Schlüssiges Gesamtkonzept - Rubble Master HMH GmbH

rubblemaster

Schlüssiges Gesamtkonzept - Rubble Master HMH GmbH

objekt Neues Headquarter

Schlüssiges

Gesamtkonzept

Mit den von ihr erzeugten kompakten Hochleistungsbrechern und

Sieben hat sich die in der Nähe von Linz ansässige Firma Rubble

Master im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Als Konsequenz des wirtschaftlichen Erfolges wurde die Firmenzentrale

in den letzten Jahren zu einem echten Headquarter erweitert.

Das Ergebnis überzeugt hinsichtlich Architektur- bzw.

Energiekonzept, bietet in mehrfacher Hinsicht interessante Perspektiven

und ist die schlüssige Umsetzung einer auf Mitarbeitermotivation

und -verantwortung basierenden Unternehmenskultur.

Die bestehende Zentrale (im Bild

ganz rechts) wurde umfangreich

erweitert.

Wirtschaftlicher Erfolg hat

immer auch etwas mit Weitblick zu

tun. Anfang der 1990er Jahre auf Recycling-Technik

zu setzen – konkret

auf die wirtschaftliche Aufbereitung

von Baurestmassen und Naturstein

vor Ort zu hochwertigen Recyclingbaustoffen

– war zweifellos ein mutiger

und riskanter Schritt. Rückblickend

betrachtet setzte der Unternehmer

Gerald Hanisch aber auf das richtige

Pferd: Die von ihm 1991 als Ein-

Mann-Betrieb in Linz-Urfahr gegründete

HMH Engineering-Consulting-

Trading GmbH (jetzt „RUBBLE MA-

STER HMH GmbH“, deren Geschäftsführer

er heute ist) gilt inzwischen als

4 | bm 1 2010 www.bm-online.at

Weltmarktführer für kompakte Recyclinganlagen.

Seit 1998 ist das Unternehmen

auch im nordamerikanischen

Raum präsent und etablierte darüber

hinaus im Lauf der Jahre Tochterunternehmen

in Italien, Großbritannien

und der Slowakei sowie ein weltweites

Netzwerk von Vertriebspartnern.

Unterbrochen wurde die erfolgreiche

Entwicklung im letzten Jahr allerdings

durch die Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise.

Wie in der gesamten Baumaschinenbranche

sah man sich auch

bei Rubbel Master nach dem Rekordjahr

2008 mit spürbaren Auftragsrückgängen

konfrontiert. Vor diesem Hin-

tergrund kommt dem Mitte 2009 bezogenen

neue Headquarter eine besondere

Bedeutung zu, symbolisiert

es doch für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

das von Gerald Hanisch

vorgelebte Motto: „Wir werden gestärkt

aus der Krise gehen!“

bau

magazin

z

Fotos: RUBBLE MASTER HMH GmbH


Fotos: Fotocredit

Bildtext

Gerald Hanisch, Geschäftsfüher Rubble Master

HMH GmbH: „Mit einer anderen Unternehmenskultur

wäre das Headquarter sicher anders gebaut worden.“

bau

magazin

z

Einfamilienhaus-Konzepte objekt

www.bm-online.at bm 1 2010 | 5


objekt Neues Headquarter

Gerald Hanisch

mit dem

erfolgreichen

Hochleistungsbrecher

RM100.

Hightech aus Oberösterreich

Mit den mobilen, kompakten Brechern

und Siebanlagen aus eigener Erzeugung

wurde Recycling neu definiert:

Materialien wie Asphalt, Beton, Bauschutt

und Naturstein können direkt

vor Ort wirtschaftlich zu CE-zertifizierten

Körnungen aufbereitet werden.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig:

Neben Autobahnbaustellen, wo sie

helfen den aufgefrästen Asphalt aufzubereiten,

kommen Produkte der

Firma Rubble Master auch bei Hochbauprojekten

(beispielsweise beim

Abbruch des Wiener Südbahnhofes)

zum Einsatz. Das umfassende RM-

Enviro-Konzept erlaubt den anrainerfreundlichen

Betrieb sogar auf Innenstadtbaustellen,

die hohe Güte sogar

die sofortige Wiederverwendung des

Materials auf der Baustelle.

Hinsichtlich der Produktpalette wurde

der bereits bestens eingeführte

kompakte Hochleistungsbrecher

RM100 im letzten Jahr durch den

„RM70 GO!“ erweitert – ein Modell,

das sich im günstigen Ein-Mann-Betrieb

vor allem an Recycling Einsteiger

unter den Kunden aus den Bau-, Abbruch-

und Transportbereichen richtet.

Weitere Neuheiten sind für die

Weltleitmesse bauma im April in

München angekündigt.

Aufgabenstellungen an den Entwurf

Den Ausgangspunkt für die Planungen

des neuen Headquarters bildete jenes

Service Center, das die Firma Rubble

Master im Jahr 2004 im Gewerbegebiet

„Im Südpark“ bei Linz eröffnete und

das auch die Firmenzentrale bildete.

6 | bm 1 2010 www.bm-online.at

Die Rampe ist ein zentrales

Element des Entwurfes und

ermöglicht Besuchern Einblicke

in die Produktion.

Aufgrund der ausgesprochen erfolgreichen

Folgejahre entschloss sich

Gerald Hanisch dazu, den Standort zu

einem echten Headquarter zu erweitern

und beauftragte die in Linz ansässigen

x architekten mit der Entwicklung

eines neuen Gesamtkonzeptes.

In den eigentlichen Entwurf brachte

sich der Bauherr weniger mit konkreten

Gestaltungsideen ein, als viel-

mehr mit Zielvorgaben: So sollte sich

die von Transparenz und Offenheit

geprägte Unternehmenskultur ebenso

in der Architektur widerspiegeln, wie

das Kerngeschäft Recycling. Weiters

sollten Produktion und Office so weit

als möglich zusammengeführt werden

und das zentrale Produkt von Rubble

Master, die Hochleistungsbrecher, im

Zuge der Erschließung für den Besucher

erlebbar werden.

Unter diesen Aspekten lautete die

konkrete Aufgabenstellung, das vorhandene

Service-Center mit einem

Bürokomplex in Passivhaus-Bauweise

zu ergänzen bzw. mit einer neuen

Montagehalle mit modernster Fließfertigung

in Niedrigenergie-Bauweise

im Sinne eines Gesamtkonzeptes zu

verbinden.

Den Prozess der Konzeptfindung beurteilt

Architektin DI Bettina Brunner

von x architekten rückblickend so:

„Diese Phase war sehr intensiv. Ganz

wesentlich war die Beschäftigung mit

Fotocredit

dem produzierten Produkt und den

Stärken von Rubble Master. Einerseits Fotos:

bau

magazin

z


Fotos: Fotocredit

war die Einsehbarkeit in die Montagehalle

und das Zeigen dessen, was Tag

für Tag passiert, die ,Show‘. Der Weg

nach oben in Form einer räumlichen

Rampe war zentrales Element der Entwurfsidee

und lehnt sich auch an das

produzierte Produkt an. Es ist nicht

die Strategie jeder Firma, Besucher

oder Kunden in ihren Kernbereich,

die Produktion, blicken zu lassen. Am

wichtigsten war dem Bauherren, die

räumliche Distanz von Produktion

(Halle) und Konstruktion (Büro) zu

reduzieren – deswegen auch die besondere

räumliche Inszenierung an

dieser Stelle. Die Auseinandersetzung

mit dem Bauherren war aber auch wegen

des vorhandenen Bestandsgebäudes

eine sehr intensive.“

Das Konzept im Detail

Aus planerischer Sicht lag die Herausforderung

vor allem in der Konstruktion

von wärmebrückenfreien Detaillösungen.

Bei Baukörpern dieser Größe

ist der Einsatz von Standard-Detaillösungen

laut Wärmebrückenkatalog

bau

magazin

z

meist nicht möglich. Auch das Thema

Luftdichtheit spielte eine zentrale

Rolle – vor allem bei den Anschlüssen

der Fassaden und der Trennung des

Baukörpers Bürozubau zu den Montagehallen.

Bei der Materialauswahl

wiederum setzte man bewusst auf Reduktion:

❚ Stahl wählte man für die Konstruktion

bzw. Fassade der Produktionshalle,

❚ Stahlbeton, optisch dominant eingesetzt

als Sichtbeton im Bereich der

Büros, greift das Kerngeschäft von

Rubble Master auf.

Im Rahmen der Bürogestaltung wurde

vor allem auf Flexibilität geachtet: In

diesem Sinne wählte man einen Säulenraster,

der viele Möglichkeiten eröffnet,

versetzbare Glastrennwände,

Doppelböden und in den Gängen

transluzente abgehängte Decken mit

direkter Erreichbarkeit der gesamten

Decke – d. h. die gesamte abgehängte

Decke kann abgeschraubt und jeder

Bereich geöffnet werden. In den Büros

wurden alle Kästen und in den Gän-

Neues Headquarter objekt

Im Officebereich greift Sichtbeton die Kernkompetenz

des Unternehmens auf.

gen die Begleitwände und Stauräume

mit schallschluckenden Platten verkleidet,

die zementgebunden und mit

der Materialität des Betons verwandt

sind. In der Gestaltung vorherrschend

sind die zwei Farben Anthrazitgrau

und Gelb – abgeleitet vom CI der Firma.

Ein wesentlicher Punkt für die letztlich

gewählten Varianten war eine im

Vorfeld durchgeführte Mitarbeiterbefragung,

in der vor allem der Wunsch

nach Transparenz deutlich wurde.

Wärmepumpe und Bauteilaktivierung

Als Haustechnikkonzept wurde eine

reversible Wasser/Wasser Wärmepumpe

für Heiz- und Kühlbetrieb umgesetzt.

Die Wärme- bzw. Kälteabgabe

erfolgt mittels TABs (Thermo Aktive

Bauteile). Weiters ist eine kontrollierte

Be- und Entlüftungsanlage mit hocheffizienter,

passivhaustauglicher Wärmerückgewinnung

integriert. Über die

Gebäudeleittechnik sind die einzelnen

Komponenten miteinander verbunden

bzw. kommunizieren untereinander.

Die entsprechenden Verbräuche

werden aufgezeichnet.

Lichtkonzept

Tageslicht: Als wesentlicher Bestandteil

der Tagesbelichtung wurden in

der Montage- und Inbetriebnahmehalle

bzw. im Bereich Foyer/Luftraum im

Büro 60° Nordsheds eingebaut. In der

Nordwand der Hallen ist zusätzlich

eine 4,25 m hohe Fassadenverglasung

www.bm-online.at bm 1 2010 | 7


objekt Neues Headquarter

Zentralbereich in der Rohbauphase: Die Nordsheds sind

ein wichtiger Faktor in der natürlichen Belichtung.

im oberen Bereich berücksichtigt. Damit

wird über den Großteil des Jahres

diffuses, schattenfreies Nordlicht in

die Räume gebracht. Das für Überhitzung

und visuelle Störungen (Blendung,

Schatten …) verantwortliche

Sonnenlicht wird damit weitestgehend

(ausgenommen in den Sommermonaten,

in der Früh und am Abend)

ausgeblendet.

Kunstlichtkonzept: In den Hallen

wurden Lichtbänder mit tief strahlenden

Reflektoren verwendet. Im

Bürogebäude sind in den Allgemeinbereichen

und Gängen eine hinterleuchtete

Kunststoffstegplatte, in den

Büros kombinierte indirekt/direkt

strahlende Hängeleuchten und in

den Bürosheds Werfer-Spiegelsysteme

installiert. Zur visuellen Führung

vom Empfangsbereich im EG bis

in das 2. OG sind entlang der verglasten

Rampe durchgehende Lichtlinien

angebracht.

Für die Optimierung des Energiebedarfs

der künstlichen Beleuchtung

wurde eine intelligente tageslichtabhängige

Steuerung für das gesamte

Gebäude installiert. Mittels Tageslichtmesskopf

werden die Himmelszustände

erfasst und die Innenraumbeleuchtung

automatisch auf das

optimale Gesamtlichtniveau geregelt.

8 | bm 1 2010 www.bm-online.at

Als Teil des energetisch anspruchsvollen Gesamtkonzeptes wurde auch

die Produktionshalle in Niedrigenergiebauweise errichtet.

Verschattung

Die vorhandenen Lamellen und deren

Funktionsweise wurden eingehend

geprüft und sind für den Neubau in

ihrer Dichte, Stellung zur Sonne und

Steuerung optimiert worden. Die Anlage

wird erst im Frühjahr in Betrieb

genommen.

Als besondere Herausforderung galt

es, die bereits bestehende Lamellenverschattung

vom Bestand optisch in

den Neubau zu verlängern. Zur Optimierung

der gewählten Verschattung

wurde eine Strahlenganganalyse des

Tageslichts und Simulationsberechnung

unterschiedlicher Varianten des

TQ Verlaufs durchgeführt (Anmerkung:

TQ = Tageslicht-Quotient, beschreibt

das Verhältnis der Innenbeleuchtungsstärke

zur Außenbeleuchtungsstärke

des diffusen Himmels –

ohne Sonne – in Prozent). Aufgrund

der Berechnungen wird durch eine

45° Neigung der Lamellen nach außen

ein Verbesserung des Tageslichteintrags

und damit eine Verschiebung des

TQ-Kurvenverlaufs in die Raumtiefe

erzielt.

bAUtAFeL

Die Verschattungsanlage wurde ebenfalls

in die intelligente Tageslichtsteuerung

eingebunden um auch hier den

zusätzlich erforderlichen Energiebedarf

für das Kunstlicht zu optimieren.

Glas- oder Fassadenkonstruktion

Die Verglasung der Rampe mit EI 30

Eigenschaft war eine besondere technische

und finanzielle Herausforderung.

Diese Verglasung kommt weitestgehend

ohne Profile aus und ist

aus mehrschichtigem Glas zu einem

brandhemmenden Glaselement zusammengefasst.

Die Glasfassade entspricht

einer Passivhausfassade mit

Gläsern und einem Ug-Wert von

0,7 W/m 2 K und einem gesamten

Uf-Wert von 0,9 W/m 2 K.

Auch hier entspricht die gelbe Rodaluxfassade

gestalterisch dem Firmen-

CI und soll andererseits den Hof zwischen

Sozialgebäude und Büro zu

einem positiv aufgeladenen Innenhof

machen, der den Mitarbeitern und

Mitarbeiterinnen bzw. den angrenzenden

Räumen zugute kommt.

Projekt Rubble Master HMH GmbH Headquarter

bauherr RUBBLE MASTER HMH GmbH, Linz

architektur, innenarchitektur x architekten ZT KEG, Linz, www.xarchitekten.com

Statik Wernly, Wischenbart & Partner, Linz

hauStechnikplanung S&P, Ohlsdorf

klimaengineering E Plus, Egg

elektroplanung, lichttechnik Ideee Hintersteiner, Bad Kreuzen

kulturtechnik, WaSSerrecht Machowetz & Partner, Linz

bodengutachten, geologie Geotechnik Tauchmann, Thalheim

Örtliche bauaufSicht Büro Ing. Peterstorfer, Wels

bau

magazin

z

Fotos: Fotocredit


Fotos: Fotocredit

Montage der Glaskonstruktion an der Fassade. Diese ist auch

durch die vorgelagerte Lamellenverschattung geprägt.

Brandschutz

Es wurde ein zukunftsweisendes

Brandschutzkonzept umgesetzt, das

auch das Bestandsgebäude bestmöglich

einbindet. Ein eigenes Fluchtstiegenhaus

führt durch alle Geschosse.

Dieses führt auch aufs Dach, wo ebenso

Freiraumnutzungen stattfinden

sollten. Die Umsetzung der Rampenverglasung

mit einer extrem hochwertigen

Brandschutzverglasung ermög-

bau

magazin

z

licht erst den differenzierten und

komplexen Innenraum des Gebäudes.

Fazit: Sowohl die aufsehenerregende

Einbindung des Gebäudes in verschiedene

Kulturaktivitäten von „Linz09“,

als auch die positiven Reaktionen der

internationalen Geschäftspartner bestätigen

Gerald Hanisch in seinen Entscheidungen

für dieses anspruchs-

Rascher Baufortschritt: Montage der Stahlkonstruktion

im Produktionsbereich

Neues Headquarter objekt

volle Gesamtkonzept. Wie sich die

Redaktion im Rahmen der Besichtigung

darüber hinaus überzeugen

konnte, ist das Team von Rubble Master

für die vor der Tür stehende Weltleitmesse

bauma – nicht zuletzt durch

die optimierten Rahmenbedingungen

im neuen Gebäude – bestens gerüstet

und entsprechend motiviert, an die

gewohnten wirtschaftlichen Erfolge

anzuknüpfen.

www.bm-online.at bm 1 2010 | 9

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine