Standtafeln im Digitalposterdruck - Bitter & Co. Werbeagentur Gmbh

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Standtafeln im Digitalposterdruck - Bitter & Co. Werbeagentur Gmbh

»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 1

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Der Kapitelplatz auf einem Foto von 1902: Zwischen dem

Amtsrichterhaus (vorne links) und dem Amtsgericht (Bildmitte)

stand – etwas eingerückt gartenseitig – bis 1899 das

ehemalige »Kapitelhaus« als Dienstsitz des 1699 von Wildes -

hausen nach Vechta übergesiedelten »Alexander kapitels«.

Der Begriff »Kapitel« meint hier die geistlich- katholische

Körperschaft rund um die Arm-Reliquiare des heiligen Alexander,

die noch heute zum »Domschatz« der Pfarrkirche

Sankt Georg gehören. Das »Alexanderkapitel« konnte in

Vechta nie wieder zur alten Wildeshauser Größe und Bedeutung

auf schlie ßen und löste sich im 19. Jahrhundert auf. Der

alte Name indes ist bis zum heutigen Tage geblieben.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Engelbert Hasenkamp. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck

und Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Das »Kapitelhaus« wurde 1713 auf dem Abbruchgelände der ehemaligen Burg erbaut; davor

befand sich eine freie Fläche, eben der »Kapitelplatz«. Alexander Wilhelm Driver errichtete

auf der nördlichen Seite 1711 das spätere Amtshaus, das von 1956 bis 2000 als Rathaus

diente und seitdem u.a. die Heimatbibliothek und die Tourist-Information beherbergt.

Die Bildmitte des Fotos wird von der Fassade des alten Justizgebäudes dominiert, das 1859

als selbstständiges Amtsgericht eröffnete. Dieser eigentümlich interessante Bau mit Rundbogenfenstern,

Erker und Spitztürmchen lässt keinen definierten Baustil erkennen. Das

Gebäude musste 1956 dem Neubau des Kreisamtes weichen.

Auf der rechten Bildseite trennt eine hohe Backsteinmauer mit rundbogenartigen Nischen

die Straße vom ehema ligen Klostergarten. Sie wurde im Volksmund auch »Klagemauer«

genannt und 1952 abgebrochen, als auf dem jetzt der Justiz gehörenden Terrain das neue

Amtsgericht entstand.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 2

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Aufbauschule/Lehrerseminar (Foto von 1914). Das

imposante Gebäude des früheren »Oldenburgisch-Großherzöglichen

Lehrerseminars« stand an der Marienstraße und

wurde für den Bau der Kinderklinik 1971 abgerissen. Seit

1922 diente es als gymnasiale Aufbauschule, nach dem Zweiten

Weltkrieg als Mittel- bzw. Realschule. Zwischenzeitlich waren

ein Lazarett und das Flüchtlingskrankenhaus »St. Georg-

Stift« hier untergebracht. Vorne rechts ging es in die Willohstraße,

links – direkt an der Kopflinden allee – steht nach wie

vor das evangelische Pfarrhaus. Im Hintergrund schimmern

die überschwemmten Moorbachwiesen, die bis in die 60er

Jahre hinein zur Winterzeit als riesige Eisflächen eine echte

Vechtaer Attraktion darstellten.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Rudolf Reinhardt. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck

und Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Es gibt in Vechta kaum ein historisches Bauwerk, das die Bürger über mehrere Generationen

hinweg in einer derartigen Nutzungsvielfalt erlebt haben. Der stilvolle Komplex mit dem

säulengestützten Vordach zitierte architektonisch den Glanz einer längst vergangenen

Epoche und stärkte den Bürgerstolz. Folglich wurde der Abbruch sehr bedauert. Der

gerettete Neobarock-Portalstein mit den Initialen des Großherzogs Friedrich August (»FA

1912«) befindet sich inzwischen in der Südmauer eines Innenhofes der heutigen Hochschule.

Tiefe Erinnerungen ranken sich um das menschliche Geschehen in den geschichtlichen

Mauern; Schüler, Studenten, Lehrer, verwundete Soldaten, kranke Flüchtlinge, Ärzte und

Krankenschwestern haben hier nicht nur schöne Zeiten erlebt. Ein schicksalhafter Tiefpunkt

geht auf das Jahr 1942 zurück, als eine Fliegerbombe den Südflügel zerstörte und der stilgerechte

Wiederaufbau sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Ein erleichtertes Aufatmen ging

damals durch die Bevölkerung, als sich das vierteilige historische Bauensemble an der


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 3

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Blick in die »Kleine Kirchstraße« Richtung Norden:

Das Fotos zeigt die Ansicht der Westseite der Kleinen Kirchstraße

um 1950. Die Kinder im Vordergrund rechts stehen am

Zaun des Schulplatzes der 1900 errichteten »Roten Schule«

vor der Klosterkirche. Der zweistöckige Holzbau gehörte zum

Bereich der Justizvollzugsanstalt und diente als Werkstatt.

Von 1945 bis 1947 unterhielt hier die Stadt Vechta eine

»Volksküche«, in der vor allem für die vielen Vertriebenen

und Evakuierten ohne eigenen Haushalt warme Mahlzeiten

gegen geringes Entgelt ausgegeben wurden. Der Holzbau

wurde 1957 abgerissen und danach eine neue Gefängnismauer

errichtet.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

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Text auf dieser Tafel besorgte Franz Hellbernd. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck und

Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

In etwa dort, wo auf dem Foto die Kinder spielen, verläuft seit Ende der 50er Jahre die neue

Gefängnismauer und umschließt damit ein altes Vechtaer Innenstadtareal, auf dem noch bis

1880 mehrere Bürgerhäuser standen. Diese Häuser bildeten in ihrer Gemeinschaft einen sogenannten

»Drubbel«, will heißen: eine Ansammlung von Häusern, die ringsum von Straßen

umgeben und durch die inzwischen längst verschwundene Klosterstraße erschlossen war.

Die Häuser wurden von der Justizverwaltung aufgekauft und abgebrochen. Auf dem einstigen

Drubbel entstand 1882/1883 der große Zellenbau des alten Vechtaer Gefängnisses, das

heute von der »Niedersächsischen Justizvollzugsanstalt für Frauen« genutzt wird.

Das Vechtaer Gefängnis nahm 1816 seinen Dienst in den Gebäuden des ehemaligen Franziskanerklosters

auf, das 1812 in der französischen Besatzungszeit des Landes Oldenburg

als Kloster aufgehoben wurde. Nach Napoleons Niederlage fiel der Besitz wieder an das

Großherzogtum Oldenburg zurück, das hier ein Zuchthaus einrichtete.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 4

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Kleine Kirchstraße, westlicher Teil: Dieses Bild aus den

50er Jahren zeigt vorne rechts das Haus Fortmann, dahinter

das zweistöckige ehemalige Schul- und Pensionatsgebäude

der »Schwestern Unserer Lieben Frau« (erbaut um 1880,

später Lehrerdienstwohnung, Abriss 1966). In der Bildmitte

vor der Kirche sieht man den Giebel der von 1900 bis 1966

als »Rote Schule« bekannten Volksschule mit dem Pausenhof

davor (heute »Fran zis ka ner platz«). Dahinter ragt die barocke

Fassade der 1727–31 erbauten Franziskaner- Klosterkirche

hervor. Die Kleine Kirchstraße mit ihren typischen Altstadthäusern

gehörte zum »Klapphakenviertel« und zählt zu den

ältesten Vechtaer Straßen.

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Der »Tanz unter dem Pfingstkranz« – ein alter Brauch der festgefügten Vechtaer Nachbarschaften,

auch »Pfingsten« genannt – fand am ersten Festtag nach der Jahresversammlung

aller Nachbarn statt. Unter großem Beifall wurde der blumengeschmückte Bogenkranz zwischen

zwei Häusern befestigt, hier zwischen Kaiser und Fortmann (rechts). Begeistert nahmen

vorwiegend die Kinder und Jugendlichen daran teil, abends auch Erwachsene. Man

tanzte nach altbekannten Liedern, die ein Vorsänger anstimmte, im Kreis herum.

Diese alte Straßensitte hielt sich zuweilen bis in die 80er Jahre hinein; manche Freundschaft,

sowohl bei den Kleinen als auch bei den Großen, kam dabei zustande. Viele, vor allem ältere

Bürger der Stadt erinnern sich gern und gut an diese freudigen Ereignisse ihrer Jugendzeit.

Womöglich erkennt sich sogar jemand wieder – als langgezopftes Mädchen im

bunten Kleid oder als Junge im schicken Matrosenanzug. Die Pfingstkranz-Tanzlieder von

einst sind teils heute noch bekannt und werden bei passender Gelegenheit gesungen: »Peter

zieh den Brautrock an«, »Ein Bauer fuhr ins Holz« oder »Guter Freund, ich frage dich«.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 5

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Große Kirchstraße um 1950. Das Bild zeigt den Anfang

der heutigen Großen Straße bis zur Kreuzung »Klapphaken/Marienstraße«.

Die Brücke mit dem Steingeländer markiert

das Münstertor, sie überquert den »neuen« Moorbach,

der nach 1685 für die Zitadelle angelegt wurde. In auffallender,

doppelstöckiger Bauweise stellt sich links vorne die

alte Gaststätte »Münsterländer Hof« dar. Der dazugehörige

Stall steht ihr rechts gegenüber (heute Wohnhausneubau).

Die eingeschossigen Häuser vermitteln mit ihren verbretterten

Spitzgiebeln oder Krüppelwalmdächern einen typischen

Eindruck von Alt-Vechta. Hinten in der Bildmitte erkennt man

den Giebel des Hauses von Rechtsanwalt Höffmann (Abriss

1987). Hier ging und geht es links ab in den »Klapphaken«.

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Dieses Foto aus den 50er Jahren drückt in gelungener Art und Weise die beschauliche Atmosphäre

von Alt-Vechta aus: keine Hektik, keine hastenden Fußgänger, kaum Autoverkehr.

Nur Pferdefuhrwerke holpern über das unebene Grobsteinpflaster. Die zwei Kutscher grüßen

sich scheinbar gerade mit einem fröhlich-ungezwungenen »Moin!«.

Die Fuhrleute damals mögen zur Ruhepause ihre Pferde kurz ausgespannt und ihnen dann

im Stall (rechts im Bild) das verdiente Futter verabreicht haben. Die Zeit anschließend reichte

für ein Glas Bier nebst »Schluck« im Gasthof (links im Bild). Wie freuten sich die Schuljungen,

wenn sie mitfahren durften, wenn sie hinten auf die Wagenbretter sprangen und die

Beine baumeln ließen oder der Kutscher ihnen zum Lenken die Zügel an die Hand gab.

Welch’ geruhsame Zeit! Die Menschen sprachen überwiegend Plattdeutsch und lebten nach

dem bewährten Motto »Nich jaogen un nich drieven, immer man schön sinnig blieven« (=

»Nicht jagen und nicht treiben, immer schön ruhig bleiben«).


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 6

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Caesars Pappel (Bahnhofstraße um 1915): Die alles

überragende Pfarr kirche St. Georg mit ihrem Barock-Zwiebelturm

prägt den Bildausschnitt. Sie steht leicht versetzt an der

damaligen Großen Kirchstraße, wie auch links davon das

Grewingsche Haus (später Elektro-Schumacher). Das gilt ebenso

für die Amtskasse daneben als Eckgebäude mit Garten

(zuletzt Polizeiunterkunft). Der Abriss erfolgte 1963, um die

Bahnhofstraße erweitern zu können. Im Hintergrund sind

Häuser der heutigen Straße »An der Propstei« erkennbar. Das

Eckgebäude rechts mit dem Spitzgiebel diente dem Kaufmann

Gottfried Caesar als Geschäfts- und Gasthaus. Heute befinden

sich an dieser Stelle die Bäckerei gr. Osterhues und das

Geschäftshaus Krapp (Morthorst).

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Über Jahrzehnte hinweg galt »Caesars Pappel« (vorne rechts im Garten des Gasthofes) als

Naturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt Vechta. Der berühmte Baum mit seinen immerhin

33 Metern Höhe und sechs Metern Umfang bot einen Blickfang, der sich heute kaum

mehr erahnen lässt. 1922 dauerte es mehrere Tage, um den damals 90 Jahre alten Stamm zu

fällen – er musste dem Neubau von Dr. Kokenge weichen (heute Praxis Dr. Lodde).

Die Augenzeugen der Baumfällerei schauten seinerzeit mit ernster Miene drein, denn der

urige Riese genoss hohes Ansehen und war den Vechtaern generell äußerst sympathisch.

Gern wählte man die riesige Pappel als malerische Kulisse für ein Personenbild (vgl. Foto).

Den Bahnreisenden entbot der knorrige Stamm entweder einen Willkommens- oder Abschiedsgruß

der Stadt Vechta, die sich hier in üppig-grüner Idylle darstellt und zu der Überzeugung

Anlass gibt: »Nord und Süd, de Welt is wiet, Ost un West, in Vechte is best!« (=

»Norden und Süden, die Welt ist weit, Ost und West, in Vechta ist’s am besten«).


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 7

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Altes Gymnasium an der Bahnhofstraße: Das alte

Gymnasium wurde 1846 direkt gegenüber vom Offizialats -

gebäude errichtet und galt von seiner Architektur her –

genau wie das Offizialat – als typischer Vertreter des so -

genannten »Oldenburger Klassizismus«. In den 30er Jahren

zog der Schulbetrieb in den damaligen Neubau an der

Willohstraße um. 1946 fand die »Pädagogische Hochschule«

hier ihr erstes Unterkommen. Im Sommer 1966 wurde die

»alte Penne« endgültig abgerissen. Ihre ursprüngliche, über

dem Mittelbogenfenster in Stein gehauene Zweckbestimmung

»Iu ven tu ti instituendae« (= der Erziehung der Jugend)

findet sich noch heute als Zitat über dem Eingang zum

Gymnasium Antonianum.

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Den Abriss der »alten Penne« im Jahre 1966 fanden die Vechtaer äußerst bedauerlich, verlor

man doch ein nicht nur bauhistorisch wertvolles Kleinod, sondern das als »Studentenschule«

bekannte und tief respektierte »Großherzogl. Oldenbg. Katholische Gymnasium«. Das Lehrer

kollegium bestand von Anfang an aus offenbar hoch qualifizierten Fachleuten. 1904 etwa

hatten immerhin 14 Lehrer den Titel eines Gymnasialprofessors bzw. den Doktorgrad inne.

Zu feierlichen Anlässen trug man den würdevollen Zylinder mit dunklem Gehrock und

erweck te – durchaus gewollt – den Eindruck gefestigten Bildungsbürgertums.

Doch auch von den einstigen Schülern wurde mancher eine bedeutende Persönlichkeit. Zur

Abiturientia 1896 beispielsweise gehörte Clemens August Graf von Galen aus Dink lage, der

als Mitglied der Gymnasialkapelle allein wegen seiner überdurchschnittlichen Körpergröße

stadtbekannt war. In den 30er und 40er Jahren fand der einstige Antonianer als Bischof von

Münster deutliche und folgenschwere Worte gegen das NS-Regime und seine Kirchen- und

Rassenpolitik. 1946 wurde Galen von Papst Pius XII. in den Kardinalstand erhoben.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 8

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Offizialat (Bahnhofstraße um 1910): Rechts dominiert

im Stil des »Oldenburger Klassizismus« der Bau des Bischöflich-Münsterschen

Offizialates von 1831, zuständig als kirchliche

Oberbehörde für die katholischen Einwohner des Olden -

burger Landes. Bis heute ist das denkmalgeschützte bauliche

Schmuckstück fast unverändert. Das kleine Anwesen links ist

als Hauskapelle mit gehobener sakraler Ausstattung eingerichtet.

Hinter dem Holzzaun breitet sich eine parkähnliche

Gartenanlage aus. Durch die linke Baumreihe erkennt man

noch das historische Gebäude des alten Gymnasiums Antonia

num von 1845 (Abriss 1966).

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Das gesamte Gebiet westlich der Kolpingstraße gehörte früher zum Areal der ehemaligen

Vechtaer Zitadelle, einer mächtigen Festungsanlage mit fünf Bastionen, die kurz nach dem

30jährigen Krieg 1666 gebaut und nur hundert Jahre später wieder geschleift wurde.

Die nach dem Bau des Vechtaer Bahnhofs von 1885 angelegte Lindenallee reicht noch heute

von den Gleisanlagen bis zum Zitadellenplatz. Zu beiden Seiten verlief damals ein Fuhrweg

für Kutschen und Rollwagen. Die herrliche Lindenallee mit ihren hochragenden Kronen

war bei den Bürgern äußerst beliebt. In ihren Schatten flanierte man gern. Kofferschleppende

Reisende oder rucksackbeladene Soldaten empfanden den Weg als wohltuendes

Entree in die Stadt. Als die Allee 1958 bis zu den Bahngleisen gefällt wurde, gab es

lautstarke Missfallensbekundungen, galt sie doch als eine würdige und sehr bürgerfreundliche

Zuwegung sowie als Markenzeichen einer naturbedachten Stadtplanung früherer Zeiten.

Als Ersatz sind inzwischen Platanen gesetzt worden (um 1970).


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 9

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Große Kirchstraße vor dem Alten Markt: Das mächtige

dreistöckige Gebäude (links) mit seiner klassizistischen

Fassade prägte über fast acht Jahrzehnte hinweg diesen

Abschnitt der Großen Straße. Der Bau enstand als »Centralhotel

Busse«, wurde 1902 als St. Josephs-Konvikt ein Oberstufenschüler-Internat

des Dominikaner-Gymnasiums (im

Volksmund »Paterkasten«) und beherbergte später den Albertus-Magnus-Verlag,

in dem auch Pater Titus M. Horten wirkte.

In der Kriegs- und Nachkriegszeit hatten die Behörden des

»Reichsnährstandes« ihre speziellen Aufgaben darin wahrzunehmen.

Später nutzten Landwirtschaftsschule und Rotes

Kreuz den stolzen Bau, der 1974 abgerissen wurde.

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Neben der beeindruckenden Fassade des »St.-Joseph-Konvikts« (im Volksmund auch »Pater -

kasten« oder später einfach »Reichsnährstand« geannt) erkennt man auf dem Foto die Brücke

über den Moorbach mit der alten Wasserpumpe für die Feuerwehr. Heute ist der Moorbach

verrohrt und wird symbolisch dargestellt durch den Stufenbrunnen und seinen breiten Abfluss

zum Kaponier. Die Gebäude anschließend sind »Melchers Stall« (zum Hotel gegenüber

gehörig), das Haus Seiffert (später »Café Maassen« bzw. »Central-Café«) und das Geschäfts -

haus Schewe mit den zwei verzierten Eckgiebeln. Daneben stand das spitzgiebelige alte Rathaus

von 1867 (nicht im Bild). Diese Häuserzeile gegenüber vom Alten Markt wurde wegen

der Anlage des neuen Brunnenplatzes in den 70er Jahren abgerissen.

Das »Central-Café« war ein beliebtes Lokal, wo man sich von der urigen »Stadtmutti« Maassen

gern verwöhnen ließ. Hinter dem Strauchwerk rechts lag früher die »Münsterländische

Bank«, jetzt »Oldenburgische Landesbank« (Neubau 1991/92). An dieser Stelle begann früher

die »Große Kirchstraße« mit der Nummer eins in Richtung Süden bis zum Münstertor.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 10

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Melchers (Alter Markt): Der »Alte Markt« gilt als Ursprung

der Stadt Vechta. Hier, an der Kreuzung der mittel -

alterlichen »Rheinischen Heerstraße« mit der sumpfigen

Moorbachniederung, entstanden die ersten Ansiedlungen von

Fuhrleuten, Händlern, Handwerkern und Krugwirten. Auf

diesem Foto aus den 20er Jahren dominiert auf der linken

Seite das seit 1648 nachgewiesene »Hotel zu den drei Kronen«

(auf dem Foto der Neubau von 1912). In der Häuserzeile

rechts erkennt man (v. r. n. l.) die »Buch-und Kunsthandlung

St. Georg«, das alte Vechtaer Rathaus, das Kaufhaus

Schewe und das »Central-Café« sowie in der Bildmitte

hinten das Dominikaner-Konvikt und das Haus Menke.

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Die Hotelbesitzerfamilie Melchers ist seit 1715 in Vechta ansässig. Das Hotel wurde zuletzt

1912 umgebaut und soll schon im 30jährigen Kriege den Schweden als Kasino gedient

haben. Der Name »Drei Kronen« erinnert an die hl. drei Könige als Schutzpatrone der

Reisenden. Äußerst beliebt und regional bekannt war der 1967 verstorbene Gastwirt Theo

Melchers, der das Hotel 1913 übernahm. Theo Melchers galt als echtes Vechtaer Original;

sein bemerkenswerter »Gastführer« aus dem Jahre 1933 vermittelte erstmals Wissens wertes

und Informationen über die Stadt Vechta.

Der Alte Markt hat sein äußeres Gesicht durch bauliche Umgestaltung, Bepflanzung oder

Pflasterung mehrfach verändert. Eines jedoch blieb: Hier fanden früher die Vechtaer Volksfeste,

Wochenmärkte, Kundgebungen,Vereins-und Gruppentreffen, Konzerte und Begegnun -

gen statt. Bei der letzten Sanierung (2000) wurden die beiden durch die Große Straße

getrennten Plätze Neuer und Alter Markt mit einheitlichen Großpflastersteinen auch optisch

miteinander verbunden.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 11

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Die Große Straße von 1914. Auffallend ist die streng

gerade und ungewöhnlich breite Linienführung ab Einmündung

Kronenstraße (links) zwischen der Schlachterei Janssen

und dem Geschäftshaus Brand mit seinem prachtvollen Erker

(heute Schroer). Die nächsten Häuser gehörten dem Radio -

geschäft O. Zuske, der Buchhandlung Konerding und der

Firma Fortmann-Böls. An der Ostseite stehen das Kolonial -

warengeschäft Jos. Thöle (später verbunden mit dem Nachbarn

Kaufhaus Hinrichsmeyer), die Schlachterei Löhr, die

Sattlerei Nagel und die Drogerie Kamps-Zessak. Vor dem folgenden

Gebäude der Bäckerei Fortmann liegt der Eingang

zur Juttastraße. Die schmuckvollen Fassaden mit den markanten

Giebeln prägten das gehobene Erscheinungsbild der

seit jeher als Geschäftszentrum geltenden Hauptstraße.

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Dieses Foto spiegelt die Ruhe und Behaglichkeit der oft zitierten »guten alten Zeit« wider.

So war die Große Straße damals offenbar eine gemütliche Geschäftsmeile und galt als Ort

der Begegnung. Hier ging man spazieren, kaufte ein, traf sich und sprach miteinander. Jeder

kannte jeden, man grüßte zünftig mit einem »Moin!« oder »Haol di munter!« (= »Munter

bleiben!«). Im Prinzip ist das bis heute so. Nur fahren deutlich mehr Autos über die Straße…

Bei Vechtaer Festumzügen wurde und wird die Große Straße bevorzugt eingeplant. Mit

Musik und fröhlichen Menschen ist sie dann eine Straße der Freude. Früher war sie genauso

oft eine Straße der Trauer – etwa wenn bei Beerdigungen der lange Trauerzug den Sarg vom

Sterbehaus zum Friedhof begleitete. In einem dichterischen Monolog sagt die Große Straße über

sich: »Ich habe die schönen Stunden gezählt,/ die Menschen bei mir sich haben erwählt. / Was

war das eine idyllische Zeit,/ kein Hasten, kein Auto weit und breit./ In meinen Armen die

Kinder spielten/ und all die Menschen, die sich vergnügten./ Das Trampeln der Pferde – / ich

höre es noch. / Die Linden, die blühten, / nach Honig es roch.«


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 12

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Wieting (Große Straße in Richtung Bremer Tor): Das

Foto zeigt den im Volksmund als »Bermuda-Dreieck«

bekannten nördlichen Teil der »Großen Straße«. Auf der

linken Seite erkennt man die Westseiten der Vechtaer Hotels

»Lameyer« (1829–1919) und »Ellendorf« (1920–1972). Es

folgten die Häuser von Auktionator Brö ring, Dr. Ing. Oldiges,

Regierungssekretär Bosche sowie Zumpolles »Oldenburger

Hof« (1829–1888, ab 1906 »Schäfers Hotel«). Auf der Ostseite

befanden sich der Uhrmacher Hollje (heute »Weiss«),

das »Kaiserliche Postamt«, Möbel Holtvogt, Wietings Restaurant

(1825–1967), Südbeck (von 1903–1968 »Manufakturen

Börgerding«) sowie die Klempnerei Timmermann.

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Welche Gedanken mögen den Hotelier Franz Lameyer 1903 bewegt haben, als er als erster

Vechtaer mit seinem Automobil an den vor seinem Haus stehenden Pferdekutschen vorbei

fuhr? Empfand er das kleine Ackerbürgerstädtchen als zu provinziell? Egal – die Besucher

der Gaststätten von »Zumpolle« (1865–1905) und »Wieting« (1905–1967) werden Lamey -

ers Motordroschke gehörig diskutiert haben. Immerhin tagte hier wöchentlich die Börse, ein

Stammtisch honoriger Bürger der Stadt.

Wietings Gaststätte indes war auch bei der arbeitenden Bevölkerung sehr beliebt. Eine

weitere Gaststätte stand dort, wo sich noch heute das »Kaiserliche Postamt« befindet; sie

wurde geführt von dem Hutmacher Vieson. Nach seinem Tod kaufte eine Gesellschaft das

Haus auf und errichtete hier den Neubau für die Post.

1924 ging das Gebäude an die damalige Reichspost über, die es erweiterte. Das »Möbelhaus

Holtvogt« übergab die Leitung des Unternehmens 1949 an Clemens Nemann sen.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 13

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Bremer Tor (Foto von 1936): Links auf dem Bild erkennt

man im Anschnitt den Erker des Fachwerkhauses von Friseur

Bruno Schöne sowie das Herren-Spezial-Geschäft von Josef

Scheele. Die Einmündung in die Bremer Straße zierte das

Feinkostgeschäft Sturm. Darauf folgen die Häuser Mählmann

und Debring, der an dieser Stelle die erste Autowerkstatt in

Vechta eröffnete. Gegenüber standen – auf dem Bild durch

Bäume verdeckt – die Häuser von Professor Rieland und Tierarzt

Dr. Dorfmüller. Das in den 30er Jahren des 20. Jahrhun -

derts umgebaute Eckhaus an der Einmündung in die Füch teler

Straße diente als Wohnung des Architekten Meurer.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Heinz Aumann. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck und

Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Mit insgesamt fünf einmündenden Straßen war und ist das Bremer Tor ein wichtiges Verkehrskreuz

Vechtas. Hier laufen die zuvor gebündelten Vehrkehrsströme strahlenförmig auf

die Geest auseinander.

Das Bremer Tor befand sich bis in das 17. Jahrhundert hinein wesentlich weiter südlich und

wurde erst nach dem Brand von 1684 hierhin versetzt. Nach einer Grundrissskizze von 1578

darf man annehmen, dass dieses Tor früher tatsächlich aus einem gemauerten Turm mit Stufengiebel

bestand. Am Anfang der Bremer Straße stand lange Zeit ein Schlagbaum, der den

Verkehrsweg absperrte und nur gegen Zahlung einer Benutzungsgebühr freigab.

Vom alten Bremer Tor ist bis auf den Namen eigentlich nichts mehr geblieben. Wo früher

schlichte Bürgerhäuser mit Vorgärten standen, wird heute das Straßenbild von einer moderneren

Bebauung der frühen 70er Jahren bestimmt.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 14

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Falkenrotter Straße/Bremer Tor: Besucher der Stadt, die

aus dem Westen kamen, gelangten durch eine Allee, dem östlichen

Ende der Falkenrotter Straße, zum Bremer Tor. Ihr

Blick fiel dabei zunächst auf das im Hintergrund stehende

Gebäude des Tierarztes Dr. Dorfmüller. Seitlich der Straße

stand auf einer leichten Erhöhung die Gaststätte Lameyer. Die

Gaststätte ging später über an Witten und wurde zuletzt von

Rump geführt. Daran anschließend erkennt man das Eckhaus

des Christel Sturm. Hinter den Bäumen an der gegenüber

liegenden Seite befand sich die Gärtnerei Knagge. Die Bäume

stehen übrigens am Ufer des ehemaligen Stadtgrabens.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Heinz Aumann. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck und

Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Die Falkenrotter Straße führt vom Bremer Tor aus in Richtung Nordwesten nach Daren

bzw. Bakum. Der eigentümliche Name stammt vom früheren Gut »Falkenrott«, das in dieser

Gegend lag. Die Bebauung des oben gezeigten ersten Abschnitts begann erst um 1850. Die

Falkenrotter ist damit eine der eher jüngeren Straßen rund um den alten Vechtaer Ortskern.

Bis zum Bahnübergang (von hier aus rund 1 km in Richtung Nordwesten) führt der Weg an

teils bemerkenswerten Bürgervilla-Architekturen vorbei zur Bahnkreuzung, an der bis 1969

sogar ein eigener Bahnhof namens »Falkenrott« unterhalten wurde. Vom Gelände dieses

Bahnhofs aus bis etwa zu dem oben abgebildeten Foto reichte das ehemalige »Gut Falkenrott«.

Zu seinen zahlreichen Besitzern gehörte um 1640 auch der sagenhafte kaiserliche Rittmeister

und Oberst Lambert Sprengepiel, dessen Erben es 1664 an den Richter Buchholz

verkauften. Später wurde der einstmals erstaunlich große Besitz in viele kleine Parzellen aufgeteilt,

nachdem bereits ein großer Teil zum Bau der städtischen Befestigung und Zitadelle

requiriert worden war.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 15

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Hermanns Brauerei. Dieses Postkartenfoto von 1905 zeigt

»Hermanns Bierbrauerei« mit Wohnhaus und vierstöckigem

Betriebsgebäude auf dem Gelände, wo sich heute der Volksbankkomplex

befindet. Die Firma wurde 1850 von Hermann

Moorkramer gegründet und kam 1870 in den Besitz von

Heinrich Hermanns, der die Brauerei ständig erweiterte und

mit dem Stadtwappen auf seinen Bierflaschen bemerkenswerten

Lokalpatriotismus bewies. Das Elektrizitätswerk der

Firma versorgte einen Teil der Stadt mit Energie und lieferte

den Strom für die erste Straßenbeleuchtung in Vechta. Die

herrschaftliche Villa war damals zweifellos das attraktivste

Gebäude der Stadt. Es hatte die Telefonnummer eins und besaß

– so der Volksmund – das erste WC in Vechta.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Franz Hellbernd. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck und

Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Der Heimathistoriker Karl Willoh schrieb vor hundert Jahren: »In alten Zeiten kannte man

hier nur das in der Stadt in verschiedenen Häusern gebraute Vechtaer Bier. 1776 lebten fünf

Bierbrauer in Vechta!« Wer mehr Geld anlegen wollte oder das einheimische Gebräu als zu

dünnen Trank verschmähte, trank Bremer oder ein anderes auswärtiges Bier.

Hermanns Vorgänger Schaeven braute um 1860 als erster in Vechta das länger haltbare und

höherprozentige Lager-Bockbier. Hermanns selbst übernahm 1870 diese Art der Produktion.

Sein Bier wurde von Bierkutschern in Fässern zu den einzelnen Gasthäusern geliefert. Für

die Kühlung in den Schenken bot der findige Unternehmer große Eisblöcke an, die im Winter

vor der Wassermühle »geerntet« und im firmeneigenen, mit Torf isolierten Eiskeller

gelagert wurden. 1923 übernahm die Bremer Haake-Beck Hermanns Brauerei als Niederlassung,

die 1976 in das neue Industriegebiet Vechta verlegt und später auf mehrere Betriebe

dezentralisiert wurde. Die Villa wurde 1935 von Dr. med. Timphus erworben und 1977

samt Fabrik abgebrochen.


»VECHTA · GESTERN UND HEUTE« · TAFEL NR. 16

VECHTA

GESTERN UND HEUTE

Die Nepomukbrücke im Jahre 1908: Das Foto zeigt im

Mittelpunkt die damals sehr viel schmalere Moorbachbrücke

mit der 1737 errichteten Statue des Vechtaer Schutzpatrons

St. Nepomuk noch auf der östlichen Mauer (bis 1923). Hinter

dem Mauerwerk zweigt nach links die Straße »Am Kapitelplatz«

ab. Dahinter erhebt sich das kleine Gebäude der

früheren einklassigen Volksschule »An der Pastorei«. Der folgende

hohe Giebelbau ist ein Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt.

Das mittlere Gebäude mit der Dienstwohnung des

Strafanstaltsdirektors mußte der Erweiterung der Justizvollzugsanstalt

(JVA) weichen. Rechts hinter der Brücke, umrahmt

von hohen Bäumen, steht das Andreas-Romberg-Haus,

die Geburtstätte des berühmten Komponisten, daneben das

alte Pastorat.

Die Infotafelaktion »Vechta · Gestern und heute« ist ein Projekt der »Initiative Vechta/Verein für Stadtmarketing e.V«. und wurde gefördert mit Mitteln der

Landessparkasse zu Oldenburg. Wir danken der Heimatbibliothek Vechta für die hilfreiche Unterstützung in der Vorbereitungsphase. Den historisch-erklärenden

Text auf dieser Tafel besorgte Rudolf Reinhardt. Gestaltung, Redaktion, Satz, Scans: Bitter & Partner Werbeagentur, Vechta · Fertigung: Claus Almes Siebdruck

und Werbetechnik GmbH, Vechta. © Stadt Vechta, 2004 · Achtung: Diese Tafeln werden überwacht und womögliche Sachbeschädigungen strafrechtlich verfolgt!

Links erkennt man die im Volksmund als »Rattenschule« bekannte Volksschule (heute Arztpraxis

der JVA), ganz hinten sieht man das Gefängnis, dahinter – ebenfalls nachretuschiert

– die Spitze des Klosterkirchturms. Das Romberg-Geburtshaus und das Pastorat (rechter

Bildrand) wurden 1968 abgerissen und als Pfarramt St. Georg zu einem Gebäude vereint.

Die zwei Frauen auf dem Foto unterstreichen in ihrer stillvoller Tracht der Jahrhundertwende

den Eindruck ungekünstelter Brückenromantik. Ob ihnen bewusst war, dass man früher von

dort auf die alte Burg Vechta schaute?

Gegenüber von der Nepomukstatue erkennt man auf der Mauer eine Laterne, die nach alten

Brauch immer dann zum Gebet rief, wenn ein Vechtaer im Sterben lag. Ein altes Gedicht

umschreibt die Sitte so: »Dat dei hilge Mann üm helpe, stickt sei dor dei Kessen an, un well dor

dei Lucht süht brennen, bät dann för den kranken Mann.« (= »Damit Nepomuk ihm helfe, stecken

sie dort die Kerzen an, und wer dort ein Licht brennen sieht, betet für den kranken Mann«).

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