Heft 2/2008 - Pro Tier

protier

Heft 2/2008 - Pro Tier

PRO

2/2008

SCHWEIZERISCHE GESELLSCHAFT FÜR TIERSCHUTZ

• Mehr Bewegung für Haustiere

Tierqual für Chinas Küchen


Impressum Inhalt

Wir geben Tieren ein Zuhause – Stallikon Katzen 4

2

Zeitschrift der Schweizerischen

Gesellschaft für Tierschutz / ProTier,

Zürich

Nr. 2, Juni 2008

36. Jahrgang

Erscheint 4x jährlich

Abonnement

Mitglieder erhalten die Zeitschrift

kostenlos

Jahresbeitrag CHF 30.–

Jugendmitglieder (bis 18 Jahre) CHF 20.–

Einzelnummer CHF 6.–

Jahresabonnement CHF 20.–

Redaktion :

Rita H. Dubois (rd)

Ständige Mitarbeiterinnen :

Nathalie Dubois (nd)

Ananda Kunz (ak)

Hanna Barbara (Korrektorat)

Mitarbeiterin dieser Ausgabe :

Helen Weiss (hw)

Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der

Weiterverwendung der Artikel und Bilder

nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung

der Redaktion.

Die Beiträge decken sich nicht unbedingt

mit der Meinung der Redaktion und des

Vorstandes.

Titelbild : Hauskatze

Foto : © Alfa Kartos

Layout : Urs Widmer

provista – concept, prepress, publishing,

design, 4123 Allschwil. info@provista.ch

Druck : Staffel Druck AG, 8045 Zürich

SCHWEIZERISCHE

GESELLSCHAFT

FÜR TIERSCHUTZ

Alfred Escher-Strasse 76

CH-8002 Zürich

Telefon : 044 201 25 03

Telefax : 044 201 26 23

Postcheck : 80-37221-2

E-Mail : tierschutz@protier.ch

URL : www.protier.ch

Pfundige Vierbeiner – Mehr Bewegung für Haustiere 6

Nager und Kaninchen sind keine Schmusetiere 10

Raubtier-Update – Proteste und Kritik nach Bären-Abschuss 12

Neues von Svoboda Zvírat 14

Chinas Schattenseiten – Freunde ? Oder Frass ? Das Tierleid in China 16

Neue Tierschutzverordnung – Verordnung mit Lücken und Tücken 19

Naturnahe Gärten : Der tierfreundliche Naturgarten im Sommer 21

Hochschulen ziehen ans Bundesgericht 25

Tierschutz – Drama Katzenjagd 26

Grosse Beutegreifer – Der Steinadler hat die Schweiz zurückerobert 28

Agro-Biodiversität : Die Stiefelgeiss 31

Kurznachrichten 33

Patenschaften : Werden Sie Patin / Pate eines Findeltieres ! 37

Projekte und Kampagnen 38

CD Bestellungen 39

Mitgliedschaft : Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz / ProTier 40

Mehr Bewegung für Haustiere

Das Tierleid in China

6

16

Raubtier-Update

Naturnahe Gärten

Steinadler in der Schweiz

12

21

28

ProTier 2/08


Liebe Tierfreunde

Viel Tierleid habe ich gesehen

und mich hilflos und elend

gefühlt, wenn ich den Tieren

nicht helfen konnte. Auf einer

Pelztierfarm in verängstigte Augen

zu schauen, oder auf einem Fohlenmarkt

zu erleben, wie die Jungtiere

brutal von ihren Müttern getrennt

und in Camions verfrachtet werden.

Bilder, die mich nie mehr vergessen

kann. In meiner bald 20jährigen

Tierschutzarbeit hat sich viel Trauriges

in meine Seele eingegraben.

Gewöhnung ? Im Gegenteil. Je mehr

solcher Erfahrungen, desto schwerer

zu ertragen.

Wenn Tiere erkranken, mit denen

wir zusammenleben, die wir lieben

und pflegen, leiden wir unweigerlich

mit. Immerhin können wir ihnen

helfen. Gross war mein Schrecken,

als ich vor ein paar Wochen abends

heimkehrte und meine Katzen nicht

an der Türe auf mich wartete. Als ich

sie in der Wohnung fand, sprachen

Angst und Entsetzen aus ihren Augen,

mühsam zog sie sich mit ihren

Vorderbeinen über den Fussboden,

ihre Hinterbeine und den Schwanz

konnte sie nicht mehr bewegen. Der

Tierarzt konnte vorerst mit einer

Spritze ihre Schmerzen lindern. Eine

schlimme Nacht verbrachten Melissa

und ich. Unaufhörlich versuchte

sie, sich durch die Wohnung zu

schleppen, und mich plagte furchtbare

Angst, dass sie eingeschläfert

werden müsse. Am Tag darauf

Neue Serie « Naturnahe

Gärten » auf Seite 21

ProTier 2/08

Editorial

ergaben genaue Untersuchungen,

dass zwei Bandscheiben « geschossen

» waren. Nach einer Woche Aufenthalt

in einer Spezialklink durfte

ich Melissa wieder nach Hause holen.

Sie stand wieder auf allen vier

Beinen und konnte wieder laufen,

allerdings noch mühevoll. Doch sie

gab nicht auf. Schliesslich blickte sie

mich stolz an, als es ihr gelang, auf

einen Stuhl zu springen. Es war

schön, die täglichen Fortschritte mit

zu erleben. Ihr Lebenswille ist beeindruckend,

und ich bin dankbar,

dass sie wieder (fast) ganz die Alte

ist. Sie ist für mich ein Beispiel sich

nicht unterkriegen zu lassen.

Konkret helfen können wir all

jenen Tieren, die bei ProTier, aus

den verschiedensten Gründen, abgegeben

werden. Wenn es auch

schwerlich nachvollziehbar ist, dass

jemand sein altes Tier ins Tierheim

abschiebt, können wir doch dafür

sorgen, dass es bei uns einen

schönen Lebensabend verbringt.

Den Tieren, die aus den verschiedensten

Gründen zu uns kommen,

Foto : Martin Siegenthaler

zu helfen, entschädigt uns für all

jene Tierschutzprobleme, die wir

nicht direkt zu lösen vermögen, wo

wir nur durch Aufklärungsarbeit

und Proteste zu einem folgenstarken

Umdenken beitragen können.

Wichtig : Sich nicht unterkriegen

lassen, wenngleich der Kampf oft

– wie etwa bei den Tierversuchen

– aussichtslos erscheint. Dran bleiben

und sich weiterhin mit Ausdauer

und Mut einsetzen gegen unhaltbare

Zustände. Möge das Bundesgericht

die Forscher der ETH Zürich

(s. S. 25) abblitzen lassen und die

mehr als fragwürdigen Versuche an

Primaten nicht bewilligen.

Ich wünsche Ihnen allen

eine schöne Sommerzeit !

Rita Dubois

Geschäftsführerin

Für mehr Informationen über unsere Tätigkeit besuchen

Sie uns bitte im Internet unter www.protier.ch

3


Jango, 5-jährig. Die Geburt

eines Kindes und ein damit

verbundener Wohnungswechsel

waren der Grund,

dass Jango ins Tierheim

musste. Dort hat er schnell

einen guten Freund gefunden,

den Rüden Robin.

Nun wurde Robin platziert

und Jango vermisst ihn

sehr und wird immer unglücklicher.

Es wäre daher

dringend nötig, dass er

ein neues Zuhause findet,

wo er Ablenkung und vor

allem viel Aufmerksamkeit

bekommt. Jango ist unkompliziert,

folgsam und

sehr bewegungsfreudig.

Ein Platz bei aktiven Menschen

oder in einer Familie

wäre für ihn ideal.

4

Glückspilze

Wir geben Tieren

Foto : J. Freiburghaus

Einsam

Ginny und Saraya (ehemals Ragusa). Ginny wurde eigentlich

zusammen mit Saphira platziert. Leider starb Saphira

kurz darauf an FIP. Durch diesen traurigen Umstand hat

nun aber Saraya die Chance auf ein Zuhause bekommen.

Die beiden Katzendamen haben sich gut eingelebt und sich

auch schnell miteinander angefreundet. Saraya lässt sich

gerne ihr langes, schwarzes Fell bürsten und will immer

gestreichelt werden. Die beiden machen ihrer Besitzerin

sehr viel Freude.

Unser Spendenkonto

PC : 80-37221-2

Vermerk :

Katzen Stallikon

Schweizerische Gesellschaft

für Tierschutz

Alfred Escher-Strasse 76,

CH-8002 Zürich

Foto : Nathalie Dubois

ProTier 2/08


ein Zuhause

Foto : © Alfa Kartos

Katzen in Stallikon

Vor knapp einem Jahr stiessen wir auf ein grosses

Katzenelend auf einem unbewohnten Bauernhof in

Stallikon. Rund 40 Katzen jeden Alters lebten dort ohne

Betreuung. Die meisten von ihnen waren in einem schlechten

Zustand. In der Scheune stiessen wir auf Kadaver und

mumifizierte Tiere. In einer mehrtägigen Fangaktion gelang

es alle Tiere einzufangen und sie, nach einer ersten

tierärztlichen Versorgung, ins Tierheim zu bringen.

Die ungeplante Aufnahme von so vielen Tieren hat unsere

Finanzen ganz arg strapaziert. Bis Ende 2007 waren es rund

50 000 Franken. Entgegen ersten mündlichen Zusagen der

Gemeinde Stallikon, sich an den Kosten zu beteiligen, teilte

man uns schriftlich via unseren Anwalt mit, dass die Gemeinde

nie eine diesbezügliche Zusage gemacht hätte. Die

ProTier 2/08

Tochter der ehemaligen Bäuerin, in deren Eigentum der

Hof nun ist, hat es nie für nötig gehalten mit uns Kontakt

aufzunehmen. Da wurden 40 Tiere einfach ihrem Schicksal

überlassen, ihr Tod wurde bewusst in Kauf genommen.

Noch immer warten einige der Katzen auf ein neues Zuhause.

Am liebsten auf dem Land, ohne direkte Strasse

in der Nähe. Schmusekatzen werden sie wohl nicht, aber

bei Menschen mit Kenntnissen im Umgang mit Katzen

können sie ein glückliches Leben führen.

Wenn Sie einer diesen Tieren ein Heim bieten wollen, melden

Sie sich bitte unter der Telefonnummer 044 201 23 36.

Sie können aber auch mit einer Spende helfen, bitte benützen

Sie den eingeheften Einzahlungsschein.

Herzlichen Dank !

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Pfundige Vierbeiner

Mehr

Bewegung

für Haustiere

6

Von Helen Weiss

Mehr als die Hälfte aller Hunde und Katzen hat zu viel

auf den Rippen. Wie bei Menschen führt Übergewicht

bei Tieren zu gesundheitlichen Problemen und senkt

damit die Lebenserwartung der Vierbeiner.

Herkules ist ein Pfundskerl. Mit seinen siebeneinhalb

Kilos macht der getigerte Kater seinem

Namen alle Ehre. Und er ist schlau : Seit er

von seiner Halterin Katrin Poldervaart auf

Diät gesetzt wurde, geht er unverfroren

auf Diebestour. « Er stiehlt das Futter der

Nachbarskatzen », erzählt die Besitzerin.

Doch auch im eigenen Heim schreckt er

vor nichts zurück und vergreift sich regelmässig

am Menü seiner beiden Katzenkollegen.

Obwohl Herkules topfit ist, wie sich

Katrin Poldervaart vom Tierarzt bestätigen

liess, hat sie Bedenken : « Ein bis zwei Kilo

weniger wären bestimmt gesünder, auch

wegen der Belastung der Gelenke. » Ihre

beiden anderen Katzen sind schlank und

rank, geniessen ihren Freilauf und gehen

regelmässig auf die Pirsch. Nicht so der

siebenjährige Herkules : Er zieht das Sofa

dem Jagdvergnügen vor und legt sich bei

schönem Wetter an die Sonne. « Herkules

ist eher der gemütliche Typ », meint Poldervaart

schmunzelnd. « Deshalb mache ich mir

wegen seinem Übergewicht auch nicht allzu

viele Sorgen. »

In den Schweizer Haushalten sind Heimtiere

wie Herkules eher die Regel als die

Ausnahme : Über die Hälfte aller Hunde

und Katzen sind übergewichtig, 15 Prozent

sind sogar adipös, also fettleibig. Gründe

für das Übergewicht sind zu energiereiches

Futter und zu wenig Bewegung. Das Tier

nimmt über das Futter mehr Kalorien auf

als es benötigt. Wie bei den Menschen wird

diese überschüssige Energie als Fettreserve

gespeichert.

ProTier 2/08


Vortreffliche Bettler

Neben übermässiger Fütterung ist oft auch

eine falsche Zusammensetzung der Ernährung

ein Grund für die überflüssigen Kilos.

Gekochte Mahlzeiten, Tischabfälle, Häppchen

und zusätzliche Imbisse machen Hunde

und Katzen rund. Darin spiegelt sich die

veränderte gesellschaftliche Stellung der

Heimtiere. Heute sind die Vierbeiner Familienmitglieder

; gönnt sich der Mensch

etwas Gutes, soll das Tier nicht zu kurz

kommen. Nicht erstaunlich also, dass die

meisten Halter dicker Tiere selbst übergewichtig

sind, wie Untersuchungen zeigen.

« Zudem kennen die Tiere zahlreiche Tricks

und wissen genau, wie sie von ihren Besitzern

mehr Futter erbetteln können », sagt

Eric Zini, Oberassistent und Diabetologe an

der Vetsuisse-Fakultät in Zürich.

Da sich das Übergewicht schleichend

entwickelt, wird es meist nicht als bedrohlich

wahrgenommen. Die Halterinnen und

Halter übergewichtiger Tiere scheinen oft

nicht zu bemerken, dass ihr Hund oder ihre

Katze zu dick ist. « Eine Studie eines Futtermittelherstellers

zeigte, dass die meisten

Besitzer das Idealgewicht ihrer Tiere falsch

einschätzen », weiss Zini. Dabei gibt es eine

einfache Faustregel : Wenn die Rippen beim

Streicheln über den Brustkorb nicht mehr

deutlich zu fühlen sind, dann ist Abspecken

angesagt. « Bei einem sportlichen kurzhaarigen

Hund dürfen die Rippen sogar sichtbar

sein », sagt Zini.

Fehlender Freilauf

Neben der falschen Ernährung können

auch Alter, Kastration, Geschlecht und genetische

Veranlagung die Entstehung von

Übergewicht begünstigen, wie Tierarzt

Tobias Vögtli feststellt. « Ältere Hunde und

Katzen ab rund sieben Jahren haben einen

geringeren Energiebedarf », erklärt der Veterinär

mit eigener Kleintierpraxis in Basel.

Werde dies bei der Fütterung nicht beachtet,

steige das Risiko einer Fettleibigkeit. Übergewicht

tritt bei kastrierten weiblichen Tieren

zudem häufiger auf, die Gründe dafür

sind jedoch unklar. Durch die Kastration

kommt es zu Veränderungen im Hormonhaushalt,

« doch es ist noch nicht schlüssig

bewiesen, dass dies das Übergewicht

begünstigt ». Einige Rassen neigen zudem

stärker zu einer Fettleibigkeit als andere.

« Beim Labrador, Golden Retriever, Cocker

Spaniel oder Beagle ist das Übergewicht

zum Teil genetisch bedingt », so Vögtli. Bei

ProTier 2/08

Quelle : www.pixelio.de

Quelle : Katrin Poldervaart

Quelle : www.pixelio.de

Das Idealgewicht

einer Hauskatze

beträgt rund 4.5

Kilos. Bei den Katzen

wird das Übergewicht

vor allem

durch die Wohnungshaltung

begünstigt.

« Herkules » :

Der siebenjährige

Kater Herkules ist

eher ein gemütlicher

Typ. Statt zu jagen,

verschläft er den Tag

lieber auf dem Sofa

oder bei schönem

Wetter an der Sonne.

Über die Hälfte aller

Hunde und Katzen

sind übergewichtig

; 15 Prozent sind

sogar adipös, also

fettleibig.

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Ältere Hunde und Katzen ab rund sieben Jahren haben einen geringeren

Energiebedarf und leiden deshalb öfter unter Übergewicht.

den Katzen sind die Fettpölsterchen

selten rassenabhängig, hier ist das

Übergewicht vor allem eine Folge

der Wohnungshaltung : Durch den

fehlenden Freilauf bewegen sich

die Tiere zu wenig und haben einen

entsprechend niedrigen Energieverbrauch.

Laut Vögtli stören sich die meisten

Halterinnen und Halter nicht

an den überschüssigen Kilos ihrer

vierbeinigen Lieblinge : « Sie finden

es zum Teil sogar lustig, eine Katze

à la ‹Garfield› zu Hause zu haben. »

Auf das Übergewicht ihrer Tiere

angesprochen, reagieren die Besitzer

oft äusserst empfindlich und

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Aktive Hunde :

Weniger Futter und ausreichende

Bewegung lassen die Pfunde bei www.pixelio.de

:

Bello und Co. purzeln. Fotos

fühlen sich persönlich angegriffen.

« Man muss sehr vorsichtig vorgehen,

wenn man zu einer Diät rät »,

weiss Vögtli aus Erfahrung. Spreche

man die Halter zu direkt an oder

mache sogar Druck, wechselten die

meisten Besitzer zu einem anderen

Tierarzt.

Idealgewicht

Bei der heutigen Rassenvielfalt ist es oft

nicht einfach, das Idealgewicht für den

Vierbeiner herauszufinden. Folgende

Tabelle zeigt das Normalgewicht einiger

Rassen, wobei die jeweilige Rasse

stellvertretend für andere Hunde oder

Katzen derselben Grösse und Statur gilt :

Hunde

Yorkshire Terrier 2.5 bis 3.5 Kilo

Zwergdackel 3.5 bis 4 Kilo

Zwergpudel bis 5.2 Kilo

Dackel 8.6 bis 9 Kilo

Deutscher Schäferhund 32 bis 34 Kilo

Golden Retriever 28 bis 35 Kilo

Katzen

Hauskatze 2.5 bis 4.5 Kilo

Perserkatze 3 bis 5 Kilo

Siamkatze 3.5 bis 5.5 Kilo

Die wenigsten Hunde und Katzen

bleiben ruhig auf einer Waage stehen.

Wenn man nicht gerade eine Deutsche

Dogge sein eigen nennt, hilft folgender

Trick : Stellen Sie sich zunächst ohne

Tier auf die Waage, dann mit dem Tier

auf dem Arm. Die Differenz der angezeigten

Kilos entspricht dann dem

Gewicht des Vierbeiners.

ProTier 2/08


Die Gelenke : Bei grossen Rassehunden,

die zu einer Hüftdysplasie

neigen, kann das Übergewicht zu

Lahmheit führen.

Erfolgserlebnis

Die Folgen von Übergewicht sind

gravierend, Krankheiten wie Diabetes

oder Gelenkprobleme wegen

Überbelastung sind keine Seltenheit.

Wie fettleibige Menschen leiden

auch Tiere wegen der übermässigen

Belastung der Gelenke oft unter

starken Schmerzen. « Bei Hunden,

die zu einer Hüftdysplasie neigen,

kann das Übergewicht zu Lahmheit

führen », sagt Eric Zini. Wer zu

viele Leckerli verfüttert, tut seinem

Tier also keinen Gefallen, sondern

verkürzt auch seine Lebenszeit :

« Zu dicke Tiere sterben im Schnitt

ein bis zwei Jahre früher als ihre

schlanken Artgenossen », so Zini.

Wie aber bringt man seinen

Schützling zum Abnehmen ? Vor

Wer zu viele Leckerli verfüttert,

tut seinem Tier keinen Gefallen.

Dicke Tiere sterben im Schnitt

ein bis zwei Jahre früher als ihre

schlanken Artgenossen.

Fotos : www.pixelio.de

Abspecken leicht gemacht

Sie beherrschen den Bettelblick perfekt und erschleichen sich damit meist ein

zusätzliches Häppchen. Hunde und Katzen auf Diät legen sich so richtig ins Zeug

– in einer solchen Situation konsequent zu bleiben, fällt vielen Heimtierhaltern

schwer. Folgende Tipps können neben der Futterreduktion beim erfolgreichen

Abspecken hilfreich sein :

• Steigern Sie die Bewegung Ihres Vierbeiners und gehen Sie mit Ihrem Hund

öfter und länger spazieren als bisher. Walken oder joggen Sie mit ihm – das

tut nicht nur Ihrem Tier gut, sondern auch Ihnen. Im Zweifelsfall fragen Sie

Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt, welches Mass an Bewegung für Ihren

Vierbeiner angebracht ist.

• Spielen Sie mit Ihrer Katze bewusst länger und intensiver. Stellen Sie Ihrer

Samtpfote den Topf mit Katzengras möglichst weit weg vom Futternapf

und die Wasserschüssel ebenfalls in eine entfernte Ecke des Reviers – dann

muss sich Ihr Zimmertiger schon mehr bewegen, um an seine Nahrung zu

kommen.

• Verstecken Sie das Futter Ihrer Katze oder Ihres Hundes in der Wohnung. Mit

der Suche muss sich Ihr Tier das Futter nicht nur mit Bewegung « verdienen »,

sondern wird auch mental gefordert.

• Teilen Sie die Futterration in drei Teile und füttern Sie Ihr Heimtier in regelmässigen

Abständen. Achten Sie dabei darauf, dass es nicht gemeinsam mit

anderen Heimtieren gefüttert wird – schon gar nicht, wenn diese nicht auf

Diät sind.

• Bleiben Sie stark, wenn Ihr Tier hungrig zu sein scheint oder Sie anbettelt.

Lenken Sie das Tier durch ein fröhliches Spiel ab oder schenken Sie ihm eine

Extraportion Streicheleinheiten oder Fellpflege.

• Wiegen Sie Ihren Vierbeiner einmal im Monat und tragen Sie das Gewicht

zur Kontrolle auf einer Tabelle ein, damit Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt beim

nächsten Besuch den Verlauf der Gewichtsreduktion kontrollieren kann.

allem Konsequenz seitens der Halter

ist gefragt, denn das Rezept ist

einfach : Viel Bewegung, geringere

Futtermengen und regelmässiges

Wägen des Tiers. « Spezielles Diätfutter

ist beim Abnehmen hilfreich,

es geht aber auch mit kleineren Rationen

von normalem Futter », sagt

Veterinär Tobias Vögtli. Gemeinsam

mit dem Tierarzt sollte ein realistisches

Zielgewicht und ein individueller

Zeitplan festgelegt werden.

« Hunde und Katzen sollten nicht

mehr als ein Prozent ihres Körpergewichts

pro Woche verlieren », rät

Vögtli. Und purzeln dann die Pfunde,

freut sich nicht nur das Tier, sondern

auch der Halter : « Es ist jeweils ein

richtiges Erfolgserlebnis, wenn die

Diät wirkt », beobachtet Vögtli.

Buchtipps :

Dicker Hund – was tun ?

Ernährungs- und Fitnessprogramm

für Hunde

von David Alderton

Kynos Verlag 2007

30.90 Franken

Katzen würden Mäuse kaufen

Schwarzbuch Tierfutter

von Hans-Ulrich Grimm

Zsolnay Verlag 2007

32.50 Franken

ProTier 2/08

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Nager und

Kaninchen sind keine

Schmusetiere

Ihre putzige Art und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten machen

Meerschweinchen und Kaninchen gerade bei Kindern zu beliebten

Heimtieren. Doch oft entspricht die Haltung in keinster Weise den

Ansprüchen und dem Charakter der Tiere.

VON HELEN WEISS

Meerschweinchen und Kaninchen

erfreuen sich

als « Kinderzimmertiere »

einer wachsenden Beliebtheit. In

vier Prozent aller Haushalte der

Schweiz leben Meerschweinchen ;

Kaninchen werden gar in sechs

Prozent aller Haushalte gehegt. Die

kleinen possierlichen Nagetiere

– wobei Kaninchen zoologisch zu

der Familie der Hasen gezählt werden

– gelten dabei fälschlicherweise

als anspruchslose Kuscheltiere, die

10

man problemlos im kleinsten Käfig

zufrieden stellen kann. Sie lassen

sich meist widerspruchslos knuddeln

und beissen nur im äussersten

Notfall. Dieser Ruf führt leider

häufig dazu, dass die Nager ganz

spontan als Mitbringsel für die Kinder

angeschafft werden. Natürlich

ist die Begeisterung anfangs riesig,

aber in der Regel ist das Tier – nicht

immer werden gleich zwei gekauft

– spätestens nach einem halben

Jahr uninteressant. Dies ist dann

der Beginn eines lebenslangen Leidenswegs

der Meerschweinchen

Foto : © Maier Robert, SUTTER

und Kaninchen, die gestresst, unterfordert

und einsam dahinvegetieren,

bis sie zur heimlichen Erleichterung

der Besitzer endlich sterben.

Anderen Nagern wie Rennmäusen,

Hamstern und Ratten ergeht es

meist nicht besser. « Nager und

Kaninchen sind keine Streicheltiere

», betont Eva Waiblinger vom

« Schweizer Tierschutz » STS. « Sie

leiden unter massivem Stress, wenn

sie hochgehoben, herumgetragen

und gestreichelt werden. » Laut der

Zoologin haben Untersuchungen

gezeigt, dass Hamster nach einer

Streicheleinheit rund zwei Stunden

brauchen, um sich wieder zu

beruhigen. Denn das Verhalten der

Nager und Kaninchen während der

Schmusestunde wird oft ganz falsch

interpretiert : Die Tier verharren nicht

etwa aus lauter Genuss ganz ruhig

auf dem Schoss, sondern vielmehr

aus Angst. Das Hochheben bedeutet

für die Tiere jedoch nicht nur Stress,

sondern ist auch lebensgefährlich :

« Meerschweinchen etwa haben einen

sehr empfindlichen Knochenbau

und ein Hamster ist meist sofort

tot, wenn er zu Boden fällt », erklärt

Waiblinger.

Gefährliche Rangkämpfe

Zwar zeichnen sich Nager und

Kaninchen nicht als Streicheltiere

aus, interessante Heimtiere sind

sie trotzdem. Die ausgeprägten sozialen

Beziehungen in der Gruppe

sind spannend zu beobachten und

geben Aufschluss über das natürliche

Verhalten der Tiere. Deshalb

sollten Nager und Kaninchen – mit

Ausnahme der einzelgängerischen

Goldhamster – immer in Gruppen,

mindestens aber paarweise gehal-

ProTier 2/08


ten werden. Damit der Käfig nicht

in kürzester Zeit überbevölkert

ist, muss man sich für gleichgeschlechtliche

Gruppen entscheiden

oder aber die Böcke kastrieren

lassen. Die Zusammenstellung der

Gruppe gestaltet sich oft schwierig.

Auch hier ist Beobachtungsgabe gefragt,

denn die Tiere können sich bei

Rangkämpfen gegenseitig ernsthaft

verletzen, da im Käfig keine Fluchtmöglichkeiten

bestehen. Und wer

der Einfachheit halber zu seinem

Meerschweinchen ein Kaninchen

als Partner gesellt, macht beiden

keine Freude. « Das ist ungefähr

dasselbe, wie wenn wir unser Leben

mit einem Schimpansen verbringen

müssten », erklärt Waiblinger.

Die beliebten Heimtiere sind

nicht nur wegen ihres ausgeprägten

Sozialverhaltens anspruchsvoll,

sondern auch punkto Platzbedarf.

Zwei Meerschweinchen brauchen

mindestens zwei Quadratmeter

Fläche, um sich artgerecht auszuto-

ProTier 2/08

Sensible Ratten

ben. Zudem sitzen Kaninchen gerne

erhöht, während Meerschweinchen

genügend Verstecke und Deckungsstrukturen

benötigen. Der Käfig sollte

möglichst abwechslungsreich gestaltet

werden, ebenso wie das Futterangebot.

Damit die Zähne nicht

zu lang werden, brauchen die Tiere

regelmässig Birken-, Buchen- oder

Haselzweige zum Nagen. Der ideale

Menüplan sieht zudem immer ausreichend

Heu, mittags Grünfutter

und abends Körner vor.

Aussenhaltung

Hamster und Rennmäuse stellen

zwar flächenmässig nicht so hohe

Ansprüche, sind jedoch auf eine

rund 40 Zentimeter tiefe Einstreu

aus Hobelspänen, Heu und Stroh

angewiesen, um sich ein eigenes

Höhlensystem graben zu können.

« Deshalb empfiehlt sich zur Haltung

von Rennmäusen und Hamstern

ein Glasterrarium statt eines

Im Gegensatz zu Nagern und Kaninchen lassen sich Ratten gut zähmen und

entwickeln bei guter Behandlung, ähnlich wie Hunde oder Katzen, eine intensive

Beziehung zu « ihren » Menschen. Da Ratten hochsoziale Tiere sind, müssen sie

jedoch unbedingt im Rudel gehalten werden, sonst verkümmern sie. « Ratten

eignen sich nicht hervorragend als Heimtiere, denn sie brauchen eine intensive

Pflege », erklärt Ursula Glatz, Präsidentin des « Clubs für Rattenfreunde

Schweiz » www.rattenclub.ch, einer Sektion des STS. Ist die Beziehung zu den

Tieren genügend gefestigt, können sie in der Wohnung sogar Freilauf geniessen,

dies jedoch nur unter Aufsicht. Als ideales Gehege empfiehlt der « Club

für Rattenfreunde Schweiz » für die Kletterkünstler einen umgebauten Schrank

mit verschiedenen Etagen und mindestens einem Quadratmeter Lauffläche. Da

Ratten einen grossen Bewegungsdrang haben, sollte das Domizil über vielfältige

Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten, eine mit Hanfeinstreu gefüllte Buddelkiste

sowie Nistmaterial verfügen. Auch punkto Nahrung sind die putzigen Nager

anspruchsvoll : « Neben Körnerfutter sind Ratten täglich auf frisches Gemüse

und Obst angewiesen », sagt Glatz.

Doch auch bei guter Haltung ist die Freundschaft meist leider nur von kurzer

Dauer, da Ratten selten älter als zwei Jahre werden. « Zwar gelten Ratten als

zäh, dies jedoch nur auf Grund ihrer hohen Population », erklärt Glatz. « Die

einzelnen Tiere sind äusserst sensibel und stressanfällig. » Ratten leiden unter

Atemwegerkrankungen und Tumoren, im Alter kommen Probleme mit dem

Bewegungsapparat und Diabetes dazu. « Leider ist es oft so, dass der Besitzer

gar nicht merkt, dass es dem Tier nicht gut geht », weiss Glatz aus Erfahrung.

Deshalb müssen die Tiere genau beobachtet werden. Bei der Anschaffung von

Ratten sollte man sich bewusst sein, dass während der Haltung mehrere Besuche

beim Tierarzt anstehen. Dies liegt unter anderem auch daran, dass alle

Heimratten auf der Basis von zahmen Laborratten gezüchtet wurden, welche die

ihnen zu Versuchszwecken verursachten Krankheiten weiter vererben.

Käfigs », so Waiblinger. Auf Grund

ihres ausgeprägten Grabverhaltens

können diese Tiere nicht draussen

gehalten werden. Kaninchen und

Meerschweinchen lassen sich jedoch,

so fern sie gesund und nicht

zu alt sind, problemlos in einem

Aussengehege unterbringen. Um

Ausbrüche zu verhindern, sollte

dabei das Gitter mindestens 50

Zentimeter tief in die Erde gesenkt

werden. « Das Gehege muss auch

einbruchsicher sein, so dass weder

Füchse, Marder noch Raubvögel

eindringen können », erklärt Waiblinger.

Zudem brauchen die Tiere

genügend Deckungsstrukturen, um

sich bei Gefahr allenfalls verstecken

zu können. Ein gut isolierter Stall ist

vor allem im Winter für die Heimtiere

überlebenswichtig. Auch genügend

Schattenplätze müssen im

Sommer gewährleistet sein. « Der

Hitzetod ist eine sehr grosse Gefahr

für Meerschweinchen und Kaninchen

», sagt Waiblinger. Damit

sich die Tiere draussen möglichst

wohl fühlen, sollte das Gehege mindestens

sechs Quadratmeter gross

sein.

Vom « Schweizer Tierschutz » STS

empfohlene Aussengehege für Meerschweinchen

und Kaninchen finden

Sie unter :

www.kleintierstaelle.ch

www.nagerstation.ch

Literatur :

Nager und Kaninchen :

« Artgerechte Haltung – ein Grundrecht

auch für Meerschweinchen »

und

« Artgerechte Haltung – ein Grundrecht

auch für (Zwerg-)Kaninchen »

von Ruth Morgenegg

je 34 Franken

Bestellen unter :

www.nagerstation.ch

Ratten :

« Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung

»

von Ursula Glatz, Club der Rattenfreunde

Schweiz

17.50 Franken

Bestellen unter

www.rattenclub.ch

11


Raubtier-Update

Proteste und Kritik

nach Bären-Abschuss

« Problembär », « Risikobär », toter Bär. Das ist die tragische Chronik des

Braunbären « JJ3 ». Am 14. April wurde er im Kanton Graubünden von einem

Wildhüter erschossen. Die Tötung löste im In- und Ausland Proteste aus.

VON ANANDA KUNZ

JJ3 ? Schon dieser Kürzelname

erzählt eine unglückliche

Geschichte. « JJ » steht für

« Jurka » und « Jože ». Das sind die

Eltern der drei bekannt gewordenen

Bärenbrüder JJ1, JJ2 und JJ3.

Jurka und Jože wurden 2001 von

Slowenien ins italienische Trentino

umgesiedelt. Unbedarfte Leute fütterten

die Bärin Jurka im Tovel-Tal.

So gewöhnte sie sich an Menschen.

Die fehlende Scheu vor Menschen

übertrug sie auf ihre drei Söhne.

Oft suchten diese Nahrung in Siedlungsnähe.

Mit dem Ende vonJJ3

sind mittlerweile alle drei Brüder tot

– und ihre Mutter hinter Gittern.

2005 wanderte JJ2 in den Kanton

Graubünden ein. Als « Lumpaz » wurde

er im Val Mustair zur Touristenattraktion.

Er riss wiederholt Schafe

und liess sich kaum abschrecken.

Im September 2005 wechselte er ins

Südtirol ; seither ist er verschollen.

Ein Jahr später erlangte sein Bruder

12

Foto : zvg Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (Bildarchiv Roth)

JJ1 als « Bruno » traurigen Ruhm in

Bayern. Sogar tagsüber suchte er

sein Fressen im Siedlungsraum.

Am 26. Juni 2006 wurde JJ1 auf Anweisung

der bayerischen Behörden

abgeschossen, was in Deutschland

einen Proteststurm auslöste.

Ähnliches Schicksal

Ein ganz ähnliches Schicksal hat

nun auch JJ3 ereilt. Am 14. April

erschoss ihn ein Wildhüter im Kanton

Graubünden, weil er fortgesetzt

in menschlichen Einrichtungen Essbares

suchte. Dieses Verhalten hatte

JJ3 bereits im Herbst 2007 gezeigt,

weshalb er nach dem Konzept Bär

Schweiz zunächst als « Problembär »

eingestuft wurde. Als er in diesem

Frühling – hungrig nach der Winterruhe

– auch in Hütten und Scheunen

eindrang, trug ihm dies die Klassierung

als « Risikobär » und damit das

Todesurteil ein.

Vor seinem Abschuss zog JJ3

von Brienz nach Surava. Von dort

wanderte er weiter nach Lenz, Alvaschein,

Oberhalbstein, Radons, Tinizong,

Rona, Savognin, Tiefencastel.

Überall wühlte er in Mülltonnen

und Komposthaufen, frass Futter

aus Vogelhäuschen und besuchte

abgelegene Restaurants. Vergrämungsaktionen

wurden zunehmend

aufwändiger ; der Bär kannte die ihm

JJ3 in einem Fotofallen-Bild

kurz vor seinem Abschuss.

nachstellenden Personen, deren

Fahrzeuge und Gerätschaften und

wich geschickt aus, jedoch ohne sich

von der Suche nach menschlicher

Nahrung abbringen zu lassen.

Mensch macht

die Regeln

War JJ3 also « unbelehrbar » ? Da

stellt sich zum einen die Frage, wer

im Gefüge Natur-Tier-Mensch welche

Regeln aufstellt, bzw. befolgt.

Zum anderen fragt sich, ob JJ3 genug

Zeit blieb, dazuzulernen. Wohl

kaum. Zu den Erfolgsaussichten einer

« Umerziehung » von JJ3 äussert

sich Dave Garshelis, der Leiter der

IUCN/SSC « Bear Specialist Group » :

« Es hängt davon ab, wie stark ein

Bär an Menschen gewöhnt ist », sagt

er gegeüber « Kora », der Koordinationsstelle

für Forschungsprojekte

zur Erhaltung und zum Management

der Raubtiere in der Schweiz.

« Nationalparks in den USA und in

Kanada und viele Dörfer und Städte

haben sich schon seit langem mit

diesem Thema beschäftigt. Einerseits

hat man entfernt, was Bären

anlocken kann, andererseits mit

Knallpetarden, Gummikugeln, Pfefferspray,

Einfangen und Umsiedeln,

usw. experimentiert. Die Resultate

waren immer durchzogen : Mit Beharrlichkeit

konnte einigen Bären

beigebracht werden, Menschen

fernzubleiben, aber die schlimmsten

Übeltäter waren in der Regel

nicht belehrbar. »

Musste man das Problem also

mit dem Gewehr aus der Welt schaffen

? In der kleinen Alpenpopulation

ist jeder einzelne Bär wertvoll und

wichtig. Und wie seine Mutter und

älteren Brüder hat sich JJ3 Men-

ProTier 2/08


Foto : zvg Bildarchiv H.P. Roth

schen gegenüber nie aggressiv verhalten.

Die todbringende Einstufung

als « Risikobär » bezieht sich indes

auf die Gefahr, dass es zu nahen

und überraschenden Begegnungen

mit Menschen » kommen konnte,

« mit möglichen ernsthaften Verletzungen

eines Menschen als Folge

». Diese vage und kleine Gefahr

reichte den Behörden als Todesurteil

aus. Die Wahrscheinlichkeit,

von einem an Menschen gewöhnten

Bären verletzt zu werden, mag

selbst für Leute im Bärengebiet weit

geringer sein als die, bei einem Verkehrsunfall

zu Schaden zu kommen.

Aber das Risiko besteht, und weil es

ungewohnt ist, wollen die Behörden

es nicht tragen.

Tödliche Büro-Logik

Der behördlichen Büro-Logik zufolge

hätte der Einwanderer aus

den italienischen Alpen wohl des

Lesens der deutschen Amtssprache

kundig sein sollen. Dann hätte

JJ3 entziffern können, dass Bär

nicht gleich Bär ist, dass es unauffällige,

problembehaftete und riskante

Bären gibt. Letztere heissen

wohl darum so, weil sie gemäss

Amtsdeutsch ihre « Entfernung »

riskieren, wenn sie zu fest über die

Stränge hauen. Es definiert nun mal

der Mensch, welche Tiere sich wie

zu verhalten haben, um geduldet zu

sein oder in Ungnade zu fallen, und

welches Fleckchen Natur unserem

vermassten Wertschöpfungs-System

in welcher Weise ökonomisch

optimal zu dienen hat. Daher wird

JJ3 fortan als erster Risikobär seine

geschichtliche Würdigung ausgestopft

im Museum erfahren.

Dennoch gibt es einige Lichtblicke

: Die Sympathie und Zustimmung

für Grossraubtiere in der

Schweizer Bevölkerung ist ausgesprochen

gross. So wurde beispielsweise

ein eingerichtetes Forum zum

Thema Bärenabschuss auf der Website

www.naturschutznetz.ch/jj3 zu

einem eigentlichen Online-Kondolenzbuch

gegen den Abschuss

von JJ3. Bei Redaktionsschluss

verzeichnete das Forum rund 750

Einträge. Laut den Betreibern sprechen

sich über 90 Prozent gegen

ProTier 2/08

Foto : zvg Bildarchiv Hans Peter Roth

Schäden von JJ3

kurz vor seinem Abschuss

den Abschuss des Risikobären aus.

Die Einträge gehen nun als Petition

an das Bündner Jagdinspektorat

mit der Bitte, den Raubtieren in

der Schweiz eine Chance zu geben.

Bereits hat die Bündner Regierung

angekündigt, dass Graubünden ein

bärensicheres Abfallsystem einführen

will, um Bären künftig möglichst

von Siedlungen fernzuhalten. Derweil

lebt MJ4, der Halbbruder von

JJ3, ganz unauffällig im Bündnerland,

ist kaum bekannt und liefert

keine Schlagzeilen. Möge es so

bleiben.

Weitere Luchse gewildert

Kein Lichtblick für die Luchse im

Berner Oberland. Das Untersuchungsrichteramt

Berner Oberland

führt erneut eine Untersuchung gegen

Unbekannt, weil Hinweise auf

Wilderei vorliegen. Dies, nachdem

das Fotofallenmonitoring markant

weniger Luchse erfasst hat. « Auffallend

ist insbesondere der Rückgang

der Luchse zwischen Brienz

und dem Haslital, wo nur noch

zwei Luchse fotografiert wurden ;

im Vorwinter waren es noch acht

Tiere », hielt das Bundesamt für

Umwelt bereits im August 2007 fest.

Der eidgenössische Jagdinspektor

Reinhard Schnidrig geht davon aus,

« dass der markante Rückgang allein

durch Abwanderung und natürliche

Sterblichkeit nicht zu erklären ist

und illegale Tötungen wahrscheinlich

sind ».

Der Berner Volkswirtschaftsdirektor

Andreas Rickenbacher äussert

sogar die Befürchtung, dass

« der Luchsbestand möglicherweise

schon eine kritisch tiefe Dichte

erreicht hat, welche die Überlebensfähigkeit

der Population in

Frage stellt ». Peter Zenklusen,

Präsident des Berner Jägerverbandes,

sieht dies diametral anders : In

der Praxis zeige sich « je länger je

mehr », dass Grossraubtiere in Gebieten

wie dem östlichen Berner

Oberland « überhandnehmen und

die Auswirkungen auf den Bestand

ihrer Beutetiere gravierend sind ».

Mit anderen Worten : Zenklusen

jammert einmal mehr, die bösen

Luchse frässen den armen Jägern,

die ohne erlegtes Wild wohl am

Hungertuch nagen müssen, die

Beute weg.

Glaubt man dagegen den Werten

des Fotofallenmonitorings, muss

der Unterbestand von Gämsen und

Rehen im Oberland ganz andere Ursachen

haben. Geht man noch von

20 bis 25 erwachsenen und halberwachsenen

Luchsen im Berner

Oberland aus, reissen diese 500

bis 600 Gämsen und 800 bis 1000

Rehe pro Jahr. Zum Vergleich : Die

Jäger im Berner Oberland schiessen

1700 Gämsen und fast 1000

Rehe. Weitere 1200 Gämsen und

800 Rehe kommen jährlich ohne

jagdliche Einwirkung (Kollisionen

mit Fahrzeugen, Krankheit, Abstürze,

Lawinen, Erschöpfung, etc.) zu

Tode. (hpr)

13


Neues von

Svoboda Zvírat

Die Zusammenarbeit von ProTier und der tschechischen

Tierschutzorganisation Svoboda Zvírat (Freiheit der Tiere)

hat eine langjährige Tradition. Deswegen informieren wir

sie regelmässig über unsere neuesten Aktivitäten.

VON THOMAS POPP UND LENCA HECOVA

In der zweiten Hälfte des Jahres

2007 hat sich Svoboda Zvírat

ganz auf die Kampagne « Gegen

Pelz » konzentriert. Unsere Organisation

nimmt schon mehrere Jahre

am internationalen Wettbewerb

DAF (Design Against Fur) teil. Der

Jahrgang DAF 2007 war für uns

besonders erfolgreich. An diesem

Wettbewerb können Schüler und

Studenten der Institute für Design

mit eigenen Arbeiten teilnehmen.

Jedes Jahr wird ein spezielles

Hauptthema gewählt – für den

Jahrgang DAF 2007 hiess das Thema

: « Fashion Victims » (Die Oper

der Mode).

14

Fotos : zvg Svoboda Zvírat

Wir haben im Jahr 2007 mehr

als 170 Arbeiten von Schülern und

Studenten erhalten. In der europäischen

Runde des Wettbewerbs

im Juli 2007 haben zwei tschechische

Arbeiten eine Jury-Auszeichnung

bekommen. Die besten

Arbeiten können Sie auf den

Web-Seiten der Organisation FFA

(ww.inFURmation.com) oder auf

den tschechischen Web-Seiten von

diesem Wettbewerb (www.dafcr.cz)

anschauen.

Im November 2007 haben wir

eine tschechische Runde des Wettbewerbs

organisiert. Die Jury hat

als beste Arbeit das Poster von

Pavel ? ? ?Oovaj bezeichnet. Pavel

kann im Sommer 2008 gemeinsam

mit anderen talentierten jungen

Künstlern als Assistent eine Woche

in einer der besten tschechischen

Werbeagenturen verbringen und

das Arbeiten der professionellen

Designer beobachten.

Dank diesem Wettbewerb lernen

die jungen Künstler, dass sie durch

ihre Arbeit andere Leute beeinflussen

und sich somit bedeutend am

Tierschutz beteiligen können.

Die besten tschechischen und

ausländischen Arbeiten werden

bis Sommer 2008 in verschiedenen

Galerien und Stammlokalen

ausgestellt, um auch ein breiteres

Publikum zu informieren.

Svoboda Zvirat wird natürlich

auch wieder am DAF 2008 teilneh-

ProTier 2/08


men. Dieses Jahr wurde kein Hauptthema

gewählt. Die Schüler und

Studenten sollen aber so genannte

« Flash-Animation » vorbereiten, die

auf die Problematik des Leidens der

Pelztiere aufmerksam machen.

Wir orientieren auch sehr viel

über die Problematik der Tierversuche.

Schon mehrere Jahre kämpft

unsere Organisation für ein Verbot

für Versuche an Primaten in der

Tschechischen Republik.

Im Sommer 2007 haben wir an

der internationalen Demonstration

in Brüssel teilgenommen. Dieses

Ereignis wurde von der ECEAE

(European Coalition to End Animal

Experiments) organisiert und sollte

die Mitglieder des Euro-Parlaments

und die breite Öffentlichkeit darauf

aufmerksam machen, dass in den

EU-Ländern Primaten für Tierversuche

benutzt werden. Diese Demonstration

stand im Rahmen der

Bestrebungen der ECEAE, Versuche

an Primaten auf europäischer Ebene

zu verbieten.

In Brüssel haben sich Vertreter

aus elf europäischen Ländern getroffen.

Jede Organisation hat eine

Lattenkiste mitgenommen, in der

eine verkleidete Person sass. Die

Demonstration hat vor dem Labor

GSK, wo immer noch die Primaten

für Versuche eingesetzt werden,

begonnen. Danach haben sich alle

zum Gebäude des Euro-Parlaments

begeben. Dort haben die Abgeordneten

die Kisten geöffnet und die

« Affen » rausgelassen.

Das waren die wichtigsten Ereignisse

in den Aktivitäten der Organisation

« Freiheit der Tiere ». Viele

unserer Aktivitäten können nur dank

der finanziellen Unterstützung von

ProTier realisiert werden. Vielen

Dank für Eure Unterstützung ! Wir

werden Sie weiterhin über Neuigkeiten

aus der Tschechischen Republik

informieren.

Und zum Schluss noch eine kleine

Einladung. Am 21.10.2008 wird

« Freiheit der Tiere » in Prag eine

internationale Konferenz « Perspektiven

der Pelztierhaltung in den

EU- und Visegrad-Ländern » organisieren.

Alle, die sich für Tierschutz

interessieren, sind natürlich herzlich

willkommen.

ProTier 2/08

Ein

Vermächtnis

für die Tiere

Bitte denken Sie bei der

Erstellung Ihres Testaments

auch an ProTier.

Sie helfen mit,

dass wir uns auch

in Zukunft effizient für

die Tiere einsetzen können.

Für Auskünfte und Beratung

steht Ihnen unsere

Geschäftsführerin Rita Dubois

gerne zur Verfügung.

15


Chinas Schattenseiten

Freunde ? Oder Frass ?

Das Tierleid in China

China verstösst nicht nur gegen Menschenrechte, sondern macht

auch wegen unbeschreiblicher Gräueltaten gegen Tiere von sich

reden. Im Vorfeld der Olympischen Spiele in China ist Fairplay auch

gegenüber Tieren zu fordern.

VON HANS PETER ROTH

Erdbebenkatastrophe ; brutal

niedergeschlagene Aufstände

im Tibet ; giftiges Spielzeug ;

bevorstehende Olympiade. China

kommt nicht aus den Schlagzeilen.

Und die sind meist negativ, auch

wenn die chinesische Regierung im

Vorfeld der Olympischen Spiele « mit

allen Mitteln » das angekratzte Image

des Landes aufzupolieren versucht.

« Mit allen Mitteln », das ist aus

tierschützerischer Sicht ein Horror,

in einem Land, das de facto keinen

Tierschutz kennt. So sollen auf Pekings

Strassen bei Olympiabeginn

im August 2008 keine streunenden

Katzen und Hunde mehr zu sehen

sein. Um dieses Ziel zu erreichen,

16

hat die Regierung in Peking das Einfangen

und Töten von rund 200 000

Katzen und 10 000 Hunden angeordnet.

Angestellte der Stadtregierung

machen mit Giftködern oder Fallen

Jagd auf die Vierbeiner. Eingefangene

Katzen und Hunde verdursten

und verhungern in winzigen Käfigen

oder sie werden totgeschlagen, ertränkt

oder bei lebendigem Leib

verbrannt. Nachdem anlässlich

der Olympiaden in Moskau (1980)

und Athen (2004) ebenfalls Tötungsaktionen

gegen Streunertiere

stattfanden, stellt sich schon die

Frage, wie dieses Morden mit dem

« Olympischen Geist » vereinbar ist ?

Dabei hätte das Olympische Komitee

mit Sitz in Lausanne durchaus

die Macht, solchem Tun Einhalt

Foto : © REUTERS / Leo Lang (China)

zu gebieten. Doch die Angst um

gestörte Wirtschaftsbeziehungen

wird mit feigen Argumenten wie

der « Nichteinmischung in innere

Angelegenheiten eines Staates »

geschönt.

Geschändete Freunde

und Helfer

Dabei sollten die Chinesen gerade

aktuell unsere treuen vierbeinigen

Gefährten einmal mehr als Freunde

und Helfer erkennen, angesichts

der Bilder von unermüdlichen

Suchhunden, die in der vom Erdbeben

verheerten Provinz Sichuan

an vorderster Front halfen, Menschenleben

zu retten. Doch je nach

Schätzung enden in China Jahr für

Jahr 10 bis 20 Millionen Hunde im

Kochtopf. Tendenz steigend. Viele

Hunde werden bewusst langsam

und grausam geschlachtet, im

perversen Glauben, dass die Qual

der Tiere den Geschmack ihres

Fleisches verbessert. Dabei leiden

die geschändeten Tiere längst vor

ihrem schrecklichen Tod unter dem

Stress und den Missständen der

Massentierhaltung.

Mitarbeiter der Tierschutzorganisation

« Animals Asia » haben in der

Stadt Guangzhou Lastwagen gesehen,

die mit bis zu 2000 Hunden

beladen auf dem Markt für Wildtiere

ankamen. Die gepeinigten Tiere

mussten drei Tage und drei Nächte

zusammengequetscht in engen Käfigen

ausharren, ohne sich bewegen

zu können, im eigenen Kot, ohne

Futter, ohne Wasser oder Schutz.

Dann zerrte ein Mann die Tiere

mit Metallzangen brutal am Genick

aus den Käfigen und stiess sie in

einen Pferch. Hier warteten sie in

ProTier 2/08


verzweifelter Todesangst, hungernd

und dürstend auf einen grauenhaft

langsamen Tod, um dem verabscheuungswürdigen

Anspruch der

Restaurants in Guangzhou nach

Fleisch von gequälten Tieren zu

entsprechen.

Schlimme Qual, « gutes »

Fleisch

Was dieser grauenhaft langsame

Tod bedeutet, zeigte eine RTL-

Reportage am 12. März 2001 in

vorher nie gesehenen Bildern. Der

Beitrag zeigte weiter, dass Hunde

und Katzen auch wegen ihres Fells

geschlachtet werden. Eine zweijährige

Nachforschung ergab, dass vor

allem in Nordchina rund zwei Millionen

Hunde und Katzen jährlich für

ihr Fell auf äusserst brutale Art umgebracht

werden. Besonders qualvoll

werden die Masthunde getötet,

weil die Stresshormone angeblich

nicht nur das Fleisch schmackhafter

machen, sondern auch eine sexuelle

Stimulierung bewirken. Auch mit

Elektroschocks werden die Tiere

misshandelt, damit ihr Fleisch durch

die erlittene Folter ein Maximum an

Adrenalin enthält.

« Die Menschen in Guangzhou essen

alles mit Flügeln ausser Flugzeugen

und alles mit vier Beinen ausser

Tisch und Stuhl. »

Chinesisches Sprichwort

Die TV-Reportage des Privatsenders

RTL zeigte, wie die Hunde mit

dem Kopf nach unten aufgehängt

und mit langen Knüppeln langsam

zu Tode geprügelt werden. Noch

entsetzlichere Aufnahmen wollte

der Sender seinen Zuschauern

nicht zumuten. Verbreitet ist auch

die Methode, den Hunden eine Metallschlinge

um den Hals zu legen

und sie dann zu hängen. Die Schlinge

wird stark angezogen, damit die

Tiere langsam ersticken. Um den

Todeskampf zu verlängern, wird die

Schlinge von Zeit zu Zeit gelockert.

Die Hunde sind normalerweise noch

nicht tot, wenn ihnen das Fell abgebrannt

wird. Eine andere Methode

besteht darin, die Hunde (oder Katzen)

lebendig in kochendes Wasser

zu tauchen. Noch lebend wird ihnen

dann das Fell abgezogen.

Welches Büsi darf es sein ?

Ähnlich wie den geschändeten Hunden

ergeht es jährlich Millionen von

Katzen in China, wie der RTL-Beitrag

ebenfalls zeigte. Auch sie kommen

in engsten Drahtkäfigen regelrecht

aufeinander gestapelt auf die Tiermärkte.

In vielen Restaurants der

Provinz Guangdong ist es üblich,

dass lebende Katzen in Käfigen

am Eingang darauf warten müssen,

vom Gast zum Verzehr « ausgewählt

» zu werden, ähnlich, wie

man es in Europa – tierschützerisch

ebenfalls äusserst fragwürdig – von

Fischen und Schalentieren kennt.

Mit Metallzangen oder Würgeschlingen

werden die Katzen am

Genick gepackt und aus den Käfigen

gezerrt, um dann ebenso brutal

wie die Hunde geschlachtet zu werden.

Katzenfleisch ist in Guangdong

Teil des bekannten traditionellen

Gerichts : « Tiger (Katze), Phoenix

Schlachthunde

(Huhn), Drache (Schlange) ». Obschon

es schwierig ist, genaue Daten

zu erhalten, gehen Schätzungen

von rund vier Millionen verzehrten

Katzen in China pro Jahr aus.

Abartige Traditionen

Die Liste tierquälerischer und artenbedrohender

Verbrechen im

Reich der Mitte liesse sich beliebig

erweitern, sei es wegen abartiger

Essgewohnheiten oder wegen des

Wahns um angebliche medizinische

oder Potenz steigernde Wirkungen

unzähliger verschiedener Tierprodukte.

Zu den abartigen Essgewohnheiten

in Ostasien gehört der

Konsum von Haifischflossen-Suppe.

Ein internationales Forscherteam

hat erstmals eine genaue Untersuchung

über die jährlich getöteten

Haie für die (fad schmeckende)

Haifischflossen-Suppe vorgenommen.

Demnach werden jährlich

fast 40 Mio. der Knorpelfische nur

wegen ihrer Flossen getötet und

nach dem Abtrennen der Flossen

oft noch lebend ins Meer geworfen.

Verschiedene Hai-Arten könnten we-

Bernhardiner besonders begehrt

Die ersten Informationen gelangten vor zehn Jahren nach Europa : Am 16. Juli

1998 machte die chinesische Zeitung Orient Daily publik, dass Bernhardiner-Hunde,

ermutigt und subventioniert von mehreren Regierungsstellen, seit Anfang

der neunziger Jahre als Schlachttiere von der Schweiz nach China importiert

worden seien, um dort verspeist zu werden. Und eine Sendung des Pekinger Zentral-Fernsehens

beschrieb die Vorzüge dieser Rasse unter anderem damit, dass

Züchter sich vor dem « grossen und dummen Hund » nicht zu fürchten brauchten.

Der hierzulande für seine Sanftmut geschätzte Bernhardiner ist auch bekannt für

die grosse Anzahl der Welpen eines Wurfes und dafür, schon früh dem Welpenalter

zu entwachsen. Diese Merkmale machten den Bernhardiner in China zum

« idealen Zuchthund, mit dem sich Hundefleisch noch profitabler produzieren

lässt », wie in einer chinesischen Werbebroschüre sinngemäss zu lesen ist. Mit

Blick auf die Züchter propagieren chinesische Agrarinstitute im Rahmen der

zunehmend industrialisierten Hundemast die Bernhardiner-Zucht als hervorragende

Einkommensquelle. Sie preisen die « rasch heranwachsenden, krankheitsresistenten

und wohlschmeckenden Speisehunde », deren Haltung viermal

mehr einbringe als eine Schweinezucht und dreimal mehr als eine Hühnerzucht.

Die ursprünglich aus der Schweiz stammenden Zuchttiere werden in der Regel

mit « Mongolischen Fleischhunden »( !) gekreuzt. Bereits am 12. März 2001

zeigte der Fernsehsender RTL in einer markerschütternden Reportage (siehe

auch Haupttext) nicht nur brutale Hundemetzger, Hundefleisch-Restaurants und

-Märkte, sondern auch eine grosse Zuchtstation mit Bernhardinern in engen

Drahtkäfigen. (hpr)

ProTier 2/08

17


gen dieser rücksichtslosen, absolut

verschwenderischen Ausplünderung

der Meere schon in den nächsten

Jahren aussterben, befürchten

die Forscher.

« In Kübeln, Plastikkörben oder

Drahtkäfigen drängen sich auf dem

Markt Schnecken, Frösche, Schildkröten,

Schlangen und Skorpione.

Zu medizinischen Zwecken werden

zudem Seesterne, Seepferdchen,

Schlangenhäute, getrocknete

Frösche, Rehpfoten und dergleichen

verkauft. Selbst Produkte von Tieren,

die unter Artenschutz stehen, wie

etwa das Horn des Nashorns oder die

Pranken des Tigers, sind zu kriegen. »

18

Schilderung in der Neuen Urner Zeitung

von Simon Gisler aus Schattdorf, der

in der südchinesischen Provinz Jiangxi

Englisch unterrichtet.

Weiteres Symbol für Unvernunft,

Gefühls- und Masslosigkeit im

« Olympia-Land » ist die Haltung von

« Gallenbären ». Dies sind Schwarz-

und Kragenbären mit einer in den

Körper eingesetzten Kanüle, aus der

täglich Gallenflüssigkeit abgezapft

wird. Gallenflüssigkeit gilt in der

chinesischen Medizin als Mittel zur

Senkung des Blutdrucks und ähnlicher

Beschwerden, kommt aber

auch für kosmetische Zwecke zum

Einsatz. Die Bären vegetieren ihr

ganzes, durch die Galle-Drainage

verkürztes Leben praktisch ohne Bewegungsmöglichkeit

in Käfige gesperrt,

welche nur gerade so gross

sind wie ein ausgewachsenes Tier.

« Dieses Verdauungsmittel kann

heute viel einfacher, billiger und reiner

chemisch produziert werden »,

sagt Dr. Markus Deutsch, Präsident

der Organisation Ärztinnen und Ärzte

für Tierschutz in der Medizin. « Es

ist deshalb nicht einzusehen, weshalb

China nicht auf diese äusserst

grausame Haltung von Tausenden

von Bären verzichtet. »

Hoffnungsschimmer

Trotzdem gibt es mittlerweile einige

feine Silberstreifen am Horizont : So

haben Tierschutzorganisationen in

Zusammenarbeit mit chinesischen

Foto : © REUTERS / Reinhard Krause (China)

Ebay China

Regierungsstellen die kurzfristige

Schliessung der schlimmsten

Bärenfarmen in der (aktuell vom

Erdbeben schwer betroffenen)

Provinz Sichuan und die Befreiung

von zunächst 500 Bären erreicht.

Mittelfristig soll das Programm auf

ganz China ausgedehnt und die Zahl

der Bärenfarmen kontinuierlich reduziert

werden. Langfristig ist die

Schliessung aller Bärenfarmen in

China und die Übergabe der verbleibenden

Tiere in die Obhut von ausgewiesenen

Tierschützern geplant.

Neue aufrüttelnde Filmdokumente

über chinesische Gräueltaten

gegen wehrlose Zuchttiere für

den Pelzmarkt haben zahlreiche

Warenhäuser, Firmen und Models

im In- und Ausland veranlasst, auf

Echtpelz zu verzichten. Die Pelznachfrage

ist rückläufig – ausser

für synthetische Pelze. Endlich gilt

in der Schweiz auch ein Importverbot

für Katzenfelle. In Hongkong,

Taiwan und auf den Philippinen ist

der Verzehr von Hunden verboten

worden. Selbst in China nehmen

stets mehr Menschen Abstand

von den weit verbreiteten tierquälerischen

Haltungs- und Tötungsmethoden.

Nicht zuletzt hatte Xu

Zhihong, Präsident der elitären Peking-Universität

und Abgeordneter

im Volkskongress, den Mut, seine

Parlamentskollegen wie folgt zu

mahnen : « Wenn wir ausländischen

Gästen im Olympiajahr Haifischflossen

servieren, könnte dies Chinas

nationalem Ansehen erheblichen

Schaden zufügen. »

Fell und Frischfleisch für Meistbietenden

Zehn Schnauzer, wie Batteriehühner in einem Gitterkäfig zusammengepfercht :

Das Bild stammt nicht aus einem Tierquälreport, sondern von der chinesischen

Ebay-Site. Auf Ebay China werden ganz selbstverständlich lebende Hunde und

Katzen angeboten – aber nicht, um als Haustier bei einer fürsorglichen Familie

zu landen, sondern häufig mit abgezogenem Fell im Kochtopf. Weil das Reich

der Mitte praktisch keine Tierschutzgesetze kennt, ist der Handel mit lebenden

Tieren im Internet-Auktionshaus erlaubt. Tier- und artgerechter Handel bleibt

völlig auf der Strecke. So lautet ein Angebot auf der chinesischen Ebay-Site

etwa nüchtern : « Hund, 2-jährig, Top-Fell ». Seit Jahren versuchen Tierschutzorganisationen

Ebay zur Schliessung seines chinesischen Tierportals zu bewegen.

Bisher hat das US-Unternehmen die Forderung beharrlich ignoriert. Nun wollen

die Tierschützer mit einem Massenbrief die Ebay-Bosse umstimmen.

ProTier 2/08

Foto : © REUTERS / Denis Balibouse


Neue Tierschutzverordnung

Eine Verordnung mit

Lücken und Tücken

Kurse für Hundehalter. Verbot der Anbindehaltung. Keine einzeln

gehaltenen Meerschweinchen mehr. Der Bundesrat verlangt eine

artgerechtere Haltung von Haus- und Nutztieren. Doch die neue

Tierschutzverordnung ist zahnlos.

VON HANS PETER ROTH

Widersprüchlicher könnte

er kaum sein : Der Umgang

mit Tieren in der

modernen Gesellschaft. In den eigenen

vier Wänden, aber auch in

der Wildnis wird Tieren mitunter

eine beinahe menschenähnliche

Stellung mit kaum antastbarer

Würde zuerkannt. Im Interesse bequemer

Konsumierender und der

profitsüchtigen Industrie sind Tiere

dagegen längst zu reiner Ware in

einem Produktionsprozess verkommen,

in welchem zu viel Rücksicht

auf Empfindungen höchstens umsatzhemmend

und preistreibend

wirkt. In diesem Spannungsfeld

bewegte sich der Gesetzgeber bereits,

als er das Tierschutzgesetz

revidierte, das am 1. September in

Kraft tritt.

Für Haustierhalter bedeutet die

vom Bundesrat Ende April verabschiedete

neue Tierschutzverordnung

etwas mehr Aufwand – an

Geld, Zeit und Rücksichtnahme

auf die Bedürfnisse der Tiere. So

müssen Hundehalter ab 2010 vor

dem Erwerb einen Theoriekurs besuchen

und innerhalb des ersten

Jahres ein Training mit dem Hund

absolvieren. Ziel ist nicht nur ein artgerechter

Umgang, sondern auch

die Verminderung des Risikos von

Attacken gefährlicher Hunde. Wer

bereits einen Hund hat, muss die

neuen Vorschriften nicht erfüllen.

Eigenverantwortung ?

Die Tierschutzverordnung formuliert

genau, wie die einzelnen Haustiere

artgerecht zu halten sind. Bei

der Umsetzung dieser Vorschriften

setzt das Bundesamt für Veterinärwesen

(BVet) auf Information

und die Eigenverantwortung der

Tierfreunde. Besteht ein konkreter

Verdacht, dass Haustiere nicht

artgerecht leben, kann es auch zu

Kontrollen kommen.

So dürfen etwa sozial lebende

Arten wie Meerschweinchen oder

Wellensittiche grundsätzlich nicht

mehr alleine gehalten werden. Neu

gilt etwa für Meerschweinchen auch

eine Mindestgrösse für das Gehege :

ein halber Quadratmeter für zwei

Tiere – mit Schlafbox, Nageobjekten

und Klettermöglichkeit. Die

Vorschriften für das Halten, aber

auch Töten von Aquarienfischen

sind ebenfalls strenger geworden.

Kontrolliert werden die Haustierbesitzer

nur, wenn beim Kantonstierarzt

eine entsprechende Meldung

gemacht wird.

Sehr lange Fristen

Die Verordnung sieht, gestützt auf

das revidierte Tierschutzgesetz,

auch Verschärfungen in der landwirtschaftlichen

Tierhaltung vor.

ProTier 2/08

19


Dabei zielt der Bundesrat auf eine

grössere Bewegungsfreiheit : So ist

es neu verboten, ein Pferd allein zu

halten oder es von anderen Pferden

abzuschotten. Die Tiere müssen

gemäss BVet « Blickkontakt zu

anderen Pferden haben und diese

hören und riechen können ». Ab

2013 wird bei Pferden die Anbindehaltung

verboten. Bei Schafen gilt

das Verbot ab 2018 und bei Ziegen in

allen neu eingerichteten Ställen. Ab

2013 ebenfalls verboten sind harte

Vollspaltböden in Ställen für Rinder

und für Schweine. Mit den teilweise

langen Übergangsfristen sollen die

Interessen der Bauern berücksichtigt

werden. Trotzdem ist die neue

Tierschutzverordnung den Bauern

noch zu restriktiv. Der Schweizerische

Bauernverband etwa kritisiert,

die neue Tierschutzverordnung bedinge

teure bauliche Anpassungen.

Den Tierschützern hingegen geht

sie klar zu wenig weit. Und der Teufel

steckt im Detail. Daher müssen

die neuen Bestimmungen – oder

ihr Ausbleiben – und deren Folgen

im Einzelnen analysiert werden. So

sind die erwähnten, unverständlich

langen Übergangsfristen in der

Nutztierhaltung stossend. Warum

beispielsweise soll man Schafe

im Stall noch bis zum Jahr 2018

anbinden dürfen ? Und warum gab

der Bund vor mehr als zehn Jahren

eine Arbeit zur Tierschutzrelevanz

des elektrischen Kuhtrainers in Auftrag,

nur um jetzt das Verbot der

20

Kuhtrainer für bestehende Ställe

fallen zu lassen ? Dabei war das Resultat

eindeutig. Biobauern zeigen

seit Jahren, dass es ohne Kuhtrainer

geht. Und auf dem Markt sind

schon lange bewährte Alternativen

erhältlich.

Mächtige Einflüsterer

Offensichtlich sind die Lobbyisten

der einflussreichen und hoch subventionierten

Agrarindustrie nicht

untätig geblieben. Denn es geht um

viel Geld – auf Kosten der Tiere. So

empfinden Bauernvertreter doch

tatsächlich die neue Mindestfläche

von drei Quadratmetern pro Mastmuni

als Schikane. Dabei kann ein

junges, bewegungsfreudiges Rind

sich auf dieser Fläche kaum wenden,

geschweige denn entspannt

liegen, den angeborenen Sozialabstand

einhalten, herumspringen

oder mit Artgenossen spielen.

Foto : © Maier Robert, SUTTER

Auch die Einflüsterer der nicht

weniger mächtigen Pharmalobby

haben ihre Wirkung in Bundesbern

nicht verfehlt. So bleiben belastende

Tierversuche an Primaten ebenso

weiterhin zulässig wie belastende

Tierversuche für Tabakwaren oder

Kosmetika und Körperpflegemittel.

Dass der Bundesrat solches weiter

zulassen will, ist aus tierschützerischer

Sicht völlig unverständlich.

Zoos geschont

Die Tierschutzverordnung nimmt

also in erster Linie private Heimtierhalter

in die Pflicht, die landwirtschaftlichen

Nutztierhalter bereits

deutlich weniger. Den Zoos

hingegen ist offenbar gar nichts

zuzumuten – zum Beispiel die

Straussenvogelgehege zu vergrössern.

Die Mindestfläche, die bisher

ohnehin nur für Landwirte und Private

galt, wird für zwei Straussen

sogar noch auf 500 Quadratmeter

gesenkt. Zwei Tigern werden gerade

mal 110 Quadratmeter zugestanden.

Pech für die grösste Raubkatze

der Welt : Die Zoos verhinderten

eine Erhöhung auf immer noch

mickrige 330 Quadratmeter.

In Bundesbern gibt man sich

derweil pragmatisch : Es würden

nur Verordnungen erlassen, die

auch umsetzbar seien. Nach dieser

Logik müsste die Höchstgeschwindigkeit

auf Autobahnen mindestens

140 Stundenkilometer betragen.

Alle Infos zur neuen

Tierschutzverordnung im Detail :

www.tiererichtighalten.ch

Meldungen über Tierquälerei nehmen zu

Tierschutzorganisationen sind besorgt : Meldungen über Tierquälereien haben

in letzter Zeit deutlich zugenommen. Das Bundesamt für Veterinärwesen BVet

vermutet hinter den Zahlen eher eine gestiegene Sensibilisierung der Bevölkerung.

Laut dem BVet wurden 2006 insgesamt 592 Straffälle gemeldet, 105 oder

rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. In die Schlagzeilen geraten waren vor allem

im Kanton Bern in den vergangenen Wintermonaten einige Landwirtschaftsbetriebe,

wo Tiere unter miserablen Bedingungen dahinvegetierten. Als Reaktion

darauf will der Kanton mit einer besseren Früherkennung von Problem- und

Risikobetrieben und dem Aufbau eines vernetzten Kontrollsystems Fällen von

Tierquälerei vorbeugen. (hpr)

ProTier 2/08


ProTier 2/08

Naturnahe Gärten

VON ANANDA KUNZ

Der tierfreundliche

Naturgarten im Sommer

Im Umfeld von uns Menschen haben mehr Tiere ihren Lebensraum

als man vermutet. Damit im naturnahen Sommergarten unterschiedliche

Kleinlebensräume für verschiedenste Tiere erhalten

bleiben, sind einige wichtige Grundsätze zu beachten.

Endlich wieder draussen ! Sommerliche

Wärme. Der Mensch

verweilt mehr in der Natur. Im

Garten wird die gedeihende Schönheit

gepflegt und gehegt. Wer dabei

die wilden tierischen Mitbewohner

einbezieht, trägt nicht nur zur Erhaltung

einheimischer Tierarten

bei, sondern erspart sich auch unnötige

mühselige Arbeit. Dazu gehört

der Kampf gegen so genannte

« Schädlinge ». Doch « Schädlinge »

gibt es nicht (wir berichteten). Ein

Übermass an ungebetenen Gästen

zeigt lediglich, dass im garteneigenen

Ökosystem etwas aus dem

Gleichgewicht geraten ist. Je vielgestaltiger

der Lebensraum, also je

abwechslungsreicher der naturnahe

Garten, desto stabiler das Ökosystem.

Die Schmetterlingsoase

Symbol des Sommers und Lohn

für ein paar abgefressene Blätter :

Die Farbenpracht und Leichtigkeit

der einheimischen « Sommervögel

». Doch die Leichtigkeit trügt :

Viele Schmetterlingsarten ringen

mit dem Aussterben. Geeignete

Lebensräume sind rar, denn ausgeräumte

Agrarwüsten und gedüngte,

gespritzte Gärten sind Gift

für Schmetterlinge und Insekten.

Wer diese schönen Tiere im Garten

bewundern will, gärtnert daher

biologisch, oder noch besser bio-

Fotos : fankart – Peter Fankhauser

logisch-dynamisch. Das bedeutet

vollständiger Verzicht auf Dünger

und Spritzmittel. Dazu brauchen

Schmetterlinge die richtigen einheimischen

Nektarpflanzen und

Futterpflanzen für die Raupen.

Selten oder gar nicht gemähte

Blumenwiesen und Bracheflächen

sind ideal. Neben verschiedenen

Küchenkräutern eignet sich so manches

« Unkraut » als Lebensgrundlage.

Zum Beispiel die Brennnessel :

Für verschiedene Falter ist sie von

der Eiablage über die Kinderstube

bis zur Verpuppung lebenswichtig.

Die nesselnde Pflanze schützt und

nährt die anmutigen Insekten zugleich.

Zudem ist die Brennnessel

eine hervorragende Heilpflanze. Sie

enthält wichtige Mineralien und Vitamine

und schmeckt auch in Suppe,

Tee oder sogar im Salat.

Lebensraum Wasser

Warum lassen sich Schmetterlinge

auch mal auf der schweissnassen

Stirn oder auf dem Griff der Gar-

21


22

Naturnahe Gärten

tenschaufel nieder ? Wegen der Mineralsalze.

Reines Leitungswasser

dagegen wird verschmäht. Bunte

Falter lockt man daher auch mit

Gefässen mit wasserdurchtränkter

Erde an. Das Wasser löst Mineralien

aus der Erde, welche die « Sommervögel

» von der Oberfläche saugen.

Ist eine solche Wasserstelle im Gar-

Heilmittel im eigenen Garten

ten etwas grösser, lockt sie neben

weiteren Insekten auch Amphibien,

Vögel und Kleinsäuger an. Gerade

im Sommer, wenn es warm und trocken

ist, wird die Wasserstelle zum

magischen Anziehungspunkt.

Es muss nicht immer ein grosser

Weiher oder ein ausgewachsenes

« Biotop » sein. Eine schöne Vogel-

Wer sich im naturnahen Garten verletzt, pflegt und behandelt sich naheliegenderweise

auch gleich natürlich. Bester Schutz und beste Hilfe sind gute Kenntnisse

der Pflanzenwelt. Hier einige Beispiele hilfreicher Heilmittel aus heimischen

Gärten und ihrer Umgebung, nach der Methodik der Homöopathie :

• Bei Übermüdung durch Anstrengung, allen Arten von Verletzungen, besonders

mit Bluten : Arnika.

• Bei Stichwunden und Schnitten (geistig-seelisch und/oder körperlich) :

Johanniskraut und Stephanskraut (Staphysagria).

• Bei Insektenstichen, Schockzuständen, Notfällen aller Art, ob körperlich,

geistig, oder seelisch : Storchenschnabel (Geranium robertianum).

• Bewährtes Erstmittel bei heftigen Zuständen aller Art und ohne Schweiss :

Eisenhut (Aconitum).

• Dasselbe mit Schweiss : Tollkirsche (Belladonna).

• Vergiftungen durch organische Substanzen : Meisterwurz (Imperatoria).

• Beste Hilfe zum wichtigen Ausleiten allen « Übels » : Viel möglichst natürliches

Wasser aus der Umgebung trinken (nicht zu stark mineralhaltiges Wasser !). (ak)

tränke oder mehrere kleinere Wasserstellen

genügen auch. Wichtig

ist die Wahl des Standortes, denn

die verschiedenen Gartenbewohner

können sich in die Quere kommen.

So sollte die Vogeltränke erhöht liegen,

um nicht gleich zum Jagdplatz

der Katze zu werden (siehe auch Beitrag

Katzenjagd). Bei Wasserstellen

am Boden helfen zum Beispiel mit

Flusskieseln abgeflachte Ufer, Fröschen,

Igeln, Insekten und anderem

Getier, wieder an Land zu kriechen.

Für die Wasserstellen und Bewässerung

des Gartens eignet sich auch

aus ökologischen Gründen Regenwasser

besser als Leitungswasser.

Für die meisten Pflanzen ist Wasser

aus der herkömmlichen Regentonne

besser als kaltes, kalkhaltiges

Leitungswasser, und es wird so

wieder seinem natürlichen Kreislauf

zugeführt.

Ein Zuhause für Tiere

Das Nebeneinander von Baum und

Wiese, Wasser und Steinmauer,

Hecke und Gemüsebeet, Scheu-

ProTier 2/08

Foto : fankart – Peter Fankhauser


Fotos : fankart – Peter Fankhauser

nendach und Komposthaufen trägt

dazu bei, dass Tiere und Pflanzen

ganz viele verschiedene « Strukturen

» in einem Garten vorfinden.

Je grösser dieser kleinräumige

« Strukturenreichtum », desto grösser

die Wahrscheinlichkeit, dass

viele verschiedene Tierarten einen

optimalen Lebensraum darin finden.

Bestimmten Tierarten kann

der Mensch noch zusätzlich ein geeignetes

Zuhause bieten. So auch

den Wildbienen. Sie werden immer

seltener, da der Mensch ihre natürlichen

Brutgelegenheiten verbaut.

Wildbienen leben nicht in Bienenvölkern

und sind kleiner als normale

Honigbienen. Zudem stechen

sie nicht. Bei der Bestäubung von

Blumen spielen diese kleinen Insekten

eine wichtige Rolle. Einfach zu

bauende Wildbienennisthilfen sind

ein Beitrag, ihren Artenbestand zu

sichern (siehe Kasten).

Igel sind ebenfalls gern gesehene

Gäste im naturnahen Sommergarten.

Schliesslich fressen sie vor

ProTier 2/08

allem Nacktschnecken. Wer Igel in

seinem Garten beherbergen will,

muss auch ihnen genügend Unterschlupf

bieten. Am besten eignen

sich dafür altes Holz, aufgestapeltes

Grünzeug, Hecken, wo das Laub

liegen bleibt oder biologische Komposthaufen.

Zudem bietet der Fachhandel

Igelhäuser an, die sich aber

auch selber herstellen lassen, beispielsweise

aus gebranntem Lehm.

Eine Tränke schätzen die stachligen

Vierbeiner ebenfalls sehr. Achtung :

Nie Milch geben ! Sie ist für Igel absolut

unverträglich !

Schneckenplage ?

Kein Problem

Wo Igel und andere Feinde fehlen,

haben Nacktschnecken schon so

manchen Gartenliebhaber zur Verzweiflung

getrieben. So entstanden

viele unakzeptable Lösungen

zur Schneckenbekämpfung : Vom

qualvollen Salzstreuen, über Schneckengift,

das die Weichtiere inner-

lich verbrennt, bis zum lebendigen

Zerschneiden. Der Erfolg ist meist

kümmerlich. Das einfachste Mittel,

der Nacktschnecke beizukommen,

ist genügend Unterschlupf für die

Fressfeinde. Dazu gehören neben

Igeln auch Spitzmäuse, Eidechsen,

Kröten, diverse Vögel sowie

Lauf- und Weichkäfer – und die

geschützte Weinbergschnecke, die

sich gern an Nacktschneckeneiern

gütlich tut.

23


24

Naturnahe Gärten

Eine weitere Möglichkeit ist,

die Schnecke an einen gemeinsamen

Ort zu locken, wo sie

sich mit wenig Aufwand einsammeln

und entfernen lassen. Schafft

man künstlich schattig-feuchte

Schlupfwinkel, zum Beispiel mit

Bau einer Wildbienennisthilfe

Das wird gebraucht : Ein schönes Stück naturbelassenes Holz (zum Beispiel eine

Baumscheibe oder ein Holzblock aus Eiche, Buche, Robinie oder Obstbaum). Ein

Bohrer mit unterschiedlich dicken Aufsätzen (2-10 Millimeter).

So wird es gemacht : Unterschiedlich grosse Löcher in eine Seite des Holzstücks

bohren. Die Löcher sollten tief in das Holz reichen, aber keinesfalls das Holz

durchbohren ! Das Bienennisthaus muss mit der Löcherseite in Richtung Sonne

zeigen und so lange als möglich von der Sonne beschienen werden. Die Nistwand

sollte vor Wind und Wetter (vor allem Regen) geschützt sein. Im Laufe der

Zeit werden einige Löcher vorne mit einem wachs- oder lehmartigen Pfropfen

verschlossen sein – untrügliches Zeichen, dass ein Ei darin abgelegt wurde. Im

darauf folgenden Jahr wird eine Wildbiene schlüpfen ! (ak)

Brettern, unter die sich die Nacktschnecken

gerne zurückziehen, sind

sie dort leicht abzusammeln. Auch

gewisse Pflanzen mögen die Schnecken

nicht. Reihen von Borretsch,

Kerbel, Knoblauch, Petersilie, Ringelblume,

Senf, Salbei, Thymian,

Jungvogel aus dem Nest gefallen – was tun ?

Das kommt immer wieder vor : Ein Jungvogel fällt aus seinem Nest und wird

vom Gartenbesitzer gefunden. Aus Unwissenheit bringen besorgte Menschen

die Vögel oft ins nächste Tierheim oder zum Tierarzt. Das schadet mehr als es

nützt, denn : die meisten solcher Jungvögel sind keineswegs elternlos. Vielleicht

haben sie schon vor dem Flüggewerden das Nest verlassen und betteln

aus umliegenden Büschen oder Bäumen ihre Eltern um Futter an. Nehmen Sie

einen Jungvogel also nur dann weg, wenn sie sicher sind, dass er tatsächlich

von seinen Eltern verlassen ist !

Um dies zu klären, sollte man ihn aus sicherer Distanz wenigstens eine Stunde

lang beobachten. Kümmert sich nicht doch eines der Elterntiere um den scheinbar

hilflosen Jungvogel ? Oft genügt es, einen offen auf dem Boden sitzenden

Jungvogel zur Sicherheit auf einen höher gelegenen Ast zu setzen – er ruft dann

seine Eltern herbei. Ganz junge Vögel kann man auch wieder zurück ins Nest

setzen. Vögel orientieren sich wesentlich weniger als Säugetiere am Geruchsinn

und werden daher auch nach der Berührung durch den Menschen von den Eltern

wieder angenommen. (ak)

Ysop oder Kamille dienen als natürlicher

Schutzwall.

Exotische Bedrohung

Viele neue Gefahren für den naturnahen

Garten ergeben sich aus

der Tatsache, dass im Zuge der

Multikultivierung immer mehr und

immer neue art- und ortfremde

Pflanzen und Tiere eingeschleppt

werden. Diese bedrohen das heimische

Natur- und Kulturgefüge.

Wo allerdings alte einheimische

Obstbäume und Pflanzen, eine

Wasserstelle, ein Komposthaufen,

eine Steinmauer und vielleicht

eine alte Scheune vorhanden sind,

wo keine chemischen Mittel eingesetzt

werden und der Boden

deshalb mit vielen vermeintlichen

« Unkräutern » bedeckt ist – in einer

solchen Umgebung werden sich

viele einheimische Tiere einfinden

und wohl fühlen. Zur Freude

der Natur und jedem tierliebenden

Gartenbesitzer.

ProTier 2/08

Fotos : fankart – Peter Fankhauser (Fotoarchiv H.P. Roth)


Hochschulen ziehen

ans Bundesgericht

Der Streit um die Forschung an Primaten zieht weitere Bahnen : Die

Universität und die ETH Zürich wollen, dass das Bundesgericht zwei

blockierte Versuche mit Affen neu beurteilt.

Die zwei Hochschulen fechten

damit einen Entscheid

des Zürcher Verwaltungsgerichts

an, das zwei Experimente

des Instituts für Neueroinformatik

von Uni und ETH Zürich für rechtswidrig

erklärte. Bei den blockierten

Versuchen sollten Makaken – eine

asiatische Affenart – zum Einsatz

kommen.

Mit ihrem Weiterzug ans Bundesgericht

erhoffen sich die Hochschulen

eine Klärung, unter welchen

Bedingungen in der Schweiz

biomedizinische Grundlagenforschung

mit Primaten überhaupt

noch betrieben werden kann, wie

sie heute mitteilten.

Gravierende Konsequenzen

befürchtet

Ein Verbot der Versuche mit Primaten

hätte laut den Hochschulen gravierende

Konsequenzen. Versuche

mit Primaten seien aus der heutigen

biomedizinischen Forschung nicht

mehr wegzudenken. Die Schweiz

würde sich mit dieser Beschränkung

auf einen problematischen

Alleingang begeben und sich international

einen massiven Wettbewerbsnachteil

einhandeln, heisst

es in der Mitteilung. « Der Entscheid

entzieht dem Forschungsplatz Zürich

die Basis für eine erfolgreiche

Grundlagenforschung in wichtigen

Gebieten der Life Sciences », wird

Professor Peter Chen, Vizepräsident

Forschung der ETH Zürich, in der

Mitteilung zitiert.

« Der Hochschulplatz Zürich

würde seine weltweite Spitzenposition

verlieren, wenn die Grundlagenforschung

in dieser Weise

eingeschränkt wird », glaubt auch

Professor Heini Murer, Prorektor

Medizin und Naturwissenschaften

der Universität Zürich. Auch befürchtet

er, dass Spitzenforscher

dem Zürcher Institut den Rücken

kehren könnten.

Durchbrüche nur

bei langfristiger

Forschungstätigkeit

Die Tierversuchskommission, die

mit ihrem Rekurs bei der Zürcher

Gesundheitsdirektion am Anfang

des juristischen Streits steht, hatte

ins Feld geführt, dass bei Versuchen

mit Primaten zwischen dem verursachten

Tierleid und dem erhofften

Erkenntnisgewinn abzuwägen sei

und dass die Bilanz in diesem Fall

die Experimente nicht rechtfertige.

Das Verwaltungsgericht vertrat in

seiner Argumentation ebenfalls die

Meinung, der erkennbare praktische

Nutzen der Versuche sei zu unsicher.

Tierversuche sind in der Schweiz

explizit zulässig – aber nur wenn

diese Güterabwägung sie zulässt.

Demgegenüber argumentierte

Professor Murer, Durchbrüche in

der Forschung könnten nur dann

erzielt werden, wenn sie langfristig

ausgelegt sei und sich nicht auf

einen kurzfristig erzielten Nutzen

konzentriere. « Es liegt in der Natur

von Grundlagenexperimenten, dass

ungewiss ist, wann sich eine konkrete

Anwendung ableiten lässt »,

wird auch Professor Chen zitiert.

Tages-Anzeiger

ProTier 2/08

25

Foto : © REUTERS/THOMAS PETER


Tierschutz

Drama Katzenjagd

Auf Katzen schiessen ? In den meisten Kantonen ist dies erlaubt.

Sofern eine Katze im Wald oder in abgelegener Natur herumstreunt,

heisst es für Jäger « Feuer frei ». Eine erschreckende Tatsache, die

aber ihre Gründe hat.

VON HANS PETER ROTH

Rund 18 000 Katzen verschwinden

pro Jahr in der Schweiz.

Für die betroffenen Katzenliebhaber

meist ein Drama, verbunden

mit verzweifelter Suche,

mit Inseraten, Umfragen in der

Nachbarschaft, zwischen Bangen

und Hoffen. Sehr oft bleibt das

Schmusetier für immer verschwunden.

Entlaufen, verirrt, überfahren,

durch Artgenossen, Hunde oder wilde

Tiere verletzt, erkrankt, gestorben.

Oder abgeschossen – durch

Jäger, ganz legal.

Im aargauischen Jagdgesetz

etwa ist es Jägern erlaubt, « streunende

Katzen, die mindestens 50

Meter innerhalb des Waldrandes

oder 400 Meter vom nächsten Haus

entfernt angetroffen werden, zu beseitigen

». Die meisten Kantone der

Schweiz kennen ähnliche Gesetze.

Keine Meldepflicht

Die Katzenjagd thematisierte im vergangenen

Februar auch die Boulevard-Zeitung

« Blick » und heizte

die Emotionen an mit Aussagen

wie : « Die süssen Büsi ! Für Jäger

sind sie also Freiwild. » Faktum ist,

dass gewisse Jäger tatsächlich auf

Katzen schiessen, dies in den oben

beschriebenen Gebieten dürfen

und sich teilweise sogar öffentlich

als Katzenjäger bekennen. Erhard

Huwyler, Präsident des Aargauischen

Jagdschutzvereins, schränkte

gegenüber dem « Blick » indes ein :

« In den letzten Jahren ist mir kein

Katzenabschuss bekannt. » Doch es

26 26

gibt schweizweit keine Zahlen. Denn

es besteht nicht einmal eine Meldepflicht

für erschossene Haustiere.

Tatsache ist aber auch, dass

Katzen in freier Natur nicht nur

Mäusen nachstellen, sondern so

ziemlich alles jagen, was ihnen zwischen

die Krallen kommt. So sind

die von Natur aus hier nicht heimischen

Katzen auch eine Gefahr

für junge Feldhasen oder Bodenbrüter.

« In den Wohngebieten der

Deutschschweiz haben Hauskatzen

zudem die Zauneidechse fast ausgemerzt.

Im Tessin bedrohen sie die

Smaragdeidechse », ergänzt Katzenjäger

Franz S. « Ganz zu schweigen

von den Vögeln, die aufgrund dieser

ständigen Bedrohung in Angst und

Stress leben. » In Australien habe

der Import von Katzen zur Ausrottung

von 37 Tierarten geführt.

Gefährliche

« Katzenliebe »

Es mag auf den ersten Blick paradox

erscheinen, wenn ausgerechnet in

dieser Zeitschrift ein Katzenjäger zitiert

wird. Doch als Tierschützer/in

darf man sich der Argumentation

Katze vermisst ?

etwa des Aargauer Jagdgesetzes,

das Wild sei « vor Katzen und Hunden,

die ihm nachstellen und es gefährden,

angemessen zu schützen »,

auch nicht verschliessen. Denn der

Druck der 1,35 Millionen Schweizer

Hauskatzen auf die einheimische

Fauna ist tatsächlich enorm. Und

die Beutetiere, darunter auch zahlreiche

bedrohte Reptilien-, Amphibien-

und Vogelarten, erleiden unter

dem Jagd- und Spieltrieb der Katzen

oft einen qualvollen Tod ; dabei

werden sie von den wohlgenährten

Stubentigern am Ende häufig nicht

einmal gefressen.

Dazu kommt, dass die Schweizer

Hauskatze auch ihre nahe Verwandte,

die einheimische Wildkatze bedroht

– aus einem ganz paradoxen

Grund : « Katzenliebe » ! Streunende

Hauskatzen können in abgelegenen

Waldpartien – etwa im Jura

– durchaus auf Wildkatzen stossen

und sich mit ihnen kreuzen. Mit der

Folge, dass die Wildkatzen sich zunehmend

mit Hauskatzen mischen,

dadurch ihre genetische Reinheit

verlieren und letztlich als Art ganz

verschwinden könnten. Es gibt also

– leider – durchaus Argumente,

streunende Katzen im Wald und in

der abgelegenen Natur zu bekämpfen.

Es gibt aber auch die Möglichkeit,

sein Büsi vor einem drohenden

Abschuss bestmöglich zu schützen

– indem man ihm ein gut sichtbares

Halsband umhängt.

Findeltiermeldestellen Schweiz

Kommt eine Katze nicht mehr nach Hause, dann kann man eine Suchanzeige

aufgeben unter www.tierschutz.ch/cms/de/findeltiermeldestgellen.html.

Tierärzte und Tierschutzvereine empfehlen freilaufende Katzen zu chipen. So

können Besitzer von aufgefundene und / oder verletzten Tieren rasch ausfindig

gemacht und benachrichtigt werden.

ProTier 2/08

Foto : © Maier Robert / SUTTER


Grosse Beutegreifer

Der Steinadler hat die

Schweiz zurückerobert

Vor 50 Jahren war er in der Schweiz

beinahe ausgerottet. Heute geht es

dem « König der Lüfte » ausgezeichnet.

Nachhaltiger Erfolg im Naturschutz

ist möglich – auch bei Beutegreifern !

Der Steinadler ist Beweis und

Symbol dafür.

ProTier 2/08

27


VON ANANDA KUNZ

Seine Flügelspannweite erreicht

beeindruckende 2,2 m.

Und seine Augen sind unglaublich

scharf. So hat man nachgewiesen,

dass ein Steinadler einen

Hasen noch auf eine Distanz von

einem Kilometer entdecken kann.

Während er über Kämme und Gipfel

der Alpen segelt, sucht der majestätische

Überraschungsjäger den

Boden unter sich nach Beutetieren

wie Fuchs, Murmeltier oder eben

Hase, aber auch nach Aas ab.

28

Als der Steinadler 1953, kurz

vor seiner endgültigen Ausrottung

in der Schweiz, vom Bundesrat

endlich unter Schutz gestellt wurde,

ging ein Aufschrei durchs Land.

Adler-Gegner empörten sich heftig.

Denn vor 50 Jahren schlugen dem

Steinadler ähnliche unsinnige Vorurteile

entgegen, wie heute mancherorts

den einheimischen Grossraubtieren

: Lämmerräuber, Kindstöter,

Verderber des Jagdwildes.

Wegen solchen « Begründungen »

verfolgte der Mensch die Steinadler

in ganz Europa gnadenlos mit

Foto : © Dragesco Eric/SUTTER

Flinte, Fangeisen und Giftködern.

Adlerhorste wurden ausgenommen

und zerstört. Bereits im 17. Jahrhundert

begann die systematische

Ausrottung des Steinadlers, parallel

zu Braunbär, Wolf, Luchs, Bartgeier

und anderen Beutegreifern.

Heute wird er bewundert

Trotz der intensiven Verfolgung

im gesamten Alpenraum überlebten

einige Steinadler auch in den

Schweizer Bergen, da gewisse

Horste unzugänglich blieben. Vielleicht

bewahrte den Adler auch ein

gewisser Respekt, der dem « König

der Lüfte » trotz allem entgegengebracht

wurde, vor der vollständigen

Ausrottung. Weil er einst über den

Grossteil der nördlichen Halbkugel

verbreitet war, wegen der menschlichen

Bewunderung für seine Flugkünste

und seine Angriffslust, aber

auch wegen des intuitiven Wissens

um seine tiefe symbolische Bedeutung

ist der Adler nicht von ungefähr

eines der bedeutendsten Sagen-

und Wappentiere.

Ab den 50er Jahren erholte

sich der Steinadler in der Schweiz

langsam aber stetig. Die Vorurteile

wurden allmählich begraben. Kaum

Foto : © Dragesco Eric/SUTTER

ProTier 2/08


Foto : © Dragesco Eric/SUTTER

noch jemand, der das imposante

Flugtier heute als Jagdkonkurrent

oder als Feind der Nutztiere betrachtet.

Fast uneingeschränkt geniesst

er Bewunderung als « König der Lüfte

». In den Alpen ist es fast nur noch

eine Frage der Geduld, einen dieser

faszinierenden Vögel beobachten zu

können : Jedes geeignete Revier ist

von einem Adlerpaar besetzt. Kurz :

Dem Steinadler geht es blendend.

Rund 300 Brutpaare leben in den

Schweizer Alpen und Voralpen.

Mehr sind von Natur aus nicht

möglich. Denn ein Steinadler-Paar

beansprucht ein Revier von rund

100 Quadratkilometern Fläche.

ProTier 2/08

Foto : © Albert Visage/SUTTER

Hoffnung für die

Grossraubtiere

Die Revier besitzenden Paare bleiben

lebenslänglich beisammen.

Artgenossen werden rabiat aus dem

Revier vertrieben. Diese Revierverteidigung

kann so Kräfte raubend

sein, dass die eigene Brut verloren

geht. Diese Selbstregulation sorgt

jederzeit für einen Adlerbestand,

der dem Lebensraum und dem

Nahrungsangebot angepasst ist.

Die optimale Bestandesdichte reguliert

sich also selbst. Dies würde

auch für Wolf, Bär und Luchs in der

Schweiz gelten (siehe hierzu auch

den Raubtier-Update auf der Seite

12), hätten nicht gewisse Jagdfanatiker

oder paranoide Nutztierzüchter

ihre stereotypen Einwände

dagegen.

So gesehen ergeht es Bär, Wolf

und Luchs in der Schweiz heute wie

dem Adler vor 50 Jahren. Die Akzeptanz

ist zwar da, aber noch nicht in

allen Bevölkerungskreisen. Und die

Schutzbestrebungen für die grossen

einheimischen Beutegreifer werden

durch Sabotageakte (sprich Tötungen)

von ewiggestrigen Renitenten

heute ebenso unterlaufen wie vor

50 Jahren beim Steinadler. Trotzdem

stimmt die Erfolgsgeschichte

des Steinadlers in der Schweiz optimistisch.

Vielleicht sind Wolf, Bär

und Luchs in 50 Jahren genauso

verbreitet, selbstverständlich geduldet

und gern gesehen wie heute

der Adler – oder schon viel früher.

Hoffentlich.

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Der Steinadler.

30

ProTier 2/08


Foto : © Von Ah Marc/SUTTER

Foto : zvg ProSpecieRara

Agro-Biodiversität

Bedrohte Schweizer Nutztierrassen

Die Stiefelgeiss

Robust, genügsam, geländegängig, gesund. Das ist die Stiefelgeiss.

Eine Ziege, die kaum Haltungsprobleme und wenig Haltungskosten

verursacht. Für die extremen Bedingungen im Berggebiet eignet

sie sich bestens.

Ob Kälte, Hitze oder Sturm :

Stiefelgeissen ertragen die

harten Wetterumschläge

der Föhntäler im Gegensatz zu

anderen Ziegenrassen problemlos.

Dazu sind sie auch buchstäblich

dickhäutiger.

Diese Robustheit und Widerstandsfähigkeit

machen die Stiefelgeissen

zu geeigneten Partnern

für die Landschaftspflege. Hier

werden sie vor allem gegen die

Verbuschung und Verwaldung eingesetzt.

Denn die Stiefler haben einen

besonders grossen Appetit auf

Blattwerk, Knospen und Rinden.

Ihre dicke Haut hilft den Tieren

bei extremen klimatischen Bedingungen

und die eher kleinen Euter

ProTier 2/08

erleichtern das Bewegen im Busch-

und Astwerk. Bei der Sömmerung

auf der Alp werden sie in höchsten

Höhen beobachtet – zuweilen sogar

zusammen mit Steinböcken. Vielleicht

gibt es daher Vermutungen,

das Steinwild könnte einen Einfluss

auf die Rasse gehabt haben. Laien

verwechseln die Stiefelgeissen

gerne mit den sehr verbreiteten

gemsfarbigen Gebirgsziegen, von

denen sie sich jedoch mit ihrer typischen

Grannen-Behaarung und

dem seidenmatten Fell unterscheiden

– während die gemsfarbigen

Ziegen ein kurzes, glänzendes Fell

haben. Je nach Beinfarbe unterscheidet

man « Schwarzstiefel » und

« Braunstiefel ».

In letzter Minute gerettet

Die Stiefelgeiss stammt aus der Region

St. Galler Oberland/Walensee.

Karge Futterbedingungen und extreme

Witterungsverhältnisse formten

eine Ziege, die dem rauen Leben in

den Bergen angepasst ist. Vitalität

und Berggängigkeit waren wichtig.

Die Milchleistung kam erst an

zweiter Stelle. 1909 wurde die Stiefelgeiss

erstmals als eigenständige

Rasse vorgestellt.

Als die Stiftung « ProSpecieRara »

1983 das Erhaltungsprojekt in Quinten

startete, war die Stiefelgeiss fast

ausgestorben. Zuchtgruppen vor allem

in der Nordostschweiz retteten

die akut bedrohte Rasse in letzter

Minute. Anfang der 90er Jahre erwachte

im St. Galler Oberland das

Interesse an der Stiefelgeiss neu, so

dass heute Sargans und das Weisstannental

wieder das Zuchtzentrum

für die Stiefelgeiss sind. Dieses Jahr

startet der Stiefelgeissen-Züchterverein

das so genannte Hirtiprojekt,

das die Milchziegenhaltung mit der

robusten Rasse nach alter Sitte wieder

belebt. (hpr)

Mehr Infos

Die Stiefelgeissen werden vom

« Stiefelgeissen-Züchterverein

Schweiz » SGS, www.stiefelgeiss.ch

gefördert. Präsident : Bernhard

Aggeler, Tilserstrasse, 8889 Plons,

Tel. 081 723 35 76. Zuchtbuchführung

und Tiervermittlung : Andreas

Zingg, Dorfstrasse 21, 8966 Oberwil-Lieli,

Tel. 056 633 82 01.

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit

mit « ProSpecieRara »,

der Schweizerischen Stiftung für die

kulturhistorische und genetische

Vielfalt von Tieren und Pflanzen,

realisiert. « ProSpecieRara » setzt

sich seit 1982 für die Rettung und

den Erhalt der Vielfalt der Nutztiere

und Kulturpflanzen ein – für

unser genetisches wie kulturelles

Erbe. Letztes Jahr feierte « ProSpecieRara

» sein 25-jähriges Bestehen.

www.prospecierara.ch

31


Inserat

32

ProTier 2/08


Kurznachrichten

Rund ein Drittel

aller Tierarten in

letzten 35 Jahren

verschwunden

Land- und Süsswasserbewohner

im asiatisch-pazifischen

Raum besonders betroffen

Frankfurt – Seit 1970 ist die

biologische Vielfalt des Planeten

um 27 Prozent zurückgegangen.

« Wir verzeichnen

einen drastischen Verlust

von einem Drittel der

Arten », sagt Christoph Heinrich,

Leiter Naturschutz beim

WWF Deutschland. « Zwar

scheinen die zahlreichen

Massnahmen für den Artenschutz

jetzt stabilisierend zu

wirken, aber die Naturzerstörungstrends

– Klimawandel,

Überfischung und Entwaldung

– verschlimmern sich

im Gegenzug immer mehr. »

Eine Trendwende sei derzeit

nicht in Sicht.

Der « Living Planet Index »

(www.cbd.int) misst anhand

der Daten von 4000 Populationen

in fast 1500 Arten

– darunter Fische, Amphibien,

Reptilien, Vögel und

Säugetiere – die Entwicklung

der globalen Wildtierbestände.

« Wenn eine solche

Art abnimmt, dann gibt

dieser Umstand Hinweis

darauf, dass auch mit dem

gesamten Ökosystem etwas

nicht stimmt und womöglich

auch andere Arten

gefährdet sind », sagt Heinrich.

Im asiatisch-pazifischen

Raum ist der Index für Land-

und Süsswasserarten um

70 Prozent gefallen, auch in

Europa habe der Index um

35 Prozent abgenommen.

Dennoch gibt es auch erfreuliche

Entwicklungen im

aktuellen Bericht. Einzelne

Arten, wie etwa die Grüne

Meeresschildkröte in Costa

Rica oder Wolf und Lachs

Foto : wwf.de

in Europa haben sich erholt.

« Für diese Arten wurden

ganz gezielt Schutzmassnahmen

ergriffen », meint

Heinrich. Auch Seeadler

und Kranich seien positive

Beispiele. « Hier haben wir

grandiose Populationsentwicklungen

erlebt, weil konkrete

Massnahmen ergriffen

und die Tiere gesetzlich unter

Schutz gestellt wurden. »

Das internationale Ziel, den

Verlust der biologischen Vielfalt

bis zum Jahr 2010 stoppen

zu können, sieht der

WWF jedoch in weiter Ferne.

Neben der Beanspruchung

von Lebensraum vereinnahme

der Mensch aber auch

stetig mehr natürliche Ressourcen.

Seit Beginn der

1960er Jahre habe dieser

Faktor laut WWF-Bericht um

250 Prozent zugenommen.

So stehen jedem Erdbewohner

1,8 Hektar Fläche zur Deckung

seiner Bedürfnisse zur

Verfügung, tatsächlich aber

betrug der Bedarf im Jahr

2003 etwa 2,23 Hektor pro

Person. Um die Bedürfnisse

der Deutschen zu decken sind

gar 4,5 Hektar pro Einwohner

nötig. (Claudia Misch,

pressetext.deutschland)

Die Überfischung setzt

dem Hammerhai stark zu

China :

Kleine Menschenaffenarten

bedroht

Unter-Gattung sang- und

klanglos ausgestorben ?

Zürich – Menschenaffen in

China sind vom Aussterben

stärker bedroht als anderswo.

Jüngst mussten Anthropologen

der Universität Zürich

www.aim.uzh.ch feststellen,

dass eine weitere Gibbon-Art

ausgestorben ist, nämlich der

ausschliesslich in der chinesischen

Provinz Yunann

beheimatete Hylobates lar

Yunnan-Weisshandgibbon.

« In China haben die Menschenaffen

nahezu 99 Prozent

ihres ursprünglichen

Lebensraumes durch Zerstörung

verloren », berichtet

Studienleiter Thomas Geissmann.

Die geschrumpften,

noch verbleibenden Gebiete

der verschiedenen Weissgibbon-Unterarten

liegen alle im

Naturreservat Nangunhe. Im

Jahr 1988 sei der Yunnan-

Weisshandgibbon dort zum

letzten Mal gesichtet worden,

seine lauten, melodischen

Rufe wurden zuletzt 1992

gehört. Nach zweiwöchiger

Feldarbeit in den Wäldern

des Reservats kam das Forschungsteam

jedoch zu dem

Schluss, dass diese Gibbonart

nicht länger Bestandteil

der chinesischen Tierwelt

ist. « Auch der Weisswangen-

Schopfgibbon ist kritisch bedroht.

Geissmann : « Es weiss

schlicht niemand, ob es ihn

noch gibt. Gut möglich, dass

auch diese Art in den 1990er

Jahren sang- und klanglos

ausgestorben ist. » Vom

Cao-Vit-Schopfgibbon gebe

es derzeit nurmehr weniger

als 100 Vertreter, beim Hainan-Gibbon

sei es gar nur

noch ein Dutzend. Der Verlust

des Yunnan-Weisshandgibbons

könnte also der Anfang

einer Welle der Ausrottung

sein, der die meisten der

chinesischen Menschenaffen

zum Opfer fallen könnten.

Gemäss Geissmann engagiert

sich einzig die Organisation

« Gibbon Conservation

Alliance » (www.gibboncon

servation.org) spezifisch für

Der in China

beheimatete

Yunnan-

Weisshandgibbon

ist ausgestorben.

den Schutz und Erhalt der

Gibbons. Für einen effektiven

Artenschutz sei das viel

zu wenig. Dabei mache die

Familie der Gibbons mit ihren

16 Unterarten rund 70

Prozent der Menschenaffen

überhaupt aus. « Die grossen

Menschenaffen sind

für die meisten Menschen

und Wissenschaftler attraktiver.

Denn die Kleinen, die

mitten im Urwald auf teilweise

40 Meter hohen Bäumen

sitzen, sind auch viel

schwerer zu beobachten »,

meint Geissmann. « Unsere

Arbeit ist nur ein Tropfen

auf den heissen Stein,

aber irgendwo muss man ja

anfangen. » (Claudia Misch,

pressetext.deutschland)

Island gibt wieder

grünes Licht für

Walfang

Wirtschaftliche Nachteile

für die Insel

Reykjavik/London – Islands

kommerzieller Walfang hat

erneut begonnen. Nach heftigen

Debatten zwischen Fischern

und der Regierung

wurde die Quote nun auf

eine unbegrenzte Zahl von

Finn- und 40 Minkewalen

festgesetzt. Fischer hatten

zuvor die Erlaubnis zum Abschuss

von 100 Minkewalen

gefordert. Die Entscheidung

kommt nach wochenlangen

Streitigkeiten auf der Insel

im Nordatlantik. Umweltgruppen

warnen indessen

davor, dass der Walfang die

Wirtschaftskrise im nordeu-

ProTier 2/08 33

Foto : Uni Zürich


34

Kurznachrichten

ropäischen Land noch verschärfen

werde.

Seit dem Ende des Walfang-

Moratoriums ist die diesjährige

Walfang-Saison die

dritte in Folge. Zwar liege

die Quote der in Island gefangenen

Wale deutlich unter

jener Norwegens und Japans,

dennoch werfen Kritiker

der Regierung des Landes

vor, dass sie sich nach

aussen als natürliches, ökologisch

einwandfreies und

grünes Land präsentiere.

« Wir raten der isländischen

Regierung dringend dazu,

die Entscheidung über den

Walfang nochmals zu überdenken

», äusserte etwa Robbie

Marsland vom « International

Fund for Animal Welfare

» IFAW www.ifaw.org.

Die Rückkehr zum Walfang

könnte dem Land und damit

auch der ohnehin fragilen

Wirtschaft der 103 000 Quadratkilometer

grossen Insel

enormen Schaden zufügen.

Darunter würde auch der Ruf

des Landes weltweit leiden.

Islands Wirtschaft ist ohnehin

ziemlich schwach auf

den Beinen : Die Inflationsrate

liegt bei elf Prozent jährlich,

die Zinsen betragen bis zu 15

Prozent. Der Fremdenverkehr

als wachsender Wirtschaftszweig

setzt bei der Vermarktung

des Landes auf dessen

ungestörte und unberührte

Natur. « Whale-Watching »

hat sich als stark wachsender

Zweig etabliert. Die nunmehrigen

Bestrebungen Wale zu

jagen, stehen diesem Vorhaben

nun entgegen. Marsland

betont, dass das « Whale-

Watching » als Industriezweig

mehr wiege, als der Walfang.

Immer lauter werden auf der

Insel auch Gerüchte, wonach

einige der Politiker eher die

Interessen der IFAW vertreten

als jene der Fischer. Dies

sei auch der Grund gewe-

sen, dass man wochenlang

über die Quoten verhandelt

habe. Die Entscheidung

oblag schliesslich dem Fischerei-Ministerium,

das mit

dem Argument vorpreschte,

der Bestand von insgesamt

174 000 Minkewalen im

Nordatlantik sei durch die

Jagd auf 40 kaum gefährdet.

Ein Hauptargument der isländischen

Fischer war dahingehend,

dass die Isländer so

gerne Walfleisch verzehren.

Eine von der IFAW durchgeführte

Untersuchung des Gallup-Instituts

ergab allerdings,

dass nur 1,1 Prozent der Befragten

ein- oder mehrmals

pro Woche Walfleisch essen,

hingegen 82,4 Prozent der 16-

bis 24-jährigen Isländer dieses

nicht berühren.

Fledermäuse helfen

bei der Aufforstung

tropischer Wälder

Berlin – Evolutionäre Ökologie.

Wie Fledermäuse die

Regeneration tropischer Regenwälder

fördern können,

einfach und kostengünstig :

Forscher des Leibniz Institutes

für Zoo- und Wildtierforschung

Berlin (IZW)

www.izw-berlin.de und der

Universität Erlangen-Nürnberg

www.uni-erlangen.de

brachten für eine Langzeitstudie

in Costa Rica künstliche

Tagesquartiere, die hohen

Baumstämmen und somit

den natürlichen Behausungen

der fliegenden Säuger

ähneln, auf gerodeten Flächen

an, um die Ansiedlung

zu begünstigen und die Fledermäuse

gezielt zu konzentrieren.

Denn diese Flugtiere

verbreiten durch ihre Ausscheidungenverschiedenste

Pflanzensamen in einem

grossen Umkreis. Sie ernähren

von vielen Früchten und

Nektar, wodurch ihnen eine

Schlüsselrolle in der Samenausbreitung

und Pflanzenbestäubung

zukommt.

In den vergangenen Jahren

sind die tropischen Wälder

in Lateinamerika regional

um rund 1,5 Prozent zurückgegangen.

Durch intensive

Nutzung als Ackerland verliert

der Boden seine Fruchtbarkeit,

sodass gerodete Flächen

oft brach liegen bleiben. Fledermäuse

scheuen offene Flächen

nicht. Schon nach wenigen

Wochen seien zehn Fledermausarten

in die Quartiere

eingezogen und hätten die

Samen von etwa 60 Pflanzenarten

rund um ihre Nistplätze

verteilt. Dabei hätten die

Fledermäuse besonders viele

Samen von sogenannten Pionierarten

eingetragen, also

Pflanzen, die in noch nicht besiedeltes

Gebiet vordringen

und gegenüber anderen Arten

widerstandsfähiger sind.

Künstliche Aufforstung ist

bekanntlich sehr kostspielig,

und oftmals fehlt die nötige

Kenntnis, um den Wald

schnell wieder in einen natürlichen

Zustand versetzen

zu können. Hingegen

die Herstellung der Fledermausquartiere

ist kostengünstig,

und die Behausungen

bedürfen kaum Wartung.

Die Studien-Ergebnisse sind

in der Fachzeitschrift « Conservation

Biology » veröffentlicht.

(Claudia Misch,

pressetext.deutschland)

Fledermäuse können

zur Wiederbewaldung

beitragen.

Foto : pixelio.de – Helmut Kaltenleitner

Denner verkauft

keine Foie Gras mehr

Denner verzichtet auf den

Verkauf von Foie Gras und

Kaninchenfleisch. Die Erkenntnisse

zum Thema Stopfleber

und die nicht artgerechte

Haltung von Kaninchen haben

Denner zu diesem Entscheid

bewogen. AP

Koalas

durch Klimawandel

bedroht

CO 2 -Emmissionen redu

zieren Eiweissgehalt von

Eukalyptusblättern

Canberra – Die beliebten

australischen Koalas sehen

als Konsequenz des globalen

Klimawandels einer düsteren

Zukunft entgegen. Dies

befürchten zumindest australische

Wissenschaftler,

wie die Zeitung The Australian

berichtet. Laut den Forschern

habe vor allem der

zunehmende Ausstoss von

Treibhausgasen dazu geführt,

dass das wichtigste Grundnahrungsmittel

der Tiere, die

Eukalyptusblätter, ungeniessbar

werden. Untersuchungen

hätten eindeutig gezeigt, dass

erhöhte CO 2 -Werte den Eiweiss-

und Nährstoffgehalt

in den Blättern reduzieren.

Um dennoch überleben zu

können, müssten die Koalas

und eine Reihe anderer Tiere,

die sich hauptsächlich von

Eukalyptus ernähren, künftig

wesentlich mehr Blätter zu

sich nehmen.

« Die Hauptnahrungsquelle

der Koalas verwandelt sich in

Leder », erklärt Bill Foley von

der « Australian National University

». Von dieser Gefahr sei

eine Reihe von beuteltierähnliche

Tierarten betroffen, was

deren Leben in Zukunft extrem

schwierig werden las-

ProTier 2/08


se. « Die Nahrungsmittelkette

der Koalas ist sehr fein ausbalanciert.

Jede noch so kleine

Veränderung kann unglaublich

ernste Konsequenzen haben

», warnt Ivan Lawler von

der « James Cook University ».

Mit solchen Prognosen eher

bedeckt gehalten meint Frank

Zachos vom « Zoologischen Institut

» der « Universität Kiel »,

dass die genauen Folgen abzuschätzen

sehr schwierig sei.

Jedoch betont er : » Die Folgen

werden weitaus dramatischer

sein als erwartet und

nicht nur auf Tiere beschränkt

bleiben. » Bereits heute würden

jeden Tag unzählige Tierarten

aussterben, wovon einige

dem Menschen noch

nicht einmal bekannt seien.

In den 20er-Jahren brachten

die Jäger mit ihrer Gier

nach Koala-Fellen das Tier

schon einmal an den Rand

der Ausrottung. In jüngerer

Vergangenheit hatte dann der

zunehmende Rodungsbau in

Australien den Lebensraum

der Tiere bedrohlich eingeschränkt.

Laut Angaben der

« Australian Koala Foundation

» www.savethekoala.com

wird die Zahl der wildlebenden

Koalas mittlerweile auf

weniger als 100 000 Tiere geschätzt.

Zu Beginn der europäischen

Besiedelung waren

es noch mehrere Millionen.

(Pressetext.deutschland, Markus

Steiner)

Rosenkrieg bei

Vögeln durch fremde

Weibchen ausgelöst

Ornithologen untersuchen

Trennungsverhalten bei

Blaumeisen

Seewiesen – Nicht nur bei

Menschen, sondern auch

bei Vögeln sind Scheidungen

offenbar gang und gäbe.

Die Verhaltensökologen Bart

Kempenaers und Mihaj Vicu

vom « Max-Planck-Institut für

Ornithologie » haben in einer

Langzeitstudie mit Blaumeisen

belegen können, dass

auch bei sozial monogamen

Vögeln Fremdgehen verbreitet

ist. Dabei konnten sie

Trennungsraten von 53 Prozent

beobachten. Für die beiden

Wissenschaftler galt es

nun herauszufinden, welcher

der beiden Partner eher von

der Trennung profitiert.

Frühere Studien hatten ergeben,

dass oftmals die weiblichen

Sperlingsvögel, zu

denen auch die Blaumeisen

zählen, den grösseren Nutzen

aus einer « Scheidung »

ziehen. So hätten sie mit

dem neuen Partner mehr

überlebensfähige Nachkommen

gezeugt. « Nach diesen

Erkenntnissen sollten es die

Weibchen sein, welche die

Initiative zum Verlassen eines

Partners ergreifen », erklärt

Kempenaers, Direktor

der Abteilung für Verhaltensökologie

und Evolutionäre

Genetik am Max-Planck-Institut

für Ornithologie.

Kempenaers und sein Mitarbeiter

Mihaij fanden allerdings

heraus, dass sich

der bessere Bruterfolg nicht

allein durch die Trennung

vom alten Partner begründen

lässt, sondern vielmehr mit

dem daraus folgenden Ortswechsel

zusammenhängen

würde. Die Wissenschaftler

verzeichneten nur bei denjenigen

Weibchen einen

Anstieg der Nachkommenschaft,

die ihr angestammtes

Territorium verlassen

und sich an einem besseren

Platz wieder niedergelassen

hatten. Die männlichen Blaumeisen

dagegen hätten sich

generell als Nesthocker erwiesen

und seien nach der

Trennung in ihrer gewohnten

Umgebung geblieben.

Foto : pixelio.de – Hanspeter Bolliger

Auch die

monogamenBlaumeisen

wechseln

gern den

Partner.

Daraufhin haben die Forscher

die Blaumeisenweibchen

genauer untersucht, die

nach Ende der Beziehung an

ihrem angestammten Nistplatz

oder zumindest in dessen

Nähe verblieben waren.

Sie erhofften sich dadurch

den Effekt des Territoriumswechsels

von dem der Scheidung

entkoppeln zu können.

Dabei stellte sich heraus, dass

entgegen der vorherigen Ergebnisse

der Langzeitstudie

hier nicht die Weibchen, sondern

vielmehr die Männchen

die Trennungsprofiteure waren

: Durch die Paarung mit

grösseren Weibchen hatten

sie einen höheren Bruterfolg,

als mit ihren ehemaligen Partnerinnen.

Über den endgültigen Scheidungsverursacher

könne man

also weiter nur spekulieren,

so Kempenaers. « Aber unsere

Hypothese ist, dass ein grösseres,

stärkeres Weibchen die

ursprüngliche Partnerin vertreibt

und das Männchen samt

Territorium übernimmt. » Damit

wäre der sehr menschliche

Kampf der Weibchen um

einen guten Paarungspartner

der Auslöser für Trennungen

in der Vogelwelt.

(Pressetext.austria, Claudia

Misch)

Verheerende

Schleppnetzfischerei

« Als walze man einen Wald

nieder, um die dort lebenden

Rehe zu erlegen »

London – Die Schleppnetzfischerei

eine der schlimmsten

Fischereimethoden, meint der

Meeresbiologe Michael Stachowitsch

von der « Universität

Wien » (www.univie.ac.at/

marine-biology). « Das ist in

etwa so, als walze man einen

Wald nieder, um die

dort lebenden Rehe zu erlegen.

» Stachowitsch missfällt

zudem, dass Europäer

gerne mit erhobenem Finger

Missstände ausserhalb

des eigenen Kontinents kritisieren.

« Dabei geschieht

in europäischen Gewässern

genau das Gleiche : Fischereiquoten

sind zu hoch und

werden überschritten. Der

Raubbau im Meer findet

also auch hier statt. »

Eine schottische Studie, deckt

auf, welch vernichtende Wirkung

die Stahlseile der kommerziellen

Tiefseefischerei

auf die Fischbestände haben.

Deren Verwendung sei

mit ein Grund dafür, dass die

Fischbestände in der Tiefsee

vor der Küste Irlands dramatisch

abnehmen, berichtet

das Wissenschaftsmagazin

« Nature » in seiner Online-

Ausgabe. Beim « Ocean Sciences

Meeting » der « American

Geophysical Union »

(www.agu.org) in Orlando,

Florida, zeigen Forscher auf,

dass von 1979 bis 2002 die

Schleppnetze im Porcupine

Seabight südwestlich von

Irland zunehmend tiefer

(wenige Hundert bis zu 4000

Tiefenmeter) eingesetzt wurden

und die Zahl der Fische

dort um etwa 50 Prozent abgenommen

hat.

Die Schleppnetze wurden im

in Tiefen von wenigen hundert

bis zu 4000 Meter ausgebracht.

« Das ist eine der wenigen

Studien, die weg vom

Kontinentalhang bis hin zur

abyssischen Tiefebene (von

etwa 2000 bis 4000 Metern

Tiefe) reicht », erklärt Drazen

hatte an der Untersuchung

ProTier 2/08 35


allerdings nicht teilgenommen.

In Tiefen bis zu 1500 Meter,

wo sehr viele kommerzielle

Fischfangflotten agieren,

nimmt die Zahl der Fische

logischerweise rasant ab. Jedoch

auch in 3000 Tiefenmetern

sinkt der Fischbestand

extrem. Das gilt auch für Arten,

die nicht kommerziell

befischt werden. Wie erklärt

sich das ? Jeffrey Drazen, Experte

für Tiefseefischerei von

der « University of Hawaii » in

Manua. Sieht den Grund darin,

dass viele der Tiere « ontogenetische

Migratoren »

sind, also den Anfang ihres

Lebens in seichteren Gewässern

verbringen und im geschlechtreifen

Alter in grössere

Meerestiefen abwandern.

Wenn zu viele Jungfische in

den Netzen enden, egal ob

36

Kurznachrichten

Foto : pixelio

kommerziell verwertet oder

als Beifang dem Tod geweiht,

findet möglicherweise keine

Migration mehr statt. Den

Migratoren gebührt mehr

Aufmerksamkeit seitens der

Wissenschaft – gerade im

Hinblick auf deren Bedeutung

für das Tiefseeleben.

Schleppnetzfischerei schädigt

die Tiefsee. Flotten ziehen

die beschwerten Netze

über den Meeresboden, was

diesen zerstört. Dabei werde

die Tiefsee wie ein Acker umgepflügt,

erklärt Antje Helms,

Meeresbiologin bei « Greenpeace

» (www.greenpeace.at).

Besonders gefährdet dabei

sind Tiefseekorallen. Bei einem

einzelnen Einsatz eines

Schleppnetzes werden zwischen

95 und 98 Prozent der

Korallenbedeckung ruiniert,

argumentieren die Umweltschützer.

(Pressetext.austria,

Wolfgang Weitlaner)

Leergefischte Meere

trotz Warnungen der

Wissenschaftler.

PER LUFT PER STRASSE PFERDE

ZOLL


REX Transport GmbH

Postfach 112

CH-8185 Winkel - ZH

zrh@rextransport.com

skype : rexexpresszrh

Adressänderung

Bitte melden Sie uns Ihre neue Adresse.

Adressnachforschungen bei den Gemeinden kosten uns pro Anfrage CHF 20.–.

Geld, das wir besser für die Tiere einsetzen könnten.

Alte Adresse

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Mitgliedernummer : ______________________________

Strasse :_________________________________________

PLZ und Wohnort : _______________________________

Telefon :_________________________________________

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TRANSPORTS ANIMAUX

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Fax : +41 43 444 0942

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Neue Adresse

Name : ___________________________________________

Vorname : ________________________________________

Strasse : __________________________________________

PLZ und Wohnort : ________________________________

Telefon :__________________________________________

E-Mail : ___________________________________________

Einsenden an : Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz, Alfred Escher-Strasse 76, CH-8002 Zürich

Oder faxen an : 044 201 26 23

ProTier 2/08




2/08


Patenschaften

Die Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz/ProTier schläfert keine

gesunden Tiere ein. Wir nehmen deshalb auch ältere Tiere auf, die anderswo

abgewiesen würden. Wir sind der Meinung, solange ein Hund

oder eine Katze zeigt, wie gern er oder sie noch am Leben ist, haben wir

kein Recht , ihnen dieses zu nehmen.

Erfreulicherweise finden wir immer wieder Menschen, oft auch jüngere

Leute, die einem unserer « Senioren » ein neues Zuhause geben. Mitunter

aber bleiben ältere Tiere recht lange im Tierheim und verursachen hohe

Kosten.

Foto : © Archiv ProTier

Deshalb bitten

wir Sie :

Werden Sie

Patin / Pate

eines Findeltieres !

Mit Ihrem monatlich

wiederkehrenden Betrag

geben Sie uns die

Möglichkeit,

uns weiterhin optimal

für unsere Schützlinge

einzusetzen.

PRO


Ich übernehme die Patenschaft für ein Findeltier und werde

monatlich folgenden Betrag überweisen (12 Einzahlungsscheine

werden mir nach Eingang dieses Talons zugeschickt) :

CHF 20.– CHF 40.– CHF 50.–

CHF 100.– CHF

Ich überweise einen einmaligen Betrag von CHF

Ich werde Mitglied bei der SGT (Jahresbeitrag CHF 30.–)

(Bitte Gewünschtes ankreuzen)

Name : Vorname :

Strasse : PLZ/Ort :

Datum :

Bitte ausschneiden und einsenden an :

Unterschrift :

Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz, Alfred Escher-Strasse 76, 8002 Zürich

ProTier 2/08 37

Foto : © Archiv ProTier

PT 2 / 08


Projekte + Kampagnen

38

So können Sie helfen

Tiere im Osten

Finanzielle Unterstützung von Aufklärungskampagnen

der Organisation « Svoboda Zvirat »

in Pilsen (CZ).

Bären

Wir unterstützen die Projekte der « International

Bear Foundation » (IBF) in Indien und Georgien.

Findeltiere

Aufnahme, medizinische Versorgung und

Vermittlung von Hunden und Katzen.

Katzenkastrationen

Abgabe von Kastrationsgutscheinen zur Unterbindung

sinnloser Katzenvermehrung, speziell

auf Bauernhöfen.

Sie wollen eines oder mehrere dieser

Projekte und Kampagnen finanziell unterstützen

? Verwenden Sie bitte beiliegenden

Einzahlungsschein mit dem

Vermerk der entsprechenden Aktion.

Sie können natürlich auch online

spenden unter : www.protier.ch

Unser Spendenkonto

PC : 80-37221-2

Vermerk : Projekte + Kampagnen

Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz

Alfred-Escher-Strasse 76, CH-8002 Zürich

ProTier 2/08

Foto : © Martin Siegenthaler


CD-Bestellungen

Musikgenuss

für einen guten Zweck

nd. Der Musiker, Toningenieur und Produzent Rossano Bardini

(Studio D3, Feldmeilen) ist ein grosser Tierfreund. Schon

lange hegte er den Wunsch, mit seiner Arbeit einen Beitrag

für Not leidende Tiere zu leisten. Nun ergab sich mit zwei

seiner Produktionen eine gute Gelegenheit. Mit seinem langjährigen

Musik-Kollegen Tito Castro hat sich Rossano Bardini

dazu entschlossen, vom Verkaufserlös der gemeinsam produzierten

CD « Entre la luz y el silencio » einen Anteil ProTier

zugunsten unserer Findeltiere zu spenden. Gleiches gilt für

die vom selben Produzenten realisierte CD mit Aufnahmen

eines Benefizkonzertes in der Pfarrkirche Muotathal.

Entre la luz y el silencio

Tito Castro

Tito Castro wurde am 11.10.1964 in

Pontevedra (Galizien) geboren. 1971

kam er in die Schweiz. Seit 1985

setzt er als Studiomusiker sowie in

mehreren Projekten und Konzerten

im In- und Ausland seine musikalische

Unterschrift. In seiner Heimat

Spanien schrieb er die Musik zu Dokumentarfilmen

über sein Land. Das Tessiner Fernsehen hat

ein Porträt über ihn realisiert.

Auf « Entre la luz y el silencio » (Zwischen Licht und

Stille) findet sich nicht die typisch spanische Musik im Flamenco-Stil.

Die Gitarre erinnert noch am ehesten an die südspanische

Spielweise. Ansonsten sind aber klar die Einflüsse

irischer Einwanderer in Galizien, im Norden Spaniens, erkennbar.

Die CD ist ein sehr persönliches Werk : Der Künstler

erzählt mit seiner Musik viel von sich selbst. Die Schauplätze

seiner Lieder sind Orte, zu denen Tito Castro eine ganz besondere

Beziehung hat. Auf der CD sind sieben instrumentale

Titel zu hören, interpretiert mit Gitarre, Harfe, Oboe und Percussion

aus Galizien. « Entre la luz y el silencio » ist ideal für

alle, die die spanische Musik einmal von einer anderen, eher

unbekannten Seite kennen lernen möchten.

Klangerlebnis

Allgäu Sinfonietta

in der Pfarrkirche Muotathal

Das Kammerorchester wurde 1997

von Theo Bross, zusammen mit zehn

jungen, professionellen Instrumentalisten,

in Immenstadt gegründet.

Das junge Ensemble erspielte sich

durch seine engagierten und stilsicheren

Auftritte schnell die Gunst des Publikums und der

Fachpresse. Die Allgäu Sinfonietta arbeitet ohne Dirigenten,

die einzelnen Werke werden unter Führung der Stimmführer

gemeinsam erarbeitet. Mit inzwischen zwanzig Konzerten pro

Jahr hat sich die Formation einen festen Platz im Musikleben

gesichert. Das Orchester hat mit mehreren Gastspielen die

Schweiz, Italien, Frankreich und Ungarn bereist. Auch als Partner

zahlreicher Chöre und Solisten ist die Allgäu Sinfonietta

ein gefragtes Ensemble.

Anlässlich ihres beeindruckenden Auftrittes in der Pfarrkirche

Muotathal, zusammen mit der Sopranistin Elisabeth Scott, interpretiert

das Ensemble Werke von Vivaldi, Pachelbel, Bach,

Mozart und Tschaikowski. Die dabei aufgenommene CD « Klangerlebnis

» ist eine wunderschöne, unverfälschte Aufnahme

ohne Nachbearbeitung. Der exquisite Klangkörper der Allgäu

Sinfonietta verbindet sich in faszinierender Weise mit der einzigartigen

Resonanz des spätbarocken Kirchenraumes und

begeistert nicht nur Klassikfans.


Bestelltalon

Ich bestelle gegen Rechnung

(plus CHF 2.50 Versandkostenanteil pro Bestellung) :

Ex. à CHF 20.–

Entre la luz y el silencio / Tito Castro

Ex. à CHF 25.–

Klangerlebnis / Allgäu Sinfonietta

in der Pfarrkirche Muotathal

Von jeder verkauften CD erhält ProTier 10 Prozent des

Verkaufspreises zugunsten unserer Findeltiere !

(Bitte in Blockschrift)

Name :

Vorname :

Strasse :

PLZ/Ort :

Datum :

Unterschrift :

(Bei Minderjährigen Unterschrift der gesetzlichen Vertreter)

Talon ausschneiden und einsenden oder faxen an :

Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz,

Alfred Escher-Strasse 76, 8002 Zürich, Fax 044 201 26 23

ProTier 2/08 39


Tiere in Not …

ProTier hilft !

Werden Sie Mitglied !

Foto : © Archiv ProTier


Beitrittserklärung für die

Schweizerische Gesellschaft

für Tierschutz

Alfred Escher-Strasse 76

8002 Zürich, Telefon 044 201 25 03

E-Mail : tierschutz@protier.ch, Web : www.protier.ch

Minimalmitgliederbeitrag pro Jahr CHF 30.–

Minimalmitgliederbeitrag auf Lebenszeit CHF 1000.–

Minimalmitgliederbeitrag für

Jugendliche unter 18 Jahren CHF 20.–

Für Kollektivmitglieder CHF 200.–

Für Paarmitglieder CHF 50.–

Ich wünsche, in die Schweizerische Gesellschaft für Tierschutz/ProTier aufgenommen zu werden.

Herr Frau (Bitte in Blockschrift ausfüllen)

Name : Jahrgang :

Vorname : Postleitzahl :

Strasse : Ort :

Ort, Datum : Unterschrift :

PT 2 / 08 (Bei Minderjährigen Unterschrift des gesetzlichen Vertreters)

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