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Justizia am Spielfeldrand

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Eine Spielerlaubnis

schützt vor Strafe nicht

Was sich hinter diesem Titel verbirgt, erklärt nachfolgend Ralf Serra, Leiter der NFV-Passstelle

Welcher Verein meint, durch eine

erteilte Spielerlaubnis und einen

vorliegenden Spielerpass einen

Spieler ohne Bedenken und risikolos einsetzen

zu können, kann sich täuschen.

In einem aktuellen Fall wurde für

einen Spieler im Rahmen des Vereinswechsels

vom abgebenden Verein ein Spielerpass

vorgelegt, der nicht das letzte Pflichtspiel

beinhaltete. Aufgrund dieser fehlenden

Angabe erteilte die Verbandspassstelle

die Spielerlaubnis ordnungsgemäß zum

1. Januar.

Diese Spielerlaubnis sollte deshalb

korrigiert werden, weil der Spieler seit

mehr als sechs Monaten nicht mehr am

Spielbetrieb teilgenommen hatte. Der Fußballer

selbst legte dem alten Verein ein vorformuliertes

Schreiben vor, in dem er als

letztes Pflichtspiel den 1. Mai eintrug. Der

alte Verein konnte sich aber erinnern, dass

Rassistische Äußerungen in Zusammenhang

mit Fußballspielen sind leider keine

Seltenheit. Auch im Eifer des Gefechts

haben Aussagen dieser Art auf dem

Fußballplatz nichts zu suchen. Das Verbandssportgericht

unter Vorsitz von

Johannes Budde (Barßel) musste sich mit

diesem unerfreulichen Thema befassen.

Stellvertretend Auszüge aus dem Urteil,

das zur Besinnung aufrufen soll.

Verbale Entgleisungen auf Fußballplätzen

landen längst nicht alle vor dem

Sportgericht. Aber wenn der Umgangston

eine Schärfe annimmt, die nicht

zu entschuldigen ist, muss gehandelt werden.

Wegen rassistischer Äußerungen hat

das Verbandssportgericht des Niedersächsischen

Fußballverbandes (VSG) unter Vorsitz

von Johannes Budde (Barßel) in Barsinghausen

zwei Spieler zu einer Sperre von drei

Monaten verurteilt. Dieser Fall landete vor

dem Verbandssportgericht, weil ein Journalist

über die Rassismusvorwürfe geschrieben

hatte. Ein Fußballfunktionär meldete diesen

Vorgang nach Barsinghausen und so nahmen

die Dinge ihren Lauf.

Die beiden Fußballer sollen in einem

Spiel einen Gegenspieler unter anderem mit

den Sätzen beleidigt haben: „Verpiss dich,

du schwarzes Schwein. Aus welchem Zoo

haben sie Dich raus gelassen. In unserem

Februar 2013

der Spieler nicht am 1. Mai, sondern

am 1. Juni eingesetzt worden ist und

berichtigte handschriftlich das Datum.

Die Verbandspassstelle erfasste

jedoch fälschlicherweise das

Datum des 1. Mai und erteilte dem

Spieler eine sofortige Spielerlaubnis.

Daraufhin wurde er von seinem

Verein im nächsten Pflichtspiel eingesetzt.

Aber durfte der

Verein das auch?

In seiner jetzt getroffenen Entscheidung

hat das Verbandssportgericht die

Auffassung vertreten, dass Verein und

Spieler wissen und erkennen konnten und

die von der Verbandspassstelle erteilte

Spielerlaubnis falsch war.

Land hast Du nichts zu suchen.“ Der

Schiedsrichter hatte nichts gehört und deshalb

auch keine Eintragung im Spielbericht

vorgenommen. Wegen einer weiteren Äußerung,

die keinen rassistischen Hintergrund

hatte, wurden die beiden Fußballer zudem

mit einer Geldstrafe in Höhe von 125 Euro

belegt. Während einer der beiden Spieler die

Äußerungen eingeräumt hatte, bestritt sein

Kollege die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Die Kosten des Verfahrens in Höhe von

530 Euro trugen je zur Hälfte die beiden

Fußballer. Die Staatsanwaltschaft hatte auf

Grund der Medienberichte ein

Ermittlungsverfahren eingeleitet.

(Urteil-Nr. Az: 12-2011/2012)


Die Vereinswechselbestimmungen

der Spielordnung müssten den Vereinen

bekannt sein. Vereinswechsel in

den Wechselperioden gehörten zum

Alltagsgeschäft eines jeden Vereins.

Beleg dafür, dass dem Antragsteller

die Wechselbestimmungen genau

bekannt gewesen sein müssten ist:

Der Verein hat eine Verkürzung der

ursprünglichen Wartefrist bei der Verbandspassstelle

beantragt.

Deshalb kann laut Urteil kein

Vertrauensschutz im Hinblick auf die

Wirksamkeit der erteilten Spielerlaubnis

hergeleitet werden. Der Verein hätte

den Irrtum der Verbandspassstelle erkennen

können und müssen.

Der betroffene Verein hat noch die

Möglichkeit, ein Rechtsmittel gegen diese

Entscheidung einzulegen.

Aktenzeichen: VSG 16-2012/2013

Drei Monate Sperre für

rassistische Äußerungen

Urteile des Niedersächsischen Verbandssportgericht –

Zusammengefasst von REINER KRAMER

In einem anderen schriftlichen Verfahren

wurde ein Oberligaspieler ebenfalls

zu einer Sperre von drei Monaten

verurteilt. Dieser hatte bei einem Hallenturnier

in Alfeld den Schiedsrichter

mit den Worten „Du Nazischwein“,

aufs Übelste beleidigt. Auf Anfrage des

Sportgerichts räumte der Fußballer ein,

vorrübergehend die Kontrolle über sich

selbst verloren zu haben. Ein Mitspieler

von ihm soll den Unparteiischen mit

dem Satz „Ich warte draußen auf

Dich, man sieht sich immer zwei Mal,

Du Arsch“, verbal angegriffen haben.

Dafür verurteilte ihn das Verbandssportgericht

mit einer Sperre von sechs

Wochen.

In der Urteilsbegründung heißt es

unter anderem, dass die Bezeichnung

„Du Nazi“ ein diskriminierendes Verhalten

darstellt. Der Strafrahmen sieht für

ein derartiges Verhalten eine Sperre bis

zu einem Jahr, eventuell den Antrag

auf Ausschluss aus dem Verband bzw.

eine Geldstrafe bis zu 5.000 Euro vor.

Das Verbandssportgericht wertete den

Nazispruch des Langenhagener Fußballers

mit der Aussage, dass damit die

Schwelle der Geringfügigkeit erheblich

überschritten worden sei. Eine Sperre

von drei Monaten sei nicht nur angemessen,

sondern unbedingt erforderlich.

(Urteil-Nr. Az: 04.2011/2012)

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