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Mario Garcia – der Mann der remakes - SCA

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papergram<br />

3 › 2008 GRAPHIC PAPER<br />

Halali im<br />

Zeitschriftenregal<br />

<strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> <strong>–</strong> <strong>der</strong> <strong>Mann</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>remakes</strong><br />

So lesen wir Zeitung<br />

Journalismus <strong>–</strong> ein<br />

Frauenberuf?<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008


2<br />

Inhalt › 3/2008<br />

2 sca papergram no 3 › 2008<br />

28<br />

20<br />

4 Freizeitinteresse Jagd<br />

Immer mehr Europäer ziehen in die Wäl<strong>der</strong> <strong>–</strong> auf die Jagd. Papergram gibt einen Überblick<br />

über die Magazine, die das europäische Jagdinteresse begleiten<br />

Trends<br />

2 Konkurrenz für die Post<br />

Spätestens 2011 müssen alle EU-Län<strong>der</strong> die Briefzustellung <strong>der</strong>egulieren.<br />

Neue Akteure auf diesem Markt sind die Zeitungsverlage <strong>–</strong> in Deutschland ist ein<br />

harscher Wettkampf ausgebrochen<br />

4 Run auf FSC<br />

Die Nachfrage nach FSC-zertifizierten Druckpapieren steigt, und neue Märkte erstarken<br />

6 Trends<br />

7 Kolumne:<br />

Ex-FSC-Generaldirektor Heiko Liedeker über die verän<strong>der</strong>te Rolle <strong>der</strong><br />

Umweltzertifizierungsorganisation<br />

8 Profi in Sachen Remake<br />

<strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> hat fast 500 Zeitungen in aller Welt ein neues Aussehen verliehen<br />

20 Wie lesen wir Zeitung?<br />

Welchen Mustern folgt die Zeitungslektüre? Überschrift, Intro, Text? Wohl kaum.<br />

Papergram über die Erforschung von Augenbewegungen über Druckseiten und im Internet<br />

22 Frauen schreiben<br />

Sehr bald wird die Mehrheit <strong>der</strong> Journalisten weiblich sein. Wie sich dieser Trend auf<br />

die Berichterstattung auswirkt, wird in Ostdeutschland untersucht<br />

24 Web Offset Champion Group<br />

Die volle Kontrolle über die Produktion verspricht die besten Chancen für eine optimale<br />

Bildqualität <strong>der</strong> Drucksache. Ein neues Handbuch gibt Tipps<br />

26 00 Jahre Ortviken<br />

Das <strong>SCA</strong>-Werk Ortviken bei Sundsvall feiert sein 100-jähriges Jubiläum und seinen<br />

50sten Geburtstag als Papierwerk<br />

28 Zimmer mit Aussicht<br />

Zimmer im Riesenelch gefällig? Ein Nordschweden entsteht <strong>der</strong>zeit ein Elch-Hotel<br />

Papergram. Das internationale Magazin für die Medienbranche<br />

und grafische Industrie. Herausgegeben von<br />

<strong>SCA</strong> Forest Products AB, Box 846, 851 23 Sundsvall.<br />

Telefon: +46-60-19 40 00. Telefax: +46-60-19 40 90.<br />

CHeFreDAkTeurIn unD HerAuSgeBerIn<br />

(nach schwedischem recht für den Inhalt verantwortlich):<br />

Anne-Sofie Cadeskog<br />

ProjekT- unD reDAkTIonSleITung:<br />

Luise Steinberger (luise.steinberger@bredband.net)<br />

grAFIkDeSIgn: Mellerstedt Design<br />

rePro unD DruCk: Tryckeribolaget AB, Sundsvall<br />

TITelFoTo: Digital Vision<br />

Papergram wird auf graphoCote<br />

80 g gedruckt, <strong>der</strong> umschlag<br />

auf reprint 150 g. Das Papier und<br />

die Druckerei sind FSC-zertifiziert.<br />

Das Material in dieser Zeitschrift ist von <strong>der</strong> redaktion<br />

bestellt, durchgesehen und abgenommen. Das bedeutet<br />

jedoch nicht, dass die redaktion o<strong>der</strong> <strong>SCA</strong> die Meinungen<br />

<strong>der</strong> Autoren in jedem Fall teilen. Zitieren Sie uns<br />

gerne, aber geben Sie bitte die Quelle an.<br />

Möchten Sie ein eigenes gratisexemplar von Papergram,<br />

o<strong>der</strong> möchten Sie die Zeitschrift für einen kollegen<br />

bestellen? Schicken o<strong>der</strong> faxen Sie namen, Adresse<br />

und eventuell den Namen Ihres Unternehmens an:<br />

Caroline johansson, <strong>SCA</strong> graphic Sundsvall AB,<br />

Box 846, 851 23 Sundsvall.<br />

Telefon: +46-60-19 43 92.<br />

Telefax: +46-60-15 24 50.<br />

e-post: caroline.johansson@sca.com<br />

<strong>SCA</strong> ForeST ProDuCTS produziert Druckpapier für<br />

Zeitungen, Zeitschriften und kataloge sowie Zellstoff,<br />

Schnittholzwaren und Biobrennstoffe aus <strong>der</strong> Forstwirtschaft.<br />

<strong>SCA</strong> Forest Products verwaltet auch den<br />

großen Waldbesitz <strong>der</strong> <strong>SCA</strong>, versorgt die schwedischen<br />

Industriebetriebe des konzerns mit Holzrohstoffen und<br />

bietet den geschäftseinheiten <strong>der</strong> <strong>SCA</strong> wirtschaftliche<br />

Transportlösungen an.<br />

Der umsatz des unternehmens beläuft sich<br />

auf etwa zwei Milliarden euro, die Mitarbeiterzahl<br />

auf 4 500. Die Forstwirtschaft <strong>der</strong> <strong>SCA</strong> ist gemäß<br />

FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert.


Magnus Svensson, Geschäftsführer von <strong>SCA</strong> Transforest, nimmt<br />

das Klimazeugnis aus <strong>der</strong> Hand <strong>der</strong> Wirtschaftsministerin entegen<br />

Klimazeugnis von<br />

<strong>der</strong> ministerin<br />

auf einer zeremonie am 4. Juni in Stockholm nahm <strong>SCA</strong><br />

Transforest als eines von 24 Unternehmen das „Klimazeugnis“ des<br />

Bahnunternehmens Green Caro aus <strong>der</strong> Hand <strong>der</strong> schwedischen<br />

Wirtschaftsministerin Maud Olofsson entgegen. „Sie sind Vorbil<strong>der</strong>,<br />

was verantwortliches Handeln angeht. Das Zeugnis ist eine Anerkennung<br />

dafür, dass Ihre Unternehmen Logistiklösungen gewählt haben,<br />

die auf den Klimaschutz fokussieren“, sagte die Ministerin.<br />

Voraussetzung für die Auszeichnung ist, dass die Transporte, die<br />

Green Cargo im Auftrag des jeweiligen Unternehmens durchführt,<br />

maximal zehn Gramm Kohlendioxidausstoß pro Nettotonnenkilometer<br />

verursachen. „Das sind strenge Kriterien. Zu erfüllen sind sie durch<br />

Transporte, die zwar LKW-Elemente enthalten können, bei denen aber<br />

auf weiten Strecken Elektroloks zum Einsatz kommen“, erklärt Erica<br />

Kronhöffer, verantwortlich für Nachhaltigkeit bei Green Cargo.<br />

foto Peter Lydén<br />

S<br />

S<br />

verkaufsdirektor<br />

in deutschland<br />

<strong>SCA</strong> › info<br />

Ethisch vorbildlich<br />

DAS ETHISPHERE-InSTITuT in New York platziert<br />

<strong>SCA</strong> in seiner Bewertung für 2008 unter den ethisch<br />

unantastbarsten Unternehmen weltweit. Das Beraterunternehmen<br />

in Sachen Unternehmensführung, Geschäftsethik<br />

und Unternehmensverantwortung folgt in seinen<br />

Bewertungen strengen Kriterien.<br />

Über 5 000 Unternehmen wurden untersucht und 95<br />

als die ihrer Branche ethisch überzeugendsten identifiziert.<br />

Neben <strong>SCA</strong> werden Unternehmen wie Starbucks,<br />

Ikea, General Electric, Cisco und Sun Microsystems<br />

genannt. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Anstrengungen,<br />

auf verantwortungsvolle Weise Geschäfte zu<br />

machen, anerkannt werden“, sagt Yogi Pillay, Corporate<br />

Social Responisbility Programmes Director bei <strong>SCA</strong>, <strong>der</strong><br />

an <strong>der</strong> Zeremonie am 4. Juni in New York teilnahm. „Unserer<br />

Erfahrung nach erbringen gemeinsame Grundwerte<br />

und starke ethische Werte erhebliche Vorteile, beson<strong>der</strong>s<br />

in multinationalen, multikulturellen Unternehmen wie<br />

dem unseren.“<br />

verstärkung im<br />

verkaufsbüro italien<br />

im verKaufsbüro Italien wurde michele<br />

d’azzeo als neuer Verkaufsmanager angestellt.<br />

D’Azzeo, <strong>der</strong> bereits früher für <strong>SCA</strong> tätig war und<br />

das Verkaufsbüro 2005 verließ, um an<strong>der</strong>swo<br />

Erfahrungen zu sammeln, trat seinen Dienst am<br />

1. Juli an. Er übernimmt den Bereich Papiere und<br />

bringt umfassende Kenntnisse vom Kartonmarkt<br />

mit.<br />

Michele D’Azzeo entlastet Geschäftsführer<br />

romano miato, <strong>der</strong> weiterhin auch<br />

für den Verkauf von Zellstoff verantwortlich<br />

zeichnet.<br />

S<br />

in deutschland wurde rainer swi<strong>der</strong>sKy zum<br />

Verkaufsdirektor ernannt. Er tritt die Nachfolge<br />

von Roland Reiß an, <strong>der</strong> Aufgaben innerhalb <strong>der</strong><br />

<strong>SCA</strong> Hygiene Products übernommen hat. Rainer<br />

Swi<strong>der</strong>sky war bislang als Verkaufsmanager für<br />

Norddeutschland tätig.<br />

S<br />

sca papergram no › 3<br />

3 2008


4 sca papergram no 3 ›<br />

2008


Inspiration für Jäger<br />

„Den typischen Jäger gibt es nicht“, meint man in <strong>der</strong> Redaktion<br />

<strong>der</strong> Jagdzeitschrift Jagen Weltweit. Wer sich durch Europas<br />

Jagdmagazine blättert, erhält dennoch eine Vorstellung davon,<br />

was einen Jäger interessiert. Das Spektrum ist breit; es geht<br />

um europäische Jagdreviere ebenso wie um exotische Reiseziele,<br />

um das Jagen mit o<strong>der</strong> ohne Jagdhund <strong>–</strong> und gar um die Jagd<br />

mit Pfeil und Bogen<br />

von Henrik Emilson foto Magnus Nyman, Sjöberg Classic, Göran Ekström recherche Luise Steinberger, Erico Oller Westerberg<br />

GEJAGT WIRD, seit es die Menschheit<br />

gibt. Und auch Jagddokumentationen<br />

haben eine lange Tradition <strong>–</strong> das bezeugen<br />

15 000 bis 18 000 Jahre alte Höhlenmalereien.<br />

Archäologen glauben, dass sie<br />

eine Art magische Beschwörung für eine<br />

geglückte Jagd darstellen.<br />

Im Grunde hat sich also nichts geän<strong>der</strong>t.<br />

Denn die Jagdmagazine von heute<br />

beinhalten im Prinzip das Gleiche. Jäger<br />

legen Zeugnis von dem unbeschreiblichen<br />

Gefühl ab, das sie während einer Jagd<br />

ereilt. Zugleich liefern die Zeitschriften<br />

Hintergrundwissen und Tipps, die die<br />

Zahl <strong>der</strong> erlegten Schneehühner, Wildschweine,<br />

Hirsche, Elche, Rentiere, Hasen,<br />

Büffel o<strong>der</strong> Löwen steigern helfen.<br />

Jagen in Mitteleuropa<br />

Laut Statistik des Interessenverbandes<br />

Face, <strong>der</strong> die Jäger im EU­Raum vertritt,<br />

gibt es in Europa sieben Millionen<br />

Jäger. 350 000 leben in Deutschland,<br />

und etwa 65 000 von ihnen lesen jede<br />

zweite Woche die mit einer 114­jährigen<br />

Geschichte älteste Jagdzeitschrift<br />

des Landes, Wild und Hund. „Die Arbeit<br />

mit einem guten Jagdhund ist die<br />

Krone <strong>der</strong> Jagd. Es gibt ein Sprichwort,<br />

das dies wi<strong>der</strong>spiegelt: ,Die Jagd ohne<br />

Hund ist Schund‘“, sagt Wild und Hund-<br />

Chefredakteur Dr. Karl­Heinz Betz,<br />

<strong>der</strong> selbst „seit 36 Jahren Teckel zur<br />

Jagd führt“.<br />

Neben Artikeln über die Arbeit mit<br />

dem Hund liegt <strong>der</strong> Fokus in Wild und<br />

Hund auf allgemeinen Jagdthemen wie<br />

etwa Jagdpolitik und ­praxis. „In unserem<br />

Redaktionsteam finden sich wohl<br />

die besten Jagdredakteure Deutschlands.<br />

Sie wissen, wie man auch komplexe wissenschaftliche<br />

Themen, zum Beispiel aus<br />

<strong>der</strong> Wildbiologie, für den ,Normaljäger‘<br />

verständlich darstellt“, so Dr. Betz.<br />

„Darüber hinaus pflegen wir auch die<br />

Jagdkultur in Bezug auf Jagdbelletristik,<br />

Jägersprache und Jagdmalerei, weil wir<br />

sie für ein wesentliches Element unserer<br />

Kultur halten.“<br />

Alle zwei Wochen genügend Material<br />

zu finden, mag dem Außenstehenden<br />

schwierig erscheinen; für die Redaktion<br />

ist das kein Problem. Jeweils zum Jahresende<br />

werden sämtliche Redakteure und<br />

freie Mitarbeiter zu einer Titelthemenkonferenz<br />

eingeladen. „Auf dieser Konferenz<br />

gibt es ein Brainstorming, und<br />

wir planen weitgehend die Hauptthemen<br />

für jedes Heft. Um diese Themen herum<br />

werden an<strong>der</strong>e komponiert, sodass eine<br />

möglichst große Abwechslung innerhalb<br />

einer Ausgabe entsteht“, sagt Dr. Betz.<br />

In Deutschland habe das Jagdinteresse<br />

in den letzten Jahren zugenommen. „Allerdings<br />

fällt auf, dass unter denen, die<br />

einen Jagdschein machen, immer mehr<br />

ältere Menschen sind.“<br />

Nadja Åstot erlegte den ersten Bären<br />

<strong>der</strong> schwedischen Jadgsaison 2008<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008<br />

S


„Wir halten die Jagdkultur für ein wesentliches<br />

Element unserer Kultur“<br />

KARl-HEInZ BETZ<br />

Breit bis schmal<br />

VIElE JAGDZEITSCHRIFTEn nähern<br />

sich dem Thema breit, wie Wild und<br />

Hund, Jagen Weltweit und Jakt & Jägare.<br />

Die amerikanische Bow & Arrow Hunting<br />

hingegen treibt die Jagd auf die Spitze<br />

<strong>–</strong> im doppelten Sinne: Die Zeitschrift<br />

berichtet über die Jagd mit Pfeil und<br />

Bogen.<br />

Redakteur Joe Bell erklärt den Unterschied<br />

im Erleben im Vergleich zur<br />

Jagd mit Feuerwaffen: „Das Gefühl<br />

ist intensiver und persönlicher. Man<br />

kommt seiner Beute näher, und oft<br />

bow & arrow hunting<br />

gegründet: 1963<br />

erscheint: zehn Ausgaben pro Jahr<br />

auflage: 50 000 Exemplare<br />

6 sca papergram no 3 › 2008<br />

Das bestätigt Günter Mensching,<br />

Redakteur <strong>der</strong> ebenfalls deutschen Zeitschrift<br />

Jagen Weltweit. Außerdem, so Mensching,<br />

seien die meisten Jäger Männer.<br />

Frauen seien in allen Jagdbereichen deutlich<br />

unterrepräsentiert.<br />

Globale Jagdtipps<br />

Jagen Weltweit wendet sich an Deutsche,<br />

die zum Jagen ins Ausland reisen. „Das<br />

Spektrum reicht vom ,kleinen Geldbeutel‘<br />

bis hin zu sehr teuren Jagden auf<br />

Schafe vom hohen Norden bis hinein in<br />

die Halbwüsten Asiens und von Alaska<br />

bis Mexiko. Wir drucken nicht nur Geschichten<br />

nach dem Motto: ,Ich kam, sah<br />

und siegte‘. Auch Misserfolge und harte<br />

erfor<strong>der</strong>t die Jagd mit Pfeil und Bogen<br />

mehr Erfahrung.“<br />

Bow & Arrow Hunting wurde 1963 gegründet<br />

und erscheint jährlich mit zehn<br />

Ausgaben in einer Auflage von rund<br />

50 000 Exemplaren. Sie wendet sich an<br />

Fakten werden dem Leser geboten“,<br />

sagt Günter Mensching, dessen Redaktion<br />

auch die Deutsche Jagd-Zeitung über<br />

das Jagen in Deutschland herausgibt. In<br />

einer <strong>der</strong> jüngsten Ausgaben von Jagen<br />

Weltweit geht es zur Steinbockjagd nach<br />

Kirgisistan, zur Pumajagd nach British<br />

Columbia und zur Turteltaubenjagd<br />

nach Marokko. Hier findet sich auch ein<br />

historischer Artikel über den indischen<br />

„Mör<strong>der</strong>büffel“ mit einer Hörnerspannweite<br />

von bis zu 2,5 Metern. Laut<br />

Mensching reisen deutsche Jäger häufig<br />

ins Ausland. Etwa je<strong>der</strong> Dritte hat irgendwann<br />

im Ausland gejagt, vor allem<br />

im Baltikum, in Polen, Österreich o<strong>der</strong><br />

Skandinavien.<br />

Die Jagd im norden<br />

In Schweden gibt es fast ebenso viele<br />

Jäger wie in Deutschland <strong>–</strong> bei nur rund<br />

zehn Prozent <strong>der</strong> Einwohnerzahl. Doch<br />

während <strong>der</strong> Trend in Deutschland hin<br />

Amerikas rund 3,1 Million Pfeil­und­<br />

Bogen­Jäger, die Großwild jagen, von<br />

Rotwild aufwärts. Auf Technik und<br />

Leistung wird viel Wert gelegt, ebenso<br />

auf Jagdreportagen und auf Kolumnen<br />

wie die des Rockmusikers und begeisterten<br />

Jägers Ted Nugent.<br />

Obgleich die Zeitschrift ein deutliches<br />

Nischenprodukt ist, mangelt es<br />

Joe Bell nicht an Themenideen, nicht<br />

zuletzt, weil er selbst jagt und viele <strong>der</strong><br />

Reportagen selber schreibt. Ständig ist<br />

er auf <strong>der</strong> Suche nach neuen Ansätzen,<br />

die den Leser zum besseren Jäger machen.<br />

„Die Möglichkeit, Einfluss zu<br />

nehmen und die Leser weiterzubilden,<br />

ist ein Privileg“, sagt er.<br />

Weitere Nischen­Jagdzeitschriften<br />

sind in den USA Bear Hunting Magazine<br />

über die Bärenjagd, Wild Turkey<br />

über Truthähne und das Wildschweinmagazin<br />

Boar Hunting Magazine, in<br />

Australien die Waffenzeitschrift Guns<br />

and Game und in Großbritannien Airsoft<br />

über den Luftgewehrsport sowie<br />

Hundezeitschriften über im Prinzip<br />

sämtliche Hun<strong>der</strong>assen.<br />

S


zu mehr Jägern geht, ist es in Schweden<br />

umgekehrt. „Man sagt meist reflexartig,<br />

dass wir in Schweden 300 000 Jäger haben,<br />

aber das stimmt nicht mehr. Die<br />

Zahl ist in den letzten Jahren um etwa<br />

20 000 gesunken“, sagt An<strong>der</strong>s Ljung,<br />

Chefredakteur von Jakt & Jägare , <strong>der</strong><br />

Zeitschrift des Schwedischen Jägerverbandes,<br />

Jägarnas Riksförbund. Laut<br />

Ljung hat <strong>der</strong> rückläufige Trend mehrere<br />

Gründe: Die Jäger seien älter geworden,<br />

und junge Leute für das Jagen zu begeistern,<br />

sei nicht einfach. Zudem scheuten<br />

sich viele, mit frei laufenden Hunden in<br />

Gegenden zu jagen, in denen es Raubtiere<br />

wie Wölfe und Bären gibt. Und nicht zuletzt<br />

sei die Jagd teurer geworden.<br />

Jakt & Jägare vermittelt die politischen<br />

Standpunkte von Jägarnas Riksförbund,<br />

einem von zwei Interessenverbänden<br />

des Landes. Darüber hinaus ist die<br />

JaKt & Jägare<br />

gegründet: 1938<br />

erscheint: 10 Ausgaben<br />

pro Jahr<br />

auflage: 27 400 Exemplare<br />

Jagen weltweit<br />

gegründet: 1990<br />

erscheint: 6 Ausgaben<br />

pro Jahr<br />

auflage: 15 000 Exemplare<br />

Zeitschrift eine<br />

recht typische<br />

Jagdpublikation.<br />

Ihr Grundgerüst<br />

sind Reportagen,<br />

daneben berichtet<br />

sie verhältnismäßig<br />

ausführlich<br />

über Waffen. Bei <strong>der</strong> Wahl <strong>der</strong> Autoren<br />

ist <strong>der</strong> Redakteur konsequent: „Jagdmagazine<br />

erfor<strong>der</strong>n enormes Fingerspitzengefühl,<br />

man darf bei den Fakten nicht ins<br />

Fettnäpfchen treten. Unsere Leser merken<br />

sofort, wenn sich jemand nicht auskennt.<br />

Ich kaufe daher kein Material mehr<br />

von freien Journalisten ein, die nicht auf<br />

Jagdthemen spezialisiert sind.“<br />

Die Jagd im Süden<br />

Spanien ist in Sachen Jagd sehr aktiv<br />

<strong>–</strong> dort leben eine Million <strong>der</strong> sieben<br />

wild und hund<br />

gegründet: 1894<br />

erscheint: 24 Ausgaben<br />

pro Jahr<br />

auflage: 65 000 Exemplare<br />

Millionen Jäger Europas. Gejagt wird<br />

vorrangig, was die Spanier „caza menor“<br />

nennen, Kleinwild, wie Kaninchen<br />

und Schneehühner. Beliebtestes „caza<br />

mayor“ (größeres Wild) sei das Wildschwein,<br />

so José Maria García, Redaktionschef<br />

<strong>der</strong> Zeitschrift Caza mayor. Sie ist<br />

eine von fünf Jagdpublikationen des Verlages<br />

Grupo V. Schwesterzeitschriften<br />

<strong>der</strong> Caza mayor sind Fe<strong>der</strong> caza, die dem<br />

spanischen Jagdverband nahe steht,<br />

Cazarmas, die vor allem über Waffen<br />

berichtet, Perros de caza über Jagdhunde S<br />

caza mayor, fe<strong>der</strong> caza, cazarmas,<br />

Perros de caza, cazaocasión<br />

gegründet: zwischen 1985 und 2006<br />

erscheinen: 12 Ausgaben pro Jahr<br />

(Cazaocasión 6 Ausgaben pro Jahr)<br />

gesamtauflage: 100 000 Exemplare<br />

sca papergram no › 7<br />

3 2008


und Cazaocasión, ein Anzeigenblatt fast<br />

ohne redaktionelle Inhalte.<br />

Mit Hilfe freier Mitarbeiter, mit Korrespondenten<br />

im Ausland <strong>–</strong> vor allem in<br />

Südafrika, dem beliebtesten Reiseziel<br />

spanischer Jäger <strong>–</strong> und eigener Nachrichtenagentur<br />

ist es nicht schwer, fünf<br />

Zeitschriften zu füllen. „Das Problem ist<br />

eher, dass wir zu viele Themen haben,<br />

weil alle Mitarbeiter selbst begeisterte<br />

Jäger sind“, sagt García.<br />

In Frankreich lebten 2006 1,36 Millionen<br />

Jäger, fast 700 000 weniger als noch<br />

vor 25 Jahren. Die meisten von ihnen lesen<br />

das Monatsmagazin Chasseur français<br />

aus dem Verlag Mondadori France. Das<br />

beson<strong>der</strong>e an dieser seit 1885 erscheinenden<br />

Zeitschrift ist die Tatsache, dass<br />

sie viele Kontaktanzeigen enthält.<br />

Vor allem Gefühl<br />

Der Mensch muss heute nicht jagen, um<br />

zu überleben; doch noch immer rührt<br />

die Jagd an einen menschlichen Instinkt.<br />

Wer ist <strong>der</strong> typische Jäger? Das wissen<br />

wir nicht, aber die Jagdmagazine reflektieren,<br />

wofür er sich interessiert. José<br />

Maria García beschreibt ein Gefühl, das<br />

gewiss viele Jäger kennen: „Ich jage am<br />

liebsten Kaninchen. Aber es ist wichtig,<br />

die Kaninchen zuzubereiten; das zu essen,<br />

was ich erlegt habe. Dies mit Liebe<br />

und in guter Gesellschaft zu tun, rechtfertigt<br />

das Töten und gibt dem Jagdsport<br />

seinen Sinn.“<br />

S<br />

8 sca papergram no 3 › 2008<br />

„Jagdmagazine erfor<strong>der</strong>n enormes Fingerspitzengefühl,<br />

man darf bei den Fakten nicht ins Fettnäpfchen treten“<br />

AnDERS lJunG<br />

The Field<br />

<strong>–</strong> lob <strong>der</strong> Traditionen<br />

In DEn MEISTEn JAGDMAGAZInEn<br />

geht es um das Jagen an sich, um Tiere<br />

und Waffen. Die britische The Field ist<br />

da an<strong>der</strong>s <strong>–</strong> ihre Aufmerksamkeit gilt<br />

just dem Feld, dem Ort <strong>der</strong> Jagd. The<br />

Field beschreibt eine Gegend, die englische<br />

Provinz, aber auch ein Gefühl, ein<br />

Loblied auf alte Traditionen. Redakteur<br />

Jonathan Young drückt es so aus: „Was<br />

ist The Field? Welcher Geruch, welches<br />

Gefühl, welches Bild o<strong>der</strong> welcher Ton<br />

beschreibt uns? Wie würde ein Feld riechen?<br />

Nicht nach gestärkten Gardinen,<br />

son<strong>der</strong>n süßlich nach Pferd und Heu<br />

im abendlichen Stall. Und das Gefühl?<br />

Vielleicht ein paar alte Angler­Gummistiefel,<br />

o<strong>der</strong> ein ausgiebiges Bad mit<br />

einem sehr kalten Gin. Das Bild? Das<br />

erste Laub an einer uralten Eiche. Der<br />

Geschmack? Ein Kotelett von einem<br />

Stier <strong>der</strong> Rasse Aberdeen Angus, dazu<br />

ein Bordeaux aus einem abgelegenen<br />

Schloss. Diese Bil<strong>der</strong> passen aufs Land<br />

und beschreiben die Leute dort.“<br />

Das Monatsmagazin <strong>–</strong> das älteste<br />

seiner Art <strong>–</strong> wurde 1853 gegründet, zunächst<br />

als Nachrichtenmedium. Heute<br />

liegt die Auflage bei rund 32 000 Exemplaren.<br />

The Field widmet sich Themen wie<br />

Taubenjagd und Angelsport, gibt Kleidungstipps<br />

für Gentlemen (viel Tweed<br />

und Schlipse), schreibt über Gewehre,<br />

über Terrier und Schmetterlinge sowie<br />

über Schlösser und Herrensitze, die zum<br />

Verkauf stehen. Einerseits huldigt die<br />

Zeitschrift dem ländlichen Lebensstil,<br />

an<strong>der</strong>erseits berichtet sie stets mit einer<br />

Prise Humor. „Charles Dickens gehörte<br />

zu den ersten Lesern von The Field. O<strong>der</strong><br />

hätte zu ihnen gehören können <strong>–</strong> <strong>der</strong> erste<br />

Redakteur war jedenfalls sein Trinkkumpan.<br />

Die Zeitschrift wurde für all jene<br />

gegründet, die das Angeln und Jagen lieben<br />

und einen ordentlichen Bordeaux aus<br />

hun<strong>der</strong>t Schritt Entfernung erschnuppern<br />

können. Daran hat sich nichts geän<strong>der</strong>t“,<br />

sagt Jonathan Young. „The Field bietet den<br />

Lesern das Beste, seien es Waffen, Angelruten,<br />

Artikel o<strong>der</strong> Bil<strong>der</strong>. Wir sehen uns<br />

als ein großes gedrucktes Fest <strong>–</strong> unterhaltend,<br />

informativ und provokant <strong>–</strong> und Sie<br />

sind eingeladen!“<br />

S<br />

the field<br />

gegründet: 1853<br />

erscheint: Monatlich<br />

auflage: 32 000 Exemplare


Grüne Jagd in Afrika<br />

„JäGER SInD gesetzestreue Menschen,<br />

aber es gibt natürlich das eine o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e<br />

schwarze Schaf unter ihnen“, sagt<br />

Günter Mensching, Redakteur von Jagen<br />

Weltweit, über das Jagen im Ausland.<br />

„Neben gesetzlichen Vorschriften gibt<br />

es in Deutschland den Begriff <strong>der</strong> ,Weidgerechtigkeit‘;<br />

das sind geschriebene und<br />

ungeschriebene Regeln, wie sich ein Jäger<br />

ethisch gegenüber dem Wild und <strong>der</strong><br />

Gesellschaft zu verhalten hat. Das wird<br />

auch von Jägern, die im Ausland jagen, in<br />

den meisten Fällen befolgt. Ein Beispiel<br />

für negatives Verhalten ist die Löwenjagd<br />

in Südafrika, wo extra gezüchtete Löwen<br />

zur Jagd in Gattern angeboten werden.<br />

Jagen Weltweit schreibt seit Jahren über<br />

diese Missstände.“<br />

Die fünf Großen<br />

Wer davon träumt, ein Ernest Hemingway<br />

zu werden, <strong>der</strong> hat dennoch die<br />

Chance zur Jagd auf die „Big five“, die<br />

Gruppe jener Tiere, die als beson<strong>der</strong>s<br />

erstrebenswerte Beute gelten. Der Größe<br />

nach gerechnet sind dies: Leopard, Löwe,<br />

Büffel, Nashorn und Elefant. In Südafrika<br />

entscheiden die privaten Grundbesitzer,<br />

wie viel gejagt werden darf. In Län<strong>der</strong>n<br />

wie Botswana, Sambia, Tansania, Simbabwe<br />

und Mocambique legen Wildbiologen<br />

Quoten fest. „Eine Konzession<br />

kann für 1 000 Quadratkilometer zwölf<br />

Büffel, drei Leoparden und drei Löwen<br />

zulassen. Danach ist Schluss“, sagt <strong>der</strong><br />

Profijäger Erik von Eckhardt, Mitglied<br />

in den Branchenorganen International<br />

Professional Hunters Association und<br />

Conseil International de la Chasse, die<br />

jeweils Qualitätssicherung für die ethisch<br />

verantwortbare Jagd betreiben. „Wir arbeiten<br />

für eine nachhaltige Jagd, die zum<br />

Ansteigen <strong>der</strong> Wildmengen führt, mit<br />

gesunden Stämmen <strong>–</strong> an<strong>der</strong>s als bei <strong>der</strong><br />

schwedischen Elchjagd, wo <strong>der</strong> Stamm<br />

bereits kaputt ist. Das ist ein sehr kontrolliertes<br />

Jagen. Wir sorgen auch dafür,<br />

dass <strong>der</strong> Abschuss verboten wird, wenn<br />

sich zeigen sollte, dass eine Art vom<br />

Aussterben bedroht ist. Es geht darum,<br />

alte Tiere zu schießen, die nicht mehr<br />

an <strong>der</strong> Reproduktion<br />

teilnehmen.<br />

In Afrika wird viel<br />

gewil<strong>der</strong>t. Aber wo<br />

wir sind, wird dem<br />

Einhalt geboten,<br />

unsere Gegenwart<br />

wirkt hemmend.“<br />

Grüne Jagd<br />

Res Tuta in Schweden<br />

vertreibt so genannte<br />

„grüne“ Jagdreisen.<br />

„Man schießt ein<br />

Nashorn mit einem<br />

Betäubungspfeil.<br />

Dann macht man ein<br />

Foto. Ein Veterinär<br />

kontrolliert das Tier, bedroht ist“<br />

und ein Konserva­<br />

ERIK VOn ECKHARDT<br />

tor fotografiert und<br />

misst die Hörner,<br />

damit eine exakte Kopie als Trophäe<br />

angefertigt werden kann. Wenn das<br />

Nashorn aufwacht, macht man sich<br />

davon“, erklärt Geschäftsführer Christopher<br />

Jarnvall. „Die Zahl <strong>der</strong> Nashörner<br />

unter den ,Big five‘ ist sehr begrenzt,<br />

daher hat man dieses ,Green hunting‘<br />

eingeführt.“<br />

S<br />

„Das ist ein sehr kontrolliertes Jagen.<br />

Wir sorgen auch dafür, dass <strong>der</strong><br />

Abschuss verboten wird, wenn sich<br />

zeigt, dass eine Art vom Aussterben<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008<br />

S


umweltbewusster<br />

Pionier<br />

0 sca papergram no 3 › 2008<br />

Die Mitglie<strong>der</strong> des schwedischen<br />

Jägerverbandes (Svenska jägareförbundet) kleiden sich<br />

nicht nur grün, sie gehören auch einer grünen Organi-<br />

sation an. umweltbewusstsein durchdringt die gesam-<br />

te Produktion ihrer Mitglie<strong>der</strong>zeitschrift Svensk Jakt<br />

EnTWEDER HAT Svensk Jakt gerade ihren<br />

175. Geburtstag gefeiert <strong>–</strong> o<strong>der</strong> ihren<br />

150. Es kommt ganz darauf an, wie<br />

man rechnet. 1832 wurde die Zeitschrift<br />

als Publikation für Jäger und Naturforscher<br />

gegründet, nach ein paar Jahren<br />

aber eingestellt, um 1863 als Organ des<br />

schwedischen Jägerverbandes neu gegründet<br />

zu werden. Heute heißt sie kurz<br />

und bündig Svensk Jakt (Schwedische<br />

Jagd). Chefredakteur Jan Henricson<br />

erklärt: „Wir sind eine Zeitschrift für<br />

Jäger, ganz klar. Sie soll unterhalten,<br />

aber auch informieren, weiterbilden und<br />

Tipps und Vorschläge bieten. Wir greifen<br />

das Thema breit an, schreiben über<br />

die verschiedenen Teile <strong>der</strong> Jagd: Waffen,<br />

das Schießen, Hunde, Wildpflege,<br />

Natur und Umwelt. Wir redigieren die<br />

Zeitschrift im Sinne des Verbandes,<br />

werden aber in unserer redaktionellen<br />

Auswahl nicht gesteuert.“<br />

Alternierend mit dem Magazin gibt<br />

die Redaktion in acht Lokalausgaben<br />

das Tabloid Svensk Jakt Nyheter (Schwedische<br />

Jagdnachrichten) heraus, mit viel<br />

Information aus den Ortsgruppen des<br />

Verbandes.<br />

Tjälknöl („Frostklumpen“) - klassisches Gericht aus Nordschweden<br />

etwa 1,5 Kg elch-, hirsch- o<strong>der</strong><br />

rin<strong>der</strong>braten <strong>–</strong> tiefgefroren<br />

marinade:<br />

2 Esslöffel Salz<br />

1 Esslöffel Zucker<br />

1/2 Liter Wasser<br />

1 Esslöffel Kräuter (Basilikum, Estragon,<br />

Kräuter <strong>der</strong> Provence)<br />

Kalte sauce<br />

Saure Sahne<br />

geriebener Meerrettich<br />

etwas Worcestersauce<br />

Svensk Jakt legt wert auf Bil<strong>der</strong> und stellt<br />

daher hohe Anfor<strong>der</strong>ungen vor allem an die<br />

Opazität des Papiers. Heute wird Svensk<br />

Jakt auf das FSC­zertifizierte LWC­Papier<br />

GraphoCote 65 g gedruckt. Die Publikation<br />

als Ganzes trägt außerdem das nordische<br />

Umweltlabel „Schwan“, das unter<br />

an<strong>der</strong>em ein sachgerechtes Handling <strong>der</strong><br />

Chemikalien in <strong>der</strong> Druckerei garantiert.<br />

„Als grüne Organisation müssen wir an<br />

die Umwelt denken, denn dort üben wir<br />

unser Hobby ja aus“, so Henricson. „Unsere<br />

Leser bewegen sich viel in Wald und<br />

Flur, am Meer und in den Bergen. Das<br />

muss unsere Arbeitsformen beeinflussen,<br />

ebenso wie die Papierwahl und die Arbeit<br />

<strong>der</strong> Druckereien.“<br />

Aber je mehr Zeitschriften gedruckt<br />

werden, desto mehr Bäume verschwinden<br />

aus den Wäl<strong>der</strong>n, in denen gejagt wird.<br />

„Ich sehe die Forstwirtschaft genau wie die<br />

Jagd“, entgegnet Henricson auf diesen Einwand.<br />

„Als einen erneuerbaren Rohstoff,<br />

den man schützen, aber auch weiter entwickeln<br />

und hegen muss. Mit <strong>der</strong> gebotenen<br />

Rücksicht ist <strong>der</strong> Rohstoff bestehend.“<br />

svensK JaKt<br />

gegründet: 1863 (o<strong>der</strong> 1832)<br />

erscheint: 11 Ausgaben pro Jahr<br />

auflage: 152 000 Exemplare<br />

zubereitung:<br />

Legen Sie das gefrorene Fleisch auf<br />

einen Rost über ein Ofenblech. Bei etwa<br />

80 Grad im Ofen garen, nehmen Sie das<br />

Fleisch aus dem Ofen, wenn es etwa<br />

70 Grad erreicht hat (nach etwa zehn<br />

Stunden).<br />

Marinade mischen. Das Fleisch in<br />

einer dicht abschliessenden Verpackung<br />

einlegen und etwa fünf Stunden marinieren.<br />

Servieren Sie das Fleisch in dünnen<br />

Scheiben mit <strong>der</strong> kalten Sauce.<br />

Guten Appetit!<br />

S


Immer mehr lesen Zeitung<br />

DIE AuFlAGEn <strong>der</strong> Tagespresse steigen<br />

weltweit. 2007 legten die Auflagen insgesamt<br />

um 2,57 Prozent zu, berichtete<br />

die World Association of Newspapers,<br />

WAN, anlässlich ihres 61. Weltkongresses<br />

im Juni in Göteborg. Rechnet<br />

man die Gratiszeitungen hinzu, sind<br />

die Auflagen sogar um 3,65 Prozent<br />

gestiegen. Und dank Internet erreichen<br />

die Zeitungen ein noch größeres<br />

Publikum.<br />

WAN hat die Zeitungslektüre in<br />

232 Län<strong>der</strong>n dokumentiert und ana­<br />

lysiert. In den letzten fünf Jahren ist<br />

die Tagespresse demnach global um<br />

mehr als neun Prozent gewachsen. Die<br />

Anzeigeneinnahmen stiegen 2007 um<br />

knapp ein Prozent; seit 2003 haben sie<br />

um fast 13 Prozent zugenommen.<br />

Um künftigen Erfolg zu sichern,<br />

müssen Zeitungsverlage, so glaubt<br />

WAN, in ihre Printausgaben investieren.<br />

Das Internet werde von den<br />

Lesern nach wie vor lediglich als Ergänzung<br />

und Komplement genutzt.<br />

von Luise Steinberger TREnDS<br />

Eco QuEEn <strong>–</strong> zeitschrift<br />

mit umweltglamour<br />

ein magazin <strong>der</strong> neuen Art hat das Licht <strong>der</strong> Welt<br />

erblickt: Eco Queen, ein Lifestyle-Magazin für Frauen,<br />

die Umweltbewusstsein mit Glamour verbinden<br />

möchten. Der schwedische Verlag LRF Media gab<br />

im Mai die erste Ausgabe heraus.<br />

Sie enthielt unter an<strong>der</strong>em Hinweise auf umweltgerechte<br />

Klei<strong>der</strong> und gab Tipps, wie man aus<br />

Flohmarktfunden schicke Festgar<strong>der</strong>oben macht<br />

und welche Weine man wählen sollte (italienische<br />

Weine werden per Bahn transportiert).<br />

Eco Queen leitet einen neuen Trend ein <strong>–</strong> zumindest<br />

in Skandinavien. Das glaubt Louise Fallenius,<br />

Leiterin des Bereichs Zeitungsanzeigen beim Medienberater<br />

Carat: „Es besteht kein Zweifel, dass<br />

die Menschen sich für die Umwelt interessieren,<br />

beson<strong>der</strong>s in den Großstädten.“ Noch ist niemand<br />

auf den Zug aufgesprungen, aber nach Medienberichten<br />

hat <strong>der</strong> Verlag Bonnier einen Titel über<br />

ökologische Einrichtung registrieren lassen.<br />

Quelle: Svenska Dagbladet<br />

nachwuchs bei den frutigers<br />

die tyPenfamilie frutiger, eine <strong>der</strong> am häufigsten verwendeten serifenlosen<br />

Schrifttypen, bekam im Juni ein neues Mitglied. Die neue Serifen-Variante Frutiger<br />

Serif wurde von Akira Kobayashi, Type Director bei Linotype, mit Unterstützung<br />

von Adrian Frutiger entwickelt. Die Ursprungsfamilie, Meridien, war 1957 von dem<br />

französischen Designhaus Deberny & Peignot entwickelt worden. Charakteristisch<br />

für Frutiger sind scharfe, elegante Serifen und die Abwesenheit gera<strong>der</strong> Linien. Wo<br />

an<strong>der</strong>e Typen gerade Linien haben, weist Frutiger weiche Kurven auf.<br />

Frutiger serif ist in fünf verschiedenen Gewichtungen erhältlich, von Light bis<br />

Heavy, und jeweils in den Breiten Regular und Condensed.<br />

Quelle: AGI news<br />

S<br />

S<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008<br />

S


AlS SCHWEDEn 3 die Postzustellung<br />

<strong>der</strong>egulierte, wurde die staatliche Post<br />

nervös. Würden Konkurrenten einen<br />

Großteil <strong>der</strong> Kunden in den Großstädten<br />

für sich gewinnen und das Staatsunternehmen<br />

mit den unrentablen Provinzkunden<br />

sitzen lassen <strong>–</strong> jenen Kunden<br />

also, die in dem lang gestreckten Land<br />

oft nur per kilometerlanger Autofahrt<br />

o<strong>der</strong> gar stundenlanger Fußwan<strong>der</strong>ung<br />

zu erreichen sind?<br />

Und gewiss: Die Konkurrenz trat<br />

auf den Plan, genau wie befürchtet in<br />

den Großstadtregionen, und Posten AB<br />

musste abspecken. So wurden kurz nach<br />

<strong>der</strong> Jahrtausendwende sämtliche Postämter<br />

geschlossen und <strong>der</strong> Service an Tankstellen<br />

und in Lebensmittelläden verlagert.<br />

Und ja: Posten AB denkt über eine<br />

Fusion mit seiner dänischen Schwester<br />

nach, zwecks Schaffung von Synergien.<br />

Und schließlich ja: Die Bevölkerung protestiert<br />

gegen alle Verän<strong>der</strong>ungen. Und<br />

<strong>–</strong> sie gewöhnt sich daran. 15 Jahre nach<br />

<strong>der</strong> Deregulierung verfügt Posten AB<br />

weiterhin über einen Marktanteil von<br />

90 Prozent.<br />

Ähnlich sieht es in an<strong>der</strong>en EU­Län<strong>der</strong>n<br />

aus, in denen die Briefzustellung<br />

bereits dem Wettbewerb unterliegt <strong>–</strong> in<br />

2 sca papergram no 3 › 2008<br />

Ein Eu-Beschluss hat die Postzustellung<br />

durcheinan<strong>der</strong> gebracht. Spätestens<br />

20 müssen die Mitgliedslän<strong>der</strong> das<br />

Zustellungsmonopol abschaffen. Zu<br />

den Interessenten für diesen Markt<br />

gehören auch Zeitungsverlage<br />

von Luise Steinberger illustration Ninni Oljemark<br />

Die Schlacht<br />

um die Briefe<br />

Großbritannien, Finnland und den Nie<strong>der</strong>landen.<br />

Konflikt in Deutschland<br />

In Deutschland allerdings hat die Deregulierung,<br />

die bundesweit am 1. Januar<br />

2008 in Kraft trat, zu gelinden Kämpfen<br />

geführt. Grund dafür kann die Tatsache<br />

sein, dass Akteure ganz spezieller Art auf<br />

die Bühne drängen: Große Zeitungshäuser<br />

haben die Konkurrenz mit <strong>der</strong> deutschen<br />

Post aufgenommen.<br />

Die Verlage sehen dabei zwei große<br />

Vorteile: Da deutsche Tageszeitungen<br />

vorrangig im Abonnement vertrieben<br />

werden, verfügen die Zeitungshäuser<br />

über gut ausgebaute Verteilernetze; ein<br />

Leichtes also, den Zeitungsverteilern<br />

noch ein paar Briefe mit auf den Weg zu<br />

geben. Zudem hatten viele Verlage regional<br />

bereits mit <strong>der</strong> Postzustellung begonnen<br />

und verfügten zum Zeitpunkt <strong>der</strong><br />

bundesweiten Deregulierung über entsprechende<br />

Erfahrungen. In Süddeutschland<br />

war Arriva, gemeinsame Tochter<br />

<strong>der</strong> Regionalzeitungsverlage Badischer<br />

Verlag in Freiburg und Südkurier in<br />

Konstanz, frühzeitig am Start. Schon seit<br />

2001 teilt das Unternehmen in Freiburg<br />

und Konstanz Briefe aus. Ein weiterer<br />

Pionier ist <strong>der</strong> traditionsreiche Großverlag<br />

DuMont­Schauberg, MDS, mit<br />

Titeln wie Kölner Stadtanzeiger, Kölnische<br />

Rundschau und Express. In Kooperation<br />

mit <strong>der</strong> Rheinisch­Bergischen Druckerei<br />

und dem Verlag W. Girardet, beide Düsseldorf,<br />

begann man im Frühjahr 2005<br />

mit <strong>der</strong> Postzustellung. „Im ländlichen<br />

Bereich ist das Zeitungsgeschäft einfach.<br />

Bei uns ist Logistik ein großes Thema. Im<br />

ländlichen Bereich können die Zeitungsträger<br />

auch die Briefe austragen, während<br />

es in <strong>der</strong> Innenstadt und in den Ballungsräumen<br />

eigene Träger für die Briefe gibt“,<br />

erklärt Konstantin Neven DuMont, einer<br />

von vier Geschäftsführern von MDS.<br />

Dass sich Zeitungsverlage ins Briefgeschäft<br />

begeben haben, hängt natürlich<br />

auch mit den sinkenden Anzeigeneinnahmen<br />

<strong>der</strong> Unternehmen zusammen: Es<br />

galt, Kosten zu senken sowie ergänzende<br />

Tätigkeitsbereiche zu finden. So hat MDS<br />

auch mit dem Verkauf von Event­Tickets<br />

begonnen. „Wir müssen schauen, wie wir<br />

Erlösrückgänge in unserem Geschäft,<br />

ausgelöst durch die elektronischen Medien<br />

und vor allem das Internet, kompensieren<br />

können, und neue Erlösquellen<br />

erschließen. Allerdings ist uns wichtig<br />

<strong>–</strong> dies ist die Philosophie des Hauses <strong>–</strong>,


dass alle Tätigkeiten unserem Kerngeschäft<br />

nahe sind. Interessant ist alles, was<br />

mit Information zu tun hat“, so Neven<br />

DuMont.<br />

Kooperationen<br />

Als <strong>der</strong> deutsche Markt <strong>der</strong>eguliert<br />

wurde, standen für die Briefzustellung<br />

auch einige Großverlage in den Startlöchern.<br />

So bildete <strong>der</strong> Axel Springer­<br />

Verlag (Bild-Zeitung und an<strong>der</strong>e) mit<br />

dem Holtzbrinck­Verlag (Handelsblatt)<br />

und dem Verlag WAZ (Westdeutsche Allgemeine<br />

Zeitung) zu diesem Zweck das<br />

Gemeinschaftsunternehmen Pin­Group.<br />

Infolgedessen entstand ein zäher und<br />

lang anhalten<strong>der</strong> Konflikt. Dabei geht<br />

es um den Vertrieb von Direkt­Mailsendungen<br />

<strong>–</strong> ein einträglicher Bereich, den<br />

die Deutsche Post nicht an eine starke<br />

Konkurrenz verlieren möchte. Die Post<br />

reagierte unter an<strong>der</strong>em mit einem Anzeigenboykott<br />

gegen die großen Tageszeitungen<br />

sowie mit <strong>der</strong> Ankündigung<br />

eigener Gratiszeitungen und ­magazine,<br />

die zusammen mit <strong>der</strong> Briefpost verteilt<br />

werden sollen. Auf diese Weise möchte<br />

die Post die zahlreichen „Werbung <strong>–</strong> nein<br />

danke“­Schil<strong>der</strong> an den Briefkästen umgehen.<br />

„Bei uns ist logistik ein großes<br />

Thema. Im ländlichen Bereich<br />

können die Zeitungsträger auch<br />

die Briefe austragen“<br />

KOnSTAnTIn nEVEn DuMOnT<br />

Allerdings besteht Kompromisswille.<br />

In einigen Teilen Deutschlands kooperieren<br />

die Post und <strong>der</strong> Verlag WAZ:<br />

Gemeinsam verteilt man Direkt­Mailsendungen<br />

an 700 000 Haushalte. Bei<br />

Erfolg soll das Konzept bundesweit eingeführt<br />

werden.<br />

Es ist also durchaus möglich, dass auch<br />

auf dem deutschen Briefmarkt bald wie<strong>der</strong><br />

Ruhe einkehrt <strong>–</strong> trotz unerwarteter<br />

Verlagskonkurrenz. Die Entwicklung in<br />

Frankreich und Belgien, wo ein vehementer<br />

Wi<strong>der</strong>stand gegen die Deregulierung<br />

<strong>der</strong> Post zu verzeichnen ist, bleibt<br />

abzuwarten. S<br />

sca papergram no › 3<br />

3 2008


FSC-PAPIER<br />

immer begehrter<br />

Die nachfrage<br />

nach FSC-zertifiziertem Papier steigt weiter. Im ersten Halbjahr<br />

2008 lieferte <strong>SCA</strong> 7 Prozent mehr zertifiziertes Papier als im<br />

Vorjahreszeitraum. Vor allem stieg die nachfrage in Belgien,<br />

Polen und Italien<br />

von Lena Sjödin foto Pär Helan<strong>der</strong><br />

InSGESAMT lIEFERTE <strong>SCA</strong> von Januar<br />

bis Juni gut 50 000 Tonnen FSC­zertifizierte<br />

Druckpapiere aus, im Vergleich zu<br />

gut 29 000 Tonnen im entsprechenden<br />

Zeitraum des Vorjahres. Seit 2006 bietet<br />

<strong>SCA</strong> auch Zeitungspapier mit FSC­Zertifikat<br />

an <strong>–</strong> hier stieg die Nachfrage im<br />

ersten Halbjahr 2008 ebenfalls deutlich.<br />

„Unsere FSC­zertifizierten Produkte sind<br />

Teil <strong>der</strong> Umweltarbeit, die wir seit vielen<br />

Jahren betreiben“, sagt Rolf Johannesson,<br />

Marketingdirektor von <strong>SCA</strong> Graphic<br />

Sundsvall.<br />

4 sca papergram no 3 › 2008<br />

Der FSC, Forest Stewardship Council,<br />

ist eine internationale Organisation zur<br />

För<strong>der</strong>ung nachhaltiger Forstwirtschaft<br />

in aller Welt. Das FSC­Umweltlabel<br />

wird von den führenden internationalen<br />

Umweltorganisationen anerkannt. Die<br />

Forstwirtschaft von <strong>SCA</strong> wurde bereits<br />

1999 nach FSC zertifiziert. Heute ist<br />

sämtliches Holz, das in den Zellstoff­ und<br />

Papierwerken von <strong>SCA</strong> verarbeitet wird,<br />

entwe<strong>der</strong> FSC­zertifiziert o<strong>der</strong> erfüllt die<br />

Kriterien für FSC­kontrolliertes Holz,<br />

entstammt also keinen umstrittenen<br />

Quellen. Die Zellstoff­ und Papierwerke<br />

sind Chain of Custody­zertifiziert, was<br />

bedeutet, dass <strong>der</strong> Ursprung des Rohstoffs<br />

durch die gesamte Verarbeitungskette<br />

vom Wald bis hin zum fertigen<br />

Produkt zurückverfolgt werden kann.<br />

neues Interesse<br />

Die Nachfrage nach FSC­zertifiziertem<br />

Papier ist stetig gestiegen, und <strong>SCA</strong> ist<br />

als Lieferant einer <strong>der</strong> Marktführer. Die<br />

Kunden in Skandinavien, Großbritannien<br />

und Deutschland engagieren sich


schon seit langem stark für den FSC;<br />

und nun ist auch in an<strong>der</strong>en europäischen<br />

Län<strong>der</strong>n das Interesse erwacht.<br />

„In Belgien, Polen und Italien wird viel<br />

für den Import in Län<strong>der</strong> gedruckt, die<br />

FSC for<strong>der</strong>n“, erklärt Mark Lunabba,<br />

Vorstand <strong>der</strong> <strong>SCA</strong> Graphic Laakirchen<br />

in Österreich.<br />

Mehrere große europäische Konzerne<br />

haben FSC in ihr Umweltprofil<br />

aufgenommen und verlangen daher von<br />

den Zulieferern die Verwendung FSCzertifizierter<br />

Papiere <strong>–</strong> daher die große<br />

Nachfrage. Im Zuge <strong>der</strong> Entwicklung<br />

lassen sich auch die Druckereien selbst<br />

zertifizieren. „Außerdem denke ich, dass<br />

mit <strong>der</strong> Debatte um Klimaschutz und<br />

Kohlendioxid waldwirtschaftliche Fragen<br />

erneut ins Blickfeld gerückt sind“, sagt<br />

Mark Lunabba. „Die Öffentlichkeit sieht<br />

allmählich den Zusammenhang zwischen<br />

gesunden, gut bewirtschafteten Wäl<strong>der</strong>n<br />

und <strong>der</strong> Bekämpfung des Klimagases<br />

Kohlendioxid.“<br />

FSC <strong>–</strong> eine Frage des Wettbewerbs<br />

Über 80 europäische Druckerei­ und<br />

Verlagskunden <strong>der</strong> <strong>SCA</strong> haben sich<br />

FSC­zertifizieren lassen. „Auch wenn<br />

diese 80 keinen sehr großen Anteil an<br />

<strong>der</strong> Gesamtzahl <strong>der</strong> Verlage und Druckereien<br />

stellen, sind ihre Zertifikate<br />

wichtig, denn es handelt sich um große<br />

Unternehmen“, so Lunabba.<br />

Stellen sich große Kunden an die<br />

Spitze, dann folgen die mittleren und<br />

kleinen nach. Heute werden nicht mehr<br />

nur Nischenprodukte wie Zeitungen mit<br />

Umweltprofil auf zertifizierte Papiere<br />

gedruckt, son<strong>der</strong>n zunehmend auch allgemeine<br />

Publikationen. „Weil FSC eine<br />

Wettbewerbsfrage ist, wird <strong>der</strong> Trend<br />

anhalten“, sagt Mark Lunabba.<br />

Auch die Liefermengen von FSC­zertifiziertem<br />

Zellstoff sind deutlich gestiegen<br />

und haben sich von 2005 bis 2007<br />

verdoppelt. Die Hälfte des im Zellstoffwerk<br />

Östrand produzierten Zellstoffs<br />

wird mit dem FSC­Zertifikat vertrieben.<br />

2007 verkaufte <strong>SCA</strong> außerdem mehr als<br />

eine halbe Million Kubikmeter FSCzertifiziertes<br />

Sägeholz. Mark Lunabba<br />

ist zuversichtlich: „Ich erwarte für den<br />

Herbst einen weiteren Anstieg. Die<br />

Nachfrage ist noch nicht abgeflaut.“<br />

S<br />

„unsere FSC-zertifizierten Produkte<br />

sind Teil <strong>der</strong> umweltarbeit, die wir seit<br />

Jahren leisten“<br />

ROlF JOHAnnESSOn<br />

Ausbildung und Planung für gute umweltverträglichkeit<br />

im herbst 2007 durchlief <strong>SCA</strong> eine FSC-Revision, bei <strong>der</strong> Mängel unter an<strong>der</strong>em im Bereich<br />

<strong>der</strong> Arbeitsumwelt für Saisonpersonal sowie bei <strong>der</strong> Ernte von Naturwert-Bäumen festgestellt<br />

wurden. Der FSC for<strong>der</strong>te Maßnahmen, die <strong>SCA</strong> umgehend einleitete, insbeson<strong>der</strong>e im<br />

Bereich von Ausbildung, Planung und Kontrolle. Mehr als 600 Harvester-Fahrer erhielten<br />

eine Umweltschutzausbildung. Die bisherigen Stichproben in abgeernteten Gebieten wurden<br />

durch flächendeckende Kontrollen sämtlicher Ernteflächen ersetzt.<br />

Außerdem überarbeitet <strong>SCA</strong> die ökologischen Landschaftspläne und legt die Vorgehensweise<br />

für Gebiete mit beson<strong>der</strong>s hohen Naturschutzwerten fest. Insgesamt wurden<br />

knapp 130 000 Hektar produktive Waldflächen von <strong>der</strong> Ernte ausgenommen.<br />

Die FSC-Revision 2008 ist noch nicht abgeschlossen. Laut Lena Pettersson, Koordinatorin<br />

für Umwelt und Qualität bei <strong>SCA</strong> Skog, haben die Maßnahmen vom Winter und<br />

Frühjahr die gewünschten Effekte erzielt, und die Revision ist bisher zur Zufriedenheit <strong>der</strong><br />

Revisoren verlaufen.<br />

S<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008


TREnDS<br />

”<br />

Dank vieler Innovationen und<br />

neuer Geschäftsbereiche ist<br />

die Druckmedienbranche lebendiger<br />

denn je“<br />

AlBRECHT BOlZA-SCHünEMAnn, Drupa-president<br />

6 sca papergram no 3 › 2008<br />

von Luise Steinberger<br />

Weiterhin Druck in<br />

<strong>der</strong> Druckbranche<br />

DAS InVESTITIOnSKlIMA in <strong>der</strong> Druck­ und Medienindustrie<br />

ist ausgezeichnet <strong>–</strong> so das Fazit <strong>der</strong> Organisatoren<br />

<strong>der</strong> Drupa 2008. Die größte und wichtigste<br />

Branchenmesse <strong>der</strong> Welt fand Anfang Juni statt, und<br />

die 1971 Aussteller aus 52 Län<strong>der</strong>n berichteten von<br />

vielen aussichtsreichen Kontakten und erfolgreichen<br />

Abschlüssen. „Die Drupa 2008 gibt ein deutliches Signal:<br />

Dank vieler Innovationen und neuer Geschäftsbereiche<br />

ist die Druckmedienbranche lebendiger denn<br />

je“, erklärte Albrecht Bolza­Schünemann, Drupa­Präsident<br />

und Vorstand des Maschinenherstellers Koenig<br />

& Bauer AG. „Die zahlreichen Geschäftsvereinbarungen<br />

in fast allen wichtigen Wirtschaftsregionen<br />

beweisen das.“<br />

Insgesamt wurden Abschlüsse in Höhe von über<br />

zehn Milliarden Euro getätigt, weit mehr als von<br />

Branchenexperten erwartet.<br />

S<br />

aufräumsteuer in <strong>der</strong> schweiz?<br />

die schweizer regierung erwägt<br />

die Einführung einer Steuer, die zur<br />

Entfernung alter Zeitungen von öffent-<br />

lichen Plätzen verwendet werden soll.<br />

Zunächst hat das Umweltministerium<br />

Zeitungsverlage und örtliche Behör-<br />

den zu einem Treffen im September<br />

eingeladen, um eine Begrenzung <strong>der</strong><br />

Verschmutzung durch Printprodukte<br />

zu diskutieren. Falls dabei keine guten<br />

Ideen geboren werden, wird die Regie-<br />

rung eine für alle Verlage verbindliche<br />

Steuer vorschlagen.<br />

Quelle: INMA<br />

S<br />

foto Heidelberg


fleissigste<br />

zeitungsleKtüre<br />

in <strong>der</strong> türKei<br />

laut einer studie <strong>der</strong> World Association<br />

of Newspapers, WAN, lesen die Bewohner<br />

<strong>der</strong> Türkei am längsten Zeitung pro Tag: 74<br />

Minuten im Durchschnitt. Auf Platz zwei folgt<br />

Belgien mit 54 Minuten, Platz drei teilen sich<br />

mit 48 Minuten Finnland und China. Allerdings<br />

stimmen die Ziffern für die Leselänge nicht mit<br />

<strong>der</strong> Statistik für die größten Märkte überein. Die<br />

meisten Zeitungen werden in China, Indien und<br />

Japan verkauft.<br />

Quelle: INMA<br />

S<br />

Papier mit neuen<br />

eigenschaften<br />

das schwedische unternehmen Orgnoclick<br />

entwickelt zellstoffbasiertes Material mit neuen<br />

Eigenschaften. Dafür wurde <strong>der</strong> Forscher und<br />

Unternehmer Jonas Hafrén mit dem Preis für<br />

die „Umweltinnovation des Jahres“ ausgezeichnet,<br />

die verschiedene schwedische Behörden<br />

gemeinsam vergeben.<br />

Mittels umweltfreundlicher chemischer Prozesse<br />

werden Materialien wie Baumwolle, Textilien,<br />

Papier, Karton und Holz mit neuen Eigenschaften<br />

versehen. „Zellstoffmaterialien werden beispielsweise<br />

Wasser abweisend, reißfester o<strong>der</strong> erhalten<br />

neue Farben“, erklärt Jonas Hafrén.<br />

Alles geschieht unter Anwendung natürlicher<br />

Chemikalien, wie etwa Zitrone.<br />

Quelle: Svenska Dagbladet<br />

S<br />

AlS ICH 2001 Generalsekretär des<br />

FSC wurde, war dieser in vielerlei<br />

Hinsicht eine typische NGO mit starkem<br />

Basis­Engagement, bekannt vor<br />

allem für ihr Umweltengagement.<br />

Bald wurde aber deutlich, dass die<br />

Grün<strong>der</strong> weiter gehende Ziele hatten.<br />

Vier Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

Während man erprobte Geschäftsinstrumente<br />

wie Standardsetzung,<br />

Akkreditierungen, Zertifizierung und<br />

Markenpflege nutzte, musste <strong>der</strong> FSC<br />

lernen, vier innovative neue strategische<br />

Ansätze für sich nutzbar zu machen.<br />

Der FSC musste neue und vielfach<br />

revolutionäre Führungsmechanismen<br />

einführen, bei denen Verantwortlichkeit<br />

und Beschlussfassung gerecht<br />

zwischen öffentlichen, privaten und<br />

geschäftlichen, sozialen, Umwelt­<br />

und Wirtschaftsinteressen aufgeteilt<br />

waren <strong>–</strong> von Nord nach Süd.<br />

Der FSC musste das gesamte Spektrum<br />

nachhaltiger Entwicklung horizontal<br />

integrieren, von sozialen über<br />

umweltmäßige bis hin zu geschäftlichen<br />

Aspekten und Bedürfnissen.<br />

Der FSC musste die Nachhaltigkeitsdebatte<br />

vertikal integrieren, indem er<br />

internationale Systeme und Rahmen<br />

anbot und diese mittels regionaler<br />

und national übergreifen<strong>der</strong> Prozesse<br />

in praktische Handlungen und<br />

Verbesserungen auf lokalem Niveau<br />

umsetzte.<br />

Während <strong>der</strong> FSC auf eine einheitliche<br />

globale Strategie fokussierte, musste<br />

er gleichzeitig ein weltumspannendes<br />

und handlungsorientiertes Netzwerk<br />

privater, öffentlicher, unternehmensgebundener,<br />

sozialer, umweltengagierter<br />

und wirtschaftlicher Partner<br />

inspirieren. Der Gedanke dabei war,<br />

diese Partner zu Botschaftern und<br />

Gestaltern <strong>der</strong> FSC­Systeme und ­<br />

Ideen in internationalen, regionalen<br />

und örtlichen Zusammenhängen zu<br />

machen.<br />

Mehrere an<strong>der</strong>e Organisationen haben<br />

sich von diesem innovativen Ansatz<br />

inspirieren lassen; in vielen Bereichen<br />

überall auf <strong>der</strong> Welt wurden die ge­<br />

KOluMnE<br />

Mit <strong>der</strong> umwelt wachsen<br />

•<br />

•<br />

•<br />

•<br />

nannten vier Arbeitsweisen eingeführt.<br />

So ist <strong>der</strong> FSC zu einem globalen<br />

Innovationsführer geworden.<br />

Die Belohnung<br />

2005 konnte <strong>der</strong> FSC als erste Organisation<br />

den mit einer Million US­Dollar<br />

dotierten Alcan­Preis für Nachhaltigkeit<br />

entgegennehmen. Der Preis wird<br />

an Organisationen verliehen, die ganzheitliche<br />

Arbeit zur Bewusstmachung,<br />

Erreichung und/o<strong>der</strong> Verbesserung<br />

wirtschaftlicher, umweltmäßiger und/<br />

o<strong>der</strong> sozialer Nachhaltigkeit leisten.<br />

Als ich die Auszeichnung auf dem<br />

World Economic Forum in Davos in<br />

<strong>der</strong> Schweiz entgegennahm, wurde mir<br />

plötzlich klar, dass sich <strong>der</strong> FSC von einer<br />

kleinen Basis­Umweltorganisation<br />

zu einem globalen Partner entwickelt<br />

hatte, <strong>der</strong> die Umwelt formt und neue<br />

innovative Lösungen entwickelt.<br />

Die nächste Generation von FSC­<br />

Mitarbeitern wird nicht mehr dafür<br />

kämpfen müssen, ein globaler Spieler<br />

zu werden. Die Herausfor<strong>der</strong>ung<br />

wird darin liegen, Innovationsführer<br />

zu bleiben und eine Führungsrolle in<br />

jener globalen Sphäre zu behalten, die<br />

<strong>der</strong> FSC mit geschaffen hat. S<br />

Heiko liedeker<br />

heiKo liedeKer war von 2001 bis 2008<br />

Generaldirektor des FSC (Forest Stewardship<br />

Council). Der gelernte Waldökologe war<br />

zuvor als Experte für den WWF tätig. Auf<br />

einer im Juli 2008 vom internationalen<br />

Brancheninformationsunternehmen RISI<br />

erstellten Liste <strong>der</strong> 50 einflussreichsten<br />

Personen <strong>der</strong> Zellstoff- und Papierindustrie<br />

nimmt Heiko Liedeker Rang 9 ein.<br />

foto Cristoph Papsch<br />

sca papergram no › 7<br />

3 2008


8 sca papergram no 3 › 2008<br />

MARIO GARCIA<br />

dr. mario r. garcia, gelernter Journalist, ist heute als unabhängiger Medienberater tätig. Er arbeitet seit über 30 Jahren im Bereich Zeitungsdesign<br />

und hat mehr als 450 Zeitungen gestaltet


Der <strong>Mann</strong>, <strong>der</strong> uns die Zeitung näher bringt<br />

In Sachen Zeitungsdesign gilt <strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> als Guru. Er reist<br />

rund um den Globus, im Gepäck stets ein Paar Joggingschuhe<br />

von Jane Bergstedt foto Getty Images<br />

WO AuCH IMMER er sich befindet,<br />

trainiert <strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> für irgendeinen<br />

Marathonlauf, an dem er teilnehmen<br />

möchte. Doch mit dem Herzen ist er<br />

bei den Zeitungen und <strong>der</strong> Frage, wie<br />

sie aussehen sollen. <strong>Garcia</strong> ist knapp<br />

über sechzig, die Hälfte dieser Jahre hat<br />

er damit verbracht, Zeitungen ein neues<br />

Gesicht zu verleihen.<br />

In den letzten Jahren ging es dabei<br />

oft um Internetauftritte, aber <strong>der</strong> Zeitungsmann<br />

glaubt an die Zukunft des gedruckten<br />

Wortes. Die Zeitung hat ihren<br />

festen Platz auf dem Frühstückstisch; anschließend<br />

begleitet sie uns in <strong>der</strong> Bahn<br />

zur Arbeit und wird dort vielleicht von<br />

Kollegen gelesen. Nachrichten allerdings<br />

finden sich meist zuerst im Internet, und<br />

dies hat sich auf das Druckerzeugnis ausgewirkt.<br />

Das Zusammenspiel von Druck<br />

und Internet ist ein Phänomen, das viele<br />

Redaktionen gerade erst zu beherrschen<br />

lernen. <strong>Garcia</strong> arbeitet am liebsten mit<br />

beiden Formen gleichzeitig. Er beginnt<br />

mit <strong>der</strong> Printzeitung; ist die Hälfte dieser<br />

Arbeit getan, geschieht die weitere<br />

Entwicklung parallel.<br />

Mit Farben locken<br />

Heutzutage sind die Menschen gestresst<br />

und ungeduldig. Harte Konkurrenz um<br />

die Aufmerksamkeit stellt hohe Ansprüche<br />

ans Design. „Man muss eine Zeitungsseite<br />

schnell auf Interessantes hin<br />

überfliegen können“, meint <strong>Garcia</strong>. Und<br />

Zeitungen müssen verlocken.<br />

Wenn er seine Finger im Spiel hat,<br />

werden die Zeitungen oft farbenfroher.<br />

Vielleicht beeinflusst ihn da seine lateinamerikanische<br />

Herkunft. <strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong><br />

kam 1962 als 14­Jähriger von Kuba nach<br />

Florida, wo er mehrere Jahre lang wohnte<br />

und lernte. Einer seiner Englischlehrer<br />

war die Zeitung Miami Herald. Als er<br />

Jahrzehnte später den Auftrag bekam,<br />

sein eigenes altes Hausorgan neu zu<br />

gestalten, war er nach eigener Aussage<br />

schon ein wenig nervös.<br />

„Simple is better. Less is best“ <strong>–</strong> Einfach<br />

ist besser, weniger ist am besten.<br />

Das ist <strong>Garcia</strong>s Motto. Den überzeugten<br />

Anhänger kleinerer Formate freut <strong>der</strong><br />

weltweite Siegeszug des Tabloids. Nach<br />

einer weiteren Devise des Gurus sollten<br />

Zeitungen in <strong>der</strong> Woche dünn und am<br />

Wochenende dicker sein. Und er propagiert<br />

eine bessere Papierqualität, damit<br />

Bil<strong>der</strong> und Farben besser zu ihrem Recht<br />

kommen.<br />

Gepriesene Kooperation<br />

Text, Redaktion und Layout müssen<br />

zusammenwirken <strong>–</strong> das ist die Grundi­<br />

dee. <strong>Garcia</strong> nennt das WED­Philosophie<br />

<strong>–</strong>Writing, Editing, Design.<br />

<strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> gilt nicht als direkt<br />

innovativ, doch seine Ideen funktionieren<br />

und verleihen den Zeitungen neue<br />

Energie. Er hat viele Preise erhalten, so<br />

erst kürzlich für das Remake <strong>der</strong> französischen<br />

La Tribune.<br />

<strong>Garcia</strong> ist Schüler des verstorbenen<br />

Zeitungsdesign­Meisters Ed Arnold,<br />

auch „Vater des mo<strong>der</strong>nen Zeitungsdesigns“<br />

genannt. Der Tag, an dem<br />

er Arnolds Nachfolge an <strong>der</strong> Syracuse<br />

University Newhouse School of Public<br />

Communications in New York antrat,<br />

war ein wichtiges Datum in seinem<br />

Leben.<br />

„Simple is better. less is best.“<br />

<strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong>s Werk<br />

<strong>Mario</strong> <strong>Garcia</strong> und sein Team „<strong>Garcia</strong> Media“, zu dem unter an<strong>der</strong>en sein Sohn gehört,<br />

haben mehr als 450 großen und kleinen Zeitungen einen Besuch abgestattet. Ihr Auftrag<br />

bestand zumeist im Redesign; in einigen Fällen halfen sie auch bei <strong>der</strong> Konzeption neuer<br />

Zeitungen. Eine Auswahl:<br />

Wall Street Journal, USA<br />

La Tribune, Frankreich<br />

Handelsblatt, Deutschland<br />

Die Zeit, Deutschland<br />

Wirtschafts Blatt, Österreich<br />

Göteborgs-Posten, Schweden<br />

The Hindu, India<br />

Xpress, Dubai<br />

Folha de Sao Paulo, Brasilien<br />

Grupo Reforma, Mexiko<br />

weitere informationen:<br />

www.garciamedia.com<br />

www.garciamedia.com/blog/<br />

www.xpress4me.com<br />

www.snd.org<br />

S<br />

sca papergram no ›<br />

3 2008


GuTES<br />

Zeitungsdesign<br />

Wie muss eine Zeitung aussehen, um die leser<br />

optimal zu erreichen? Aus dieser einfachen Frage<br />

ist ein ganzer Forschungszweig entstanden<br />

von Johan Rapp foto Bo Fernström, Kennet Rouna<br />

EIn BIlD neben <strong>der</strong> Notiz <strong>–</strong> ja o<strong>der</strong> nein?<br />

Das ist die Frage. Antwortet <strong>der</strong> Redakteur<br />

mit „ja“, dann steigt die Chance,<br />

dass <strong>der</strong> Leser die Notiz wahrnimmt,<br />

um 34 Prozent.<br />

Das zeigen Studien, bei denen man<br />

mit so genanntem „Eye Tracking“ die<br />

Aufmerksamkeit des Lesers beim Lesen<br />

einer Zeitungsseite verfolgt hat. Hun<strong>der</strong>te<br />

von Versuchspersonen haben mit<br />

speziellen Brillen, an denen eine kleine<br />

20 sca papergram no 3 › 2008<br />

Videokamera befestigt war, Zeitung<br />

gelesen. Ein Computer dokumentierte<br />

die Bewegungen ihrer Augen über die<br />

Zeitungsseiten und die Verweildauer auf<br />

verschiedenen Text­ und Bildelementen.<br />

Das mag akademisch klingen: Wissen<br />

die Redakteure denn nicht, dass Bil<strong>der</strong><br />

die Aufmerksamkeit steigern? Das Interesse<br />

in <strong>der</strong> Zeitungs­ und Onlinewelt<br />

ist gleichwohl groß.<br />

Früher gab <strong>der</strong> Bleisatz Layout, Spal­<br />

tenbreite und Artikelplatzierung deutlich<br />

vor; heute strotzen Zeitungen vor Farbe,<br />

Kästen, Infografiken und riesigen Bil<strong>der</strong>n,<br />

gemischt mit Texten.<br />

Einfache Grafik<br />

Aber was ist eigentlich das Beste für den<br />

Leser? Da verlassen sich die Redakteure<br />

heute nicht mehr auf ihr Fingerspitzengefühl.<br />

Denn die Forschung zeigt: Infografiken<br />

steigern zwar deutlich den Informations­<br />

und Anziehungswert von Artikeln,<br />

aber nur, wenn sie nicht zu kompliziert<br />

sind. Soll beispielsweise <strong>der</strong> Anteil von<br />

Menschen gezeigt werden, die Geld sparen<br />

<strong>–</strong> auf Bankkonten, in Rentenfonds<br />

o<strong>der</strong> ähnlichem <strong>–</strong>, dann hat ein einfaches<br />

Tortendiagramm einen höheren Infor­


mationswert als etwa die Darstellung<br />

durch ein fantasievoll zerstückeltes Sparschwein.<br />

Einfachheit ist Trumpf.<br />

Ein Zentrum <strong>der</strong> Eye Tracking­Forschung<br />

ist die Journalismusschule Poytner<br />

Institute in Florida in den USA, die<br />

unter an<strong>der</strong>em mit dem Stanford Institute<br />

und dem weltweit anerkannten<br />

Professor für Zeitungsdesign, <strong>Mario</strong><br />

<strong>Garcia</strong>, zusammenarbeitet (siehe Artikel<br />

auf Seite 18). Poytner begann Ende <strong>der</strong><br />

1980er­Jahre mit Eye Tracking­Studien.<br />

Heute beschäftigt man sich mit Web­<br />

wie auch Druckformaten. „Eye Tracking<br />

zeigt, was die Menschen anschauen, in<br />

welcher Reihenfolge und wie lange. Die<br />

Methode eignet sich aber nicht zur Auswertung<br />

von Inhalten“, sagt Sara Quinn,<br />

Spezialistin für visuellen Journalismus<br />

und Leiterin <strong>der</strong> neuesten Studie Eye­<br />

Track07.<br />

Formelemente variieren<br />

Verschiedene Untersuchungen, auch<br />

solche, die nicht auf Augenbewegungen<br />

basieren, haben gezeigt, dass Aufmerk­<br />

samkeit mittels Farben erlangt<br />

werden kann. Dasselbe gilt für<br />

Fotos <strong>–</strong> vor allem dann, wenn<br />

ein Foto die Seite dominiert.<br />

So erhält <strong>der</strong> Leser Zugang<br />

zum Artikelmaterial; viele<br />

Zeitungen arbeiten heute nach<br />

diesem Prinzip. In <strong>der</strong> jüngsten<br />

Poytner­Augenbewegungsstudie<br />

für gedruckte Zeitungen<br />

werden unter an<strong>der</strong>em Möglichkeiten<br />

zur Variation von<br />

Formelementen aufgezeigt:<br />

So kann man wechselseitig<br />

große und kleine Rubriken<br />

einsetzen, Bildtexte und Fotos<br />

verwenden <strong>–</strong> eine weitere,<br />

nicht unwichtige Möglichkeit<br />

besteht auch darin, die<br />

Texte in verschiedene alternative<br />

Formen zu splitten<br />

statt in einem großen Textkörper<br />

zu setzen. Mögliche<br />

Elemente dafür sind Kästen<br />

in Frage­und­Antwort­<br />

Zwei lesertypen<br />

Form, Faktenkästen und Aufzählungen<br />

in Punktform. „Das bedeutet keineswegs,<br />

dass alle Artikel in dieser Form gesetzt<br />

werden sollten“, sagt Sara Quinn. „Ich<br />

glaube felsenfest an lange Lauftexte.<br />

Aber man muss wissen, was Abwechslung<br />

bewirken kann.“<br />

Vor allem bei amerikanischen Zeitungen<br />

gebe es da noch viel zu tun. „Prozentual<br />

gesehen sind hier sehr wenige<br />

Artikel in alternativen Formen gestaltet,<br />

und Ähnliches gilt für Internetauftritte“,<br />

sagt Quinn und empfiehlt den Redaktionen,<br />

eigene Handbücher über verschiedene<br />

Artikelbauweisen anzufertigen.<br />

Angesichts heutiger Konkurrenz um<br />

die Aufmerksamkeit <strong>der</strong> Leser dürfte die<br />

einschlägige Forschung gewiss weiterleben.<br />

sechshun<strong>der</strong>t leser verschiedenen alters und aus unterschiedlichen bildungsschichten<br />

nahmen an <strong>der</strong> jüngsten augenbewegungsstudie des Poytner institutes,<br />

eyetrack07, teil. untersucht wurde, wie menschen zeitungen und webpublikationen<br />

lesen:<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

S<br />

Es gibt zwei Lesertypen: die „Durchblätterer“, die die Zeitung nach Interessantem<br />

durchsuchen, und die methodischen Leser, die Inhaltsverzeichnisse und an<strong>der</strong>e<br />

Hilfsmittel verwenden.<br />

Der typische „Durchblätterer“ liest Teile von Artikeln, schaut Bil<strong>der</strong> an und geht dann zu<br />

an<strong>der</strong>en Artikeln über. Der methodische Leser liest gewählte Artikel oft von Anfang bis<br />

Ende, ohne an<strong>der</strong>en Elementen <strong>der</strong> Seite größere Aufmerksamkeit zu widmen. Manchmal<br />

liest er Artikel ein zweites Mal.<br />

75 Prozent <strong>der</strong> Leser gedruckter Zeitungen waren methodische Leser, im Internet lag<br />

<strong>der</strong> Prozentsatz bei 50/50.<br />

Wenn Menschen einmal gewählt haben, welchen Artikel sie lesen möchten, wird im<br />

Internet mehr gelesen; das gilt auch für lange Artikel.<br />

Verschiedene und ausgefallene Präsentationen schaffen bessere Aufmerksamkeitswerte<br />

und erleichtern es dem Leser, sich an den Inhalt zu erinnern.<br />

Überschriften und Fotos sind die wichtigsten Lockmittel einer Papierzeitung. Im Internet<br />

wird die Wahl häufig von <strong>der</strong> Navigation beeinflusst.<br />

Bil<strong>der</strong> und visuelle Effekte erhöhen den Aufmerksamkeitswert für Notizen und Intros<br />

deutlich. Eine Notiz mit Foto erhält im Schnitt 34 Prozent mehr Aufmerksamkeit.<br />

Fotos sollten am besten farbig sein (nicht schwarz-weiß), etwas Wirkliches zeigen (also<br />

keine Genres) und sie dürfen gerne groß sein (keine kleinen Porträts). Dann werden<br />

sie wahrgenommen.<br />

Eine halbseitige Anzeige kann ebenso gut funktionieren wie eine ganze Seite. Farb- und<br />

Bildwahl sowie Layout sind von großer Bedeutung.<br />

mehr unter: http://eyetrack.poynter.org<br />

S<br />

sca papergram no › 2<br />

3 2008


Wird <strong>der</strong> Journalismus zunehmend zum Frauenberuf?<br />

Für Forscher <strong>der</strong> universität leipzig ist diese Theorie<br />

nicht aus <strong>der</strong> luft gegriffen. Die Chefetage ist<br />

allerdings noch eine strikte Herrenriege<br />

22 sca papergram no 3 › 2008<br />

von Kerstin Engelhardt foto Bo Fernström, Unesco


Eine Frauensache<br />

FRAuEnJOuRnAlISMuS <strong>–</strong> heißt das<br />

Personality Talk statt Börsenbericht,<br />

ganzheitliche Meinungsbekundung statt<br />

Fakten, Fakten, Fakten? Dieses Klischee<br />

wird wohl niemand mehr ernst nehmen.<br />

Fest steht: Der Journalismus wird zunehmend<br />

von Frauen beeinflusst. In welchen<br />

Ressorts ist <strong>der</strong> Geschlechterwandel sichtbar,<br />

und wie sieht eine feminin geprägte<br />

Berichterstattung aus? Prof. Dr. Michael<br />

Haller von <strong>der</strong> Universität Leipzig berichtet<br />

von den Ergebnissen seiner Studie<br />

über die Zukunft des Journalismus:<br />

„Die Geschlechterverschiebung ist nur<br />

ein Aspekt unserer umfassenden Befragung<br />

zu Prognosen und Trends im Journalismus“,<br />

so Haller. Über zwei Jahre führte das<br />

Institut für Kommunikations­ und Medienwissenschaft<br />

<strong>der</strong> Universität Leipzig die<br />

Untersuchung durch <strong>–</strong> man befragte 60 leitende<br />

Redakteure nach ihren Zukunftsprognosen<br />

und 35000 in Deutschland tätige<br />

Journalisten nach ihrem Werdegang, nach<br />

Arbeitszufriedenheit und Einkommen.<br />

Zwei Drittel <strong>der</strong> Teilnehmer waren Männer,<br />

ein Drittel Frauen.<br />

„Ein Ergebnis sticht heraus: Der<br />

Frauenanteil unter den Schreibern ist<br />

gestiegen“, sagt <strong>der</strong> Projektleiter. „Von<br />

den 50­ bis 60­jährigen Journalisten ist<br />

ein knappes Drittel weiblich, bei den 25­<br />

bis 30­jährigen ist es schon die Hälfte.“<br />

Mehr als 70 Prozent <strong>der</strong> angeschriebenen<br />

Journalisten halten diese Tendenz für<br />

steigend.<br />

Männer-Domänen<br />

Welche Ziele haben die Berufseinsteigerinnen<br />

vor Augen? Lange Zeit galten<br />

Ressorts wie Sport und Wirtschaft als<br />

Männersache, die Bereiche Kunst, Feuilleton<br />

und allgemeinmenschliche Fragen<br />

waren hingegen fest in Frauenhand. In<br />

den tagesaktuellen Nachrichten mischten<br />

sich die Geschlechter. Doch weichen die<br />

alten Strukturen langsam auf, so Haller:<br />

„Die weiblichen Nachwuchskräfte besetzen<br />

nun auch traditionell männliche<br />

Ressorts. Ein Männerüberschuss besteht<br />

nur noch in den älteren Generationen.“<br />

Plakativ ausgedrückt: Im Wirtschaftsressort<br />

sitzen nun alte Männer neben<br />

jungen Frauen.<br />

„Viele Frauen mit <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Kompetenz lehnen eine Führungsrolle ab“<br />

MICHAEl HAllER<br />

Doch auch innerhalb des Journalismus<br />

hat sich die Gewichtung <strong>der</strong> Themenfel<strong>der</strong><br />

verschoben. So setzen Lokalredaktionen<br />

zunehmend auf die Leserperspektive<br />

und auf nutzwertige Informationen<br />

<strong>–</strong> „weiche Kompetenzen“, die traditionell<br />

den Frauen zugesprochen werden. Und<br />

auf die Anfrage, wer einen Artikel über<br />

Body Shaping verfassen möchte, stürmen<br />

nicht sämtliche männlichen Redaktionsmitglie<strong>der</strong><br />

begeistert das Büro <strong>der</strong><br />

Chefredaktion. Eine lockende Aussicht<br />

für Nachwuchsjournalistinnen also? „Das<br />

würde ich so nicht unterschreiben“, meint<br />

Haller. „Journalismus ist ein attraktiver<br />

Beruf. Die jungen Journalistinnen unter<br />

unseren Befragten schätzen den kreativen<br />

und sozialen Aspekt. Der Job for<strong>der</strong>t heraus<br />

und bietet ständig Abwechslung.“ Außerdem<br />

sei die zeitliche Flexibilität höher<br />

als in vielen an<strong>der</strong>en Arbeitsbereichen,<br />

und die Befragten sähen das als Chance,<br />

Familie und Beruf zu vereinen: „Es ist ja<br />

meist die Frau, an <strong>der</strong> die Doppelbelastung<br />

Familie­Beruf hängen bleibt.“<br />

Frauen stellen das Privatleben vornan<br />

Dieser Aspekt hat eine Schattenseite.<br />

Noch immer ist die Führungsebene bis<br />

auf weiteres männlich besetzt <strong>–</strong> Verän<strong>der</strong>ungen<br />

verlaufen nur äußerst schleppend.<br />

„Viele Frauen mit <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Kompetenz lehnen eine Führungsrolle<br />

ab“, so Haller. „Sie sehen, wie <strong>der</strong> vorherige<br />

Ressortchef unter <strong>der</strong> 60­Stunden­Wochen<br />

gelitten hat und von seiner<br />

aufopfernden Familie aufgefangen<br />

wurde, und sagen: Tut mir Leid, auch<br />

das Privatleben hat einen Stellenwert für<br />

mich.“ Natürlich gäbe es dafür Lösungen,<br />

meint <strong>der</strong> Forscher <strong>–</strong> Doppelspitzen zum<br />

Beispiel, wie <strong>der</strong> Spiegel sie praktiziert.<br />

„Dieses Beispiel sollte Schule machen, in<br />

<strong>der</strong> Chefredaktion wie bei <strong>der</strong> Ressortleitung<br />

großer Zeitungen. Nur ist die Praxis<br />

vielen Verlagsleitern zu unübersichtlich.“<br />

sca papergram no › 23<br />

3 2008<br />

S


Auch Kin<strong>der</strong>betreuung sollte für große<br />

Verlagshäuser selbstverständlich sein, so<br />

Haller. Woran es ebenfalls hapert, ist die<br />

Bezahlung. Frauen verdienen bei gleicher<br />

Leistung häufig weniger als ihre männlichen<br />

Kollegen.<br />

Wie genau sieht die Leistung eigentlich<br />

in <strong>der</strong> Praxis aus? In zahllosen oft mehr<br />

ideologisch als wissenschaftlich gehaltenen<br />

Abhandlungen überschlagen sich<br />

die Theorien von Hirnhälftenverknüpfungen<br />

und Tunnelblick, von Frauen als<br />

Kommunikationswun<strong>der</strong>n und Männern<br />

als Parkplatzjägern. Auf die Frage nach<br />

einem typisch weiblichen Journalismus<br />

liefert die Studie keine klare Antwort:<br />

„Die Befragten spalten sich in zwei Lager“,<br />

so Haller. „Etwa die Hälfte <strong>der</strong> angesprochenen<br />

Journalisten ist <strong>der</strong> Meinung,<br />

dass Journalismus schließlich ein Handwerksberuf<br />

sei, die Wahl <strong>der</strong> Themen<br />

und die Art zu arbeiten also relativ festen<br />

Mustern folge. Übrigens sind die meisten<br />

Frauen über 40 dieser Ansicht.“<br />

Verschiedene Sicht <strong>der</strong> Dinge<br />

Einer Gegentheorie hängen laut Haller<br />

deutlich mehr Männer an: „Die an<strong>der</strong>e<br />

Seite meint, dass Männer und Frauen<br />

unterschiedlich an Themen herangehen.<br />

Die Befragten sehen Männer als institutionsgläubiger.“<br />

Als Praxisbeispiel diene<br />

ein neues Pharmaprodukt. „Der männliche<br />

Journalist befragt den Chefarzt <strong>der</strong><br />

Uniklinik und einen Produktverantwortlichen<br />

des Pharmakonzerns. Dann gleicht<br />

er das Ganze noch mit ein paar Patienten<br />

ab.“ Frauen, so die Theorie, gehen empathischer<br />

an das Thema heran. Sie fragen<br />

zuerst: Was bringt das den Betroffenen?<br />

Gibt es Risiken? Und nicht zuletzt <strong>–</strong> welchen<br />

Nutzwert hat das Thema für die<br />

Leser? Vielleicht befragen sie die gleichen<br />

Menschen, doch sie konfrontieren sie mit<br />

ganz an<strong>der</strong>en Fragen und ziehen den<br />

Bericht von einem an<strong>der</strong>en Standpunkt<br />

aus auf. „Übrigens wird dieser Perspektivwechsel<br />

durchweg als positiv, als Bereicherung<br />

gewertet“, so Haller.<br />

Doch Theorie hin o<strong>der</strong> her <strong>–</strong> <strong>der</strong><br />

Trend zur Weiblichkeit gilt im Journalismus<br />

län<strong>der</strong>übergreifend: „Bezogen auf<br />

die Entwicklungen in Europa sehe ich<br />

Deutschland im Mittelfeld. In Gen<strong>der</strong>fragen<br />

liegen die romanischen Län<strong>der</strong><br />

eher hinter dem Trend, die Skandinavier<br />

hingegen sind uns in vielen Aspekten<br />

voraus.“ Es bleibt ein weites Studienfeld<br />

für die Zukunft.<br />

S<br />

24 sca papergram no 3 › 2008<br />

Neues Handbuch<br />

Druckprozess voll<br />

unter Kontrolle<br />

Digitale Arbeitsprozesse und mo<strong>der</strong>ne Methoden<br />

<strong>der</strong> Farbwie<strong>der</strong>gabe können die Bildqualität im<br />

Offsetdruck steigern. Voraussetzung ist eine sorg-<br />

fältige Kalibrierung <strong>der</strong> Produktionsausrüstung.<br />

Die Expertengruppe Web Offset Champion Group<br />

gibt in ihrem jüngsten Handbuch praktische Tipps<br />

für die Kontrolle des gesamten Arbeitsprozesses<br />

<strong>–</strong> vom Original bis zur fertigen Drucksache<br />

text Susanna Lidström foto Leif Milling, Champion Group<br />

SEIT ZEHn bis 15 Jahren geht <strong>der</strong><br />

Trend in den Druckereien hin zu<br />

mehr Automatisierung und weniger<br />

Mitarbeitern. Die Ausrüstung ist technisch<br />

komplizierter geworden, was im<br />

Druckereialltag neue Kenntnisse erfor<strong>der</strong>t.<br />

Gewiss erleichtern automatische<br />

Systeme und elektronische Einstellungen<br />

dem Drucker die Arbeit; wenn<br />

aber das En<strong>der</strong>gebnis vom erwarteten<br />

Resultat abweicht, ist die Suche nach<br />

<strong>der</strong> Ursache angesichts <strong>der</strong> Vielzahl<br />

zusammenwirken<strong>der</strong> Faktoren nicht<br />

immer leicht.<br />

neue Methoden<br />

„Die digitalen Prozesse haben im<br />

Offsetdruck Geschwindigkeit und Effizienz<br />

gesteigert. Aber die komplexe<br />

Kette automatisierter Prozesse vom<br />

Original bis zum fertigen Produkt<br />

enthält auch eine Reihe potenzieller<br />

Quellen für Farb- und Qualitätsabweichungen“,<br />

sagt Nigel Wells, Redakteur<br />

des neuen Handbuches Total process<br />

colour control & Alternative Screening<br />

Technologies, das die Web Offset Champion<br />

Group herausgibt.<br />

Das neue Handbuch enthält Schrittfür­Schritt­Hinweise<br />

zur Erklärung verschiedener<br />

Methoden, mit denen man<br />

die Punkte schafft, die ein Bild aufbauen.<br />

Traditionelle AM (Amplitudenmodulation)<br />

wird Alternativtechniken (Alternative<br />

Screening Technologies, AST)<br />

wie FM (Frequenzmodulation) und<br />

verschiedenen Hybriden bei<strong>der</strong> Techniken<br />

gegenübergestellt. Eine wichtige<br />

Botschaft lautet, dass die Druckereien<br />

zunächst traditionelle AM beherrschen<br />

müssen, ehe die Einführung mo<strong>der</strong>ner<br />

Methoden Sinn macht. „Gut funktionierende<br />

AM ist eine Grundvoraussetzung<br />

für die erfolgreiche Anwendung<br />

von FM im digitalen Arbeitsprozess“,<br />

sagt Wells. Zudem werde die praktische<br />

Anwendung <strong>der</strong> verschiedenen Methoden<br />

in höchstem Grad von Papiertyp<br />

und Druckprozess beeinflusst.<br />

Ebenso wie die früheren Bände <strong>der</strong><br />

Reihe geht das siebte Handbuch von den<br />

Wünschen <strong>der</strong> Kunden aus. In Umfra­


gen haben sie die häufigsten Probleme in<br />

ihrem Druckereialltag beschrieben.<br />

Zehn unternehmen<br />

Das Handbuch ist das siebte seiner Art<br />

seit dem Entstehen <strong>der</strong> Gruppe vor zehn<br />

Jahren. Die Experten kommen aus zehn<br />

Unternehmen, die allesamt Zulieferer<br />

<strong>der</strong> Druckindustrie sind: MAN Roland,<br />

Aylesford Newsprint, Sun Chemical,<br />

Kodak Polychrome, Megtec Systems,<br />

QTI, <strong>SCA</strong>, Nitto Denko Corporation,<br />

Müller Martini und MacDermid Graphic<br />

Arts. Die Produkte <strong>der</strong> Unternehmen<br />

decken die gesamte Produktionskette<br />

ab, und je<strong>der</strong> Beteiligte trägt mit seiner<br />

spezifischen Kompetenz zum Inhalt <strong>der</strong><br />

Handbücher bei. ‚Vor allem geht es darum,<br />

,best practice‘, also die besten Methoden,<br />

vorzustellen und dabei Tipps und<br />

Ratschläge zu geben, wie Ausrüstung,<br />

Material und Arbeitsabläufe am besten<br />

zu gestalten sind, damit die Produktion<br />

so friktionsfrei wie möglich abläuft, erklärt<br />

Nigel Wells.<br />

S<br />

Zehn Jahre Tipps<br />

Die „Web Offset Champion Group” wurde 1998 gegründet und besteht aus Experten<br />

aus zehn Unternehmen, die gemeinsam kontinuierlich Handbücher mit praktischen Tipps<br />

und Lösungen zur Verbesserung von Produktivität, Qualität und Prozesssicherheit in <strong>der</strong><br />

Offsetindustrie erarbeiten. Sieben Titel sind bisher erschienen:<br />

1. Rollentransport<br />

2. Vermeidung und Diagnose von Bahnbrüchen<br />

3. Wie man Überraschungen beim Wechsel <strong>der</strong> Papierqualität vermeidet<br />

4. Wartung zur Steigerung <strong>der</strong> Produktivität<br />

5. Wie man schnell einen unterschriftsreifen Abstimmbogen erzielt<br />

und Farbschwankungen vermeidet<br />

6. umweltaspekte <strong>–</strong> Energie, Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Ökologie<br />

7. Total process colour control & Alternative Screening Technologies<br />

(Kontrolle <strong>der</strong> Farbenprozesse & alternative Screeningtechnologien)<br />

Die Handbücher werden in Druckereien in aller Welt genutzt und sind in erster Linie auf<br />

Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch erhältlich. Derzeit wird die Zahl<br />

<strong>der</strong> Sprachen erweitert; einige Titel liegen bereits auf Chinesisch und Russisch vor. Sämtliche<br />

Titel sollen in diesen beiden Sprachen erscheinen. Ein Titel ist auch in japanischer<br />

Übersetzung erhältlich.<br />

Zum zehnjährigen Bestehen <strong>der</strong> Web Offset Champion Group erschien außerdem<br />

ein Sammelband, die Best Practice Tool Box. Er umfasst sämtliche sieben Handbücher<br />

sowie ein Einleitungskapitel über die Anwendung <strong>der</strong> Schritt-für-Schritt-Hinweise und ist<br />

auf Englisch und Deutsch zugänglich. Für weitere Informationen o<strong>der</strong> Bestellungen setzen<br />

Sie sich bitte mit einem <strong>der</strong> Mitgliedsunternehmen in Verbindung: www.wocg.info<br />

sca papergram no › 2<br />

3 2008


Das Werk Ortviken wird<br />

Das <strong>SCA</strong>-Werk Ortviken bei Sundsvall<br />

feiert sein 00. Jubiläum. Seit<br />

einem Jahrhun<strong>der</strong>t stellt man<br />

Zellstoff her, seit <strong>der</strong> Hälfte<br />

dieser Zeit auch Papier.<br />

Die Geschichte als<br />

Industriestandort<br />

reicht noch weiter<br />

zurück<br />

von Luise Steinberger fotocollage Bo Mellerstedt<br />

BEREITS MITTE des 19. Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

wurden auf <strong>der</strong> Insel Killingholmen Balken<br />

behauen und Bretter gesägt. Anfang<br />

des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts baute man dann für<br />

die Zellstoffherstellung eine Sulfitfabrik,<br />

die im Dezember 1908 die Arbeit aufnahm,<br />

mit einer Kapazität von 12 000<br />

Tonnen pro Jahr.<br />

Anfang 1958 machte die Etablierung<br />

<strong>der</strong> ersten Papiermaschine, PM 1, Ortviken<br />

zur Papierfabrik. 32 Jahre lang<br />

leistete die PM 1 treue Dienste, bis sie<br />

1990 durch die LWC 1, eine mo<strong>der</strong>ne<br />

Maschine zur Fertigung von leichtgewichtigem<br />

gestrichenem Papier, ersetzt wurde.<br />

Ortviken konnte als erstes Papierwerk in<br />

Schweden diese neue Papierqualität herstellen.<br />

Vier Papiermaschinen<br />

Ein Jahr nach <strong>der</strong> PM 1 ging 1959 die<br />

zweite Papiermaschine, die PM 2, in Betrieb.<br />

Sie läuft noch immer und fertigt<br />

heute täglich rund 375 Tonnen Papier<br />

<strong>–</strong> eine stolze Leistung für die betagte<br />

Dame, von ihren Bedienern liebevoll die<br />

„alte Betta“ genannt.<br />

1967 folgte die Inbetriebnahme <strong>der</strong> PM<br />

4, die 1996 durch eine zweite LWC­Maschine<br />

ersetzt wurde, LWC 4. 1985 kam<br />

eine PM 5 hinzu. Insgesamt produzieren<br />

die vier Papiermaschinen in Ortviken<br />

heute 375 000 Tonnen Zeitungsdruck­<br />

und 475 000 LWC­Papiere pro Jahr.<br />

26 sca papergram no 3 › 2008<br />

1973 begann Ortviken mit <strong>der</strong> Herstellung<br />

von thermomechanischem Holzstoff,<br />

TMP. Als erstes Werk <strong>der</strong> Welt verwendete<br />

Ortviken TMP bei <strong>der</strong> Herstellung<br />

von Zeitungspapier. Anfang <strong>der</strong> 1980er­<br />

Jahre erweiterte man die Kapazität für<br />

TMP, und 1984 wurde die Herstellung<br />

von Sulfitzellstoff vollständig eingestellt.<br />

Derzeit findet in <strong>der</strong> Zellstofffabrik ein<br />

großer Umbau statt. Unter an<strong>der</strong>em wird<br />

ein neuer Raffineur mit hoher Kapazität<br />

gebaut. Die Erweiterung ist auch ein erster<br />

Schritt im Prozess <strong>der</strong> Weiterentwicklung<br />

<strong>der</strong> Qualität gestrichener Papiere.<br />

umweltpionier<br />

In den 1970er­Jahren brach sich in Ortviken<br />

<strong>–</strong> wie überall in <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

<strong>–</strong> das Umweltbewusstsein Bahn. Seither<br />

stand das Werk beim Klimaschutz stets<br />

an vor<strong>der</strong>ster Front und gilt als Pionier<br />

in Sachen Abfall­ und Emissionsmin<strong>der</strong>ung.<br />

Seit 1995 wird in Ortviken so genannter<br />

TCF­Zellstoff verwendet, völlig<br />

chorfrei gebleichter Zellstoff mit Wasser<br />

als einzigem Restprodukt. Überschüssige<br />

Wärme aus dem Werk wird ins Fernwärmenetz<br />

<strong>der</strong> Stadt Sundsvall eingespeist,<br />

was zur Verbesserung <strong>der</strong> Luftqualität<br />

in <strong>der</strong> Region beiträgt. Die Verwendung<br />

von Biobrennstoffen statt Öl sichert dem<br />

Werk die niedrigsten CO 2 ­Emissionen <strong>der</strong><br />

Branche. Ortviken konnte als erstes Werk<br />

<strong>der</strong> Welt FSC­zertifiziertes Papier anbieten<br />

und verfügt heute in seiner Position<br />

als Marktführer über ein einzigartiges<br />

Umweltprofil.<br />

Zur Feier des 100. Geburtstags stellt<br />

man die Menschen in den Mittelpunkt,<br />

die in dem Werk gearbeitet und seine<br />

Entwicklung begleitet haben. Als Jubiläumsschrift<br />

ist ein Bildband mit Fotos<br />

von sämtlichen 900 heutigen Mitarbeitern<br />

erschienen. „Die Geschichte des Industriestandortes<br />

Ortviken ist lang, und<br />

<strong>der</strong> Ort hat zur Entwicklung <strong>der</strong> Forstindustrie<br />

unserer Region entscheidend<br />

beigetragen“, meint Fertigungsdirektor


„Die Geschichte des Industriestandortes<br />

Ortviken ist lang, und <strong>der</strong> Ort hat zur<br />

Entwicklung <strong>der</strong> Forstindustrie unserer<br />

Region entscheidend beigetragen“<br />

AlVAR AnDERSSOn<br />

Alvar An<strong>der</strong>sson. „Wie es hier in 50 o<strong>der</strong><br />

100 Jahren aussieht, weiß niemand. Aber<br />

eines wissen wir: Wenn wir tatkräftig und<br />

kreativ arbeiten und die Chancen nutzen,<br />

die aus den Wünschen <strong>der</strong> Menschen und<br />

<strong>der</strong> technischen Entwicklung erwachsen,<br />

dann gehört uns die Zukunft.“ S<br />

I detta nu Bil<strong>der</strong> från en 100-årig industriplats<br />

I detta nu<br />

Bil<strong>der</strong> från en 100-årig industriplats<br />

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums<br />

des Werkes Ortviken ist das Buch<br />

I detta nu <strong>–</strong> bil<strong>der</strong> från en 100-årig<br />

industriplats erschienen <strong>–</strong> eine Bil<strong>der</strong>-<br />

Reise durch Vergangenheit, Gegenwart<br />

und Zukunft mit den Mitarbeitern im<br />

Mittelpunkt<br />

umstellung<br />

auf umweltdiesel<br />

<strong>SCA</strong> › info<br />

Die Transport- und logistiktochter <strong>der</strong> <strong>SCA</strong>,<br />

<strong>SCA</strong> Transforest, stellt in allen Tätigkeitsbereichen<br />

in Schweden auf umweltdiesel um<br />

SäMTlICHE DIESElTRuCKS, Zugmaschinen, Kräne und LKW<br />

von <strong>SCA</strong> Transforest in Umeå und Sundsvall werden von normalem<br />

Dieselkraftstoff auf synthetischen Diesel umstellen. Auch alle<br />

Transporte von und zu den Industrieanlagen in Sundsvall sowie<br />

in den Hafen Tunadal werden künftig mit synthetischem Diesel<br />

durchgeführt. Diese Umstellung macht <strong>SCA</strong> zu einem <strong>der</strong> größten<br />

Verbraucher von synthetischem Diesel in Europa. <strong>SCA</strong> schloss im<br />

August einen Zweijahresvertrag mit FramTidsbränslen AB über<br />

die Lieferung von rund 3,3 Millionen Liter synthetischem Dieselkraftstoff<br />

ab. „Dieses Geschäft bedeutet sehr viel, nicht nur für<br />

unser Unternehmen, son<strong>der</strong>n auch für Schweden, das nun seine<br />

Führungsposition auf dem Markt für synthetischen Dieselkraftstoff<br />

ausbaut“, sagt Bengt Aldén, Vorstand <strong>der</strong> FramTidsbränslen AB.<br />

„Starke Akteure und ein Markt, <strong>der</strong> synthetischen Diesel nachfragt,<br />

sind nötig, um die Weiterentwicklung des Kraftstoffs aus erneuerbaren<br />

Rohstoffen voranzutreiben.“<br />

Emissionsmin<strong>der</strong>ungen<br />

Jährlich führt <strong>SCA</strong> in <strong>der</strong> Region Sundsvall etwa 40 000 Transporte<br />

zwischen den Werken Östrand, Ortviken und dem Hafen in Tunadal<br />

durch. Der Übergang zu einem umweltfreundlicheren Treibstoff<br />

min<strong>der</strong>t die Kohlendioxidemissionen für diese Transporte um<br />

etwa zehn Prozent o<strong>der</strong> gut 400 Tonnen pro Jahr. Der Ausstoß<br />

von Partikeln und an<strong>der</strong>en gesundheitsschädigenden Stoffen sinkt<br />

um mindestens ein Drittel. „Mit dem Übergang zu Umweltdiesel<br />

möchten wir unseren Beitrag zur Umweltbelastung und unsere<br />

Emissionen in den Terminals und auf den Wegen weiter min<strong>der</strong>n.<br />

Die Entscheidung ist aber auch ein Teil unserer Bestrebungen,<br />

unsere Kohlendioxidemissionen im Sinne <strong>der</strong> übergreifenden<br />

Umweltziele <strong>der</strong> <strong>SCA</strong> zu senken“, erklärt Magnus Svensson, Geschäftsführer<br />

<strong>der</strong> <strong>SCA</strong> Transforest. „Kunden und Adressaten <strong>der</strong><br />

Produkte von <strong>SCA</strong> stellen stetig höhere Anfor<strong>der</strong>ungen, nicht nur<br />

bezüglich pünktlicher und unbeschädigter Lieferungen. Ihnen ist<br />

auch wichtig, dass die Produkte frei von Staub und Partikeln sind.<br />

Dies gilt vor allem für Lieferungen an Lebensmittel­, Hygiene­ und<br />

medizintechnische Unternehmen.“<br />

Erntereste bald Rohstoff<br />

Synthetischer Diesel (GTL­Diesel) ist ein geruchsneutraler Paraffintreibstoff,<br />

<strong>der</strong> aus Naturgas hergestellt wird. Tests zufolge sinkt<br />

<strong>der</strong> Treibstoffverbrauch bei <strong>der</strong> Verwendung von GTL­Diesel.<br />

Derzeit wird die Herstellung von synthetischem Diesel durch die<br />

Vergasung von Biomasse, zum Beispiel von Ernteresten, erforscht.<br />

So hergestellter, völlig klimaneutraler Treibstoff (BTL­Diesel) wird<br />

in einigen Jahren auf dem Markt erhältlich sein.<br />

S<br />

sca papergram no › 27<br />

3 2008


Im Riesenelch stehen in drei Stockwerken Tagungsräume, Restaurant,<br />

Konzertsaal und Ausstellungsräume zur Verfügung<br />

Der größte Elch <strong>der</strong> Welt<br />

Wer bei <strong>der</strong> Elchjagd kein Glück hatte,<br />

<strong>der</strong> kann bald einem künstlichen Elch im Wald begegnen.<br />

Auf einem Berg vor den Toren <strong>der</strong> nordschwedischen<br />

Stadt Skellefteå soll sich ein 4 Meter hohes Wahrzeichen<br />

über die Baumwipfel erheben<br />

von Henrik Emilson foto Svansele Vildmarkcenter<br />

iSt daS ein rieSenGorilla wie im<br />

Film King Kong, ein Riesenhai wie im<br />

Weißen Hai o<strong>der</strong> gar eine garstige Echse<br />

wie in Godzilla? Nein, <strong>der</strong> 45 Meter hohe<br />

Elch in Nordschwedens Wäl<strong>der</strong>n ist keine<br />

Rache <strong>der</strong> Natur am Menschen. Jäger und<br />

Armee müssen auch nicht einschreiten,<br />

denn <strong>der</strong> Elch ist aus Sperrholz und Stahl.<br />

Und außerdem gibt es ihn zurzeit noch gar<br />

nicht wirklich.<br />

Anziehendes Tier<br />

Aber beginnen wir ganz von vorn: Vor<br />

etwa zehn Jahren hatte <strong>der</strong> Unternehmer<br />

Thorbjörn Holmlund eine Eingebung.<br />

Dem Betreiber eines Natur­ und Abenteuerzentrums,<br />

das unter an<strong>der</strong>em Elchsafaris<br />

28 sca papergram no 3 › 2008<br />

anbietet, war in Gesprächen mit Besuchern<br />

die großen Anziehungskraft des Elchs auf<br />

den Menschen klar geworden. In ihm reifte<br />

<strong>der</strong> Gedanke, den größten Elch <strong>der</strong> Welt<br />

zu bauen. Zunächst wollte er diesen Elch<br />

an einer <strong>der</strong> größeren Landstraßen Nordschwedens<br />

platzieren, aber ein Besuch auf<br />

dem Berg Vithatten stimmte ihn um. „Einmal<br />

kam eine Besuchergruppe mit einem<br />

Hubschrauber, den ich für eine Stunde<br />

ausleihen durfte. Ich machte einen Ausflug<br />

zum Vithatten. Der Hubschrauber hielt<br />

etwa 45 Meter über <strong>der</strong> Bergspitze an. Das<br />

Wetter war klar, und es war all das zu sehen,<br />

was man sich von <strong>der</strong> Natur in diesem Teil<br />

<strong>der</strong> Welt wünschen kann: die Gebirgskette,<br />

das Meer, Städte, Dörfer, <strong>der</strong> Wald, Seen,<br />

Flüsse, Moore <strong>–</strong> und noch unendlich viel<br />

mehr“, sagt Thorbjörn Holmlund.<br />

Tagungen mit Aussicht<br />

Damit war <strong>der</strong> Standort des Elches ebenso<br />

klar wie seine Höhe von 45 Metern. Es<br />

folgten Jahre des Zeichnens und <strong>der</strong> Behördengänge.<br />

Ein Eröffnungsdatum steht<br />

noch immer nicht fest. Aber die Pläne<br />

zeigen einen Elch mit drei Stockwerken<br />

auf einer Fläche von insgesamt 1000 Quadratmetern.<br />

Hier sind ein Tagungshotel,<br />

ein Konzertsaal, ein Restaurant und Ausstellungsräume<br />

geplant. In <strong>der</strong> Krone des<br />

Elchs entstehen ein Biergarten und ein<br />

Aussichtsplatz. Das Riesentier, mit einem<br />

Wi<strong>der</strong>rist in 35 Metern Höhe, knabbert<br />

laut Plan an einer Kiefer. In dem Baum ist<br />

<strong>der</strong> Aufzug zum Eingang untergebracht<br />

<strong>–</strong> im Maul des Elchs.<br />

Der Holz­Elch soll laut seinen Schöpfern<br />

das Interesse an Wald, Seen und Gewässer<br />

anregen, aber auch zeigen, was man<br />

alles aus Holz bauen kann.<br />

Eines ist sicher: Das Eishotel in Jukkasjärvi<br />

bekommt Konkurrenz.<br />

Mehr Information: www.storalgen.se<br />

S

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