SAISONCHRONIK 2009/10 - 1899 Hoffenheim

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SAISONCHRONIK 2009/10 - 1899 Hoffenheim

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SAISONCHRONIK 2009/10


SAISONCHRONIK 2009/10| head

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FOTOS

Uwe Grün

H&B Pressebild Pfeifer, Wiesloch

dpa Picture-Alliance GmbH

2 SAISONCHRONIK 2009/10

Dies ist die Chronik der zweiten Saison von 1899 Hoffenheim

im Oberhaus des deutschen Fußballs. Nachdem die erste Saison

(2008/09) sensationell begonnen und zum inoffi ziellen Titel ‘Herbstmeister’

geführt hatte, war es damals in der Rückrunde durch

zahlreiche Verletzungen und andere Sorgen zu einem Einbruch

der Kräfte und Erfolge gekommen. Die Mannschaft hatte sich aber

gegen Ende der Saison fangen können und war auf Platz 7 der

Abschlusstabelle gelandet: für einen Aufsteiger mehr als respektabel.

In dieser zweiten Saison wollte man vieles noch besser machen.

Gemeinhin gelten ja Aufsteiger in der zweiten Saison als besonders

gefährdet, doch angesichts des hohen spielerischen Potentials,

vielversprechender Zukäufe und der übrigen personellen Konstanz

durfte man davon ausgehen, dass 1899 Hoffenheim auch in der

neuen Saison keinesfalls um den Abstieg spielen würde. Im Gegenteil:

alle Signale standen auf Angriff, um den temporeichen,

modernen Fußball noch zu perfektionieren. Dass es anders kam

und man einerseits wieder mit vielen Verletzungssorgen zu kämpfen

hatte, ohne deshalb allerdings gegen den Abstieg zu spielen,

und andererseits gerade an offensiver Kraft einbüßte, bereitete

den Fans und den Verantwortlichen einiges Kopfzerbrechen. Aber

so ist der Fußball – nicht vorhersehbar, nie berechenbar und zuletzt

eine Sache des Herzens.


DER KADER

Obere Reihe, von links nach rechts:

Chinedu Obasi, Marvin Compper, Prince Tagoe, Vedad Ibisevic, Isaac Vorsah, Josip Simunic, Albert Alex,

Per Nilsson, Demba Ba, Luiz Gustavo, Kevin Conrad, Manuel Gulde, Sejad Salihovic, Maskottchen Hoffi

Mittlere Reihe, von links nach rechts:

Ralf Rangnick (Chef-Trainer), Peter Zeidler (Co-Trainer), Rainer Schrey (Athletik-Trainer), César Thier (Torwart-

Trainer), Zsolt Petry (Torwart-Trainer), Hans-Dieter Hermann (Sportpsychologe), Matthias Jaissle, Wellington, Simon

Stadler (Physiotherapeut), Michael Grau-Stenzel (Physiotherapeut), Peter Geigle (Physiotherapeut),

Heinz Seyfert (Zeugwart und Betreuer), Christian Seyfert (Zeugwart und Betreuer), Dr. Pieter Beks (Mannschaftsarzt)

Untere Reihe, von links nach rechts:

Tobias Weis, Franco Zuculini, Marco Terrazzino, Andreas Ibertsberger, Andreas Beck, Ramazan Özcan, Daniel Haas,

Jens Grahl, Timo Hildebrand, Christian Eichner, Pascal Groß, Boris Vukcevic, Maicosuel, Carlos Eduardo

Es fehlen: Tomislav Maric (Assistenz-Trainer), Matthias Bauer (Busfahrer und Betreuer)

3


DFB-POKAL 1. RUNDE | FC Oberneuland

2. AUGUST 2009

FC Oberneuland – 1899 Hoffenheim 0:2

Die Aufstellung, mit der Ralf Rangnick zur 1. Hauptrunde der neuen Pokalsaison antrat,

hatte noch nicht viel mit seiner Aufstellung zum Bundesliga-Auftakt sechs Tage später zu

tun. Neuzugang Josip Simunic etwa, von Hertha BSC nach Hoffenheim gewechselt, fehlte

aufgrund einer Rotsperre des Vorjahres. Demba Ba kurierte seine Operationsfolgen

aus, nachdem ihm im Sommer der Titannagel wegen des zu belgischer Zeit erlittenen

Wadenbeinbruchs entfernt worden war, ein Umstand, der sich für die gesamte Saison als

folgenreich erweisen sollte. Andi Beck dagegen genoss nach der erfolgreichen U-21-EM

in Schweden noch den verdienten Sonderurlaub. Mit Tobi Weis wiederum, mit Zuculini

und Luiz Gustavo fehlten verletzungsbedingt weitere mögliche Stammspieler.

4 SAISONCHRONIK 2009/10

Weil Ibertsberger hinten rechts die vakante

Stelle von Beck ausfüllte, kam Neuzugang Eichner

vom abgestiegenen Badener Konkurrenten

Karlsruhe gleich zu seinem ersten Einsatz auf der

linken Abwehrseite. Aber es gab eine andere

Premiere, die von Presse und Fans weitaus gespannter

verfolgt wurde: nach überstandener,

siebenmonatiger Verletzungspause infolge eines

Kreuzbandrisses stand zum ersten Mal wieder

Vedad Ibisevic auf dem Platz. Seine Rückkehr in

die Mannschaft war nach der schwierigen Rückrunde

der Aufstiegssaison mit großen Erwartungen

befrachtet.

Im Spiel bei hochsommerlichen Temperaturen

sah man Ibisevic jedoch an, dass der Genesungsprozess

körperlich zwar abgeschlossen war,

mental aber noch andauerte. Besonders bei

Zweikämpfen hielt sich der Bosnier zurück, spürbar

belastete ihn die Erinnerung an die Verletzung

und bewirkte, dass er sein Knie keiner extremen

Belastungsprobe aussetzen wollte. Doch sein

hohes Spielverständnis und auch sein Spielwitz

blitzten immer wieder auf, in Kombinationen mit

seinen Nebenleuten lauerte stets Gefahr. Nur mit

dem Abschluss wollte es nicht klappen. Als ihn

in der 10. Minute ein 30-Meter-Pass erreichte,

nahm er den Ball gefühlvoll mit der Brust an,

schoss ihn dem Keeper aber direkt in die Arme.

Der Gegner aus der Regionalliga versteckte

sich nicht. Immer wieder gingen die Oberneuländer

unerschrocken in die Bälle der noch lange

nicht auf höchstem Niveau agierenden Hoffenheimer

und kamen mitunter durchaus zu Szenen

in Strafraumnähe: gleich in der 2. Minute, als

Eichner klären konnte, und wieder in der 8. Minute,

als Ibertsberger eingreifen musste. Ab der

10. Minute erhöhte 1899 Hoffenheim allerdings

Tempo und Druck und kam über die 1. Halbzeit

verteilt zu einigen guten Chancen: bei Schüssen

von Salihovic und Vukcevic, bei einem Kopfball

und einem Schuss von Ibisevic.

Unmittelbar nach der Pause erarbeitete sich

Oberneuland die erste richtig gute Chance, Hilde-


FC OBERNEULAND

Ceglarek, Pekrul, Dreyer, Mandic, Cornelius (82.

Boukantar) Block (57. Bilgin), Titz (61. Beck),

Posipal, Muzzicato, Laabs, Karapetian

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger, Compper, Nilsson,

Eichner, Vukcevic (63. Groß), Carlos Eduardo,

Salihovic, Obasi (63. Wellington), Ibisevic

(77. Terrazzino), Maicosuel

ZUSCHAUER

2.743

TORE

0:1 Obasi (48.)

0:2 Maicosuel (54.)

SCHIEDSRICHTER

Christ (Kaiserslautern)

GELBE KARTEN

Titz, Posipal

Nilsson

brand konnte den scharf von rechts geschlagenen

Flankenball im Fünfmeterraum gerade noch parieren.

Aber schon eine Minute später, in der 48.

Minute, zeigte Hoffenheim dem Regionalligisten

die Krallen. Nach Doppelpass mit Ibisevic war es

Obasi, der aus halblinker Position mit dem Außenrist

abzog und den Ball unhaltbar ins lange

Eck beförderte.

Wenige Minuten später schien die Partie bereits

entschieden. In der 54. Minute landete ein zu

kurzer Abwehrversuch der Oberneuländer direkt

vor den Füßen von Maicosuel, dem brasilianischen

Neuzugang, der bisher etwas blass geblieben

war und sich ins schnelle Hoffenheimer Spiel

noch nicht ganz einzugliedern vermochte. Über

welche außergewöhnlichen Fertigkeiten er jedoch

verfügt, zeigte er jetzt: aus 20 Metern mit dem

Vollspann abziehend, traf er unhaltbar zum spielentscheidenden

0:2.

In der Folge verlief die Partie ohne größere

Höhepunkte. Da keine erhebliche Gefahr mehr

vom Regionalligisten ausging, wechselte Trainer

Rangnick in der 63. Minute gleich doppelt aus.

Groß kam für Vukcevic, und für Obasi wurde

Wellington eingewechselt: einer seiner letzten

Einsätze für 1899 Hoffenheim. Denn mit dem

Ende der Transferperiode wurde der Brasilianer,

der nie ganz ins Team hineingefunden hatte, bis

zum Saisonende an den niederländischen Erstligisten

FC Twente Enschede ausgeliehen.

In der 77. Minute durfte auch Ibisevic vom Platz,

der keinen schlechten Einstand geboten hatte,

sondern eher wie die gesamte Mannschaft noch

ein gutes Stück entfernt von der Routine der

Vorsaison agierte. Für ihn kam Terrazzino, der

ebenfalls nicht mehr entscheidend eingreifen

konnte. Und so gab es nach 90 Minuten einen

zwar glanzlosen, aber standesgemäßen Sieg, der

keine wirkliche Standortbestimmung für die neue

Saison zuließ. Klar war nur, dass die gezeigte

Leistung für den Start gegen Bayern München

in sechs Tagen nicht ausreichen würde. Andererseits

hatte man bis dahin eben noch sechs Tage

vorbereitende Zeit für Verbesserungen…

Als Gegner der zweiten Pokalrunde wurde der

1. FC Nürnberg ausgelost: Bundesliga gegen

Bundesliga, kein leichter, aber auch kein überschwerer

Gegner für 1899 Hoffenheim. �

5


1. SPIELTAG | FC Bayern München

8. AUGUST 2009

1899 Hoffenheim – FC Bayern München 1:1

Überraschend oft kommt es im Fußball zu Spielpaarungen,

die unter einem ganz besonderen Stern

stehen. Häufig schießt in solchen Begegnungen

ein Stürmer, der von der einen zur anderen Mannschaft

wechselte, das entscheidende Tor. Oder es

kommt zu Pokalbegegnungen zweier Mannschaften

unmittelbar vor oder nach ihrer Meisterschaftspartie.

Oder man erlebt, wie gegen Ende der

Saison 2008/09 zwischen dem HSV und Werder

Bremen, sogar vier kurz aufeinander folgende

Treffen: in der Meisterschaft, den beiden UEFA-

Cup-Halbfinals und im Pokalhalbfinale. Solche den

Zufall anscheinend übertrumpfenden Momente

gibt es im Fußball immer wieder.

6 SAISONCHRONIK 2009/10

Unter einem ähnlichen Stern stand das erste

Spiel von 1899 Hoffenheim in der Saison 2009/10

gegen die Münchener Bayern. Denn im letzten

Heimspiel in der alten Saison war es ebenfalls

gegen die Bayern gegangen: ein fulminantes Spiel

der jungen Hoffenheimer Mannschaft, die nach

durchwachsener Rückrunde damit endgültig wieder

an die glorreiche Hinrunde samt Herbstmeisterschaft

hatte anknüpfen können. Nebenher

hatte man mit dem mehr als verdienten Unentschieden

den Bayern unter Interims-Trainer Jupp

Heynckes die letzte Chance auf den Meistertitel

verbaut.

Und jetzt also gleich wieder die Bayern: zur

Saisoneröffnung eigentlich ein schweres Los.

Doch es war für jedermann im Stadion spürbar,

dass der Geist des letzten stürmischen, grandiosen

Heimspiels gegen die Bayern noch nicht


verweht war; fast schien es, als hätte der Rasen

über die Sommerpause die Hoffenheimer Spielweise

Grashalm für Grashalm gespeichert und

würde sie direkt an die Spieler zurückgeben. Auch

die begeisterte Stimmung im Stadion war wie

eine Kopie des letzten Heimspiels der vergangenen

Saison. Es war, als lägen zwischen den

beiden Partien nur ein paar spielfreie Tage – und

nicht ein ganzer, langer Sommer.

Sofort nach dem Anpfi ff sah man temporeiches

Hoffenheimer Pass-Spiel, das die Bayern nachhaltig

verwirrte – ein gefährlicher Angriff folgte

auf den nächsten. In den ersten 25 Minuten,

imgrunde über die gesamte erste Halbzeit hinweg,

beherrschte Hoffenheim die Bayern, wies ihnen

schmerzhafte Grenzen auf und düpierte sie ein

ums andere Mal. Ralf Rangnick hatte Recht, als

er später sagte, dass das erschreckend schwache

Spiel der Bayern in den ersten 45 Minuten nicht

zuletzt daher rührte, dass 1899 Hoffenheim mehr

nicht zuließ. Dabei war es ohne Aussagekraft,

dass die Münchener einige Personalausfälle zu

beklagen hatten, denn auch Rangnick musste auf

wichtige Stammkräfte verzichten. Noch fehlten

Luiz Gustavo und Demba Ba, der sich weiter von

seiner Schienbein-Operation erholte. Und Tobias

Weis und der so lange schmerzlich vermisste

Vedad Ibisevic waren bei weitem noch nicht

wieder im vollen Umfang einsatzfähig.

Doch wie so oft im Fußball gelang auch diesmal

nicht der drückend überlegenen Mannschaft das

erste Tor, sondern den schwachen Gästen: Olic,

der schon als Hamburger Spieler geradezu verhängnisvolle

Wirkung auf Hoffenheim gehabt

hatte, wurde bei einem der höchst seltenen

konstruktiven Münchener Angriffsversuche in

Bundesligastart

in der Rhein-

Neckar-Arena

gegen den FC

Bayern München

mit gelungener,

blauweißer

Choreographie

7


1. SPIELTAG | FC Bayern München

Eine leidenschaftlich geführte Partie, bei der

die Bayern oft genug das Nachsehen hatten.

8 SAISONCHRONIK 2009/10

der 25. Minute von Pranjic mit einer scharfen

Flanke bedient und lochte unhaltbar ein. Aber

schon in der 41. Minute, bei einem Hoffenheimer

Konter, setzte sich Weis gegen Pranjic durch und

fl ankte auf Ibisevic, der genial auf Obasi in der

Mitte abgab. Obasi nahm den Ball dankend an

und zog aus 17 Metern unhaltbar für Rensing

ab.

Statt 1:1 hätte es zur Pause also gut 4:1 stehen

können, ja müssen – zumal Schiedsrichter Rafati

in der 10. Minute das Hoffenheimer Führungstor

nicht anerkannt hatte, als Simunic nach Ecke

durch Salihovic den Ball aus kurzer Entfernung

geköpft und Rensing ihn für jedermann im Stadion

klar hinter der Linie aus dem Tor befördert

hatte. Das Spiel wäre ohne diesen schwerwiegenden

Schiedsrichter-Irrtum vermutlich anders

verlaufen. Die enorme Hoffenheimer Überlegenheit

in den ersten 45 Minuten war umso bemerkenswerter:

grundsätzliche Überlegenheit, fußballerische,

technische Offenbarung, eine

Demonstration sportlich überlegener Prinzipien.

Ob daraus im Verlauf der Saison auch mehr

Punkte und ein höherer Tabellenplatz als bei den

Bayern resultieren würden, war zu diesem frühen

Zeitpunkt natürlich eine ganz andere Frage.

Tatsache immerhin war, dass 1899 Hoffenheim

in dieser allerersten, anspruchsvollen Begegnung

gleich vom ersten Moment an seine hochkomplexe,

typisch schnelle Spielweise derart souverän

vortrug, dass die gestandenen Bayern-Profi s

dem Ball im eigentlichen Wortsinn oft nur hinterherschauen

konnten. Versuche der Bayern, selber

auch einmal im schnellen Kurzpass-Spiel voranzukommen,

endeten meist nach wenigen Spielzügen

in Fehlpässen. Umgekehrt kam das zuschauende

Auge bei den entsprechenden

Hoffenheimer Spielzügen manchmal an die Grenze

des Erkennbaren, so rasch, kompliziert und

effi zient verliefen die Angriffskombinationen auf

engstem Raum. Weis, Obasi, Carlos Eduardo und

Salihovic vollführten ein wahres Fußball-Ballett.

Warum war die gesamte Hoffenheimer Spielanlage

so viel besser als die der Bayern? Im

Vergleich konnte man sehen, dass die Bayern

unter ihrem neuen Trainer van Gaal ihr statischstrategisches

Fußball-Verständnis zwar in schnellere

Bahnen lenken wollten, aber nicht, anders

als in Hoffenheim, Schnelligkeit zur Grundstrategie

erhoben hatten. Der entscheidende Unter-


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Compper, Simunic, Ibertsberger,

Vorsah, Weis (62. Vukcevic), Carlos Eduardo,

Salihovic, Ibisevic (67. Maicosuel), Obasi

(87. Terrazzino)

FC BAYERN MÜNCHEN

Rensing, Lahm, van Buyten, Badstuber, Pranjic,

van Bommel (80. Timoschtschuk), Ham. Altintop,

Schweinsteiger (84. Braafheid), Baumjohann

(73. T. Müller), Gomez, Olic

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Olic (25.)

1:1 Obasi (41.)

SCHIEDSRICHTER

Rafati (Hannover)

GELBE KARTEN

van Bommel, T. Müller

schied war also, dass die Bayern ihr Spiel aus der

stehenden Position heraus dachten und nur bei

Bedarf schnell machen wollten, während die

Hoffenheimer grundsätzlich aus der schnellen

Bewegung heraus dachten und an stehenden

Positionen überhaupt nicht interessiert waren.

Doch angesichts des frühen Moments, also

des Starts in die neue Saison, zudem bei schwülwarmem

Wetter, reichte die Kraft der Mannschaft

nicht aus, ihr elementar anderes Spiel auch über

die gesamte zweite Halbzeit auszuüben. Umso

interessanter war es, das darauf beginnende Spiel

auf Augenhöhe zu beobachten – als die Bayern

es nach der Halbzeitpause allmählich schafften,

ihr eigenes Spiel durchzusetzen. Besonders die

Hoffenheimer Abwehr lieferte dabei ein frühes

Glanzstück ab, das fürs Kommende einiges versprach.

Zu keinem Zeitpunkt wackelte die Abwehr,

verstärkt durch den Ex-Herthaner Josip Simunic,

dessen Einkauf sich schon jetzt als wertvoll erwies.

Und so stand es nach 90 Minuten immer

noch 1:1, ein für die Bayern, in Torchancen gerechnet,

eher glückliches Ergebnis. �

Eigentlich das

Führungstor für

1899: Rensing

wischt in der 10.

Minute den Ball

hinter der Linie

weg, im Bild klar

zu erkennen.

9


2. SPIELTAG | Bayer 04 Leverkusen

15. AUGUST 2009

Bayer 04 Leverkusen – 1899 Hoffenheim 1:0

Nach dem Hoffenheimer Hochgeschwindigkeitsfußball gegen Bayern München durfte

man auf das kommende Spiel gegen Leverkusen gespannt sein. In der Vorsaison hatte

Hoffenheim gleich zweimal empfindlich gegen die Werkself verloren: inzwischen sollte

der Lehrstundencharakter dieser Niederlagen restlos verarbeitet sein. Die Partie versprach

feinen Tempofußball auf beiden Seiten.

10 SAISONCHRONIK 2009/10


Was es in der renovierten BayArena zu sehen

gab, war aber eher Bundesliga-Normalkost. Rudi

Völler, Leverkusens Sportdirektor, sagte dazu:

„Wir sind stabiler geworden und stehen sicherer.

Bei uns stimmt einfach die taktische Grundeinstellung.“

Was er meinte: Leverkusen spielte viel

weniger stürmisch als letzte Saison unter Bru-no

Labbadia. Unter Trainer Jupp Heynckes hatte

Leverkusen erheblich an defensiver Stabilität

gewonnen, ohne deshalb an dadurch abgesicherter

Offensivkraft einzubüßen.

Bei 1899 Hoffenheim war das Bemühen um

eine ähnliche Strategie unübersehbar. Kontrolliert

ging man in die Partie und suchte von Anfang an

den Ball zu sichern. Genauso unübersehbar war

jedoch, dass man glaubte, Bayer Leverkusen

ebenso souverän beherrschen zu können wie die

Bayern. In einer unglücklichen Mischung aus

gelegentlicher Überheblichkeit und verschlepptem

Tempo fand die Mannschaft darum nie zu ihrem

Spiel. Hoffenheim erarbeitete sich kaum Torgelegenheiten,

spielte extrem viele Fehlpässe und

lief sich ständig in der kompakt agierenden Leverkusener

Defensive fest.

Doch auch Leverkusen überzeugte offensiv

nicht wirklich. Und so stachen zwei Akteure aus

der eher beschaulichen Partie heraus: auf Leverkusener

Seite besonders der hoch gewachsene,

erfahrene Finne Sami Hyypiä, der vom FC Liverpool

gekommen war und in der Innenverteidigung

eine überragende Vorstellung lieferte. In der 35.

Minute hätte er sogar beinahe das erste Tor für

seine Mannschaft erzielt: nachdem Hildebrand

seinen Kopfball nur halb pariert hatte, wischte

Carlos Eduardo in einer Refl exbewegung den Ball

mit der Hand vor der Torlinie. Dass es darauf zu

keinem Strafstoß kam, war so etwas wie der

gerechte Ausgleich zum nicht gegebenen Tor

gegen die Bayern.

Auf Hoffenheimer Seite war es Timo Hildebrand,

der überragend agierte. Etliche Male zeigte er,

was ihn einst in die Nationalmannschaft gebracht

hatte: Geistesgegenwart, Sprungvermögen, Reaktionsschnelligkeit,

Sicherheit und Erfahrung.

Die übrige Mannschaft agierte zu vorsichtig, ein

Fehler, der bei 1899 Hoffenheim oft fatale Folgen

hat: ohne Tempo zerfällt das Spiel in wirkungslose

Einzelaktionen.

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2. SPIELTAG | Bayer 04 Leverkusen

12 SAISONCHRONIK 2009/10

In der 66. Minute setzte Kießling sich erfolgreich

gegen Simunic und Compper durch, stand frei

vorm Tor und zog ab, aber Hildebrand kam wieder

mit den Fingerspitzen an den Ball und klärte zur

Ecke. Doch eine Minute später konnte auch

keine solche Traumparade mehr helfen: Renato

Augusto drang mit ganz viel Platz über rechts vor

und hatte darum ausreichend Zeit, genau den

Strafraum in Augenschein zu nehmen und auf

Derdiyok zu passen. Der jedoch gab den Ball mit

der Hacke auf Kießling weiter, der ihn aus fünf

Metern Entfernung unhaltbar einschob.

In der Folge konnten auch die eingewechselten

Ba und Wellington keine Belebung des Hoffenheimer

Spiels bewirken. Allein die Einwechslung

von Vukcevic sorgte momentweise für erfrischende

Akzente. Insgesamt blieb das Hoffenheimer

Spiel blass und ratlos.

Nach der Partie, als es zu spät für belebende

Impulse war, kam es zu tragenden Erkenntnissen.

Simunic, der kein schlechtes Spiel abgeliefert

hatte, sagte: „Wir standen zu weit weg. Und

nach vorne hat die ganze Mannschaft zu wenig

getan. Wir müssen in den kommenden Wochen

viel arbeiten, um das zu verbessern.“

Auch Hildebrand hatte die entscheidenden

Fehlerquellen ausgemacht: „Von hinten sah es

so aus, als wollten wir nur schön spielen und

nicht gewinnen. Adler hatte in der zweiten Halb-


BAYER 04 LEVERKUSEN

Adler, Castro (80. Schwaab), Hyypiä, M. Friedrich,

Kadlec, Rolfes, Renato Augusto (88. Kroos),

Vidal, Barnetta (88. Zdebel), Derdiyok, Kießling

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Maicosuel (46. Vukcevic), Vorsah (74.

Wellington), Salihovic, Obasi, Ibisevic (59. Ba),

Carlos Eduardo

ZUSCHAUER

28.000

TORE

1:0 Kießling (67.)

SCHIEDSRICHTER

Gagelmann (Bremen)

GELBE KARTEN

Adler, Kadlec, Vidal

Vorsah, Ibisevic

Ibisevic kam im Laufe der Saison immer

besser in Form, in Leverkusen blieb ihm

jedoch ein Treffer verwehrt.

zeit so gut wie nichts zu tun, er hatte es da sicherlich

etwas leichter. Die Jungs standen zu

weit weg vom Gegenspieler, so gewinnt man

kein Spiel.“

Allerdings gab es im Hoffenheimer Vereinsgefüge

auch eine gewisse Verunsicherung. Prince

Tagoe, ghanaische Neuverpfl ichtung, der bislang

in keiner Mannschaftsaufstellung aufgetaucht

war, klagte unter der Woche auf Wiedereinstellung

bei 1899 Hoffenheim. Dem Nationalspieler Ghanas

war, nachdem die Verantwortlichen bisher

immer nur von einem grippalen Infekt gesprochen

hatten, der bis 30.06.2012 laufende Vertrag am

30. Juli gekündigt worden, als in der vergangenen

Woche bei einer zweiten sportärztlichen Untersu-

chung Herzprobleme festgestellt worden waren.

Einen Tag vor dem nächsten Spiel gegen Schalke

gab 1899 Hoffenheim allerdings bereits bekannt,

dass man die Kündigung zurückgenommen

hatte. Die ohnehin tragische Erkrankung des

Stürmers sollte infolge der Nichterteilung einer

Spiellizenz durch den DFB nicht auch noch eine

rein rechtlich drohende Ausweisung nach sich

ziehen können. Man einigte sich darauf, dass der

DFB einen Kardiologen des Vertrauens benennen

sollte, an dessen Urteil über den tatsächlichen

Stand der Gesundheit Prince Tagoes sich die

Beteiligten ausrichten wollten. �

13


3. SPIELTAG | FC Schalke 04

21. AUGUST 2009

1899 Hoffenheim – FC Schalke 04 0:0

14 SAISONCHRONIK 2009/10

Wieder gab es keine drei Punkte – sondern es kam, wie schon gegen die Bayern,

zu einem höchst glücklichen, unverdienten Unentschieden der Gäste.

Aber die Mannschaft hatte die schwache Leistung gegen Leverkusen vollauf

verarbeitet: wie hier 90 Minuten gegen den Ball gearbeitet wurde, die Räume

im Eiltempo überwunden und Kurzpässe vom Feinsten gespielt wurden, war

sehenswert. Was allein fehlte, waren Tore. Zugleich zeigte sich, dass die

Mannschaft im neuen Stadion inzwischen eine echte Heimat gefunden hatte.

Nach zwei Heimspielen und einem Auswärtsspiel konnte man schon von

überzeugender Heimstärke sprechen.


In den ersten zehn Minuten der Partie spielte

Schalke 04 noch gefährlich mit, kam rechts und

links vors Hoffenheimer Tor und schien der erwartet

starke Gegner zu sein. Dann aber war nur

noch 1899 Hoffenheim am Drücker, spielte Schalke

förmlich an die Wand und dominierte bis zum

Schluss. Etliche Torchancen blieben leider ungenutzt.

Und wieder wurde ein klarer Elfmeter verweigert:

in der 21. Minute wurde Ibisevic von Bordon

klar im Strafraum gelegt. Der Schiedsrichter

verlegte den Ort des Geschehens jedoch außer-

halb des Sechzehners und entschied auf Freistoß.

Zum ersten Mal überhaupt in der Rhein-Neckar-

Arena wurden die Proteste der Fans daraufhin

so laut, dass es bis an die Schmerzgrenze ging

– ein deutliches Signal, dass nicht nur die Mannschaft,

sondern auch die Zuschauer in der Rhein-

Neckar-Arena absolut heimisch geworden waren.

Eduardo führte den Freistoß aus, blieb mit seinem

Flachschuss aber in der gegnerischen Mauer

stecken.

Die erste Halbzeit sah noch einige äußerst

knapp vergebene Chancen von Ibisevic, der auf

Ein Fußballästhet:

Carlos Eduardo

beim Freistoß!

15


3. SPIELTAG | FC Schalke 04

Josip Simunic,

von der Hertha

gekommen, ließ

Kuranyi keine

Chance...

16 SAISONCHRONIK 2009/10

gutem Weg zurück in die Mannschaft war. Beck,

Salihovic und Obasi bedienten ihn mit scharfen

Flanken. Obasi selber vergab ebenfalls zweimal.

Und zweimal in der ersten und zweimal in der

zweiten Halbzeit wussten die Schalker sich nur

mit groben Fouls zu helfen und sahen dafür

Gelb.

In der zweiten Halbzeit kam Demba Ba für

Vorsah und belebte die Hoffenheimer Angriffsbemühungen

noch einmal mehr. Seine Flanken

waren zwar oft noch zu unpräzise, aber es ging

von ihm immer wieder enorme Torgefahr aus.

Leider stand im Schalker Tor Manuel Neuer. Was

Ba, Ibisevic und Obasi nicht mehrfach knapp

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Eichner,

Vorsah (46. Ba), Ibertsberger (76. Weis), Carlos

Eduardo, Salihovic, Obasi, Ibisevic (82. Maicosuel)

FC SCHALKE 04

Neuer, Rafi nha, Bordon, Zambrano, Höwedes,

Mineiro, Moritz, Pliatsikas (46. Kenia), Westermann,

Farfan, Kuranyi

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

SCHIEDSRICHTER

Weiner (Giesen)

GELBE KARTEN

Vorsah, Salihovic, Eichner, Obasi

Pliatsikas, Zambrano, Höwedes, Bordon

daneben oder übers Tor setzten, fi schte sich der

Schalker Torhüter, bei dem sich der Gegner am

Ende allein bedanken durfte. Ohne Neuer wäre

Schalke untergegangen.

Nach dem Spiel fasste Ralf Rangnick zutreffend

zusammen: „Es war über weite Strecken ein

richtig gutes Spiel von uns. Ich habe nur ein

Problem mit der Anzahl der geschossenen Tore.

Es war ein ganz klarer Elfmeter, das habe ich

schon von außen gesehen – und auch in den

Fernsehaufnahmen sieht man das deutlich. Es

haben teilweise nur Zentimeter gefehlt. Es gilt

jetzt auf dieser Leistung aufzubauen. Dann wird

auch der erste Dreier nicht mehr lange auf sich


warten lassen. Wir hätten sicher bei den Standards

einiges besser machen können, aber bei einem

Torwart wie Manuel Neuer ist das auch nicht

immer so einfach.“

Nach drei schweren Gegnern zu Beginn der

Saison sah die Bilanz für 1899 Hoffenheim, immerhin

letztjähriger Aufsteiger, so schlecht nicht

aus: mit zwei Unentschieden und einer Niederlage

gegen echte Leistungsträger der Liga konnte

man fürs erste zufrieden sein. Zumal die gezeigten

Leistungen, außer in Leverkusen,

beachtlich waren. Die folgenden Spiele gegen

schwächere Gegner würden erweisen, wo die

Kraichgauer sich in dieser Saison platzieren wür-

den und welche Handschrift ihnen zueigen wäre:

weiter abwechselnd Heimstärke und Auswärtsschwäche?

Tempofußball mit oder ohne Torerfolg?

Kontrollierter Spielaufbau bei gestärkter Abwehr?

Rückkehr der ‘Tormaschine’ des Traumsturms?

Noch waren viele Fragen offen. �

... und auch Isaac

Vorsah setzte

die Messlatte

für die Schalker

Stürmer zu hoch.

17


4. SPIELTAG | Hannover 96

29. AUGUST 2009

Hannover 96 – 1899 Hoffenheim 0:1

„Wir haben in der ersten Halbzeit alles vermissen lassen“ sagte Ralf Rangnick in der Pressekonferenz

nach dem Spiel. „Wenn wir zu diesem Zeitpunkt mit zwei oder drei Toren hinten

gelegen wären, hätten wir uns nicht beschweren dürfen. Die zweite Halbzeit war besser, zumindest

was das Spiel gegen den Ball betrifft...“ Das war deutlich, aber er sagte auch: „Wir

haben Luft nach oben. Das wollen wir in den nächsten Spielen zeigen.“

18 SAISONCHRONIK 2009/10


HANNOVER 96

Enke, Cherundolo, Haggui, C Schulz, Rausch (80.

Eggimann), Balitsch,Rama (69. Lindner), Djakpa,

Bruggink (84. Krzynowek), Ya Konan, Stajner

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Eichner

(46. Ba), Ibertsberger, Luiz Gustavo (55. Vorsah),

Salihovic, Carlos Eduardo, Obasi, Ibisevic (75.

Vukcevic)

ZUSCHAUER

34.257

TORE

0:1 Carlos Eduardo (40.)

SCHIEDSRICHTER

Wagner (Hofheim)

GELBE KARTEN

Ibisevic, Ba

Zufrieden sein durfte man mit der Partie also

nicht. Mit dem Ergebnis, einem glücklichen 0:1,

dagegen schon, schließlich hatte 1899 Hoffenheim

den ersten Dreier der Saison eingefahren.

Was war geschehen? Hoffenheim war auf einen

couragierten, engagierten Gegner getroffen, der

von Beginn an sein Glück in der Offensive suchte,

während man selber zu tief stand und den

Fehler aus dem Leverkusener Spiel wiederholte,

mit langsamerem Spielaufbau und dem Vertrauen

auf noch kommende Torgelegenheiten die

Partie allmählich unter Kontrolle bringen zu wollen.

Hannover aber nutzte die Spielräume, die

dadurch entstanden, und kam wiederholt zu

großartigen Torchancen.

Schon in der 3. Minute bewahrte der Pfosten

vor einem frühen Rückstand. In der 10. Minute

zog der Ball nur knapp an Hildebrands Gehäuse

vorbei. In der 24., 25. und 28. Minute vergaben

die Hannoveraner Stürmer jeweils gute bis exzellente

Chancen. Die Abwehr um Hildebrand,

Simunic und Compper leistete Schwerstarbeit

und hielt mit viel Können und viel Glück immer

noch das Unentschieden. Vorne gab es hier und

da Ansätze zu erkennen, dass Hoffenheim selber

auch in Führung gehen wollte, aber fehlender

Nachdruck und zu weite Räume im Mittelfeld

brachten Hannover immer wieder an den Ball.

Es schien nur noch eine Frage der Zeit, wann der

Gegner endlich sein verdientes Tor machen würde.

Doch in der 40. Minute, Hoffenheim hatte sich

wieder einmal in gebremster Manier nach vorn

orientiert, sah man, was persönliche Klasse ausmachen

kann: Hoffenheimer überwand zunächst

noch wenig zwingend das Mittelfeld, bis Carlos

Eduardo nach Doppelpass mit Salihovic und gutem

Zweikampf den Ball mit einem fulminanten Schuss

an Robert Enke vorbei in den Winkel setzte.

Mit dem Halbzeitergebnis war der Spielverlauf

auf den Kopf gestellt. Vielleicht auch deshalb kam

die Partie in der zweiten Halbzeit nicht mehr

richtig in Schwung. Demba Ba, für Eichner im

Spiel, versuchte gleich sein Glück mit einem

Distanzschuss, der Ball fl og jedoch gut zwei

Meter übers Tor. Bis zur 65. Minute etwa waren

beide Mannschaften bemüht, sich zwingende

Chancen zu erarbeiten, dann verfl achte die Partie

zusehends und fand fast nur noch im Mittelfeld

statt. Hannover war optisch immer noch überlegen,

litt aber sichtbar unter der mangelhaften

Ausbeute der ersten 45 Minuten. Viele Fouls, nur

selten der gröberen Art, hemmten den Spielfl uss

und brachten die Partie regelrecht zum Erliegen.

In der 86. Minute startete Carlos Eduardo noch

einmal zu einem Alleingang und spielte sich durchs

halbe Hannoveraner Mittelfeld. Dann zog er aus

ca. 18 Metern ab, doch der Ball fl og mindestens

einen Meter übers Tor. Zu diesem Zeitpunkt

waren seit längerem Vukcevic für Ibisevic und

Vorsah für Luiz Gustavo im Spiel, ohne Entscheidendes

beitragen zu können. �

19


5. SPIELTAG | VfL Bochum

12. SEPTEMBER 2009

1899 Hoffenheim – VfL Bochum 3:0

Das letzte Heimspiel gegen den VfL Bochum war allseits noch in unguter Erinnerung, 0:3

hatte 1899 Hoffenheim im Frühjahr 2009 gegen den Ruhrpott-Club verloren. Das Spiel

markierte den Tiefpunkt der unglücklichen Rückrunde nach der Herbstmeisterschaft. Vom

begeisternden Zusammenspiel war nichts mehr zu sehen gewesen. Carlos Eduardo hatte

sich zu einer an sich harmlosen Tätlichkeit hinreißen lassen, die ihm seitens des DFB

aber eine Sperre von fünf Spieltagen einbrachte. Und Torhüter Haas sah nach einer Notbremse

ebenfalls Rot. Das gesamte Gefüge der Mannschaft war in diesem Spiel auseinander

gefallen, keiner lief mehr für den andern – umso mehr war man den Bochumern

ins offene Messer gelaufen.

20 SAISONCHRONIK 2009/10


Das sollte diesmal anders werden. „Wir wollen

als strahlender Sieger vom Platz“, hatte Torhüter

Hildebrand vor dem Spiel gesagt – und so kam

es auch. Über 90 Minuten dominierte 1899 Hoffenheim

den Gegner, der von wenigen Minuten

zu Anfang der Partie abgesehen durchgängig

wehrlos wirkte, viel zu tief stand und zu kaum

einem halbwegs ansehnlichen Angriff kam.

Umgekehrt hebelte das angriffslustige Hoffenheimer

Spiel die wenigen zaghaften Bochumer

Bemühungen wirkungsvoll aus, so dass zunehmend

Fouls, einige Male mit Gelb geahndet, das

letzte Mittel waren. Aber auch davon ließ sich

unsere Mannschaft nicht beeindrucken, besonders

Carlos Eduardo überging die vielen kleinen Nickligkeiten

souverän und bot eine erstklassige

Partie im Mittelfeld.

In der 16. Minute war es dann schon so weit,

Demba Ba kam nach einer wunderbaren Ballstafette

über Salihovic, Ibertsberger und Ibisevic frei

zum Schuss und jagte den Ball aus kaum fünf

Metern zum 1:0 ins Netz. Im Anschluss rollten

immer neue Angriffswellen auf die Bochumer

Abwehr zu. Dabei hielt Hoffenheim aber Maß:

anders als in der letzten Saison wirkte die Daueroffensive

weitaus abgeklärter und geduldiger, die

Mannschaft rannte nicht wie blindlings gegen das

Tor an und spielte den Gegner nicht einfach schwind-

16. Minute: Demba

Ba zieht ab und die

Bochumer schauen

hinterher.

21


5. SPIELTAG | VfL Bochum

22 SAISONCHRONIK 2009/10

Salihovic, glänzend

aufgelegt, gab

später die Vorlage

zu Comppers wunderschönem

Tor.


lig, sondern folgte der vom Trainer ausgegebenen

Devise einer kontrollierten Offensive.

Trotzdem wurden zu viele Chancen vergeben,

was sich gegen Ende der ersten Halbzeit beinahe

gerächt hätte – als ein Lattenkracher des

Bochumers Pfertzel das Spiel fast auf den Kopf

stellte.

Auch in der zweiten Halbzeit agierte 1899

Hoffenheim nach Belieben, so dass vieles von

dem, was die erfolgreiche Hinrunde des Vorjahres

ausgemacht hatte, wieder zu sehen war. Besonders

das Mittelfeld mit den glänzend aufgelegten

Luiz Gustavo, Salihovic und Carlos Eduardo und

der Sturm der ‘drei Musketiere’, bestehend aus

Obasi, Ba und Ibisevic, knüpften an die begeisternde

Spielweise an. In der Defensive war einfach

nicht genug zu tun, aber auch hier sprach das

vierte ‘zu Null’ in Folge Bände. In der 59. Minute

schließlich spazierte Obasi fast durch die gesamte

Bochumer Verteidigung, zog aus 14 Metern

seitlich halbhoch ab und erzielte das 2:0.

In der 79. Minute besiegelte Compper die mehr

als verdiente Führung und hielt nach einem lang

über die Abwehr getretenen Ball von Salihovic

den Fuß hin – aus etwa sechs Metern fl og der

Ball unhaltbar ins Netz.

Kurz darauf wechselte Ralf Rangnick dreimal

aus: erst kam Vukcevic für Carlos Eduardo ins

Spiel, dann kam Zuculini für Ba zu seinem ersten

Bundesligaeinsatz, kurz vor Ende der Partie durfte

auch Maicosuel noch auf den Platz. Und in der

Nachspielzeit sangen die Fans „Oh wie ist das

schön“. Eine Besonderheit des Spiels war, dass

die Hoffenheimer Bank den Platz gewechselt

hatte: statt wie sonst von der Haupttribüne aus

links auf der Bank Platz zu nehmen, hatten sich

die Verantwortlichen rechts platziert – um den

Fans näher zu sein. Deren Lohn war ein wunderbares

Spiel gegen einen allerdings ziemlich schwachen

Gegner. �

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Carlos Eduardo (81. Vukcevic), Luiz Gustavo,

Salihovic,Obasi, Ibisevic (88. Maicosuel), Ba (84.

Zuculini)

VFL BOCHUM

Heerwagen, Pfertzel (46. Concha), Yahia, Mavraj,

Bönig, Freier, Dabrowski, Johansson, Epalle,

Sestak (74. Grote), Dedic (62. Mirkan)

ZUSCHAUER

29.500

TORE

1:0 Ba (16.)

2:0 Obasi (58.)

3:0 Compper (79.)

SCHIEDSRICHTER

Zwayer (Berlin)

GELBE KARTEN

Dabrowski, Bönig, Mirkan, Concha

23


6. SPIELTAG | Borussia Mönchengladbach

19. SEPTEMBER 2009

Bor. Mönchengladbach – 1899 Hoffenheim 2:4

„Wir haben in den ersten 20 Minuten unterirdisch schlecht gespielt“, sagte Ralf Rangnick,

als die Begegnung vorüber war. Damit hatte er zweifellos recht, und es zeigte sich wieder

einmal, wie groß die Gefahr ist, auf ein sehr gutes Spiel wie gegen Bochum ein weniger

gutes folgen zu lassen. Anders als in Hannover, wo in der ersten Halbzeit die Angriffsschwäche

des Gegners den jederzeit möglichen Rückstand verhinderte, konnte in diesem

Spiel eine offensiv eingestellte Gladbacher Elf rasch zwei Tore schießen. Der Grund waren

in der 10. und 17. Minute individuelle Fehler, einmal von Gustavo, einmal von Hildebrand.

24 SAISONCHRONIK 2009/10


Aber imgrunde spielte die gesamte Mannschaft

weit unter ihren Möglichkeiten: unbeweglich,

unterspannt, leichtfertig, überheblich. Die dicht

gestaffelten Abwehr- und Mittelfeldreihen der

hoch motivierten Gladbacher taten ein Übriges,

so dass auch der sehenswerte Freistoßtreffer

von Salihovic in der 22. Minute, direkt verwandelt

fast von der rechten Eckfahne her und in ausgleichender

Gerechtigkeit unter Beihilfe des Gladbacher

Torhüters Bailly, der Mannschaft keinen

echten Auftrieb gab. Hoffenheim versuchte auch

danach eher lustlos dies und das, spielte einfallslose

Pässe, die oft genug ins Leere gingen oder

direkt zum Gegner gelangten, und vertraute in

geradezu aufreizender Lässigkeit auf die schon

noch kommenden Torchancen.

Und die kamen wirklich. Allerdings sollte das

bis zur 86. Minute dauern, und bis dahin konnte

1899 Hoffenheim von Glück sagen, dass Gladbach

sein strukturelles Übergewicht und die sichtbar

höhere sportliche Motivation nicht in weitere Tore

ummünzte.

Immerhin brachte die Einwechslung von Maicosuel

für einen immer noch torlosen, inzwischen

spürbar frustrierten Ibisevic ab der 58. Minute

deutlich mehr Schwung ins Spiel. Als dann auch

noch Vukcevic in der 77. Minute für Luiz Gustavo

kam, nahm das Gladbacher Verhängnis seinen

Lauf. Das aber, wenn auch nicht auf dem Spielfeld,

insgesamt irgendwie doch nicht unverdient schien

– schließlich hatten Gladbacher Fans vor dem

Stadion in großer Zahl Flyer verteilt, die in übler

Weise gegen Dietmar Hopp hetzten, und hatten

im Stadion entsprechende Sprechchöre und

Spruchbänder die negative Stimmung weiter

anzuheizen versucht. Und das, obwohl Gladbachs

Trainer Michael Frontzeck zwei Tage vor dem Spiel

noch vorsorglich seinen Respekt und seine ehrliche

Bewunderung für das, was in und um Hoffenheim

aufgebaut wurde, ausgedrückt hatte.

Emotionen pur:

Hoffenheim

drehte das Spiel

in den letzten

fünf Minuten mit

drei Toren.

25


6. SPIELTAG | Borussia Mönchengladbach

26 SAISONCHRONIK 2009/10

In der 86. Minute gelang es Carlos Eduardo,

der sich als einer der wenigen über die gesamte

Spielzeit unermüdlich gegen die bedrohliche

Hoffenheimer Leichtfertigkeit gestemmt hatte,

nach einem Lauf übers halbe Spielfeld mit einem

klugen Pass Salihovic halblinks auf die Grundlinie

zu schicken. Das geniale Zuspiel in die Mitte, das

Salihovic darauf unternahm, versöhnte mit etlichen

Leichtfertigkeiten und Lässigkeiten, die er bis

dahin produzierte hatte: mittels einer scharfen

Körperdrehung in den Rücken der Abwehr, wo

Maicosuel wartete. Der legte sich den Ball etwa

auf Höhe des Elfmeterpunktes sorgfältig zurecht

und schoss unhaltbar an Torhüter und Abwehr

vorbei sein erstes Bundesligator.

Wer gedacht hatte, das Spiel würde nun mit

einem schmeichelhaften Unentschieden enden,

sah sich wie nicht wenige Zuschauer, die das

Stadion bereits verließen, grob getäuscht. Denn

jetzt rollte endlich eine Hoffenheimer Angriffs-

welle nach der andern aufs Gladbacher Tor. In

der 88. Minute vergab Demba Ba nach Zuspiel

von Maicosuel noch eine Großchance. Doch

schon in der 89. Minute kam der Ball nach Ecke

Eduardo und Faustabwehr Bailly zurück zu Eduardo,

der noch einmal fl ankte und diesmal Obasi

erreichte. Dessen schulmäßiger Kopfball landete

unhaltbar im langen Eck. Von diesem Moment

an hörte man nur noch die mitgereisten Hoffenheimer

Fans.

Aufseiten des Gladbacher Publikums machte

sich lähmendes Entsetzen breit. Ihre Mannschaft,

eben noch im Gefühl des sicheren Siegs, war

durch den zunehmenden Hoffenheimer Druck

inzwischen stehend k.o.

In der ersten Minute der Nachspielzeit schließlich

schaffte es Vukcevic nach dynamischem

Antritt, Demba Ba halblinks steil aufs Tor zu

schicken. Begleitet von einem Gladbacher Ab-


BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH

Bailly, Levels, Brouwers, Dante, Jaures, Marx,

Meeuwis, Matmour, Arango, Colautti (82.

Friend), Bobadilla (71. Reus)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Carlos Eduardo (90. Vorsah), Luiz Gustavo

(77. Vukcevic), Salihovic, Obasi, Ibisevic (58.

Maicosuel), Ba

ZUSCHAUER

46.511

TORE

1:0 Arango (10.)

2:0 Colautti (17.)

2:1 Salihovic (21.)

2:2 Maicosuel (86.)

2:3 Obasi (89.)

2:4 Ba (90.)

SCHIEDSRICHTER

Stark (Ergolding)

GELBE KARTEN

Jaures, Levels, Arango

Salihovic

wehrspieler, zog Ba aus vollem Lauf in unnachahmlicher

Manier ab und erzielte den alles in allem,

sportlich gesehen, einigermaßen glücklichen

Endstand von 2:4. Dass er sich beim anschließenden

Torjubel außerhalb des Spielfelds vor den

Hoffenheimer Fans noch eine gelbe Karte einhandelte,

hatte er einkalkuliert: seit seinem Wechseltheater

im Sommer war er zu einer Art Publikumsliebling

im Wartestand geworden, mit seinem

zweiten Saisontor wurde die Versöhnung perfekt.

Es blieb Jan Schindelmeiser vorbehalten, den

Satz des Tages zu sagen: „Wir lassen uns durch

nichts beeindrucken.“ Als positives Fazit konnte

man tatsächlich mitnehmen, dass 1899 Hoffenheim

in dieser Saison vermutlich nicht leicht zu

erschüttern sein würde. Und der Angriffswirbel

der letzten Minuten bewies, wie quicklebendig

die Hoffenheimer Offensivtugenden weiterhin

waren. Wäre es früher dazu gekommen, hätte

die Partie allerdings nicht so lang auf Messers

Schneide stehen müssen.

Für die Nerven der Hoffenheimer Fans wäre

das Balsam gewesen. Andererseits: Spiele, die

in den letzten Minuten noch gedreht werden,

prägen sich tief in die Erinnerung ein und machen

den Fan glücklicher, als es mancher kontrolliert

erzielte Erfolg vermag. Doch allzu oft kommen

derartige Fußballmärchen nicht vor, verlässlich

ist das ‚Konzept Endspurt’ nämlich nicht. Erst ein

einziges Mal vorher schoss in der Bundesliga ein

Team in den letzten fünf Minuten noch drei Tore.

Das geschah zum letzten Mal 1964, als der Hamburger

SV mit 7:3 gegen Kaiserslautern gewann.


27


DFB-POKAL 1. RUNDE | 1. FC Nürnberg

22. SEPTEMBER 2009

1. FC Nürnberg – 1899 Hoffenheim 0:1

In dieser Partie zeigte 1899 Hoffenheim seine bisher

beste Leistung. Von Beginn an hochkonzentriert,

kam der Gegner nur in der Anfangsphase

einmal gefährlich vors Tor, dann hatten die Hoffenheimer

das Spiel komplett im Griff – trotz einiger

Umstellungen. Für den gesperrten Simunic

kam Nilsson zum Zug, statt Ibertsberger spielte

Eichner, für Salihovic wurde Vorsah aufgeboten,

Maicosuel erhielt den Vorzug vor Ibisevic. Aus

verstärktem defensivem Mittelfeld entwickelte

Hoffenheim Zug um Zug ein strukturelles Übergewicht,

die ganze Mannschaft arbeitete effektiv

gegen den Ball, und sämtliche Ersatzspieler fügten

sich nahtlos ins Team ein.

28 SAISONCHRONIK 2009/10

In herausragender Weise agierte zunehmend

Carlos Eduardo, der mit Abstand die meisten

Ballkontakte hatte. Ab der Mitte der 1. Halbzeit

wurde das Mittelfeld zu seinem Herrschaftsbereich.

Egal, ob links, rechts oder in der Mitte:

Carlos Eduardo war überall, glänzte mit Zuspielen

und Pässen, eleganten Dribblings und bewundernswerter

Spielübersicht. Vorne machten Maicosuel

und ein gut aufgelegter Obasi Druck,

während die Abwehr um Compper und Nilsson,

Beck und Eichner souverän jede Bemühung der

Nürnberger, zurück ins Spiel zu fi nden, ins Leere

laufen ließ. Nach einer Ecke von Carlos Eduardo

stieg Per Nilsson in der 35. Minute hoch und traf

zum mehr als verdienten 0:1.

Auch nach der Pause blieb das Spiel einseitig

in der Hand der Kraichgauer. Zusehends hilfl os

schauten die Nürnberger dem Hoffenheimer

Zauberfußball zu, der phasenweise einem Fußballballett

glich. Traumhafte, raumgreifende Kombinationen,

blitzartige Angriffe, ständige Bewe-

gung, verwirrende Positionswechsel: 1899

Hoffenheim bot Fußball der Extraklasse, wie er

in der Bundesliga nur äußerst selten zu sehen

ist. In dieser Verfassung produzierte die Mannschaft

Bilder wie aus der Champions-League.

Was allein fehlte, war ein weiteres Tor. Daran

vermochten auch die im Zehnminuten-Abstand

eingewechselten Vukcevic, Salihovic und Ibisevic

nichts zu ändern. Bei der anhaltend drückenden

Hoffenheimer Überlegenheit dauerte es bis in

die Schlussminuten, ehe Nürnberg begriff, dass

man sich mit einem glücklichen Ausgleichstor

noch in die Verlängerung retten könnte. Von da

an war auch das Nürnberger Publikum wieder zu

hören, das in der 2. Halbzeit fast gänzlich verstummt

war, so desillusionierend war der spielerische

Klassenunterschied an diesem Tag.

Ein, zwei Mal deutete sich in gefährlichen

Szenen nah am Hoffenheimer Tor auch an, dass

hier im letzten Moment noch eine pokaltypische

Kampfl age entstehen könnte, mit Verlängerung,

sogar Elfmeterschießen, bei dem nicht zwingend

der Bessere am Ende den verdienten Lohn empfangen

würde: doch dann war das Spiel aus und

lagen sich die abgekämpften Hoffenheimer Spieler

in den Armen.

Das Los bescherte ihnen als nächste Aufgabe

endlich einmal ein Pokal-Heimspiel, TuS Koblenz

würde der Gegner sein, gut bekannt aus Zweitliga-Tagen.


1. FC NÜRNBERG

Schäfer, Diekmeier, Maroh (70. Gündogan), Pinola,

Judt, Broich, Kluge (44. Nordtveit), Vidosic

(84. Eigler), Mintal, Bunjaku, Choupo-Moting

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Nilsson, Compper, Eichner,

Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Vorsah, Obasi

(79. Salihovic), Maicosuel (68. Vukcevic), Ba

(88. Ibisevic)

ZUSCHAUER

26.041

TORE

0:1 Nilsson (35.)

SCHIEDSRICHTER

Gräfe (Berlin)

GELBE KARTEN

Maroh, Schäfer

Carlos Eduardo, Luiz Gustavo

29


7. SPIELTAG | Hertha BSC Berlin

Es war der Tag der Bundestagswahl 2009, das Wetter herrlich mild, fast sommerlich noch,

trotz des späten September-Termins. Aber es war auch der Tag des Vedad Ibisevic. Noch

ehe die Wahllokale um 18 Uhr schlossen, hatte der Bosnier dreimal zugeschlagen: 17.31

Uhr, 17.34 Uhr und 17.52 Uhr. Das Spiel war gerade 40 Sekunden angepfiffen, der Ball ein

paar Mal in den Hoffenheimer und Herthaner Reihen hin und her gerollt, als Salihovic

links hinter der Mittellinie an den Ball kam und nach kurzem Lauf in die Mitte flankte.

Obasi gab den Ball per Kopf weiter auf Ibisevic, der aus ca. 12 Metern zu einem Volley-

Kunstschuss aus der Drehung ansetzte – und seinen ersten Saisontreffer erzielte. Seine

Freude war groß, verständlich nach der langen Leidenszeit, aber ebenso groß fiel die

Anteilnahme der Mitspieler an seiner Freude aus. Jeder hatte dem sympathischen, hilfsbereiten,

uneigennützigen Stürmer die Rückkehr seiner Torgefährlichkeit gewünscht.

30 SAISONCHRONIK 2009/10

27. SEPTEMBER 2009

1899 Hoffenheim – Hertha BSC Berlin 5:1

Der Jubel im Stadion dauerte noch an, als in

der 4. Minute Carlos Eduardo einen Eckball von

links in die Mitte schlug. Der Schock über das

frühe 1:0 nach zuletzt fünf Niederlagen saß bei

der Hertha tief, die Reihen waren noch nicht

wieder geordnet, und so schraubte sich Ibisevic

nahezu unbehelligt in den scharf geschlagenen

Eckball hoch und köpfte unhaltbar zum 2:0 ein.

Seine Mitspieler rissen ihn vor Freude förmlich

zu Boden.

Als eine Viertelstunde später Salihovic von links

quer über die gesamte Hertha-Abwehr fl ankte,

landete der Ball bei Andreas Beck, der ihn direkt

annahm und halbhoch in die Mitte gab. Wieder

war es Ibisevic, der in der Mitte goldrichtig stand.

Mit dem Kopf erzielte er völlig freistehend das

3:0. Die triumphale Rückkehr des Vedad Ibisevic

kleidete sich also standesgemäß in einen lupenreinen

Hattrick – den fünftschnellsten aller Bundesliga-Zeiten.

Zwischendrin hatte Obasi noch den Außenpfosten

getroffen und Hoffenheim den Gegner nach

Belieben dominiert. Doch nach dem dritten Tor

nahm die Mannschaft das hohe Tempo etwas

aus dem Spiel, ohne dass die Hertha davon profi

tieren konnte. Ein, zwei Mal nur baute sie andeutungsweise

Torgefahr auf. Erst in der 45.

Minute gelang es Raffael überraschend, einen

halblinken Freistoß aus 20 Meter Entfernung an

den Innenpfosten zu setzen und so das 3: 1 zu

erzielen.


In der Pause schärfte Ralf Rangnick seinen

Spielern darum ein, hoch konzentriert zurückzukommen

und unbedingt an den Beginn der ersten

Halbzeit anzuknüpfen. Würde die Hertha glücklich

ein weiteres Tor erzielen, könnte das Spiel sogar

kippen. Doch schon nach zwei Minuten schien

die Sorge gegenstandslos. Nach einem weiteren

Eckball von Carlos Eduardo köpfte Ba den Ball mit

solcher Dynamik ins Netz, dass er hinterher fl og

und sich tief in die Maschen wickelte. Nur ließ

der Schiedsrichter das Tor nicht gelten. Angeblich

hätte Obasi den Torhüter behindert, was sich jedoch

in der Zeitlupe als falsch herausstellte.

So kam es, dass die Hertha noch zu kleineren

Torgelegenheiten fand. Die sattelfeste Hoffenheimer

Abwehr um Compper und Nilsson, der

für den leicht verletzten Simunic gekommen war,

ließ aber wenig genug zu, und Hildebrand besorgte

souverän den Rest. In der 58. Minute

schließlich gelang es der Berliner Abwehr nicht,

den Ball weit genug vom Strafraum wegzubringen.

Luiz Gustavo, der ein großes Spiel ablieferte, ging

entschieden dazwischen. Der Ball gelangte zu

Obasi, der sich robust durchsetzte, von halbrechts

fl ach aufs lange Eck abzog und das 4:1 erzielte.

Fünf Minuten später wurde Ibisevic im Strafraum

unglücklich von den Beinen geholt. Den fälligen

Elfmeter verwandelte Carlos Eduardo, der zum

Lohn für seine herausragende Leistung in den

vergangenen Partien antreten durfte. In der 74.

Minute wurde er aus dem gleichen Grund durch

Zuculini ersetzt – während sieben Minuten früher

Maicosuel für Ibisevic kam, der durch Standing

Rückkehr eines

Torjägers - Vedad

Ibisevic zum ersten,

zum zweiten,

zum dritten...

31


7. SPIELTAG | Hertha BSC Berlin

32 SAISONCHRONIK 2009/10

Ovations des gesamten Stadions verabschiedet

wurde.

Das restliche Spiel, beim Stand von 5:1 nur

noch Formsache, sah eine überlegen spielende

Mannschaft von 1899 Hoffenheim, die sich in

vielerlei Kombinationen und Tricks versuchte und

teilweise Katz und Maus mit der völlig in sich

zusammengebrochenen Hertha spielte. Leider

blieb ein weiterer Torerfolg aus, dafür waren die

technischen Zaubertricks oft zu ambitioniert.

Andererseits war die Gelegenheit für die Spieler

günstig, ihr hohes technisches Potential einmal

risikolos auszuprobieren. So fl og ein Fernschuss

von Obasi aus über 40 Metern weit übers Tor,

ein anderer aus 20 Metern knapp daneben und

blieben die allzu ehrgeizigen Dribblings meist

stecken. Für das Publikum war das Ganze dennoch

ein Riesenspaß, der die Rückkehr nicht nur des

Vedad Ibisevic, sondern auch des Erfolgsmusters

der Vorjahres-Hinrunde verhieß. Beeindruckend

war die hohe Laufbereitschaft bis zum Schlusspfi

ff.

Nachdem man gegen die Hertha in der Vorsaison

zweimal verloren hatte, war sie diesmal

chancenlos – nicht zuletzt deshalb, weil ein Kronjuwel

der erfolgreichen Berliner, Josip Simunic,

nach Hoffenheim gewechselt war und dort zu

einer erheblichen Stabilisierung der Abwehr und

damit der ganzen Mannschaft beigetragen hatte.

So wurde dieser Tag zu einem echten Wendepunkt

– der zum einen das Ende der großen Koalition

aus CDU/CSU und SPD besiegelte und zum anderen

das Ende des Hertha-Trainers Lucien Favre

einläutete, der einen Tag später aus seinem

Amt entlassen wurde. Zum ersten Mal stand

1899 Hoffenheim auch auf Platz 3 der Tabelle,

der für die Qualifi kation der Champions-League

ausreichen würde. �


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Compper, Simunic (46. Nilsson),

Eichner, Carlos Eduardo (74. Zuculini),

Luiz Gustavo, Salihovic, Obasi, Ibisevic (67.

Maicosuel), Ba

HERTHA BSC Berlin

Ochs, Pejcinovic, A. Friedrich, Bengtsson,

Janker (46. Stein), Piszczek, Hartmann, Dardai,

Nicu, Raffael, Ramos

ZUSCHAUER

29.600

TORE

1:0 Ibisevic (1.)

2:0 Ibisevic (4.)

3:0 Ibisevic (21.)

3:1 Raffael (45.)

4:1 Obasi (58.)

5:1 Carlos Eduardo (63. Foulelfmeter)

SCHIEDSRICHTER

Sippel (München)

GELBE KARTEN

Beck, Compper

Pejcinovic

33


8. SPIELTAG | 1. FSV Mainz 05

3. OKTOBER 2009

1. FSV Mainz 05 – 1899 Hoffenheim 2:1

Es gibt Tage, an denen will einfach nichts gelingen.

In der Regel hat das wenig mit Schicksal zu tun.

Meist stehen handfeste Gründe hinter rabenschwarzen

Tagen. Die schmerzhafte Niederlage

am Mainzer Bruchweg war ein sprechendes Beispiel

dafür: trotz einer grandiosen zweiten Halbzeit

und etlichen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen

hatte Hoffenheim den Grundstein für das

Endergebnis selber gelegt.

34 SAISONCHRONIK 2009/10

Die Partie begann, wie die letzte gegen Hertha

BSC aufgehört hatte – im Kopf der Spieler von

1899 Hoffenheim. Aber statt der müden, desillusionierten,

rasch uneinholbar zurückliegenden

Berliner Mannschaft lief eine voll motivierte,

aggressiv spielende Mainzer Truppe über den

Platz, die es nicht zuließ, dass Hoffenheim nach

Belieben schalten und walten konnte. Sondern

es war Mainz 05, das stark gegen den Ball spielte,

effi zientes Pressing ausübte, den Ball zirkulieren

ließ und immer wieder gefährlich vors Tor

kam. Bis die Hoffenheimer Spieler richtig begriffen

hatten, dass der Sieg gegen die Hertha tiefe

Vergangenheit war, stand es schon 2:0 für

Mainz.

In der 6. Minute hätte ein blitzartiger Vorstoß

der Mainzer, über die linke Seite ausgerechnet

vom Ex-Hoffenheimer Zsolt Löw vorgetragen,

bereits zum Nachdenken anregen können. Natürlich

war es ein Sonntagsschuss von Ivanschitz,

der da auf die Sonntagshereingabe von Löw

unhaltbar im oberen rechten Eck von Hildebrand

einschlug. Und selbstverständlich war nicht damit

zu rechnen, dass derlei gleich wieder geschehen

könnte. Nur hätte man dazu die Hosenträger

enger spannen, das Herz in die Hand nehmen

und selber aggressiv spielen müssen. Stattdessen

jedoch ließ man in der 11. Minute die Mainzer

wieder weitgehend ungehindert nach vorn kommen

und schaffte es nicht, den Ball aus dem

Strafraum herauszubringen. Das erhebliche Defensiv-Chaos,

das entstand, nutzte Aristide Bancé,

der gefährlichste Mainzer Angreifer, zu einem

eleganten Kopfballheber über Hildebrand hinweg

ins lange Eck.

Und weiter spielten die Hoffenheimer wie zu

Beginn, ohne zu realisieren, dass ihre sonst so

gefährlichen Kurzpässe diesmal völlig ungefährlich

waren. Außerdem kauften die Mainzer ihnen mit

immer härterer Gangart den Schneid ab: besonders

Eduardo bekam etliches auf die Knochen.

Insgesamt sechs gelbe Karten für Mainz legten

davon beredt Zeugnis ab.

Erst ab der 30. Minute etwa wendete sich das

Spiel. Hoffenheim setzte die inzwischen fast nur

noch defensiv eingestellten Mainzer zunehmend

unter Druck, ohne entscheidend Vorteile zu erlangen.

Schuld daran waren zwei ungemein eng

gehaltene Mainzer Viererketten, in denen fast

alle Angriffsbemühungen stecken blieben. So

kam es zwar hier und da zu ganz ordentlichen

Chancen, denen der glückliche Abschluss aber

verwehrt blieb, zum Beispiel bei einem sehenswerten

Fallrückzieher von Ibisevic.


1. FSV MAINZ 05

H. Müller, F. Heller, Bungert, Noveski, Löw,

Schürrle, Karhan (57. Gopko), Pekovic, Soto

(86. Svensson), Ivanschitz (77. van der Heyden)

Bance

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Nilsson (61. Vorsah), Compper,

Ibertsberger, Carlos Eduardo, Luiz Gustavo

(61. Maicosuel), Salihovic, Obasi, Ibisevic (79.

Terrazzino), Ba

ZUSCHAUER

20.300 (ausverkauft)

TORE

1:0 Ivanschitz (6.)

2:0 Bance (11.)

2:1 Ibertsberger (87.)

SCHIEDSRICHTER

Winkmann (Kerken)

GELBE KARTEN

Pekovic, Ivanschitz, H. Müller, F. Heller, Löw,

Gopko

Nach der Pause drehte Hoffenheim endlich auf,

und ab der 60. Spielminute entwickelte sich ein

regelrechtes Powerplay: nachdem Maicosuel für

Luiz Gustavo und Vorsah für Nilsson gekommen

war. Mainz stand ab da nur noch hinten drin,

verteidigte mit Mann und Maus – und hatte

mehrmals geradezu unverschämtes Glück. Zweimal

allein wurde Hoffenheim nach Fouls im

Sechzehner der fällige Strafstoß versagt.

Vor allem Obasi und Carlos Eduardo nahmen

den Mainzer Block in die Zange, wirbelten links

und rechts vorbei, dribbelten und fl ankten im

Minutentakt. Aber immer wieder fl og der Ball

knapp am Tor vorbei oder darüber. Demba Ba

jagte das Leder nach sehenswertem Gazellensprung

durch die halbe Mainzer Abwehr nur knapp

über die Querlatte, Obasi verfehlte mit einem

kunstvollen Aufsetzer um Haaresbreite den linken

Pfosten, Maicosuel zielte wie Salihovic zu

hoch.

Erst in der 87. Minute gelang der Anschlusstreffer.

Terrazzino passte einen Eckball von links

zurück ins Halbfeld zu Ibertsberger, der kurz Maß

nahm, abzog und mit einem feinen Flachschuss

einlochte. Doch es war zu spät: was eine unerfahrene

Gladbacher Truppe noch zugelassen

hatte, brachte die leidenschaftliche Mainzer Mannschaft

glücklich zu Ende. Trotz drei Minuten

Nachspielzeit schaffte es Hoffenheim nicht, den

Treffer zum mehr als verdienten Unentschieden

zu erzielen.

„Selbst ein Punkt hätte mich nicht über den

Ärger in der ersten Halbzeit hinweggetröstet“,

sagte ein sichtlich enttäuschter und verärgerter

Ralf Rangnick nach dem Spiel. Die Nachlässigkeit

und Verträumtheit, mit der seine Mannschaft zu

Anfang agiert hatte, war der Schlüssel für die

unnötige Niederlage gewesen. Wieder einmal

hatte sich gezeigt, dass Hoffenheim nach grandiosen

Spielen zu einer gewissen Überheblichkeit

neigte. Allerdings sagte der Trainer auch: „Die

Mainzer haben mit allem, was erlaubt ist, teilweise

auch über diese Grenze hinaus, gespielt. Wir

müssen begreifen, dass es immer solche Spiele

auswärts geben wird.“ �

Ibertsbergers

Anschlusstor in

der 87. Minute

kam zu spät, die

Mainzer retteten

ihren Vorsprung

über die Zeit.

35


9. SPIELTAG | Werder Bremen

17. OKTOBER 2009

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:0

Auswärtsspiele waren bisher nicht die Stärke von 1899 Hoffenheim. Außer in

Hannover geriet die Mannschaft bislang jedes Mal schnell in Rückstand. So auch

diesmal: schon nach 22 Minuten stand es 2:0 für Werder Bremen. Dabei hatte

alles gut angefangen, Hoffenheim ging konzentriert zuwerke, Bremen kam kaum

zum Zug, selbst die angeschlagenen Compper und Simunic hatten auflaufen

können. Allerdings fehlte Demba Ba, der sich beim Länderspiel in der Heimat

verletzt hatte, und Ibisevic und Salihovic saßen auf der Bank, müde von ihren

eigenen Länderspielen unter der Woche.

36 SAISONCHRONIK 2009/10

Immer noch kein Sieg gegen Bremen... In der

letzten Saison hatte es eine knappe Niederlage

und ein gerechtes Unentschieden gegeben.


Die defensive Grundordnung, die aus dem Spiel

mit einer einzigen echten Spitze, nämlich Obasi,

resultierte, schien zu funktionieren. Bis bereits

in der 11. Minute Andi Beck vom Platz musste:

Muskelverhärtung. Ihm waren das Spiel in der

Nationalmannschaft drei Tage zuvor oder das

Training dort offenbar nicht bekommen. Für ihn

kam Salihovic und nahm seinen angestammten

Platz im Mittelfeld ein, während Ibertsberger, der

bis dahin im rechten Mittelfeld agiert hatte, auf

Becks Position spielte. Der Wechsel erschütterte

die Hoffenheimer Ordnung mehr, als zu erwarten

war.

In der 14. Minute schien das Konzept jedoch

noch aufzugehen: nach schönem Pass von Obasi

lief Maicosuel allein auf Wiese zu, spielte

knapp an ihm vorbei – und wurde vom Werder-

Torhüter gelegt: Strafstoß. Leider hatte Carlos

Eduardo keinen guten Tag erwischt, sein Schuss

vom Elfmeterpunkt aus war leicht zu halten,

nachdem Wiese die richtige Ecke gewählt hatte.

Vom selben Moment an war es um die Souveränität

des Hoffenheimer Spiels geschehen. Das

Spiel zwischen Defensive und Mittelfeld sowie

zwischen Mittelfeld und Angriff fi el zusehends

auseinander.

Bremen baute, davon profi tierend, immer mehr

Druck auf – und bekam in der 18. Minute einen

Eckball zugesprochen, der auf Pizarros Kopf

landete und von dort in hohem Bogen, über Carlos

Eduardos Kopf hinweg, ins Netz fl og. Die

Verunsicherung war mit Händen zu greifen, wieder

ein früher Rückstand, wieder infolge mangelhafter

Zuteilung: Pizarro hätte nie und nimmer so

frei anspielbar sein dürfen. Es kam, wie es kommen

musste: vier Minuten später entstand nach

einem Freistoß von Özil im Hoffenheimer Strafraum

ein heilloses Getümmel, in dem Per Mertesacker

am schnellsten reagierte und den Ball

über die Linie stochern konnte.

Die Frage war, ob 1899 Hoffenheim nun zu

einem weiteren Sturmlauf ansetzen könnte. Erinnerungen

wurden wach an das legendäre Spiel

ein gutes Jahr zuvor, als man schon mit 4:1 hinten

lag und sich trotzdem noch bis zum 4:4 vorarbeitete

– bis Özil den Siegtreffer erzielte. Dieses

Spiel war die eigentliche Geburtsstunde des

Hoffenheimer Tempofußballs gewesen.

Doch die viel defensivere Ausrichtung der

Bremer Mannschaft in diesem Jahr stand dagegen.

Bremen zog sich nach der so glücklichen

wie komfortablen Führung klug zurück, ließ Hoffenheim

anlaufen und baute auf seinen Torhüter,

der seit vielen Spielen ohne Gegentreffer geblieben

war. Bis zum Ende der ersten Halbzeit kam

es zu einigen guten Ansätzen und Torchancen,

die aber nicht genutzt wurden.

Mit der zweiten Halbzeit lief auch Ibisevic auf,

nachdem Compper angeschlagen in der Kabine

bleiben musste. Für ihn ging Vorsah in die Viererkette.

Doch auch dem Zweiersturm aus Obasi

und Ibisevic, unterstützt durch Maicosuel,

gelang es nicht, fi nale Durchschlagskraft zu entwickeln.

Zudem blieb Werder mit blitzschnellen

Kontern gefährlich, so dass die Mannschaft nicht

bedingungslos gegen Wieses Tor anrennen konnte.

Trotzdem kam es auch jetzt immer wieder zu

großartigen Angriffen, denen nur das Quäntchen

Glück fehlte: Ibisevic bspw. setzte in der 79.

Minute zu einem Seitfallzieher an, der zum Tor

des Monats geführt hätte, wenn er den Ball

WERDER BREMEN

Wiese, Fritz, P. Mertesacker, Naldo, Boenisch,

Frings, Bargfrede (81. Niemeyer), Hunt, Özil,

Marin (53. Rosenberg), Pizarro

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck (11. Salihovic), Simunic, Compper

(46. Ibisevic), Eichner, Ibertsberger, Vorsah,

Luiz Gustavo (77. Vukcevic), Eduardo, Obasi,

Maicosuel

ZUSCHAUER

33.916 (ausverkauft)

TORE

1:0 Pizarro (17.)

2:0 Mertesacker (22.)

SCHIEDSRICHTER

Kircher (Rottenburg)

GELBE KARTEN

Wiese, Pizarro, Bargfrede

Salihovic, Compper, Simunic, Vorsah, Luiz Gustavo,

Obasi, Vukcevic

37


9. SPIELTAG | Werder Bremen

38 SAISONCHRONIK 2009/10

richtig erwischt hätte. Und schon in der 67. Minute

wurde Obasi im Strafraum regelwidrig zu

Fall gebracht. Schiedsrichter Kirchner jedoch

meinte, eine Schwalbe gesehen zu haben, und

zeigte Gelb. Zum wiederholten Mal wurde Hoffenheim

um einen völlig berechtigten Elfmeter

gebracht; vielleicht deshalb, weil die Schiedsrichter

vom schnellen Hoffenheimer Spiel visuell

schlicht überfordert sind, oft aber auch, weil sie

gerne Elfmeter verweigern, wenn ein Spieler wie

Obasi allzu dramatisch fällt.

Hätte Carlos Eduardo zu Anfang der Partie

getroffen und Hoffenheim den zweiten Elfmeter

bekommen und ebenfalls verwandelt, wäre die

Partie durch zwei Hoffenheimer und zwei Bremer

Standardsituationen unentschieden ausgegangen.

So jedoch stand es am Ende 2:0 für die Bremer,

die keine überragende Leistung geboten, sondern

einen für ihre Verhältnisse vergleichsweise biederen,

unattraktiven Fußball gespielt hatten.

So war die Enttäuschung auf Hoffenheimer

Seite groß: man hatte sich bemüht, hatte alle

Kräfte aufgeboten, hatte sich erneut in defensiver

Auswärtstaktik versucht – und schon wieder

verloren. Es sah ganz danach aus, als gäbe es

nur eine erfolgversprechende Hoffenheimer Spielvariante:

das bedingungslose, schnelle Spiel nach

vorn. Nach der alten Devise: ein Tor mehr schießen

als kassieren.

„Wir haben mit der ganzen Mannschaft die Null

gehalten“, sagte Torsten Frings nach dem Spiel.

„Wir verteidigen unser Tor jetzt bis aufs Blut, und

das gelingt uns gut.“ Durch hohen Laufeinsatz

und jeweils bis zu vier Bremer, die sich auf ball-


führende Hoffenheimer stürzten, konnte sich das

gefürchtete Kurzpass-Spiel nie wirklich entfalten.

Aber auch Hoffenheim hatte versucht, die

Kreise der Bremer frühzeitig zu stören. Viele

bissige Nahkampfsituationen, oft am Spielfeld-

Rand, legten Zeugnis davon ab: nicht anders als

die ungewöhnlich hohe Zahl von sieben gelben

Karten. Bremen erhielt nur drei und hatte – das

war vielleicht die entscheidende Lehre des Spiels

– seine Arbeit gegen den Ball besser und effi zienter

erledigt. �

Es war ein kampfbetontes

Spiel mit vielen faszinierenden

Zweikämpfen - und

etlichen gelben Karten.

39


10. SPIELTAG | 1. FC Nürnberg

24. OKTOBER 2009

1899 Hoffenheim - 1. FC Nürnberg 3:0

Nürnberg nach zwei Auswärtsniederlagen zuhause zu besiegen, nachdem man die ‘Clubberer’

im Pokal bereits zuhause besiegt hatte, schien eher Pflichtaufgabe zu sein. Aber

Nürnberg kam mit einem großartigen Spiel gegen die Hertha im Rücken nach Sinsheim

und machte anfangs tatsächlich eine gute Figur. Eng gestaffelt, weit nach vorn orientiert,

unterbanden die Nürnberger fast alle Hoffenheimer Angriffsversuche mit gutem Forechecking,

während sich die Hoffenheimer Abwehr zu weit nach hinten drängen ließ und

damit den Nürnbergern viel Raum fürs Spiel nach vorn eröffnete. Wäre der Nürnberger

Sturm nicht so schwach gewesen, hätte das Spiel möglicherweise einen anderen Verlauf

nehmen können: oder wenn Schiedsrichter Weinert in der 28. Minute nach einem Zweikampf

von Simunic und Bunjaku auf Strafstoß entschieden hätte. Dass er es nicht tat,

war reines Glück.

40 SAISONCHRONIK 2009/10


Das Glück des Tüchtigen hatte sechs Minuten

später Christian Eichner, der für den immer noch

verletzten Andreas Beck ins Team gekommen

war und Ibertsberger hinten links vertrat, der

wiederum Becks Position rechts ausfüllte. Im

Training öfters zu wuchtigen Fernschüssen aufgelegt,

zog Eichner inmitten unvermindert mühsamer

Hoffenheimer Angriffsversuche nach einem

abgewehrten Freistoß von Salihovic aus 32 Metern

per Dropkick aus halblinker Position ab: der

Ball schlug mit knapp 100 km/h im oberen rechten

Winkel unhaltbar ein, Marke Tor des Jahres.

Die Nürnberger reagierten auf diese Kraftdemonstration

sichtbar eingeschüchtert, so dass schon

zwei Minuten später Carlos Eduardo nach großartigem

Solo zum Schuss kam. Der Ball fl og knapp

am Gehäuse vorbei.

Noch einmal zwei Minuten später erkämpfte

sich Compper den Ball im Mittelfeld von Mintal

und spielte steil auf Ibisevic, der seinen wiedergefundenen

Torjägerinstinkt demonstrierte, einen

Abwehrspieler umdribbelte und mit fein dosiertem

Schuss ins rechte untere Eck abschloss. Damit

war der Bann endgültig gebrochen. Nürnberg

ergab sich in sein Schicksal und überließ Hoffenheim

sämtliche Spielanteile.

Bis zum Pausenpfi ff dominierte die Heimmannschaft.

Danach war das Spiel etwas zerfahren.

Hoffenheim agierte gebremst, Nürnberg reagierte

schwach. Es dauerte um die zehn Minuten,

bis die Offensive wieder in Schwung kam. Der

Grund dafür war die Auswechslung von Obasi,

der mit muskulären Problemen in der Kabine

Dreimal Torjubel,

dreimal die Torhymne:

dabei hatte

Nürnberg die Partie

am Anfang durchaus

offen gestalten

können.

41


10. SPIELTAG | 1. FC Nürnberg

42 SAISONCHRONIK 2009/10

hatte bleiben müssen. Für ihn war Zuculini eingewechselt

worden.

Bislang hatte das Publikum vom jungen Liebling

des argentinischen Nationaltrainers Maradona

noch nicht viel zu sehen bekommen, seine Einsätze

zählten noch in Minuten. Gegen Nürnberg

erhielt er eine ganze Halbzeit zum nachhaltigen

Beweis seiner Fähigkeiten. Und Zuculini nutzte

die Chance, die sich ihm bot. Nach einer Weile

hatte er sich ins Spiel integriert, hatte die Mannschaft

sich auf ihn eingestellt – und schon genoss

das Publikum die wuchtigen Vorstöße des kraftvollen

Argentiniers. Ein ums andere Mal trieb er

den Ball entschlossen nach vorn, verwirrte den

Gegner, spielte aber jedesmal mannschaftsdienlich

in Strafraumnähe ab und gab sich mit dem

Bild des Antreibers zufrieden.

In der 64. Minute kam es erneut zu einem

seiner wuchtigen Vorträge. Von der Mittellinie

weg trieb zunächst Maicosuel den Ball halblinks

nach vorn und passte dann quer auf Zuculini, der

sich halbrechts dem Strafraum näherte. Die

Nürnberger Abwehr wich vor dem ballführenden

Gaucho fast ängstlich zurück. Trotzdem schaute

Zuculini sich mehrmals um, wen er wieder anspielen

und in Szene setzen könnte. Da die

Nürnberger es ihm gleich taten und ebenfalls auf

sein Abspiel warteten, griffen sie ihn immer noch

nicht an – so dass Zuculini kurzerhand abzog. Sein

trockener Schuss landete unhaltbar im rechten

unteren Winkel.

Was danach geschah, belegte zum wiederholten

Mal den Wert eines erfahrenen Spielers wie

Simunic. Denn Zuculini lief zum verdienten Torjubel

zurück in die eigene Hälfte, bis dahin, wo

er auf der Tribüne seine Familie vermutete. Die

gesamte Mannschaft einschließlich Torhüter

Hildebrand umringte und feierte ihn ausgiebig

und achtete nicht darauf, dass im Mittelkreis zwei

Nürnberger fertig zum Wiederanstoß standen.

Da alle Hoffenheimer sich in der eigenen Hälfte

befanden, hätte es für Schiedsrichter Weinert

keinen Grund gegeben, mit dem Wiederanpfi ff

länger zu warten.

Simunic begriff als einziger, dass sich hier eine

Szene aus dem Kuriositätenkabinett anbahnte,

die Hoffenheim lang dem kollektiven Gespött der

Liga ausgesetzt hätte – während die Mannschaft

noch am Spielfeldrand den dritten Treffer feierte,

hätte Nürnberg unbehelligt anstoßen und den

Ball ins weder verteidigte noch vom Torhüter

besetzte, leere Tor förmlich hineintragen können.

Als die Mannschaft auf die Rufe und Gesten von

Simunic nicht reagierte und freudetrunken immer

noch weiterfeierte, lief der großgewachsene,

bärtige Innenverteidiger einfach in den Mittelkreis


hinein und verhinderte durch diese Regelverletzung,

dass der Wiederanpfi ff sofort ausgeführt

werden konnte. Bis Weinert Simunic hinauskomplimentiert

hatte, begriff endlich auch der Rest

der Mannschaft, was die Uhr geschlagen hatte,

und brachte sich wieder in Position.

In der Folge sah die wieder ausverkaufte Rhein-

Neckar-Arena noch einige schöne Spielzüge und

knapp verpasste Torgelegenheiten der Gastgeber,

und auch Nürnberg bot einige passable Szenen.

Je länger die Partie andauerte, je mehr überwog

jedoch die Unausweichlichkeit des Hoffenheimer

klaren Sieges. In der 88. Minute skandierte eine

glückliche Südtribüne den Namen des Mäzens,

Dietmar Hopp, was die frustrierte Nürnberger

Anhängerschaft nach dem Abpfi ff mit bekannt

üblen Sprechchören quittierte.

Die Nürnberger Nachrichten schrieben anlässlich

einer Eishockey-Partie dazu: „Es war einmal:

Wir sind alle Eishockey-Fans… Der Freitagabend

in Ingolstadt hat exemplarisch gezeigt, dass

viele neue Fans ohne Verstand den Fußball-Ultras

nacheifern. Der Versuch, die unsäglichen (und

am Samstag von Club-Fans mit großer Begeisterung

wiederholten) Angriffe gegen den Hoffenheim-Mäzen

Dietmar Hopp im Niveau noch zu

unterbieten, gelang vollauf…“

Offenbar hatten im Verlauf der Eishockey-

Partie gegen Ingolstadt noch üblere Sprechchöre

Konjunktur, als in Fußballstadien schon üblich.

Der Gedanke, die skandierenden, sogenannten

Fans einfach gewähren zu lassen, gebar also

weitere verbale Exzesse und erwies sich zum

wiederholten Male als falsch.

Unter der Woche kam es jedoch zu einem viel

erfreulicheren Ergebnis. Und zwar hatte Prince

Tagoe, nachdem seine etwas voreilige Kündigung

schon lang zurückgenommen worden war (Jan

Schindelmeiser: „Ich hätte gleich auf die Stimme

meines Herzens hören sollen…“), den vereinbarten

Schlichtungstermin beim vom DFB ernannten

Kardiologen bestanden. Im Endergebnis zeigte

sich, dass die Hoffenheimer Bedenken einer

gefahrbringenden Herzmuskelschwäche nicht

unbegründet gewesen waren, sich die Erkrankung

inzwischen jedoch auf gutem Besserungswege

befand. Prince Tagoe konnte darum mit sofortiger

Wirkung wieder ins Training integriert werden.

Die Aussicht, ihn nach der Winterpause, nach

erneutem, abschließendem Herz-Check, zunächst

völlig gesund und dann auch noch auf dem Spielfeld

wiederzusehen, befl ügelte alle an dieser

dramatischen Geschichte Beteiligten. �

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Eichner, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Salihovic, Luiz Gustavo, Carlos Eduardo,

Obasi (46. Zuculini), Ibisevic (84. Terrazzino),

Maicosuel (78. Vukcevic)

1. FC NÜRNBERG

R. Schäfer, Judt, Wolf, Maroh, Pinola, Gygax (58.

Vidosic), Kluge, Mintal, Frantz (73. Nordtveit),

Eigler, Bunjaku (85. Choupo-Moting)

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

1:0 Eichner (34.)

2:0 Ibisevic (38.)

3:0 Zuculini (64.)

SCHIEDSRICHTER

Weiner (Giesen)

GELBE KARTEN

Ibertsberger

Gygax, Judt

Zuculini, zu Hoffenheim

gestoßenes,

argentinisches

Talent, erzielte wie

Neuzugang Eichner

(vom KSC) ein Tor.

43


DFB-POKAL 3. HAUPTRUNDE | TuS Koblenz

28. OKTOBER 2009

1899 Hoffenheim – TuS Koblenz 4:0

Ein Nationalspieler mehr im Hoffenheimer Kader: zwei Tage vor der Partie wurde Carlos

Eduardo für die nächsten beiden Länderspiele ins Aufgebot der Seleçao berufen, der

brasilianischen Nationalmannschaft. Es war die verdiente, ehrenvolle Anerkennung für

seine herausragenden Leistungen im Team von 1899 Hoffenheim.

44 SAISONCHRONIK 2009/10

Das Achtelfi nalspiel gegen die TuS Koblenz

wurde die erwartete Demonstration des Klassenunterschieds

von 1. und 2. Bundesliga, zumal

Hoffenheim im oberen und Koblenz im unteren

Drittel ihrer jeweiligen Ligen residierten. Bis der

Klassenunterschied Früchte trug, sollte es aber

eine ganze Weile dauern, genau genommen bis

zur zweiten Halbzeit. Denn anders als von Trainer

Rapolder angekündigt, hielt Koblenz die Partie

keineswegs offen, sondern rührte Beton an. Mit

elf Mann in der eigenen Hälfte gelang es den

Gästen lange Zeit, die Hoffenheimer Angriffsversuche

wirkungsvoll zu unterbinden. Dabei spielten

sie allerdings ein intelligentes Pressing, immer

zwei oder drei Mann stürzten sich auf den angreifenden

Gegner, so dass Hoffenheim keine

spielerische Überlegenheit erlangen konnte.


Im Gegenteil: nach einer Anzahl etwas leichtfertig

vergebener Torgelegenheiten gleich zu

Beginn wurden die Hoffenheimer Angriffe zunächst

recht sorglos und dann zunehmend hektisch

vorgetragen, es schlichen sich jede Menge

Fehlpässe ein, Ratlosigkeit machte sich breit über

die Standfestigkeit des Koblenzer Bollwerks.

Umgekehrt gelang es Koblenz aber nicht, einen

einzigen gefährlichen Angriff vorzutragen.

In der zweiten Halbzeit reagierte Trainer Ralf

Rangnick und brachte für Zuculini, der zum ersten

Mal in der Startelf gestanden und auf der rechten

Mittelfeldachse etwas übermotiviert agiert hatte,

Obasi, der noch leicht angeschlagen war. Dadurch

konnte Carlos Eduardo zurück ins Mittelfeld rücken,

der vorne rechts wenig Impulse zu setzen

vermochte, und erhielten Hoffenheims Angriffe

endlich die erwünschte Durchschlagskraft. Trotzdem

war es einem Freistoß von Salihovic vorbehalten,

den Torreigen zu eröffnen. Eigentlich als

Flanke gedacht, segelte der Ball in der 50. Minute

an Freund und Feind vorbei ins Tor.

Koblenz hätte nun angreifen müssen, doch das

Umschalten von der einstudierten Defensive

gelang nicht. Stattdessen behielt Hoffenheim

weiter die Initiative und drückte permanent,

musste aber bereits in der 66. Minute wieder auf

Obasi verzichten, dessen muskuläre Probleme

offenbar zu gravierend waren. Für ihn kam Vukcevic.

Eine Minute später erkämpfte sich Ibisevic

auf der linken Seite den Ball, zog nach innen,

düpierte die Koblenzer Innenverteidigung und

schoss unhaltbar zum 2:0 ein.

Damit war der Bann endgültig gebrochen.

Koblenz konnte nur noch durch ein Wunder die

Partie umdrehen – das aber nicht geschah, auch

weil Hoffenheim wie entfesselt weiter stürmte.

In der 71. Minute schickte der immer spielfreudigere

Ibisevic Maicosuel mit einem sehenswer-

4:0 im einzigen

Pokal-Heimspiel

- der Torreigen

begann aber erst in

der 50. Minute.

45


DFB-POKAL 3. HAUPTRUNDE | TuS Koblenz

46 SAISONCHRONIK 2009/10

ten Pass Richtung Tor. Der Brasilianer überlief

zwei Verteidiger plus Torwart und schob ein. Mit

Nuckeldaumen und zwei danach in die Luft gezeichneten

Herzen zeigte er an, wie viel seine

Familie ihm im Fußballerleben bedeutete.

Nachdem damit alles gelaufen war, durfte auch

der frischgebackene brasilianische Nationalspieler

vom Platz: Terrazzino kam für Carlos Eduardo,

konnte aber wie Vukcevic nicht mehr entscheidend

ins Spiel eingreifen.

Eine Schrecksekunde war noch zu überstehen:

als Maicosuel, der die Koblenzer Gäste mit trickreichem

Spiel regelrecht vorzuführen begann,

nach einem Zweikampf liegen blieb und sich ans

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger, Vorsah, Compper,

Eichner, Zuculini (46. Obasi, 66. Vukcevic), Luiz

Gustavo, Salihovic, Carlos Eduardo (74. Terrazzino),

Ibisevic, Maicosuel

TUS KOBLENZ

Yelldell, Skeraj, Mavric, Lense (60. P. Langen),

Forkel, M. Hartmann, Morack, Melinho (67. Ch.

Müller), Skela, Krontiris (60. N. Kuqi), S. Kuqi

ZUSCHAUER

18.050

TORE

1:0 Salihovic (50.)

2:0 Ibisevic (67.)

3:0 Maicosuel (71.)

4:0 Compper (90.)

SCHIEDSRICHTER

Perl (Pullach)

Knie fasste. Nach kurzer Behandlung konnte der

Brasilianer, der innerhalb kurzer Zeit zu einer

wichtigen Stütze im Hoffenheimer Spiel geworden

war, glücklicherweise weitermachen.

In der gut gefüllten Rhein-Neckar-Arena sahen

zufriedene, glückliche Zuschauer in den wenigen

verbleibenden Minuten noch manche hochklassige

Szene: ein Kopfball von Vukcevic strich knapp

am Gehäuse vorbei, nachdem Eichner von links

halbhoch gefl ankt hatte, Salihovic schoss einen

Freistoß aufs kurze Eck, der abgewehrt werden

konnte, Terrazzino vergab eine schöne Chance

nach gutem Zuspiel von Salihovic.


In der 90. Minute gab es noch einmal Eckball

für 1899 Hoffenheim, den sich Salihovic auf der

linken Seite zurechtlegte. Mit feinem Schnitt

scharf nach innen geschossen, erreichte Compper

den Ball als erster und wuchtete ihn am

herbeieilenden Schlussmann vorbei ins Tor.

Gleich darauf ertönte der Schlusspfi ff: 1899

Hoffenheim stand damit zum dritten Mal in der

Vereinsgeschichte im Viertelfi nale des DFB-Pokals.

Wie viel das Publikum der Mannschaft inzwischen

zutraute, war kurz vor Ende von den Tribünen zu

hören: „Berlin – Berlin – wir fahren nach Berlin!“

Die Pokalauslosung vier Tage darauf setzte

solchen Wünschen einen schweren Klotz in den

Weg: Werder Bremen. Mit Heimrecht. Härter

hätte das Los fürs Viertelfi nale kaum sein können.

Vedad Ibisevic fand dafür die einzig angemessenen

Worte: „Es wird kein einfaches Spiel, aber

wir werden dort gut vorbereitet sein und dieses

Mal als Sieger vom Platz gehen.“ �

Maicosuel, brasilianischer

Neuzugang,

machte in diesem

Spiel nicht sein

erstes Tor...

47


11. SPIELTAG | SC Freiburg

48 SAISONCHRONIK 2009/10


1. NOVEMBER 2009

SC Freiburg - 1899 Hoffenheim 0:1

Breisgau gegen Kraichgau – das Badener

Nord-Süd-Derby hatte bereits

eine gewisse Tradition. Besonders das

letzte Aufeinandertreffen war noch in

schmerzhafter Erinnerung, denn der

SC hatte 1899 aus dem letztjährigen

Pokal geworfen, als man den damaligen

Zweitligisten etwas zu leicht genommen

hatte.

So etwas sollte nicht wieder passieren, besonders

nicht nach zwei unnötigen Auswärtsniederlagen

in Mainz und Bremen, als man jeweils nach

ca. 20 Minuten 0:2 zurückgelegen war. Und so

ging 1899 von Beginn an engagiert zur Sache und

hatte schon in der allerersten Minute zwei schöne

Torchancen zu verzeichnen: die zweite vergab

Compper, die erste hätte Elfmeter geben müssen,

als Ibisevic klar gefoult wurde. Doch Schiedsrichter

Meyer hatte eine Art Gnadentag eingelegt,

er gab während der gesamten Partie nicht ein

einziges Mal Gelb, nie Rot und auch keinen Elfmeter.

Wer immer etwas anstellte an diesem

Tag, konnte mit Meyers Verständnis rechnen.

Gelegentlich signalisierte er zwar, dass es mit

seinem Verständnis bald vorbei sein könnte, aber

dabei blieb es dann auch.

Bereits in der 4. Minute ging Maicosuel nach

einem Aufbaufehler der Breisgauer und Pass von

Ibisevic allein aufs Tor, scheiterte jedoch am

Freiburger Keeper Pouplin. Die Szene war typisch

für die gesamte erste Halbzeit, in der Freiburg

das Spiel nahezu vollständig den Nordbadenern

überließ. Hoffenheim konnte nach Belieben schalten

und walten und erarbeite sich in wunderschönen

Kombinationen eine Torgelegenheit nach der

andern, von denen aber vorerst keine genutzt

wurde. Sechs zu null Ecken für 1899 sprachen

49


11. SPIELTAG | SC Freiburg

Simunic versucht

es ...

50 SAISONCHRONIK 2009/10

eine deutliche Sprache. Möglich, dass die Torausbeute

eine andere gewesen wäre, hätte Hoffe

nicht auf die verletzten Obasi und Ba verzichten

müssen. Zwei Stürmer dieser Extraklasse weniger,

das kann so leicht keine Mannschaft einfach

wegstecken.

Erst in der 39. Minute und etliche Torchancen

später kam es zu folgender Szene: Einwurf auf

der linken Seite von Salihovic, der Ball kommt

halblinks zu Carlos Eduardo, der sich dreht, um

in die Mitte zu passen. Doch bevor er den Pass

spielen kann, rauscht Ibisevic heran, spitzelt ihm

den Ball vom Fuß und bedient über zehn, fünfzehn

Meter punktgenau den in der Mitte vorm Strafraum

wartenden Stürmerkollegen Maicosuel, der

es mit zwei Freiburger Verteidigern auf einmal

zu tun hat. Doch statt den naheliegenden Versuch

zu unternehmen, sie zu umdribbeln und damit

freie Fahrt aufs Tor zu haben, schaut Maicosuel,

den Ball am Fuß, bloß kurz auf – und schlenzt die

Kugel aus 18 Metern in wunderschönem Steig-

und Sinkfl ug über Pouplin hinweg ins rechte

obere Eck.

Es war klar, dass Freiburg nach der Pause nicht

ähnlich willenlos weitermachen würde. Nach drei

Niederlagen in Folge musste die Mannschaft

zuhause einfach anders auftreten, musste jetzt

etwas probieren – und angreifen. Genau das tat

sie auch, und die Kompromisslosigkeit, mit der

sie es tat, überraschte die Hoffenheimer, die sich

an die Dauerüberlegenheit der ersten Halbzeit

etwas zu sehr gewöhnt und darum zu weit zurückgezogen

hatten, was den Südbadenern viel

Raum eröffnete. Ihre ungestümen Angriffe waren

aber zunächst noch relativ leicht abzufangen, so

dass 1899 sogar zu einigen schönen Kontergelegenheiten

kam.

Je länger die zweite Halbzeit ging, je deutlicher

wurde leider, dass die Angriffs-Devise der Freiburger

auch lautete: auf die Knochen gehen. Es

gab etliche Momente, in denen der Schiedsrichter

mindestens die gelbe Karte hätte zeigen

müssen. Aber weil er sich zuvor im Verzeihen

und Ermahnen geübt hatte, wollte er nun offenbar

kein Ungleichgewicht aufkommen lassen – und

ermahnte immer nur weiter. Es konnte einem

angst und bange werden um die Gesundheit der

Hoffenheimer Spieler. Und es zeigte sich einmal

mehr, dass Schiedsrichter aufpassen müssen,

ein Fußballspiel nicht mittels Kartenfl ut oder

Kartenebbe aus der Hand zu geben. Beides endet


fatal: zu oft frühes Gelb und später Gelb-Rot

schürt die Aggression auf dem Platz, doch Ermahnungen

ohne jedes Gelb bewirken genau

das Gleiche.

In der 77. Minute erlag Schiedsrichter Meyer

erneut seinen Prinzipien und ließ ein klares Foul

an Carlos Eduardo im Strafraum ungeahndet. Bis

dahin hatte die Hoffenheimer Abwehr Schwerstarbeit

geleistet und musste auch für den Rest

der Partie höllisch aufpassen, nicht doch noch

den Ausgleich zu erzielen. Das konnte zwar verhindert

werden – aber nicht, bis zum Ende erfolgreich

dem überharten, nie sanktionierten Einsteigen

der Freiburger auszuweichen. In der 90.

Minute erwischte es Ibertsberger in fataler Konsequenz

am Kopf: Verdacht auf Jochbeinbruch,

erwartbarer Ausfall bis nach der Winterpause.

Wenige Minuten nach der Partie wurde bekannt,

dass der langjährige Freiburger Präsident, Achim

Stocker, im Alter von 74 Jahren den Folgen eines

Herzinfarktes erlegen war, den er eine Woche

vorher erlitten hatte. Deshalb fi el die anschließende

Pressekonferenz aus. �

SC Freiburg

Pouplin, Cha (46. Makiadi), Krmas, Bastians,

Butscher, Banovic, Uzoma (77. Schuster),

Abdessadki, Jäger, Idrissou, Bechmann (46.

Reisinger)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger

(90. Eichner), Carlos Eduardo, Vorsah,

Luiz Gustavo, Salihovic, Ibisevic (84. Vukcevic),

Maicosuel (90. Zuculini)

ZUSCHAUER

24.000

TORE

0:1 Maicosuel (39.)

SCHIEDSRICHTER

Meyer (Burgdorf)

... und Maicosuel

erzielt es: das entscheidende

Tor!

51


12. SPIELTAG | VfL Wolfsburg

7. NOVEMBER 2009

1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:2

Die erste Heimniederlage der Saison! Nach einer

Serie von Siegen gegen durchweg schwächere

Gegner verlor 1899 Hoffenheim die Partie gegen

den deutschen Meister mit 1:2 – oberflächlich

gesehen nach starker erster und schwacher zweiter

Halbzeit. Schaute man genauer hin, profitierte

Hoffe in der ersten Halbzeit nicht zu knapp von

der Schwäche des Gegners, auch wenn das mustergültige,

aufwendige Pressing in den ersten 45

Minuten einiges zur Wolfsburger Schwäche beitrug.

Nach der Pause kehrten die Wölfe jedoch

hoch motiviert zurück und legten genau jene

Spielweise an den Tag, die sie in dieser Saison zur

bisher stärksten Mannschaft der zweiten 45 Minuten

gemacht hatte.

Die Hoffenheimer schienen darauf nicht vorbereitet

zu sein und kassierten innerhalb von fünf

Minuten zwei hochgradig vermeidbare Treffer.

Hatten die Statistiker in der ersten Halbzeit noch

ein Torschuss-Verhältnis von 13:3 zugunsten der

Gastgeber registriert, verkehrte sich das Verhältnis

nun zwar nicht ins Gegenteil, schlug aber

deutlich zugunsten der Gäste aus – die gegen

Ende der Partie auch noch eine jener Konterchancen

vergaben, die man „tausendprozentig“ nennt.

Doch gab es im gesamten Spiel auf beiden Seiten

nicht viele solcher vergebenen hochkarätigen

Chancen. Auf diese Weise konnte es hüben wie

drüben nicht zu der erwarteten Torefl ut kommen,

die man beiden angriffsstarken Mannschaften im

Vorfeld zugetraut hatte.

Dem Augenschein nach begann Hoffenheim

die Partie schwungvoll, mit hoch effi zientem

Pressing und optimaler Raumaufteilung. Wolfsburg

dagegen weilte gedanklich anscheinend noch in

der Champions League, wirkte unkonzentriert

und spielte einen Fehlpass nach dem andern.

Und dennoch: in der Abwehr offenbarte 1899

immer wieder erschreckende Gedankenlosigkeiten,

die der Gegner mindestens so gedankenlos

ungenutzt ließ. Und 1899 erspielte sich weitaus

weniger Großchancen, als aus der Mittelfeld-

Überlegenheit hätten resultieren müssen.

Zu lösbar erschien die Aufgabe, gegen schwächelnde

Wölfe das eigene Spiel aufzuziehen, zu

einfach kam man immer wieder an den Ball, zu

deutlich ließ der Gegner sich den Schneid abkaufen.

Allerdings gab es im Spielverlauf auch einige

falsch gepfi ffene Abseitspositionen, vor allem bei


Torgefahr durch Ibisevic, der sich beim allzu berechtigten,

heftigen Protest dagegen in der zweiten

Halbzeit eine gelbe Karte einhandelte – nur

dass in diesem Fall, wie es so geht, die Abseitsentscheidung

einmal richtig war.

In der 23. Minute sah das Publikum in der

Rhein-Neckar-Arena einen von Carlos Eduardo

energisch vorangetriebenen Konterangriff. Nachdem

er zwei Wolfsburger hinter sich gelassen

hatte, spielte er den Ball nach rechts außen auf

Maicosuel, der mit einer herrlichen Flanke Ibisevic

in der Mitte bediente. Dessen eingesprungener

Kopfball-Aufsetzer aus etwa 12 Metern fl og

für den Torhüter unerreichbar ins linke obere

Eck.

Kaum jemand im Stadion zweifelte daran, dass

damit der Torreigen eröffnet war. Zu passiv, zu

verschlafen agierten die Wölfe. Hoffenheim

verstand es jedoch nicht, seine strukturelle Überlegenheit

zählbar zu machen. Maicosuel vergab

in der 28. Minute aus sieben Metern freistehend,

Salihovic scheiterte mit einem Freistoß in der

45., der an den Pfosten ging. Und so schlenderte

man sorglos in die Pause und vertraute darauf,

dass man die fehlenden Tore in den nächsten 45

Minuten schon noch nachreichen würde.

Das war jedenfalls der Eindruck, den man gewinnen

konnte, als die Hoffenheimer aus der

Kabine kamen. Wie es aussah, stand die Fortsetzung

einer lockeren Trainingseinheit gegen einen

zwar amtierenden, inzwischen aber offenbar

zahnlosen Deutschen Meister an. In guter Kameradschaft

schob man sich den Ball in den eigenen

Reihen zu und wusste, dass die Wolfsburger,

wenn sie gelegentlich ans Spielgerät kämen,

damit schon nichts anzufangen wüssten.

Aber weit gefehlt: in der Gästekabine war es

in der Pause nach Zeugenaussagen ziemlich laut

geworden, anders als vermutlich im Hoffenheimer

Pausenraum. Und so stand nun eine lethargische,

allzu leichtfertig agierende Hoffenheimer Freundschafts-Elf

gegen eine hellwache, erfolgshungri-

Alles Trösten half

nichts - es war die

erste Heimniederlage

der Saison.

53


12. SPIELTAG | VfL Wolfsburg

54 SAISONCHRONIK 2009/10

ge, mit aggressivem Pressing spielende Wolfsburger

Truppe. Die Folgen ließen nicht lange auf

sich warten.

Zweimal innerhalb von fünf Minuten schaffte

es Hoffenheim nicht, den Ball aus dem eigenen

Strafraum zu befördern. Spätestens nach dem

Ausgleichstreffer in der 52. Minute durch Misimovic

hätte Hoffe jedoch davor gewarnt sein

müssen, dass man Bälle nicht derart leichtfertig

vertändeln durfte. Grafi te und die Abfälschung

seines Schusses durch Compper besorgten in

der 57. Minute den Rest. Die restliche halbe

Stunde war 1899 dann bemüht, das so unnötig

verloren gehende Spiel zurückzuholen. Ein paar

Chancen gab es, auch durch den eingewechsel-

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Eichner

(82. Vukcevic), Carlos Eduardo, Vorsah (59. Ba),

Luiz Gustavo, Salihovic, Ibisevic, Maicosuel

VFL WOLFSBURG

Benaglio, Riether, Ricardo Costa, Madlung, M.

Schäfer, Hasebe (77. Pekarik), Josue, Gentner,

Misimovic (90. Baier), Dzeko, Grafi te (87. Kahlenberg)

ZUSCHAUER

29.400

TORE

1:0 Ibisevic (23.)

1:1 Misimovic (52.)

1:2 Grafi te (57.)

SCHIEDSRICHTER

Kinhöfer (Herne)

GELBE KARTEN

Hildebrand, Simunic, Ibisevic

Josue, Hasebe, Misimovic

ten Demba Ba. Letztlich fruchtete alle Anstrengung

aber nichts. Wolfsburg spielte die Partie

souverän durch, Hoffe war wieder einmal an der

eigenen Anspruchshaltung gescheitert und hatte

den gerade wiedergefundenen Anschluss an die

Spitzengruppe verspielt. Die Stimmen danach:

Christian Eichner: „Die 15 Minuten nach der

Pause kann ich nicht erklären. Wir haben da alles

vermissen lassen, was man offensiv und defensiv

braucht.“

Timo Hildebrand: „Es kotzt mich an. Die einzige

Begründung für die Niederlage ist, dass wir

die Bälle aus der Gefahrenzone nicht raushauen.

Die zweite Halbzeit war wie auswärts die erste


Halbzeit. Als Spitzenmannschaft muss man über

90 Minuten stark sein. Wir hätten uns oben festbeißen

können, aber solche Unzulässigkeiten

verhindern das.“

Der Trainer: „Es reicht nicht, eine Halbzeit lang

gut zu spielen. In der ersten Halbzeit war das

Tempo hoch und wir haben früh attackiert. Konsequenterweise

gingen wir dann in Führung. Die

Führung hätte aber höher ausfallen müssen.

Wolfsburg war da gut bedient. In der zweiten

Halbzeit haben wir diese Dinge dann vermissen

lassen. Wir müssen vor dem Tor einfach konsequenter

klären. Auf Grund der zweiten Halbzeit

haben wir es nicht verdient, zu gewinnen. Wir

haben in der ersten Halbzeit nicht überpaced, die

Mannschaft hatte genug Kraft. Wir haben es

wieder nicht geschafft, gegen eine Spitzenmannschaft

zu gewinnen, die Saison ist aber noch nicht

vorbei.“. �

Zu diesem Zeitpunkt

war die Welt noch in

Ordnung - Ibisevics

wunderschöner Flugkopfball

zum 1:0...

55


13. SPIELTAG | 1. FC Köln

56 SAISONCHRONIK 2009/10


21. NOVEMBER 2009

1. FC Köln - 1899 Hoffenheim 0:4

Die Meteorologen hatten milde Temperaturen und Sonnenschein für das

Rheinland vorhergesagt. Tatsächlich schien jedoch nur in Nordbaden die Sonne.

Aber m ild war es trotzdem an diesem denkwürdigen Wochenende, als die

Fußball-Bundesliga nach dem Suizid von Hannovers Torhüter Enke zum gewöhnlichen

Spielbetrieb zurückzukehren versuchte. Man spürte die tiefe seelische

Verunsicherung durchgängig nachhallen, nicht nur zu Beginn, als sich

die Mannschaften zu einer Denkminute am Mittelkreis einfanden und es selbst

im sonst so lärmerfüllten Rhein-Energie-Stadion mucksmäuschenstill wurde

– was sich später, wenn auch aus anderem Grund, wiederholen sollte.

Im Vorfeld der Partie war in den Medien darüber

spekuliert worden, dass der 1. FC Köln durch

seine slowenischen Spieler, die eben die Qualifi

kation zur WM geschafft hatten, und durch

Podolski, der ein sehr erfolgreiches Länderspiel

absolviert hatte, im Vorteil wäre. Denn umgekehrt

hatten die bosnischen Nationalspieler von 1899

Hoffenheim ihre WM-Qualifi kation verpasst und

würden, so die Spekulation weiter, längst nicht

auf der Höhe der Motiviertheit der Kölner Spieler

agieren können.

Alle Erwartungen in diese Richtung gingen

ebenso fehl wie die Vorhersage der Meteorologen.

Statt schwungvoller Kölner Angriffe sah das

entsetzte Heimpublikum von Beginn an große

kölsche Verwirrung auf dem Rasen, wo die Gäste

aus Hoffenheim nach Gusto schalten und

walten konnten. Aber das Publikum sah auch,

was noch schlimmer war, zwei schnelle Tore

gegen sich fallen. Der Fehler in den fußballerischen

Wetterprognosen: man hatte Carlos Eduardo

nicht berücksichtigt. In den ligafreien zwei Wochen

vor der Partie hatte er sein Debüt in der brasilia-

nischen Nationalmannschaft gegeben und war

davon derart stolz und beschwingt zurückgekehrt,

dass er alle slowenischen Motivationsvorteile,

wenn es sie denn gab, allein hätte übertrumpfen

können.

So war es auch der Brasilianer, der bereits in

der 5. Spielminute aus 20 Metern halblinks vor

dem Kölner Tor abzog. Maicosuel hatte ihm den

Ball vor die Füße gespielt, so dass er unbedrängt

ein paar Meter marschieren konnte, bis er eine

Lücke sah und sich zum Schuss entschloss, der

in einer langen, unwiderstehlichen Kurve scharf

um Torhüter Mondragon herum im rechten Eck

einschlug. Im selben Moment war es ganz still

im Kölner Stadion: und noch einmal, als kaum

sechs Minuten später Eichner von links eine gewaltige

Bogenfl anke über die halbe Kölner Abwehr

schickte. In der Mitte sprang Obasi am höchsten

und erzielte das 0:2. Lähmendes Entsetzen packte

die Kölner Fans, fast gespenstische Stille

herrschte für einen Moment… Dann aber entlud

sich die Enttäuschung aufseiten der Südkurve in

unfl ätigen Sprechchören gegen Dietmar Hopp.

57


13. SPIELTAG | 1. FC Köln

Köln hatte einen

rabenschwarzen

Tag erwischt -

und Hoffenheim

glänzte!

58 SAISONCHRONIK 2009/10

Das war umso infamer, als der Stadionsprecher

vor der Partie im Gedenken an Robert Enke zu

Fairness aufgerufen und sich auch explizit gegen

hämische Sprechchöre ausgesprochen hatte –

was zunächst viel beklatscht worden war. Als im

weiteren Verlauf die Sprechchöre immer mehr

zunahmen, wandte sich der Stadionsprecher

mitten im Spiel erneut ans Publikum und bat

eindringlich, die Schmähungen zu unterlassen.

Darauf schwollen die Sprechchöre noch weiter

an. Das Publikum fand, es sei um einen vergnüglichen

Nachmittag betrogen worden, und wollte

lieber auf unfairste Weise die eigene Schwäche

kaschieren, als die Leistung der Gäste anzuerkennen

oder noch einen einzigen Gedanken an

Robert Enke zu verschwenden.

Der Ärger des Publikums war damit aber noch

lange nicht abgearbeitet. Denn nachdem das

zweite Tor gefallen war, erspielte sich Hoffenheim

derart viele Feldvorteile, dass Köln über weite

Strecken wie ein Haufen lausiger Anfänger aussah.

Und so nahm das frustrierte Publikum,

nachdem es sich an den Schmähungen vergeblich

abgearbeitet hatte, nunmehr Zufl ucht zu gellenden

Pfi ffen, die der eigenen Mannschaft galten. Dabei

war es eher bemitleidenswert, mitzuerleben, wie

die Kölner Truppe nichts gegen die Hoffenheimer

Spiellaune zu unternehmen wusste. Obasi, Salihovic,

Maicosuel und Ba waren neben dem alles

und jeden überragenden Carlos Eduardo die

Gestalter des Spiels und kreierten eine Chance

nach der andern.

Wenn etwas dem Spiel von Hoffe vorzuwerfen

war, dann dass in der ersten Halbzeit keine wei-

1. FC KÖLN

Mondragon, Schorch (79. McKenna), Geromel,

Mohamad, Brecko (29. Pezzoni), Petit, Maniche,

Ehret, Freis, Podolski, Novakovic (46. Sanou)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Eichner,

Carlos Eduardo (79. Weis), Luiz Gustavo, Salihovic,

Maicosuel, Obasi (46. Ibisevic), Ba (68.

Vukcevic)

ZUSCHAUER

45.000

TORE

0:1 Carlos Eduardo (5.)

0:2 Obasi (11.)

0:3 Ba (46.)

0:4 Ibisevic (90.)

SCHIEDSRICHTER

Brych (München)

GELBE KARTEN

Maniche, Podolski, Petit

teren Tore fi elen. Aber die eigene Überlegenheit

war eben derart groß, dass es den Hoffenheimer

Ballkünstlern bald nicht mehr genügte, einfach

nur Chancen herauszuspielen. Stattdessen versuchten

sie, den Ball in den Sechzehner hinein

zu zaubern, und spielten Katz und Maus mit der

Kölner Abwehr, um sich irgendwann am fi nalen

Zauberpass zu versuchen – der dann meist nicht

gelang. Köln konnte allerdings von Glück sagen,

dass zweimal kein Foulelfmeter gegeben wurde,

als ein Mal Obasi und ein anderes Mal Maicosuel

klar gelegt wurden.

Hoch interessant war, solange man nicht zum

Kölner Anhang zählte, Carlos Eduardo zu beobachten.

Seine eher stille Art, ein Spiel an sich zu

ziehen und zu lenken, trat während dieser Partie

offen zutage: die Kunst, mehrere Spielzüge zu

antizipieren und halbe gegnerische Mannschaften

in seine Pläne hineinzuziehen, damit sich das

Spiel auch wirklich in die gedachte Richtung

entwickelt. Unwiderstehliche Läufe mit dem Ball

gehen solchen Situationen meist voran.


Es war an diesem Nachmittag deutlich zu sehen,

wie sich die gegnerische Spielposition sofort zu

verändern begannen, wenn Carlos Eduardo mit

ein paar Haken vier, fünf Gegenspieler auf sich

hin orientierte und dann den Ball in völlig veränderte,

auf einmal freie Räume abgeben konnte.

Diese spielintelligente Art und Weise interpretiert

die Position des Spielmachers neu, in der Bundesliga

sonst nur von Mezut Özil praktiziert. Es

ist ein hochintegrativer Akt des fast schon verführerischen

Einbindens anderer Spieler in die

eigenen Ideen vom Spiel – und damit der Abschied

vom klassischen Spielmacher, der einer Partie

dadurch den Stempel aufdrückt, dass er seine

Ideen den Mitspielern förmlich aufzwingt.

Nach der Pause wollten die Kölner bestimmt

vieles besser machen. Aber sie hatten schon

wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht,

denn auch Hoffe wollte noch einmal nachlegen

– und konnte an diesem Nachmittag einfach alles

besser. Keine Minute war gespielt, als Carlos

Eduardo einen fl achen Ball von links auf Demba

Ba spielte, der sich an der Strafraumkante gegen

seinen Gegenspieler durchsetzte, kurz Maß nahm

und den Ball dann aus 14 Metern links ins Tor

hämmerte.

Damit waren den Kölnern endgültig die Grenzen

aufgezeigt. Zwar versuchten sie noch hier und

da, dem Heimpublikum gelungene Spielzüge

vorzuführen, aber es war Hoffenheim, das dem

Publikum allenfalls hätte imponieren können. Im

Rhein-Energie-Stadion behielten jedoch wie gehabt

Unsportlichkeit, Unreife und Vorurteile die

Oberhand, bis sich irgendwann Nord- und Südkurve

die bekannten Schmähungen gegen Dietmar

Hopp minutenlang im Duett zuriefen. Und

auch das gellende Pfeifkonzert gegen die eigene

Mannschaft kehrte wieder, zuletzt wandte die

gesamte Südkurve der eigenen Mannschaft den

Rücken zu. Wer gemeint hatte, nach Robert Enke

würde mehr Besonnenheit in die Stadien einkehren,

wurde hier, in der immer schon äußerst

emotionalen rheinischen Hochburg, eines Anderen

belehrt.

1899 ging trotz des Drei-Tore-Vorsprungs weiter

sehr konzentriert zur Sache und überließ Köln

zu keinem Moment das Spiel. Wieder gab es jede

Menge Torchancen, einstweilen wollte der Ball

aber noch nicht wieder ins Tor. Es dauerte bis zur

90. Minute, als Ibisevic, der nach der Pause für

Obasi gekommen war, am Strafraumrand festgehalten

wurde und einen – diesmal unberechtigten

– Strafstoß erhielt. Der Gefoulte legte sich

den Ball selber am Elfmeterpunkt zurecht, lief

an: und schoss respektlos in die Mitte, genau

unter die Latte. Damit war der Endstand von 0:4

hergestellt.

Zuvor war – was nicht mehr von spielentscheidender

Bedeutung, aber für Hoffe-Fans ein besonderes

Ereignis war – nach monatelanger

Verletzung und Rehabilitation Tobias Weis ins

Spiel gekommen. Es tat gut, ihn endlich wieder

seine Kreise auf dem Rasen ziehen zu sehen:

wie das gesamte Hoffenheimer Spiel ein Genuss

war. Darüber hinaus wurde mit dem Auswärtssieg

der Anschluss an die Spitzengruppe der Liga

wiederhergestellt. �

Auch der aus

München zurückgekehrte

Lukas

Podolski konnte für

Köln keine positiven

Impulse setzen.

59


14. SPIELTAG | Borussia Dortmund

28. NOVEMBER 2009

1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund 1:2

Der mühelose Sieg gegen den 1. FC Köln eine

Woche zuvor hatte einen entscheidenden Nachteil:

und zwar gerade die Mühelosigkeit, mit der er

erspielt worden war. Zu keinem Zeitpunkt hatten

die Kölner dem Hoffenheimer druckvollen Angriffspiel

etwas entgegenzusetzen gehabt, fast kampflos

hatten sie sich schon in der ersten Halbzeit in

ihr Schicksal ergeben. Die zweite Halbzeit hatte

1899 darum wie ein Trainingsspiel gestalten können:

locker, mit feinen Tricks, weitgehend ohne

Zweikämpfe. Das war schön anzuschauen, aber in

der Vergangenheit hatten solche mühelosen, überwältigenden

Siege oft dazu geführt, dass man

etwas zu leichtfertig in die nächste Partie ging.

60 SAISONCHRONIK 2009/10

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper (46.

Vorsah), Eichner (46. Weis), Carlos Eduardo,

Luiz Gustavo, Salihovic, Ba, Ibisevic, Obasi (74.

Maicosuel)

BORUSSIA DORTMUND

Weidenfeller, Owomoyela, Subotic, Hummels,

Schmelzer, S. Bender, Sahin, Blaszczykowski

(90. Felipe Santana), Zidan (80. Feulner), Großkreutz,

Barrios

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Blaszczykowski (3.)

1:1 Ba (49.)

1:2 Sahin (79. Foulelfmeter)

SCHIEDSRICHTER

Michael Kempter (Sauldorf)

GELBE KARTEN

Compper, Salihovic, Simunic

Subotic, Schmelzer, S. Bender

Rote KARTEN

Maicosuel (81.)


Man hätte also gewarnt sein müssen. Zudem

war die Partie im Vorfeld stark belastet, indem

Dortmunds Manager Watzke ein paar Tage zuvor

auf der Jahreshauptversammlung 1899 Hoffenheim

und Dietmar Hopp scharf angegriffen hatte

– um einen Tag später die eigenen Fans in einem

öffentlichen Brief zu ersuchen, doch von den

üblichen Schmähungen bitte abzusehen. Der Trick

war leicht zu durchschauen: erst die angebliche

Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Fernsehgeldern

zu Lasten edler Traditionsvereine wie

Dortmund beklagen, mit allerlei Unterstellungen

die extremen Fans wachrufen und gegen Hoffenheim

aufheizen und anschließend mit Unschuldsmiene

erklären, man habe ja bloß eine

persönliche Meinung kundtun wollen. Ein Brief

an die Fans sollte die engelsgleiche Unschuld

untermauern, mit der Watzke anschließend, mit

feinem ironischem Lächeln, vor die Fernsehka-

meras trat. Wenn es beim Spiel trotzdem zu

üblen Sprechchören gegen Dietmar Hopp käme,

sollte das also rein gar nichts mit Watzkes Brandstiftung

zu tun haben.

Natürlich kam es zu den gewollten Sprechchören

und anderen Ausschreitungen. Die Presse

hatte das Spiel zusätzlich aufgeladen, als ‘Giftgipfel’

bezeichnet und gefl issentlich übersehen,

dass Gift nur von einer, eben von Dortmunder

Seite ausgelegt worden war. Insgesamt war

damit alles dafür getan, die Partie in der Rhein-

Neckar-Arena um ihre sportliche Dimension zu

bringen und in ein außersportliches Spektakel zu

verwandeln. Die 3.000 mitgereisten Dortmunder

Fans skandierten denn auch öffentlichkeitswirksam

fortwährend ihre niveaulosen Sprüche und

präsentierten gröbste Spruchbänder, die von den

Fernsehsender nicht gezeigt wurden, um solchem

Oben: Weidenfeller

am Boden,

der aufmerksam

beobachtet, wie

Schiedsrichter

Kempter reagiert...

Links unten:

Tobias Weis, der

lange verletzt war.

61


14. SPIELTAG | Borussia Dortmund

Flugeinlage von

Demba Ba - sein

Tor machte er

aber per Kopf.

62 SAISONCHRONIK 2009/10

Treiben nicht die erwünschte große Bühne zu

bieten – aber einige Dortmunder Fans rissen nach

der Partie, immer noch auf der Suche nach Entladung

ihrer sinnleer angestachelten Wut, auch

noch Waschbecken aus den Toilettenwänden.

Auf dem Rasen kam es leider ebenfalls zu einer

verhängnisvollen Entwicklung. Auf dem Papier

war die Mannschaftsaufstellung von 1899 der

Dortmunder Mannschaft vermeintlich überlegen,

so dass es nach dem furiosen Sieg in Köln – jedenfalls

in den Köpfen der Hoffenheimer Spieler

– keinen Zweifel daran geben konnte, wer die

Partie für sich entscheiden würde. Dortmund

jedoch war nicht nur in Gestalt seiner extrem

aufgeheizten Fans auf Kampf eingestellt: Trainer

Klopp hatte seiner Truppe viel Zweikampf und

Härte verordnet. Während Hoffenheim also spielerisch

eher lässig ans Werk ging, stand Dortmund

defensiv stark, zeigte hohe Laufbereitschaft und

tat den Hoffenheimern in Zweikämpfen physisch

möglichst weh.

Die Folgen waren schnell absehbar. Hoffenheim

verlor innerhalb kürzester Zeit völlig den Faden

– und in Stellvertretung durch Salihovic auch den

Ball. Es war erst die 2. Minute, als der Bosnier

einen höchst leichtfertigen Mittelfeldpass spielte,

den der Gegner abfi ng und mit einem Steilpass

auf Jakub Blaszczykowski, genannt Kuba, in

dessen erstes Saisontor ummünzte. 1899 war

davon einige Minuten deutlich geschockt, aber

auch danach setzte noch immer nicht die Erkenntnis

ein, dass man die Partie deutlich anders als

gegen Köln führen müsste. Den eleganten Pässen,

die dort ohne Gegenwehr hingenommen wurden,

standen hier immer mindestens zwei Dortmunder

im Weg bzw. dem Passgeber oder -adressaten

gleich auf den Füßen. In der gesamten ersten

Halbzeit schaffte es Hoffenheim nicht, druckvoll

vor dem Dortmunder Tor zu erscheinen. Umgekehrt

hatten die tief stehenden Gäste mehrmals gute

Gelegenheit zum Konter. In der 26. Minute musste

Hildebrand deshalb bis jenseits der Strafraumgrenze

aus dem Tor stürzen – und prallte unglück-


lich mit Marvin Compper zusammen, der sich

dabei eine leichte Gehirnerschütterung zuzog und

nach der Pause nicht weiterspielen konnte.

Für ihn kam Isaac Vorsah in die Innenverteidigung,

Luiz Gustavo rückte auf die linke Außenposition,

während der ebenfalls eingewechselte

Tobias Weis im Mittelfeld aufl ief: Eichner musste

ebenfalls in der Kabine bleiben. Von nun an

ging 1899 deutlich offensiver zu Werke und

wurde schon in der 49. Minute dafür belohnt.

Carlos Eduardo brachte einen Eckball hoch in die

Mitte, Demba Ba kam völlig frei zum Kopfball und

netzte ein. Damit schien der Bann des Kölner

Spiels gebrochen, 1899 drängte ein paar Minuten

lang mit Macht auf den Führungstreffer – und

ließ, als die vermeintlich standesgemäße Überlegenheit

erreicht war, sofort wieder nach. Völlig

unnötig fand Dortmund dadurch zurück ins Spiel

und bekam neue Konterchancen.

Es brauchte noch einmal fünfzehn Minuten, bis

die Hoffenheimer Spieler begriffen, dass sie an

diesem Tag einfach mehr tun mussten, um einen

aggressiven, zweikampfstarken Gegner zu besiegen.

Zur Unterstützung schickte Ralf Rangnick

in der 74. Minute Maicosuel für Obasi auf den

Rasen. Kurz darauf kam es zur Schlüsselszene

des Spiels. Als Ba nach einem Foul länger liegen

blieb, der Ball aber weiterlief, gelangte ein Dortmunder

Befreiungsschlag so weit in die Hoffenheimer

Hälfte, dass Zidan mit einem langen

Heber aus über 30 Metern den Ball über Hildebrand

hinweg ins Tor beförderte. Genau zu diesem

Zeitpunkt hatte Schiedsrichter Kempter die Partie

aber unterbrochen, um Ba ärztliche Behandlung

zukommen zu lassen.

Scharfe, empörte Proteste der Dortmunder waren

die Folge, das Spiel drohte zu entgleiten. Als der

Schiedsrichter vier Minuten darauf nach einem an

sich harmlosen, gewöhnlichen Zweikampf von

Simunic und Subotic im Hoffenheimer Strafraum

auf Elfmeter entschied, den Sahin sicher verwandelte,

roch es nach Konzessionsentscheidung, was

nun auf Seiten von 1899 für Empörung sorgte. Als

dann noch Dortmunds Torhüter Weidenfeller nach

einer Eckballentscheidung für 1899 den Ball zeitschindend

festhielt und auch noch aufreizend durch

den Strafraum spazieren führte, entgleiste die so

vielfältig vergiftete Partie wirklich.

Denn von hinten näherte sich Maicosuel dem

Keeper – und schlug ihm den Ball aus dem Arm.

Weidenfeller ließ sich fl ugs in fi lmreifer Schauspielermanier

fallen und wälzte sich derart auf

dem Boden herum, dass man denken musste,

ihm wäre mindestens ein Dolchstoß in die Rippen

gefahren. Der Schiedsrichter fi el auf die Posse

leider herein und zeigte Maicosuel umgehend

Rot. Im anschließenden erregten Getümmel mit

Rudelbildung griff Ibisevic auch noch Owomoyela

in die Haare, ohne dass der Schiedsrichter es

bemerkte… Doch der Dortmunder erwies sich

als einer der wenigen tadellosen Sportsmänner

in seinen Reihen und sagte gegenüber der Untersuchungskommission

des DFB ein paar Tage

später aus, was die Fernsehbilder nahelegten:

der Griff des Bosniers war harmlos gewesen und

alles andere als eine strafwürdige Tätlichkeit.

Maicosuel dagegen, dessen Balleroberung mindestens

so harmlos gewesen war, wurde für zwei

Spiele gesperrt.

Die Partie erlag danach dem von Dortmunds

Manager Watzke ausgestreuten und während

des Spiels immer stärker wirkenden Gift. Möglich,

dass bei anständigerem Verlauf und in einem

friedlicheren Rahmen die Hoffenheimer Spieler

noch etwas hätten bewegen können – so aber

war der Spielfl uss endgültig blockiert. Es kam nur

noch zweimal echte Torgefahr auf, als Demba Ba

in der 84. Minute einen Seitfallzieher knapp neben

das Gehäuse von Weidenfeller setzte und Timo

Hildebrand den folgenden Konter durch Barrios

mit einem großartigen Refl ex entschärfte.

Es war die zweite Heimniederlage in Serie: für

1899 Hoffenheim und seine Fans nicht leicht zu

verdauen. Neun Punkte aus den letzten vier

Spielen der Hinrunde, die sich Trainer Rangnick

nach dem Spiel in Köln öffentlich gewünscht

hatte, waren jedenfalls nur noch dann möglich,

wenn man die nächsten drei Spiele alle gewann.

Dabei lag der nächste große Brocken schon vor

der Tür, eine Woche später stand die Partie in

Hamburg gegen den international wieder erstarkten

HSV an. �

63


15. SPIELTAG | Hamburger SV

5. DEZEMBER 2009

Hamburger SV - 1899 Hoffenheim 0:0

Es gibt Begegnungen von Spitzenmannschaften in der Champions League, die auf dem

Papier erstklassigen Fußball versprechen. Aber nicht immer hält das Papier der Realität

stand – manche solcher Begegnungen bleiben im Mittelfeld stecken, erliegen der eisernen

Taktik, die beide Mannschaften über 90 Minuten praktizieren. Das Geschehen auf dem

Rasen ist dann geprägt von Fehlpässen, Abseitsfallen und Abnutzungszweikämpfen, alles

spielt sich in einem schmalen Bereich sportlicher Überpopulation von 20 Metern rechts

und links der Mittellinie ab. Genießen können solche Partien, in denen es beide Mannschaften

allein darauf anlegen, den Spielfluss des Gegners zu unterbinden, nur Taktikfüchse.

64 SAISONCHRONIK 2009/10

Ähnliches geschah in Hamburg. Ein gutes Stück

entfernt von den Qualitäten der Champions

League, befolgten beide Teams von Beginn an

konsequent die Anweisungen ihrer Trainer. Hinten

dicht, hieß die Devise, bloß nicht in Rückstand

geraten, nur aus sicherer Position angreifen. Und

weil beide Mannschaften das bis zum Ende

durchhielten, stand das Endergebnis gewissermaßen

von Beginn an fest: Unentschieden, 0:0.

Dabei trugen hanseatischer Regen und der lamentable

Rasen das ihre dazu, keinen echten

Spielfl uss aufkommen zu lassen.

Die jeweilige Motivation der Mannschaften war

durchaus verschieden. Der HSV fürchtete sich

vor allem vor den schnellen Spielzügen der Gäste,

die man keinesfalls in Spiellaune kommen lassen

durfte. Hoffenheim wiederum brachte das Trauma

höchst widersprüchlicher Halbzeiten mit in die

Partie: zu oft hatte man in der Saison eine Halbzeit

lang gut und die andere Halbzeit lang unkonzentriert

und darum schlecht gespielt. Das hatte schon

manchen wertvollen Punkt gekostet.

Und so war die tragfähigste Erfahrung dieser

an Höhepunkten so mageren Partie, dass 1899

Hoffenheim sehr wohl 90 Minuten lang konzentriert

zur Sache gehen und auch ein auf Kampf

ausgerichtetes Konzept exakt befolgen konnte.

Angesichts der Virtuosität der hoch talentierten

Einzelspieler und des auf Virtuosität angelegten

Mannschaftsspiels war das keine Selbstverständlichkeit.

Trotzdem sahen die Zuschauer keinen schlechten

Fußball. In den ersten 20 Minuten hatte der

HSV das Heft des Handelns noch fest in der Hand,

ohne 1899 nachhaltig erschüttern zu können,

dann zogen sich die Hamburger ein bisschen

müde und wie enttäuscht zunehmend in die eigene

Hälfte zurück. 1899 kam dadurch besser ins

Spiel, hing aber wie der HSV in der eigenen Defensivtaktik

fest. Bei so viel konzentrierter Absicherung

fehlte es an der notwendigen Dynamik

nach vorn, wo sich auch das Fehlen von Beck,

der an einer Zerrung litt, und des gesperrten

Maicosuel bemerkbar machte. Vorsah gab aller-


dings einen guten rechten Verteidiger, nur an

Becks Offensivqualitäten kam er nicht heran.

Eine weitere Besonderheit an diesem Nachmittag

war, dass zum ersten Mal mit dem offi ziellen

WM-Ball gespielt wurde. Nach so vielen

verschiedenen neuen Bällen, die in der Vergangenheit

ausprobiert worden waren, verunsicherte

dieser WM-Ball durch stumpfere, behäbigere

Eigenschaften mit umso schnelleren Flugeigenschaften,

ohne deshalb den Torhütern die Angst

vor Flatterbällen nehmen zu können. Etliche

Fehlpässe im Spiel waren sicher auch auf das

ungewohnte Spielgerät zurückzuführen. Und

insgesamt fünf Unentschieden an diesem Bundesliga-Wochenende

deuteten ebenfalls darauf

hin, dass der neue Ball die Durchschlagskraft

etlicher Aktionen auf dem Rasen entscheidend

behinderte.

Die zweite Halbzeit wurde noch mehr von

Hoffenheim dominiert. Selbst als die langzeitverletzten

Hamburger Petric und Elia eingewechselt

wurden, konnte das Spiel des HSV keine neue

Fahrt aufnehmen. Aber die Hamburger Beine

waren auch müde und schwer, nicht zuletzt vom

anstrengenden Euro-League-Spiel unter der Woche.

Deshalb suchte Hamburg sein Heil zunehmend

in Fouls, um die immer stärkeren Gäste

aus Hoffenheim zu bremsen. Drei gelbe Karten

gab es für den HSV in der zweiten Halbzeit.

Die lustigste Szene des Spiels besorgte Vedad

Ibisevic. Als Co-Trainer Tomislav Maric zu den

sich warm machenden Ersatzspielern um den

halben Platz herum eilte, um ihn zur Einwechslung

für Obasi abzuholen, suchte er den Bosnier –

etwas konsterniert – vergeblich. Kurze Zeit später

kam Ibisevic von einem Toilettenausflug zurück…

Timo Hildebrand befand nach dem Spiel: „Unser

Einsatz war heute gut. Die erste Halbzeit hat

leider schwach begonnen, aber wir kamen dann

besser ins Spiel. In der zweiten Halbzeit sind wir

gut angelaufen und standen hinten sicher. Auswärts

legen wir momentan ein gutes Abwehrverhalten

an den Tag. Wir rasen da nicht mehr

nur blind nach vorne.“

Marvin Compper sagte: „Wir freuen uns über

das 0:0. Wir haben es in der zweiten Halbzeit

trotz einiger guter Gelegenheiten verpasst, das

Tor zu machen. Alles in allem werden wir weiterhin

versuchen zu punkten. Dass es gegen ein

Spitzenteam wie gegen den HSV nicht einfach

wird, war klar. Alle haben sich heute aber an die

Taktik gehalten. Der neue Ball ist sehr plastikhaltig

und bei langen Pässen gewöhnungsbedürftig.“


HAMBURGER SV

Rost, Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo, Jarolim,

Rincon, Trochowski, Tesche (61. Elia), Jansen,

Berg (61. Petric)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Simunic, Vorsah, Compper, Eichner,

Weis (60. Vukcevic), Luiz Gustavo, Salihovic,

Carlos Eduardo, Ba, Obasi (74. Ibisevic)

ZUSCHAUER

52.725

TORE

SCHIEDSRICHTER

Stark (Ergolding)

GELBE KARTEN

Demel, Petric, Rincon

Eichner

Kein schönes Spiel

- aber Hoffe nahm

den Kampf an und

erzielte ein mehr als

gerechtes Unentschieden.

65


16. SPIELTAG | Eintracht Frankfurt

12. DEZEMBER 2009

1899 Hoffenheim - Eintracht Frankfurt 1:1

Es war das Spiel der Fehlpässe – und trotz des gerechten Unentschiedens eine gefühlte

Niederlage für 1899 Hoffenheim. Nach zwei verlorenen Heimspielen in Serie hatte man

das Publikum im letzten Heimspiel der Hinrunde mit einem Sieg verwöhnen wollen. Aber

daraus wurde nichts, weil es an durchschlagenden Offensivbemühungen fehlte und die

Eintracht eine konzentrierte Leistung abrief. Dabei kam es zu einem Wiedersehen mit

Selim Teber: der langjährige, verdiente Ex-Hoffe-Spieler war zu Beginn der Saison nach

Frankfurt gewechselt und spielte seine Mittelfeldstärke gegen die einstigen Kollegen

wirkungsvoll aus.

66 SAISONCHRONIK 2009/10

Und so kam es vor dem Spiel zu einigen verb-

Ralf Rangnick musste zudem weiter auf Andreas

Beck verzichten, während Maicosuel noch den

Rest seiner moderaten Zwei-Spiele-Sperre nach

dem eher harmlosen Zwischenfall gegen Dortmunds

Torhüter Weidenfeller absaß. Dadurch

kam Ibisevic wieder zum Zug, der in der 3. Minute

den Ball gefährlich auf den freistehenden

Obasi weiterleiten wollte: aber der Schiedsrichter

entschied zurecht auf Foul von Ibisevic, der sich

im Folgenden auch einige Male durch Abseitsstellungen

selbst neutralisierte.

Frankfurt, das durch Erfolge in den zurückliegenden

Partien viel Selbstbewusstsein mitgebracht

hatte, versteckte sich nicht und griff selber

munter an: Hildebrand musste bereits in der 4.

Minute einen nicht ungefährlichen Ball entschärfen.

In der 8. Minute setzte sich wiederum Ibisevic

ins Bild. Als er aus 12 Metern halbrechts

abziehen wollte, wurde er durch eine Berührung

von Selim Teber aus dem Gleichgewicht gebracht

und stürzte. Die logische Folge war ein Strafstoß,

den Salihovic sicher verwandelte.

Eigentlich hätte die frühe, nicht ganz verdiente

Führung das Hoffenheimer Spiel ankurbeln sollen.

Stattdessen griff eine gewisse Laxheit und Selbstgewissheit

mannschaftlich um sich, so dass

Frankfurt die Zügel in die Hand nahm und weiter

nach vorn marschierte, während Hoffenheim sich

mehr oder weniger aufs Kontern verlegte. Das

war zu wenig für einen erfolgreichen Auftritt


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger (87. Terrazzino),

Simunic, Compper, Eichner, Weis (64. Carlos

Eduardo), Luiz Gustavo, Obasi (79. Vukcevic), Ba,

Salihovic, Ibisevic

EINTRACHT FRANKFURT

Nikolov, Jung, Chris, Russ, Köhler, Schwegler,

Ochs, Teber (90. Preuß), Meier, Korkmaz (84.

Titsch-Rivero), Liberopoulos

ZUSCHAUER

30.150

TORE

1:0 Salihovic (9. Foulelfmeter)

1:1 Schwegler (61.)

SCHIEDSRICHTER

Perl (München)

GELBE KARTEN

Salihovic, Ibertsberger, Eichner

daheim. Die Bilanz des Ballbesitzes in der ersten

Halbzeit sagte viel darüber aus: 70% für Frankfurt,

30% für Hoffenheim. Trotzdem gelang es der

Eintracht nicht, Kapital aus der sichtbaren Feldüberlegenheit

zu schlagen. Hoffe stand hinten

sicher, wie eigentlich über die gesamte Hinrunde

– verfügte aber über umso weniger Dynamik nach

vorn. Viele Fehlpässe verdarben das Offensivspiel.

Trotzdem gab es auch elektrisierende Momente,

bspw. in der 30. Minute, als Tobi Weis einen

feinen Pass auf Ibisevic spielte und der Ball gleich

darauf im Netz lag. Der Seitenschiri hatte aber

auf Abseits entschieden. Tatsächlich war der

Bosnier einen halben Meter im Abseits gestanden.

In der 12. Minute hatte Obasi eine aussichtsreiche

Chance vergeben, in der 28. und 43. Minute

Demba Ba, meist aus dem Spiel heraus. Frankfurter

Chancen resultierten dagegen meist aus

Freistößen und Folgesituationen. Bis zum Sechzehner

zeigten die Hessen ein durchaus gefälliges

Spiel. Mit der Chancenverwertung haperte es

aber noch.

Nach der Halbzeitpause durfte man veränderte

Bilder erwarten – und so kam es auch. Hoffenheim

drückte jetzt mehr aufs Tempo, überließ dem

Gegner lang nicht mehr so viel Raum wie in der

ersten Halbzeit und kam folgerichtig zu einigen

guten Chancen. Kurz nach dem Wiederanpfi ff

köpfte Compper einen schönen Ball auf den

Frankfurter Chris, in der 50. Minute traf Ba aus

spitzem Winkel nur das Außennetz, in der 55.

Minute ging Obasi halbrechts allein auf und davon,

lief 25 Meter mit dem Ball und entschied sich dann

zu einem verfrühten, kraftlosen Schuss, der einige

Meter am langen Pfosten vorbei trudelte.

In der 61. Minute folgte die Strafe. Schwegler

wusste auf Frankfurter Seite bei einem der inzwischen

selteneren Angriffe der Hessen mit

dem Ball ganz offensichtlich nichts Rechtes anzufangen

und zog aus 22 Metern einfach mal ab.

Hildebrand, sonst immer auf dem Posten, wurde

in seiner natürlichen Reaktion behindert, als der

Ball noch leicht abgefälscht wurde und ihm so

etwas unglücklich über den Kopf ins Netz fl og.

Die Hoffenheimer Antwort bestand in der Herausarbeitung

von noch mehr Chancen, vier

folgten allein in den nächsten zehn Minuten: es

vergaben kurz hintereinander zunächst Ba, Simunic

und Carlos Eduardo. Die vierte ausgelassene

Chance hatte allerdings der Schiedsrichter zu

verantworten. Wieder war es Ibisevic, der im

Strafraum in der 68. Minute ballführend zu Fall

kam. Diesmal hatte Chris ihn an der Schulter

gefasst und zu Boden gezogen, doch der Pfi ff

blieb aus. Foul oder nicht Foul? Darüber konnte

man noch spekulieren, doch als vier Minuten

später der Frankfurter Russ einen Ball im Strafraum

mit der Hand abwehrte, hätte es Strafstoß

geben müssen. Wieder blieb die schiedsrichterliche

Pfeife seltsam stumm. Salihovics Nerven

waren davon überfordert, eine Minute später sah

er wegen anhaltenden Meckerns die fünfte gelbe

Karte – so dass er für das letzte Spiel der

Hinrunde in Stuttgart gesperrt war.

In den letzten 15 Minuten gab es noch manche

ansehnliche Szene hüben und drüben, aber keine

Großchance mehr. Nahm man beide Halbzeiten

zusammen, stand am Ende ein verdientes Unentschieden,

das die Frankfurter Ambitionen

vollauf befriedigte, für Hoffenheims Ziele aber zu

wenig war. �

67


17. SPIELTAG | VfB Stuttgart

19. DEZEMBER 2009

VfB Stuttgart - 1899 Hoffenheim 3:1

Unter der Woche waren selbstkritische Töne laut geworden. „Wir sind den Frankfurtern

nur nachgelaufen“, sagte Andreas Ibertsberger. Joe Simunic meinte: „Wer oben mitspielen

will, muss nicht nur schön spielen. Da sind auch Arbeitssiege über den Willen nötig,

das haben wir nicht geschafft.“ Und Christian Eichner ließ wissen: „Bei uns läuft wenig

zusammen. Wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen, wir stehen da, wo wir im

Moment hingehören.“ Und das war Platz 7 – vor dem Spiel gegen Stuttgart und auch

danach, also die gleiche Platzierung wie zum Ende der letzten Saison.

68 SAISONCHRONIK 2009/10


In Zeiten der Schweinegrippe, die seit einigen

Monaten durch die Lande geisterte, ohne jemals

zur befürchteten Pandemie anzuwachsen, standen

die Vorzeichen für die inzwischen schon

Derbyähnliche Begegnung schlecht: Demba Ba

und Timo Hildebrandt hüteten das Bett und waren

seit einigen Tagen von der übrigen Mannschaft

isoliert worden. Außerdem fehlten Compper und

Weis verletzt, Salihovic war gelb-gesperrt. Dafür

konnte Maicosuel wieder aufl aufen, während auf

Stuttgarter Seite Jens Lehmann fehlte, nachdem

er eine Woche zuvor beim Spiel in Mainz die rote

Karte wegen heftigen Wegrempelns von Bancé

gesehen hatte. Aber die Schwaben hatten Tasci

wieder an Bord.

Nach dem Trainerwechsel von Babbel zu Gross

war Stuttgart kein Freiwild mehr, so viel hatte

man in den zurückliegenden Partien schon sehen

können. Hinzu kam, dass die Stuttgarter Rasenheizung

bei klirrender Kälte keine Wirkung entfaltete.

Das Spielfeld war stark mit Schnee bedeckt

und hart wie Beton. Für die Hoffenheimer Filigrantechniker

aus südlichen Gefi lden stellte das

vorhersehbar eine weitere starke Beeinträchtigung

dar.

In den ersten Minuten geschah auf beiden

Seiten wenig. Beide Mannschaften gewöhnten

sich mühsam an die rauen Verhältnisse, stolperten

etwas widerwillig über die Spielfl äche und

sehnten verstehbar das Ende der Hinrunde herbei.

Stuttgart, noch auf einem Abstiegsplatz stehend,

hatte indes mehr zu verlieren und gab sich ab der

zehnten Minute, wenn auch behäbig, mehr Mühe,

aus der eisigen Lage etwas Zählbares zu machen.

Es dauerte aber bis zur 35. Minute, ehe es soweit

war, und Glück war auch dabei, denn nach etlichen

Schussversuchen aus der zweiten Reihe und

fehlgehenden Flanken musste eine Stuttgarter

Hereingabe erst Ibertsberger unglücklich an die

Hand springen und der Schiedsrichter auch noch

Absicht dahinter vermuten, ehe Marica den geschenkten

Elfmeter für die Schwaben verwandeln

konnte.

Hoffe gab sich nun mehr Mühe, vielleicht auch

im Bewusstsein, bisher kein Spiel der Saison

gewonnen zu haben, wenn man nicht wenigstens

ein Tor in der ersten Halbzeit erzielte. Die eigene

Unzufriedenheit über die bisher gezeigte Leistung

war mit Händen zugreifen und fand in einer gelben

Karte für Luiz Gustavo Ausdruck, der etwas

Klirrende Kälte,

steinharter Boden

- keine ideale

Voraussetzung für

Hoffenheims fi ligranes

Spiel.

69


17. SPIELTAG | VfB Stuttgart

Der Mann mit der

eisernen Maske:

nach seinem

Jochbeinbruch

gegen Freiburg

war Ibertsberger

zum ersten Mal

wieder dabei.

70 SAISONCHRONIK 2009/10

zu oft mit dem Schiedsrichter debattierte. In der

44. Minute zeigte dann Maicosuel wieder einmal,

wie wertvoll er sein konnte: einen Freistoß zimmerte

er aus gut 20 Metern unhaltbar über die

Mauer ins Tor. Obasi hätte in der 45. Minute das

Spiel sogar drehen können. Doch Stuttgarts Ersatzkeeper

Ulreich konnte seinen Schuss aus

spitzem Winkel gerade noch parieren.

Nach der Pause kam Vukcevic für Carlos Eduardo,

dessen brasilianisches Blut in den sibirischen

Verhältnissen wie erfroren gewirkt hatte. Und

mit offenbar gewechselten Stollen ging Hoffe

auf dem schwierigen Geläuf nun deutlich standfester

zu Werke. Die Mannschaft wollte mit dem

durchaus glücklichen Ausgleich etwas anfangen,

wollte das Spiel an sich ziehen und aus der erneut

gewählten und wieder einmal wenig Erfolg versprechenden

Defensiv- und Kontertaktik ausbrechen.

Leider rauschte in der 52. Minute Luiz

Gustavo im Übereifer Khedira im Mittelkreis

derart heftig von hinten in die Beine, dass Schiedsrichter

Graefe um die zweite gelbe Karte nicht

umhin kam und Hoffe nun fast 40 Minuten zu

zehnt durchstehen musste.

Der VfB brachte darauf Cacau, der nach Verletzungspause

zunächst auf der Bank hatte sitzen

müssen. Aber zur allgemeinen Verwunderung

spielte auch Hoffenheim weiter um Tore mit. In

der 58. Minute setzte Obasi auf rechts Ibisevic

in der Mitte wunderschön in Szene, doch gegen


VFB STUTTGART

Ulreich, Celozzi, Tasci, Delpierre, Boka, Träsch,

Khedira, Gebhart (89. Magnin), Hleb (67. Rudy),

Marica (60. Cacau), Pogrebnjak

1899 HOFFENHEIM

Haas, Ibertsberger, Nilsson (76. Terrazzino),

Simunic, Eichner, Luiz Gustavo, Vorsah, Obasi,

Maicosuel, Carlos Eduardo, Ibisevic

ZUSCHAUER

41.000 (ausverkauft)

TORE

1:0 Marica (32. Handelfmeter)

1:1 Maicosuel (44.)

2:1 Cacau (68.)

3:1 Khedira (82.)

SCHIEDSRICHTER

Gräfe (Berlin)

GELBE KARTEN

Delpierre, Gebhart

Obasi

GELB-ROTE KARTEN

Luiz Gustavo (52.)

die beiden Innenverteidiger brachte der Bosnier

keinen Schuss zustande. Dafür gelang Cacau

zehn Minuten später die Führung, als ihm ein Ball

in der Umgebung des Elfmeterpunktes frei aufgelegt

wurde und er nur noch einzuschieben

brauchte.

Wieder bemühte 1899 sich, das Spiel doch

noch in den Griff zu bekommen – und lief in

Stuttgarter Konter. Pogrebnyak, in der Saison

bislang nicht groß aufgefallen, lieferte unter diesen

heimatlich-russischen Wetterverhältnissen

ein großes Spiel ab, ackerte und schuftete und

eröffnete den Gästen etliche gefährliche Momente.

Dennoch dauerte es bis zur 82. Minute, ehe

ein erneuter Konter der Schwaben das Ender-

gebnis herstellte. Es war wie eine Kopie des

Konters durch Gebhart eine Minute zuvor, den

Haas noch entschärfen konnte. Diesmal jedoch

ging Khedira steil und nahm den Weg an Haas

vorbei.

Ralf Rangnick fand nach dem Schlusspfi ff und

zum Abschluss der Hinserie die richtigen Worte:

„Der Sieg ist letztendlich verdient für den VfB.

Zu einer klasse Hinrunde fehlen uns vier oder

fünf Punkte. Wir müssen jetzt in der Winterpause

hart arbeiten, um dann in der Rückrunde ein

paar mehr Punkte zu holen als in der Hinrunde.“


71


18. SPIELTAG | FC Bayern München

72 SAISONCHRONIK 2009/10

15. JANUAR 2010

FC Bayern München - 1899 Hoffenheim 2:0


Es war eine kurze Winterpause, die

kürzeste seit langem: geschuldet der

Terminenge durch die kommende WM

im Sommer. Einige Trainer hatten sich

unzufrieden über die minimale Vorbereitungsphase

geäußert, durch Flugtage

heim in ferne Gefilde oder ins

Trainingslager nochmals verkürzt. Für

1899 Hoffenheim entfiel der letzte

Programmpunkt allerdings: nachdem

als letzter sportlicher Edelstein endlich

auch das Trainingszentrum in Zuzenhausen

bezugsfertig geworden war,

das über alle denkbaren Annehmlichkeiten

und Trainingskonditionen verfügte,

zog man nach Neujahr einfach

dort ein und konzentrierte sich aufs

Wesentliche. Eine Woche lang musste

jedoch Trainer Ralf Rangnick die Arbeit

Peter Zeidler überlassen, weil sein

Vater nach einer an sich harmlosen

Operation für einige Tage in Lebensgefahr

schwebte. Regelmäßig besprach

er sich mit seinem Assistenten, so dass

die Vorbereitung davon keinen Schaden

nehmen konnte.

Und dann ging es wieder gegen den Rekordmeister.

Bisher hatten die Spiele gegen Bayern

München jedes mal einen spielerischen Höhepunkt

dargestellt, zwei Unentschieden und eine

unglückliche Niederlage waren zu Buche geschlagen.

An diese Leistungen wollte man anknüpfen,

es sollte mindestens ein Punkt mit nachhause

genommen werden. Tatsächlich startete 1899 in

bewährter Weise in die Partie, mit aggressivem

Pressing und temporeichen Kombinationen. Für

den Moment fi el es da auch fast nicht auf, dass

eine ziemliche Ersatzelf aufgelaufen war: Obasi

73


18. SPIELTAG | FC Bayern München

74 SAISONCHRONIK 2009/10

und Vorsah nahmen für Nigeria bzw. Ghana am

Afrika-Cup teil, Luiz Gustavo fehlte wegen einer

gelb-roten Karte, und Tobi Weis und Mathias

Jaissle waren weiter rekonvaleszent. Kurzfristig

musste dann noch vor der Partie Carlos Eduardo

wegen einer Patellasehnenreizung aus dem Kader

genommen werden, ein weiterer herber Verlust.

Es kamen Zuculini und Vukcevic zum Einsatz.

Beide machten ihre Sache ordentlich, so dass

Hoffe in der ersten Viertelstunde äußerst kompakt

agierte und die Bayern zuhause ordentlich unter

Druck setzte. Dann jedoch übernahm München

allmählich die Kontrolle über das Spiel. Die Bayern

taten das eher in bajuwarischer Gemächlichkeit,

aber in guter Raumaufteilung und spielerisch

sicher, während Hoffenheim zunehmend die

Bälle verlor, wenn der Weg vom Mittelfeld in den

Angriff gesucht wurde. Zeitgleich ging damit auch

das schnelle Umschalten nach vorn verloren,

wenn man doch einmal in Ballbesitz war.

Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre,

Zuculini spielte

eine gute Partie und

wurde erst in der 72.

Minute gegen Eichner

ausgewechselt.

hätte Hoffe eine der ansehnlicheren Chancen

verwertet, die sich in den ersten dreißig Minuten

hin und wieder boten. Doch solche Spekulationen

sind fast immer müßig, fast immer gibt das

Spielergebnis den Spielverlauf angemessen wieder.

Tatsache war jedenfalls, dass die Bayern

immer deutlicher auf die Führung drängten und

sie auch – mangels klarer Verwertung erst infolge

einer Standardsituation – in der 35. Minute

erzielten: nach einer Ecke von Schweinsteiger

kam der eigentlich schon geklärte Ball auf Umwegen

zurück auf die linke Seite, so dass der

Nationalspieler nochmal Maß nehmen und über

die gesamte Abwehr hinweg fl anken konnte, wo

Demichelis sich freigelaufen hatte und den Ball

grätschend einschob.

Drei Minuten später hätte Salihovic beinahe

den Ausgleich erzielt, doch sein Kopfball, ebenfalls

nach einer Ecke, zog knapp am Tor vorbei. Bevor

es in die Pause ging, kam es innerhalb von vier

Minuten noch zu zwei harten Fouls von Vukcevic,

die sichtbar seiner Unerfahrenheit zuzuschreiben


waren. Beim ersten Einsteigen gab es richtigerweise

Gelb, beim zweiten Dazwischenfahren

drohte schon die gelb-rote Karte, so dass Trainer

Rangnick ihn nach der Pause lieber in der Kabine

ließ und stattdessen den 18-jährigen Andreas

Ludwig brachte. Es war sein Bundesliga-Debüt

– und das gegen die Bayern!

Der Neuling ging sichtbar unerschrocken ans

Werk und schoss nach ein paar Minuten gleich

auch mal aus 20 Metern aufs Tor. Dennoch wirkte

das Hoffenheimer Spiel nach seiner Einwechslung

weniger gefestigt – kein Wunder nach so

vielen Umstellungen bzw. Neubesetzungen. Die

Bayern, in der Kabine von Trainer van Gaal offenbar

kräftig aufgemischt, nutzten die Unentschlossenheit

und trugen einen Angriff nach dem andern

vor, wobei Gomez und Robben sich als besonders

glücklos erwiesen. Ein ums andere Mal rettete

auch Hildebrand, was zu retten war, so dass sich

die zweite Halbzeit zu einer regelrechten Abwehrschlacht

entwickelte. Hoffe brachte kaum noch

Kreatives nach vorn zustande, hatte aber auch

wieder einmal das schon legendäre Strafstoßpech

zu verzeichnen: nach einem klaren Foul durch van

Bommel im Strafraum an Ibisevic hätte es Elfmeter

geben müssen – doch der Pfi ff blieb aus.

FC BAYERN MÜNCHEN

Butt, Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber,

Robben, van Bommel (90. Timoschtschuk),

Schweinsteiger, T. Müller (77. Pranjic), Gomez,

Olic (63. Klose)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Zuculini (72. Eichner), Salihovic, Vukcevic

(46. Ludwig), Maicosuel, Ibisevic, Ba (87.

Terrazzino)

ZUSCHAUER

69.000 (ausverkauft)

TORE

1:0 Demichelis (35.)

2:0 Klose (86.)

SCHIEDSRICHTER

Kinhöfer (Herne)

GELBE KARTEN

Vukcevic, Salihovic, Simunic

Ein Ausgleichstor war also fraglos möglich,

wäre aber angesichts der inzwischen drückenden

Münchener Überlegenheit schmeichelhaft gewesen.

Trotzdem gab Hoffe sich nicht auf und

versuchte sich am Glück des Tüchtigen. Als es

allerdings gegen Mitte der zweiten Halbzeit zu

zwei Auswechslungen kam, Klose für Olic und

Eichner für Zuculini, brach das Spiel von 1899

endgültig auseinander. Zuculini hatte immer wieder

für Druck nach vorn gesorgt, er war unberechenbarer

als Ibertsberger, der nun im Mittelfeld

agierte, seit Eichner seine Position hinten links

eingenommen hatte, während Miroslav Klose,

der seit fast einem Jahr kein Bundesligator mehr

erzielt hatte, in der 86. Minute wieder an seine

bewährten Fähigkeiten anknüpfte. Van Bommel

hatte einen von Robben zurückgelegten Ball

halbrechts kraftvoll in den Strafraum befördert,

wo Klose die Beine lang machte und in den Ball

förmlich hinein fl og. Hildebrand hatte keine Chance,

den endgültigen Siegtreffer zu verhindern.

Dass er vollauf verdient war, daran hatte nach

der Partie niemand wirklich Zweifel. Mehr zu

erreichen, war mit dieser ersatzgeschwächten

Mannschaft offenbar nicht möglich gewesen.

Umso bedrückender war, dass sich Demba Ba

gegen Ende der Partie noch einen Muskelfaserriss

zugezogen hatte, der ihn für einige Wochen

zu sportlicher Abstinenz zwingen würde. �

Eisenfuß van

Bommel hatte mit

Maicosuel seine

liebe Mühe.

75


19. SPIELTAG | Bayer 04 Leverkusen

24. JANUAR 2010

1899 Hoffenheim – Bayer 04 Leverkusen 0:3

Dichtes Schneetreiben zog durch die Rhein-Neckar-Arena, als Bayer Leverkusen

zu Gast war. Auf der Tribüne saßen an diesem Sonntagabend fast

alle Bundesligatrainer und schauten erwartungsvoll fröstelnd zu – von

Bundestrainer Löw eigentlich zu einem Abstimmungstreffen wegen der

WM nach Stuttgart geladen. Auf eine schnelle, torreiche Partie zählte fast

jeder im ausverkauften Stadion. Ob es am schlechten Wetter lag oder andere

tragende Ursachen dafür gab, dass man während des Spiels zwar

einige Tore, aber wenig schnellen Fußball bewundern durfte, war zu diesem

Zeitpunkt nicht zu ergründen. Fakt war einstweilen nur, dass Hoffenheim

die dritte Heimniederlage in Folge kassierte, ohne dass Leverkusen nachhaltig

zu überzeugen vermochte.

Wieder ging 1899 Hoffenheim, wie schon gegen

die Bayern, nachdrücklich ans Werk und spielte

eine starke erste Halbzeit. Und wieder stand

Zuculini in der Anfangsformation, während Luiz

Gustavo zurückgekehrt war und Vukcevic und

Carlos Eduardo vom Mittelfeld in den Angriff

befördert worden waren. Der Grund dafür war

nicht nur die Verletzung von Demba Ba aus dem

Spiel gegen die Bayern, sondern die mindestens

so bedrückende Verletzung von Maicosuel am

Ende der letzten Trainingseinheit vor dem Spiel:

Bänderriss. Gegen die spielstarke Truppe aus

Leverkusen fehlten also drei etatmäßige Stürmer.

Das war alles andere als eine gute Voraussetzung,

aber die jungen Wilden aus Hoffenheim machten

das Beste aus ihren Möglichkeiten. Leverkusen

dagegen hatte Mühe, gegen eine gewisse Überheblichkeit

anzukommen, die noch einmal an-

76 SAISONCHRONIK 2009/10

wuchs, als in der 10. Minute Kroos einen langen

Freistoß von halblinks über die Hoffenheimer

Abwehr schlug, Hyypiä seinem Bewacher Ibisevic

entschlüpfte und den Ball zu seinem ersten

Bundesligatreffer überhaupt auch noch durch

Hildebrands Hosenträger schob.

Die Werkself spielte danach nur noch staatstragend,

schob die Bälle ohne großen Drang nach

vorn in gehobener Manier im Mittelfeld hin und

her und ließ gelegentlich sich bietende Torchancen

großmütig verstreichen – während Hoffenheim

sein Herz in die Hand nahm und munter

draufl os stürmte. Zweimal, dreimal wäre es fast

zum Ausgleich gekommen: in der 14. Minute

fl ankte Carlos Eduardo nach schönem Flankenlauf

in die Mitte auf Ibisevic, der sofort abzog, aber

in Adler seinen Meister fand. In der 28. Minute


ging Vukcevic nach einer Unkonzentriertheit von

Friedrich links steil auf Adler zu, schoss aber mit

seinem schwächerem rechten Fuß knapp am Tor

vorbei. In der 33. Minute kam es zu einer kuriosen

Szene: Adler ließ einen zurückgespielten Ball

etwas zu weit abtropfen, so dass Ibisevic ihn

erkämpfen und auf Vukcevic durchstecken konnte.

Der 19-Jährige wurde sofort elfmeterreif

gefoult, stand aber gleich wieder auf und schoss

immer noch stolpernd aufs leere Tor – um Millimeter

vorbei. Da der Schiedsrichter auf Vorteil

erkannt hatte, konnte und wollte er nun keinen

Elfmeter mehr geben. Es war die größte Chance

für Hoffe im gesamten Spiel.

Weil Carlos Eduardo im Angriff nicht zu vielen

guten Aktionen gefunden hatte, beorderte Trainer

Rangnick ihn nach der Pause zurück ins Mittelfeld

und brachte Terrazzino. Um Platz für die Umstellung

zu schaffen, nahm er wie in der letzten

Partie Zuculini vom Feld, und wie im letzten Spiel

brach das Spiel von 1899 daraufhin ein. Der junge

Argentinier hatte zwar nicht fehlerfrei gespielt,

aber von ihm ging immer Druck aus, gegen die

Bayern besonders im kreativen Zusammenspiel

mit Maicosuel.

Die Umstellung im Team von 1899 war nicht

die einzige Neuerung der Partie. Neu war auch,

dass Leverkusen nun aus seiner tiefschlafähnlichen

Spielverwaltung erwacht war – nach einer,

wie er später unumwunden zugab, saftigen Pausenansprache

durch Trainer Heynckes. Es dauerte

nur sechs Minuten, bis seine markigen

Worte nicht nur mehr Aktivität, sondern auch

zählbare Folgen zeitigten. Strukturgebend war

allerdings eine schon in der ersten Halbzeit unübersehbare

Unordnung im Hoffenheimer Abwehrverhalten.

Diesmal, in der 51. Minute, ließ

die Abwehr dem Leverkusener Schwaab viel zu

viel Platz, so dass er unbedrängt in die Mitte auf

Derdiyok fl anken konnte. Derdiyok wiederum

verlängerte etwas glücklich auf Kroos, der völlig

freistehend zum 0:2 einschob.

Natürlich wirkte sich dieser erneute frühe Treffer

denkbar ungünstig auf die Hoffenheimer

Spielanlage aus. Für ein paar Minuten durfte man

durchaus Verständnis haben. Die Mannschaft

wackelte aber nicht kurz, sondern ging beinahe

wehrlos in die sich anbahnende Niederlage: durch

die Umstellungen massiv geschwächt und so

gegen den neuen Leverkusener Schwung wei-

Immer wieder Zweikämpfe

und Fouls

- einmal hätte es für

Vukcevic Elfmeter

geben müssen.

77


19. SPIELTAG | Bayer 04 Leverkusen

78 SAISONCHRONIK 2009/10


testgehend machtlos. Es kam zu etlichen guten

Torchancen für die Werkself. Wenn Hoffenheim

das Spiel machen wollte, ging der Ball meist

schon in der Spieleröffnung verloren – oder spätestens

20 Meter vor dem gegnerischen Tor.

Mehr und mehr wirkten die Beine und Köpfe der

Notelf wie gelähmt – schließlich musste auch

noch Carlos Eduardo ausgewechselt werden, um

seine angeschlagene Patellasehne zu schonen.

Manuel Gulde kam zu seinem ersten Bundesligaeinsatz.

Zuvor allerdings war in der 72. Minute Kroos

mit einem scharfen Ball vorn links bedient worden.

Sein Pass in die Mitte suchte Kießling und fand

Barnetta, der den Ball unhaltbar mit Nachdruck

links unten versenkte. Hoffenheim war danach

stehend k.o., mit hängenden Armen und Köpfen

spielte man sich kraftlos dem Ende entgegen.

Zwar gab es noch ein Abseitstor von Ibisevic,

stellvertretend für viele Abseitspositionen über

die gesamte Partie. Doch auch das vermochte

an der traurigen Lage nichts mehr zu ändern,

vermehrt zum ersten Mal um einige Pfi ffe und

Sprechchöre aus den Kurven, die von der Mannschaft

mehr Kampf sehen wollten. Letztlich jedoch

war es auch dazu zu spät. Das 0:3 markierte den

einstweiligen Tiefstand der Saison. Nach dem

Spiel gab es viele ratlose Stimmen: zu deutlich

war geworden, dass dringend irgendein Schlüssel

gefunden werden musste, um das Hoffenheimer

Spiel wieder in Richtung Erfolg zu drehen.

Noch aber war dieser Schlüssel nicht gefunden,

noch brach das Hoffenheimer Spiel ein, wenn

ihm ernsthafter Widerstand geboten wurde. �

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Zuculini (46. Terrazzino), Luiz Gustavo,

Vukcevic, Carlos Eduardo (75. Gulde), Salihovic,

Ibisevic

BAYER 04 LEVERKUSEN

Adler, Schwaab, M. Friedrich, Hyypiä, Kadlec,

Vidal, Reinartz, Kroos (82. Rolfes), Barnetta (88.

Sinkiewicz), Kießling, Derdiyok (82. Helmes)

ZUSCHAUER

29.500

TORE

0:1 Hyypiä (11.)

0:2 Kroos (51.)

0:3 Barnetta (72.)

SCHIEDSRICHTER

Aytekin (Oberasbach)

GELBE KARTEN

Salihovic, Simunic

Schwaab, Vidal

Bilder aus dem

Schneetreiben:

Salihovic und

Ibertsberger.

79


20. SPIELTAG | FC Schalke 04

30. JANUAR 2010

FC Schalke 04 – 1899 Hoffenheim 2:0

Selten hat ein legendärer Satz des früheren Nationalspielers Andi Brehme so gut gepasst

wie beim Spiel auf Schalke: „Hast du Sch… am Fuß, hast du Sch… am Fuß.“ Der Satz ist

deftig, aber er beschreibt in aller Kürze, was 1899 Hoffenheim seit einigen Spieltagen

erlebte – nicht anders als diesmal in Gelsenkirchen. Dank des geschlossenen Dachs war

der Rasen zwar grün und bot gute Voraussetzungen für ein schnelles Spiel. Doch die

Schalker Taktik verhinderte, dass 1899 außer zwischen der 50. und 75. Minute jemals

richtig ins Spiel fand. Felix Magath, ausgewiesener Taktikfuchs, hatte ganze Arbeit

geleistet.

80 SAISONCHRONIK 2009/10

Vor der Partie hatte Hoffes Trainer Ralf Rangnick

noch darauf spekuliert, dass seine Mannschaft

diesmal gewiss nicht das Spiel machen müsse

und eher darauf zu achten hätte, dass Schalke

sich nicht jenseits der Mittellinie allzu frei bewegen

könne. Das war ein doppelter Irrtum: nicht

nur standen und bewegten sich die Schalker von

Beginn an auf extrem engem Raum, so dass

Hoffe nur mit aktivem, schnellem Kurzpass-Spiel

dagegen angekommen wäre, sondern sie spielten

auch betont defensiv. Damit war im gegnerischen

Stadion wohl nicht zu rechnen gewesen. So dass

die Hoffenheimer sich, obwohl bekannt war, dass

Schalke nicht gern selber das Spiel machte, in

der unvorbereiteten Situation erst zurechtfi nden

mussten. Die Mannschaft versuchte dann, das

Spiel zu bestimmen und sich gegen Konter der

Hausherren zu wappnen – aber das gelang nicht

wirklich überzeugend. Am Ende war Hoffenheim

zu mehr als 60% in Ballbesitz gewesen, ohne

dass Zählbares dabei heraussprang.

Über die gesamte erste Halbzeit schleppte sich

das Spiel dahin. Unwillige Schalker testeten

Hoffenheim auf Schwachstellen, Hoffenheim

mühte sich an halbherzigen Angriffsbemühungen

ab. Im Mittelfeld agierte Ibertsberger – Zuculini

hatte draußen bleiben müssen, im Sturm probierten

Vukcevic und Ibisevic ihr Glück. Immer noch

fehlten die verletzten Ba, Maicosuel und Weis

sowie die erfolgreichen Afrikafahrer Obasi und

Vorsah (die ins Halbfi nale der Afrikameisterschaft

vorgedrungen waren, Vorsah sogar bis ins Finale),

während Simunic seine fünfte gelbe Karte absaß.

Bei verschiedenen Vorstößen der Schalke setzte

Eichner sich körperbetont ein und bekam dafür

sehr früh und etwas fragwürdig die gelbe Karte

von Schiedsrichter Florian Meyer. Nachdem er

noch ein, zwei weitere Male mit kräftigem Körpereinsatz

aufgefallen war, lag die gelb-rote

Karte in der Luft, so dass Ralf Rangnick ihn bereits


in der 32. Minute gegen Zuculini auswechseln

musste.

Kurz zuvor war auch noch das erste Tor für

Schalke gefallen, nachdem Rafi nha mehr oder

weniger unbedrängt über den halben Platz marschiert

war und links auf Kuranyi gepasst hatte.

Dessen missglückte Kopfballvorlage in die Mitte

bekam einen derart kruden Drall, dass der Ball

ins Tor torkelte. Bis zum Pausenpfi ff gab es keine

Treffer mehr, aber wie zum Ausgleich noch ein

paar gelbe Karten: zwei für Hoffe, eine für Schalke.

Und es waren einige brenzlige Situationen zu

überstehen, die Schalkes Führung leicht hätten

ausbauen können.

Nach der Pause ging Hoffenheim druckvoller

ans Werk, und schon zwei Minuten nach Wiederanpfiff

wurde Beck im Strafraum gelegt.

Schiri Meyer pfi ff sofort und zeigte umstandslos

auf den Elfmeterpunkt – korrigierte seine Entscheidung

aber, als ihm sein Assistent wahrheits-

widrig beschied, es habe gar kein Foul vorgelegen.

Statt berechtigtem Elfmeter gab es also eine

folgenlose Ecke. Wäre Hoffe zu diesem Zeitpunkt

der Ausgleich geglückt, das Spiel hätte einen

anderen Verlauf nehmen können. So jedoch geschah,

was oft in solchen Momenten geschieht:

Schalke erzielte quasi im Gegenzug das zweite

Tor, und das auch noch durch einen abgefälschten

Ball. In der Summe war das sehr viel Pech – und

der Beweis für den eingangs zitierten Satz von

Andreas Brehme.

Anders als im letzten Spiel gegen Leverkusen

ließ sich Hoffe aber von der frühen Erhöhung auf

zwei Tore Rückstand nicht entmutigen, im Gegenteil.

Was jetzt geschah, bewies Charakter und

Leidenschaft: Hoffenheim ackerte, rackerte und

zeigte in immer gelungeneren Angriffen seine

beste Leistung des Spiels. Einige Male war die

Mannschaft nahe dran, sich mit einem Tor selbst

zu belohnen, besonders Ibisevic hatte in der 58.

Klares Foul an Beck

im Strafraum. Der

Schiedsrichter gab

Elfmeter, nahm die

Entscheidung aber

zurück, als sein Assistent

intervenierte,

und zeigte zur Ecke!

81


20. SPIELTAG | FC Schalke 04

Endlich: nach vielen Wochen der Ungewissheit

durfte Tagoe in der 82. Minute

aufs Feld.

82 SAISONCHRONIK 2009/10

FC SCHALKE 04

Neuer, Rafi nha (81. Mineiro), Höwedes, Bordon,

Schmitz, J. Matip, Moritz (72. Reginiussen),

Rakitic, Farfan, Kuranyi, Sanchez (66. Baumjohann)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Nilsson, Compper, Eichner (32.

Zuculini), Ibertsberger (70. Jabiri), Luiz Gustavo,

Salihovic, Carlos Eduardo, Ibisevic, Vukcevic

(82. Tagoe)

ZUSCHAUER

60.402

TORE

1:0 Kuranyi (19.)

2:0 Schmitz (49.)

SCHIEDSRICHTER

Meyer (Burgdorf)

GELBE KARTEN

Rakitic, J. Matip

Eichner, Salihovic, Beck, Nilsson


Minute freie Schussbahn, verzog aber um Zentimeter.

Ab der 75. Minute erst gelang es den

Schalkern, den Hoffenheimer Druck abzuschütteln.

Zu diesem Zeitpunkt wurde allmählich auch

klar, dass die Wende nicht mehr herbeizuführen

war und das vierte Spiel in Folge verloren gehen

würde. Trainer Rangnick wechselte noch zweimal

aus, brachte zunächst den Stürmer Adam Jabiri

aus der 2. Mannschaft für Ibertsberger und später

für Vukcevic Prince Tagoe. Letztere Einwechslung

zog endlich den Schlussstrich unter die

bedrückende Lage um den neuverpfl ichteten

Stürmer, dessen Herzmuskelerkrankung sich

abschließend als doch nicht gravierend erwiesen

hatte. Für 10 Minuten konnte Prince Tagoe zum

ersten Mal für Hoffenheim stürmen. Aber auch

ihm gelang es nicht, den Spielstand zu verbessern.

Am Ende ging eine geschlagene, doch nicht

demoralisierte Hoffenheimer Truppe erhobenen

Hauptes vom Platz.

„Wir haben jetzt gegen drei große Teams verloren.

Wir müssen kämpfen, Gas geben und

weiter an uns glauben. Dann kommen wir aus

dieser schwierigen Situation auch wieder heraus“,

beschied Timo Hildebrand den Reportern ins

Mikrofon.

Ralf Rangnick analysierte das Spiel so: „Wir

sind enttäuscht über das Ergebnis, aber auch

über den Spielverlauf. Wir haben in der ersten

Halbzeit wenig zugelassen, aber beim Gegentor

einige Missverständnisse gehabt. Kevin wollte

gar nicht aufs Tor schießen, sondern quer legen.

Das Tor hat Schalke in die Karten gespielt. Die

Schlüsselszene war der nicht gegebene Elfmeter,

ein glasklarer Elfmeter. Kurz danach bekamen wir

dann das 2:0, danach war es schwer zurückzukommen.“


Nilsson vertrat

Simunic, der nach

der fünften gelben

Karte pausieren

musste.

83


21. SPIELTAG | Hannover 96

6. FEBRUAR 2010

1899 Hoffenheim – Hannover 96 2:1

Die Voraussetzungen für ein erfolgreicheres Fußballwochenende nach sieben in Folge

sieglosen Spielen waren dieses Mal günstig: Obasi und Vorsah von ihrer Afrikafahrt

zurückgekehrt, Maicosuel wieder einsetzbar, zusammen mit Obasi im Sturm, Carlos

Eduardo darum wieder pur im Mittelfeld unterwegs, Simunic nach seiner Gelbsperre

wieder Teil der Mannschaft. „In der Vorrunde haben wir in Hannover den Schalter umlegen

können“, prognostizierte Andi Beck den Spielverlauf, „das wollen wir dieses Mal

auch wieder machen.“

84 SAISONCHRONIK 2009/10

Gesagt – getan? Ganz so leicht ging es nicht.

Hoffe brauchte 20 Minuten, um druckvoll ins Spiel

zu kommen, die vielen Negativerlebnisse saßen

noch in den Knochen. Erst in der 19. Minute kam

es gegen die bemühten, aber nicht sehr inspirierten

Hannoveraner zu einer ersten Großchance:

im linken Halbfeld hatte Salihovic eine gefühlvolle,

präzise Flanke aufgelegt, die Ibisevic mehr

oder weniger freistehend mit dem Kopf annehmen

konnte. Großzügig nickte er den Ball am Kasten

vorbei, hatte aber beim Gegner entscheidenden

Eindruck hinterlassen!

Denn trotz zweier Neuverpfl ichtungen und ihres

neuen Trainers Slomka schien der Widerstand

der 96er damit schon gebrochen. Beck und Obasi

wirbelten über rechts, Salihovic zog links

halbwegs unbedrängt die Fäden, Maicosuel war

pfeilschnell auf sämtlichen Positionen unterwegs,

in der Mitte hielt Carlos Eduardo das Spiel zusammen.

Doch bereits in der 25. Minute kam es

zu einer brenzligen Situation auf der Gegenseite,

als ein überraschend gelungener Angriffsversuch

der Niedersachsen über Koné per Hacke, Rosenthal

und Stajner die Hoffenheimer Innenverteidigung

geschickt aushebelte. Stajners Schuss

ging um Zentimeter am herausstürzenden Hildebrand

vorbei – und am linken Pfosten…

Unbeeindruckt rollten danach Angriffswellen

meist rechts über Beck und Obasi weiter gegen

das 96er Tor, das Tempo des Spiels wurde immer

höher. Dann grub sich Obasi in der 35. Minute

durch die halbe Defensivabteilung der Hannoveraner

durch, legte seitlich des Sechzehners zurück

auf Carlos Eduardo, der den leicht hoppelnden

Ball mit einem fulminanten Schuss rechts unten

in die Maschen jagte. Endlich wieder eine Führung

– und endlich wieder die Torhymne im Ohr. Kaum

drei Minuten später wurde sie schon wieder

gespielt, die Fans waren versöhnt mit manchem

unglücklichen Erlebnis der letzten Wochen und

Monate: denn Carlos Eduardo war von Schulz im

Strafraum gelegt worden, und Salihovic hatte den

Elfer mit einem präzisen Flachschuss rechts

unten verwandelt.


21. SPIELTAG | Hannover 96

Torjubel nach

sieben sieglosen

Spielen!

86 SAISONCHRONIK 2009/10

Nach der Pause war Hoffe wie lange nicht mehr

ungebremste Spiellust anzumerken. In der 53.

Minute hätte es um ein Haar 3:0 gestanden, als

Obasi eine grandiose Flanke von Maicosuel mit

der Brust annahm und zum Schuss ausholte –

Hannovers Torhüter Fromlowitz spitzelte ihm den

Ball in allerletzter Sekunde weg, Ibisevic rauschte

heran, wurde geblockt, der Ball kam von der

eigenen Verteidigung aufs Tor, so dass Fromlowitz

gleich wieder eingreifen musste. Vier Minuten

später kam es zu einem wunderschönen Doppelpass

von Maicosuel und Ibisevic, der aus 14

Metern verzog.

Direkt aus dem Abstoß entwickelte sich ein

gefährlicher Konterangriff der Gäste, an dem die

beiden Neuzugänge beteiligt waren. Elson steckte

Koné den Ball durch, der zog kraftvoll ab.

Hildebrand hatte keine Chance, den strammen

Schuss abzuwehren, und so stand es auf einmal

2:1. Die Frage war, ob das Spiel nun kippen würde,

ob die Hoffenheimer Nervosität der letzten

Spiele wieder durchschlagen würde. Aber die

Jungs von Ralf Rangnick wirkten vom Anschluss-

treffer völlig unbeeindruckt und spielten weiter,

als wäre rein gar nichts geschehen.

In der 64. Minute gab es Gelb für Salihovic, der

gesehen hatte, dass bei einem Freistoß für Hoffe

die Hannoveraner Mauer viel zu nah stand. Der

Bosnier teilte seinen Unmut darüber aber nicht

nur hörbar mit, sondern schritt in Schiri-Manier

demonstrativ die falsche Entfernung bis hinter

die Mauer ab. Solcherart belehrt zu werden,

empfand Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer als

besonders unangemessen. Salihovic wiederum

war über das alles derart erbost, dass er den

Freistoß statt aufs Tor in die Tribünen jagte.

Ab der 70. Minute durfte Vukcevic für Obasi

ans Werk, ab der 80. Nilsson für Compper. Große

Auswirkungen aufs Spiel hatte das nicht, Hoffenheim

agierte weiter deutlich überlegen, während

Hannover kaum noch an den Ball kam. Für einen

potentiellen Absteiger wehrten sich die Gäste

entschieden zu wenig. Der nun schon einige Zeit

zurückliegende Freitod von Robert Enke hatte

die Mannschaft anscheinend völlig ausgehöhlt.


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck (75. Vorsah), Simunic, Compper

(80. Nilsson), Ibertsberger, Carlos Eduardo,

Luiz Gustavo, Salihovic, Obasi (70. Vukcevic),

Ibisevic, Maicosuel

HANNOVER 96

Fromlowitz, Sofi an Chahed, Haggui, Eggimann,

Rausch (46. Ghasemi-Nobakht), Andreasen (78.

Hanke), C. Schulz, Stajner, Rosenthal (46. Pinto),

Elson, Kone

ZUSCHAUER

28.100

TORE

1:0 Carlos Eduardo (35.)

2:0 Salihovic (40. Foulelfmeter)

2:1 Kone (57.)

SCHIEDSRICHTER

Dr. Fleischer (Sigmertshausen)

GELBE KARTEN

Salihovic

Sofi an Chahed, Haggui, Andreasen, Pinto

Ein Nebenschauplatz des Spiels war die Begegnung

von Ralf Rangnick und Mirko Slomka,

einst Freunde auf Schalke und noch früher in

Hannover, als Rangnick Slomkas Chef gewesen

war, getrübt durch einige Umstände nach Rangnicks

Weggang von Schalke und Slomkas Nachfolge

als Chef-Trainer. Von den Medien wurde

das Wiedersehen weidlich ausgeschlachtet, was

zu Teilen bereitwillig angenommen wurde. Rangnick

bestätigte indes nur, dass man eine gute Zeit

miteinander gehabt hätte, und war sichtbar mehr

an der Gegenwart interessiert. Sein Kommentar

zum Spiel war denn auch weitaus interessanter

als das Stück Privatsphäre, das hier ausgebreitet

werden sollte:

„Man hat in den ersten 20 Minuten gespürt,

dass beide Teams lange nicht gewonnen haben.

Deswegen war für uns das 1:0 eine Erlösung.

Danach hat das Team gezeigt, was es kann. Nach

dem 2:0 haben wir versäumt, das dritte Tor zu

machen. Wir haben die Chancen nicht genutzt,

dann fi el aus heiterem Himmel das 2:1. Danach

war das Spiel wieder sehr nervenaufreibend. Aber

am Ende sind wir froh über den ersten Sieg der

Rückrunde.“ �

Obasi, gerade vom

Afrika-Cup zurückgekehrt,

verletzte

sich in der Partie

und fi el für Wochen

aus.

87


DFB-POKAL VIERTELFINALE | Werder Bremen

9. FEBRUAR 2010

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:1

„Wir fahren nach Bremen, um da zu gewinnen“, hatte Salihovic vor der Pokalpartie noch

gesagt, und auch der Trainer hatte nach dem Sieg gegen Hannover große Hoffnungen

gehegt, dass nun eine Serie gestartet würde, die neben dem Weiterkommen im Pokal

auch in der Liga noch bis auf Platz sechs führen könnte. Leider fehlten zur Realisierung

zwei wichtige Spieler, der Heimsieg hatte hohen Tribut gefordert: Obasi und Beck hatten

sich gegen Hannover verletzt und fielen für Wochen aus. Und auch der Pokal-Einsatz von

Simunic musste wegen Wadenproblemen im letzten Moment abgesagt werden. Immerhin

konnte Hildebrand auflaufen, den es ebenfalls an der Wade gezwackt hatte.

„Wir müssen das Spiel zu einem richtigen Pokalfight machen“, sagte Ralf Rangnick unter

dem Eindruck der vielen erneuten Ausfälle vor dem Spiel, denn „jetzt sind wir nicht mehr

Außenseiter, sondern krasser Außenseiter.“

88 SAISONCHRONIK 2009/10


Dichtes Schneetreiben legte trotz der Rasenheizung

im Bremer Weserstadion rasch einen

weißen Teppich übers Spielfeld. Der harte Winter

machte also auch bei dieser Spitzenbegegnung

im Pokal-Viertelfi nale keine Ausnahme und erhöhte

die schwierigen Bedingungen für Hoffenheim

noch: Hoffes Verteidigung war komplett

neu aufgestellt, Ibertsberger, der als einziger

etatmäßiger Defensivmann noch übrigblieb, spielte

auf Becks Position hinten rechts. Vorsah und

Nilsson bildeten die Innenverteidigung, Eichner

spielte hinten links. Vukcevic lief für Obasi auf.

20 lange Minuten mussten die Anhänger von

Hoffenheim warten, bis ihre grundlegend neusortierte

Mannschaft einen schönen Pass von

Maicosuel auf Ibisevic bewundern durfte, wenn

auch ohne zählbares Ergebnis. Bis dahin hatten

allein die Bremer das Spiel gemacht, manche

gute Gelegenheit verpasst und die Unsicherheit

in Hoffes Auftreten wieder groß werden lassen.

Nun aber bündelte man die vorhandenen Kräfte

und versuchte, Anschluss an die bis dahin einseitige

Partie zu fi nden. Leider kam in der 27.

Minute das Fußballschicksal dazwischen: Naldo

hämmerte einen Freistoß von halblinks aus mindestens

30 Metern mit unwahrscheinlicher Wucht

aufs Tor, der Ball fl og wie an der Schnur gezogen

und senkte sich im allerletzten Moment noch in

den Winkel!

Trotzdem kam nun Hoffe, musste auch kommen

und brachte die Bremer Hintermannschaft alsbald

ins Wackeln. In der 33. Minute hatte Nilsson die

große Chance zum Ausgleich, ein Freistoß von

der linken Grundlinie segelte ihm auf den Kopf

und von dort äußerst knapp neben das Tor. In der

39. Minute erreichte ein wunderschöner Steilpass

von Maicosuel Ibisevic, der aus 16 Metern weit

verzog. In der 43. Minute schoss Vukcevic aufs

Tor, der Ball wurde abgefälscht und trudelte knapp

vorbei. Es war nicht der angekündigte große

Pokalfi ght, dafür waren die Wetterbedingungen

vielleicht zu schlecht, die den Rasen rutschig

machten, aber Hoffe zog sich bis zum Pausenpfi ff

immer achtbarer aus der Verlegenheit.

Zurück aus den Kabinen fehlte Tim Wiese, der

sich bei einer der letzten Aktionen vor der Halbzeitpause

einen Nerv eingeklemmt hatte. Ersatz-

keeper Vander ersetzte ihn. Bremen setzte gleich

zu einigen gefährlichen Situationen an und verpasste

mit Pech den nächsten Treffer. Dann arbeitete

sich Hoffe wieder zurück ins Spiel, ohne

jedoch Glanz verbreiten zu können – der aber

auch bei den Gastgebern nicht zu entdecken war.

Verglichen mit der legendären Hochgeschwindigkeitspartie

zu Beginn der letztjährigen Ligasaison,

als Bremen und Hoffenheim sich die Bälle

nur so um die Ohren pfeifen ließen, war dies ein

eher müdes Pokalspiel. Erst als in der 70. Minute

Özil vom Feld genommen wurde und Almeida

für ihn aufl ief, änderte sich einiges.

Zunächst wurde noch Vukcevic gegen den so

lange Zeit mit seinem Schicksal hadernden, aber

nie aufgebenden Prince Tagoe ausgewechselt.

Dessen zweiter Auftritt im Trikot von Hoffenheim

verlief dann wie im Traum, wie eine Belohnung:

kaum 90 Sekunden im Spiel, kam von Eichner

von links eine schnurgerade Flanke in den Bremer

Strafraum gefl ogen, Tagoe stieg auf, nickte nur

noch gegen den Ball – und jubelte! Jokertor und

ein Einstand nach Maß, den wohl jeder dem

Ghanaer gönnte.

Und es war der Lohn für harte Arbeit für die

ganze Mannschaft, die sich darauf wohl etwas

zu lang ausruhte. In den nächsten zwei Minuten

kam erst Pizarro nach einem Pass von Hunt frei

zum Schuss, den er aus 16 Metern verzog. Dann

jedoch schickte Pizarro Almeida zentral aufs Tor,

der Portugiese machte ein paar Schritte in Richtung

Hildebrand und zog aus 20 Metern fulminant

mit dem Außenrist ab. Natürlich war das ein

Glückstor. Ein Tor, wie es nur zwei, drei Mal im

Fußballerleben gelingt. Ein Tor jedoch auch, dass

Hoffes Unkonzentriertheit nach dem Ausgleichstreffer

entsprang.

Der Winter war

lang und hart -

dichtes Schneetreiben

auch in

diesem Spiel.

89


DFB-POKAL VIERTELFINALE | Werder Bremen

Tiefe Enttäuschung - wie im Vorjahr war

im Viertelfi nale des Pokals Endstation.

90 SAISONCHRONIK 2009/10


Hoffenheim mühte sich nach dem Schock des

erneuten Führungstreffers für Bremen nach

Kräften – aber die wirkten aufgebraucht, kein

Wunder nach diesem ungünstigsten Moment für

ein Gegentor. Und so kam es hüben und drüben

noch zu ein paar halben Gelegenheiten, am Spielstand

etwas zu ändern, doch keine der Mannschaften

vermochte im anhaltenden Schneetrei-

ben noch Entscheidendes zu bewirken. Am Ende

siegte Bremen nicht unverdient und zog ins

Halbfi nale des DFB-Pokals ein. 1899 Hoffenheim

dagegen war damit zum insgesamt dritten Mal

schon im Viertelfi nale gescheitert.

Was war danach noch zu sagen? Christian

Eichner fasste es so zusammen: „Die Enttäuschung

ist natürlich riesengroß. Wenn man den

Spielverlauf gesehen hat, haben wir bis auf die

ersten 20 Minuten ein ganz ordentliches Spiel

gemacht und hatten einige Torchancen. Der

Knackpunkt war, dass wir relativ schnell nach

dem 1:1 das zweite Gegentor bekommen haben.“

WERDER BREMEN

Wiese (46. Vander), Fritz, Mertesacker, Naldo,

Pasanen, Niemeyer, Frings, Marin, Özil (71.

Almeida), Hunt (90. Borowski), Pizarro

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger, Vorsah, Nilsson,

Eichner, Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Salihovic,

Vukcevic (71. Tagoe), Ibisevic, Maicosuel

ZUSCHAUER

25.753

TORE

1:0 Naldo (27.)

1:1 Tagoe (73.)

2:1 Almeida (76.)

SCHIEDSRICHTER

Sippel (München)

GELBE KARTEN

Hunt

Vorsah, Carlos Eduardo, Salihovic

91


22. SPIELTAG | VfL Bochum

13. FEBRUAR 2010

VfL Bochum - 1899 Hoffenheim 2:1

„Bochum, Gladbach und Berlin sind die nächsten

Gegner. In der Hinrunde haben wir gegen diese

Mannschaften gewonnen. Wenn wir jetzt wieder

eine Serie starten, ist noch alles möglich“, sagte

Ralf Rangnick im Vorfeld der Partie. Einschränkend

setzte er hinzu: „Aber es macht auch keinen Sinn,

jetzt schon von irgendwelchen Fernzielen zu träumen,

wenn wir uns nicht auf das nächste Spiel

konzentrieren.“

Auch die Rückkehr

von Demba Ba

konnte die Niederlage

nicht verhindern.

92 SAISONCHRONIK 2009/10

Gegen das problemlose Erreichen solcher Fernziele

sprach denn auch die lange Verletztenliste:

Obasi, Jaissle, Beck, Weis. Zudem war der Einsatz

von Zuculini und Simunic fraglich. Letzterer konnte

dann doch aufl aufen, zugleich kehrte Marvin

Compper ins Team zurück – und auch der lange

vermisste Demba Ba war mindestens für eine

Halbzeit wieder fi t. Gegen die viel offensiver

auftretenden Bochumer, die unter Trainer Heiko

Herrlich enorm an spielerischer Substanz zugelegt

hatten, konnte und durfte trotzdem niemand einen

Spaziergang erwarten.

Überraschenderweise verlegte sich Bochum

im heimischen Stadion aufs Kontern, von Anfang

an, 90 Minuten lang. Hoffenheim war gezwungen,

das Spiel zu machen, und erarbeitete sich 60%

Ballbesitz. Diese Zahl verhieß nur leider kein

spielerisches Übergewicht, eine unendliche Anzahl

von Querpässen charakterisierte das Hoffenheimer

Spiel, Torchancen blieben Mangelware.

Die sichtbare spielerische Überlegenheit von

Hoffe mündete nicht in strategische Dominanz.

Frühes Stören der Hoffenheimer Filigrantechniker

durch konsequentes Pressing war das

Bochumer Mittel der Wahl, ein erfolgreiches

Mittel: selten kamen die Angriffe von 1899 bis

an den Strafraum, wurden, wenn doch, systematisch

geblockt oder mit zunehmender Spieldauer

in zunehmend gefährliche Konter umgemünzt.

In der 24. Minute wurde Bochum für seine Hartnäckigkeit

im Verfolgen einfacher Ziele belohnt.

Ein langer Pass aus dem defensiven Mittelfeld

genau in Hoffes Abwehr hinein landete bei Compper,

dessen Abwehrschlag auf holperigem Rasen

am Ball vorbeiging. Sestak, seit der letzten Saison

durch drei Treffer gegen 1899 so etwas wie ein

stürmender Alptraum, nahm den Ball auf, lief

allein auf Hildebrand zu und feuerte aus ca. 16

Metern unhaltbar ins Netz.

Ein paar Minuten lang spielte Hoffe gegen das

erneute, frühe Zurückliegen noch an, dann erlahmten

die seelischen Kräfte: außer einem

Schuss von Maicosuel knapp übers Bochumer

Gehäuse kam es zu keiner ergiebigen Szene mehr.

Im Gegenteil, 1899 brach förmlich in sich zusammen,

eine Art enttäuschter Lähmung befi el alle

Mannschaftsteile. Da auch Bochum nicht glänzte,

wirkten die letzten Minuten vor der Halbzeitpause

ziemlich dröge und leer. Einziger Merkpunkt

in diesem Meer von Ballgeplänkel war ein Frustfoul

von Salihovic, der sich damit die zehnte


VFL BOCHUM

Heerwagen, Concha, Maltritz, Mavraj, Fuchs,

Dabrowski, Maric, Freier (59. Prokoph), Holtby,

Epalle (46. Dedic), Sestak (90. Hashemian)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger (80. Vukcevic), Simunic,

Compper (46. Ba), Eichner, Carlos Eduardo,

Luiz Gustavo, Vorsah, Salihovic, Maicosuel,

Ibisevic (74. Tagoe)

ZUSCHAUER

17.104

TORE

1:0 Sestak (24.)

1:1 Ibisevic (65.)

2:1 Dedic (76.)

SCHIEDSRICHTER

Fritz (Korb)

GELBE KARTEN

Dabrowski

Salihovic, Maicosuel

Rote KARTEN

Luiz Gustavo (86.)

gelbe Karte der Saison einhandelte und im nächsten

Spiel gegen Gladbach würde pausieren müssen.

Hoffenheim brachte nach der Pause Demba Ba

für Marvin Compper, Vorsah ging in die Viererkette.

Mit neuem Schwung ging es zurück ins

Spiel, ohne dass zunächst mehr als der gute

Wille zu erkennen war. Doch Minute für Minute

erarbeitete Hoffe sich echtes Gefahrenpotential,

in der 56. Minute hatte Salihovic schon den Ausgleich

auf dem Fuß, schoss aber den Torhüter

an. Erst in der 64. Minute kam es zum Torjubel,

Carlos über Carlos Eduardo und Maicosuel gelangte

der Ball an den kurzen Pfosten zu Ibisevic,

der nach 710 torlosen Minuten endlich wieder

einnetzen konnte, technisch brillant, im Fallen!

Zu diesem Zeitpunkt hatte schon Prince Tagoe

zur Einwechslung für Ibisevic an der Seitenlinie

gestanden. So jedoch musste er noch einmal für

10 Minuten auf der Bank Platz nehmen, einen

warmgeschossenen Torjäger Ibisevic wechselte

man lieber nicht aus.

Danach ging es hin und her, unermüdliche,

gefährliche Hoffenheimer Angriffe wechselten

sich mit gefährlichen Bochumer Kontern ab,

beide Mannschaften wollten das Spiel gewinnen.

In der 74. Minute traf Ba ins Tor, stand aber abseits.

Kurz darauf kam Tagoe erneut zum Zug,

Ibisevic war jetzt doch für ihn aus dem Spiel

genommen worden. In derselben Minute gab

wieder Fuchs eine scharfe Flanke in die Mitte

der Hoffenheimer Abwehr, Dedic stieg auf und

setzte den Ball unhaltbar knapp neben den langen

Pfosten: 2:1.

Den Hoffenheimer Spielern stand die Enttäuschung

ins Gesicht geschrieben: wieder Kampf

und Mühe ohne Ende, wieder Rückstand. Die

Saison wollte und wollte nicht vom Fleck. In der

Folge waren alle Aktionen verkrampft und wurden

überschattet von einem heftigen Foul durch Luiz

Gustavo. Die rote Karte dafür war vorhersehbar,

die Spielsperre für die nächsten drei Begegnungen

ebenfalls. In der 89. Minute traf Hoffenheim

durch Tagoe noch einmal ins Netz, aber es war

wieder Abseits – und so mündete auch dieses

Spiel, das man so optimistisch angegangen war,

in eine Niederlage. �

93


23. SPIELTAG | Borussia Mönchengladbach

19. FEBRUAR 2010

1899 Hoffenheim – Bor. Mönchengladbach 2:2

Gegen Gladbach hatte Hoffenheim noch nie verloren. Fünfmal hatte man sich bisher getroffen,

dreimal war 1899 als Sieger als Platz gegangen, zweimal ein Unentschieden erreicht.

Furios waren zwei Begegnungen verlaufen, beide Male in Gladbach: das Hinspiel

dieser Saison, als Hoffe in den letzten fünf Minuten noch drei Tore zum Sieg schoss, außerdem

die Partie in der Rückrunde der 2. Liga, als 1899 zur Pause 2:0 hinten lag und noch

2:4 gewann. Alles in allem versprach diese Historie also Feuer unterm Dach, große Spannung,

Fußball-Unterhaltung pur. Und so kam es auch, unter unfreiwilliger Mithilfe des

Schiedsrichters.

Endlich ein berechtigter

Elfmeter,

den Carlos Eduardo

kurz vor Schluss

zum Ausgleich verwandelte.

94 SAISONCHRONIK 2009/10

Gegen eine deutlich besser funktionierende

Gladbacher Truppe, deren sportlicher Auftritt

unter Trainer Frontzeck erheblich gewonnen

hatte, war neben all den Verletzten und Gesperrten

der Ausfall von Ibertsberger nach einer Trainingsverletzung

als besonders schmerzhaft zu

werten. Denn Ibertsberger konnte, das hatte er

verschiedentlich bewiesen, seine angestammte

linke Verteidigerposition ebenso gut nach rechts,

auf Becks Position, verlagern oder im defensiven

Mittelfeld spielen. Dafür kam es zu einem so

beachtenswerten wie beachtlichen Debüt in der

Startaufstellung von Manuel Gulde als rechter

Verteidiger. Der hoch talentierte Youngster war

als Innenverteidiger vor 1,5 Jahren mit der Hoffe-

B-Jugend Deutscher Meister geworden und

hatte sich danach sehr lange mit Verletzungssorgen

herumplagen müssen.

Trotz der vielen Ausfälle konnte Hoffenheim,

das war im Nachhinein eine wesentliche Erkenntnis

der Partie, eine wettbewerbsfähige Mannschaft

auf dem Rasen schicken: sogar trotz der

Versetzung von Compper auf Luiz Gustavos


Position und mit neuer Innenverteidigung aus

Simunic und Nilsson – umgekehrt schöpfte Gladbach

mehr oder weniger aus dem Vollen. 1899

fand dennoch besser ins Spiel, agierte frischer

und ideenreicher, spielte unkompliziert und mutig

nach vorn und hätte trotz einiger Ungenauigkeiten

im Pass-Spiel in der 11., 23. und 24. Minute durch

Ibisevic, Carlos Eduardo und Ba jeweils in Führung

gehen können. In der 30. Minute senkte sich

dann ein langer Konterball der Gladbacher auf

den mitgelaufenen Nilsson herab, der den Ball

mit dem Kopf verfehlte – worauf er ihm auf den

Arm fi el. Die Berührung geschah zum einen

völlig unabsichtlich und zum anderen außerhalb

des Strafraums, was jeder im Stadion gesehen

hatte. Nur einer nicht: Schiri Stark. Also zeigte er

auf den Elfmeterpunkt und gab Nilsson Gelb.

Daems nahm das Geschenk dankend an und

verwandelte den Strafstoß sicher zum 0:1. Schon

wieder war Hoffe um den Lohn für alle Mühe

und allen Fleiß betrogen. Aber wenigstens hatte

man diesmal keinen Durchhänger gehabt.

Das Tor gab den Gladbachern Auftrieb, ohne

dass Hoffe nachließ. Doch ein paar nervöse Abspielfehler

oder verpatzte Ballannahmen zeigten,

dass der Rückstand sehr wohl wehtat. Nach der

Pause kam Vukcevic für Nilsson, Compper bezog

wieder Position in der Innenverteidigung. Ehe

sich die Hoffenheimer Reihen erneut ganz auf

die Aufholjagd eingestellt hatten, kam es in der

51. Minute zu einer erneuten Kalamität durch den

Schiedsrichter: diesmal hatte Bobadilla einen Ball

an Hildebrand vorbei Richtung Tor geköpft, den

Colautti abseits stehend über die Linie bugsierte.

Der Ball wäre zwar vermutlich auch ohne Colauttis

Zutun ins Tor gerollt, aber weil er den Fuß

einsetzte, war das Tor irregulär – wurde jedoch

gezählt. Damit stand es 0:2, und es gab nicht

mehr viele, die noch auf Hoffenheim gewettet

hätten.

Kurz vor der 70. Minute, einer der Standardauswechselmomente

von Trainer Rangnick, stand

wie im letzten Spiel gegen Bochum Prince Tagoe

an der Außenlinie. Bevor er eingewechselt werden

konnte, erkämpfte sich Ba im Mittelfeld den

Ball, gab auf Carlos Eduardo weiter, der sich

gegen Daems durchsetzte und fl ach nach innen

passte: auf Ibisevic, der freistehend den Ball ins

Tor schoss. Schon wieder hatte er, die drohende

Einwechslung des Konkurrenten im Rücken,

getroffen…

Gleich darauf verließ Gulde, der faszinierende

Spielansätze gezeigt hatte, für Tagoe den Platz.

Hoffenheim agierte nun, durch den Anschlusstreffer

neu beseelt, wieder frischer und zielgerichteter:

das Spiel begann sich förmlich elektrisch

aufzuladen. Schon in der 73. Minute führte das

im Gladbacher Strafraum zur dritten Schiri-Fatalität,

als der Gladbacher Dante den Ball an die

Hand bekam und ihn auch sichtbar führte. Doch

statt einmal einen berechtigten Elfmeter zu geben,

zog Stark es vor, weiterspielen zu lassen. Und

zeigte Ibisevic Gelb, der sich darüber nicht beruhigen

konnte.

Fast im Minutentakt entstanden im Endspurt

der Partie gefährliche Situationen auf beiden

Seiten, wobei 1899 zahlenmäßig entschieden im

Vorteil war. In der 88. Minute kam Schiri Stark

seiner Beobachtungspfl icht endlich angemessen

nach, als er eine Flanke von Ibisevic, die auf dem

Arm von Daems traf und willentlich abgelenkt

wurde, zuguterletzt doch noch in einen Strafstoß

für Hoffenheim umwandelte. Das ganze ausverkaufte

Stadion hielt den Atem an, als Carlos

Eduardo anlief – Torhüter Bailly ahnte die Ecke,

95


23. SPIELTAG | Borussia Mönchengladbach

96 SAISONCHRONIK 2009/10


doch der Schuss war zu genau und schlug rechts

auf halber Höhe unhaltbar ein: 2:2, zugleich der

Endstand.

„Wenn das Spiel noch fünf Minuten länger

gedauert hatte, dann hätten wir vielleicht gewonnen“,

sagte Manager Jan Schindelmeiser nach

der Partie. Es war gewohnt fair von ihm, das

Unentschieden nicht am Schiedsrichter festzumachen

– und doch hatten diesmal ein nicht

gegebener Elfer für Hoffe, ein unberechtigter

Elfer für Gladbach sowie ein Abseitstor gegen

Hoffe mehr als gewöhnlich den Ausschlag gegeben.

Äußerst unangenehm waren Feuerwerkskörper

anzuschauen, die im Gladbacher Gästeblock

mehrfach gezündet wurden – einer fl og sogar

aufs Spielfeld. Beim Versuch, sie zu löschen, um

Gefahr von den eng stehenden Besuchern abzuwenden,

kam es zu Rangeleien mit den Hoffenheimer

Ordnern mit der Folge von Brand- und

Rauchverletzungen.� �

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Gulde (70. Tagoe), Simunic, Nilsson

(46. Vukcevic), Eichner, Compper, Vorsah, Carlos

Eduardo, Ba, Ibisevic, Maicosuel

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH

Bailly, Levels, Brouwers, Dante, Daems, Meeuwis,

Bradley, Reus, Arango (87. Kleine), Colautti

(84. Friend), Bobadilla (71. Matmour)

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Daems (31., Handelfmeter)

0:2 Colautti (51.)

1:2 Ibisevic (69.)

2:2 Carlos Eduardo (89., Handelfmeter)

SCHIEDSRICHTER

Stark (Ergolding)

GELBE KARTEN

Nilsson, Simunic, Ibisevic

Meeuwis

97


24. SPIELTAG | Hertha BSC Berlin

27. FEBRUAR 2010

Hertha BSC Berlin - 1899 Hoffenheim 0:2

Vor dem Spiel war von Jan Schindelmeiser zu hören, dass die Saisonplanung zu fast 90%

abgeschlossen wäre. Es werde also zu keinen Neuverpflichtungen im größeren Maßstab

kommen. Langfristigkeit sei das Ziel in Hoffenheim, anders gesagt die Stabilisierung des

Vorhandenen. Mittelfristiger Erfolg, auch was das Erreichen von Europapokalplätzen

anbelange, wiege mehr als kurzfristiger Erfolgshunger.

98 SAISONCHRONIK 2009/10

Nach dem grandiosen Sieg in der Hinserie

gegen eine völlig wehrlose Hertha war die Ausgangslage

diesmal anders. Vier Auswärtsniederlagen

in Folge hatte 1899 hingelegt: das verunsicherte.

Allerdings hatte die Hertha in dieser

Saison bisher überhaupt erst ein einziges Heimspiel

gewinnen können, was die Kraichgauer

darin bestärkte, vielleicht doch wieder auswärts

zu einem Dreier zu kommen. Optimistisch stimmte

auch die Rückkehr der verletzten bzw. angeschlagenen

Tobi Weis, Jo Simunic und Andi

Ibertsberger, während Sejad Salihovic nach abgesessener

Gelbsperre wieder aufl aufen konnte.

Trainer Funkel, dem Lucien Favres Position bei

der Hertha nach dem desaströsen Hinrundenspiel

angetragen worden war, hatte die inzwischen

massiv abstiegsgefährdeten Berliner – seiner

Handschrift entsprechend – auf solide Verteidigung

eingestellt. Einfacher ausgedrückt rührte Hertha

BSC hinten Beton an und ließ 1899 Hoffenheim

kommen… Das Konzept ging zunächst auf, Hoffe

verzettelte sich im Bemühen, schöne Angriffe

zustande zu bringen und wurde vielfach schon

im Mittelfeld gestoppt, woraus regelmäßig Konterchancen

für die Hertha resultierten. Zum Glück

fehlte es dem Tabellenletzten an der nötigen

Durchschlagskraft und Selbstsicherheit.

Erst in der 19. Minute gelang es Hoffe, den Ball

wirklich gefährlich nach vorn zu bringen, aber


HERTHA BSC Berlin

Drobny, Piszczek (42. von Bergen), A. Friedrich,

Hubnik, Kobiaschwili, Lustenberger, Kringe (70.

Nicu), Cicero, Raffael, Ramos, Gekas

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger, Simunic, Compper,

Eichner, Vorsah (78. Gulde), Salihovic, Maicosuel

(67. Weis), Carlos Eduardo, Ba (87. Vukcevic),

Ibisevic

ZUSCHAUER

37.391

TORE

0:1 Ba (35.)

0:2 Ibisevic (90.)

SCHIEDSRICHTER

Kinhöfer (Herne)

GELBE KARTEN

Raffael, Cicero

Simunic, Ibertsberger

Ibisevic vergab die Kopfballchance. Damit schien

jedoch der Knoten geplatzt, die offensiven Bemühungen

liefen nun sichtbar besser. Hoffe zog

das Spiel mehr und mehr an sich und wurde in

der 35. Minute auch dafür belohnt: Demba Ba

arbeitete sich auf der linken Seite tief in den

Strafraum vor, ließ einige Abwehrspieler wie

Slalomstangen stehen, tunnelte zuletzt nach einem

Hakler Arne Friedrich und schoss den Ball

an Drobny fl ach vorbei ins lange Eck. Gleich danach

sackte das Spiel jedoch wieder ab und

dümpelte ohne große Momente der Halbzeitpause

entgegen.

Nach der Pause versuchte die Hertha erwartungsgemäß,

massiv Druck aufzubauen. Die tief

gestaffelten Hoffenheimer ließen die Berliner

anrennen und vertrauten zurecht auf Timo Hildebrand,

der alles entschärfte, was gefährlich in

Tornähe kam. Herthas Kampfesmut wirkte in

manchen Momenten allerdings etwas übertrieben,

in rascher Folge kam es zu zwei gelben Karten

für die Hauptstädter. Je länger die zweite Halbzeit

lief, je mehr stumpften die Bemühungen der

Berliner ab, ohne dass 1899 selber ernsthaft

offensiv wurde. Dadurch verfl achte das Spiel

zusehends und entwickelte nur noch in Situationen

Mann gegen Mann etwas Dramatik: zu viel

davon jedoch in der 78. Minute, als Vorsah nach

einem heftigen Zweikampf verletzt ausscheiden

musste – Diagnose Innenbandabriss, voraussichtliche

Prognose Ausfall bis Saisonende. Gulde

übernahm seine Position.

Erst in der 84. Minute musste Drobny wieder

ins fußballerische Geschehen bzw. Nichtgeschehen

eingreifen und einen Schuss von Ibisevic

abwehren. In der 90. Minute allerdings gelang

dem Bosnier wieder ein Tor, als er sich an der

Grenze zum Strafraum gegen van Bergen durchsetzte,

dadurch frei zum Schuss kam und trocken

einlochte.

Der Kommentar zum Spiel war Jo Simunic

vorbehalten, der zehn lange Jahre für die Hertha

gespielt hatte: „Jeder Sieg ist schön. Aber irgendwo

ganz tief in mir tut es mir leid für die Hertha.“

Das ging wohl jedem so, der ein Herz für Berlin

hatte. �

99


25. SPIELTAG | 1. FSV Mainz 05

7. MÄRZ 2010

1899 Hoffenheim – 1. FSV Mainz 05 0:1

Das Hinspiel war noch allseits in Erinnerung – wenn

auch nicht gerade in guter Erinnerung. Etwas unglücklich,

in jedem Fall ziemlich unnötig hatte 1899

in Mainz verloren und damit eine Art Negativserie

eingeleitet, aus der sich die Mannschaft bis zu

diesem Spiel nie mehr richtig hatte befreien können.

Es sei Wiedergutmachung angezeigt, sagte

darum der Trainer.

Die Rückkehr von

Tobi Weis nach

drei Monaten Verletzungspause

war

einer der wenigen

positiven Momente

des Spiels.

100 SAISONCHRONIK 2009/10

In die Startformation war nach drei Monaten

Verletzungspause Tobi Weis zurückgekehrt. Und

Marvin Compper konnte trotz einer Innenbandverletzung

aufl aufen. Auf Mainzer Seite fehlte

Zsolt Löw, der ehemalige Hoffenheimer, der in

einem Interview allerdings freimütig bekannte,

dass er darüber nicht traurig wäre. Beim Hinspiel

sei ihm doch etwas mulmig gewesen, gegen die

alten Freunde und Kameraden anzutreten, mit

denen ihn immer noch sehr viel verbinde.

Punktgleich gingen die beiden Mannschaften

ins Spiel, das nach Kommentatorenlage darüber

entscheiden sollte, wen es in Zukunft nach oben

ziehen und wen in der Tabelle nach unten drücken

würde. Der Spielverlauf spiegelte indes eher die

uninteressante Mittelposition beider Teams in

der Tabelle wieder, woran die taktische Ausrichtung

der Mainzer wesentlichen Anteil hatte.

Trainer Tuchel hatte seine Truppe extrem defensiv

eingestellt, wissend, dass man die schnellen

Hoffenheimer Angreifer schon in der Spielentfaltung

stören musste. Und so verschob Mainz

seine zwei starken Defensivreihen permanent

und äußerst effi zient, während 1899 sich mit

Querpässen und Läufen entlang der Mainzer

Viererreihen abmühte und selten genug den Weg

nach vorn fand. In der 10. Minute hatte Compper

zwar die erste Gelegenheit nach einem Eckball,

aber er köpfte weit übers Tor. In der 18. Minute

schoss Polanski für die Mainzer knapp an Hildebrands

Gehäuse vorbei. Ähnliches vollbrachte

Ibisevic sechs Minuten später. In der 36. Minute

hatte Ba Torhüter Müller per Kopf schon überwunden,

aber kurz vor der Torlinie schlug ein

Mainzer Verteidiger den Ball gerade noch weg.

Das waren die Höhepunkte in der ersten Halbzeit,

sie waren rar gesät. Die Zuschauer hofften auf

mehr Dramatik nach der Pause.

Unverändert kamen beide Teams zurück aufs

Grün. Doch schon nach knapp zehn Minuten

verletzte sich Demba Ba und wurde gegen Prince

Tagoe ausgewechselt. Am Spielverlauf änderte

das nichts, weiter erstickte Mainz die Hoffenheimer

Kreise schon im Ansatz, so dass es erst in

der 68. Minute zu einer aussichtsreichen Chance


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger (80. Vukcevic), Simunic,

Compper, Eichner, Weis (72. Herdling),

Salihovic, Maicosuel, Carlos Eduardo, Ba (57.

Tagoe), Ibisevic

1. FSV MAINZ 05

H. Müller, Zabavnik, Svensson, Noveski, Fathi,

Polanski, Karhan, Soto (90. Bungert), Simak (62.

Schürrle), Ivanschitz (88. Szalai), Bance

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Bance (69.)

SCHIEDSRICHTER

Meyer (Burgdorf)

GELBE KARTEN

Simak

für Tagoe kam. Ibisevic hatte aufgelegt, doch

Tagoes Schuss aus 16 Metern strich an Müllers

Gehäuse vorbei. Man hatte den Eindruck, dass

sich auch nach weiteren drei Stunden Spielzeit

nichts am chancenarmen, torlosen Verlauf der

Partie ändern würde.

Aber weit gefehlt. Schon eine Minute später

wurde ein neuerlicher Angriffsball der Hausherren

im Sechzehner von Soto per Fallrückzieher aus

dem Strafraum geschlagen, der Ball segelte in

hohem Bogen fast bis zur Mittellinie, wo ihn

Bancé aufnahm. Was dann geschah, war ein

echter, imgrunde der einzige Höhepunkt dieser

etwas langweiligen Partie: leider zugunsten von

Mainz. Denn der gefärbte Blondschopf zog los,

kaum dass er den Ball auf dem Fuß hatte, als

wäre ein Hornissenschwarm hinter ihm her,

umspielte bzw. tunnelte Compper und Simunic

und gab danach noch mehr Gas, stürmte nun

allein in riesigen Schritten übers halbe Spielfeld

von halbrechts auf Timo Hildebrand zu – und

versenkte die Kugel mit einem fulminanten Schuss

im langen Eck! Hildebrand bekam die Hand noch

leicht an den Ball, aber das reichte nicht, den

Schuss zu entschärfen. Zu Spekulationen betreffend

die Haltbarkeit gab er nach dem Spiel trocken

zu Protokoll: „Wenn er haltbar gewesen wäre,

hätte ich ihn auch gehalten.“

In der Folge wurde Weis, der viel gearbeitet

hatte, aber noch nicht ganz bei Kräften war, gegen

Kai Herdling ausgetauscht, der damit zu seinem

Bundesligadebüt kam. Später lief Vukcevic für

Ibertsberger auf, um die Offensive weiter zu

verstärken. Doch es nützte alles nichts – obwohl

Hoffe den Ball nun endlich etwas entschiedener,

wenn auch immer noch ziemlich ratlos nach vorn

trieb und taktische Rücksichten fallen ließ. Die

Fans quittierten das Resultat denn auch deutlich

mit Pfi ffen. Dazu sagte Salihovic: „Wir sind sehr

enttäuscht. Wir haben alles probiert, aber es ging

nichts. Dass die Fans dann pfeifen, ist normal.“

Ob wirklich alles probiert worden war, darüber

gab es geteilte Meinungen. Manche Medien

sprachen gar von Rumpelfußball, was etwas

übertrieben war. Doch auch Dietmar Hopp äußerte

sich unzufrieden: „Es ist für mich schwer

nachvollziehbar, dass man so wenig Einsatz zeigen

kann. Ich habe keine Erklärung für den Zustand

der Mannschaft.“ Wenige Tage später kam es in

seinem Privatdomizil zu einem Gedankenaustausch

mit Trainer Ralf Rangnick, bei dem die

Ziele und Erwartungen durchgesprochen und neu

justiert wurden. „Ich bin mit ganzem Herzen hier

Trainer und gedenke auch nicht, nächste Saison

irgendwo anders Trainer zu sein“, sagte Ralf

Rangnick, als in den Medien darüber spekuliert

wurde, er würde seinen Vertrag mit Hoffenheim

vielleicht nicht verlängern wollen. �

101


26. SPIELTAG | Werder Bremen

14. MÄRZ 2010

1899 Hoffenheim – Werder Bremen 0:1

Ungefähr vier Wochen zuvor waren Bremen und Hoffenheim im Pokal-Viertelfinale aufeinander

getroffen, es bedeutete tabellenbedingt das Aus für die diesjährigen internationalen

Träume im Kraichgau. Dabei war die Partie, wie eigentlich immer, wenn es gegen Bremen

ging, offen verlaufen und hätte nicht unbedingt verloren werden müssen. Schiedsrichter

war im Übrigen hier wie dort Peter Sippel, der die Partien jeweils souverän leitete.

102 SAISONCHRONIK 2009/10

Nachdem Hoffe im Liga-Alltag eine Woche

zuvor etwas unrühmlich gegen Mainz verloren

hatte, gab Ralf Rangnick nun die Devise aus: „Ziel

ist es, dass wir den Fans zeigen, dass wir willens

und in der Lage sind, sowohl bei eigenem als auch

bei gegnerischem Ballbesitz gut zu spielen.“

Die Zeichen standen also auf Wiedergutmachung.

Zwar fehlten nach überstandener Rotsperre

immer noch Luiz Gustavo, der wegen einer

Reizung der Achillesferse auf der Bank saß, sowie

Andreas Ibertsberger, Chinedu Obasi, Andreas

Beck und Demba Ba, aber dafür lief zu seinem

Bundesligadebüt Jukka Raitala auf. Seine Interpretation

der Position des rechten Verteidigers

war von überzeugender Frische. Oft stürmte der

junge Finne mit nach vorn und gab dem Spiel von

1899 etwas von der verlorengegangenen Dynamik

wieder. Bei Werder fehlte nach einer anstrengenden

Europapokalwoche Özil mit Rückenproblemen,

während Marin aus Kraftgründen zunächst auf

der Bank Platz nahm.

Es war den Hoffenheimer Akteuren anzumerken,

dass sie mit hoher Motivation ins Spiel gingen.

Zweikämpfe, Laufbereitschaft, Pressing, Steilpässe,

wenig Querpässe: alles war, wie es sein

sollte, die Hoffenheimer zogen an einem Strang

und versuchten sich in einer Art kontrollierten

Offensive. Angesichts der großen Bremer Routine

mussten sie sich dennoch mit Geduld wappnen,

besonders die beiden hochgewachsenen Innenverteidiger

Naldo und Mertesacker schienen nahezu

unüberwindbar und eroberten jeden hoch

geschlagenen Ball. Trotzdem gelang es Hoffenheim

im Verlauf der ersten Halbzeit, den Bremer Abwehrriegel

zunehmend in Verlegenheit zu bringen,

so dass sich für Carlos Eduardo in der 28. und für

Maicosuel in der 34. Minute beste Gelegenheiten

zur Führung boten, allerdings ohne das ersehnte

Tor zu erzielen. Umgekehrt hatte man Glück, dass

Bremen ebenfalls nicht traf: Borowski vergab in

der 25. Minute eine Hereingabe von Hunt, während

Mertesacker nach einem Eckball aus vier Metern

an Hildebrand scheiterte.

Ein typisches 0:0-Spiel zeichnete sich bislang

ab, das nach der Pause unter ähnlichen Vorzeichen


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Raitala (86. Terrazzino), Simunic,

Compper, Eichner, Weis, Salihovic, Vukcevic,

Carlos Eduardo (83. Luiz Gustavo), Ibisevic (72.

Tagoe), Maicosuel

WERDER BREMEN

Wiese, Fritz, Mertesacker, Naldo, Pasanen,

Borowski, Frings (69. D. Jensen), Bargfrede,

Hunt (67. Marin), Pizarro, Almeida (90. Rosenberg)

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Pizarro (80.)

SCHIEDSRICHTER

Sippel (München)

GELBE KARTEN

Simunic

seinen Fortgang nahm. Hier und da kam es bei

allem ehrlichen Bemühen nur sehr gelegentlich

zu echten Chancen, die auf beiden Seiten ungenutzt

blieben. Die Zuschauer, aber auch die Akteure

auf dem Platz schienen sich denn auch

zunehmend in der gerechten Punkteteilung einzurichten,

so dass etwa ab der 70. Minute niemand

mehr einen entscheidenden Richtungswechsel

erwartete. Die relative Ruhe auf dem Platz sollte

sich jedoch als trügerisch erweisen, jedenfalls auf

Hoffenheimer Seite, wo trotz allem Gleichmaß

die höheren Spielanteile lagen.

Und zwar hatte Bremen um die 70. Minute

herum Jensen und Marin für Frings und Hunt

eingewechselt, während bei Hoffenheim nun

Prince Tagoe statt des glücklosen Ibisevic stürmte.

Im Pokalfi ght hatte er kurz nach seiner Einwechslung

noch getroffen, diesmal glückte das

Wechselspiel nicht. Der Bremer Abwehrblock,

teilweise aus neun Mann, stand sicher und absorbierte

jeden ankommenden Ball. Marin dagegen

frischte die Bremer Offensive spürbar auf, in

der 80. Minute konnte er gerade noch von Simunic

gestoppt werden. Aber noch in derselben

Spielminute fl ankte Jensen einen hohen Ball in

den Hoffenheimer Strafraum, der vom bis dahin

eher unsichtbaren Pizarro in einen Heber über

Hildebrand hinweg umgewandelt wurde. Aus dem

Nichts heraus stand es 0:1. „Claudio ist eben

immer für ein Tor gut. Eine Chance, patsch, Tor“,

kommentierte Tim Wiese nach dem Spiel die

Aktion.

Völlig konsterniert von dieser insgesamt ungerechtfertigten

Bremer Führung so kurz vor Schluss

versuchte 1899 alles, um noch den Ausgleichstreffer

zu erzielen. Doch die Köpfe und Beine

waren schwer, der erneute Rückschlag setzte den

Spielern sichtbar zu. Und Carlos Eduardo zog sich,

als er in der 83. Minute gegen Luiz Gustavo ausgewechselt

wurde, verärgert das Trikot über den

Kopf und verschwand grußlos in den Katakomben.

Die Verantwortlichen nahmen ihn dafür später ins

Gebet: eine Grillparty, von Carlos Eduardo fünf

Tage darauf zur Entschuldigung für das ganze Team

gegeben, verhinderte jedoch eine explizite Strafe.

„Ohne Demba Ba und Obasi fällt uns das Toreschießen

schwer“, sagte Ralf Rangnick nach der

Partie. „Aber meine Jungs haben es über weite

Strecken richtig gut gemacht. Sie haben läuferisch

alles gegeben.“

Die Zuschauer sahen es genauso, Pfi ffe wie

gegen Mainz blieben aus. Denn die Mannschaft

hatte bravourös gekämpft und nur unglücklich

verloren. In den Medien begann man indes darüber

zu spekulieren, ob Hoffe am Ende noch in den

Abstiegskampf verwickelt werden könnte. Für die

Fans war das keine Frage. Das Spiel gegen Bremen

war ein Ausweis für fehlendes Glück, nicht für

fehlende Leistung. So sah es auch Jan Schindelmeiser,

der vor dem Spiel einen Charaktertest für

die Mannschaft ausgerufen hatte: „Der Test wurde

bestanden. Der Auftritt der Jungs war ohne

Tadel.“ �

Gut gekämpft,

aber unglücklich

verloren. Tim Wiese

tröstet Compper.

103


27. SPIELTAG | 1. FC Nürnberg

20. MÄRZ 2010

1. FC Nürnberg - 1899 Hoffenheim 0:0

Ibertsberger und Beck wieder zurück: das war die gute Nachricht vor dem Spiel. Wobei

Beck zunächst nur zur Einwechslung bereit stand, um seine frische Genesung nicht zu

gefährden. Klar war, dass Nürnberg im akuten Abstiegskampf alles daran setzen würde,

das Spiel zu gewinnen. Hoffenheim dagegen wollte ebenfalls punkten, am besten als

Sieger vom Platz gehen, in jedem Fall aber nicht verlieren. Letzteres gelang.

104 SAISONCHRONIK 2009/10

Eigentlich war die Punkteteilung aus Hoffenheimer

Sicht eine Art Soll-Übererfüllung. Chancen

zur Führung gab es zuhauf, während Nürnberg

offensiv mehr oder weniger enttäuschte und sich

fast nur aufs Zumauern des eigenen Tors verlegte.

Dabei hatte 1899 fest auf Konterchancen

gerechnet – Nürnberg würde kommen müssen,

hatte man gedacht, um die überlebenswichtigen

Punkte zu holen. Aber Nürnberg kam nicht… Und

darum übernahm Hoffe nach ein paar abgewarteten

Minuten zu Beginn, in denen Nürnberg

wenig bis gar nichts nach vorn unternahm, ungeplant

die Führung des Spiels.

In der 13. Minute dribbelte Salihovic auf der

linken Seite bis nahe an die Grundlinie und fl ank-

te in die Mitte, wo Ibisevic stand. Der Bosnier

zog aus kurzer Distanz ab, doch Pinola konnte

auf der Linie stehend gerade noch klären. Der

weggetretene Ball landete bei Carlos Eduardo,

der ihn aus zehn Metern an die Querlatte knallte:

damit war die Chance endgültig vorbei. Es sah

aus wie eine höchst leichtfertig vergebene Riesenchance.

Aber Carlos Eduardo hatte zwei

Verteidiger und den Torhüter auf der Linie zu

überwinden, so dass er kraftvoll und hoch ansetzen,

also hohes Risiko gehen musste, um erfolgreich

zu sein. Aus dem Lattentreffer war ihm

darum kein Vorwurf zu machen.

Leider war damit auch der Höhepunkt der ersten

Halbzeit überschritten. Bis zum Pausenpfi ff


tat Hoffe sich schwer, noch einmal ähnlich gefährlich

vors Nürnberger Tor zu kommen. Die

Gastgeber versammelten sich nach der überstandenen

Gefahren-Situation mit allem, was laufen

konnte, in der eigenen Hälfte und zogen die

Räume eng und enger. Das machte es schwer,

mit Fernschüssen zu punkten oder mit einem

tödlichen Pass durch die vielen Nürnberger Beine

hindurch den Weg zum Tor zu fi nden.

Nach der Pause versuchte der Club endlich,

um Mintal verstärkt, sich mehr offensive Anteile

zu erarbeiten. Meistenteils blieb es jedoch beim

Versuch, bis auf ein einziges Mal, als Hildebrand

in der 68. Minute einen scharfen, seitlichen Schuss

von Choupo-Moting von der Strafraumgrenze nur

in die Mitte abwehren konnte. Aber es war kein

Nürnberger zurstelle, um den freien Ball zu verwerten.

Für den gesamten Rest der zweiten

Halbzeit sorgten die aufmerksamen Hoffenheimer

dafür, dass die Nürnberger Angriffsversuche meist

im Mittelfeld, sonst in der Abwehr stecken blieben.

In der 57. Minute hatte Ibisevic zum zweiten

Mal eine Riesenchance, 1899 in Führung zu

schießen, und das gleich doppelt. Mit einem

langen Ball von links aufs Tor zulaufend, zog er

ab, doch Torhüter Schäfer parierte mit einem

grandiosen Refl ex. Der zurückspringende Ball

1. FC NÜRNBERG

R. Schäfer, Diekmeier, Wolf, Maroh, Pinola, Ottl,

Tavares (46. Mintal), Risse, Gündogan, Frantz

(75. Charisteas), Choupo-Moting (84. Boakye)

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Ibertsberger, Simunic, Compper,

Eichner (71. Beck), Weis, Luiz Gustavo, Salihovic,

Carlos Eduardo (87. Vukcevic), Maicosuel,

Ibisevic (72. Tagoe)

ZUSCHAUER

40.421

TORE

SCHIEDSRICHTER

Kinhöfer (Herne)

GELBE KARTEN

Maroh

Simunic, Ibertsberger

landete wieder bei Ibisevic, der nochmal abzog

– wieder hatte Schäfer den Ball.

Hätte Ibisevic abgelegt, wäre ein Tor nahezu

sicher gewesen. So jedoch blieb es beim Unentschieden

als Folge eines von Abstiegsangst und

Chancenunsicherheit geprägten Spiels, das durch

wenige Höhepunkte und viel harte Arbeit geprägt

war. Erfreuliche Akzente setzte wenigstens die

Einwechslung von Andi Beck in der 72. Minute.

Sein Überblick, seine Ballbehandlung, seine Vorstöße

über links waren ein Genuss und erinnerten

an überragende gesamtmannschaftliche Spielmomente.

Wirklich erfreulich war an diesem sportlichen

Aufeinandertreffen die Haltung des Nürnberger

Publikums. Als wie in fast allen deutschen Stadien

irgendwann plumpeste Sprechchöre gegen

Dietmar Hopp durchs Oval hallten, erhoben sich

alsbald Pfi ffe dagegen: doch nicht nur vonseiten

der mitgereisten Hoffenheimer Fans. Sondern

das Nürnberger Publikum selber pfi ff gegen die

hässlichen Sprechchöre an und erwies sich damit

als herausragend guter Gastgeber. �

Air Ibertsberger:

auskuriert und

motiviert!

105


28. SPIELTAG | SC Freiburg

28. MÄRZ 2010

1899 Hoffenheim – SC Freiburg 1:1

Wenige Tage vor der Partie verlängerte Tobias

Weis mit einem Zweijahresvertrag sein Engagement

bei 1899 Hoffenheim. „Es war eine Herzensangelegenheit“,

sagte der quirlige, wertvolle Mittelfeldspieler,

bei dem immerhin auch die Bayern

vorstellig geworden waren. Und einige Tage später

zog Hoffenheim seine Kaufoption für Jukka

Raitala und band das finnische Abwehrtalent endgültig

an sich. Zudem meldete sich Obasi zurück

in den Kader. Noch war er zwar nicht fit für einen

Einsatz über 90 Minuten, aber er saß schon auf

der Bank: jeder im Stadion erhoffte sich von seiner

möglichen Einwechslung das Ende der nun schon

270 Minuten andauernden Torflaute der Kraichgauer.

106 SAISONCHRONIK 2009/10

Das Baden-Derby wurde von den Freiburger

Fans mit den etwas sinnlosen Sprechchören „Ihr

seid keine Badener“ eröffnet. Wen sie damit ärgern

oder vielleicht provozieren wollten, blieb ihr Ge-

heimnis. Die Stimmung im Stadion war insgesamt

jedoch durchweg frei von großen Spannungen, es

kam zu keinerlei Zwischenfällen, Störungen oder

Schmähungen – wie es sich für ein Derby unter

Badenern gehört.

Umso mehr Spannung schien im Trainerstab von

1899 Hoffenheim angelegt zu sein. Je länger die

erste Halbzeit andauerte, je öfter sah man Trainer

Rangnick an der Seitenlinie auftauchen und seiner

Verärgerung Luft machen. Auslöser dafür waren

nicht allein die vielen unnötigen Zweikämpfe und

ideenlosen Fehlpässe seiner Jungs, sondern vor

allem eine Szene aus der 17. Minute. Nach einem

Freiburger Abwehrpatzer stürmte Ibisevic allein

auf Torhüter Pouplin zu – doch statt auf den seitlich

mitgelaufenen Carlos Eduardo abzuspielen, der

nur noch hätte einschieben müssen, versuchte

Ibisevic es selbst und scheiterte am Freiburger

Torhüter. So viel Eigensinn brachte den Trainer auf

die Palme, zumal es im letzten Spiel gegen Nürnberg

eine ganz ähnliche Szene gegeben hatte.

Die Freiburger verfi elen nach der deutlichen

Chance für etwa 20 Minuten in eine Art Schockstarre,

in denen Hoffe aber keine neue Torgefahr

entwickelte. Danach wurde die Partie wieder auf

Augenhöhe geführt, wenn auch auf niedrigem

Niveau. Erst in der 45. Minute kam es neuerlich

zu einer ansehnlichen Chance: leider vergab Simunic

Maicosuels Hereingabe nach Freistoß von

der linken Seite, indem er den Ball einen halben

Meter über die Querlatte köpfte.

Das schwache Spiel beider Mannschaften führte

zu vereinzelten Pfi ffen beim Pausengang. Das

Publikum hatte sich einfach mehr von dieser Partie

erhofft – doch nicht nur das Publikum, auch

Hoffenheims sichtbar erzürnter Trainer. Und so


1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Weis, Luiz Gustavo (69. Obasi), Salihovic,

Carlos Eduardo, Ibisevic (46. Vukcevic), Maicosuel

(46. Tagoe)

1899 HOFFENHEIM

Pouplin, Mujdza, Barth, Butscher, Bastians,

Schuster, Flum, Abdessadki (84. Caligiuri), Makiadi

(71. Krmas), Jäger (88. Bechmann), Idrissou

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Idrissou (64.)

1:1 Simunic (80.)

SCHIEDSRICHTER

Dr. Fleischer (Sigmertshausen)

GELBE KARTEN

Simunic

Makiadi, Mujdza

kam es zu einer für ihn höchst ungewöhnlichen

Auswechslung, indem Maicosuel und Ibisevic in

der Kabine bleiben mussten. Für sie spielten Tagoe

und Vukcevic. Eine inhaltsreiche Kabinenansprache

hatte es wohl ebenfalls gegeben, denn 1899 ging

gleich nach der Pause deutlich druckvoller zu

Werke. Das vermehrte Engagement mündete

allerdings auch in die zehnte gelbe Karte für Simunic,

die er sich in der 48. Minute zuzog, als er das

Trikot eines Gegenspielers auf Reißfestigkeit

prüfte. Für das nächste schwere Spiel gegen

Wolfsburg war er damit gesperrt.

Es dauerte zehn Minuten, bis auch Freiburg

wieder offensiv wurde. In der 60. Minute entwischte

Carlos Eduardo darum nach einem sehenswerten

Pass von Tagoe den gelockerten Freiburger

Abwehrreihen und konnte nur noch per Foul gebremst

werden. Dafür wäre eigentlich eine rote

Karte fällig gewesen, aber Schiri Dr. Helmut Fleischer

beließ es bei Gelb. Es war seine zweite

krasse Fehlentscheidung: schon in der 2. Spielminute,

gleich zu Beginn der Partie, hatte er das

Handspiel eines Freiburgers im eigenen Strafraum

übersehen und Hoffenheim wie so oft schon den

fälligen Strafstoß verwehrt.

In der 64. Minute erwischte Luiz Gustavo einen

rabenschwarzen Moment, sein verunglückter

Querpass konnte von Flum aufgenommen werden.

Der Freiburger machte sich, verfolgt von Compper,

auf in Richtung Hildebrand, scheiterte jedoch am

Hoffenheimer Torhüter – nur dass dessen Abwehr

Flum gleich wieder vor die Füße geriet. Diesmal

spielte der Freiburger auf Idrissou ab, der aus sechs

Metern nur noch ins leere Tor einzuschieben

brauchte. Trainer Rangnick wechselte Luiz Gustavo

daraufhin umgehend gegen Obasi aus – auch

um der Offensive neuen Schwung zu verleihen,

denn nach der Führung stellte sich Freiburg mit

zehn Mann in die Verteidigung.

Ungefähr zehn Minuten lang mühte sich Hoffenheim

vergeblich, wieder Tritt in der Partie zu

fassen. Dann orderte Rangnick Simunic nach vorn

– gedankenschnell reagierte Salihovic mit einem

Pass übers halbe Spielfeld auf Carlos Eduardo, der

Simunic mustergültig bediente. Und in bester

Stürmermanier erzielte der lange Verteidiger mit

einem Schuss aus 14 Metern ins lange Eck den

Ausgleich. Hoffenheim drängte nun massiv nach

vorn, es war, als sei nach torlosen 350 Minuten

endlich der Knoten geplatzt. Doch so nah die

Schüsse von Tagoe, Weis und Vukcevic dem

Freiburger Tor auch kamen, der Erfolg blieb aus.

Insgesamt konnte Freiburg so einen zwar nicht

unverdienten, zuletzt aber glücklichen Punkt von

Nordbaden mit nach Südbaden nehmen. �

107


29. SPIELTAG | VfL Wolfsburg

4. APRIL 2010

VfL Wolfsburg - 1899 Hoffenheim 4:0

Wie immer hatte sich 1899 Hoffenheim viel vorgenommen, doch es kam zu einer bitteren

Niederlage. Und auf der Tribüne verfolgte Dietmar Hopp das Geschehen auch noch live.

Er war zum Auswärtsspiel mitgefahren, was wegen der vielfältigen Fan-Aversionen anderer

Vereine gegen ihn viel zu selten möglich war und leider nicht belohnt wurde. Was

er zu sehen bekam, war in der ersten Halbzeit immerhin eine gediegene Leistung seiner

Hoffenheimer Truppe, die nur nicht mit Toren aufwarten konnte.

108 SAISONCHRONIK 2009/10

Natürlich gab es auch diesmal etliche Ausfälle

zu beklagen. Simunic, der sich beim 1:1 gegen

Freiburg die zehnte Gelbe Karte abgeholt hatte,

wurde von Pelle Nilsson vertreten. Hildebrand

musste wegen Problemen im Lendenwirbelbereich

passen, so dass Haas zwischen den Pfosten

stand. Außerdem spielte Vukcevic für Weis, der

noch an den Folgen eines grippalen Infekts laborierte.

In der Anfangsphase dominierte 1899 die Partie:

frei das Tempo bestimmend und darin vom

zaghaften Gastgeber großzügig unterstützt, indem

Wolfsburg sein Heimpublikum nicht zum ersten

Mal in dieser Saison auf die Folter spannen zu

wollen schien und dem Gast aus dem Kraichgau

viele Freiräume bot. Nilsson vergab in der 16.

Minute die erste Großchance, als er nach Hereingabe

durch Maicosuel am Fünfmeterraum

unbedrängt hochstieg, den Ball per Kopf aber

neben das Tor setzte. Die Hoffenheimer ließen

nicht nach: Ibisevic behielt in der 24. Minute am

Elfmeterpunkt gegen drei Wolfsburger die Übersicht

und gab per Hackentrick auf Maicosuel

weiter. Der Brasilianer fand aber im nach langer

Verletzung wieder genesenen Benaglio seinen

Meister.

Unverdrossen machte Hoffenheim das Spiel

und hatte eindeutig die besseren Chancen. Doch

wie so oft in dieser Saison fehlte das Glück oder

auch der letzte Durchsetzungswille, bis irgendwann

der Gegner davon profi tierte: diesmal war

es Dzeko, der in 25. Minute nach einer Flanke

von Gentner aus fünf Metern einnickte. 1899

brauchte ein paar Minuten, um den Schock eines

erneuten Gegentreffers bei eigenem Übergewicht

zu verarbeiten, gab in den letzten zehn Minuten

vor der Pause aber noch mal Gas. Nach Hereingabe

von Beck, der viel Freiraum genoss, jagte

Vukcevic den Ball übers Tor (38.), kurz darauf

scheiterte Carlos Eduardo, der genau auf Benaglio

abzog (42.). Wieder war Beck der Flanken-


geber gewesen, Ibisevic hatte den Ball weitergeleitet.

Nach der Pause brachte Rangnick Obasi für

Ibertsberger und setzte also auf noch mehr Offensivkraft.

Luiz Gustavo nahm den Platz von

Ibertsberger hinten links ein. Daraus resultierte

aber leider eher eine Schwächung: erst foulte

Luiz Gustavo nah am Strafraum seinen Gegenspieler

und bekam dafür Gelb, dann stand er beim

darauffolgenden Freistoß von Misimovic zu weit

weg von Barzagli. Der Verteidiger nutzte die

unverhoffte Freiheit und köpfte in der 51. Minute

aus sechs Metern ein. Luiz Gustavo wurde

sieben Minuten später gegen Eichner ausgewechselt.

Dieser zweite schnelle Treffer für Wolfsburg

nach der zweiten echten Chance ließ die Hoffenheimer

Zuversicht zerbrechen. Wolfsburg bestimmte

jetzt das Spiel, nur einmal noch kam

1899 bei einem Freistoß von Salihovic in der 60.

Minute wirklich gefahrvoll nach vorn. Trotzdem

ackerte die Mannschaft und bemühte sich sichtbar,

vielleicht doch noch einmal den Anschluss

zu fi nden. Wolfsburg wartete unterdessen clever

auf Fehler und beutete Hoffenheims vertrackte

Lage maximal aus. Erst zog Misimovic in der 74.

Minute mit links fulminant ab und ließ Haas keine

Chance. Nur knapp eine Minute später verwandelte

Dzeko eine Weitergabe von Grafi te und

stellte damit den traurigen Endstand her. Nüchtern

betrachtet, war Hoffes Niederlage um mindestens

zwei Tore zu hoch ausgefallen. Mit etwas mehr

Glück hätte beim VfL Wolfsburg mehr herausspringen

können.

Vedad Ibisevic fasste wenigstens den sportlichen

Verlauf treffsicher zusammen: „Wir haben

das Spiel im ersten Durchgang bestimmt, haben

aus unserer Überlegenheit aber leider kein Kapital

schlagen können. Das geht schon fast die

ganze Saison so. Wir müssen weiter hart arbeiten

und uns in kleinen Schritten wieder Selbstvertrauen

holen.“

Marvin Compper sagte nicht weniger zutreffend:

„Es bringt uns nichts, dass wir in der ersten

Halbzeit gut gespielt haben. Wille und Aufwand

waren da, der Ertrag hat wieder einmal gefehlt.“


VFL WOLFSBURG

Benaglio, Pekarik, Riether, Barzagli, M. Schäfer,

Josue (46. Santana), Hasebe (83. Kahlenberg),

Gentner (81. Dejagah), Misimovic, Grafi te, Dzeko

1899 HOFFENHEIM

Haas, Beck, Nilsson, Compper, Ibertsberger (46.

Obasi), Vukcevic, Luiz Gustavo (58. Eichner),

Salihovic, Carlos Eduardo, Maicosuel (64. Tagoe),

Ibisevic

ZUSCHAUER

28.107

TORE

1:0 Dzeko (25.)

2:0 Barzagli (51.)

3:0 Misimovic (74.)

4:0 Dzeko (75.)

SCHIEDSRICHTER

Kircher (Rottenburg)

GELBE KARTEN

Beck, Luiz Gustavo

„Wille und Aufwand

waren da, der Ertrag

hat gefehlt“, sagte

Marvin Compper

nach dem Spiel.

109


30. SPIELTAG | 1. FC Köln

10. APRIL 2010

1899 Hoffenheim – 1. FC Köln 0:2

Das Spiel selbst ist rasch zu umreißen. In einer höchst mittelmäßigen ersten Halbzeit

versuchte 1899 Hoffenheim immerhin noch, spielerische Impulse zu setzen, tat sich gegen

laufbereite zehn Kölner in der eigenen Abwehr aber schwer. Es war allerdings nicht zu

sehen, dass die Mannschaft völligen Ehrgeiz entwickelte. Gleich zu Beginn der zweiten

Halbzeit, in der 46. Minute, drehte sich die Partie, als für die bislang chancenlosen Kölner

Matuschyk aus 25 Metern mit einem Sonntagsschuss die Führung erzielte. Bei 1899 verursachte

das Tor eine vermehrte Stockung des ohnehin schon stockenden Spiels: Ratlosigkeit,

Mutlosigkeit, teils auch Verdrossenheit, sogar Lustlosigkeit machten sich breit.

Der negative Höhepunkt war erreicht, als Ibisevic in der 75. Minute aus acht Metern freistehend

den Ball volley gut einen Meter übers Tor jagte. In fußballerischer Konsequenz

erzielte Köln, wieder durch Matuschyk, der mit dem Ball ungestört durch die gesamte

Hoffenheimer Abwehr spazierte, in der 81. Minute das 0:2. In den letzten Minuten ging

dann gar nichts mehr auf Hoffenheimer Seite.

110 SAISONCHRONIK 2009/10

Die spielumgebenden Geschehnisse nahmen

diesmal mehr Raum ein und markierten einen

besonderen Moment in der jungen Hoffenheimer

Fußballgeschichte. Zum ersten Mal war es schon

in der ersten Halbzeit zu Pfi ffen des Publikums

gekommen, das spürte, wie zerfahren, verschattet,

zielverloren die Mannschaft agierte – und das

nicht erst seit zwei Spielen. Hoffenheim war zu

diesem Zeitpunkt die zweitschlechteste Mannschaft

der Rückrunde, Tore fi elen nur noch äußerst

rar. Vor allem jedoch war der Hoffenheimer Spielwitz

verloren gegangen, jenes blitzschnelle Agieren

und bedingungslose füreinander Laufen und

Einstehen. Stattdessen hatte zunehmend eine

Lähmung auf allen Ebenen die Mannschaft befallen:

körperlich, geistig, seelisch. Das Spiel

gegen Köln markierte nach der Niederlage gegen

Mainz den bisherigen Tiefpunkt, so dass während

und nach der zweiten Halbzeit das Heimpublikum

gegen die eigene Mannschaft zunehmend Sprechchöre

aufbot, die von den Kölner Fans hätten

stammen können – infolge einer DFB-Entscheidung

waren allerdings nur ein paar hundert von

ihnen auf Nebenwegen ins Stadion gelangt. Denn

als Konsequenz etlicher Ausschreitungen hatte

der DFB verfügt, dass der Gästeblock bei diesem

Spiel für die Kölner Fans gesperrt blieb.

Gellende Pfi ffe der eigenen Fans markierten

also das Ende der Partie – und wie schon in


1899 HOFFENHEIM

Haas, Beck, Gulde, Simunic, Eichner, Weis, Luiz

Gustavo (60. Tagoe), Salihovic, Carlos Eduardo,

Ibisevic, Obasi

1. FC KÖLN

Mondragon, Brecko, McKenna, Geromel, Ehret,

Maniche (89. Cullmann), Petit, Matuschyk (90.

Ishiaku), Freis, Novakovic, Podolski (87. Brosinski)

ZUSCHAUER

26.950

TORE

0:1 Matuschyk (46.)

0:2 Matuschyk (82.)

SCHIEDSRICHTER

Perl (München)

GELBE KARTEN

Salihovic

Novakovic, Maniche

Wolfsburg war der fi nale Gang der Spieler zur

Fankurve kein leichter, sondern ein langer, steiniger

Weg. Und als später der Mannschaftsbus

aus dem Stadion rollen wollte, blockierten um

die 200 Fans die Abfahrt: eine Viertelstunde lang,

bis Chef-Trainer Rangnick, die Spieler Salihovic

und Eichner sowie Geschäftsführer Jochen A.

Rotthaus angetreten waren und mit ihnen gesprochen

hatten. Der Trainer mutmaßte, dass die

Fans sich derlei Verhalten von anderen Vereinen

abgeschaut hatten. Aber es blieb doch festzuhalten,

dass die Fans sich insgesamt trotz ihrem

später von Dietmar Hopp als prinzipiell berechtigt

bezeichneten Unmut insgesamt sehr gemäßigt

aufführten; von Gewalt oder auch nur Nähe zu

Gewalt war nichts zu spüren.

Die Ereignisse riefen Dietmar Hopp auch im

Weiteren auf den Plan. Ihm war klar, dass hier

eine Negativspirale in Gang gesetzt und dringend

gekappt werden musste, so dass er für die

nächsten Tage Gesprächsrunden einberief mit

den Verantwortlichen und mit Spielern, um sich

einen bestmöglichen Eindruck von der Gesamt-

lage und der Tiefe der Fehlentwicklungen zu

verschaffen. Im Laufe der Woche fanden auch

innerhalb der sportlichen Abteilung viele Gespräche

statt – wobei immer deutlicher wurde, dass

es am guten Willen nicht fehlte. Unleugbar hatten

sich jedoch über Wochen und Monate massive

Fehlhaltungen ergeben.

Alles das wirkte im sonst so beschaulichen

Hoffenheimer Fußballbetrieb irgendwie unerhört

– zeigte aber nur, dass Verein und Mannschaft

nach jahrelanger, steiler Aufwärtsentwicklung

nun die sauren Trauben des Alltagsgeschäfts zu

schmecken bekamen. So war es denn auch

keine Frage, den Stuhl des Trainers neu zu beschicken

oder andere überstürzte, harte Einschnitte

vorzunehmen: was bei den vielen Gesprächen

herauskam, war vielmehr ein gestärkter, neuerlicher

Wille zum Zusammenhalt. Klar war aber

auch, dass die Abwärtsspirale in den letzten vier

Spielen unbedingt gestoppt werden musste. An

Herausforderungen dazu fehlte es nicht: bis zum

Saisonende standen noch Dortmund, Hamburg,

Frankfurt und Stuttgart im Kalender. �

Kein gutes Spiel -

zum ersten Mal gab

es in Hoffenheim

deutlichen Unmut

der eigenen Fans zu

erleben.

111


31. SPIELTAG | Borussia Dortmund

18. APRIL 2010

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 1:1

Selten war ein Spiel, das vom Tabellenstand her so wenig Bedeutung aufwies, mit soviel

Spannung erwartet worden – auf Hoffenheimer Seite. Umgekehrt versprach sich Dortmund,

begünstigt durch einen Patzer von Leverkusen, das zum Saisonende wieder mal

einbrach, von der Partie den Sprung auf Platz 3. Es war lang her, dass die Borussen von

der Champions-League hatten träumen können, umso geballter waren nun die Erwartungen.

Hoffenheim wiederum träumte davon, den mannschaftlichen Zerfall aufzuhalten,

umzukehren und den besonderen Zusammenhang des Vereins zu behaupten – nach einer

Woche voller Gespräche, Absichtserklärungen und eindringlicher Appelle.

112 SAISONCHRONIK 2009/10


BORUSSIA DORTMUND

Weidenfeller, Owomoyela, Subotic, Hummels,

Dede, Blaszczykowski (82. Feulner), S. Bender,

Zidan (29. Valdez), Sahin (21. Hajnal), Großkreutz,

Barrios

1899 HOFFENHEIM

Hildebrand, Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger,

Weis, Gustavo (46. Gulde), Salihovic, Obasi

(63. Maicosuel), Tagoe (63. Ibisevic), Eduardo

ZUSCHAUER

80.100

TORE

1:0 Valdez (57.)

1:1 Ibisevic (89.)

SCHIEDSRICHTER

Stark (Ergolding)

GELBE KARTEN

Weidenfeller, Dede

Gustavo, Simunic, Ibertsberger

Es war somit für Spannung auf beiden Seiten

gesorgt. Dortmunds Geschäftsführer Watzke

hatte im Vorfeld natürlich wieder gegen Dietmar

Hopp gestichelt, um die 80.000 im Signal-Iduna-

Park anzuheizen – die verbale Attacke fi el aber

vergleichsweise harmlos aus. Dennoch schallten

gleich zu Spielbeginn die bekannten üblen Sprechchöre

durch das gewaltige Stadion, ohne dass

wie in Nürnberg das Heimpublikum dagegen

einschritt. Dortmund und Hoffenheim – da herrschte

keine Freundschaft, seit die Dortmunder bei

bisher jeder Begegnung in der 1. Liga für unentschuldbare

Ausfälle gesorgt hatten.

Als das Spiel begann, sah jeder, der mit Hoffenheim

fühlte, dass heute eine andere Mannschaft

auf dem Platz stand – aber nicht als Kader,

dessen Besonderheit allein im Wechsel der

Sturmspitze lag. Prince Tagoe war für Ibisevic in

die Startaufstellung gelangt, ansonsten war nur

die Rückkehr von Hildebrand ins Tor zu konsta-

tieren. Vielmehr gab es einen ganz anderen, viel

festeren Zusammenhalt als in den letzten Spielen

zu bewundern. 1899 spielte zwar vorsichtig,

riskierte so wenig wie möglich und war nur darauf

bedacht, den Ball in den eigenen Reihen zu

halten und nicht zu nah ans eigene Tor kommen

zu lassen. Aber jeder Aktion war abzusehen, dass

die elf Spieler vom selben Willen beseelt waren,

dass sie füreinander liefen und miteinander dachten,

dass hier keiner für die eigene Inszenierung

unterwegs war.

Die Folge für Dortmund war, dass die Truppe

von Trainer Klopp nicht vom Fleck kam. Offensiv

hatte man spielen wollen, frisch angreifen, aber

die wilde Hoffenheimer Entschlossenheit, nicht

noch einmal das Geringste anbrennen zu lassen,

ließ die von Dortmunder Seite im Vorfeld demonstrierte

Fußballseligkeit im Keim ersticken. Stumpf,

behäbig und ideenlos wirkte diese Borussenseligkeit,

die sich zunehmend in Zweikämpfen

Der Wendepunkt:

gegen Dortmund

riss die Mannschaft

das Ruder herum.

Ibisevic traf in der

89. Minute zum verdienten

Ausgleich!

113


31. SPIELTAG | Borussia Dortmund

aufrieb. In der 18. Minute bekam Sahin dabei

ohne erkennbare Absicht den Ellenbogen von

Salihovic zu spüren, was den Bruch des Nasenbeins

bewirkte und zur Auswechslung gegen

Hajnal führte. Zehn Minuten später verdrehte

sich Zidan ohne Einwirkung eines Hoffenheimers

das Knie, mit der Folge eines Kreuzbandrisses,

so dass Valdez für ihn einsprang.

1899 agierte über die gesamte erste Halbzeit

höchst solide nach hinten – und weitgehend

ideenlos nach vorn. Erst gegen Ende des ersten

Durchgangs entstand eine gefährliche Lage anderer

Art, als Luiz Gustavo hochgradig gelb-rotbedroht

sich gerade noch in den Pausengang

rettete. In der zweiten Halbzeit kam für ihn deshalb

Gulde.

Gleich nach Beginn hatte Hoffe nach langer

Zeit zum ersten Mal wieder das Glück des Tüchtigen,

indem ein reguläres Tor durch Barrios

wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht gegeben

wurde. Danach sah man fürs erste nur

noch 1899 druckvoll spielen, das Geschehen

verlagerte sich zunehmend in die Dortmunder

Hälfte. Aber es war wie so oft in letzter Zeit: kaum

am Strafraum angelangt, befi el eine merkwürdige

Ideenarmut und Verzagtheit die Hoffenheimer

Angreifer, so dass keine wirklich zündende, brandgefährliche

Situation entstand. Das ging etwa

zehn Minuten lang so, bis das Schicksal wieder

zuschlug und einen missglückten Konter von

Dortmund im zweiten Anlauf bis zum Führungstor

der Borussen durchwinkte: völlig unverdient,

völlig überfl üssig. Eine gewisse Unsortiertheit

der Defensive brachte Valdez in so aussichtsreiche

Kopfball-Lage, dass er den Ball tatsächlich

einlochte.

Jetzt sollte sich zeigen, was die Hoffenheimer

Kräftigung des inneren Zusammenhalts wirklich

wert war. Nach einer Schrecksekunde, weil man

114 SAISONCHRONIK 2009/10

zum x-ten Mal ein Tor mitten in die eigenen

schönsten Bemühungen hinein gefangen hatte,

riss sich die Mannschaft hoch, spielte weiter

druckvoll nach vorn – und die Dortmunder an den

Rand ihrer Physis. Es war ein zähes, kämpferisches,

nicht aufgebendes Hoffenheim, das hier

zu bewundern war. Nur fehlte immer noch das

Tor. Als in der 63. Minute Obasi für Maicosuel

und Tagoe für Ibisevic vom Platz musste, ging

eine deutliche Belebung von den beiden neuen

Angreifern aus: ohne dass es darum richtig heiß

zuging im Dortmunder Strafraum.

Das kam erst ganz gegen Ende der Partie und

war der Lohn für unermüdliches Ankämpfen. In

der 89. Minute verlor Hajnal den Ball im Mittelfeld,

weil Carlos Eduardo wie der Blitz dazwischen

fuhr. Nur einen Moment später darauf war der

Brasilianer ganz links vorn zu fi nden, wo ihn Salihovic

anspielte. Dann zog Carlos Eduardo los

bis fast zur Grundlinie, fl ankte scharf nach innen,

wo Ibisevic und Hummels eng beieinander Richtung

Tor fl ogen – und knapp neben Hummels

hohem Fuß schaffte Ibisevic es, den Ball mit dem

Kopf an Weidenfeller vorbei ins Tor zu drücken:

Endstand 1:1.

Der Jubel aller Hoffenheimer Spieler, Fans und

Verantwortlichen war riesig, der Frust auf Dortmunder

Seite gewaltig. Ausgerechnet Hoffenheim

hatte der Champions-League-Feierlaune einen

kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Hoffenheimer waren dagegen nur glücklich,

sich als Mannschaft wiedergefunden zu haben.


115


32. SPIELTAG | Hamburger SV

25. APRIL 2010

1899 Hoffenheim – Hamburger SV 5:1

116 SAISONCHRONIK 2009/10


Es war ein sonniger, warmer Tag mit

mehr als frühlingshaften Temperaturen.

Der Kraichgau erstrahlte in frischem

Grün, milder Glanz durchströmte

den Tag, die Fans waren nach dem

erfolgreichen Aufbäumen im letzten

Spiel guter Dinge. Es lag etwas in der

Luft, das spürte man beim Betreten

des Stadions sofort.

Allerdings war auch viel Lärm dabei: ein Sponsor

hatte die fanstimulierende Idee, 5.000 Vuvuzelas,

also Elefantentröten Marke Südafrika, auf

den Rängen verteilen zu lassen. Das gab einen

Vorgeschmack auf die bevorstehende WM, war

aber über knapp zwei Stunden hinweg auch eine

ziemliche Attacke auf Ohren und Nerven. Andererseits

machte das Getröte der Mannschaft

Dampf, die Fans bildeten eine ungewohnt lautstarke

Kulisse. Wiederum andererseits verstand

man in dem Getöse sein eigenes Wort nicht mehr,

so dass Trainer Rangnick seine Anweisungen

vom Spielfeldrand ins Leere rief und die Hoffenheimer

Tormelodie kaum noch zu hören war.

Und die erklang oft, fünfmal insgesamt. Denn

der HSV, in den letzten Ligaspielen kein Euro-

League-Kandidat mehr, ging mit Mann und Maus

unter und verlor, nicht anders als die Hertha ein

halbes Jahr zuvor, durch das hohe Spielergebnis

und die wehrlose Spielart in Hoffenheim ihren

Trainer. Das konnte einem leid tun für Bruno

Labbadia, freute aber die Hoffenheimer Fans, die

sich allzu lang vergeblich nach dem Wiedererwachen

des schnellen Hoffenheimer Angriffsspiels

gesehnt hatten.

Hier und heute war es soweit. Schon in der 2.

Minute erkämpfte sich Ibisevic einen unkonzentrierten

Ball in der HSV-Abwehr, lief sich frei, zog

ab und traf zum 1:0. Es war das 100. Tor der

Hoffenheimer Bundesliga-Geschichte. Nur zehn

Minuten später war es wieder Ibisevic, der die

Hoffe-Tormelodie auslöste: nach wunderschönem

117


32. SPIELTAG | Hamburger SV

118 SAISONCHRONIK 2009/10

Pass-Spiel zwischen Weis, Carlos Eduardo und

Beck und dessen Flanke stieg er höher als Boateng

und köpfte unhaltbar ein. Die Hoffenheimer Zuschauer

lagen sich in den Armen, die Vuvuzelas

stöhnten und ächzten.

Die Jungs von 1899 stürmten unterdessen

weiter, als hätten sie die gesamte Saison nichts

anderes getan. Ein schöner Spielzug folgte auf

den nächsten, erst nach 25 Minuten begann der

HSV zaghaft dagegen zu halten und sich kleine

Vorteile zu verschaffen. Doch die Spiellaune der

Kraichgauer war einfach übermächtig, so dass

schon in der 32. Minute das 3:0 durch Obasi fi el,

der von links durch Eichner nach großartigem

Flankenlauf punktgenau bedient worden war. Des

Weiteren versuchten sich Salihovic noch an einem

1899 HOFFENHEIM

Haas, Beck (79. Raitala), Simunic (65. Gulde),

Compper, Eichner, Weis, Luiz Gustavo, Salihovic,

Carlos Eduardo (46. Vukcevic), Ibisevic, Obasi

HAMBURGER SV

Rost, Rincon, Boateng, Mathijsen, Aogo (82.

Bertram), Trochowski, Jarolim, Tesche, Pitroipa

(56. Arslan), Berg (46. Rozehnal), Petric

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

1:0 Ibisevic (2.)

2:0 Ibisevic (11.)

3:0 Obasi (31.)

3:1 Tesche (65.)

4:1 Obasi (72.)

5:1 Salihovic (77.)

SCHIEDSRICHTER

Gräfe (Berlin)

GELBE KARTEN

Simunic, Weis

ROTE KARTEN

Arslan (89.)

Freistoß, Weis an einem Fernschuss, beide übers

Tor. Bis zur Pause konnte sich der HSV nur durch

einen einzigen unkonzentrierten Schuss von

Trochowski in Szene setzen.

Nach der Pause blieb Carlos Eduardo mit leichten

Patellasehnenbeschwerden in der Kabine,

für ihn kam Vukcevic. Ansonsten blieb alles, wie

es war, Hoffenheim kombinierte und stürmte und

hatte durch Ibisevic in der 52. Minute einen

Pfostentreffer zu verzeichnen. Sechs Minuten

später verzog er einen Ball knapp, während umgekehrt

Simunic im letzten Moment Petric zu

stoppen vermochte. Weil er aus der ersten Hälfte

schon gelbverwarnt war, nahm Ralf Rangnick

Simunic lieber vom Platz und ließ Gulde aufl aufen.

Am Spielverlauf änderte sich aber nichts, selbst


als Tesche für den HSV in der 65. Minute völlig

unerwartet einen Ball aus 40 Metern von links

außen per Volley Richtung Tor schoss. Die Kugel

fl og und fl og und senkte sich unhaltbar hinter

Haas an der Lattenoberkante ins Tor.

Doch auch dieses glückliche Tor weckte den

HSV nicht – denn gegen wie entfesselt aufspielende

Hoffenheimer war an diesem Tag kein Kraut

gewachsen. In der 72. Minute schlug Vukcevic

vom Mittelkreis einen unwiderstehlichen Steilpass

auf Obasi, der allein losstürmte und Rost auch

noch tunnelte: 4:1. Damit hätte es eigentlich gut

sein können, aber schon vier Minuten darauf

gingen Ibisevic, begleitet von zwei Hamburgern,

und Salihovic Richtung Tor. Im letzten Moment

spielte Ibisevic ab, Salihovic nahm Maß und erzielte

den Endstand: 5:1. Die letzte bemerkenswerte

Aktion des Spiels bestand in einer leichteren

Tätlichkeit des Hamburger Arslan in der 89.

Minute, der dafür Rot sah und vom DFB ein Spiel

gesperrt wurde.

Trainer Ralf Rangnick nach dem Spiel: „Wir

wollten nach der starken Leistung im Spiel gegen

den Ball in Dortmund heute fußballerisch etwas

zeigen. Der Unterschied zu manch anderem Spiel

der Rückrunde war, dass wir es geschafft haben,

in Führung zu gehen. Die frühen Tore haben uns

sehr gut getan, das war heute zu spüren. Dadurch

kam Sicherheit in den eigenen Ballbesitz. Jetzt

müssen wir in den kommenden zwei Partien

darauf aufbauen.“

Und weil die Partie nur einen Tag vor dem 70.

Geburtstag von Dietmar Hopp stattfand, sah eigentlich

jeder im Stadion diesen traumhaft schönen

Sieg als das beste Geburtstagsgeschenk an,

das die Mannschaft ihm machen konnte. Der

Mäzen selber sah das natürlich ganz genauso.

Das Schnitzelessen, zu dem ihn die Mannschaft

einige Tage später überraschend einlud, war eine

schöne Dreingabe. �

Die Freude war groß:

Doppelpack Ibisevic,

Doppelpack Obasi,

Schlusspunkt von

Salihovic. Fünf Tore

zum 70. Geburtstag

von Dietmar Hopp!

119


33. SPIELTAG | Eintracht Frankfurt

1. MAI 2010

Eintracht Frankfurt - 1899 Hoffenheim 1:2

Man verzeichnete den vorletzten Spieltag an diesem

1. Mai, der zu einem wahrhaften Tag der

Arbeit für 1899 Hoffenheim wurde. Von der ersten

bis zur letzten Minute ackerte und rackerte die

Mannschaft, gab sich nie auf und wurde ganz am

Ende dafür auch belohnt: wie zum feiertäglichen

Beweis des Sinn- und Seelengefüges aller hingebungsvollen

Arbeit. Da war es auch kein Widerspruch,

dass ausgerechnet ein Prinz zum krönenden

Abschluss antrat.

Zunächst lief die Kraichgau-Elf in genau derselben

Besetzung auf, die den HSV mit 5:1 trainerlos

gemacht hatte. Vom Frankfurter Publikum nicht

eben freundlich begrüßt, in üblen Sprechchören

und mit einer gewaltigen Choreographie, die den

Hoffenheimern so dümmlich wie falsch jegliche

Tradition absprach, störte Hoffe die hessischen

Bemühungen von Beginn an äußerst effektiv. Eigentlich

hatte heute eine ungewohnt erfolgreiche

Frankfurter Saison mit diesem letzten Heimspiel

gekrönt werden sollen, das Publikum sollte regelrecht

verwöhnt werden. Nur sah es danach so gar

nicht aus, denn die Frankfurter Angriffsversuche

blieben meistens rasch in der Hoffenheimer Abwehr

stecken. Und schon ab der 10. Minute blies

Hoffenheim selber zum Angriff, ein Kopfball von

Ibisevic nach Flanke von Salihovic strich nur knapp

am Gehäuse von Fährmann vorbei.

In der 20. Minute hatten die Hessen enormen

Dusel, anders kann man es nicht sagen. Längst

lagen die Spielanteile vollständig bei den Kraichgauern,

als Schwegler aus 25 Metern einfach mal

draufhielt. Der WM-Ball segelte auf unberechenbar

schwankendem Kurs an Haas vorbei, der ihn noch

mit den Fingerspitzen berührte, und schlug zum

1:0 ein.

Allerdings nahm Hoffenheim das Heft des Handelns

gleich wieder in die Hand, erspielte sich noch

mehr Übergewicht und drohte die vermeintliche

Frankfurter Heimparty endgültig zu sprengen. Die

Hessen suchten ihr Heil darauf in einer zunehmend

harten Gangart: ein böses Foul folgte dem nächsten.

Doch es war wieder mal Hoffenheim, das

mehr gelbe Karten bekam. Die merkwürdige

Fußball-Logik, nach der die sich wehrenden Opfer

oft härter bestraft werden als die Täter, war auch

hier zu besichtigen.


EINTRACHT FRANKFURT

Fährmann, Jung, Franz, Chris, Köhler (90. M. Heller),

Clark, Schwegler (46. Teber), Ochs, Meier,

Korkmaz (56. Fenin), Hal. Altintop

1899 HOFFENHEIM

Haas, Beck, Simunic, Compper, Eichner, Weis

(77. Tagoe), Luiz Gustavo, Carlos Eduardo (84.

Vukcevic), Salihovic, Obasi (77. Maicosuel),

Ibisevic

ZUSCHAUER

50.500

TORE

1:0 Schwegler (20.)

1:1 Tagoe (81.)

1:2 Tagoe (88.)

SCHIEDSRICHTER

Aytekin (Oberasbach)

GELBE KARTEN

Schwegler

Compper, Salihovic

Bis zur Pause schaffte Frankfurt es auf äußerst

ruppige Art und Weise, den Vorsprung zu retten.

Nach der Pause war es aber um die Hessen geschehen,

die für Schwegler den verdienten Ex-

Hoffenheimer Selim Teber aufboten. Minute für

Minute stieg der Druck aufs Frankfurter Tor an,

Obasi allein hätte in den ersten 25 Minuten der

zweiten Halbzeit dreimal den Ausgleich erzielen

können. Zu diesem Zeitpunkt spendete das Publikum

der eigenen Mannschaft immer noch stehend

Applaus… Doch das fröhliche Bild sollte sich

wandeln.

In der 77. Minute nahm Trainer Rangnick einen

Doppelwechsel vor. Obasi und Weis gingen vom

Platz, es kamen Maicosuel und Tagoe. Und schon

drei Minuten später spielte Maicosuel, von Carlos

Eduardo in Szene gesetzt, einen schönen Querpass

auf Tagoe, der souverän einschob. Das Publikum,

so weit es in seiner Mehrzahl nicht zu Hoffenheim

hielt, erstarrte – ohne zu ahnen, dass es noch

schlimmer kommen würde. Zunächst nahm in der

83. Minute Carlos Eduardo für Vukcevic auf der

Bank Platz, was zu wechselnden Angriffsbildern

führte: mal gab es gefährliche Momente vor Fährmann,

mal vor Haas. Der nahm in der 88. Minute

einen Frankfurter Angriffsball auf, schlug weit ab

zu Tagoe auf rechts, der seinen Gegenspieler

düpierte und mit einem wunderbaren Lupfer den

Siegtreffer erzielte.

Die langen Gesichter seitens der Eintracht-Fans

sprachen Bände, Trainer Skibbe kochte vor Ärger,

die Eintracht-Spieler ließen die Köpfe hängen: die

große Abschluss-Party war geplatzt. Umso ausgelassener

freuten sich die Hoffenheimer mit ihren

vielen mitgereisten Fans. �

121


34. SPIELTAG | VfB Stuttgart

8. MAI 2010

1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:1

Vor diesem letzten Spieltag der Saison stand der FC Bayern München aufgrund

des uneinholbaren Torverhältnisses schon als Deutscher Meister fest. Zweiter

wurde Schalke 04 unter Erfolgstrainer Magath. Abgestiegen waren Hertha

BSC Berlin und der VfL Bochum, während Nürnberg sich im letzten Moment

noch auf den Relegationsplatz retten konnte und eine Woche später gegen

Augsburg den Klassenerhalt erkämpfte. 1899 Hoffenheim steckte unterdessen

im unteren Mittelfeld fest: nach dieser unglücklichen, durchwachsenen Saison,

von der man sich viel mehr versprochen hatte, war der abschließende elfte

Platz aber zuletzt als Erfolg zu werten. Manchen Aufsteiger ins deutsche

Oberhaus hatte es in der zweiten Saison viel böser erwischt.

122 SAISONCHRONIK 2009/10


Trotzdem waren die Folgen der aufreibenden

Saison unübersehbar. Es hatte zum ersten Mal

heftige Fanproteste gegeben, Dietmar Hopp

hatte sich nach drohenden sportlichen Aufl ösungserscheinungen

moderierend eingeschaltet,

es gab Disziplinarstrafen gegen Spieler – und viel

sichtbare, teils sogar öffentlich geäußerte Unzufriedenheit.

Die sichtbarste Folge indes war, dass

Jan Schindelmeiser, der sympathische und beliebte

Manager und Geschäftsführer, überraschend

aus seinem noch lang laufenden Vertrag aus-

schied. Die Neuigkeit machte am Abend nach

dem letzten Saisonspiel gegen Stuttgart die

Runde.

Seit Juli 2006 war Jan Schindelmeiser, von Ralf

Rangnick geholt, in Hoffenheim erfolgreich tätig

gewesen. Die beiden hatten Hoffe bis in die

Bundesliga geführt und waren 2008 Herbstmeister

geworden. „Er scheidet aus eigenem Wunsch

aus“, erklärte Dietmar Hopp. „Die atmosphärischen

Störungen sind offenbar in den Kleidern

Große Choreographie

zum Saisonabschluss

gegen

den VfB.

123


34. SPIELTAG | VfB Stuttgart

Am Ende der Saison

noch einmal

voller Einsatz und

große mannschaftlicheGeschlossenheit.

124 SAISONCHRONIK 2009/10

hängengeblieben.“ Was er damit meinte, waren

die anscheinend zuletzt angewachsenen Spannungen

zwischen Jan Schindelmeiser und Ralf

Rangnick. Der Trainer hatte eine Woche zuvor

selber noch laut über seine eigene Zukunft nachgedacht,

dabei aber betont, „keine Probleme mit

Jan“ zu haben, was menschlich gesehen zweifellos

richtig war.

Für den außenstehenden Beobachter sah es

umso mehr danach aus, als hätten sich verschiedene

Vorstellungen über die sportliche Gegenwart

und Zukunft als zunehmend unvereinbar erwiesen.

Und es gab eine weitere Lücke im Betreuerstab

zu vermelden: nach vier Jahren erklärten Team-

Arzt Dr. Pieter Beks und Sportpsychologe Hans-

Dieter Hermann, 1899 Hoffenheim zum Saisonende

zu verlassen. Außerdem war klar, dass der

Vertrag mit Torhüter Timo Hildebrand nicht verlängert

werden würde, der darum vor der Partie

offi ziell verabschiedet wurde.

Im Spiel gegen Stuttgart stand also wie zuletzt

wieder Daniel Haas zwischen den Pfosten. Für

Hoffe ging es nach Punkten um nichts mehr, der

unattraktive elfte Platz war sicher – aber dem

Publikum, das trotz aller Schwankungen die

1899 HOFFENHEIM

Haas, Beck, Simunic, Compper, Eichner, Vukcevic

(79. Groß), Luiz Gustavo, Salihovic (46.

Maicosuel), Carlos Eduardo, Ibisevic, Obasi (72.

Tagoe)

VFB STUTTGART

Lehmann, Osorio, Tasci, Delpierre, Molinaro,

Hilbert (65. Schieber), Khedira, Träsch, Kuzmanovic,

Cacau, Marica (71. Boka)

ZUSCHAUER

30.150 (ausverkauft)

TORE

0:1 Cacau (19.)

1:1 Vukcevic (44.)

SCHIEDSRICHTER

Dr. Drees (Münster-Sarmsheim)

GELBE KARTEN

Salihovic, Simunic

Molinaro, Cacau

Rhein-Neckar-Arena auch diesmal bis auf den

letzten Platz füllte, sollte noch einmal attraktiver

Fußball geboten werden. Was der Partie echte

Spannung bescherte, war, dass Stuttgart mindestens

ein Unentschieden brauchte, um in der

Euro League spielen zu können – falls Hamburg

in Bremen gewinnen würde…

Hoffenheim legte engagiert los, Stuttgart hielt

dagegen, so dass sich das Spiel rasch in leidenschaftlichen

Mittelfeldduellen aufrieb, Tormöglichkeiten

blieben die Ausnahme. Doch nach 19

Minuten kam Bewegung in die scheinbar festen

Strukturen. Marica passte auf Cacau, der den Ball

aus neun Metern mit einem Flachschuss links an

Haas vorbei im Tor unterbrachte. Das war vom

Spielverlauf her unverdient, aber auch nicht überraschend;

die Hoffenheimer Abwehr hatte im

Vorfeld mitunter nicht ganz stabil gewirkt.

Danach versuchte Hoffenheim alles, nicht noch

ein zweites Tor zu kassieren – zu oft war man in

dieser Saison zu früh 2:0 zurückgelegen. Und

Stuttgart ließ es ebenfalls ruhiger angehen, den


Schwaben genügte ja ein Unentschieden. Dadurch

wurde das Spiel langsam und phasenweise fast

uninteressant, bis gegen Ende der ersten Halbzeit

Hoffenheim noch einmal aufdrehte. In der 36.

Minute sahen die Zuschauer einen gelungenen

Doppelpass von Salihovic und Ibisevic, doch

Ibisevics schneller Antritt Richtung Tor endete in

einem abgefälschten Schuss.

Die anschließende Ecke brachte nichts ein.

Anders als in der 44. Minute, als es wieder eine

Ecke für Hoffe gab, von Salihovic getreten. Aus

dem Hintergrund warf sich Vukcevic in den Ball

und köpfte zum Ausgleich ein. Nur eine Minute

später hätte Hoffe den Schwabenexpress Richtung

Euro League fast gestoppt. Carlos Eduardo

legte den Ball wunderbar zurück auf Salihovic,

der aus der Drehung abzog, aber nur den Innenpfosten

traf. Ibisevic war leider zu überrascht,

um den scharfen Abpraller zu verwerten.

Nach der Pause kam Maicosuel für Salihovic,

der nach einer frühen gelben Karte akut gelb-rotgefährdet

war. Einstweilen änderte das am Spielverlauf

aber nichts, weil beide Mannschaften sich

wieder in vorsichtigem Abwarten gefi elen. Erst

in der 57. Minute entstand Aufregung, als Obasi

im Strafraum von Tasci gefoult wurde, aber zum

x-ten Mal in seiner Laufbahn den fälligen Elfmeter

nicht bekam. Drei Minuten darauf wühlte sich

Maicosuel durch die Stuttgarter Abwehr und

passte auf Carlos Eduardo, der den Ball an die

Querlatte knallte. Schon zum zweiten Mal verhinderte

das Aluminium den verdienten Erfolg.

Für Stuttgart hätte es nun immer brenzliger

werden können, aber die Stadiontafel zeigte an,

dass Bremen gegen Hamburg in Führung gegangen

war. Die Schwaben schalteten darum wieder

einen Gang herunter und massierten die Abwehr,

während Hoffe sich weiter um die Führung bemühte.

Obasi und Vukcevic gingen vom Platz, für

sie spielten Tagoe und Groß: ohne dass der Angriff

sichtbar davon profi tierte. Erst in der Nachspielzeit

gelang es Maicosuel, Tagoe mit einer feinen

Flanke genau auf den Kopf in Position zu bringen.

Aber der Ball fl og von Tagoes Stirn knapp über

die Querlatte, so dass es beim 1:1 blieb.

Für Stuttgart war das Ergebnis etwas schmeichelhaft.

Aber die Schwaben hatten ökonomisch

und klug agiert, sich die Bremer Schützenhilfe

zunutze gemacht und nach einer tristen Hinrunde

sogar noch den europäischen Wettbewerb erreicht.

1899 Hoffenheim gelang es stattdessen,

in einem beachtlichen Saison-Endspurt mit ansehnlichen

Spielen wie diesem die zwischenzeitlich

angewachsene Unzufriedenheit der Zuschauer

und die Unsicherheit über die sportliche

Entwicklung zu besänftigen und an den Fußball

wieder anzuknüpfen, der 1899 Hoffenheim zu

einem regelrechten Markenzeichen gemacht

hatte. Damit war die Saison zwar weit weniger

erfolgreich verlaufen, als ursprünglich gedacht,

aber man war auch um etliche Erfahrungen reicher

und hatte sich zuletzt doch tapfer geschlagen.

Anders gesagt hatte der durchmischte Bundesliga-Alltag

Einzug gehalten im Kraichgau. Denn

wo 18 Vereine in einer der anspruchsvollsten

Ligen der Welt wöchentlich um Punkte und Positionen

ringen, war der ganz große Erfolg keine

Sache, die man aus dem Ärmel schütteln konnte.

Sich hier zu bewähren und fester Bestandteil der

Liga zu werden, mit deutlichem Zug nach oben,

durfte man bei gutem Realitätssinn als den eigentlichen

Erfolg dieser Saison verbuchen – und

feiern. �

125


STATISTIK | Saison 2009/10

18. SPIELTAG

Bayern München – 1899 Hoffenheim 2 | 0

Hamburger SV – SC Freiburg 2 | 0

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 1 | 0

Hannover 96 – Hertha BSC Berlin 0 | 3

Bayer Leverkusen – 1. FSV Mainz 05 4 | 2

Bor. Mönchengladbach – VfL Bochum 1 | 2

VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg 3 | 1

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg 1 | 0

1. FC Köln – Borussia Dortmund 2 | 3

19. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – Bayer Leverkusen 0 | 3

SC Freiburg – VfB Stuttgart 0 | 1

Werder Bremen – Bayern München 2 | 3

VfL Bochum – FC Schalke 04 2 | 2

1. FSV Mainz 05 – Hannover 96 1 | 0

1. FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 1 | 1

Hertha BSC Berlin – Bor. Mönchengladbach 0 | 0

Borussia Dortmund – Hamburger SV 1 | 0

VfL Wolfsburg – 1. FC Köln 2 | 3

20. SPIELTAG

FC Schalke 04 – 1899 Hoffenheim 2 | 0

Hamburger SV – VfL Wolfsburg 1 | 1

Bor. Mönchengladbach – Werder Bremen 4 | 3

Eintracht Frankfurt – 1. FC Köln 1 | 2

Hertha BSC Berlin – VfL Bochum 0 | 0

Bayern München – 1. FSV Mainz 05 3 | 0

Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 1 | 3

VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 4 | 1

Bayer Leverkusen – SC Freiburg 3 | 1

21. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – Hannover 96 2 | 1

Werder Bremen – Hertha BSC Berlin 2 | 1

VfL Wolfsburg – Bayern München 1 | 3

1. FC Köln – Hamburger SV 3 | 3

SC Freiburg – FC Schalke 04 0 | 0

VfL Bochum – Bayer Leverkusen 1 | 1

1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart 1 | 2

1. FSV Mainz 05 – Bor. Mönchengladbach 1 | 0

Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 2 | 3

22. SPIELTAG

VfL Bochum – 1899 Hoffenheim 2 | 1

Bor. Mönchengladbach – 1. FC Nürnberg 2 | 1

Bayer Leverkusen – VfL Wolfsburg 2 | 1

VfB Stuttgart – Hamburger SV 1 | 3

Hannover 96 – Werder Bremen 1 | 5

Hertha BSC Berlin – 1. FSV Mainz 05 1 | 1

Bayern München – Borussia Dortmund 3 | 1

FC Schalke 04 – 1. FC Köln 2 | 0

Eintracht Frankfurt – SC Freiburg 2 | 1

23. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – Bor. Mönchengladbach 2 | 2

1. FC Nürnberg – Bayern München 1 | 1

1. FC Köln – VfB Stuttgart 1 | 5

Borussia Dortmund – Hannover 96 4 | 1

Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 0 | 0

1. FSV Mainz 05 – VfL Bochum 0 | 0

SC Freiburg – Hertha BSC Berlin 0 | 3

VfL Wolfsburg – FC Schalke 04 2 | 1

Werder Bremen – Bayer Leverkusen 2 | 2

126 SAISONCHRONIK 2009/10

24. SPIELTAG

Hertha BSC Berlin – 1899 Hoffenheim 0 | 2

FC Schalke 04 – Borussia Dortmund 2 | 1

1. FSV Mainz 05 – Werder Bremen 1 | 2

VfB Stuttgart – Eintracht Frankfurt 2 | 1

Bor. Mönchengladbach – SC Freiburg 1 | 1

VfL Bochum – 1. FC Nürnberg 0 | 0

Bayer Leverkusen – 1. FC Köln 0 | 0

Hannover 96 – VfL Wolfsburg 0 | 1

Bayern München – Hamburger SV 1 | 0

25. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – 1. FSV Mainz 05 0 | 1

1. FC Köln – Bayern München 1 | 1

Werder Bremen – VfB Stuttgart 2 | 2

Hamburger SV – Hertha BSC Berlin 1 | 0

Eintracht Frankfurt – FC Schalke 04 1 | 4

SC Freiburg – Hannover 96 1 | 2

VfL Wolfsburg – VfL Bochum 4 | 1

Borussia Dortmund – Bor. Mönchengladbach 3 | 0

1. FC Nürnberg – Bayer Leverkusen 3 | 2

26. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – Werder Bremen 0 | 1

FC Schalke 04 – VfB Stuttgart 2 | 1

Bor. Mönchengladbach – VfL Wolfsburg 0 | 4

VfL Bochum – Borussia Dortmund 1 | 4

1. FSV Mainz 05 – 1. FC Köln 1 | 0

Hannover 96 – Eintracht Frankfurt 2 | 1

Hertha BSC Berlin – 1. FC Nürnberg 1 | 2

Bayern München – SC Freiburg 2 | 1

Bayer Leverkusen – Hamburger SV 4 | 2

27. SPIELTAG

1. FC Nürnberg – 1899 Hoffenheim 0 | 0

1. FC Köln – Bor. Mönchengladbach 1 | 1

Eintracht Frankfurt – Bayern München 2 | 1

VfB Stuttgart – Hannover 96 2 | 0

Werder Bremen – VfL Bochum 3 | 2

SC Freiburg – 1. FSV Mainz 05 1 | 0

Borussia Dortmund – Bayer Leverkusen 3 | 0

Hamburger SV – FC Schalke 04 2 | 2

VfL Wolfsburg – Hertha BSC Berlin 1 | 5

28. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – SC Freiburg 1 | 1

VfL Bochum – Eintracht Frankfurt 1 | 2

1. FSV Mainz 05 – VfL Wolfsburg 0 | 2

Bayern München – VfB Stuttgart 1 | 2

Hertha BSC Berlin – Borussia Dortmund 0 | 0

Hannover 96 – 1. FC Köln 0 | 0

Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 4 | 2

Bayer Leverkusen – FC Schalke 04 0 | 2

Bor. Mönchengladbach – Hamburger SV 1 | 0

29. SPIELTAG

VfL Wolfsburg – 1899 Hoffenheim 4 | 0

FC Schalke 04 – Bayern München 1 | 2

Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen 3 | 2

Borussia Dortmund – Werder Bremen 2 | 1

SC Freiburg – VfL Bochum 1 | 1

VfB Stuttgart – Bor. Mönchengladbach 2 | 1

1. FC Nürnberg – 1. FSV Mainz 05 2 | 0

1. FC Köln – Hertha BSC Berlin 0 | 3

Hamburger SV – Hannover 96 0 | 0

30. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – 1. FC Köln 0 | 2

Bor. Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt 2 | 0

Hertha BSC Berlin – VfB Stuttgart 0 | 1

1. FSV Mainz 05 – Borussia Dortmund 1 | 0

Hannover 96 – FC Schalke 04 4 | 2

Werder Bremen – SC Freiburg 4 | 0

Bayer Leverkusen – Bayern München 1 | 1

VfL Bochum – Hamburger SV 1 | 2

1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 0 | 2

31. SPIELTAG

Borussia Dortmund – 1899 Hoffenheim 1 | 1

1. FC Köln – VfL Bochum 2 | 0

VfB Stuttgart – Bayer Leverkusen 2 | 1

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 2 | 4

FC Schalke 04 – Bor. Mönchengladbach 3 | 1

Hamburger SV – 1. FSV Mainz 05 0 | 1

SC Freiburg – 1. FC Nürnberg 2 |1

Bayern München – Hannover 96 7 | 0

Eintracht Frankfurt – Hertha BSC Berlin 2 | 2

32. SPIELTAG

1899 Hoffenheim – Hamburger SV 5 | 1

VfL Bochum – VfB Stuttgart 0 | 2

Bor. Mönchengladbach – Bayern München 1 | 1

1. FC Nürnberg – Borussia Dortmund 2 | 3

Hertha BSC Berlin – FC Schalke 04 0 | 1

Bayer Leverkusen – Hannover 96 3 | 0

1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 3 | 3

Werder Bremen – 1. FC Köln 1 | 0

SC Freiburg – VfL Wolfsburg 1 | 0

33. SPIELTAG

Eintracht Frankfurt – 1899 Hoffenheim 1 | 2

Borussia Dortmund – VfL Wolfsburg 1 | 1

Bayer Leverkusen – Hertha BSC Berlin 1 | 1

FC Schalke 04 – Werder Bremen 0 | 2

Bayern München – VfL Bochum 3 | 1

Hannover 96 – Bor. Mönchengladbach 6 | 1

1. FC Köln – SC Freiburg 2 | 2

VfB Stuttgart – 1. FSV Mainz 05 2 | 2

Hamburger SV – 1. FC Nürnberg 4 | 0

34. SPIELTAG | 08.05.2010 | 15:30

1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 1|1

Hertha BSC Berlin – Bayern München 1|3

Werder Bremen – Hamburger SV 1|1

SC Freiburg – Borussia Dortmund 3|1

1. FSV Mainz 05 – FC Schalke 04 0|0

Bor. Mönchengladbach – Bayer Leverkusen 1|1

VfL Bochum – Hannover 96 0|3

1. FC Nürnberg – 1. FC Köln 1|0

VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 3|1


TOR

VERTEIDIGUNG

MITTELFELD

ANGRIFF

P Verein SP G U V T P

1.

FC Bayern München 34 20 10 4 72:31 70

2. FC Schalke 04 34 19 8 7 53:31 65

3. Werder Bremen 34 17 10 7 71:40 61

4. Bayer 04 Leverkusen 34 15 14 5 65:38 59

5. Borussia Dortmund 34 16 9 9 54:42 57

6. VfB Stuttgart 34 15 10 9 51:41 55

7. Hamburger SV 34 13 13 8 56:41 52

8. VfL Wolfsburg 34 14 8 12 64:58 50

9. 1. FSV Mainz 05 34 12 11 11 36:42 47

10. Eintracht Frankfurt 34 12 10 12 47:54 46

11. 1899 Hoffenheim 34 11 9 14 44:42 42

12. Borussia Mönchengladbach 34 10 9 15 43:60 39

13. 1. FC Köln 34 9 11 14 33:42 38

14. SC Freiburg 34 9 8 17 35:59 35

15. Hannover 96 34 9 6 19 43:67 33

16. 1. FC Nürnberg 34 8 7 19 32:58 31

17. VfL Bochum 34 6 10 18 33:64 28

18. Hertha BSC Berlin 34 5 9 20 34:56 24

Nr. Name BL–Einsätze Spielminuten Eingew. Ausgew.

TORJÄGER TORE

1 Edin Dzeko VfL Wolfsburg 22

2 Stefan Kießling Bayer 04 Leverkusen 21

3 Lucas Barrios Borussia Dortmund 19

4 Kevin Kuranyi FC Schalke 04 18

5 Claudio Pizarro Werder Bremen 16

Arjen Robben FC Bayern München 16

7 Cacau VfB Stuttgart 13

Thomas Müller FC Bayern München 13

9 Vedad Ibisevic 1899 Hoffenheim 12

Albert Bunjaku 1. FC Nürnberg 12

Eren Derdiyok Bayer 04 Leverkusen 12

12 Grafi te VfL Wolfsburg 11

Ivica Olic FC Bayern München 11

14 Aristide Bancé FSV Mainz 05 10

Mario Gomez FC Bayern München 10

Ciprian Marica VfB Stuttgart 10

1 Daniel Haas 6 540 – – – – – 1 –

27 Ramacan Özcan – – – – – – – – –

28 Timo Hildebrand 28 2520 – – 1 – – – –

30 Jens Grahl – – – – – – – – –

2 Andreas Beck 25 2073 1 3 3 – – 2 –

3 Matthias Jaissle – – – – – – – – –

5 Marvin Compper 32 2737 – 4 3 – – 1 1

8 Christian Eichner 25 1858 3 5 4 – – 2 1

14 Josip Simunic 31 2720 – 2 13 – – 1 1

22 Jukka Raitala 2 97 1 1 – – – – –

24 Per Nilsson 8 419 3 3 3 – – – –

25 Isaac Vorsah 16 1009 5 4 3 – – – –

26 Andreas Ibertsberger 23 1970 – 6 5 – – 1 1

35 Kevin Conrad – – – – – – – – –

37 Manuel Gulde 6 257 4 1 – – – – –

10 Carlos Eduardo 33 2748 1 10 – – – 8 5

17 Tobias Weis 15 967 4 5 1 – – – –

21 Luiz Gustavo 27 2130 1 8 4 1 1 – –

23 Sejad Salihovic 32 2825 1 1 13 – – 4 4

34 Boris Vukcevic 28 918 22 3 2 – – 2 1

36 Franco Zuculini 7 241 5 2 – – – – 1

39 Pascal Groß 1 11 1 – – – – – –

7 Maicosuel 27 1597 10 7 1 – 1 1 3

9 Demba Ba 17 1206 5 5 3 – – 1 5

11 Marco Terrazzino 8 89 8 – – – – 1 –

12 Wellington 1 16 1 – – – – – –

18 Prince Tagoe 12 310 11 1 – – – – 2

19 Vedad Ibisevic 34 2578 4 14 4 – – 3 12

20 Chinedu Obasi 23 1742 2 10 3 – – 2 7

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SAISONCHRONIK 2009/10

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