismus ist das Begleitbuch zu den Ausstellungen

Macht des Glaubens. 450 Jahre Heidelberger

Katechismus und Oranien und Religion. Ausstellung

im Rahmen des 450. Jubiläums des Heidelberger

Katechismus, 1563–2013. Es erscheint auf

Deutsch, Niederländisch und Englisch und ist der

Beitrag von Refo500 am internationalen Ausstellungsprojekt

450 Jahre Heidelberger Katechismus,

an dem sich beteiligten Paleis Het Loo Nationaal

Museum, die Staatlichen Schlösser und Gärten

Baden-Württemberg, das Kurpfälzische Museum

der Stadt Heidelberg, die Johannes a Lasco Bibliothek

in Emden sowie die internationale Plattform

Refo500.

Bereits im Sommer 2009 begannen die Vorbereitungen

für die Ausstellungen, über die Anfang

2010 erstmals auf einer Pressekonferenz im Schloss

Vorwort der Herausgeber

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berichtet wurde. Inhaltlich untersuchten

Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern

Themen rund um die Geschichte und Theologie

des Heidelberger Katechismus, die Kurfürsten von

der Pfalz und ihre Politik, das Leben und die Kunst

am Hof in Heidelberg, die Rolle, die Kunst und Religion

bei verschiedenen Mitgliedern des Hauses

Oranien spielten, die Ehrengestühle für die Oranier

in niederländischen Kirchen sowie die Bande,

die zwischen dem Haus Oranien und Heidelberg

bestehen. Sie präsentierten ihre Beiträge auf einer

internationalen wissenschaftlichen Konferenz, die

vom 3. bis 5. Mai 2011 in der Johannes a Lasco Bibliothek

stattfand; ihre Ergebnisse flossen in die

Arbeit der Ausstellungskuratoren ein.

Der Haupttitel dieses Buches Macht des Glaubens

bezieht sich auf den Inhalt dieses Buches.

Macht und Glaube hatten im 16. Jh. viel miteinander

zu tun: Die Kurfürsten von der Pfalz beschäftigten

sich genauso mit Fragen auf dem Gebiet der

Theologie wie die Theologen selbst, und die Tatsache,

dass der Heidelberger Katechismus erscheinen

konnte, ist Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz

zu verdanken. Dieses Buch beschäftigt sich mit der

Frage, wie Menschen glaubten und wie sie ihren

Glauben bekennen wollten. Es geht aber auch um

Heidelberg im 16. Jh., um die Entwicklung dieser

Stadt zu einem international bedeutenden Zentrum

der Wissenschaft und darum, wie Fürsten sich darstellten

und welche Art höfisches Leben gepflegt

wurde. Vom Leben am Heidelberger Hof wird der

Bogen zum niederländischen Haus Oranien geschlagen.

Dieses Königshaus, das bereits jahrhundertelang

ein verbindendes Element der niederländischen

Gesellschaft ist, bildet auch in diesem

Buch die Verbindung zwischen Heidelberg und

den Niederlanden, jenem Land in dem der Heidelberger

Katechismus so populär wurde. Mitglieder

des Hauses Oranien unterhielten nämlich schon im

16. Jh. enge Beziehungen zu den Kurfürsten von

der Pfalz, die später sogar durch familiäre Bande

gefestigt wurden. Viele wurden bei ihrer religiösen

Erziehung anhand dieses Katechismus unterwiesen

und bekannten öffentlich ihren Glauben in einer

Kirche, die den Heidelberger Katechismus als

Formular der Einheit und Bekenntnisschrift akzeptierte.

Auch hier wird deutlich, wie sehr Macht und

Glaube miteinander zu tun haben.


Dass der Heidelberger Katechismus nicht nur

Geschichte ist, erweist sich in der Tatsache, dass

noch immer aus diesem Katechismus gepredigt

wird, und dass Jugendliche mithilfe dieses Buches

auch heute noch in der Glaubenslehre unterwiesen

werden. Aber auch der Erfolg der niederländischen

Twitter-Version des Heidelberger Katechismus,

Twittechismus, zeigt seine Aktualität. Der

Twittechismus erschien 2010 und der erste Tweet

wurde an Prof. Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen

Museums der Stadt Heidelberg, gesendet.

Dieses Buch richtet sich dank seines vielseitigen

Inhalts und der reichen Bebilderung an ein

breites Publikum wie Wissenschaftler, Theologen,

historisch Interessierte, Kunstkenner, Liebhaber

der Oranier, Katecheten usw. Die wissenschaftlichen

Beiträge bilden den ersten Teil des Buches.

Der zweite Teil umfasst als Katalog-Teil die Abbildungen

und Beschreibungen von nahezu allen

Exponaten der Ausstellungen in Heidelberg und

Apeldoorn. Somit gedenkt diese Publikation nicht

nur dem 450jährigen Jubiläum des Heidelberger

Katechismus, sondern erinnert auch in vielgestaltiger

Weise an all die Menschen, die in der Vergangenheit

für ihre Überzeugung standen.

Die Abbildungen im Katalog-Teil sind für jeden

Ausstellungsort durchnummeriert, wobei AL für

Apeldoorn, Het Loo, HS für Heidelberg, Schloss

und HK für Heidelberg, Kurpfälzisches Museum

der Stadt Heidelberg steht.

An diesem Buch haben viele Menschen mitgearbeitet:

Wissenschaftler, Kuratoren und andere

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Fachleute, die Beiträge in Form von Übersetzungen,

Layout, Fotografie, Beratung, Bildredaktion

usw. lieferten. All diesen Menschen wollen wir

gerne danken. Dr. Petra PechaČek und Dr. Karin

Tebbe sind wir sehr dankbar für die sorgfältige

Redaktion deutsch- und englischsprachiger Katalogtexte

für die Ausstellung Macht des Glaubens.

Auch bedanken wir uns herzlich bei den

Sponsoren dieser Publikation, der Stichting Pro

Religione et Libertate, der Evangelischen Kirche

in Hessen und Nassau, der Evangelischen Kirche

von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Kirche

Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz,

der Evangelisch-Reformierten Kirche in Leer, der

Evangelischen Landeskirche in Baden, MLP Finanzdienstleistungen,

der Stichting Dr. Hendrik Muller’s

Vaderlandsch Fonds, Drukkerij Verloop, der Theologischen

Universität Apeldoorn und der Willem de

Zwijgerstichting. Dem Museum Catharijneconvent

gebührt ein Wort des Dankes für die prächtigen Illustrationen,

die seitens des Museums zur Verfügung

gestellt wurden. Unser Dank gilt schließlich

Drukkerij Verloop, den Verlagen Kok und Vandenhoeck

& Ruprecht für Design, Druck und Veröffentlichung

dieses besonderen Buches.

Karla Apperloo-Boersma

Projektleiterin der internationalen Plattform Refo500

Herman J. Selderhuis

Direktor der internationalen Plattform Refo500

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Pressekonferenz am

30. März 2010 in

Heidelberg, mit v.l.n.r.

sitzend: Dr. Eckart

Würzner, Michael

Hörrmann, Mr. Fred de

Graaf und stehend Prof.

Frieder Hepp, Karla

Apperloo-Boersma, Prof.

Herman Selderhuis und

Prof. Johan ter Molen.

Foto: Cees-Jan Smits,

Reformatorisch Dagblad.

Der erste Tweet des

Twittechismus wurde am

7. Mai 2010 vom Initiator

Hans Havinga (rechts)

an Prof. Frieder Hepp

vom Kurpfälzischen

Museum der Stadt

Heidelberg gesendet.

Foto: Hans Havinga.


Vortrag von Prof. Johan

ter Molen vom Paleis

Het Loo Nationaal

Museum während

der Konferenz in der

Johannes a Lasco

Bibliothek Emden vom

3. bis 5. März 2011.

Foto: Gerard ter Horst,

Nederlands Dagblad.

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Vorwort

Johannes a Lasco Bibliothek

Als der Heidelberger Katechismus im Januar

1563 veröffentlicht wurde, lag mit ihm ein Lehrdokument

vor, das trotz seiner reformierten theologischen

Ausrichtung die verschiedenen protestantischen

konfessionellen Standpunkte zu verbinden

suchte. Wie kein anderer Katechismus war ihm sodann

in der Folgezeit ein außerordentlicher Erfolg

beschieden. Dies galt und gilt bis in unsere Tage.

450 Jahre nach seinem Erscheinen ist der Heidelberger

Katechismus ein bleibendes Bindeglied der

weltweiten reformierten Konfessionsfamilie und in

weiten Teilen ein noch immer ernstzunehmendes

Dokument innerprotestantischer Theologie. Dies

darzustellen und die verschiedenen Aspekte in

ihren historischen, theologischen und kulturellen

Bezügen zu erörtern sowie neueste Ergebnisse der

Forschung zu bündeln, war das Anliegen der internationalen

wissenschaftlichen Tagung, die vom

3.–5. März 2011 in der Johannes a Lasco Bibliothek

zu Emden stattfand. Die in Emden gehaltenen

Beiträge werden in dem vorliegenden Band nunmehr

einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und

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sind mit Grundlage und Bestandteil der Ausstellungen

in Heidelberg und Apeldoorn. Ermöglicht

wurde die internationale Tagung in Emden durch

die großzügige Unterstützung des Ministeriums

für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen.

Daher gilt ihm an dieser Stelle noch einmal

unser ganz besonderer Dank.

Jubiläen bieten die Gelegenheit, Rückschau zu halten

und Perspektiven neu zu ordnen. Eben dieses

wünschen wir uns nunmehr in der Auseinandersetzung

mit den Problemstellungen, die der Katechismus

in seinen vielfältigen Bezügen vorgibt.

Damit freilich kann nun ein neues Kapitel theologischer

und historischer Vergegenwärtigung aufgeschlagen

werden, das, wenn es ernsthaft betrieben

wird, auch vielversprechende Wege in die Zukunft

weisen wird.

Dr. J. Marius J. Lange van Ravenswaay

Wissenschaftlicher Vorstand

der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek

Große Kirche Emden


Grußwort

Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Mit Schloss Heidelberg besitzt das Land Baden-

Württemberg ein herausragendes Kulturgut von

internationalem Rang. Es zählt zu den bedeutendsten

Kulturdenkmalen Deutschlands und zieht

jährlich mehr als eine Million Besucher aus aller

Welt an. Das Heidelberger Schloss ist ein weithin

bekanntes Sinnbild der Romantik, aber gleichzeitig

auch beredtes Denkmal deutscher Geschichte.

Seine Anfänge reichen bis in das 13. Jh. zurück.

Schloss Heidelberg ist ein Vermächtnis, das von einer

Jahrhunderte langen wechselhaften und glanzvollen

Geschichte eindrucksvoll erzählen kann.

So war Schloss Heidelberg auch der Ausgangs -

punkt der Initiative für ein neues Religionsverständnis.

Der Heidelberger Kate chis mus, im

Jahr 1563 von Kurfürst Friedrich III. in Auftrag gegeben,

ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der

Kirchengeschichte zu Beginn der Neuzeit. Durch ihn

änderten sich Vorstellungen und Lebensstrukturen

in allen Bevölkerungsschichten. Das 450. Jubiläum

der Entstehung des Heidelberger Katechismus

ist der Anlass für eine thematisch breit angelegte

Ausstellung unter dem Titel Macht des Glaubens.

450 Jahre Heidelberger Katechismus, die in der einzigartigen

historischen Kulisse des Heidelberger

Schlosses und im Kurpfälzischen Museum der

Stadt Heidelberg gezeigt wird.

Mit der Ausstellung nimmt das Land auch seine

kulturelle Verantwortung für die zahlreichen historischen

Monumente in seiner Obhut wahr. Baden-

Württemberg ist in unvergleichlicher Vielfalt mit

Schlössern, Klöstern, Burgen und historischen

Gärten ausgestattet. Als historisches Erbe werden

sie von der Vermögens- und Hochbauverwaltung

des Landes bewahrt und erhalten. Zugleich sollen

die Baudenkmale mit Leben gefüllt werden

und möglichst vielen Menschen offen stehen.

Dadurch tragen die historischen Monumente viel

zur touristischen Attraktivität des Landes bei.

Durch eine qualitativ hochwertige Didaktik und

ein reichhaltiges Vermittlungsangebot wächst

aber auch das Verständnis für die Bedeutung der

Kulturdenkmale und ihrer Geschichte. Eine hochwertige

historische Ausstellung mit kompetenten

Partnern an einem historischen Ort mit regionalem

Bezug führt Menschen aus nah und fern in

die Kulturorte und lässt sie Landesgeschichte le-

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

bendig und einprägsam aufs Neue erfahren. Die

Ausstellung Macht des Glaubens im Heidelberger

Schloss und im Kurpfälzischen Museum ist ein gelungenes

Beispiel nachhaltiger Kulturpflege.

Eine Kooperationsausstellung findet zeitgleich

im Palais Het Loo in Apeldoorn, Niederlande, statt,

die das Verhältnis des dynastisch mit der Kurpfalz

verbundenen Hauses Oranien zur Religion thematisiert.

Weitere Partner dieses ambitionierten

Ausstellungsprojekts sind die internationale

Stiftung Refo500 mit Sitz in den Niederlanden, der

auch der vorliegende Katalog zu verdanken ist,

und die Johannes A Lasco Bibliothek in Emden.

Mit ihrer innovativen thematischen Ausrichtung

präsentiert die Ausstellung Zeugnisse

kurpfälzischer Herkunft und Exponate internationaler

Leihgeber, die zum Teil auf deutschem Boden

noch gar nicht zu sehen waren. Sie machen am

authentischen Ort anschaulich, in welchem historischen

Kontext das weltbekannte Heidelberger

Schloss vor mehr als vier Jahrhunderten zu einem

zentralen Knotenpunkt im Netzwerk der europäischen

Politik wurde.

Ich danke den Staatlichen Schlössern und

Gärten Baden-Württemberg, dem Kurpfälzischen

Museum der Stadt Heidelberg, der Stiftung

Refo500, der Johannes A Lasco Bibliothek sowie

der Stadt Apeldoorn und dem Paleis Het Loo

Nationaal Museum in Apeldoorn, die an diesem

Kooperationsprojekt beteiligt sind. Den Besuchern

der Ausstellungen in Heidelberg und in Apeldoorn

wünsche ich interessante und aufschlussreiche

Einblicke in ein hochinteressantes Zeitalter

und erlebnisreiche Stunden in den bedeutenden

Kulturstätten Europas!

Dr. Nils Schmid MdL

Stellvertretender Ministerpräsident und Minister

für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-

Württemberg

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GMacht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Grußwort

Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

gesellschaftliche, politische und kulturelle Auswirkungen

weltgeschichtliche Bedeutung erlangten.

Die Bundesregierung wirkt daher an der Gestaltung

des Reformationsjubiläums 2017 mit. Seit

dem Jahr 2011 fördert mein Haus mit fünf Millionen

Euro jährlich bundesweit kulturelle Veranstaltungen,

aber auch den Erhalt und die Sanierung

authentischer Reformationsstätten, um das Bewusstsein

für die Bedeutung dieses Ereignis ses zu

stärken. Bis zum eigentlichen Jubiläumsjahr sollen

hierfür insgesamt 35 Millionen Euro zur Verfügung

gestellt werden.

2013 begehen evangelische Christen in aller

Welt das 450jährige Bestehen des Heidelberger

Katechismus, der 1563 am Hof des pfälzischen

Kurfürsten Friedrich III. als Lehr buch der calvinistischen

Glaubensrichtung erarbeitet wurde, um

den Zwist zwischen den verschiedenen reformatorischen

Richtungen in der Kurpfalz zu befrieden.

So entstand mit dem Heidelberger Katechismus

nicht nur ein Zeugnis für die Zeitepoche der Erneuerung

und Orientierung im 16. und 17. Jh, sondern

ein Schlüsseldokument, das bis heute seine

Gültigkeit besitzt und in vielen Ländern der Erde

zum Fundament der christlich reformierten Kirche

zählt.

Der Bund hat mit seiner finanziellen Unterstützung

das Ausstellungsprojekt Macht des Glaubens.

450 Jahre Heidelberger Katechismus des Kurpfälzischen

Museums der Stadt Heidelberg, der Staatlichen

Schlösser und Gärten Baden-Württemberg,

der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden, der

niederländischen Stiftung Refo500 und des Paleis

Het Loo Nationaal Museum in Apeldoorn ermöglicht.

Am authentischen Ort – dem Heidelberger

Schloss – wird so an dieses wichtige Dokument der

Reformationsgeschichte erinnert.

Die Reformation ist eines der zentralen Ereignisse

der deutschen Geschichte, deren religiöse,

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Die Ausstellung Macht des Glaubens. 450 Jahre

Heidelberger Katechismus bildet einen wichtigen

Baustein im Rahmen der Vorbereitungen auf das

Reformationsjubiläum. Ich danke den Projektverantwortlichen

für ihren engagierten Einsatz und

ihre anschauliche Umsetzung des Themas. Den

Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung

wünsche ich viele neue Eindrücke.

Bernd Neumann MdB

Staatsminister bei der Bundeskanzlerin


Vorwort

Macht des Glaubens

450 Jahre Heidelberger Katechismus

Im Jahr 2013 feiert die Stadt Heidelberg gleich

zwei Jubiläen: 450 Jahre Heidelberger Katechismus

und 400 Jahre erstes Feuerwerk auf dem Neckar.

Während das legendäre Feuerwerk in Kombination

mit einer bengalischen Schlossbeleuchtung

durch seine alljährliche Wiederholung in den

Sommermonaten, jeweils am 1. Samstag des Monats,

abends um 22.15 Uhr regelmäßig zigtausend

faszinierte Besucher an den Neckar lockt, war die

Erinnerung an die Entstehung des Heidelberger

Katechismus 1563 in den letzten Jahren in Heidelberg

weniger lebendig. Dass es sich bei dem

Heidelberger Katechismus um die bedeutendste

Bekenntnisschrift der reformierten Kirche weltweit

handelt, dass „Der Heidelberger“ in Europa, Amerika

und Asien allgemein als Symbol des Aufbruchs

und der Veränderung interpretiert wird, war am

Entstehungsort selbst nur wenigen Heidelbergern

geläufig. Dabei hängen beide Ereignisse, der Heidelberger

Katechismus wie das Feuerwerk, historisch

gesehen, eng miteinander zusammen, ja sind

ohne einander gar nicht denkbar.

Das 16. Jh. – die Kunsthistoriker sprechen von

Renaissance, die Historiker vom „konfessionellen

Zeitalter“ – ist eine Zeit des Umbruchs, der Erneuerung

und der Sinnsuche. Die Ausstrahlung jenes

neuen aus dem Humanismus hervorgegangenen

reformatorischen Geistes durchdrang alle gesellschaftlichen

Ebenen und bestimmte das Lebensgefühl

der Menschen am Beginn der Neuzeit. Dabei

spielten Heidelberg, die Haupt- und Residenzstadt

des Kurfürsten von der Pfalz, mit seiner zu höchster

Blüte entwickelten Hofhaltung, sowie die Universität

mit der berühmten Bibliotheca Palatina, unter

den Territorien des Heiligen Römischen Reiches

eine besondere Rolle, denn die Stadt entwickelte

sich im Zuge der Konfessionalisierung neben Genf

und Leiden zum dritten geistigen Zentrum des

europäischen Calvinismus.

Es ist ein ehrgeiziges Unterfangen, die Bedeutung

dieses außergewöhnlichen kulturhistorischen

Ereignisses in das 21. Jh. zu transponieren. Nach

intensiver Vorbereitung zeigen das Kurpfälzische

Museum der Stadt Heidelberg (KMH), die Staatlichen

Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

(SSG), die niederländische Stiftung Refo500 und

die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden (JALB)

in enger Zusammenarbeit mit dem Paleis Het Loo

Nationaal Museum in Apeldoorn in den Nieder-

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

landen die Ausstellung Macht des Glaubens. 450

Jahre Heidelberger Katechismus. Jeder der drei

Ausstellungsorte stellt einen eigenen Themenbereich

in den Vordergrund. Im Schloss Heidelberg

bilden die Kurfürsten und ihre Politik, Repräsentationsansprüche

und höfische Lebensform den

Schwerpunkt. Das Kurpfälzische Museum thematisiert

Fragen grundsätzlicher Veränderung des

bisherigen Weltbilds und neuer wissenschaftlicher

Erkenntnisse. Es stellt den Heidelberger Katechismus

in den Kontext seiner Entstehung. Dafür

haben die Kuratoren eine Reihe hochrangiger

Leihgaben aus internationalen Sammlungen nach

Heidelberg geholt. Ein glanzvoller Höhepunkt ist

sicherlich der vergoldete Prunkpokal, den Kurfürst

Friedrich V. 1619 als Geschenk erhielt und den das

Iparmüvészeti Múzeum in Budapest ausgeliehen

hat. Aber auch bedeutende Objekte aus dem eigenen

Bestand, wie ein wertvoller Silberbecher aus

dem Jahr 1616, der dem Kurpfälzischen Museum

kürzlich von einem Mäzen geschenkt wurde, können

jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Befördert wurde das Projekt von einem hochkarätig

besetzten wissenschaftlichen Beirat, dem ich

für seine Unterstützung und für die Beiträge zum

Katalog, der die Ausstellung begleitet, herzlich danken

möchte. Die Evangelische Kirche, die Universität

Heidelberg, die Universitätsbibliothek sowie die

Archive des Landes und der Stadt haben ebenfalls

tatkräftig mitgeholfen. Ihnen wie den Organisatoren

und Kuratoren der Ausstellung gilt ebenfalls

mein Dank. Nicht zuletzt danke ich dem Gemeinderat

der Stadt Heidelberg, dass er die erforderlichen

Finanzmittel für die Ausstellung im Vertrauen auf

das gute Ergebnis bereits früh zugesagt hat. Mein

Dank gilt ferner dem Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd

Neumann, der Baden-Württemberg Stiftung, der

Klaus Tschira Stiftung, der Manfred Lautenschläger

Stiftung sowie MLP Finanzdienstleistungen für die

großzügigen finanziellen Zuwendungen. Möge die

Ausstellung und die ungebrochene Aktualität des

Heidelberger Katechismus viele Menschen aus dem

In- und Ausland in die welt offene Stadt des Geistes

nach Heidelberg führen.

Dr. Eckart Würzner

Oberbürgemeister der Stadt Heidelberg

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Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Vorwort

Oranien und Religion

Ausstellung im Rahmen des 450. Jubiläums

des Heidelberger Katechismus, 1563–2013

Paleis Het Loo Nationaal Museum hat auf

Initiative der Stiftung Refo500 beschlossen eine

Ausstellung im Zusammenhang mit dem 450. Jubiläumsjahr

des Heidelberger Katechismus zu organisieren

und diese dem Thema Oranien und Religion

zu widmen. Paleis Het Loo Nationaal Museum

partizipierte so in einem Gemeinschaftsprojekt

zusammen mit der Johannes a Lasco Bibliothek

in Emden, dem Kurpfälzischen Museum der Stadt

Heidelberg und den Staatlichen Schlössern und

Gärten Baden-Württemberg.

Angesichts der sich verändernden religiösen

Landschaft in den Niederlanden braucht es eine

solche Ausstellung. Denn ohne Bewusstsein für

die anhaltend große Rolle, die die Religion spielte,

ist die Geschichte der Niederlande nur schwer zu

verstehen. So besteht ein jahrhundertealtes Band

zwischen dem niederländischen Protestantismus

und dem Haus Oranien, ein Band das zurückgeht

auf die Zeit des Vaters des Vaterlandes, Wilhelm

von Oranien. Hier in Apeldoorn war die Verwobenheit

zwischen Gott, Niederlande und Oranien

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am Sonntag sichtbar, wenn Königin Wilhelmina,

und später auch die heutige königliche Familie,

durch eine eigene Eingangstür die Große Kirche

betrat, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Zusammen

mit dem Hofstaat, saß man in der Königinnenbank,

auch bekannt als Hofbank oder

Wilhelminabank. Wie die meisten Protestanten in

den Niederlanden legten die Oranier das öffentliche

Glaubensbekenntnis ab, wohnten Orgelkonzerten

bei, heirateten, gingen zu Begräbnissen und

ließen ihre Kinder taufen. Die Ausstellung zeigt

Objekte die vom Glaubensleben der Mitglieder

des Hauses Oranien zeugen. Somit ist diese Ausstellung

eine Hommage an die Oranier und eine

Hommage an Apeldoorn, jener Stadt, mit der die

Oranier historisch verbunden sind.

Drs. J.C.G.M. (John) Berends

Bürgermeister der Stadt Apeldoorn


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

I Wissenschaftliche Beiträge

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Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

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Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Einführung

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Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

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Ein Büchlein geht durch die Welt:

Von Heidelberg über Emden

Emden gehört zu den wichtigsten Quellen und zu

den effektivsten Kanälen des Heidelbergers. Der

Emder Katechismus, an dem Johannes a Lasco so großen

Anteil hatte, ist die Quelle und Emden als Buchdruckerstadt

der Kanal, über den dieses Werk weltweit verbreitet wurde.

Es ist vielleicht etwas gewagt laut zu sagen, dass es ohne

Emden keinen Heidelberger gegeben hätte, aber sicher ist,

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Herman J. Selderhuis

dass Emden und der Heidelberger zusammen gehören. Die

Sorge, die der lutherische Theologe Tilemann Heshusius

bereits im 16. Jh. um den Heidelberger Katechismus hatte,

bestand völlig zu Recht. Er fürchtete nämlich den Einfluss,

den dieser Katechismus auf junge Leute haben könnte, in

dem Sinne, dass dieses Werk ihre Gedanken, Überzeugungen

und ihren Lebensstil möglicherweise stark beeinflussen

könnte. Er sollte Recht behalten, und damit ist auch klar

geworden, dass seine Warnungen gegen die Verwendung

des Heidelbergers nicht geholfen haben. Beinahe 450 Jahre

später werden weltweit Kinder und Jugendliche vertraut

gemacht mit diesem Buch aus Heidelberg, das in vielen Fällen

über Emden zu ihnen kam. Die Frage ist dann natürlich

wie es kommt, dass dieser Katechismus so erfolgreich war

und ist. Schließlich wimmelte es im 16. Jh. von großen und

kleinen katechetischen Werken, und warum hat es nun gerade

dieser aus Heidelberg zu weltweitem und bleibendem

Ruhm gebracht, sodass er heute für Dutzende von Millionen

reformierter Christen, als richtungweisendes Basisdokument

zählt?

Verbreitung

Die erste Ausgabe des Katechismus erschien im Januar

1563 in Heidelberg. Das genaue Datum ist nicht bekannt,

aber das Vorwort von Friedrich III. ist auf den 19. Januar datiert.

Schon bald wurde ein zweiter Druck herausgegeben

in dem – auf Geheiß des Kurfürsten und auf Anregung von

Caspar Olevianus – ein Paar Wörter hinzugefügt wurden,

die den Katechismus bei manchen weniger beliebt, aber

auf jeden Fall bei allen bekannter machen sollten, nämlich

die Anmerkung, dass die Messe Götzendienst sei. 1 Die bald

19 Wissenschaftliche Beiträge

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Der Heidelberger

Katechismus ruft auf

zu einem aktiven und

verantwortungsbewussten

Christenleben.

Dazu gehört es auch

Nächstenliebe zu zeigen.

Auf diesem Gemälde wird

Sophia Hedwig, Herzogin

von Braunschweig­

Wolffenbüttel und

Ehefrau von Ernst Casimir

von Nassau­Dietz, als

Caritas dargestellt, der

Personifikation der

Nächstenliebe. Paulus

Moreelse, Öl auf Leinen,

140 x 122 cm, 1621.

Paleis Het Loo Nationaal

Museum, Apeldoorn, RL451.

Foto: T. Haartsen.

Titelblatt des lateinischen

Heidelberger

Katechismus, Johann

Mayer, Heidelberg 1563.

Johannes a Lasco Bibliothek,

Emden. Inv. Nr. Theol. 8° 0513 H.


Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Blick von der Insel Nesserland auf Emden, 1698. Gemälde von Ludolf

Bakhuyzen (1630–1708). Öl auf Leinwand, 64,4 x 93 cm.

Johannes a Lasco Bibliothek, Emden, im Eigentum: Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung.

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darauf folgende dritte Ausgabe legte dann aus, warum das

von der Messe gesagt werden müsse und spitzte das Urteil

über die Messe noch weiter zu, indem behauptet wurde,

dass sie sogar eine vermaledeite Abgötterei sei. Übrigens

gibt es eine Übersetzung von 1566 – es ist nur eine einzige

und seither gab es so eine auch nicht wieder – die jedes

Missverständnis vermeiden will und darum gleich zweimal

von „abgöttisch“ spricht und somit noch weiter geht als die

Formulierung im Auftrag des Kurfürsten:

Ende also is de Misse in den grondt anders niet, dan en Afgodische

verloocheninghe des eenighen offers ende lydens Jesu

Christi, ende een vervloecte Afgoderie. 2

(Und so ist die Messe im Grunde sonst nichts, als eine abgöt-


tische Verleugnung des einzigen Opfers und Leidens Jesu

Christi, und eine verfluchte Abgötterei.)

Nach diesen ersten Ausgaben von 1563 in Heidelberg

folgten viele weitere, die an verschiedenen Orten in, aber

auch außerhalb Deutschlands gedruckt wurden. Auffallender

als die deutsche sind die lateinische Ausgabe, die

griechische und die latein-griechische Ausgaben. Die lateinischen

Übersetzungen, von denen die erste bereits 1563

erschien, sollten natürlich die akademische Welt erreichen,

während die griechischen Versionen einerseits im Rahmen

des Kontaktes mit der griechisch-orthodoxen Welt verwendet

werden sollten, vor allem aber, und das galt besonders

für die lateinisch-griechischen Versionen, um Studenten in

diesen Sprachen zu unterrichten und sie gleichzeitig mit der

reformierten Lehre vertraut zu machen.

Die meisten Ausgaben des Heidelbergers im 16. Jh. sind

aber in niederländischer Sprache. Die erste niederländische

Übersetzung erschien bereits 1563 in Emden bei Gillis van

der Erven, der 1553 mit den niederländischen Flüchtlingen

aus London nach Emden gekommen war, und die einen großen

Beitrag dazu leisteten, dass Emden seinerzeit das Zentrum

der reformierten Buchproduktion wurde. Die Übersetzung

war dazu gedacht, den Verfolgten in den Niederlanden

und den geflüchteten Niederländern in Deutschland zu

helfen. 1566 erschienen in Emden bei zwei verschiedenen

Buchdruckern zwei weitere niederländische Ausgaben.

Bis 1600 kamen insgesamt 22 niederländischsprachige

Drucke auf den Markt, die von Buchdruckern in Amsterdam,

Antwerpen, Delft, Deventer, Harderwijk, Rotterdam und

Utrecht herausgegeben wurden. Er gab also einen Markt

für dieses Werk. Dass auch die erste französische Übersetzung

bei niederländischen Druckern erschien, hing damit

zusammen, dass viele französische reformierte Flüchtlinge

in den Niederlanden anwesend waren. Die Bücher wurden

von Hausierern und Buchkrämern verbreitet, u.a. an Marktständen

und auf öffentlichen Versammlungen. So liest man

in einem katholischen Bericht über eine Hagenpredigt, die

im Juli 1566 vor Gent gehalten wurde:

Daer waeren ook verscheyde Boek-Kraemen voorzien van

Psalm-Boekskens en andere volgens de Ketterye van Calvijn,

gelyk als den Heydelbergschen Catechismus, den welken Petrus

Dathenus overgezet hadde in ’t Vlaemsch. 3

(Dort waren auch verschiedene Buch-Stände mit Psalm-Büchlein

und anderen nach den Ketzereien des Calvins, wie etwa der

Heidelberger Katechismus, den welchen Petrus Dathenus übersetzt

hatte in’s Flämische.)

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Die erste englische Ausgabe von 1572 markierte den Beginn

einer langen Reihe von Publikationen in jenem Sprachgebiet.

Zusammen mit der Confessio Helvetica Posterior war

der Heidelberger im 16. Jh. die am stärksten verbreitete reformierte

Bekenntnisschrift, aber mehr und mehr gewann

der Katechismus aus der Pfalz die Oberhand, auch weil

dieser weniger an die Entwicklungen in einem bestimmten

Gebiet gebunden war, als das Bekenntnis aus der Schweiz

und vielleicht auch, weil Heinrich Bullinger schon beim Erscheinen

des Heidelbergers sagte, dass dies der beste Katechismus

wäre, der je erschienen sei.

Die Verbreitung des Heidelberger Katechismus und das

Verbreitungsgebiet der reformierten Kirche stimmen in

etwa überein. Die politische Situation des 16. Jh. bedeutete

für viele Reformierte ein Flüchtlingsdasein und so gelangte

der Heidelberger Katechismus auch überall hin, wo Reformierte

waren. Auch der übernationale Charakter des reformierten

Denkens, sowie der reformierten Kirchenstruktur,

kam der Verbreitung des Katechismus zugute. Ausgehend

von der Überzeugung, dass der Himmel unser Vaterland ist,

verknüpft mit den Erfahrungen vieler Reformierter, die wegen

ihrer Überzeugungen ihr Vaterland verlassen mussten,

und verknüpft mit einer kirchlichen Struktur, die die Kirche

unabhängig von Politik und Obrigkeit funktionieren lassen

konnte, entstand eine Lebenseinstellung die das Reisen, die

Migration und die Immigration förderte. Durch die reformierte

Gesinnung konnte die ganze Welt zum Vaterland

werden und die Bindung an das eigene Vaterland wurde

stark eingeschränkt. Das reformierte Wandervolk von Geusen,

Hugenotten und Nachkriegsemigranten nahm diesen

Katechismus, der ebenso ökumenisch wie international ist,

überall hin mit und lehrte und lebte daraus auch in einer

völlig neuen und anderen Umgebung.

Ein anderer Faktor, der die Verbreitung sehr förderte,

ist die Tatsache, dass der Heidelberger die verbindende Bekenntnisschrift

von Kirchen in den Ländern wurde, in denen

man sich sehr mit Handel und Kolonisation beschäftigte. So

gab es bereits vor 1619 eine Ausgabe in malaiischer Sprache

im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Vereinigten

Ostindien-Kompanie im damaligen Niederländisch-Indien,

gedacht für den Unterricht der dortigen Bevölkerung.

Dass der Heidelberger Katechismus sich derart durchsetzte

und auch inhaltlich so bekannt wurde, hat damit zu

tun, dass das Buch kaum isoliert, sondern fast immer im

Kontext des kirchlichen Gebrauchs herausgegeben wurde.

So enthielt bereits der zweite Druck 22 Foliobögen mit Gebeten

für den häuslichen und kirchlichen Gebrauch. Und

die vierte Edition wurde im Herbst 1563 bereits in den Kon-

21 Wissenschaftliche Beiträge

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Die Stadt Emden bot

im 16. Jh. vielen

Flüchtlingen einen

gastfreien Zufluchtsort.

Karte von Emden aus Civitates

orbis terrarum, Georg Braun und

Frans Hogenberg, 1574.

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

text der Bestimmungen der Kirchenordnung gestellt, da

die Kenntnis der Lehre als ein Mittel angesehen wurde, die

Kirche gesund und ordentlich zu halten. Natürlich waren

kirchliche Beschlüsse stimulierend, die den Heidelberger

zur verbindlichen Bekenntnisschrift machten und die vorschrieben,

dass jeden Sonntag daraus gepredigt werden

müsse. Was aber damit zusammen hing und sich als Konsequenz

daraus ergab, war ein noch entscheidenderer Faktor,

nämlich dass dieser Katechismus zu einem Teil des Gesangbuchs

wurde. 1566 besetzte der Heidelberger diese zentrale

Stelle im ersten reformierten Kirchengesangbuch und zwar

folgend auf die Psalmen in der Reimform von Datheen und

direkt vor der Liturgie. Bis ins 21. Jh. hat er in praktisch

jedem reformierten Gesangbuch diese Stelle behalten.

Der Heidelberger fungiert dabei wie ein protestantisches

Laienbrevier, in dem Bibel, Gesangbuch und Bekenntnis in

ein Buch – oder Büchlein in Taschenformat – zusammengeführt

wurden. In der Kirche, aber auch zuhause und in

der Schule wurde vielfältig und praktisch davon Gebrauch

gemacht. Auf diese Weise wurde der Heidelberger Katechismus

nicht nur formell, sondern auch inhaltlich zum am

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stärksten verbindenden Bekenntnis in der reformierten

Welt.

Es gab noch ein weiteres Ereignis, das zur Bekanntheit

und zur weit verbreiteten Verwendung des Heidelbergers

beigetragen hat. 1591 brachte der Heidelberger Theologe

David Pareus ein Buch auf den Markt, in dem er die Vorlesungen

des bereits verstorbenen Zacharias Ursinus über

den Heidelberger Katechismus zusammentrug. Dieses

Werk wurde anfänglich unter dem Titel Corpus doctrinae

Christianae ecclesiarum4 veröffentlicht. Es sollte sich als

erfolgreiches Werk herausstellen und neben den 13 Ausgaben,

die zwischen 1591 und 1663 in lateinischer Sprache

erschienen, kamen in denselben Jahren mindestens

22 englische Übersetzungen unter dem Titel The Summe of

Christian Religion auf den Markt. Treffend ist allerdings der

Titel der niederländischen Ausgabe, von der zwischen 1606

und 1657 neun erschienen. Dort heißt das Werk Het Schat-

Boeck der verklaringhen over de catechismus der christelicke

religie die in de Gereformeerde Kercken ende scholen van

Hoogh- en Neder-Duytslandt gheleert wordt5 (Das Schatz-

Buch der Erklärungen über den Katechismus der christlichen


Religion, der in den Reformierten Kirchen und Schulen von

Hoch- und Niederdeutschland gelehrt wird).

Dieses Schatzbuch unterstützte viele Prediger bei der

Auslegung des Katechismus in der Predigt und in der Katechese

und auch auf diese Weise verbreitete sich das Gedankengut

Heidelbergs. Da das Werk in vielen Übersetzungen

erschien und als die Richtschnur schlechthin galt, hat auch

dieses Werk dazu beigetragen, dass eine gewisse internationale

reformierte Uniformität in der Auslegung, aber auch

in der Wirkung des Katechismus entstand. Ferner ist dieses

Schatzbuch die Mutter einer endlosen Reihe von Katechismusauslegungen

und Sammelbänden mit Katechismuspredigten,

die bis heute weitergeführt wird und die jeweils die

theologischen und kirchlichen Entwicklungen und Diskussionen

ihrer Zeit widerspiegeln.

Was die Katechismuspredigt selbst angeht, verlief diese

eigentlich überall auf dieselbe Art und Weise und die wird

z.B. im Handt-Boeck des waren Gelovens (Handbuch des waren

Glaubens) formuliert, welches der Emder Prediger Daniel

Bernhardus Eylshemius 1610 herausgab. Es erzählt, dass

[…] alle Sondage im anfanck der Catechismi Predige de Hövetstucke

des Catechismi, welcke sint: De Tein Gebode, de Artickelen

des Gelovens, de Insettinge der Döpe vnde des Aventmals,

de Insettinge der Kerckentucht vnde dat Vader vnse, so

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

alse se im Catechismo stahn, van dem Predigstoel düdtlick vnde

verstentlick werden affgelesen. Up dat beyde, Olden vnde Jungen,

desulvige vaste leren vnde beholden, vnde eren Kindern

van Junck vp inbilden mogen. Dar nha werden de Schulkinder

ordentlick vpgeropen, dat se de Fragen, so vele yp eynem ydern

Sondage verordent sint, ypseggen, welcke de Prediger eine nha

der andern kortlick verklaret. 6

([…] alle Sonntage zu Anfang der Katechismuspredigt die Kapitel

des Katechismus, welche sind: Die Zehn Gebote, die Artikel

des Glaubens, die Einsetzung der Taufe und des Abendmahls,

die Einsetzung der Kirchenzucht und das Vater Unser, so, wie

sie im Katechismus stehen, von der Kanzel deutlich und verständlich

gelesen wurden. Auf dass beide, Alte wie Junge, selbiges

tüchtig lernen und behalten, und ihren Kindern von Jugend

an einprägen mögen. Danach wurden die Schulkinder ordentlich

[nacheinander] aufgerufen, dass sie die Fragen, so viele wie

einem jeden Sonntag verordnet sind, aufsagen, welche der Prediger

eine nach der anderen kurz auslegt.)

Das Interesse an diesen Nachmittagspredigten war allerdings

nicht immer groß. Es wird seinen Grund gehabt

haben in der Bentheimer Kirchenordnung 1708 festzulegen,

dass der Katechismusunterricht sonntagnachmittags stattfinden

müsse, auch wenn nur die Familie des Pfarrers in der

Kirche sitzt. Auch aus vielen anderen Quellen geht hervor,

23 Wissenschaftliche Beiträge

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Niederländische Ausgabe

des Corpus doctrinae

Christianae ecclesiarum,

das sog. Schat-Boeck

des Zacharias Ursinus’,

Amsterdam 1650, mit

Abbildung von Ursinus.

Johannes a Lasco Bibliothek,

Emden, Signatur: Theol. 4 o 5089.


Heidelberg vom

Nordosten. Gemälde

von Gerrit Berckheyde

(1638–1698), ca. 1670,

Öl auf Leinwand,

64,5 x 101,5 cm.

Aus der Sammlung des

Kurpfälzischen Museums der Stadt

Heidelberg. Inv. Nr. G 120.

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

dass die Katechismus-Gottesdienste am Sonntagnachmittag

fakultativ und wahrscheinlich auch deshalb mäßig und

unregelmäßig besucht wurden. Allerdings war für Lehrer

Anwesendheit Pflicht, denn sie waren Katecheten par excellence.

Sie unterrichteten in der Schule nicht nur ihre Schüler

im Heidelberger Katechismus, auch für den übrigen Unterricht

und die Formung der Kinder mussten sie sich in der

reformierten Lehre gut auskennen. Um die Verwendung

und die Kenntnis des Katechismus zu stimulieren, wurde

das Werk auch in Form von Gedichten und Liedern angeboten.

Ein Beispiel hierfür ist der Rym-Catechismus dat is de

christelycke Catechismus…gedichts ende gesangswyse ingestelt

(Reim-Katechismus das ist der christliche Katechismus…

in Gedicht- und Liedform), ein Produkt von S. Ampsink aus

1624, oder eine deutsche Variante: Die Haupt-Summ der

wahren Christlichen Religion, bestehend in LII Liedern: nach

Ordnung der Sonntagen der Heydelbergischen Catechismi

abgefasset und auf auserlesene Melodyen der Lobwasserischen

Psalmen gerichtet (1776).

Wie gesagt haben die Verbreitung und Bekanntheit

des Heidelbergers auch mit den Beschlüssen zu tun, dieses

Werk als Bekenntnisschrift anzunehmen und zu unter-

24

richten. Das Interesse verstärkte sich beispielsweise als die

Ausgabe, die 1591 in Edinburgh erschien auf der Titelseite

meldete: „Authorized by the Kinges Maiestie, for the use of

Scotland“ (Zugelassen von seiner Majestät dem König, für

die Verwendung in Schottland).

Oder auch als die Synode von Debrezen 1567 beschloss,

dass dies das Buch ist, das in Ungarn in der Kirche, zuhause

und in der Schule verwendet werden sollte, gilt das als ein

Beispiel wie das Buch in der reformierten Kirchen zu einer

solchen Verbreitung und zu so großem Einfluss kam.

Wenn aber die Frage aufkommt, warum nun gerade dieser

Katechismus anders als die vielen anderen so schnell, so

weithin und so dauerhaft bekannt und verwendet wurde,

müssen wir doch auf den Inhalt dieses Buches eingehen.

Inhalt

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Anna Maria van Schurman (1607–1687) – die erste Frau,

die an der Universität Utrecht Vorlesungen besuchte – berichtet,

dass, als sie als vierjähriges Mädchen zusammen

mit einer Dienstmagd der Familie irgendwo in einem Feld


Blumen pflückte, das Dienstmädchen sie bat Frage und

Antwort 1 des Heidelberger Katechismus aufzusagen. Beim

aussprechen der Worte „dass ich nicht mein, sondern meines

getreuen Heilands Jesu Christi Eigen bin“, wurde sie

so froh über diese Worte und so erfüllt von der Liebe für

Christus, dass dieses Ereignis und dieses Gefühl ihr in all

ihren Lebensjahren stets in Erinnerung geblieben ist. 7 Die

Erfahrung der Anna Maria Schurman ist nach dem Zeugnis

von Liebhabern des Heidelbergers in aller Welt, nicht

einzigartig und viele erkennen sich darin wieder. Sonntag

1 gehört dann auch zusammen mit Sonntag 7, in dem der

Glaube als eine sichere Erkenntnis und ein festes Vertrauen

beschrieben werden, zu den bekanntesten und beliebtesten

Teilen dieses Lehrbuchs. Was Anna Maria beschreibt ist

freilich auch genau das, was Friedrich III. erreichen wollte.

Laut dem Vorwort wollte der Kurfürst mit diesem Katechismus

sowohl das zeitliche, als das ewige Leben seiner

Untertanen positiv beeinflussen. Dieser Katechismus sollte

sie lehren, was das Leben in der Furcht des Herrn bedeutet,

aber er sollte auch zur Förderung eines gelassenen und sozialen

Lebens dienen. Es war seine Überzeugung, dass eine

Gesellschaft gut damit fährt, wenn sie sich an den Katechismus

hält.

Dabei griff Friedrichs Zielsetzung weiter, als nur die

Katechese an Kindern, denn er wollte ihn auch zu einer

Anleitung zur Predigt werden lassen, sodass die ganze Gemeinde

damit erreicht würde. Außerdem sah er den Katechismus

als Mittel zur konfessionellen Einheit. Letzteres

könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass er nirgendwo

auf Namen von Theologen verweist. Weder Luther, Calvin

noch Melanch thon werden genannt, auch Zwingli oder

Bullinger nicht. Friedrich spricht nur kurz und bündig über

die christliche Lehre. Dass passt zu den Resultaten einer

Studie zu den Quellen des Katechismus. Angesichts dessen,

dass die meisten Unterlagen der Kommission verloren sind,

müssen sich Wissenschaftler nun selbst auf die Suche machen

nach den Quellen, aus denen die Kommissionsmitglieder

ihr Material bezogen. Es ist klar geworden, dass sie – so

wie Olevianus selbst in einem Brief vom 4. April 1563 sagt –

aus verschiedenen Quellen schöpften. Zu Recht ist vom „original

tapestry marvelously woven“ 8 die Rede. Unter diesen

Quellen ist der so genannte kleine Emder Katechismus, der

1554 von Johannes a Lasco erstellt wurde, eine der wichtigsten.

In mindestens 35 der 129 Fragen und Antworten sind

die Übereinstimmungen zwischen a Lascos Werk und dem

Heidelberger so groß, dass ein direkter Einfluss evident ist. 9

Von Interesse ist dabei auch, dass der Einfluss namentlich

bei den essentiellen Fragen über Trost, Glaube und Versöh-

Macht des Glaubens – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

nung zu spüren ist. Die impliziten Verweise im Heidelberger

auf die Erwählung – der keine Frage speziell geweiht ist –

gehen auch auf das zurück, was a Lasco darüber in seinem

Katechismus formulierte. Möglicherweise war auch das große

Maß an Gemeinsamkeiten zwischen Emder Katechismus

und dem von Heidelberg ein Grund dafür, dass in Ostfriesland

bis ins 18. Jh. nicht der Heidelberger, sondern wohlgemerkt

der Emder Katechismus verwendet wurde.

Die wichtigste Quelle war allerdings die Bibel. In der ersten

Ausgabe, in der die Fragen und Antworten noch nicht

nummeriert waren, stehen am Seitenrand Verweise auf Kapitel

in der Bibel, aber die Ausgabe, die 1576 in Heidelberg bei

Johann Mayer erschien, enthielt nicht nur durchnummerierte

Fragen und Antworten, sondern vor allem auch ausführliche

Nennungen von Bibelstellen zu jeder der Antworten.

Diese expliziten Verweise haben die Verwendung gefördert,

da auf diese Weise Bibel und Bekenntnis in Predigt und Katechese

stets miteinander verbunden werden konnten.

Einfluss des Heidelbergers auf die

reformierte Spiritualität

Wenn wir auf einige einflussreiche Themen eingehen

sollen, ist mit dem auffälligsten und möglicherweise attraktivsten

Teil zu beginnen, und das war und ist die Eröffnung

des Katechismus. Anders als in lutherischen Katechismi, in

denen der Mensch zumeist als getauftes Kirchenglied angesprochen

wird und der Katechismus von Calvin, der sich

dem Menschen als Geschöpf Gottes nähert, beginnt der

Heidelberger mit dem Menschen als Eigentum. Nicht nur

als ein Geschöpf, nicht nur als ein Teil des Ganzen, das Kirche

heißt, sondern als Individuum, das auf existentielle und

untrennbare Weise eine lebende Beziehung zu Christus hat.

Dieser Ansatz ist typisch für den persönlichen und praktischen

Charakter dieses Katechismus. Die Grundstruktur

der Ich-Bezogenheit macht den Katechismus attraktiv und

im Grunde zeitlos modern. Fortwährend wird die Frage

nach dem Nutzen der heilsgeschichtlichen Taten Gottes

gestellt. Dabei steht der Trost nicht der Trauer gegenüber,

sondern es ist der Halt gegenüber dem Urteil Gottes. Das

Gesetz erdrückt, das Evangelium dagegen trägt, ein Ansatz,

den wir auch bei Luther und Calvin finden.

Woher erkennst du dein Elend? Aus dem Gesetz Gottes.

Es geht in dieser Antwort zu Frage 3 nur um vier Worte,

aber diese vier Worte haben den Platz des Gesetzes, und

dann namentlich der Zehn Gebote, in der reformierten

Tradition derart bestimmt, dass das Gewissen und das Be-

25 Wissenschaftliche Beiträge

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