Monumenta Germaniae historica. Scriptorum qui vernacula lingua ...

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Monumenta Germaniae historica. Scriptorum qui vernacula lingua ...

l"^7)


MONVMENTA

(H

GERMANIAE

HISTORICA

INDE AB ANNO CHRISTI QVINGENTESIMO

VSQVE AD ANNVM MILLESIMVM

ET QAaNGENTESIMVM

EDIDIT

SOCIETAS APERIENDIS FONTIBVS

RERVM GERMANICARVM MEDII AEVI.

D


DEUTSCIIE

CHRONTKEN

UND

ANDERE GESCHICIITSr>CCHER

DES MITTELALTERS

HERAUSGEGEBEN

VON DER

GESELLSCHAFT FUR ALTERE DEUTSCHE GESCHICHTSKUNDE.

ERSTER BAND.

DEUTSCHE KAISERCHRONIK. TRIERER SILVESTER.

ANNOLIED.

HANNOVER

HAHNSCHE BUCHHANDLUNG

1895.


DO

2

ms3

t.i

HANNOVEU. l>KrCK VON rKIEDRICH CULEMANN.


yyie schon von G. Waitz in der vorrede zu dem zwelten bande der

Deutschen chroniken angedeutet worden, veranlasste eine erweiterung des

ursprunglichen planes, dass erst nach dem zweiten dieser erste in angriff ge-

nommen werden konnte. Und zwar sollte er anfauglich ausgefilllt werden

durch die von herrn professor Roediger hierselbst zu bearbeitende Kaiser-

chronik und durch Enikels Furstenbuch, welches herr professor Phil. Strauch,

damals in Tilbingen, Ubernommeu hatte. Jn beiden beziehungen trat eine

anderung ein, indem einerseits herr professor Roediger nach einigen jahren

der vorarbeit auf seine aufgabe zu gunsten des herrn pjrofessors Edw. Schroder

verzichtete, andrerseits beschlossen wurde, dem Furstenbuche Enikels die umfang-

reiche Weltchronik desselben vorangehen zu lassen. Hierdurch wurde fUr die

luerke Jans Enikels ein eigener, sogar sehr starker band, der dritte in der

reihe, erforderlich, der augenblicklich seiner vollendung entgegen geht. Die

von Schroder ubernommene Kaiserchronik mit ihren fortsetzungen konnte nach

manchen unverhofften zdgemmgen und zwischenfallen, uber welche der heraus-


VI

qeber, jetzt professor in Marburg, in seiner vorrede sich bereits selbst geaussert

hat, im jahre 1892 als erste abteilung des bandes erscheinen. Zur bessern

abrundung desselben inu-sste es sich jedoch lebhaft empfehlen^ diesem haupt-

stiicke noch einige weitere veinvandte stilcke hinzuzufugen. So kam es, dass

unter ablehnung andrer vorschlage zuletzt zioei rait der Kaiserchronik unmittel-

bar zusammenhangende dichtungen gewahlt wurden, fur deren geringen histo-

rischen gehalt das sprachliche und literarhistomsche interesse, tuelches sie ein-

0ssen, als entschcidigung gelten mag. Wdhrend das Trierer SilvesterbruchstUck

durch herrn dr. Kraus in Wien rasch erledigt wurde, gelangte auch das Anno-

lied, filr icelches hei^r professor Roediger ebenso ivie die frUheren herausgeber

nur den ersten druck desselben zu grunde legen konnte, nach mehr als vier-

jdhriger vorbei^eitung in diesem sommer zum abschluss. Hierdurch geschah

es, dass nicht bloss der zweite, sondern nun auch der funfte (doppel)band,

Ottokars Reimchronik, dem ersten in der zeitfolge vorangiengen. So aber, wie

er nun endlich vorliegt, aus den hdnden bewdhrter germanisten mit reichlicher

erlduterung hervorgehend, wird er den deutschen sprachgelehrten hoffentlich

eine besonders luillkommene gabe sein.

Gegen den luille^i des leiters durch ein unliebsames versehen der druckerrei,

welches ich zu entschuldigen bitte, hat die ziveite jetzt vollendete abteilung des

ersten bandes eine besondere seitenzdhlung erhalten.

Berlin, den 6. October 1895,

E. DUMMLER.


DIE

KAISEKCIIUOMK

EINES

REGEiNSBURGER GEISTLlCHEiN

HERAUSGEGEBEN

VON

EDAVAED SCHIIODER.

MIT 1 HANDSCHRIFTENTAFEL.

HANNOVER

HAHNSCHE BUCHH AND LUNG

1892.


HANNOVER. DRUCK VON FRIEDRICH CULEMANN.


KAISEPvCIlROMK

E1N1


2

KAISEKCIIRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

des (Mnit^ aufforderte, niihev zu trcfen. In umfassender iceise nalim diesen plan dann

Ilans Ferdinand Massmann auf , angeregt tuol diirch die patriotischen hestrebnngen

der jungen gesellschaft fiir dltere deutsche geschichtskunde, deren Archiv schon

in seinen ersten jahrgangen auch wiederholte himoeise aif hss. unserer chronik brachte^.

Den ausqangspunkt fiir seine beschdftigung mit der Kaiserchronik, die recht eigentlich f,

dic arbeit seines lehens wurde, bildete die hekanntschnft mit der Wolfenhutteler misch-

handschrift 3 im j. 1824. Unterm 11 . fehruar 1825 liess er in Heidelherg, wo er sich

ehen mit der dortigen hs. beschdftigte, eine erste ankiindigung seiner ausgahe drucken:

er gnh darin eine iihersicht iiher den inhalt des loerkes und ein verzeichnis der ihm

bis dahin hekannt geu-ordenen hss. und fragmente. Erneuert lourde diese ankiindigtmg lo

von Miinchen aus am \. januar 1S21 ^, aher noch jahre lang stellte er die gedidd der

altertumsfreunde auf die probe , so hesonders die des raschfertigen Hoffmann von

Falle rslehen , der bereits 1824 die Heidelherger hs. ahgeschriehen und dadiirch das

werk loenigstens dem engern kreise seiner norddeutschen freunde zugdnglich gemacht

hatte. Ausziige aus dieser und ein neues verzeichnis der iihrigen ihm hekannten hss. 15

gah Hoffmann von FallersJehen dann 1830 im 1. bande seiner Fundgruhen*, wo er

auch bereits richtiger als spdter Massmann und Lachmann iiber das verhdltnis der

chronik zum Annoliede wteilte^. Den ersten versuch einer chronologischenbestimmung

des werkes machte 1833 Lachmann^ : er mislang, weil er sich auf einen spdfer als

zusafz erkannten vers der Heidelberger hs. stiitzte. Zu gleicher zeit aher wies er ' a7(f 20

den compilatorischen charakter des ganzen hin und zeigfe, dass er den sichersten ausgangspunkt

der hohern kritik, das gedicht von Crescentia, hereits herausgefunden hatte.

Uher Massmanns arheiten, die sich auf alles gedruckte imd ungedruckte, das

nur in der entferntesten beziehung zur Kaiserchronik stand, ausdehnten, kam das jahr

1843 heran. Massmanns ausgahe des Eraclius hatte den wunsch nach dem besitz der 25

Kaiserchronik noch verstdrkt. Das interesse, welches die von Karl Roth^ edierten

fragmente einer dltern (^) und einer jiingern hs. (19) hdtten erregen kijnnen, frat zn-

riick vor dem fiir unsere ganze dltere Uteraturgeschichte so hedeutnngsvoUenfunde der

Voraver hs. 1, den Joseph Diemer im. j. 1841 gemacht hatfe'^ und der zwei jahre

spdter auch Massmann zu gute knm. Von der hierdurch aufs neue verzogerten aus- :.o

gabe Massmanns erschienen die beiden ersten bdnde, die den text und die fortsetzimgen

enthalten, 1848 und 1849 (beide mit der jnhreszahl 1849J, der dritte hrachte 1854 ein

eingehendes verzeichnis der hss. imd eine gewaltige masse von ^mtersuchimgen ^md

axisziigen aus historischen imd poetischen loerken des mittelalters zur vergleichimg mit

den in der Kaiserchronik verarbeiteten sagenstoffen '"; das auf dem tifel angekiindigte 35

wijrterhuch ist nie erschienen.

1) Jenaische literaturzeitung 1822 januar, stiick AC) (Kleine scliriften I, 2>\\). 2) /, s. 419.

//, 8. 391. III, 8. 239. 3) Leider ist mir irotz nachfrac/en bei den vcrschiedensien inbiiotheken

keine der beiden druckschriften zuganylich gewesen. 4) ^S'. 207—211. 5) S. 251. G) In

der akademii^chen aijhandlung Uber singen tmd sagen s. 8 (gedrtickt 1835, jetzt Kleine schriften 40

/, 8. 468j. 7) Ebenda s. 5 (Kleine schriften I, s. 465J und in der vorrede zum Wolfram s. xxrm.

8) IJruchstiicke der Kaiserehronik und des jiingern Titurel, Landshut 1843, S", .9. 1 - 23. 9) Die

ersfe ausfiihrlichere mitteilung in Zeitschr. f. d. alt. II, s. 223—227. 10) Der keiser und der

kunige buoch oder die sogenannte Kaiserchronik, gedicht des zwolften jahrhunderts von 18,578 rei»»-

zeilen. Nach 12 vollstdndigen und 17 unvoUstandigen handschriften , sowie andern hiilfsmitteln, 45

mit genauen nachweisungen iiber diese und untersuchungen iiher verfasser und alter, nicht minder

iiber die einzelnen bestandteile und sagen , nehsf ausfUhrlichem worterbnch und anhdngen zum

ersten male herausgegehen von Ilans Ferdinand Massmann. Erster und zweifer tcil Quedlinburg

und Leipzig 1849, drifter teif ehrnda 1854, 8» (das werk erschien als ftd. IV. der dritten nhtcilung

der bibliofhek der gesammten deufsclien nationaUiteratur von der altesten bis auf die neuere zeit). so


KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN. 3

Diese ausgahe ist ein irerk von ehrjurchtyebietendein jleisse und riihrender hin-

fjehung, die aiich an das kleine, Xinhedeutende geicendet sind. Sie hringt in einer kauni

geahuten fiille handschriftliches material fiir die deutsche chronikenliteratur des sjjiitern

mittelalters hei und sucht in den lesarten auch die sjjiitesten und ahgelegensten zeugen der

b iiberlieferung zu verioerten. Nur kleine gelegenheitsfunde hahen seither den hnndschrift-

lichen apparat vermehi^t. Und anch das vas die forschung von drei folgenden jahr-

zehnten zum stofflichen inhalt dcs3. handes hinzugehracht hot, isi keineswegs hedeutend zu

nennen. Das verdienst, ein so umfangreiches material zum teil unter schwierigen um-

stcinden herheigeschafft zu hahen, ist eln so grosses, dass ich es hier nicht durch eine zu-

10 sammensteUung aller misgrife, die sich cler herausgchcr hei der verarheitung desselhen

zu schulden kommen liess, in den hintergrund drdngen mochte. Massmanns fehler sind

allhekannt, ^ind seinem jugendlichen nachfolger iviirde es iihel anstehii, ivenn er, dein ohne

Massmanns vorarheiten eine neue ausgahe der Kaiserchronik in verhdltnismiissig kurzer

zeit nninoglich geicesen ivdre und dcr auch in seinen iceitern arheiten auf jahre hin-

i:> aus den 3. hand der Massmannschen ausgahe noch oft zu henutzen gedenkt, hier aiif-

zdhlte, wie oft er dirrch ungenaue angahen und die jji^iulose darstellung des dltern

herausgebers irregefiihrt icorden ist. Zu klage und ividerspruch ivird sich ohnehin

noch oft gelegenheit finden. Aher kurz gesagt muss doch schon hier iverden, dass die

einleitung, ivelche der dritte hand hrachte, nicht nur in der beurteilung der hss. und

•:» hruchstiicke vielfach fehlgriff, sondern auch alle sonstigen hauptfragen, die nach dem

dialekt, der heimat, dem verfasser und der entstehimgszeit falsch heantwortete und die

fragen der hbhern kritik in keinem puncte forderte. Der text selhst ist vielleicht besser

als sein ruf, jedesfalls iceit hesser als der erwarten iciirde, der zuerst bei der erijrteritng

des handschriftenverhultnisses die vijllige hilflosigkeit des herausgehers sieht. Dass er

'i-' (trotz der Vorauer hs.) in einer sprachmiscJiung von mittelrheinisch und bairisch auffritf,

velche nur in der feder eines schreihers je existiert haheii kann, hat er mit mancher

unserer ausgahen gemein. Der schlimmste misgriff war unstreitig die einfiigung einer

partie des Annoliedes in das feste gefiige der iiberlieferung

Dass Massmann bereits ein zu festes vertrauen auf die vortrefflichkeit der Tleidel-

30 herger hs., die er seinem texte zu grunde legte, gefasst hatte, als ihm der Vorauer text

zugdnglich wurde, hewies der vorziigliche ahdruck dieser alten hs., den Joseph Diemer

noch im jahre 1849 herausgah ', nachdem er kurz zuvor in seinen Deutschen gedichten

des XI. und XII. jahrhunderts ^ eine ausfiihrliche heschreihung des icertvollen manu-

scrijjts veroffentlicht hatte. Das icas der titel der ausgahe fiir einen zweiten hand an-

30 kiindigte, ist leider nie erschienen. Namentlich ein wijrterhuch von der sorgfaltigen art

wie es D. seiner ausgahe der Milstdter Genesis und Exodus heigegehen hatfe, iviirde

von grossem nutzen gewesen sein und vor allem der lijsung der heimatfrage die heste

grundlage geschaffen haben. Diemer hat sein interesse an der Kaiserchronik weiterhin

noch durch puhlication ziveier fragmente (1\ und 2\) befdfigt, ivas er aher iiher ver-

io fasser und entstehungszeit mehr angedeutet als ausgefiihrt hat , zeugt nicht von ein-

dringender beschdftignng.

Der ndchste gelehrfe, der sich mit der Kaiserchronik beschdftigte, Oskar Schade,

hat in dem gewaltsamen, von niemandem gehilligten versuche^, die herausgeschdlte

dichtung von Crescentia in niederrheinischen dialekt umzuschreihen' und in Qztilige

\-> strophen einzuzicdngen, nicht bewiesen, dass er hesser als der von ihm so hart getadelte

Massmann mit der iiberlieferung umzugehen icusste, tvenn ihm auch einzelnes (besonders

1) Die Kaiserchronik nach der altesten handschrift des stifles Vorau, anfgefunden, ijfit einer ein-

leitung, anmerlcungen und den lesarten der zundchd stehenden hss. herausgegeben von Joseph

Diemer. Wien 1849. 8». 2) Wien 1849. 8o. 3) Crescentia, ein niederrheinisches gedicht

50 aus dein zwijlften jahrhunderf, herausgegeben von Oskar Schade. Berlin 1853. S^.

V


4

KAISERCIIIIONIK EIXES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

die reconstruction des eingangs) gid gelungen sein mag. Aher er liat docJi zuerst

einen kiihnen versuch geu-agt, auch andere fremde hestandteile herauszujinden , und

durch die richtigere datierung des Annoliedes i auch der Kaiserchronik geniltzt, ehenso

wie Karl G ordeke, indem er das der chronik so nahe stehende Rolandslied des pfaffen

Konrad geqen W. Grimm in die zeit Heinrichs des stolzen hinaufriickte'^. In cler zeit 5

von 1854 his in den anfang der lOer jahre ist nur selten die aufmerksamkeit auf

nnser werk hingelenkt worden: Fr, M. Gredy^ tcandfe sich in einem Mainzer pro-

qranvn an ein grosseres puhlikum, Miillenhoff erihierte in den Denkyndlern^ das

verhdltnis des compilators zit priester Arnolts gedicht von der Siebenzahl, Lexer machte

durch ahdruck der Freihurger (Mainzer) hruchstiicke (S^) einen der dltesten zeugen 10

der iiherlieferung zugdnglich^.

In das verdienst, die fragen, toelche sich an clie Kchr. kniipfen, wieder in Jiuss

gehracht zu hahen, teilen sich W. Scherer tmd W. v. Giesehrecht. Jener hat zu-

ndchst (1870)^ einen festen terminus a quo filr den vermeintlichen ahschluss der com-

pilation in dem todesjahre der kaiserin Richenza 1141 gefunden und zugleich auf den 15

hof Heinrichs des stolzen hingewiesen, ivo das toerk, dhnlich wie das Rolandslied, unternommen

sein werde, und er hat dann einen ersten versuch gemacht, diefrage nach der

zusammensetzung des loerkes an der hand der reime zu losen''. Auf Giesehrechts an-

regungen^ fusst die schrift seines schiilers H. Welzhofer^, die als den entstehungsort

der compilation endgiltig Regenshurg nachioies iind die frage, wieioeit in dem letzten 20

teile derselben historische quellen henutzt seien, eingehend erorterte. Gegen ihre resul-

tate (benutzung des Chronicon Wirzihurgense und danehen des Ekkehard) erhoh

W. Bernhardi^^ bedenken, der zugleich auf grund eines sprachlichen misverstdnd-

nisses den versuch machte, das tverk in die spdte zeit zwischen 1159 und 1165 hinah-

zuriicken. Aher auch Welzhofer selbst verrdt in seinen meJirfach beachtensioerten ver- 25

mutungen iiher die zusammensetzung cler chronik und die person cles compilators eine

iiberaus mangelhafte kenntnis der dltern sprache und philologisches ungeschick.

So kam es, dass fast alle seine aufstellungen, mit ausnahme der heimatshestimmung,

auf germanistischer seite mistrauen und loiderspruch fanden. Beidem gah Scherer in dem

aufsatze 'Rolandslied, Kaiserchronik, Rother' ^^ ausdruck, loelcher die chronologischen 30

fragen (noch ohne kenntnis von Bernhardis recension) aufs neue erorterte und dem

loerke seine stellung in der hairischen literatur des 12. jhs. amoies. Noch sei aus dem

gleichen jahre 1875 ein loenig gliicklicher versuch von W. Schum genannt, der die

von Scheffer- Boichorst reconstruierten Paderborner annalen cds quelle des letzten teiles

erkannt zu haben glaubte^'^. 35

1) A. a. 0. s. 17. 2) Deutsche dicUung im miitelalter. Hannover 1854, s. 683; dann

auch Schade, Veterum raonumentorum iheoHscorum decas. Weimar 1860, s. 65. 3) iJber die

Kaiserchronik, ein gedichl des 12. jhs., einige teile derselbeii niit nhd. iibersetzung tind anmerkungen.

Mainz 1854. 4«, Ich schliesse hier ein ungluckliches machwerk aus spiiterer zeit an: Der kaiscr

und der konige buch oder die sog. Kaiserchronik des I2.jhs., in freier prosabearbeitung herausg. 40

von J. M. Mayer. Munchen 1878. 8. 4) Denkmiiler deutscher poesie und prosa aus dem

VIII— XII. jh., herausg. von Mullenhoff und Scherer. Berlin 1864, s. 407 (2. aufl. 1873,

8. 458;. 5) Zeitschr. f. d. alt. XIV ^1868;, s. 503—525. 6) Dentsche studien I, s. 14

(Wiener Sitzung.sber., phil. hist. cl. LXIV, s. 296j. 7) Geistliche poeten der deutschen kaiserzeit I

(Quellen und Forschungen VII). Strassburg 1874, s. 30—42; dazu Geschichte der deutschen 45

dichtung im 11. und 12. jh. (Quellen und Forschungen XII).- Strassburg 1875, s. 83—86.

8) Gesch. der deutschen kaiserzeit IV (1^1 b), s. 399—401. 9) Untersuchungen iiber die deutsche

Kaiserchronik des 12. jhs. Munchen 1874. 8», 10) Jenaer Literaturzeitung 1875 nr. 5.

11) Zeitschr. f. d. alt. XVIII, s. 298 — 306. 12) Forsch. z. d. gesch. XV, s. 610—617;

dagegen Wattenbach, G eschichtsquellen II*, s. 199 anm. 1, 50


KAISERCIIRONIK EINKS REGENSBURGER GEISTLICIIKN. 5

Gegenilber den ausscheklinKjsvcrsuchen Scherera iciinscht Fel i.c JJcbu^ in sciner

dissertation die einheit der Kaiserchronik in soinit aufrecht zu erhaltm, dass er das

grosse icerk auf zwei verfasser verteilt , von denen der zwite nach Traja)i einsetzen

und mit ausnahme der Crescentia nur seine eiijene arheit hieten soll. Aher er hat doch

5 dxirch seine zusammenstellunjen der reime nur den heweis (jeliefert, dass uns nach

ausscheidunij der Crescentia die untersuchumj der reimtechnik , von der sich iScherer

viel versprach, kaum weiterhilft. Noch im ijleichen jnhre hrachfe die auf/indung ciner

mit der Kchr. nahe vericandten, vieffach wHrtlich ijleichmi Silvesterlci/ende in Trierer

fragmenten, welche Max lioediger^ veri)ffentlichte und in ihrem verhaltnis zur Kchr.

>« hesprach, die mahnung, es mit der hehandlung dieserfragen nicht zu leicht zu nehmen.

Unter den herausgehern des Annoliedes hatte K. Roth^ (schon vor Schades

Crescentia) mit aller entschiedcnheit die prioritiit dieses gedichtes vor der Kchr. hetont,

tcdhrend Bezzenherger^ gleichzeitig noch an der alten Lachmannschen zeithestimmung

Uim 1183' festhielt. Man durfte die auffnssung Roths , dass die Kchr. direct aus

15 dem Annoliede schiipfe , als cdlgemein angenommen hetrachten, als Emil Kettner*

1878 in seinen sorgfaltigen untersuchnngen iiher das Annolied die alte ansicht Ifoffmanns

von Fallerslehen ivieder zu ehren zu hringen versuchte, dass heide werke aus

einer gemeinsamen quelle, einer verlorenen reimchronik vom Niederrhein, schijpfen. Der

nachweis, dass der uns vorliegende text des Anno vielfach verderht isf , wdhrend die

20 Kchr. das richtige hewahrt, ist ihm durchaus gelungen , hei dem versuche aher , die

spuren einer alten rheinischen grundlage noch iceit in die Kchr. hinein zu ver-

folgen, Idsst er die sorgfalt, welche die iihrigen ahschnitte seiner arheit auszeichnet,

ausser acht. — Die zidetzt von Scherer'^ gedusserte vermutung , dass ein niiherer

zusammenhang zwischen der Kchr. und einem niederrheinischen legendar hestehe, ist

25 von Hugo Busch'', der diefragmente desselhen zusammenstellte und nach allen seiten

griindlich untersuchte , hekcimpft worden. — Neuerdings hat dann der herausgeher in

einem aufsatz 'Die heimat des deutschen Rolandsliedes' ^ die griinde fiir die Regenshurger

landsmannschaft des dichters der Kchr. und des pfaffhi Konrad vermehrt und

auf die mUglichkeit ihrer identitilt, an die hereits Welzhofer dachte, tciederum hin-

30 gewiesen. Dem aber, v:as Kinzel in seiner verdienstlichen aiisgabe des Alexanderliedes

hierauf gesfiitzt iiher das verhciltnis des pfaffen Lamp/recht zu Rolandslied und Kchr.

vorhringt, kann er seine zustimmung nicht gehen.

Die xintersuchungen Weilands iiber die Siichsische Weltchronik^ und seine aus-

gabe dieses werkes im 2. hande der Deutschen chroniken '*> waren nicht nur fiir die

35 spiitere geschichte der Kchr. von interesse, sie fijrderten auch fiir den herausgeher der-

selhen wichtiges textkritisches material zu tage, indem sie die wahre natur ziceier von

Massmann nicht ganz iibersehenen, aber falsch beurteilten und ungenutzten mischhand-

schriften (2\. 22 der Weltchronik , 6 und 7 der Kchr.) ans licht stellten. Was sonst

an handschriftlichem material zu tage gekommen ist, beschriinkt sich auf kleinere

40 hruchstiicke des alten textes^^ : seit 1876 sind das Grazer fragment 10 durch SchUn-

bach, das Niirnberger 13 durch Bartsch , das Schicazer 12 durch Bickel veriffent-

licht worden, einen neuen um vier hliitter reichern ahdruck der Wiener hruchstiicke 9

1) Uber die einheit cler Kaiserchronik, eine kritische vorstudie. Graz 1877. 8''. 2) Zcitschr.

f. d. alt. XXII, s. 145—209. 3) Leben d. hl. Anno. Miinchen 1847. 8«». s. xif. 4) Mcere

45 von Sente Annen. Quedlinbtirg .1848. 8. 5) Zeitschr.f. d. X)hil. IX, s. 257— 337, bes. s. 266 —

296. 6) Geistliche poeten II, s. 39/. 7) Zeitschr. f, d. x>hil. X und XI, s. bes. X, s. 440.

458. XI, s. 16. 32. 44. 45. 8) Zeilschr. f. d. alt. XXVII, s. 70— 82. 9) Forsch. z. d.

gesch. XIII und XIV. 10) Ilannover 1877. 11) Dic genauern nachweisungen folgen bei

den einzelnen nummern.


6 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

gah cler herausgeher. So ivird nur das ziemllch icertlose fragment 24 aus Wien in

dieser ausgahe ganz nexi anfgefiihrt.

Die sagen - nnd legendenstoffe der Kaiserchronik sind in den jahren seit dem

erscheinen des 3Iassmannschen III. handes einzeln tciederholt in monographien heran-

gezogen icorden, aher auch der riihrigste sammelfleiss hat die dunkele hildungsschicht, 5

icelche hinter unserm werke liegt, nicht cmfzuhellen vermocht. In den anmerkungen

wird man an geeigneter stelle die neucrn arheiten durchweg notiert finden , hesondere

erwdhnung verdient das fleissige huch von Arturo Graf Roma nella memoria e nelle

immaginazioni del medio evo , 2 voll. Torino 1882. 1883. Die henutzung von Massmanns

anmerkungen muss den sagenforschern nach wie vor iiherlassen hleihen, sie lo

konnten hei dem plane dieser ausgahe und der kur?:en frist ihrer vorhereitung durch

mich nicht ersetzt tverden.

Die ncne avsgahe der Kaiserchronik in den Monumenta Germaniae ivar vrsj^riing-

lich meinem lehrer undfreundeMaxRoediger anvertraid ivorden, der in den jahren

1874 — 1880 dieselhe durch sammlung des handschriftlichen materials, inshesondere durch i5

sorgfdltige collationen der ivichtigsten manuscripte vorhereitet, auch in der umfangreichen

sagen- und legendenlitteratur eine zwar wenig ergiehige, aher doch seinen nachfolger hei

ahnlich erfolglosem strehen immerhin heruhigende umschau gehcdten hat. Durch ilhernahme

anderer verpfiichtungen dazu gedrdngt, die ausgahe, cleren rascher ahschluss ver-

langt wurde, aus der hancl zu gehen, hat R. dann mich in vorschlag gehracht und der leiter 20

der ahteilung hat diesen vorschlag gehilligt (anfang 1881J und mich hei herheischcffung und

heniitzung tveiterer hss., die sich unerivartet als notig erivies, fortdauernd giltig unterstiltzt

VonRoediger lagen vor vollstdndige collcdionen von 1. 2. 4, die letztgenannte vnirde von mir

nach Beneckes ahschrift cler copie Iloff^manns von Fcdlcrslehen (Gijttingen Ms. philol. 18Gj

controliert, clie unvollstdndige collation von 3 ergdnzt ', fragm. 14 hatte R. verglichen; 2.1

die collation der fragmente 8. 11. 13. 9 (diese durch Tomanetz) ivurde hinzugefiigt,

hei 10. 12. 15 hahe ich mich auf die neuen ahdriicke verlassen K Unsere hoffnung, aus

dem nachlasse Massmanns dessen cthschrift der verhrannten Strasshurger hs. 5 zu

erwerhen, erwies sich als triigerisch, und es sollte der druck im friihjahre 1883 ehen

heginnen, als mir aus Weilands heschreihvngen erst klar tcvrde, dass die hs. 6 (und 30

event. 1) einen ersatz fiir die verlorene hs. 5 und eine controle iiher Massmanns lesarten

dieser hs. ermoglichen miissten. Die hedeutung dieser hss. trotz Weilands angahen

jahrelang uhersehen zu hahen, ist eine schidd, in die sich Roediger und ich teilen.

Ich hahe sie clurch vollstdndige collation von 6 und genaue durchsicht von 7 noch recht-

zeitig aher schwer gesiihnt, denn nun musste der apj)arcd des textes, von dem die hdlfte 35

druckfertig ivar, umgeordnet, ja ein grosser feil text und apparat der schwerfdlligen

einrichtung wegen vdllig neu geschcffen iverden. Dazwischen trcden schivere, jahrlange

hindernisse , iiher die ich mich hier nicht auslassen kann. Ich darf nun den druck,

der immer dringender geiviinscht wird, nicht Idnger aufschiehen, wie ich wol mochte,

um inzwischen meine itntersuchungen iiher den verfasser und die composition des iverkes 40

vollig zum ahscMuss zu bringen. So lasse ich denn diese avsgahe hinausgehn mit der

hitte, clie literarhistorischen cdjschnitte der einleitung nur als ahschlagszahlung zu he-

trachten und den zvstand, in welchem dieser hand hervortritt, nicht zu vergleichen mit

dem schivesterhand II der deutschen chroniken, in dem eine freilich tveit griissere cnf-

gcthe nach reifster vorhereitung zum ahschluss gehracht werclen konnte. .1.=,

Allen denen, die hei den vorarheiten zur ausgahe cler Kaiserchronik zuerst Roediger

1) Die hss. und fragmente der klassen D und C, also 16 — 33, finden im apparat keine ver-

wendung, von den meisten lagen sehon hesehreibungen Eoedigers vor, die ich daim selhstandig und mit

fremder hilfe ergcinzt habe. Wo in den lesarten einmal auf B ocler C als gruppe bc~ug genommcn

ist, habe ich die angaheyi dem apparate Massmanns entnommen. f"'


,

KAISERCIIRONIK EIXES REGEXSBURGER GEISTLICIIEN. 7

und danii mich nntevstiitzf und gefiirdert hahen, safje ich hierfrcudlr/rn und hcrzlichen

dnnk. Zunnchst gilt nnser dank den verehrlichcn vorstanden dcr bibliothekcn zu Berlin,

Freibuvfi, Gljftingen, Ileidelbcrg, Karlsruhe, Kopenhagen, MHnchen, Strassbtirg, Wien

nnd Wolfcnbiiffel, dcm rcgulicrten Chorherrcnstift zu Voran, dem gcrmanischoi Muscnm

zu Niirnberg, dem Kiirntnerischcn Gcschichfsvcrein zu Klagenfurt, allcn fiir iibcrscndung

von handschriffcn oder ermilglichung ihrcr bequemen benufzung. Sr. durchlauc]it dcm

fiirsfcn Wilhelm von Waldburg - Zcii-Trauchburg als bcsifzer dcr hs. 2H, sr. crlauchf

dcm grafcn Arfhur von Schiinborn-Wicscnfheid als besifzcr der hs. G. Durch nnfertiguiig

von coJlafioncn soicic durch auskunff und vcrmiftclung sind mir ausscr hcrrn gcli. rat

10 Waifz selbsf bchilflich gciresen die hcrrcn dr. K. Tomancfz in Wien , dr. K. Frauckc

in Berlin (jcfzt am Ifarvard Collcgc in Amerika), bibliofhckar dr. Alfrcd Iloldcr in Karls-

ruhe , professor iJiirnirirfh in KUigenfurt , jyrofessor Schlinbach in Graz, profcssor

W. Miillrr und prqfrssor Wcllaud in Gnffingen , professor Sfcinmcger iii Krlangcn.

Mcincn hochverehrten lchrer Miillenliojj' trijjf mein dank nicht mchr untcr dcn lcbendcn:

i-'> iJim und professor Scherer habe ich, solange ich forflerne, immer von neuem zu dankcn.

Auch Iioedigcr haf, soiceit es scine zeit erlaubte, mir rat und beistand nichf versagf, nnd

icenn dieser ausgabe nuch manches fehlf, was ihr der herausgeber selbst wunschen

miichte, so mlige man doch fiir die anregung und forderung, die der gereinigfe, altertiim-

liche te.ct imnierhin bringcn kann, dem der sie vorbcreitet ein teil dankes zollen.

20 2. Die handsehriften.

1") handschriffen: vollsfdndige, iilckenhaffe nnd zu friih abbrcchende, sowie

17 bruchsfiickc dcr Kaiserchronik sind mir bekannt geworden. iJabei rechne ich den

timfangreichern und ivertoollern teil der mischhs. 3 unter die hss., die griissern inter-

polaiionen aus dem jiingsten texte C habe ich als 33 an den schluss der fragmente

25 dieser gruppe gestellt. In jcder gruppe stehen die fragmenfe gesondert hinter den hss.

Von den 3 recensionen , ivelche dicse grujipen darstellcn, enthalfcn die erste und ziveifc

(A B) mclir odcr iveniger voUstdndig das iverk des alten compilators, die dritte (C) fHgt

eine forfsctrcung bis zum tode Friedrichs II. hinzu. In den hss. der gruppe A ist das

alte urerk nur durch ungcschick und willkiir einzclner .9chreibcr, frcilich in schr vcr-

30 schiedencm masse entsfcUf ; B, bei Massmann durch die chifferngruppe SBSB^^p -siV// aus

den lesarfcn dcutlich hcrcmsliebcnd , ist das iverk cincs iiberarbeitcrs aus dem anfang

des \?}. jhs., dem es wesentlich um die hersteUung reinerer reimc und bcsserer vcrse zu

tun war, C das v:erk eines dichtcrs, der die alte chronik — nicht die timarbeitung B,

deren reine reime er nicht benutzt hat — in eine vijllig glatte form goss. Seinen .sfil

3.5 hat er an Rudolf von Ems gebildet, und es war deutlich scine absicht, ein ivcrk zu

schaffen, das sich der WeUchronik dieses autors zugeseUen soUte. Ein anderer dichter,

der sich an die weise Wolframs von Eschenbach anlehnt, setzte sein werk bis zum jahre

1274 fo7't, und mit dieser fortsetzung ist uns C durch einen abschreiber, nicht durch dcn

dichter selbst, in der hs. 30 aufbeivahrt. tfber diese fortsetzungen s. das ndhere im

•10 nnhang I und II.

I. Ilandscliriften.

A. Der alte text.

1. Vorau , bihliofhek des regulierfen chorherrensfifts nr. XI*, pergament, gr.foho,

183 blaffer, zweife h.alffe dcs 12. jhs.'^ Der jetzigc lioheinband init iederiibcrzug sfammf

45 aus dcm Ib. jh. und fragt die aufschrift: Cronikn von dcr Kail vnd pebfi tzeyttn vnd

l) Bei Massmann: i8. 2) Kurze inhaltsangahe Zeitschr. f. d. alt. II, s. 223—227; aus-

fiihrliche heschreibung hei Diemer, Deidsche gedichte dcs XI. nnd XIT.jhs. s. i—Viil und Kaiser-

chronik s. iil. iv; cinen versuch, dic kleincrn sammelhss. zu hcstimmci/, (h'c dem schrciher vorlagen,

machf Scherer, Geistl. poctcn II, s. 28— 30.


8 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

vil raer ander materi etc.; die liandsclirift zerfiillt in zioei teile, die erst spater vereinigt

wurden; der zweite teil enthdlt auf hl. 136 — 183 die Gesta Friderici Ottos von Freising

unvollstandig, es fehlen die 3 letzten lagen zu je 8 hll. — Aus dera ersten teile der hs.

ist zwischen hl. 116 und 117 schon vor dem hinden ein hlatt herausgeschnitten tcorden,

so dass von den 17 lagen zu 8 hll. die fUnfzehnte unvollstdndig ist. Inhalt dieses teils: 5

fol.

1— 73 die Kaiserchronik vollstandig his zum schluss des alten textes (v. 17283^

erhalten. — Fol. 74—135 die deutschen gedichte meist geistlichen inhalts aus dem 11.

und 12. jh., ivelche Diemer in dem mehrfach angefilhrten iverke (vollstundig his auf

den 1865 in seinen Beitrdgen XX und XXI nachgelieferten 'Vorauer Joseph') puhliciert

und Scherer in den Geistlichen poeten II aiisfiihrlich hesprochen hat. Dieser ganze teil lo

der hs. ist zweispcdtig, die spcdte zu 46 zeilen, der hauptsache nach von einem schreiher,

der schon und gleichmdssig schreiht und sich nur loeniger abkurzungen bedient. Die

verse sind nicht ahgesetzt, aher durch punct, strichpunct oder das einem schrdgen aus-

rufungszeichen dhnliche zeichen markiert', ein facsimile dieses schreibers (von hl. 97*j

hat Diemer vor dem titelhlatt der Gedichte. Dieser schreiher selbst oder doch ein gleich- 15

zeiiiger hat das mscr. mit der vorlage verglichen und seine correcturen mit feinerer

feder, selten iiher dem texte, meist am rande naehgetragen. — Von einem loenig jiingern

schreiher (dessen facsimile von hl. 96'^ bei Diemer vor s. 87 zu finden ist) sincl mehrere

hldtter ergdnzt loorden: in der Kaiserchronik hl. 1 und.8. Dieser schreiher verwendet

die vom hcmptschreiher nur ganz selten gehrauchten ahkiirzungen hdufiger, so ausser 20

9 fiir die lateinische endung us hesonders * filr er und vn fiir unt. Die orthographie

desselhen ist iinsicherer, zeigt aher so geringe abweichungen, dass aiis ihr ehensoioenig

als aus dem kritischen loert der hldtter 1 und 8 ein schluss auf die verwendung einer

andern vorlage gemacht iverden kann. Die ahsdtze sind durch bunte initicden bezeichnet.

— Von einer hand des 15. jhs. sind ?:um teil mit roter tinte iiherschriften, glossen und 25

modernisierende correcturen der schreihioeise eingetragen.

Fiir die zeithestimmung ist eine notiz des 12. jhs. vor dem ziveiten teile auf

hl. 136^ wichtig (facsimile bei Diemer vor dem titelhlatte) : Gesta Fridarici imperatoris.

Que Wolfcangus scripsit iubcntc Bcrnhardo preposito. Qui ea sancte Marie, sancto

Thomae et Vorowensi ecclesie abstulerit, anathema sit'. Dieser teil, von dem MG. SS. ao

XX, p. 338 (ivo die hs. als nr. 4 fiir die Gesta verwendet isf^) ein facsimile steht, ist

danach zivischen 1185 und 1202 geschrieben. Der erste teil, dessen schrift Diemer

s. VII um 20—30 jahre dlter erschien, wird gewis nicht vor der griindung des Hosters

Vorau 1163 geschrieben sein. — Sprache: bairisch - osterreichisch ; das ndhere unfen,

wo die einrichtung des textes hesj)rochen ivird. 35

2. Miinchen^, k. hof- und statshibliothek , cod. germ. ol^, pergament, gr. 4®,

133 bldtter, 14. jh., und zivar kauni aus dem anfang desselhen. Massmanns angabe

'12». jh.' ivird ausser durch die sprache auch durch die schrift, hesonders durch dieform

des a und des r (Wattenhach, Lateinische paldographie s. 2 und s. 14) toiderlegt. Die

hs. enthielt ursprUnglich 17 lagen zu 8 bldttern, nach dem ziveiten der 8. lage ist eins 40

(auf loelchem v. 7724—7830 standen), nach dem fiinften der 17. lage sind zwei (un-

heschriehene) herausgeschnitten . Die Kaiserchronik schliesst auf fol. 132 mit Lothar

(v. 17 181 j; es folgt mit roter schrift der schreihervers

Merces scriptoris sit vita perhennis honoris.

Et sit lectoris pars in celestibus horis. 45

1) Das iiber ipif stehende VIIII q., welches Massmann als vivique las, hat Diemer richtiger

als VIIII quaterniones gedeutet. 2) In der neuen octavausgahe von Waitz D 3. 3) Bci

Massmann: 93i. 4) Allere mitteihmgen daratis loiederholt durch Docen: Arctins Deytraege IX

(1807), s. 1063—1076; Schlegels Deutsches musetim 7/(1812), s. 235— 251; Altdcutschc rTalder III

(1816), s. 278—283; Arehiv III, s. 239; Ilormayrs Archiv fiir Ostcrreich 1823, s. 584—588. 6


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KAISERCIIRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICIIEN. {)

Fol. 133 enthnlt federproben icnd zwei segen. — Die hs. ist ziveispcdtiy , jede columni'

entkdlt 33—35 zeilen, von bl. 13 an sind feine linien dtifiir init tinte ijtzoijen, vorher,

wie es scheint, nur mit dem jriffel; die anfamjsbuchstabcn der abgesetzten verse sind

abioechselnd rot und schwarz, der erste buchstabe jedes absatzes rot, blau, griin, seltener

5 mehrfarbig ; besonders gross und prnchtig sind sie, wo die gi^schichte eines neucn

kaisers beginnt. Fiir bilder ist midirfach rauin von 12—14 zeilen frei geblieben, aber

uieder diese bilder noch die fiir bl. 1 und 109' beabsichtigten iibergrossen initialen

sind aiisgefiihH worden. Die gnnze hs. riihrt von einer gifdlligen, gleichmdssigen hand

her. — Sprache: bairisch, die neuen diphthongierungini sind durchgefiihrt, die hs.

10 unterscheidet sich wenig von den in den Monumenta Boica XXX, 2 abgcdrucktini

Passauer nrkunden und inag daher dort entstanden sein, wo sie sich noch im IH.jh.^

in der bibliothek von S. Nicolai befand, ehe sie in den besitz von Ildephons Kennedg

iibergieng. — Der schreiber modernisiert die sprache und kiirzt dic verse, bessert auch

sehr oft mit bequemen geivaltmassregeln die reime. Da er sich ferner gagen das ende

ir. zic immer hdufiger auslassungen einzelner oder mehrerer absdtze zic schulden kommen

Idsst: 1G848-859. 16922-929. 1G991— 17004. 17039—72. 17130—141, so verdient der

mit Lothar erfolgende abschluss seines icerkes von vorn herein kaum beachtung.

3. Wolfenbiittel^, ms. Aug. 15, 2, pergament, folio, 158 bldtter, zweisjmltig zu

34—41 zeilen (abwechselnd liniiert und nicht) beschrieben, 14, jh.^ Die lagen von je

20 8 bll. am untern rande bezeichnet; nach dem ersten der 4. lage ist ein (noch icnbe-

schriebenes) blatt herausgeschnitten. Uber die zusammensetzicng und verstiimmelung der

hs. ist unten ausfiihrlich gehandelt. — Inhalt: fol. 1—23^ auszug aus der unter dem

namen Bicch der Konige neuer *e' bekannten prosaauflUsung der Kaiserchronik, aber

mit hdxifiger einstremcng vpn versen icnd gegen ende zu immer hdufiger aicftretender

25 verweisung auf die chronik selbst: Swer mer welle lesen von . . . [oder Swer daz lesen

welle) der les diu koronica. Beginn: Wir lesen in der geschrift daz daz liabilonie ze

dem ersten erhub daz reiche, diu stat was ob allen steten; schluss nach Konrad 111,

von dem es heisst: Dicz ist der jungst chunich an dem puch koronica, tcnd nach wiedcr-

holtem hinweis auf daz lantrehtpiich daz hie nach stet (M. 9G IbS) mit den icorten:

30 Da hat dicz puch ein ende. Got muzz uns diu veigen schenden. — Fol. 2?t^— 95**

unten folgt mit der iiberschrift Hie hevet sich diu Koronica an diu sait uns vo pcbsten,

von chunigen, vo giite un v6 ubeln die gereimte Kaiserchronik, sie reicht bis mitten in

die geschichte Karls d. gr. , ivo sie in v. 14911 mit dem tcorte haizt abbricht; fol. T2'

bis Ib tritt vorilbergehend ein anderer schreiber auf, 75' ist bis auf die zwei woiie

3.-. sein sel (v. 11137J frei geblieben. Die verse sind nicht abgesetzt, die absdtze dtcrch

bicnte initialen markiert; ein corrector ist mit feinerer feder und dunklerer tinte tdfig

geivesen; — bl. 9G»— 158


10 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEX.

Schon die gereimten stellen im ersten prosateile der handschrift kiindigen an, dass

dem verfasser dieses auszuges nur eine mischhs. der Kaiserchronik zugduglich irar,

denn wenn er auch haufiger die dltere fassnng der reime hietet, so citiert er doch auch

mehrfach (icie am schlusse des Silvester) die durchaus reinreimige redaction C, Eine

solche mischhs.. freilich unvoUstdndig, erhalten tcir dann bl. 2o^ - 95"^: der text ist aus

einer guten hs. des alten gedichtes und einer schlechten der recension C compiliert nnd

enthdlt ausserdem da grosse, duj'ch knappe prosa ausgefidlte lilcken , ico der voran-

gehende prosaauszug reichlich verse brachte. lch gehe hier eincn kurzen ilherhlick iiber

das erhaltene:

A 1-1234.

A 1442-3G72.

.4 3770-4082.

A 7604—10147.

C 1235—1441.

[v. 3673 ist mit v. 3769 zusammengeicorfen und dadurch das

daztcischenliegende ausgefaUen]

(aus 4083—7603 sind sehr viele verse in dem prosaauszug

enthaUen)

C 10154—11137.

/"11138—13980 /e/i?tin an ihrer steUe, doch ist nach v. 14191

falsch eingeschoben die Crescentia:] C 11352— 12812.

A 129S 1—14911.

(aus dem folgenden bis 17283 sind im auszuge vorn nur ganz

icenige verse aufbewahrt).

Im ganzen sind von dem iexte A iiber 8000 verse in der hs. enthaUen; die lesarten -o

der in die prosa verfioclitenen verse bezeichne ich mit o^. Die stiicke, tcelche aus C

eingeschaltet sind^ icerden im verzeichnis tmten als nr. 33 nochmals aufgefiihrt.

Die contamination der verschiedenen bestandteile ist eine iiberaus rohe. Ain

plumpsten erscheint sie beim beginne der erzdhlung von Faustiniantis (bl. 31** der hs.);

nach der einleitung des aUen textes 1219— 1234 kommt hier noch einmal die jenen sv

16 versen entsprechende und 26 verse umfassende einleitting des redactors C, selbst mit

den eingangszeilen, die er ihr in rudoljischer iceise vorausschickt: Hie vert ein wildez

mer. daz hiut wild wer. ob ez iemant geschech. dcr wild man im jech. von einem

wundern vesten man etc^); und so geht es noch iceifere 212 (zusammen 238J zeilen

im C-text iceiter , bis mit v. 1442 (unserer ausgabe) icieder in den A-text eingelenkt sa

und mit seinen icorten und unreinen reimen der Faustinian gliicklich ztt ende gebracht

tcird. Es fehlen dem A-text hier 201 zeilen, und die vermutting darf tcol attsgesprochen

tcerden, dass einer dUern hs. ein gespcitenes folioblatt zti 52 zeilen (^2x2x52 = 208^

verloren gegangen tcar und der inhalt aus C ungeschickt ersetzt tctirde. Die geschichte

der Crescentia, icelche voUstdndig aus C ersetzt tcorden ist, umfasst in A 1461 verse: 40

das tciirde fast genau 7 bldtter von jenem vermuteten umfang geben (^1456 verse).

Um meine ansicht von der entstehung der handschrift auszufiihren, muss ich hei

dem Schtcabenspiegel anfangen. Wir sahen, dass der hs., der er urspriinglich ange-

horte, 58 bldtter fehlen, tcelche durch die lagenhezeichnung tcie auch noch durch eine

jiingere seitenzdhlung bezeugt icerden. Fragt man ntin, tcas auf den fehlenden bldttern 45

ausser den ersten 42 artikeln des landrechts (oder seien es in anderer zdhlung ein par

mehr oder iceniger) gestanden haben kann, so spricht, da das lehnrecht atisser andem

griinden schon seines geringen umfangs halber nicht in betracht kommt, die grljsste

1) Dax ungeschick die^er iciederholung ist friih bemerkt worden : schon im \i). jh. hat man

sie rot eingeldammert. 50


KAISERCHROXIK EINES REGEXSBURGER GEISTLICHEN. 11

tcahrscJieinlichkeit fiir das Buch der kijniije: dusselbe ist ron dem verfassf.r des

Schtcahenspiegels niit hinsicht aufditsen geschriebt-n undjindet sich in einer grossen anzahl

vonhss. desselben*. Der umfang des fast durchiceg aus der Kaiserchronik geschopft^n

2. teils, des buoch der kiinige niuwer 0, so tceit er im druck von Massmann zu iiher-

5 sehen ist , liiitst sich recht v:ol mit dem raum von 5• erzte, arzate); maneit und moneit fur manot; be- ist durch-

tceg we- geschrieben (wie z. h. in dem tceistum von Winhering hei Neu-Otting, Weis-

40 tiimer VI, s. 133 — 146 a. 14C)2—1450 ?J; sonstfast durchgdngig p im anlaut; sehr starke

sgnkopen ttnd apokopen, tceit stdrker als in 2. Eine eigentiimliche, tcol nur durch

orthograjjhisches ungeschick zu erlddrende schreihung , die ich hei Weinhold fiir das

bairische nirgends belegt Jinde, ist das hdufige i fiir ei: gepin, frisen, dhin, besonders

oft gerainchleichen, fiir gebeine, freisen, dehein, geraein(ec)lichen. — Leider macht es der

45 1) Jlassman/i bei v. Daniels, Land- und Lehnrechibuch I. (Berlin 1858, 4 ®y sp. xsx /.,

wo sp. xxxin—ccxxrF da^ ganze werk (von sp. cxxi an das Buoch der kiinige niuwer e)

gedruckt ist ; weitere nachireisungen von hss. jetzt bei Rockinger, Dcr Konige Buch und der sog.

Schwabenspiegel. Munchen 1883, 4o, 2) Xicht eine tcirkliche zusammenarbeitung heider, die

gewis auch die fortsetzung von C nicht verschmaht hahen wiirde. 3) Ganz ahnlich wie der Uber-

50 arbeiter der Sacits. WeUchronik, dem wir unsere hss. unten 5. 6. 7 verdanken.


12 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

schreiher durch die zahlreichen feinen schnorkel und kndtchen, mit denen er seine schrift

verunziert, oft zur immoglichkeit zu entscheiden , oh iiher einem huchstahen ein ilher-

geschriehenes e zu lesen ist (chuuigen oder chunigen , daz horn oder horn) ; auch die

schreihung des iu, hesonders des auslautenden , ist nicht immer leicht loiederzugehen,

meist hat sie die form loie w, tcas Massmann (auch in seiner ahschrift) iv schreiht, 5

aher doch hesser mit ev iciedergegehen hdtte.

4. Heidelherg^, cod. pal. 06I, pergament, kl.folio, lObhll., gesjyalten, mit meist

39—42 ahgesetzten und durch iJuncte geschlossenen versen aif der columne, ISJ/i. ^;

die ahsiitze sind ahtvechselnd mit roten und grllnen initialen versehen, von hl. 89 ah

nur noch mit roten, aher etwas grossern. Die namen der kaiser sind mit roter tinte 10

mehifach in majuskelschrift an den rand geschriehen.' Die hs. ist von einem schreiher

iii schbner, klarer und gleichmdssiger schrift geschriehen, ausser den im 13. jh. aligemein

iihlichen ahkiirzungen findet sich ofter Z fiir et (deutsches und lateinisches) und

die ligatur von ht. Eine spdtere hand hat loiederholt unnUtze correcturen angehracht,

das wort gehit (^il. die gehitenj ist durchiceg ausgekratzt icorden^. — Die hs. enthdlt 15

nur die Kaiserchronik und zicar his zxim schluss (v. 17283J; ausser ein par (unten s. 31

der vorlage zugeiciesenen) liicken im anfang (v. 193— 208. 395—454. ,526— 590j hat

sich der schreiher nur ganz wenige zeilen auslassungen zu schulden kommen lassen.

Er kilrzt die zeilen iiherall, wo es durch hequeme auslassung eines loortes (eines ad-

verhiums oder adjectivums, eines titels, einer conjunction, eines hai wie oder er sprachj 20

bequem mljglich ist, selten geicaltsam; die reime zu hessern ist er zundchst durch he-

quenie mittel der schreihung hestreht; man: sagan, tragan; stunt: jugunt entsprachen

geicis nicht mehr der sprache seiner zeit, und auch die durchgdngige ahicerfung des

infinitiv-n, wo es einen reim zu hessern gilt, ist mehr ein orthographisches radicalmittel,

da sie im vers nie vorkommt, immerhin aher wol in seiner mundart nicht ohne he- 25

rechtigung. Im anfang zeigt er mehr neigung, den reimen geicaltsam aufzuhelfen, sei

es, dass spdter seine lust schicand, oder dass es gerade die aus der quelle des Anno-

lieds stammenden partien icaren, deren hesonders altertiimliche und unreine reime er

storend empfand. Einige dieser dnderungen freilich mogen schon in seiner vorlage

gestanden hahen, so die von v. 352 und die unten zu hesprechende von v. 393. 394. — 30

Sprache: mittelrheinisch , vielleicht aus der gegend von Mainz, loo die vorlage jenen

zusatz zu V. 393. 394 um das jahr 1160, vielleicht als glosse, erhalten zu hahen scheint. An

den Rhein zceist hanptsdchlich die freilich nur vereinzelt auftretende schreihung ai fiir a

(virlait) wwd! o\ fiir (soit, noit, roit, zoich), ou (vloic, hoibithafte) %ind iu (urloige); an

den 'Niederrhein' (Massmann) aher darf natiirlich hei einer hs., die das b im auslaut 35

durchweg p (niemals f) schreiht, nicht gedacht icerden. Der umknit se. erscheint als e,

fiir ie icird hald i hald ie geschriehen, u und u hezeichnen promiscue u, u, uo, iu; die

gutturale tenuis erscheint als k iind c, sc im anlaut meist als sch, im inlaut als sk; in

den vorsatzsilben er, en, ent, ver tritt meist i ein, seltener im in- und auslaut (ophiroten,

1) Bei Massmann: §. 2) Beschrieben bei Wilken , Heiclelberger hUchersammlangen 40

s. 442— 444 (von Mo7ie) ; vergl. Archiv I, s. 419. 420; mitteilungen darazis in Mones Otnit (1821)

8. bl — 63; in Hoffmanns Fundgruben I (1830), s. 207—211; nach den spalten unserer hs. citicrt

auch das Mhd. WB. von Benecke-MuUer-Zarncke. 3) Weil seine edle bedetitung damals hercits

von einer niedrigen, obsconen verdrcingt ivar ; vgl. Gh-imms Deutsches ivorterbuch IV, I^, s}). 2842.

Awr als eurivsum sei hier Massmanns vermutung erwdhnt, der dureh eine notiz des ib.jhs. (offen- d5

har eine feclerprohe) auf hl. l^ unten, die sich auf des Biihlers Konigstochter von Fraiikreich zu

beziehen scheint, darauf gefUhrt ivard anznnehmen, unsere hs. sei einst im hesitz eine.r franzosischen

konigin gewesen, und dann in der 'unmiitterlichen und umveihlichen' konigin Ysahel die vermutlichc

austilgerin jenes wortes fand.

I


KAISERCIIRONIK EIXES REGENSBURGER GEISTLICIIEN. 13

ophir u. s. w.); fiir z ivird vor hellem vocal c geschriehen ; lub erncheint mtust assiiuiUcrt

2yt mm. Der artikel diu heisst immcr dxQ, filr das -iu der pronuminal- dccliuation fndct

sich mir -e. Der schreiber lieht die voUstHndigern dative der pronominaljlexion (einemc,

raaiiigeme, romcskeme) iind die iin


14 KAISERCIIRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

pnpier, folio, 209 hlatter^, anfang des \b. jlis."^ Hatq^tinhalt : bl.l—144 die Sdch-

sische Weltchronik mit den verschiedenen (hei Weiland nlilier verzeichneten) zuscltzeu

iind erweitevuncien. Der kaiscrkatcdog reicht auf hl. 1' his Karolus konig zcu Behmcn.

Der papstkatcdog zeigt auf hl. 144 vevschiedene schlussahsdtze: nach Clemens VI.

[saz 10 jar 6 mande 16 tag] steht zundchst Explicit liber anno domini 1370. in vigilia 5

Marci ewangeliste feria quarta post quasimodogeniti, dann folgen noch von der gleichen

hand Innocenz VI. his Alexander V. und ettcas darunter die rttSriVi; Anno domini 1411.

In die circumcisionis domini qui fuerat feria quarta (dhnlich mit andern ivorten noch-

mals an der seite). Ein spdterer schreiher hat dann diese ruhrik clurchstrichen, zioischen

Alexander V. und sie noch die pdpste Johann XXIII. his Eugen IV. eingetragen und lo

unter der Ruhrik Felix V. his Sixtus IV. saz XII. — qui prefuit anno 1482. Dieser

selhe ziveite schreiher hat aher auch den schluss der liste seines vorgdngers mehrfach ver-

hessert, so namentlich hei Clemens VI. die (ohen eingeklammerte) regierungszeit nachgetragen

und dessen vorgdnger Benedict die richtige zahl XII. statt XI. gegehen. —

Bl. 144'— 148 fahelhafte erzdhlung von der hekehrung Thuringens durch Bonifacius i5

(s. Weiland a. a. o.), von anderer hand cds die chronik, zweispaltig. — Bl. 149—152

leer. — Bl. 152' — 205 zweispaltig , ein lateinisch - deutsches glossar (s. Zeitschr. f. d.

alt. Vj s. 372), am schluss: Explicit vocabularium optimum et multum valens tara

de nominibus quam de verbis finitum per Conr[adum] de Tauna sub a. d. 1410. domi-

nica 3. adventus domini. Der schreiher des glossars scheint auch der der chronik zu 20

sein. — Bl. 205' his 209 leer. — Die chronik ist von einer hancl gleichmdssig, aher

mit hlasser tinte auf rauhes, hier und da auch durchldssiges papier (loasserzeichen:

ochsenkopf) geschriehen; auf die seite kommen 41—53, im durchschnitt 45 zeilen, die

zicischen deutliche, oft krdftige linien geschriehen sind. Die zeilengetreuen einschaltungen

aus dev Kaiserchronik heginnen auf bl. T und reichen bis hl. 103; der erste vers ist 25

v. 43; der letzte 16371, loie in nr. 5. Atf hl. T und 8 hat der schreiher v. 43— 188

dreispaltig und mit ahsetzung der verszeilen geschriehen, von hl. 8' an ist die chronik

ohne columnenteilung, und sind die verse in ihr unahgesetzt geschrieben; doch lassen

sich namentlich grossere verscomplexe innerhalh der prosa leicht an der regelmdssigern

verteilung der roten schrdgstriche erkennen , loelche fiir die prosa als interpunctions- 30

zeichen dienen, in den gereimten partien aher fast durchgdngig zur verstrennung

verioandt sind. Die ahsdtze sind mit uherraschender treue geioahrt und durch das

bekannte paragraplienzeichen d markiert. — Fast s/e der Kaiserchronik sind uns hier

und in nr. 5, meist in grossen ahschnitten, iiherliefert, ztoar mit vielen misverstdndnissen,

unahsichtlichen entstellungen und auslassungen, aber doch fast ganz verschont von 35

dem streben, die unreinen reime des originals zu beseitigen und den vers zu gldtten.

Indem ich auslassungen unter 10 versen unheriicksichtigt lasse, verzeichne ich hier die

liicken; die nichteingeklammerten sind den heiden hss. gemeinschaftlich: v. 1— 42.

5 toegen ausfall von bl. 13;. 193—208. 257-266. ^361-394/. Q). 395—604.

f68-234/.

(^605-670/. 5;. 853—1116. (^4831—4846 /. 5;. 6588—6621. 7212—7475. 11134-11143. ^o

12813-13088. 13643-13827. 14192-14281. 15388—15401. 15578—15663. 15740-

16063. 16119— 16257. 16372— 17283. Nehmen ivir alle kleinern liicken hinzu, so fehlen

noch nicht ganz 3000 verse. — Sprache: ihr grundcharakter ist mitteldeutsch , frdnkisch

die hs. gehcjrt wahrscheinlich zu denjenigen, welche aus dem hamhergischen kloster

Michelsherg nach Pommersfelden gekommen sind, und dort mag sie auch geschriehcn 15

sein; clas gelegentliche dtirchhrechen der neuen dijjhthonge ci tind au, das fftere 'p fiir

ahschnitte der KchrJ und stellt so die hs. atisdriicklich cler hs. © (5) mit ihren 'gereimten ab-

sehnittf.n' gegeniiljer. 1) Naeh neuer ziihlung (clie alte bei Weiland hat 211 Ul.): hl. 145. 147.

149 sind unheschriehen herausgeschnitten worden; die doppelsetzung der zahl 174 ist jetzt beseitigt.

2) Ausfiihrliche beschreibung bei Weiland a. a. o. s, \b f, 50

I


KAISKRCHRONIK EIXES REGENSBURGEU GEISTLICIIEN. 15

b im anlaiit tciinle dazic icol pansen. Als vorlat/e abev schimmert deutUch eine nieder-

deutsche oder doch stark mit niederdeiitschen sprachformen versefzte hs. diirch: nieder-

deutsche formen sind (jclelutc 1780^,

^oeit ofter ungeschickt und mit misverstdndnissen ins oberdetitsche nmgeschrieben : so

5 ist 0299 zcaiTO fiir taren, so 5450 zcogintlichcn fiir touj^cnliclien (toglientliclicn 5), 14305

zcoch st. touc (toucli 5) entsfanden, so das unsinnijr socht wie v. 1510 /V/r zewiu,

toahrscheinlich durch cin Se we, u-ie es in 5 tifchtf so vorchtcn v. 71) sf. vuorten; (iKch

das iffere hcist sf. hiez (z. b. 288, 301) liisst sich so crkliiren, fcrncr hiczc zcfuorcn

fiir (cn)hcte zevuorct v. 843, iind aus einem leichten lesefehler tetcn sf. (gejhiezen v. 1 133.

10 Die hs. stimmt mit 5 in lesefehlern und orthographischen wunderlichkeiten (ff bis

auf den bicchstabcn iiherein, so dass man zuniichst versucht ist, ihre vorlafje als eine

abschrift von 5 zu betrachten. Das wdre freilich schon unmUf/lich, ivenn auf Massmanns

angabe, dass in 5 v. 005—070 und v. 4831—40 fehlen, mehr verlass wiire, als

auf so viele andere derartige angahen dieses gelehrfen. Aher auch andere griinde

15 sprechen dagegen, aus 5 abzideitenj ein par stellen, an denen dem tirtexte nahe

steht, wdhrend 5 stark davon abiveicht, mijgen geniigen. Die reimzeile zu v. 8292 fehlf

in wie sie im archctypus fehlte, 5 hat selbstlindig ergdnzt daz wil ich vorschultlcn.

— V. 8442. 43 der chaiscr choste ir here und scowet ir wicwere lauten in 0; der kciser

schouwet ir herc, in ducht daz ez wip wer(!); in 5 aher ist das nnverstandene lefzfe

20 ivort ganz umgangen, v. 8443 lautet hier: wu velc crer were. — v. 8453 hat mif

allen hss. wir han sogetan here (:here), 5 abcr gieng dem riihrenden reim ajis dern vege

und schrieh: wir sin so starch zu were. — v. 12310 engeloubcstu nicht richtig mit

allen hss.; ne geloscstu nicht 5.

7. Kop e n hagen \ alte kgl. sammlung 457; papier,folio, 23(] hldffer neuer zdhlung

25 (die aher von bl. 189 gleich auf 200 springt), mitfe des 15. jhs., von einer hand gut,

aber nicht sehr gleichmdssig geschrieben; ziveispcdtig, 34—41 zeilen auf der seife, ohne

absefzung oder sonsfige kennzeichnung der eingejlocldenen verse , die sich von bl. 12

bis bl. 100 finden. Inhalt: die Sdchs. Weltchronik mit den gleichen zusdtzen und

eriveiterungen tvie in (\, s. Weiland a. a. o. s, 10. Wie in reicht der kaiserkatalog

geht zivar etivas weiter

30 (bl. V ) bis Karolus koningh to Bcmen, der papstkatalog (hl. 230j

als dort, ndmlich bis Urbanus dc vefte (^1302— 1370^, aber die angahen der regierungszeit

reichen tvie in mir his zum vorgdnger Clemens' VI, iind die fcdsche be:ceichnung clieses

vorgdngers als Benedictus de elfte (st. twclftej^ die in von spdterer hand gehessert

ivurde, findet sich auch hier. — Der schreiber ist schon mit der Sdchs. Welfchronik

35 iibel umgegangen, die verse der urspriinglich oherdeutschen und um noch ein jahrhnndert

dltern Kaiserchronik sind noch viel schlechter iveggekommen. Nur selten sind v:ie in

5 und die verse mit den cdfen assonanzen heivahrt, oft sind lange versreihen zu wenigen

zeilen zusammen gezogen, oft auch verlieren sich die in 5, getreu beivahrten verse ganz

in der prosa. Ein andermal iviederum iiberfdllt den schreiber selhst die lust zu reimen,

•Jo und indem er die verse seiner vorlage zusammenzieht , verkniipft er sie durch selbst-

gemachte reimpare und fiickreime. Der kritische ivert der hs. ist mithin ausserordentlich

gering, aber namentlich ivo Massmanns angaben iiher 5 im stiche lassen, oder wo

sich eine auslassung zu schidden kommen Idsst, ist es gelegentlich angenehm, aus 7

einen iveitern zeugen heranziehen zu konnen. — Sprache: reines niedersdchsisch. An

if> den rdndern der hs. finden sich iviederholt kurze notizen iiher braunschiceigische

ereignisse aus den jahren 1542— 1547 voji der hand des damcdigen besitzers (so bl. 93.

94. 109. 111. llb) : Heinrich der jiingere ausserlandes(\b4t2), hei Hijckelheim gefangen

1) Massmaiin hat bei seiner ausgabe der Kaiserchronik unsere hs. — die er III, s. 78 als

nr. 13 unter den hss. dcr WeUchrouik auffuhrt — nicht weiter heachfet ; ausfuJirliche beschreibunff

50 bei [Veila7id a. a. o. s. 16.


16 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

(Ib4x)), Christoph von Wrisherg imd clie schlacht hei Drackenharg ('1547J; und die

orthographie unserer hs. ist nicht sehr verschieden von derjenigen der braunschweigischen

nrknnden nnd geschichtshiicher des 14— 15 jhs., ziemlich nahe steht sie der des Fehde-

buchs (ende des 14. jhs. Deutsche stddtechroniken VI, s. 25— 120J.

IL Bruchstiicke. f>

Von 6 hss. aus dem 12. und dem anfange des 13. jhs., die den alten text treu mit

seinen assonanzen heioahrten, sind uns bruchstiicke erhalten (S— 13j. Ich stelle die

beiden dnrch ihren timfang wichtigsten voran nnd lasse die vier kleinern fragmente

nach ungefiihrer schntzung ihres alters geordnet folgenj ganz vereinzelt hat noch das

sehr jnnge stiick 14 die unreinen reime bewahrt. Die hs. nus dem anfange des 14. jhs., lo

der nr. 15 entstammt, tcar dagegen das loerk eines ebenso leichtfertigen loie imgeschickten

schreibers, der vers tmd reim selbstdndig zu bessern versuchte; ihre lesarten gebe ich

nur mit ausioahl.

8. Fragmente einer hs. aus Mainz:

a) Freiburg^, grossherzogliche universitcitsbihliothek , carto7imappe mit der ib

signatur 441, 'd pergamentdoppelbldtter gr. 4^, 12. jh."^; vom 1. ^md 3. doppelblatt ist

das erste, vom 2. das zweite nur zur hdlfte (senkrecht durchschnitten) erhalten, also

die iiberlieferimg auf bl. I. IV. V durchaus liickenhaft. Das 1. imd 2. doppelblatt ist

oben stark beschnitten. Die blatthohe an bl. VI gemessen betrdgt 25 cm.; die breite

17,3 cm.; der beschriebene raum ist 19 cm. hoch, die breite desselben variiert in den 20

einzelnen zeilen. Auf der ungespaltenen seite stehn oder standen 30 zeilen, nur auf

bl. VI^ sind es 28. Die verse sind nicht abgesetzt, nur durch pimcte geschieden, die

absiitze durch rote initialen markiert. Die schrift ist etwas eng, so dass die entscheidimg

iiber toorttrenmmg imd anlehmmg nicht immer mdglich ist, aber sonst schiin, klar und

gut erhalten. Die iiherlieferung erstreckt sich iiber: 25

1. bl. I 7320 cehenzec — 7451 schluss.

bl. II 8240 keren — 8372 schluss.

2. bl. III 8375 siiche - 8506 unt.

hl. IV 9228 zu — 9348 dir.

3. hl. V 13856 anfang — 13993 der. so

bl. VI 14796 anfcmg — 14928 dr.

Wir haben dreimal das dusserste doppelblatt eines quaternio imd zioar das des

8. 9. und 14. Danach Idsst sich der tmfang der ganzen hs. ziemlich genau auf

16 quaternionen imd ein einzelnes doppelblcdt, resj}- 15 quaternionen imd einen quin-

ternio bestimmen, also auf 130 bldtter. Massmann (III, s. 29 j rechnet lounderlich 35

genug 112— 120 seiten heraus. — Unsere fragmenteloste Bodmcmn vonbiicherdeckeln

der Mainzer bibliothek , eine notiz auf bl. VI besagt: '— war aufgeleimt auf einem

alten Nicolaus de Lyra, in Biblioth. univ. Mog. gefimden den 4. jimy 1804'. Zum

zioecke einer publication liess er ein besonders schUn erhaltenes stilck dieses hlattes in

kupfer stechen. 40

Schon Massmann hat erkannt, dass loir teile dieser zerschnittenen kosibaren Mainzer

hs. auch vor uns haben in

h) Fischers^ bruchstiicken ; von dem Mainzer professor imd bibliothekar Gotthelf

Fischer im anfange dieses jhs. 'von einigen hijlzernen buchdeckeln Isc. der alten

Mainzer imiversitdtsbibliothekl losgelost' tmd leider nachldssig, unvollstdndig und ohne 45

geniigende beschreibung ediert*. ' Ummterbrochen reihen sich verse uncl strophen

1) Bei Massmann: m. 2) Abgedruckt von Lexer , Zeitschr, f. d. alt. XIV (A^. F.

II) s. 503—525; vgl. die collation eh. XXVI (N. F. XIV), s. 239. 3) Bei Massmann: m'.

4) Beschreibung typographischer seltenheiten und merkwiirdiger handschrijten ncbst beytragen zur


KAISERCIIROMK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN. 17

aneinander, nur die (jemalten anfaiKjabuchstahen dtuten den anfaiuj der strophen (d. h.

ahsdtze) an'. 'Die schrift sclhst ist uiKjemein schim nnd den handschriften mis dein

10. (!) jh. ganz ahnlich. Hier foUjen einije prohen'. Diese prohen enthalten:

1. V. 14132-14205 ir.

ft 2. V. 14532—14588.

3. V. 10511-1UG18.

Ala 1 ist ein voUstdndiges hlatt im umfang von 134 versen gedruckt, ivelches hl. 3 des

14. quaternio sein mvss, desselhcn von dem, irir ad 8* 3 hlatt 1 uml H erhalten hahcn;

ad 2 stiicke von dem gleichen doppelh/atte, hl. i) des (juat. 14; ^inter 3 wird der vnvoll-

10 stdndige inhalt von hl. 2 des quaternio 11 stehn. Lh gehe das ausfHhrlich an, n-eil es

nicht vnmUglich ist, dass sich die hruchstHcke noch einmal vnederfmden : sie sind

ndmlich spdter in von der Tlagens hesitz gelangt untf von diesem an Jlnfjmann von

Fallerslehen geliehen worden. Massmanns hemiihungen um sie hei lehzeiten H.'s v. F.

und xveitlduftige nachforschungen meinerseits nach seinem tode waren erfolglos. — Der

ir. ahdruck hei Fischer ist durch zahllose lese- und druckfehler entstellt, die ich, wo sie

ganz durchsichtig sind, in d.en lesarten nicht notiere : iu ist fast immer als ui, in vnd

ni oft als m, i oft als r, t als i, c als e verlesen (resp. verdrvckt), fiir o las Fischer 3

und druckte dt.\ Aher trotz dem schlechten ahdruck ist die orthographie deutlich als die

von 8" zu erkennen. Das lange a ist stets ohne umlauthezeichnung, anlautend k immer

20 ch geschnehen, durchweg erscheint ai xi. s. io.\ mugen /«; das mcgcn des dichters; in

den endungen ofter o.

Die iiherlieferung in den fragmenten 8^ und ^*» umfasst im ganzen fast 1090 verse.

Sprache: rein oherdeutsck, wie ich an anderni orte zeigen werde: hairisch - schwdhisch.

9. Wien^, k.k. hof- und statshihliothek, sign. 13006, Suppl. 272», 8 pergament-

25 hldtter 4*, ende des 12. jhs.^ Die ungespaitene seite zdhlt 27 zeilen, die verse sind

nicht ahgesetzt, in der regel zvird das versende durch einen punkt, der schiuss eines

reimpares durch eine art schrdgliegendes avsrvfungszeichen (dhnlich hei 10 nnd \\)

markiert; die eigennamen sind meist rot durchstrichen, die ahsdtze werd.en durclt rote

initialen hezeichnet , ausserdem enthalten unsere hruchstUcke zweimal vor grijssern ah-

30 schnitten ausser einer grossern initiaie noch mehrzeiiige gereimte iiherschriften in roter

tinte, gieichfalis ohne ahsetzung der verse (s. die lesarten zu v. 4300. 16941J. Die schrift

ist schiin und Mar, doch hahen einige seiten ettcas geiitten. K. Tomanetz will (Zeitschr.

f. d. alt. XXVI, s. 224J bl. 7 und 8 einem andern schreiher zuweisen als Iji. 1— G,

ja er vermutet sogar, dass sie zu einer andern hs. gehijren: auf hi. 1— 6 sei der he-

3;-) schriehene raum um 3 — 4 mm. im durchschnitt hreiter, um 2—3 mm. im durchschnitt

hoher ais auf hl. 7. 8, und ausserdem zeigen nur diese letzten hldtter spuren der liniierung.

Ohne personliche einsicht der fragmente kann ich die erste annahme nicht priifen,

die andere aher miJchte ich entschieden bestreiten: die gleiche zeiienaahl, die ganz gieiche

orihographie, die rote durchstreichung der eigennamen und vor allem die sonst nirgends


18 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

M. 7. 16713 sih - 1G809 enphulhen.

hl 8. 1G910 michel — 1G994 hie.

Erhalten sind mithin fast 770 verse. Die handschrift scheint aiis ungleichen lagen

hestanden zu hahen. — Sprache: osterreichisch, der von hs. 1 nahestehend (z. h. immer

biscolf), mit icelcher 9, loie ich unten nachweise, aus der gleichen vorlage stammt. ^

10. Graz, k. k. imiversitatshihliothek , zioei hruchstiicke eines pergamentdojppel-

hlattes 4^, mitte des 12. jhs.^, hl. 1 der Idnge nach halhiert, heide stilcke die ohersten 6

und die unterste zeile enthaltend ; schone und grosse schrift. Die verszeilen sind nicht

ahgesetzt, sondern nur getrennt durch einenfeinen schrdgen strich, an dessenletztes oheres

drittel ein viereckiger imnkt gesetzt ivurde. Die ahsdtze sind durch rote initialen he- lo

zeichnet. Die ahzdhlung der huchstahen ergiht mit ziemlicher sicherheit, dass auf der

seite nur 20 zeilen standen. Die stilcke gehoren einem doppelhlatte der innersten lage

an, icelches von G520 wir his G681 schkiss reichte, also kaum 162 verse umfasste;

erhalten sind, davon 30 verse vollstdndig tind hruchstiicke von noch etiva 25 versen. —

Sprache: hairisch- osterreichisch. i5

11. Klagenfurf^, hihliothek des Kdrntnerischen geschichts-vereins, ein pergament-

doppelhlatt (aus Liemher g in Kdrnten) 4^, 12. jh.^ (nach Diemers ansicht ^mitte des

12. jhs.'); die ungespaltene seite hat 26 zeilen (nur hl. 2^. 2b) ; die verse sind nicht

ahgesetzt, das versendepar durch das zeichen markiert, das wie ein schrdgliegendes

fragezeichen aussieht. Von hl. 1 ist an der (aussen-) seite ein stiick mit 6 — 12 huch- 20

stahen hreite ahgeschnitten; der ohere teil von hl. 2'' ist stark ahgeriehen, ausserdem

hahen auf den aussenseiten (hl. l^ und 2^) reagentien der lesharkeit geschadet. Diemer

konnte 1851 iveit mehr lesen als ich 1881. Das fragment umfasst nach Diemers ahdruck:

hl. 1. 1257 kuniginne — 1379 uorhte.

hl. 2. 1G48 anfang — 1783 misel-, 25

also nicht ganz 260 verse; ivahrscheinlich hahen wir hl. 3 und 6 des 2. quaternio vor

uns. — Sprache: hairisch-bsterreichisch.

12. Schivaz (Unterinntal), hihliothek der Franciscaner, ein pergamenthlatt (von

einem huchdeckel gelost) A^, zweispaltig, noch aus dem 12. jh.*, 21 cm hoch, lb,6 cm,

hreit. Jede spalte enthdlt 25 vorgeritzte zeilen, die verse sind nicht ahgesetzt, nur durch 30

punkte getrennt; vor den ahsdtzen rote initialen, ausserdem einmal (vor 6097^ eine

kurze rote capitelilherschrift. Das hlatt umfasst v. 6013—6100^ also 88 verse. —

Sprache: hairisch-bsterreichisch (starke synkopen wie gwalt; aher mugen st. megen^.

13. Niirnherg , hihliothek des germanischen museums 22067^ ein pergament-

doppelhlatt, gr. 4^, ziveispaltig, anfang des 13. jhs.^ Auf jeder spalte stehen SQ zeilen, 35

d.ie verse sind nicht ahgesetzt, aher fast regelmdssig durch einen krdftigen punkt ge-

trennt; rote initialen hezeichnen die ahsdtze. Die schrift des 2. hlattes ist etivas grbsser,

aher doch sicher von demselhen schreiher. Das doppelhlatt umfasst:

hl. 1. 4574 erredeten — 4752 diu.

hl. 2. 5814 mahte — 5973 schluss, 40

also zusammen 337 zeilen vollstdndig. Es ist das dusserste doppclhlatt eines quaternio,

wie die iihergeschriehenen zahlen XXXIII und XXXX angehen, des fiinften. Dieser

quaternio umfasste 1400 verse, also miissten auf quat. 1 — 4 bOtOO verse gestanden hahen,

iiher 1000 mehr als in der Kaiserchronik voraufgehen. Die hs. enthielt demnach wahr-

Ij Abgedruckt durch Sckonbach, Zeitschr. f. d. alt. XIX (NF. bd. VII), s. 208—210. 45

2) Bei Massmann : {. 3) Hrsg. von Diemer, Wiener Sitzungsberiehte, philol. hist. cL, VI (I8bl),

s. 328—342 (zu s. 330 ein facsimile); dazu collation Zeitschr. f. d. alt. XXVI, s. 238/. 4) Ab-

gedrnckt durch p. Gerold Dickel, Zeitschr. f. d. alt. XXVI, s. 85— 86. 5) Abgedruckt durch

Bartsch, Gerrnania XXV, s. 08— 103, dazu collation Zeitschr. f. d. alt. XXVI, s. 239/.


KAISEUnillONIK KINKS KKfJENSnUUOKK GEISTLirilEN. 1!»

schninlich vor der Kaiserchronik noch eticas anderes. — Einfehler wie des liungcrs derbin

(v. 4627J

honnte daranf himceisen, dass der schreiher nach dictat arheitete. — ii^prache:

alemannisch j n-ie ich aus dein hiiujiijen i der enduni/ (derbin, beti, laudi), ans jiract,

clageton, sageton, forton, inf. ininnon, samenon, dat. pl. goton; (fir iftern heu-alirnni/

5 des umimi/elautiten a utid einer form icie urtcilde tit. urtcile schlii s.xe.

14. Ileid elhe r 1/ ', cod. Pal. ijerm. \b\, pni)ier,folio, ende des \^).jhs.^ Diesir misch-

hand enthdlt in seinem, nach hl. 270" 1474 voUendeten handschriftlichen t>llf: 1 ) A/. 1"

124 die Vhronik des Martin von Trojijniti (Mnrtinns Vulutins), deutsch nach der durch zu-

sdtze venmhrten nceiision C ( Weiland, SS. XXI I, s.',\\H)J^ aher die kaiser vor den jtiijjsteu ;

10 den anfitnj s. Ini Wilken a. a. o.; schluss niit hl. 124* hii flemeus V; ilniiii (! Inrr

unheziferte hliitter. 2) hl. 12.")^ \'di]^ das deutsehe spruchf/edicht von Salomon und

Morolf (s. Sehauviheri/, in di n Ih itriii/en zur ijeschichte dir deutsclten sj)raehr und

litteratur II, s. 2). 3j hl. l."57^ — 27H'' Ilartliehs hearheitunij d> r Ilistnria Ali .rniulri

Maijni de pniiis (s. Goedeke, Grundriss, 2. aujL, s. ?t&)). — Ani/ehundm siinl dann

ir. noch 3 alte drucke: \) hl. 280—310 Steinhowels Aj)ollonius, Auijshunj, Giinther Zaitter

1471 (Fanzer Annalen der altern dezitschen litteratur I, s. iil). 2) hl. 311 — 327

Von ursprung und anfang des hergs nnd der hurj Andechs, Aui/shuri/, Blitider 1473

(Panzer I, s. 14). 'd) hl. 328 — 405 Jacohus a Theramo Belial deutsch o. o. u. j.

(Panzer, Zuscitze s. S).

•^o In die chronik des Mariimis hat ein anderer schreiher, da wo viit Ileinrirh VII.

die kaiserjeschichte ahschliesst, avf hl. G7'' — 71** zivei stiicke unserer Kaiserchronik

ivundetiich jenuij amjehracht; ztceispaltij (icie auch die voranjehende j)rosa (jeschriehen

ist) in ahjesetzten verszeilen, die ersteti huchstahen rot darchstrichen, rote iiherschriften

und grosse rote attfangshuchstahen.

" 1. hl. 67 sp. c — hl. 70 sp. a. Tbeodosius der XLIIII. kaiser. v. 13067—13376.

2. hl. 70 sp. h — hl. 71 sp. d. Julianus dcr XXXIX. keiser. v. 10637—10847.

Der schreiher iindert an den reimen ivenig, lasst sich aher ausser missverstiindnissen

mehrfach auslassungen zu schulden kovimcn. Es sind etwas iiher 500 verse. —

Sprache: alemannisch.

30 15. Strasshurg^, kaiseti. tiniversitiits- nnd landcshihliofhek, ein pergamenthlatt,

folio, zweispaltig, um 1300 geschriehen*. Die spalte enthiilt 40 zwischen linien ge-

schriehene verszeileti; die initialen hei heginn der ahsdtze sind farhig und decorativ

ausgefiihrt. Der schreiher hat in hochst unverstandiger iveise an seiner votiage zu

hesserti versucht. Die \Q)0 verse des fragments entsprecheti v. 1280— 1441. — Sprachc:

3y o fiir a (bon, lozcn, unmoze), th fiir bt (nitb, litbc), e fiir ae weisen deti schreiher nach

dem Unterelsass, wo das fragment ?:u tage gekommen ist.

B. Jiingerer text in reinen reimen, aher ohne fortsetzutt g.

Uher diese hearheitung muss ich einstweilen avf die lesaiien Massmanns ver-

v:eisen , aus denen man in raschem iiherhlick ein hild des zusammengehens der hattd-

40 schriften 16. 17. 18, dort 332^^^ getvintit. Der hearheiter liisst hairisch- Ijsterreichische

reime, die seinem dialect gemciss waren (sun:tuon, barterworte, r/oc/f ai(c/i berren:Ieren),

tinangetastet und fiigt neAie reime dieser art hinzu, aher nicht solche, icelchefiir die neuen

diphthongierungen sjorechen. Die form seiner umatheitung ist roh nnd. verstandnislos,

durch zahllose fortlassungen und z^isammenziehungen hat er den umfang des werkes

45 ntn etwa 1600 verse vermindeti.

1) Bei Massmann: h. 2) AusfUhrUch heschriehen von Wilken, Geschichte der lildurirj etc.

der Heidelberger hiichersammlnnf/en s. BGiJf'. 3) Bei Massmann: \. 4) Ilrsg. von Enfjel-

hardt, im Anzeiger fiir kunde d. d. mittelaUers ///(1834), sp. 95 — 99; hesser von Baraclc, Ger-

mania XXV, s. 103 — 105.

3'


20

/, Handschriften.

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

16. Wien^, k. k. hof- und statshihliothek nr. 2693 (friiher Univ. 833 j^ pergament,

112 (resp. 120j hlL, kl.folio, 14. ji7/.'; die neue paginierung zahlt 8 vorgehundene x>(ipier-

hliitter mit, von denen hl. 1— 7 eine inhaltsangahe unserer hs. aus dem 15. oder 16. jh.

enthalten^, von der gleichen hand, welche auch die dltere paginierung vornahm; hl. 8 5

ist leer. Die seiten der eigentlichen hs. sind ziveispaltig, £tt 45—46 (aher loeit iiher-

toiegend zu 46j verszeilen die coliimne; die ahschnitte heginnen mit einem roten huch-

stahen; die ganze hs, ist von einer hand. Die letzten verse auf hl. 1V2^ sind sehr

verioischt, und da dies schon Hqffmann* sagt, versteht man nicht, loie sie Massmann,

der ihm darin loiderspricht, ohne conjectur (und reagens?) so glatt hat lesen konnen. 10

Nach der schlusszeile 17283 Der chunich do niht langer [twelte] folgt zundchst von

einer gdnzlich imgeiihten hand mit hlasser tinfe:

die w , . . . und

die frumen,

da7in toieder von einer sichern hand mit dunkler tinte:

Do sande ouch sin® brief in daz lant 15

Der gut abte bernhart Ame dico vob

Der g[ut] abte berahart Ame dico voB.

Ein par hldtter sind schon nach der alten paginierung verhunden , es miissten

sich in der neuen seitenzdhlung folgen hl. 60. 66. 61. 62, 63. 64. 67. — Unser ge-

sammtcodex ist einem auf die innenseite des vorderdeckels geklehten gedruckten hlatte 20

zufolge im jahre 1540 von dem hischof von Wien Johannes Faher aus privatmitteln

angekauft und dem collegixim zu S. Nicolaus geschenkt worden mit der hestimmung

ut ibi in perpetuum studentibus usui sit iuxta statuta et prescripta nostra.

Diese dlteste vollstdndige hs. der recension B, toelche nach Tomanetz' zdhlung

20478 verse enthdlt, hat ihren grossen umfang hauptsdchlich daher, dass sie an stelle von 25

V. 11138— 11351, welche von Eraclius handeln, das gedicht des Otte aus dem anfange

des 13.jhs. (nach fortlassung der einleitung noch circa b2b0 verse) einschaltet. In dem

texte der Kaiserchronik selhst finden sich eine ganze reihe kleinerer liicken (meist nur zu

8—16 versen) und zahlreiche dnderungen an dem texte B; loir diirfen dieselhen aher

nicht dem schreiher der hs. zur last legen, nachdem Haupt und Graef^ gezeigt hahen, 30

dass er mit dem von ihm aufgenommenen Eraclius ziemlich glimpflich verfdhrt und

nachdem ferner reste einer dltern hs. (nr. 24J aufgetaucht sind, loelche eine grossere

liicke (v. 1598—1637 j und zahlreiche dnderungen mit 16 gemein hahen. — Sprache:

hairisch-osterreichisch , mit sparsamer vertvendung der neuen diphthonge ; ziemlich oft

b fUr w; charakteristisch fiir den schreiher ist die hdufige anfiigung eines unorgani- 35

schen e [nom. krafte, swerte; rehte, holte; _/^a?-^. bescherte, verlorne).

17. Wien^, k. k. hof- und statshihliothek nr. 2779 (friiher Rec. 2259 j, pergament,

gr. folio, 170 hlL, lA.jh.''; die seiten der hs. sind durchioeg zu ^ sp>cdten mitjeGOzeilen

eingerichtet ; mehrere schreiher sind zu unterscheiden. Inhalt hl. 1 ^ gehet in prosa,

heginnend: Hail hab du heiliges chreucz; 'am schluss die notiz: Nach Christi gepurd 40

drewczehen hundert jar dar nach in dem acht und funfczigisten jar hat mein fraw die

Tursinn ir opher an gehaben ze weichnachten rait zwelif wienner phennig. und daz hat

1) Bei Massmann: 3B. 2) So nach Roedigers angahe, Massmann setzt die hs. ins 13. jh.,

in den Tabulae cod. Vind. II, s. 118 ivird sie gar dem 12. jh. zugeschrieben. 3) Diese 7 blatter

waren zeitweise losgetrennt und fiir sich gebunden als nr. 2922 aufgestellt, erst neuerdings sind sie 45

wieder mit der hs. vereinigt. 4) Verzeichnis der altdeutschen hss. etc. zu Wien s. 4; vgl. noch

Diutiska III, s. 361. 5) S. dessen ausgabe des Eraclius, Strassburg 1883, 8" (Quelleu xmd

forschungen L) s. 1—22. 6) Bei Massmann: SB^, 7) VgL Diidiska III, s. 370; Hoffmann,

Verzeichnis s. 14; Tab. cod. Vind. II, s. 131; es ist die bekannte Windhager hs., u. a. als W. von

Martin im Deutschen helden buche II, s. xxxiv, fur Dietrichs flucht und Rahenschlacht und von

Amelung ehenda III, s. vi, fUr den Ortnit herangezogen. 60


KAISEUCIIRONIK KINES REGENSHURGEK OEISTLICIIEN. 21

8i allc jar gemcrt mit dirin (!j phcimigc»; es folyt auf dein rent der seite ein inhalts-

verzeichnis von einer hand drs ll.jhs. — Bl. H— 2*= stilcke des Passionaln, brf/innend

Daz ist von einem jungclingc. — /i/. 2**—415» die Kaiserc hronik volhtdndig : Daz

ist kronica got (!), von einem schreilxn- sonjfdltitj t/eschrieben, mit zierlichen mehrfarbit/en

5 iniiialen, aber ohne capitelidjerschriften. — Bl. 40»— 08"= Ilartmanns Iwein: hio hebct

sich an daz Buch daz da haissct dcr rittcr mit dcm Icbcn. — Bl. ()8«— 71'' die Ilridin:

hie hcbet sich daz buch von der haidencn. — Bl. 71''— 85«^ Ortnit: hic hebct Bich an

dc Buch das da haissct kaiser Ortnit. — Bl. 8;')''—88'' aus dem Passioixd : Von dcn

sibcn slaiern. — B/. 88''— 81»'' ebendahrr : Daz ist von dom hciligcn chrcucz \\'ic daz

10 lunden wart. — Bl. 89**— 81)^; Kin pispel des Strichers. Kz was cin sundc reichcr

man. — Bl. 89*^— 90''; Ein pis})cl dcs Strichcrs. Kz (luani cin man vu schuldc. —

Bl. 90''— 90''; Von eincm rittcr. .Alaricu dcr vrawn guct rtc. — Bl. 90'' 9


22 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

zioeispaltig, die columne zu 44—46 abgesetzten versen, 13. jiVi.'; die 354 flTS-j- 176J verse

entsprechen v. 4067— 4854. 6056— 6258. Die zugehdrigkeit zu B wird durch die aus-

lassung von v. 4671 — 76 und diirch die reimhesserung von v. 4711. 12 (houbte sa ze

stunt : kunt y^Vr houbete : kunte) geniigend dargetan; daneben eigene neuerungen. —

Sprache: mitteldeutscJi (das fragment stammt aus Niederhessen) ; durchiveg e statt «3; 5

tach tind dach, phlach und plach y«r tac, phlac; wille, willent //


KAISERCIIRONIK KINES REGENSHUHGER GEISTLICIIEN. 23

26. Miinchen^, k. hof- und .statnbiUiothi.k cl.l^i)Oo ( Oberaltaich ;)), pcrgavwnt

und papier,folio, 370 blL; Ib.jh.; f/emiachtcr hi.storischcr undlet/fndarischer inhalt^ (das

hauptwerk Gotfrids von Viterbo Pantheon); auf bl. 328*^—332'' steht die gvschichte von

Sevirus und Adcli/er G622--713G wie m 25 in di r fassumj von D; miii/lichrr wiise

5 haben v;ir es mit einer abschrift aus 2o zu tu)i. — Spmchr : bairisch.

C. Jiingster text, mit selb std iidiij cr cinlcituii;/ und /o rtsctzu u i/.

I. Ha ndschriften

27. Wlen^, k. k. hof- und stat.sbibliothck nr. 268.') (friihir llist. jirof. iu7), pergament,

folio, 94 bll., ziveispaltif/ zu 45 (spdtcr auch A\ und \\]) abi/csctztcn zeHcn, von eincm

1(1 schreiber geschriebcn, 14. jh.* Dic absatzc bcginncn blau odcr rot, dic capitd fiihnii

iiberschriften in den gleichen farben, wobei drr crstc buchstnbc rnh verzicrt isf. Dcr

text C ist hier voUstdndig crhalten. Ubcrschrift

Dicz biich cronica ist gcnant.

Und tuct uns wunders vil bcchant.

15 Es fehlt der hs. nach bl. 26 ein blatt rntsprcchrnd v. 4775—4954. Nach di-m schluss-

vers (we wenne wirt uns sein gcleich) rot ExpHcit Cronyca.

Bei Jugent hat auch cr dic scham.

Chunrat so nennet in scin nani.

Dcr ditz buch geschribcn hat.

20 Eur hulde ir in haben lat. Amcn.

Finito libro sit Laus et Gloria Christo.

Sor^, ^supernv^ ^scrip^ , ^li>^ •

i ^poci^ .

T.r >te< , ^ ,>.orum< ^ >torbn


24

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

mit 37—46, weist 40—42 zeilen die spalte, zioeite halfte des 14. jhs.^; die erste lage

hat stark gelitten. Uherschrift : Dis ist der kiinic buch daz man neiiet die Cronica.

Am schlusse der ersten fortsetzung (vve wenn Avirt uns sin geiich) ist auf hl. 106^ noch

die folgende konigsliste von der gleichen hand, toelche die ganze handschrift geschriehen

hat, eingefragen : Da nach richsot kiing Wilhalra von Hollanden. den erslugen die Friesen. |

Da nach richset kiing Cunradin sechs jar ^.

Da nach kiing Rudolf von Habsburg der

richset achzehen jar. | Da nach kiing

|

Adolf von Nassov^ richset sechs jar und wart in

dera sibenden erslagen. | Da nach richset kiing Albrecht. 10 jar. | Da nach kaiser

Haiurich von Liiczelburg 4jar. | Da nach kaiser Ludwic von Baiern. 33jar. i richset

iecz kiinc Karle von Behen. Also ist die hs. vor 1378 geschriehen , und Massmanns lo

datierung : 1378 oder 1380 hleiht unverstdndlich. — S^orache: alemannisch; die hs.

kann in Reichenau, woher sie stammt, recht gut auch geschrieben sein; von den hss.

des Walther von Rheinau unterscheidet sich unsere hs. hauptsdchlich durch ihr ai fur

ei. An den Bodensee scheint neben dem i-ausgang der fem. ]a.-stdmme (gleich in der

vorrede hohi, braiti, tiefi, gruntvesti) auch eine form ivie kilchen zu tveisen. i&

(Zeyl I

30. Schloss Zeil^, hihliothek des filrsten von Waldburg - Zeil- Trauchburg nr. 81

N.

81 nach LL l^) , jjapier, 4°, 374 hll., die (ungespaltene) seite zu durch-

schnittUch 23 ahgesetzten zeilen, ende des 15. jhs.; die grosseren absdtze tragen rote

iiberschriften; das papier hat als loasserzeichen den ochsenkopf mit dem kreuz zwischen

den h(')rnern, ehenso wie nach Massmann auch in einer Zeiler hs. von Konrads von 20

Wiirzburg Trojanerkrieg. Rote iiherschrift a\f bl. 2*

Hie hebt sich an die cronic

die uns offenbart die geschicht der konig.

Bl. 338 oben wird mit der 4. zeile d. i. v. 16696 (Massm. 1671 IJ abgebrochen und unter

leerlassung des blattrcstes und 5 loeiterer unp>aginierter bldtter auf bl. 339 mit v. 16841 23

(Massm. IQSbQ) fortgefaho^en: hier hatte also die vorlage eine lilcke, deren umfang der

schreiber (an der zahl der ausgeschnittenen bldtter) zu iiberschauen vermochte; er be-

merkt beim beginn desselben: Item nach dem VI pleter(!) so faiict'* es wider am sexte^n.

— Die hs. ist die einzige, welche den text C noch iiber Friedrich II. fortsetzt, und zwar,

wie schon diefehler und auslassungen beioeisen, nach einer vorlage; ivie loeit diese 2.fort- 30

setzung reichte, wissen loir leider nicht, denn unser mscr. bricht mit dem 482. vers der-

selben aufhl. 374' unten mitten im satz ab furn in den gedancken . .; dem einhand nach

zu xLrteilen fehlt etioa ein sextern *. — Eine eintragung auf dem vorlegehlatt a aus dem

ende des 15. jhs. hesagt: Das buch ist her | Rudolffs von Ehingen | Ritters K. M. Rat

und Reggent; Rudolf von Eliingen toar der vater des bekannten Georg von Ehingen 35

(Reisen nach der Ritterschaft ed. Pfeiffer, Stuttgart 1842^. — Sprache: schivdhisch,

u und, i sind durchioeg zu au ^ind ei diphthongiert, aher iu crscheint noch sehr oft als

ix ; echt schiodhisch ist das au fiir a (in auht, Auch, gauben fiir aht, Ache, gaben).

31. Miinchen^, k. hof- und statshibliothek cod. germ. 96d, papier, folio, 333 bll.,

von Christof Tegernseer'' im jahre 1594 gcschrieben, lediglich ein curiosum als der io

letzte, recht ivunderliche zeuge fiir die langandauernde beschaftigung mit dem werke^;

d.enn was dieser 'verteuttscher', wie er sich selbst am schlusse nennt, an misverstdnd-

nissen, unfreiwilligen und geioaltsamen verhalhornisierungen seiner vorlage fertig

1) Vgl. Archiv II, s. 391. 2) Eine andere hand hat hier eingefiigt: da nal) kiinc Philipp9(!)

3) Bei Massmann: 7a. 4) So ist nach K. Franckes meinung Massmanns lesung fauet zu hessern. 45

5) ^Aber schwerlich mehr' bestUtigt hr. geh. rat Waitz. 6) Bei Massmann: T. 7) Nach

Massmann III, s. 27, ajim. 2 liegt von ihm noch eine reihe anderer ahschriften in Miinchen. 8) Im

18. jh. hat dann ein schreihcr mit schon philologischen neiguvgen eimelne slitcke dcr Kchr. abge-

schriehrn und zu dem Adelger auch lesnrten. einer andern hs. hinziigefiigt : in der Wiener j)npierhs.

9500 (Tahulae cod. Vind. VII, s. b2). 50

So

5


KAISERCIIHONIK EINKS HEfiENSnT-RrJKH GEISTEICHEN. 2;')

ijehi-ncld /laf, ist icalnhaft liamst raulieud. Kr liatti , lnt vorUiiji', dir din iiltern Ctext

l)Ot, liijrt aljcr mli ehum hiinceis auf PhiUiqi coii Staiiftii auf, uiu, wie rr tiai/t, dir writnr

geschichte Biss auf Rudolfum don iczigcn lienen iu drei t,ilen au»fiihrlich zu Uhaudilu.

Die titrl uiid die eiuijauf/sverse srinn- hearh, itiiui/ minjeu hier stihru.

5 hl. 1 (aufijeldeht):

• CJronicu lii» nianonnn Keguni.

und Arbaitt Hcschrihcn. und lihcimb weiss also

Das ist gruiult wliaarc l^schrcibung dcr | gcHcliicht unnd hochcn thattcn. allcr

Kocniischn | Kayscr unnd Kiinigcn. was ycdcr di.scr in | Lche Zcittcn gcthann nnnd voll

enndct hatt. | Auch {rotj daihcy vorincldung gctlion wicrtt. wic | oflt das hcilig Kiicniisch

10 Reich. von Anfang | dcr wcltt Hestrittcn. mit Krieg angcfochten j gcwhunnen und Kr

oberct. Christen und Haidn | iinndtcrworfi^cn ist wordcn. Allcs niit hiiech- ( stem vlciss.

neben gross angcwcnndter mhilc |

|

constituiertt 151*4.

hl. 2;

15 Cronica Ivonianorum Kcgum.

Volgt hernachdicwhaarhafftcjicschreibungcnn |

dcr KNicmischcnKaiscr unndKiinigen.

was ye- | der in Lcbc Zcittcn scincr Regierung. unnd Admini- | stration gewurckt unnd

gehanndlct hatt. auss dcm | hoch unnd wcittberhMcnd^tcn Iiistoriograj)ho ]*;ii"Io | .lovio.

von Latcinischcr Sprach in unnscr Teiittsche |

i'o Bescribcn |

unnd

Constituiertt.

vcrticrtt

unnd Rittmicc oder Jihcim weiss

Roniulus unnd Ithemus die ersten RiJemischen Kaiscr».

Mitt diser meiner rede so lobcsamb

hl. 2'; Ivonmien wier an die kaiscrliche stamb,

Unnd begercn zue beschreiben ier ennde,

25 Gross mancher janimcr unnd cllcnndc.

r» Wie woll sie anhccbt ein lange rcdc hie,

Wie die rciemischen kaiser gelebet yhe,

Unnd wie cs sich aber ennden soll,

Das mag herauss yeder wisscn \voII.

30 Es pflage damals gewaltigkleich

10 Icre zwene briicder, dic waren rcich,

Der aine hiess dcr liomulus,

Der annder aber hiess Rhemus.

Denen zwayen dienneten alle lannde,

35 Sie truegcn den gwalt in icrcr hannde.

15 Es waren ier dreihundertt altte herrcn,

Vermerch, was mocht incn alda gewherren:

Dic eines schatts da pflagen,

Allcr sacli bey incn da lagenn

40 Wan alles was dise alttc rhietten,

20 Das liesscn sic dcm volkh gebictten etc.

Es ist anzunehmen, dass diescr stiimper mit seinen jfimmerlichen reimen nnd dem

schioindel von dem 'lateinisclien bucli des Patdns Jovius' bei den landsleuten des Aventin

keinen erfolg geliabt hat.

45 //. Bruchstiicke.

32. Wien ^, k. k. hof- und .statsbihliothek nr. 12800 (Suppl. 21\), 2 pergamentbldtter

mit den blattzahlen 34 und 37 von alter hand, gespalten , zii 48 verszeilen, zierliche

1) Bci Massmann: lu^; prohe III, .?. 34, 2) Dir gros.ien arifangshuchstahrn .sind hier he-

seitigt, die interpunction isi zugesetzt.

Deut.sche Chroniken I. 4


26 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

ciirsivscJirift des \A.jhs.; die anfongshuchstahen der ersfen reimzeilen rot durch-

sfrichen, die zweiten zeilen eingerUclxt j (jrnssere rote buchsfahen hezeichnen die ahschnifte,

dazu kommen rote iiherschriften : Von Dyocletiano und Maximiano. Von tlem chunige

llelyus. Die 384 verse entsprechen v. 6369—6559. 6960 — 7151. — Sprache: oherdeidsch

ohne hairische diphthonge. 5

33. WolfenhUftel, ms. Aug. lb,2, ohen s. djf. unter nr. 3 ai(.


KAISERCIIKONIK KINKS REGEXSBUKGEU GEISTLICIIEN. 1'7

V. 1783 die inisclsulitigcn liicz cr licil siii 1. 5. (I. 7 — iuisclsulit 1. L'. o.

y. 2Wb—G7 von clcin gotcs riclic

suhi wir rcdr lian.

in sincni vridc valic w i r dic r^idc a n.

6 V. 21G7 stc/it so nnr f). |G| 7, alliin 4 hcirnlirt /let Jreicr iiiulrriiin/ iltic/i idis in siiiciii

vi'idc; in 1. (2) (3) a//er ste/it dcr mattt jtickvvrs: Also sjtracli dcr liciliLM.' niaii, dcr

fast iric (iiisj iillunij eiiier liiclie aussiilit.

V. ollo swaz von f^otc ist cnsprungcn 1. .'>. G. 7 — «^'ite I. 2. .'5.

Besonders Iclar ist r. li2H4

10 die \sc. redcj inuoz wir iii driu tailcn: 1. ;'). G. 7 — er dns

50 ec/ite im ziceifcl sein, so v. 3112 schribct 4— 7 — sprichct 1— 3. — v. 49GG hie inne 4—

— hie haime 1—3. — v. 5068 gestillet wart 4 — 7 — gclac 1 — 3.

4*

(.'»J.


28

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

Innerhalb der gruppe 1. 2. 3 (zu cler sich hereits die fragmente 9 und 14 ge-

sellten) konnen xcir nun noch eine weitere scheidung vornehmen. Es stehen in einer

reihe von fUllen 1. 2 mit einem fehler allein^ wo 3 mit 4— 7 die richtige lesart hat.

In diesen fdllen stellt sich nun C, soiveit die ursprilngliche lesart seiner vorlage er-

kennhar ist, zu 3 (vgl. schon ohen hei v. 6000j^ loilhrend B meist auf seite von 1. 2 steht. 5

V. 358 an der stirne 4, 5. 6. 7.-J- 3 — dem hirne 1. 2.

v. 455 Do Julius wider ze Rome san ist das seltene gesan (:intfan) des Annolieds nur

in 4. [5— 7] geicahrt, aher wahrend 3 sich mit der hequemen dnderung chom ohne rilck-

sicht aufden reimhegniigt, hahen 1.2 aus gemeinsamer vorlage begunde nahen (: enphahen).

V. 461 mit zorne 4. [5—7] -|- 3. C= Anno v. 403 — mit vmgemute 1. 2. B. lo

V. 596 liep unt lobesam 4. [5—7] -\-o.C — vorhtsam 1. 2.

V. 1472. 73 want er der Zacheus was

den unser herre uf dem boume sprach 4. 5; dem u. h. . . . zcu

sprach 6. 7

; ze dera u. h. (Jesus C) . . . sprach 3. C; aher der unseren

herren . . . sprach 1. 2. (B ganz frei). is

y, 2447. 48 sind in 1 am untern rande nachgetragen, in 2. B ganz fortgefallen;

gegen ahschrift von 2 aws 1 aher sprechen zahlreiche fehler, die 1 allein hat, so vor

alleni die liicke in v. 10885—87.

V. 2811—13 'Clemeus', sprach si, 'lieber herre,

— ich sage dirz ungerne — *«

min jungester sun hiez'.

Diese wortfolge hahen 4. 5. 6. [7] -j- 3. (C) — dagegen 1. 2. (B) umgestellt:

'Owi, lieber h^rre,

ich sage dirz ungerne,

min jungester sun Clemens hiez'. 25

u. 3813 die sternen also wunderlich 4. 5. 6. [7] -\- 3. C ~ werlich 1. 2. 9. [Bl.

v. 5461 do neheten des boumes este 4. 5. 6. 7 -[- 3 — sin 1; di 2.

V. 5669 er kerte engegen der brucken 4. 5. 6. [7] -\- 3. C — burc 1; purch

san 2; diesen unsinnigen fehler hatte auch B, tvie die Jis. 18 zeigt, aher 16. 17 hahen

ihn heseitigt. 30

V. 5912 gerihtes 4. 5. 6. [7J -{- 3. C — richcs 1. 2.

V. 5962 den du ze tode hast geslagen 4. 5. 6. [7J -f 3. C — fehlt 1. 2. (B?)

V. 8801 tac unt naht 4. 5. 6. 1 -{- o. C — naht und tac 1. 2.

V. 14568 der scar nehat daz buoch nehain zal 4. 5. 6. [7] -|- 3. 8^ C — fehlt \.2. B.

Da 3 nur einen fragmentarischen A-text hietet, so kann C uns hin und ivieder 35

einen kleinen dienst leisten, wo es eine lesart der gruppe Y gegen 1. 2 stiitzt.

V. 6936—39 er hiez mich mit im ze hove gen

unt hiez mich daz spel rehte veruemen (versten 4.7) (4) 5. 6. (7).

unt hiez mich dirz hie haime sagen.

daz er iemer ubel jar muoze haben 40

V. 6937 ist ivegen des gleichen eingangs von 6938 der vorlage von 1. 2 entschliipft

2 liess dann, um den dreireim zu vermeiden, auch noch v. 6939 fo)i und reimte nun

gan :

san (= sagen). B hat deutlich die liicke von 1. 2 , die ungeschickt genug aus-

gefiillt ist: Er hiez mich mit im ze hove gen Unde hiez mich da bi gestcn, Hoeren daz

selbe msere, Daz sage ich dir ze ware. C aher scheint das echte vor sich gehaht zxi 45

hahen: Mit im muostich ze hove gen, Daz bispel hiez er mich versten, Und hiez mich

dirz hie heime sagen. Ein iibcl jar mtieze er tragen.

Zivischen dem reimpar 6544. 45 si ubten christenlich ewe,

si wolten gote flegen 4. 5. 6. [7J -\- (C)

hat 1 eine storende reimlose zeile si wolten haben christenlich lebcn, und 2 soivol ah B 50

hahen miihe^ diesen stUrenfrid, der sich auch in ihrer vorlage fand, zur ruhe zu bringcn.


KAISKUCIIKONIK KINKS IIKCKNSIUTKGER GEISTLICHEN. 20

2 lasst desludb v. ()i)ib (janz fori iind reimt — e: Si woltcn habcn cliiistcn nic. Ji hat

— 6: Dcr kristcn not tct in wc. Si niinnetcn kristenliclicz lcbcn. Got bct in j^uoten nniot

gegcben u. s. ir. — C aher hatie wie 4—7 und branchie nur zu andern e: vlelKii ie iiic.

5 1. (2) B.

V. G703 iiiit iiallMiiii iiiuotr er ziuj iiii spracli 1. ;'). (i. 7 -(- C — niit senftcin iiiiiote

In einer wichtiijen stelle, wo i — lf(;hlcn, rcird die ijuie vorlaje von 3. C diirch

das Annolied hestatitji:

V. 457. 58 si s|)raelieii duz er dureli siii geil ."{. ('= Anno v. 31t0 — siiien (-f- un-

nia/.en \) zorn 1. 2. //.

'0 ir lieres hete verlorn eiii niichcl teil 3. C = Anno v. 4CK) — vil ver-

lurn 1. 2. Ji.

TcUt niiji J) auch die mehrzaht dcr fcldcr, in dcncn 1. 2 zusammeniji hn , so

doch nichi allc, z.h.:

V. 10474 vil wunncclich wart ir scar 4. 5. 0. [7] -f- [3J \C\ -{- B — lielit I. 2.

10 V. 1G936 wider dcm vater 4. B. C. |3J [5— 7J — wider itn 1. (2)


30 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

Aher doch steht 3 dem urtext noch ndher als 8 mit seinem neuen reim dulten: behalten,

kann also nicht aus 8 geflossen sein. C, das icir langst als aus einer vorlage dieser

gruppe stammend kennen, wirft v. 8318. 19 aus und bleiht mit v. 8320. 21 am nachsten

3 zur seite:

daz der gewisliche 5

bute in himehuche.

Noch folgende stellen helegen die nahe verwantschaft von 8 und 3. (C):

V. 8243 tougeulic he 1. 4. 6 (tugentlichc 5; tuchtildikc 7) — gutlichen 8. 3, C~f- 2.

V. 8379 nchainc bose liste 1. 2. 4—7 — chain sin hose liste 8; dhein poz

seiner listen 3. [stark abiveichend dndert Cj. lo

V. 8457 setzen 3. 8 dem vers felderhaft ein oder voran [C frei] ; dagegen macht

V. 8458 3 den fehler in 8 haideniskiu filr irdeniskiu nicht mit.

V. 8482 — 84 wande misselieh volc

ze hainer rede niene touc:

mit den nemahte sendes niht sin 1. 2. 4— 7. i5

8. 3. C stellen nicht ehen ungeschickt um : v. 8483 ze neheinem sende — 84 rede.

Nicht so genau Idsst sich die stellung der idjrigen fragmente ermitteln. In 10

hahen icir den kiimmerlichen rest einer sehr alten, jjrdchtig ausgestatteten hs.; die

hcqueme vermutung, dass dieselhe an die spitze tinserer nberlieferung oder eines zweigs

derselhen gehore, machen die folgenden ahiveichungen vom erschliessbaren urtext zu 20

nichte: v. 6569 la dir erbarmen 10 = 2 statt la dich e. 1. [3] -|- 4—7. — v. 6606

in lochen un in bergen 10 = 2. — in den 1. unt in den b. 1. [3] -f- 4— 7. — v. 6643

fehlt aller eriste 10 = 2 gegeniiher 1. [3j -f- 4— 7. Bei der durchgehenden neigung

von 2, selhstdndig iiherlange verse zu kiirzen, heiceisen diese iihereinstimmungen nicht viel

fiir ein nahes verhiiltnis zu 10. 25

ll^ gleichfaUs ein sehr altes hruchstiick, sfeht ganz allein mit dem zusatz vil

V. 1212, mit gote statt suoze v. 1669, in kerten statt hin kerten v. 1775. Entscheidend

fiir seine zugehorigkeit zur grtijipe X sind folgende stellen: v. 1267 sin dinc stunde =

1. 2 -j- [3] gegen siniu dinc stuonden 4. 5. 6; v. 1316 stilte er = 1. 2. [3] gegen-

iiher (ge)stillete 4. 5. 6; v. 1353 niht ze laide = (1) 2. (C) fiir ze haile 4. 5. 6. Ihnen so

gegenuher iciegen kleinere iibereinstimmungen mit 4 (v. 1376. 1743. 1749^ nicht viel.

Den zusatz liebe in v. 1341 (waz ist dir, liebe, gescehen?) hat auch C, und deshalh mogen

noch zwei an sich hedeidungslose iibereinstimmiingen mit C angefiihrt tcerden: weglassung

von mer v. 1694, zusatz von den v. 1782.

12 tritt zur siiddeutschen gruppe mit v, 6065 enphulhen = 1. [2] 3 gegenuher 35

bevulhen 4—7; v. 6091 guotlichen = 1—3 gegeniiher gotUche 4.5. 6. Mit v. 6087

want er rehtes gerihtes phlegete stellt es sich icol deutlich zu 1. 2, denn hier hahen 4—

nur rehtes und 3 des rehtes (corr. ans reichesj. Die dnderimg v. 6093 seit uns daz buch

vur war statt uns saget d. b. v. w. treffen icir in 2 tcieder. Mit dem zusatz von vil

V. 6027 steht das hruchstiick allein. 40

Das fragment 13 ist mit kleinen ahiceichungen , fortlassungen und zusdtzen so

nachldssig, dass ich aus der fortlassung von ze tode v. 5962 nicht gleich axf ver-

wantschaft mit 1. 2 zu schliessen wage.

14 stellt sich diirch fortlassung von 10834—37 zur gruppe X, ebenso mit v. 13303

meres statt moses. 45

Das icegen seiner willkiirlichen dnderungen fast unhrauchbare elsdssische bruch-

stiick 15 hahen wir hereits oben s. 26, 4G icegen v. 1353 ze haile zur grxippe Y gestellt.

Wir haben die hss. 4 und 5— 7 als eine geschlossene gruppe bezeichnet, aber hisher

vorwiegend nur stellen beigebracht, in denen sie mit dem gemeinhesitz der echten Jesart

den siiddeutschen hss. gegeniiherstehn. Der beiceis, dass sie auch fehler gemeinsam 50


KATSEnrilKoMK KINES REnEX^^nrur.ER nEISTT.irilEN. 31

hahen, und nicht etwn 4 einerseits nnil die vorlage von f)— 7 nndererseits selhstandig

aiif das original oder den archeti/piis zuriirhgehn, ist nnch r.u erJtringen.

Der vers 1 7S alsu .si woltcn ( : gebettcn, vgl. v. A'2'2\\f.) 1. 2. '.).

I IL (' u-rirhcn ahj

— fch/t 4. :'). 7; irird crganzt Aiz sio vil tettcn ('».

r, v. 11)3— 2()S fchlen in 4. 6. (7) /5 hat hicr diirrh hlattv/rliist rinc grnsscrr liicke].

v. 'M)h—))\i) fchlen in 4— 7, irofiir frcilirh nuffalhnil g«'nug v. .'510 12 in 4 -7

der fnssiing dcs Annolieds niiher stehn nls in 1. 2. '.\; s. die amncrkung.

Oh schon die vorlagc fiir dcn itrhchcr dcr vilschveilactlon ii — 7 dic grosscn liickcn

von 4; v. 39.') Ah\ und v. 52G— f)!)') enthie/t, liisst sich Irider nicht cntschriden , dn

10 hier dic j)rosa einc noch viel griissere j^d^i^ ''^* reimwerks fortldsst; ahcr ihvc liicke

(die his 004 in G. 7, his G70 in f) reicht) heginnt mit dcm glcichcn vcrse 31);') ivie in 4.

Viellcicht bcfand sich die gemeinsame vorlagc hier in schlcchtrm zustande, niid P, dcr

das werk in seine prosa verjlocht, liess hier lieher eine griissere partie aus, als dnss

cr wie 4 sicli mit dem stiickwerk hegniigtc. Sieht man, wie in 4 erst (]0 versf fchlen,

15 dannll idierliefert sind, dann wieder 6b fehlen, so ist die nnnnhme, dnss iii der vor-

lage 2 hliittev heransgcschnitten, ein dazicischcnstehendes aher erhalten wnr, nichf nn-

wahrscheinlich. Aiich nnf ein hlatt der hs. 10 kommen niir circa 80 verse.

V. 193G er vuor tougcnlichen danncn 1. 2. 3 — tu;^^ontlielic 4. f). G. [7|.

V. 4705— 7 der niir allc disc wcrlt gaebe,

20 wie ungerne ili die n;emc 1. 2. [3] (li) (C) — (llli 4.5. (i. |7).

vur niinen vil liebcn nian.

In dcn fcliler dili vcrfiil/t hicr frei/ich aucJi dns fragincnf 1.3. — Dic heidcn crsfen verse

kehren v. 4783. 84 wieder und hier hahen cdle hss. rirhfig die.

V. 49GG ziehe ich hie haimc 1—3 dem hie inne 4— 7 vor.

.jr, V. 5.307 besazen 1— 3 — irsazcn 4— 7.

V. 8851 zc sinem eren gcsidcle 1. (hercn 2. 3) — ersten 4—7.

V. 95G9 lichnamcn 1—3 — fch/f 4—7.

V. 9G82 si sungcn cngegcn im gcwis

'osanna in exeelsis',

30 von allcr ordcnungc

groz urchunde 1 — 3 — hat er gr. u. 4— 7.

Dic iindcrnng in 4— 7 gieng aus von einem misverstiindnis, ujclchem v. 9(!;)< ich wil

dir ain gruz urehundc von im sagcn hiiffe vorheugen sollen.

V. 10595 der trache wart sa da haft 1. 8^ f3|; ser bchaft 2. — schadcliaft 4— 7.

35 ane ture und ane sloz.

V. 11927.- oh dieser vers, wie ich ihn aiis 1. 2. |.'}) aufgenommcn hahc, in 4—7

aiisgcfallen isf, oder oh hier nichf vielmehr cine liicke des archetypus duvch X crgiiuzt

wurdc, dariiher s. die anmerkung z. d. st.

V. 12089. 90 er hiez si wol setzen

40 ir laides ergetzen 1. 2. [3] B. (C) — vergezzen 4— G. [7].

V. 15291 fehlt 4—7.

Also auch 4 und P(rosa, d. i. b—1) gehn nichf selhstiindig auf den archetypus

zuriick, sondern auf eine hs., die zioar im grossen und ganzen sehr sorgfHltig, aher

doch nicht feh/erfrei icar. Diese hs. Y war hestimmt eine hs. des 12. jhs., wie die

45 altertiimlichkeiten zeigen, die sich nicht nur in 4, sondern auch in 5 und G erhalten

ha/jen. Dass nicht etwa 4 die vorlage fiir P gewesen ist — zeitlich xdire dies nicht

unmog/ich — , wird schon zur geniige dadurch Mar gelegt, dass in 5—7 eine ganze

anzahl verspare iincl verszeilen heicahrt sind, die in 4 fehlen : 2G92, 3245. 4G, 4227. 28,

8227. 28, 8524, 9G93, 10413, 11202, 13241. 42.

50 Der ohen dargelegfen tafsache gegeniiher, dass 4 7ind P einen von X unahhiingigen

ziveig Y der iiherlieferung darstellen, erscheint es auf den ersten hlick hefremdend,


32

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

wenn ich ein par mal die lesart von P als richtig da in den text setze, wo die sclnoesterhs. 4

zur grnj^pe X tritt. Es gibt dahei verschiedene moglichkeiten. In einigen fdllen kann

der schreiher von 4 dnrch einen ahnlichen p)sychologischen process wie der von X zu

dem gleichen odcr einem dhnlichen fehler gelangt sein, in andern mag der gemeinsame

fehler von X und 4 ein felder des archetypus sein, mit dessen a^ismerzung uns hereits 5

P zuvorgekommen ist.

V. 2238. 39 nu dii riiogcst den maister din,

so wil ih uber in sin 1 — 3; ich uber dich 4.

Das richtige so wil du uber in sin (vgl. v. 2243j hahen nur 5 — 7.

V. 8133. 34 da sanch er gewisse 1 — 3. 4 — aine niisse 5— 7. 10

von der gotes urstende.

Vql. V. 10078 er nesunge von der gotes urstende aine misse; das flickwort gewisse konnte

leicht sich eindrangen.

V. 13849 da gewan der alte Dieterih

vier sune herlich, 15

den kuonen Dietmaren,

dem si alle grozer knehthaite sit jTihen,

So hahen den v. 13850 mit ausnahme von 5 7, vjelche einen sun hieten, alle hand-

schriften (auch die jungern hearheitungen), tmd ich hahe hier nicht geivagt, die lesart

von 5 — 7 in den text zu setzen. Dass dem alten Dietrich vier sohne heigelegt werden, 20

entspricht ja der tradition, aher kann der ohige ungeschickte satz wirklich heissen 'der

alte Dietrich zeugte vier sohne, darunter auch den kiihnen Dietmar'? oder verdankt nicht

vielmehr jenes vier sune dem schreiher des archetypus seinen ursprung, der die angabe

einen sun nngenaufand, aher iihersah, doss es hier nur auf den einen sohn ankommt?

V. 14070. 71 Etius dar engegene 25

gelich ainem degene.

So aUe hss. ausser 5. G. [7] gehch einera diethen degene; mit riicksicht auf Rul. 166,

6. 7 Largis dar ingegene gelich einem dietdegene hahe ich das compositum eingesetzt.

Schliesslich auch noch eine stelle der Crescentia, wo man das verderbnis freilich

bis auf den compilator zuriickfiihren konnte: 30

V. 12266 vil lute er ir zuo scrai 1. 4.

3 fallt aus, 2 lasst ir zuo iceg, aus B und C ist nichts zu lernen ; ie zuo, das man

aus 5. 6. [7] gewinnt, ist filr die situation das einzig richtige, denn indem der vitztum

die tiir aufstosst, ruft er (nach riickwdrts, nicht zu der Crescentia, gewendet!)

sofort (ie zuo) zeugen herhei: uf, iif alle die der hie sin! 35

Dass der erschliessbare archetypus nicht das originalmanuscript des dichters

isf, geht aus folgenden verderhnissen des textes mehr oder tceniger deutlich hervor.

Nach V. 519 fehlt die reimzeile [Anno v. 466 Einen nuwin sidde aneviengen) in

1. 2. 3 -|- 4. [5— 71; erst B und C hahen sich mit einer erganzung versucht. Diese

liicke konnte freilich schon hei ungeschickter herubernahme aus dem Annolied ent- 40

standen sein.

Nach V. 1791 onuss ein reimpar ausgefallen sein , denn in v. 1792 do si den

funden ist das demonstrativpronomen ganz heziehungslos in 1. 2. 3 -f- 5. 6. 7. 4 schiebt

nach V. 1791 ein Lazarum suchten sie da und schafft einen dreireim, mit vermeidung

des dreireims fiigt den Lazarus auch B ein; C ergdnzt in v. 1792 den leraer. 45

Der vers 8081 umbe widemen und umbe zehenden, dessen echtheit durch

den Trierer SUvester v. 361 h^ berichte widem un zehenden hestdtigt wird, stand im

archetypus ohne reimzeile und tvurde deshalb von X, d. i. 1. 2. 3. B. C weggelassen.

Y aber hehielt ihn bei , in 5. 6. [7] treffen wir hinter ihm eine ungeschickte wiederholung

des (eben dagewesenen) verses 8080; 4 hat ihn etioas gedndert und reimt auf 50

Umbe cehenden un umbe widemen: Wie sie die bevrideten.


KAISKltCHKONIK KINES UEGENSHURGEU GKISTLICIIEN. 33

\\''(s nnc/i r. 3r)21 ir ncwirt nirre noeli niinre, ico iii \.[^.(('j dli' viliiiziit, Jililf^

2 hiclit : daz zergat nininier, //'// nutihllvh kiiniii in-rt ; nbi-i' iiurli sie ne verwandelnt

.sieli iiiiniinr 4 — 7 sii-ht ri'rdiichtii/ (iiis: dii- KniKi viliriniil: riinit iinr iiiiinrre iind h< nnl

ijaiiz ijiiris nicht eiiic foriii niinnier, dir iiiif iiuuvc ndir u\\\\\\ie rrimzeile zu \\S4[^ Jehlt in 1. (2). 5 — 7; doch hiibc irh die besscrumj von 4

anfijenommcn.

V. 14493-1)5 sind l—V>.(B/ iiberliefert

daz wort nciualit er nie (nilit 2) ge.s]jreeiien.

25 si newesten waz .si (-f- an im 2j r;\elieii (wolteii reeliciiJ; iii


34

KAISERCHRONIK EINES KEGENSBURGER GEISTLICHEN.

Das iihevraschenchte ergehnis der handscliriftenhetrachtung ist lool das, dass die

hs. 1 trotz ihrem hohen alter vom original dicrch eine ganze reihe von zicischenhand-

schriften getrennt ist, u-ahrend demselhen die viel jiingere rheinische hs. 4 genealogisch

verhaltnismassig nahe steht. Zivischen dem arclietypus und 1 liegen mindestens vier

zwischenhss. : aus der jiingsten stammen die fehler 1 -f~ ^; ^'^^


KAIREKCHRONIK KINKS lIEGENSUUUfJER GEISlKKilKN. ^5

initfcln tittoi rtitieti nim zn srlinffen ('1 friiUrli irrit imitr n/s 4); nir iriffrii iJaln r

ninssriihnft iii fntslnsstiitijrii vtid grlrijrntlirli nucli rimiinl iii riitrr itnlteHnjrudrn rriiit-

hrssrriinij ::nsnmtnrii. 3) Iiinrrludh drr jriippr X snlirn irir 3. H. (' uitn/dn'iiiifii/ rnit

1. 2 t(nd in vir/rn fiil/i n tnit drr riclttiijni irsnri voii Y diincii Iihs. tjrijrnidirrsirliii.

s Dirs vrrluiltni.s sclieiiit tiichi seltcti eiiir siiiriinij ztt crleitlrn durrh intjcs zusiimincn-

i/rh n vott 2 uinl 3; dicsc Jteiden siud Jmirisrhe hss. drs 14. j/is., ihre schrri/tcr strhn

nls landslcutc uitd ziiiijcnosscn schoti dcm um fnsi

2'H^) jnhrr nltrrn icj-ir uili rim ni

lilitiliclirit ijradc von versintidnis odrr utivcrstiind nis und iihitlichcm hcdiirftiis drr

sjirachlichcn umformumj und rersiiindJichmnchunj ijrjcnii/>cr K So irrffrn sie nicht

10 nur oft iit ausmcr::un(j aJtrrtiimJichrr, fortJnssn nij ii/trrj/iissiijcr iriiricr ziisnmmcn, snn-

dcrn sifi Jjegcfjnen sich geJcijctti/ich auclt in rincr rcimbcsserunij (v. 21'.'. 2n «Iliu «liii

lant (liii si lieton bcdwun^^on in ir ;,^c!\valt iindcrn 2, 3; diii si bctwun^fii li


36 KATSERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLTCHEX.

belassen. Dnrchu-eg schrrihtl clie echt hairlsche forni biscolf, v:o


kaisi:kchr(jnik kines ke(;knsi5L'R(;ku (jkistlkiikn. m

hnirisc/ir iniinildrt ilcs (licJitnrs , ilir ir/i In r. (i l:iir~ hnrirsrn luiJn iiinl sjnifi r (iiis

fii/irlir/i (/nrstrllrn irrrdr, (/rhotm.

/')'ir lani/rs i /idf ilir lis. ijrirn/inHr/i i, srltm i, vor s nnd t i'tftrr ili (silit, uili.s-

tuoin, wir anc/i ini Windhrri/rr /isnltrr' mr/irfnrJi ), i/nnr. vrrrinzrlt i nml w, dns sicli

h fjegen drn sc/iluss niic/i fr/ilrrlinft fiir Jvurxrs ijindrt. In drr rnjrl isi ie dnvon grsc/iirdm,

rs ist srlhstvi:rst('indlic/i, dass icir dir deutlicJir srJtrrihunij nncJi dn rinfiiJtrrn, tvo dir Jis. i

hirtrt, nnd zwar nicJit nur ivo, icir Dimi. A21,2\ f. plii.-


38 KAISERCHUONIK EINES REGENSBURGEli GEISTLICHEN.

forvi zc erscheint duvchicrr/ in (?ev schreibitng an dasfoh/enc/e verhnm^ suhstantivmn, 2^>'onomen

an^elehnt : zctuon, zewahscn, zcronio, zclius, zcniir, zcdem ; ich hahe diese anlehmtng

wie die (nicht (janz so hdnjige) der jjrajjositionen in vnd an avfgegehen , schon tceil

eine schreihiing icie zcRome sick hdsslich ausnimmt nnd hei den verhen gelegentlich

der ziceifel cntstehen kann, oh eine zusammensetzung vorliegt. 5

Wo ich sonst von der hs. 1 ahiceiche, da ist in den lesarten oder in einer he-

sondern anmerkung die hegrilndung gegehen.

Von der freiheit, ein unt durch das dem schreihev ehenfalls dnrchans gelaufige

unde zu ersetzen und umgekehrt, hahe ich ungescheut gehrauch gemacht. Dagegen hin

ich in der verdrangung der vollern formen also (alse), wande, unze, die die hs. so sehr lo

hdufig

hietet, enthaltsam geicesen: durch einfuhrnng von als, want, unz hdtte ich wol

ofter ziceisilhigen auftact vermeiden konnen, loiirde aher damit auch ein charakteristikum

der dichtiing heseitigt hahen , die ziceisilhige auftacfe auch schwerer art massenhaft

hietet, auch ziceisilhige senkung nicht durchans verschmdht. Die metrik ist in einigen

jjartien des icerkes — iceniger in den rein erzdhlenden als in den lehrhaften dispnta- ir.

tionen — diefreieste, die eine dichtung des 12. jhs. hietet. Wie verse von 5 und 6 hehungen

gar keine seltenheit sind (es kommen sogar solche von 7 nnd 8 hehungen vor), so fehlen

andererseits auch solche nicht, die hei stumjjfem ausgange nur 3 hehungen hahen

(v. 3239. 4837 j, iind solcher, denen hei geniigender aazahl der hehungen jegliche

senkung fehlt, lassen sich iiber 30 zdhlen. Ich loerde in einer sjJdtern arheit iiher die 20

metrik des tcerkes und metrische iinterschiede einzelner teile desselhen ausfiihrlich zu

handeln hahen. Bei der vortrefflichkeit der iiherlieferung einerseits und der freiheit

des vershaus andererseits hahe ichjede versuchung, den vers durch heqneme conjectttren,

zusdtze und ahstriche zu hessern , von mir gewiesen. Ofter tcar ich in der lage , fiir

gekiirzte formen der hs. die vollern, die sie an andern stellen hietet, einznsetzen, s(dten 25

hin ich mit apokopen nnd synkopen iiher das hinausgegangen, icas 1 selhst an der vor-

liegenden stelle hot. Wol hdtte ich in hunderten von fdllen solche kiirzungen eintretcn lassen

konnen, die sich der schreiher an ctndern stellen selhst gestattet (apokope des schicachen

prdteritums ausser vor vocaJ, hesonders vor dental, vor s und m; synkope des ge- vor

1, n, \f), aher der grundscdz der Monumenta, den eindruck der zu grnnde liegenden 30

hs. mdglichst zu icahren, galt mir mehr cds clas strehen , die hequemste lesung eines

verses anch jedesmal graphisch zum ausdruck zu hringen.

Was die lesarten angeht, so musste eine geicisse heschrdnkung schon deshalh eintreten,

damit nicht der text durch ein geicimmel von exponenten uniihersichflich, ja ungeniesshar

gemacht lourde. Indessen sind von 1 auch die graphischen ahiceichnngen anfgefithrt, 35

mit ausnahme der ohen namhaft gemachten schicanknngen der orthographie und derjenigen

schreihfehler (huchstahenversetzungen und vericechselungen) , denen niemand

ein interesse zugestehn kann. Von 4 sind die lesarten nach ansscheidung dessen, was

in der charakteristik der hs. als lediglich dialektisclies eigentum des schreihers hezeichnet

tourde, vollstdndig gegehen. Auch von 2 ttnd 3 findet man, ahgesehen von orthograjihi- 40

schen dnderungen, die varianten vollzdhlig. Indessen ist auf ahiveichungen , meist

lexikalischer natur, die hestdndig iciederkeltren, soiool hei 4 als anch hei 2 und 3 mir

bei ihrem ersten auftreten (ein oder mehrmal) hingeioiesen ivorden. Atis den misch-

handschriften 5— 7 hcdje ich zundchst alle lesarten aufgefiihrt, die dieser gruppe gemeinsam

sind. Die zahllosen dnderungen ttnd misverstandnisse von 7 aufzufiihren , ?far 45

hei der natur dieser hs. weder onoglich noc/i von irgend welchem interesse. Aher auch

hei 5 und 6 hahe ich die lesarten der einzelnen hs. nitr da vollstdndig gegehen, ico uns

eine der heiden hss. ganz im stiche Idsst, toir cdso nicht icissen konnen, wie weit das

von dcr iiherbleibenden gehotene individuelle dnderi^ng oder dnderung von P ist. Wo

aher eine der beideu hss. zu 4 stimmt, die andere selbstdndig verfahrt, da durfte ich 50


I

KAISKKCIIKOXIK KINKS KKflKNSHrUcJKK rjKISTLlCllKN. HO

70ol auf dietse Usart ver:cic/iten. Die riinde klammer nm eine zaJd deutet an, dass dir

betreffrnde /i.s. zu dtr leaart stimmt, o/ine i/enau deren wortlaut zu hieten. — VoUstiiniliij

auf


40 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

erfolgt sei, welcJie hier in das gehet fUr Lotliar eingeschlossen wird. Bernhardi aher

hai dieser letzftn-n annahme, fUr icelche sich in der handschriftliclien UherlieferinKj kein

anhaltspunct jindet, diirch den hinweis anf v. 16253 d.en hoden entzogen: hier schliesst

der dichter die regierungsgeschichte Heinrichs II. nacli einem hericht ilher die wunder

an seinem grahe mit den worten ah : sante Hainrich wege uns an deni libe unt an 5

der sele; die heiligsprechung dieses kaisers aher fand erst im jahre 1146 stuit, tvas

auch 3Iassmann (III, s. 1087J gexvussi hat, aher ohne es filr die chronologie zu vertverten.

Dass die hs. 4 /"5-7 fehlen] das sante (ehenso icie an dem libe unt, itm den vers zu

gliiiten), wegldsst, ist hei der fassung der ganzen stelle hedeidungslos: ein solches gehet

konnte ehen nur an einen heiligen gerichtet iverden. Den vollstdndigen ahsatz 16246 lo

— 16253 aher, wie das Scherer fur 16600— 16617 (den ahsatz Uher die herzogin Agnes)

nngedeniet hat, als ein spdteres einschiehsel zu verddchtigen, fehli jeder anlass und

anhali. Die ungeniein reiche handschriftliche Uherlieferung geht von einem inanuscript

aus, das hei dem kreuzzug von 1147 miiten im satze ahhrichi. Sollie wirklich ein his

V. 17181 reichendes iverk, das in dem preis und hittgehet fUr Loihar iind Richinza i5

(17165 — 17181) unleughar einen guten ahschluss fand, jahrelang unhekannt gehliehen

sein, um dann mit einer fragmentarischen fortsetzung versehen einen grossen erfolg,

und zwar einen sofortigen — denn die fragmenie reichen his gegen die mitte des

12. jhs. hinan — ztt ernfenf Und sollie ein foriseizer^ der nach kaum 100 versen im

saize siecken hlieh, vorher sich die zeit zu einem zusaiz wie v. 16246— 16253 und zu 20

einer vorausdeuiung wie die durch v. 16600^. geforderie {v. 16615— 17) genommen hahen?

Der umfang dieses letzien ahschniits nach v. 17181, 102 verse, ist gewis zu gcring, um

an spraclie und siil die identiidt des verfassers i.imviderleglich zu erweisen, aher ehenso

gewis ist, dass auch nicht die leisesie ahweichung vom sprachgehrauch der vorangehenden

chronik die annahme eines fortsetzers hegUnsiigi. 25

Wir hahen also nusser dem jahre 1147 als terminus a quo fUr das hekanntwerden

der Kaiserchronik das jahr 1146 als frUheste enfsiehungszeii eines iiher 1000 verse

vom schluss zurUckliegenden ahschniiis festzuhalten. Als terminus ad quem hietet sich

tins das jahr 116b, zundchsi fur die geschichieKarlsd.gr.: denn der dichier, ivelcher

Heinrich II. das ptrddicai sante giht , wUrde seinem Uehling Karl d. gr., dem wj^iren 30

gotes wigant (15073), dasselhe gewis nichi vorenihalien hahen, wenn er dessen heilig-

sprechung noch erleht hdtie '.

Innerhalh dieses zeitraums 1147 — 1165 kat nun Bernhardi a. a. 0. eine engere

grenze ahstecken zu konnen geglauht auf grund der verse 1621*J— 16225, in welchen

von dem ostfrdnkischen ducat des histums Wirzhurg die rede ist. 35

den strit den gescieden si alsus

16220 daz der chaiser der Franken herzentuom

gab do vif daz bistuom.

swer den gewalt besizzet

daz er in iewederm taile rihtet, 40

der ist herzoge unt biscof:

16225 daz urchunde habent si noch.

Ich muss die leizien verse, da Giesehrechi"^ und Bernhardi a. a. 0. sie wunderlich

misversianden hahen , und des letztern auslegung und veru:ertung der sielle auch hei

nndern heifall gefunden zu hahen scheint^, zundchst umschreihen: 'icer die nusUhung 45

der tveltlichen und d.er geisilichen gerichisharkeii hesiizt, der isi herzog und hischof, und

diesen heweis (daz urchunde) hahen sie noch' , d. h. sie konnen die iaisdchHche aus-

1) Denihardi a. a. o. 2) Bei llenner, Die herzoglidie geicalt der bi.schofe von Wirzhiirg

(Wirzburg 1874J s. 117, anm. 1. 3) Schtnn, Forschungen z. d. ge.sch. XV, s. 615. Ketincr, Zeii.fchr.

f. (1. phil. IX, s. 266. 50


KAISKRrimONIK EINES RF.f;KNSIU'l{OF.H r.KISTLirHKN. 41

iibun// dev u-eltlichen (ji richtshnrkeit als stiitze ihrer ansjtriiche auf deii ducat avfiihnn.

Giesebrecht und Bernhardi lasen axis v. l(!22r> dle eruiihnun;/ eimr 'urkundi' hiraus,

der letztere hestimmter dir an(/ehliche vrkundr lleinrichs II. fiir Wirzhurt/ v. j. Iiil7

(1018)'. Dass diesii iirlcjinde, in der sich znui ersten viali' das verbot jeder i/erichts-

5 harkeit seitens der reichsheamten innerhalb des herzoi/tuins Ost/'ranken Jindet, i/efiilscht

seiy stand durch Stxim/if fest. Bnsslan* setzte ihre entstehuvi/szeit in dii' jahn- llf)!!

— 11G5, und da das letzte jahr mit dem bereits i/efundenen teinninus ad quevi fiir die

Kaiserchronik (hei/ii/sprechiin;/ Karls d. gr. ) zusammenjie/, so i//au/>te liernhardi dns

hervortreten dieses u-erkes durch die i//eichen znh/en um;/renzen zu diirfen. llat ninr

10 Stumpf^ recht, der im ;/e-

fassun;/szeit der Kaiserchronik ist sie sc/ion nus i/eni ;/runde ohne hilnni/ , vei/ in

15 ihr ijnr nicht von einer urkundi' die rede ist! iJas mhd. urkundc sfn. der/d sicli he-

griff/ich durchaus nic/it mit deiii neuhoc/ideutschen wort, es heissf 'kennzeichev, zeu;/uis,

/jeiceis', wie ich ohen umschriehen liahe^; noch der Snchsensj)i€ije/ kennt es nur in dieser

allgemeinen hedeutunj. Erst sjjnfer ist es diirch die rechtssjtrache auf den heijrijj'

^schriftlicher beweis', 'urkunde' in unserin sinn eingeengt worden: den friihesten ver-

20 einzeiten he/eg fiir diesen jiingern gehrauch giljt Lexer iin MJid. Jiand^viirterhucJi II,

2006 a\is dem Schwahenspiege/ (Geng/er c. 273j und iJim weiss er vur ztvei he/ege aus

Augsburger cJironiken heizufiigen. Hiifte der dicJiter sagen ujo//en, icas iJim Bernhardi

unterschieht, so Jiiitfe er etwa geschriehen : dic brieve hant si ienoch, oder: des h.uit si

brievc ienoch. Er wo//te aher nicJit auf die urkundliche verhriefung der loirzhurgiscJien

23 anspriicJie auf die herzogsgeica/t Jiinweisen, sondern nur hervoihehen , dnss sich die

Wirz/mrger bischijfe durcJi ausiibung der heiderseitigen gericJdsbarJceit tatsiicJdich und.

augenscheivlich a/s ini brsifze auch der JierzoijlicJien geiva/t ausiviesen. WoJier so//fe nuch

dcr sonst Jceinesicegs gut unferrichtrte cJironist, der, irie wir sehen werdm, ein Regcns-

burger war, von einer Wirzburger urkunde nachricht Jiahen, die man dort rrsf Jcurz

30 vorJier aus einem hesfimmfen anlass fabriciert Jiaife?

Kommcn wir mit dieser stelle aiis den (iussersfen zeit/ichen grenzen fiir die ent-

stehung oder Jierausgabe des icerJces nicht heratis, so erJiehen sicJi andererseits geicichtige

bedenJcen gegen die ansefzung eines so sjKifeJi fermins wie der von BernJiardi gewoUte

1159— 11G5. ZunncJist mag nicJit unericiiJint hleiben, dass das einer kostharen hs. ent-

35 stammende bruchstiick 10 von SchiJnbacJi, das brucJistiick 11 von Diemer in die mitte

des 12, jhs. gesetzt ivird; iiber 11 dussert sicJi aucJi Schum'^ (dem das (ilterejragment 10

noch unbekannt tvar), dass 'u:ol am vxeisten der pn/dographiscJie chnraJcfer des Liem-

berger fragments der Kaiserchronik' 'gegen die ansetzung einer entste/iung der jetzigen

fassung um 1170 (toie Welzhofer loollte) sprecJie'. Entscheidend frei/icJi sind derarfige

40 jyaldographische scJidfzungen, wo es sicJi nur um ein jaJirzehnt hande/t , geiois nicJif.

Aber auch andere erwdgungen fiiJiren auf eine friiJtere zeit. Bei der entscJiiedenen

hervorhebung HeinricJis des sfolzen , zu dem der veifasser der KaisercJironik, xoie wir

1) Bei Stumpf, Die reichsJcanzler nr. 1708; Bresslau, Centum diplomafa nr. 67. 2) For-

scJiungen z. d. gesch. XIII, .*. 87^'. 3) Die Wirzburger immunittitsur/cunden dea X. und XI.jJis.

45 Innshruck 1874. 4) MG. Dipl. 7, p. 615. 5) Vgl. z. h. aus der Kaiserchronilc selb.it v. 208

des ist ze Rome noch hiute urchunde, d. /i. 'spuren davon (das loch, durch das dic teufel entrannen)

kann man noc/i heute sehen' ; v. 6441 und v. 13538 daz urkunde der jungisten (heren) urstende;

V. 9657 urchunde sagen; i*. 9685; es ist kaum glaublich , dass Bernhardi selbst v. 16125, rvo es

heim lode des Adalhert von Prag heisst, daz urchunde ist an den buochen noch (= davon erzalden

^o die hUc/ier noch) an 'die kenntnis einer urkunde' denkt. 6) Forsch. z. d. geseJi. XV, s. 615 anm.

Deutsche Chroniken I.

6


42

KAISERCHRONIK EIXES REGEXSBrRGER GEISTLICHEX.

«n/ei» jvi^N tcertien, in nakeH bfzUMHngen standj fallt es um so mehr auf, dass sein

soin Heinrich der loKe tjar nicht ertcCihnt irinl : man hat den cindrnckf dass der

diekttrrf dfssen ^anze ^jfmpathien dem iceljischen hause gelten, die belehnunif Heinrichs

des loKeH mit Baiern, ja ^erhanpt die reffiernng Friedrichs I. nicht mehr erlebt hat,

DeHH dass ikm der tod die feder aus der hand nahm, erscheint mir bei dem abreissen s

des seUus^s fast sicher. Die letzte partie des icerkes liisst iiberaU die trauer um den

emts^trHHdenen gianz des Welfenhauses in Baiem, die cerstimmung gegen den Staufer

Konrad, seine anhanger und helfershefyer durchblicken. Besonders interessant aber ist

hier eine ^eliey an der nachtraglich der versuch gemacht scheint, eine ausserung des

HHmttts ZH mildern: ich meine die rerse, ico der dichter raw der konigsicahl Konrads HI. lo

beriehtet:

17185 der Kegensburg:\re geriet daz

— der bisoof Heinrieb,

ain Diezare also herlich, —

mit samt dem Behaime. is

daz taten sie dem herzogen Heinriche ze laide

unt sinem bruoder Welfe u. s. ic.

Heinrich ron Wolfrafshausen aus dem geschlechfe der grafen ron Diessen irar 1132

gegen den tcidersiand Heinrichs des sfolzen bischof ron Eegensburg getcorden tmd

seititer dessen /eind geblieben, auch nachdem er sich mit Lothar ausgesohnt hatfe. Von 2«

seiuem eiHj^nss auf die konigstcahl rom j. 1138 tcissen icir sonsf nichts, die nachricht

cerdienf tregen ihres ursprungs immerhin beachfung. Wiirde aber derselbe, icelcher voU

inarimm Sher die surScksetzung des geliebten herzogs diese anldage einer im iibrigen

: darsteilung einrerleibte, in gleichem atem dem bischof die bezeichnung

^z. „.-..- ^ . -in/ habenf JUoglich tcare es alierdings, dass er beim niederschreiben 35

Sher seine eigene kShnheit erschreekend rasch noch die verse 17186. 87 hinzusetzte, um

Aschen charak^fer der steUe efwas zu rertuschen, tcahrscheinlicher aber noch

i.»c s; . itT^ dieselben ron einem angstlichen herausgeber eingeschaltet icurden, der

das hinteriassene manuseript der offenflichkeit ubergab; auch das forfbleiben des namens

hei dem gleich folgenden Bohmenkonig scheint anzuzeigen, dass die nahere bezeichnung so

des Regen^urgers nicht der ersten conception der sfelle angehorf. Dem tcelfenfretindlichen

dichter wSrde tcoi nur die furcht vor dem zome des bischofs diese verse dicfiert haben;

aber aueJ» hei einem herausgeher icare die rScksicht auf den lebenden die nafUrlichste

nrsache des einsehiebsels: bischcf Heinrich aber starb im jahre 1155.

VoH dem hier angedeuteten herausgeber des tcerkes hahe ich ahnliche spuren ss

tceiter nicht g^unden: leicht hegreiflieh: unteriiess er es doch sogar, dem tcerke den

ahschluss zu gehen. Aher ich glaube, dass icir ihm gleich auf der ersten

i, dass irir von ihm in den rersen 15—26 eine arf vorrede besifzen. Dieses

stSdt unterbricht die einleitung, tceiche v. 1—14 und v. 27—42 von dem nutzen einer

gvten und dem schaden einer schlechten, liigenhaffen lectilre handelt, derart, dass es 40

«ci deutiick ais ein hier rechi ungeschickt angebrachter zusafz verrdf. Was Massmann

sick darunter vorgesteUt hat, ist aus seiner hreiten erorterung (III, s. o2b) nicht ersicht- ^

liek, Welzhofer (a. a. o. s. 12), der sieh aller krifik znm hohne an den jiingern rein-

reimigen text B halt, sieht darin einen zusatz des letzten fortsefzers, dem er die ge-

sckiehte Konrads IIL zutceist. Seherer^ scheint ihm, natiiriich ohne seiner mishand- 4S

Inng des textes zu folgen, darin beizustimmen, mochfe aber in f. 19 eine alfe verderbnis

annekmen, auf die ich unten zu spreehen komme. Ich habe schon oben dargefan, dass kein

ztcingender gmnd voriiegt, die geschichte Konrads III. als anfang einerfoHsetzung eines

andem autors anzuseken, nnd ick muss hier der erorfemng uber die composifion des tcerkes

1) Zfittekr. f. d. alt. XVJII, «.301. M


KAISERCHRONIK EISES REGEN.SHUROER GEISTLICHEN. 43

soiceit vorgreifen, dasn ich erlddre : et hahen an die$er chronik iu der haupt$ache ztcei vtr-

fatser gearheitet, heide aJlerdingfs mit henutzungfremden maierial$ '. Derer$te, von wel-chem

auch die alte einleitnng r. J — 14. 27 — 4'^ herrUhrt, fiihrt^ da$ verk hi$ zum $chlu$ife

der ge$chichte de$ Con$t'jntin und Silce$ter (K^); er tcar hereit$ tot, al$ der zur-eite,

5 welcher hereit$ an dern von K^ geleiteten trerke einen kervorragenden auteil ale mitarheiter

hatte, eine fort$etzung hegnnn (K^^j, mit der er hi$ zum jahre 1147 gelangt it>i. Jn

V. I()6l9ff. fordert K'' die le$er auf, fiir da* $eelenheil de$ manne$ zu heien der des

liedes alre erist began (vgl. v. 2 so wil ich des liedes beginnen i. Ich hef

' ' ' ;, ,.

in uhereingtimmung mit Gie$ehrecht , und tra$ die annahme zt/reier hn i^e

10 anhetinfft auch mit Deho: nur tciU die$er (a. a. o. $. 2C)ff.j den $chlu$$ von K^ $chon

hei Trajan finden, tco dann jene$ hittgehet fiir den autor am $fhlug$e de$ Silvemter an

einem gar tcunderlich aungeeuchten jAatze ^tande. Jnzuriffchen $ind tcir durch die

auffindung der Trierer fragmente unertrartet in den he$itz eine* titiicke$ von K^ gekommen^:

e$ enthnlt al$ au$$rhnitt au$ der chronik die geschichte deJi Sil' '(d

15 kat die alte einleitung de$ tcerke$ v. 1 — 14. 27 — 42 heibehalten; v. 15— -', a ».

Seken tcir un$ nun einmal die$e ver$€, deren iiherlieferung in 1. 2. 3 und 4 foft tadelloe

isf, mit Mai


44

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICIIEN.

V. 22 zu setzen? Mit andern icorten: sind die loorte luize an disen hiutegen tach

aufzufassen als ergdnzung von die vor uns waren? oder stehn sie dazu im gegensatzf

Dies letztere icill Deho und seine auffassung ist die einzig mogliche, icenn man daran

festhalten will, das ganze stiick als von einem fortsetzer' herrilhrend zu hetrachten. Deho

sieht also i)i v. 15—22 eine heriifung auf das hereits vorhandene K^, ivelches er nur his 5

Trajan ausdehnte, aher nach auffndung des Trierer Silvester mit tins his Constantin

incl. ausdehnen 'iniisste: das also wdren die chunige die vor uns waren. v. 23—26

daqegen driichen nach Deho den entschluss des jiingern chronisten aus, das dltere werk

Dagegen hahe ich verschiedenes einzu-

unze an disen hiutegen tach fortzusetzen. —•

wenden : l) der ausdruck die vor uns waren fiir die klJnige, welche his vor mehr als lo

800 jahren geleht hahen, ist doch cdlzu ivenig prdcis ; 2) der Dehosche satz: unze an

discn hiutegen tach , su ich aller beste mach, sO wil ich iz iu vor zellen onit seiner

eckigen voransetzung der ndhern hestimmung ist sehr gezioungen und wird durch die

herufung auf einen nur angehlich dhnlichenfall (\b29i2— 84J nicht geschiitzt; 3j in v. 25

erlauht sich Deho, aus 2 die lesart sie statt iz einzusetzen ; das ich siu von 2 geht aher 15

offenhar auf ein ichz iu zuriick, wie der ausfall des iu zeigt; ferner wdre die atcslegung,

toelche D. dem vor zellen giht: hoeiter erzdhlen', fortsetzen', vielmehr die von fiir zellen

(hei Lexer unbelegf, aher z. h. von 2 an unserer stelle : flirzelen gehoten) ; 4) vor allem

aher loiirde der platz von einem fortsetzer sehr schlecht geicdhlt sein; dieser fortsetzer

wiirde doch derselbe sein miissen, der v. 10619 zum gebet fiir die seele des dltern 20

chronisten auffordert ; was veranlasst ihn nun schon hier das wort zu ergreifen, ivenn

er sich doch nicht ndher iiber seinen anteil aussprechen wilU und diirfen loir loirklich

einem so intimen kenner des icerkes eine ungenaue ankiindigung loie die in v. 19 ent-

haltene zutrauen?

Meine eigene ohen hereits angedeutete auffassung des stiickes ist die, dass loir 25

darin eine art vorrede des herausgebers hahen , eingeschaltet zugleich zur empfehlung

des werkes und zur erldutenmg der cdten einleitung. Gleichsam zioischen den zeilen

dieser einleitung las der lierausgeber die klage: 'es fehlt an guten hiichern in deutscher

sprache , und er glauhte den gedanken des verfassers fortzuspinnen, indem er einsetzte:

Ein buoch ist ze diute getihtet, daz uns romisces riches avoI berihtet unze an 30

disen hiutegen tach; d. h. nichts anderes als: 'Hier haht ihr einmal ein deutsches huch,

eines das euch die geschichte der cdten pdpste und konige erzdhlt, his auf den heutigen tag

herah'. Unmittelhar nach dieser empfehlung greift der herausgeber dann mit v. 24 — 26

in die rolle des erzdhlers selbst iiher.

Ist nun aher der vers 23 unze an disen hiutegen tach erst nach vollendung des 35

werkes, hei seiner herausgabe loie ich vermute, niedergeschriehen, so geht daraus hervor,

dass damals der letzte kiJnig, von welchem die chronik handelt, Konrad III, noch ani

leben war\ Wir geicdnnen also, mit dem notigen vorhehalte, als terminus ad quem das

jahr 1152. AIso icahrscheinlich zioischen 1147 und 1152; kurz gesagt um 1150 ist die

Kaiserchronik in Regenshurg ans licht getreten. Nicht unmittelhar in oder nach dem 10

jahre 1147, denn der veifasser hdtte dann lool schwerlich unterlassen, von dem streite

zioischen dem herzog von Baiern und dem hischof von Regenshurg zu herichten, loelcher

1145/46 diese stadt in so schwere drangsal brachte^; aher gewis auch nicht, loie Bern-

1) Statt des der iiltern sjivache durchaus gciniissf.n zeugmatischen ausdrucks wUrden uir im

neuhochdeutschen freUich einen umstiindlichern satz hrauchen, tcelcher von dem priiteritum wriren 45

durch ein hinzugefugtes ^^'dsens zu der bezeiclimmg der gegenwart iiherleitete. 2) Vgl. Ann.

Ratisp. ad a. 1146 (MG. SS. XVII, s. 586j tind Dernhardi, Konrad III. s. 480.//'. Man konntc

das auffiillige schweigen iiber diese ercignisse immerhin. auch so erkliiren, dass der chronist zu den

gegnern des bischofs gehfJrte, die in der stadt selbst rccht stark gcwrsen sein mUssen, und dass er

auch naeh beigelcgtcm strcite nicht gern mit seiner gesinimng offentlich hervortreten wollte. &•


KAlSEUCIIUONllv KINKS UEGENSBUUGEU GEISTLICIIEN. 45

hardi annahm, mehr als ein jaltrzehnt spater, Die Kaiserchronik wilrde ja den an-

spruch , ein deutsches geschichtshuch his auf die jihnjste vergangenheit herah zu sein,

schon bei ihrem ersten hervortreten Idngst verwirkt t/ehabt haben, wenn sie nichts zu

erzdhlen ivusste von deni neuen kaiser Friedrich, von dessen UomerzxKj, von Ileinrich

5 dem iOwen und von der wiedereinsetzuny der Welfen in Baiern, von devi bohmischen

konijtum und andern dingen. Gab es aber zur zeit der heraitsgabe des werkes noch

nicht viel mehr zu berichten als denklaglichen verlauf des zweiten kreuzzugs, so inochte

ein herausgeber hier gern schiceigen, und den ersten lesern konnfe im jahre 1150 oder

1151 der ahgerissene schluss wie ein vielsagender gedankenstrich ersclteinfn, der durch

10 die frische erinnerung hinldnglich erldutert wurde.

, Nur eine vorsichtige anmcrkung soU die vermufung zu v, 15747 sein, dir ich hier

nachtrage. Die chronik berichfef, gewis in an/ehnung an eine sage, dass dem strehcn

der fursfen, den kranken und regierungsinij/ihigen Konrad I. abzusctzen, der bischof

von Wirzhurg erfolgreich enfgegengefreten sci, xind sie nennt diesen bischof Gehehart,

15 Ein Gchhard aher kommt in der Wirzhurger bisrhofsreihe* nicht vor der miffe des

12. jhs. vor, wo graf Gebhard von Henneherg als nachfolger des hischofs Siegfried

(j 16. Sept. 1150j gewdhlt u-ird. Sollfe efwa der chronisf, der viit namengehcn schiiell

fertig ist, den namenlosen bischof der sage nach seinem (his 115i>j im amf hefindlichen,

vielleicht neu gewdhlten, nachfolger getauft haben?

20 5. Die heimat der eompilation.

Als Joseph Diemer vor mehr als 40jahren die kosthare Vorauer hs. in der Steiermark

fand nnd einige zeit darauf das noch dlfere Liemherger fragmenf aus Kdrnfen

kennen lernfe, hefesfigte sich ihm die uberzeugung, dass Uler erste verfasser der Kaiser-

chronik' ein Osferreicher gewesen sei ^. Er trat daniit der herkommlichen ansichf,

25 welche, verfilhrt durch rheinische spracliformen der Heidelherger hs. und die nahen

heziehungen zum Annoliede , die heimat der chronik an den Rhein verlegte , mit fug

entgegen. An diesem vorurteil, das durch eine gewisse spilrsucht nach niederrheinischer

poesie — bei Oscar Schade drdngfe dieselhe die gewichfigsten gegengriinde hei seife —

gendhrt wurde, hielt auch noch Massmann fest, der als entsfehungsort des vjerkes be-

30 sfimmter Trier bezeichnete (III, s. 290— 295 j^ gestiitzt auf ein par stelLen, deren hedeutung

fiir das ganze schon darum eine geringere sein miissfe, tveil sie sdmmtlich der ersfen

hdlfte (K^, wie wir kurziveg den grljssern ersfen teil bis 10633 hezeichnen ivoUen) an-

gehijren. Die besondere roUe, ivelche Trier in der geschicJite Julius Caesars spielt

(v. 3dbff., V. 6b'dff.), tcar durch rheinische quellen, deren eine hier im Annolied zu

35 fage liegt, icenigsfens vorhereitef. Ehenso wird nur eine verbreitde tradition tvieder-

gegeben, wenn als die heimat der Ilelena Trier genannt (v. 7610j und die reliquienstiffung

erwdhnt icird , welche sie dieser stadt zugewandt haben soU (\()3'^1 ff.). Es

bleibt somit nur die eigenfiimliche darsteUung der Lucretia-fahel y. 4305—4834; Colla-

finus, der giinsfling des Tarquinius , ist icegen eines totschlags aus ^Trier' vertrieben

40 nach Rom ge/angf, von da aus verkehrt er viel in Viterho (Biterne), und die 'Trierer'

bestechen die einwohner dieser sfadf, ihm nach dem leben zu steUen. Dass hier Trier

und die Trierer, die den edelen helden gern aus dem icege rdumen mijchfen, 'mit liehe

hervorgehoben' seien, icird niemand Massmann nachsprechen. Schon Scherer* hat an-

gedeutef, dass die grundlage dieser darsteUung eine italienische novelle in lafcinischer

45 sprache geicesen sei , und ich kann die naheliegende vermutung nicht unterdriicken,

dass in dieser queUe nicht Trier (Treveris), sondern ein dhnlich klingender ort, sei es

Trevi (Treviae), Tihur oder ein anderer genannt war, der Rom und Viferho etwas

ndher Uegt als das unsinnig weite Trier.

1) S. MG. SS. XIII, s. 339 und die dort verzeichnete Uiteratur. 2) Wiencr silzungs-

50 berichte, phil.-hist. classe VI ^1851;, s. 322. 3) Ebenda LXIV ^1870;, s. 343.


46

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

Sonst aber treten Trier und die Rheinlande in keiner tveise hervor, ja im zxoeiten

teile, in der eigentlichen deutschen geschichte, iverden die geschicke, ereignisse and per-

sbnlichkeiten dieser gegend auffallig vernachldssigt , das interesse des chronisten haftet

vorwiegend an dem siidosten Dentschlands. Zur evkldrung des scheinharen wider-

spruchs zu der einmaligen hevorzugung der Rheinlande hatte hereits K. Roth den 5

richtigen iveg geiciesen^. Aher erst W. v. Giesehreclit hoh den hairischen charakter

des werkes entschieden hervor, Scherer'^ wies hestimmt auf den hof Heinrichs des stolzen

hin, und Welzhofer^ sammelte eine reihe von stellen, die aiif Regenshurg als entstehungs-

ort der compilation schliessen lassen. Den zusammenstellungen Welzhofers filge ich in

der nachfolgenden darstellung noch eine anzahl von griinden hinzu, ivelche die durch 10

ihii gefundene heimat hestdtigen.

Die ivenigen historisch heachtenstverten nachrichten, ivelche nur durch die Kaiser-

chronik auf uns gekommen sind, tveisen deutlich auf Regenshurg hin: so die angahe,

dass hei der konigsivahl vom jahre 1138 der hischof von Regenshurg als gegner Hein-

richs des stolzen eine rolle gespielt hahe (v. lllSbjf.), so die notiz, dass Friedrich von 15

Falkenstein (wahrscheinlich Friedrich von Bogen *) dem gegenkonige Konrad nach

Italien gefolgt sei (v. 110b?>ff.). Der dichter ist streyig welfisch gesinnt, tind mit recht

hat Scherer hervorgehohen, dass die hairische machtstellung unter Lothar und Hein-

rich dem stolzen den eigentlichen hintergrund seiner geschichtschreihung bildet. Ja er

mag dem kaiser selbst und seinem schiviegersohne persUnlich nahe gestanden haben. 20

Aber schon um die ereignisse der 20er und SO^r jahre hat die sage ihren schleier ge-

ivoben, und die berichte iiher den bohmischen streit (\l2b—1126j und iiber Lothars

Romerzug sind durch ziige ausgeschmilckt, die zum teil der phantasie der sp)ielleide

angehoren mbgen. Der ahschnitt v. 17097— 17153 — als dessen grundlage Welzhofer

s. 19 lool mit recht ein historisches lied ansieht — enthdlt einen sagenhaften hericht 25

iiber die taten Heinrichs des stolzen in Ifalien, und darin treten v. 17117^^. die Aben-

sajre, die leufe von der Abens, hesonders hervor. Die flucht Ottos von Mcihren an den

hof Lothars nach Regenshurg mag der dichter aus eigener erinnerung herichten: kein

anderer chronist gbnnt diesem Otfo so viele worte (v. 16977— 17004^. Aher aus v. 16994

diu ros si hie lize liezen Idsst sich kein schluss auf seine engere heimat ziehen, denn 30

der einbruch in Bbhmen icurde nicht von der Regenshurger seite her, sondern iiher

das Erzgebirge versucht. Auch gegen die verwertung von v. 16832/*. Ain wazzer haizet

der Regen, daz rinnet da inneben als 'vollends den ausschlag gehend' (Welzhofer) ist

von Bernhardi mif recht einspruch erhohen loorden. Dagegen ist dicht vorher v. 16822

die emphatische hervorhehung Ze Regenesbureh der houbetstat ain grimmiger hof 35

gesproehen wart interessant: sonst heisst nur Rom einmal diu houbetstat (v. 14327 j;

und gleich darauf ist die ermordung des grafen Sigehart in Regenshurg (v. 16868

eigentlich nur fiir die verstdndlich , tvelche durch die localtradition ettoas ndheres von

diesem ereignis lonssfen. Auf solche fradition herift er sich ausdriicklich da, u:o er von

der ividerrechflichen einkerkerung des hischofs Gehhard unter Heinrich III. herichfet 40

(v. 16506; Ze Regenesburch was do ain biscof, von dem saget man ienoch^ gehaizen was

er Gebehart u. s. w.). Gleichwol ist seine kenntnis der ortsgeschichte so gering, dass er

den hl. Emmeram mit einem argen chronologischeri schnitzer in die zeit kbnig Arnulfs m

herahriickt (Ibbbi— 77^; aber die loichtigkeif, die er diesem mdrtyrer heilegt, und die

abgerissene wiedergahe seiner legende (nur ein kundiger vermochfe den zusammenhang 45

zwischen dem fehltritt der herzogstochter und dem grausamen tode des heiligen zu ver-

1) Lehen des Jieiligen Anno hrsg. von K, Roth. MUnchen 1847, s. ix /., vgl. uvten s. hl.

2) Wicner sitzungsberichte, phil. hist. cl. IjXIV fl870j, s. 296. 3) Unterstichungcn iiber dic deutsche

Kaiserchronik des 12. jhs. s. IG ff. 4) S. von Giesebrecht, Kaiserzeit IV, s. 426; Bernliardi, Lothar

von Supplinburg s. 197, 60'

1


KAISERCITROXIK ETXHS REr.F.NSlUTRORR rjRISTTJrTIEN. 47

stehn) weisen 2oleder dentlic/i auf den Jiegeusbuvi/f r Itin. /u il,v reic/i8


48 KAISERCHRONIK EINES REGEXSBURGER GEISTLICHEN.

der ort im hezirksamt Sfadtamhof sein, nordustlich von Regensburg etiva 4 meilen.

Gleich darauf heisst es v. 7044 Wirnt hiez der burcgrrive, wo stillschiveigend der hurg-

graf von Regenshiirg verstanden ist*. Dies heimische hvrggrafenamt ist dann auch

in die romische geschichte iihertragen tvorden: so erscheint v. 7712 ein burcgrave Mi-

lius und V. 6345/. Valerian: der was Ronifere burcgrave. Und nicht nur heimische 5

hegriffe, sondern auch heimische ortsnamen scheinen auf romischen hoden iihertragen zu

werden ^ (s. anm.).

Dasselhe interesse fiir Baierri und hesonders Regenshurg , ivie in der spdtern

reichsgeschichte und in der Adelgerdichtung, tritt uns aher auch in der eingangsjyartie

entgegen. Die erste erivcihming Regensburgs, welche das Annolied v. 2V)4 in der ge- 10

schichte Jtdius Caesars hietet, hlieh nach v. 298 der chronik nur weg, weil der kenner

der Regensburger localtradition v. G81 ff, die griindung der stadt Tiburina-Ratispona

durch Tiberius zu herichten lousste. Dagegen ist der bericht iiber die kdmpfe Caesars

mit den Baiern durch die einfiihrung der fahelhaften herzlkje Ingram und Boemund

(v. 300 /.j reicher als unser Annolied, und die gelehrte ableitung des hairischen volkes 15

aus Armenien (v. 317 ff.) ist heibehalten.

Auf Baiern und sjyeciell auf Regenshurg loeist nun auch die ausioahl der heiligeny

loorauf man hisher gar nicht geachtet hat. S. Emmeram und S. Ulrich erwdhnten

wir hereits. Es iverden in der Kaiserchronik noch hehandelt: die mdrtyrer S. Sixtus

(mit Felicissimus und Agajoitus v. G165—205j, S. Laurentius und S. Hijjjjolytus (6206— 20

364;, S. Vitus (6A61ff.), S. Pancratius (6411 ff., vgl. U66bff\), S. Mauritius (^6486-

587;. In der geschichte des Faustinian spielt neben dem hl. Clemens der hl. Petriis

eine hauptrolle ; das martyrium dieses apostels und des Paidus wird 4155—60 erzdhlt,

das des evangelisten Johannes 5567— 644. Der eigentliche held in der umfangreichen

geschichte Constantins ist S. Silvester. In die geschichte Karls d. gr. greift der hl. 25

Egidius ein (lb022—68). Sonst treten auf: die hl. Veronica in der geschichte des

Tiherius (12d — 838; , der guote sancte Bonefiatius (papst), der das Pantheon weiht

(v. 181 ff.) , der hl. Gregorius , der dem giiten kaiser Trajan nachtrdglich noch zur

seligkeit verhilft (^6020^.;, S. Basilius in der geschichte des Jidian f 10948^.;, Euse-

hius fl3177;, die Siehen Schldfer ("13497 — 628;. Es ivird herichtet die krenzfindung 30

durch Helena v. 10?>8bff. und die wiedereroberung des kreuzes durch Eraclius (^11186

345;. Nebenhei erwdhnt wird der guote sante Stephan bei griindung des histums

Bamherg (v. 16227 /.;.

Eine ganze anzahl der in der Kchr. hehandelten heiligen finden loir loieder in

dem gebet des Regensburgers Otloh (um 1070;, das ich nach der deutschen fassung^ 35

citiere, darunter vor alleni sdmmtliche mdrtyrer ausser den beiden genossen des hl. Sixtiis.

Otloh ruft darin zundchst die fiirhitte der Maria, des erzengels Michael, des Johannes

baptista, der aposfel und der unschiddigen kindlein an: Dara nah hilf rair durh die

diga sancti Stephani, Laurentii, Viti, Pancratii, Georgii, IMauritii,

der hs. 2 Datz Chamb, wo ein Jjekannterer ort, der heatige marktflecken Cbam, eingesetzt ist; 40

unser Kampach dUrfte das Chambekke Mon. Boica XXXIX, 2, ^}. 217 sein. 1) Wirnt ist in dieser

zeit wol der haufigste name in Regensbnrger nrkunden, so erscheinen bei liied, Cod, dipJ. Batisb,

T, p. 218 nnter einer urkunde von 1147 ein Wirnth de Smidegademe, ein Wirnth de Hempenvelt

und ein Wirnth de Swiber. 2) Unsicher ble.ibt, ob die iibersetzung Mendelberc fur Mons gaudii

V. 10581 und 14573 von einem der an unserer chronik bcteHigten heri^Uhrt, oder allgemein iiblich 45

loar ; ein ort Mendilberch (jetzt Mindelberg, im bair. Schwaben) kommt im Cod. trad. Wessohr.

rtr. 1 cirea a. 760 vor, ein geschlecht de Mindelberc Idsst sich in vrkunden der bairischen kloster

Steingaden, Tegtrnsee, ScheftJarn, Polling nachtveisen. Vgl. ferner die anmerkunjg zu Houwoberc

V. 17136. 3) Dei MuUeuhqf und Seherer, DenkmCiler^ nr. LXXXnF; ebenda s. 579—581 die

lateinische fassung. 50

i


KAISERCIIROXIK EINES REGENSHURGER GEISTLICHEN. 49

(Bonifacii), — Ypoliti — Syxti ct oinniuni soeiorum suoruni, Dara nali hilf mir durh

dic diga sancti Emmerammi, .

Dara

nah hilf mir durh die

diga sancti Silvestri, Gregorii Uodalrici, Leonis pape. Die heiliijen-

liste des Otloh aher ist nicht ohne zusammenhang mit einem Regenshiirger reliquien-

5 verzeichnis, das die Notae S. Emmerami^ zum jahre 10G4 (hau der neiten hasilica)

mitteilen^. lch erxcdhne darausfiir unsern ziccck: rcliquien dcs hl. Petrus, des Johannes

evangelista, dcs hl. Stephanus, ferner der heiligen Vitus, Pan gratin s , Emmeram,

Uodalrich , papst Clemens , papst S ilvester ; aus eincr etu-as alteren liste ehcnda

z. j. 1060 (Ecclesia supra portam constructa) liessen sich noch rcliquien des hl. Lau-

10 rentius hinzufiigen.

Einige dieser heiligen waren patrone von kirchen, Idostern und kapellen in Pcgeus-

hurg und vicllcicht liessen sie sich gar sdmtlich als solche nachweisen, v:enn die nach-

richten iiher die Regenshurger kirchlichen hauten aus alterer zeit zahlreicher wdren.

Das miinster war dem hl. Pttrus und dcm hl. Emmeram getveiht , den hl. Paulus

15 hatte jenes nonnenkloster zum patron, in welchem die Visio Tnugdali niedergeschrichen

wurde, etwa um die zeit der vollendung unserer chronik. Eine kirche des hl. Egidius

findet sich zum jahre 1183 eriodhnt^; locus qui dicitur ad s. Laurentium iuxta Regen

fluvium zvird die ortlichkeit in der ndhe von Regenshurg genannt, ivo 1140 der hurg-

graf Otto von Regenshurg das reichsgut Bucha im tauschvertrag an das kloster Priifning

20 ahtrat*. Eine kap^elle des hl. Stephan hefand sich an der nordseite des kreuzgangs

im alten dom. Ferner tcerden in nachrichfen des 13. und 14. jhs. eine hauskapelle

dcs hl. Lorenz, eine Sixtuskapelle, eine Veitskapelle, eine Vrenkapelle (Vero7iica?), cine

pfarrei S. JJlrich, eine kapelle S. Pancratii genannt^. Nach dem hl. Veit, hekanntUch

dem haiiptheiligen der slavischen grenzlande (in Osterreich giht es iiher 40 orte dieses

s!5 namens), heissen ausser vielen


50

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

geschichtschreihung icenig sinn hatte. Das jyasst sehr gut filr Regenshurg, das zwar

im ausgang des 11. jhs. noch jene reichsannalen entstehn sah, von denen neuer-

dings ein kosthares fragment zu tage gekommen ist ^ , im 12. jh. aher filr loerke wie

die Visio Tnugdali und die lilgenhafte Translatio sancti Dionysii ein giinstigerer

boden war als fiir die eigentliche geschichtschreihung

^. In der deutschen geschichte 5

der Kchr. ist in unverhdltnismdssiger ausdehnung , mit s'chtharer vorliehe und tinter

einftechtung reichen sagenhaften details die geschichte Karls des grossen hehandelt

(v. 14310 — 15091 j. Regenshurg aher ist eine der hauptpflegestdtten der Karlssage: aus

der verehrnng fiir den grossen kaiser ist hier die hearheitung des franzosischen Rolands-

liedes entsprangen. Zu den heziehungen dieses iverkes zum orte seiner entstehung, die lo

ich friiher^ heigehracht hahe, trage ich hier nach, dass der pfaffe Konrad seiner hear-

heitung die erwdhnung des hl. Laurentius (21^, 27 Jf.) U7id die andeidung iiher den

hl. Egidius flOS; 9 jf.) eingeschaltet hat, also zivei heilige, die auch in der Kchr. aif-

treten, deren verehrung in und um Regenshurg wir nachweisen konnten. Die fort-

dauer dieses KarlscuLtus heweist aus dem 14. jh. das umfangreiche, durch imd durch i5

fahulose gedicht von Karl d. gr. und den Regenshurger schottenmonchen*. Ein inter-

essantes zeugnis fiir die verehrung des kaisers aus friiherer zeit ist die neuerdings

hekannt gewordene vorrede des ahts Ramwold von S. Emmeram (^975 — lOOOj zu einer

hs. des sogen. homiiiars des Paidus Diaconus ^. Aus derselhen zeit aher hesitzen wir

einen Regenshurger hiicherkatalog^, der nicht nur als nr. 491 die Gesta Karoli, son- 20

dern auch hintereinander als nr. 376. 377 libri II sancti Silvestri, nr. 378 liber I

Clementis enthdlt: das konnten sehr loohl dieselhen hss. sein, toelche den heiden ans-

fiihrlichsten ahschnitten unserer Kchr., dem von Silvester (v. 7806— 10618J und dem. von

Faustinian (v. 1219— 4100J als quelle gedient hahen. Unter den von de Lagarde'' ver-

zeichneten fiinf Miinchener hss., welche die lateinischen Recognitiones Clementis enthalten, 25

stammt clm. 14253 saec. X. aus S. Emmeram, chn. 18201 saec. XV. ist von einem Regens-

hurger domherrn nach Tegernsee gestiftet. Es hleiht einer spdtern untersuchung vor-

hehalten, oh nicht noch einige andere alte S. Emmeramer codices der Miinchener hi-

hliothek der Kaiserchro7iik quellenmaterial gehoten hahen; ich nenne als solche einstweilen^

clm. 14418 (Em. E. 41 j saec. IX. ein Passionale, in ivelchem sich u. a. die Passiones so

SS. Sixti, Felicissimi et Agapiti, S. Laurentii, S. Hippolyti hinter einander und kurz

davor Passio S. Mauritii et sociorum eius hefinden; ferner clm. 14364 saec. IX. (Em.

D. 89J mit der Passio S. Viti, clm. 14540 (Em. G. 43) saec. VIII. IX. mit den Actus

S. Silvestri episc. urhis Romae (fassung des Momhritius) und den Gesta SS. VII dor-

mientium qui in Epheso dormiunt. Das interesse fiir Karl d. gr. hezeugen aus spdter 35

zeit noch clm. 14279 (Em. D. 4) und clm. 14617 (Em. G. l) heide saec. XV.

6. Der dichter und die zusammensetzung seines werkes.

Wir hahen in der Kaiserchronik nicht nur hairische localinteressen und den

einfluss der hairischen localsage gefunden, sondern zuletzt auch noch angedeutet, ivie

sich die litterarischen interessen der Regenshurger geistlichkeit und ihrer gonner in «

dem werke loiederzuspiegeln scheinen. Dieser zusammenhang Idsst sich noch toeiter

verfolgen. Sehon 1847 hat K. Roth in seiner ausgahe des Annoliedes nachdriicklich :<

1) Aiinalium Ratisbonensium maiorum' fragmentum SS. XIIT, s. 48 — 49. 2) Die zicmlich

unbedeutenden denkmaler der Regensburger annalistik sind SS. XVII, s. 571 — 590 gedruckt; dazu

ein iiaelitrag SS. XIII, s. 47 /. und ebenda s. 359 eine Series episcoporum Ratisponensitim. **

3) Zeitschr. f. d. alt. XXVII, s. 70 — 80. A) Besprochen von Bdchtold, Deutsche handschriften

aus dem. brit. museum (SchafJiansrn 1873; s. 3— 71. 5) Neues Archiv X, s. 389/. 6) SS.

XVII, s. 567 — 568; Becker, Catalogi bibliothecarum antiqid (Bonnae 1884j nr. 42. 7) De

Lagarde, Clementina (Leipzig 1865J s. 23/.; jetzt Mitteilungen (Gottivgen 1884j s. 49/. 8) Nach

dem Catal. codd. lat. bihl. reg. Monac. tom. II, pars II, p. 169. 162. 189. 61 :


KAISERCIIROXIK EINES REOENSBURGER GEISTLICIIEN. 51

darauf hingeiriesen ', dass das Annolied im Idoster Sieghxirg entiitanden sein iniisse,

und er hat die verherlichung der Baiern und die riiliinliche erwahiiung ihrer hanpt-

stadt Regenshurg v. 2^,)3ff. dieses gedichtes als eine huldiguiig an den aht dieses klosters

Kuno aufgefasst, der ein gehorener Regenshurger war^. Kuno loar munch ini klostvr

5 Sieghurg, als dort 1105 die Vita Annonis niedergeschriehen wurde auf veranlassung des

ahtes Reginhard, zu dessen nachfolger vian ihn nocJi in dem gleichen jahre wiihlte. Wiihrend

seiner ahfszeit muss das Annolied ahgcfasst sein. Auf diese zeit und gegend xceist mit

hestimmtheit der diahkt^, fiir das kloster selhst spricht viel nachdriicklicher als v. G43

(Sigiberg sin vil liebi stat) die art tcie dasselhe im eingang genannt icird v. U^f.:

10 Wi nianigc ceiclicn hcr uns vure dut, Alser uffiu Sigibcrg liavit gcdan Durch den

diurlichen nian u. s. u\ 112(5 jcurde Kuno zviu hischof seiner vatcrstadt Regenshurg

geiciihlt, 1132 ist er als solcher gesturhen*. llier entstand irahrscheinlich noch zu leh-

zeiten des hischofs diehearhcitung des franzijsischen Rolandsliedes (1131 f), in der sirh

spuren einer kenntnis des Anno zit zcigen schcinen: \()C)^ 14 in discin nicrgartcn =

15 Anno 445. Kchr. 501 (vergleiche GG14j; 271^ 20 //'. hie wirt (Kaz hcrtistc volcwic = Anno

443/. Kchr. 499^./ vielleicht auch 154, 2 di scar lac in dcni blutc gar berunnen =

Anno 455 f. Du gelach dir manig breiti scare niit blutc birunnin garc. Es sind frei/ich

fast nur stellen, die auch aus den ciltern teilen dcr Kchr. stammen kHnnten, denn hier

ist das Annolied (s. die anm. zu v. 50. 271 u. s. ic. his c. GGl^ sehr stark henutzt. Doch

80 wird sich fiir den umstand, dass Rol. und Kchr. dem Anno die gleichen phrascn ent-

lehnen, weiter unfen eine andere erkldrung finden, als die dass deshalh die Kchr. in

ihren friiheren feilen dlter als der Roland sein miisse.

Diirfen wir nun vermiden, dass der hischof diesen litterarischen unternehmungen,

der hearheitung des Rolandsliedes, dem plane und den anfdngen der Kaiserchronik

25 nicht ganz fern stand, so hat vielleicht seine und seiner umgebung kirchliche und

politische richfung auch geradezu die loahl der hauptsfoffe heeinjiusst, als die loir schon

ohen die geschichfe des Clemens, des Silvester undKarls d. gr. hezeichnef hahen. Kuno war

ein mann von sfreng kirchlicher richtung, er ist in den jahren 1128— 1132 der freund

und heschiitzer des Gerhoh (von Reichersherg), der sich aiich der vorzilglichen gunst

30 Heinrichs des stolzen erfveiUe'", und untersfiifzt lehhaft dcssen hesfrehungen, den klerus

zu kanonischem lehensicandel zu fiihren. In dieses Gerhoh sfreitharer schriffsfellerei aher

spielen zwei interessen eine grosse rolle, der kampf gegen die simonie und d.as ideal

eines einigen znsammemcirkens von 'regnum' und 'sacerdotium'. Nach den schiceren

kampfen unfer Heinrich IV. und Heinrich V. schien dies ideal unfer Lothar fiir die

35 kirche erreicht zu sein. Es ist nun ganz natiirlich, wenn Gerhoh z. h. in seiner schrift

De invesfigatione Anfichrisfi^ in dem cap. I, 74 'Dispensationes ecclesiasficas gratis

fieri deheri den hl. Pefrus, seinen kampf gegen Simon Magiis und sein verhaltnis

zu seinem nachfolger Clemens preist, toenn er in cap. I, 29, das die iiherschrift tragt

'Confenfio inter regnum et sacerdofium' (vgl. I, 18) auf Silvester und Constantin hin-

40 iceist: Unde usque hodie amborum, pii vidclicet principis Constantini itemque bcati

Silvestri Romani pontificis, memoria in benedictione cst ct futuris sempcr debct esse

temporibus. Aher es ist aiich kein zufall, icenn aus dieser afmosphdre — mehr sage

ich nicht — ein icerk gehoren tcird, in dem die hearheifung der Recognitiones Clementis

und der Acta Silvesfri' den hreitesfen raum einnimmt.

45 1) Dies tvar mir unhekannt, als ich flSSOj zuerst der personlichkeit Kunos nahe trat und Anz. f.

d. alt. VII, s. 191 (vgl. s. 179 f.) ein interesse unserer Htteraturgeschichte an ihm betonte. 2) Ruper-

tus Tuitiensis SS. XII, s. 637. 3) Kettner, Zeitschr. f. d. jihil. IX, s. 320. 337. 4) Ausfuhrlich

hehandelt ihn jetzt Janner, Geschichte der bischofe von Regenshurg hd. II (Regenshurg 1884^,

s. 1—36. 5) Ribheck, Forschungen z. d. gesch. XXV, s. 13. 6) Ed. Scheibelberger in Gerhohi

50 Reicherspergensis Opera hactenus inedita tom. I. Lincii 1875. 8°.

7*


52

KAISERCHllONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

^ Der compilator der Kmserclironik war ein regenshurgischer geistlicher, der, icie

ivir sahen, nm 1150 oder 1151 staib, kurz ehe er sein werk zu ende gefUhrt hntte.

Doch dcr tod nahm die feder keinem jiingling aus der hand: die hohe seines Uhens

fdllt in jene gldnzenden tage der hnirischen hauptstadt, als dort Heinrich der stolze

herrschte und scin kaiserlicher schwiegervater ein hdufger gast toar. Wie dem kaiser 5

und dem herzog mag der dichter wol auch dem hischof Knno nahe gestanden hahen.

Wir hdtten ihn uns also etwa in den heiden jahrzehnten 1130 — 1150 in Regenshnrg

zu denken. War er aher auch ein Baier von gehurt nnd erziehung? Die frage ist

in dieser zeit der regen heziehungen zwischen rheinischer und sadostlicher litteratur

nicht ilherflnssig, und sie liegt in tmserm falle hesonders nahe. Franz Pfeiffer"^ hat lo

den verfasser der Kchr. als vermutlich aus Franken gehilrtig hezeichnet, Scherer^

nahm an, dass die Kchr. loenigstens vielfach aus frdnkischen quellen schopfe. Jenes

ist entschieden falsch, und auch dieses hedaif einer starken einschrdnkung : mit ausnahme

des Annoliedes, das in der Kchr. nehen den spuren seines hohern alters auch

solche seiner rheinischen herkunft zuriickgelassen hat, ist die ganze Kaiserchronik 15

durch und durch hairisch, ja mit ausnahme der Crescentia, deren verfasser mehr im

sudlichen oder siidtcestlichen Baiern heimisch sein mag, ist das ganze toerk in einem ein-

heitlichen dialekt geschriehen, in dem wir den dialekt der stadt Regenshurg anzuzweifeln

keinen grund hahen. Es ist icesentlich dieselbe mundart, ia der etica bO jahre sp>dter der

Tundalus und bald nach diesem die Kudrun und die dichtungen Wolframs von Eschen- 20

hach qeschrieben sind, denen ich freiUch das der iiberlieferung teihceise anhaftende

rnitteldeidsche element ahstreite. Den gleichen dialekt icie die Kchr. hat his ins ein-

zelne hinein das Rolandslied, dessen verfasser man seither mit grUsserer hestimmtheit

und fast allgemein nach Franken, ja nach Rheinfranken * gesetzt hat. Ich werde in

der angekiindigten arheit eine aiisfiihrliche darstellung dieser mundart gehen * tind 25

kann deshalh hier nur wenige pnncte anfiihren. Die heiden heqiiemsten kriterien, um

hairische %ind frdnkische (hesonders grossere erzuhlende) dichfungen zu scheiden, hat

man bisher, so viel ich sehe, kaum angeioandt, es ist die form des verbums mugen niid

des j^^f^^t^^^if^cn^ ^on komen. Die Kaiserchronik und das Rolandslied kennen nur die

form megen, und sie hieten davon eine grosse anzahl reimhelege, niemcds icird man 30

diese form hei einem Franken finden: dieser hraucht mugen, das dann schon des

reimmangels icegen seltener nachzuiceisen ist; die form megen scheint sich erst von

Baiern aus allmdhlich auch nach Schwahen auszuhreiten. Ein noch hestimmteres

zeugnis gegen den behaupteten frdnkischen ursprung der heiden loerke ist die form

des praet. von komen und ihre spdrliche verwendung im reim. In Franken heisst 35

dieselhe quam, und hei dem ausserordentlichen reichtum von reimwortern darauf (nam,

gezam, die zahlreichen adjectiva auf -sara, dazu im 12. jh. noch sdmtliche tcorter und

icortformen auf -an u. s. w.) erscheint sie in erzdhlenden dichtungen ausserordentlich

hdufig im reime. Beispielsweise hat der Alexander (der wenig dlter als das Rolands-

lied ist) diese form in der Vorauer ?is. (wo sie vom bairischen schreiher freilich in 40

chom umgeschrieben ist) in rund 760 reimparen 20 mal ini reime , das macht einen

quam-7'ei?n aiz/SS reimpare : dahei lasse ich die 13 quamen und quame (queme) ganz aus

dem spiele als nicht unbedingt beioeisend. In den 2600 reimparen des Rother (auf den

der hairische dialekt, wie ich zeigen toerde, nicht ganz ohne einfiuss gehliehen ist) zdhle

ich 38 quam im reime, d. i. 1 : 69 reimptare. Stdrker als im Rother ist der procentsatz 45

1) Im folgenden hiete ich nur vorliiufigc andeutungen: in meinen Untersuchttngen tocrde ich das

heiceismaierial fUr meine hehauptungen vollstandig vorlegen. 2) Freie forschung (Wien 1867. 8)

s. 322. 3) Wiener Sitzungsher. LXIV (\%1Q), s. 343. 4) So Bartsch in seiner ansgahe (181 A)

s. XII. 5) Wohei ich die gesammte prosaische und poctische littcratur Baierns bis zian Servatius

und zur Kudrun herab hinzuzuziehcn gcdenke. M


KAISEKfllKoNIK EINE.S REGENSBURGER GEISTLICHEN. 53

wieder hci dem Hessen Herhort von Fritzlar nnr doch no reimi/iwandte (und so nichlich

rejlexionen einstreuendi-) Gotfrid von St)-as.shtiri/ 1() reinn' anf kam /// 2(Mj(j vrrsi n ',

d. i. 1 : G2 (ii^) nimpare. Fast chenso vii/i' Jfarfmnini roii Ane uenit/stens noch iin

5 Fnc. Aher je niihrr tcir von westen odrr nordwr.sti n drvi halrisrhm f/rhirtr koinutm,

desto mehr werden dirse n-ime i/rmirdm, n-ril sie dpm dialiktr uicht i/emdss sind: sril

dem ende des ]\.Jhs. n:ird in liaiirn, etwa ein jnhrhnndert spdter auch in einem tril

von Alemannien dir form kam durch kom vrrdrdni/t. Wo ein hairischrr dichtrr der

guten zeit kam im reimc hraucht, foli/t er hewus.st odi r unhrwusst drr rrivnrrisr hiifischrr

10 vorhilder aus dem v:estrn : waren doch eine f/anze anzahl solcher hinduni/en liin


54

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

also ein hesfand grosser als das Rolandslied. Diese strenge ist in einem werke, das

so unreine reiine ayffceist xcie die Kaiserchronik , fast atiffdllig. Moqen nun auch

einige der ohen aufgezahlten kam-j-eme dem hauptdichter des werkes selhst mit unter-

gelaufen sein, so verdienen die in grwppen avftretenden doch, wenn andere kriterien

hinzukommen, hei der heurteihing der compilation wol heachtet zu werden. Besonders 5

interessant sind hier die reime 12021. 12411 der Crescentia: die hs. 1 ilherliefert cliom:

niemerij tind so tvar auch filr heide worter die aussprache und der reimgehrauch des

compilators , der selhst nur ehom und nur niemen (rdienen, :fliehen) im reime kennt,

also in doppelter heziehung von dem verfasser des eingeschcdteten stiicks sprachlich

sich unterscheidet. lo

Wie in der ahneigung gegen kam steht der haujytdichter der Kchr. auch in

allen iihrigen ohen heriihrten ])uncten dicht an der seite des pfaffen Konrad. Nur

iceniges sei hier noch hervorgehohen : die Kchr. soiool loie der Roland hahen im

reime die formen lihnrime und ertbibe und einige cihnliche (zadel, scamel, schach-

zabel), iiher die Haupt zu Denkmdler XXX (2. aufl., s. 369 f) gehandelt hat; auch i5

diese formen sind wenigstens im 12. jh. nur in hairischen denkmdlem helegt, aus dem

13. jh. hraucht z. h. Lamprecht von Regenshurg lichnamen im reim v. 4283. 4301.

4315. — ingeside fiir ingesinde Rol. llb, 1. 222; 18 hezeichnet Bartsch freilich als

eine niederdeutsche form, aher sie ist im nd. (das vielmehr ingesinne hraucht) nie zu

helegen, wol aher Kchr. 7424 und (aus jener stelle Rol. 222^ 18 entlehnt) in Wernhers 20

Maria 162, 30. — grisgrimmen {statt grisgramen) Rol 210, 20. Kchr. 6252. 13304

kennt Lexer nur noch aus L^eysers predigten !?>, 22.

Auch sonst weisen unsere werke (teils einzeln, teils gemeinsam) eine reihe von

wijrtern und icortformen auf, die wenigsiens seit dem 12. jh. nur in hairischen denk-

mdlern helegt sind: ich greife hier nur icenige heraus und verspreche fiir die Unter- 25

suchungen eine vollstdndige zusammenstellung der charakteristischen ivorte der dltern

hairischen litteratur

antraiten swv. Rol. 99, 25. 118, 8. Kchr. 3167 (daz antraite 7974). — bisez stm. (misicachs)

Kchr. 15350. — ege stf. Kchr. 15345 (sonst nur Tundcdus und Krone!). —

ertwelen stv. = sterhen, nur helegt aus Rol. 183, 19. 244, 31; Kchr. 2910. 4627. 14164. 30

— gihtigen sivv. (mit kampfe) mir helegt aus Rol. 302, 10; Kchr. 14652. — gewicke

stn. Rol. 159, 8. 161, 1. — himelblic stm. Rol. 240, 30; Kchr. 15343. — hiwische stn,

Kchr. 6360. — meizen stv. Rol. 71, 24. — orthabe swm. Kchr. 2350. 3260. 3293 u. o. —

phiesel stn. Kchr. 13953. — ruphin tuoch Kchr. 14800. — tener stm. Kchr. 3576. —

urbilwe adj. Kchr, 7240. — verswelhen stv. Rol. 204, 15; Kchr. 8755. 16316. — wende stf. 35

Kchr. 1595 (sonst nur jiingere Judith 133, 12. 176, 18j. — winster adj. Kchr. 9804. — Ja

ein par composita sind ausser in unsern heiden tverken gar nicht oder doch nur hei

solchen autoren helegt, welche sicher aus diesen geschijjyft hahen: knehthait stf. nur Rol.

266, 11; Kchr. 4605. 13854. — werltkiinec stm. Rol. 252, 26; Kchr. 6083. 15086 (sonst

nur Llartm. Glauh. 706j. — wichorn stn. Rol. 10, 30; Kchr. 10062 (sonst nur in den 40

der Rolandstelle entsprechenden versen des Stricker und Karlmeinet). — wortspidie adj.

Rol. 4, 19. 296, 3; Kchr. 1766. 2561 (sonst nur Wolfr. Willeh. 247, 14;.

Die sprache der heiden werke trdgt his ins kleinste hinein die gleiche fdrhung

hei der andeutung ihres localen, landsmannschaftlichen geprdges sind tvir schon his

hart an die grenze des individuellen gelangt. Lch hole nach, dass auch der gewonnenen 45

zeitlichen hestimmung die sprache nicht loiderspricht. hn Rolandslied finden wir von

vollen endungsvocalen im reime noch vor: 1) praes. auf -ot: gebildot (: nOt) 70, 11.

2) praet. auf -ote: vorderoten (: toten) 246,4. 3J

part. auf -ot: gewarnot (: gebot)

ed. Diemer 124, 21 wiederfindet, ist liier kaiim in seinem urspriingliclien reimwcrt mchr gefuhll

worden. 5»

I


KAISEIICIIRDNIK KINKS KKOENSIUJKGKR OKISTKICIIEN. OL)

203,22; gcmarteiot (: totj 111, 31. 4) superl. auf-osi: vorderust (: trost) 8, 9. In cler

Kchr. sind dle helege fiir die fiille 2 nnd 3 im vcrhaltnis zahlrcicher, wir hahen

numlich ad )) 2 fiille, ad 2) 10 fiille, ad 3y a) auf -iA 12, hj a uf -ot {-oc, -o() 12, ico-

von allein 5 auf den Silvester kommen, ad A) 3 fiille. Aher die ursachen dieser

5 hiiufi


56 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICIIEN.

Vergleicht man mm aher die hetreffenden stellen des Roland, icelche in der Kchr^

'entlehnt' sein wiirden, mit dem franzosischen texte, so ergiht sich die Uherraschende

beohachtung , dass die Kchr. dahei niemals eine ilhersetzte stelle des Roland entlehnt,

sondern nur verse, die nach inhalt und fassung zutat des hearheiters sind. Der also

hier 'entlehnte', ivar Jcein ahschreiher, hein plagiator, sondern er schopfte aus einemfesten 5

schatze von phrasev, wendungen und reimhindungen, die ihm gelaufig, die sein eigentum

loaren , teils iiherkommener hesitz , teils durch eigene dichterische iihung ericorhener.

Schon diese eine heohachtung zicingt uns fast zu der annahme, dass der dichter der

Kaiserchronik mit dem dichter des Rolandsliedes, dem pfaffen Konrad, identisch war.

Dafiir sprechen denn auch iveiterhin die folgenden griinde. Aus der geschichte 10

Karls d. gr. liisst die Kaiserchronik alle helden fort, von denen im RolandsUed erzdhlt

ist, sie herichtet nichts von Geneluns verrat und von Rolands tod in der schlacht von

Ronceval, sondern scheint mit der kurzen wendung v. 15072 einfach auf die hearheitung

des liedes zu verweisen, die selhstoerstdndlich in dem Regenshurger kreise, fiir den die

chronik zundchst geschriehen wurde, %col hekannt loar. Aher: das franzosische gedicht 15

hat, wenn wir von den wiederholungen ahsehen, durch den hearheiter eigentlich nur zicei

tatsdchliche zusdtze erfahren: 1) die andeutung von Karls todsiinde und der ver-

mittelung des hl. Egidius 108^ 9—23; 2) die notiz, dass der stein, auf dem sitzend

Karl hlutige trcinen um Roland vergoss, noch heute nass sei: 259, 20/. iif den stain

er gesaz : ienoch liiute ist er naz, cla daz bluot ane fluz. Beides nun kehrt in der 20

Kchr. icieder: jene episode ist v. 15015 — 68 hreit ausgefiihrt, und der zweite zug ist

mitfast den gleichen tcorten gegehen v. 14921/".; hiute ist der stain naz, da, Karl iife

saz. Wdre das Rolandslied jiinger als die Kaiserchronik, so wdre die erkliirung sehr

einfach: der hearheiter des Roland fiickte seiner vorlage aus der chronik noch ein 2^'^i'>'

ziige an , die in naher heziehung dazu standen. So aher miissen tcir itns die sache 25

anders zurecht legen : der pfaffe Konrad ist der urheher heider werke, jene ziige, die

er einst seiner hearheitting des Roland eingefiigt hatte, erschifinen ihm auch jetzt noch

so ivichtig, dass er sie in der chronik icieder anhringen zu miissen glauhte, ivdhrend

er doch hier iiher den eigentlichen inhalt des Rolandslieds mit einem kurzen hiniceis

hinweggieng. 30

Ohen hereits ivurden ein i)ar stellen angefiihrt, die dem Anno entstammend, sich

in heiden icerken iviederfinden : der zeile in disem mergarten (= Anno 445j geht im

Rol. 106; 13 voraus die haiden furhtent in harte, in der Kchr. GGld folgt ihr vorhte

man si harte. Ahnlich steht es nun mit einer stelle aus dem Loh Salomonis (Dkm. XXXV)

9, 3. 4 di scuzziHn und di nepphi, di woli gesteinitin chophi; diese heiden verse 35

sind vielfach ausgeschriehen ivorden (zu den helegen Denkm. 2. aufi. s. 422 ist noch

herzog Ernst B. 2394 ff. zu fiigen) , im Roland und der Kchr. aher hahen sie am

treusten den ivortlaut heicahrt (hesonders das wol gesteint, das sonst nicht wiederkehrt)

und sind hier icie dort von gleichen ausdrilcken und reimen umgehen: Rol. 91, 10^^'.

Der chunc hiez ime fur tragcn manigen bouc wole beslagen, schuzzil unde napfe, 40

di wol gestainten kophe, manic werc spjlhe, di phellele vil wahe etc; Kchr. v. 13008^.

der chunich hiez die gebe vurtragen, manigen bouch rOten, manigen pfellel

braiten, scuzzelen und napfe, dic wol gestainten kopfe. do gebet er in allen- und

V. 14232^'. .• do hiez der chunich niaire phellel unde more, scuzzelen unt nepfe, die

guldinen kopfe, vil wahe ergraben, alle dar vur tragen. Konrad hat in solchen 45

fdllen eine ihm im geddchtnis haftende stelle mit neuen wendungen und reimen eriveitert

und in dieser form spdter loiederholt angeivandt. Die hekanntschaft des Rolandslieds

mit dem Lob Salomonis hat Miillenhqff^ in den anmerkungen zu \,b (= Rol. \, b) und

16,8 (= Rol. 309, 13j noch genauer nachgewiesen. Jene phrase aher aus 1,5 dxi

sendi mir ze mundi klingt auch Kchr. v. 3188 also dir der hailige keist sende 50

*l


KAisP:uriiK(».NiK i;iNi;.s iM;i SaJiiiMiiis zitiii \\;is siileli vritli iiiidir

:. liitin erinnern.

Weiter/iin /labr ic/i zu v. OO? ijezriijt, dass Arnn/fs Sieben::a/i/, ans drr dii Kaisi r-

c/ironi/c in dem absc/inilt ()()7— (J42 eine ijanze anzahl verse entniinint, anc/i t/nii dic/iter

des Rolitnd be/cnnnt irar^ ic/i /labe zu v. i)i')]i) nnd \'Mu\) die sliic/ce uus dent Jliinm-

lisc/ien Jrrusalrm anijefii/irt , wrlc/ie die Kaiserc/irnni/c benutzt , nnd zti v. (i()7 sclton

III /linijrtvirnen anf Ilnl. 140, 1''//'. -bury;e: .s i lietdi :illc ir sorgc gew


58

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

michel not wart da unter in. Vielleicht flUrfen wir ebenso mich Kchr. d4b2 f. (Silv.)

die fiunf vverlt alle die loster wider von der lielle avffassen im verhdltnis zu

Ezzo 7, 1.2 Duo die vinf werolte alle gevuoren ze der helle. — Zu Kchr.AO^Q—50

ist tcortliche entJehnwu] nus deni Baumgartenherger fragment eines Jnhayines Baptista

(Fundgruhen II, 139, 1—4j nachgewiesen. Dagegen hrauclit ^vol v. 1237/. Zwaier 5

sune si ensamt genas: owi wie fro der vater des was! kaum direct aus dem Johannes

Baptista des priesters Adelhrecht (Mones Anz.VIII, s. 48 j v. 61/. eines sunes si genas: wie

fro der vater des was! zii. stammen. Mehrfach klingt ferner in der Kchr. leise, aber doch

devtlich genug das schone Melker Marienlied (Dkm. XXXIX) an: so v. 9554/. (Silv.)

Moyses sach den louch obenan, daz holz nidene niene bran = 2, 3. 4 daz daz holz niene lo

bran. den louch sach er obcnan. — v. 10004/. (Silv.) Der herzoge Gedeon versuochte

rainen trehtin: nider sprait er ain vellelin. — 3, 1. 2 Gedeon dux Israel, nider

spreit er ein lamphel.

Moqen niin auch die zidetzt angefuhrten stellen nicht dem p/a^e)i Konrad selbst

anqehoren^, jedesfalls ist seine grosse belesenheit in der geistlichen poesie bezeugt. Fiir i»

die kenntnis der weltlichen legt sein icortschatz und sein stil dns deutlichste zengnis

ab: er hat seine dichtkunst geschidt am vorbilde der edlern spiehnannspoesie, sodass

seine werke die wichfigste quelle sind, aus der icir unsere vorsfellung jener verschollenen

friihepik schopfen konnen. Der nachldssige versbau U7id die bequeme manier zu reiwen

sind in heiden gedichten ziemlich dieselben. Vor alleni verwenden sie beid.e massenhaft 20

reime von der form ziceisilbig verschleifbar auf einsilbig (wissagen : stan, geben : sten,

stiint : jugent, h)ym6ri : vernomen u. s. w.) U7id stehn darin ganz einzig da. Schon das

vorhandensei n dieser reime im Rolandslied hdfte davon abhalten sollen, die heimat des-

selben an den Niederrhein zu verlegen, ico nicht vicl spdter bereifs die dehnung der

kurzen vocale in offener silbe sich bemerklich mnchf. TJnd cler umstand. allei^i , dass 25

sie sich atisser in der Crescentia iiher die ganze Kaiserchronik hin anndhernd gleich-

mdssig verteilt finden, iceisf bei der sonstigen seltenheit dieser reime jedesfalls darauf

hin, dass rcir es auch in ihren verschiedenen feilen mit erzeugnissen der gleichen

heiniat und der gleichen schule zil fun haben. Wieweit sich in diesem tcerke der anteil

des pfoffen Konrad , den wir als den tdtigsten der daran beteiligten bezeichnet haben, 30

von fremden beitrdgen loslosen Idsst, das muss eine ausfiihrliche stilistische untersuchung

lehren.

Was nun die zusammensetziing des iverkes betrifft, so herrscht zundchst dariiher

kein ziveifel, dass die Crescentia. ein selbstdndiges, hier nnr gewaltsam (v. 11352— 12808J

eingeschalfetes werk eines begabfen dichters ist. Der dialekt freilich tceicht nur in ganz S5

wenigen j^^^ncten von dem der Kaiserchronik und des Rolnnd ab , sodass an dem

hairischen ttrsprnng des gedichtes (das Schade an den Niederrhein notigen wollte)

kein zweifel bestehn kann. Aber seine reime sind weit 7'einer, der versbau gleichindssiger,

die composition ungemein symmetriscli nnd durchsichti g , die darstellung schlicht und

doch edel. Das gedicht hesteht aus sfrophischen absdfzen, die meist mit einer iiherlangen 40

zeile schliessen. Es hat leider durch den rednctor zahlreiche interpolnfionen erfahren:

einige davon hahe ich hereits in den anmerkungen zu v. 11412. 11434.35. 11534— 37.

11770. 12016. 1229!). 300. 12375.76 bezeichnet. '

Aber auch , nachdem wir diese und

andere zusdtze ausgeschieden hahen — so icie ich es in einer sepnratausgabe des ge-

dichtes versuchen icerde — hlelbt eine reihe von beriihrungspuncten mit dem Roland. 45

Beide dichter bedienen sich bei schilderung dhnlicher scenen wiederholt fnst genmi

der gleichen verse, sodass eine beeinflussung des einen durch den andern ganz aiisser

zweifel steht:

\) Abschied Knrls von Roland, Dietrichs von Crescentia:

1) Uber die anfnahme gamer sfrophen auit verlorenen gedichten in den Silve.iter s. s. 62. 50


KArSERCHIiONIK KIXES REGENSBURGEIi GKISTLICHEN. 51t

liol. 114,21 er beswief in niit den frcsc. 11440 er uniheswief si mit dtn

arnien, arnien,

er .spracli: nii niuze iz got er spracli: daz niuoz niir

crljarinen, wid rel>arnien,

5 daz icli dicli iiicr inuz lazen. daz ich dich sol senden.

2) Karl zu (tinelHii, Dictrich zu tler des inorih-s renlac/itit/tf n ('resceiitia

Rol. 111,7 waz wizcstu niirV Cresc. 122H4 wa/. Inistu iiiir «rewizzenV

9 het ieh dir nieht wol go- «7 hctich dir niht gclunct,

1" lonet, 88 du iuahtest docli mines

10 machtcstu j^otes hahen trchtincs han j^cHcrnict.

an mir gesconet.

Iin Rolniiil hrhrt ihr rdin gclonet : gesconot nnch ln7, 7. ll'_'. ."il iriiihr.

'd) Dii" hi rirhtuii 1/ ( imi I ii ns iiinl ilir ilis ritztuins

16 Cresc, 12r)G5 d»j vuortc inan iu gcsailct,

dcm luaii was vertailct

Rol. 308,6 an dcin buclie uiit an dcm andciu buche untan deni

rucke rukc.

brachcn si in zc stucke. si wurfcn in ab dcr bruke.

20 A) Das schlussfjebet Cresc. 12807. 8 ist fast trortlich i/liich Roland 295, 20. 27.

(vgl. Kchr. 16132. 33;.

Eine reihe unhedetitenderer dhnlichkeiten und versankldnt/e ubergehe ich hii.r, du

sie zur mtscheidung der frage : tvelchi.'s der beiden gedichte ist dns mtlehnendef nichts

beitragen. Mir scheint die prioritdt rntschieden dem Roland zu gehoren, denn Gi-nelun

tb wird gevierteilt, die tcendung 308^ 6 mag also am platze sein ; der vitztum uber icird,

scheint es, zundchst zur viertfilung verurteilt Cresc. 12566/., dann aber ins ivasser ge-

troifen, und ztvar, icie es scheint, lebendig, deiin sonst konnte es nicht v. 12570 heisHen

do valten in die sunde, tvas doch icol bedeutet: ^brachti^n ihn zum sinken''.

Also der dichter der Crescentia kannte den Roland vnd entlehnte aus ihm. Seine J

30 novelle fand dann ivieder anfnahme in die Kaiserchronik eben dieses Rolandsdichters

und wurde von diesem interpoliert. Ja iveiterhin, um auch das sc?ion hier anztideuten: die

Crescentia hat diesem selben pfoffen Konrad als vorbild vorgeschwebt und ihm mehrfach

verse hergeliehen bei seiner bearbeitung der Clementinischen Recognitionen ini Faustitiian.

Jedesfalls gehort diese Crescentia , mag auch ihres veifassers tviege in einem andern winkel

35 Baierns gestanden haben, mit hinein in den engsten kreis der Regensburger litteratur.

Lassen ivir nun iveiterhin sprachliche unterschiede als zu unbedeutend und zweifelhaft

bei seite und sparen die schwierigen fragen der stilistischen congruenzen und

differenzen einer spdtern darstellung atif, so bleiben uns, um die zusammensetzun g der

Kaiserchronik zu erschliessen, fifr jetzt nur drei anhaltsjmncte : 1) andeutungen daruber

40 in dem werke selbst, 2) widersprllche, 3^ andertveitige iiberlieferung einzelner partien.

Wir haben bereits gesehen , dass die naheliegmde annahme , die Kaiserchronik

hixbe anfangs da aufgehort , ivo ein tvirklicher kiinstlerischer abschluss erzielt ist , mit

dem tode Lothars von Supplinburg und dem preise seiner gliickseligen regierung

V. 17181, durch die handschriftliche iiberlieferung keinerlei bestdtigung erfdhrt. Wir

4.T kennen also keine ausgabe, die bis zum jahre 1137 reichte , wissen ferner, dass jene

scheinbaren schlussverse nicht unmittelbar nach Richinzas tode, sondern frilhestens im

jahre 1146 geschrieben sind , hoben drittens in v. 16616 bereits einen hinweis auf

v. 17248^. und konnen schliesslich jene letzte iiberragende partie von 102 versen durch

1) Vielleicht auch sind Cresc. 12566. 65 uinzustellen; freilich 'an bauch und rucken ge-

50 biinden' ist auch nicht ebeii anschaulick,

8'


60

KAISERCHRONIK EIXES KEGENSBURGER GEISTLICHEN.

paraUelen aiis dein vorangehenden ahsatz filr ah.satz als eigentum des clironisten tvahr-

scheinlich machen (s. die anm.). Wie wcit reicht nnn das eigentim. dieses dichters, den

tcir als dcn pfaffen Konrad crkannten, riickicdrts? Die Crescentia zuvor atisgeschieden,

ist nicht eher ein anhaltspunct zujinden, als der schlusspassus des Silvester v. 10619— 33.

Hier fordert der erziihler alle die daz liet vernomjnen hahen auf, ein pater noster zu singen 5

in der minne des heiligen geistes, znm lohe des hl. Silvester und. ze wegen siner arnien

sele der des liedes alre cM-ist began. sancte Silvester der hailege man der ist im gense-

decliclie bi ante tronum dei, unt helfe allen den u. s. lo. Jenes ist v. 10626 hieten iihereinstimmcnd

die hss. 1. 2. 4. 6, mithin hahen die lesarten von 5 (ste) und 3**. C (si) nur

selhstdndig eingefiihrt, was wir in einem solchen gehete eigentlich erivarten. Die stelle lo

kann aher in der iiherlieferung nur heissen: 'hittet fiir die arme seele des dichters, der

jetzt unter deni heistande des hl. Silvester vor gott steht'. Aher hedarf eine ^arme seele',

die unter dem schutze des hl. Silvester vor gott sfeht, noch der fiirhitte der lehenden?

Mindestens ist der ausdruck schlecht gewahlt, und Scherers vermutung , es mijge

urspriinglich si dagestanden hahen, hat mehr fiir sich, als ich friiher zugestand. Als is

wheher dieser dnderung kijnnte man den herausgeher hetrachten, der meiner vermutung

nach ja auch v. 15—26 der vorrede und die verse 17186. 87 iiher den hischof von

Benenshurg einfiigte. Er hezog dann die verse auf denjenigen dichter, in dessen handschrift

er sie fand, den pfaffen Konrad.

Fiir uns aher hleiht die frage: ouf wen hezogen sie sich urspriinglich'^ mag nun 20

si oder ist dagestanden hahen. Von tcem sie herriihren, dariiher Idsst uns ein vergleich

mit dem ganz dhnlichen epilog auf Lothar v. \l\Gbff. und dem schluss des JRolands-

liedes 310, 18 ff. gar nicht zweifeln K Wollte aher der pfaffe Konrad sich selhst oder

einen vorgdnqer, der hereifs tot ivar, dem gehet der glduhigen empfehlenl Verehrte

er etiva den hl. Silvester als seinen schutzpatron, so hdfte die wahl dieser stelle auch -ib

im erstern falle nichts auffaUendes. Daz liet ist in v. 2 der vorrede und in v. 17165

deutlich die ganze chronik, auch hier v. 10624 ist es geivis so aufzxifassen xind nicht

auf die Silvesferdichtung aUein zu heziehen; die xvorte aher der des liedes ah*e erist

began hedeuten gewis nicht einfach 'der autor dieses iverkes', vielmehr unferscheiden sie

einen dlfern von einem oder mehrern jiingern mitarheifern. Jener dUere war hereits ao

tot, als der jiingere das gehet fiir ihn einschcdfefe. Dieser auffassung wird durch die

aufdeckunq von loiderspruchen und ungleichheiten in den vorausgehnden j^arfien des

tverkes ein hoher grad von ivahrscheinlichkeit verliehen. Unter Constantius ist v. IViWff.

von der gehurt des Constantinus, von seiner taufe und christlichen erziehung (v. 7618/.

den haiHgen gelouben er geliepte, die toufe er gezierte) so ausfiihrlich die rede geivesen, 35

dass u. 7811 der herre was dannoh heiden (als er zur regierung gelangte) hijchlichsf

iiherrascht. Nun hatte man friiher zur erkldrung dieses ividerspruchs die aushiJfe zur

hand: der Silvester sei eine dichfung, die ursprilnglich fiir sich exi.stiert hahe, ihre

unqeschickte heriihernahme in xinsere Kaiserchronik hahe zu jenen ividerspriichen ge-

fiihrt. Da fand sich in einer Trierer hs. eine Silvesterlegende , die zivar wesentlich 40

ahivich von der unserer chronik, aher doch noch hunderte von versen mehr oder weniger

tvorflich mit ihr gemein haf. Und dieser Trierer schreiher hatfe nicht nur die iiher-

leitende wendung der chronik, aus der er schUpfte (diu riehe stuonden Isere etc.) stehn

gelassen, sondern sich auch als einleitung einfach des prologs hedient, den ivir v. \ — 14.

27—42 der Kaiserchronik finden und der durch ihn nur tvenige dnderungen erfahren hat. 45

Der herausgeher des Trierer Silvester, Roediger"^, hat nun durch vergleichung der

lateinischen queUe — ehen jener Actus S. Silvestri hei Momhritius, ivelche der Regens-

i

1) Zeitsclir. /. d. alt. XXVII, s. 80/. 2) Zeitschr. f. d. alt. XXII, s. 198—207. 50

hurger clm. 14540 enthdlf — nachgewiesen , dass die Trierer fassung (S) nehen den

ihr mit der Kaiserchronik (K) gemeinsamen ahschnitten stiicke enthdlt , tvelche in K

l


KAISERCIIRONIIv KINKS REGEXSnURGKR GEI^iTMrilEX. 61

fehlen, aher zur laleinischcn qnelle stimmen. Der Silvester ist also nicht erst durch

den redactor der nns iiherlieferten Kaiserchronik, den pfaffen Konrad, in das werk

auffienovimen, er f/ehlirte hereits einn' dltern fassung dcr chronik (Ui iind war vermutiich

gleich fiir den zusammcnhang derselhen gedichtet. Es drangt sich aher nun

> gleich eine reihe weiterer fragen anf: \) war atich jene iiltere chronik eine Jiegens-

hurger arheit^ 2) wie iceit reiclite siei 3j war sie cin einheitliches werk/ 4) wie viel

Idsst sich von ihreni urspriinglichen bestande, oder wenigstens: wie viel liisnt sich noch

von der arheit dcs Silvesterdichters nachwcism?

Dass ich auf dic crstr fragc mit Ja antwortcn 7nuss, ttrgibt slch nus dnr zuvcrsicht

III schon, init dcr ich grrade dii', Siloesterdichtung wic.derholt ah i/mi liitrrnrisclnn iiitfr-

esscn lligcnshurgs nalwJicgcnd hrzcichnct hahc. Fcrncr diutct jnncr i'pilog Konrads

zum Silvcstcr tvol nicht nur an, dass dcr, wclchcr hirr das wort uimmf, um drs ver-

fasscrs tod wciss, sondmi dass rr ihiii und sriiinu irrrkr hri lehzeitcn nahc gcstanden

hat. Schlicsslich hcriilirt sich auch dcr icort- und phrasmschatz jcnrs filfrrn aus S inid K

15 zu rcconstruicrcnden Silvcstcr hcrcits (nicht crst dcr dcr Kaiscrchronik) mrhrfach mit

dem Rolandsliede: so findcn wir die versc Kchr. 8402—05 (die nach Bartschs Irsung

Gcrm. XXVI, s. 00 anch in S auf hl. 8'» standcn) im Rol. 126, 8. 7 + Rol. 9, 23. 24.

Auch dic mundart und der reimgehrauch der dltern chronik kann von dem der jiingcrn

iiur unbedeutend verschieden gewesen sein.

211 Schwerer ist die ziveite frage zu beantworten. Ahcr es ist wol von vorn herein

natiirlich, dass ein nachtvort ivie das, ivelchcs wir v. 10620^. hahcn, da am hcstcri an-

gchracht ist, wo die arbeit des vorgdngers aufhijrte. Oh sie urspriinglich dort aufhiiren

solltc odcr wirklich ihren ahschluss fand, das wiirdcn ivir loahrscheinlich erfahren,

wcnn tms noch cinige hldtfer mehr von jener kostharen Trierer hs. erhaltcn wdren.

ib Fiir wahrschcinlich haltc ich ein solches tcerk durchaus , ivelches die gcschichte des

alten reiches nur his zu dem ziele eines gliicklichen und glorreichen zusammenwirkens

zwischcn kaiscr und papst fiihrte, in welchcm sich fiir dcn urheher dic zcit des kirchen-

freundliclicn Lothar wicdcrspicgeln mochte. Wie das mittclalter iihcrhaupt die epoche

Constantins und Silvesters als einen bedeutungsvollen abschluss ansah, das zcigt eine

30 in mchreren dialckten und vielen hss. vcrhreitcfe Romanische Wcltchronik dcs 13. jhs.,

iiher dercn handschriften und quellen neuerdings II. Suchier^ uiid Paul Rohdc^ aus-

fiihrlich gehandelt haben: dieselhe fiihrt die weltgeschichte in sechs zeitaltern his auf

Constantin und Silvester!

Dringen wir nun iveiter in das gchict der alten chronik vor , so findcn wir in

35 dcm dem Constantin - Silvester vorausliegenden abschnift in der geschichte des Vcspasian

und Tifus v. b\16 ff. zicar nicht einen eigentlichen widerspruch gegcn das was schon

weit friiher v. 853 — 1104 untcr Tiherius von diesen helden erzdhlt ist, ahcr doch eine

unorganische forthildung, die unzweifelhaft das werk einer andern hand ist als der,

welche die geschichte der eroherung und zcrstorung Jerusalems niederschrieh. Dicse

40 ist V. 853 — 1104 im unmittclharen anschluss an die geschichte der Veronica erzdhlt

worden, zwar mit hrcitem hcricht iiher die hclagcrungsgrcuel, aher doch ganz ohne

eigentliche kampfschilderungen, zu denen doch die schonste gelegenheif icar: es begegnet

hier kcine jener kriegcrischen jJirasen des Rolandslicdes , die iiber einen grosscn teil

der Kaiscrchronik und oft ziemHch dicht ausgestrcut sind. Unter Vespasian aher icird,

45 zundclist mit hcrnfung auf daz liet (d. i. immer die chronik) die friiher erzdhlte be-

lagcrung Jerusalcms kurz angcdeufet, dann ahcr eine lange schilderung von rein erfun-

denen kdmpfen mit Bahylon nnd Afrika angcschlossen, die wie keine andere partir

der Kaiserchronik in den farben des Rolandsliedes gehalten ist: es sind ahsdtze darunter,

1) Denkmaler provenzalischcr sj^rache und lilteratur I (Halle 1883. 8°j,

50 die hss. 2) Ehcnda s. 589—G38 uber dte quellen.

.t. 495 #. ilher


62

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

die sicli vers fnr vers mis dem Roland tciirden belegen lassen; man vergleiche die (tn-

merkiinr/en zu v. 5188. 5253. 5261. 5278. 5283. 5297. Der, iveJcher diese feldziitje des

Titus hinzu fahelte, hatte qffe)d)ar keinen andern zweck als die schlachtschilderungen

nachzuholen, die sich der erzdhler der eroherung Jerusalems entgehn liess, fiir die diesem

oifrnhar der sinn fehlte. Denn ehen dieser erzahler war derselhe, ivelcher auch in die 5

lange qeschichte des Constantin keine jener pomposen kampfschilderungen einzujlechten

hatte, an denen sonst Kchr. tind Rolandslied so reich sind.

Ich hahe hier angedeutct, dass ich den ganzen ahschnitt G71 — 1104; die regie-

rungsgeschichte des Tiherius (Veronica und zerstijrung Jerusalems) fiir das iverk des

Silvesterdichters halte. Die heiden partien hahen auch ahgesehen von der stofflichen lo

verivantschaft (eine heilungs- und hekehru n gsgeschichte, zug nach Jerusalem, interesse

an reliquien) tmd jener schon heriihrten ahneigung gegen — oder hesser wol enthalt-

samkeit in schlachtschilderungen manches gemeinsame. Der eigentliche anfang der

legende ist in heiden der gleiche: Von gote ez bechom: der ehunic siechen began heisst

es V. 690 tvie v. 7812^ eingesetzt icird also mit einem (allerdings formelhaften) reime i5

kam : began, wie ihn der Roland duoxhweg meidet, wie ihn die Kchr. nur in ganz wenigen

ohen hezeichneten ahschnitten aufweist; man vergleiche iveiterhin v. 693 und v. 7814,

v. 696 und v. 7816, ferner v. 101 ff. und chome er im enzit, er gaebe im wider den lip

mit ainem worte mit v. 7886 /. daz dii mir niht chome enzit und hetest mir wider

geholfen an den lip. Ferner treffen wir im Tiherius v. 889 die (noch nicht geniigend 20

erkldrte) ivendung iwer salbe sarae in einer anrede an die Juden : der verfasser des

Tiherius zeigt also hekanntschaft mit jener strophischen dichtung , welche Rodiger^

im Silvester nachgewiesen hat, wo jene ivorte v. 9392 stehn. Die ivi Tih. unmittelhar

vorhergehende stelle 887. 88 ir werdet zevuoret, allez iwer geslehte zestoret kehrt im

Silv. V. 9928. 29 dhnlich icieder : ich wart selbe harte zevuoret und aliez min gesleiite 25

zestoret: ich miichte vermuten, dass auch sie aus jener strophischen dichtung herriihrt^.

Was sich noch iveiter fiir die einheit des verfassers von Tiherius und Constantin-

Silvester anfiihren Idsst, muss ich spdterer gelegenheit aufsparen. Dieser dichter war

es also der des liedes ah*e erist began — tcenn wir den epilog zum Silvester richtig

ausgelegt hahen. Es gehort ihm die auch mit dem Trierer Silvester iiherlieferte einlei- 30

tung v. 1—14. 27—42. Mit diesen 3 stiicken aher (Einleitung, Tiherius, Constantin)

hahe ich das eigentum dieses dichters erschopft, in der tins erhaltenen chronik ist aus

seiner icerkstatt nichts weiter iiherliefert. Enthielt die urspriingliche chronik mehr von

ihm hearheitete erzdhlungsstoffe'^ Hat der redactor, dessen arheit wir vor luis hahen

nicht nur an der form fremder arheit seine kritik geiiht, wie toir es hei dem Silvester 35

sahenf hat er vielleicht ganze ieile des alten icerkes ausgeschieden und durch neue

1) Zeitschr, f. d. alt. XVIII, s. 157 — 159. 2) Zwei bisher idcht beachtete strophen eines

verlorenen gedichtes stecken auch Silv. v. 8550 — 69.

8550 Geloube au deu hailegen ciist, 8561 Geloube an den waren got,

der durch dich gemartert ist. der dich von nihte hat gebiledot. 40

wirstu durch in ' in der toufe naz, silberine gote und guldin,

zeware sagen ich dir daz waz megen dir die frum sin?

er lonet dir mit sinem riche, 8565 daz sint allez unraine gaiste :

8555 da wonest du ewecliche, swer den volget ah-emaiste

besizzest s6 getane wunne unt sich zu in gesellet, 45

die dir mennisken zunge dem lonent si mit der helle,

niemer mach gekunden ^. diu iemermere wellet.

Ich habe zur herstellung dieser beiden durchaus symmetrisch gebauten strophen, die mit dreireim

schliessen, nichts getan als 1) in fiir sinen willen eingesetzt; 2) die ungeschickt eingekeilten

verse 8559. 60 und hinne vur niemer zegat. frowe vernim miuen rat gestrichen. 50


•'> wol

KAISERCIIHOXIK EINKS RErJENSnrRGEII GEISTLICHEN. 63

ersetzf? Moglich tvcire das allerdings, aber nicht glanhhaft: nnsere Kaiserchronik macht

(tim kurz voransznnehmen , ivas ich spUter zu hcf/rihidrn hoffe) dcn eindruck, als sei

sie von vorn hcrt^in durch zusammennrhrit mihrrrer tiitstnndcn, und untrr ihrcn alten

mitarheitrrn icnr dir verfassrr drr riidrltnuii, d, s 'J'i/irriiis uml drs Cdiisfitnfiii-Silvester

derjeniijr, welchrr dm jdnn rnfirarf, aher hri n-ritnn nicht so frnchthnr nls drr ifnffe

Konrnd. JJirsmi grhiirt als icirklirhrs eigriitum nn dir hmrhritnni/ drr ( 'Irmmtinischen

Recognitionen (Fnustininn , v. l"illl— 4^)S'2): irortsrhntz uinl rrinigrhrnurh sfrhn hiir

dem Rolnnd so nnhe, tcie r.s hei drr vrrschirdmheit drs sfnljrs nnr moglich ist, und

der hrireis, dass dies tcerk rine dichfiing drs pfiiffm Knirnd ist, irird rinr drr dnnk-

10 harsfrn aufgnhrn viriiirr l 'iifrrsiirhn iigm srin. J)lrsrr J''iinsfi nian nlnr ist ron vorn

lierrin Jiir drn znsnminmhang eiiier chronik grdichtrt irurdm. Slrhflirh hrrrscht in

unserm verkr dns strrhen, iromoglich zur rrgirruiig jnlrs kaisera irgmd eine rrznhlung

zu hiefrn, hri kaisern, von drnen man nirhf riel ivusste, wurde zienilich gewaltsam ver-

fahren : unter Gajns ist drr eincige erznhlnngssfojf dir grschichfe drs zii einem Jovinns

15 uingrtanftm Marcus Curfius (v. Mll Jf.), rhenso spiiter unter Vitrllius die snge

von ^fuciiis Scaevola, der dahei ileii namen Odnntus erhielt (v. 4905 //'.j '. IJm sich

die schline dichtung von Crescentia nicht entgehn zu lassen , schiif drr redncfor in

seiner fortsefzung des u-erkes den vater der heidrn Dietriche zu eineni hrudrr des knisers

Eraclius um. Ein dhnlich hequemes mittel irandte er hei seiner hearheitung drr Clemen-

20 tinischen liecognitionen nn, nnr durchgreifender und mit mehr erfolg: dmn iiiilrm rr

den Claudius zu jrnem ungennnntm hruder drs Faustininn mncht , von dessm nach-

strllungen iii den Jiecognifionen (Rufn VJI, \o) die Mnfthidia erzaldf , und so riick-

sichtslos ein kaisertum Faustininn einschirhf, gelingt rs ihin, nicht nur die Irser dnriihrr

hinirrgzutiiuschen, dnss er voii diesem Clnudius nichts irriss, rr Jindrf auch von dirsrm

25 erziihlungsstojf nus eine art iiherleitung auf die geschichte des Nero, wo dns ende des

Simon Magiis sowol nls des Pefrus r.rziihlt wird , und vor allein: er sfeigrrt anf die

herjiiemste weise drn contrast der situationrn seines romans, indem nun der rlende

schiffhriichige tageliihner nicht nur ein vornrhmrr RHmer, sondern gnr der kijnig von

Rom selbst war, die dienende genossin der armm witwe die kimigin; und rr versiiumt

30 nirht, die schciife dieses contrastes wiederholt zu hetonen, vgl. v. 1704//". 175.')//'. (\bS7f.

30H*J/'.j. — Wie filr den Faustininn so nehine ich die aidorschajt J^onrads auch fiir

den ganzen ahschnitt 4835— 7805 von Galha his Constantius inclusive an: fiir Titus

ivird mrine hehaupf^tng icol schon durch die in den anmerkungen reichlich angrzogenen

parallelstellen aus dem Roland glauhhaft; in dem ahschnitt, rcelcher die mcirtyrer-

35 legmden enthiilt, tritt ehen die bekannfschaft mit dem Ilimmlischen Jcrusalem und dem

gedicht vom hl. Veit zu tage, die wir auch. dem Roland zuschreihen, auch hier sind,

ferner die anklnnge an den Roland zahlreich und aujfallmd, so ivenn v. G3;)5. 56 die

marter des hl. Hippolytus mit dm gleichen worfen geschVdert wird wie Rol. 308, 4. 5

die hestrafung des Genrlun (wilden rosson zuo den zai^^elen, (lnrcli 'lorne unt flurch

40 liagene). In dieser partie lieht sich die Adelgrrdichtung *;. ()624— 713;) durch hrsonders

Irhhaftr darstellung vnd eine reihe chnrakterisfischer wendungen so heraus, dass wir

in ihr das product eines andrrn dichters, vielleicht gar eines spi.elmanns, sehen diirfen.

Noch nicht hesprochen ist hisher der ahschnitt ziclschen Faustininn und Galha.

Einen kurzen cdischnift iiber Claudius habe ich ohen gleich zum Faustinian ziehen zu

J5 diirfen geglauht. u. 40H3 4'dOO folgt dann die geschichte des Nero, und an ihn rcird

um drr lAicretinnovelle icillen v. 4301—4834 Tarqtiinius als kaiser angrschlossen. Dieses

stiiek hat Scherer^ sehr hiihsch charakterisiert: es tritt darin nicht nur 'die erste ver-

1) Ich halte es fiir durchans verkehrt, fiir alle diesc fjetcaltsamkeiten vach irr/end einem

ganz ausserlichen anlass, einer namensahnlichlceit u. s. w. zu suchen, wie das Massmann tat.

50 2) Gesch. d. d. litt. im 11. 12. jh. (Q. u. F. XII) s. 86.


64

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

herrlichung der minne auf hairischem hoden' enfgegen (v. 4339^^. ^&Yl ff.), sondern auch

eine lehhafte freude an den aufkommenden ritterlichen vergniigungen giht sich kund,

ivie icir etwas ahnliches sonst in der Kaiserchronik nicht finden. Dazu stehende ans-

driicke, die sonst nirgends in dem werke wiederkehren (so helt palt v. 4320. 4345. 4367,

7iie in der Kchr., im Roland nur 102^ 13j. Gleichiool miJchte ich glatihen, dass auch h

dieser dichter seine novelle nicht selhstdndig an die (yffentlichkeit gah, sondern dass

er sie fiir das grosse unterhaltungstoerk schrieh, an dem in Regensburg gearheitet lourde.

Vielleicht fiel ihm auch gleich der ahschnitt iiher Nero zu: heide stiicke hahen eine

formelhafte tcendung als einleitvng, die sonst nicht toiederkehrt : v. 4085/. und v. 4303/.;

der was der aller wirste (4303 ubermuotegeste) nian der von muoter in dise werlt ie lo

bekom; ein reim avf kam (: gan) findet sich im Nero noch v. 4143.

So hdtten loir neben den zioei hauptmitarheitern mijglicherioeise noch einen dritten.

Ks hleiht nun die schioierige frage zu Ibsen : wem von diesen dreien gehort die partie

zioischen der einleitung und dem Tiherius, also die rdmischen wochentage, die geschichte

des Caesar und Augustus? In hetreff der geschichte des Caesar und Augustus v. 257— 15

670^ die (loie die anmerkungen ndher dartun) zum grossten teile dem Annoliede vnd

zu einem kleinern ^606— 642J der Siehenzahl des Arnolt entlehnt ist, konnen toir kaum

im ztoeifel sein: Konrad, der von vorn herein filr die schlachtschilderungen des Anno

mehr verstdndnis als der Silvesterdichter hesitzt, ist in der tat der einzige^ welcher

sowol im Roland als in den spdfern feilen der Kaiserchronik (v. 6614. 13529. 14037. 20

15226^'. 17210^ ankldnge an das Annolied zeigt, und ehenso kdnnen wir auch hei ihm

(aus dem Roland) die kenntnis der Siehenzahl helegen. — Die grdssten schwierigkeiten

macht der ahschnitt iiher die rdmischen gijfter und wochentage v. 43—256; verfassf

kann er von Konrad nicht sein , denn in dem ahschnifte ilber die romischen wochen-

gotter, den er selhsfdndig (nicht auf grund von Recogn. Ruf. IX, \1) seinem Faustinian 25

u. 3706— 3742 einfiigt, sind zwar zum feil dhnliche, aher doch abioeichende vorstellungen

verioertet und nicht eine einzige loe-ndung aus der einen darsfellung klingt in der andern

an: dem pfaffen Konrad aber sfellen sich einmal geprdgfe loendungen und reimpare

immer loieder ein, loo efwas dhnliches dargestellt toird. Der dichter des Nero zeigt

mehrfach ankldnge an unser stiick (v. 4207. 8 = 127. 28; zu v. 4213 vgl. v. 129^ zu 30

V. 4229 vgl. v. 176— 178J^ das avch v. 194/. (man : cham) einen der fiir Konrad stets

verddchtigen hsxm-reime hat, deren sich ja in den 216 versen des Nero zioei fanden

das loiederholte hervorhehen der festspiele (v. \lOff'. 180^^'.j erinnert an die Lvcretia,

vgl. besonders v. 110^'. mit o.4bGbff\ Was andererseits auf Konrad loeist, konnte teils

(loie V. 48 = Rol. 124, 19; v. 91 == Rol. 111, 12. 288, \) zufdllig (resp. aus der lectiire ih

des allbekannten Roland entsprungen) sein, teils durch iiherarbeitung von ihm hinein

gehracht. Vielleicht loar er es schon, der das fremde (von dem dichter des Nero verfasste?)

stiick hier einschaltete tind dahei v. bl ff. avs Anno v. 263 ff\

zusetzte; von ihm

mtiss auch die torichte und hier vijllig unverstdndliche interpolation o. 145. 146 (aus

dem abschnitt von Eraclius v. 11154. bb) herrvhren, die ich in der anmerkung erldxdert 40

habe, nur toird dieselhe erst bei der iiherarbeitung des ganzen zugefiigt sein.

Das ganze unternehmen toar unter mitwirkung mehrerer krdfte ins werk gesetzt

und zeigte also von vorn herein ungleichmdssigkeiten. Die mitarbeiter hatten einen

dhnlichen grad der technischen vorbildung und sie lernfen wol auch gegenseitig von

einander. Derjenige unfer ihnen, der von vorn herein am meisten beigesteuert hatte, 45

unterwarf nach dem tode dessen der des liedes alre erist began das ganze einer um-

arheitung , die geiois manche ungleichmdssigkeifen heseifigte, und er fiigte eine fortsetzung

hinzu, d.ie von ankldngen auch an die arheit des Silvesterdichfers nicht frei ist. H

Als eigentlichen grundstock unseres werkes haben sich Hoffmann von Fallersleben

und Kettner eine dltere rheinische reimchronik gedacht, die auch im AnnoJiede benutzt 50

sei, ja Kettner glauhfe, dass dieses werk his auf Hadrian der Kaiserchronik als eine


KAISERCHROXIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN. 65

kauptquelle gedient hahe. Die abschnitte, welche tinsere Kaiserchronik mit dem Anno-

liede gemeinsam hat , jniissfen aher notwcndig den aiisgangsjjKnct der heweisfiihrung

hilden: in ihnen finden icir eine reihe von ungenaiun und hesonders von archaischen

reimen, wie sie spater nicht wiederkehren. Ausser einem participium gehaizan : nian

5 V. 052 = Anno v. 508 sind hixonders die heiden infinitive auf -un hervorzuhehen:

geltan :

gewan

Kchr. v. 324 = Anno v. 31« und cr;,'ezzan : gewan Kchr.

r. 4G8, wo er in unserer fassung des Anno v. 411, 12 ihirch umstrUung (irgezzin:

gedan hetti) vo-miiden ist. Bemitzte die Kchr. einr umfangreichere reimchronik,

tcarum lassen sich dann diese spuren nicht weiter verfolgen? warum sind diese heiden

«0 im AnJio quellenmassig zu helegniden infinitire die einzigen? I),r umstand, dass dic

Kchr. mehrfach hessere /esarten afs nnsrr Annolitd hat, ja dass wir sichthare liicken

desselhen mit ihrer hi/fe ausfid/en kihinen , findet durch die sch/echte iiher/ieferung

der /egende ihre hinrcichende erk/drung. Von den htdden ii/n-igen einwiirfen, dic vian

gegen die henutzung des Annoliedes erhehen kann, hat der eine: wie kam der hairische

»5 dichtrr gerade zu jener niederrheinischen /egrnde? seine er/rdigung schou qrfunden,

ja wir hahen in dem Rrgenshurger hischof Kuno mit einiger wahrschrin/ich/ceif den

mann vei-mutet, unter dessen augen das Anno/ird zu stande kam und die Kchr. vie//eicht

geplant oder hrgonnen iciirde. Dem audrrn: varum fand dann der hei/ige Anno se/hst

keine rrwii/inung? Uisst sich auch /richt hegrgnen. Elnma/ wdre es fiir unseren chro-

20 nisfrn, dcssen darste/lung drr geschichte Tleinrichs IV. vo//standig nnk/ar und fahulos

ist, nicht /ricJd geicesen, in seinrm wrrkr die prrsihdiclikeit eines kirchrnfiirstrn unter-

zuhringen, von dessrn heziehungen zur rrichsgrschichte er aus jener /rgendendichtung

keine deutliche vorstellung geicinnen konnte. Dann aher ist er ja mit Anno nicht anders

verfahren als mit Ro/and, dessen name gar nicht genannt icird, ohico/ die dichtung, deren

2s lie/d rr ist, ihm vertraut war icie kein ziceites icerk. Wie hei den Sarazenenkriegen

Kar/s d. gr. mochte der dichter sein schiceigen auch hei Anno fiir /jerechtigt halten: er

h;'it ouch endcriu liet! Dass er a/jer nicht nur die erste hn/fte, die we/tgeschichf/iche ein-

/eitung des Anno/iedes kanntr, dafiir sprechen ge/egent/iche anklange an die eigent-

liche legende:

30 Kc/ir. 15226 wider ubel was er genfcdich, Anno 601 den tumbin was her sceirphe,

(— Rol. 2'd, 8) den gutin was er cinste,

den guoten was er stsetich, — — — — — — — —

dad iz mit rehte solte lichen

gotes dienest Avas im liep, aUir irdischir diet,

'^ geniinnet was er von der diet. gode was her vili h'ep.

Zu Anno v. 601 vg/. auch noch Kc/ir. 13529 den guotcn bistu suoze, den ubelen scarf.

Ueher Augustus liinaus hat die Kchr. krine a/tertiim/iche que//r in deufsclirr

sprache hemdzt.

Von einer '/ateinischen quel/e unserer Kchr. glau/jtr Massmann (fiir den

40 die clironik nocli als vor/age des Annoliedrs ga/fj spnrrn grfundrn zu hahen in der

Stuffgarter hs. drs \2. jhs. Hist. fo/. nr. 411 (aus Ziciffa/ten). Sie rntha/t die chronik

Ekkehards von Aura^ mit verschiedenen zusdtzen, unter denen eine /ateinische dar-

sfe//ung d.er romischen icochentage und gotfer fast zcijrflich zu Kchr. v. 42—234 sfimmt-.

Der heiceis aber, dass icir es hier vie/mehr mit einem iihersetzungsversuch aus drm ,

4o deutschen ins lateinische zu tun hahen, ist von Kettner^ so ersckopfend gefiikrt, dass

wir dieses hruchstiick ruhig hei seitr iassrn konnen. Massmann hrachfe es in einen

zusammenkang mit der rdtse/kaften Ga/lica historia, auf xcrlche sick die Gesta Treverorum

heziekn und aus we/cker c/ie wunderlicken 'Excerpta ex Ga/lica kistoHa' stammen

1) S. SS. VI, 2). 15. 2) Ahgedrucld bei Massmann III, s. 297 — 302 (mit gegeniiber-

50 stdlung der deufsc/ien verse) tivd nocJimals s. 318. 19. 3) Zeitsc/ir. f. d. p/iil. IX, s. 275.

Deutsche Chroniken I. 9


66

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

icollen, die sicli in einer reihe von JiistoriscJien hss. d. 12. itnd Vd. jlis. Jinden^. Was

die Gesta Treverorum hetrifft, so Jiabe ich iiher das verJialtnis derselhen zur KcJir. volle

JdarJieit nocJi nicJit gewinnen Jconnen: der umstand, dass die letztere einmal (s. anm.

zu V. 423 ff\) zu der jilngern fassung stimmt, icdhrend toir fiir andere nachricJiten die

ciltere nicJit entheJiren Jconnen, scheint darauf Jiinzuiceisen, dass die heiden fassungen 5

der G. Tr. und die Kchr. aus derselhen quelle scJibpfen: diese quelle Jiat dann aucJi

der dichter des Anno v. 511 —514 (die nachricJit von der iceinleitung ) hereits hemdzt,

und durch Kuno ist sie nach Regenshurg gelangt.

Dass aher jene angehlicJien Excerpta aus einem grossern werJce stammten, in tcelchevi

die kdmpfe Julius Caesars mit den deutschen volJcerschaften heJiandelt ivaren , das ist lo

hei dem durchaus localen cJiaraJcter der in ihnen enthaltenen faheleien Jcaum glauhlich.

Zu der Kchr. Jiahen diese Excerpta Jceine andere hezieJiung als die, dass in iJinen

die lust zu fahulieren dieselhe ricJitung einschldgt und dieselhen gegenstdnde aifsucJd

icie in gewissen partien unseres toerJces. Auch in der KcJir. sind die Jcdmpfe der

Rbmer mit den alten Baiern mit einer gewissen vorliehe heJiandelt , und wir icerden 15

(ani scJdusse unserer einleitung) sehen, dass Jcein teil des tverJces eine so grosse ver-

hreitung gefunden hat als diese sagen, die im grunde geleJirten ursprungs sind. Jene

naive sagenhildung , die aus ortsnamen persbnlicJilceiten folgert oder die filr iJire

helden durch anJcniipfung des namens an hestimmte localitdten eine art heglaidjigung

scJiaff^, scJieint damals seJir im schwange geioesen zu sein. Wie die Excerpta aus dem 20

orte Criechesaveren einen Graecus Avar, aus Havenenherg einen Rbmer Hahino, aus

Vernse einen Verres folgern, so scJieint aucJi der spielmann des Kbnig RotJier seine

vier hairischen Jielden BerJiter von Meran, Amelger und Wolfrat von Tenglingen, Hademar

von Diezen aus den oherhairiscJien ortsnamen Berhtersgaden , AmelgersprucJce,

Wolfratshausen ^ind Hademarsherg genommen zu Jiahen. Und so Jcbnnte man aucJi 25

vermiden, dass hei der Adelgersage der KcJir. dJmlicJie heziehungen, etioa zu dem dorfe

AdelgershacJi (Mon. Boica IV, s. 329. XIV, s. 28. XXIX, s. b^), hestanden.

Als sichere quellen der KcJir. hahen ivir hisJier hezeicJinet das Annolied

(und die SiehenzaJd des Priesters Arnolt) fiir den ahscJinitt his auf Augtistus, die

Recog nitiones Clementis nacJi der iihersetzung des Rufnus filr den Faustinianiis, so

die Actus Silvestri'^ fiir den Silvester. IJinen Idsst sich fiir den Tiberius Jiinzufugen

eine ahleitung der Mors Pilati mit zusdtzen aus einer lateiniscJien iihersetzung des

J osepJius. Die frage, oh der dicJder zu der darstellung der verschiedenen legenden,

hesonders der in v. 6165 — 6622 erzdhlten mdrtyrerlegenden (Sixtus, Laurentius,

Hippolytus , Vitus, Pancratius , Mauritius) ausser einem martyrolog, ettva dem des 35

Ado, an das sich bfter anJcldnge zeigen, nocJi einzellegenden oder ein passionale

Jierangezogen Jiat, Jioffe icJi spdter nacJi einsicJd der alten aus S. Emmeram stammen-

den MlincJiener Jiss. zu erledigen.

Fiir die bei iveitem interessantesten teile der KcJir. , die rbmiscJien Jcaiser-

faheln, ist uns die quelle, icie es scheint, iimoiederbringlich verloren. Der dicJder 40

scJibpfte offenhar in dem ganzen abscJinitt von Nero his auf seinen zweiten Constantius

vielfacJi aus einer sammlung rbmiscJi er Jcaiser s agen, die zumeist in Italien

entstanden und vielfacJi an denJcmdler des altertums angeJcniipft tcaren. DaJiin geJibren

z. h. die erzdJdungen von der schwangerschaft des Nero ^;. 4113—4154 (Lateran), von

der verschwbrung gegen Titus v. 5377—5546 (goldene sdule), von Nerva und dem 45

listwurchoere v. 5686—5832 (das eJierne ross), von Trajan und der ivittwe v. 5885

5996; von Helius Adrianus v. 714A—7175 (asilus), von Julian und der tvittwe v. 10638

— 10847 (hild des Mercur), von Astrolahius v. 13086—13376 (hild der Venus) und

1) Hrsg. V. J. Grimm, Myth., s. 27 1^.; SS. XXIII, p. SS7. 2) Bei Momhriiius, Sanctu-

arium II; ich verweise des weitern, was die qiiellen angeht, ein- und fiir allemal auf die anmerkungen. 60


KAISERCIIKONIK KINKS IJKfJKNSnrilfJKK GKISTMfllKN. 67

manches andfre, Auch der dichter der Crescentia nahm seinen stoff icol aus dieser samm-

lung ; denn icenn icir in keiner andern fassung diesnt iini/rmcin verbreiteten novellen-

stoffs den namen Crescentia nnd Diitrich beijegnen, so diirfen irir vermuten, dass sie

in dii' unsrige dadurch gekommen sind, dass die vorlagt- in dem priichtigen turm der

5 erziihlung (v. 11527 ff\) ehen jenes castellum Crescentii erb/irkti-, das auch domus

Theoderici hiess^. Nur sparliche reste iilterer iiberliefirung sind aus dicseni ganzen

stoffkreise auf iins gikommen. Die Mirnbilia urbis Romae, welche mehreri' solchir

sagen vollstiindig geben'^, lassen durch eine nihe ueitrnr ansj)ietungrn ahnm, u-ie

gross der reichtum daran geicesen sein mag. Fiir mehrere drr in ihr bewahrten sagen

10 ist die Kchr. die einzige, fiir die mehrzahl ist sir dir friihestr qurlle, fiir dir sagr von

Jtdianus besitzm icir in einetn sgrischm romane des (I. ^7/*. einr intrrcssante beglaubigung

ihres alters (s. anm. zu v. 100iJ8).

Von der rUmischen kaiserzeit ist die ganze iiltere rnmischr geschichte voUstiindig

ins dunkel zuriickgedriingt icorden. Was von den sagmhaften iibrrlicferungen der

15 republik brauchbar schien, wurde kurzrr hand in dem rahmen drr knisergeschirhtr

untergebracht : so die sagrn ron Marcus Curtius, von Mucius Scaecola, von Lncrrtin.

Hundrrt jahrr spiitrr verfuhr noch weit gcwaltsamer drr compHator der Cesta Jiomanorum

in England, indem er eine fiille von sagenstoff'm der verschiedensten herkunft

an wirkiiche und fingierte rijmische kaiser ankniipfte. Die franzOsische und italienische

20 roynari- und novellenlitteratur des mittelalters hat sich dieser freiheit noch rccht oft

bedient.

Was von den sagenmiissigen zilgen, aus denen die geschichte Karls d. gr. zusam-

mengesetzt ist, sich schon in ciltern quellen, hesonders der Vita S. Egidii, nachiceisen

liisst, habe ich in den anmerkungen notiert. lch vermute, dass dem dichter manchc

25 dieser ziige ebenso ivie viele andere sagenhafte hestandteile seiner deutschen geschichte

vorzugsweise durch miindliche iiherlieferung hekannt geioorden waren. Es ist miJglich,

dass uns ein parmal geradezu erzeugnisse der spielmannspoesie auch in ihrer alten

form in der Kchr. ziemlich treu bewahrf sind So scheint mir Welzhofer in v. 170I*7

— 17ir)3 richtig ein historisches lied iiber die heldentaten Heinrichs des stolzen in

30 Italien erkannt zu hahen; ist es doch dem compilator bei der aufnahme desselben

passiert, dass die belagerung von Bari zweimal, v. 17094—96 und wirder v. 11142 ff.,

erzcihlt loird. Und wie eine urspriinglich selbstdndige historische novelle, die etwas vom

sfile der Crescentia hat, sieht auch die ausfiihrliche geschichfe v. l.')40G— 515 von der

unschuldig verddchtigfen gemahlin Karls III. aus. Im grossen imd ganzm aber ist doch

35 der ziceite teil der Kchr. die einheiUiche arheit des pfaffen Konrad.

Aher es hleibt noch eine recht schv:ierige frage: die nach dem zeitrcnim , inner-

halh dessen an dem icerke gearbeiief icorden ist. Wir haben gezeigt, dass sein er-

scheinen etica ins jahr 1150 oder 1151 fdllt, aber vermutet, dass die conception noch

auf anregungrn des 1132 gestorbenen bischofs Kuno zuriickgehr, der die qurllen fHr

40 die eingangspartie der chronik beschafff hahen mUchte. Wie lange jene dltere chronik,

an welcher der pfaffe Konrad nur mitarheiter tcar, fiir sich existiert hahen mag, ehe er

es unternahm, ihr eine fortsetzung zu gehen, das hleiht fiir mich unentscheidhar, ebenso

wie die frage: oh diese fortsetzung in einem zuge oder mit Idngern unterbrechun gen

zu stande gekommen ist. Ausser neuen quellen ist sicher auch jene alte novellensamm-

45 lung iceiterhin henutzt: ihr miissen z. h. die geschichten von Julian und Theodosius-

Astrolahius entstammen. Grammatische kriferien zur scheidung der dltern und jiingern

feile biefen die reime nichf, ein fortschritt der fechnik tritt nicht ein, vielmehr icird der

dichfer im verlaufe des lefzten teiles sichflich nachliissiger. Fiir den nachiceis dieser

1) Jordan, Topographie der stadt Rom II, s. 428 ff. 2) In der ausgabe bei Jordon

60 fa. a. 0. s. 607/.; c. 13. U. 17. 18. 19.


68 KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

tatsache muss icli iciederum auf das ersclieinen meiner Untersuchungen verioeisen, hege

aher nicht die hoffnung, auf irgend einem ivege zu nciherer chronologischer fixierung

der altern teile zu gelangen.

7. Die historischen quellen.

Auf eine anregung Giesebrechts hin hat zuerst Welzhofer a. a. o. s. 31— 57 eine 5

untersuchung angcstellt ilher die in den spdtern teilen des iverkes fiir die deutsche

geschichte henutzten lateinischen quellen. Sein hauptresultat — das von Giesehrecht

hereits Kaiserzeit IV, s. 400 angekiindigt ivurde — loar, dass die Kchr. von der

regierung Ludivigs des deutschen an das Chronicon Wirziburgense^ als quelle henutze.

Deni eindrucke seiner untersuchung hat es entschieden geschadet, dass er hei seiner 10

vergleichung der heiden tverke auch die entferntesten dhnlichkeiten heranzog icnd die

vorstellung erivecken ivollte, als hahe ein phantasiereicher dichter die magern und un-

originellen notizen des Chronicon zu hreiten und detaillierten herichten kiinstlich auf-

geschivellt, ohne anderweitige kenntnisse und hilfsmittel. Unbestreithar aber bleibt es,

dass gerade die schlusspartie des uns iiberlieferten Chron. Wirz., in der filr die jahre ts

1055 — 1057 ein ivie es scheint selbstdndiger ansatz zu atisfuhrlicher berichterstattung

gemacht ivird, in der Kchr. v. 16502— 16547 fast schritt fiir schritt wiedergegeben

ist. Freilich, ^vas Kchr. v. 16507 ff. abiveichend von dem Chronicon iiber die einker-

kerung des bischofs Gebhard von Regensburg beigebracht ivird, beruht aif Regens-

burger localtradition. und nicht, ivie Welzhofer s. 44 /. will, auf einem sonderbaren 20

misverstdndnis des lateins.

Mit dem jahre 1057 bricht die itns iiherlieferte fassung der Wiirzburger chronik

ab, und nun sieht sich Welzhofer in andern gleichzeitigen quellen um. Verfiihrt durch

wortdhnlichkeiten, die gar nichts besagen, toeil sie sich fast notivendig bei schilderung

der gleichen dinge einsteUen mussten, zupft er bald hier bald da ein stiick heraus, um 25

es der Kchr. gegenuberzustellen. Sein verfahren hat durch Bernhardi die loolbegriin-

dete verurteilung gefunden

^. Nur hdtte B. mit dem wust von nichtssagenden paralleJen

nicht auch die bemerkens^oerten ankldnge an Ekkehard iiher bord xverfen sollen.

Man ivusste seit Waitzens ausgabe, dass das Chronicon Wirziburgense eine dltere

fortsetzung gehabt habe und dassfast alle annalen und chroniken, in denen der friihere 30

teil, besonders die selbstdndige behandlung der jahre 1055— 1057, benutzt ist, durch

vielfache iibereinstivimung iveit iiber diese zeit hinaus die kenntnis jenes vollstdndigern

Chronicon Wirziburgense verraten. Die besonnene iviederherstellung dieses iverkes durch

G. Buchholz^ hat nun das iiberraschende resultat ergeben, dass die fortsetzung von

1058 — 1091 durchaus nicht jenen reichtum der nachrichten bietet, den der vielverheissende 35

ansatz in den jahren 1055— 1057 versprach. Dadurch ist zugleich der beweis erbracht,

dass die auf uns gekommene fassung des Chr. W. keine verstilmmelte ist, sondern eine

dltere ausgabe des toerkes darbietet: der fortsetzer hat die aufforderung, die der schluss

der alten chronik fiir ihn enthielt, nicht heachtet und sich fiir die folgezeit mit einer

knappen und, trockenen notizensammlung begniigt. Diese magere fortsetzung aher hat 40

der dichter der Kchr. ganz sicher nicht gekannt: die ausivahl des stoff^es ist bei ihm

eine ganz andere, nicht der leiseste anklang findet sich. So hat Buchholz bei seinem

reconstructionsversuch mit vollem rechte die Kchr. hei seite gelassen.

Wir hdtten also, wenn die ansicht Giesebrechts und Welzhofers bestehn bleibt, in

der Kchr. neben den Flores temporum des schivdbischen minoriten (SS. XXIV) das 45

einzige tverk, welches bekanntschaft mit der urspriinglichen fassung der Wilrzhurger

chronik aufiveist. Nun ist schon oben angedeutet ivorden, dass Welzhofer in der

1) SS. VI, s. n ff. 2) Jenaer literaturzeitung 1875, nr. 5. 3) Die Wirzhurger chronik,

eine quellenkrilische untersuchung. Leiiizig 1879. 8.


KAISERCIIKONIK EIXKS REGENSHCKGEK GEISTLICHEN. 69

Kchr. anklnnge an die tceltclironik des Ekkehard ttnd zuar vfcht atif/dllige ankhinge

nachgewiesen hat. Seine zusammenste/lnng s. 4SjJ\ zeigt zunnchst, dass die darstcllung

des ersten kreuzzugs v. 1GG18 — 1G780 fast siimmtlirhe ziige, ja mehrfach d< n tvortlaut

mit Ekkehard s. 208—210' gt-meinsam hat. Freilich stammt diesc darstcllung —

f> ivas W. iiiimerhin eriviihnen durfte — fast ganz aus jtncm briif»' d>r kn-uzfahrir an

papst Paschalis II, tvelchcn auch die Disihodmbirgir Annalin zum juhre 1100 brim/m,

aber dass Ekkehard hier der virmittler tvar, ivird durchaus ivahrschiinlich, tvmn tvir

sehen, ivie der reimchronist kurz vorhcr ihvi die ganzi- schildirunij cntnimmt, dic cr

von dem treiben des jungen Ileinrichs IV. entivirft (s. Wilzhofr s.Alij: Kchr. v. 1G548

10 —IQbOt^d^Ekkehard ad a. 10G8 (s. \W). Jlir,- ist nicht nur din reihenfolgc (tviistes

treiben des jungen kijnigs, nachstillungen der gmssen, klnijpn iilnr Adnlln rt vnn lininen)

genau dieselhe, sondirn auch dir ausdruck stiininf milirfnch urr,rtlicli

Ekkeh. (cocint) principcs despicere, lu-hr. lOf):')] dio vur.steu er versiiialitc,

nobilcs opprinicre. er lje.s])otte ie die edelen,

15 Et adolcsccntiae usus libertatc i)bS fribait \inder\vaiit (^r sieb,

(coepit) venatui lusibus ceterisque huiusmodi vil dike saz er obe spil,

cxercitiis

plus quani iusticiis tacicndis ope- so cr solte ribten daz riebe.

ram dare.

20 Der Annalista Saxo z. b. ad a. 1068 (s. GOoj, der hier gleichfalls aus Ekkehard schlipft,

ist mit seiner quelle viel freier umgegangen.

Icli denke, diese beiden partien, der erste kreuzzug tind din jugmd lli.inrichs IV,

sind filr die kenntnis tind benutzung des Ekkehard hinliinglich. beiveisend. Nttn haben

tvir oben als resultat Welzkofers schon acceptiert, dass die darstellung, tvelche die Kchr.

•ii, von den ereignissen der jahre 1055— 1057 gibt, der schlusspartie des Chronicon Wirzi-

burgense entstammt. Diese verwertung von nachrichten des Chron. Wirz, geht der

henutzting des Ekkehard unmittelbar voraus. Wir hiitten also hier die ganz Hher-

raschende gelegenheit, den dichter, der sonst oft iiber halhe jahrhunderte ledigiich auf

grund iingenauer mundlicher iiberlieferung und eines nocli ungenauern gediichtnisses

30 berichtet, einmal bei der arbeit zu beohachten, tvo er sich das material fiir die geschichte

tveniger jahre aus zwei verschiedenen quellen zusammentriigt. Und da uns nun die

Wiirzburger chronik bis 1057 nur in jener einen hs. , tvelche sie zusammen mit dem

Ekkehard enthiilt (Karlsruhe nr. 36j iiberliefert ist, so tviire es das einfachstc, anzu-

nehmen, dass der dichter der Kchr. eine genau solche hs. benutzt hahe.

35 Diese annalime einer henutzung beider tcerke neben einander ist nun freilich fiir die

eben besprochene partie nicht notwendig. Denn Ekkehard, der bekanntlich das Chr. W.

selir stark benutzt, hat ans ihm auch die scldusspartie iiher die jakre 1055 — 1057 fast

ivortlich heriibergenommen. Sie steht in der ausgabe der MG. s. 197, und s. 199 folgt

E.'s originale darstellung der jugend Heinrichs IV. Wir haben mithin nicht notig,

40 uns die verse 16502—16569 der Kchr. als aus zivei verschiedenen tverken ztisammen-

getragen vorzustellen: alles, loas sie enthalten, stand hei Ekkehard ja atif loenigen

hliittern beisammen. Welzhofer scheint dies giinzlich iibersehen zu haben.

Eine stelle, tvo so deutlich tvie fiir v. 16502— 16569 und fiir v. 16618— 16780 die

benutzung einer laieinischen quel.le zu tage trdte, findet sich sonst nicht mehr. Aher

*5 immerhin hat Welzhofer ein par stellen des Chr. W. beigebracht, die in den Ekkehard

^^

nicht iibergegangen sind, in der Kckr. aber benutzt sein konnten. Eriviigenstvert sind

davon aber nur drei : 1) Chr. W. ad a. 32 Ludwigs des detitschen: Wormatium

fulminis ictu crematur = Kchr. v. 15339. 40 Wormeze diu stat verbran von aincr don-

restrale; die nacliricht steht hier freilich in einem zusamnienhang, den der dichter sich

1) Der fassung A, s. 216. 217 der jungcrn fassung.


70

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

nicht atis jener magern notiz construiert hahen kann. — 2) Chr. W. ad a. 8 Heinrichs I:

Burchardus dux oceiditur, vgl. Kchr. 15778—81 der herzoge Burchart ze Franchen mit

den Ungeren vaht. da wart der herzoge erslagen; die sine fluhen von dem van. —

3j Chr. W. ad a. 15 Heinrichs I: Heinricus Ungarios in Suirbia interfecit — in der

Kchr. V. 15809 kommen die grossen des reichs Heinrich zu hilfe in daz lant ze Swurben. 5

Namentlich diese letzte stelle der Kchr. weist bestimmt auf eine ableitung des Chronicon

Stievicum hin, aus loelchem diese localbezeichnung stammt^, und da ist es geivis am

natnrlichsten, an das Chr. W. zu denken, welches uns mit dem sicher benutzten Ekke-

hard in einer handschrift vereinigt iiberliefert ist. Da aber diese stelle eigentlich die

einzige ist, aus welcher ein betoeis fiir die benutzung des Chr. W. geholt iverden kann, 10

so lasse ich nicht uneriodhnt, dass die notiz quos Heinricus in Suirbia interfecit loie

vieles andere aus dem Chr. W. auch in des Honorius Summa^ (MG. SS. X, s. 130j

iibergegangen ist, und dass ehen dieses werk in Regensburg, dem entstehungsort der

Kchr., mehrfach ahgeschrieben icurde: von den MG. SS. X, s. 127 verzeichneten hss.

der Stimma stammen drei aus S. Emmeram, darunter eine hs. des \2. jhs."^. 15

Ist nun aber auch wirklich das Chronicon Wirziburgense fiir diese und jene

nachricht der Kchv. quelle geivesen, so war es doch keinesfalls quelle in dem umfange,

loie das Welzhofer annimmt. Das deidsche iverk bietet sehr vieles, loas in dem lateini-

schen nicht steht, und es hietet noch mehr nachrichten in einer ausfiihrlichen, oft auch

prdcisern fassung als das Chr. W. Durchaus verfehlt ist die auffassung Welzhofers, 20

dieser magere abriss der dltern kaisergeschichte sei die eigentliche quelle von unseres

reimchronisten historischem loissen, die grundlage, 'das substrat' seines werkes. Wir

diirfen die arheitsiceise unseres poefen gar nicht mit der eines mittelalterlichen chronisten

oder annalisten vergleichen. Nicht das bild von dem haus, das auf sicherm fundainent

aus allerlei mehr oder loeniger festem material aufgebaut wird, passt auf sein loerk, 25

sondern nur das von dem Jliiss, der sein loasser aus allerlei bdchlein und ahfliissen,

klaren und triihen, sammelt. Man kann iiberhaupt nicht von einer bestimmten chronik

als 'suhstrat' unseres loerkes reden: der reimchronist verschmdhte nicht nur die annalen-

mdssige vorfiihrung des stoffes, es liegt ihm iiberhaupt an einem festen chronologischen

gefiige wenig tind er ist zufrieden, den guten schein zu loahren, indem er aus irgend 30

einem kaiserkatalog (der, nach verschiedenen anzeichen zu schliessen, mit dem von

Honorius benutzten nahe verwandt tvar) am schlusse jedes kaisers jahre, monate (und

tage) seiner regierungsdauer einfiigt.

Die benutzung , ja directe heranziehung historischer quellen ist an dem einen bei-

spiel der verivertung des Ekkehard iiher jeden zioeifel erhoben ivorden. Aher sie war 35

eine ausserordentlich ungleichmdssige, loeil die erinnerung des dichters voll war von

jenen sagen, loie sie vornehmlich die spielleute verhreiteten und am lehen erhielten.

Mit einer reichen und durchaus gldubigen kenntnis dieser sagenmdssigen uberlieferung

ist er an seine arbeit gegangen, erfiillt von der ahsicht, die geschichte unterhaltend

darzustellen und so erfolgreich den wiederauflehenden heldensagen toie den romanhaften 40

erfindungen der spielleute entgegenzutreten, in denen er eitel lilgengeivebe erhlickt. Wenn

der spielmann, der den Konig Rother dichtete, sein jjublicum noch so naiv fand, dass

er es iiher die historische ivahrheit des romans dtirch einfache ankniipfung seines

helden an das karolingische konigshaus beruhigen konnte, so handelte sein geistlicher

concurrent nicht viel anders , indem er allerlei sagenhafte berichte locker mit der 45

regierungszeit eines alten kaisers in verbindung brachte,' sorgfdltig ausgeschieden hat

er nur, was sich ihm als zur heldensage gehorig erivies, tvie er denn v. 14116 ff\ an

1) .S'. Waitz, Jahrbiicher Heinrichs I, 3. ««/?., s. 151 anm. ; avf die inchtigkeit der stelle

hat mich erst herr geheimratli Waitz selbst hingeiciesev. 2) Hierauf macht mich dr. Holder-

Egger aiifmerksam. 50


KAISERCHRONIK P:iXES REGENSBURGER GEISTLICHEX. 71

der Dietrichsage eine eifernde kritik iibt, nachdem er soehm einer spiehnannsfahel

(jlauhen geschenkt und den Otacher der geschirhte und heli/ensage fiir einen steirischen

fiirsteu ijehalten hat. So kannte er eine sage, durch welche der nnme l'Vaiikenvurt

erldutert tvurde, aber die motiviirung, di< cr r. l;")(j.").S giht, ist mindfstens unklar, und

5 dnss ihm irgend eine litterarische ijuelle diese sage iiu zusamincnhnng mit liner grossen

Vngarnschlncht ain Mnin unter Luduig ilem kinde gihuten hnhr, ist trotz der bestimm-

ten versicherung v. 15633 ilaz buoch saget iu ;'iii zwivel zu bezueifeln. Wenn nnfir

Otto IIL V. l i]\ 00 Jl^'. eine jener geschichti n von nhtriinnigen vasal/en erznhlt wird, die

ein liclilingsstof der spielmnnnspoesie in iJeutschland wie in Frankreich waren, ohne

10 dass uns irgind ein anderer chronist den leisesten anhalt dafUr bietet, so wird man

hierfiir kaum eine verlorene historischr queilr ansetzen diiifen. Freilich, es ist in diesem

falle keine spiir spielman nsmn ssiger behnndlung mehr rrhaltcn, in trockenem tone tcird

berichtetj was iirspriingtich gewis jjoetisch ausgeschmiickt u-ar, und katim vermiigen wir

zu entscheiden, ob im vordergrunde ursjjriinglich der historische bischof Ilugo von Wiirz-

15 burg oder die gestalten der aufriihrer Dietrich und Wilhelm standen.

Ich bin nicht ohne ahsicht hier so ausfiihrlich : denn ich sehe, dass einerseits Welz-

hofrr von der vorstellung ausgeht, das Chronicon Wirziburgense birte die eigentliche

unterlage, und es sei wesentlich die lebhafie phantasie des dichters, die den kiimmerlichen

notizenkram so aufgebauscht habe, andererscits Bevnhardi geneigt ist, den verlust einer

^n historischen quelle anzunehmen in fallen, ico lediglich sagenhafte miindliche iiberliefe-

rung vorliegt.

Aber ob wir nicht doch nehen Kkkehnrd und viellricht dem (Jhr. W. noch eine

weitere annalistische quelle (nicht nur der erinnerung, sondern geradezu der aufzeichnung)

unseres autors anzunehmen hnbenf Unter Ludwig dem kinde heisst es v. 15598/'.

25 Ain wazzer haizet Enesin, da wolten di Unger uber sin. Die tcunderliche form, in

welcher uns die hs. 4 den namen des flusses Enns iiberliefert und drr reim ihn bei-

zubehalten zwingt, sieht doch auffnllig nnch einem Inteinischen accusntiv nns, wie er

einem Ungari Enesin [oder -im) • fluviura transgredi voluerunt entstammt sein kininte.

Weder im Chr. W. noch bei Ekkehard kommt die Enns je vor.

30 Eine ganz heillose vericirrung hat der chronist v. 15604— 17, vgL v. 15658 /^'.,

angerichtet in der geschichte des grafen Adalhert von Bamberg, was um so unbegreif-

licher ist , als nach dem zeugnis der historiker (Ekkehards IV. und Ottos von Frei-

sing) von ihm und seinem verrnter Hatto noch im 12. jh. aif miirkten und gassen

gesungen wurde. Von ihm berichtet Ekkehard (= Chr. W.) ad a. 907; Pugna inter

35 Adelbertum fratrem corum (d. i. der genannten grafen Berenger, Reginolt, Gerhart)

et Cuom-adum, fratrem Ludewici imperatoris, committitur, in qua Cliuonradus occiditur.

— ad n. 908; Adelbertus perfidia Hattonis arcliiepiscopi et cuiusdam Luitpaldi deceptus,

Ludewico rege iubente decollatur. Die Kclir. v. 15604^'. Idsst zundchst ain furstc hiez

Chuonrat im kampfe mit seinem eigenen bruder (!) Ludwig fallen und von kljnig L^ud-

40 u'ig gerdcht loerden, dann erzdhlt sie kurz v. 15612_^. ; ein biscliof (!) Albrecht sei d.urch

verrat gefangen , vor konig Ludicig gebracht und unschiddig hingerichtet worden.

Adelbert ist also zioeimal durch eine andere personlichkeit verdrdngt tcorden : das erste

mnl konnte das dojypelte frater der quelle die verwirrung herbeifilhren, das ziveite mal

muss ungenaue erinnerung den stnnd des verratenen mit dem des verrdters vertauscht

45 haben. So kommt es , dass v. IbQbS ff. Albrecht von Bnhenberg als noch gar nicht

dagevjesen, als ain Albreht erwdhnt icird: sin (d. i. kijnig Konrads) vater hiez ouch

Chuonnlt, alse da gescriben stat, der wart von ainem Albreht crslagen. — Babenbercli

w-as sin aigen; vgl. Ekkeh. (Chr. W. ad a. 912j

berto interfectus est.

pater illius Chuonradus, qui ab Adel-

50 1) Die form Anasis, Enesis findet sicli vereinzelt nehen Anasus, der acc. Enesim stehl Mon.

Boica IV, 13 = Urkundenbiich d. landes ob der Enns I, 782 (a. 1094^.


72

KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

Aber so wahrscheinlich es angesichts jener stellen des Ekkehard und des Clir. W,

isty dass das erste misverstdndnis aiis ihrer darstellung geflossen ist, so nmcahrschein-

lich ist es, dass der griindlich vericorrene hericht zu stande kommen konnte, v:enn der

dichter seine quelle zur hand nahm. Jenes ziceimalige also da gescriben stat v. 15605

und V. 15G59 sieht fast wie eine (ingstliche verhuUung der eigenen unsicherheit aus, die f,

doch dnrch einen einhlick in das latein leicht zu heseitigen war. Die stelle ist also

fiir die leichtfertige arbeitsiveise des reimchronisten sehr bezeichnend.

Fiir die frage, ob die chronik neben Ekkehard auch noch das Chr. W. zu rate

zog, ist bei dieser art der arbeit aus unserer stelle kein beioeis zu holen. Die notiz,

dass Konrad, der vater Konrads I, ein.bruder Ludioigs des kindes geivesen sei, stammt nicht lo

ans der beknnnten quelle des Chr. TF., sondern ist diesem eigen. Ekkehard hat sie daraus

entnommen, doch nicht ohne zum jahre 912 nachtrdglich einen ziveifel daraii zu dussern

und mit einer dhnlichen

(Sed huius diversitatis error scriptoribus regnorum imputetur) ',

einschrdnkung ist sie auch von Otto von Freising VI, 15 (Conradus, qui a quibusdam

Ludewici regis frater fuisse creditur,) angefiihrt ivorden. Gegen kenntnis der vorlie- i5

genden partie des Ekkehard liesse sich ivol anfilhren, dass bei ihm ausser der kurzen

darstellung des Chr. W. von Hattos verrat an Adalbert noch eine ausfiihrlichere aus

Widukind und Liudjirand geschopfte zu finden tvar, also durch ihn der irrtum nicht

so leicht aufkommen konnte wie durch das magere Chr. W. Aber von aufmerksamer

benutzung ist ja ilberhaupt nicht die rede. 20

Eine solche konnten ivir bisher nur fiir die letzten jahre Heinrichs III. und die

ersten jahre Heinrichs IV. in v. 16502— 16569, ferner fiir den ersten kreuzzug v. 16618

— 16780 constatieren, und da soivol in dem dazioischenliegenden abschnitt als in dem,

tvas zundchst folgt, chronologische verwirrung soivol als sagenhafte entstellung herrscht,

so hat es den anschein, als habe der dichter nur voriibergehend seine geschichtlichen 25

vorstellungen aus dem lateinischen historiker aifgefrischt. Welzhofer glaubte aber die

benutzung des Ekkehard (oder seiner quelle) auf grund von drei kurzen notizen noch

his 1125, also bis zum schlusse der jiingsten redaction, verfolgen zu konnen^. Bei annahme

einer benutzung des Chr. W. neben Ekkehard ist das von vorn herein univahr-

scheinlich, denn die ausgabe des E., welche mit dem Chr. W. zusammen iiberliefert ist, so

reicht nur bis 1099. Streichen wir von W.'s beiveisstellen die nachricht v. 16941 da ze

Spire begruoben si den herren (Ekkeh. ad a. 1125; Cuius coi-pus more regio curatum

Spiram est delatum^ und die tvorte iiber erzbischof Adelhert v. 16814 ff., die einen ndhern

anklang an E. ad a. 1112 gar nicht bieten, so bleibt nur die eine stelle iiher den zu-

sammenstoss zivischen Heinrich dem vater und Heinrich dem sohne am Regen iiber: 35

Kchr. V. 16832— 16840, Ekkehard ad a. 1105; hier ist icenigstens die eine mitteilung

Hartwich wart erslagen nicht anders als durch E. : inter quae et Hartwicus comes ex

parte imperatoris occubuit zu belegen. Aber wortlichen ankldngen und einer genauen

iibereinstimmung in der reihenfolge des berichteten begegnen ivir nie icieder so roie unter

Heinrich III. und Heinrich IV. in den jahren 1055— 1068. Ja gegen den reichtum, 40

den Ekkehards werk gerade in der fortsetzung iiber 1101 hinaus entfaltet, sticht die

vagheit und diirftigkeit unserer reimchronik sehr ab, Beispielsiveise hat E. ad a. 1104

einen ausfiihrlichen bericht iiber die ermordung des grafen Sigehard von Schala (Burg-

hausen) in Regensburg, er liefert hier eine lebhafte scene, die nachzumalen tinsern

dichter hdtte reizen miissen. Der aber setzt das ereignis in einen falschen zusammen- 45

hang, in die regierungszeit Heinrichs V, und stellt es dort v. 16868. 69 (der grave Sige-

hart in der stat erslagen wart) ohne anlass und umstdnde so nackt hin, dass man in

ziveifel ist, ob er aus der Regensburger hcaltradition schopft, oder die nachricht nur

1) Dies ubersieht Bernhardi a. a. 0. 2) Ma,n ivird freilich nicht recht liug bei ihm,

ob er an directe benutzung Ekkehards oder ciner fortsetzung des Chr, W., dic sich so weit erstreekt 50

haben soll, denkt.

i


KAISKRCIIKONIK KINKS KKGENSBUIUiKR GKISTLICHEN. 73

in jnner knappm form geUscn hat, tcie sie eine reihe hnirischer unil osterrcichischer

klosterannabni hieten, so z. h. die Ann. Schtftl. nd a. 1103 (SS. XVII, 8. 33:'); iind die

Ann. liatishonen.ses ad 110.) uder 1104 (ehinda s. oSoj; dicaen heidin liii/en iiltere

Ri'gi'n.shur


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KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

der mitkin nur eln ungefdhres hild der viel reichern handschriftlichen verzweigung hietet.

Die erste teilung unseres stammhaumes fuhrte eine ahschrift des archetypiis ivol schon

sehr frithe an den Rhein, wo sie vermutlich hald nach dem jahre WGO jene zusatz-

glosse erhielt, die auf den tod des erzhischofs Adalhert von Mainz anspielt (lesart von 4

zu V. 393^. Baiern und Osterreich, der deutsche osten und sildosten atf der einen, der 5

Mittelrhein, Mittel- und Norddeutschland auf der andern seite sind das verhreitungsgehief,

innerhalh dessen loir alle hss. und fast alle hruchstiicke der fassitngen A und B

antrejfen: Alemannien hleiht, so scheint es, unheriihrt, his die in gereinigter form auf-

trctende und mit rudoJfischen ^cendungen gleich in ihrer einleitung sich schmilckende

redaction C auch dort eingang findet. Sonst fiihrt tms nur das vermutlich nieder- 10

elsiissische fragment 15 xuid das dem hairischen Schwahen angehorige fragment 8 an

die dusserste ijeripherie von Alemannien.

Dieses resultat einer einfachen hefragung der zahlreichen manuscrijjte nach ihrer

heimat stimmt sehr gut zu dem, was tvir sonst iiher die entwickelung unserer litteratur

und die landschaftlichen versch iedenheiten der litterariscl/en interessen toissen, und wird 15

ferner hestdtigt durch die tatsache, dass wir hei keinem einzigen alemannischen dichter

des 12. und 13. jhs. eine anspielung auf die Kaiserchronik, eine stoffliclie entlehnung

oder eine stilistische heeinfiussung von dorther finden. Ist es doch auch dem Rolands-

liede ganz dhnlich ergangen: von den heiden handschriften des alten toerkes ist die

Heidelhergerhairischer, die Strasshurger rheinischer herkunft, der Osterreicher Stricker 20

hat es neu hearheitet, tind die grosse anzahl der hss. seines Karl Idsst auf eine ver-

hreitung schliessen, die auch dtirch hdifige anspielungen hestdtigt loird ; und eine

andere umarheitung fand aufnahme in die niederrheinische compilation des Karl-

meinet; in Alemannien aher scheinen im 12. und 13. jh. spuren der verhreitung oder

hekanntschaft nicht vorhanden zu sein. 25

Was nun die Kaiserchronik anlangt, so sind altertiimliche citate aus dem werke,

aus denen man ettoa gar die kriterien fiir die zeit seines ersten hervortretens vermehren

konnte, nicht vorhanden. Was Massmann dafiir ansah, anklingende stellen im Baumgartenherger

Johannes und heim priester Arnolt, hahen wir viehnehr als dlter und

vom dichter der Kchr. entlehnt hezeichnet. Aus einzelnen icendungen, iihereinstimmcnden 30

reimzeilen ?t. s. w. Idsst sich meist nichts sicheres heioeisen. Viele derartige ankldnge

konnen ehensogut auf den Roland hezogen iverden, tind da loir dcm dichter ein grosses

mass von originalitdt nicht zutrauen diirfen, so hleiht es hei manchen andern zioeifel-

haft , oh nicht der gleiche schatz an formelhcxften wendungen und stehnden reimhindungen

hier und dort hergeliehen hat. So hahe ich mir ztoar eine grosse anzahl 35

von paraUelstellen aus deni Rother notiert, viochte aher gleichivol nicht hehaupten, dass

der Rother erst nach dem hekannfioerden unserer Kchr. gedichtet sei, sondern ledig-

lich damit die auffassung Scherers stiifzen , dass der spielmann , der ihn schuf , zti

dem kreise in heziehungen stand , aus dem Kchr. und Roland hervorgegangen sind.

Diese j)arallelen aus dem Rother werde ich spdter vorlegen, zugleich mit denen, welche io

mir dafiir zu sprechen scheinen, dass der Strasshurger umarheifer des Alexander unser

loerk kannte.

Sicher waren es vorzugsweise die geistlichen, die fiir die verhreitting des loerkes

sorgten: sie konnten mit dieser iippigen fiille von erzdMungssfoff] ivo der schwank mit

der legendC) theologische disputationen mit kampfschildertingen ahicechselfen, nicht nur 45

in ihren kreisen, sondern auch in denen der ritter auf erfolg rechnen und den ge-

hassten liigenmdren der spielleufe mit einer dusserlich wolheglauhigten kaisergeschichte

entgegentreten, vor allem da, wo nicht, wie in Alemannien, jede ndhere heziehung zur

volkspoesie geschivunden war. Denn aus ihr sog doch immerhin die Kchr. ihre

heste kraft, die aus ihr gendhrten kriegerischen schilderungen mussten iiher die 50

langetveile der theologischen partien im Faustinian und Silvesfer hinioeghelfen, selhst

1


KATSERCIIRONIK ETNES REOEN?^!;! IJCl.i; (iKlSTEICIIEN. 75

eine leiiendarische dichtung wie die von der Crescentia suchte doch die miitel ihrer

darstelluny in der jjoesie der spieUeute. Von den ritft^rlichen dichtern der bliihtezeit

zeigen die rheinischen und mltteldeutschen wie ivi stile die ineiste heriihrung, so auch

sonst die deutlichsten heziehungen zur Kchr.; Ileinrich v o ii Veldeke am durch-

5 sichtigsten freilich gerade zu einer parfie, iro die Krhr. aiis Arnolt schitpft, doch

sind es ihre, nicht Arnolts loorte und riime, die hii ihm anldingen. Zu Enelde ed.

Behaghel v. 13307^".; Do er.slagen w.ut .luljiis, tr k


76 KAISERCHRONIK EINES REGEXSBURGER GEISTLICHEN.

tvurde^, henutzt E. die redaction C der Kclir. vom heginn der romischen geschichte his

auf Constantin, springt von da gleich auf Karl d. gr. ilher und schliesst nach einer

knappen prosaischen kaiserliste dann gleich mit Friedrich II, wie jene tut, — Auch

Ottokar V0 71 Steier wird sich in jener verlorenen Weltchronik, von der er c. 177 seiner

steirischen reimchronik"^ spricht, unser iverk geivis zu nutze gemacht haben. In oster- 5

reichischen landen herrschte fortdauernd interesse an unserm iverke. Der sogenannte

Seifried Helhling, der dichter des 'kleinen Lucidarius', zeigt sich mit ihr vertraut^,

und vieUeicht ist dort (wenn nicht in Schwahen? s. Anhang II) auch jene ziveite fort-

setzung entstanden, ivelche mit dem jahre 1276 ahhricht.

Um die mitte des 14. jhs. verivendete Heinrich von Milnchen* filr seine umfas- 10

sende reimcompilation, mit der er die werke Rudolfs und Enikels iiherhieten und his auf

Ludwig den Baiern (der, als er den prolog zum 4. huche schrieh, hereits tot ivar^)

fortsetzen wollte, nehen Enikels Weltchronik auch die Kchr. selhst nach der redaction C;

iiher Friedrich II. kam er selhst nicht hinaus. Soivol in ihrer sonderexisfenz als in

ihrer verarheitung hei Enikel und Heinrich von Mlinchen, deren eigene darstellungs- 15

weise entschieden von ihr heeinjiusst ist, hat die Kchr. auf die aushildung des poetischen

sprachgehrauchs und des stils der verschiedensten reimchronisten einen einfluss geiiht,

der sich, irre ich nicht, his in den ausgang des mittelalters verfolgen Idsst.

Wenden %vir uns von der zivittergattung der reimchroniken der prosaischen

geschichtschreihung zu, so ist das friiheste iverk unserer historischen prosa , die Sdch- 20

sische Weltchronik, ein zeuge filr die heliehtheit und das ansehen unserer Kchr. Die

jiingste recension dieses werkes (C) ist von dem verfasser selhst tim eine reihe fahuloser

ziige aus unserer reimchronik (text A) vermehrt ivorden, die demselhen leider nicht zur

zierde gereichen^. Einem ahschreiher der Sdchsischen Weltchronik aus dem 14. jh.

geniigten diese prohen unterhaltender faheln noch nichf, und diesem umstande hahen 25

wir es zu verdanken, dass uns in den auf seine arheit zuriickgehnden mischhss. 5.

6. 7 der grosste teil der Kchr. nach einer guten hs. des alten textes im wortlaute er-

halten ist.

Wenige jahrzehnte spdter erfuhr die Kchr. der alten fassung eine vollstdndige

umwandlung in prosa, sie war das erste iverk der deutschen poesie , das diesem 30

processe unterzogen ward. Als buocli der kiinege niuwer c findet sich diese

prosahearheitung einigemal allein, einigemal mit dem gleichartigen buoch der kiinege

alter e zusammen, doch stets in hss, des Schivahenspiegels'', L. Rockinger^ hat nun

gezeigt, dass die heiden teile (das 'alte und neue testament') einen verfasser haben, dass

sie mit riicksicht auf den Schwahenspiegel — als eine art spiegel des rechts in der 35

geschichte — ausgearheitet sind, und ztoar, wie die gleichheit des sprachgehrauchs und

vielfache wechselheziehungen ergehen , von dem verfasser des Schivahenspiegels selbst.

Die entstehung dieser prosahearbeitung fdllt mithin in die lOer jahre des 13. jhs, und

ivahrscheinlich nach Schivahen. Denn ivas Rockinger neuerdings auf grund eben des

Kijnigshuches fiir eine frdnkische heimat und friihere entstehungszeit der beiden werke, 40

der pjrosachronik und des Schtvabenspiegels, vorgehracht hat, scheint mir nicht stark

1) Strauch in dcr Zeitschr. f. d. alt. XXVIII, s. 48; das ncihere bringt Strauchs ausgabe;

8. auch Massmann III, .s. 103— 113. 2) Pez, Script, rer, Anstr. III, s. 167b. 3) Anz. f. d,

alt, X, s. 58. 4) S. Massmann III, s. 95— 102. 5) S, v. d, Hagens Grundriss s. 546 /./

danach ist Massmann s, 99 zu corrigieren. 6) Ausfiihrlich sind dieselben besprochen von Wei- 45

land, Deutsche chroniken II, s. 24 ff. 40 ff. 7) Die hss. verzeichnete zuerst Massmann III,

B, 55/.; das ganze werk gab derselbe heraus in v. Daniels Land- und Lehenrechtsbueh I fl858j,

sp, cxx — ccxxiv. 8) Der konige buch und der sogenannte SchwabenspiegeJ. Munchen 1883. 4".

(aus drn Abhandl. d. kgl. bayer. akad. d. ioiss, III. cl., XX VII. bd., I. abl.), wo auch s. G /. nach-

trcige zu Massmanns handschriftenverzeichnis. 50


KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTUCIIEN. 77

(/eimt/, nm die sjn-acfiUchen r/eijfinrfrundi' fiir die schwiibische heiinat und die rechfs-

gesc/iichttichen ijefjent/riinde Fickers fiir dds jalir 127;') zii entkriifttn^. — Die prosa

zeiijt hesonders in den friihern /larticn zahlreiche attsli(ssnnijen, zieht die langen (jeschichten

von Faiistinian, Silvestrr nml Crescentia zu knaj/jten berichten zuaammen

5 und biefet dafiir nur icenii/e zusiitze : eine wesentlirhe erveiterung aber haf sie durch

einschaltnng einer iiberscfzung von Einhards Vita Karoli Magni erfahnn.

Als ersteSf freilich unselbstiindiges hisforiaches prosatcerk auf oberdeutachem boden

hat dies ^Kiinigsbuch' eine lifterargeschichtUche bedeutung. JJie frage nach den quellen

des ersten, alttesfamentlichen teiles isf noch nicht untersucht : Massmann tvollte atich

10 hierfiir eine verlorene altertiimliche reimchronik ansetzen, ja er glaubte in dem gereimsel,

durch tcelches der schreiber der (einzigen) MHnchener hs. von Rudolfs von Kms Alex-

ander seiner mangelhaften vorlage einen schluss zii geben versuchte, einen reat dieser

alfen chronik erkannt zu haben. F)ie gegeniibersfellung dieser schlussvirse nnd des

betreffenden prosastiicks bei Massmann III, s. 08—73 ergibt aber vielmehr, dass tcir es mit

15 einer jiimmerlichen, stiimjyerhnften nmreimting der j)i'osa zu ttm haben, die mit den

aUerbequemsten notreimen und Jiickicljrfern zu stande gebracht ist. Ein tveiterer beireis

tvilrde ratimverschivendung sein. Irrig ist auch die annahme Wackernagels (Litt. gesch.

2. aiifl. s. 450^, als sei das Klinigsbuch alter e die prosaauflosung einer der ohen be-

sprochenen Weltchroniken. Directe hauptquelle scheint nehen der bibel die Ilistoria

20 scholasfica zu sein.

Wfihrend der (dftestamentUche teil dieses konigsbuchs (ds eine arf historienbibel

grosse verbreitung fand, ist die zahl der hss., welche die prosaatifiljsung der Kchr. ent-

hnlfen, nicht eben gross. Fortdauernd blieb der a/te gereimfe text in gtcnsf, tvol auch

ttm desivillen, tveil geracle jene sagen/iaften partien der friihsten zeit, so die kdmjfe

25 Julius Caesars mit den deutschen vDlkerschaften, der j^rosa fe/dten. Und gerade dieser

ahschnitt ivar den geschichtschreibern eine ertviinschte qiielle filr eine dunkele zeit.

Das se/ien v:ir z. b. bei Koni gs/iofen, der nach i/ir (und zivar nac/i der redacfion C)

/lauptsiic/dic/i die geschic/ite Julius Caesars eizd/dt^. Aher auc/i tveiterhin hat K. bei

der Kc/ir. zuiveilen eine anleihe gemacJit , ivol iifter als die angaben des herausgebera

30 sie bezeic/men: so stammt s. 345 das capitel Ein frovve as ir kint deutlich aus Kchr.

V. 909 — 974^ nic/it atts Hugo von Fleury. Wenn die Koelhoffsche chroni/c Van

der hilliger stat van Collen, da tvo sie den absc/initt KlJnigs/iofens iiber Jtdius Caesar

ausschreibt, die notiz iiher die Sc/itvaben und den mons Suevus zttfiigt^, so hinn ihr

dazu die Kc/ir., vielleicht aber auc/i das Annolied, verholfen /laben.

35 Fiir Baiern he/iielt die Kc/ir. eine besondere hedeufung dadurc/i, dass sie jene

gelehrten fabeleien iiber die kdmjyfe Jtdius Caesars mit den bairischen herzijgen Ingram

und Boenmnd und die gleic/ifalls tcrspriinglich gele/irte, aher frii/tzeitig in populiires

getvand gekleidete sage von den kiimpfen des hcciernherzogs Adelger mit dem rljmischen

kaiser Severus ent/iielt. Diesen sagen /lat die hairische geschic/dsc/ireibttng der folge-

40 zeit his tief ins 17. j/i. hinein ein ganz hesonderes interesse zvgeivandt. Die heiden

nccmen Ingram itnd Boemvnd sind tva/irsc/ieinlich eine erfindtcng des Annodichfers,

obivol sie in der tcns er/ialtenen fasstcng des gedichtes nicht hegegnen*, die gesc/iic/ite

von Adelger isf eine Regenshttrger dic/ifung, dte sc/itverlich jetnaJs einen andi^ren tveg der

litterarischen verhreittcng als den durch unsere Kc/ir. g(funden /lat. Wo tvir also dcesen

45 namen tcnd erzdldungen in der spdteren bairisclien historiographie tviederbegegnen, steht

iiherall als directe oder indirecte quelle die Kc/ir. im /lintergrunde^. Sehr forthildungs-

1) S. Deutsche litteraturzeitung 1883, nr. 36, sp. 1256 /. 2) Chronikcn der deutschen

stcidte VIII, s. 329/. 3) Ebcnda XIII, s. 269. 4) Ich gehe darauf in meinen Unter-

suchungen naher ein. 5) Eine sehr reicItJiaUige, tool nahezu vollstandige aufza/ilung dieser litleratur

60 gibt Massmann III, s. 472—477. 788— 817.


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KAISERCHRONIK EINES REGENSBURGER GEISTLICHEN.

fdhig haben sich diese sagen nicht erioiesen, ihre geschichte ist trotz aller toichtigtuerei

dieser autoren eine rein litterarische, in welcher der sog. Bernardus Noricus^ eine

hauptrolle zu spielen scheint,' aher das localpatriotisohe interesse, das sich an sie heftete,

hat ihrer quelle, der Kchr., dtirch die jahrhunderte hindurch eine geioisse aifmerksamkeit

erhalten. In Baiern entstand die jiingste der von uns aufgefiihrten ahschriffen (Sl); zicar 5

nicht Aventin '^, wie es scheint, aher A.Brunner und M. Welser^ im 11. jh. gehen dort

filr die Adelgersage auf sie direct ztiriick. Im 18. jh. fertigt man ahschriften der hs. 2

und plant eine teilweise ausgahe des toerkes ; Docen giht ihm im anfange des 19. jhs.

den namen, mit dem es in unsere litteraturgeschichte eintritf, und Giesebrecht schliess-

lich weist ihm seinen bescheidenen platz unter den erzeugnissen der hairischen historio- lo

graphie an. So ist die Kchr. auch in ihrem spafern fortlehen aufs engste verkniipft

mit ihrem heimatlande.

EDWARD SCHROEDER.

1) Vgl. iiher ihn jetzt G. Waifz in Forsch. z. d. gesch. XX, s. 605- 619; MG. SS. XXV,

s. 610 — 616. 2) Der aber doch in einer randnote zn der hs. der Ann. duc. Doiariae kenntnis 15

der Kaiserchronik verrat, ausg. d. kgl. hair. akad. II, s. 328 n. liiezlcr, in seiner einleitung zu

der nenen ausgabe der Annales, vennt die Kehr. nicht als quelle. 3) S. die stellen bei Mass-

mann III, s. 798 und 801.

Vorbemerkung zu text und lesarten.

Rechts von der columne sind die hlatl- und spaltenhezcichnnngcn der hss. 1 lurd 4 an-

gegeben,, die der letztern in runden klammern. — Vber das verhUltnis unserer zahluvg zu der

von Massmann unterrichtet die tabelle vor dem gJossar.

Die grossen anfangsbuchstaben der adjecfiva von lander- und stadtenamen sind durch den

vorgang von D. Chr. bd. II und IV bedingt.

In den lesarten ist die versehiedene schreibung \ und s nicht fterucksichfigf. GegenUher

dem schivanken der hss. bedetdet v immer den consonanten, u immer den vocal; ebenso ist j von i

geschieden. Die aJ)ldlrzungen sind iiberaJl aufgelost, ico iiher ilire bedeufung kein zwei.feJ hestehn

konnte.


'

,j Iii" cl(.'s alniillitigi'!! ^* gutcs iiiiiincn «

sn "^ wil icli dcs liedes bejjinncn.

daz seult ir gezogenliclie'' vernemen '

ja^ niae iuhs viP' wole gezemen'

5ze huren'^ iilliu' fVumichait'". /'

die" tumben dunehet iz arebait",

seulnP si iemeri iht gelernen «

od* ir wistuom' genieren".

die* sint unnu/.ze

10 unt" phlegent uiht guoter wizze,

' daz** si ungerne hurent'^ sagen

dannen'' si mahten'" haben

wistuom" unt ere;

unt wa?rc '' icdoch • frum dcr sele. LJ

15 Ein biioch ist ze diutc"^ gctilitet'7'

KAI.SEUCHIiUMK V. 1—3(3. UiLMn. 1. 1 11. 7«J

daz uns"^ Rnmisccs riehcs" wol" berihtct',

gchaizzen i.st iz crunicu p.

iz'i chundet uns da

•"

~1

von dcn babescn^unl vun dtn * clninii^cii,

2ubaidiu' guoten unt'' ubelen,

die vur uus waren

unt liumisces' rielies jdilagcn

unzc an disen hiutegen'' Uic.

su ieh aller bestc inac

25 su wil ich iz" iu ' vor zellen .

iz '' vcrncmc

.swer der wellc. .

Nu ist leidcr in disen zitcn"

ein gewoncheit witen':

manege ci-denchcnt'* in ' lugenc'"

aount" vuogcnt'' si zcsamcnc'^

mit seophclichen'' worten.

nu vurhf^ ieh vil ' harte'''

daz'' diu sele dar umbc brinne:

iz' ist an'' gotes minnc.

35 s6' lerct man dic luge diti cliiiit:

dic '" uach" uns chunttich sint,

1 — 9. a) r. 1 — 42 felden 5. 6. [7]; die vOHig abweichende vorrede von C 8. anhamj I. h) Alina-htigen 1 ;

die erst spiit umgclaulelcn a, so hcsonders die vor lit, bezeichnel die hn. 1 vieist durch a*, was ich durch ii tviedcr-

tfche; dus schwanken zwischcn -ige und

- ege ist helaastn. c) minne 3. dj so w. i. de.s] Wil ich di.s.si3 4.

e) gezogelifhe 4; gezogenchlicheu 2. f) jTi mac /. 2. g) Viu 4; do.s iuch 2; ez von sputerer hund vvr iuh cin-

geschaltct 1. h) /. 3. i) z dahinter loch 1; zcmen 2. k) horne 4. 1) uUe 4; der nominativ Uisst sich

hei der ohlgcn conxtruction rcrlilferligen: jede tiichtigkeit ist cs fiir euch tvert, dass ihr von ihr kunde erhaltet: iu!i

zinit iilliu frumichait — ze horen. m) frumich.'eit 1 ; die schreihung aei besonders beim schreiher von hl. 1 und

8 belieht, so v. 13. 20 ba.Mdiu. n) dle t. d. iz] Iz dunket die tummen 4. o) ein arbait 2. p) v. 7 iu 1:

Sol man sie icht leren. q) iminer 1 ; da diese schreibung in 1 nur aiif hl. 1 und 8 bcgcgnet, hahe ich sie nirht

aufgenommen. r) geleren 2; gelern 3, s) o. ir] Odir 4; odcr ir 1. 2. 3. t) weistum 1; oi fiir i vereinzell

bci diesem schreiher. u) gemern 3. v) v. 9 in 4 : Daz in weie nnzze.

10— 19. a) der schreiher von hl. 1 imd 8 hat ivimer \i\oder\\n; .Sie ne 4. b) e daz 3. c) horten 3.

d) so Tr. Silv. V. 9] dannen von 1 ; da von 3. 4; d. si] da sie von 2. e) mohten allc ; abcr die rcime fordcrn

stets mahten, trie es auch in 1 ausser auf hl. 1 lutd 8 fast immer steht. f) gehaben 3. g) baidiu (Paidiu)

setzen voran 1. 2. h) /. 3. i) doch 3. k) tewtsch 3. I) getiht: bcrihte 2. m) unsich 4.

n) reich 3. o) /. 2. p) koronica 3. q) Und 2. rj babisen 2; ba-sten 1;

pat).st.ii 2; pabsten 3; dic

hs. 1 hietet spiiter stets babes. s) dem 3.

20— 29. a) bctidiu 1; beide 4; von setzl zu 2. b) uiid nnd 3; uu von 2. c) romisch 2. d) hStegen 1.

e) / 4;- siu 2. f ) /. 2. 3. g) fur zelen 2. h) v. 2(] in 2: Vernemeu di iz wcllen. i) hart wciten 3.

k) gedenchcnt 2. 1)/. 2. 4. m) luge 1. 2.

30—36. a) unt — si] die si fugen 2. b) v:gen 1 ; setzent .setzent 2. c) swo si mugen selzl zu 2.

d) scopflichen 4; schimphlichen 2. 3. e) voreht 1; ich hahe die vielen svarabhaktivocale des srhrcihers ron bl. 1

und 8 nicht im texl belassen. f) v. h.] daz an dem orte 3. g) harten 4. h)/. 3. i) iz ist] ist iz 1. 2. k) an

alle. I) so — luge] deu lug so lert man 3. m) Die 4; di 1 ; diu 2. 3, doch ist aus der orthogmphie der

hss. Jiicht zu ersehen, wie sie das relalivum bezogen haben. n) noh vor 3.

1) Bruchsliicke von v. 3— 14 und an 14 tmmittelhar anschliessend der ahsrluiitt 27— 42 sind in

u-eiiig abweicheiider fassung auch im eingang des Trierer Siluester iiberliefert (Zeitschr. J, d. alt. XXII,

>•• H5/.; Germaiiia XXVI, s. bl f.).


80 KAISERCHRONIK V. 37—79. Dicm. 2, 15—3, 23.

dio" wellent si also behabenP swaz si ze" ROrae gerieten

unt wcllent si iemer fur war sagen. f. it eo daz hiezzen |

si

gebieten^

higeno'1 unde ubermuot uber^ elliu diu lant.

4oist^ niemen^ guot. j vil

'^ michel wart duo'' Romsere"' gewalt.

die*^ wisen horent ungerne der^ von sagen*'. Rom?ere ' do^' worhtcnh^

nu'^ grife wir daz guotes lict an'>. want ' si den'' wriren got niene' vorhten,

(f. ib) Hie'> bevor'^ bi der haiden zitcn ' esabgot'" sibeniu",

duo anebettc man witen zeware" sageni' ich iz iu

45abgot"' diu unrainen". ze eren den siben tagen in der'i wochen.

die haiden algemaine " swer daz gebot mit ihte • hiete zebrochen ®,

muosenP si eren unf anebeten in daz wazzer si in stiezzen

al'' nach der chunige gebote*. 70unt^ liezen in hin fliezzen,

diu wol gezierte' Rome oder si branten'' in*^ in dem viure ze*'

50 nach der werlte " Avart'' si erhaben scone. tode.

daz taten zwen bruoder'^ riche, daz gebot chom duo'' von Rorae

sagent ^ diu buoch wairliche uber alle irdisce ^ diet.

der aine hiez Romuhis, sis erchanden'' des waren' gotes nict.

der ander*' Remus. 75 Swenne''-^ in chom' der sunnentach"',

55sit'' dientens dar'^ vorhtliche* s6 vlizte" sich ze° Rome eUiuP diu stat,

elHu diu riche'*. wie si den goti mahten geeren.

driu^ hundert altherren die*" aller wisisten herren

phhigen ir zuhte unt' ir"' eren: vuorten^ einez alumbe die stat,

37 — 39. o) so 1. 4; diu 2. 3. p) haberi 3. q) Inge 1. 2. 3 ; aher vgl. v. 29 lugene: zesamene.

40— 49. a) die ist 4; di sint 2. b) niemanno 4; niemant dbein 3; der reim spricht iiherall fiir die

form niemen (aitsser in der Orescentia) c) die w.] disiu 3. d) der von] da von 3. 4; iz 2. e) sage 4;

die des reimes halher um ihr n verkiirzten infnitive von 4 wcrden in clen lesarten nicht aufgefiihrt, wenn nicht die

geJciirzle form wie etwa Jiier ein suhstantiv vorstellen konnte. f) v. 42 in 2 : Nu sull auch wir di red erdagen.

g) gote* 1. h) ane 4. i) Die 1 ; 5. 6. [7] setzen ein. k) vor 2. 3. 5; voru 6. 1) gecziiten immer 6. (5?).

m) abgote (die) 4 ; u. 45 in 3 : deu apgot unrein ; m 5. 6 : Afgode unreine. n) unraiue 2. 0) alle gemeine

2, 6; alle mseine 1. p) v. 47. 4:8 fehlen 6. q) un und 3; u. a, /. 2. r) uii 2. s) gebot 1. 3;

pot cheren 2. t) gezierten 2.

50 — 59. a) werlt (vo^n corrector) wune (wnne?) 3. b) waz 2. c) gebriHder 1. d) Daz sagent 2;

v. 52 /. 4. e) a. hiez 2. 5. 6. f) si 2. 3. 6; De 5. g) deten 5. 6. h) da 2 ; /. 5. 6. i) vorchtichlichen 2.

k) chunichriche 2. 1) u. ir] mit 3. m) / 5. 6. n) zu fast immer 4.

60—69. a) gebeten 1. b) Aber (A rot) 2. c) / 2; v. 62 in 3: wart Romer gwalt erchant. d) da

2. 4; 2 setzt mit vorliehe da auch fiir do, sodass im ziceifelsfalle seine lesarten ohne hedeutung sind; der 5. 6.

e) Romere 1 das auf hl. 1 nnd 8 hdufig und spclter nur selten hegegnende e fiir ae isf geivUhnlich nicJd beriicJcsicJitigt

worden. f) de (die) R. 5. 6. g)/. 5; die 6. h) warehten 1 ; beworchten 6. i) wande 1 Jiahe ich, wo es den auf-

takt iiberladt, in das dem scJireiher gleicJifalls gelciufige want verwandelt. k) den w. / 2. 1) fiir niene setzen

2. 3 stets niht en- oder blos niht. m) abgote immer 4; aptgot iifter 2. n) suben und subeniu 1 sind nur

dem scJireiher von hlatt 1 und 8 eigen. o) ziH waren 4; vorware immer 6. p) s. ich izj sag ichs 2; daz sag

ich 3. q) 5 bricht ah (bl. 13 feJilt) his 234. r; ihtiu 2. s) gebrochen 6.

70—79. a.) fehltl; unt 1. in] Und in dar in 6. b) verbranten 1.3. c) / 2. d) ze 1 ; /. 2. e) / 3.

f) irdeniske 4. g) Di 2. h) nekanten 4; enkanten 6. i) gewaren 2. k) Wwen 1; Jcein absatz 4; Sw.

in] Wan denn 6. 1) ehome 1. m) .suutach 3. n) fleiz 2. 0) / 4. p) al immer 4 ; / 2. q) / 1.

r) V. 78/. 1. s) Di furte 2; man vorte 1; worhten 3; v. einez] Vorchten in 6.

1) V. 43—208 umfasst der alte versuch einer Ubersetzung ins lateiuiscJie (aus Stuttg. mss. Jiist. fol. 411J

bei Massmann III, s. 318 /. ahgedruckt. 2) V. 57. 58 f59. 60; aus Anno 263. 64 (^65. 66j. 3) FAne

quelle fiir die nachfolgende darstellung ist bis jetzt nicJit beJcannt geworden: nur wenige angaben lasscn sich

aus den Mirabilia Rornae ed. Jordan, Topographie der stadt Bom im aJtertum II fl870j, s. 607 642,

belegen, doch nicJit einmal diese zusammen in der ciltesten fassung; zudem reicht die aJieste rcdaction der

Mirabilien kaum iiber die mitte des 12. jhs. hinauf.


KAISERCHRONIK V. SO-138. Diem. 3. 24— 5, 16. 81

«0 (laz was gescaften " alc'' ain lat ze RMnir ulnr allf ' di clirfiti^^tMi "' 8tat

niit brinnenden lielitrn. ii.i.so warcntt"' .sieli illiii'' tjiu litirseaft

owi'" wie gro/.e .si den got zierteii! niit lnlnuMr iint niit lials|i('rgen •',

niemen torste'' iimlir in gegern

'', ila o|irJ ougen'' solte seilt»1. 1. 8; v,al8liclieii 4; /. 2. li| o. iii an 3.

ilgeselien 4. k) deu 3. 1) sunne 2. m) si 3. n) gah 2. o) A (verschriebm) 4. pl ni.iiila^'.' 1;

montage 2. ql so 4; minnc 1. 2. 3; ?'. 658 den lierren al ze minnen anch in 1.

90— 99. a) fur dwj] vor der 6. b) meninnen 4. c) so 4; brinindon I. d) Iir/,iiiit>niir 1

;

die romer immer 6. f) in se. naht] sch. n. in 3; sclionen scliin ufi nalit 2. (^) a. d.j Jil dir 4.


82 KAISERCHRONIK V. 139—185. Diem. 5, 17— 6, 31.

An' dem donerstage'*,

140 als ich iu nil sage,

so" hOten si die aller grosten^ hochzit*^.

dar ilte*' man unde wip.

d^*" was ein vil horez '^

petehus,

daz golt scein allenthalbens dar \\z.

145 enzwiscen •'• • niwen choren

der ' regen in den roren,

dar unibe'' stuondcn zchenzech • seuzzen',

di'" enwaren" cnbor nuzze.

geheizen was er" Jvipiter,

150 der" soltc'' sin ein got vil her.

ich wil iu niichel'^ wunder sagen*':

vor im wirouch ^ ane fiwer bran ^

und" gab rouch unde stanch

und •> iedoch ' niemer verswant

155 wan'' so sin' ze allererste'" was.

durch grozziu" wunder" worhteni' irae''

Romaere zeren"" daz.

Ein hiis ze Rome geworht* wart,

daz zierte alle die stat,

frowen' Veneri ze eren,

160 ir lop da^ mit ze meren*.

alle die unkiiscliche "^ lebeten

oder^ huores da pflegeten,

si wscren arm oder riche,

man enpfie*' si da, •"

wirclichliche.

i65choras raaget oder degen,

also*' liep in was daz leben,

' si engetorsten niht gebeten •*,

inne' raissegienge'" an der stete"

(f.^a^von" etelichinP dingen.

170 ze den heten^ si deheine rainne.

An dem sameztage sa:

einez heizzet Rotunda,

daz was ein herez*' petehils.

der got hiez ^ Saturnus,

175 dar'' nach was iz*' aller tievel ere.

swenne Romaere

dar inne'" gebetteng

also '' si ' wolten,

si ilten'^ uz an daz velt,

180 vil» michel wart'' ir gelpf*^,

von*' buhurf und ^ vons springen,

von*' tanzen'' und' von'^ singen.

swer duo ' gewan "" mere

lobes" und der eren",

185 der mahteP deste'' baz.

139. ii Dar nah an 2. k) tonerstage 1; dunristage 4; doner tagfe 2.

140—149. a) so h. si] Si heten 2. b) grost 3; grozesten (g aus st) 1; schonsten 2. c) hochgecit 4.

d) eilte 1. e) daz 4. 6. f) here 4; her 6. g) allentehalben 1; all. dar] dar all. 4. h) zwischen 2. 4. 6.

i) die 3 ; Den 4. k) under 2. I) hundert 2 ; zweinczich 3 ; zwencic 4. m) Sie 4. 6. n) enwaren enbor]

so nacli 3. 4. 6 ; waren in bar 1 ; daraus waren in gar 2. o) her 4.

150— 159. a) er 3. b) s. sin] was 1. 2. 3. c) groz 6. d) 6 schiebt ein: Daz sult ir nu verdagen.

e) w. a. f.] fiwer un wiroch 2; wirdichleichen ein fewr 3. f) 6 schreibl brant (:verswant) vnd Idsst v. 153 fort.

g) 3 stellf um: 154. 153. h) Der 4. i) doch 3; /. 4. k) Dan 4. 1) er 4 ; iz 2. m) ze a.] zeilrest 3;

nur aller erist 4. n) grozzeu 1. o) er 3. p) worehten 1. q) ime R.] Romere im 4. r) /. 1. 2. 3.

(3 vi/l. o). s) gewareht 1. t) Vron 4; Der vrowe 2.

160— 169. a| dar 4. b) meren un ouch ze mern(!) 3. c) unkusce 1. 2; adv. unkiusche im 12. l^.jh.

unhelegf ; nnkiisclichen leben steht Rol. 2, 4. d) Un 4. e) intphinc immer 4. f) do 3 ; /. 4. g) chom]

Chom dar 2;/. 3, dafilr dhein. h) als 3. 4. i) netorstin 4. 6; getorsten 2. 3. k) an g. 3; gebeiten 2.

I) ne /. 2. 3. 4. 6. m) missegie 4. n) stet 1. o) v. 169. 170 fehlen in 2. p) so 1. 4.

170— 179. a) h. si] nehete sie 4; het er 3; ze den h. si] Der ne hette sie 6. b) vil h. 2. c) der h. 2.

dl d. n.] Daz 2. e) /. 2. 3. fj inn 3; innen 1. g) heten gepeten 3. h) v. 178 fehlt in 4; alz si vil

tetten ergcinzt 6 (mit unmdglichem reim, den die schreibung verhiillen soIIJ. i) si da 2. k) i. u. an] hildcn uz

biz an 6.

180— 185. a) /. 4. b) waz 2. c) gelf 4. d) vone 1, begegnet nur hier. e) behurde 4;

buhurten2; puhort 3. f) joh 1;/. 6. g) van 1;/. 2. h) tanze 4. i) unde 1 ; /. 6. k) /. 2.

1) da 2. m) g. m.] wart meren 4. n) Des lobes 2. 3. 6 ; Von funterpuncfiertj Des 1. 4. o) ere 2. p) mochte

immer 4; mocht /as< immer 2; mecht 5 ; m. deste] mochtes tun 6. q) de.ster 2. 3.

1) Die verse 145. 146 kehren icortlich wieder v. 11154. 55 nnd .^i?id dorf, ico sie zur heschrnhung von

Chosroes ehernem himmel gehoren, wol verstdndlich ; sie scheinen hier eingeschaltet, weil ahnliches anch vom

Colosseum (jungere fassung der Mirahilia hei Jordan .s: 658j erzdhlt wurde, das der iiberarheiter offenbar

fur identisch mit dem Jupitertempel hielt. 2) Diese vorstellung des ehronisten will Massmann III, s. 413

aus einem bilde des Jupiter cuin sagittis erkldren.

I


daz biioch saget uns daz:

der giiote sanete • Bonifiltius *

dcr ' wihete sit" duz selhe hils,

ain' vil heiliger herre,

iDodeni ahnehtigen gote ze eren,

dar naeh sanete" ^larien

und allen gotes hailigen ^.

D(V- > der viM haihge nian

ze Ronie an den stuol ehoni'" —

195 der •" naeh was der vierde babest |

do was cr in grozzen sorgen,

KAISERCnROMK V. 180—230. Diem. 6, 32 -H, 17. 83

sancte

(iregorjenK —

daz diu unchnsce bi in» soldc gestAn*'.

do besante ' sich dcr heilige'* nian

nueh allen den guoten christen

aoodie er ze Rome inder" weste''.

si niacheten sich wuUin "^

sin saniinunge'' wart vil groz.

ze vorderst'" cr an dic ture gie,

ze wihen "^

er sa» vie'',

undc barefuoz,

2o:> deni waren gote geniahelte ' er daz hiis,

die tievel"^ brasten oben uz',

sunieliche in daz abgrunde.

des ist zc Ronie noch hiute urchunde.

Nii sculen'" wir" wider grifen

210 du wir die rede liezen:

ja" heten Roniiere

vil hartc groz*" ere:

wedtr ufder' erde'' noeh rif*" dein niere

nemahte'^ sich ir" nitinen erweren,

sissine'' wurden in gehorsam

unde ze Roine undertan.

iJuo '

giezen ^ uzzcr '

elliu diu lant

» hiezen Ronuerc

rre

«iodiu* si h«"'ten '' liiilwuiigtn in ir g(.-\\;ilt.

«lur uber hien;;«'n duo'^ dic Hnelien

ir guldine sehellen

ieehlichem lande.

ze'' Rrnne nian wol (.'rehande

sijsdie'' liute alle "^

in ir geban-cn

alsif si da heinie geboreii'' wjeren.

swelch lant wider R^jrtie ' iht tete,

(f. 2'odiu sccllc luttc'^ sich su'ze stete

un aller slahte men.seen "' hant.

2ao init h")zzc man sciere vant

ain ' edelen '' Ii("'rren.

si bevulhcn'^ ini die ere*^,

daz er in '" daz ^ lunt twunge

und in « daz '

wider

gewunne.

235 Aincs'' tagcs iz gescach,

der senatus ze rute gesaz '

186— 189. rl sancte isl als hei iveitem iibericiegcnde fonn in 1 bflhehcdten; .saml 2; .s.iiit 3; scs 4. 6.

s) Bouefatius 1 ; bonifacius 2. 4 ; benefacius 3. t)/. 3. u) sint 2. Gfast immer. v) v. IS{) fc/tll In 4, ebeuso in 6,

das dann v. 190 — 192 frei iciedergibt: In der ere sende Marie unde got selber zcu lobe und darnacli allen heilig^en.

190— 199. a) sante 4; sand 2; sant 5. b) folyt in 2 rot: Von sand lionifacio. c) v. 193—208

fehlen m 4. 6. tl) /• 3. e) chain 2. {) daz 3. g) grcgorion 3. hj we.stan 3; staii 2. i)/. 2.

k) vil heilifj 2.

200 — 209. a)/. 2. 3. b) wi.ste 3. c) wolllu (rerschrieben fiir wi*>llinl 1. d) .saiiiiing- 2. e) vod


84 KAISERCHRONIK V. 237— 286. Diem. 8, 18—10, 1.

sa'* in callen gahen,

als • si uf snhen,

ain scelle h\tte sich da.

240 uf sprungen si sa,

si ilton dar gahen,

die buochstabe si hlren ",

si sjihen zuo einander,

si'' nam sin'' groz wunder

•245 wol crchanden si daz.

daz Dutisc'' volch wider si ''

was.

Die« chuonen Romsere''

rewelten ainen herren',

ain*^ vermezzen helt.

250 vou dem daz» buoch michil tugent'' zelt.

vil groz lop si im sungen;

si'^ santen den'^ helt jungen

ze Dutiscen" landen.

vil wol si inen ^ erchanden

255 er het ain staetigen ^ muot,

en'' allen ' wis was er ein helt guot'^.

' Do enpfulhen Romare

Jillio dem"' herren

drizech tusint helede"

260 mit guotem " geserewe ''.

Julius der herre

f. 2" drizec tiisent nam'^ er selbe*' mere,

want*' er dii vor was in Dutiscen'^ landen

und s er '' ir ellen ' wol rekande,

2fi5 want '' er in ir ' haimiliche was.

do'" wesser wol", daz" iz nehainP frum

was 1.

Juljus was"" ain guot kneht:

vil sciere was * er gereht,

und ander * sine holden

lif gestanden'" (f.2') 270 die mit im*'' varen solden

er '••

' kerte engegen •= Swaben

den tet'' er michel ungenade*'.

ze Swaben was do ^ gesezzen

ain helts vil'' vermezzen,

''•

275 genant ' was er Prenne ^

er rait' im mit'" her" engegene.

Daz buoch tuot uns kunt: (j v

er vaht mit im" driei' stunt

mit offenem strite.

280 si sluogen wunden wite,

si frumten'' manigen'' bluotigen rant,

die Swabe


sin "*• ' gezelt liiez er slahen du

KAISEIirHROMK V. 287—322. Dicin. 10, 2—11, 1. 85

uf ain" berch der heizet" Swrrui':

voni dem berge Swern''

290 .sint si alle geliaizen Swabe''',

ain liut'* zc rato vollen ;.(U()t,

— si sint ouh*^^ redesj);ilic'' gcnuoc —

di sih diche" des fur nainen,

daz si guote reken wiercn ^

295 wol vertic unt woU' wichaft''.

iedoh betwanc Juljus Cesar '

Die"* Swabe rieten ' Julio,

er kerte uf die Baire"',

da vil iiianich tegen innc'' saz.

sooBoinuint" ir herzoge was,

sin pruoder hiez'' Ingrani.

vil sciere besanten ^ si ir nian,

in kora an der stunf'

vil ' manic hclt ^ juuc

alle ir ehraft.

305mit8 halsperge'' unt mit pnumc.

si werten sih mit grimme,

si vahten mit im ' ain volewic:

ncweder'' e noh sit

gelac nie ' s»*» nuuiic hclt guot'",

:«io oder uns liegcnt aierisc,

3ir. diu swert man dike durch den hclm sluoe,

'i dem liute was sin ' ellcn'' vil' L'U(it.

(f 2'') Diii'" gesliihte dcr liaiere"

her" kcnnen von Armenje,

da.1' N(*»e uz dcr arke gie

320 unt daz" olzwi von der tuben cnphic.

ir zaichen noch '' diu arka'- hat

uf den'' bergcn di da haizent Araraf.

287— 289. ni) V. 287 in 5. (5: Do liicz er .sIjui h, tilt do. u) einiii 4, das iinmer dic vulle forvi de»

acc. hal. o) der lieizet] so 4. 5. 6; (der 2) liiez 1. 2. 3. p) so allc /mn..' (Synioro 7),

iji 1 ihI ilhcr dna r

hIs coiijectur ein v geachrieben; fehlerhaft sleht auch Anno 285 .Suedo. q) v. 289. 21)0 /71 2. 5. luaarmncu-

gezo(jcn: Von dem .sint si gehaizzen .swaben.

290— 299. a) Swabo 4 (= Amjo 286j ist xool neue reimhesserunfj der hs., nichl tilii i„rin 1 nr .SwAbA.

b) volk 5. 6. 7. c) /. 5. 6. 7. d) radesprecbe 4; redsprecb 3. e) diche de.sj so 4. 6 = Arnio 289;

de.s dicbe 1. 3; des oft 2; nur diciic 5. f) wa-ren aus 4, das hier aus seiner vorluf/e srhopfen muss (sonsl weren);

warcn die ubriijen hss. g) f.

ni) barere 4; baicro 5; beyorn 6; baicrn do 2. 3.

5. 6. b) wibliaft 1 ; wisliaft 6. i) /. 2. 3. k) kein abaatz 4. 1) r. do 3.

300—309. a) Boemunt 4; baimunt 6; buimunt 5. b) heist 6;/. 3. c) b. si] bcsantc ber (er G) .5. 6.

d) stuud 1 ; stunde 2. 3. e) /. 3. f) h. j.] beldc junge 3. g) v. 305— 310 fehlen 4. 5. 0. 7, ihrc crht-

lieit isl aher durch mehrfache anldilnge an die entsprechende partie des Annoliedes gcsiclierl ; rgl. 2?t 305 .4n»io 296

Helm itnti brunigen, zu 309 Anno 297 Manigin belit guodin. h) h. u. m. pr.] bclmcn u. m. pruuneu 2 enl-

spricht ::n'ar noch (/enauer Anno 296, ist aber (/leichwol gegen 1. 3 gehalten nur als versgUittnng t.h nehvicn.

i) in 3. k) weder 3; Daz weder 2. 1) nie s6] so nie 3. m) iuncb 2.

310— 319. a) /. 2. b) V. 311. 12 sind in der fassung von 4. 5. 6. 7 aiifgenommen, rvclrhc dcr des

Anno V. 299. 300 Wiliche knechti dir werin Deist in lieidniscbin buocliin meri sehr nahe stehl; die fasnung von

1. 2. 3: diu sagent uns ze ma;re (ware 3), wic giitc cnclite Baier (.si 2) waren (wern 3) mag gcschoffcn sein, um

die hiissllche u-iederhehr des ausdrucls haideniskiu buocb aus v. 310 zu vcruieiden. 4 — 7, wo v. 305 — 310 ireg-

hliehcn, liessen v. 311. 312 nnangetastet; dass ahcr v. 310 ein echler vers der Kchr. (nicht von 1 — 3J isl, dufiir

scheinl anch die spiitere imederkehr des ausdrucks: v. 5277 uus uowollcn diu buocli licgen zu sprechcn. c) Baier

hnhe irh aus 1.3 gegen das si vo7i 2.4— 7 eingesel::t. d) obliii 7. e) mere 4; mare 5; ware 6; opi-nbarc 7.

f) nach innc reimpunct in 4, neue zeile in 2. ^} kut 1; quid 4; .sprckct 5. G. 7; tftt 3; ziugt 2. h) dcm I.)

Den (4- ollou 4) Iftten 4. 5. 6. 7. i) ir 3 ; ein 5. kj elle 1 ; ellend 3. ]) f. 3. m) D. g.] Dc sbfclitou 5.

u) baiiere 1; baiare 2; beyoru 3; beicru liercu 5. 6. 7. o) ber k.] komeu ber 4; Quemen 5. 0. 7; di

cboiiieu 2 ; rau Iier 3. p) do 3.

320—322. a) daz o.] daz obezwi 4; deu oloitwicb 5. C. 7. b) u. d. a.] diii arcb uoli 2. c) «o 1 =

A7ino 311 arcba; arke 4. 5. 6; arcb 2. 3. 7. d) deu — liaizout] dem perg der (ons dom 0) beizzct 3. 0.

e) ararabt 4 ; Araratb 5. 6.

1) V. 287— 378 stammen (mit einigen zmiitzen itnd weglassungenj aus Anrio 284—396. 2j inne

beziehl ^ich Anno 2^b a?// Reginsburcb, das der chronist ansliess, iceil er seine yriindung erst unter Tihcrias

setzte: v. (^i^il ff. — Die herzoge Boimunt und Ingram fehlen unsenn Annoliede, sic tauchen hier uberhaupt

zum erslen male uufi 3) Hor. carni. I, KJ, 9. lU; epod. 11, 71 (hier aus Anno 'iO\J.


86 KAISERCHRONIK V. 323—362. Diem. 11, 5-12, 12.

f. a») den sig den| Juljus "^ ans

den Bairen gewan Cesar begunde do nahen

den'' niuoser mit pluote sere • geltan ''. zu sinen alten magen,

325 Der Sahsen grininiigez ' muot 345 ze •" Franken

den vil edelen.

tet im do '" laides genuoc. ir? biderben'» vorderen i

die" liset man daz si waran" komen'' von Troje der alten

des wunderliehen Alexauders manP, di ' di Ciu-ichen zervalten.

der zei Babilonje"" sin'* ende genam'. Ob" ir iz gelouben wellent",

330 do" teilten'' sin scaz vier sine'^ man, 350 daz» ih iu wil'' rehte zellen,

die*' wolten wesen kunige. wi des herzogen Ulixes*^ gesinde''

die* andern fuoren witen *"

irreSafter'' lante, ain cyclops vraz in Sicilje'',

rach,

unz ir ain teil mit scefmenige daz Ulixes'^ mit spiezen '^ wols

komen lif bi ' der Elbe, do'* er shxfende ' im sin'' ouge uz stach.

335 da duo ^ der site was 355 sin gesclahte ' dannoh "»

daz man diu micheln mezzer hiez' sahs, (f.3a)was in dem walde also hoh

der di rechen manegez"' truogen, sara" die tanpoume".

da mit si di" Duringe sluogen". an derP stirne habeten'i si vorne"' ain*' ouge.

mit imtriweP komen'' si in " aine sprache * nii hat' si got von uns vertriben hinnen"

340 die Sahsen den fride brachen. sGoin daz gewiilde enehalb^ Indie''.

von den» mezzern wassen'' Trojani'^ vuoren in«' dirre® werlte^

sinf^ si noch gehaizen


KAISKKCHROXIK V, 303—401. Di.ni. 12, 13-13, 18. 87

unz Elenus ' ain verlKTtor'* man

cles kuoncn ' Ilectoris'" witewen" gennui ",

3G5 mit dcr erP ze Crielicni

bcsaz siner viande riclie.

Anthrnor'' vunr dannen,

duo Troja'* was zerj^aiigen,

er stiphte Mantowe '

370 und ain ander haizet" Padowe''.

Eneas crvaht lioiniskiu' lant,

da'' cr aiii ' su niit drizcc wizcn "^

vant.

l"'raid\0- t^t^saz '' uiit dcn sincn

niden ' bi'' dcin Kinc:

375 den Kin hct er vur daz mer.

da wuohsen '

clliu'" Frenlciskcn" hcr.

diu wurtlcu Ccsari undcrtAn,

iedoh" was iz ini hartc soresam.

Juljus

380 dio scdclhovc sinc:

' worhte'' do'i bi Ivine

Diuze »• ^ ain stat guote '',

jungen

U

Bocbartc'" der'' ze Iniote'';

Andcrnachc*' ain stiit guote,

•."•

f.

' Ingelnhaim

385 Mageuze'»' ain stat guotc,

dcr

ze huotc;

< >|»|iciihaiin '' ir' ze huote.

diii) worhtc dcr hclt Kncl

ingcgon ^* Magenzc '

aiii caslcr'.

ain bruke'" worlit ci- da" ubcr" Kin:

wi maht'' diii biirch baz gczicrct sin?

liiu vcrsanc sit iii dcs'' irmcs' gruinic.

daz'' eh»im von don'" Kiiiidcii,

daz "^

INIagcnzaro'* nic*-' nchaiin'' ir

iiiit '* Iriwcii '

iiiitc

'" warcii.

Dannoh"^ stuoiit 'rricrc"

mit miehclcn »*rcn.

si stuont an cincni i' cndc

in Frank(!n Iaiulc%

iii licllica Callia'!.

vil kuone " warcn si da,

si werten '' wol ir laiit,

' licricii

363—369. i) Helenus 3; eleus 2. k) vil hortor 2. li. 1) chunigs 2. m) hcctors 4; Kotoris 2;

echtoris 3. n) wip 4. o) so 1 = Anno 374; nam 2. 3. 5"; gwan 4. j)) lior 4; cn; •_'.

«|) crioehcn

gewaldicIiclLO 4 ; dle Kc/ir. rctinl fast durchwcg Crichen : riche, nnr einmal Criochon : siochcn. r) Aiitlionoor 3 ;

Antenor 4. (5). s) Troie 2. 4. t) mantaw 5

; Mandowe 2.

370—379. a) die li. 4; hicz 2. b) bastowe, iiberffeschrieben ha,(lowe 1; pastowc 5; pastaw 3; paswe 2;

in B immer als Passau (jefasst. c) R. 1.] Romeslant 4. d) Do 2, e) aine 1; a. s.I si fsu?) 2. f ) /. 3.

g) Franke 4; Franken 5. (7). h) besaz 2, 3. 5; bozat lio 7. i) Nider 4. k) bl dein| bime 4; bi den r>.

1) wftston 3. m) ellou 1. n) frenchischiu 3; vrcnkcsclic 5; frenkcse 4; romischiu 2. o) Doch 2. p) biiwoto 4.

q) da 3. r) so 4. (5) = Anno 501; dem Rine 1. 2. 3.

3S0 — 3S9. a) Tnzc 4; tiitze 3^; twse 3; dus 5; Dizc 1; Ditzc 2. b) 1 schrelfjt conseijuent ijeijen den

reim giHt : hnte (Imto) alle drei mal. c) auf diese form lasscn sich vereinigen Botljarte 4; IJobarde 5. 6. 7; Polipart 3

(BiHchparten 3a); — Bazpartc 1; Bazbarte 2. d) dar zfi 3. e) Aldernach 3; v. 383. 384 fehlen 2. f) so

3", vffl. V. 14438; Inpfelhoim 2, 3. 4. 5; p]ng^inlliaim 1. g) Megence 4; Megentz 3 (MAf^ontz 3«); Montzo 5;

Maintz 2. h) Oppenhaime 2. i) sn 1, 3. 4; dor 5;/. 2. k) hinj^cK-cn 2; ghoffhen 5. 1) Mcin/.o 4,

die iibrijen s. «•. m) brucken 4; piircli 'i. n) dar 4. o) so 3. 4; iiborii 1; ubcr den 2. 5.

390— 399. a) mochto iiirincr 4; meht 3. b) /. 4. c) moros 5. d) r. 392 bis aiif \) ain (lufnnij

ausradicrt 2. e) don s.) dor siiudo 4. f) v. 393 in 4: Daz die mcgenzcro. Nic niclioincme iriii liirrcn.

g) / 2. 3. 5. h) dehainem immcr 2; dheinen 3;/. 5. i) ze irm 5. k) v. 394 in 4: Mit ganzon triwen

wonten mite. Noch lialdcn (aus Iialilen) sie den alden sitc. I) untrften .5; untrwen 3. m) m. w.) wolten

eron 3 ». n) io dannooh 3; v. 395—454/ 4; in 5 liicke bis C7-!, in G. (7)

triern 3. p) oinim 1. q) Gallica 2.

400. 401. a) ohaum 2. b) wertent 1.

his GO.O. o) Triro4; trioron 1

1) V. 378—380 aus Anno v. 501. 2. '2) V. 381— -454 findcn sich nicht in unscrm Annolicd, das

aber gerade hier mchrfach lilckenhaft erscheint (s. zu 388j; ihr inhalt f/eht zum teil auf eine rheinische

quelle zuriick, die auch jenes gedicht benutzt hat (s. zu 655j, sie miJgen ans einer voUstandigern fassung

des Annoliedes stammcn. 3) Zu v. 387. 88 vgl. dic angabe Anno 507 Meginza was du ein kastel.

Iz gemerhte manig helt snel, die geivis nur dem kiirzenden abschreiber zur last fiiUt. Kettner a. a. O.

s. 281. 4) Die anderung von v. 393. 94 m 4 (s. lesarfen { und kj beziehl Lachmann auf die ermordung

des erzbischofs Adalbert von Mainz 1160. 5) V. 395 — 422 die umndcrHchc darslcUung dcr knmpfe um

Trier mit den namen des Labian (Laliienus), Signator (Vercingetorix), Dulzinar (Iiiduciomarus) wcist auj

die Gesta Treverorum c. 9/., SS. VIII, s. 136 f.


unz Jiilius der wigant

KAISERCHRONIK V. 402—457. Diem. 13, 19—15, 8.

mit listen in die burcli burch an gewan:

daz macliet'^ der vurste Labian''.

405 Nii wil ih iu sagen wie ez kom '',

daz Juljus Triere*^ gewan.

si werten sih da" vor, daz ist war,

niC-r denne'' vier jar.

in der burc warcn do ' zwene

410 gewahige ^ herren '',

der eine hiez Dulzraar


k I

KAISERCFTROXTK \ .l.")S -r)ij4. Di.-.m. If), 9~1G, 1«. 89

ir Iichjs liete'' verlorn ' aiii iiiiclicl t;iil. iiiit .si ssalien'' sciiion

unt'' (Inz ' er ze Dntiskcn laiHleii dio hiaitin hcar bine',

460 an-' ir iirl;/. 2. 4 vie Anno 415. e) .Sie viirtcn 4. {) niaiiicli scli:ir

da 2. g) scindcn 1. Ii) halsperge 1. i) m. sc.] inanigcs sclnjiiez 3. k) /. 2. 1) als — K


90 KAISERCHRONIK V. 505-544. Diem. 16, 19— 17, 31.

soslierhorn" duzzen,

peehe*' phiotesf fluzzon.

'" da behxcli '' manich

braitiu scar

f 3» mit bhiote berunnen also ^

Jiilius • den sig nam",

510 Pompcjus chume''' intran;

er floh in Egipten'' hint:

|

gar.

(.hmncn "^ tet*' er niemer mer'' widerwant^.

Pom])C)US reshigen f^

lac,

Juljus Ccsars in sif' rach.

515 Duo' frouwete'' sih ' dcr junge man,

daz"' er diu riche eUiu umlcr sih gewan.

cr" fuor do mit michelem'' gewalte

wider ze Rome swie er wolte.

Komarc in doP wol enphiengeni —

520 si begunden irrizen" den'' herren.

daz*= vundcii si im'' aller'' crist ze eren,

want cr aine habete * den gew^alt

der e^ was getailet'' so ' manicvalt.

dcn site hicz er'' ze eren

525alle Diitisce man leren.

In'i den ziten iz"" gescach"

dannen der wissage Danicl da " vor sprach,

dazt' der chunic Nabuchodonosor sine"

die"" er gesehen habete^:

530 wie * vier winde

troume sagete

in dem mcre vuorcn vehtende'*

unt i*iz*^ dein mer giengen

vier*^ tier wilde.

diu bezaichent vier chunige*^ riche,

535 die'^ alle dises werlt solten begrifen.

Daz erste^ tier was ain liebarte'';

der vier arenvetech habete,

der' bezaichinet den Chrichisken Alexan

drum ^,

der mit vicr' hern'" vuor after lande',

540 unz er der werlt ende rechande.

mit zwain grifen

vuorter*» sich selben'' zuo den hiften,

in einera glasevazze'^

Hez** er sich in*' daz mer fram'*.

505 509. n) V. 505 noch r.n 503 gezogen in 2; Ir h. die 4; die h. 3. o) pac 1 ; Pach 2; Die beche 4.

p) 2. 3 setzen zu hiu; runiien unt s. z. 1. q) d. b.] da pei lach 2. r) vil ni. 1. s) /. 2. t) J. da 4. u) gcwau 4.

510 — 519. a) vil chaum 2; kame inie 4; nur im 3; /. 1. b) Egypten 3. 4; Egippen 2; Egipte 1.

c) Von dann 2. d) /. 2. 4. e) uber wancli 3. f) do erslahen 2; irslagen da 4. g) /. 2. h) do

sint 2. i) kehx ahsutz 2. k) frfiete 1. 1) /. 4. m) das; — elliu] Die riche er alle 4. n) e. f. d.]

Do vftr er 4. o) /". 4 ; michehi ern uii 3, p) /. 4. q) die in allen hss. von A fehlende reimzeile lautet

Anno 466 Einin nuwin sidde arueviengin ; sie ist vielleicht schon dem conipilator verloren gegangen ; C ergdnzt Nu

hineret wie siez aneviengen; B schieht vorher ein Romaere gein im riten und giengen.

520—529. a) so 1. 2. 3; iecin 4 (Anno 467 igizinj; i. d. h.] in irriczen 3. b) so 1 = Amio 467;

ir 2 ; iru 4. c) v. 521 /. 2. d) / 3. e) a. e. /. 4. f) hate 4; het 2. g) /. 2. h) /. 3. i) /. 2.

k) Julius 4; er z. e.j so (4). 3 mit Auno 471 ; der herre 1. 2. 1) v. 526—590 fehlen 4. ml daz 2. n) ge-

sach 1. o) /. 2. p) so 3; da 1. 2. q) s. t. s.] Sein trouuisagare als neue zeile 2. r) den 2. s) hate 2.

530-539. a) V. b'M) f. 3. b) vehtunde 2. c) in 2. d) so der vers in 1. 2. 3. B; Anno 182:

Vreislichir dieri vieri. e) ch. r.] so narh Ciiiinig reich 3; kuuiuc riche 1. (2);

zti, der umslellung der tiere kann

den romjjilator mir eine von Anno 185 Kiiuiucriche abwcir.hende anffassung gefiihrt hahen; die tiere hezeichnen

ihm die konige, nicht die reiche, und deshalb setzt er statt Babylon den Alexander an erste stclle "•.

f) di alle,

so dass hieraus nicht zu entscheiden ist, ob chunige riche (die) oder chunicriche (diu) dastand. g) diu 2.

h) lebart 3. i) so 1 = Anno 205; daz 2. 3. k) so 1. 3; zum reim vgl. v. 1017/. Tytum : riteu ; Alexad\

darunter ausradiert -dTum 2. 1) viern 3. m) so steht der vers entsprechend Anno 206 in 3. (B); 1. 2 schrei-

hen hier henen tind heginnen mit vuor einen neuen vers.

540—544. a) vorter 1; fur er 3, zco die zeile noch zu 541 gezogen ist. b) /. 3. e) glasevaze 1;

glasvaz 2. d) v. r)44 zu 543 gezogen in 3. e) in — fram] ze dez merz (vom corrector) grunde 3.

1) V. 526 — .'j90 mtiprechen Anno 175 — ^2(50, sind aber in der Kchr. sehr vngrschickt hier ein-

>/ereiht und umgestellt. Der chronist hat, wie v. .'')28 gegenUber Anno 178 (du her [d. i. Daniel] sini

troume sagiti) uvd v. 590 gegen Anno 260 (Son der engii vane liimele giscl)iet) zeigen, den traiini

Daniels (l)an. e. 1) mit dem trauni des Nebukadnezar (Dan. c. 2J znsammengewoifeu (.t. Kettner, Zeitschr.

f.

d. phil. IX, .1. 2Q1). 2) Anno v. 503; das dritte. 3) Uebcr die folgenden ziige der Alexandcrsagt

handelt Kinzel, Zeitschr. f. d. phil. XV, s. 222/. 4) V. 543. 44 haben auch ini AnnoHed einen

fiir die Kchr. unmoglichen rcim: v. 213. 14 In eimo glase Liez er sich in den se. 5) Kettne.r a. a. o.

s. 268 meint, weil Alexander schon oben v. 328 erwdhnt war.


I ..lain'

KAlSKRrilKONIK V. n^f)— r){l4. Di.ni. IS. 1— i;t. l,s. 91

645 nafli im wurfen sin ungetruwef man 570 von menskm siiine" nemaht'' cr nioincr'=

flie ketcn also fraissam. wcidcii zam.

si spraclicn: 'nu« du ^'cnic siliesf' wuiulrr, Da/,'' drittr ' .lin iVaislicli'' d.cr was, •

lui si/.yj iciiicr' aii'* d(!S mcrcs


92 KAISERCHRONTK V. 595—023. Dicm. 19, 19 — 20, 18.

595 von diu waren'' Dutiske ' man

in alleni' sinen richen

ze Rome ie'^ liep unt lobesam '. (f. 3'i) oio ge\vunnen=» si nie nehainen'' samilichen*^.

diu'" riche er mit michelem gewalte habete an'' den« stunden,

die wile daz er lebete, swelhe ' in dem riche waren gevangen

daz buoch saget uns vur war: ode? gebunden

Gooniewan''' fiunf jar. ode in karkaire'' gestozen',

Romare in ungetruweliche'' shiogen, die hiez der'^ kunic uz hizen.

sin^' gcbaine si lif ain'' irmcnsiil'' be- (iisder kuninc vil here

gruoben

' er gebot dannoh ' mere

er hiez scriben'" allen" disen umberinc,

Alses Juljus wart erslagen, f. 3


KAISERCHKONIK V. G24—fiSl. Di.m. '20, 19—22, 11. m

den*' newolt er dcs riclies' nilit {^iinncn.

tjaoaines tages liiez er der'-' iVeineden slalien,

so'' wir daz '

buocli linren .sagen,

mer denne drizec tusent libe,

mannc unde wibe.

Cesar'* Augustus,

C30 duo gewarf'' er alsus:

er hiez im wurken'' aver sjV

ain wage'' diu hiez didragina'",

er gebot in bi deni liulse ',

si gebin si - zc einsc

635 — arm'' unde riche

di da ' waren in sinein rielu; —

diu fier phenninge wac.

der eins stuont'' unz an den tae

daz '

der

warc hailant

C40 von liimele" wart gesant

uns allen ze troste,

'• der uns von dem cinse relostc.

Agrippa'^» wart duo'' gesant,

daz er ze'' Kine berilite' daz lant.

C45ainc burch worhte- do der herre

Romseren ze eren.

den namen gab er ir'' sa:

er hiez si Agrippina',

Colonja'* ist si nil genant,

G50 si zieret" elliu Frenkiskiu'' lant.

Mezze''-^ stiphte*^ ain sin nian

Metius'' ffeheizan'".

624—629. e) (len — de.s] Dem wolt er .siii.s 2.

k) V. 629 /. 2, keln ahsatz.

(f. 4«) Triere "^

was

ain burcii ;ilt,

die- zit-rte'' Koma-re gewalt,

oj&dannen^ si den win verre

santen ' undcr der erde

in stainen'' rinneu,

den herren aP ze minnen'"

di zo Cholne warcn sedelhaft.

«co niiehel was der RoiiKere chratt.

Augustus* der vil marc'' man —

Augusta hat uoh von im nanien'' —

vil gewaltecliehe beriht' er Komc.

ja truoc er die corone,

««5 daz saget daz buoch vur war,

sehs unde tiuufzic'' jar,

dri manode'' dar ubere.

Komiere' wurven- ubele:

si verrieten im daz leben,

670 iiiit aiter-' fruinten si im vergeben'',^

Daz buoch kundet uns sus,

daz riche besaz do Tyberius,

der gewan Ronuercn michcl'^


94 KATSERCHRONIK V. G82— 735. Diem. 22, 12—24, 1.

daz riehe tnilt er in vieriii.

duo er dio heiden alle hedwanel),

duo vuor er in Dutiskiu' hxnt.

CS5 er kom zeineni" Avazzer haizet Tuonouwe'',

f. ;;'i da greif er -wol ' ze |

ain"^ stat worht er d^i

bouwe,

geheizen Tyhurnia''.

nu haizet si '" aver" Ratispnna"

G90 Von 2 gote ez bechoin-'':

der'' chunic siechen began.

den siehtuom wil ih" iu sagen:

wurmc also freissam

in sinem houbcte'' wuohsen,

095 dor ini nicnicn niahte" gebuozen.

(f. t') nchain' crzcnics was'' frum:

im nekundo nicmen niht getuon

daz' im fruni wasre's

duo' saget man im ze raferc"^

wi ze Jerusalcm wicre

dcr aller wisiste" man

der ie '' in dise werlt kom •=.

sine ^ tugende manege

sagete raan dem chunigc,

705 wicr ' di tuten hiez ^ lif stan,

die raiselsuhts ab gan;

und** chome er im enzit,

er ga^be im wider den ' lip

mit aincm worte.

710 der chunic revroute" sih harte.

er hicz im den arzat gewinnen

rait scazzc oder mit gedinge'',

mit Lande odcr mit aigen

unt milht er iu gehailcn,

715 er habetc *= sin minne iemerracre,

darf' zuO; sprach cr"", hmdes'" im wol gerne.

Der bote huop sih an die vart,

als im vono hove geboten wart.

er'' hiez Volusianus,

720 daz buoch nennet in" sus'^.

do er inn er 2. c) wil iii] wil

we .'}. (6); mir wil 4. d) houpt im 6. e) niohte 1, das sonst hnmcr malite hat. f) uie dhein 3; Dehain

ininier 2. g) arccdie 4; arsedie 5; acztey G. h) was im 3. 4; was so 6. i) v. 608/. 6. k) ware 1.

1) do — 700 w.nere] Und pftzte sein swai-e 2. m) zeware. zemaere 1.

700—709. a) wi.st 1. b) /. 2; ie i. d. w.] i. d. w. ie 3. 6. c) becham 2; wechom 3. d) .sin 1;

seiner 3. G. e) so schrcibe ick das wi er von 1, wo es als eine siJhe gelcsen u-erden muss. f) li. ufj ouf

liiez 3. g) musel.snlit 2; niiiselsuht 4; muselsuht heizt cr 3. h) /. 6. i) sin 3.

710— 7J9. a) irvrowete 4; vrowete 5. 6; freut 2; frowd 3. b) gedingen 2. 4. c) hiet 2. 3.

d) Daz 4; r. 716 in 2: Uii lont ims inimer gerne. e) er er nur 4. f) 1. i. w.] lonetes iin vil 4. (5?) 6;

lont im sein 3. g) voue 1 ; datz 3. h) Der 2.

720—729. a) uns 4;/. 5. b) alsus 6. c) i. d. b.] in dcr b. G;/. 2. d) frac 1. e) die g.]

den ghesinden 5; daz gesinde (ingesinde 3) 4. G. (3); di gcsundcn 2. f) o. e.] oder 1. g) Un 4; v. 1'2.1. 28

fehlen 6. h) hein ahsatz 2.

730— 735. a) g. waz si 3; die waz g. G. b) vor 2. c) grimmen 4; /. 3. d) dannen 1 (vgl.

V. 1322j; dar nah 3; Dar an 2. 4; Den 5. 6. e) gesiliet 1; gesehen 5. 6; /. 3. f) rorher in 3: gesticket;

V. 734 in 2 : An zwai drizidi jar. g) mjn 5. h) dann 3 ; dan 4. 5.

1) Diese form (ans Ann. Fuld. a. 792. 94J auch in den Ann. Ratish. a. 783, SS. XVII, s. 581.

2) tJher das verhultnis dcr folgenden Veronicalegende aur Mors niati (vnd Vindicta salvatoris) hat Sehon-

hach, Anz. f. d. alt. II, s. 201/. gehandelt: er stellt ihr zunuchst die von Massmann III, s. 579 aus

Stuttf/. ms. theol, et philos. nr. bl mitgeteilte legende von Veronilla; vergl. dazu Busch, Zeitschr. f. d,

phil. X, s. 132.


daz er von got' vragen began,

si erwainte*^ vil serc,

KAISr.IjrHRf)\IK V. 7:i(j— Tilll. Di.-in. 'Jl, 2—2;'», 25, 9')

si ' spraeh: 'nu'" sage niir, vii" liuber Im rre,

(f. «


06 KAISERCHRONIK V. 793—846. Diem. 25, 26 — 27, 15.

cr hicz in an'' ein scef*^ werfen,

— niemen gctort gehelfcn '' —

795 er vuort in sincm hcrrcn^

er brriht ini groz ere.

AIs in dcr chaiser*" an sah,

ubcrlialp "^ zorn

er^ sprach:

Mnih wundert harte'' (i

800 diner hingcn verte.

nu waistu wol-'' daz ih niene^' mac.

ih warte*" dir*' also manigen tac,

daz mih sin '' wol muoz crlangcn :

mit grozen '

suhten

bin ih bevangcn'.

805 Dcr" bot sprach: 'daz ih, licrre'', s6 '

niene ' zurue dii daz.

hangc uz'' was^

die Judcn hant'" den arzat erhangen",

unt ist" dir hiidcr ubele regangcnP.

f. 4'' si redenti, daz er"" an dem |

810 stuondc'' lcbcndic'' von dcm grabe,

dritten

tage

unt*^^ redcnt'' allc'", er vuore ofFenliche ze ^

diz- hissam '' pilcdc

himele.

iiat dir' disc frouwe ze minnen'' braht.

ih getruwe wol, din werde guot' rat.

815 dih manet diz guote wip,

daz du allcn dinen lip

vil wirdecliche '" bestriches;

da" muozen dir entwichen

dine suhtc" alsoP manicvalt.

820 der" hcrrc habete'' michelen gewalt'

Duo hicz der kunic lobesam

daz pilde vur sih lif haben*",

er scowct cz hinf" unt her,

vil innichlichc'" sprach er:

f)«; 825 'daz ^ was zeware

ain vils rehter haih"ire'''.

vil scone er im' engegene neic,

daz houbet er dar an streich'*,

cr kustez mit dem munde.

830 der chuninc wart gesunde

von allen sinen noten.

die wurme vielen tote''

nider zuo der erde.

uf spranch duo der herre''

835 gesunde '^ unde haile.

duo'' frouten sih gemaine^

alle Romare:

daz waren guotiu niumare ^.

Alsc dcr chunic ersahs,

840 daz ini arges'"' nicnc'' was,

er swuor uf dcm hcrcn * pilede,

er negelcge*' tot da'' niderc,

er hieze ^ zevuoren die stat

dii. der herre gemarterets wart,

845 si arneten'' in vil tiurc

mit' swerten unt rait fiure:

793—799. b) in 4. 6. c) schiph 4. d) helfen 4. 5. 6. e) chasir 1 ; cliei.ser cr.st 3. f ) Uber-

lialb zoru 5. 6; nberhalben zorn 4; nnzornliche 1; Im zornichlich 2; niit grozzem zorn 3. Ich vermag die iii

ihn texl t/eset:te auadruclcsxvelse sonst nicJd zu belegen, aher iUinliclies steht v. 6763: mit halbem mnote, ico die hss

1. 2. 3 semphtem andern ; dort muchte ich: 'mit vnterdriicltem ':orn ithersetzen, hier 'recht zornig\ g) cr do 3

li ) vil harte 2. 3; gare harte 6.

800—809. a) doch wol 3. b) nindert 3 ; niht (-f mac) 2. 5. f-f enmag) 6. c) han gewart 2. d) din 5.

e) din 4. f) gr. s.] grozzen suchen immer (5) 6; grozzem sielitnm 2. 3. g) kein ahsatz 2. 3 ; D

b. spr.

f. ^i. h) /. 2. i) also 3. k) uze 4. 1) niemen 3; v. 806 in 2: Hcrr nilit zurnet umb daz.

m) habent 4. n) ghehangen 5. 6. oj /. 2 ; i.st dir] ist ym 6. p) ghangcn 3. q) spreken 5. 6. r) /. 3.

offenliche : Er

810—819. a) Erstund 2; er.stund er 3. b) lebende 4; liz ufif(!) 6. c) v. 811 in 2: Und redent alle

fur hiutz himelriche. d) rcdeteu 4. 5. 6. e) nach alle }ninct in 1, 4, f) hiu ze 1. 2.

g) r. 812. 13 171 3: Ditz lobsam pild hat man dir pralit. h) lobesam 3. i) /. 4; steht nach frouwe 6.

k) minne 3. 5. 6. 1) /. 4. m) w. b.j wirdiche bestrichen 4. n) da m.] So mfiz 4; v. 818 in 3 (nach

Massmann auch bj : so miiz dir aller dein siechtftm entwihen. o) sudie 4; suht 3; sucht 5. p) so 6;/. 2.

820—829. a) v. 820/. 4. ))) hebete 1; hot vil 2. c) heben 5; han 3. d) hinne 4. e) min-

nechlichen 2. 3. f) Dit 4; dicz 3. g) /• 2. 3. h) richtare 2. i) i. e.] in e. 1; ingegen im 4; dar

ieghen 5.6. k ) gestreich 3 (streich 3 »).

830—839. a) toten 4. b) werde 2. c) v. 835 gesunt unt heil alle; doch miisscn icir loie oben v. 830

gesnnde hier gesundc unt haile lesen. d) v. 836 in 2: Dez dauhtcu sich do geil. e) algcmaine 1 ; al!c gmeiu 3.

f) so nnch 3. 5 6 uuwe mere; m£ero 1. 2. 4. g) daz e. 3; irsach (gesach 2) daz 4. 2.

840—846. a) arc 4. b) n. w.] niht enwas immer 2. 3. c) lierren 1. d) ne lege 4; gelag 2; leg 3.

e) dann da 3. f) ne hieze 4; wolt 2; h. z.] enhette zcuvurct 6. g) g. w.] wart gemartcrat 2. h) a. in]

nur erarnten 5. 6. i) v. 846 in 2: Er hiez si brenncn in dem fiwer.


'.si'» vil unraine diet,

nii' ensol'" ir genesen niet",

si muozeu ze deni tode.

850 dA mit sol man in lonen

KAISERCHRONIK V. 847 -804. Diti.i. L>7, IG — 28, .'JO. 97

daz* si nanien'* uns den lu rren

si engeltent'^ sin an dein libe .strc'.

I^uo''' sante*" er ^'espa.sjanuni

unt sinen •" sun Titumc.

8.^5 die'' vaztcn '

sili uher inere

mit vil creftigein •* herc'.

da"' .scein Koinarc «rewalt

uber allc" Jcrus;dr'ini.sU{n " l.uit.

allcz daz lantvolc

8t;o in dic aiu'' stat vor'' in llolr,

Ijcdiu kint unde wip.

da'' naliet'" in daz '

zit

daz in da vor? gesaget'' was.

daz cvangcljum kuiidct un.s daz:

stiCt l~^ dC) un.ser licrrc vuor in ' dic burc ze

Jerusalcm,

unt zuo der marter solte'' gcn,

t r,'') sinc ' lieben holden

di im njlh wolten volgen,

dic vil cdclen frowcn

870 clageten =* in mit triwcn;

.si wunden '' ir hciidc.

duo k«"'rte sicii un.scr hrriv widcr' uiiibc,

die stat cr an sah,

daz wort er*' waincndc'' sjnafh :

h7.. '( hvi "^

kint von Jerusair-in,

waz iu'-' zc Jaith^ iiiuoz'' gcscchcii

wainct '

iiilit niiiicn tul:

< ! iniii •* vatcr li.'it i/.' V(tn |

• )rd(;in>t.

ir iiicgct wi»l w.iiiicn diii dinc

880 diu licr n.'ih kuiirtic' sint.

iu'' kuiiit dcr t;ic

hiiiicl

alx')"' ge

daz niciiicii dcni andcrcni'^ gchclfcn'' iiciii;ic

disiu burc wiit bcstandcn

von iwcrcn'' vi;indcn,

ssfi der understain '

wirt dcr «djcinst'-'.

liie'' gescihct' michcl untr«'».s(:

ir wcrdct'' zevuorct,

;dlcz iwer gcslchtc zcst('jrct',

iwer'" salbc* samc in Israhclc"

890 engesamen«*tt''' sili nicmcr mi*re:

want ir dcs'' zitcs nilit crkantct'^

d


98 KAISERCHRONIK V. 895 — 951, Diem. 28, 31—30, 22.

895 der vater wirf von dem kiude gescaiden.

daz muozet ir albalde ^ clagen imde wainen'.

Dius gotes wort wurden war.

die herren komen grimmechlichen'' dar.

Titus huote' wol d


(f 5") flaz •" was

KAISERCITROXIK V. 9r)2—907, Dioin. 30, 22—32, 1. 9r

wolte got, waere iu ihf' deste'' baz!

rain ainigiz " kindclin.

nu waiz wol niin trehtin,

955 ieh gebez'' iu vil gerne":

iaider ' nu

Sa, ' bi

nehan ih alles czzene.s niOre'^'.

deni worte

si '" rekumen so harte

daz uber alle die stat

9C0 groz •' jamer

wart ''.

ja chlaget*^ man unde wi|)

daz'' unfroliche zit,

daz iz bi in*" solte gescehen;

dem tode '' batenK si sih aiie geben''.

965 in ' einem '

scripgademe

^«'imen si'' zesamene,

die aller wisisten

die si under in westen"".

si" namen ir niezzer,

970 si sprachen, ez duhte si bezzer,

daz si sih selbe" toten,

e si'' des die haiden noten,

daz si vor den abgoten*^

iemer ihf' solten gebeten.

975 Josephus''-^ hiez ain wiser man:

aise sciere er den rat veriiam,

mit miclielen listen

nuioser sih '

fristen.

er spracii: 'swer im selbe'-' tuot don tot,

980 der ist (•wicliclic verdampnot^'.

nu veniemLt, Juden'' algemaine'^:

martcrent uns die liaiden,

ode'' brennent si uns liier'' inne,

8o iiaben wir doli"^ gedinge

•J85 daz wir« ze'' jungest ernern '

nu vernemet oucli nirre,

hie'* zuo rate ailer miinniclidi,

des ist not unt ist' billicli;

vernemet alle'" umbe,

990wise" undc'' tumbe,

swelh rat iu baz gevalle,

des volgc wir dcnnc' alle,

dcr ist ouli mir licp.

unser

seie.

welt ir iuh'' es verrer'' besprechen niet',

995 so lat unser genoze

vinden mit loze,

(f.G') welhe ainander^ suln'' reslahen,

952—959. d) ichtes 3; /. 4. e) ilcstcr faxt ste/s 2, 3. f) Jz 4. g^) aines 2; oi^ens 3. li) gehox 1;

gebiz 4; gibiz 2; 7iur geb 3. i) v. 956 in 2: Laider icJi lian anders ezzen nime. k) nicli ni. 3; ,lir vrrse

95G—972 gibt 4 in durchaus freier bearbeitung:

Un stunde uns doch wol ceintberndo.

Leider ich hiwistis niclit.

Dit ist ein wunderlich ge.schicht.

Alse sie die rede virnanien.

Vil harte sie irquamen.

Ubir alle die stat niere.

Daz jeniirliche mere.

Daz da geschein were.

1) kein absat- 3. m) si r.] so 1 ; Erchomen si 2. 3.

Des quamen sie cesamene.

In eineme scripgademe;

Die sie under den juden westen.

Die wisesten un die besten.

Sic sprachen sie dftchto bezzir.

Daz sie nemen ir mczzir.

Un sich selben totten.

E die heiden sie des nutten.

960—969. a) grozer 2. 3; der vers ist von demseJben bau wie v. 939. 1») warto 1. c) clil.-igten 2.

d) diu unfroleichen zeit 3. e) im 2. f) tote 1. g) lietcn 2. h) ergcben 3. i) ein 1. 3, tinrichlig

iveil dnnn keln klingender rcim mHgiich ist. kl so 2. (4); si alle 3; fiir si: dfi 1. 1) wissistcn 1;

weistcn 2. m) wisten 3; funden 2. n) ahsatz 3.

970—979. a) selber 3. b) si des] sis 2; daz si 3. c) .-ibgotten 1; aptgoten immrr 2; abbetgotcn 4.

d) ich 4; /. 3. e) kein absatz 2. 3. f) den leip 2. g) selber 3; selben 2. 4.

980—989. a) verdampnet 1; verdampt 3. b) .ludenen 1;/. 2. c) algemcincn 4; .ilh.' gcin. 2. 3,

d) Un 2. e) Ii. i.] hirinne 1; hie i. 2. 3; hinne 4, f) iedoch 2; d. g.] idoch gedingen 3. g) / 2.

h) ze j. /. 4, i) e. u.] neren di 2. k) v. 987 in 3 : hie rat all zft gemeinchleich. 1) /. 3. m) al 2. 3. 4.

990—997. a) wiscn 3. b) u. t.] unt tumpe 1. c) dene 1; dann 3; / 2. 4. d) iiiii — niet] .so

ven-e sprechen niet 4; ewh anders wespr. icht 3; iuch paz gespr. iht 2. e) verret 1. f) niht 1. g) aia

andere 1

; an ein ander 3. h) sfile 4,

1) Vers 954. 55 nehmen den diirch v. 953 abgebrorhenen gedanken von v. 952 wieder auf: 'wollte

gott, es ware etwas besseres fiir euch da: ich loollte es euch loahrlich gerne geben'. 2) Josephus

III, 10.

13*


100 KAISERCHRONIK V. 998-1057. Diem. 32, 2—33, 29.

daz wir deste minrc ' sundc liaben'^'.

Duo sazen die genoze',

1000 si suohten" luit luze,

unz'' si alle aiuander'^ restachen.

do giviel diu gotes rache

uber allc** Ebrciske diet.

da vor waren si gote liep

1005 unt wjiren [im''j trute.

vou'^ ir gruzen unkuskc

unt von ir unzuhte

verlurns si mit rehte

die hulde ir hcrren:

loiozevuoret sint si* iemer j

Also'' Josephus ersah' v. 1006 — 1010 in 2: Still und ul)er laute Von der grozzen schulde

Verlurn si ir herren hulde. g) verlorn 1.

1010—1019. a)/. 3. b) Jcein absatz 3. c) ersach 1; gcsach 2. d) /. 2. e) /. 4. f) D. v.j

da\-itz velt 2. g) daz 3. 4. h) 1. g.] 1. geist 3 ; laidigen helt 2. i) .sach 2. k) die untriiwen 4.

1) suTitum: riten 1. 3. 4. vgl. v. 538. 39 und v. 6323. 24. m) v. 1018 in 2: .Speheu riteu an ir frum ; in 3:

spehert da rciten. n) lieber h. 2.

1020— 1029. a) /. 2. bj kunges 1. c) iu 1. d) wisisten immer 4.

got alrerst erwelte. f) erist 4. g) alleu 1. 2; aller 3; al 4. li) lein absalr. 3.

1) /. 2. m) her nider 4.

1030—1039. a) d. h] der herr 3. b) h. u.] hiut 3. c) hte 1; hiot 2.

absatz 2. 3. f) zewene 1. g)

auch 3. 1) /. 2. m) vloh 2. 3.

sc. n.j sciit ernam 1; scliilt nam 2. 3. h) liub 2.

1040—1049. a) nere 4; ernern 3. b) sit — er] er seit schriberu 3.

und 4. o) gelcsen 4; li. g.] liabent geseheu 2. 3. f) Der cliuen V. 2; kein ahsatz 3

e) V. 1024 in

h) pruder 3. i) /. 3.

1050— 1057. a) was 2. 3; von hier an loird die fortlassung der negationspartikel ne neben dcr stibstan-

tivischen negalion (nilit, niemen) und der adverbialen (niender, nie mere u. s. 7i\) aus den hss. 2. 3 nicht mehr

angefiihrt. b) di 1; Die 4; wiire aU cnnslrnction nach dcm sinne immerhin moglich. v) d. h. io] iht 2.

d) /. 4. e) ze w.] ce werfeue 4; /. 3, f) gehuben 1; hube 2. g) martirote 4; martoret 1. (2. 3),

h) oder 3. i) daz 2. k) ie 3, 1) werdent 3; wareu 4. m) e w. s.] siges warn 2. n) heldo I.


die° wurden alle fremede'';

der sclialkc werc si worhten

.060 die nian vorlitc.

duo" wurden die cnehte

die von adele unt von rehte

rewelte vursten .solten .sin:

den zurnte duo niin trehtin.

lOfi.Tduo'' wurden dio ge.sceiden*'

di der'' o wjiren heime,

mit michelen*" eren

sazen da*^ vor ir althcrrenc

Saul unde Jonathas,

KAISERCIIRONIK V. 1058—1110. Diom. 3.3, 30- Sf), 20. 101

1070 — owi" welh lirr.scaft hi in was! -

da'' saz bi*^ l)avid unt Saloninn''.

de.s suln wir ienier*" got' loben:

von« ir wislieit

frouwet sih noh'' diu cristenhcit.

1075 da' saz der hOrre'' IMathathias

unt sin sun Judas.

Herodes lebete mit grinnne;

der nehete ze gote nehain"' niinne,

sin cre muose" zcrgen".

1080 ja" stuont diu stat'' ze Jerusalem

mit michelen cren

unz ^ si marterten ** unsern ht^-rren

do nemaht ir herscefte niemcr'' sin.

(f G'-) des*^ wart des tages wol anscing.

1085 Die'' burc die hcrrcn gcwunnen.

si ' hiezen ze den selben stunden

in allen vier enden

1058. 1059. 1

d. w. ca.] Dcm w. .sie 4. p) vcrmrit 3; zage 2.

daz fiur dar'' an zunden'.

si"' branten wip undc kint:

1090 daz waren jamcrlichiu dinc!

die gruntveste hiezen si liz der erde grabcn,

so wir daz " buoch liuren sagen.

Komarc gewalt dar'* .sccin:

der*^ aller underist'' stein

io95gelac ze aller oberost*^^,

noh was daz ^ der riiaist uiitn. t:

an kcten unt an snuorcn

hiez man si vaile vuoren,

drizicK umb aincn phennic'' gcben

1100— wic maht in icmer wirs gcscchenV —

in=» ze laster unt ze .scanden''.

si sint in frcmcdcn landen

unz an den jungiHtcn"^ tac,

daz** in niemen gehelfen ncmac.

1105 Duo*^ frouten sih dic hcrren

der ' manicvaltcn cre ^

diu in gescehen'' was.

der chunic sclbc lobetc daz,

si kcrten wider ze Kome,

1110 ir" antvanc'' wart scone.

Tybcrjus rihte*^ daz richc vur war

driu'' unde drizich jar

unt aincs mancdes'" mrre'":

doe vergaben si ouh'' dcm li('n-cn'.

1115 Nu'' saget' uns daz buoch sus:

daz riche besaz duo Gajus'".

1060—1069. a) (luo w. (lic| ])io w. do 4; I)i w. di 2. .3. 1») dim w. dio] D.i w. .si 2; .si w. do 3.

e) gesceden I. d) dar 4; da 3 ; /. 2. ei micli(-iii 1 ; michel 3. {) do da 2; da vor irj do diii 3. g) ait-

heien 1; aldern 4; herrn 3.

1070— 1079. a) o. w.] o wi michel 3. b) da .s. bi] Da bi .saz 4. c) pi iii 2. d) .Salomone 2.

e) /. 2. f) g. ].] loben got 4; g. 1. schono 2. g) Waiide von 4. h) /. 4. i) xo allc, anch 1 (Dlemf-r do).

k) / 3. 1) Mathatias 1. m) dchain 2; dhin 3, kilnfli(j nicht mehr aufijcfilhrt. n) mftseii 1. o) cegen 4;

im zcrgen 3.

1080—1089. a) V. 1080 in 4: Dennoch .stunt .Jcrn.salem. b) purch 3. c) v. 1082/. 1; in 4: Unz

an die martire imsirs herren. d) iiiartreten 3; da marterent 2. ej nit nier 4; n. s.] niclit mocht ff/Mrc/j-

strichen vom con-ector, der dafilr mer an den rand setztj gcsein 3. {) Daz 2. 3. g) an in schin 2; schin 4.

h) kein nhsatz 3. i) si h. / 3, k) /. 2. 1) inzunden 4. m) Di 2.

1090-1099. a) di 2. b)/. 1; der 2. 4; dar an 3

; da wol B; do C.

aller nndristen stein geleten si ze ubrist. d) undorstc 4, e) obcrist 4.

h),phei]ninch 8; phenning in 4.

1100—1109. a) /. 2. b) sanden 4. c) jungist 1. A) da 3. e) kein ahsalz 3.

raanichfaltigen 3. g) eren alle. h) scehcn 1 ; da geschein 4.

c) V. 1094. 95 in 3: den

{) f 2. 3. g) driczic 1,

1110—1116. a) SIi' 2. b) antplianc 4; anvanch 2. 3. c) berichte 4. d) dru 1 ; Drui 4. cj so 1,

das sonst vieist manodes schreiht ; mande.s 4; mondes 2; moneidez 3. f) meren 4. g) /. 1. h) /. 4. 3

(aher nicht 3^). i) folgt rote uberschrifl Gaiiis ein Rti. K. 3; am rande rot Gaius 4. k) N besonders (jroBZ

nnd verziert 2. 1) s. u. dazj sagent uns die 4. m) Gallus, danach acht zeilen frei fHr ein bihl 2,

d. m.] Ir


102 KAISERCHRONIK V. 1117—1164. Dicm, 35,21—37,3.

bi" sinen ziten ain miehel not*' gescah':

aini' helleviur da'i ze Rome \\z prach.

neweder wazzer noh win

ii2onemaht'» da nehain*' fruni sin,

si nemahten iz nie*^ vertreten*^.

ze Rome in der stete*"

wart michel wuoff" unde not;

von " stanke lac ir vil tot,

1125 si nemahten sin'' nehein lizkuuft ' Iiaben,

si versuohten manigen'^ wissagen.

(f. C) Ze' jungest si ir'" opher lif huoben,

ze ainem" betehiis" si iz truogen,

si bettenP vil tiure,

1130 daz er si reloste von dem iiure.

der got hiez Jiipiter^,

alles weters gewalt'' het erj

si gehiezen*^ im ze eren

sin lop iemer ze'' meren.

1135 Jupiter'" antwurte in*^ do,

des wurden Romseres vil fro,

f. 5" er ^ sprach : 'nii ' ilt | vil

mit gemainem rate

' drate,

iizer ' allen '" iweren gesinden

1140 ain» edelen riter sult ir mir gewinnen.

vazzet'' in*= mit golde unt mit gestaine,

flizet iuh des'' algemaine*',

mit rossechleit' unt niit van?

haizetn'' also in daz fiur varen,

1145 in' sol es'' niemen betwingen,

wan al ' nah sinen '" willen

den" wil ih von iu ze opher nemen

unt wil" iu di grozen sculde vergeben.

ih wolt iuhi' alle han verlorn.

1150 so gestillich^ aver minen zorn:

als'' mir daz opher wirf^ braht,

so wirf ez'' umbe daz fiur guof rat.

Romare' versuohten sih alle

von manne ze manne,

1155 ir iegilich bisunderS,

si manten ainander'':

swer des ' wert waere,

den^^ iht ' des'" gezajme

des" si mahten gewinnen,

1160 unt» reloster si von den dingen,

allez'' sin*^ kunne

habte*' sin'^ iemer*^ frum unt wunne.

zes wile unt ze stunde

wurven '' si gemainliche ' dar umbe.

1117—1119. n) 5. 6. (7) treten wieder ein. o) wunder 3. p) daz ein 3. q) do 4;/. 2. 5—7.

1120— 1129. a) V. 1120 in 2 : Moht da fiir giit gesein. b) n. fr. s.] dhin frum nicht gesein 3. c) nicht 4;

nergen 5. 6. d) vertretten 1; treten 5. 6. e) stet 1. f) wfif 2. 3; waphen 5. 6. g) vor 1. ^i) /• 4,

i) uberchunft 1. k) nianige 1. 1) kein uhsatz 2. ni)/. 2. n) ainneni 1; irem 6. o) bettehus 1. p) paten 2.

1130— 1139. a) Juppiter 1. 2 fast immer. b) g. het er] wielt er 3. C. c) hiezzen 2; entheten 5;

teten 6. d)/. 2. 4; i. ze m.] immer mer ze meren (vom corr. aus eren^ und niern 3. e) Jcein ahsatz 4. i) f. 2.

g) de R. 5. 6. h) er spr. /. 2. i) /. 4. 5— 7. k) /. 3. 1) uzer 1, ist in den jiingern hss. allgemein

in uz gedndert. m) a. i. g.] allen uwerem (allem ewrm 3) gesinde 4. 3 ; allen uwen (-}- vif 7 !) sinnen 5. 6. 7.

1140—1149. a) ain fiir ainen hieten ausser 1 (und den jUngern hair. Iiss. 2. tij sehr hclufig die alten

fragmente ; in 4 steht immer einen. b) Vazzen 4. c) iu 5 (?). d) /. 2. 5. e) alle gemeine 2. 3.

f) rossechlet 1; rosseclet 4; ros clet 5; rossechlaide 2; ross gechleit 3; rossen 6. g) van 1. 3; fan 4; vanen

2. 5. 6; ich lasse die erstere form stehn, weil 1 fast nur die starheform iiherliefert (z. b. v. 7038 acc. sg. van : an,

V. 7043 acc. sg. van : gewan, v. 7057 desgl. van : wartman, v. 7072 desgl. van : nam) ; freilich wdre auch der reim

vanen : man durchaus erlauht, und v. 1201 bieten alle hss, vanen, h) so 1; heizet in 2—6. i) in sol] In ne

sol 4; ir solt 3. k) des 5. 6; sein 2. 3; es n. betw.j nieman dar ziH twingen 4. I) alle 3 : /. 2. m) so 1. 4;

sinem 3, 5. 6; sein selbes 2. n) daz 3. o) w, iu /. 2. p) iu 1.

1150—1159. a) still(o) ich 3. 5. 6; gest. i. a. minen] gestillet ir mir den 2, b) Alse 4. c) wirdet

4. 5. 6. d) so 1. 4. 5. 6; sein 2. 3. e) /. 2. f) hein absatz 2. 3, g) bi sunder 1. h) an ein

ander 2. 3; en den andern 5; v. 1156 in 6: ir einer mande den andern, i) des wert] der werd 3; nur der 2.

k) dem 2. 3. 6. 1) ouch 6. m) des gez.] des zara 2; nur gezem 3. 6. n) den 5. 6.

1160—1164. a) unt rel.] er erlost 3, b) AI 5; a, .sin] alle sine 6, c) si 1. d) Hete 4, 5. 6;

hiet 2. 3. e) is 2. f) /. 2, 5. 6, g)

mainichlich 2; gemeinchleichen 3; raeinicliche 4;/. 5.

v. 1163. 64 /, 6, h) wurfen 3; Wiii-ben 4. 2. i) ge-

1) Wie der diehter dazu kam, hier die gesehichte des Marcus Curlius (Livius VII, G; vgl. Augustin,

De civ. Dei V, 18j einzuschalten, ist schtver zu sagen. Dass der namc Jovinus, den cr dem helden gibt,

aus Livius' Marcus Cnrtius invenis durch misverstandnis entnommen sei, ivie Mas.


KAISERCHKOMK V. 110')— 1218. Dicm. 37,4-38,20. lon

UGD Ze** jungest nani sih aincr' dar'" iiz

geheizeii" J(jvinus:

uf ain hohe er trat,

ainer" .stille er'' hat,

er spraeh: 'welt ir iniMen willcn Innn.

1170 sn biii ieli iu Irum (hir zuu

^"^'"^ih erieclege-' iuh alh; .saint'''.

It


104 KAISERCHRONIK V. 1219—1271. Diem. 38, 27-40, 13.

Ein > buoch saget uns sus

i22odaz riche bcsaz ^ Faustinjanus.

Chiudius'' hiez'' siu'^ pruoder,

er tet ira hiit


niili dwinget groziu "^ vorhte.

vil liep ist mir min nian,

KAISERCHKONIK V. 1l>72— 1325. Diein. 40, 14— 4J, 2. iuj

die^ rede la"= du alzojres' stan».

1275 si enist dir neliain'' guot.

zii ' dir nehan ih nehainen i^

niuot,

ih nesol niih nilit ' an dih wendcn

noh'" min" edele kunno niht' «rescfnden ".

unt vreiscet ez min hurrc,

1280 er gorefset" unsih'' dar*^ umbe vil srrc''".

Der** herre sprach, daz " cr sin»'' niht

ob er dar '

umbe

(•iitwesfii wolte'',

sterben soitc,

oder swaz'' sin wurdc,

cr truoge so getane burde,

1285 er' nomahte"' nnt nihte verh*izon".

er begie so" gruz unn)aze

nah der frowen niinncP,

dazi er gozwivelte'" ain'* tail an sinem

Duo nam ir diu

sinne.

frowe guot

1200 ein vil" tugcntlichen'' muot,

daz si nie"^ niemen'' sagete^

die not di si von im habete.

under wilen si im drote'",

vil dikes si in vlogote''.

1295 si sprach: 'vreisccnt' iz unser mjige,

des lebens'' werden wir ane,

uud ander' RomaTC.

iz"' wirt in vil swa-re'.

(f.TJjsi heizent" uns lihte stainen'.

1300 si bogunde haize" waincn.

Icilannoh'' ncwolte sih ' dcr lurrc

tler'' rodc niht" bekr-ren.

si .spraeh: 'gcswic' min vil-' guote'',

nu '

tuo

als ih dir ralo.

i;io:, warto'» du tlor zitc,

su dcr wirt ' gcrite"'

unt hie" zo hovc wcrd(; stillo.

ih han zu dir guoten willen.

daz gost("-t ouh" unlang(':

1310 mit" chinde bin ih nu'' bcvantrcn.

sin"= nomac zo discn ziten niht sin''.

vil lieber gcswio'' min,

gib mir guotliche'^ ain« frist,

ih laiste gerne al*> daz dir liep ist'.

1315 Der hcrre gewerte ' si der bete'',

sin gemuote stilte ' da'" ze" stete.

diu frouwe gedahte" maniger liste:

wie si ir ore gefristeP,

wie si dcn wuotgrinimcm

1320 von der rode miilitc brin^cn.

duo si des kindelines* genas

danncn'' si gcburdet*^ was,

dcs gefrowcten'' sih zeware

friunt imde mage.

1325 si vunden im •" den ^ allor- sconisten namon

1272—1279. c) vil gr. 11. d) dine 11. o) lade 1. {) also 5. 6; gar 4; /. '_>. g) bestaii 5; ccfran 4.

h) deiiein 2. i) zu dir n. i.] Ich iielian zit dir 4; v. 1276. 77 In 5. 6: Ich .sol micli an dinen inut |

nicht wenden.

k) deiieinen 2. 11. 1) /. 2; n. a. d.] au dicli nilit 4. m) /. 5. 6. n) mein 1. o) gcsceden 1 ; schenden 4. 5.


106 KAISERCHRONIK. V. 1326—1380. Diein. 42, 3—43, 25.

f. ebdannen'' si ie' gehorten'* sagen:

er wart geheizen Clemens,

sit wart er ze Rome babes;

er ist ain martersere • here,

1330 er* sol uns wegen'' hio'^ an dem libe unt

dort an der sele.

Do diu frouwe kom*^ wider zu ir craft

ixnt si des nahtes^ bi dem chunige gelac'',

alse der hOrre cnslief,

wie hite ins diu frouwe an rief:

1335 *hilf dii mir, herre'', enzit,

e ih posliche

' verliese den lip'.

der'' chunich harte' erscrihte,

er spranc xif in"' algerihte,

er sprach: 'elHu min Avunne,

1340 daz mir din ^ got gunne

w^az ist dir** gescehen?

(f. 8«) gerner verwandelt ih daz"= leben,

e^ dir iemer iht ze laide gescehe.

waz ist daz du in dinem'' troume sehe''?'

1345 Diu frouwe antwurte ims do,

si sprach : 'herre ^, ih enmac niemer werden

fro.

ih hcin s6 ' getaniu dinc gesehen,

ih enmac'' niht lange' leben.

ouh sagen'" ih dir vur war:

1350 unser kint gelebenf» niemer ain jar,

du nehaizes'' si diu buoch leren'.

wol troste ^ si der herre.

'liebe"*' sprach er, 'din troum rege^ dir ze

haile

nus underwint dih der kinde baider

1355 unt^* revar under den ' holden min,

WcX die guoten maister sin,

vertige selbe diniu'^ kint

da die aller wisten' sint.

si tugentent"' also fruo:

1360 ih versihe mih aller eren dar ^ zuo,

si werdent'' uns ze frumechait.

ich enclage


daz er in zarte'» wil haben'',

KAISERCIIKOXIK V. 1381— 1441. Diem. 43, 2G— 45, 19. lo;

der ziuhef-' ailer dicliest den zaeren.

swenner kumet ze deii wizztn'',

daz cr daz*^ erbe sol besizzen,

1385 so nekan er ze mazen

^^ *'^ tuon noii veriazen ',

so vertreit- in sin'' cliinthcit

f. 6«^dike' in gntz arbcit,

unt Ivan •* die sclbc niht fretraKcn.

1390 ja» liurt icli inincii'' vater sagen,

daz der sun und der chnelif^

haben aigciiclie*' ain reht.

swenn er gewiiliset'' ze manne,

daz erbe besizzct ' er danne «.

1395 liat'' er danneS'' wistuom

der' lert in ere unde fruni'*.

miniu cliint muozen werden bedwungen

mit froste joh' mit hunger,

mit note'" unt mit" arbcit

1400 uberwindent si '"^ die

kintheit.

der wistuom cret wol daz riche.

so '' megen

si vruliciie

leben ienier mit cren'.

duo sprachen alle'^ di herren,

1405 daz iz'' ir wille wcre,

nu'" iz im f^

wol

gezemeS.

Duo iz allez gerait'' wart,

diu kint' huoben sih an'' die vart

uf daa mer vil brait.

1410 si chomen in groz^ arbait:

der mastpoum'' wagete'^,

1381— 13S9. a) zart 4; entzart 5; ze arte 15.

dic'' marncre'" vci-zageten.

do knnicn ^ grnite windc,

d.iz Hccf sanc « ze grunde.

mr. da crtranc'' al daz dar an '

daz da'* nihti.s nilit gi-nas

wan di juncln-rren ' baide.

daz"' gap in got ze liaile:

was.

die undcn" .sluogen si an ain stainwant".

14U0 da si ain viskr-rc vant.

dcr' ziili si niit aincni'' nc/.zc uz,

cr vuorte si liaim in sin hus.

diu kint sih bcrictcn,

daz si '^ nicmen'' sageten,

i425wannen'' si komcn wa-ren.

des ' nam si groz halc''',

alse listicliche '' rcdeten si da

(f. s^^jder ain solt haizen Niccta',

der ander solte haizen Aquila.

1430 Duo gevid iz an ain tac:

ain groz market da bl gelae '.

der viskcre nam diu kint bi der hant,

zu'' ainem stcken er si bant,

er^^ bot si da veile.

1435 alle die gemeine''

die in der burc waren

die ilten'' dar gjXhen'",

daz si sis gesaihen.

si wunderte harte '', wanncn .si komcn

wa.'rcn,

1440 odcr M'annen " si wa^ren geborn

daz enmahte niemen lizer'' in revarn.

b) lian 4. c) zuhet 1. (I) tag-en 2. c) d. e.

s. b.] ere solt bejagen 2. fj lazzen^; oder latzen 5. g) virtreget 4; treit 2

i) Oft 2. kl nekan 4. (5?l.

lil die 4. 5. 6.

1390—1399. a) ja h. ich] Ich horte 4. 15. b) min 1. c) chnet 1. d) geliche 15; a. ainj allr

geliche aine 1; allo geliche.s 2. e) gewesset 4; gewahs 2. f) bcsitz 2. g) denne 1. h) Ilete 4.

i) der 1. in] Der lerte in 4; .So gewinnet er 2; De let em 5. k) vniiiK-n 4; riioni 1. 5. 1) nnd 4. 5. C. 15.

m) noten 4. 15. n) /. 1.

1400— 1409. a) si dan 2; sie denne 6. b) s6 m. si] Sie mugent 5. cl/. 15.

nur daz 1. 2; 15 andert 1405. 6 frei um. e) n. i.] Wo is 5; und iz 6. f) in 4

h) berait 2. 5. 6. i) nur noch das k isl leserlich 1. k) uf 15.

1410— 1419. a) groze wie immer 4. b) niaspttJin 1; masbawm 2; maspoum 15.

d) daz izj des 5;

5. g) zame 2.

c) wagetcn (!) 4.

d) V. 1412 in 6; der m. verzagete. e) mernere 4. f) kom 1. g) sancte 2. h) vordrank 5; versanc 15.

i) inne 4. 5. 6 ; vgL v. 1724. k) dfi n. /. 2. 1) jung herren 1 ; jungen herren 6. m) do 6. n) so 1. 5,

vgl. V. 1574; unde 2. 4. 6. o) steine want 4.

1420— 1429. a) Er 5. 6. b) sinem 4; dem 6; a. n.] den netzen 5. e) si daz 15. d) niemanne 4;

nemaude (5?). 6. e) wan 15; Van wanne 5. 6. fj nam .si] namcn sie sich 6. g) helen 4. h) listliche 4.

i) Nyceta 2. 4.

1430—1439. a) lac 2. 5. 6. 15. b) v. 1433 in 2: Er furt siu ane danch. c) v. 1434 in 2: Auf

den marcht vaile. d) meine 5; menie 6. e) helden 5. 6. f) zwarc 15. g) die kint 15. h) sere 4;

f. 2. 15. i) /. 15.

1440. 1441. a) van wanne(n) 5. 6. bi uzer nur 1

vier zeilen, bricht dann ab.

; uz 4 ; van (von) 5. 6 ; ab 2; 15 macht aus v. 1440. 41

14*


108 KAISERCHRONIK V. 1442—1501. Diem. 45, 20—47, 13.

In*^ der selben'' bure was dtf

j quedara raatrona^

der was ir •" einigers sun tot.

u45dannen'' hete ' si niichel clage'' unt not.

der sagete man ze' ra?ere,

daz an deni market vaile wferen

diu ^ller sconisten kindelin

diu in der'" werlte mahten" sin.

1450 si koufte di juncherren*''

durh'' willen*^ ir sunes sele,

si legete** si an wat wizze,

si zoh si mit michelem'' flizze.

f «'• Diu f frouwe handelte diu kindelin

uoosams si ir sune'' solten sin.

'muoter' sprachen si ir zuo,

si trCitte si spate unt fruo

sam si ' si under ir brusten hete getragen.

den einen si sunterliche nam,

14C0 also verre si in beswuor,

unz* si ain'' tail iiz ini ervuor.

si wunscte'^ ir ze kinden,

ir erbes'' hiez si si'' sih underwinden,

als*" noh ders sit ze Chriechen ist.

1465 'muoter, nehein lange frist',

sprachen'' diu wenigen > kindelin,

'neraegen'' wir so fri sin'.

du'" hast selbe wol vernomen:

wir birn " durh diu buoch iiz komen'.

1470 Diu muoter wart vil fro,

si sante si dem herren Zacheo,

(f. s'i) want er " der Zacheus was

den^ unser herre uf dera bourae sprach,

sancte '^ Peter der gotes wigant

1475 het in dar gesant

der'' christenheit ze troste.

da" rihte*" er ain chloster

dems hailigen geiste ze eren.

da waren drizec'' herren,

1480 der bruoder*'' newart nie'' minre noh mere.

da l^rte'^ man diu kinf here.

Do*' di boten niene^ koraen

widers hin ze Rorae

unt diu rauoter lange verwarte,

1485 si rechom '' vil harte.

si ' gestuont dike aine,

si'' begunde haizei wainen,

si clagete vil sere,

si sprach: 'rain'" vil lieber herre,

1490 min leben daz entouc'*,

du'' negebes mir urloup'^.

la mih selbe sehen*',

ob" miniu kint in *" der werlte iender leben'.

der chunic rebalcs sih harte do,

1495 er'^ sprach: 'frowe, wi redestii so?

ih ' han vil manigen man,

die mir wol'' kunnen revaren,

wa' si sint gelendet,

du nesolt dih niht schenden

1500 noh din edel kunne.

ja nehan ih trost* noh wunne

1442—1449. c) kein ahsatz 2. 3, das von hier ab loieder deni A-text folgt. d) /. 2. e) statt burc was

dajqued. matrona hat 1 fortlaufend burc was q. m ; 2. 3 : burc dA|was q. m. f) ein 6. g) eniger 1. h) Dan 5. 6;

Dan abe 4 ; Umb den 2. i) h. si] si h. 4. k) cl. u. /. 2.

1450— 1459. a) junkeren 1. h) v. 1451 /. 4.

1) ze m.] zi^ meren 4 ; zewar 2. m) allir 4. n) mohten alle.

c)/. 3. d) 1. si] let in o 1. — wizze] ; leget an ware wicze 6.

e) michelen 4; / 2. 3. f) kein absatz 2. 3. g) Als 4; So 5. 6. h) chindel 2; eigen 4. i) si si] siez 3.

1460— 1469. a) unze 1. b) ain tail] enteyl 6; ain t. uz im] ouz im in teil 3. c) luWte 1; wflnkcte 4.

d) e. h. si] erbe het (5?) se en 5. G. e) /. 1. 2. 3. 4. (5. 6 vgl. d). f) Alse 2 immer; So 5. 6. g) der

s. ze Chr.] ze chriechen sit 2; en sede tu (in 6) der cristenheit 5. 6. h) v. 1466. 67 umjestellt in 3. i) / 2.

k) nemuge 4. 1) gesin 6; niht sin 4. m) d. h.] Daz hastu 2. n) sin 2 — 6.

1470— 1479. a) er /. 4. 5. 6. b) den u. h. — sprach] so lautet der vers in 4. 5; dem u. h. — zcu

sprach 6. 7; zu dem u. h. — sprach 3; der unseren herren — sprac 1. 2. c) Sentc irnmer 4. d) da der 3.

e) Do 2. f) richete 4; r. er] richme 5. g) dem aus den 1. h) trizec 1.

1480—1489. a) gebrudere 4. b) nicht 4. c) larte stets 4. d) chindel 2. e) kein absatz .3.

f niene k.J niht enchomen 2. 3, so slets fiir niene ; 5. 6 stellen um Do nicht quamen die boten. g) w. hin]

Hin wider 2. h) erquam cs 5. 6. i) v. 1486 in 2: Swenn si gestunt aine. k) und 3. 6. 1) sere 4. 6;

dicke 5. m) /. 3.

1490 — 1499. a) getouch 3. b) v. 1491 m4: Gip mir urloup. c) in urloup 3. d) besehen 2. 5. 6.

e) fiir v. 1493. 94 hat 4: Waz minen kinden si geshen. Ob mine kinder irgen in der werlde k^ben. f) i. d. w.

iender] nindert i. d. w. 3. g) reb. sih] erbalt se 5; bate sie 6; erblaich vil 2; erschrach vil 3. h) v. 1496

in 2: Wi redest du vrawe so. i) ih h. vil] Nu han ich 2. k) /. 5. 6. 1) r. 1498 in 5: Wor se sin

gheelelendet; in 6: wa se hin sint gevarn.

1500. 1501. a) / 1; tr. n. w.] noch tr. noch w. 6; tr. oder w. 5; sein weder tr. noch w. 3,


wan din'' aine.

swaz mir ze laide

an den kinden ist gescehen,

1505 daz muoz also wesen.

gescehe dir dehein "^ nnt,

so wa;re mir geruit'' der tut,

KAISERCHRONIK V. 1502—1550. Dicm. 47, 14—48, 28. 109

zewrire nesolf ih dih ^ niiit habon,

mans miiose niiii in di erdc bcfrraben'.

1510 *Alsu dii, herrc, gebiutest', sprach diu

'su muoz ez'' von rehtc sin.

owc mir wcnigcm'^ wibe!

chunigin",

f. 7" nu'' gedenche*' ih niemer mer' |

(f. 9») mir ist ders lip unmare.

1515 owc Komure ^,

zewiu ' liit ir mih leben?

mir ist so laide gescehen,

zc

libe,

ih nemach*^ ez ' laider"' nu niht langer

vertragen.

hcrre", wan liaizlst du mich in** die erde

1520 si sluoc'"* ze den'' prusten,

den'^ purpur also veste''

den •" zarte si von ainander '.

dazs har mit den haiiden

uz'' der swarte ' si'^ brach,

begraben?'

1525 daz"* wort si' dike dar nah sprach:

'owc daz ich ic in '" dise werlt kint

getruocl'

ir ungeba-rdc" wart genuoc.

Der kunic truriclichc" sprat-h

'frowc, jai' nemac ih din 'i ungcmach

1530 niht langcr so gesehcn,

nu' mir iai


110 KAISERCHRONIK V. 1551—1599. Diem. 48, 29—50, 11.

mit micheln riwen ^

si*= sieh da sciedcn''.

ja gehorte^ nie*^ niemens

alse** grozliche elage':

1555 unt ensolten si ir'* niht haben,

si newolten' si niemer"' verclagen",

(f. 9b) so sprach wip unde man.

si redeten" algemaine,

daz irP tiurer'i nchaine

1560 newurde'' nie ze Rome geborn.

ir tugent begunden si harte'' loben*^.

Diu frouwe huop sih au daz mer.

von Rome^ ain michel her,

baide Avip unde man

1565 scieden alle weinende ^ dan '.

si zugen iif diu segelsail,

si gewunnen grozs unhail:

von des meres fluote

brasf' diu' segelruote.

1570 do'» retranc al'' daz dtt was,

daz da nihtes'^ niht genas

wan*i diu frouwe aine*'.

daz gab ir got ze haile:

die unden f wurfen si an dens sant''.

1575 dannoli ernerte si der hailant.

f. ^b si' Avonete dtt |

uber

naht,

vil dike'' wart si in unmaht.

Des anderen morgenes vil fruo

diu frowe huop sih duo

1580 ze tale an des meres sant.

aine vil guote burc si" vant.

si kom ze ainer armen'' witewen.

der herberge begunde si bitteni.

*^ daz wip sprach **, si gerne behielte,

1585 doh^ si armuote wielte:

si nemaht ir anders nehain frum sin^

duo sprach diu edele kuniginS:

'du hast an dera libe michel'' unchraft.

swaz ih mit den handen verdienen' mac,

1590 odc umbe di lantliute'' erbiten


KAISERCHROXIK V. IGOO— 1655. Difm. 50, 12—51, 33. 111

1600 Deiii wibe diente duo' diu Irowe

rait'' micheln triwen,

zeware'^ .sajren ih iz'' iu:

sani * si wumo ir ai^^en "^


112 KAISERCHROXIK V. 1656—1713. Diem. 51, 34—53, 22.

er bedarf gruzer wizze"',

swer ze Rorae sol" gesizzen"

mitten in dem i' senAte

unt daz beste sol'i raten,

1660 dar=^ zuo berihten manic riche.

sprichet min sun da'' wisliche,

des habet ir groz cre,

so gezimet er*^ iu*^ wol'' ze herren.

Clementem den jungclinch

1665 dar nach elliu miniu dinch

bevilh ^ ich ze iweren genaden'.

dci wart ain michel jamer.

ledannoh s tet der herre

vil manige suoze'' lere.

1670 er nam daz kindelin » bi der hant,

er bevalh'^' in


ainen'' esela?re' varen;

1715 vil'' lute begunde er' im haren.

der esekere wart sia gewur,

er kerte nah im dar,

duo fracte " der eselicre",

"waz im gescehen wivre",

1720 daz er sih so harte" niissehabete.

ain tail erz'' im sagete,

KAISERCHRONIK V. 1714— 17G8. Diein. 53, 23—55, 12. 113

er sprach : 'ih *^ unt auder koufman

wolten ze'* marcte sin gevaren.

daz scef ist" versunken,

1725 dar an^ sint ertrunken

(fio>')alIe& die geverten min.

nii'' sage mir*, ob iender'* hie ' nahe ge-

zware ih dirz" sage:

ez ist an dem vierden tage

buwe'" sin.

1730 daz ih az^* noh'' entranc


114 KAISERCHRONIK V. 1769—1821. Diem. 55, 13—56, 33.

under diu'* cliumen ze^ Jerusalem'" ge-

i77okoufliute von Rome.

man* enpfie si vile scone,

mit michilem flize

in^ aller slahte riche:

wie"^ wol man si erte

1775 swa* si hin® cherten!

do si ze Jerusalem waren,

wie diche si vernamen,

varen,

wie ein kint in ^ die s werlt wsere chomen,

von*» einer magede geborn!

i7sosiniu» grozen wunder

diu'' sagete'^ man^ besunder:

daz er von dem^ wazzer machte den win,

die miselsuhtigen ^ hiez er heii sin,

die plinten hiezs er gesehen'i,

17S5 die toten hiez" er lebeode'' uf sten.

Die' koufliute"" sprachen", sine° wolten

es niemer gelouben,

sineP saehen sin etelicheni teil mit den

ein phnter was duo

ougen.

^ in der stat,

dem unser herre daz ^ lieht wider gap,

1790 den scouweten si da.

durch^ wunder fuoren si ze Bethania,

i79ia [Lazarum^ suochten si da.]

do si den funden,

sa*^ ze den selben*^ stunden

lert er si von der^ gotes^ guote,

1795 er vestente s in "^ ir gemuote,

daz diu koufliut iemer mere

minneten alle goteliche lere.

Duo die richen* koufman

wider'' ze Rome solten varen',

1800 ain gotes trut da* was,

gehaizen was er Barnabas.

sancte Peter der'' bote frone

hiez in varen ze Rome

mit den'^ koufliuten in die stat,

1805 daz"* er da wurde Avuocherhaft

daz haih'ge evangeljum

hiez er in« da*" chunt tuon.

der herre tets durch not

dsLZ^ im sin raaister gebot:

1810 erne'* vorhte nehain werhlich^ wizze,

^*^'^°

^er gedaht in daz'^ gotes riche*^.

Do'' si chomen an*^ daz urvar,

ainS wazzersuhteger wart ir gewar,

er chlaget in'^ sine not,

1815 sine' hant er dar bot:

'wil du gelouben an Crisf^,

der din' urlosaere"! ist

unt ie an anegenge" was,' —

sprach der guote^ sancteP Barnabas —

1820 's6 wirstu^ an dem libe unt an der sele

gesunt^'.

der sieche sprach an der stunt:

1769. k) des 5. 6. 1)/. 1. m) hiertem 1; Irrem 2, Jerusalem sonst.

1770— 1779. a) m. — vilj mane — vile 1. b) v. 1775 /. in 5. 6. c) vil 3. d) swar 2; wor 5. 6.

e) iu 11. f) in — chomen] von einer maid war geborn 2. g) dirr 3. h) v. 1779 in 2: Und wi iz in

di lant war chomen.

1780— 1789. a) siner 11 ; s. g.] siniu grozziu 3. b) /. 3. 4; da 5; do 6. c) saget 1. d) man in 3;

malk 5; mans 6. e) dem w. m. den w.] so 11 (und 1 in v. 1861^; dem av. m. w. 1; w. m. w. 2. 3. 4. 5. 6.

f) miselsuht 1. 2. 3; 11 bricht mit misel ab. g) haizzet 2. 3. h) sehen 2. 6. i) h. er /. 2. 3.

k) lebentich 2. 3. 5. 6. 1) kein absatz 2. m) kofluite 1. n) jahen 2; A setzt hier die zeile ab. o) sine

w. es n.] so 4 ; sine w. ez n. 1 ; si enw. nimmer nichtez 3 ; si woltens niht 2 ; new. des niht 5. 6 ; der genitiv es

ist von dem in niemer enthaltenen niht abhdngig. p) sine — teil] so 1

; si sehen sin ein teil 3 ; Sie insehens

etelich teil 4; Se enseghen itliche t. 5; si sehens ir iclich teil denn 6; nur Si sahens 2. q) etelichin 1, eine.

schreibung, wie sie dieser schreiber bevorzugt, der hauptschreiber fast nie bietet. r) da 2. s) sin 1.

1790— 1799. a) d. w. f.] durich (die stehende form dieses schreibers auf bl. 1 und bl. 8j w. ffirin 1,

b) v. 17913 ist nur in 4 uberliefert; die liicke des archetypus, die wahrscheinlich doch zwei zeilen umfasste, ist

dhnlich bequem auch von B ausgefiiUt: Und vunden Lazarum da. c) San 4; /. 5. 6. d) /. 2. 3. e) des 1. 2.

^) /• ^- o) gevestenet 3; verstund 2. h) /. 2. 4. i) reiche 1. k) w. ze R.] Tu r. w. 5. 1) gan 2.

1800—1809. a) daz 3. b) ein 3;/. 5. 6. c) /. 4. d) d. er] Und 3. e) im 5. f /. )

3.

g) /. 2. h) Tet daz 2.

1810 1819. a) erne v.] er nevnrte 4; er vorchte 2. 5. 6 ; er gevorht 3. b) weriltlich 1. c) diu 3;

die 4; /. 2. d) rich 1. e) Da ohne absatz 2. f) a. d. u.] in dat overvar 5. 6. g) v. 1813 in 5. 6: Eines

watersuchteghen w. her ghewar. h) im 3. 5. 6. i) s. h.] siner h. 1; sin hende 3. k) got 1. 1) der 5.

m) nrloser 1; erloser 2; yrloser 4; irloser 5. 6; verldser 3. n) end ist und 2. o) gfit 1. p) sanctus 4.

1820. 1821. a) w. — ges.] wirdis dfi gesunt 4. b) wol g. 5. 6. ^l


'daz


116 KAISERCHRONIK V. 1873—1928. Diem. 58, 18—60, 6.

daz ins diu rede wart'^ hugesam*,

uf stuont er da,'^ zestunt,

1S75 er tet in den gotes sun kunt.

er^ sprach: 'wol ir Romsere,

reehennef" iweren seepfaire,

lat disiu" bosiu getroc",

petet an ainen warenP got,

1880 der iuch von der helle erloset ^ hat.

lat iuch an minen rat:

ich chunde'' iu den ewigen lip.

vil churz*^ ist daz^ zit

da wir hie inne^ scinen.

1883 ja muoz diu sele von dem libe

iedoch ze jungest^ scaiden'.

im der Romsere ainerS:

f. sc duo antwurt |

'dii dunchest mich ain wiser man.

chanst dii mir rehte gesagen,

1890 war umbe der^ houscriche

springe^ uf unt nider diche''

unt iewederhalp veteche*^ hat,

unt iedoch^ an sehs painen stat^;

unt der helphants daz vermserte** tiere'

isgohabef^ sich uf mit vieren.

(f.iit^^der bedorfte der vederen' michels"" baz'.

duo sprach der guote" sancte Barnabas:

'unser herre Jhesus Cristus

sant" uns niht uzP

i90odurch^ vogel noch durch^ vihe.

sunter'' daz wir den


er gab im s;i' zcstunt

1930 sine triwe an sine liant,

KAISERCHROXIK V. 1929—1985. Diem. 60, 7—61, 20. 117

er clionie^ nuch im in daz lant.

Dannen'» sciet duo Barnabas.

zeware'^ sagen"* ich iu daz:

Clcmens luzzel'' wil erbcite^,

1935 wans als er sich bereite.

er vuor touf^enliclien '' dannen

von allen' sinen manncn.

er chom ad"* Ccsarcam'.

(fii")do ertrouwet sich der hailige nian,

lu-io der guote sancte Barnabas,

der da" vor ze'' Ronie mif^ ime was.

als in** sancte Barnabas an« sach,

sin gebete er ze*^ hiniele sprach:

'owol du got ammirabilis!''!

1945 wie'' wunderlich dii bist

in allen dinen werchcn!

ruoch disen nian ze sterchen

ze dinem lobc unt ze dincn eren'.

f. 8


118 KAISERCHRONIK V. 1986—2039. Diem. 61, 30—63, 16.

diine'' zelosest mir die rede.

ich bin gerne in diner ' phlege'.

Duo'^ antwurt im sus'

der haihge apostokis:

1990 'gotwaiz, jungelinch,

dii vorderst* grozziu'' dinch.

diu"^ rede isf^ niht der tumben.

nu ^ flege ^ wir got dar umbe,

daz er iins ettewie« erofFen die sache,

i995zewiu'' er den menniskeu' habe'' gescaffen,

wie' getanen lon diu sele enphahe"',

s6 " si sceidet von •> dem lichnamen*.

er sprach: 'Clemens, lieber friunt min,

nuP nehi dir daz niht lait sin:

2000 eine wile soltu fur daz gadem treten,

wir geturren» noch mif' dir niht gebeten'^'.

hin ze himele er sach *',

ze^ sinen jungeren er sprach:

'bruoder min vil ^ lieben,

2005 nu schul wir gots flegen''.

der jungelinch ist von Rome geboren,

er ist durch gruzziu dinc her komen'.

f. ga er'^ ist nahen' deme | gelouben.

gesihef" er dehaine" tougen,

2010 s6 wirt er got^ gehorsam'.

da waren sehse'' unt drizec man.

Sancte^ Peter viel drie venje

mit ander der menige'',

bi daz^ er sin^ gebet volo sprach,

2oi5ainen engel'' er gesah ',

gesendet'' von himele

in mennisken' pilede"'.

Petrum unt Clementen

die zuht" er von den anderen,

2020 daz si ir niene " sahen,

noh enwessen w^ar si chomen'' w^riren.

An ^ dem ^ selben zit

ze Getssemani^ versciet ain wip,

gehaizen was^" si RacheleS.

2025 die ^ tievel namen ir sele.

^^^^''^si heten sih gesament' dar

mit ainer so'* michelen scar,

die mennisken^ niemer gezeln"' nemahten",

noch" niemensP sin betrahten",

2030 wie vil der tievel waren

die die sele nctmen.

si fuorten si da* zestunt

in der^ tiefen helle grunt,

ir wicliet si sungen

2035 sam da ain burc ist gewunnen.

Dannen scieden


2040 in der selben wile er versciet,

diu sele ist ieraer gote liep.

KAISERCHRONIK V. 2040—2103. Diem. 63, 17—65, 13. 119

die engele komen dar engegene*

»it vil grozer'' menige.

die sole nrmien si inrihte

2045 ze^^ der herren gesihte"*,

mit lobe unt mit sange*

vuorten'^ si si dannen^.

die^ himel' sahen si offen stun.

der engel sprach zu dem jungen man:

2050 'Clemens, lieber^ friunt niin,

hie solt dii iemer'* c\viclichen


120 KAISERCHRONIK V. 2104—2161. Diem. 65, 14—67, 4.

daz di liute waenent" daz si leben.

siosalte^ ronen haizets er beren''.

swenner wil, s6 > ist er '' ain kindelin,

swenner aver^ wil, so mag er alt sin.

sin vater haizet Antonius,

ze Getsoemani'" hiez" sin hiis,

2uodiu=» muoter haizet'' Eachele*^; f

diu hat ez in'^ geleret*^.

(f.i2


daz


122 KAISERCHRONIK V. 2214—2271. Diem. 68, 25—70, 17.

daz er daz'' swert uz sendet",

2215 daz liAstii ze fride gewendet''.

diu zwei wort gehellent' niht zesaraene.

nu rede du" da engegene"

swaz so" du ^vellest,

ob du ihti* kunnest'.

OO20 Duo" antwurte ira sus

der heilige apostolus^':

^du*= hSst diu buoeh unrehte vernoraen,

din wistuom hat dih da'^ betrogen:

daz werltliche*' swert wil du gehaben,

2225 daz dera libe ^ mag geseaden,

unt wil daz versAvigen,

daz da gehoret^ ze dera ewigen libe''.

ih zeige dir gescriben da bi:

"beati pacifici":

2230 wie saelichliche ^ si'' lebent

die*^ fride machent unde berent*',

wande si gehaizen® sint

des lebendigen^ gottes kint'.

Duo sprach Symon:

2235 'ihs hjin daz'' wort wol vernomen.

zeware sagen ih dir, Peter:

daz* ist Avider dinen raaister.

nu'' du ruogest den raaister din,

s6 wil ' du uber in sin.

2240 ja sprichet din maister daz^:

''wirt der junger'' sam der maister was,

da mit sol *= is in genuogen".

(f.i3')du wil dih uber dinen maister'' uoben.

nu sprich, ob die zwo rede

2245 iemen ze ^^ ainer bringen raege'.

Duo sprach der botf raine:

^die rede wil ih dir bazs underscaiden''.

unser herre der heilant

hcit sine jungere' in die werlt gesant

2250 ze toufen^ unt ze leren,

die heiden'' ze becheren.

in swelhez*^ hxls wir gen,

da sulen'' wir fride in^ geben.

ist iemen'' dar inne,

2255 der got vurhte s unt minne,

dem ist der'' gotes fride gekundet,

mit' dem hailigen gaiste enzundet''.

von' diu werdent'" gesceiden

f. lo^ der sweher von dem eidem,

22G0 der vater von sinem^ sune,

diu'' swiger von ir'^ snure,

bruoder'* von dera*' bruoder,

tohter*^ von der muoter'.

Duos sprach Symon:

2265 'Peter, din maister newas'' niht volkomen*.

er enhete niht volle'' sinne;

ih refse' in in'" manigen dingen.

ich" enwil sin niht haben"

ze ainem waremP wissagen.

2270 swer daz wip sceidet von dem* man,

daz'' ist unrehte getan.

2214—2219. h) /. 2. i) schaidet 2. k) geiuainet 2. 1) g. n. z.] gehorent nieht zesemmen 3;

enhellent (enthellent 6; enholt 7) nicht tusammen 5. 6. 7; sint (Hbergeschrieben) iuhellin nicht in ein 4. m) /. 3.

n) ieghen immer 5; iutgein 4. o) so nur 4; vgl. v. 2325. p)

i. k.] mich des vellis 4.

2220—2229. a) keln ahsatz 3. b) 2 schaltet ein Ich sag dir zewavo. c) v. 2222 in 4: Dir ist daz

buch unrechte inzogen. d) gar 3. e) wertliche 1. f) lob 3. g) horit 4. 5. h) leben 3.

2230—2239. a) seliehlichen 3 ; seiliche 5 ; selig 6 ; salich 2. b) / 5. c) Di da 2. d) gebent 3. 4.

e) geheizent 4; gehizent 1. f) d aus t corrlgiert 1 ; lebenden 4. g) v. 2235 in 3: ein w. han ich v. h) d. w.]

daz worte 1 ; din wort 4 ; an den (dinen 6) worten 5, 6. i) Iz 2 ; Daz daz 6. k) /. 3. 1) wil du uber in] dieae

lesart aus 5 (ober im.) 6. (7) ist die einzig mdgliche; die andern hss. haben wil ih uber in (dich 4; /. 3) sin 1. 2. 3. 4.

2240— 2249. a) da ich iz las 4. b) jungere /as< immer 4. c) sol is in g.] sol sez in g. 5; sol

i. g. 1. 6; sal is im g. 4; sol in sein g. 2; sol in Avenugen 3. d) /. 4. e) ze ainer] zft ein ander 3 ; zesamme 2.

f ) /• 2. g) /. 2. h) bescheine 4. i) so 1, vgl. v. 3031; junger 2, 3; jungern 4. 5. 6. 7.

2250—2259. a) t. u. ze 1.] toufene (toufFen 2) unt leren 2. 4. b) heidenen ^neist 4. c) sw. h.]

swelh h. 2. 3 ; swilich h. so 4. d) sulen — geben] sull wir inn geben vride 2 ; sol vride inne insten 4.

e) inn 3. f) iemen dan 4; neman 5. 6. g) v. u. m.] f. oder m. 2. 3 ; vorht& unt minnet 1. h) /• 4.

i) Und mit 2. k) enkundet 1; ist er enzundet 3. 1) von diu] Van di 5; van die 6; von dannen (dann 2)

1. 2. 3; danuin 4. m) wirt 4.

2260—2269. a) sinem sune] so 5. 6; dem sinen sunnc 1; dem sfine (sun 2. 3) 2. 3. 4; cs stand wahr

scheinlich sinem iiher unterpungierten dem. b) diu sw.] Der (Dem 5) swagher 5. 6. c) der 2. 6. d) Dii

swester 2. e) den 4. f) Die t. 4. g) v. 2264 in 4: Sus autwfirte im Symon. h) ist vom correcior 3

ine was 4. ij vollen comen immer 4. k) vol 5; wol 6; vollir 4. 1) reffes 4; straf 2; greift' 3. m) ii

m. d.] so 1. 5. 6; an manigen dingen 3; an manigeme (manigen 2) dinge 2. 4. n) ich e. sin] Ouch in wil ich sin 4

o) gehaben 1. p) warem mir in 1, die andern waren.

2270. 2271. a) den 4. b) daz ist corrigiert ilber der hat 1.


, d)

KAISERCHHONIK V. 2272—2328. Diem. 70, 18 — 72, 8. 123

waz mac nian dar


124 KAISEKCHRONIK V. 2329—2388. Diem. 72, 9—74, 4.

(f.isj) Duo"' sprach der goukel?ere":

233o'Peter^, ih wil hiute hie bewferen,

daz mauic got si,

unt spriche'' da bi:

si siut aineui got'^ uudertAn,

des'' du dih niht maht verstrm:

2335 er ist von dir unrekanf.

er ist got uber si*" alle samts,

er ist aller'» gotte herre,

den' wil ich dich leren,

er ist unkunt den goten allen.

2340 nu antwurte^, ob^' dir gevalle'.

Duo sprach der bote maere:

'diu rede ist gewisse*^ seltsrene.

sage mir*', wannen dii den got erkennest®,

den du uns •"

2345 der uber aHe gote s si,

unt"^ sage uns' da bi:

wie Avil du bewseren

ainen got s6'^ mseren?

s6 unkunden vor nennest «^,

hast du in von hebreisker' scrifte'"?

2350 ode von der orthaben crefte^?

ode von scrifte'' der'^ Chriechen''?

ode von welher"^ slahte buochen?

ode kundent in^ uns die wissagen?

odeg megen'' wir dehaine gewisheit von

im haben,

2355 daz er als6 ' lange frist

g)

alle'' dise werlt verswiget' ist?'

Duo sprach Symon:

'Peter, war"* ist din Avistuom" komen?

2329. in) keiri absatz 3. n) zauberare 2.

nu enkanst" du nihtP mere.

2360 ih wil dih wol leren

du vindest ouh gescriben^ stan,

daz di ^ gote sprachen : "machen


iz" ist allez iii" siner gewalt,

239oniemen" nimot ez uz siner hant.

Moyses prophrta''

scrihef^ von im da:

"deus dcorum,

dominus'^ domiuoruui,

2395 dft bist herre unt '^ warer got,

KAISERCHRONIK V. 2389—2444. Diem. 74. .0—7.'), 27, 125

allez daz der"" ist daz crvullet» din ge])0t''.

David prophr-ta''

ruolit' in an sa:

*'herre got, dii bist wundcrlich,

2400 dir" euAvart nie niht gelich.

in dinen gnaden stat''

allez*^ daz«* ieraer^ wirt*^ ode ie*'' wart.

dil bist ain Avarer'' got,

daz* andcr ist allcz'' ain getroc'".

2405 Duo sprach aver'" der ware" gotcs trut:

'Symon, wi getorstes" du ie Averden lutP,

daz dehain got Avfcre

wan 1 in Israhele?

dcr engcl * sprach, er wolte got sin,

2410 des* erbalc sih min trehtin:

(f.u'')von'' diu muoz er rait'' sere

die helle buwen iemcr'' raere.

daz der'' slange gesprach f,

waistil wiezs got an ira rach?

2415 von diu muoz'' er ilf' der erde''

an' den brusten cresen'" iemer mere.

got hicz voM nihte werden die engele,

daz" si in loben unt erkenncn.

den menniskcn scuof" er von der erde'''

2420 da niuoz er aver" zuo werden.

der engel'' ist bewcgilich «^.

«ler menniske'' ist totlich.

nu sprich, waz mac gote gclih .sinV

antwurtC" dil dcr rede min'.

-'420 Duo sprach Symon:

'Pcter, du newaistf wic (l;iz k(»m.

ih waiz iz» micheles'' i^az,

want ili i\:\ mit was,

(hiz' du mcnni.skc pist

2430 unt dih (h.-r* hiiuclc underwindist^

ja


126 KAISERCHRONIK V. 2445—2498. Diem. 75, 28—77, 16.

2445 daz in die werlt kunftic "\vas ',

Sv^mon, wan'' sagest dii' mir daz?

wie"' suln" "vvir dinem ° got'' dienen?

nu erchennefi in " niemen.

f. io


duo'' sprach Synion:

2500 ^vie sol iz* unibe di sele clionien,

(f.u


128 KAISERCHRONIK V. 2549—2594. Diem. 79, 2—80, 16.

die' liute da mit triegen'".

2550 dii^ sprichest, dii wellest fliegen:

daz^ euhaizet den plinden niht*= gesehen^,

den toten niht uf sten,

der*^ miselsuhtige newirt daf niht ge-

vor gote bistu verteilet'.

2555 Duo spraeh Syraon :

reinet s

'Peter, -svar ist nu'* din fride komen?

von' dinem fride nemahf' e niemen ge-

wil ' du

nesen.

ni\ vehtaere'" wesen?

du" hebest" dih engegen mir soP groze.

2560 ih waene ^, du dih ^ mir wil genozen.

du bist ze*^ Avortspiehe.

nu'' wa3re dii ain^ arm*" vischsere'.

Duo antwurte ira sus

der hailige apostolus

2565 'nu vvel dir uz der menige

dero wisisten'' zweleve'.

gen'* Avir haim' in din hus,

nim"" dinen toten her"^ uz,

ain kint ungemailigot",

2570 da^ du mit hast gezouberot'',

daz hastu under dinem


2595 si wurden alle vil fro,

got lobeten si dO,

al'' daz in der stete' was:

KAISERCIIRONIK V. 2595—2652. Diem. 80, 17— 82, 9. 129

si"* sprachen allc 'dco ' gracias'.

Nii saget uns diu scritt'" da:

2600 in dem mere was ain insula;

Arantum^ liaizet'' diu stat,

dil diu frouwe almuosenes "^ pat,

von Rome'' diu edclc kunigin''.

da waren sule ' glcsins,

2605dannen'' sagete raan michel wundcr.

die jungere ' wunscetcn allc"* bisunder,

daz si die sfde nuioscn ' sehen '^,

si baten in" urloup dar" geben.

duo sprach der heilige man

2610 'ih wil sclbe mit=' iu dar'' varen*='.

Die herren wurden^ vil fro,

ze sceffe" giengcn*^ si do.

dos si daz werk ersahen,

ih waiz, si** alle jahen,

2G15 daz si nie gessehen

nehain • werc so spajhe ^

von mcnnisken hant:

iz wnere ' wol msere ubcr clliu lant.

die jungerc'" bcgunden scoweu";

2620 sancte Peter kerte'' in ainen'' winkel

uzerhalp der menige

suocht er sine venie,

er viel an sin'^ bariu knie.

geschrift 3.

tougen

ein frowe dar zuo im gie,

2625 si sprach : 'hcrre, durh dine guote

wartc zu'' miner note,

die'' ih vil armc ^ han.

si redent alle, du sist ain guot*


130 KAISERCHRONIK V. 2653—2709. Diem. 82, 10—83, 33.

gebuozests du mir dehaine min*' not,

daz vergiltet' dir'' der gewaltige' got'.

2655 Duo sprach der heilige man:

'nu"' solt du billiehe helfe" han,

nii dii an dem libe bist verscertet",

ichP newize dirz niht hartei.

woltes dii mir verjehen'',

*> 2660 wannen iz dir si'' gescehen,

wi ob ih dir ettelichen'^ rat getuon**,

der^ dir guot ist der^ zuo'.

'Tuos, herre, gehalten*' di rede din!

mir nemac nieraen ' frum"^ sin.

2665 owi, duo mir aller erist ubele gescach ',

daz ih mih selben niht erstach"',

noh mih" niht ertrancte" enzit,

eP ih sus verkoltei den'' lip,

daz daz^ arme gebeine geruowet ' waere!

2670 ih waine ie^ wibe s6 laide** gescsehe'.

Duo antwurte ir sus

der hailige apostolus:

'vrowe, nu enthabe din •= muot.

(f. if)d)di'' gedanche sint" ze nihte guot.

2675 swer im selbenf tuot den tot,

der hat ders mit erarnot,

daz diu arme sele

brinnet'' in der helle iemer mere'.

'owi', sprach si, 'lieber herre,

2680 wan ^ solte min sele

in der helle brinnen?

maht'' ih da mit wider*= gewinnen*^,

daz ih ze ainnaal" gesaihe '^ miniu

diu s6 lange von mir sint,

kint,

2685 daz ih ir gebaine solte s begraben,

dar umbe ih'^ den lip verkolt' han'.

Duo*' troste si wol der herre,

er sprach: 'frouwe, nui neclage dii"' niht

allez wainen ist verboten

2690 von dem almehtigen^ gote,

wan'' die sunde aine:

die'^ zeher die"^ sint raine.

erofFen ^ mir die ^ sache,

sere".

di dir daz laits habent*' gemachet,

2G95 daz dir' an dem libe si missescehen.

din'' kunne solt du mir^ vur legen.

ich wil dir guot sin.

geloubestii"' an" minen trehtin,

der° dih gescaffen hat,

2700 s6 wirt din noh guot * rat'.

f. uddaz I

'mines kunnes', sprach^ si, 'herre, nu*^ swige.

ich

angeste* an dem libe

als6^ lange reliten han,

des wil ich dir ain tail sagen:

v!705 Min vater unt min muoter

heten ^ kunne guotez s.

si waren genuoc riche,

si zugen mih mit flize.

si gaben mih einem edelen*' man,

2653—2659. g) puzzest 3; V. 2653 in 5. 6: Butestu mich rainen (meine 6) not. t) /• 2. i) ver-

ghelde 5. 6. (7); verg. — gevv.] mac dir virgelden 4. k) dir wol 3. 1) d. gew.] waltund 2. m) n. s. d.] '

Du solt 3. n) hulfe immer 5. 6. o) so 1. 2. 4; vorscartet 5; vorscanct 6; beschortet vovi corrector 3.

p) i. n. d.] Nu enweizz ich dir 2; nu verweizz ich dirs 3. q) ze hart 3. r) virgehen 4.

2660—2669. a) Wann 2. 6; wan 5. b) war 2. 3. c) ettielichen 1. d) getS 4; tS 5. 6. i

e) Die 4. f) dar 2. 3. 4. 5. 6. g) T. h. g.] Nu herre gehalt 2 ; du herre behalt 6. h) in 1 folgt sprac

daz wip. i) niht 2. k) fr. s.] dhin fr. gesin 3. 1) gesach 1. m) enstach 5. n) ich m. 3.

o) endrenkte 5. p) e ich] esh 1. q) virquelte 4 5. 6; cholt 3. r) dem 1. s) d. a.] nur daz 3; nur

mein 2. t) gerwet 2 ; gerurt 3.

2670-2679. a) nie 2. b) ubel 2. 3. c) dinen 2. 3. 4. 5. 6. d) Dine 2. (3). e) insint 4. (5?).

f) selbeme 4; selbe 5; selber 3. 6. g) dar 4. (5?); da 2. 3 ; do 6. h) br. i. d. h.] In d. h. priut (ist 3) 2. 3.

2680—2689. a) Wenne 5; w. s. m.] Und solt di mein 2. b) Solt 2. c) /. 2. d) bringen 6.

e) ze ainmal] tu einemal 5; zft einen male 4. 6 ; ze einem mal 3 ; /. 2. f) seghe 5. 6. g)

s. b.] wegr.

solt (:) 3. h) ih — vercholt] wold ich d. 1. verlorn 2. i) verk51t 1 ; v. h.] virqualt haben 4 ; verquelef

(vorquelt 6) habe 5. 6; nur vercholt (:) 3. k) v. 2687 in 2: Wol trost sei d. h. 1) /. 2. m) /. 2. 4. 5. 6.

n) so sere 5 ; zcu sere 6 ; mere 2. 3.

2690—2699. a) almahtigem 2. 3. b) Wenne 5; v. 2691 in 3: Wan alein dein sund. c) v. 2691 fj

/. 4. d) /. 6; di s. r.] sint rein un gut 3. e) v. 2693 in 5: Offenbare mich dine sake. f) dine (5). 6

g) wainen 2.

chunn f. 1.

h) so 1. 3; haben 5; hant 2; habe 6; hat 4. i) die (!) 4.

1) m. v. 1.] mir vorjehen 6; nicht vorjen 5. m) Lobestu 5.

k) v. 2696 in 2: Du solt mir dii

n) /. 1. o) dir 1. '

2700—2709. a) wol 5. 6. b) spr. si /. 4. c) n. sw.] des geswige 1. 2; si geswig 3. d) ange.'

(angist) 2. 4. 5. 6; /. 3. e) So 5. 6. f) Di heten 2. g) ghflter (rotes r\) 5. h) edel 2.


KAISERCHRONIK V. 2710—2771. Diem. 84, 1—85, 28. 131

«710 bi dera ich zwene* sune ensamt*' gewan.

ainen bruoder habete


132 KAISERCHRONIK V. 2772—2828. Diem. 85, 29—87, 19.

disem^ wunder niht^ mac gelichen'.

duo'" sprach der hailige man:

'nu solt du ze scefFe gan.

2775 ile du vov^, liebe,

ich kom'' nah' dir sciere'.

Der** gotes pote here

vnicte di frowen raere:

'wie hiezen • diniu kint,

27S0 diu so lange von* dir sint?'

diu** frouwe sagete iz im*= ungerne.

ain wile betrouc si den herren,

si sprach: 'ainer hiez^ Sisinnius*',

der ander Eliosdros^'.

2785 'owi !' sprach der hailige man,

'ih wande«, daz wir froude solten han.

ain^> jungelinc ist von Rome her' komen'',

von dera han ich vernoraen,

wi sine bruoder ^ vuoren ze scuole,

2790 wi» diu'' muoter nah*= fuore,

wie si ane** meii entran.

ze jungest bewegete^ sih der man,

duo si lange waren in wege^

ders kint'' sagete mir' selbe di rede,

2795 den'' si' liezen haime.

ienoh'" hiute" sint si gescaiden",

daz si niemer merP wurden vunden'.

daz wip wart under stunden

rot sam "J daz •" pluot,

2800 si* enzunte'' sam daz fiur tuot;

unter stunden*= wart si blaich,

2772—2779.

i) n. d.] dir vil 2.

der lip ir gar entwaich^.

duo segente si der hailige man,

(f.iG')er* hiez si wol ^"

gesunt

uf stan.

2805 Alse diu frouwes daz'' verstuont,

daz • si an •^ dem libe was gesunt,

si viel im ze vuozen '

'herre', sprach si, *daz ih den" kint sehen

muoze "!

erP ist w^serlichi der sun min',

2810 'nu kunde du^ mir e''', sprach er*=, 'den

namen sin'.

'Clemens''', sprach si^, 'lieber herre,

ih sage ^ dirz s ungerne —

min'' jungester sun hiez',

den ih ze Rome liez'.

2815 'nu gehabe dih wol"^', spi'ach er, 'liebe,

den ' zeige ih dir sciere'.

er nam diC" frowen bi der hant,

er wiste si da si Clementem vant.

Clemens"^ sah sin^* maister

2820 die fromven zuo ^ laiten.

f. i2b diu I

er enphie iz vur spot'',

er sprach: 'maister*^, waz ist diz'', durh

frowe

got?'^

zuo dem chinde gie,

mit den*' armen si in '^ umbevie,

2825 Clemens von ir wancte s,

nehainer mimie er ir gehancte'',

er betrahte' si'* ze unsinne',

er wolt ir gerne entrinnen.

d) d w.] Disen wimdern 2. e) sieh niht 4. f) ahsatz 3.

k) hein absatz 4. 1) haizzen 2 ; heizen 5. 6. (hetten 7).

.2780—2789. a) vor 3. b) d. fr.] Si 2. 3. c) /. 2. 4.

Sysinnius 2. f) Elyosdroz 3; Elyodros 2; Helyosdros 4. g) wen 3.

nach 2788 in 4 ist durch zeichen a b a^n rande reguliert. i) /. 2,

bietet. 1) brudere 4.

2790—2799. a) Und wie 2. 3. b) sein 2. c) na in 5.

g) vor 1. h) cfime 4.

d) haizt 2. 3. e) Sisinius 5. 6;

h) die falsche stellung von vers 2787

k) kom 1, so il/ter fur com wie 4

d) a. m.] tzx^ einem male 5. 6.

e) wewach 3. f) hin wegk 6; under wegen 3. g) so 1; Daz 2. 3. 4. 5. 6; aber vergl. note k. h) /. 2.

i) m. s.] mich selben 5; selbe /. 4. k) Daz 2, alle andern den. 1) sie da 4. m) dennoch 6; noeh 3. 5;

Un noch 4. n) /. 2. o) seheiden (am anfang einer seitej 3. p) /. 6. q) alsam 5. 6. r) ein

2. 4; /3.

2800— 2809. a) Sich 2. b) so nach intzunte 4 7ind enzcuntte 6; untsunte 5; enzunt sich 3; er zunte 1;

erzunt 2. c) weiln 3. d) ghewech 5; gesweich 3. e) und h. 3. f) /. 2. g) frouwe A&z fehlt 4.

h) dez 3. i) d. si] so daz 3. k) a. d. libe / 2. 1) fuzze 2. m) spr. si / 2. 5. n) daz 2. 3. 4;

de 5; die 6. o) moste 5. 6. p) Ez 4. q) werliche 4; werlichen 5.

2810—2819. a)/ 4. 5. b) e /. 5. 6. c) spr. er / 2. 4. 5. 6. d) v. 2811 in 1. 2: O^d liber

herre. e) / 6. f) sagte 6. g) driz 1. h) m.jungester] so 1. 2. 3; Min derjungiste 4; M. jungere 5. 6.

i) Clemens hiez 1. 2 (vergl. note dj. k) wol spr. er 1.] wol vil liebe 5. 6. 1) den — dir] ich zeig dir in 3.

m) die fr.] diu frowe 1. n) kein absatz 1. o) sin nur 1; die andern sincn.

2820—2829. a) im zcu 6. b) ein spot 5. 6. c) / 2. d) dizze 1 ; daz 2. e) /. 2. 3. 6.

f) den 2;/ 1. 5. g) von ir wancte] sich (5?) von ir wante 5. 6. h) hancte 2; ne hancte 5; bekante 6, 7,

i) pracht 3; gedachte 6. k) si ze u.] si (-\- were 5) unsinne 5. 6. 1) unsinneu 2. 3. 4.


KAISERCHRONIK V. 2829—2894. Diem. 87, 20—89, 20. 133

Duo spracli der hailege nian:

2830 'sun, dii solt si liop han:

si ist din edeliu"' niuoter jL^uot,

diu'' dieh ze dirre'^ werlte «j^etruoC*',

der junchurre wart duo'' balt,

ir*" wunne wart duo'" nianicvalt,

2835 die si habeten^ under in.

daz vuoctc woi min trehtin.

ouh half sin'' wol sin ' maister,

der guote"^ sante Pcter.

duo iz di purgiiere vernuinen,

2840 si iltcn alle''' dar** gahcn,

si wurden alle vil^^ fro,

got lobeten si do.

Duo sprach diu guote'*

sante Clementis'' muoter:

2845 'owol '

du,

licbcr? maister min,

maiitcz mit dinen hulden sin '',

(f.ic.i)nu iii hinncn '

sol varcn,

ich wolte * gerne urloup hrin '

zu ainem guoten "' wibc,

2850 diu lange sieh* ist ^» an dem libe.

ir'^ dinc ir notliehen'' stat.

hai^ wi wol si ze ^ mir getan hat!'

Duo sprach der heiliges man:

'wir suln ir gerne kunde han,

2855 c wir sceiden hinnen '',

haiz ' si uns vur bringen'.

alse man dic frouwen vur truoc '',

duo' sprach der frone"" botc guot":

^geloubcst dil an got den guoten

2.9r,o mit herzen unt mit muoteV'

duo sprach diu frouwe:

'wie gerne ih an" in geloube !'

'geloubcstu, daz'' sin sun Christ

unser'- urhjjsjcr "^ istV

2865 'daz' geloub ih", sprach ^ si, 'gerne'

duo segente si der hrrre.

er huop nf sineB hant:

do bescetwut'' si dcr hailant,

diu frowe wart gesunt.

2870 er hiez ir gebcn " goldes zehcn jtlnnii,

er bevalh'' si aincm'^ guoten man.

duo'' wurden'^ gote gchorsam

alle di da wAren,

unt ^ si diu gnizen zaichenK sahcii ''.

2875 Dannen '

scict der hailii^c inan.

dio frouwcn hicz er mit im'* varen.

Nicetfi imt sin pruoder Acjuila

di ' komen iin"' gcgen da.

do si die frouwen resahen",

2880 si bcgunden under in frAgen ",

wer diu frowe wa;re

di si unkunde '• saL'hen.

dcr hailigc apostolus

di rede huob*^ cr alsus'':

2885 'ih wil iu sagen, wizze Christ,

wer diu selbc frowe ist,

unt wie ir'' dinc ist*" komenC:

si'' ist von Rome geborn,

f. i2'zeware sagen ih iu daz,

2890 des pesten" chunnes dcs'' da was.

u' inunt gaben si ainem man,

bi dem si zwcnc*^ sune insamf' gcwan.

ain pruoder habcte ^* der ^ herre,

der muote di frouwen scre.

2830—2839. a) /. 2. b) du l. cl der 2. 3. 6. d) truch 5. c) so 3. f) v. 2834 /« 2:

[r vrcud manichvalt. g) heten 2. li) is 4; ez 3. i) der 2. k) herr 3.

2840—2849. a) drat 3. b) d. g.] zu im chomen (: vernomen) 2; dar zcu cliomen (: vernomcni 0. (7).

c) /. 3. d) vil g. 5. 6. e) Clemens 6; Cleraenten 2. 3,

i) Iiinnen sol] so 5. 6; hin sol 1. 2. 3; sol hinnen 4. k) wolt 1.

2850—2859. a) sih 1; slecht 4; sich gewcsen 2. b) ir 3.

i) Ei 5; ey 6. f) an 5. g-) heilicge 1. h) von hinno 2. 6.

k) getruch 2. I) v. 2858/. 6. mi/. 5. n) g^te 1.

2860—2869. a) an in /. 2; in /. 6. b) d. s. s.] an sinen sun 2. 3.

ll irlosir 4; verloser 3. e) Des 5. f) sbrach 1; spr. si /. 5. 6. g)

f) Wol 2. g) liebe 4. h) gesln 6.

I) haben 2, 3. 0. m) gTitrm 4.

c) 3 stent 2851. 52 um. d) notichlichen 3.

i) V. 2856 in 2: Nu h. sei uns pringen.

sin 1

c) Daz der u. 2; dcr u. 3.

h) beschewete 4 ; segnet 3 ;

:hreftiget 2,

2870— 2879. a) geben goldes] goldes geben 2. 3. 5. 6. b) enpbalch immer 3. c) ainim 1.

1) V. 2872 m 5. 6: Do vrowete got den horsam. e) w. si 2. f) unt — grozen] wan si grozz 3. g) zeaichen 1.

ii) irsahen 4. i) Von dannon 6; lcein absat:: 4, k) /. 2. I) di k.] cngiengen 3. m) im gegen] so 1.5;

n gegen in (spdter zugefiigt) 4; im (in 3) engegen 2. 3. 6. n) sahen 2.

2880—2889. a) to vraghen 5. b) unkundic 4. c) erhube 6. d) sus 2. e) ir ir 4. i) f. 4.

i) kom 4; wechomen 3; komen: si ist /. 1. h) si — Rome] Van Rom ist si 2.

2890— 2894. a) bestes 4. b) daz 2. 4. 6. c) zewene 1. d) mit samt 3;/. 4; gewau entsampt 6.

so 1. 3. 5; hate 4; hatte /as< stels 6; het /«»< slels 2. i) die (!) 3; ir 6.


134 KAISERCHRONIK V. 2895—2946. Diem. 89,21-91,4.

2895unkuske« gert er da*' ze ir,

s6 si selbe' sagete mir.

daz was der frouwen lait,

dannen"* kom si in arbait.

dem kunige si sagete,

2900 daz" si troum'' erselien


al' des der ist,

KAISERCHRONIK V. 2947—3003. Diem. 91, 5-92, 27. 135

diu erde'" diner" barmunge" ervullet ist'.

er sprach zuo den kinden:

2950 'gruozet* ivver gesinden''!

Clemens ist iwer pruoder,

diu'^ frouwe isf iwer muoter.

hie nieget ir° wol verstun •"

gote hat iz'' durch wundcr get.iu,

29r.5 daz manz '

wol

scriben mach

unz an den jungisten tach'.

Die gebruoder"* zesamen giengen:

f i^Jhai' wi si ainander"" |

in got iVoutenn si sih du,

enphicngen!

2900 si spruchen 'gloria tibi * deo'.

diu muoter diu'' was muode.

jii wolten si die pruoder

vor


136 KAISERCHRONIK V. 3004—3058. Diem. 92, 28—94, 15.

daz alter kerte® sili in^ die jugents.

3005 nehaines mennisken zunge

nemahte'' iu' die*' micheli wunne

niemer vur bi*ingen,

gesagen"" noh gesingen,

die si under in habeten,

3010 der muoter si duo" sageten,

Avaz in ze laide geschahe'',

wie si versunken waren,

wie*^ si ze ainem steken^^ gebunden waren,

wie si ainem goukeUxre

soi5W0pren aller^ erist zuo komen:

wie siu der hete*^ betrogen,

unzs siu der w^re prophete''

dannen' erloset hete^;

(f.i7d)wie'' si got erkanten'.

3020 mit lif erhaben^ hanten^

lobten si ir


swer im wil dienen,

3060 im versmahet" niemen,

arm ^* unde riclie:

(f.is^jer'^ enpha'het siu alle geliehe'.

KAI.SKRrilllOXIK V. 3050—3110. Diom. 94. 16—90,2. 137

Duo'' .spracli dor altman'':

Tcter'", ain rede wolt" ih ^a-rne'' init dir

liaii.

8065 hetet ir undcr iu werrcn dchaineu',

dcs wolt ih iuh'' vil ' wol

hcscaidcn.

ih pin ain wol gclt-rli-r '" iiian,

in manigen" guoten" li.sten ihi' mich ver-

hete aver ih dehaiii werrcn,

3070 nu hort iii" vil gerne,

stan'i:

wie du mih des bescaiden woltest,

want duz von rehte tuon soltest,

ob dir min rede wa^^re liep.

nist** aver des niet*^:

3075 isf' dir min rede*' lait,

s6 gan ^ ih widers^' an min arbait

unt rede'' mit dir nilit mere.

ih vurhte aver, daz '

iz dih'^ geriwe vil'

sere'.

Duo sprach der hailige nian

8080 'unser urloup " solt du han.

hast du iht gchuret^ oder gesehen'^,

daz dicli tunke'' von dem wege%

dar umbe refse ^ uns alle,

swie sos dir ffevalle.

3085 rodes du iht dcs'' nu/.ze ist,

f.i3'wie I

willekomen

'

ist ' i/, joh'" iiiht nuzze,

du

uns'' jiist!

dannoli skonen wir diiur wiz/.e

und huln din" guote friunt" hin.

joouhabe' uns rehte'' Ham die' nnn*^


138 KAISERCHRONIK V. 3111—3162. Diem. 96, 3—97, 22.

Clemens*' sprach do:

•ja sprichet*^ der herre Plato:

''swaz von gote'' ist ensprungen,

des" ist selten zerunnen".

susvater*', getorst? ih dih fragen,

wa din heiraode'' Avare',

oder wannen'' du warest' geborn.

du hast din alter her wol rezogen"'.

Duo" sprach der altman:

3120 'waz sol^ ich dir^ von'^ miner haimode

sagen?

oder von dehainer miner*' geburte?

miner* rede soH man es antwurten'',

werde uns hernach» diu stunde,

s6 sagen'' ainander ze ' kunde'.

3125 Der"' gotes bote frone

antwurt im" scone:

'wir suln dih wol" enphahen,

gencP her naher.

du bist ini guoten wizzen,

3130 zuo^ mir solt dii sizzen.

du bist ain wol gelert'' man'; —

alsus*^ vie er die rede an —

'swer die warhait leret,

braitet unde meret,

3135 und wuochert der mennisken sele,

der luhtet iemer mere

sam der skime'' des'' sunnen.

er hat*^ got gewuocherts iinde gewunnen,

daz er untotliche*^

siiowonet^ iemer in dem^ gotes riche;

f. |

des wir urkunde


KAISERCHRONIK V. 3163—3216. Diem. 97, 23—99, 10. 139

swaz s6 dir gevalle:

man antwurtet dir gerne danne'.

31G5 'Poter, ih s|jriclie'^,

daz nehain got die werlt rihte''

noh sie niht^ antraite,

unt daz der' uppik« urbaite,

der in der werlt ihtes gere'',

3170 wan* also inie diu wilsadde gebe.

in swelher wile dc-r nienniske wirt sc-

Ijorn'',

diu


140 KAISERCHRONIK V. 3217—3273. Diem. 99, 11— 101, 1.

den dritten zoch gewis

Plato und Aristotilis.

nu Avel du ' dir liz den '" allen

3220 swaz » s6 dir gevalle '',

dar dih din sin'= laite,

hie"* vindest dii uns geraite^.

des '"

suln s die horare ^ jehen,

ob wir dir' iht'^ geantwurten' megen.

3225 wir nedurfen sin"' nehain" laster haben


KAISERCHRONIK V. 3274—3320. Diem. 101, L> — 102. 21, 141

'sun, du bisf' raaisterlichen vur*" gevarn.

3275 al.so lanf^e so ili lebe

so ^ gehort ih nie bezzer rede

von dehainem jungelingeK;

du phlegest'' guoter sinne.

(f.i9')der' ainvalt'' ih niht versten ' kan,

3280 von der wilsa-lde wil • ih rede han'.

'Wil'' du von der wilsielde rede han', —

sprach»^ der junge man —

'diu rede ist underskaiden,

die muoz wir in'' diiu tailen

3285 weder si ie'" wiL-re,

ode*^ si habe schepfaere,

ode' wic si sie gescaffen.

vater'', daz kan ih dir' wol geoffcn'*'.

Duo spraeh der aitnian:

3290 'sun, die rede la fur »

!

gan

Duo'* sprach der junge man:

'ih wil dir wArlichen'^ sagen:

diu werlt hat ain'' orthaben —

der zweier wil'' ih unze ' gedagens —

3295 von dem si anegenge hat,

in des beruochunge > si stat.

er ist schepfffire ' der tugende'*,

alle' dinc megende*",

er ist vater aller guote,

3300 er hat in ^ siner huote

3274—3279. d) bist m.] hast meisterliehe 4. 5. 6. 7.

f) s6 geh.] Sone gehorte 4; so enhort 6. g) jungelinde 1.

k) einvalde 4. 1) verstan 2. .3.

aP' daz in tlirre'= wurlt ist.

nii antwurte, ob du wellist'.

Duo spraeh der altt-'':

*die rede niaht du ain" wol gehalten'.

3305 heto diu werlt schepfjereB,

unde weste'' ih', wer er wu;re,

so woit ih noh'' zu im komen.

din • rede ist unvernomen,

daz si schcpfa-rc! habe.

33iovurwar" ih dir'' sage:

ih enlazc'^ mih des'' niemen'' ubi-rredcn,

swaz dem ' ujcnnisccn koK' ges(;hehen,

er nemach sili'' cs niit nihte ' bewarcn'':

daz '

wil ili'" bcw.iTcn" unde bcliabcn.

3315 ih verstcn an iiiir selbem" s») manigiu''

diu unrohtc geordenet sint,

dinch,

diu niemer niiihten geschehen'',

scolte'" schepfa-re wesen.

solte mih schephaire* bewaren,

3820 waz mahte^ mir danne'' gescaden?

mih enmach'^ behuoten

(f.i9')diu'' ubel noh*" diu'' guote,

wan also diu wilsaelde wil.

liute ^ ervallent sih vil,

3325 ertrinkent" unde werdent'' erslagen;

f. ii''der dinge mjiht icli dii- menigiu' sagen**,

e) vur gevarn] vort gcvaren 5. 6. 7 ; fur gan 2.

h) so 1. 4; phli-jest 2. 3. (5?). G. i) daz .3.

3280—3289. a) wil — v. 3281 wilsaelde ist durch iibersprlngen des auges ausgefaUen In 1. b) absatz 2;

V. 3281 fehlt 6; (auch in 7 vericirrung). c) So spr. 2; also spr. 3. d) in driuj so 4. 5. 6. 7; entriwon 1 ;

e entriwen 3; mit triwen 2. e) e 2 /. ;

3. f) ode immer nur 1; die iibrigen oder. "^ f- ~- ^) ''• 3288

in 2: Daz wil ich dir offen. i) die 1. kj geoffenen 4; offen (2j. 5. 6.

3290—3299. a) f. g.] vort gan 5. 6. b) hein absatz 2. 3. c) werliche 4. d) einln u-le immcr 4.

e) w. ih] ich wil 2. f) uns 5. 6. 7 (7 bescheyden). g) wedagen 3. h) brukunge 5. (7); bruchunge 6.

i) scliiepfaerc 1. k) jugende 2. 1) so 1. 2. 4; elliu 3; aller 5. 6. m) so 1. 2. 4; niegen 3; niogcnde 5. 6.

3300—3309. a) an 5. 6. b) al dazj Alles daz 2. (5?). 6. c) der 3. 5. 6. d) ait 1; alt man 3.

e) ain wol] so 1. 2; eine wol 4; wol ein 3. 6; wol eine 5. f) halden 5. 7; bohalten 3. 6. g) schjtjpf.cro 1 ;

scheffere immer i. h) wesse 4. i) ich nicht 3. k) /. 2. l) Diu 2; di 3; d. r. ist] din rede is noch 5;

dine rede sint 6.

3310— 3319. a) uurwar von spdter hand in furwar gedndert in 1. b) dir daz 4. c) liez 6. d) /. 2.

e) nimmer 4. f) den 4. g) mak 2. h) sih es m. n.j sih des m. n. 5; is sich m. n. 4; sich sin niht 2;

sich mit nichtiu sein 3; nur des m. n. 6. i) niht 1. k) obergehen 5; 6 schiebt nach v. 3313 ein: ez muz

ym widervareu. 1) v. 3314 in 3: und benamen daz wil ich bewem, m) ich iu 2. n) 2 bringt nach bewaren.

Und auch behaben. Als ich iu wil sagen. o) selben 4; selber 3. 5. 6; selb 2. p) mageu 1; manige 4;

manigiu 3; menigiu 2; manche (5?). 6. q) sin 2. r) sc. sch.] so 1. 5; Solt ein sch. 2. 3; solden sch. 6;

Ob scheffere solde 4. s) der sch. 2 ; ein sch. 3.

3320 3326. a) /. 1; ergdnzt aus mohte (moht, meht) der iihrigen hss. b) denne 1. c) nymant

mag 6. d) Daz — daz 4; de — de 5 ; der — der 6. e) joh 1. f) lutte 1; Iftte 4; 1. erv. sih] Sich

ervallent laut 2, g) Sie irtr. 4; erdnicket 5. 6, h) /. 6. i) vil 2. 5. 6. k) gesagen 2. 3.


142 KAISERCHRONIK V. 3327—3374. Diem. 102, 22—104, 1.

ob din ' rede war '" wsere,

diu" der niemer^ gesch»henP;

wande*' sO verhanete sin"" der orthabe*

niet'.

3330 wil du iht reden, daz ist mir liep'.

Duo sprach Nicet^:

'daz* bewa^re ih nii'' sfi.

ist daz ih vor


KAISERCHRONIK V. 3375—3429. Diem. 104, L>— lOo. 22. 14^

3375 nu»'' sprichestu, iz sul*" sin;

dcr rede niiiv.

f. |

nu antwurt ouli ' du

Duo'* sprac-h der altherre

'sun, dii hast' scone"' lC-re.

din" rede ist genuoch suoze",

3380 doh si hie" ze mir luzzel buoze.

si nemac dir nehain frum sin'':

14'- ih gevalske'^ gar die rede

ja hort ih dih'' jehen 0,

daz elliu " disc werlt ^ ste

3385 under aim e orthaben.

kint, nil solt du mir sagen,

din.

ob din'' orthabe' ist reht unde guot:

daz dehain menniske dem andcrn iht

daz solt"' er" bewarn,

ubeles'' getuot',

3390 daz iemen" den andern mUhte'' erslahen,

noh an nihte'^ mjihte*' misseschehen*'.

waz*^ guotes mahte« ih von ime jehen''?

wa/, orthaben ist er dennc',

so er die'^ ubele muoz verhengen?

3305 het ih under mir ainen chneht,

der mir dienestes wsere gereht ',

swaz ih in tuon hiezze,

wi"* getorst" er daz verhlzzen"?

du sagest. redespahe,

3400 diu" werlt hab ain scephare:

hat er die werlt gescaffen^,

8u solf^ er'' si ouli'" iiiachen'',

daz diu liute' wa-ren gelichK,

alle'' obcnrich*.

3405 etelicher hat armuot,

so ist der' ubcl'', 8o igt der guot;

ir' icgelich"' ziuhet" «in" lip

(f.st^alsoi' im diu wilaielde'» git.

du newellest aiii ander rede lian,

3410 diu wil.sa'ld(! mac noh" wol ganz bestAn^'.

Duo sprach Nic»*ta:

*daz


144 KAISERCHRONIK V. 3430—3481. Diem. 105, 23— 107, 6.

3430 den" behaltet er in siner mitewist,

der wirt den engelen gelich'*,

frowef^ sih iemer'' eweclich^.

ain** ander dar*^ engegene

flizet sihs aver'' der ubele,

3435 wi er unchusclichen ' gelebe'',

wi er ubermuote' gephlege'",

wie" er den reslahe,

wi er dem beneme sine habe,

wie^ er denP verrate,

3440 frowet ^ sih ubelta^te i',

uobef^ ze allen'' stunden

houbcthafte® sunde.

wir haben under uns ware wissagen,

die •" kiken muozens wir ouh haben;

3445under den haiden'' sint rehte' philosophi,

f. i^ddie luken'' |

sint

ouh da bi;

under die'' waren gotes boten

sint' trugenare komen,

under die gotes ler;ere

3450 die kiken ^ trugensere.

(f.20b)in der toufe here

sint'' gelihsnare *=.

ainer'' wil die luge'^ behabenf,

der ander wil ans der warhaite bestan''.

3455^11 tuo' dii, vater, sam'' ain wise ' man,

der di underschidunge"' avoI" kunne verstan:

wel" dir daz pesteP tail,

gewin dir wider din hail,

ile an den rehten wek,

346omache^ dir bruke'* unde stek:

s6 nahet'' dir'' daz« gotes riche.

da'' frowest du dih iemer ewechliche.

der rede wil ih zes dir urloup han'.

vil scone neic er'' dem altman'-.

3465 Aquiht dar'^ vur gie,

die rede er alsus ' an vie

r^^vater*"', sprach er, 'newajr" iz dir niht

swa^re,

ih berihte" dih derP wilsselde'.

Duo sprach der akherre:

3470 'ih pin gevarn verre,

so^ mir nie'' nehain man

nihf^ bezzers der'' von kunde gesagen,

wan also " ih an den buochen'' gelesen han,

daz diu wilsselde ies muoz ergan.

3475 mahf' aver du mit dinen' sinnen

mih in'' aine ' bezzer rede bringen,

unt"' ist daz ih die warhait" erkenne,

s6 volge ih dir denne°'.

'VaterP', sprach'i er, 'du soU min rede

rehte'" vernemen.

3480 daz 3 ist dikke an'' der erde geschehen,

daz zwene riche kunige

3430-3439. a) den beh. er] den behalte (behalt 3) er 1. 3; de (der 6) behalt er 5. 6; den beheldet er 4;

Er behaltet in 2 ; walu-scheinllch stand im archetypus behalt lole vergilt v. 2302 und daraus wurde bald ein conjunctiv

gefolgert, hald d!e deutUche form des indicativs hergestellt. b) so alle. c) Und fr. 2. 4. d) so 3. 4. 5. 6;

/. 1. 2. e) ainer 1. f) da 2. g) /. 3. h) /. 2. i) unkusch'che 4. (2. 3); untzuchtichliche(n) 5. (6).

k) lebe 2. 3. 5, 6. 1) ubermfites 4. 6. m) phlege 2. 3. 5. 6. nl v. 3437. 38 fehlen 2. o) uuir 1.

p) aine sein hab 2.

3440—3449. a) Und vr. 2. 4. b) ubler tJite 3. 5. 6; siner ubeltate 2. c) Und fib. 2. 4. di a. st.]

aller stunde 2. e) Die hoibithaften 4; hauphaftig 3; houbphaftig 6. f) Ifigene 4. 5. 6 (hei Massmann itn

text); liegenten 2. g) muze 4. 5. 6 wie immer. h) heidenen 4. i) /. 2. 4. k) den 5; /. 2. 6.

\) Sint ouch 4; Nu sint 2.

3450—3459. a) I. tr.] liigen trugenere 4; higene troghenere 5. 6; Ifig trugenare 2. b) sint ouch 3.

c) geHchesere 4; glizenere 5. 6. d) Ein 4; ein der (de 5) 5. 6. e) lugene 4. 5. 6; warheit 2. f) haii

2. 5. 6. g)

a. d. w.] pi der lug 2. h) besten 4. i) t. d. v.] tu v. 4; du v. tu 6. k) als 2. 6.

1) wiser 3. 5. 6. m) underschiedung 2; underscheidunge 4. 5. 6. n) /. 2. 4. o) gewel 3; irwele 5. 6.

p)

pest 1.

3460—3469. a) v. 3460 In 2: Gewin dir purg und stet. b) brucken 4. 5. 6. c) nahent 2. 3;

nalet 5. d) /. 2. 4. e) /. 6. f) da ~ iemer] So wirtest du dich 2. g) ze dir url.] url. ze dir 3.

h) er dem] im der 2. i) alten man 3. 4. 5. 6. k) da 2 ; immer 4. 1) also 2; sust 3. m) v. 3467 in 2

Vater und ware. Dir diu red niht sware. n) new. iz dir] en weret de 5; wer dir 6. o) verrilit 2

p) wol der 5. 6.

3470-^3479. a) Daz 2. b) nie nehain] ni ein 5. 6; nichein 4. c) /. 2, 4. d) der von] da vo

2, 3. 5. 6; / 4; d. v. kunde] chund da von 3. e) als 2. 4. 5. f) /. 4. g) immer 5. 6; /. 2. h) Mach 4

m. a. dii] machtu aver 5. 6. i) disen 2. k) an 2. 3. 1) aine b. r.] ein bezzer 5 (?); ein bessers 6; bezzers :

m) /. 2. n) wahait 1; mid red setzt zu 2. o) gerne 1. p) ahsatz in 1. q) spr. er /. 2. r) /. 2

3480. 3481. a) Daz 1; ez 3. b) a. d. erde] auf erd 2.

(


lebeten


146 KAISERCHRONTK V. 3529—3577. Diem. 108, 18 — 110, 1.

wil* du dar nah arbaiten,

3530 ienoh ^ hiute vindestii sie ^ geraite.

zewctre sagen ih dir daz

hetestii ain^ tail geflizzen'i baz,

so wfere dir*^ astronomia'" in kunde».

dvi spriehest ouh'', daz alt' und junge

3535 ze aim'* volcwige sin' komen'".

nu hi zehenzech'* tusent den^ lip habenP

(f.20'')swelher ie da tot lac,

verlorn

daz was sin'i wile'^ und sin tac;

er nemahtes * niht uber * werden,

3540 swelhes todes er solt^ ersterben''.

er retrinke'^ oder werde reslagen,

diu wile'' muoz^ in dar tragen,

also iz •" dar inne geste.

daz maisterent allezs septem planetl,

3545 die'' die himele rihtent •

und"* die ^ wile tihtenf",

und" ir iegelih bisunder

walzet" allurabeP

unde muozi ir zit durh gan''.

3550 da nekanst dvt mir niht von gesagen.

in den puochen pin ih gezogen:

zewar^ diu wilsselde muoz ie'^ dem mennisken

komen,

swaz im der


KAISERCHRONIK V. 3578—3637. Diem. lli), 2—111, 28. 147

iind elliu'" sin gcscaft liic" nidere"

vurlitet unt cret:

S580unde" die er'' sclbe denne^ hat gclcrct,

unt in eroffenet liat sine tougen,

dem sculn'' wir nier'" gloubcn

ir lere sculn'' wir vesten' uudc tragcn,

von der wilsicldc wii ili noli rcde« liaben.

3585dannen'' du crst ' begundcst

rcden,

dannen wil ih dir gerne'' ain endc geben.

Vater', wil du niir sagen

mac ain wip zwuo'" burdc" insaint"

iiastui' daz iender gelcscn?

tragen ?

3590 mac'' si zwaicr kinde insamt genesen?'

Duo'' sjirach der alte nian:

'siben burdc ''

mac

si '' tragen

da* vur ncniac si niiit komen,

oder uns liabent dai ^ buoch gelogen'.

3595 DcrJ? junge sprach dn:

'der rede pin ih fro,

daz dii mir selbe gihest'',

daz diu warhait da' ist-

so denne'^ daz wip

8600 gct imze an ir''' zit,

so gewinnet si zwai kindelin,

iz'' pruder'^ oder swester sin''.

der aine wirt ain guot man,

deni'' liute liep unt lobesam,

3605 der' ander wirt ain scacli»re odcr? ain''

diep

daz enist doh ' der wilc'^ scult niet'.

der durli niaintut"' wirt erhangen,

daz ist durh .sin ubcl crgangen

su wirt dcr andcr" kuskc" unt raiiie.

3610 vater, wic" wil dii nu crtailcn,

f. 15' der I

d;iz daz von der wile'' si komen,

und doch iii


148 KAISERCHRONIK V. 3638—3696. Diem. 111, 29— 113, 21.

'o\Yi vater, wi wol ih dir'' gunde,

woldes dii die ' ainvalde gehaben *",

3640 unde'» gelouptesf' an ain waren wissagen:

wile unde stunde

walzent


KAISERCHRONIK V. 3G97— 37o3. Dicm. 113, 22— li:.. 11. 149

din oppfer'^ bra-lit- dw iii ir hils:

wergot'', '.vie scliiede du dar' uz?

tAten si dir iht genAden'*?

STOugetar^ ih dili des gefragen''?'

'Ettewenne*^', sprach der altman'',

'hant si ubel ze inir getan,

ettewenne'' wol,

alsO ^ iz ie denne koni.

3705 uns gebiutet unser T',

daz wir opfern *>'

Lune

beidiu'' ol unde win '

dar unibe wil si uns di naht vor sm.

f.aH^ad temphim ^Martis,

3710 der ist ain grozer got vil gewis,

dem opfern wir skihe^ unt swert,

gr«*>zer oren ist cr wert'':

swen er wil bewaren,

dem nemac menniske •^ niemer gescaden.

3715 Mercurius der ma-re

der ist ain got seltsane'':

er wil, daz in die chaufliute®

vor andern goten triuten '^.

Jovi dem herren

3720 dem gezimf groz*" ere:

deni oppfern wir zeware

mit bogen unt mit stralen ^.


hTef' er sinen zorn vur* g'in>

niht lemtiges'^ mac da vor bestanS. —

3725 Veneri der frowen.

3697—3699. f) offir 4; opher imvier 9.

2rgot 2. i) daij 4. k) gnaden 4. 9.

der'' Mihi wir alhr' eren wol getruwen.

der oppfern wir pluoinen unt vingerliii;

in ir hulden wil ih gerne sin.

unser dinch vcrre an ir gnaden'' stat:

:i7;io.si gebiutet uns uinbe" dic hirat. —

'•'»;'" SaturiiM doni wihh-ii

oppfern ^* wir init' Uochsilber''.

alle gote nemegcii uiis niht bcwaren,

wil*" er aine uns scadeii.

3735 der ht^rro wil, daz iiiif mit golde

opfern sine holdcn«.

dar umbe git cr uns'' suiiimii'

und maniger slalite wuiiik.-. —

dcr ander'* got. C.

g) oj)pheren immcr 4.

3710—3719. a) sk. u.] skilt unde 9. b) wol wert 2. c) mennisck 9; der menniske 4; kcin mensche 6;

lein rainsche 5; niem 2. d) seltsame 2. e) chauflute : triHtcn 1; kannute : tniten 9; kouflfito ; trftten 4;

lie schreihung wechselt in 1 bestandig zwischen iu, u, fi.

3720— 3729. a) (herrenn unterpungiert) zimit 4; ziniet 5. 0. b) g. e.j grozzere 1. c) .strale 2. 4.

i) lat 9. 4. e) v. g.] vorgan 4. f) lebentiges 9. 2. 5. 6; lebendcs 4. g) pestan 1.9. h i /". 4.

) /. 9 ; a. eren wol /. 2. k) genaden 9.

3730—3739. a) u. die] umbe den 4; umme 5; ymmer 6. b) Dem o|)phere 4. c) daz 4 ; /. 2. 5. 6.

i) die bairische form in allen hss.: chohsilber 9; Chochsilber 2; koksilber 4; kocsilbere 5; kogsilber 6. e) v. .3734

n 2: Und vnl er uns ain schaden. f) man ym 6; me im 5. g) hulde (5?). 6. h) /. 4. i) sunn'; 2.

il anderen 4. 5. 6.

3740—3749. a) n. n.] niht nennen 2. 5. 6. b) enphangen 9; intphangen imvier 4. c) v. 3742 in 2:

[r tngent moht in eim jar niht gesan. d) ainimc 9; einemc 4. e) Dicz 2. 6; dit 5; Daz 4. f) so 1. 9. 4;

iz 5. 6; Aus 2. g) /. 2. h) berede b. 6. i) /. 2. k) zestunden 1. 2. 1) wunderlicheu 2. 4. 5. 6.

m) invirbe.stu 5. 6. n) da 2. 4. 5. 6. o) vnr dine gote (= .^695)] vcir dine gote 1; vor dinem gote 9; vor

iinen goten 2. p) giengd : vield 2.

3750—3753. a) sie 6; se 5. b) Des 2. c) dih d. g.] d. g. dich 9. d) «o 4. 5. 6; gewaren 1;

iaraus bewarn 9; bewaren 2. e) schaden 2 viit anWinung an v. 3713. 14 und v. 3733. 34.


150 KAISERCHKONIK Y. 3754—3802. Diem. 115, 12—116,28.

oder di ^ gote triegen fe'.

3755 muotest'' dii ihtes' daz'' in,

daz niuoz widcr di ' wilsselde sin:

wil dii aver die wilsailde gehaben'",

so rauostu die gote" lazen varn,

in iewederen" taile bistu betrogen:

3760 nu neraaht du newederhalp» volkomen'^'.

Do'^ geswiget'' der altherre,

erne" antwurte ira niht mere,

vor'" zorne wolt er danes gan:

do'' behabet ' in sante Peter der hailige

man

3765 er spraeh : 'nu seone diner wizze.

ain*^ wile scoltu sizzen',

nehabC" nehain ungebsere:

ih verende dir umbe die wilsselde'.

Duo" sprach der alte man:

3770 'der^ rede*^ wolt ih gern'^ ain ende han.

doh'' enmac*^ ih niht^ fro sin

rair hat geswichen der sin min,

daz ih sol sin uberwunden

von ainem kindes sus'* tumben>.

3775 ih'^ enmege mih des erhaln ',

ih enwil mih niemer mer"i wol gehaben'.

Duo sprach sancte Pcter der heilige

man:

'ih wil dir wserlichen" saeen:

swer sich an die wils^elde verl^t".

3780 daz im dikke ^ missegat,

und wil'' dirz hie zestete*^ bewteren',

sprach der bote msere*'.

'Liebe*=, nu * tuo alsos ih dih lere:

f. ic''vvel'' dir der aller' besten maistere'*

zwene,

3785 die' nu sin" in° allemJ' riche,

und nira den ainen^ tougenliche

in*" dine** geswashait*,

und sprich, dir si" s6 groz herzelait^'

in der wile geschehen,

3790 daz du gerne verwandeltest^ din'' leben,

dir*= si der'' lip unrasere.

frage in, ob iz der wile scult wsere:

du " welles sin ^ gerne da s ze im ain ende

haben.

so haizef' er im sin' buoch vur'* tragen,

3795 er zaiget dir' vil manigen wunderlicheu"

^^^^^^

sternen»,

und machet dirP einen vil grOzzen werren.

er laitet'1 dir den sternen hin und'" her,

sin* houbet daz weget er,

er sprichet', daz diu wile wsere

3800 in ^ s6 gr6zzen unsselden,

daz si menniske ^ nieraer mahte getragen


KAISERCHRONIK V. 3803—3848. Diem. 1 IG, 2il- 1 18, 8. 151

Liebe'^, nu ist dajc getrm:

nii" la'' den sinen ' wec

3805 sa"* bihanden

gan!

so'" fragc aver" deu audcru

mit frolichem antluzze":

sprich, dir waere diu sclbc'' wilc soi nuzzc,

dir gescadic'" in " dirrc wcrlte nie so liebe.

5810 so haizzet er iiu vil skicrc

sin" buoh dar briugen,

so zciget er dir'' dar inne


152 KAISERCHRONIK V. 3849—3898. Diem. 118, 9—119, 25.

die'" kurn ih" tagelichen" zoch:

S850 Petei-j geloubest dii^ an di wilsaelde noch?'

diu kint erhorten daz,

daz der herre ir vater was,

si wolten sih im'^ erofFenef^ haben'':

daz verbot in der heilige man;

3855 er hiez si wesen stille,

unz iz wurde sin Aville.

Duo spracli der hailige mau:

'nii sage mir dines*^jungisten'^ sunesnamen!'

duo sprach der altherre:

3860 'den ' sage ih dir vil gerne.

want in der werlt nie'' nehain man

lieber*^ kint im^ gewan,

also lange*" iz diu wile dolte'",

daz ih si haben scoltes.

3865 der eltiste'* hiez Faustinus,

der dar> nah hiez Faustus,

Clomens min jungister'' sun ' hiez,

dem ih allez'" min erbe liez'.

Duo" antwurte im sus

3870 der heilige apostolus:

'nu ob daz so*' mach komen,

daz ih dir'' zeige dine*^ ekonen^

mit dinen


KAISERCHRONIK V. 3801)— 3958. Diem. 119, 26—121, •_'!. 153

den*' herren den si " armen* saehen*,

3900 wie groz-'' rihta-r er du'* ze Rouie wa?re.

er erofFente'^ elliu siniu dine

umbe vvip und umbe'* kint,

.er sagete von*' allen ir iinten,

die si erliten heten.

8905 Duo sprach der hailige a})ostolus

'hie ist*" Faustinus unde Faustus!'

diu kint hiez er dars vur gan.

do erblaichete'' der alte man,

er begunde nider sigen,

8910 des lebenes" gezwivelen'',

des "^ atmen im zeran.

duo segent in der hailige man,

er hiez in gesunf uf rihten,

er kora wider ze sinen chreften.

8915 e was er verwandelot,

daz in^ genuoge wanden tut,

sin lip was im swa-re,

sam •"

er in ainem swaeren s troume laege.

alsu im sancte Pcter zuo sprach,

8920 wie froliche'' er allenthalben'' sin sach

an wibe unde an kinden*=

und an andern^ den gesindon!

zesamene si duo giengen,


154 KAISERCHRONIK V. 3959—4019. Diem. 121, 22—123, 16.

Duo sprach der heilige man:

3960 wie wol ih dir sin ^ gan

^^'*guoten friunt alten

sol ^ man wol behalten •'.

nii var daz din got phlege

und enkere niender'' uz^ dem wege,

3965 sunder dii dih versinnest ^ unde verstast,

waz du an gegangen'' h^st'.

Also der altherre'^ dar kom,

wol' enphieneh'' in Symon,

er w^nde allez zewaro;

3970 daz iz* Corneljus ware.

er bat in zuo im sizzen,

er verwandelot'' im sin antluzze''.

Duo si duo*^ geredeten^

aldaz f si wohen,

3975 der gaukelasre urloupi nara,

fro schiet der herre dan.

also was er betrogen.

du'' er haim • under die sine'' kom,

unde er ' an sine stat gesaz,

39S0 also er da vor gewon was,

diu frowe in an sach,

vil^ zornlichen'' si im


4020 er wiset |

in

KAISERCHRONIK V. 4020—4074. Dicm. 123, 17—125, 6. 155

an sin alt^ gesidele '',

''^ er^^ gab in der frowen Li der liant.

duo lobeten** den hailant

alle die da waren*,

wande si diu gruzen zaiclien saben.

4025 Faustinjanuni ^ und sin wip

di& dubte duo'' niicbci zit,

daz si ir niaistcr ladctcn,

von ' dem si liabeten

froude unde cre.

4030 si baten den bcrrcn,

daz er vuore ze Jiome.

der gotes» bote frone,

er'' gewerte si du:

des wurden si allesamt'^ vil'' fro.

4035 si vuoren ze Rorae in die stat,

allez sin erbe er im gap*,

si lebeten gaistlicbe,

Claudius'" ricbte» daz riche.

Sj^mon '' der koukela^re wart des

gewar ^.

4040 vil scliiere buob er sib nab " in dar,

er gehaimlichte •* sib dera kunige.

iz ergie*^ in sit baiden^^ ubele.

Sancte Pctcr buop die gotes lere:

daz*' zurnde^ der kaiser» scre''.

4045 vil manigen er gclcrte',

daz er sicb'* ze gote kerte;

die toten hicz cr uf sten,

die miselsuht' ab gt-n.

die da lagcn an der'" vergihte,

4050 niit' gewalt cr si uf rihtc»,

die'' liute wurdcn sancte Prteres gcwar:

(f.23')al.so verrc .so sin .scate'" bar**,

dic wurdcn alle an der*" stunt

von allcm f

ir siechtunmK ^r,.gunt.

4055 Symon dcr gotcs widerwartc,

sanctc Pctern'' muot cr' dikke'' harte.

den h(*Mren cr dikkc an louc',

dcn kunic er ofto bctrouc,

er flouch"' ingegon dcm himcle,

4060 er verwandcltc" sin j)ilcdc

unt lie daz den'' kunic schcn.

daz


156 KAISERCHRONIK V. 4075—4117. Diem. 125, 7— 126, 15.

4075gevolget also verre. (f.24a)wie den ehuonen TrojanaerenS wsere,

in war*^ an im ouh mere: duo siu die Chriechen kolten^

er beluiorte in diu wip. mit fiure unt mit swerten.

si rieten im*^ an den lip. swelher' uz dem fiure entran,

Daz ^ riche het er vur war 4100 den hiez er vur die hunde slahen.

408orehte driuzehen jar Duo'» flizte sih der kunic Nere'',

und ehte manode" mere: waz er mer unt mere*>

f.i7c mit aiter'' vergaben |

si

dem herren. ubeles gefrumete*^,

daz man^ iemer*' von im sagete^.

Daz*^ buoch kundet uns mere*^: 4105 Aines ' tages izS gescach —

daz riche besaz duo Nere'*; vil'' manic furste' vor im saz'' —

4085 der^ was der aller^ wirstes man er hiez' in allen gahen,

der'' von muoter in* dise werlt ie bekom''. sine muoter vor in allen'" vahen,

Rome* hiez er ze ainen stunden er hiez ir den puch uf sniden":

zwelfen"* enden zunden": 4110 er^ sprah, er wolte sehen an zwivel*',

daz duht in ain scone" spil. wier in ir wambe*^ l^ge,

4090 er hiez riter wMen^ vil, daz w^ren seltsseniu msere.

er hiez si mitten^ in daz fiur g£in, Nu** vernemet mere®

si muosen alle ainander*^ slahen. von dem ubelen kunige Nere:

ir wize waren herte 4115 er hiez ^ im gewinneu drate

von*^ fiure unt von** swerte. wises arzate,

4095 der^ kunic sprach, er wolte sehen mseref, er sprah, er newoltes'' nehain rat haben,

4075—4079. c) wflrre 4; warre 6; war — ouh] waz aucli an im 2; waz an in ouch 3. d) im azts in 1.

e) absatz nur in 4; v. 4079 4:084: /ehlen 5. 6. 7, dafiir prosa.

4080—4089. a) mande 4. b) eitere 4. c) in 4 rot am rande: Nero; in 2 vorher 13 zeilen frei fiir

ein hildf rot Von kunich Nero wid dann grosser, mit gold verzierter anfangshuchstabe; v. 4083— 7603 in 3 prosa

mit vielen versen; lesarten, die daraus zu entnehmen sind, werden mit 3a hezeichnet. d) mer : ner 1. e) der

was] Nero waz 6; /. 3. f) /. 2. g) wirsist 2; unwerdeste 5. 6. h) v. 4086 in 2: Der in di werlt ie becham.

i) i. d. w, ie] ie i. d. w. 5. 6. k) quam 4. 5. 6. 1) Romar 2. m) zwelfen enden] so 1; Zwelf enden

(end 2) 4. 2; en zwelf enden 3a; au zwelf enden 6. 5; vgl. A^b. 2046, 2: S6 heiz ich viern enden ziinden an den

sal und die lesarten dazu. n) so 1 ; an zunden 2. 3a; intzfinden 4. 5. 6. 0)/. 2.

4090— 4099. a) sich wafene 4. b) /. 2. c) ir einer den anderen 5. 6. d) mit 1. 2. e) d. k.

spr,] Er jah 2. f) mere 2. g) troyeren 5; troyren 6. h) so 1. 2. [3/,] 4. 5. 6, sodass sich die einsetzung

von quelten (: swerten) verhielet; der gleiche reim v. 15930, i) Sweher 4.

4100—4109. a) D. fl.] ohne ahsatz Do flaiz 2. b) Ner : mer 1. 4; doch beiveisen reime wie v. 4130

iind 4250 die form Nere, die zudem durch einheimische namen, wie Gere nahe gelegt tvar. c) bejagte

(: sagte) 2. d) /, 1. e) mer 2. f) redete 5. 6. g) iz gescach] geschach daz 2; er gesaz 4; daz her

saz 5; do er saz; fiir die fassung von 1. (2) entscheidet eine parallelstelle v. 235/.; der fehler von 4. (5. 6)

erkldrt sich aus der in 1 sehr hciufigen, auch hier beivahrten schreihung gesach, die ich aber, obwol sie dem

archetypus zuhommt, um der deutlichJceit willen beseitigt habe. h) Daz 2. i) /. 4. k) was 4. 5. 6;

3a stellt sich hier und dadurch seine vorlage auch fiir die vorige zeile zu 1. 2. 1) hiez in a.] gebot balde 4.

m) /, 2. n) sniten 4,

4110—4117. a) er spr, er] Und 2. b) zwefel 1. c) ir w,] ir wamben 4; eren wamben 5, 6.

d) absatz 2 ; grosser anfangsbuchstabe ohne absatz in 1 ; auch in 4 eine grossere initiale als die getvohnlichen

zeilenanfdnge haben. e) abir mer (: Ner) 4. 6; der umstand, dass aucJi C (aber mere) und B (auch mere)

beizutreten scheinen, heweist hei deren streben, die kurzen verse zu fiillen, nichts, f) iez 1, g) Vil weise 2:

vil gute 5 ; /. 6. h) new. neh. r. h.] moht dehain rat han 2,

1) Die nachfolgenden faheln iiber Nero begegnen hier zum ersten male und sind (ahgesehen von dei

aus der Kaiserchronik direct abgeleiteten darstellungen im Moriz von Craon und bei EnenkelJ vor de

Legenda aurea anderweitig nicht nachweisbar, die quelle derselhen ist offenbar die gleiche 'histona apocrypha

auf welche sich Jacohus a Voragine c. LXXXIX (84:) ed, Graesse p. 376 bezieht; bekanntschaft damit verrti

auch die Graphia (s, p, 157, anm, 1), die freilich kaum alter als Jacohus ist.


KAISERCHRONIK V. 4118—4163. Diem. 12G, 16—127, 29. 157

er wolte selbe kint tra


158 KAISERCHRONIK. V. 4164—4226. Diem. 127, 30—129, 27.

daz ist mir vii swtiere.

4165 suln si hie ze'' Rome bestan,

80 nemaiit dii min*= niht mer han;

ih vare hin ze himele.

du gesihest*^ mih hie nidere®

hiunen vur^ niemer mere'.

4170 Duo zurnte** der kunic Nere,

mit michelm grimme

hiez er im die herren gewinnen'».

Si*^ waren gotes holden,

erwinden si niene wolden,

4175 si neforhten daz ^ fiur noh den tot,

noh dehain •" werltlich •" not

si giengen vur den kunich NerenS.

er sprach zuo den herren:

'ir birt'' irra?re,

4180 daz ist mir vil swsere.

ih han mir erwelt ainen got,

(f.24c) der git lip unde tot.

er tuot wunders vil:

swenne s6 er wil,

4185 s6 ist er uf dem himele

unt komt mir aver^ her^ widere.

er ist gensedich*^ unt guot.

er erkennet aller mennisken muot.

dar umbe gib'' ih iu frist dri tage,

4190 zeware ih iu daz sage:

newerdet^ ir im niht gehorsara'',

iwern ^ lip muozet ir ^ baide verlorn

han'.

Sancte Peter antwurt im d6*:

'des wseren wir iemer mer'^ fro.

4195 wurden wir an dem s galgen erhangen,

s6 wsere unser wille** wol' ergangen.

wande der waltunde'' got

durh uns lait den swaeren t6t.

selbe truoc er sinen ' galgen

4200 wir suhi im =* gerne

f. 18 ' zu

nah volgeU;

der marter'' suhi wir gereht sin.

nu haiz*= du den got din

ze unser gesihte ze himele varn.

meger'* den^ gewalt vor uns haben^,

4205 haiz s uns koln •• danne

swie s6 dir gevalle.

An ^ dem dritten tage vil • fruo

daz lantfoic zoch allenthalben •" zuo,

riter" unt frowen,

4210 diu^ wunder wolten si gerne scowen,

der R6m8ere ain vil michel scar.

Symon der gaukelsere kom ouh dar;

ilf ain irmensul^ er staich,

daz lantfolch im allez^ naich.

4215 die tievele vuorten'* in uf"^ zu den luften

mit michelen chreften*^.

sanct Pauluss viel zu'' der erde',

er'' bette in suozze unt werde,

sanct' Peter stuont ufwert;

4220 ze der marter waren si baide ^ gereht.

mit herzen joh^ mit muote

maneten*^ si got den'^ guoten,

waz er sinen jungeren gehiez^.

duo er siu vil ^ trurige s liez ••

4225 swes* si in sime namen gebaeten'',

daz erz^ allez taete;

4164—4169. b) ze R. /. 2. c) mich 2. d) gesihest mih] ensichst mich 6; ne siist mich 5; nesehest

mich nicht 4. e) nidene 4. 5. 6. f) vfirdir 4. 5; vort 6.

4170—4179. a) erzurnt 2. b) gewinne 1; gwinne 4 fwie in dieser hs. ilblich). c) hein ahsatz 2;

Si 1. 2. 5; Die 4. 6; ich wiirde Die vorgezogen haben, wenn nicht nach Massmanns deutlicher angabe auch 5 Se

hatte. d) fehlt 5. 6 (vgl. Rol. 7, 28 si nevorhten viur noh daz swert). e) nicheine 4. f) werltliche 4. 6

(werltliche not Rol. 84, 10); werlighe 5; werlich 1, 2. g) so alle hss. h) so 1. 2. 5; syt 6; sit zwene 4.

4180—4189. a) /. 2. b) /. 5. 6. c) gemaedich 1; guedic 4. d) gib ih iu frist] ich iuch vrist 2.

4190-4199. a) Wert 2. b) horsam 5. 6.

e) daz 1. {) f.

gewaldiger 6. 1) den 2.

2. 5. 6. g) enen 5. 6. h) wile 4.

4200—4209. a) in 1. b) martire immer 4.

e) d. g. V. u.] den (dann 6) vor (v 5) uns gewalt 5. 6;

heiz 4. h) so 1; kolen 5; holen 6; quelin 4; prennen 2.

c) i. 1.] Iwer leben 2. d) ir baide] nur bede 4.

i) /. 2. 5. k) waltent 2; alwaldege 4; waldigher 5;

c) haiez 1. d) Mflge er 4; mag er 6; moghe gi 5.

nur den gewalt 2. f) gehaben 1 ; han 4. g) So

i) denne 1. k) kein absats 4, 1) / 2.

m) allez 2. n) Ritt^e 4.

4210— 4219. a) v. 4210 m 2: Di grozzen wunder schawen. b) yrmensul nur 4, vgl. v. 129; erin

sul 1. 2. (3a. 5. 6). c) allesamt 4; allenthalben 5. 6. d) wfirten 1. e) /, 2. f) chraften 1, das aber

tonst immer chreften hal. g) Paul 2. 6. h) nider zu 2. i) erden 4. 5. 6. k) er bette in] so 1 ; ir

beddede in 5; Er bette 4. 6; nur Vil 2. ]) v. 4219 in 2: Ensamt stunden si auf vil wert.

4220—4226. a) /. 2. b) unt 2.4; und ouch (5 ?). 6. c) manenten 1. d) der 1. e) gehiezzen 2.

fl/. 2. g) truric 4. 2. 5. 6. h) liezze 2, i) swes si] Des si in 2. k) piiten 2; beten 5. 6. 1) er

iz 4; er daz 2. (5?). 6.


KAISERCHRONIK V. 4227—4278. Di,.... 120. 2s- Ul. 4. I.VJ

daz"" er dem tievel ilit" verli.incte,

daz er die christonliait gescante ".

DuoP die herren gebetteni,

42.50 also^ si wolten,

sanct Peter hiiop lif sine'' hant,

er bescainte*^ mines trehtines** gewalt,

er sprah: 'ih gebiute iu tieveln swarzen

bi dcs* ahiiiiiitigen gotcs warten'",

4235 in dem namen des haihgen ChristesK,

daz ir in niht hanger cntVistet:

ir'' hlt in wider nider vallen,

zeichen' disem'' liut allein,

daz got richsct' aine"'

4240 uber alle ^ dise werlt gemaine,

uber erde'' unt uber mer"^

unt ubcr allcz'' himelischez her: f -'.

4250—4259. a) ba?de 1. b) h. er /. 2. c) v. 4254 in 2: Den himel si offen sahen.


160 KAISERCHRONIK V. 4279—4329. Diem. 131, 15—133, 1.

der heristen' R6ma?re zehenzich"' unde dri.

4280 ih sage iu wwrliche da bi

ir houbet hiez er in abe slahen,

daz swert hiez er im dar tragen,

er sprah : 'nah '"* minem tode

frowet sih elliu'' diu stat ze Rome:

4285 zeware si begrabenf^ mih morgen^ niht^

ainen ^,

irS iegelich muoz sinen friunt clagen^'

Also er daz wort volsprach',

daz swert er in sich*' stach.

in' dem selbem zit

4290 huob sih ze Rome michel^ strit:

die hute wolten in uz tragen,

unde wainen'.

bi den fuozen zoh man in in den burcgraben.

die tievel komeu dar

mit ainer'' micheln scar

4295 in swarzer vogele pilede.

in ainem^^ michelem genibele^

ntmen si die sele:

die helle buwet si iemer mere.

der lichname*' was unraine,

4300 die wolfe ^ frazen ^ sin gebaine •=.

Daz buoch kundet uns sus:

daz riche besaz duo*' Tarquinius;

der was der ubermuotigeste^ man

der ie^ von muoter in dise werlt bekoms,

4305 Ain ''•

' furste' was bi ^ den ziten zeTriere,

der gewan michel liebe

ze Tarquinio dem kunige.

iz ergienc in baiden ubele.

er was ain riter' vil gemait,

4310 Triera?re^ taten im so'* gr6ziu


KAISERCHROXIK V. 4330-4383. Diem. 133, 2—134, m

4330 da vorderte" man ie'' disen lu-n-en zuu.

duo gevuoct"^ iz sili alsus,

daz im gebot der senatus,

daz er'' aine fVowen von linnie nienje,

diu siner edelkait*" wol geza;me.

433r. Ainer^ frowen^ er duo bat:

wie schiere man im sie'' gap '

diu hiez Lucretia'*:

si ' stat in Ovidio ' gescribeu da.

do wart im daz wip

4310 rehte " also *• der lip.

duo minnet ouh


162 KAISERCHRONIK V. 4384—4433. Diem. 134, 23—136, 7.

si sprachen, von ir altem^ rehte^

4385WoltenS si*^ niemer getriben werden:

si solten* allesamt'' ^ sterben'.

Vil schiere gerehte sih manneclich";

mit stahel" besluzzen si sich,

si wurfenP vif diu burgetor'i,

4390 ja vuuden si dii vor

di aller besten wigande^

die iu allem*' lande

gewuohsen


KAISEKCHROXIK V. 4434-44'Jl. Diem. 136. 8—138, 1. li;3

ih envvolte si nieraer'^ geclagen'' noli ge-

4435 Duo* sprach aver ettelieliorf:

^ *sam mir got cler riche~'

f. i9'ih han ain frumec'' wip,

si ' ist niir also der lip,

si ist piderbe unde guot,

waineu'.

4440 fro^ machet si dikke minen^ muot'.

Duo sprach der ellende man.

der von Triere dar kom*':

'sam mir min lip!

ih han daz aller frumigiste'' wi])

4445 die*^ der ie dehain man

uf romisker *"

erde gewan'.

DuoK sprah der kunic here'':

'du vermizzest dih alzoges' ze verre.

und uberspriehest dili'* in ' allem zit

44D0 ja nescoltestu din wip

vor mir so harte niht loben,

miniu^ ist baz geborn.

unde i.st ouh '' vil baz getan

daz erziuge ih init manigemir min trehtin''.

pringest du «in ' die wArhait"",

so cnist iz mir niht lait »,

noh gezurncz" niemer nurc'' .

4470 daz verwetten 8i duo» bede.

Ilelede'' a\xn vennezzen,

v»m dein gesezze

riten 8i zwfine^:

si newolten niemen'' mit in mt-rc.

4475 si komen ze Home in di «tat

(f.26»')ettewaz'" vor mitter nalit;

der Trieriere' jtozzct an sin tor,

man fragete, wer da « wjvre vor.

duo man sine stimme vernam.

4480 schiere *''

wart

im uf getan.

der frowen kom ze'' m;ere,

daz der wirt komen ware.

uzer*^ dem pette si spranc,

duo lief*' si des hoves lanc:

4485 'willekomen'" sistu, lieber herre!

ja'" vorht ih din vile sere.

sam mir got der riehe

du hast getan vil'' Irumecliche',

daz du her** zu mir komen pist.

4490 0111^" min angest nu'' von mir ist

Duo*^ sprah der herre:

4434—4439. c) nimmcr 9. d) gecl. noh g-ew.] so 1. 9; clil. noh gew. 2; becl. noh giw. 6; bt kl. noh

bew. 6; nwr g-eweinen 4. e) grosse initiale in 1. 9 und 6. f) aincr sin gelichc 2, g) richcr 4.

h) friimes 2; froraes 6; vrome 5. i) si — also] Diu (die 6) ist mir lieb als 2. 6.

4440—4449. a) fro m. si] Si vreut 2. b) mi den 5. c) kam '.»; cham 2; quam 4. di frumi.it 2;

vromest(- 5; vromste 6. e) die der] Die dar 4; nur Di 2; de 5; der 6. fi ronifskir 4. p) in 1 /.ein

absatz, 7iur grosse initiale. h) hen-e 1. i) alzois 4; alsohokcst 5; also hocs G. k) /. 1. I) in allcm]

in alle 4; nur alle 2. 5. 6.

4450—4459. a) Min 4, rgl. v. 4465 ; Diu mein 2.

iniliale 1 ; nu hortj Nu hor 2 ; jo hore 5 ; hy vorn hort 6.

i) a. n.] nicht aver 5; nur niht 2. k) dez 2.

4460—4469. a) ber. ih iz] beriet ich dich 2.

b)/. 2. c) manige 4.

i) richen 1 . g) /. 2.

d) /. 2. 5. 6. fi groMie

h) Ne weris dti 4. (5. 6t.

b) sore 9. c) lein absalz 2. d I mcrc 1

e) a. d. 1.] allen (alle 5) disen ifiten 4. 5. 6. f) filr v. 4465 hat 2: Ist danne di deine. Paz getancr danne di

meine. g) dine 1. 9; fiir din 4 spricht das im reim atehende min. h) paz gct&n] «o 1; paz getancr 2. 9;

nur baz 4. 5. 6. i) mine 9. k) threhtin 1. 1) is 4; sint 5. 6 ; /. 2. m) w. dein 2. n) 2 letzt z>i:

Oder mir gesweich mein ait. o) gezurne iz 9 ; negezfirne iz 4 ; ghetornes 5 ; geczornes 0. p) mer 4.

4470—4479. a) da fast immer 2; /. 5. 6. b) H. a.| Alsc helede 4; ohne absatz Die held also 2.

c) do pede 2. d) niemen m. in] mit in niemen 2; nur nieman 4. e) etwaz 9. fi trif-nir 1. c-i da w.l

war da 2.

4480—4489. a) Vil schir 2. b) daz 4. c) uz alle ausser 1. 9. d) gic

immer 4. {) ja v. ih] Ich vorchte ich 4. g)

zo mir her 5. 6 ; zfi mir 4 ; nur mir 2.

4490. 4491. a) Al 4. h) fehlt 1. 9. 2. c) kein ahsatz 2.

-'. ej Wiiiccorae

%-ir 1. h) /. 2. 4. i) vromeliche 5. 6. k) her zu mir]

21'


164 KAISERCHRONIK V. 4492—4551. Diem. 138, 2—139, 30.

'frowe, waz wiH du daz min werde?

ih enaz biute bi disem tage niet^'.

'entriwen', sprab si, 'berre •", daz ist mir

4495 so lazze mib got leben

wir suln dir genuoc geben'.

f. igb Si*^ biez ir? |

tiske

liep.

rihten,

si diente da'' mit micbelen*» zuhten

si scancte * in diu goltfaz'' den win,

4500 si bat den gast fro sin ".

also diu frowe ain'' trinken vur truoc,

der wirt den kopf lif buop,

den win er ir*^ under diu ougen goz,

daz trinken an ir gewate floz.

4505 si stuont, naic'' im gezogenlicbe*.

duo ersmielte ^ der cunic ricbe.

Diu frowe ilte drate

widers in"^ ir kemenaten,

si zierte sib mit micheln > flize

4510 in* ander wat wize.

si scbancte dem'' wirte den*^ win,

si bat den gast fro siu,

(f.26-^)si enphie*' im daz goltfaz*=;

daz tet diu frowe umbe daz,

4515 daz der^ wirt fro wsere

unde des gastes mit eren pblsege.

Also s die ^ tiske > wurden erhaben

und si ze bette solten g^n^,

diu frowe newolte den gast nie verlazen',

4520 unz er an daz bette kom^ slafen.

si stuont'', neic im gezogenliche '^

duo spracb der kunic riche

'nu lone dir got, frowe''!

man mac dir aller eren wol^ getruwen:

4525 dine site sint*^ guot.

du bast allers tugende'' genuoc'.

Also ' si ervulten'* den rat

der under in gelobet wart,

duo in diu ander naht kom ',

4530 duo ilten si zu des cuniges hove.

der cuniginne* kom'' ze maere,

daz der kunic komen wsere.

'des muoz*= er', spracb"^ si, 'haben undanch!


der tac was noh'' hiute s6 lanch —

4535 daz er hat gemachet ^,

daz ih also unsamftes bin erwachet'.

diu frowe lac stille,

si newolte durh sinen willen''

nie von dem' bette komen.

4540 der gast hete die rede wol vernomen.

Der kunic an daz bette zu^ ir gesaz:

'frowe', sprab er, ^wie clagest du daz?

wir birn'' gevaren*' verre''

und sezen nob ^ gerne'.

4545 ^woltestu'' izs herre', sprab'' si, 'bedenken:

ih enpin weder' trubsseze nob scbenke,

kamerare nob koch

uber allen disen bof.

ib enwaiz waz du mir wizest:

4550 ib^ enruoch ob dii iemer ihtes enbizest'.

Die'' helede als6*= vermezzen

4492—4499. d) wil — werde] sol meiu werden 2. e) niht (nicht) alle. f) /. 2. g)

ir tiske]

plural nur in 1, aber vgl. v. 4517; ir tisk 9. 2. 5. 6; den tisc 4. 3ca. h) /. 4. i) scahncte 1; sanckete 4.

k) goltvaz alle ausser 1.

4500— 4509. al hier lasst 4 aus versehen zunilchst v. 4513—4516 folgen, die dann aber unterpungiert

sind. b) ain tr.] daz trinken 9; einen drunk 5; ein trang 6. c) ir under diu] under ir 5. 6. d) vor 2,

e) gezongeliche 1. f) irsmirte 4; irsmirete 6; irsmirote 5. g") /• 2. 4. h) Zu 2. i) michelem 9. 2;

/. 4. 6.

4510—4519. a) v. 4510 z?i 6. 5: anderwant wize. b) den 4. c) in 2. d) intpienc 4. e) goltvaz alle

ausser 1. f) dir 9. g) Jcein absafz 2. h) die tiske wurden] der tisc wart 4. 5. 6. 3a; der singular ivilrde in die

siluation gewias besser passen als der (iibrigens rein formelhafte) plural, gegen den sich oben v. 4497 ausser 4. 5. 6. 3a

auch noch 9. 2 gestrdubt haben, der aber v. 4699 gut bewahrt ist. i) diske 1. k) gen 4; gahen 2. 1) verlan 2.

4520—4529. a) kom sl.] gie sl. 9; slaffen cham 2. b) /. 2. c) gezongenliche 1; gezogeliche 9;

gezogenchliche 2, d) gut vrawe 2. e)/. 2. f) di sint 2. g) a. t. g.] tugentlichen mut 2. h) tungende 1.

i) kein absatz 2. k) ervoUete 9. 1) quam 4.

4530— 4539. a) kuniginnen 4. b) kom ze] chomen do 2. c) mfize 4. 5. 6. d) spr. si /. 2.

e) doch (5?). 6;/. 4. fj gemaket 9. g) so 1. 4; unsanfte die iibrigen. h) wellen 1. i) deu 4. 5.

4540—4549. a) an daz b. zu ir] a. d. b. fiir si 2; tzo ir an dem bette 5. 6. b) sin 4. 2; weren 5. 6.

c) gevarn 4, 9. 2; gheriten 5. 6. d) verne meist 5. 6. e) vil 2. f) woltest 1. g) daz 5; dich 6.

h) spr. si/. 2. i) /. 5. 6.

4550. 4551. a) ih enr.j ja neruche ich 5. 6. b) Die fehli 5 (vgl. v. 4471); in 6 lautet der rers: Der

konig sprach helt lieber vormessen; in 7: De held ghud vormetcn. c) /. 2.


f. 19 riten wider zu dem |

KAISERCHRONIK V. 4552—4G04. Diem. 139,31—141, 18. 1G5

gesezze.

du di vursteii den kunic ersahen'^,

(f.26')si begunden in alle fragcn,

45r,r) wer daz wette'' liete ' gewutnien.

'ih» wil ini'' der eren wol gunnen',

sprah der kunic richc.

'ih sage iu', herren, wa^rliciie,

daz ih e noh sit

4.i6onie gesach* ain s6 fruniic'' wip

an allen ir gebaeren*^:

si za^me'* wol ze ainer kuniginne^ allen

Roniicren.

Aines tages"^ gevuoctezi'' sih s6,

daz der kunic wart'' vil fro:

4565R0m8ere heten groze riterscaft''.

daz' insere kom ze Biterne in di stat.

duo ilten alle'^ di hovesken frowen

oben an di zinnen ' scowen.

duo"" Romaere di frowen ersahen,

4570 si ilten ie ^ baz und baz dar zuo gahen,

da/. di frowen jjehen^,

welhe'^ guote riter von Rome wteren.

Romaere'' aines frides gerten^,

unz si sih niit den fi'owen erredeten •".

4575 Duo s der fride wart getjin,

manic frowe lussam''

stuont da ' ze redene

mit iiiuni^^ciu hulcde^ cdele.

ain paltsjirachiu ' wa« da,

4.'i80 gehaizeii Aiiiiriiia,

si gprach: Tiitihi, ain* cdel nian,

du niaht wol nahcr'' zuo den frowuu gfin,

dil hist kuone'^ geiiu«>e,

des libes alzogcs*' ain lielf guot:

4585 wergot ^, sage inir des ih dih Iruge,

weder dir licbcr wiitc

an dine ^ triwt;:

ob dili ain»


166 KAISERCHRONIK V. 4605—4656. Diem. 141, 19—143, 4.

4605 selbe nesol er sili iiiht ' vor '" ruomeu der

knehthaitn,

daz iz im dar'' njth ihtP werde lait.

umbe di minne ist iz aver^J s6 getan:

da nemac niht lebentiges vor gestan"".

swer rehte wirt iunen^

4610 frumer wibe minne^',

ist er siech, er wirt gesunt,

f. ufiist I er alt, er wirt junc.

die frowen machent in genuoge*'

hovesc*' unde kuone;

4615 im ^ nemac niht gewerren.

dii fragest mih ze verre:

ih pin ain tump man,

diner rede ih niht wol^ geantwurteu kan'.

'^ Duo sprah Almenia:

4620 'helt, ih wil=> dir clagen sa.

iwer** gast Conlatinus*^

der rait dike in unser hus,

dm'h R«3ma3re ere

wir** enphiengen wol deu herren.

4625 die frowen nerteu*^ in*' hies vou*" dem tode.

welt» ir uns des s6 lonen?

suln wir des hungers'^ ertweln ' hinue?

oder ze tode verbriuuen?

da sol" man iuh" R6m8ere iemer umbeP

4630 lat * es di sculdigen ^ engelten

scelten.

uber die scol iz billichen*^ ergan^;

waz habeut* iu die sconen' froweu zes

In'' dem senate

komen Romaere* des'' ze rate

4635 durh der froweu willeu

(f.^Ti-^si namen' ir gedinge"'

mit deu aller sculdigesten" drin

die da waren under in,

laide getan?'

di den scaz vou Trieraeren" enphiengen.

4640 vur ^ die burch si die ^ hiengen.

die mure'^ si zebrachen*i,

ir zorn si also rachen.

da mit iz allez" besuouetf wart;

Romsere kerteu wider in irs stat.

4645 Der kuuic lac ^ des uahtes au sinem *

bette:

er gedahte au sin altez wette'*,

daz im ' diu kuniginne'" hete" verlorn.

der antvanc" wart im ouh zorn,

er begunde irz? harte verwizeui.

4650 duo ^ fracte si ^ mit flize,

wes da gewettet wsere,

wi gerue si daz vernseme!

Der kunic ir rehte sagete

also*' er gewettef habete.

4655 diu kuuiginne'' verstuont'' daz,

daz iz irS ze vare'' getau was.

4605—4609. I) /. 13. m) vor ruomen] so 1. 9; verrfimen 4; berumen 5. 6; riWen 2. 13. n) so

4. 5. 6; knehthait ist ein seltenes wort, das nur im Rol. und in der Kehr. helegt ist: JRol. 266, 11 und Kchr. 13852;

dasselbe honnte von einem schreiber im anschluss anv. 4602 leicht durch frumechait 1. 2. 9. 13 verdrangt werden,

zumal frumec ein liehlingswort dieses ahschnitts ist: es zcird indessen von dem dichter unserer novelle immer nur

auf frauen angewandt: v. 4437. 4444. 4560. 4665. o) hin 2. p) /. 1. 2. q)

aver /. 2. r) bestan 4. 5. (6). 7. s) inue 2.

iz aver] aber ez 13;

4610—4619. a) minnen 4. (5?). 6. b) so 1. 9. 4. 6 (vgl. v. 4583); gefoge 13. 2. 5. 7. c) hofsc 9;

hovesch 1. 5; hofisch 13; Hubsch 2; hubisch 6. d) In 4, e) wol geantwurten] so 9. 13 (zcie v. 4600);

wol antvvrten 1; nur geantwrten 2. 4; nur antworten 5. 6. f) kein absatz 2.

4620—4629. a) w. dir cl.] clage dir 13. b) ewer 9. c) so 1. 9, 13; Colatinus 2; Collatinus

^- 5- 6. d) w. enph. wol] enphengen wir wol 13; Wol enphiengen wir 2. e) nertun 13; ernerten 2. 6.

f) /• 4. g) /. 1. 9. h) vor 2. i) welt ir] wil er 6; welher 5. k) hungeres 1. 1) erwillen 6; her

wil 6; derbin 13; sterben 2. m) ze t.] von dem fiwer 2; in dem viire 6. n) solt 5. 6. o) ich 13;/. 2.

P) /. 2.

4630—4639. a) v. 4630 in 13: wan lat irz die sc. engelten; in 2: Lat di sch. dez engelten. b) sul-

digen 1. c) billiche 13. 4. (5. 6). d) gan 2. e) hant 13. 4; han 5. 6. fj /. 4. g) ze 1. /. 2. 4. 5. 6.

h; An 2. i) di R. 2; si 13. k) /. 2. 1) nsemen 9. m) gedingen 1. n) suldigesten 1; schuldegisten 4;

sculdigosten 13. o) triere 4; Trier 2.

4640— 4649. a) uber 1 (u. die b. si di auf rasur). b) siu 2 ; si 5. 6. c) mm-en 5. 6 ; biirc 4.

d) zebraechen 1. e) alles 13. {) gesunet 4. 6; vcrsSmet 13. g) di 2. li) der lac 9. i) sinen 4; dem 2.

k) gewette 13. 2. 3 a. 5. 6. I) in 2. m) kuniginge 1; kunegin 13. n) het 13. o) antwanc 4; anfang 5

(anphang 6); der a.] von dem gedanke 13. p) so 1. 13 (2 irs) ; ir iz 9. 5. 6; iz ir 4. q) weizzen 2.

4650—4656. a) grosse initiale in 1. b) in setzen zu 4 mid 13. c) als 13; Wez 2. d) ge-

wette 2. (5?). 6. ej kfinegin 4. f) verstunte 1. g) im 2. h) l[aidej 13?


si lac dem '

KAISEKCHRONIK V. 4057—4701, Kiem. li:}. :, ^144. 19. 1U7

kunige an'*,

si* tet ira nianicvalte mane'*:

er gewunne ir"' wider" ir ere —

4660 ir* gesca-he nie nehain Ijerzeleit so grozez

mcre —

ode'' si*^ gewunne niemer guof' gemuote,

Der® kunic ir antwurte^-

'dil tuost« im zeware unreht'':

er ist des libes ain guot kncht;

4665 diu frowe ist ain Irumec ' wip,

f. ao^zcwiu"* solt ih ir ' verderbcn"' |

Diu kuniginne begunde wainen,

den

lipV

si" sprah : 'dcr triwcn sin wir iemcr mOr"

dii hjlst mihP verlorn,

gescaiden,

4670 ih" enwil^ niemer mcr*^^ in^ din bette

koracn'.

Der" kunic sprach ir uber lanc zuo

Svaz ratest'" du daz ih dar urabe tuoV

si sprach: 'herre^, wil du bchalten minen''

list,

ih rate ' dir, daz du daz** selbe wip er-

wirvist '

',

4675 'entriwen •"

', sprah der kunic hcre,

*des" rates volsrc ih dir° vil frerne'.

(f.!i7 ; Diui' kuni^MiiiK,- '< ^|ii"ih im avor zuo:

'ih saj^e dir, hcrre, wti/ du tuo '

warti'* dil ' der" zite.

4»t,

du erwirve.st der' mit alda/> dir liep i«t'.

4C95 Der'* kunic niht langer' iiebait'",

vil frolich cr dar rait,

si" cnphienc" in h(*rlichc,

si dient im mit»* gr('>zen'' flize.

Duo"" di tiske wurden " erhabcn

4700 und si zc bette solte^ gfin''»

zu dcr slanvamcrc'' dcr kunic trat,

4657— 4659. i) den 1.3. k) an : mauo 1. 'J. 13 4 vmsste selbslvcrittdndlich dcm anc : iiiaiio ij. C, aii

man 2 vorge:o


168 KAISERCHRONIK V. 4702—4749. Diem. 144, 20—146, 1.

des libes er si flizecliche*' bat.

diu frowe erkom'" harte,

si sprah: 'herre*^, erhi mih s6 get^ners

4705 der mir alle dise werlt gaebe,

wie migerne ih die' uteme

vur'' minen vil Heben man!

worte *".

min ' dienest soltii'" iemer" sus" han'.

Der kunic tet also man iu hiez:

4710 aiuen riter-'' er dar in stiez.

er swuor bi sinem houbete,

daz erz'' dem*= liute offenliche*' kunte*',

daz er in bi ir hete vundeu.

also si*" des wurde? uberwundeu

4715 von •" rehter urtaile '

^so haizet'* man dih stainen'.

Diu frowe ervorht ' ir den tot,

(f.27


4750 friunt undc' mage.

KAISERCIIRONIK V. -I7iy)— 48(KJ. Die,,,. MC. >_> 117. .jjj 109

Du'' diu froude aller raaist'^ vvas,

diu'' frowc^" nam ir ^^oltvaz,

si scanctc '^ alumbeK,

si bat dic furstcn alle'' bisundcr,

i7J5 daz si fru wa-rcn,

mit scuncn gcbicrcn,

rait lachcnden ougcn.

ja nemiihte' niemen getriiwen'*,

(f-28")daz iz alsu ' bosen endc nam"'.

4760 die" frowen lobete'' manic frum man.

Also"^ daz wazzer'' wart gegcbcn,

daz man die tiske solte hevcn*",

si^ bat Romajre,

daz si ir ain luzcle vern.fmen.

4705 si hiezcn ^ ir aine stilie tuon,

vil willecliclic hortcn si dar zuo:

vii' offcnlichc'" sagete si Kuma'ren allen,

wie iz ' ir mit dem kuuige"* was" cr-

gangen.

Alsoo si daz jungistcP worf volsprach'",

4770 mit^ dem mezzer si durli'' sich selben

diu frowe viel'^ nidcr tot.

f. 20»; da wart michel |

vur war"^ wizzet daz:

clage

stach,

^ und nut.

al daz ^ in der wirtscaft « was,

4775 di '' bcgundcn alle clagcn ^ undc waineu.

dem wirte' gescach'* nie su laidc;

er brach daz har uz der swarte',

er grcif nah dem swcrte:

und wtcr'» er niht gcvaiigcn,

17K0 iz waro schicro • ubcr in ergangcn.

cr Bprach: 'owe niir wf^nigcm»' man,

daz ih din ie kundo gcwan!

dcr mir allo diso wcrlt g»bc,

wie ungornc ih'^ die'' n»-m«',

4785 daz ih hic vur dih l«'g<

daz ih dinon tut nicne' K.iiic!

cr sprach: 'owr niir illcndcme nian,

daz ih zo Honie ie huH gcwan!

wande'' wa-rc ih undcr' min«n viainlcn z»;

'IVicrc,

4790 80 vcrlur ich dcu' li]i voii'' in Hchicrc'.

su warc ih oulr' uz dcn Horgcn,

die mir noh da'" vor sint vcrborgen'.

Daz^ nucrc wuoIibk zc Kumc in dic''

Ktat:

vil ' gruz dcr'* j.uucr da w.-ut.

47115 in dem senate

kum.cn' si dcs'" ze ratc,

daz Tarquinjus" nicmcr nicrc

newurde" irP kunic noh iri rihtare.

er waere von gruzcn ' sculdcn ' ilz go-

nonicn*,

4800 daz er niemer mcr^' zir'' rate solte komcn.

(f.281')

ConIatiuus*= was ain ellenfler nian,

sin lait niuos'' er aine tragcn.

er gestuonf dikke ainc'^,

ers begunde'' haizze waincn,

4805 mit gruzen angestcn '

iedoh'* stuont' iz iiiht laiigc,

was

cr bevangen.

4750—4759. a) uii ir 4. b) grosse initiale 1; ahsatz 2. c) grozzist 2. «1) hier l/rir/il l.'{ aO.

c) frow 1. f) sancte 4; salinct 1. g) allumbe 4. li) /. 2. i) nemochtc 4. k) pclftuben 2.

1) a. b.] so 1. 5; als pos 2; so bose 4. 6. m) genam 4.

4760—4769. a) v. 4760 fehlt 6. b) 1. m. fr. m.] lobete vil manich vromer niai, 5; b>bt manich inan 2;

lobeten wip uS raan 4, c) kein absatz 2. d) w. w. g.] waz geschehen 2. c) hcbin 4. f) s' h.j I)o

batsie 4. (3a). g) cleine 5. h) hiez 2. 3 a. 6. i) /. 2. k) offcnliclien 1.2. 1)/ 4. m) kciwcr 4.

n) wajr 2. 3a; were 5. 6. o) kein ahsatz 2. p) lezziste 4. q) wart 1. rj ge.sj^rach 4.

4770—4779. a) m. dem] Daz 4. b) durh s. s.] selbe durch sich 4; dorch sich 2; sich .sulben dor 5;

sich selber tot 6. c) v. n.] lach da 2. d) cl. u. /. 2. e) v. 4773 in 4: Ir sult vfir war wizzcn daz.

f) Als daz 2; allez daz 6. g) wirtschefte 4; wirtscheft 2. h) Si 2. i) wirt 1. k) ncgcschach 4.

1) swarten 4. 5. 6. m) inewere 4.

4780—4789. a) sch. u.] auch umb 2. b) wenigen 5; weniger 2. 4. c) /. 4. d) sei 2. e) tot 1. r,. G.

f) n. s.] ni gheseghe 5; ye gesehe 6. g) ellenden 2. 4. 5. 6. h) wan 2. i) u. m. \. feldl 2.

4790—4799. a) minen 5. 6. b) von in /. 2. 4. c) vil sch. 4. d) /. 2. 5. 6. cj da vor]

so 1. 5; hie vor 6; nur vor 4; /. 2. f) Daz m. w.] De mere wus 5; Die mer wuchsen 6. g) kom 4.

h) der 3a. 6. i) Wi 2. k) daz 4. I) Wurden 4. m) /. 2. n) Tarqinianus 2. o) newurde axi»

newerde 1; Wurd 2. p) / 2, q) fehlt 2. 4. 5. 6 {gegeniiher 1. 3 aj. rj / 2. sj sulden 1. tj gc-

nomen 1 ;

genfimen 4.

4800—4806. a) /. 1. 2. b) zir aus zeir 1; zfi ir 4. cj Collatinus 4. 5. 6; Colatinus 2; Colantinu.s 3a.

d) moste 4. e) gestiW

.22

1; stund 2. 5. 6. f) alaine 2; allein 6. g) Und 2. h)

i) engistin 4. k) v. 4806 in 2: Ez gestund nicht lange. I) nestunt 4.

Deutsche Chroniken I.

bugunde 1.


170 KAISERCHRONIK V. 4807—4863. Diem. 147, 26 — 149, 17.

unz Tarquinjus muose"' dannen entwichen

von der stat.

also" des" Conlatinus*= gewar wart,

er nam gebiirlich gcwant'',

4810 er straich nah » im in daz lant.

also er'' den kunic rehte ersach,

daz wort'^ er wider sich selbem'' sprach:

'owe mir« mines ^ lieben wibes!

owe dirs dines libes!

4815 swaz min ze rate sule werden,

dii muost ie'' dar umbe ersterben',

Daz ros'' nam er mit den sporn,

vil harte rach er sinen zorn,

mit grimme huop er sih dar.

4820 des enAvart uiemen ^ gewar,

unz er durh in stach,

daz er niemer mer'' worf ersprach^.

Der kunic viel nider tot,

die sine


KAISERCIIRONIK V. 4SC4-4917. Diom. 149, 18— 1.^>1, «J. 171

si ncwolten im dcs richcs niiit gunnen.

i8cr. si wolten in gerne' hun reslagen ^

vil kuine er nnhtcsR ilz'' cntrau.

Dcr' kunic hOtc gruz'* arb.iit,

sin' vil inneriz licrzolait

clagct cr sinen niannen "'.

4870 (lie friunt riotcn* ini alle,

er*' rite zc Ronie vur die stit.

vil schicre daz gctAn wart*^.

cr gcwan vil'' nianigcn hclt vonuf/zon,

Rume wart besczzcn

4875 mit vil niichclr'^ chraft.

si hr-ten grnzc riterscaft.

die burc si wol wertcn

mit gcren und mit swcrten.

da was inne manic wigant.

4880 der man * wol da. vant

des'' im der lip gerte:

(f.28'')woIt er mit dem swerte,

f. ^i^buf^ er im |

daz

sper,

dem Romaire was dar zuo gcr''.

4885 swi « er sih wolte uoben,

er"" vant sin du genuogcs:.

owi'' wclh mort da gcfrunict wart!

da wart nianic ' hchn

da- vielcu dic vaigcn.

scart,

4890 dcr kunic sah im laidc ^.

Rumure wcrtcn sih mit grinimc,

unz siu dcr hunger bcgun


172 KAISERCHRONIK V. 4918—4973. Diem. 151, 7—152, 30.

-wi gerne si daz frumen wolten'*,

also liep in • wip '' uud kint Avaeren •'.

4920 also sprjichen Romjere.

Er sprah: 'mi ilt-'' mir uz wellen

zwelfe mir^* ze gesellen'^,

(f.^o^^die mir dar zuo frume sin:

so crgat'' wol der wille min'.

4925 Also si di rede vernamen,

si ilten alle wider^ ainander ilf^ gahen,

so sprach ettelich?:

'aller triwen man ich dich**,

want ich din kunne bin:

4930 von ^ rehte sol ih mit dir sin'.

so sprah aver^ der*= man:

'du solt mih pilliche mif* dir han,

dii maht sin'' un angest,

swa du mih hin gestellest*''.

4935 Do begunders liz wellen

zwelfe im'' ze gesellen.

die swuoren gewisliche',

si • newolten im nieraer'' geswichen

ze allen sinen sachen,

4940 swa er siu |

f-^'

hin

wolte scafifen^.

Der" helt


I Dez

also gab cr den ge.scllcn

497:. ir*^ icgelichcms aiii'' zit.

KAISERCIIRONIK V. 4974—5029. Di.-.n. ini.'. :n-l.M. Jl, I7:{

si verlurn allesamt ' dcn lip,

e ir aide wurden mainc:

des vcrmAzcn si sili vil'* tiurc allc' guniainc.

Iz gescah an aincm morgen —

4980 Odnatus nehcte uni'' dcn lip nchain*'

sorge*^. —

duo kcrt cr ubcr velt

rchtc*' ingcgen'' des kunigcs gezclt.

ain herzoge, hiez liiomus ^, —

daz })Uoch nennct in uns sus —

498:'. und dcr furstc von Cappua, s

die gicngcn scowcndc'^ da.

der herzoge an des kunigcs stuol gesaz:

vil harte gescadet ' im daz.

Odnatus kcrtc ingcgen '^ im dar —

4990 niemcn tct" sin dehain war —

den herzogen er durh den bilch stach,

daz er nicmer'' mcr nehain wort"^ cnre-

sprach.

Do^^ newas des nehain rfit:

vur dcn kunic wart cr braht;

499.-> dcr kunic liicz |

duo''

mit flize

"^•^*' gerehten*' manigers skilitc wize,

also man in marteren'' wolte'.

er'' sprach, daz er leben' nesolte'

niemer nehain "' tac mere.

5000 so ^ sprachen ouh'' alle di herren.

A,

Odnatus*^ beswuor'' dcn kunic tiure,

daz w iii zu aiiifiir liure

c' komen Heze

und iii« dar nah hicze

5oo!iwizen'' 8wic cr wolt*.'.

er Bpruh, daz or von rehtc Bolto

mit liurc' Kiii T- •» gcrainen.

des wunderct' die furKt*.*n nlgeniainc.

Vitcllus was niii libligcr'" niaii,

5010 dcn sculdigcn cr frAgen began:

'nil' waz IiAstu an'' d


174 KAISERCHRONIK V. 5030-5082. Diem. 154, 22— 15G, 9.

0030 daz-'' enfraiscet'' ir niemer rae


! i)

KAISERCHRONIK V. 5()83-oi:i8. Dici.i. If.t;, lo iriT, :Ji'. 175

si griben im aiii giiot'" palas

als"^ iz Pruten"' dTi vor'' was

5085 viirnamencs ' in"* aigen.

er' wart dcr ailer richestcii .liiirr

(f.acxli ze Romc waren seclelliatt.

sines laides er wol ergezzet wart.

Der'" kunic VitcIIus sante" iii dic stat,

souoaines fridcs er duo pat,

er bestuont si " mit miclicln iniiiiicn:

dcs froutcn si sih dar innc.

daz'' riche hct er niun manudc.

R6ma3re marcten° vil gcnOte,

5095 wenne der fridc cndc nam

zwelfe Vespasjani'' man

nahtes in'' uz'' der burc truogen,

also lebentics si in'' di erde begruoben.

Daz'-' buoch'* kundct uns sus:

5100 daz richc bcsaz Vespasjauus.

also " si in gelobeten

ze'' Rume ze ainem^ vogcte,

ir ^ botcn si schiere santcn

ze jerusalemisken*' lantenf.

5105 also Vcspasjanus |

vernani,

daz Vitellus lebenticS'' was bcgraben'',

mit nchainer' slahtc dingen'*

nemahten si in nie' an daz richc bringcn.

er sprah, daz er sin"" niht haben solte,

5110 und 3 daz er'' von rehte buwen*' wolte

(f.30'')

5083-5089. e) /. 2. f) als iz] alsiz 1; Also iz 4.

naincuus 1; Vornaniis 4; Fiir war 2. (5. (3 frei und selbisldndiij).

\) er allcrj Ward cr dcr 2. ni) Der k. /. 2. n) sant 4.

da/ ^ laiit daz cr li(*t«' bcdwungeir',

uiit hincm herscilte g


176 KAISERCHRONIK V. 5139—5194. Dicm. 157, 33—159, 22.

daz du ir heres phlsegest

5140 und die^ rache an ir vianden nffiuicst;

duo wolten si dich ze eren*^.

nu enkan ih geraten mere.

wil dii nii wider Roniffire^ strcben,

wa^ megen^ wir vor in genesen?

5145 si suochent uns mit here

soe nemegen wir uns nihf' erweren'.

vater, daz"* enrede* ih umbe daz niet"'

din'' ere sint mir also liep.

ih pin gereht** unde gar,

5150 iz'» wol oder ubel var,

durh dich ersterben'',

oder swaz min da*^ sule werden.

wir newerden*^ aver in gehorsam,

ir wille muoz uber uns ergan"'.

5155 Vespasjanus ^ hiez ilen,

sine brieve sas scriben.

er** enbot Romseren,

wi gerait er in waere,

alleni ir willen

5i6oiemer gerne* zervuUen''.

er nehetiz er hete verlorn sine |

er hiez in daz** clagen,

man.

von Babylonje^ wperen^ si im erslagcn,

5165 er nemahtes niemer wider gekeren'',

er neseraech' iz nah ir eren.

er vvolt e den lip da"* verliesen,

e Romsere ir ere solten ' verkiesen.

(f.3o


5i95nianich* lieiitiu^ scar,

manich helts wol'' gar.

KAISERCHKONIK V. ol«J5-5251. Diem. 1&9, 23— IGl, IJ. 177

Titus nani ' Ruinjere van'',

vil schiere rant er (Jen an

der den ' vanen"" da" vor laite,

5200 den' brrdit er ze grozen'' arbaiten;

daz sper er durh in stach,

daz worf^ er vermezzenlichen'' sprach:

'ledic sint diniu'' lehen.

du nenialit dinen ^ lierren

6205 nienier t' nehain'' ma^re' der'' von gesagen,

iz ist mit dir unsamtt ' erhaben'.

den schilt er n( rulite"",

den vanen er liz" zuhte"" —

der was liarte bluotvar —

5210 er kOrte ingegen" des kuniges Milianis

(f.3u'') '

^

helde'' die jungen,

scar.

vil^ vaste si zesamene drungen,

wi'' wol si diu sper verstachen!

wi wol si die scar durchpracheu!

5215 da wart manic wiz van "^ rot,

da lac manic helt tot,

Romajre frumeten ^ maniges wunden,

die'' brunne '

si zetranten'',

die lierten stales ' ringe

5220 nemahten 3 niht geschirmen,

si durhhiwen'' daz wal,

der viande wart ain'^ michel vah

rsrowi'' wok-h uiort da gciruMiei w.iri:

da wart nianic hiliu *"

«cart,

5J25 si nemahtcn in niht vor gcha))en ^

da wart der kunic MiliAn erbhigen,

da geiagens die vaigcn,

danneii'» Huh


178 KAISERCHROXIK V. 5252—5298. Diem. 161, 13— 162, 26.

(f.3i'»)die'^ helde raliten'' lif ir hant:

swer 1 in da s entrunne,

daz er niemer'» raure

5255 lehen noh aigen;

* gewunne

er soh*^ ouh sin geschaiden

von allen romiscen eren.

daz orevestenten ' alle"' die herren.

o

Also Titus ir willen vernam,

5260 duo^ froute sih der junge man.

duo^ fuor der helt mihe*^

vor der scar spilende •=,

er vuort ainen gruonen van*',

mif golde was geworht •^

5265 ains eber wilde

in'' wunderlichem pilde.

dar

an

der^ selbe eber zehen' horn truoc,

mit'' den er sine viande nider sluoc.

wol bezaichenet ' mis daz eberswin,

5270 daz» daz riche'' ze Rome sol


(lie .sili doli wol wcitin

5300 di \\ ile daz si leljcteii.

Vespasirums

unt sin sun Titiis,

die' burc si gewunnen,

ir wicliet si sungen,

5305 si hiezcn slalien ir gezeit

ze Babylonje an ^ daz velt.

si besazen ^ die wicstat

sibcn tage unt'' siben nalit

ir zorn si duo*^ rachen,

5310 di niure" si'' nider brachen,

si wantcn'^ ir vanen'':

KAISERCHHONIK V. 5299-5359. Di.i... 1«J2, '21 -IG4. Jl, 179

niit niichehi frouden fuoren si dane'*.

Nii horen wir daz*^ buoch sagcn

ein kunic was ad •"

53i6gehaizcn was er H}las,

Affricani,

wante er Milijinis bruoder was.

dem saget'' nian hiidiu niuniaire',

daz im der bruoder erslagen wjcre.

vil"* sciere er sih besante

5320 in allem " sinem hante.

der kunic was unstaetic,

sine man newaren'* ini nilit willic;

iedoch gewan er schiere

zwcinzeC^ scar und'' viere''.

532:. Di kuonen Komjere fraiscten'^ daz,

daz ders kunic rait'' samenunge was,

si gcrieten ain ' halscar:

mit micheh-'^ froude huoben si sich dar,

Also si' komen s6 nrdien.

5330 daz si ainnn


180 KAISERCHRONIK V. 5360—5421. Diem. 164, 22— 166, 17.

5360 Vespasjtlnus lebete duo kunicliche —

daz sajret daz buoch vur war —

dar nah ahte » ]ai'

und zehen^ manode mere:

an dem bluote verschiet duo der heiTe.

5365 «^Daz* riche was duo Iffire.

si sprachen^, daz Titus waere

milte unde kuone,

edel f genuoge,

und daz er wol gezsemeS

5370 ze vogete unde ze rihtiiere*.

Roma^re niht langer'' entwelten


KAISERCHRONIK V. 5422—5475. Diom. 1U6. 18-168, 6. 181

Bo^ wil ih dir niin golt geben'.

er*' hiez ini ungewegen'^

vil sciere rotes goldes geben,

5425 s6 erc aller maist niahte getragcn.

er liiez in'' riimen daz gadeni,

er liiez' in belaiten wider liz.

er gahete haim wider in sin hus.

Daz stuont'' duo ' unlanfje'",

5430 du besant er den andcrn

so* tet er den aitgenozen allen'' sanit,

unz er di warhait ervanf^.

sin golt er in allen'' gaj),

sunderliche^ er siu alle bat,

5435 daz si in da ^ welten,

swederzs si du'' zim liaben woltr-n

daz si viande '

swederz '

oder

friunt'' waren,

si baz gezneme.

Die'" aitgenoze" zwelfe

5440 die* komen wider'' zesamene.

si sprachen, daz si'' gr«Jze*= gelasteret

daz ir" vordern nie gesc?che ^

wffiren*',

iz enmiihte niht beliben ungerochen!

der kunic hetee sih'» harte ubersprochen.

5445 si frumten ir mezzer

so si nedorften bezzer':

dai'' waren' baidenthalbcn was*",

si " sniten sam ain scarsahs.

ob si sich otfcnlichcu " nieno miihten ge-

rechen »»,

5450 81 wolten in aver" taugenlichen'' Btechcu.

TitUH der milte'

der'' gelaC aitieH nuhtcH an Hinem' bette:

ainen troum er ge8ach> —

f »3 da'' hiid cr |

inne

ungcmHch —

5455 wi er rite ' zc aincni ^* waldc,

du' sah er lewen wildc,

(f.3ji')8i woltcn in nider zichcn";

dcr ln-rrc bcj,Mindc vor" in Hiehen"".

er" k(tni vil kume

54C0 zu aincnj durrcn Ijoume.

do nchctcn dcs* boumeH este

nehain(,'r slahte vcste.

an swellen ash er trat,

wi'' sciere der inzwai brast!

6465 80 begreif er ain*^ anderen

der verswant'' im u/. " elcn hanten '.

der hcrre in grozcn sorgcn wa.s:

unlange stuont daz:

ain'^ andern bouniR kus er ini'' d.i bi.

6470 der hi^^te gruoniu • zwi,

den wipfel'' naicf^ er an di erdc:

do rehalte'' sih der herrc,

er swanc^ sich flf" inrihte8,

der kunic'' {Iz dem slafe re8crihte'.

5475 AIsc')'' der kuiiic erwachte ',

5422—5429. d) Des 2. e) v. 5423. 24 feklcn 2, offenbar icegen der in 1 vorliegcnden rctmv^rdrrtiuU.

f) gewinnen 1. g) er a. m. inahte] du a. m. maht 2. hl im 6. (5?); /.

gelait 2. k) stfinte 1. 1)/. 2. m) unlang(;n 1.

2. i) hiez in bel.) pab im

5430—5439. a) Sam 2. bj a. s.] alkntsamt 4. c) bevant 2; vant 4. dl /. 2. c) Sunder 2.

f) daz 2. g) Swedir 4; Swelhes 2. h) da zim] da zi im 1 ; da zS ime 4. i) v. o. fr.) »0 1. •> \ sino

viande oder sine vrfint 4; sein vreunt oder sin veint 2. k) friunte 1. 1) sw. si] »o 1. 6. 6; Sw z «i '-

Swedir in 4. m) kein absalz 2. n) aitgenozzcn 2. (5. 6^.

5440—5449. ai /. 2. b) si gr. gel. w.] iz groz laster ware 2. c) so groz 6. 5. d) /. 4. c/ ir

v. nie] iz ir vodern ie 2. f) gesaehe 1. gl hate 4. h| sih harte uherspr.) sich spr u. 2; «ie zcu

harde u 6. (5); sich ce harte virsprochin 4. i) niht pezzer 2. k) dai nur 1. Il wnren 1. mi wAjj 4;

wjihse 2. n) v. 5448 in 2: Un sniten sam di scharsache. o) so 1. 5; -lich(e) 2. 4. ft; off. n. m.] off. nicht

nemochten 4; nicht off. mochten 2. 5; nicht mochten off. 6. p| reden 2.

5450-5459. a) f. 2.4. b) tougenlichen 1; toghentHchen 5; zcogentlichen 6; tougenliche 4. c) milde

imvier 4. 5. 6. d) /. 1. e) gel. aines] lach des 2. 5. G. f) sin«:- 4. g) sach ?). 6. h) dA laid er

inne] da laider inne 1 ; da leidir inne 4; darinne leit er 6 ; da leit her 5; Da laid er in ^TOzzcn 2. i) rait 2.

k) einen 4. 1) Do 2. m) zihen : flihen (vlihen 4) 1. 4. n) vor in] in vore 5. 6. o) er komj Do

chom er 2.

5460—5469. a) des b.] sin 1

; di 2. b) Swie 4; v. 5464 in 2: Der brast ab an der stat. c) einen

wie immer 4. d) ver.swan 2; verswang 5. e) in 2. 3 a. f) handen 2. 4. 5. 6. g) bJme 1 (bo.ime 61).

h) /2.

5470—5475. a) grilneu 1 ; groze 4. b) wiffel 4. c) n. er an di] zoch er zu der 2; iden w. i^ r.nchte

an die 6. d) reh. sih] irholde sich abir 4. e) swancte 4. i) uffe 4. g) gerichte 4; ein richte 6;

die richte 6. h) herre 2. i) vgl. v. 1337; erschrichte 2; rescricte 1; irscricte 5; erschricte 6;

k) Do 2. 1) irwachete 4; entwachte 6. (5. 7).

irscrickete 4.


182 KAISERCHRONIK V. 5476—5535. Diem. 168, 7 — 170, 1,

den troum er selbe betrahte,

also er ouh"" sit" ergie.

vil^ wislieheP erz an vie:

der kunic guote

5480 scuof* sine ^ huote,

die in wol bewahten *^

ze tage unt ze nahte*'.

daz si im^ nienef mahten gescaden,

newederS erstechen noh erslahen.

6485 Bi den ziten'' was ze Rome ain spilhiis,

gehaizen was iz asilus.

der herren site was su getan;

da ' wolten si iemer"* ze none ingAn;

ainander si da ' sageten,

5490 waz si vernomen habeten

von wjerlichen^ eren.

des tlizten'' sih alle^ di herren.

Titus der riche

der ffewarf"* duo^ harte

549.5 er hiez siue spehsere s

^ listecliche:

uber alle*" di stat ze Rome sagen msere,

daz er mit sinen haimlichen' mannen

(f.s^-^^hin ze dera spilhus ware gegangen.

ainhalp gienc*' er in daz spiihus,

5500 anderhalp stal ^ er sich dar iiz.

er hiez wiifFen'' alle sine man,

er newolte nehainem ^ sagen,

waz er frumen'* wolte.

er sprach, daz er si ^ haben solte

5505 ze ' michelre f note.

die helede gerehten'' sih drate'.

Duo'* sagete man uber ' alle die burc

msere"",

daz" der kunic in dem'' spilhiis wajre.

di viande waren des vil fro,

5510 vil sciere ]

samenten

si sih do.

^^^'^ diu mezzer waren^ gereht und** gar,

mit frouden*^ huoben si sih dar.

duo suochten die gesinden ^

des si niene *" mahten vinden,

5515 si resuochten daz spilhus allenthalben

•"

der kunic kom mit sinen mannen,

mits listen er in nach slaich,

unz er si alle'' samt begraif,

er hiez umbehaben daz spilhus,

5520 raan ^ nelie niemen^ dar in noh dar*^ uz.

er hiez die aitgenozze vahen**

unt alle'' di an ^ dem rate mit in waren,

er hiez si vuoren ufs den hof —

daz urkunde*' ist ze Rome ienoh' —

5525 mit rehter'' urtaile

Romsere algemaine'

hiez"" er in diu houbet abslahen,

die boteche" hiez" er werfen in denP

burcgraben

ze ase deni vogelen unde deni hunden.

5530 also zuhtiget er* die tumben'',

Duo hiez der kunic rasere

sine nstwurchsere*^

giezen'' ain sul erin,

so*^ hiute ze Rome ist anscin:

5535 die zwelf herren hiez er dar an ergraben'',

5476—5479. m) /. 2. n) sint 2. 5. 6. o) Wie 4. (5?). p) wisliche 1.

5480—5489. a) Der schuf 4. 5. b) sin 1. c) bewarte 2. d) nahten 1. e) im — gesc.] mit

allen ir betrohten 2. f) niene mahten] nie nemahten 1; nie mochten 4; nicht mochten 5. 6. g) fur v. 5484

in 2: Im niht geschaden mahten. h) zeten 1. i) do sehr oft fiir da 2. k) /. 2.

5490—5499. a) so 1. 2; werlichen 4; werliken 5; werltlichen 6. 3 a. C ist sicherlich nur eine con-

jectur, v:enn auch vielleicht eine richtige. b) flizzen 2. c) /. 2. 4; dafiir do 2. d) so 1. 5. 6; warf 2;

gewarp 4. ej /. 4. f) /. 2. 4. 6. g) spsehaere 1. h) /. 2. i) heimilichen 4. k) gienc er] g. er

offenliche 4; nur gie 2.

5500—5509. a) verstal 2. b) waffen 1. 2; waphen 5; wapen 6; sich wefenen 4. c) nicheime 4;

nimen 5; nyman 6. d) ane gen 4. e) .si haben /. 6. 5. f) v. 5505 in 5. 6: haben to (zcu 6) michelen

noten 5. 6. g) haimlicher 2. h) gerihten 2; bereiten 5. 6; wafenoten 4. i) trate 1. k) kein

absatz 2. 1) uber a. d. b. /. 2. m) ceware 4; vorware 5. 6. n) v. 5508/. 5. o) daz 2.

5510— 5519. a) wjeren 1. b) /. 2. c) frSde 1. d) gesunden 2. e) niene m.] nicht nemochten 4;

nicht m. 2 ; da ni m. 5 ; do ny m. 6. f) / 2. g) m. 1. er] Listichlich 2. h) alle samt] allentsamet 4

nur alle 2.

5520—5529. aj m. n.] Er lie 2. b) n. d. in] dar in nieman 4. c) /. 5. 6.

e) /. 2. {) an d. r. mit in] mit in a. d. r. 2. 5. 6. g) uffe 4. h) urkunc 1. i) noch 4.

4. 5. 6. l) alle gemaine 2. (6j. m) h. er] Hiezzen 2. n) bfiche 4; boce 5. o) h. er /. 2.

di 2. q) /. 4.

5530—5535. a) man 2. b) tumpen 1. c) listwchaere 1 ; list wucherare 2; list vfir kere 4.

d) all V. 2.

k) rechtem

p) dem 1;

d) geizen 1.

e) V. 5534 in 2: Als noch hiut ist zerom schein; in 4: Daz iz hiite ce R. schin. f) graben 2. 3a. 5. 6.


KAISERCHRONIK V. ;x)-iG— ofj^H. lJi,.,n. 17(i. L> 171. ;>•_>. ]^:\

mit goldo screip nian ir nainon,

8


184 KAISERCHRONIK V. 5599—5649. Diem. 171, 33—173, 17.

ain sinen engel here,

5600 er^ lost'' in von dem


KAISERCIIRONUv V. 56.%—5C'J2. Di.m. 1 7:{. is -174, 2> eiu U.

f) .Ut .s. an ini) an iin dcr sulit 2. g) inne 1. 2. h) so ncli.) Iii lialf


186 KAISERCHRONIK V. 5693—5745. Diem. 174, 29—176, 16.

Duo sprach dcr kunic here*':

'daz sihe'" ih vil gerne;

5695 unds getVumest du minen willen,

du liast niin*' iemer minne"'.

Der'^ list\vurchan-e ' sprah im zuo

'hrire. nu haiz niir dio"' state" tuon"^

desi' ili ze notdurttci sule"" han,

5700 so niac din wille wol ergan.

ih uudorscheidiz * also:

und gemaclie-' ih dich niht vil'' fro

iind alle die mit dir sin,

herre


(i.3i»)(leni kunige'' snget er' daz,

er bat in dar in*^ f^an.

duo sprah der vaige nian

KAlSKKCIlUoNIR V. r>74t'.—fjSO^. Di. 17i;. 1 ITs. S. is;

*den' list wil ili dir, lirrr»,- '", zai^^en".

5750 ih wil iz aver su ho.schaidcn:

ih pitte" dich durch dinc knniijich'' crc,

daz discn*= list nicnicr'' nicre

nefraiske'' nchain werltlieh nian.

daz scol an '

dincn

>;cn,'idcn ^ stan'.

5755 Der cdel'' kunic Nerva,

der antwurte ini sa

'dcr list ist mit dir rchahcn,


ili wil dir wa-rlichen ' sagen

want du dcs'' listes maistcr bist —

5760 mit dir wirt ouh" verendet der'' list.

in*-' geliruet'' hinnen'' vur*^ nicmer nchain

man:

er- muoz hiute'' disses' tagcs cndc'* han'.

I)a/. ' hudch

kundet uns daz,

aldaz'" ze Komc frumcs" odcr nuzzes was,

57C5ritcr" unde i' frowen,

dic komcn allc'i scowen

uf"" des kunigcs hof.

dil * vundcn si ain crcn ' ros

in" aincm lussam^' piledc;

5770 des wundcrt alle dic menige.

'Owol''' du cunic richc'' und hcr!'

sprah des pildcs maister,

^vil du niV, hOrrc, volevarn'',

su gcwin niir ain '^ starkcn luixu,

5775 der .solf /,e trule brinncn:

8o muoz din ros Kprin


188 KAISEIICIIKONIK V. 5803—5855. Diem. 178,9— 179,28.

er^' liiez die genoze

den maister dar in stuzen,

5805 daz


i

neliaincr slahtc niietC",

KAISERCIIRONIK V. 585G—oOOl. Di...... 170. 20 ISl.S. 1^9

den sculdigen" getorsto ' nieinen gewegcn.

cr licte ain kuniclich" Ithcn.

Trajanus was aini' hdt kuonc.

68C0 niilte" gcnuogc,

fursten'' dic herren

die*= het er niit gr


190 KAISERCHRONIK V, 5902—5945. Diem. 181,9-182,20.

wil ih lusen"^ von ir fraisen,

die*^ sint mir in rainemf riehes gevangen,

den wil ih gerne'' helfen dannen •.

5905 so ili her wider kom '',

so rihte ih dir gcrne ' wol'.

Diu'" frowe sah in nbellichen" an

'nu^ sage du niir, kaiser'' Trajan',

sprahi daz guote wip,

5910 Mver hat dir gehaizen daz'» zit,

^" ^*

'daz dii iemer lebest

und des^ gerihtes*^ hie'' ze Rume phlegcst.

du nebist nie so riche,

du nesterbest^ also wOrliche "^

5915 sams der aller jirmist der ze Rome ist.

zewiu*^ gistu mir so lange frist,

unze* dii komest'' widere?

wi' ob du tot gelist da'" nidere,

80 hastu mih gar betrogen,

5920 so bist* aver du ewechliche verlorn'.

Duo'' sprah der cunic TrajTin:

'frowe, din rede isf^ fraissara,

ih sterbe oderd werde erslagen,

Romoere muozen ain^ rihtere haben.

5925 swer des gerihtes nah rair phlege,

dem chage "^

die selben rede:

der rihtets dir denne'' gerne,

nu' muoz ih riten verre,

min baitct vil manic man;

5930 frowc, mit dinem urloube " lCi^ mih varn*^'.

Diu frowe mit baiden'' handen

gevienc'' in bi dem gewande:

'herre'", rihtet mir dehains ander man,

welh'' lon soltestii' des von got'' han?

5935 war ist din guot' gerihte nu komen?

dinen'" wistuom newil ouh" ih niemer mer''

geloben,

undi' werliche'1 sceidesf dii von ^ mir s6

hinnen ',

du" bist iemer an^ gotes minne',

'Owi^^!' sprah der'^ kaiser Trajan,

5940 'sif ih aller*' erist*' ze lebene began,

so'^ gehorte^ ih nie so wisliche'^ redes.

also gerne so'' ih lebe,

so rich' ih din'' herzelait'.

von dem rosse er wider' nider scrait"",

5945 er rebaizte" an die erde,

5902—5909. d) lossen 4. c) r. 590:^ in 13: mit angestcn sint si bevangen. f) minnen 1.

g) land 2. h) /. 2. i) dannan 13; von dannen 2. k) kum 13; konie (: wolc) 4. 1) denne 5. G.

m) k(in cth.satr: 2. n) nbelichen 4. o) nu sage dii] so 1. 13. (5?), 6; Nu sage 4; Si sprach nu sag 2.

p) /. 2. q) So sprach 2.

5910—5919. a) so 1. 13; die (diu) 4. 5. 6. 2. 3 a. b) dcs g. h. ze R.] Iiie zcu Rome gerichtes

(riehtcs 5) 6. 5. c) richcs 1. 2. 13. d) /. 2. e) nest. also] nur storbest 2. fi werliche 1. 4. 5. 6;

warliche 2; gewarliche 13; werltlich 3a. g) sam doppelt geschriehen 1; sam d. a. U. dcr] so nach 4. f). 6. 3a;

sam der der a. a. 1; sam der ailer ermisti 13; 2 macht niis der zeile ein reimpar: Sam der ermist. Der ze

Rome ist. h) wie 13. 5. 6; Wei 2; Warumbe 4. i) v. 5917 /. 2. k) kfimist 4. 13. 1) Waz 2.

m) so 1. 13; geligi.st 4; geligest 2; ligest 6. (5?); list 3 a. n) dar 4. 5; der 6; da nidere /. 2. 3a.

5920—5929. a) bist aver dii] bistu aber 13; bist ouch dfi 4; bi.st du ouch 6. 5; ntir pistu 2. 3a b) Jcein

ahsatz 2. c) diu ist 1. 13. d) oder ich 13. 3a. e) so 1. 13; einin 4; einen 2. f) clage dfi 4. 5. 6.

g) rihte 13. h) denen 1; danne 2. 3 a. i) nu m. ih| ich moz 13.

5930—5939. a) urlobe 13. 4. 5. 6. b) la mich] wil ich G. 5. c) varen 1. d) beden 4.

e) gevie 13. 2; g. in] ving den konig 6. 5. f ) /. 2. g) ein 2. h) wellien 13. 2. 3a. i) soltu 2; s. dcs

v. g.j von gote soltistu des 13. k) gotc 4. (5. 6). 1)/. 2. (3a). m) dien 13. n) ouh ih] so 1; ich

oucli 6. 5. 7; nur ich 13. 2. 3a. 4. o) mere 13; /. 2. 4. p) / 2. 4. q) warliche 13. r) sc. du|

geseoidistu 13. s) von mir s6] so von mir 13. 5. 6; nur von mir 3a; nur von 2. t) hinne 2. 5. u) v. 5938'

in 2: Du gewin.st nimmer gotes minne 2. v) ane 13. w) hcin ahsatz 2; Owe 2. 3 a. x) der k.] do

der k. 5; nu k. 6; nur do 2.

5940—5945. a) .siht 1; Sint 2. 5. 6. b) io 2; / 5. 6. c) crst 13; er.ste 5. 6. d) /. 2.

e) gehort 13; negehortc 4; horte 5. 0. f) wislich G; wislicher 2. g) erde 13. h) s6 ih| sosih 4; so icl

na 2. i) xo 13. 2; reche 4; dagegen rihte 1. 3a. 5. 6; aus dem handschrl/lemierhaltnis ist nichts sicheres zt

erscldiessen, B hat riche, die hss. von C aber gehn wieder auseinander: riche 27. 29; rihtc 28. 30; riche ist gezei

dns voin sinn geforderte, rihte aher wnr durch die vorausgegangenen reden so nahc gelrgf, dass die schreibe,

u-irderholt selhstdndig darauf verfallen sind. k) din li.) diniu hertzenlait 2. 1) / 2. m) staich 2

nj wider s. z. 5. 6.


KAISEUCIIIJOMK V. aDW— o!l'J"J. Di.-m. iMj. 'ji i^j. i,, 191

mit zeherten" oiiji^en sprah deri' hrrre:

'frowe, ieh enj^osejiide'' oueli nu nicnici

iner " hinmn',

ieh en^^eriehte dir" nah (lineii* iiiinnen'.

Diio iiez dcr kaiscr 'l'raj;'in

5950 inr' suoehen den .seuldigen'' iiian.

(f.3y'')duo'^ ilten botcn'' IVune

in die stat ze Runie,

f. 2r)''si ersuoehten baide*' Kunie und r.,ateraii,

zejungest'^ funden si (h-n nian,

&y,,D si fuorten in vur dcn kaiser

ini'' grozcn sincn fraiscn.

Als('»'' in d< r kaiscr an sah,

vil zonilieiie' er ini'^ zuo sprah:

'nu sage du niir, vaige,

5'j(3o waz tct dir'' dcr ze hiideV

waz hat'' cr wider dinen*^ huldeii

den'' du'" ze "^

getan,

^('xle iiast gcslagenSV'

Kr- sj)raeli: 'JK-rre'', er ii(*-te niir \il

des ich guoten geziueh liaii.

59t;5 ieh erniane'* dieh, herre, wol:

er was niin rehter scol,

cr sluoe niir den bruoder niin.

ze laide getan,

niit diiien hulden sol iz von '" rehte ane'

gcrihte sin'.

Duo sprah der kaiser Trajan:

5970 'diu rede ist* niwet'' »6 ffetan.

duii dir iUn" bruo^h-r wart ershigen,

diMi*' rtoltis*^ du niirz' geehigct haben,

wandeC niih IJtunaTu

lobcten ze rilitaTe;

jj7.4mincs g


102 KAISERCURONIK V. 6000—6049. Diem. 184, 11— 185, 26.

6000 da*^ cr micliel Ore gewau:

die burge'* er in zestorte,

dnz"^ liut er daunen'^ vuorte.

si sluogen unde viengen

aldaz'' si ir*" begiengen.

60o:. der kunic wart gevangen,

si^.' vuorten in mit'' samt in dannen.

Duo vuor der kaiser Trajan

froliche • ze Lateran.

sin*^ antvanc wart' scone,

6010 man enphie" in da'' ze Rome,

'^'^'"hlte rief*' wip unde man:

'lob und*= cre muosf dii, licrre •', iemer

mcrs han'.

Duo'' rihtc der kaiscr' wisliche

in allcm sinem richc,

C015 grozen '' fride er worhte,

so er baz ncdorfte'.

swer sinen fride brach,

wi"' hart" erz" an im rach!

dcs er sit groze genade p gewan

6020 ain ' vil hailiger man,

gehaizen sancte" Gregorje,

der lost*' in uzer*^ sorgen.

daz saget** daz buoch vur war:

daz gescach^ sit^ uber zwai hunderts

C025 duo cr sancf' Peters stuol bcsaz

und cr die frumchait vou im las,

do erbarmt' er'* im scre',

daz der tiurliche'" lierre

daz" hcllewize dolte.

C030 wie harte er sih dar" umbc kolte!

Aines'' nahtes do cr zu


j Gregorio

I

KAISERCIIRONIK V. G050-G102. Diem. 18r>, 27— 1«7, 12. io:i

6050 'icli sage dir, Gregori''', waz^ dii tuo*".

du bist ain "warcr gotcs scakh

nu'' liabe von gotc den" gewalt'^,

daz dii den liaiden lazest liden

daz er gearneto' habe niit'' deni libc,

605.5 odcr' daz du der sele iemer'' phiegest

und siben suiite dar' zuo nenicst,

daz dir dcr"^ nicnicr buoz" ncnu'gc"

unzc du doh sulsti crstcrben''.

ist* daz din wilie,

C060 s6 nim die scle liz der liellc

werdcn •',

und bewar si unz" an dcn jungistcn

duo cntloucli '' sich daz grap

tac'.

diu scle kom wider zu dcm lihnamen*^,

die** engel*^ si do namcn,

C065 si enphuliicn ^ sie dcm hailigen man.

^'derS tievel rauose dane'' varn,

vil liite' screi er wc:

ncwcder '' sit ' uoli c

gehortct"' ir" nie solli" ungemach.

C070 die ture" cr alle zebrach,

diu liclit'' elliu'^ rclascen^,

die scindelen*' zebrasten'',

der tievels vuor in gotes haz.

(f.36»)der engel sagete'' sancte ' Gregorje daz,

6075 daz er siben '' suhte wielte

und di sclc dar' zuo beliicltc

unze'" dcm jungistcu urtaile,

dai- diu wirlt kumct" algeraainc":

da sol cr sii' vur jjringcn.

6080 nu habcn" wir allc'' ze gotc gcdingen«=,

ir wcrdc zc jungcst'' guot rat,

nu cr sih ir undcrwundcn hat.

Nu'" suln allc werltkunigc '^

da bi ncmcn pilcde,

6085 wi der cdcl''' kaiscr Trajan

dise genade'' umbe got gcwan'',

want' er rehtes'* gerihtcs phlcgctc

di wil' er"" an" dirre" weritc'' lcbete.

dcrP selben gcnadcn'" suln si gcwis'" sin,

6090 behaltcnt" si an ir gcrihte rainen'' trahtin.

Der*' kaiscr lcbcte in'' dirrc werltc'"

dem liute rihts cr vorhtlichcn'',

uns' saget daz buocli vur war:

rchte'' niunzchcn jar

6095 und zwaier' raanode incre.

Roma^rc clageten sinen tot scre.

ruotl iclicn'

""Daz" buoch kundet uns sus:

daz riche besaz duo° Philippusf,

der was der aller erste hcrre

6100 der^ den gcwalt'' und dic ere"^

in dirre cristenhaif ie gcwan.

er wart ein kunic lobcsara.

6050—6039. a) Grcgori 1. 2; g-regorii 4; grcg^orie 5. 6; Grcgorio 12. 3^. b) wie 12. b. 6. c) solt

tii 4. d) nii h. V. g-.J Von got hiih 2. c) dic 5. 6. f) gwalt 12. g) garnet 12; gernt 2. li) an 2.

i) odc 12. li) /• 2. 1) dar zuoj an dicli 2. ni) dcr suht 2. u) buzc ntcr 5. 6. o) ncmiig-e 4. 5;

imigc 12. 6; muz 3;i;/. 2. p) werde 2. q) sftlist 4. r) sterben 2. s) Si 2.

6060—6069. a) untze 12. b) enthult 2. c) licham 4. d) v. 6064. 6b fehlen in 2. c) cngelc

iniracr 4. f) bevulhcn 4. 5, 6. 7. g) der t. m.J Di ticvel musten 2. 6. h) dannen 12. 4. G; danc v.J

varn dan 5; daune gan 2. i) liute 12. k) Daz ir weder 2. 1) siht 1; sint 2. m) Ncgehort 4; nc

ghehortet 5; ny gehort G; gehort 2; gihorte 12. n) er 6;/. 2. o) sulch 4; solhen 2.

6070—6079. a) tiurc 1 deutet avf uvilaut, der aber sonst stets unber:eichnet bleibt. b) liet 12.

c) alle 4, 5. 6. d) irlasken 4; irlaschen 12. e) scindele 5. (6); scintillen 4; schild 2. f) zcrbrachen 2.

g) tiufel immer 4. h) scit 12. i) s. G.J sante Gregorii 12; sant Grcgori 2; sente gregoricn 4. (5. G); sancto

1. k) suben 1. 1) da 12. m) unze dem jungistenj so 1. 2; untz ze dem j. 3a; went tu

dem j. 5. (6); untze hin ze dem j. 12; unz die jungiste 4. n) chflt 12; chora 2. o) ghcmcine 5. G.

p) die 6, 5.

60S0—60S9. a) habe 12. 5. G; hab 2. b) /. 2. c) gedinge 4. 5. 6. d) got 2. e) Jcein absatz 2.

f) wcrlet kftnige 4; werltlich chunige 2. g) cdele 12. 4. h) gnade — gwan 12. 4. i) wandc 12. 4.

k) r. ger.J nur rehtes 4. 5. 6; des rehtes 3a. 1) wilc 12. 4. ra) er an d. w.J daz er 2. n) in 12.

o) der 4. 5. 6. p) werlet 12. q) der s. g. s. sij Dez selben sull wir 2. r) gnaden — g^vis 12, 4 (immer).

6090—6099. a) beh. — ger.J Behalten wir mit geriht 2. b) minn 1. c) hein absalr. 2. d) in d.

werlte /. 2. c) werlt 12. f) gotelich 4. 5. 6. g) rith 1; rihtet 12. h) vorchliclic 4; vorchtichlichcn 2.

i) V. 6093—6098 fehlen 5. 6. 7; u. s.J seit uns 12. 2. k) reht 1. 1) zwier 4; zwcne 1. m) vorher rot

Daz ist von Philippo 12; Von kunich Philyppo und, dann verzierte initiale 2; rot am rande Philippus 4.

n) V. 6097 in 2, 7co v. 6097. 98 umgeslellt: Das chundct uns daz puch sus. o) /. 2. p) Phylippus imvier 1.

6100—6102. a) V. 6100 in 5: de ghewalt undc ere ; in 6: der gewalt und dcr cre. b) gwalt 12.

c) 12 bricht ab. d) werlt 2.

Dcutsche Chroniken I.

26


104 KAISERCHRONirs. V. 6103— 61GG. Dumu. 187,13— 180,12.

Der'" kunic gewnn ^ ainen sun, der^ hiez

riiilippus,

(len toufte'' der' guot sanct'' Sixtus'.

6105 duo iliztcn'" si sih baide

swaz si der haiden

niahten" bekeren,

getouten unde i^elcrcn,

des warcn" si viln Hi/.eei zo fruraene,

t-nodcr pabcs niit dcni kunige;

ze gote stuont aller-'» ir sin,

baidiu'' scaz unde gewin

liezen' si iu bcslifen

durli daz gotes riche.

tui5 Dccius was ain fraislich nian:

tuiodaz

alse sciere er daz vernaui,

daz der kunic Philippus*' christen was,

vil liarte versniahet im daz,

daz dehainer slahte^ cristen

I riche

solte'"» rihten.

er hiez im gew'innen sine man,

er begundiz'' iu vil'= haifticlichen'* chigen,

er hiez des kuniges vareu,

ze allen zitcn lagen,

6125 wa si in begrifTcn,

haimlichen^ ei-slichen.

Aines tagcs komen speluTre^,

sis sprachen, daz der cunic haimelichen •

des wart Decius vil fro,

6130 vil hartc gjlhet er do'"*,

er kom uf daz^ palas,

da'^ der cunic Phihppus was:

Decius ' mit menige.

wa3re.

der cunic'^ mit venie;

C135 Dccius mit gewa^fen'^,

dcr cunic mit almuosen*";

Dccius mit gcwaltcs,

der cunic mit ainvalteS;

Dccius mit grimme*',

C140 der cunic mit guoter" minne;

Dccius mit scre,

der cunic wegete'' siner scle.

den cunic er mit guoten^ gelouben ervant;

Dccius mit sin*^ selbcs hant,

Gusden vater mit dem kinde

uud ander daz gesinde'^

frumet er algemainliche ^

in daz gotes riche,

zes den manicfalten'* eren.

6150 sibenthalp'' jar Avaren si** hcrreu.

•^Dccius der grimmige man,

durli daz er den kunic hete erslagen,

sprah diu haidenscaft algemaine'^,

si wolten" ira ertailen,

ci55dazf er ze dera riche wol gezajme,

(f.3c


die haidcn lerte,

toufte'' unde bekcrte;

KAISERCIIKONIK V. 0107— 0224. Diom. 189,1^—101,4. 195

cr waire der cliristenliaite ' lC-raire

6170 und daz-'* er sih des niene*' Iwele.

Dcr vil grinnne "^ Doeius,

furore rcpletus >,

er hiez in allen ga,hen

dcn ^ guotcn sanctum Sixtum vahcn

6175 an sancti** Petri stuole,

er hicz in schiere ^ vur sich fuoren.

er sprach: 'dil trugenare alte,

f. scwi gctarstili'' |

mit

solhcm^ gewalte

hie ' ze Kunie vor'^ mir sin?

6180 vil ^ schicre betc'* an die gote min,

oder dii vcrhuscst'^ den lip'.

duo antwurtc im^ an der zit

dcr guote sancf Sixtus:

er sprach: 'unser hcrrc Jcsus Cristus

6185 wart*" durch daz von aincr magcdco gcborn,

daz cr dcn mennisken hcte'' verlorn,

dcn er mit sinem hcren' tode widcr'* gewan.

des ' ware ih ein fru man,

ob ih des wert ware,

6190 daz ich hieze ain marterare:

s6 lebct ich iemer scune

und empliienge mine^ gehaizen corune''.

iz


19G KAISERCHRONIK V. 6225—G284. Dicm. 191, 5—192, 30.

622". *vil' liebcr sun miii,

f. 27' noh I

C235

niene'' verlaz ich din.

verniiu waz icli dir sage:

von hiute uber dri

• tagc

su lonct dir unser herre

G230 mit so manicfiilten ^ Oren,

die flaisclichiu^' ougen'^

niemer'* miihten*' gescowen,

mennisken oren

niemer megenf gehOren.

ich pin ain alt mans:

man hat mich schicrc crslagcn'',

iz ist lihtc' ubcr mich ergangen.

(""•S'*)man kolt'^ vil hinge

din flaisc und din gcbaine,

6240 din scle ist haiUch*'' unde rainc.

nah disen drin tagen

soltu nach mir varn,

elHu'' himcHske


KAISERCHRONIK V. 6285—6342. Dicm. i;)2, 31— 104, 22. 197

C285 Xuli " dciii drittcn nioi-gcn vil fruo

der cunic sprah im vorhtlicheo zuo,

ob er mit dcm libe wolte gedingcnP,

er hieze deni scaz vur bringcn,

do sprah der hailigo man:

6290 'du nemaht*'* scazzes^ von niir niht liAn.

f-27bih han in gcgebcn

umbc'^ daz cwige leben,

er sol nah disen arbaiten

mih vur got laiten

fi295 in daz himelriche

dar'' gedinge ih gewisliche.

mir ist komcn daz*^ zit:

ih sol'" verwandelcn disens lip.

dem'' flaiske maht du wol tarn',

0300 der sele nemaht dii vurnamens"'* niht ge-

diu scol wider zu ir scepfscre.

scaden'',

dine'^ werltliche wizzc sint mir unmaire'.

Dor kunic erzurnde harte'^

sa an dem^ Avorte,

C305 er hiez in brennen ^ uf ainem roste

der christenhait ze troste;

der rost der was iserin&.

duo** lobet er minen trehtin'

siner marter vil swa^rc.

csioduo"'^ si alle wanden, daz er tot w?ere,

die engel^ er von himele sach*^,

zu dcn wizzenaren'* cr duo sprach:

'owol*^ ir tumbcn'".

wan- krrt ir mich umbc''?

C315 ir birt' also'' vergeben' hie gesezzen,

ir meget"' mih ainhalp" wol ezzen,

da bin ich gar sam ain fisc,

dcn man sczzet lif des" kuniges tisc.

disiu 1' wizze netuont mir niht we,

«320 ich lige uf " ainem touwegem ^ cle

^'Maz habent'" di engel von'' himele getan'.

duo bekcrte" sicli manic wip undc man.

Duo sprach cr zu dem graven Ypolito'^,

der in da martern ^ soltc

0325 'Ypolitc ^, gloubc an dcn ' got

dcr die martcr'' unde dcn tot

an dem criicc durh unser sundc ' doltc,

also •" er selbc wolte,

des" engel mih bchuotcnt,

G330 daz mir vou dirrc gluotc

niht gewerren nemac.

zcwiu'» vorderst'' du an mich'^ scaz''?

icli hun in gegeben

umbe daz ewige lcben.

G335 ich getruwe gote vil wol,

du sist ouch dcr" rehte scol,

du uemaht sin ^ niht ubers werden,

durh'» got solt du ersterben,

dln marter wirt also groz,

C340 du bist dcr rehtcn^ husgenoz*',

ich sage dir wferliche:

mit grozer marter besizzest dii daz himel-

riche'.

6285—6289. n) kei^i ahsatz 2. o) vortlicbe 1; vorchlicho 4; vorchlichcn G; vorhtlichcn 3a. 5; zornich-

lich 2. p) ding-en 2. q) dcn sc. vur] ira den schatz 2; dcnsc. schirc vur 4.

6290—6299. a) nemath 1. b) des schatzes 2. 3a. 5. G. c) umde 1. d) daz 6. c) diu 2. 3a. 4. 5. C.

f) muz 2. g-) den 2; min 5. G. h) dem fl.] dcn vleiz 5. (6); daz vlesche 3a. i) so 4; taren 5; zcarren 6;

daren 7 ; darn 1 ; dron 2 ; tarrom (!) 3a.

6300 6309. a) vnemis 4;/. 2. 3a. 5. 6. b) g-ctuon 2. c) d. w.j Die wcrltliclicn 4; dine w. w. sint|

Dcr wcrltlich sin ist 2. d) liortc schrelht 2 vflcr hi mechanischcr reimhesserung . e) dcn 4. (5?); dem w.J

den worten 6. f) br. iif ainem] bringen uf eine (ein 6) 5. 6. g) isacrin 1 ; eysnein 2. 3 a; essenin 4.

h) duo 1.] Da lont 2. i) trehten 1.

6310—6319. a) grosse initiale 1; d. si a. w.] Si wantcn alle 2. b) engcle 4. c) irsach 4. d) wize-

neren 4; wisscnnarren 5. e) grosse iniiiale 1. f) tumbe 2; vil tuuiben 4. 5. G. g) Wen 4. h) niclit

umbc 2. i) wcrt 6. (5?); sit 4. k) /. 2. 1) virgebcne 4; vil cbene 6. m) mfigct nnigct (!) 4. n) ain-

halbc 1 ; eiuc halbe 5. o) ciuis 4. p) d. w.] disc hicze G.

6320—6329. a) uffo 4 ; in 2. b) tawigcm 2 ; tougem 1 ; touwegen 4. c) hant 4. d) von himelej

so 3a. 4. 5. 6. 7; fchlt 1. 2. e) bckarte /asf immer 4. (5). G. f) yppolito 1 [dle schreihung mit pp nur

in 1); ypolite 2; ypolitum 5. G; zum reim vgl. v. 537/. 1017/. g) m. s.] solde marteren 5. G. 7. 3a.

h) yppolite 1. i) /. 2. k) martere 4. 1) scSlde 4; u. s.] uns sunder 2. m) so 5. 6. n) v. 6329

in 2: Der engcl mich behutet.

6330—6339. a) ^Var zu 4. b) v. du] voderstu 2. 3a; ghcvorderstu 5. 6. c) mir 5. G. d) den

sch. 2. 3a. e) der r. sc.) dcr rechter scole 4; der reht g-eschol 2; zu der rcchter schol (reclitcn schult G) 5. (G).

f) is 4. g) u. w.] ubirwenden 4. h) v. 6338 in 2: Du mu,st durch got crst.

6340—6342. a) rcchtc 5. 6; rcht 2. b) hu.sghenote 5; husgenoze G (: groze).


198 KAISERCHRONIK V. 6343—0402. Diem. 194, 23— lOG, IG.

Duo toiifte sicli dcr*^ guote sanct'^

Ypolitus.

duo hiez der cunic Dccius

63-15 Valcrianen •" —

der was Romi\}rc burcgrave ^ —

daz cr dess crdffihtc,

f. sT-daz*» er iu mit wizzcn |

Duo hiez der gra,ve Valerian

6350 zcsamene komen sine man,

er beriet sicli mit dcn kargen,

duo * rieten im die** argen,

er hieze'^ die"^ gesinden

sancf Ypoliten'" pinden

vur

brfchte'.

6355 wilden^- » rossen zu den zagelen**:

durch' dorne und durch hagene

fuorteu si den gotes triit,

si zarten ^ im • abe flaisc und hut.

in der grozen'" marter er got erbat,

6360 daz allez sin hiwisc'' bekeret^ wart,

(f.sT-^jbaide *^ wip unde man;

diu*^ liez der grave Valerian

ze des herren antwurte

kolen^ mit den^ swerten.

6365 Do^ der kunic Decius daz'' ersach,

daz iz frume niene ' was,

daz** sich diu gotes lere

bi im harte * begunde meren,

er gebot sinen kamerseren'",

6370 also liep s6 in daz ^ leben waire,

si brajhten im^ alle di cristen

di si in sinem riche


(f.sa^^ze Rome iiber alle di stat.

KAISERCIIRONIK V. 0403— G4r)5. Dirr... 196, 17—198, 3. 190

owi* wie groz der'' jAnier duo*^ da. wart!

G405 diu hcilige'* scrift wart da revullet",

danncn '^

der liorre David das ccllet;

f. 27'ian dcm'' saltcr stat'

'mors

was in der tot duo' swjcrc,

1 sanctorum'' preciosa'.

| gescriben

da:

6410 nu siut si der wcrlte rihta-re;

litcn" si duo*' die*^ kole,

nii habcnt si aver ir'' corone,

nu*' haizent si alle kunige.

iz ergienc in^ aver ubele,

C415 die siu da marteroten»:

die sint iemer'' mit wizzen unt mit notcn.

Decius huop sich do

hin' ze der'' burch' ze Effeso"":

alle die an " got da gelouptcn

C420 die hicz er* alle martern'' undc liouptea'^.

siben pruoder** waren da'' cristen,

di wolten dcn lip vor'' im fristen;

si fiuiien in aine stainwant"^,

da siu der kunic mit'' mure innc gebant.

6425 da wonten ' si inne^ daz ist war,

zwai"^ hundcrt jar

unt' zwaicr"" minner" denne fiunfzec mere,

unze Theodosius der herre

wart ze Rome rihta?re,

C430 ain cunic tiurc undc majrc,

und^ ain grozer'' scnt gclobet wart

hin /u Effeso«= in dic stat.

dar komen irrjcrc,

si*' sprachcn, daz unscr urstcnde* niene

wsere,

C435 noh dcr lichnamc undcK diu sele

gesamentcn'' sich nicmer mrre.

Ja' hcte"^ diu christenhait

viP michel'" not unde arbait,

unze" min trehtin

6440 eroffente die" vil'' lieben'' scalche sin:

die'' wurdcn'^ daz wslr urkunde

dcr^ hcren urstendes-^.

Dccius'' hiez der' christenhaite slahen,

daz wir ir'' nchain zale nemcgen' haben.

C445 die tievel in zebrachen,

die'" hcrcn marterare" si rachen.

daz riche hct" cr vur war

niwanP ain jTir

und zwenc*! manode mcre;

C450 die tievel* wizzent'' sin scle.

*^Daz richc besaz duo*^ Dioclctianus

unde sin geselle Maximianus,

die ubelen"^ wuotgrimmen;

si^ kertens alle ir sinne,

6455 wie si des erdajhten •»,

6403—6409. a) We 2. b) die 4. c) duo da. fehlt 2. d) heige 1. e) revollet 1. f) v. 0406

w 2: Daz davit da chundet. s) /• ^* '') ^*^^ -• i) /• ^* ^) s. pr.] peccatorum pessima 2. 1) da 2

/. 4. 5. 6.

6410^6419. a) Liden 4. b) doch 2. c) / 2. 5. 6. d) di 2. 5. C. e) v. 6413 /. 4. i) in

a. u.] aver dcn ovele 5. 6; den vil ubelen (!) 4. g) martereten 4. (5. 6). h) i. m. w. u. m.] liiut in w. ufi

in 2. i) h. ze der] In die 4. k) /. 2. 1) burh 1. m) epheso 4. n) an g. da] da (do G) an got 5. 6;

nur an got 2. o) geloubeten 4.

6420-6429. a) man 4. b) m. u. / 2. c) enthaubten 2. 6. d) bruderc 4. e) / 2. f) vor

im] von im 1; vor in 2. g) steinne want 4. h) mit m. inne gebant] imie mit murc (mureu 6) gebant 5. 6;

nur mit mauer bant 2. i) wonete 4. k) Volchlich zwai 2. 1) / 1. mj zw. m. d. f.] zwai un funfzich 2.

n) minre 4 ; m. d.] min wen 5. 6.

6430—6439. a) / 2. b) groz 6. 5. c) epheso 4; epfeso 2. d) Un 2. e) urstande 4;

urstunde 5. 6. f) n. w.] nicht enwere 5. 6; niht war 2. g) undi 1. h) gesamten 2. (5. 6). ij Da

(ohne ahsatr., fiir den aber raum gclassen ist) 4; Do, lccin ahsatz 2. 3a. k) haete 1. 1) / 2. 3a. 4. m) / 6.

n) Untz daz 2.

6440—6449. a) dem 5. 6. b) / 2. c) liebe 1. d) v. 6441. 42 m 2: Di wold cr lazzen vinden

Dirre wcrlt ze urchunde. e) vnrten 5. 6. f) dcr lieren] der unser heren 4; den unse here 5; den unser

herre 6; dez herren 3a. g) urstande 4; urstunde 5. 6. h) hein absatz 2. i) der chr.] die cliri.sten 5. 6.

k) der 5. 6. 1) nem. habcn] mochten gehan 6. (5?); mir nehaben 4. m) v. 6446 in 5. 6: der heren mar-

tere (mertelere 5) raclien. n) martere 4. o) / 4. p) Nicht wen 4. 5; nicht lenger wenne 6. q) so

1. 3a. 5. 6; zwaier 2. 4; im archelijpus scheint wie in unsern hss. der gehrauch schwanhend gewesen zu .^ein.

6450—6455. a) tiufele immer 4. b) witzen 5. 6; wizeneten 4. c) vorher rot: Von Dyodetiano 2,

dann goldene initlale; rot am rande: Diocletianus 4. d) / 2. e) u. w.] rtur mutgrimmen 2. f) die 6. 5.

g) satzent 2. h) gedahten 2.

1) Ps. 115, 15; ahnlich xvird Rol. 2G3, 20; mcrs peccatorum pessima (Ps. 33, 22) citiert.

2) Vgl. V. 13496 ff. (zu v. 6441 / speciell v. 13583 /.). 3) Vgl. zum folgenden die legende vom

heil. Veit, Mones Anz. VIII. s. 53. Dioclctiauus auch sin geselle Maximianus u. s. tv.


'200 KAISERCIIRONIK V. 6456—6513. Dicm. 198, 4—190, 28.

daz si vur ' bi\'uhten'*

die triit imsers herren.

iedoeh' begundcn si sich niercn.

ir'" ;vhte ilouc in diu Lint,

iio swa nian dehainen-'' ehristen vant

f-5^"der dcs gck^uben |

verjach,

dcr'' hetc niichel"^ ungeniach.

si marterten bi ir ziten

den guoten sanct^ Viten,

":• si marterten sanet^ Pancratium*'

und den' guotcn sancts Mauricium''.

Kii suln wir ouch sagen,

welhen trost wir zuo'' den herren haben:

sanct' Vit "was ain wcuigiz kindelin,

iwTO an siner''* martcr bat er minen trehtin:

sweni wirrct^ diu vallcndc suht,

die habcnt allc zuo im fluht,

daz'^ gehiez im selbe unser herre,

daz die iemer mere

C.475ZC'' ainer jares friste

sculn haben reste.

Nu*^ horen wir aver sagen:

sanct Pancratius der hailige man,

die ^ tugent wir von im haben 8

648oswer> lif sinem haih^gcm^ gebaine^

swert aide'^ maine,

der'* lebet hie iemer mere

mit kaide und mit sere'^,

und wil er ane*^ buoze rcsterbens,

6485 so ncmac sin ^ dort * nicmer rat werden.

III I in 5. 6.

(f.38'') Daz dritte wil ich'' iu sagen,

danncn' diu christenhait grozen"' trost

mac " habcn

sancf^ Mauricius dic tievel vertribetP,

ci9o dcn plinden er verlihet'*

ir^ gesihen'^ wol widcrc.

dcn gewalt hfit er von himclc,

dcn'^ vcrlcch'' im unser hcrre.

ouch'' sage ieh iu von im mcre:

die suntigen er gehailets,

6195 die miselsuhtigcn cr gerainets;

cr ist ain tiurer'' martersere,

alle sunt^ere

suhi in • vaterliehen'* lieben,

si megen ' gcrne zuo im flichen.

6500 Nii" sagen wir iu'' von •= dem tiurcn

wie er ^ zuo der marter kom ".

er was zeware ^

herzogc ders More;

duo'' hort er sagen maire,

6505 wie die christen wa?ren

in des kuniges a^hte' getan.

Iierzogen,

daz erbarmet'* dem' haih'gen man.

duo'' manet er sine hoklen,

di den lip durch got"* arbaiten wolten,

6510 si ^ komen im dratc ^,

cr bedorfte'^ ir ze grozer notc.

In'' ainer luzzehi'' stunt

irewan der hcrrc sehs tiisunt'^

6456— 6459. i) vort 5. 6. k) es fohjen 14 lcere zeilen. 1) v. 6458 m 2; Do bogund sich iiiereii.

6460 6469. a) deliain 1; do 5; dic 6. b) d. h.] Dem tete raan 4. c) micheln 2. d) wie fasl

tinmrr: sant 2; sente 4. e) pancracion — manritien 4. f) d. g.] auch 2. g) scin 1; sant 2; sente 4.

h) z. d. h.] von in 2. i) s. V.] sanctus Vitus 5. 6; sente (Wide von gleichzeitiger hand nachgctragen) 4.

6470 - 6479. a) sin 4. b) wirt 5. 6 ; \vurre 4. c) /. 2. d) zc a.j so eines 5. 6. c) hcin

absalz 2; v. 6477. 78 schreibt Massmann, um den dreireim zu vermeiden, als eine zeile! f) die t.] Di taugen 2.

S) /o^5' eingeachohene zeile: Di bcwArnt uns di wissagen 2.

64S0—6489. a) heiligcn 4. 5. 6. b) beine 5. 6. c) aide mainc] so 1. 2. 3 a. 5. 7; mcineide 4. 6.

d) Er 4. e) swere 4. fj a. b.] unghebuzct 5. 6. g) sterben 4. 5. 6. li) .si 1. i) /. 2. k) /. 4.

1) Da van 5; dar von 6; da 2. m) /. 2. n) sol 2. o) sanctus 1; die andern wie geivuhnlich. p) ver-

I'

traib 2.

6490—6499. a) gerait 2

..) verlich 1, {) Noch 2.

k) vaterlichen 2; veterliche 4.

6500 6509. a) v. 6500—6609 fehlen in 3a

cj ist cliomen 2. f) vorware 5. 6. g) ze 2.

1) den 4. 5. 6. m) g. a.] in martern 2.

6510—6513. a) si k.] Daz sie quemen 4,

b) Daz 4. c) gesicht 3a. 5. 6; gesfine 4, d) deu v. ini] Dcm lch dcn 2.

g) heilet : reynct 6. (5?); hailte : raintc 2. h) tiure 4. 5. 6. i) im 4-

1) suln 2.

selbcn stundc. o) ckincn 5 ; kurczcn 6. f) tfiseut 4. 5. 6 ; tausent 2.

1) Vgl. V. 14673 /.

b) ouch 6. 5. c) dem tiuren] nur dcn 2, d) der 2.

h) grosse initiale 1. i) achte 5. 6. k) irbaniete 4.

b) drote 2. c) bedarft 2. d) v. 6512 m 2: An dcr


KAISERCHRONIK V. 6514—65G8. Diem. 1 '.»9, 29—201, 21. 201

sehs hundert unde sehszcc^ unde sehs man:

6515 die liorten alle'' zu ainer kuniges' scar.

f. 28i'der herzoge |

saget

in sinen willen:

cr** wolte durh got wallen.

si' sprachen alle, si waren'" ini gcrelitc",

sie wolten gerne" durh got vehtcn.

6520 Nu" lioren wir'' daz'^ buoch sagen daz:

svva ain'' kuniclich scar was,

da*' negebrast niemer dirre zal,

swa ''

si i'itens an'' daz wal;

diu sehs' hundcrt'*

6525 huotcn schs tuscnt,

sehzcc ' dennc ^ dcr " gcsellen "

(f.ss-i^huotcn sehsP hundcrt dcnne,

sehs liz crweltei man,

den waren si alle untertan.

6530sanct^ Mauricius '^ huop sih dauncu

mit sinen'= liebeu mannen,

si'' fuorcn scone

engegen der burc ze Rome.

Under^ diu gebot •" Maximianus sine

hervart.

6535 duo sancte Mauricius kom ze" Rorae in

dic stat,

der cunic enphie ^ siu herliche,

er sprach, daz' cr si mit flize

in siner haimeliche wolte han.

ir geserwe'* diihte si' harte lussam '".

6540 Sancte'' Mauricius unde di sine''

6514— 6519. g)

di ncwoltcn da*^ niiif' bclibcn.

si huobcn sih allez'^ initc,

si hcten tugcntliche site,

si uobtcn •"

christenlich K (''\ve'',

0545 si' woltcn got'' Hrgcn',

inan sanc in gewissc"'

dic mcttin" und die niissc",

ir alrauoscn si gabcn,

guoter werkc si phlAgcn,

6550 si vielcn ir vcnic,

si* bctten '' hin*^ zc hiniclc,

ir herze begundc got niinncn.

des wurden'' schierc inncn'

die du bi ^ in gcherbergct wui-cn,

6555 daz si dcr christenhaitc phlagent.'.

Duo iltcn si'' zc dcni kunigc,

si sprachen: 'herre', unscr gevcrtc daz''

ist ubele'.

nu wil du ze Kerlingen,

die cristenhcit da dwingcn"': —

6560 daz sint wundcrlichiu dinc —

unt* die cristen under uns'' sint.

von '^ den swarzen Morcn

wir nemegen^ andcrs*' niht gchorcn:

si nennent allez aincn'" got,

6565 der ze JerusalcmS wart gcmartcrot.

si geruowent'» naht noh tac,

niemen ' dir gesagen ncmac '^

(f39a)ir michel ungehirme.

s. u. sehs] sehs un sechtzich 2, (5. 6), h) /. 2. i) kuningis 4; konigliken 5. 6.

k) fiir r. 6517 in 2: Do sprachen si alle. 1) si spr. alle fehlt 2. m) wiiren 2; weren 4, 5. 6. n) ghereit b. 6.

0) /. 4.

6520—6529. a) kein ahsatz 2. b) hier setzen die liichenhaften slreifen von 10 ein. c) di 2.

d) ain k.j eiu koning 5; eins koninges 6. e) Do 2; der 5. 6. f) war 5. 6. g) geriten 5. C. h) auf 2.

i) sexs C^o ofterj 4. k) 2 trcnnt ab — hundert huten (6525): Der sehs tausent guten. Ij ses unde

sestich 5. (6). m) /. 2. n) denne bis v. 6538 man nachgetragen 1. o) gisellen 10. p) der sehs 2.

q) uz irwelden 4.

6530— 6539. a) sanctus 1 ; die andern wie geivdjmlich. b) der name hier wie v. 6466. 6535. 6540 in

1 mit caintalbuchstaben geschrieben, was sonst nur ganz vereinzelt vorlcomvit. c) s. 1.] licben sinen 2. d) v. 6532. 33

fehlen in 6. e) U. d.] Under deiu 1 ; Uuder des 4. 5. 6. f) der cuuic M. 1. g) ze R. /. 2. h) het 2.

i) daz er si] mtr se 5; mir do 6. k) geserbe 2; gegerbe 6. 1) ime 5; in 6. m) lobsan 2.

6540—6549. a) Sanctus 1; Icein absatz 2. b) sinen 2. c) Aa fehlt 4. 5. 6. d) n. lenger 2.

e) alle 2. f) ubeten 4. g)

cristenliche 4; cristenlicher 6. h) e 2. 6. i) vor v. 6545 hat 1: si wolten

haben christenlich leben ; 2 lasst v. 6546 fort und schreibt sie wolten haben christen me ; vgl. einleilung s. 28/.

k) gote 4. 1) vlehen 4. 6; vleen 5. m) gwesse aus gwisse 4. n) mettene 4; metten 5. 6. o) missen 5;

messe 2. 4; messeu 6.

6550— 6559. a) Und 2, b) so 4. 5. 6; heten 2; beteten 1, der aber sonst immer betten hat.

c) hine 4. d) w. sie 4. e) inne 2. f) bi in /. 2. g)

phlaegen 1. h) sie zii doppelt geschrieben 4.

i) /. 2. 4. k) /. 2. 6. 1) ubel 1; in 4 erst vom corrector nachgetragen. m) twingen alle ausser 1.

6560—6568. a) unt die] Und doch 2 ; wen die 6 ; Wente 5. b) nach uns ist in 4 hie vom corrector

erst iibergeschrieben, dann ausgewischt iind am rande zugefiigt. c) Vor 4. 5. 6. d) ne raugen 4. 10.

e) /. 2. f) ain 1. g) jei-tm 4. 10; hierrm 1. h) negerfiwent 4; enruwen 5. 6; gervvent 2. i) Nieman

\\immer 4; niemer 1. k) mac 2. 4.

Deutsche Chroniken I. 26


202 KAISERCHRONIK V. C569—GG23. Diem. 201, 22—203, 9.

herre, nu l;i dich ' erbarmen

6570 uber unsih =* haiden'',

f.28 noh mit listen

6o8onemaht er si nie^ uberwinden.

duo hiez cr die gesinden^

niit swcrten koln "^ ze tode.

du enphiengcn si ir^ crone:

in dem gotcs riche

6585 da woncnt si iemer ewichliche

sehs* tiisent sehs hundert sehs'" unt zehzich

man,

die wurden alles aines tages erslagen''.

Duo ' frowete sih der cunich Maximian,

daz er daz'' mort hete getan.

6590 der* ubele nemaht in*' niht genuogen;

diu abgot


KAISERCHRONIK V. GG24—GGGI. Diem. 203, 10—204, 15. 203

bi ' sineus ziten^ was ze Baiern '

6G25 der was in '' grozera lobe,

gehaizeu ' was er Adelger"';

vil dike getet" er"

f. ^sd wider (

romischem

p riche.

zoge,

daz begunde in'i harte misselichen''.

6630 •' Dem chunige** kom*^ ze majre,

daz in sinem riche newau-e

nehainer*^ slahte werltlich*' man,

ain lier-

der s6 •" dike widcr siuen 'i huldcn hGte

getrin,

unt vcrtriioge crz'' im iht ' more,

66:55 iz gieuge im au sin'' ere.

DO '

chumen boten frone,

si gebuteu im ze'" Rome:

der cunic wolte mit im rede hun,

er hete wider sinen" hulden getan.

6610 Der herzoge* hete ainen man,

den'' cr dike*= ze'' sinem rate nam.

er vordert in zu*' siner eheraenaten^,

er sprach: 'nu solt dii mir aller^ eristc

raten

dine'' gedauche sint ofte' guote''.

C645 ich ' han gruz '" ungerauote

llomfere" hunt nach mir gesendet:

ich vurhte, daz si mich " scenden

iz ist ain grimmigiu'' dict.

(f.3y


204 KAISERCHROXIK V. 6662— 6722. Diem. 204, 16—206, 11.

var du "^

hin ze Rome,

geere^ dii die cronc,

wette*' dem cunige

6665 alles rehtes wis im gar.

wil er iht'' dar ubere,

^ sin harnscarS,

daz' erget im lilite'' ubcle'.

Duo vazte sich der herzoge

engegen ' des kuniges hove.

6670 als" er ze hove kom,

nian enphie in laider nie*" woL

dtV in der cunich an sach,

vil zornliche'* er* sprach:

'wie getarst*^ di\ vurs mich komen?

6675 dinen i'

lip hast dii von' rehte verlorn.

du hiist mir vil ze laide getdn

die'* rache wil ich hiute an dir han'.

Duo sprach der herzoge Adelger:

'din pote belaite ' mich her.

6680 mit rehter urtaile

Romtere aller ^ gemaine

wil'' ich dine liulde gewinnen,

cuDic*^, al nach diuen genaden^ dingen'.

f. 29» Duo^ sprach der kunic Sever:

G685 4ch enwaiz der genaden** niemer^

daz houbet sol man dir ab slahens,

din*' lant solain' anderen herren habens'

Duo wegeten ira Romare:

si sprachen, daz in dem riche neware*'

6690 nehain milterre^ man.

^ Mer chunic solte sin minne han.

In dem senate

6662— 6669. c) /. 2. d l g

berieten ^ si sih trate *^

si sniten im ab sin gewant,

6695 daz^ iz im an den® cnien widerwant —

da wolten si in gescenden'' mite —

dazg har si im vor'' uz sniten.

also wolten si' entewen

den aller tiuristen herren

6700 der ze Baieren ie lant gewan.

iz wart aver^ sit'' allez wol widertan.

Duo der tiurliche herzoge

wider zuo den herbergen'^ chom,

sines muotes was er harte'* erbolgen^.

6705 duo trurten ^ alle sine holden.

Duo sprach der alte ratgebe:

'hSrre, daz din got phlege!

nu la. din triiren sin.

gevolgests du noh dem rate min,

6710 iz ergat al^ nach dinen eren:

dich'' muozen elliu


^'

KAISERCHRONIK V. 6723—6785, Diem. 206, 12—208, 8. 205

dar zuo besende alle'' dine man:

dii solt in allen ^ lihen unt geben,

6725 daz si sieh alle' samt hlzen besceren.

nu waz wil dii des more?

ich beherte dir, herre^, alle'' din ere,

oder icli verliuse den lip min.

\ii mich, herre, des tudcs dar' umbe sin'.

6730 Der herzoge vorderute^ sine man,

in'' suntersprache *^ er si nam,

er sprach: 'swer mir nii'* ze*' mincr nut'"

vollestat»,

wirt min'' iemer mer' dehain rat,

dem wil ich lihen unde geben,

6735 der sich durch mich nil'' hct bcscern,

alse ' mir ist getan ".

ja" sprachen alle sine man°:

si warenP im gerait' unz an'' den tot,

si geswichen* im niemer' ze hainer" not^,

6740 allen sinen willen

wolten» sie ieraer'^ gerne ervullen


2(^6 KAISERCHRONIK V. 678G—6841. Diem. 208, 9—209, 32.

er nam dcn dienestman bi dcr hant,

f. es-er enphalhs iu dem kunigc in'' sinen '

der herzoge unt sine man,

gCAvalt.

ze'' dem kunige er ' urloup'" nam.

6790 duo spraehen alle Ronuere,

Avie willich si im wa^ren".

Danuen'' sciet der herzoffc.

er stuonf^ iu dem aller"^ hohistcn K^bc,

s6 nie*' nehain tutisk^ man

G795 sulh ^ ere an Roma?ren gevvan.

dos si chomen under wegen,

do rieten aver die** ratjxeben,

er sante ze Baiern in daz lant,

er gebot in allen bi der zcswen hant:

esooswclhe^ lehenreht woltcn haben

oder ritteres'' namen,

si erten den herzogen da mite,

daz si daz^ gcwant ab sniten,

unt swelhe'^ ouch^ daz verbseren,

6805 daz si daz har niht ^ vor uz enscseren,

dies heten die** hant verlorn.

alse daz » mjere do'' uz chom',

daz sich die Baiere besniten*,

do geliebet'" in der site,

6810 daz sich* alle die nach im** bescaren,

die in tutischem *^ riche wdren.

Dar nach stuont ez unlange,

(f.^c^^unz diu friuntscaft'* was ergangen"

|

enzwischen^ dem romischem chunige unt

dem herzogen,

6815 mans ruogt'' in aver da* ze hove.

Roniare sprachen alle*' ubelichen' dar zuo,

wie erz"" ie" getorste** getuonP?

man gebot dem herzogen Adelgere,

alse liep im w«re*i lip unt ere,

6820 er* chome sciere ze Lateran'',

der chaiser wolte mit im rede han.

Der'^ herzoge guote*^

wart* ettewaz*" unmuotes.

ain'" boten er tongenliche' sante

6825 ze willhiskem'' lande

ze sinem alten dienestman,

er hiez in der alten' triwen manen*",

daz er im stille

enbute" des chuniges willen'*,

6830 waz er sin wolte :

ob er ze hove solte *»,

oder da haime solte'* bestcin.

da, wolt er sinen rat zuo han.

Duo*= sprach der alte man:

6835 'du'' nehast® niht rehte her zu mir gevarn.

hie vor*^ do ich des herzogen was^

do riet ich im al deste baz.

er gab mich hins dem chunige:

do gewarf' er laider ubelc.

6840 riet ich nu^ an daz riche,

f. 2i)


KAISERCIIRONIK V. 6842-6895. Diem. 210, 1—211, 21. 207

iedoch wil ich dera chunige ain spel'' sagen.

mcaht*' dCivJ wol bchaben

unts sagcst'' duz rehte dinem herren,

6845 iz' geziint'' im wol zu sinen eren.'

Des' anderen morgenes vil"' fruo

der alte gie ze hove duo.

er sprach: 4iorest" duz, lieber hOrre?

ich gedenche" anP altiu dinch verre,

6850 wil^ diiz'', herre, vcrnemen,

ich*^ sage dir ain scone spel'.

do sprach der cunic Sevcre*^:

(f.40'i)'daz hore* ich vil gerne'.

'Ain^» man hie bevors was —

6855 miii vater sagete mir daz —

der zuch im'' ain ' guoten garten,

des flizt er sich vil'' harte:

dar inne zuch ' er wurze unt crut,

der garte"" wart" im inneclichen*' trut.

6860 ain hirz ^ wart sin gewar,

iiahtos'' slaich er dar,

uber aine stigelen nidere

da spranch er allez ubere.

die'^ sinen guoten'' wurze

C865 die diihten in ^ suoze *",

unzs der garte aller'» wuoste gelach.

daz traip' er vil"^ manigen tach.

der gartena.n-e ' wart sin gewar,

vil sciere'" geriht" er sich dar.

6870 als er=' wider'* liz solte varn,

do rach der armman*= sinen scaden:

daz ain'' 6re er im ab sluoch.

diu^ snelle in' danee truoch.

der raan varte'' sin aver,

6875 er' erreichet'' im den zagel,

er sluoch in im halben ' abe,

er"' sprach: 'diz zaichen du" trage!

smirzet iz dich iht serc,

dune chumest her wider nilit mcrc'.

6880 Iz^ gescach in luzeP' .stunden:

dem hirze'^ gehailten sine wunden.

er streich'' hin widere

an sin'' alte stigelcn'",

cruts undc wurze

6885 leget ^ er im allez wuoste.

der man wart sin ' innen'*:

mit vil guoten' sinnen

ilt er mit nezzen

den garten allumbe" sezzen.

6890 alse der hirz wolte' widere

uber'' sin alte*^ stigelen'',

der man begreif sincn* spiez,

den hirz'" er do»' an lief,

(f.^i") durch den puch er in stach,

6895 daz wort'' er dar nah sprach:

6S42—6849. d) spil 5. 6; pispel 2. e) v. 6843 in 2: Daz soltu merchen un behaben. f) dfi iz

4. (5. 6).. g) /. 4. h) s. duz] Sages dfi iz 4; sag ez 2. i) Daz 2. k) zimt 2; kfimet 4. 1) Jcein

ahsatz 2. m) /. 2. 4. n) hors 4; h. d. /. 2. o) denke 5. 6. p) an a. d.J au altc d. 1; an di alten

dinch 2 ; alder dinge 4.

6850—6859. a) v. 6850 in 2: Wildu vernemen herre mir. b) dfi iz meist 4. c) v. 6851 in 2:

Ein pispel wil ich sagen dir; in 4: Daz bispel mac dir wol gecemen. d) Seuer 1; here 2. e) h. i. vil] wil

ich horen 2. f) Jcein absatz 2. g) vor v. j. Ji. aus bevor 1; bivoren 5; voren 6. h) /. 2. 4. i) a, g.]

nur einen 4. k) /• 2. 4. 1) z. er /. 4. m) carte v. j. Ji. aus garte 1. n) was 4. o) vil 2. 4.

6860— ^6869. a) liierz 1; Hiers 2. b) Dez nahtes 2. c) die sinen] so in 1, aher v. j. Ji, in dise

(jeiinderf ; die siue 5; die selben 6; fiir v. 6864. 65 bietet 4: Biz er im die wnrcc. Machete unnfitzo; 2: So diche

er daz traib. Untz der wurtzen niht belaib. d) vil g. 1. e) im 5. 6. f) vil suze 6. g)/- 4; 2 stellt

V. 6866. 67 um uncl trifft so vielleicJit das vrspriinglicJie. h) /. 2. 4. i) tet 2. k) so 2; /. 3. 6.

1) gertenere 4. 6; ghertere 6. m) sc. g.] reht hub 2. u) g. er] gherechtcr 5; gereitter 6; reitte er 4.

6870— 6879. a) der Hiers 2. b) /. 2. 4. c) so 1. 2; arme 4. 5. 6. d) ain u.] er ein ore 6. 5.

e) Sin 4. f) in doch 4. g) danne 5; dannen 6; von danne 2. h) warte 5. 6; wartt 2. i) Uii 4. 5. 6.

k) irrechete 4. 1) halj) 4. 5. 6. m) cr spr. diz] nur Daz 2. n) du von mir 2.

6880— 6889. a) Iz g. /. 4. b) liitzeln 2. 6; vil luzzelen 4; cleinen 5. c) hierze 1; hirssen 2.

d) staich 2. e) s. a.] sine alden 4. 6. f) stigele 2. 5. g) v. 6884. 85 in 4: Bede wurce uii crfit. Az

er abir iu sine hfit. h) v. 6885 in 2: Maht er im allez unnutze. i) is 4. k) scJduss-n v. j. Ji- ausradiert

in 1; inne = 2. 1) g. s.] gutem sinne 2. m) Des ilde 4. n) umbe 4. 2.

6590— 6895. a) w. w.] wider wolde 4. b) An 2; fiir v. 6891 Jiat 4: Do wart iz im virgolden.

c) a. st.] alt gestigcl 2. d) stigele 5. 6. e) ain 2. f) hirsen 2. g) do an I.] dar nieder sticz 4.

hj wart 1.

1) Uber die tierfahel vom gegessenen Jierzen tind iJirc einJcJeiduvg bei Fredegcir, Aimoin, Frovmund

vgl. MilllenJwff, ZeitscJir. f. d. cdt. XVIII, s. l ff. und Scherer, ZeitscJir. f. d. osterr. gymn, 1870, s. 43 ^,


208 KAISERCHRONIK V. 6896-G947. Diem. 211, 12—213, 6.

*diu suozc wirt dir ze' sure,

min'' wurze arnest dii vil tiure'.

sinen' hirz er do'" entworhte,

f.30»so" er von rehte | solte".

6900 ain vohe charge

\ac dd bi in ainer vurhe.

alse der man her*' dane entwaich,

diu'' vohe dar zuo shiich,

daz herze si im enzucte'^,

6905 ir'' wec si da mit ructe.

Alse dcr man wider choni,

sin gojac* geviel im aller'^ vil wol.

du er dcs herzcn nicne*? vant,

cr shioch zesamene mit dcr hant,

6910 er ilte ane* zwivel,

er sagetez^ sinem*' wibe:

*ich wil dir ain** groze nuere sagen:

den*" hirz den ich ervellet han

der was michel unde guot,

6915 wan daz er uehain herze in'^ im entruochs',

Duo'' antwurte im daz wip:

*daz west* ich e wol'* vor maniger' zit.

want' der hirz"* lait e den smerzen,

unt het er dehain herze:

6920 do er daz ore unt den zagel hete verlorn,

er neware niemer mer in dcn'* garten

chomen^'.

Elliu *^ dise rede wa^he

was'' dem boten ze nihte maere,

wande er si ainvaltecliche vernam.

6925 mit zorne chcrt cr dan

wider in Baierlant^,

da er sinen hcrren vant.

als er sinenf horren den herzogen an sach,

daz wort er uber lut sprach:

6930 'swie'* ich'' michel arbait habe •= reliten'',

ich cnhan nilit'" crworven dcr

•"

mite

daz dh-s gulte ain bone.

(f.4i')waz woltest'' du min hins ze Rume?

er cnbiutet' dir niht mcrc,

6935 wan'' ain spel' sagct'" cr sincm herren.

er hiez mich mit" im ze hove gen

unf hiez mich daz spel rchte vernemen

untP hiez mich dirzi hie haime sagen. —

daz"" er iemer ubel jar muoze haben!'

6940 Do» der herzoge daz spel vernam,

er'' hiez im gewinnen sine*^ man,

er sprach: 'owol ir helde* vil* snel,

ich wil iu besceiden diz*" spel:

Romaere wellents mit nezzen

6945 mir minen lip versezzen.

nu wizzet aver wol'' zeware':

sine durfen*^ min ze' Rome'" an der sti-

ffelen" niht varen.

6896—6899. i) vil 4. k) minir 4. 1) sinen liirz m 4 unterpunctiert! m) /. 2, n) Als 2. o) mohte 2.

6900—6909. a) her dane] her dannen 4; von dannen 5; von denne 6; nur dann 2. b) diu v.] de

vohe 5; der voghe 6. c) intzucte 4; zuhte 2. d) v. 6905 m 2: Da mit si danne ruehte. e) so nur 4;

gejag^et 1. 5; gejait 2; jaget 6. (7.); gejac ist UTCQiJi, }.£\6\izvov, hdujiger ist bejac 'jagdbeute' ; da nun dieser

hegriff und nicht der fiir gejaget allein Lelegte 'Jagd, jagdmeute hier erfordert wird, so muss das masc. gejac,

fiir welches auch aller 1 spricht, aufgenommen werden. f) allez 5. 6. 7; a. v. /. 2. 4. g) n. v.] niht

envant 2. 5.

6910— 6919. a) an 1. b) sprach zfl 4. 5. G. 7. c) dem 2. d) ain groze] so 1 und einc

grote 5; ein groz 6; ein grozzes 2; nur groze 4, wodurch das in 1. 5 gebotene fem. indirect hestdtigt wird. e) so

2. 4. 5. 6; der nur 1. f) in im /. 2. g) trSch 2. 4. h) Icein absatz 2. i) wiste 4. k) /. 2 4.

li manghe tzit 5. C. m) Wen mei^it 4. n) hierz 1; hiers 2.

6920— 6929. a) dinen 1. b) com 4; chom 1. c) Alle wie ivimer 4; v. 6922 in 2 ohne absatz:

Alliu diu red und di mare. d) Newas 4. 5 ; nu waz 6; v. 6923 in 2: Waren dem poten seltsane. e) baiern

lant 2. 4. f) sinen herren lassen 2. 4 fort und stellen damit wahrscheinlich den itrsjjrilnglichen text her, den

der compilator verdeutHchend entstellt hat, fiir diesen toird die ohige fassung durch 1. 5 gesichert, soicie durch

die neue zusammenziehung sinen herczogen 6.

6930—6939. a) /. 1 ; Idoch 4. 5. 6. b) ich m. a.] m. a. ich 2. c) han 2. d) ubcrliten 5. 6.

e) n. e. der] da n. irw. 5. 6. f) der 1 v. j. h. geundert in da = 2. 4. 5. 6. g) /. 2. h) w. du minj

solde ich 4. i) intbfitit 4; nobutet 1. k) Dan 4. 1) spil immer 5. m) sagete 4. n) mit im] hin 4.

o) V. 6937 nach 5. 6. (7); diese fassung mit ihrem unreinen reim verdient den vorzug vor 4: Und diz spil rechte

versten; der vers fehlt in 1. 2, und der ausfall erkldrt sich arn leiehtesten aus dem gleichen eingang mit dem

folgenden vers, den ohen 5. 6 bewahren. p) v. 6938 in 4: Un ich dir daz solde sagen. q) ditz 2.

r) V. 6939 /. 2.

6940—6947. ai hein ahsatz 4. b) er h.j Do h. er 4. c) sincn 1; sin 2. d) hclede 4. e)/. 2.

fi dit 4. 5. g) wolt 2. h)/. 2. 4. ij fur war 2; vorvvare 5. 6. k) dorftcn 1. l) zc R. an d. st.]

an der stigel ze rom 2. m) rome nit (-{- niht!; 4. m stigele 5.


KAISERCHRONIK V. 61)48—7009. Dicm. 213, 7 — 215, 3. 209

unt gesuochent" avcr si lier»* zc Baieru —

ich wil iuT die rede bescaiden'":

6950 ist daz ich selbe herze han,

unt wellent danne" niin'' liebe nian,

f. 30bsi vindent hie'^ aiiien'* bosen chouf,

si gewinnent hie" |

durchelen

puch,

daz selbe*^ der chunicli Scvere»'

6955 gCAvinnet •• ' D6

sin* nieraer frum'' nocli cre'.

saget'" nian aver in romiscem hove,

daz der herzoge niene" Avolte vur chomcn,

do zurnde" der chunic Sevcri'

ie mer unde merP,

69G0 daz der herzoge sinen hof niene

suochen

woltc

er sprach, er wolte aver'' selbe des'^

daz er*^ bessehe,

luoch

in welchem lande Adelger wa^re.

IMit ^ gemainem rate

C965 der kunich besamente s sich drate,

in ainer luzzelen*' stunt

gewan er drizcc tusunt*

allez"^ guoter cnehte,

die waren avoI ' gerehte

6970 mit helmen unt mit halspergen.

si cherten vur Berne^,

(f.4i


210 KAISERCHRONIK V. 7010—7065. Diem. 215, 4— 21G, 2G.

7010 si stiftonf^ ronp unde prant.

(f4i


KAISERCHRONIK V. 7066—7126. Dieni. 21 6, 27— 218, 21. 211

'den cins brinch' dinem htTren

unt" sagc dem kmiige" Severen :

ob" er minP iierren scante

mit liare unt mit gcwandei,

7070 iz ist chomen an die stat,

daz erz^ im wol vergelten'' mach.

f. SQJcr zucte wider ilf den |

^"

van,

daz ros er mit den ^ sporn nam,

er durchprach in die scar.

7075 si bcHbcn alle •• da, "^ gar,

uzer •" iewederem s riche

newolten si niht entwichen.

wie*' luzzel der genriren

die nuzze odcr frum ' waren

7080 Der strit was unregangen^

den tach s6 sumerlangen.

Romsere helde die vil'* chuonen,

die^ ir vauen'^ gruonen

wurden alle bluotvar,

7085 die ir vii Avizen '^ liehten scar

die trorten alle daz walbluot •",

daz nie s6 manich helt guot

an ainems velde gelac''.

niemen iu gesagen nemach

7090 die vil niicheln grimme.

die snellen^ jungelinge

mahte'' man da


212 KAISERCHRONIK V. 7127—7170. Diem. 218, 22—219, 33.

mi enriioche P ich ze lcbenc raerei. mit golde gezieret claine'.

Volc^vin sluoc in' wferliche^. 7150 als ich iu nii sage:

sibendehalp' jar riht er daz riclie". dar" chomen si alle samztage^,

71S0 Alse der kimic erslagen wart, si"= uobeten dii ainen^ site,

^'* '^der herzoge stachte" sinen scaft dA. was den frowen wol^ mite:

ze dem heselinen brunnen: uaket giengen si tine wat,

f. six^daz hmt han ih gewunnen 7155 alse der man geborn wart,

den Baieren ze ercn. so*^ samenten si sich dar inne,

7135 diu'' marke diene in*= iemer mere'. niewans die edelinge.

''Daz buoch chundet uus daz: mit ol'' si sich bestrichen:

Helius Pertinax» s6 si ainander an grifFen,

der^ besaz do daz riche. Ticodiu" hant im*' danne'' ab slaif^,

iz ^ chom dar zuo wunderliche. diu hut was ® im *"

also waich,

7U0 der site was s6* getan: daz er ins niender*' mahte gevahen'.

ze R6me was** kizel dehain edel man'^, s6 lacheten alle die da w^ren.

er neworht im'' ain hantgem?ele% swelher denne'' was^ s6 starch,

daz man iemer^^von im sagete ze^ mffire. 7165 daz er den anderen nider'" warf,

D6 chom iz alsus, der hete di ere gewunnen,

7145 daz der kunic Helius daz im die frowen ain lop sungen.

"1. I G)

ain spilhus worhte, Aines tages chom iz sus,

s6 er baz"» nedorfte: daz der kunic" Helius

von guotem' marmelstaine'', (f.42


do*' phlach er guoter sinne

KAISERCHRONIK V. 7171—7221. Diem. 220, 1—221, 18. 213

unt *^ was an ^ dem libe so ^ fravele unt sO

starcb,

daz^ er die Romcieres alle nidere warf,

daz^ im niemen mahte Aviderstcn;

7175 als ez im selbem ' ze"* laide solte regen.

Nu' horen*" Avir daz" buoch sagen:

ain vurste hiez" Jiilian,

der het daz lop behalten

unzP an sin alter,

7180 daz" ze Rome was'' nehain*^ raan,

der in avoI'^ getorste*' bestan.

do dem kunigc do'' so wol gescach,

hai s wie ungcrne er daz sach

er'' tete' sin gewant uz,

7185 er"* spranch ouch' in daz spilhus,

er begunde ringen:

si wanden"' alle" dar^* inne,

er hete den kunic sciere uberwunden.

inP aineni luzelen stunden

7190 der chunich gevie^ in bi der^ bruste,

f. sii^er'^ I

dructe^ in s6 vaste,

daz ^ im daz pluot ilz den ^ ougen spranch.

vils friivelliche'' er in swanch

nider zuo der erde,

719.5 tot lach' der herre''.

Ainen pruoder ' habete " do " Jiilian,

vil" tougenliche besantP er"! sine man:

im chomen vil sciere

fiunf^ tusent' unde mere.

7200 der*'' chunic sin niene*' weste,

unz die laiden*= geste

ze^ den turn in drungen,

ir wicliet si sungen.

Der*' kunic Helius werte sich so'^ lange,

7205 unze dies sine gcvielen'' alle.

daz enwas nehain frum':

er nemahte derwider'' niht getuon';

daz houbet sluogen si im abe,

Romaire truogcn in"" ze" dem grabe.

7210 siben manode" rihte der'' herre,

(^•*^*Mar uber fiunf tage'^ mere.

Helius'' Adrianus

der^ rihte'" dos romiske'' h{is.

Jerusalem' diu maire

7215 diu'' stuont' wuoste und lajre:

die"" haidcn habeten" si zestoret,

die mure» gar zevuoret.

daz tet der kunic CosdrasP;

dazi Eraclius an'" im wol rach.

7220 Der''' kunich Helius'' Adrianus,

d6


214 KAISEECHRONIK V. 7222— 727G. Dicm. 221, 19—223, 0.

er begimde di stat ze" liebenf,

harte wol zieren?,

er iiverte'' widcr die stat,

:2i5alse luan hiute avoI' chiesen niach,

er** verwandelt ir den nanicn,

er wolte si ' vur ai


KAISERCHRONIK V. 7277 — 7333. Diem. 223, 10—224, 34. 215

sis danchetcn in der'' sigenunfte',

wande si wol den sig'' naraen,

da,' si ze Daninske'" gcvarn warcn.

7280 * Alse di licrren wurden cnphangen,

do gcstiiont* iz unlange

der senatus vorderute ^ si dO,

man*^ hiez si*^ swern Liicio Acconiniod«j.

die herren beguuden sich sundcreu;

7285 sumeliche waren dar under,

si sprachcn, si soltcn^' c rcstcrben,

c si raainaidcf woltcn wcrden.

si fristens cz unz an dcn andcren tac.

als'' in choni diu naht,

7290 si entrunncn niit listen dar ilz,

si liezen wip unde hus.

(f'13'") Alse di hchlea chonicn''

zu'= Alarico ir lierren,

unt si im geclageten'^ ir note,

7295 die^ si relitcn^ heten,

do suocht er groze lielfe»

lizer'' raaniger* slahte riche.

die ' chuonen Medi —

ich wiicn'' ez so' gescriben si —

7300 die^ brahten ira an der stunt

guoter cnehte'' sehzec*^ tusunt,

die*^ Serzen unt die More

die^ brahten im'" sciere

zehenzecs tusent unt mcre

7305 ze'^ helfe dcm herren.

7277—7279. g) Und 2. li li) /. 2.

ni) damasche 1 ; damasco 2.

dcr chunich von' Parthe

der grihcte'* harte,

er' brahte im fiunfzicli'" tfisent helede

mit guotcm geserwe".

7310 der chunich von Jacobito"

dcr bralit im'' in den ziten

iiunfzec tusent mannc*=,

f. si-imif^ I brunnen^

bevangen.

der kunic von Crichen'^

731.-) der br;lht im gewislichens

ahtzcc'' tiiscnt n)an,

der' hcrzoge von Pohln

sibcnzec tuscnt'' mit hornpogcn.

von Riuzen' im du cliom'"

7320 cchenzec^ tusent aver sti.

der chunich von Arabia.

der'' sant im an der stunt

sincr helde drizec


216 KAISERCHRONIK V. 7334—7395. Dieni. 22ri, 1 — 226, 28.

ir boten si duo'' santen

7SS5 von lande ze lande'.

den kunic von Rritten"*

hiczon sii niancn • unt bitten,

waz si da vor durh in hctcn cjetan.

er braht in nianij^^cn licrliehen'" nian.

7340 dcr kunio von Itrdiil

ioh" der von Purgundia'',

si*= saraenten*' sich niit flize'",

si f vuortcn nianige halspcrgco wize.

di*^ von Lantparten'» und von Tuskdn

7345 dic'" vuorten raanigcn helt lussam».

der herzoge von Meran

unde Schlvus'* sin man

die vuorten manigen helt guoten'.

si komen alle"" mit ainem muote

7350 in die stat ze Rome.

man zalte zuo* des chuniges crone

driu hundert tusent geste.

icdoh'' stuont elHu'^ ir notveste**